Hier finden Sie Texte und Hinweise rund um die Themen Natur, Naturschutz und Wissen über Natur.

Kräuterpfarrer Künzle: Habichtskraut ist…vorzüglich gegen Wassersucht”

Ich lese gerade wieder einmal in “Chrut und Uchrut” von Kräuterpfarrer Johann Künzle (1857 – 1945). Künzle ist neben Sebastian Kneipp im deutschsprachigen Raum wohl der bekannteste Kräuterpfarrer und in der Schweiz ein Pionier der Kräuterheilkunde.

Die kleine Broschüre “Chrut und Uchrut” erschien erstmals 1912 und ist interessant zu lesen. Aber es hat sich auch viel verändert in der Pflanzenheilkunde und deshalb sollte mal alte Texte nicht unbesehen übernehmen.

Da steht zu Beispiel:

“Habichtskraut ist auch ganz vorzüglich gegen Wassersucht und alle Urinansammlungen.”

Wie lässt sich eine solche Angabe überprüfen?

In den wissenschaftlichen Phytotherapie-Fachbüchern taucht Habichtskraut in der Regel nicht auf, und wenn doch, dann nur als Randnotiz.

Das Herbal Medicinal Product Committee (HMPC) der EU hat Habichtskraut mit Wurzel als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft. Basierend auf langjähriger Erfahrung kann Habichtskraut mit Wurzel deshalb zur Erhöhung der Harnmenge und damit zur Durchspülung der Harnwege unterstützend bei leichten Harnwegsbeschwerden eingesetzt werden.

Voraus­setzung für diese “traditional use”-Zulassung ist, dass die Pflanze oder pflanzliche Zubereitung mindestens 30 Jahre, davon mindestens 15 Jahre in der Europä­ischen Union, medizinisch in Verwendung ist und von ihr unter den angegebenen Anwen­dungs­bedingungen keine Gesundheits­gefahren ausgehen. Das heisst aber auch, dass keine wissenschaftlichen Wirksamkeitsbelege vorhanden sind. Im Fall des Habichtskrautes ist es sehr wahrscheinlich, dass entsprechende Untersuchungen einfach nie durchgeführt wurden. Letztlich kann man deshalb eine Wirksamkeit nicht versprechen, aber auch nicht mit Gewissheit ausschliessen.

An der Aussage von Künzle ist aber ein anderer Punkt problematisch. Sie ist sehr ungenau.

Wenn da steht, dass Habichtskraut ganz vorzüglich gegen Wassersucht wirkt, dann müsste zuerst geklärt werden, welche Art von Wassersucht gemeint ist. Unter Wassersucht versteht man Ödeme, also Wasseransammlungen im Gewebe. Dafür gibt es aber ganz unterschiedliche Ursachen. Sie können zum Beispiel ausgelöst werden durch die Nieren, die Leber, das Herz, oder durch Venenschwäche.

Es ist nun nicht wirklich vorstellbar, dass das Habichtskraut in allen diesen Fällen hilft, also unabhängig von der Ursache. Solche Ungenauigkeiten sollten eher skeptisch stimmen.

Nebenbemerkung: Mir persönlich ist bei diesem “traditional use” der Zeitraum von 30 Jahren, über den eine Pflanzen für einen bestimmten Zweck angewendet werden muss, um als traditionell zugelassen zu werden, etwas gar kurz. Unter “Tradition” stelle ich mir deutlich längere Zeiträume von.

Von den Habichtskräuter gibt es im übrigen viele verschiedene Arten, die zum Teil nicht gerade einfach zu bestimmen sind. Bei Künzle und auch in der HMPC-Monografie wird Hierarchium pilosella aufgeführt, das Kleine Habichtskraut, auch Mausohr-Habichtskraut oder Langhaariges Habichtskraut genannt. Es ist wegen den sehr langen Haaren auf den Blättern nicht so schwierig zu erkennen.

Die meisten Habichtskräuter sind gelb. Hier abgebildet ist das sehr farbenprächtige Orangerote Habichtskraut, aufgenommen auf einer Kräuterwanderung in der Lenk im Simmental.

Zur Bildergalerie der Kräuterwanderungen an der Lenk gehts hier.

Zur Kursausschreibung der Kräuterwanderungen an der lenk gehts hier.

Kräuterwanderungen in anderen Teilen der Schweiz finden Sie im Kurskalender.

Dort werden auch die Kursausschreibungen veröffentlicht für meine Lehrgänge, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung. In diesen Lehrgängen können sie unter anderm lernen, wie man Angeben aus der traditionellen Pflanzenheilkunde auf ihre Stimmigkeit überprüft.

 

 

Blick ins Pflanzenlexikon: Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)

Das Drüsige Springkraut (Foto auf Wikipedia) ist ein Neophyt, der ursprünglich aus dem Himalaya stammt und ursprünglich als Zierpflanze verwendet wurde. Seit etwa 50 Jahren ist die schöne Pflanze in weiten Teilen der Welt vollkommen eingebürgert, vor allem in Weiden-Auenwäldern, im Auengebüsch und an Ufern. Sie liebt nasse, nährstoffreiche Böden.

