Ginseng: Wirksamkeit auf kognitive Fähigkeiten bleibt ungewiss

Ob Ginseng die kognitiven Fähigkeiten verbessern kann, bleibt weiterhin zweifelhaft. Chinesische Wissenschaftler haben in einem Cochrane-Review die derzeitige Studienlage zusammengefasst. Sie fanden neun randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studien, von denen allerdings nur fünf den Ansprüchen der Auswertung genügten. Diese fünf Studien wurden an gesunden Testpersonen durchgeführt, die entweder einen Ginseng-Extrakt oder den Inhaltsstoff HT008-1 bekamen. Infolge unterschiedlicher Dosierungen, Studienlängen und Endpunkten ließen sich die Daten schlecht bewerten. Die Resultate deuteten auf einen positiven Effekt für die kognitive Funktion, das Verhalten und die Lebensqualität. Nebenwirkungen wurden in diesen Studien nicht beobachtet.

Für die Cochrane-Autoren genügen diese Hinweise jedoch nicht , um die Anwendung der asiatischen Heilpflanze (Panax Ginseng) zu empfehlen. Größere, gut durchgeführte Studien, auch mit Demenz-Patienten, liegen nicht vor. Ginseng wird seit Jahrtausenden gegen altersbedingte Krankheiten angewendet. Gemäss Cochrane-Review ist Ginseng die am häufigsten eingesetzte Heilpflanze der Welt.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=36232&Nachricht_Title=Nachrichten_Ginseng%3A+Wirksamkeit+bleibt+ungewiss&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Ginseng ist tatsächlich als Heilpflanze nicht einfach zu fassen.  Sein pharmakologisches Wirkprofil ist sehr komplex.

Den Schwerpunkt der Ginsengwirkung nach westlichem Verständnis sieht die Phytotherapie-Fachliteratur eher in einem adaptogenen Effekt – vor allem im Sinne einer verbesserten Stressbewältigung – und kaum im Bereich Demenz. Auch gibt es aus der Forschung einige Hinweise auf immunstimulierende Eigenschaften, wobei allerdings hieb- und stichfeste Belege für den konkreten Nutzen bei Infektionen fehlen.

Es gibt grosse Qualitätsunterschiede bei Ginseng-Präparaten, so dass Ergebnisse von Studien nur für die jeweils untersuchten Produkte aussagekräftig sind.  Das erklärt einen Teil der Schwierigkeiten, allgemein gültige Schlussfolgerungen aus der Ginseng-Forschung zu ziehen.

Immerhin sehen die Autoren des Cochrane-Reviews Hinweise auf “einen positiven Effekt für die kognitive Funktion, das Verhalten und die Lebensqualität”.

Die Hoffnung auf den ultimativen Neuro-Booster, der ein durchschnittlich gesundes und leistungsfähiges Gehirn entscheidend perfektioniert, ist wohl sowieso ziemlich fragwürdig.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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