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Hausmittel: Haferflocken gegen Sodbrennen

Haferflocken bewähren sich häufig bei akutem Sodbrennen. Sie enthalten viel Stärke und nehmen überschüssige Magensäure gut auf.

Durch ihren hohen Gehalt an Schleimstoffen wirken sie wie ein Schutzschild.

Zwei bis drei Esslöffel pure Haferflocken werden zu diesem Zweck gut zerkaut. Je besser gekaut wird, desto mehr Schleimstoffe können sich lösen. Haferflocken sind leicht verdaulich und regen dahrer die Säureproduktion nicht an. Sie können auch vorbeugend zur Anwendung kommen – in Form von einer kleinen Portion Müsli, Suppe oder Brei.

Quelle:

http://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_81082212/die-besten-tipps-gegen-schmerzhaftes-sodbrennen.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Dass Haferflocken Sodbrennen lindern können, ist zwar nicht durch Studien belegt, aber ziemlich plausibel.

100 g Haferflocken enthalten in der Trockensubstanz etwa 4,5 g des löslichen Ballaststoffs Beta-Glucan. Das ist deutlich mehr als in Weizen (0,8 %) und in Roggen (2,3 %) und vergleichbar mit Gerste (4,8 &).

Weil das Beta-Glucan überwiegend in den äußeren Schichten vorkommt, ist der Gehalt in der Haferkleie mit 8,1 g deutlich höher als in den Haferflocken. Das lösliche Beta-Glucan aus Hafer bildet im Magen eine zähflüssige Konsistenz. Dadurch ist eine puffernde und schützende Wirkung gegen überschüssige Magensäure jedenfalls vorstellbar.

Hafer hat darüber hinaus aber noch weitere positive Eigenschaften.

Für Haferkleie erlaubt die Health-Claims-Verordnung der EU vom 14. November 2011 die Aussage: „Hafer-Beta-Glucan reduziert nachweislich den Cholesteringehalt im Blut. Ein hoher Cholesterinwert gehört zu den Risikofaktoren für die koronare Herzerkrankung“. Die positive Wirkung soll sich ab einer täglichen Aufnahme von 3 g Hafer-Beta-Glucan einstellen.

Die Health-Claims-Verordnung gestattet auch die Aussage: „Der Verzehr von Beta-Glucanen aus Hafer oder Gerste als Teil einer Mahlzeit trägt zur Reduktion des Blutzuckerspiegels nach dem Essen bei“.

Dazu muss Beta-Glucan aus Hafer oder Gerste als Bestandteil einer Mahlzeit verzehrt werden und das Beta-Glucan-haltige Produkt muss 4 g Beta-Glucan aus Hafer oder Gerste pro 30 g verfügbare Kohlenhydrate in der angegebenen Portion enthalten, was zum Beispiel bei Haferkleie-Flocken der Fall ist. Die Reduktion des Blutzuckerspiegels nach den Mahlzeiten durch hafereigenes Beta-Glucan kann beim Typ-2-Diabetiker eine Verbesserung der Insulinantwort bewirken.

Quelle: https://www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pdf_2012/04_12/EU04_2012_242_243.Markt.pdf

 

Während für die günstige Beeinflussung von Blutzuckerspiegel und Cholesterinspiegel hauptsächlich Haferkleie in Frage kommt, sind die Haferflocken in erster Linie ein gesundes Lebensmittel mit einer ganzen Reihe von wertvollen Inhaltsstoffen:

„Hafer ist ein ernährungsphysiologisch wertvolles Nahrungsmittel, da er besonders viel essentielle Aminosäuren (Lysin, Leucin, Isoleucin…) enthält und in seinem relativ hohen Fettanteil 80 % ungesättigte Fettsäuren…enthalten sind. Auch das für die Ernährung wichtige Lecithin (Phosphatidylcholin) kommt in grösseren Quantitäten vor als bei anderem Getreide.“

(Quelle: Nutzpflanzen und ihre Inhaltsstoffe)

 

Zu Haferflocken / Haferkleie siehe auch:

Haferflocken reduzieren Cholesterinspiegel im Blut

Saathafer – die Arzneipflanze des Jahres 2017

Haferkleie reduziert den Cholesterinspiegel

Vollkornprodukte präventiv gegen Diabetes Typ 2, Hypercholesterinämie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Adipositas

Als Hausmittel gegen Sodbrennen wird oft auch Kartoffelsaft empfohlen. Dieser Tipp soll auf den Schweizer Arzt und Ernährungsreformer Max Bircher-Benner (1867 – 1939) zurückgehen.

Siehe auch:

Naturheilmittel bei Sodbrennen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Andorn (Marrubium vulgare) zur Arzneipflanze des Jahres 2018 gekürt

Der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg hat den Andorn (Marrubium vulgare) zur Arzneipflanze des Jahres 2018 gewählt.

