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Ananassaft als Hausmittel gegen Husten und Halsweh

Die österreichische Tageszeitung „Kurier“ stellt Hausmittel gegen Husten und Halsweh vor und empfiehlt dabei unter anderem Ananassaft:

„Der Saft der exotischen Frucht soll dabei bis zu fünf Mal effektiver als Hustensaft sein. Verantwortlich für die heilende Wirkung ist Bromelain, ein Enzym mit entzündungshemmenden und schleimlösenden Eigenschaften, das Infektionen bekämpft und Bakterien tötet. Die Ananas enthält reichlich davon. Der Fruchtsaft wirkt daher nicht nur schleimlösend, er lindert auch Halsschmerzen und Hustenanfälle. Frisch gepresster Ananassaft liefert auch Vitamin C, das gerade in der Grippesaison zur Stärkung der Immunabwehr beiträgt. Ein Glas deckt an die 50 Prozent des täglichen Tagesbedarfs.“

Abschliessen liefert der Artikel ein Rezept für Ananas-Hustensaft:

 

„1 Tasse frischer Ananassaft

1/2 Tasse Zitronensaft

1 Stück Ingwer

1 EL Honig oder Agavendicksaft zum Süßen

1/2 TL Zimt und/oder 1/2 TL Cayennepfeffer“

 

Alle Zutaten mischen und täglich bis zu drei Mal eine halbe Tasse davon trinken.

Quelle:

https://kurier.at/wellness/honig-bis-salzwasser-4-hausmittel-gegen-halsschmerzen/400321701

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Idee: Ananassaft gegen Husten und Halsweh – davon habe ich noch nie gehört. Aber es lohnt sich vielleicht, darüber nachzudenken. Woher die Aussage kommt, dass Ananassaft fünf Mal effektiver sei als Hustensaft, ist mir allerdings nicht nachvollziehbar.

Bromelain ist ein Enzymgemisch mit eiweissspaltender  (proteolytischer) Wirkung, gehört also zu den Proteasen.

Es kann in Enzympräparaten die Verdauung unterstützen und ist auch der Grund für die Empfehlung von Ananassaft zur Förderung der Verdauung, zum Beispiel bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, die normalerweise Verdauungsenzyme bereitstellt.

Bromelain wird aber insbesondere auch eingesetzt als Begleittherapie bei Schwellungszuständen nach Operationen und Verletzungen, insbesondere der Nase und der Nasennebenhöhlen, sowie bei oberflächlichen Venenentzündungen. In der Schweiz wird dafür das Präparat Traumanase® verschrieben.

Da Bromelain selber aus Eiweiss besteht, wird es im Magen grösstenteils bereits abgebaut, weshalb Traumanase® in Form von magenresistenten Präparaten hergestellt wird.

Ananassaft wird auch während Krebstherapien (Chemotherapie, Strahlentherapie) eingesetzt zur Linderung von Mukositis (Mundschleimhautentzündung). Siehe dazu:

Gefrorene Ananas lindert Mukositis (Mundschleimhautentzündung) bei Strahlentherapie

Eine entzündungswidrige Wirkung von Ananassaft ist also zumindestens denkbar, zum Beispiel bei Halsschmerzen. Gurgeln wäre da aber wohl effektiver als simples Trinken eines Sirups. Oder Lutschen von gefrorenen Ananasstückchen wie in der Krebstherapie.

Ob Ananassaft wirklich auch bei Husten wirkt, scheint mir schwer einschätzbar. Es dürfte auf die Art des Hustens ankommen.

Wenn Sie fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchten, können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung

 

Sind Cranberry-Produkte wirksam gegen Blasenentzündung?

Die Großfrüchtige Moosbeere (englisch Cranberry genannt) steht im Ruf, das Risiko von Harnwegsinfekten reduzieren zu können. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) überprüfte, ob Cranberry-Produkte ihr Geld wert sind.

Hauptsächlich Frauen erkranken zumindest einmal im Leben an einer Harnwegsinfektion, doch auch auch Kinder, ältere Menschen und Personen mit Blasenkatheter sind gefährdet. Auslöser der Harnwegsnfektion sind meistens Bakterien, die beispielsweise aus dem Darm in die Harnwege gelangen können. Charakteristische Symptome einer Harnwegsinfektion sind Brennen oder Schmerzen beim Harnlassen, Blut im Urin und das Gefühl, dauernd aufs WC zu müssen. Um die Erreger einer Harnwegsinfektion und damit die Beschwerden loszuwerden, werden häufig Antibiotika verschrieben. Doch diese Medikamente können manchmal Nebenwirkungen auslösen und zu Resistenzen führen.

Als Alternative insbesondere zur Vorbeugung von Blasenentzündung werden seit einiger Zeit Produkte mit Cranberry angeboten. Sie kommen in verschiedener Form in den Handel – als Cranberrysaft, als Instand-Granulat zum Auflösen, als Tabletten oder Kapseln.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Wien und seine Partner vom Portal medizin-transparent sind der Frage nachgegangen, ob Cranberry-Produkte halten, was sie versprechen.

Die Experten überprüften, ob es gute wissenschaftliche Studien gibt, die eine Wirksamkeit der Cranberry-Präparate belegen. Nach einer aufwendigen Literaturrecherche kommen sie zum Schluss, dass es zurzeit leider unklar ist, ob Cranberrys ein wirksames Mittel zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten sind.

Zwar deuten die meisten ausgewerteten Studien in diese Richtung deuten, doch könnte es sich dabei nach Ansicht der Experten auch um einen Zufallsbefund handeln. Problematisch fanden sie offensichtlich auch, dass die untersuchten Studien sich teilweise nicht miteinander vergleichen lassen, dass viele der Studien zu klein um Aussagekräftig zu sein und dass Teilnehmerinnen oft vorzeitig aus der Studie ausgestiegen sind.

Diese und noch weitere Faktoren könnten nach Ansicht der Konsumentenschützer zu einer Verzerrung der Resultate führen.

 

Nebenwirkungen durch Cranberry eher unwahrscheinlich

 

Bezüglich möglicher unerwünschter Wirkungen scheint von den Cranberry-Produkten allerdings keine Gefahr auszugehen, wobei das Auftreten von Nebenwirkungen in den vorliegenden Cranberry-Studien jedoch nicht sonderlich gut dokumentiert wurde.

 

Quelle:

https://www.kleinezeitung.at/lebensart/gesundheit/5529222/Nachgefragt_Helfen-CranberryProdukte-gegen-Blasenentzuendung

 

Kommentar & Ergänzung:

Cranberry soll die Anhaftung von Bakterien an der Schleimhaut hemmen und dadurch Blasenentzündungen vorbeugen. Die Studienlage ist genau so, wie VKI und medizin-transparent es darstellen: unklar.

