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[Buchtipp] “Wie Demokratien sterben – und was wir dagegen tun können”, von Steven Levitsky, Daniel Ziblatt

Verlagsbeschreibung

Warum die Demokratie bedroht ist – und wie wir sie retten können.
Demokratien sterben mit einem Knall oder mit einem Wimmern. Der Knall, also das oft gewaltsame Ende einer Demokratie durch einen Putsch, einen Krieg oder eine Revolution, ist spektakulärer. Doch das Dahinsiechen einer Demokratie, das Sterben mit einem Wimmern, ist alltäglicher – und gefährlicher, weil die Bürger meist erst aufwachen, wenn es zu spät ist. Mit Blick auf die USA, Lateinamerika und Europa zeigen die beiden Politologen Steven Levitsky und Daniel Ziblatt, woran wir erkennen, dass demokratische Institutionen und Prozesse ausgehöhlt werden. Und sie sagen, an welchen Punkten wir eingreifen können, um diese Entwicklung zu stoppen. Denn mit gezielter Gegenwehr lässt sich die Demokratie retten – auch vom Sterbebett.  Zum Shop

Aus Buchbesprechungen

“Ein unaufgeregt nüchternes und zugleich eindringliches Buch”

ZDF aspekte

„Beeindruckend an dem Buch ist zweierlei: Erstens erstellt es einen scheinbar für alle Länder gültigen Katalog von Machtmitteln, mit denen gewählte Volksvertreterinnen eine Demokratie in ein autoritäres Regime verwandeln können. Zweitens zeigen die Autoren, wie fundamental die Veränderungen sind, die Amerika über die letzten fünfzig Jahre geprägt und die die politische Kultur des Landes zur Unkenntlichkeit entstellt haben. Trump, so sagen sie, ist nicht der Grund, sondern das Symptom des politischen Sittenzerfalls in den USA. Er ist das Schaumkrönchen zuoberst auf der gigantischen Welle von autoritären Kräften, die in Washington an Macht gewonnen haben. Die Bedrohung der amerikanischen Demokratie ist älter als das Trump-Phänomen – und wird nicht vorüber sein, wenn er wieder aus der Landschaft verschwinden sollte.“

Daniel Binswanger im Online-Magazin Republik

«„Wie Demokratien sterben“ ist ein wichtiges und aufrüttelndes Buch. Es legt dar, woran das langsame Sterben der Demokratien früh zu erkennen ist und wie Gegenwehr angelegt sein kann. In vielen Staaten des Westens sind die hier beschriebenen Probleme zu beobachten. Sie zu erkennen ist der erste Schritt, dagegen anzugehen der zweite. „Wie Demokratien sterben“ zeigt auch, wie hilfreich wissenschaftliche Erkenntnisse für die politische Praxis sein können. Es ist eine ausgezeichnete Aufklärung für alle, denen das demokratische Leben wichtig ist.»

Thomas Jäger im Magazin Focus

Zu den Autoren

Steven Levitsky und Daniel Ziblatt sind Professoren für Regierungslehre an der Universität Harvard. Steven Levitskys Forschungsschwerpunkte sind politische Parteien, Demokratien und Autokratien sowie die Rolle von informellen Institutionen vor allem in Südamerika. Daniel Ziblatt forscht hauptsächlich zu Demokratie und Autoritarismus in Europa, Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte führten ihn u.a. nach Berlin, Köln, Konstanz, München, Paris und Florenz. Forschung und Lehre beider Autoren sind preisgekrönt, als Experten auf ihren Forschungsgebieten haben sie mehrere Bücher und zahlreiche Fachartikel verfasst.

Kommentar von Martin Koradi

Die beiden US-amerikanischen Autoren schreiben im Vorwort, dass sie sich seit 15 Jahren mit dem Versagen von Demokratien an anderen Orten und zu anderen Zeiten auseinandersetzen – zum Beispiel in den dunklen 1930er Jahren in Europa und den repressiven 1970er Jahren in Lateinamerika – und nun feststellen, dass sie sich ihrem eigenen Land zuwenden müssen.

Dementsprechend nimmt die Entwicklung in den USA einen wichtigen Platz im Buch ein, doch sind vor allem auch dieVergleiche mit antidemokratischen Vorgängen in anderen Ländern interessant, zum Beispiel in Argentinien, Equador, Ungarn, Polen oder Peru.

Die Autoren haben vier Verhaltensweisen identifiziert, die als Warnzeichen dienen können, um autoritäre Politiker zu erkennen:

„Danach sollten wir uns Sorgen machen, wenn ein Politiker (1) in Wort oder Tat demokratische Spielregeln ablehnt, (2) politischen Gegnern die Legitimität abspricht, (3) Gewalt toleriert oder befürwortet oder (4) bereit ist, bürgerliche Freiheiten der Gegner, einschliesslich der Medien, zu beschneiden.“

Die Autoren kommen zum Schluss, dass Donald Trump während des Wahlkampfs und in seinem ersten Amtsjahr bereits alle vier Verhaltensweisen gezeigt hat. Sie belegen das mit Beispielen.

Levitsky und Ziblatt gehen dann ausführlicher darauf ein, was zu tun ist, wenn ein Möchtegern-Autokrat einmal erkannt ist.

Autoritäre Politiker von der Macht fernzuhalten sei leichter gesagt als getan:

„Demokratien sollen keine Parteien verbieten oder Kandidten von Wahlen ausschliessen – und auch wir befürworten solche Massnahmen nicht. Die Verantwortung für das Aussieben von Autokraten liegt vielmehr bei den Parteien und ihren Führungen – den Wächtern er Demokratie.“

Die etablierten Parteien müssen ihre Wächterfunktion (das „Gatekeeping“) wahrnehmen und extremistische Kräfte isolieren und besiegen, schreiben die Autoren.

Prodemokratische Parteien sollten:

  1. die Möchtegern-Autokraten von Wahllisten streichen,
  2. Extremisten an der Bassi aus ihren Reihen verbannen,
  3. jedes Bündnis mit antidemokratischen Parteien und Kandidaten meiden,
  4. Extremisten systematisch isolieren, anstatt sie zu legitimieren,
  5. wenn Extremisten als ernstzunehmende Wahlrivalen auftauchen, eine geschlossene Front bilden, um sie zu schlagen, wozu sie sich auch mit Gegnern zusammentun müssen, die ihnen ideologisch ernstehen, die aber die demokratische Ordnung aufrechterhalten wollen.

Levitsky und Ziblatt  beschreiben eindrücklich, wie Autokraten, nachdem sie durch Wahlen an die Macht gekommen sind, den Rechtsstaat und die Demokratie in Windeseile demontieren können:

„Um zu verstehen, wie gewählte Autokraten auf subtile Weise Institutionen untergraben, hilft es, sich ein Fussballspiel vorzustellen. Um ihre Macht zu festigen, müssen angehende Autokraten die Schiedsrichter gleichschalten, wenigstens einige der wichtigsten Spieler der gegnerischen Mannschaft neutralisieren und schliesslich die Spielregeln so umzuformulieren, dass sich für sie Vorteile ergeben und das Spiel zum Nachteil der Gegner verändert wird.“

Es geht dem Autokraten um die Schwächung und Ausschaltung aller Mächte, die seiner eigenen Macht Grenzen setzen könnten (insbesondere Parlament, Gerichte, Medien).

Die Autoren betonen, dass ihrer Meinung nach verfassungsmässige Sicherheitsvorkehrungen nicht ausreichen, um die Demokratie zu schützen. Sie beschreiben, dass auch gut durchdachte Verfassungen machmal versagen, und dass die Demokratie darüber hinaus starke demokratische Normen braucht. Zwei Normen seien für das Funktionieren einer Demokratie besonders wichtig: gegenseitige Achtung und institutionelle Zurückhaltung.

Gegenseitige Achtung meint vor allem die Überzeugung, dass politische Gegner keine Feinde sind.

Institutionelle Zurückhaltung kann man sich vorstellen als Unterlassen von Handlungen, die zwar den Buchstaben des Gesetze genügen, ihren Geist aber offensichtlich verletzen.

Starke Polarisierung zum Beispiel kann diese beiden Normen zerstören und die Demokratie in den Abgrund führen.

Levitsky und Ziblatt  beschreiben einen solchen Weg in die Polarisierung am Beispiel der USA und machen dabei deutlich, dass diese Entwicklung schon lange vor Trump begonnen hat.

In Bezug auf die USA empfehlen die Autoren, dass sich die prodemokratische Opposition nicht der gleichen schutzigen Machtspiele wie Trump bedienen, sondern auf die Wiederherstellung demokratischer Normen hinwirken sollte.

Trumps Gegner sollten nach Levitsky und Ziblatt  eine breite prodemokratische Koalition bilden:

„Heutzutage sind Koalitionen häufig Zusammenschlüsse von gleichgesinnten Gruppen…..Koalitionen von Gleichgesinnten sind wichtig, aber sie genügen nicht, um die Demokratie zu verteidigen. Die wirkungsvollsten Koalitionen sind diejenigen, in denen sich gruppen zusammenfinden, die in vielen Fragen unterschiedliche – und häufig gegensätzliche – Ansichten vertreten. Sie bestehen nicht aus Freunden, sondern aus Gegnern. Eine wirkungsvolle Koalition zur Verteidigung der amerikanischen Demokratie müsste also Progressive, Geschäftsleute und Unternehmer, religiöse (und insbesondere evangelikale) Führer und Republikaner aus Bundesstaaten mit republikanischer Mehrheit umfassen……Koalitionen zu bilden, die über unsere natürlichen Verbündeten hinausgehen, ist schwierig. Man muss bereit sein, Anliegen, die einem wichtig sind, für den Augenblick beiseite zu legen.“

Die Autoren werfen aber auch einen Blick in die Zukunft:

„Darüber nachzudenken, wie man gegen den Machtmissbrauch der Regierung Trump Widerstand leisten kann, ist wichtig. Aber das Grundproblem, vor dem die amerikanische Demokratie steht, bleibt die extreme Spaltung des Landes in verfeindete Lager, die nicht nur von politischen Meinungsverschiedenheiten verursacht wird, sondern auch von tiefersitzenden Ressentiments, einschliesslich rassischer und religiöser Unterschiede. Die grosse Spaltung Amerikas ging Trumps Präsidentschaft voraus, und sie wird diese sehr wahrscheinlich überleben.“

Das Buch bietet eine Fülle von Inputs und Hinweisen dazu, was für die Stärkung demokratischer Gesellschaften wichtig ist. Gerade auch von den Entwicklungen in den USA können wir in Europa viel lernen, damit unsere Gesellschaften nicht in dieselben Sackgassen laufen.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

Verveinetee gegen Nervosität – stimmt’s?

„Die Pflanze ist auch unter dem Namen Zitronenverbene oder Zitronenstrauch bekannt. Die Blätter enthalten ein feines, frisch nach Zitrone duftendes ätherisches Öl, das beruhigend bei Nervosität und Schlaflosigkeit wirkt……Für einen Tee 1 TL getrocknete Verveine­blätter mit 200 ml kochendem Wasser aufgießen, 10 Minuten ziehen lassen. Alternative: Frische Blätter mit kochendem Wasser übergießen und eine halbe Stunde ziehen lassen.“

Quelle:

http://madonna.oe24.at/gesund/Die-besten-Heilkraeuter-fuer-die-Seele/83718451

Kommentar & Ergänzung:

Verveine (Aloysia triphylla, Lippia citriodora) stammt aus Südamerika ( Argentinien und Chile) und ist eine beliebte Gartenpflanze, Zierpflanze und Teepflanze in warmen und gemässigten Klimaregionen. Vor allem in Frankreich wird Verveinetee gern als Genusstee verwendet.

Verveinetee gilt traditionell aber auch als Beruhigungsmittel und wird gegen Verdauungsbeschwerden empfohlen.