Außerhalb von Fachkreisen ist der Andorn hierzulande fast unbekannt. Dabei zählte der stattliche Lippenblütler (Lamiaceae) von der Antike bis weit in die Neuzeit zu den bedeutendsten Arzneipflanzen Europas. Die Verwendung der Pflanze bei Katarrhen der Atemwege sowie bei Verdauungsbeschwerden ist schon seit über 2000 Jahren dokumentiert. Heute wird Andornkraut zur Schleimlösung bei Husten im Rahmen von Erkältungen eingesetzt. Andorn lindert Entzündungen in den Atemwegen, wirkt schleimlösend bei festsitzendem Schleim und krampflösend in den Bronchien.

Mit seinen kugeligen, vielblütigen Scheinquirlen steht der Andorn zwischen Ackerminze und Melisse. Seine Blätter sind aber kleiner, rundlich bis herzförmig, und besitzen auf der Oberseite ein tief eingesenktes Nervennetz, während sie unten stark filzig behaart sind. Die unverzweigten Stängel wachsen bis zu 80 cm hoch. Andorn stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum.

Unter den Arzneipflanzen aus der Familie der Lippenblütler fällt der Andorn auf durch seinen prägnanten Gehalt an Bitterstoffen und Gerbstoffen, während der Gehalt an ätherischem Öl nur gering ist. Durchaus zutreffend urteilt darum der berühmte Abt und Dichter Walahfrid im 9. Jahrhundert: „Er duftet süß, schmeckt aber scharf.“

Neben dem wirksamkeitsmitbestimmenden Bitterstoff Marrubiin enthält Andornkraut unter anderem Flavonoide, stickstoffhaltige Verbindungen und ätherisches Öl. Traditionell eingesetzt wird die Heilpflanze bei Bronchialkatarrhen sowie bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit. Verschiedene Studien zeigen eine Wirkung zur Schleimlösung bei Husten im Rahmen von Erkältungen.

Darüber hinaus entdeckten Wissenschaftler erst in jüngerer Zeit Mechanismen, die eine weitergehende therapeutische Bedeutung von Bitterstoffen nahe legen.

Die Bedeutung von Bitterstoffen für den menschlichen Körper zeigt sich schon darin, dass uns die Natur mit jeweils nur einem einzigen Rezeptortyp für süß, salzig, sauer und umami (japanisch für „würzig“, „schmackhaft“) ausgestattet hat, aber mit 25 verschiedenen Bitterrezeptoren. Sie versetzen uns zumindest theoretisch in die Lage, Tausende von Bittersubstanzen zu erkennen.

Solche Rezeptoren für Bitterstoffe gibt es nicht nur z. B. auf der Zunge sowie im Mund- und Rachenraum, sondern auch auf glatten Muskelzellen des Bronchialsystems. Dort bewirkt ihre Aktivierung eine Erweiterung von verengten Bronchien, die zu einer verbesserten Sauerstoffaufnahme und erleichterten Schleimentfernung führt[1]. Eine Studie von Forschern aus den USA weist außerdem darauf hin, dass die gezielte Stimulation dieser Rezeptoren mit Bitterstoffen eine Stärkung des Immunsystems bewirken kann[2]. Eine verstärkte Stimulation der Bitterrezeptoren könnte einen größeren Schutz vor Infektionen zur Folge haben, während eine niedrigere Funktion die Anfälligkeit für Infekte steigert, vermuten die Wissenschaftler.

Andornkraut wirkt zudem choleretisch, das heisst es hat eine den Gallenfluss-fördernde Wirkung, was die günstigen Effekte bei Verdauungsbeschwerden unterstützt.

 

Andorn – eine Arzneipflanze mit großer historischer Bedeutung

Für die Wahl des Andorns zur Arzneipflanze des Jahres 2018 war die historische Bedeutung der Pflanze mit entscheidend. Von der Antike bis weit in die Neuzeit hinein zählte der Andorn zu den beliebtesten Heilpflanzen in Europa. Laut Plinius dem Älteren (gest. 79 nach Chr.) war Andorn als „eines der vorzüglichsten Kräuter“ bekannt. Er wurde hauptsächlich bei Lungenerkrankungen und hartnäckigem Husten angewendet, aber auch bei Brüchen, Verstauchungen, Krämpfen und Erkrankungen der Sehnen. Der zeitgleich tätige griechische Arzt Dioskurides nennt Schwindsucht, Asthma und Husten als die ersten Anwendungsgebiete.

Der schon erwähnte Abt Walahfrid Strabo preist den Andorn nicht nur bei „starken Beklemmungen der Brust“ sondern auch als rasch wirkendes Mittel gegen Giftanschläge, etwa durch böse Stiefmütter: „Sollten die Stiefmütter in feindseliger Absicht Gifte zubereiten und in das Getränk mischen oder Eisenhut zum Verderben in trügerische Speisen mengen, so vertreibt ein Trank des heilkräftigen Andorn, unverzüglich eingenommen, die lebensbedrohenden Gefahren.“

Die Äbtissin Hildegard von Bingen rät bei starkem Husten zu einer Abkochung von Andorn, Fenchel und Dill mit Wein.

