In-vitro-Studie: Ginkgo schützt Nervenzellen

Wenn Nervenzellen altern, vermindert sich die Aktivität ihrer Mitochondrien. Die Folge ist ein Energiemangel, der wiederum die Zellalterung der Neuronen und ein Nachlassen der Gehirnleistung fördert. Dieser Kreislauf lässt sich mit einem Ginkgo-Extrakt durchbrechen, wie Heidelberger Forscher in einem Zellmodell darlegen konnten.

Ein Merkmal des Älterwerdens ist, dass die Konzentration und andere kognitive Fähigkeiten nachlassen. Auslöser der abnehmenden Leistungsfähigkeit der Nervenzellen ist ein zunehmender Energiemangel, der durch Schäden der neuronalen Mitochondrien entsteht. Das haben Wissenschaftler der Universität Heidelberg herausgefunden, die den Alterungsprozess von Neuronen im Zellmodell imitiert haben. Da Adenosin-Triphosphat (ATP), der universelle Energielieferant des menschlichen Organismus, in den Mitochondrien gebildet wird, handelt es sich dabei um einen sich selbst verstärkenden Effekt.

»Bisherige Zellkulturmodelle zur Untersuchung neurodegenerativer Prozesse hatten den Nachteil, dass in ihnen eine akute und schnelle Störung des mitochondrialen Energiestoffwechsels ausgelöst wurde. Das entspricht jedoch nicht der In-vivo-Situation, wo die Schädigung der Zellen langsam zunimmt«, erläuterte Professor Dr. Jürgen Kopitz vom Pathologischen Institut der Universität Heidelberg bei einer von der Firma Schwabe gesponserten Veranstaltung auf Mallorca. Kopitz und seinen Kollegen gelang es, in ihrem Zellmodell eine langsam akkumulierende moderate Schädigung von Neuroblastomzellen auszulösen.

Im Heidelberger Zellmodell wurde deutlich, dass sich bei ATP-Mangel in den Mitochondrien der Oxidationsschutz vermindert. Oxidativer Stress und Lipidperoxidation können in der Folge Membrane, Proteine und DNA der Zellorganellen schädigen. »Anders als die DNA im Zellkern, verfügt die mitochondriale DNA über keine Reparaturmechanismen«, erklärte Kopitz. In ihrem Modell ließen die Heidelberger Wissenschaftler die Zellschädigung so weit akkumulieren, dass die Zellen am Ende den programmierten Zelltod (Apoptose) einleiteten.

Konzentration nur bedingt trainierbar

Kopitz und Kollegen konnten aufzeigen, dass der Ginkgo-biloba-Extrakt EGb 761 (Tebonin,  CH: Tebofortin, Tebokan) die Nervenzellen vor diesen schädigenden Einflüssen schützen kann. Dabei steht laut Kopitz der Schutz der Mitochondrienfunktion durch eine Steigerung des ATP-Spiegels im Mittelpunkt. In den Zellkulturen, die sie mit dem Ginkgo-Extrakt behandelt hatten, fanden die Forscher praktisch keine Apoptose. In weiteren Versuchen wollen die Wissenschaftler klären, welche Komponenten des Pflanzenextraktes für die beobachteten günstigen Wirkungen auf die Mitochondrienfunktion verantwortlich sind.

Mit Möglichkeiten zur Optimierung der Konzentration ohne pharmakologische Hilfsmittel beschäftigt sich Professor Dr. Karl Westhoff von der Technischen Universität Dresden. Westhoff zufolge hängt die Konzentration von diversen Variablen ab, die man nicht immer alle selbst beeinflussen kann. Lärm, Schmerzen, Ärger oder fehlende Motivation seien Beispiele für Bedingungen, welche die Konzentrationsfähigkeit stark einschränken, erklärte Westhoff. Besonders störend sind gemäss Westhoff überzogene Erwartungen, die andere oder man selbst an sich stellt. »Konzentration setzt eine bewusste Informationsverarbeitung voraus. Kein Mensch kann daher viele Dinge gleichzeitig machen, auf die er sich richtig konzentrieren muss«, sagte der Psychologe.

Die Fähigkeit zur Konzentration ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das gemäss Westhoff nur bedingt trainierbar ist. In den üblichen Konzentrationstests muss der Proband einfache Aufgaben lösen, die keine speziellen Kenntnisse oder Fähigkeiten erfordern. Kriterien für die Güte der Konzentration sind die Schnelligkeit und die Anzahl der Fehler. Übt man Konzentrationstests, gewinnt man an Geschwindigkeit und macht auch etwas weniger Fehler. Diese Übungsgewinne bleiben über Wochen und Monate bestehen, betreffen jedoch immer nur den Bereich, auf dem geübt wurde. Eine allgemeine Verbesserung der kognitiven Funktionen lässt sich damit also nicht erzielen. Gemäss Westhoff existiert kein Konzentrationstest mit nachgewiesenen Transfereffekten. Optimale Rahmenbedingungen seien für eine gute Konzentration viel wichtiger als häufige Konzentrationsübungen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=36968&type=0 /

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin unabhängig von Phytopharmaka-Herstellern jeder Art und damit auch von Wilmar Schwabe in Karlsruhe. Daher kann ich gut einmal hier ein Lob aussprechen. Schwabe investiert viel Geld und Fachwissen in die Ginkgo-Forschung. Dies im Gegensatz zu vielen Trittbrett-Fahrern, die nur Umsatz mit Ginkgo-Präparaten machen, ohne zum Wissensstand etwas beizutragen.

So sind denn auch die Arbeiten an der Universität Heidelberg interessant, wobei allerdings noch zwei Punkte anzufügen sind:

Erstens handelt es sich im Laborexperimente (In-vitro). Unklar bleibt damit, ob die beobachteten Effekte auch im Gehirn eines lebendigen Menschen stattfinden.

Zweitens wird aus dem Bericht nicht ersichtlich, ob und falls ja in welcher Fachzeitschrift die Resultate veröffentlicht worden sind. Die Präsentation an einer Pressekonferenz in Mallorca allein ist noch kein Gütesiegel.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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