Auf Wikipedia ist die Ausbreitungsgeschicht von Impatiens glandulifera beschrieben:

„Die ursprünglich aus dem Himalaya stammende Art wurde 1839 aus Kaschmir erstmals nach England importiert und gelangte von dort als Zierpflanze auf den europäischen Kontinent………….Elf Jahre nach der Einführung als Gartenzierpflanze waren bereits erste wild vorkommende Pflanzen zu beobachten, in den achtziger und neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts konnten bereits Verwilderungen in Frankreich, an der deutschen sowie der niederländischen Nordseeküste festgestellt werden, bald auch am Oberrhein abwärts von Basel. Heute ist sie nahezu auf dem gesamten europäischen Kontinent verbreitet.“

Das Drüsige Springkraut wird nach seinere asiatischen Herkunft auch Indisches Springkraut genannt. Es verdrängt die einheimische Vegetation an manchen Stellen, insbesondere in Feuchtgebieten und an Flussläufen, und wird daher aus Naturschutzgründen manchmal bekämpft.

 Allerdings ist sie spät im Jahr noch eine gute Nahrungsquelle für Bienen (Bienenweide), was für die Natur positiv vermerkt werden kann. Das Drüsige Springkraut liefert etwa vierzigmal so viel Nektar wie eine vergleichbare einheimische Pflanze und bietet drüber hinaus hochwertigen Pollen an.

Der lateinische Name Impatiens bedeutet übrigens „Ungeduld“. Er kommt wahrscheinlich vom Schleudermechanismus der reifen Früchte, der schon bei geringer Berührung ausgelöst wird.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde hat das Drüsige Springkraut keine Bedeutung. Das hängt wohl damit zusammen, dass es sich erst verhältnismässig spät bei uns ausgebreitet hat.

Im System von Edward Bach (1886-1936) hat das Drüsige Springkraut als Bachblüte Nr. 18 Impatiens eine Bedeutung und wird unter anderem bei Schlafstörungen, Unruhe und Nervosität empfohlen. Dieser Einsatz basiert ausschliesslich auf der Idee von Edward Bach und hat keinen Anschluss an Erfahrungen traditioneller Pflanzenheilkunde oder an die wissenschftliche Phytotherapie. Aufgrund der Herstellungsweise der Bachblüten-Präparate sind darin auch keine Wirkstoffe vorhanden. Es gibt keine überzeugenden Hinweise darauf, dass die Wirkung von Impatiens und anderen Bachblüten-Präparaten über Placebo hinaus geht. Studien gibt es dazu aber meines Wissens nur zu Prüfungsangst und zu ADHS. Siehe dazu:

Studie untersucht Bachblüten-Wirkung bei Prüfungsangst und ADHS

Wenn Sie die Pflanzenwelt „out-door“ kennenlernen möchten, dann biete ich dazu von Mai bis Juli ein vielfältiges Programm mit Kräuterwanderungen an.

Und falls Sie interessiert sind an fundiertem Wissen über Pflanzenheilkunde / Phytotherapie, dann empfehle ich Ihnen meine Lehrgänge Heilpflanzen-Seminar und Phytotherapie-Ausbildung.

 

Naturerlebnis: Die Kunst des Staunens

 

Hier ein schönes Zitat zum Thema Naturerleben:

“Die allgemeine Reizüberflutung im Alltag hat zur Folge, dass wir vieles nur sehr oberflächlich oder gar nicht wahrnehmen. Durch dieses Abschwächen und Filtrieren der Informationen schützen wir uns vor dem Zuviel an Eindrücken. Dieser Mechanismus hat also durchaus seine positiven Seiten. Wir gewöhnen uns aber so stark an dieses oberflächliche Wahrnehmen der Umwelt, dass wir auch draussen in der Natur, wo die Abläufe viel langsamer und die Reize subtiler sind, nur einen Bruchteil davon wahrnehmen. Wollen wir den Geheimnissen der Naturwelt auf die Spur kommen, müssen wir aufs Neue lernen, all unsere Sinne einzusetzen. Genaues Beobachten, konzentriertes Hinhören, behutsames Tasten, neugieriges Riechen und Schmecken gehören zu den Fähigkeiten, die im hektischen Alltag und vor dem Bildschirm nicht trainiert werden.

Nur mit geschärften Sinnen wird das Naturerlebnis intensiv, lässt sich die Kunst des Staunens, die Kindern in die Wiege gelegt ist und dann irgendwann verloren geht, wieder zurückgewinnen. Der Kontakt mit der Natur weckt in uns den Wunsch, mehr zu wissen über die Zusammenhänge, und den Willen, das zu schützen, was wir lieb gewonnen haben.

Damit kann das Unterwegssein in den Alpen noch andere Perspektiven öffnen: In der bewussten Auseinandersetzung mit den Besonderheiten und Schönheiten der alpinen Natur liegt eine kaum zu überschätzende Dimension der Persönlichkeitsentwicklung. Wir können nicht nur unsere Wahrnehmung schärfen, sondern uns auch zu wachen, sozial kompetenten Menschen entwickeln.”

Franziska Wüthrich, dipl. Umweltnaturwissenschafterin ETH; in: Alpen aktiv – mit Gruppen auf Entdeckungsreise, Sauerländer Verlag 2001

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Kunst des Staunens braucht kontinuierliche Pflege und Anregung – wie jede andere Kunst auch. Ich empfehle Ihnen dazu gerne meine Kräuterwanderungen. Auf diesen Exkursionen erfahren Sie nicht nur viel Wissenswertes über Heilwirkungen, Lebensweise und kulturelle Bedeutung der Pflanzen. Es sind immer auch Entdeckungsreisen, die fast von selbst unsere Wahrnehmung für die kleinen Wunder am Wegrand schulen. Franziska Wüthrich drückt im obenstehenden Zitat genau aus, worum es dabei geht.

Vorkenntnisse sind für meine Kräuterwanderungen nicht nötig, aber auch kein Hindernis. Infos zu den Daten und Orten finden im Kurskalender.