In allen einschlägigen Werken bis ins 18. Jahrhundert hinein werden zudem für Andorn auch Ohrenschmerzen und Probleme bei der Geburt sowie Menstruationsbeschwerden unter den Indikationen erwähnt.

Im 19. Jahrhundert konzentrierte sich die Anwendung des Andorns auf die schleimlösende Wirkung in den Atemwegen und auf Verdauungsprobleme. Anfangs des 20. Jahrhunderts wurde in Frankreich sogar für etwa drei Jahrzehnte eine Wirkung bei Malaria diskutiert.

Der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ schreibt, der Andorn sei kulturgeschichtlich eine hochinteressante Pflanze, die auch unter medizinischen Aspekten wohl zu Unrecht in Vergessenheit geraten sei. Neue Forschungen seien jedoch dringend erforderlich, um das Potential der Pflanze ausloten zu können.

Zur Herkunft des Pflanzennamens Andorn schreibt der Studienkreis:

„Was jedoch wohl nie wirklich geklärt werden wird, ist die Bedeutung des deutschen Namens; es ist völlig unklar, was Andorn, ohne Dornen (an-dorn) bei diesem Lippenblütler uns sagen soll.“

Literatur:

  1. Deepak, A. et al.: Bitter taste receptors on airway smooth muscle bronchodilate by localized calcium signaling and reverse obstruction. Nature Medicine EPub, abstract 24 Oct 2010 (2010)
  2. Lee, RJ. et al.: Bitter Taste Bodyguards. Scientific American 314: 38 – 43 (2016)

Quelle:

http://www.welterbe-klostermedizin.de/index.php

Kommentar & Ergänzung:

Der Andorn ist ein Beispiel für eine Arzneipflanze, die etwas in Vergessenheit geraten ist. Natürlich kann man nicht alle Anwendungsempfehlungen, die irgendwann im Laufe der Geschichte auftauchen, unbesehen für heute übernehmen. Tradition hat sich auch oft geirrt und daher hat sie nicht immer Recht.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

Man muss sich mit der Tradition der Pflanzenheilkunde sorgfältig und kritisch auseinandersetzen. So bekommt man eine Basis, auf der sich entscheiden lässt, welche historischen Anwendungsempfehlungen überholt sind und welche auch heute noch sinnvoll eingesetzt werden können. Der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ tut dies in vorbildlicher Art.

Im Standardwerk Teedrogen und Phytopharmaka bin ich auf einen interessanten Hinweis zum Andorn gestossen:

„In einer ethno-pharmakologischen Arbeit wurde über einen erfolgreichen Einsatz bei asthmatischen Erkrankungen in Sardinien berichtet. Acetosid könnte bei entsprechenden Anwendungsgebieten eine wichtige Rolle zukommen.“

Aber auch hier sind weitere Untersuchungen und Studien nötig, bis je nach Ergebnis allenfalls eine Behandlungsempfehlung ausgesprochen werden kann.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Arzneipflanze des Jahres 2016: Kümmel (Carum carvi)

Kümmel ist bekannt als Gewürz, doch die Pflanze hat auch interessante und wertvolle Heilwirkungen:

Kümmeltee und Kümmelöl können Krämpfe im Verdauungstrakt lösen und Blähungen und Völlegefühl vertreiben.

Nun wurde der Echte Kümmel (Carum carvi) zur Arzneipflanze des Jahres 2016 gekürt.

«Kümmel ist ein sehr gutes Mittel gegen Reizdarmbeschwerden, wenn man es über magensaftresistente Kapseln nimmt. Als Tee kann Kümmel auch bei leichteren Beschwerden wirken», erklärt der Medizinhistoriker Johannes Gottfried Mayer anlässlich der Präsentation der „Arzneipflanze des Jahres“ in Würzburg.

Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg „ernennt“ jedes Jahr eine andere anerkannte Heilpflanze zur „Arzneipflanze des Jahres“.

Die wissenschaftliche Bedeutung der Arzneipflanzen als wirksame Medizin soll damit stärker ins Bewusstsein gerückt werden. «Wir wollen zeigen, dass es Pflanzen auf der Seite Arzneimittel gibt, die mit synthetischen Medikamenten mithalten können und zudem weniger Nebenwirkungen haben», erklärt Johannes Gottfried Mayer weiter.

Kümmel ist wohl eine der ältesten Gewürz- und Heilpflanzen in Europa. Verwendet werden die Früchte der Pflanze, die hauptsächlich in Deutschland, den Niederlanden, Polen und Ägypten angebaut wird.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=60174

Kommentar & Ergänzung:

Kümmel wird nicht nur angebaut. Die Pflanze kommt insbesondere in mittleren und höheren Lagen des Berglandes auch wild vor. Wer Kümmel in der Natur kennenlernen will, kann das also auf vielen meiner Kräuterwanderungen in den Bergen tun.

Kümmel als Gewürz ist vielen Menschen ein Begriff, aber wie die Pflanze aussieht und wo sie wächst, das wissen nur wenige.