Das ätherische Öl aus den Blättern (Verveineöl) enthält als charakteristische Bestandteile Neral und Geranial (das Gemisch wird Citral genannt).

Citral entfaltet ein intensives Zitronenaroma und  ist auch Hauptbestandteil der ätherischen Öle von Melisse (Melissa officinalis) und Zitronengras (Cymbopogon citratus, syn. Andropogon citratus). Zusammen mit Citronellal ist es Hauptbestandteil des Melissengeists und Grundstoff zahlreicher Liköre. Im Melissentee und im Melissenöl ist Citral das beruhigende Wirkprinzip.

Mit dem Inhaltsstoff Citral lässt sich eine beruhigende Wirkung von Verveinetee begründen. Klinische Studien, die eine solche Wirkung belegen könnten, gibt es dazu allerdings nicht.

Die Bezeichnung Eisenkraut für Verveine und Eisenkrautöl für Verveineöl sind etwas irreführend. Mit Eisenkraut wird botanisch Verbena officinalis bezeichnet. Eisenkrauttee aus Verbena officinalis schmeckt sehr bitter und riecht eher streng. Kein Genusstee also.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Gelenkschmerzen lindern mit Zitronenverbene (Verveine) und Fischöl?

Die Carstens-Stiftung berichtet über eine Studie zur Wirksamkeit von Verveine-Extrakt und Fischöl gegen Gelenkbeschwerden.

Oxidativer Stress spiele bei entzündlichen Gelenkerkrankungen wie Arthritis oder der entzündlich aktivierten Arthrose eine primäre Rolle. Wie die Schädigung der Gelenke durch antioxidativ wirksame Stoffe aufgehalten werden könne, habe nun eine spanische Studie zu klären versucht.

In der Vergangenheit hätten verschiedene Studien gezeigt, dass eine an Omega-3-Fettsäuren reichhaltige Diät entzündliche Gelenkerkrankungen lindern kann. Zahlreiche dieser gesunden Fettsäuren seien zum Beispiel im Fischöl enthalten.

Zur Verveine schreibt die Stiftung:

„Zitronenverbene (Aloysia triphylla) dagegen gelangte im kulinarischen Bereich eher als Würzkraut zur Berühmtheit. Allerdings weisen die Verbascoside in der Zitronenverbene ein hohes antioxidatives und antientzündliches Potenzial auf.“

Im Rahmen einer Doppelblindstudie wurde nun eine Kombination aus Fischöl und Zitronenverbene in ihrer Wirkung auf die Gelenkfunktionen und den Gelenkschmerz bei Patienten mit Gelenkbeschwerden wie Arthritis oder Arthrose untersucht.

Innerhalb der ersten sechs Wochen Behandlungszeit schluckten die insgesamt 45 Studienteilnehmer entweder sechs Kapseln mit je 370 Milligramm Fischöl-Pulver und 230 Milligramm standardisierten Zitronenverbene-Extrakt pro Tag vor den Mahlzeiten, oder aber die gleiche Menge Placebo-Kapseln. In den letzten drei Wochen der insgesamt neun Behandlungswochen wurde die Dosis dann halbiert.

Mit Hilfe des WOMAC-Testverfahrens wurden sowohl die Schmerzintensität, das Ausmaß der Gelenksteifheit und der Gelenkfunktionalität erfasst. Verglichen mit der Placebo-Gruppe konnte der WOMAC-Wert in der Fischöl-Zitronenverbenen-Gruppe um über die Hälfte verbessert werden.

Quellen:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/schmerzfreie-gelenke-mit-zitronenverbene-und-fischoel.html

Literatur Caturla N, Funes L, Pérez-Fons L, Micol V. A randomized, double-blinded, placebo-controlled study of the effect of a combination of Lemon verbena extract and fish oil omega-3 fatty acid on joint management. J Altern Complement Med 2011; 17(1): 1051-1063

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22087615

Kommentar & Ergänzung:

Für mich ist an dieser Meldung nicht das Fischöl interessant, sondern die Zitronenverbena (Zitronenstrauch, Verveine).