Die Cranberry-Forschug steht vor mehreren Problemen. Die im Handel erhältlichen Cranberry-Produkte sind sehr unterschiedlich in ihrer Wirkstoffkonzentration. Diese Heterogenität macht es schwierig, die greifbaren Studien in einer Metaanalyse zusammenzufassen und daraus Schlüsse zu ziehen. Zudem sind Cranberry-Produkte oft  herb im Geschmack und die Einnahme über längere Zeit fällt deshalb vielen Studienteilnehmerinnen nicht leicht. Es kommt zu Studienabbrüchen, die sich auf die Qualität der Studien negativ auswirken.

Cranberry-Produkte sollten einen Mindestgehalt von 36 mg oligomere Procyanidine / Tag enthalten.

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Ingwer-Wirkstoff und Zitronensäure steigern Immunabwehr im Speichel – wirksam gegen Erkältung?

Zitronensäure und der Scharfstoff 6-Gingerol aus dem Ingwer-Wurzelstock verleihen nicht nur Speisen und Getränken eine besondere Geschmacksnote. Beide Substanzen stimulieren auch die molekularen Abwehrkräfte im menschlichen Speichel. Dies ist das Resultat einer Studie von Wissenschaftlern der Technischen Universität München (TUM) und des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie.

 

Der menschliche Speichel ist eine komplexe, wässrige Mischung aus unterschiedlichsten Bestandteilen. Er enthält neben Schleimhaut- und Immunzellen grössere Zahl von Molekülen, die unterschiedlichste biologische Aufgaben erledigen. Speichel ist nämlich nicht nur wichtig für die Nahrungsaufnahme, sondern ist für die Gesunderhaltung der Zähne, des Zahnfleischs und der Mundschleimhaut.

Darüber hinaus stellt er die erste Barriere gegen von außen eindringende Krankheitserreger dar. Deshalb enthält der Speichel verschiedene, antimikrobiell wirkende Moleküle, zu denen auch das antibakteriell wirkende Lysozym zählt. Sie gehören zum angeborenen, molekularen Immunsystems des Menschen.

Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand, aber auch was jemand isst und trinkt, beeinflussen die Speichel-Zusammensetzung. Über den Einfluss einzelner Lebensmittelinhaltsstoffe ist jedoch noch wenig bekannt.

Um mehr über diesen Punkt zu erfahren, untersuchte die Forscher um Studienleiter Professor Thomas Hofmann, Leiter des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der TUM, den Einfluss unterschiedlicher Geschmacksstoffe auf die Speichelzusammensetzung des Menschen: Zitronensäure (sauer), der Süßstoff Aspartam (süß), Iso-alpha-Säuren (bitter), der Geschmacksverstärker Natriumglutamat (umami), Kochsalz (salzig), 6-Gingerol (scharf) sowie die im Szechuanpfeffer enthaltenen Stoffe Hydroxy-alpha-Sanshool (kribbelnd) und Hydroxy-beta-Sanshool (betäubend).

Durch die Kombination von Speichelflussmessungen, Proteomanalysen und bioinformatischen Auswertungen konnten die Forscherinnen und Forscher estmals nachweisen, dass alle untersuchten Substanzen die Proteinzusammensetzung des Speichels in mehr oder weniger großem Umfang verändern. 

Biologische Funktionsanalysen der von der Modulation betroffenen Speichelproteine ergaben zudem, dass die durch Zitronensäure und 6-Gingerol ausgelösten Veränderungen, das molekulare Abwehrsystem im Speichel aktivieren. 

6-Gingerol aus Ingwer erhöht Abwehrkraft im Speichel

6-Gingerol erhöhte die Aktivität eines Enzyms, welches das im Speichel gelöste Thiocyanat in Hypothiocyanat umwandelt, wodurch sich die Menge des antimikrobiell und fungizid wirkenden Hypothiocyanats im Speichel in etwa verdreifachte.

Durch Zitronensäure stiegen die Lysozym-Spiegel im Speichel um das bis zu Zehnfache an. 

Wie mittels Untersuchungen an Bakterienkulturen erstmals gezeigt werden konnte, reicht diese Erhöhung aus, um das Wachstum von Gram-positiven Bakterien beinahe vollständig zu stoppen. Lysozym ist gegen diese Art der Bakterien wirksam, indem es deren Zellwand zerstört.

Professor Hofmann vom Lehrstuhl für Lebensmittelchemie und molekularer Sensorik der TUM sagt zu diesen Forschungen:

„Unsere neuen Erkenntnisse zeigen, dass geschmacksgebende Stoffe bereits im Mundraum biologische Wirkungen besitzen, die weit über ihre bekannten sensorischen Eigenschaften hinausgehen.“

Diese geschmacksgebenden Stoffe mit neuesten Analysemethoden weiter zu erforschen, sei eins der Ziele, die sich die Lebensmittel-Systembiologie gesetzt habe, ergänzt der Lebensmittelchemiker. Nur so könnten auf lange Sicht neue Ansätze für die Produktion von Lebensmitteln gefunden werden, deren Inhaltsstoff- und Funktionsprofile an den gesundheitlichen und sensorischen Bedürfnissen der Verbraucherinnen und Verbraucher ausgerichtet seien. 

Quelle:

https://idw-online.de/de/news697688

Originalpublikation:
Matthias Bader, Andreas Dunkel, Mareike Wenning, Bernd Kohler, Guillaume Medard, Estela del Castillo, Amin Gholami, Bernhard Kuster, Siegfried Scherer and Thomas Hofmann: Dynamic Proteome Alteration and Functional Modulation of Human Saliva Induced by Dietary Chemosensory Stimuli, Journal of Agricultural and Food Chemistry 6/2018. DOI: 10.1021/acs.jafc.8b02092

https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acs.jafc.8b02092

Kommentar & Ergänzung:

Diese Forschungsergebnisse sind sehr interessant, auch für die Phytotherapie. Und es taucht sofort eine ganze Reihe von Anschlussfragen auf:

Der Scharfstoff 6-Gingerol aus Ingwer erhöht die antimikrobiellen und fungiziden Eigenschaften des Speichels. Gilt das auch für andere Scharfstoffe – oder nur für 6-Gingerol?

Zitronensäure erhöht die antibakteriellen Eigenschaften des Speichels. Gilt das auch für andere saure Nahrungsbestandteile?

Aus Sicht der Phytotherapie wäre zudem interessant, ob auch Bitterstoffe eine Veränderung im Speichel bewirken, die gesundheiltlich bedeutsam ist.

Interessant ist aber auch, die diese Forschungsergebnisse in der Boulevardpresse dagestellt werden. Während der Informationsdienst Wissenschaft (IDW) sie etwa so darstellt wie ich weiter oben, schreibt „Bild“:

„BEI ERKÄLTUNG

Darum sind Ingwer und Zitrone besser als Medikamente

Eine Tasse Ingwer-Tee hilft sehr wirksam gegen Erkältung. Das wurde jetzt wissenschaftlich bewiesen

Wer sich wirksam vor Erkältung und Grippe schützen will, muss nicht in die Apotheke gehen, sondern in den Supermarkt.

Denn Ingwer und Zitrone stärken die Abwehrkräfte besser als jedes Medikament. Was schon unsere Urgroßmütter wussten, wurde jetzt auch wissenschaftlich bewiesen: mit Spucke.“

Quelle:

https://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/gesundheit/bei-erkaeltung-ingwer-und-zitrone-sind-besser-als-medikamente-58345230.bild.html

Das ist vollkommen überzogen dargestellt. Es ist mitnichten wissenschaftlich bewiesen, dass „Eine Tasse Ingwer-Tee…sehr wirksam gegen Erkältung“ hilft. Diese Frage wurde gar nicht untersucht. Es wurde nur untersucht und gefunden, dass Zitronensäure und 6-Gingerol die Konzentration gewisser Stoffe mit antimikrobieller Wirkung im Speichel erhöht. Daraus lässt sich noch kein Schluss ziehen auf die  Wirksamkeit einer Tasse Ingwertee auf eine viral bedingte Erkältung. Es müsste noch gezeigt werden, dass das antimikrobiell wirksame Hypothiocyanat – das zentrale Stoffwechselprozesse bei Bakterien blockiert – auch gegen Erkältungsviren wirkt. Und es müsste gezeigt werden, dass dadurch weniger Erkältungen ausbrechen.

Vorsichtiger wird die Studie im Magazin „Focus“ bewertet:

Die Untersuchung legt also nahe, dass eine Kombination aus Zitronen und Ingwer den Speichel im Kampf gegen Bakterien optimal unterstützt. In diesem Sinne: Lassen Sie sich öfter mal ein Zitronen-Ingwer-Wasser schmecken! Das enthält ganz nebenbei auch viel gesundes Vitamin C.“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/stimuliert-das-immunsystem-zitronenwasser-mit-ingwer-was-das-getraenk-zur-geheimwaffe-macht_id_9207496.html

„Legt nahe“ (Focus) ist bezüglich Erkältungsprävention angemessener und zurückhaltender als die Aussage „wissenschaftlich bewiesen“ (Bild).

Das soll allerdings niemanden davon abhalten, Zitronen-Ingwer-Wasser oder Ingwertee zu trinken. Vielleicht hilfts ja, auch wenn wissenschaftlich gesehen zur Wirksamkeit noch viele Fragen offen sind.

 

Wenn Sie sich fundiertes Wissen über Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen erwerben möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

Knoblauch zur Vorbeugung von Erkältungen

Das Magazin „Focus“ hat einen Artikel publiziert zum Thema „Mythen im Faktencheck: Was Sie wirklich schützt vor Husten und Schnupfen.“

Dabei nimmt der Text auch den „Mythos 4“ unter die Lupe:

„Wer täglich Knoblauch isst, bekommt keine Infekte.“

Das stimme teilweise, schreibt die Autorin, und führt dazu aus:

„Knoblauch soll fast in jeder Form die Immunabwehr stärken, manche schwören sogar darauf, bei einer aufziehenden Erkältung eine geschälte Knoblauchzehe ins Ohr zu stecken. Das ist allerdings Humbug. Nachweislich wirksam ist Knoblauch zur Infektabwehr jedoch, wenn täglich zwei Knoblauchzehen verzehrt werden, das zeigt die Analyse mehrerer Studien zu diesem Thema.

Die Wirkung entfaltet sich vor allem durch rohen, zerdrückten oder gehackten Knoblauch. Erst Zerkleinern setzt das Enzym Alliinase frei, das wiederum die Bildung von Allicin anstößt, der Stoff, der die Immunabwehr auf Trab bringt. Tipp: Wer rohen Knoblauch zu scharf findet, kann ihn beispielsweise mit Honig zu sich nehmen.

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/erkaeltung/ohne-erkaeltung-durch-den-herbst-kuessen-kaelte-und-knoblauch-mythen-zum-thema-erkaeltung-im-faktencheck_id_9858852.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Knoblauch und Erkältungen – was ist dran?

Knoblauch wurde früher vor allem gegen Infektionskrankeiten eingesetzt, gegen Pest und Cholera, bei Grippeepidemien, Maul- und Klauenseuche, Thypus und Tuberkulose.

Tatsache ist, dass Knoblauch mit seinem Hauptwirkstoff Allicin / Alliin im Labor in Bakterienkulturen Bakterien abtöten kann. Ob und wie stark diese Wirkung auch in einem erkrankten Menschen zum Tragen kommt ist aber unklar.

Heute wird Knoblauch in der Phytotherapie hauptsächlich im Bereich der Kreislauferkrankungen eingesetzt, zum Beispiel als mildes Mittel bei Bluthochdruck, zur leichten Senkung des Cholesterinspiegels und zur Verbesserung der Blutfliesseigenschaften.

Es ist aber natürlich auch sehr interesssant, wenn der alte Mythos von der Vorbeugung gegen Erkältungskrankheiten mit Knoblauch wissenschaftlich untersucht wird. Und es hat mich sehr gefreut, dass die renommierte Cochrane Collaboration sich mit diesem Thema befasst.

Der Artikel im Magazin „Focus“ ist aber irreführend und zum Teil auch schlicht falsch. Wenn da steht, dass die vorbeugende Wirkung von Knoblauch gegen Erkältungen „nachweislich“ durch „Analyse mehrerer Studien“ belegt ist, dann stimmt das so nicht.

Cochrane wertet in der Regel alle relevanten Studien zu einer bestimmten Fragestellung aus und zieht dann eine Schlussfolgerung. In diesem Fall beschreiben die Autoren in der von „Focus“ verlinkten Originalpublikation, dass sie 6 für das Thema potenziell relevante Studien fanden (in einem späteren Update waren es 8).

