ProSpecieRara startet Erhaltungsprojekt für Kräuter und Heilpflanzen

ProSpecieRara sucht Kräuter und Heilpflanzen, die seit mindestens zehn Jahren in einem Garten angebaut werden und bereits vermehrt wurden. Zudem sollten die Kräuter oder Heilpflanzen eine besondere Eigenschaft wie spezielle Farbe oder Duft aufweisen.

ProSpecieRara schreibt im aktuellen Newsletter, es bestehe die Gefahr, dass gut an das Klima angepasste Landsorten durch moderne Züchtungen verdrängt werden.

In der Schweiz habe es neben Firmen auch immer Einzelpersonen wie Apotheker, Drogisten, Landwirte und interessierte Privatpersonen gegeben, welche Heilpflanzen und Kräuter anbauten.

In diesen Kreisen will ProSpecieRara nun nach solchen speziellen Varianten von Kräutern oder Heilpflanzen forschen.

ProSpecie Rara schreibt:

„Haben Sie ein Würzkraut oder eine Heilpflanze ihrem Garten, die Sie:

– seit mindestens 10 Jahren anbauen

– die nicht nur als Einzelexemplare vorhanden sind, sondern schon vermehrt wurden, sei es über Samen oder über Ableger / Stecklinge.

– die eine besondere Eigenschaft besitzen (z.B. ausserordentliche Kälteresistenz, besondere Farbe, spezieller Duft etc.)

Bitte melden Sie ihre Pflanzen mit Angaben zu Verwendung und den obigen Kriterien über 062 832 08 20 (vormittags) oder info@prospecierara.ch.

Schicken Sie uns jedoch bitte vorerst keine Pflanzen zu!“

Diese Inventarisierung von Kräutern und Heilpflanzen mit speziellen Eigenschaften geschieht im Rahmen eines Inventars für das Nationale Aktionsprogramm zur Erhaltung und Nutzung der pflanzengenetischen Ressourcen (NAP) und wird vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) finanziell unterstützt.

ProSpeciaRara geht im Newsletter auch auf die Geschichte des Kräuteranbaus in der Schweiz ein:

„Waren es vor über 1200 Jahren die Klostergärten des frühen Mittelalters wie zum Beispiel St. Gallen, die Heil- und Aromapflanzen anbauten, bestand um 1900 eine Grosskultur von Iris zur Parfümgewinnung. Ausser in den Kriegsjahren, wo der Import von Heilpflanzen sehr schwierig war, hat es sich aber in der Schweiz wirtschaftlich nicht gelohnt in grösserem Stil Kräuter anzubauen. Der Grund lag in den meist kleinen Anbauflächen, hohen Bodenzinsen und Arbeitslöhnen. Während der Kriegszeit waren die Preise oft von sekundärer Bedeutung, weil man froh war überhaupt Waren anbieten zu können. Trotzdem wurden immer wieder Versuche mit verschiedenen Kulturen unternommen. So hat zum Beispiel die Sandoz AG Basel Anfang der Vierzigerjahre des letzten Jahrhunderts bis Mitte der Siebzigerjahre im Baselbiet pioniermässig im Grossen Stil Mutterkorn, wolligen Fingerhut und andere Pflanzen angebaut, die für die Herstellung eigener pharmazeutischer Spezialitäten verwendet wurden. Von all diesen Kulturen ist nichts erhalten geblieben.“

Und zum aktuelleren Trend:

„In den 1980-er Jahren bekam der Anbau von Kräutern in den Alpen durch die Ricola AG Aufschwung, die seit 1983 ihre 13 Kräuter ausschliesslich von Produzenten aus dem Schweizer Berggebiet bezieht. Der gegenläufigen Trend findet momentan bei der Weleda AG in Arlesheim statt, die den Anbau ihrer Aroma- und Medizinalpflanzen aus der Schweiz immer mehr ins Ausland verlagert.“

Quellen:

http://www.schweizerbauer.ch/htmls/artikel_29957.html

http://www.prospecierara.ch/Generator.aspx?tabindex=1&tabid=501&ItemID=1361&mid=625&palias=default

Kommentar & Ergänzung:

Was ist ProSpecieRara?

ProSpecieRara ist eine schweizerische, nicht-Profit-orientierte Stiftung, die 1982 gegründet wurde, um gefährdete Nutztierrassen und Kulturpflanzen vor dem Aussterben zu bewahren. Spiegelschafe, Wollschweine, Rote Gartenmelde, Goldmöstler und zahlreiche andere Raritäten beleben seither wieder Felder, Höfe und Wiesen in der Schweiz.

Als Folge der Artenschutzkonvention von Rio 1992 unterschrieb der Bund das Artenschutzabkommen von Leipzig und verpflichtete sich damit, sämtliche Ressourcen bei Tieren und Pflanzen zu erhalten. ProSpecieRara arbeitet in diversen Projekten Hand in Hand mit dem Bund und bekommt zum Teil Projektgelder vom Bundesamt für Landwirtschaft.