Als Genusstee ist der Verveinetee sehr bekannt und beliebt. In der Phytotherapie-Fachliteratur fristet die Pflanze ein Mauerblümchen-Dasein, weil über ihre Wirkungen nur wenig fundierte Informationen vorliegen.

Ausserdem wird Verveine oft verwechselt mit dem einheimischen Eisenkraut (Verbena officinalis), das aber Bitterstoffe enthält und als Genusstee denkbar ungeeignet ist. Verveine stammt ursprünglich aus Mittelamerika und Südamerika (besonders Argentinien und Chile) und wird vor allem im Mittelmeergebiet kultiviert (vor allem in Spanien und Südfrankreich).

An Studien zur Wirkung der Verveine-Pflanze bin ich nur schon wegen dem eher mageren Stand des Wissens zu dieser Heilpflanze immer interessiert.

Schwierig an der beschriebenen Studie ist nun aber, dass Fischöl und Zitronenverbenen-Extrakt als Kombination angewendet wurden. So lässt sich nicht beurteilen, welcher Anteil an der Wirkung dem Fischöl zukommt und welcher der Zitronenverbene.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Was ist Jojobaöl?

Jojobaöl kommt in den nussähnlichen Samen des Jojobastrauches (Simmondsia sinensis) in Konzentrationen um die 50 Prozent vor. Der Strauch ist heimisch in Halbwüsten und Wüsten Mittelamerikas und heißt in der Sprache der Papago-Indianer »Ho-ho-ba«.

Genau genommen ist das Jojobaöl gar kein Öl, sondern ein bei Zimmertemperatur flüssiges Wachs.

In den USA, in Israel, Indien, Kenia, Peru, Argentinien und Australien liegen wichtige Jojoba-Anbaugebiete. Weil die Jojoba-Pflanze sehr genügsam ist, kann sie überall dort wachsen, wo Landwirtschaft wegen fehlender Niederschläge sonst kaum möglich ist. Die Sträucher schützen den Boden vor Erosion und schaffen ein günstiges Kleinklima, in dem sich auch andere Lebewesen ansiedeln.

Die Büsche sind ziemlich robust, sodass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln meist unnötig ist. In seiner natürlichen Umgebung erreicht ein Jojobastrauch eine Alter von bis zu 200 Jahren.

Schon nach einem Jahr liefert ein Strauch schon 500 Gramm Früchte, nach 25 Jahren beträgt die Ernte bis zu 13 Kilogramm pro Pflanze. Die Bauern ernten die Samen in der Trockenperiode meist von Hand, mitunter jedoch auch mit Hilfe von Erntemaschinen.

Jeder Samen beziehungsweise jede Nuss besteht zu 48 bis 56 Prozent aus Jojobaöl. Chemisch gesehen ist Jojobaöl ein Wachs, weil es nicht aus Triglyceriden besteht, sondern aus Estern primärer Alkohole und Monocarbonsäuren (Fettsäuren) mit einer Kettenlänge von 38 bis 44 Kohlenstoffatomen. Da der Schmelzpunkt des Wachses bei 7 Grad Celsius liegt, ist es das einzige in der Natur vorkommende flüssige Wachs. Jojobaöl verdirbt nicht durch Ranzigwerden wie die fetten Öle, denn seine chemische Struktur ist unempfindlich gegenüber einer Oxidation an der Luft. Ohne Zusatz von Konservierungsstoffen ist es deshalb bis zu zehn Jahren haltbar.

Weitere wichtige Inhaltsstoffe der Jojoba-Samen sind Vitamin E, Provitamin A (Betacarotin), Mineralien und das Simmondsin mit seinen Derivaten Simmondsinferulat, 4-Desmethylsimmondsin und 5-Desmethylsimmondsin. Die Samen enthalten zudem geringe Mengen freier ungesättigter Fettsäuren (etwa 1 Prozent) und Fettalkohole.

Die Indios verwendeten Jojobaöl in ihrer Volksmedizin lokal zur Wundbehandlung und gegen Kopfschmerzen sowie als Haarwuchsmittel. Die gerösteten Samen dienten als Kaffee-Ersatz und wurden in Notzeiten auch als Nahrung genutzt.

Die Kosmetikhersteller in Europa entdeckten das Wachs in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, als die Behörden zum Schutz der Pottwale den Einsatz von Walrat (Cetaceum) verboten.

Heute ist Jojobaöl geschätzter Bestandteil vieler kosmetischer Zubereitungen wie Hautcremes und Haarpflegeprodukte. Das Wachs hat eine sehr gute Spreitung und ist darum sehr angenehm anzuwenden. Es zieht sehr rasch in die Haut ein und ist für alle Hauttypen geeignet. Sein besonderes Spektrum an Fettsäuren soll die Haut glätten, ihren pH-Wert stabilisieren und den Feuchtigkeitsgehalt regulieren.

Jojobawachs wirkt entzündungshemmend und besitzt einen natürlichen Lichtschutzfaktor von drei bis vier. Da es kein Öl ist, hinterlässt es auch keinen Fettfilm auf der Haut. Für Massagen lässt es sich deshalb besser in Kombination mit fetten Ölen wie Mandelöl verwenden. Auch mit ätherischen Ölen ist Jojobawachs gut mischbar. Massageöle gegen Cellulite, Sport- und Schwangerschaftsöle enthalten oft Jojobawachs.

Eine Packung mit Jojobaöl gibt schuppigem, trockenem und sprödem Haar einen schönen Glanz. In zahlreichen Haarshampoos und Haarkuren ist darum Jojobaöl enthalten. Auch die Hersteller dekorativer Kosmetik nutzen Jojoba. So sorgt es zum Beispiel für die Geschmeidigkeit und Pflegewirkung von Produkten wie Make-up und Lipgloss.

Die Qualität des Jojobaöls hängt wie bei den fetten Ölen von der Gewinnung und Verarbeitung ab. Hochwertiges Öl stammt immer aus der ersten Kaltpressung der Jojoba-Samen. Weitere Pressungen ergeben minderwertige Qualität und erfordern oft den Einsatz von hohen Temperaturen oder Zusatzstoffen.

Quelle:

http://www.pta-forum.de/index.php?id=1076

Kommentar & Ergänzung:

Ein weiterer Inhaltsstoff der Jojoba-Samen ist Simmondsin. Samenpulver mit hohem Simondsin-Gehalt wurde Anfang 2007 Nahrungsmitteln zugesetzt und als Schlankheitsmittel angepriesen. Dieser Nahrungsmittelzusatz ist jedoch europaweit gesetzlich verboten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät von einer Einnahme ab, weil sich die Samen im Tierversuch als stark giftig erwiesen haben.

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Was ist Verveine-Tee?

Verveine ( = Zitronenstrauch, Aloysia citrodora, auch Zitronenduftstrauch oder Zitronenverbene genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Eisenkrautgewächse (Verbenaceae).

Verveine wächst als laubabwerfender Strauch mit Wuchshöhen von 2 bis 6 Meter. Die meisten Pflanzenteile duften stark nach Zitrone.

Synonyme für Aloysia citrodora sind:
Aloysia triphylla, Lippia citrodora, Lippia triphylla, Verbena triphylla, Zappania citrodora

Verveine – Herkunft und Geschichte

Der Zitronenstrauch / Verveine stammt ursprünglich aus Südamerika (Uruguay, Argentinien (Catamarca, Jujuy, La Rioja, Salta, Tucuman) Chile, Peru). Er wurde Ende des 18. Jahrhunderts nach Europa eingeführt und ist heute bei Feinschmeckern und Kräuterliebhabern ein Begriff.