Aber: Nur eine von diesen 8 Studien hat die Qualitätsanforderungen der Forscher erfüllt und wurde deshalb ausgewertet. Es kann also nicht die Rede sein von der „Analyse mehrer Studien“, die „nachweislich“ die Wirksamkeit belegen.

Die Studie gibt zwar Hinweise auf eine vorbeugende Wirkung, doch halten die Forscher die Qualität dieser Ergebnisse offenbar für nicht für in allen Punkten hoch.

Sie halten es für möglich, dass die Verblindung der Versuchspersonen nicht genügte. Die Probanden können also gemerkt haben, ob sie der Knoblauchgruppe oder der Placebogruppe zugeteilt sind.

Ansonsten beurteilen die Wissenschaftler die Studie aber recht positiv, bleiben aber in den Schlussfolgerungen zurückhaltend:

„There is insufficient clinical trial evidence regarding the effects of garlic in preventing or treating the common cold. A single trial suggested that garlic may prevent occurrences of the common cold but more studies are needed to validate this finding. Claims of effectiveness appear to rely largely on poor-quality evidence.“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/erkaeltung/ohne-erkaeltung-durch-den-herbst-kuessen-kaelte-und-knoblauch-mythen-zum-thema-erkaeltung-im-faktencheck_id_9858852.html

https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD006206.pub4/epdf/full

 

Die Studie ist trotzdem interessant. Ich habe sie in einem früheren Beitrag vorgestellt:

Schützt Knoblauch vor Erkältungen?

Ausserdem hier:

Knoblauch gegen Schnupfen wirksam?

Dort ist auch nachzulesen, dass die verwendete Knoblauchtablette einer Tagesdosis von 14 bis 36 g frischen Knoblauch entspricht. Das ist ziemlich viel, wenn man die möglichen sozialen Nebenwirkungen berücksichtigt. Auch diesen nicht unwesentlichen Umstand lässt der Bericht im „Focus“ weg.

Ich bin nicht dagegen, wenn jemand Knoblauch vorbeugend gegen Erkältungen einnimmt. Es ist auch nicht auszuschliessen, dass dafür sogar eine Wirkung vorhanden ist, die bisher einfach nicht belegt werden konnte (wenn das auch unwahrscheinlich ist).

Der Bericht im „Focus“ stellt aber eine eher schwache Studienlage sehr überzogen dar und führt die Leserinnen und Lesern damit hinters Licht.

Falls Sie an fundiertem Wissen über die Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen interessiert sind, empfehle ich meine Lehrgänge, die Phytotherapie-Ausbildung und das Heilpflanzen-Seminar.

 

Was ist Oscillococcinum®?

Oscillococcinum ist ein Homöopathikum, das häufig zur Vorbeugung und Behandlung von Grippe und grippalen Infekten empfohlen wird. In homöopathischen Praxen, aber auch in manchen Apotheken, wird das Präparat auch als homöopathische Grippeimpfung propagiert.

Oscillococcinum wird von der französischen Pharmafirma Boiron produziert, einem der weltweit grössten Hersteller von Homöopathika. Für das Jahr 2009 gab Boiron einen weltweiten Umsatz von 526 Millionen Euro an und einen Gewinn von 91 Millionen Euro.

Zur Entstehungsgeschichte von Oscillococcinum®

Oscillococcinum geht auf den französischen Arzt Joseph Roy zurück, der während des Ersten Weltkriegs als Lazarettarzt arbeitete. Er glaubte, in Ausscheidungen von Opfern der Spanischen Grippe in seinem Mikroskop Bakterien beobachtet zu haben, die er für die Erreger der Grippe hielt. Roy beschrieb kugelförmige Gebilde verschiedener Größe, die rasche, schwingende Bewegungen machten und die er für Mikroben hielt. Aus diesem Grund nannte er seine Entdeckung Oszillokokken – schwingende Bakterien. Später meinte er, sie auch noch im Blut und den Tumoren von Krebspatienten entdeckt zu haben. Da Roy diese „ Oszillokokken“ besonders häufig in der Leber von Enten zu finden glaubte, wird Oscillococcinum konsequenterweise aus Entenleber und Entenherz hergestellt.

Im homöopathischen Fachjargon heisst das dann Anas barbariae hepatis et cordis extractum 200 K.

Biologisch ist der Artname falsch, weil eigentlich die Moschusente Cairina moschata (frz. Canard de Barbarie) gemeint ist, die zur Gattung Cairina und nicht Anas gehört.

Bestandteile der Entenorgane sind – zur Beruhigung der Veganer  –  im fertigen Homöopathikum wegen der hochgradigen Verdünnung mit keinem einzigen Molekül mehr enthalten: 200 K ( K= nach Korsakow) entspricht einer Potenz von C200, also einer Verdünnung von 1 : 10400.

Es lässt sich im Nachhinein nicht klären, was genau Roy in seinem Mikroskop beobachtet hatte. In der Zwischenzeit wurde jedoch klar, dass weder Krebs noch die Grippe noch eine der anderen Krankheiten, für die Roy seine Oszillokokken als Verursacher vermutete, überhaupt durch Bakterien ausgelöst werden. Grippe wird durch Viren verursacht, die bedeutend kleiner als Bakterien sind. In einem optischen Mikroskop, wie es Roy zur Verfügung stand, lassen sich Grippeviren nicht beobachten. Erst um das Jahr 1930 herum gelang die Darstellung von Viren mit Hilfe der Elektronenmikroskopie.

Roys Beobachtungen konnten von keinem anderen Mikrobiologen bestätigt werden.

Zudem ist bis heute kein Bakterium bekannt, das in Entenleber zu finden ist und Grippe bewirken kann. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass Roy in seinem Mikroskop Luftbläschen beobachtete, deren Zittern durch die thermische Brown’sche Molekularbewegung verursacht wurde.

Da die Ausgangssubstanz „Entenleber & Entenherz“ nichts enthält, was eine Grippe oder vergleichbare Symptome wie eine Grippe auslösen könnte, kann das durch Prüfung am Gesunden nach homöopathischen Regeln erstellte Arzneimittelbild für Oscillococcinum® auch nicht auf die Anwendung bei Grippe passen. Das Präparat widerspricht somit sogar den Prinzipien der Homöopathie.

Wie ein Arzneimittelbild aus der Arzneimittelprüfung am Gesunden entsteht, wird in diesem Blog-Beitrag beschrieben:

Homöopathie-Forschung: Arzneimittelprüfung mit Okoubaka

Nun wird Oscillococcinum® aber oft auch als Vorbeugung gegen Grippe empfohlen, nicht selten sogar im Sinne einer alternativen Grippeimpfung. Das Prinzip der Vorbeugung und das Prinzip der Impfung stehen jedoch in fundamentalem Widerspruch zum Homöopathie-Modell, wie es der Gründer Samuel Hahnemann (1755 – 1843) postuliert hat.

Dieses heute noch zum Kernbestand der Homöopathie gehörende Modell setzt eine vorhandene, akute Krankheit voraus. Hahnemann war der Auffassung, dass von der “Krankheit”, der “verstimmten geistigen Lebenskraft”, die Summe der äußerlich sichtbaren Symptome zu wissen sei. Seines Heilmethode ist dann die Suche nach dem Mittel, das der “verstimmten geistigen Lebenskraft” exakt entgegenwirken möge (§§ 17 und 18 des Organon). Beim gesunden Menschen, der einer Grippe vorbeugen oder sich homöopathisch “impfen” lassen möchte,  ist diesbezüglich aber gar nichts verstimmt. Eine homöopathische “Impfung” kann hier also auch nichts bewirken. Detaillierter beschrieben werden diese Zusammenhänge in einem Beitrag auf dem Portal Netzwerk-Homöopathie:

“Homöopathische Impfungen” – gibt es das?

Schon die Entwicklungsgeschichte von Oscillococcinum® ist also ausgesprochen fragwürdig. Sie basiert auf einer ganzen Reihe von krassen und zum Teil zeitbedingten Irrtümern. Würden die Käuferinnen und Käufer dieses Produktes die Entwicklungsgeschichte kennen, würden wohl einige von ihnen den Kaufentscheid überdenken. Aber Transparenz beim Endverbraucher zu schaffen scheint nicht im Interesse des Herstellers und der Apotheken.

Zur Herstellung von Oscillococcinum®

Norbert Aust weist in seinem Blog „Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie“ eindrücklich nach, dass Oscillococcinum® gar nicht so hergestellt werden kann, wie es auf der Packung steht:

„Oscillococcinum ist ein homöopathisches Präparat aus dem Extrakt von Leber und Herz einer bestimmten Entenart, das in der Potenz K200 angeboten wird. Dabei handelt es sich um eine Korsakoff-Potenz, die in Verdünnungsschritten 1:100 in einem speziellen vereinfachten Verfahren hergestellt wird. Sie entspricht somit einer Verdünnung von 1:10^400. Die letztere Zahl ist eine Eins mit 400 Nullen und mit keiner Anschauung der Welt plausibel zu machen. Die Anzahl der Atome im Universum beträgt nur etwa 10^80. Wenn auch nur eine einzige Ente je auf Erden verschieden wäre und sich ihr Herz und ihre Leber nach der Zersetzung im gesamten Wasservorrat der Erde verteilt hätte, entspräche das einer Verdünnung von vielleicht D23. Folge: K200 entsprechend D400 ist nicht herstellbar, weil man kein Wasser zur Verfügung haben kann, das hinreichend wenig (!) Entenleber enthält. Selbst wenn es im gesamten Universum nur ein einziges ‚Entenleberwirkstoffmolekül‘ gäbe, wäre dies nur eine Potenz von etwa K39 oder K40, je nach Größe dieses Moleküls.“

Zur Studienlage betreffend Oscillococcinum®

Boiron hat mit Oscillococcinum® einige Studien durchgeführt. Die unabhängige Cochrane Collaboration hat die Studien in einer Metaanalyse analysiert und kommt zum Schluss, dass die vorliegenden Studiendaten die Anwendung nicht unterstützen.

Auch die Homöopathie-nahe Carstens-Stiftung hält es für zweifelhaft, „dass Oscillococcinum® bei grippalen Effekten über Placeboeffekte hinaus wirkt.“

Eine detaillierte Darstellung der Studienlage mit Quellenangaben gibt’s hier bei Homöopedia:

Studienlage zu Oscillococcinum®

In den USA wurde Boiron mittels Sammelklage wegen irreführender Werbung angeklagt, strebte vor Gericht einen Vergleich an und zahlte fünf Millionen US-Dollar an unzufriedene Kunden zurück, um ein Urteil zu vermeiden.

In der Schweiz warnte die Arzneimittelbehörde Swissmedic schon 2011 in einem Newsletter, dass Oscillococcinum® selbst von Fachpersonen vermehrt zur homöopathischen Grippeimpfung empfohlen wurde. Swissmedic bezeichnete solche Empfehlungen als irreführend und für Risikopersonen gesundheitsgefährdend.

Im Jahr 2011 versuchte Boiron, einen italienischen Blogger mit Drohbrief und Klageandrohung einzuschüchtern, weil er sich kritisch zu Oscillococcinum® geäussert hatte.

Das Präparat ist also insgesamt fragwürdig. Und noch fragwürdiger ist, dass manche Apotheken ein solches Präparat aktiv verkaufen.

Wer heilt hat Recht?

Das wird aber viele Leute nicht davon abhalten, Oscillococcinum® für wirksam zu halten, nach dem Motto: „Mir hilft es halt!“ oder „Wer heilt hat Recht!“.

Siehe dazu: 

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht? (1)

Komplementärmedizin:Wer heilt hat Recht (2)

Die Erfahrung, dass jemand nach Einnahme von Oscillococcinum® von einer Grippeerkrankung gesund wird, ist durchaus ernst zu nehmen. Die Interpretation dieser Erfahrung, wonach diese Genesung durch die Einnahme von Oscillococcinum® verursacht wurde, lässt sich aber mit sehr guten Gründen in Frage stellen. Grippe und  „grippale Erkrankungen“, bei denen Oscillococcinum®  eingesetzt wird, bessern in der Regel auch von selbst.  Sagt jemand „Mir hilft es halt!“, dann wäre die Person zu fragen, ob sie sicher ist, dass die Erkrankung ohne Oscillococcinum®  länger gedauert hätte. Bejaht die Person die Frage, dann wäre nachzufragen, woher sie das weiss. An dieser Stelle lauert nämlich ein Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss: Die Gleichzeitigkeit zweier Vorgänge (Gesundwerden &  Oscillococcinum®-Einnahme) wird irrtümlich als Ursache-Folge-Beziehung interpretiert (Gesundwerden wegen Oscillococcinum®-Einnahme).