Zu den Ziele von ProSpecieRara:

ProSpecieRara setzt sich für Erhaltung der biologischen Vielfalt ein

26 Nutztierrassen, 1000 Gartenpflanzen und Ackerpflanzen, 450 Beerensorten und 1’800 Obstsorten stellen einen Reichtum dar, den ProSpecieRara mit seinen Aktivitäten und Projekten bewahren will. Mit den verschiedenen Formen, Farben und Eignungen ist diese Vielfalt eine bedeutende genetische Reserve und ein Pool an verschiedenen Eigenschaften, deren Erhaltung wichtig und sinnvoll ist.

ProSpecieRara setzt sich für die Wahrung der kulturellen Vielfalt ein

Die Vielfalt an alten Landrassen und Kulturpflanzen ist ein wertvolles kulturhistorisches Erbe. Traditionelle Tierrassen  und Pflanzensorten erzählen ein Stück Landwirtschaftsgeschichte und sind mit der Kultur unseres Landes eng verbunden. ProSpecieRara sensibilisiert die Öffentlichkeit für den Schatz, den diese Vielfalt darstellt.

ProSpecieRara setzt sich für freien Zugang ein

ProSpecieRara kämpft gegen Gesetze und Verordnungen, die den Zugang zu Saatgut und Zuchttieren einschränken oder verunmöglichen.

Ernährungsgrundlage sichern

Ein breiter, genetischer Pool an Nutztieren und Kulturpflanzen ist von grossem Wert.

Mit der Erhaltung einer breiten, genetischen Reserve leitet ProSpecieRara einen Beitrag zur Sicherung der pflanzlichen und tierischen Rohstoffe.

Unsere Umwelt verändert sich permanent, so dass bei Kulturpflanzen und Nutztieren in Zukunft andere Eigenschaften gefragt sein könnten als heute. Genetische Vielfalt ist daher die beste Vorbeugung gegen künftige Anpassungsprobleme.

Die in-situ-Erhaltung – also die dynamische Erhaltung in den Gärten, auf den Äckern und in den Ställen – ermöglicht eine fortlaufende Anpassung an die sich verändernde Umwelt. Dies ist ein grosser Vorteil verglichen mit der ex-situ-Erhaltung in Samenbanken und Genbanken, wo Saatgut und tierisches Zuchtmaterial über lange Zeitspannen tiefgefroren und ohne Interaktion mit der Umwelt eingelagert werden.

ProSpecieRara trägt Wissen zusammentragen und gibt Wissen weiter

ProSpecieRara setzt auf die in-situ-Erhaltung, was bedeutet, dass die Vielfalt an Sorten und Rassen über die natürlichen Anbau- und Zuchtzyklen von Saison zu Saison weiter gegeben wird. Nur so bleiben auch das Wissen und die Erfahrungen rund um den Anbau der Sorten und  die Haltung der Rassen erhalten. Wann ist der optimale Erntezeitpunkt einer bestimmten Pflanzensorte? Welches Futter und welche Haltungsformen brauchen die verschiedenen Nutztierrassen? Welche Obstsorten eignen sich für den Anbau in höher gelegenen Regionen? Was muss bei der Landschaftspflege mit alten Ziegenrassen beachten werden? Solches Wissen lässt sich nicht einlagern und einfrieren. Dank der in-situ-Erhaltung wird es von Saison zu Saison weitergegeben. Und auch die Möglichkeiten der Nutzung der Sorten und Rassen und deren Verarbeitung bleiben so kontinuierlich erhalten.

Die Vielfalt lässt sich am sichersten erhalten, wenn sie genutzt wird. Nur was im Umlauf ist, gerät nicht in Vergessenheit.

Gütesiegel als Vermarktungshilfe

Alte Pflanzensorten und Nutztierrassen bleiben aber nur erhalten, wenn sie auch angemessenen Ertrag bringen.

Die Stiftung ProSpecieRara stellt mit ihrem Gütesiegel eine Vermarktungshilfe zur Verfügung. Es zeichnet Spezialitäten von alten Rassen und Sorten aus und garantiert den Konsumentinnen und Konsumenten, dass hinter den Produkten reinrassige Erhaltungszucht und sortenreines Saatgut stecken und dass sich der Kauf dieser Spezialitäten günstig und nachhaltig auf die Erhaltung der gefährdeten Vielfalt auswirkt.

ProSpecieRara organisiert im Herbst Produktemärkte als Plattformen, wo die Gütesiegelbetriebe auf ein interessiertes Publikum stossen (zur Zeit in Zofingen, Basel und Zürich) Die aktuellen Daten sind zu finden im Veranstaltungskalender auf http://www.prospecierara.ch

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar