Heilpflanzen & Wechselwirkungen (Interaktionen)

In der Zeitschrift Der Hausarzt  (2010/14:  31-36) veröffentlichte Dr. med. Berthold Musselmann, Facharzt für Allgemeinmedizn mit Ausbildung in Naturheilverfahren, über die Möglichkeiten der Phytotherapie.

Ein Abschnitt darin handelt von potenziellen Wechselwirkungen von Heilpflanzen mit anderen Arzneimitteln:

„Bei der Verordnung von Phytopharmaka sind mögliche Interaktionen mit anderen Medikamenten zu berücksichtigen, die in erster Linie auf die synthetischen Pharmaka mit ihren isolierten Einzelsubstanzen in hohen Dosen zurückgehen. Werden Phytopharmaka mit ihrer großen Bandbreite an Wirkstoffen zusammen mit hochdosierten Einzelstoffen gegeben, kann es durch Interaktionen im Cytochrom-P-Oxidase-System (besonders Induktion der CYP-450 3A4) zu relevanten Wechselwirkungen kommen.“

Der Autor geht auf wichtige Beispiele ein:

„Ein inzwischen gut belegtes Beispiel ist Johanniskraut- Extrakt, der die Wirkung von Cyclosporin, Digoxin, Indinavir, Amitriptylin, Midazolam u. a. vermindern kann. Aber auch Nahrungsmittel wie Grapefruit haben ein erhebliches Wechselwirkungspotenzial: Die Wirkung von Statinen, Sertralin, Sildenafil, Tacrolimus, Fluoxetin u. a. kann durch Furanocumarine, die CYP 3A4 hemmen, in den toxischen Bereich angehoben werden. Auch von Koffein, Traubensaft, Kohlgemüse (CYP 1A2), Knoblauch (CYP 3A4), Alkohol, Brunnenkresse (CYP 2E1) sind relevante Arzneimittelinteraktionen bekannt. So kann Brunnenkresse-Extrakt, der bei Bronchitis und Harnwegsinfektionen eingesetzt wird, den Abbau von Paracetamol verlangsamen.“

Quelle:

http://www.springermedizin.de/abc-der-klassischen-phytotherapie/275054.html

Kommentar & Ergänzung:

Das am häufigsten diskutierte Beispiel für Interaktionen zwischen Heilpflanzen und anderen Arzneimitteln ist Johanniskraut.  Im Gespräch ist insbesondere eine mögliche Abschwächung der Wirkung  der Antibaby-Pille durch gleichzeitige Einnahme von Johanniskraut-Extrakten.

Siehe dazu auch:

Johanniskraut und Antibaby-Pille – Warnungen gerechtfertigt?

Das Zitat macht aber auch deutlich, dass Wechselwirkungen mit Medikamenten auch bei vielen Nahrungsmitteln auftreten können (zum Beispiel Grapefruitsaft, Kohlgemüse, Traubensaft, Knoblauch).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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