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der “Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss” als häufige Irrtumsquelle

 

Quellen:

http://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Oscillococcinum

https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=oscillococcinum

https://www.psiram.com/de/index.php/Oscillococcinum

https://www.psiram.com/de/index.php/Boiron

http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?p=844

Mehr kritische Reflexion nötig

Ich bewege mich seit mehr als 40 Jahren im Umfeld von Naturheilkunde / Komplementärmedizin / Alternativmedizin. In dieser Zeit ist mir immer klarer geworden, dass es in diesen Bereichen fundamental an kritischer bzw. selbstkritischer Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen der eigenen Methoden mangelt. Es spielt oft kaum eine Rolle, ob eine Heilungsversprechung wahr ist, wenn sie ins eigene Konzept passt. Das führt nicht selten zur Täuschung und manchmal auch zur Gefährdung von Patientinnen und Patienten.

Weiteres dazu hier:

Komplementärmedizin: Mehr Argumente – weniger fraglose Gläubigkeit

Mehr Kontroverse in Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Pflanzenheilkunde: Kritische Reflexion statt Missionarismus

Naturheilkunde: Kritische Fragen unerwünscht?

P. S.:

Hier noch ein Hinweis aufgrund meiner Erfahrung, dass ich auf solche Beiträge jeweils ein paar Mails bekomme mit der Frage, wieviel dem Autor als “Pharmaknecht” von der Pharmaindustrie für diesen Artikel bezahlt wurde:

Nein, liebe Verschwörungstheoretiker, dieser Beitrag wurde ohne finanzielle Beteiligung der Pharmaindustrie verfasst.😉

 Zudem weise ich darauf hin, dass auf dieser Website auch kritische Texte zu kritikwürdigen Aspekten der Pharmaindustrie vorhanden sind….

Milchzucker gegen Verstopfung

Milchzucker (Laktose) ist ein bewährtes und mildes Hausmittel gegen Verstopfung. Darauf weißt das Portal T-online hin:

„Milchzucker wird im Dickdarm von Bakterien in Traubenzucker und Galaktose zerlegt und dann zu Milchsäure und Essigsäure abgebaut. Diese beiden Säuren wirken ähnlich abführend auf den Darm wie Bittersalze und Glaubersalz, sind jedoch milder. Bei Verstopfung können Sie 1 bis 4 Esslöffel Milchzucker über den Tag verteilt pur oder in Joghurt oder Apfelmus gerührt einnehmen. Milchzucker erhalten Sie in der Apotheke.“

Quelle:
https://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_49362672/hausmittel-gegen-verstopfung-das-hilft-die-obstipation-zu-loesen.html

Kommentar & Ergänzung:

Normalerweise wird Milchzucker im Dünndarm durch das Enzym Lactase in Traubenzucker und Galaktose zerlegt. Fehlt Lactase im Dünndarm oder reich ihre Aktivität nicht aus, um die mit der Nahrung aufgenommene Menge an Lactose zu spalten. So gelangt Laktase in den Dickdarm und wird dort bakteriell abgebaut. Als Gärungsprodukte entstehen dabei die Gase Methan (Treibhausgas!😉) und Wasserstoff, die Blähungen verursachen können, und kurzkettige Fettsäuren (Milchsäure, Essigsäure), die leicht abführend wirken durch osmotische Effekte (Anziehen und Zurückhalten von Wasser im Darm) und durch Steigerung der Dickdarm-Bewegungen (Peristaltik).

Milchzucker spielt als Teil der Muttermilch bei der Ernährung von jungen Säugetieren eine wichtige Rolle. Daher bilden alle gesunden neugeborenen Säugetiere während des Säugens bzw während der Stillzeit Lactase.

Im Laufe der natürlichen Entwöhnung von der Muttermilch reduziert sich die Aktivität der Laktase bei Menschen und allen anderen Säugetieren auf etwa 5–10 % der Aktivität bei der Geburt.

Nur bei Nord- und Mitteleuropäern sowie einigen afrikanischen Völkern, die seit langer Zeit Milchwirtschaft betreiben, hat sich eine Mutation durchgesetzt, die dazu führt, dass auch noch im Erwachsenenalter ausreichend Laktase produziert wird (Laktasepersistenz). Wahrscheinlich liegt das daran, dass die höhere Laktaseaktivität einen Selektionsvorteil für diese Gruppen bot (durch bessere Ausnutzung von Mineralstoffen und Nährstoffen aus der Milch).

Gibt man nun diese 1 bis 4 Esslöffel Milchzucker pro Tag, überfordert man offenbar das durchschnittliche Abbauvermögen via Lactase, so dass über den osmotischen Effekt eine milde Abführwirkung entsteht.
Milchzucker hemmt im Darm zudem Fäulnisbakterien und fördert Bifidus-Bakterien (Bifidobacterium)

Lavendelöl gegen Pilze und gegen Hautkrankheiten

Die „Glückspost“ publizierte einen Artikel zum Thema „Antibiotika aus der Natur helfen“. Darin warnt die Autorin sehr zu Recht vor der zunehmenden Gefahr der Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen durch den unsachgemässen Einsatz von Antibiotika.

In vielen Fällen könne man sich bei frühzeitiger Behandlung auch mit Antibiotika aus der Natur von seinen Leiden befreien. Dann verrät die Autorin uns einen Zusatzeffekt dieser Mittel: „Natürliche Antibiotika stärken erst noch das Immunsystem!“ – Das tönt natürlich (!) sehr gut, ist aber so pauschal behauptet einfach Unsinn.

Aber schauen wir uns eines der empfohlenen „natürlichen Mittel“ genauer an:

„Lavendelöl wirkt gegen Pilze und gegen Hautkrankheiten wie Akne, Schuppenflechte oder Neurodermitis.

So geht’s: 10 Deziliter destilliertes Wasser und 12 Tropfen Lavendelöl gut vermischen und mit einer Kompresse auf die betroffene Hautstelle legen.“

Quelle: https://www.glueckspost.ch/gesundheit/antibiotika-aus-der-natur-helfen/

 

Kommentar & Ergänzung:

Lavendelöl wirkt tatsächlich hemmend auf Hautpilze und Bakterien. Allerdings braucht es zu diesem Tipp noch eine Reihe von ergänzenden Informationen, damit er sinnvoll angewendet werden kann.

Die pilzhemmende und bakterienhemmende Wirkung von Lavendelöl ist sehr gut dokumentiert im Labor. Dort wird aber Lavendelöl meistens unverdünnt in Pilzkulturen oder Bakterienkulturen getestet. Daher stellt sich bei der Anwendung am Menschen die Frage, in welcher Konzentration es noch wirksam ist. Und wenn es verdünnt werden soll ist zu klären, ob eine fetthaltige oder wässerige Grundlage im konkreten Fall besser passt.

Bei Neurodermitis und Schuppenflechte spielen Bakterien oder Pilze ursächlich keine relevante Rolle. Antimikrobielle Mittel wie Lavendelöl sind hier nur sinnvoll, wenn eine übermäßige Besiedlung der Haut mit Bakterien oder Pilzen vorliegt.