Bilder von Pflanzen und Landschaften aus den Kräuterwanderungen finden Sie in der Fotogalerie.

 

Weltbank rechnet mit 140 Millionen Klimaflüchtlingen bis 2050

Immer mehr Menschen sind weltweit auf der Flucht, weil ihre Böden austrocknen und sie keinen Zugang zu Trinkwasser haben. 

Die Weltbank hat nun davor gewarnt, dass es immer mehr „Klimaflüchtlinge“ geben werde, wenn die Politik nicht entschiedener gegen den Klimawandel vorgeht.

Weltbank-Geschäftsführerin Kristalina Georgiewa stellte eine Untersuchung der schleichenden Auswirkungen klimatischer Veränderungen vor. Nach Angaben der Weltbank wurden diese Auswirkungen noch nie so umfassend untersucht.

Zu den Effekten des Klimawandels zählen danach beispielsweise der Rückgang der landwirtschaftlichen Produktion in bestimmten Gebieten, regionale Wasserknappheit und der Anstieg des Meeresspiegels. Mit jedem Tag werde der Klimawandel zu einer größeren wirtschaftlichen, sozialen und existenziellen Bedrohung, warnte Georgieva. An der Studie war auch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) beteiligt.

Im südlichen Afrika, Lateinamerika und Südasien könnten gemäss diesen Erkenntnissen zusammen mehr als 140 Millionen Menschen bis zum Jahr 2050 durch Dürren, Missernten, Sturmfluten und steigende Meeresspiegel ihr Zuhause verlieren und zur Umsiedlung gezwungen sein. In der Subsahara-Region Afrikas allein könnten 86 Millionen Menschen betroffen sein und weitere 40 Millionen Menschen könnten in Südasien und 17 Millionen in Lateinamerika vertrieben werden.

In diesen drei Weltregionen sei der Klimawandel bereits unaufhaltsam zu einem „Motor für Migration“ geworden, sagte Kristalina Georgiewa bei der Vorstelllung des Berichts.

Von den Klimafolgen betroffen seien bereits heute Individuen, Familien, aber auch ganze Gemeinschaften, die nach lebenswerteren Orten suchten. Für sie sei die Flucht vor dem Klimawandel bereits Realität.

Die Weltbank warnt, dass die sogenannten Klimaflüchtlinge zu all denjenigen hinzu kämen, die bereits aus politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Gründen auf der Flucht sind.

Die Organisation geht aber davon aus, dass die Zahl der „Klimaflüchtlinge“ um 80 Prozent reduziert werden könne, wenn die Politik „an mehreren Fronten“ tätig werde.

Dazu gehöre neben der notwendigen weltweiten Reduktion der Treibhausgasemissionen auch die Berücksichtigung von klimabedingten – und darum durchaus absehbaren – Wanderungsbewegungen in internationalen, regionalen und auch städtischen Entwicklungsplänen. Außerdem brauche es finanzielle Investitionen in die Untersuchung regionaler interner Klimafluchtprozesse.

 Georgiewa bezeichnete die Studie als einen Weckruf:

„Wir haben jetzt ein schmales Zeitfenster, uns auf diese neue Realität vorzubereiten, bevor die Folgen des Klimawandels sich verstärken.“

Andernfalls drohten weltweit immer mehr humanitäre Krisen.

Es werde sich deshalb auszahlen, wenn Städte sich auf einen starken Zuzug aus ländlichen Gegenden vorbereiteten. Darüber hinaus benötigten auch die Betroffenen selbst Unterstützung – vor Ort, jedoch auch bei ihrer individuellen Entscheidung, ob, wann und wie sie umziehen oder ob sie bleiben sollten.

Quelle:

https://www.tagesspiegel.de/politik/weckruf-der-weltbank-140-millionen-klimafluechtlinge-bis-2050/21091728.html

Kommentar & Ergänzung:

Ausgerechnet die Allianz der Populisten von Donald Trump über AfD und FPÖ bis zu Teilen der SVP steckt vor dem Klimawandel den Kopf in den Sand. Und mit Sicherheit werden sie von weiteren Flüchtenden profitieren und das Thema nachhaltig bewirtschaften….

Populismus ist kein Konzept für die Zukunft. Allerdings wird der Begriff zu oft als politischer Kampfbegriff missbraucht. Was Populismus ist und was nicht, und warum er gefährlich ist, hat meines Erachtesn nieman präziser beschreiben als der Politologe Jan-Werner Müller.

Meine Besprechung des Buches “Was ist Populismus?” von Jan-Werner Müller hier.

Meine Zusammenfassung des Buches hier:

Was ist Populismus? Und was nicht?

Mit den Hintergründen der rechtspopulistischen Klimawandelleugner befasst sich ein informativer Text im Portal Geschichte der Gegenwart:

Die Verschwörungstheorien der “Klimawandelskeptiker”

 

 

 

 

 

 

Blick in die Natur: Herbstzeitlose

Jetzt kann man auf den Wiesen wieder die hübschen Herbstzeitlosen mit ihren blassrosa bis violetten, krokusähnlichen Blüten sehen.

Fällt Ihnen auf, dass die Blüte ohne Blätter in der Wiese steht und dass sie im Verlaufe des Herbsts keine Früchte bilden?

Die Herbstzeitlosenblüten werden zwar im Herbst bestäubt. Über den Winter zieht sich die Pflanze aber in die Erde zurück und bildet erst im kommenden Frühling Blätter und Früchte. Weil die Herbstzeitlosenblätter den Bärlauchblättern ähneln, kommt es manchmal zu tödlichen Vergiftungen, denn Herbstzeitlose ist eine starke Giftpflanze.