Duft- und Inhaltsstoffe

Die Verveine-Blätter können ähnlich wie Spinat gekocht werden. Wesentlich öfters werden die Blätter als Gewürz für süße oder herzhafte Salate verwendet. Aus den frischen und getrockeneten Blätter kann man einen sehr aromatischen Tee brühen.
Medizinische Wirkungen wurden untersucht. Das ätherische Öl wird vielfältig verwendet, beispielsweise als Parfümbestandteil oder als Insektenrepellent
Zitronenverbenen enthalten ein feines, frisch nach Zitrone duftendes ätherisches Öl. Die Intensität ist deutlich stärker als bei den meisten anderen nach Zitrone riechenden Pflanzen. Schon beim leichten Verreiben der Vervein-Blätter entstehen Duftwolken an Citrusaromen. Die ätherischen Öle (unter 1 %) enthalten als Hauptbestandteile die Aldehyde Citral, Neral und Geranial sowie weitere Monoterpene bzw. Monoterpenabkömmlinge (Limonen, Carvon, Dipenten, Linalool, Nerol, Geraniol).

Die Verwendung von Verveine

Bevorzugt werden die frischen Blätter verwendet, jedoch sind auch die getrockneten Blätter sind sehr beliebt, weil das Zitronenaroma im getrockneten Zustand der Blätter lange erhalten bleibt.

Verveine zur Verfeinerung von Speisen

Feinschmecker und Gourmets verarbeiten die Verveine gerne in der Küche. Verwendet werden die Verveine-Blätter für Salate, Schweinefleisch- und Pilzgerichte, aber auch zum Würzen von Süßspeisen wie Obstsalat, Pudding und zur Zubereitung von Speiseeis. Zudem kann man feingeschnittene Verveine-Blätter in den Zuckerguss für Zitronenkuchen einarbeiten.

Verveine-Getränke

Die Verveine wird auch für die Zubereitung von Getränken genutzt. Legt man frisch gepflückte Verveine-Blätter für eine halbe Stunde in heißes Wasser, so bekommt man einen angenehm erfrischenden Tee. Das zitronige Aroma der Pflanze ist in Frankreich als anregend-beruhigender Guten-Abend-Tee sehr beliebt und dort auch bekannt als Verveine. Auch im Getränk Inca Kola aus Peru kommt das Aroma dieser Pflanze (sie wird lokal Cedrón genannt) zum Einsatz. Unter Eisenkrauttee wird in der Regel Verveine bzw. Zitronenverbena oder bezeichnenderweise wohlriechende Verbena verstanden. Echtes Eisenkraut (Verbena officinalis) schmeckt demgegenüber recht bitter.

Verveine in der Kosmetik

Verveine wird nicht nur als Badezusatz verwendet, der eine erfrischende Wirkung entfaltet, sondern auch zur Parfümierung beziehungsweise Verfeinerung von Seifen.

Verveine im Haushalt

Säckchen oder Bündel von Verveine bringen einen frischen Duft ins Haus oder in den Kleiderschrank.

Gesundheitliche Wirkung des Verveine-Tees

Da Verveine appetitanregend sowie verdauungsfördernd wirkt, helfen sie gegen Verdauungsbeschwerden beziehungsweise Verstopfungen. Ausserdem wirken sie leicht beruhigend bei Nervosität, Schlaflosigkeit und Erkältungskrankheiten.

Quelle: Wikipedia

Kommentar & Ergänzung:

Verveine ist also in Mitteleuropa keine einheimische Pflanze, sondern wird in Gärten angebaut. Nicht selten wird daher tatsächlich das einheimische Echte Eisenkraut (Verbena officinalis), das bei uns an Wegrändern nicht selten anzutreffen ist, mit der Verveine verwechselt.
Im deutsche Sprachraum kennen wir die Verveine fast nur als Genusstee. Deshalb wird sie in deutschsprachigen Phytotherapie-Fachbüchern meist nur am Rande oder gar nicht erwähnt. In Frankreich dagegen gehört Verveine auch zu den Heilpflanzen.
Dort werden die Blätter nicht nur gerne zum ebenso anregenden wie entspannenden Abendtee aufgegossen. Sie dienen sondern auch – etwa der »Distillerie Verveine du Velay« – dazu, (hochprozentige!) Liköre zu destillieren, die sich vorzüglich als Digestif eignen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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