Und eine wässige Lösung ist bei Ekzemen, d. h. auch bei Neurodermitis, eigentlich nur in akuten, nässenden Stadien passend. Phytotherapeutisch steht dann aber die Anwendung von Gerbstoffen im Vordergrund (Eichenrinde, Schwarztee).

In der Regel wir man die Haut eher mit fetthaltigen Emulsionen pflegen (O/W-Emulsionen, bei stark trockenr haut W/O-Emulsionen). Dort könnte man bei Bedarf auch ein paar Tropfen Lavendelöl in die Emulsion einrühren.

Zur Linderung des Juckreizes, der bei Neurodermitis oft sehr belastend ist, reicht Lavendelöl in der Regel nicht aus. Hier wäre eher eine Lotion mit Mentholzusatz zu empfehlen. Menthol wirkt in Konzentrationen von etwa 0,5 – 1 % in einer Salbengrundlage gut juckreizlindernd. Menthol ist der Hauptbestandteil des ätherischen Pfefferminzöls.

Bei Schuppenflechte (Psoriasis) stehen phytotherapeutisch als unterstützende Behandlung zwischen den Schüben Salben mit einem alkoholischen Auszug aus Mahonia aquifolium im Vordergrund (= Gewöhnliche Mahonie, Zierberberitze, Präparat Rubisan N Salbe), ausserdem gibt espositive Daten mit Aloe-vera-Gel.

Bei Akne und Fusspilz ist die antimikrobielle Wirkung von Lavendelöl passend, doch dürfte die von der „Glückspost“ angegebene Konzentration von acht Tropfen auf einen Liter eher zu schwach sein. Hier könnte Lavendelöl pur aufgetragen werden oder dann 10 % in einer öligen Lösung, zum Beispiel in Mandelöl.

Zur wässrigen Lösung der „Glückspost“ ist zudem noch zu erwähnen, dass ätherische Öle sich schlecht mit Wasser mischen. Empfehlenswert wäre deshalb, das Lavendelöl zuerst in einer Portion Kaffeerahm zu verrühren und die Mischung anschliessend ins Wasser zu geben. So wird das Lavendelöl besser emulgiert.

Meines Erachtens ist zudem die Verwendung von destilliertem Waser unnötig. Leitungswasser reicht.

Heilpflanzen-Anwendungen müssen sorgfältig und differenziert eingesetzt werden. Es reicht meistens nicht, einen Kürzest-Tipp in zwei Sätzen in die Welt zu setzen, wie das die „Glückspost“ gerade gemacht hat. Aber ein Titel wie „Antibiotika aus der Natur helfen“ wird jedenfalls für Klicks sorgen.

Wenn Sie interessiert sind an fundiertem Wissen über pflanzliche Arzneimittel, können Sie das erwerben in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

 

Blasenentzündung vorbeugen: Erhöhte Trinkmenge laut Studie wirksam

Wissenschaftler konnten mit einer Studie nachweisen, dass eine erhöhte Trinkmenge Harnwegsinfekte reduzieren kann.

Ständiger Harndrang, unangenehmes Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen im Unterbauch – vielen Frauen sind die klassischen Symptome einer Harnwegsinfektion nur zu gut bekannt. Ein erhöhter Wasserkonsum könnte das Risiko einer Blasenentzündung deutlich vermindern.

Wie Wissenschaftler im Fachblatt JAMA dargelegt haben, wiesen Frauen mit wiederkehrenden Harnwegsinfekten, die im Verlaufe einer Studie täglich und über zwölf Monate hinweg zusätzlich eineinhalb Liter Wasser tranken, ein um 50 Prozent tieferes Risiko für Blasenentzündungen auf

Die Studie wurde von der Organisation Danone Research finanziert. Der Getränke- und Lebensmittelkonzern Danone verkauft auch Wasser in Flaschen. Das heisst nicht, dass die Studie deshalb schlecht sein muss, aber sie ist auch nicht ganz unabhängig, wie das eigentlich wünschbar wäre.

Die Resultate der Studie zeigen nach Auskunft der Wissenschaftler, dass wiederkehrende Harnwegsinfekte durch eine erhöhte Trinkmenge verhindert werden könnten.

Grund dafür sei, dass durch den erhöhten Harndrang Bakterien beim Wasserlassen aus der Harnröhre gespült werden, bevor sie sich dort festsetzen und eine Infektion auslösen können.

Dass Team um Studienleiterin Deborah Grady von der University of California in San Francisco unterstreicht, dass etwa die Hälfte aller Frauen mindestens einmal in ihrem Leben Gefahr laufen, an einem Harnwegsinfekt zu erkranken. Ist man als Frau einmal von dieser Erkrankung betroffen gewesen, kehrt sie bei etwa einem Viertel der Betroffenen innerhalb der nächsten sechs Monate zurück. Etwa 75 Prozent der Betroffenen erkranken innerhalb des Folgejahres erneut an einer Blasenentzündung.

Quelle:

https://kurier.at/wellness/harnwegsinfektionen-vorbeugen-ist-mehr-wasser-die-loesung/400134146

Originalpublikation:

https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2705079

 

Kommentar & Ergänzung:

In der Originalstudie kann man sehen, dass Deborah Grady nicht die Studienleiterin war, sondern eine „Editor’s Note (einen“Editorial Comment“, einen Kommentar der Herausgeber des Magazins) zu der Studie geschrieben hat. Studienleiter war Thomas M. Hooton von der University of Miami.

Die Originalpublikation zeigt auch, dass von dem 7-köpfigen Forschungsteam 4 Wissenschaftler von Danone Nutricia Research kommen. Also die Mehrheit. Das scheint mir zu viel.

Die Studie wird in der Pharmazeutischen Zeitung genauer beschrieben:

 140 junge Frauen wurden in die randomisierte, offene Studie aufgenommen. Die Versuchspersonen litten unter häufigen Harnwegsinfekten; im Jahr vor Studieneinschluss waren es durchschnittlich 3,3 gewesen. Dennoch tranken die Teilnehmerinnen recht wenig, nämlich weniger als 1,5 l täglich. Ein Teil der Frauen behielt diese Trinkmenge über den zwölfmonatigen Studienzeitraum bei, die anderen tranken pro Tag 1,5 l Wasser zusätzlich.