So sieht Kümmel aus: Foto auf Wikipedia

Kümmel gehört allerdings zu den Doldenblütlern (Apiaceae) und die sind oftmals nicht ganz einfach botanisch zu bestimmen. Kümmel kommt beispielsweise mit rötlicher oder mit weisser Blütenfarbe vor, was auch auf andere Doldenblütler zutrifft (z. B. auf die Grosse Bibernelle, Pimpinella major). So muss man jedenfalls genau hinschauen, wenn man sicher sein will.

Das ätherische Kümmelöl besteht zu etwa 50 – 65 % aus Carvon, das eine hemmende Wirkung auf das Wachstum verschiedener Bakterien und Pilze hat. Könnte man zum Beispiel gegen Fusspilz versuchen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanze des Jahres 2015 – die Küchenzwiebel

Im Auftrag des Vereins zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus e.V. (NHV Theophrastus), hat eine Jury die Küchenzwiebel zur „Heilpflanze des Jahres 2015“ erkoren.

Als Nahrungsmittel und Gewürzpflanze wird die Küchenzwiebel (Allium cepa) sehr häufig verwendet.

Die Jury wollte mit der Wahl zur Heilpflanze des Jahres 2015 den heilenden Aspekt der Zwiebel wieder mehr hervorheben.

Die traditionelle Naturheilkunde schätzt die Küchenzwiebel – ähnlich wie den mit ihr nah verwandten Knoblauch (Allium sativum) – unter anderem als Mittel zur Vorbeugung der Atherosklerose („Arterienverkalkung“. Im Gegensatz zum Knoblauch ist die Küchenzwiebel allerdings nicht im Europäischen Arzneibuch aufgeführt.

Die „Heilpflanze des Jahres“ ist nicht mit der „Arzneipflanze des Jahres“ zu verwechseln, die von Forschern der Universität Würzburg gewählt wird.

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/spektrum/news/2014/06/05/altes-mittel-gegen-arterienverkalkung/13010.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Küchenzwiebel zeigt tatsächlich ein paar interessante Wirkungen im Bereich des Kreislaufs. Sie kann den Blutdruck und die Bluttfette leicht senken und zudem die Thrombozytenaggregation hemmen, was die Blutfliesseigenschaften verbessert.

Allerdings braucht es für solche Effekte den regelmässigen Konsum grösserer Zwiebelmengen, was aus Gründen der Verträglichkeit rasch an Grenzen stösst.

Die Zwiebel enthält nämlich anstelle von Stärke als Reservestoff Fruktane. Weil unser Verdauungssystem nicht in der Lage ist, Fruktane enzymatisch zu spalten, werden sie im Dünndarm nicht resorbiert, sondern im Dickdarm durch die natürliche Bakterienflora zersetzt, was eben vor allem beim Konsum grösserer Zwiebelmengen zu vermehrter Gasbildung mit Blähungen und Flatulenz führen kann.

Am häufigsten in der Naturheilkunde eingesetzt wird die Zwiebel daher als Hausmittel bei Erkältungskrankheiten: Beispielsweise Zwiebelsirup gegen Husten und Zwiebelwickel bei Halsweh oder Mittelohrentzündung – wobei vor allem bei letzterem der Zeitpunkt nicht verpasst werden darf, an dem ärztliche Untersuchung und Behandlung nötig ist.

Zwiebelextrakt taucht auch auf als Bestandteil von Narbensalben. Eine fundierte Begründung, was die Zwiebel hier bewirken soll, ist mir allerdings bisher noch nicht unter die Augen gekommen.

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Johanniskraut zur Arzneipflanze des Jahres 2015 gewählt

Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist vom 
„Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2015 gewählt worden.

Das Echte Johanniskraut hat diese Auszeichnung zweifellos „verdient“. Johanniskraut ist eine vielfältige Heilpflanze, die sowohl in der traditionellen Pflanzenheilkunde also auch in der modernen Arzneipflanzenforschung eine wichtige Rolle spielt. Als Anwendungsgebiet stehen heute die leichten und mittelschweren Depressionen im Vordergrund. Trotz intensiver Forschung konnten aber die Wirkungsmechanismen für die stimmungsaufhellenden Effekte bislang nicht vollständig geklärt werden.

Im Zentrum der Forschung stehen die Wirkstoffe Hypericin, Hyperforin, sowie Xanthone und Flavonoide.

Reich an Wirkstoffen sind insbesondere die Blütenknospen, die geöffneten Blüten und die noch grünen Kapseln.

Der Anteil an Stängeln sollte dagegen möglichst tief sein.

Für die Herstellung von Johanniskrauttee, Johanniskrauttinktur und Johanniskrautextrakt werden nur die zur Blütezeit geernteten Triebspitzen verwendet.

Verschiedene Wirkungsmechanismen von Johanniskrautextrakten wurden und werden erforscht. Spezielle Botenstoffe im Nervensystem (Neurotransmitter) bleiben bei Einwirkung von Johanniskrautextrakt länger und in grösserer Zahl verfügbar. Zu den Neurotransmittern zählen Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, GABA (Gamma-Aminobuttersäure) und L-Glutamat. Sie übertragen an den Verknüpfungsstellen der Nervenzellen (Synapsen) Informationen bzw. Reize.

