Pflanzenheilkunde: Was ist Goji?

Goji (Gemeiner Bocksdorn) wird vor allem im Internet stark propagiert. Was genau ist Goji?

Nach Wikipedia:

„Der Gemeine Bocksdorn (Lycium barbarum, synonym: L. halimifolium) ist ein Nachtschattengewächs (Solanaceae) aus der Gattung der Bocksdorne (Lycium). Die Pflanze ist ein Neophyt, und wird auch Gemeiner Teufelszwirn, nur Teufelszwirn, Hexenzwirn oder Chinesische Wolfsbeere genannt. In China heißt sie Níngxià gǒuqǐ (chin. 宁夏枸杞 „Gǒuqǐ aus Ningxia“), im englischsprachigen Raum Goji oder Wolfberry. Sie wird als Zierpflanze verwendet und ist Bestandteil der chinesischen Küche und der traditionellen chinesischen Medizin.“

Eine gute Übersicht zum Gemeinen Bocksdorn publizierte kürzlich der Pharmavista-Newsletter.

Hier eine modifizierte Zusammenfassung:

In der traditionellen chinesischen Medizin werden Goji-Beeren bei diversen Indikationen angewendet: Schwindel, Sehstörungen, Abnahme der Sehschärfe, nächtliches Schwitzen, Müdigkeit, Anämie usw.. Die empfohlene Menge liegt zwischen 5g und 12g getrocknete Früchte täglich.

In der chinesischen Volksmedizin erhofft man sich von der Einnahme von Goji-Beeren ein langes Leben.

Die Beeren von Lycium barbarum enthalten hauptsächlich Polysaccharide und Carotinoide, vor allem Zeaxanthin, welches antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften besitzt. Ebenfalls enthalten sind Vitamine (C, B1, B2), Flavonoide, Fettsäuren, Aminosäuren (Prolin, Taurin) und Pyrolderivate mit leberschützenden Eigenschaften.

Es existieren viele pharmakologische Studien mit Goji-Beeren, jedoch sind es meistens in-vitro Studien in welchen antioxidative, immunmodulatorische, entzündungshemmende, lipidsenkende und leberschützende Eigenschaften festgestellt wurden.

Einzelne klinische Studien wurden mit einer kleinen Anzahl Teilnehmern durchgeführt. Dabei konnte eine deutliche Verminderung von Müdigkeit, Schlafproblemen, Schwindel und Appetitlosigkeit festgestellt werden. In einer Studie wurde auch der Nutzen als Adjuvans (unterstützendes Mittel) in der Krebsbehandlung im Rahmen einer Chemotherapie gezeigt.

Bis jetzt wurden keine schweren Nebenwirkungen beobachtet. Weil entsprechende Daten fehlen wird Goji Schwangeren nicht empfohlen. Es wurde eine Interaktion (Wechselwirkung) mit Warfarin beobachtet. Patienten unter Antikoagulantien sollten daher ohne ärztliche Anweisung keine Goji-Beeren einnehmen.

Professor Kurt Hostettmann betont in seinem Buch, dass Goji wichtige biologische und gesundheitsfördernde Eigenschaften besitzt. Um das therapeutische Potential beurteilen zu können, sind jedoch noch kontrollierte klinische Studien nötig.

In der Schweiz wurden in einzelnen Handelsprodukten Pestizid- und Schwefelrückstände festgestellt. Es müssen deshalb möglichst schnell Qualitätsstandards geschaffen werden.

Literatur:

_Les vertus thérapeutiques des fruits exotiques, Kurt Hostettmann, Editions Favre 2011, p57

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=4196&NMID=4196&LANGID=2

Kommentar & Ergänzung:

Zur Studie betreffend adjuvanter Anwendung von Goji begleitend zur Chemotherapie: Vermutlich geht es hier um eine Linderung von Nebenwirkungen der Chemotherapie durch die antioxidativen Eigenschaften des Gemeinen Bocksdorns. Dazu ist allerdings zu sagen, dass eine hochdosierte antioxidative Therapie möglicherweise auch die Wirksamkeit der Chemotherapie beeinträchtigen kann. Ich würde daher raten, eine allfällige Einnahme von Goji während einer Chemotherapie mit dem behandelnden Onkologen oder der behandelnden Onkologin zu besprechen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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