Hausmittel bei Schnupfen und Halsschmerzen

Das Magazin „Stern“ berichtet über „natürliche Medizin“ in einem Artikel mit dem Titel:

„Diese Hausmittel helfen gegen Erkältung.“

Leider kommt der Text ungenau und etwas willkürlich daher. Aber schauen wir uns eine Passage detaillierter an:

„Die Naturapotheke hat einiges im Angebot: Läuft die Nase, können Tabletten oder Lösungen von Echinacea, Thuja, Eupatorium oder Kamille helfen. Bei Halsschmerzen bieten sich Wilde Malve, Salbei, Eibisch, Echte Kamille, Arnika, Tausendgüldenkraut und Enzian zum Gurgeln an.“

Quelle:

https://www.stern.de/gesundheit/grippe/therapie/erkaeltung—die-besten-hausmittel-3215640.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Schnupfen:

Echinacea (Sonnenhut), Eupatorium (Wasserdost) und Thujawerden als Immunstimulanzien eingesetzt. Wenn die Nase läuft, ist es dafür allerdings meist schon zu spät. Wenn akute angewendet, dann bei den allerersten Symptomen. Am besten untersucht ist Echinacea, wobei die Ergebnisse immer noch nicht eindeutig sind.

Thuja (Abendländischer Lebensbaum, Thuja occidentalis) wird phytotherapeutisch selten angewendet, dann aber in genau dosierbaren Extrakten (in Esperitox Präparaten), die auf einen bestimmten Gehalt an Inhaltsstoffen eingestellt sind. Thuja ist nämlich eine Giftpflanze. Das sollte meines Erachtens in einem solchen Text erwähnt werden, damit nicht irgendwer auf die Idee kommt, einen Kräutertee aus Thuja zu brauen. Thuja enthält ein ätherisches Öl mit dem Hauptbestandteil Thujon.

Nach der Einnahme giftiger Pflanzenbestandteile kann es zu Schleimhautreizungen kommen und zu Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit, Brechreiz, Blähungen und Durchfall. In seltenen Fällen traten Schäden an Nieren und Leber sowie Krampfanfälle auf. Bei Tieren kann der Verzehr zum Tod führen. Zu Vergiftungen kommt es insbesondere, wenn Heckenschnitt mit Thuja auf Weideplätzen entsorgt wird.

Thuja wird in Europa häufig angepflanzt, hauptsächlich als zypressenähnlicher Baum auf Friedhöfen und als ganzjährig blickdichte Hecke in Gartenumfriedungen.

Äusserlich wird Thuja-Tinktur aufgrund der hautreizenden Wirkung manchmal punktuell gegen Warzen eingesetzt. Dabei kann es aber auch zu unerwünschten Hautirritationen kommen.

Da Thuja in der Homöopathie als wichtiges Mittel gilt, wird es gerne als Globuli verabreicht. Weil dann die Ausgangssubstanzen in der Regel mindestens 1: 1 000 000 mal verdünnt werden, sind keine Inhaltsstoffe mehr vorhanden, die toxisch wirken könnten. Eine Wirksamkeit ist aber wie bei allen Homöopathika nicht belegt.

Kamille (Matricaria recutita) kann sinnvoll sein bei Schnupfen, doch fehlt hier der Hinweis, dass die Pflanze am besten als Inhalation angewendet wird. Kamillentee ist sinnlos bei Schupfen.

 

Halsschmerzen:

Wilde Malve (Malva silvestris) und Eibisch (Althaea officinalis) enthalten Schleimstoffe, die bei Halsschmerzen reizlindernd und schützend auf Schleimhäute wirken können. Ihnen fehlen aber Eigenschaften, die bei Halsschmerzen wichtig sind, nämlich antimikrobielle Wirkungen, wie sie Salbei zeigt, und direkt entzündungswidrige Wirkungen, wie sie Kamille entfaltet.

Salbei (Salvia officinalis) vereinigt antimikrobielle Wirkungen (durch ätherisches Salbeiöl) und entzündungswidrige Wirkungen (durch Lamiaceen-Gerbstoffe).

Arnika  (Arnica montana) ist eher unüblich bei Halsschmerzen, aber wegen entzündungswidrignen Effekten nicht unplausibel.

Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea) und Enzian (Gentiana lutea) enthalten vor allem Bitterstoffe, die bei verschiedenen Verdauungsstörungen eingesetzt werden. Ihre Anwendung bei Halsschmerzen ist unplausibel und durch die Phytotherapie-Fachliteratur nicht gedeckt.

Die Berichterstattung über Anwendungsmöglichkeiten und Wirkungen von Heilpflanzen in den Medien ist von sehr unterschiedlicher Qualität und mehrheitlich fragwürdig.

Erwerben Sie sich eigenes und fundiertes Wissen. zum Beispiel in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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