Die Neurotransmitterspiegel in den Synapsen steigen an, und die Reizübertragung wird verbessert, da klassische Abschaltwege wie der enzymatische Abbau der Neurotransmitter oder die Wiederaufnahme aus dem Spalt in die Synapse durch Johanniskraut-Wirkstoffe gehemmt werden. Die Steigerung der Menge an verfügbaren Neurotransmittern ist auch ein entscheidendes Prinzip der klassischen Antidepressiva, woraus ihre stimmungsaufhellende Wirkung resultiert.

Auf Grund von einschlägigen klinischen Studien wurde Johanniskraut bei leichten bis mittelschweren depressiven Verstimmungen und Depressionen zugelassen, ebenso bei psychovegetativen Störungen, Angstzuständen und nervöser Unruhe. Sinnvoll ist die Anwendung auch bei Winterdepression, Schlafstörungen aufgrund von leichten Depressionen und bei entsprechenden Symptomen während der Wechseljahre.

 

Wechselwirkungen beachten

Ende der 1990er Jahre wurde festgestellt, dass Johanniskraut zu verstärktem Abbau anderer Arzneistoffe führen kann, in dem es das wichtigste Arzneimittel abbauende Enzym (CYP 3A4) in seiner Wirkung aktiviert. Bei der Kombination von Johanniskraut mit einigen anderen Medikamenten kann es einige Zeit nach Behandlungsbeginn zu starken Wirkverlusten und nach Absetzen dagegen zu therapeutisch gefährlichem Ansteigen der anderen Arzneimittel kommen. Hochdosierte Johanniskrautpräparate mit einer Tagesdosis ab 600 mg weisen Interaktionen (Wechselwirkungen) mit einigen Arzneistoffen im Bereich der Antidepressiva, der Immunsupressiva oder Anti-HIV-Mitteln auf, ebenso sind Herzmittel wie Digoxin, Blutgerinnungshemmer vom Cumarintyp und vermutlich auch das bronchienerweiternde Mittel Theophyllin betroffen. Ebenso ist nicht auszuschließen, dass die Wirksamkeit von hormonellen Verhütungsmitteln („Pille“) herabgesetzt wird. 
Bei der alleinigen Einnahme auch hochdosierter Johanniskrautmittel ist die Verträglichkeit gut und deutlich besser als bei anderen Antidepressiva. Eine ausgeprägte Steigerung der Photosensibilität (Lichtempfindlichkeit) der Haut wurde bisher nur bei Weidetieren beschrieben, mit den für Menschen eingesetzten therapeutischen Dosen sind ernste Symptome der Phototoxizität nicht zu erwarten.

Quelle:

http://www.klostermedizin.de/index.php/heilpflanzen/arzneipflanze-des-jahres/59-arzneipflanze-des-jahres-2015-echtes-johanniskraut-hypericum-perforatum

 

Kommentar & Ergänzung:

Der 
„Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg wählt seit längerem jedes Jahr eine Arzneipflanze des Jahres.

Hier ein paar „Preisträger“ aus der Vergangenheit:

Arzneipflanze des Jahres 2014: Spitzwegerich 

Phytotherapie: Kapuzinerkresse zur Arzneipflanze des Jahres 2013 gewählt

Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt 

Passionsblume ist Arzneipflanze des Jahres 2011

Phytotherapie: Efeu zur Arzneipflanze des Jahres 2010 ernannt

Fenchel Arzneipflanze des Jahres 2009 

 

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Rangliste der gesündesten Gemüse- und Obstarten: Spitzenplatz für die Brunnenkresse

Eine Forscherin der William Paterson University in New Jersey hat eine Rangliste der gesündesten Gemüse- und Obstsorten erstellt. Eine Zusammenfassung der Studie wurde in der Onlineversion des Fachmagazins Preventing Chronic Disease veröffentlicht. Jennifer Di Noia analysierte 47 Gemüse- und Obstsorten auf 17 Nährstoffe wie zum Beispiel Calcium, Eisen, Zink und Vitamine.

Die Wissenschaftlerin beurteilte die untersuchten Pflanzen danach, wie hoch der Anteil der wichtigen Inhaltsstoffe in dem jeweiligen Gemüse oder Obst (pro 100 Gramm) ist und inwiefern damit der tägliche Bedarf an den jeweiligen Stoffen gedeckt wird. Zehn Prozent oder mehr des täglichen Bedarfs musste ein Gemüse oder Obst aufweisen, um in das Ranking aufgenommen zu werden. Dadurch Von fielen von 47 untersuchten Pflanzenarten sechs durch das Raster: nämlich Himbeere, Mandarine, Cranberry, Knoblauch, Zwiebel und Blaubeere.

Als Spitzenreiter auf Platz eins ihrer Liste sieht die Wissenschaftlerin die Brunnenkresse (Nasturtium officinale). Sie deckt nach Di Noias Berechnung 100 Prozent des Tagesbedarfs der im Ranking ausgewerteten wichtigen Nährstoffe ab.