Alle Teile der Pflanze enthalten das stark giftige Alkaloid Colchicin, ein Kapillar- und Mitosegift. Nach Wikipedia befindet sich der höchste Gehalt in der Blüte mit bis zu 1,8 %, doch auch die Samen (0,5 %), die Knolle (0,2 %) und die Blätter (0,03 %) enthalten genug Colchicin, um Vergiftungen auslösen zu können. Der Colchicin-Gehalt schwankt im Jahresverlauf und nimmt mit der Samenreifung zu.

Die Herbstzeitlose ist auch sehr giftig für zahlreiche Tierarten wie Pferde, Rinder, Schafe, Ziegen, Hunde, Katzen, Kaninchen, Hasen, Meerschweinchen, Hamster und auch für Vögel. 

Die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) zählt heute zur Pflanzenfamilie der Zeitlosengewächse (Colchicaceae), früher zu den Liliengewächsen.

Siehe auch:

Unterscheidungsmerkmale: Bärlauch? Maiglöckchen? Herbstzeitlose?

Bärlauch, Maiglöckchen oder Herbstzeitlose?

Tödliche Verwechslung von Bärlauch und Herbstzeitlose

Heilpflanzen und Giftpflanzen können Sie übrigens in meinen Kräuterwanderungen kennenlernen.

 

 

 

Zitat von Friedrich Nietzsche zur Neutralität der Natur

Dazu ein Zitat von Friedrich Nietzsche:

«Die Neutralität der grossen Natur (in Berg, Meer, Wald und Wüste) gefällt, aber nur eine kurze Zeit: Nachher werden wir ungeduldig. „Wollen denn diese Dinge gar nichts zu uns sagen? Sind wir für sie nicht da?“ Es entsteht das Gefühl eines crimen laesae majestatis humanae.»

Friedrich Nietzsche, Philosoph, 1844 – 1900,

aus: Menschliches, Allzumenschliches, zweiter Nachtrag: Der Wanderer und sein Schatten (1880)

 

Kommentar & Ergänzung:

Es entsteht also nach Nietzsche ein Gefühl der Beleidigung seiner Majestät, des Menschen, wenn klar wird, dass die Natur uns nichts zu sagen hat, sich nicht an uns richtet. So könnte man den Schluss dieses Zitates frei übersetzen. Nietzsche trifft hier wohl tatsächlich eine empfindliche Stelle des modernen Menschen. Im Mittelalter galt die Erde als Mittelpunkt des Kosmos und der Mensch als Krone der Schöpfung. Die ganze Welt war sinndurchtränkt. und – auch in der Renaissance – erfüllt mit Zeichen und Botschaften für den Menschen. In der Neuzeit verlor die Erde ihre zentrale Stellung im Kosmos und der Mensch seine herausgehobene Position in der kosmischen Veranstaltung. Dieser Vorgang wird immer wieder als eine Art Kränkung beschrieben. Man könnte Nietzsches Philosophie als Aufforderung deuten, diesem Verlust ins Auge zu sehen und die Welt auch dann zu lieben, wenn sie keinen vorgegebenen Sinn und keine Botschaft für uns bereit hält, sich nicht um uns kümmert.

Auf die Pflanzenheilkunde bezogen könnte man sagen: Das Festhalten an der Vorstellung, dass Pflanzen eine Signatur für uns bereithalten, ist eine Weigerung, die Entthronung des Menschen zu akzeptieren. Die damit verbundene Kränkung wird abgewehrt. Der emotionale Gewinn, die Vorstellung, von den Pflanzen gemeint zu sein, vernebelt dabei, dass es keine auch nur einigermassen plausiblen Gründe gibt für die Annahmen, dass Formen und Farben der Pflanzen mit ihren Wirkungen zusammenhängen.

Die Signaturenlehre ist historisch sehr interessant. Wenn man sich aber kritiklos an ihr orientiert entstehen krasse Fehlbehandlungen. 

 

Blick ins Pflanzenlexikon: Baldrian

Die Gattung Baldrian (Valeriana) umfasst etwa 150 bis 300 Pflanzenarten, die in Eurasien und in der Neuen Welt verbreitet sind. In Europa kommen rund 20 Baldrianarten vor.

Bei uns in der Schweiz am verbreitetsten sind:

Gebräuchlicher Baldrian – Valeriana officinalis

= Arznei-Baldrian = Echter Baldrian

Er wächst insbesondere auf feuchten Wiesen, an Waldrändern und Bachufern, auch im Flachland. Überragt in der Wuchshöhe alle anderen einheimischen Baldrianarten und kann bis gegen 2 m hoch werden.

Die Wurzel des Arznei-Baldrians wird in der Phytotherapie gegen Schlafstörungen verwendet in Form von Baldriantee, Baldriantinktur oder Baldrianextrakt (oft kombiniert mit Hopfenextrakt, zum Beispiel in Redormin-Dragees).

Sumpf-Baldrian – Valeriana dioica

Wächst auf nassen Wiesen und in Flachmooren vom Flachland bis in subalpine Lagen und wird etwa 15 – 30 ch  hoch.

Dreiblatt-Baldrian – Valeriana tripteris

Wächst an felsigen, schattigen Orten auf Kalk und auf Silikat. Kann auch im Flachland vorkommen, ist aber wesentlich häufiger in Bergregionen anzutreffen.

