Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoides): Gute Evidenz bei Atemwegsinfekten

Umfangreiche wissenschaftliche Daten belegen die symptomlindernden und krankheitsverkürzenden Wirkungen des Pelargonium-sidoides-Extrakts EPs® 7630 (Umckaloabo®) bei Atemwegsinfekten.

Bei grippalen Infekten könne der Pelargonium-sidoides-Extrakt die Symptome lindern und die Krankheitsdauer verkürzen, erklärte Professor Dr. Michael Tamm vom Universitätsspital Basel auf einer Veranstaltung des Herstellers Schwabe in Hamburg. Der Pneumologe sagte: »Zahlreiche klinische Studien mit mehr als 10.000 Probanden, darunter circa 4000 Kinder und Jugendliche, dokumentieren die Wirksamkeit von Umckaloabo bei viralen Infekten«.

Das Spektrum reiche von akuter (Rhino-) Pharyngitis (Rachenentzündung), Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung), Laryngitis (Kehlkopfentzündung), Tracheitis (Luftröhrenentzündung) und Otitis media (Mittelohrentzündung) bis hin zur akuten Bronchitis und Lungenentzündung.

Der Pelargonium-sidoides-Extrakt wirke symptommindernd und krankheitsverkürzend unter anderem durch Hemmung der Vermehrungszyklen wichtiger Atemwegsviren.

Ebenfalls nachgewiesen seien bakterizide Effekte durch Minderung der Anheftung dieser Krankheitserreger an Schleimhautzellen bei gleichzeitiger Chemotaxis und Phagozytose. Darüber hinaus werde durch Modulation der Synthese von Interferonen, Entzündungsstoffen und Defensinen das körpereigene Abwehrsystem gestärkt. Professor Tamm zufolge vermindert der Extrakt zudem sowohl die Zahl als auch das Ausmaß von Exazerbationen (akute Verschlechterung) der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD).

Professor Dr. Martin Korte von der Technischen Universität Braunschweig sagte ergänzend:

»Die in Studien nachgewiesene Supprimierung der Replikation spezifischer Grippeviren durch Umckaloabo kann sich auch mit Blick auf die Verringerung bislang kaum berücksichtigter Spätfolgen als wichtig erweisen«.

Bei Erkältungen werden laut Korte im peripheren Gewebe entzündungsfördernde Mediatoren wie TNF-α, IL-6 beziehungsweise Il-1β und Il-2 freigesetzt, die direkt oder indirekt auch auf das Gehirn wirken können. Langfristig könne die zentrale Neuoinflammation zu Symptomen wie Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Depressionen führen, sowie gegebenenfalls auch zu Gedächtnisstörungen bis hin zu Morbus Alzheimer.

Weiter führt der Neurobiologe Korte aus: »Die eventuellen Nachwirkungen können weit über die akute Phase der Erkrankung reichen, wobei die Intensität und Dauer des grippalen Infekts eine große Rolle spielen. Besonders ältere Menschen erholen sich oft nur schwer und sind häufig über längere Zeit desorientiert«. Auch vor diesem Hintergrund könne sich die frühzeitige Behandlung von Erkältungskrankheiten mit evidenzbasierten Phytopharmaka als bedeutsam erweisen, so der Neurobiologe.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/gute-evidenz-bei-erwachsenen-und-kindern/

 

Kommentar & Ergänzung:

Der Text in der Pharmazeutischen Zeitung enthält ziemlich viel Fachjargon, aber darüber hinaus auch ziemlich viel Spekulation. Nicht so untypisch für eine Pressekonferenz, die auch Werbecharakter hat. Was die Wirkungen des Pelargonium-sidoides-Extrakt angeht, werden hier viele Ergebnisse aus dem Labor in den Raum gestellt, bei denen ungeklärt ist, ob diese Wirkungen auch im Organismus eines lebenden Menschen so verlaufen und ob sie im Erkältungsfall für die Genesung relevant sind.

Wichtiger ist, ob und in welchen Fällen sich ein Arzneimittel in klinischen Studien mit Patientinnen und Patienten bewährt hat.

Beim erwähnten Extrakt aus Kapland-Pelargonie ist klinisch vor allen der auswurffördernde Effekt bei Bronchitis gut belegt. Bei dieser Indikation kann der Umckaloabo®-Extrakt als Schleimlöser mit den synthetischen Auswurfförderern gut mithalten oder ist ihnen gar überlegen. An diesem Punkt – als auswurfförderndes (=expektorierendes) Hustenmittel  – ist der Pelargonium-sidoides-Extrakt ein wichtiges Phytopharmakon (pflanzliches Arzneimittel).

Dagegen scheint es mir unangebracht, den Pelargonium-sidoides-Extrakt auch noch in einen Zusammenhang zu stellen mit Depressionen, Gedächtnisstörungen und Alzheimer.

In Apotheken und Drogerien werden unterschiedliche Tinkturen oder Extrakte aus der Kapland-Pelargonie verkauft, oft auch als Hausspezialität.

Die Forschung auf diesem Gebiet wurde aber von Schwabe in Karlsruhe mit dem Umckaloabo®-Extrakt gemacht. Dieses Präparat ist zwar in der Regel etwas teuerer als die Hausspezialitäten, aber dafür ist Umckaloabo® besser in seiner Wirksamkeit dokumentiert. Ich selber berücksichtige zudem bevorzugt diejenigen Phytofirmen, die mit Forschung zur Weiterentwiclung der Phytotherapie beitragen – und weniger die Trittbrettfahrer, die auf den Erkenntnissen anderer aufbauend eine Kopie auf den Markt werfen.

Umckaloabo® ist in der Schweiz auch als Kaloabo® im Handel und unter diesem Namen kassenzulässig aus der Grundversicherung, wenn ein Arzt oder eine Ärztin das Präparat verschreibt.

Wer sich fundiert mit den Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten der Heilpflanzen vertraut machen möchte, kann das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.