Die weitere Rangliste der ersten 10 Gemüse – Obst schaffte es keines auf einen Spitzenplatz – mit Prozentangaben zum jeweils gedeckten Tagesbedarf:

2. Chinakohl (fast 92 Prozent)

3. Mangold (90 Prozent)

4. Rote Beete (= Randen, 87 Prozent)

5. Spinat (fast 87 Prozent)

6. Chicoree (73 Prozent)

7. Kopfsalat (fast 71 Prozent)

8. Petersilie (fast 66 Prozent)

9. Romana-Salat (63 Prozent)

10. Markstammkohl (62 Prozent)

 

Quelle:

http://www.fr-online.de/ernaehrung/studie-diese-zehn-gemuesesorten-sind-am-gesuendesten,9563634,27862246.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Na dann, Gratulation an die Brunnenkresse. Das hat sie fraglos verdient. Die Brunnenkresse war früher wichtig als Vitamin-C-Lieferant, weil sie schon im Winter geerntet werden kann.

Die Rangliste als Ganzes ist allerdings nicht sehr aussagekräftig.

Die Forscherin Di Noia räumt selber ein, dass das Ranking nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Sekundäre Pflanzenstoffe, die ebenfalls einen günstigen Effekt auf die Gesundheit haben können, wurden wegen der mangelnden Datenlage nicht berücksichtigt. Das ist zwar nachvollziehbar, weil es bei sekundären Pflanzenstoffen keinen festgelegten Tagesbedarf gibt, den man für solche Berechnungen heranziehen könnte. Dieser Ausschluss verzerrt die Rangliste aber schon arg. Wären sekundäre Inhaltsstoffe (z. Bsp. Flavonoide, Anthocyane, Glukosinolate) mitberücksichtigt worden, hätten es auch Obstsorten in die Spitzenränge geschafft.

Sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide oder Glukosinolate (Senfölglykoside) sind auch wichtige Wirkstoffe in der Phytotherapie.

Die Brunnenkresse zum Beispiel enthält wie auch Kapuzinerkresse, Rettich und Meerrettich Glukosinolate mit antimikrobieller Wirkung. Auch für die gesunden Wirkungen von Kohlarten (z. B. Blumenkohl, Brokkoli) dürften Senfölglykoside eine Rolle spielen.

Sie dazu:

Glukosinolate aus Brokkoli & Co. im Fokus der Forschung

Senfölglykoside gegen Infektionen

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? / Welche Wirkung haben sie? 

Kräuter und ihre Wirkungen: Kapuzinerkresse 

Phytotherapie: Kapuzinerkresse zur Arzneipflanze des Jahres 2013 gewählt

Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse hemmen Grippeviren vom Typ H1N1  

Brokkoli-Wirkstoffe unterstützen Krebstherapie

Kapuzinerkresse: Breitbandantibiotikum aus der Natur

 

Bei der gesundheitlichen Wirkung der sekundären Pflanzenstoffe geht es eher darum, dass wir eine breite Palette davon einnehmen (sofern sie nicht toxisch sind).

Deshalb ist auch bei Gemüse und Obst Abwechslung ein gutes Motto. Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln wollen uns nicht selten einreden, dass wir einen ganz bestimmten sekundären Pflanzenstoff in hohen Mengen brauchen – nämlich den, der unzufälligerweise gerade in ihren Produkten enthalten ist. In solchen Fällen scheint mir eher Skepsis angebracht.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Anis (Pimpinella anisum) zur Heilpflanze des Jahres 2014 gewählt

Der Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (NHV Theophrastus) hat Anis zur Heilpflanze des Jahres 2014 gekürt. Mit dieser Wahl sollen interessierte Menschen auf eine der ältesten Gewürz- und Heilpflanzen aufmerksam gemacht werden.

Anis ist eine einjährige, 30 bis 60 cm hohe Pflanze aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Als Heilpflanze verwendet werden die getrockneten Anisfrüchte.

Als Wirkstoff enthalten sie ätherisches Öl, das zu 95 Prozent aus trans-Anethol besteht. Anisöl wirkt auswurffördernd bei Husten, schwach entkrampfend und antibakteriell. Anis steigert die Speichel- und Magensaftsekretion. Er wird angewendet bei Verdauungsstörungen und Katarrhen der oberen Luftwege sowie zur Steigerung des Milchflusses bei Stillenden. Anis wird darüber hinaus als Gewürz verwendet, zum Beispiel in Brot und Weihnachtsgebäck sowie in alkoholischen Getränken wie Ouzo, Pastis und Pernod.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=46922&Nachricht_ID=49439&Nachricht_Title=Nachrichten_Anis%20zur%20Heilpflanze%20des%20Jahres%20gek%FCrt&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Anis ist ursprünglich im östlichen Mittelmeergebiet beheimatet und wird heute weltweit in Regionen mit gemässigtem Klima angebaut.

Botanisch ist der Anis verwandt mit Fenchel, Kümmel  und Dill.

Anisöl führt nach der Einnahme einerseits über eine Anregung der Magenschleimhaut zu einer erhöhten Bronchialsekretion, andererseits werden aus dem Verdauungstrakt resorbierte Bestandteile auch über die Lunge ausgeschieden. Bei Inhalation erreichen therapeutisch relevante Mengen direkt die Bronchien. Anisöl wirkt sekretolytisch (schleimverflüssigend) und sekretomotorisch (Anregung der Tätigkeit der Flimmerhärchen).

Anisfrüchte sind daher ein bewährter Bestandteil von Hustentee-Mischungen. Als Tee oder direkt gekaut wirken sie gegen Blähungen und Völlegefühl.

Anisfrüchte sind ein beliebter Bestandteil vom Milchbildungstee, doch ist die Wirksamkeit in diesem Anwendungsbereich nicht belegt.

Will man die Anisfrüchte als Tee zubereiten, sollten Sie vorher gequetscht werden, damit das Teewasser besser eindringen kann.

Neben der Heilpflanze des Jahres wird in Deutschland jeweils noch die Arzneipflanze des Jahres gewählt, und zwar vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg. Arzneipflanze des Jahres 2014 ist der Spitzwegerich.

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Arzneipflanze des Jahres 2014: Spitzwegerich

Der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) wurde vom „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2014 gewählt.

Spitzwegerich wird hauptsächlich innerlich bei Husten und gegen Entzündungen in Mund und Rachen angewendet.

Als Hauptwirkstoffe enthält er Iridoidglykoside (2–3%) wie Aucubin und Catalpol, die antibakteriell wirken, und Schleimstoffe (Polysaccharide 2–6 %), die den lästigen Hustenreiz reduzieren.

Dazu kommen noch Gerbstoffe (6,5%) mit adstringierender und blutstillender Wirkung. Spitzwegerichblätter sind Bestandteil mancher Teemischungen (Brusttee, Hustentee).

Industriell wird Spitzwegerich zu Frischpflanzenpresssaft verarbeitet oder als Fluidextrakt  in Hustensirup eingesetzt.

Äußerlich werden frische, gereinigte Spitzwegerichblätter in der traditionellen Pflanzenheilkunde auch bei Entzündungen der Haut, zur Wundversorgung und bei Insektenstichen verwendet.

Spitzwegerich taucht als „plantain“ mehrmals als Mittel gegen Hautverletzungen in Shakespeare’s Dramen auf.

Spitzwegerich wächst bei uns verbreitet an Wegrändern und auf halbtrockenen Wiesen und Rasenflächen.

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2013/09/25/spitzwegerich-ein-traditionelles-antitussivum/11098.html

Kommentar & Ergänzung:

Wie üblich eine sorgfältige Wahl und Begründung durch den „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ in Würzburg.

Arzneipflanze des Jahres 2013 ist übrigens die Kapuzinerkresse.

Arzneipflanze des Jahres 2012 war das Süssholz

Arzneipflanze des Jahre 2011: Passionsblume

Arzneipflanze des Jahres 2010: Efeu

Arzneipflanze des Jahres 2009: Fenchel

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Passionsblume: Angstlinderung ohne Abhängigkeit und Entzugsprobleme

Im Phyto-Forum der Ärztezeitung wurde vor kurzen die Frage gestellt, ob es bei Extrakten aus Passionsblume, die gegen Spannungs- und Angstzustände wirken sollen, wie bei Benzodiazepinen eine Abhängigkeits- bzw. Entzugssymptomatik gebe.

Die Antwort verfasste Dr. Rainer C. Görne, Facharzt für Klinische Pharmakologie und Toxikologie.

Sowohl tierexperimentelle als auch klinische Untersuchungen belegen gemäss Görne für Pflanzenextrakte aus der Passionsblume (Passiflora incarnata L.) eine angstlösende Wirkung. Diese werde im Zusammenhang mit Inhaltsstoffen gesehen, die an Benzodiazepin-Rezeptoren binden können.

Einer dieser Passiflora-Inhaltsstoffe sei das Flavon Chrysin (5,7-di-OH-Flavon). Chrysin könne das Flunitrazepam aus seiner Bindung am Benzodiazepin-Rezeptor verdrängen und dessen Bindung an den Benzodiazepin-Rezeptor von Rezeptor-Antagonisten wie Ro 15-1788 aufheben.

Ebenso könne auch die angstlösende Wirkung von Chrysin durch den Antagonisten Ro 15-1788 im Tierversuch antagonisiert werden.

Diese Befunde belegen laut Görne, dass zumindest ein Teil der anxiolytischen Wirkung von Pflanzenextrakten aus der Passionsblume über Benzodiazepin-Rezeptoren zustande kommt.

Keine Abhängigkeit, keine Toleranzentwicklung, keine Entzugsprobleme durch Passionsblume

Im Unterschied zu synthetisch hergestellten Benzodiazepinen seien nach der Einnahme von Passionsblumenextrakten weder eine Toleranzentwicklung, noch Abhängigkeit oder Entzugsprobleme beobachtet worden.

Verglichen mit dem natürlichen Flavon Chrysin haben synthetische Benzodiazepine oder deren Metaboliten lange Halbwertszeiten (HWZ), schreibt Görne.