In der Interventionsgruppe sank die Zahl der Blasenentzündungs-Episoden daraufhin im Schnitt auf 1,7 pro Jahr, während sie in der Vergleichsgruppe mit 3,2 pro Jahr nahezu konstant blieb. Der zeitliche Abstand zwischen zwei Harnwegsinfekten betrug bei Frauen, die mehr tranken, durchschnittlich 142,8 Tage, bei denjenigen mit unveränderten Trinkgewohnheiten im Schnitt 84,4 Tage. Durch die gesteigerte Trinkmenge konnte zudem der Antibiotika-Verbrauch reduziert werden: Frauen in der Interventionsgruppe brauchten zur Therapie von Harnwegsinfekten durchschnittlich 1,9 Antibiotika-Kuren pro Jahr, Teilnehmerinnen in der Vergleichsgruppe 3,6.

Die „Pharmazeutische Zeitung“ zitiert aus dem Fazit der Forscher:

»Mehr Wasser zu trinken, ist eine effektive, Antibiotika-sparende Strategie, um wiederkehrenden Harnwegsinfekten bei prämenopausalen Frauen vorzubeugen.«

Allerdings sei diese Aussage beschränkt auf Frauen, die gewohnheitsmäßig nur wenig trinken. 

Der Artikel in der PZ endet mit einem interessanten Hinweis:

„1,5 l am Tag sind allerdings schon mehr, als etwa die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Sie rät für Erwachsene zwischen 25 und 51 Jahren zu einer täglichen Wasserzufuhr von 1,41 l.“

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/viel-trinken-hilft/

Aus Sicht der Phytotherapie würde sich anschliessend an diese Studie noch die Frage stellen, ob spezielle Kräutertees anstelle von reinem Wasser den günstigen Effekt steigern könnten. Leider ist zur Klärung dieses offenen Punktes kaum Geld von Danone zu erwarten, so dass er wohl ungeklärt bleiben wird.

Gefragt wäre hier eine Arzneipflanze mit leicht entzündungswidrigem und leicht antimikrobiellem Effekt, einigermassen angenehmem Geschmack und guter Verträglichkeit bei Langzeiteinnahme. Buccoblätter? Goldrutenkraut aus Solidago virgaurea?

Ansonsten werden zur Rückfallprophylaxe bei Blasenentzündung oft Präparate auf der Basis von Cranberry / Preiselbeeren empfohlen. Hier haben wir allerdings mit der Schwierigkeit zu tun, dass die im Handel erhältlichen Präparate sehr unterschiedlich sind im Wirkstoffgehalt und die Studienlage insgesamt unbefriedigend. Eine Altenative ist D-Mannose. Siehe dazu:

D-Mannose schützt vor Harnwegsinfekt

Preiselbeere / Cranberry und D-Mannose sollen beide die Anheftung der Bakterien an den Schleimhäuten der Harnwege hemmen und dadurch ihre Ausschwemmung fördern.

Bei akuten Blasenentzündungen kommen phytotherapeutisch dann als unterstützende Behandlung Bärentraubenblätter als Bärentraubenblättertee oder in Form von Bärentraubenextrakt mit standardisiertem Gehalt an Arbutin in Frage, oder Präparate mit Senfölglykosiden aus Meerrettichwurzel und/oder Kapuzinerkressenkraut.

Insgesamt ist das Thema der Harnwegsinfektionen interessant für die Phytotherapie.

Wer sich fundiertes Wissen erwerben möchte über Heilpflanzen-Anwendungen kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar oder der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Aktivkohle als Detox-Kur?

Aktivkohle wird schon seit langem als „Medizinische Kohle“ bei Durchfall und gegen Vergiftungen eingesetzt.

Seit einiger Zeit wird sie zudem intensiv propagiert als Detox-Kur zur „Entgiftung“ – zum Beispiel in Smoothies.

Funktioniert das und ist das überhaupt gesund? Und was ist überhaupt Aktivkohle?

Hier dazu eine kurze Information:

Was ist Aktivkohle?

Aktivkohle besteht überwiegend aus hochporösem, feinkörnigem Kohlenstoff mit großer innerer Oberfläche – wobei die Poren wie bei einem Schwamm untereinander verbunden sind. Laut Wikipedia beträgt die innere Oberfläche zwischen 300 und 2000 m2/g Kohle. Dadurch entspricht die innere Oberfläche von vier Gramm Aktivkohle ungefähr der Fläche eines Fußballfeldes. 

Diese Eigenschaft prädestiniert die Aktivkohle für den Einsatz als Adsorbtionsmittel in Chemie und Medizin, aber auch in vielen technischen Anwendungsbereichen wie Trinkwasseraufbereitung, Abwasserbehandlung sowie Lüftungs- und Klimatechnik.

Gefragt ist dabei die Fähigkeit der Aktivkohle, andere Stoffe wie etwa Toxine, Chemikalien oder auch Geruchsmoleküle an ihrer Oberfläche an sich zu binden.

 

Aktivkohle gegen Durchfall

Aktivkohle kann bei Durchfall Auslöser wie etwa Bakterien oder Schadstoffe an sich binden. Sie werden dadurch zunächst unschädlich gemacht und danach über den Stuhl aus dem Körper transportiert. Aktivkohle war daher über lange Zeit ein unverzichtbarer Bestandteil der Reiseapotheke.

 

Aktivkohle gegen Vergiftungen

Wurden toxische Chemikalien oder auch giftige Pflanzenstoffe eingenommen, kann die Gabe von Aktivkohle helfen, die Giftstoffe zu binden und ihre Aufnahme in den Organismus zu hemmen. Weil die Aktivkohle bis zu ihrer Ausscheidung im Verdauungstrakt bleibt, funktioniert das allerdings nur solange, wie die Giftstoffe sich noch dort befinden. Auf Giftstoffe, die bereits in den Organismus aufgenommen wurden, hat die Aktivkohle keinen Einfluss mehr. Zudem wirkt die Aktivkohle zwar gegen viele, aber nicht gegen alle Giftstoffe.

 

Aktivkohle als Detox-Kur

Dieser Empfehlung liegt die Vorstellung zugrunde, dass man durch Zusatz von Aktivkohle zum Beispiel in Smoothies Giftstoffe im Körper binden und damit ausleiten kann.

Das könnte allenfalls funktionieren für Giftstoffe im Verdauungstrakt, weil die Aktivkohle den Verdauungstrakt nicht verlässt. Die Vorstellung, das Aktivkohle Giftstoffe ausleitet, die irgendwo sonst im Körper vorhanden sind, entbehrt jeder Grundlage.

Entscheidend ist aber, dass die Aktivkohle nicht „weiss“, welche Substanzen für uns Giftstoff sind und entfernt werden sollten. