Kräutertee: Zerkleinerungsgrad bei der Teezubereitung beeinflusst Wirkstoffausbeute

Bei der Zubereitung eines Kräutertees spielt der Zerkleinerungsgrad der verwendeten Heilpflanze eine wichtige Rolle. Dazu hier ein Zitat aus dem Buch „Teedrogen und Phytopharmaka“ von Max Wichtl (2009), das Sie im Buchshop anschauen können:

„Untersuchungen zur Freisetzung von Rosmarinsäure aus Salbeiblättern in einem Heisswasserauszug ergab für verschiedene Schnittgrössen deutliche Unterschiede; eine optimale Ausbeute (50%) wurde mit gepulverter Droge und 10 min Extraktionszeit erzielt. Bei Lindenblüten ergibt ein mit geschnittener Droge hergestellter Teeaufguss eine Ausbeute von 60% an Flavonoiden, ein mit gepulverter Droge bereiteter Tee jedoch eine solche 80 %. Bei Faulbaumrinde und Cascararinde lassen sich aus pulverisierter Droge fast 90% der Anthraderivate in ein Teegetränk überführen, bei Verwendung von grob geschnittener Droge hingegen nur 30 %.“

Kommentar & Ergänzung:

Vorneweg, damit keine Missverständnisse auftreten: Wenn hier von „Drogen“ die Rede ist, dann sind damit getrocknete Heilpflanzen gemeint, und nicht etwa entsprechend der heute gebräuchlicheren Bedeutung von „Rauschmittel“ oder „Betäubungsmittel“.

Das Zitat zeigt zwei interessante Aspekte:

  1. In der Phytotherapie ist es nicht nur wichtig zu überlegen, welche Heilpflanzen gegen bestimmte Beschwerden am besten eingesetzt werden sollen. Genauso wichtig ist es zu überlegen, in welcher Form diese Heilpflanze am besten zur Anwendung kommen soll – zum Beispiel als Kräutertee, Pflanzentinktur oder Pflanzenextrakt. Und beim Kräutertee kommt dann die Zubereitungsweise (Aufguss? Abkochung? Kaltauszug?) und eben der Zerkleinerungsgrad ins Spiel.
  1. Es ist nicht überraschend, dass ein grösserer Zerkleinerungsgrad zu besserer Wirkstoffausbeute führt. Je kleiner die Pflanzenteile, desto grösser die Oberfläche, an der das Wasser eindringen kann, um Wirkstoffe zu herauszulösen. Eindrücklich ist vor allem, dass der Unterschied bei den Rinden derart gross ist, also bei harten Pflanzenteilen. Bei Wurzeln würde das Ergebnis wohl vergleichbar ausfallen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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