Dies gelte für das rasch verstoffwechselte Benzodiazepin-Derivat Flurazepam (HWZ: 2 – 3 Stunden), dessen Hauptmetabolite eine HWZ von bis zu 100 Stunden aufweisen können, ebenso wie für die langsam verstoffwechselten Derivate Nitrazepam (HWZ: ca. 24 Stunden) und Diazepam (HWZ: bis zu 48 Stunden), deren Metabolite Halbwertszeiten von bis zu 100 Stunden haben können.

Nach oraler Gabe von 400 mg Chrysin wurde gemäss Görne bei gesunden Testpersonen dagegen eine mittlere Halbwertzeit von nur 4,6 Stunden festgestellt.

Ein weiterer Aspekt, der die Möglichkeit von Toleranzentwicklung, Abhängigkeit oder Entzugssymptomen nach Einnahme von Passionsblumenextrakt als unwahrscheinlich einschätzen lasse, sei die Tatsache, dass bei therapeutisch üblichen Dosen des Pflanzenextraktes nur sehr geringe Mengen von Benzodiazepin-Agonisten aufgenommen werden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/angst/default.aspx?sid=840772&sh=44&h=-1654632450&ticket=ST-1071-p4pmYxpn4Sjg4LQBNrnO4CGBZi2bmUav4yN-20

Kommentar & Ergänzung:

Tatsächlich hat der Passionsblumenextrakt den grossen Vorteil, dass kein Risiko besteht für Toleranzentwicklung, Abhängigkeit und / oder Entzugssymptome.

Das macht diese Phytopharmaka zu einer interessanten Option.

Allerdings muss eingeschränkt werden, dass mit Passionsblumenextrakt nicht jede Angsterkrankung adäquat behandelt werden kann.

Klinische Belege, die für eine Wirksamkeit sprechen, gibt es im übrigen nur für Passionsblumenextrakt, nicht jedoch für Passionsblumentee und Passionsblumentinktur.

Gegen leichte Angststörungen kann auch Lavendelöl helfen.

Siehe dazu:

Phytotherapie: Lavendelöl als Angstlöser

Lavendelöl reduziert Angst und bessert den Schlaf

Orangenöl, Lavendelöl bei Zahnarztangst

Weitere Infos zur Passionsblume:

Passionsblume bei Angst, Unruhe und Schlafstörungen

Pflanzliche Schlafmittel: Weder Hang-over noch Entzugssymptome

Passionsblume ist Arzneipflanze des Jahres 2011

Phytotherapie: Passionsblume als Angstlöser

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Anis (Pimpinella anisum) zur Heilpflanze des Jahres 2014 gekürt

Zur Heilpflanze des Jahres 2014 wurde der Anis gekürt – und zwar im Rahmen des 10. Heilkräuter-Fachsymposiums im Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau (Sachsen). Das gab der Naturheilverein NHV Theophrastus in einer Pressemitteilung bekannt. »Die reinigenden Tendenzen der Anisfrüchte – blähungstreibend, verdauungsfördernd und schleimlösend – können viele chronische Krankheiten positiv beeinflussen«, so begründete ein Jury-Mitglied die Entscheidung. Für stillende Mütter sei Anis Milchfluss anregend. Bekannt ist das markante Gewürz seit der Antike hauptsächlich in Backwaren, aber auch in alkoholischen Spezialitäten wie im griechischen Ouzo oder türkischen Raki. Der NHV kürt seit 2003 die Heilpflanze des Jahres mit dem Ziel, traditionelles Wissen aus der Naturheilkunde zu erhalten. Heilpflanze des Jahres 2013 war die Damaszener-Rose (Rosa damascena).

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=46860&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Anis ist eine gute Wahl für die Heilpflanze des Jahres 2014. Der Doldenblütler zeigt interessante Wirkungen.

Die Begrünungen des NHV sind allerdings nicht selten etwas fragwürdig. Die „reinigenden Tendenzen“ des Anis – das ist eine Wischiwaschi-Formulierung, die nichts aussagt. Und ja – Anis wird in Stilltees als milchflussförderndes Mittel eingesetzt. Ob Anis diese Wirkung tatsächlich auch zeigt, ist allerdings nicht geklärt.

Und auch die Aussage, dass Anis „viele chronische Krankheiten positiv beeinflussen“ kann, ist nicht gerade informativ.

Da sind die Begründungen der Arbeitsgruppe Klostermedizin am Institut für Medizingeschichte der Universität Würzburg, die jeweils eine Arzneipflanze des Jahres kürt, viel fundierter.

Die Anisfrüchte sind reich an ätherischem Öl mit dem Hauptbestandteil Anethol.

Anisöl wirkt antimikrobiell, krampflösend auf die Bronchien und auswurffördernd.

Als bestätigt gilt in der Phytotherapie daher die schleimlösende und auswurffördernde Wirkung bei produktivem Husten. Auch Verdauungsbeschwerden wie Blähungen werden durch Anisöl und Anisfrüchte gelindert.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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