Berg-Baldrian – Valeriana montana

Wächst an steinigen, kalkhaltigen Hängen im Jura und in den Alpen.

Neben diesen mehr oder weniger häufig anzutreffenden Baldrianarten gibt es auch solche, die nur sehr regional vorkommen, zum Beispiel:

Pyrenäen-Baldrian – Valeriana pyrenaica

Felsen-Baldrian – Valeriana saxatilis

Keltischer Baldrian (= Echter Speik, im Saastal)) – Valeriana celtica

Weidenblättriger Baldrian – Valeriana saliunca

Zwerg-Baldrian – Valeriana supina

Ausserhalb der Gattung Valeriana, aber innerhalb der Baldriangewächse sind im übrigen einige Pflanzenarten anzutreffen, die man dort nicht vermuten würde. Zum Beispiel die Rote Spornblume (Centranthus ruber), eine ursprünglich mediterrane Pflanze, die oft aus Gärten verwildert, sowie der Gewöhnliche Feldsalat = Ackersalat = „Nüsslisalat“ =  Valerianella locusta.

Als Nutzpflanzen verwendet werden neben dem Arznei-Baldrian vor allem der Echte Speik als Duftpflanze zur Produktion der Speikseife und die Indische Narde (Nardostachys grandiflora ) aus dem Himalaya als Lieferant für Salböle und für Räucherwerk.

Wer mehr über die Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten der Arzneipflanze Baldrian und weiterer Heilkräuter erfahren möchte, kann das in meinen Lehrgängen Phytotherapie-Ausbildung und Heilpflanzen-Seminar. Baldrian-Arten in der Natur kennenlernen können Sie auf vielen meiner Kräuterwanderungen.

Weißdorn zur Arzneipflanze des Jahres 2019 gekürt

Der Weißdorn (Crataegus spec.) wird seit Generationen als Arzneipflanze zur Unterstützung von Herz und Kreislauf eingesetzt. Wegen zahlreicher neuer Erkenntnisse zu den Wirkungen und der Bedeutung für die Pflanzenheilkunde wurde Weißdorn vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2019 gewählt.

 

Reichhaltige Kulturgeschichte des Weißdorns

Sagen und Mythen haben dem Weißdorn schon vor über 1.000 Jahren wundersame Fähigkeiten zugeschrieben. Dornröschen soll durch den Weißdorn in ihren hundertjährigen Schlaf gefallen sein.

Weißdorn galt jedoch auch als Zuhause der guten Feen und war der christlichen Zeit ein Zeichen für Hoffnung. Einer Legende nach soll selbst die Dornenkrone Jesu aus Weißdorn bestanden haben, woher wahrscheinlich die Assoziation mit Leben und Tod stammt.

Weißdorn beeindruckt aber nicht nur mit den zahkreichen Erwähnungen in der Sagenwelt, sondern auch durch die seit Jahrhunderten andauernde medizinische Anwendung und seine damit assoziierte Kraft. So wurden bereits in der Antike Weißdorn-Arten medizinisch genutzt, zum Beispiel gegen Durchfall, Koliken und zur Blutstillung. Verschiedene nordamerikanische Stämme sollen schon die herzschützende Wirkung des Weissdorns gekannt und geschätzt haben. Erste Untersuchungen zur Heilkraft des Weißdorns wurden 1896 in den USA durchgeführt. Gerhard Madaus schreibt in seinem renommierten „Lehrbuch der biologischen Heilmittel“ von 1938:

„Crataegus ist ein ausgezeichnetes Kardiakum [Herzmittel], das als fast unübertreffbar bei beginnender Myokardschwäche, namentlich im Alter und bei akuten Infektionskrankheiten bezeichnet werden kann.“

Ab den 1970er Jahren waren viele Anwendungen für Weißdornextrakt bekannt, wie beispielsweise bei Altersherz, Belastungsherz, Hochdruckherz mit und ohne Schwächeerscheinungen, leichtere Grade von Koronarinsuffizienz, Herzmuskelschwäche nach Infektionskrankheiten, Rhythmusstörungen, Durchblutungsstörungen des Gehirns und Herzinfarkt (Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, 1973). 1994 wurden dann auf der Grundlage vorliegender wissenschaftlicher Daten für Weißdornblätter mit Blüten von der für Arzneipflanzen zuständigen Kommission E des damaligen Bundesgesundheitsamtes das Anwendungsgebiet der nachlassenden Leistungsfähigkeit des Herzens entsprechend Stadium II nach NYHA festgelegt.

Weißdornextrakt als traditionelles Arzneimittel zugelassen

Die deutsche Zulassungsbehörde stufte Weissdornblätter mit Blüten im Jahr 2016 aufgrund der langjährigen Erfahrungen, der Unbedenklichkeit und der guten Verträglichkeit des Wirkstoffes als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein.

Gründend auf langjähriger Erfahrung können Weißdornblätter mit Blüten auch bei zeitweilig auftretenden nervösen Herzbeschwerden (z. B. Herzklopfen, durch Ängste ausgelöste Extrasystolen) angewendet werden, wenn ärztlicherseits eine ernsthafte Erkrankung ausgeschlossen wurde. Befürwortet wird zudem der Einsatz bei leichten Symptomen von Stress und als Schlafhilfe. Auf Grund der bekannten Wirkungen könnte der Weißdornextrakt nicht nur bei funktionellen (nicht organisch bedingten) Herzbeschwerden, sondern gerade auch bei ersten Anzeichen einer Herzinsuffizienz und zur Vorbeugung einer Herzschwäche sinnvoll eingesetzt werden. Für die Herstellung von Arzneimitteln aus Weißdorn werden die Blätter zusammen mit den leuchtend-weißen Blüten der Weißdornsträucher oder -bäume verwendet. Sie enthalten wichtige sekundäre Pflanzenstoffe, wie die oligomeren Procyanidine, die für die Wirkung zuständig sind. In Mitteleuropa sind mehrere Arten des Weißdorns heimisch, darunter auch der Eingriffelige Weissdorn (Crataegus monogyna Jacq.) und der Zweigriffelige Weißdorn (Crataegus laevigata(Poir.) DC), die beide zur Herstellung von pflanzlichen Arzneimitteln (Phytopharmaka) verwendet werden.

Vielfältige Wirkungen von Weißdorn auf Herz und Blutgefäße

Eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen hat in den letzten Jahrzehnten gezeigt, wie Weißdornextrakt die Herz- und Kreislauffunktion unterstützt. Die pflanzlichen Wirkstoffe wirken sich positiv auf die Pumpkraft des Herzens aus. Die Durchblutung der Herzkranzgefäße und des Herzmuskels wird erhöht, indem die Produktion des gefäßerweiternden Botenstoffs Stickstoffmonoxid (NO) angeregt und dessen Abbau gehemmt wird. Durch die Verbesserung der Kontraktionskraft des Herzens, die Verbesserung der Erregungsleitung und die Steigerung der Reizschwelle kann Weißdornextrakt zudem vor Herzrhythmusstörungen schützen. Ebenso kann der Extrakt aus Weißdornblättern mit Blüten die Blutgefäße elastisch halten und dadurch dem altersbedingten Verlust der Elastizität der Arterien entgegen wirken. Auch werden die krankheitsbedingten Störungen der Endothelfunktion (Endothel = Gefäßinnenwand der Blutgefäße) reduziert und der periphere Gefäßwiderstand vermindert. Es kommt zu einer Verbesserung der Belastbarkeit und Kurzatmigkeit bei Belastung tritt später ein. Durch aktuelle Untersuchungen liess sich zeigen, dass die Lebensqualität von Patienten unter Einnahme von Weißdornextrakt sich verbesserte und die körperliche Leistungsfähigkeit zunahm (Härtel et al., 2014).

Literatur

  1. Gündling PW: Weißdorn – neue Erkenntnisse zu einer alten Heilpflanze. Ein Multitalent für Herz und Kreislauf. EHK 2017; 66: 208-214.
  2. Härtel S, Kutzner C, Burkart M, Bös K: Einfluss von Training und Crataegus-Extrakt WS 1442 auf körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität bei leichter Herzinsuffizienz – eine randomisierte kontrollierte Studie. Z Phytother 2012 (Suppl 1): 17.
  3. Härtel S, Kutzner C, Westphal E et al.: Effects of endurance exercise training and Crataegus extract WS®_1442 in patients with heart failure with preserved ejection fraction – a randomized controlled trial. Sports 2014; 2(3): 59–75.
  4. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis. Vollständige (vierte) Neuausgabe, hersg. von P.H. List und L. Hörhammer, Springer-Verlag Berlin, Heidelberg, New York, Bd. 4 1973: 330.
  5. Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC): European Union herbal monograph on Crataegus spp., folium cum flore. EMA/HMPC/159075/2014. 5 April 2016.
  6. Holubarsch CJF, Colucci WS, Eha J: Benefit-risk assessment of Crataegus extract WS 1442: An evidence-based review. Am J Cardiovasc Drugs 2018; 18: 25-36.
  7. Madaus G: Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Thieme-Verlag Leipzig 1938, S. 1119.
  8. Pittler MH, Guo R, Ernst E: Hawthorn extract for treating chronic heart failure. Cochrane Database Syst Rev. 2008; (1): CD005312.
  9. Wegener T. et al.: Stellenwert von Weißdornextrakt in der hausärztlichen Praxis – eine aktuelle Standortbestimmung. MMW-Fortschritte der Medizin 2018; 160 (54): 1-7.

    Foto: Copyright (iStock) – das Foto ist für die Aktion Weißdorn als Arzneipflanze des Jahres 2019 freigegeben.

Quelle:

Medienmitteilung Interdisziplinärer Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg.

 

Kommentar & Ergänzung:

Weissdorn ist die wichtigste Heilpflanze der Phytotherapie für das Herz.

Weissdorn ist gut verträglich und eignet sich für Langzeitanwendung.

Weissdorntee und Weissdornextrakt sollten mindestens über einen Zeitraum von 3 Monaten regelmässig angewandt werden.

Weissdorn ist vielfältig wissenschaftlich untersucht worden, wobei bei einigen dieser Forschungsergebnisse nicht so ganz klar ist, wie weit sie über die experimentelle Situation hinaus auch für Patienten in der Praxis klinisch relevant sind. Das drückt sich auch darin aus, dass die Zulassung nur als „traditionell“ (Kategorie „traditional use“) und nicht als wissenschaftlich belegt (Kategorie „well-established use“ = anerkannte medizinische Wirkung und akzeptierte Unbedenklichkeit) möglich wurde. Das ist etwas enttäuschen. Es ist aber immer schwierig, milde Wirkungen in einer Studie statistisch sicher zu belegen, nur schon, weil dazu grosse Probandenzahlen nötig sind.

Wie in der Medienmitteilung erwähnt, werden vom Weissdorn für die Herstellung pflanzlicher Arzneimitttel in der Regel die Blätter und Blüten gemischt verwendet. Die Weissdornfrüchte enthalten aber auch Wirkstoffe (oligomere Procyanidine und Flavonoide) und kommen gelegentlich auch in Präparaten zum Einsatz, zum Beispiel für Weissdorntinktur).

Weißdornfrüchte sind roh essbar, schmecken säuerlich-süß, sind jedoch sehr mehlig. Sie lassen sich zu Kompott oder Gelee verarbeitet und eignen sich dabei auch zum Mischen mit anderen Früchten, weil sie gut gelieren.

Weissdorn ist aber auch ein wertvoller Strauch oder Baum für die Tierwelt. Vögel fressen im Herbst sehr gerne die leuchtend roten Früchte, und für Insekten ist der Weissdorn eine wichtige Nahrungsquelle, zum Beispiel als Futterpflanze für 54 verschiedene Schmetterlingsraupen-Arten. Weissdorn eignet sich daher sehr gut als einheimischer Strauch in Hecken.

Zu beachten ist dabei aber, dass Weissdorn den Feuerbrand übertragen kann, eine gefährliche, durch das Bakterium Erwinia amylovora verursachte Pflanzenkrankheit, die vor allem Kernobstgewächse befällt und sich seuchenartig schnell ausbreiten kann. Deshalb wird für die ganze Schweiz empfohlen, in definierten Schutzobjekten (Hochstammobstgärten, Baumschulen, Obstanlagen und andere definierte Objekte) in im Umkreis von 500 m darum herum auf das Anpflanzen von Weissdorn-Arten zu verzichten.

Dieser Empfehlung liegt ein Konses zugrunde zwischen schweizerischen Natur- und Vogelschutzverbänden, dem BAFU und dem Eidgenössischen und Kantonalen Pflanzenschutzdienst.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Kann man Vogelbeeren essen?

Der Vogelbeerbaum (Eberesche, Sorbus aucuparia) fällt im Herbst auf durch seine leuchtend orange-roten Früchte. Sie werden oft als giftig angesehen, was aber nicht richtig ist. Die Beeren sind roh wenig schmackhaft und enthalten Parasorbinsäure, die zu Magenproblemen führen kann. Durch Kochen wird die Parasorbinsäure in Sorbinsäure umgewandelt, die gut verträglich ist. Gekochte Beeren können deshalb auch in größeren Mengen gegessen werden.

Durch die ersten Fröste wird die Parasorbinsäure ebenfalls zu Sorbinsäure abgebaut, wodurch die Früchte ihren bitteren Geschmack verlieren und leicht süßlich werden.

Es empfiehlt sich jedoch, die Beeren vor dem Verzehr zu kochen. Auf diese Art bekömmlich gemacht, sind sie vielseitig einsetzbar und schmecken als Konfitüre, Kompott, Sirup, Chuttney oder auch in Gebäck.

Vogelbeerschnaps hat in einigen Regionen Österreichs eine lange Tradition, so in Tirol, in der Region Salzburg und in der Steiermark. Beim Destillieren wird die Parasorbinsäure durch das Erhitzen vollständig abgebaut.

Sorbinsäure (E 200) wird übrigens als Konservierungsmittel für Lebensmittel verwendet.

Im „keltischen Baumkreis“ (keltischen Baumhoroskop) gehört die Eberesche zu den Lebensbäumen. Allerdings ist der keltische Baumkreis eine freie Erfindung des keltischen Neopaganismus (siehe dazu Wikipedia) aus dem 20. Jahhundert und hat mit den Kelten nichts zu tun.

Die Eberesche ist eine gute Nahrungsquelle für Vögel, Insekten und Säugetiere. Die Früchte wurden früher zur Schweinemast verwendet, was zum Namen Eberesche geführt haben könnte (Eber = das männliche Schwein). Wahrscheinlicher kommt der Name aber davon, dass die Blätter der Eberesche denjenigen der Gemeinen Esche (Fraxinus excelsior) ähneln, obwohl die beiden Pflanzenarten nicht verwandt sind.

Der Name Vogelbeeren stammt daher, dass die roten Beeren früher häufig als Köder beim Vogelfang eingesetzt wurden.

Weitere Infos auch zur Bedeutung der Vogelbeeren für die Tierwelt hier:

Sind Vogelbeeren giftig?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Minze und Pfefferminze – wo liegt der Unterschied?

Oft wird mit „Minze“ in erster Linie die bekannte „Pfefferminze“ gemeint. Ihr belebender, scharfer Geschmack erinnert ein wenig an Pfeffer. Wegen ihres hohen Gehalts an Menthol ist die Pfefferminze auch für die Heilkunde interessant.

Ein Glas Pfefferminztee kann lindernd auf Magen-Darm-Beschwerden und Erkältungskrankheiten wirken. Für  die Zubereitung werden einige frische Blätter mit heißem Wasser übergossen. Anschließend abgedeckt etwa 6 bis 8 Minuten ziehen lassen und dann absieben.

Die Pfefferminze wird in der Lebensmittelindustrie zum Beispiel für Kaugummis, Pralinen und Eis verwendet.

Sie trägt den botanischen Namen Mentha x piperita und soll natürlicherweise als Kreuzung zwischen Krauseminze (Grüne Minze) und Bachminze (Wasserminze) entstanden sein. Das x im botanischen Pflanzennamen ist ein Hinweis darauf, dass es sich um eine Kreuzung handelt.

Die Gattung Mentha (Minze) gehört zur Pflanzenfamilie der Lippenblütler (Lamiaceen) und umfasst rund 30 unterschiedliche Arten und viele Kreuzungen. Die Minzen sind mehrjährigen, krautigen Pflanzen, können 20 bis 100 Zentimeter hoch werden und viele sind in Europa heimisch. Sie unterscheiden sich oft deutlich im Aussehen, aber auch im Geschmack.

Die Schärfe der Pfefferminze ist nicht jedermanns Geschmack, sodass sie zum Kochen und für kalte Getränke nur selten verwendet wird. Für diese Zwecke eignen sich andere Minzen besser.

Die Grüne Minze zum Beispiel wird gerne zum Würzen von Blattsalaten, Chutneys, Fleisch und Fisch genutzt.

Die Marokkanische Minze dient der Verfeinerung von Reis, Bulgur und sommerliche Cocktails, während die Schokominze speziell gut zu Süßspeisen passt. Obstsalate bekommen mit fruchtigen Minzen eine spezielle Note. Gibt man einen Stängel Erdbeerminze in eisgekühltes Mineralwasser, bekommt man ein erfrischendes Getränk.

Im Garten benötigt die Pfefferminze nur wenig Pflege, wenn der Boden humusreich und ausreichend feucht ist. Mentha piperita mag leicht schattige, jedoch warme Standorte unter Bäumen und vor Sträuchern. Allerdings kann sich die Pfeferminze rasch im ganzen Garten ausbreiten, da sie sich über unterirdische Ausläufer vermehrt. Im späten Frühjahr liefert sie die ersten aromatischen Blätter.

Der Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen ist kurz vor der Blüte am höchsten. Die beste Zeit für die Ernte sollen die frühen Morgenstunden sein, da der Gehalt an ätherischem Öl bis zum Abend sinkt. Man schneidet die Stängel samt Blättern kurz über dem Boden ab und hängt sie in Büscheln zum Trocknen auf. So kann das feine Minzaroma ganzjährig konserviert werden.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/bzfe-newsletter-nr-20-vom-17-mai-2017-30212.html#3

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Von allen Minzenarten ist für die Phytotherapie die Pfefferminze mit Abstand am wichtigsten. Pfefferminzblätter enthalten etwa 0,5 – 4,0 % ätherisches Pfefferminzöl mit einem Anteil von 35 – 45 % Menthol. Menthol wirkt antimikrobiell, gallenflussfördernd und krampflösend auf die glatte Muskulatur des Darmes. Ausserdem löst es auf der haut einen Kühleffekt aus, genauer die Empfindung von kühl.

Die Krauseminze (Mentha spicata) enthält etwa 0,8 – 2,5% ätherisches Öl, das sich in seiner Zusammensetzung prägnant von Pfefferminzöl unterscheidet. Es enthält als Hauptkomponente 40 – 80 % Carvon, ein Keton, das auch als charakteristischer Inhaltsstoff des ätherischen Kümmelöls bekannt ist. Mentha spicata verströmt einen Kaugummi-Geruch („Spearmint).

In der Heilkunde wird zudem die Ackerminze genutzt (Mentha arvensis). Ihr ätherisches Öl kommt unter Bezeichnungen wie Minzöl, Japanisches Minzöl oder Japanisches Heilpflanzenöl in den Handel und enthält  25 – 40 % Menthol.

Siehe dazu:

Was ist Minzöl / Japanisches Pfefferminzöl?

In der Natur trifft man bei uns am häufigsten die Rossminze an (Mentha longifolia). Sie wächst bis zu 1 Meter hoch und braucht nassen stickstoffreichen Boden. Da sie unangenehm nach Petroleum riecht, eignet sie sich eher weniger zur Teezubereitung.

Die Wasserminze (Mentha aquatica) ist eine Sumpfpflanze und kommt auf nassen, zeitweise überschwemmten, nährstoff- und basenreichen Böden vor. Sie verströmt den charakteristischen Minzduft besonders intensiv, nur schon wenn man in der Natur auf ein Blatt tritt, kann man den Minzgeruch oft deutlich wahrnehmen. Die Pflanze duftet, auch ohne dass man die Blätter zerreibt. Zur Linderung von Magenbeschwerden und zur Steigerung der Gallenproduktion steht die Wasserminze der Pfefferminze kaum nach.

Auf Wikipedia findet sich der Hinweis:

„Die Wasserminze zählte neben dem Echten Mädesüß (Filipendula ulmaria) und dem Eisenkraut (Verbena officinalis) zu den heiligen Kräutern der Druiden.“

Leider fehlt dort eine Quellenangabe. Zudem wurde uns von den Druiden selbst mit Ausnahme von wenigen Weiheschriften und Steintafeln mit religiösem Inhalt sowie dem Kalender von Coligny nichts überliefert. Als Grund dafür wird zumeist das von Gaius Iulius Caesar berichtete Schriftverbot für die Inhalte ihres Glaubens gesehen.

(Quelle: Wikipedia)

Daher sind heute verbreitete Angaben zu Heilkräutern der Druiden oft willkürlich, widersprüchlich und mit Vorsicht zu geniessen.

Zur Gattung der Minzen siehe auch:

Blick ins Pflanzenlexikon: Pfefferminze und andere Minzen

Zur Pfefferminze in der Phytotherapie:

Pfefferminztee bei Verdauungsbeschwerden

Pfefferminzöl bewährt sich bei Spannungskopfschmerzen:

DGS-Praxisleitlinien Schmerzmedizin: Pfefferminzöl gegen Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl bei Kopfschmerzen

Pfefferminzöl wirkt als magenresistente Kapsel verabreicht krampflindernd bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile):

Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl lindert Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom schmerzlindernd

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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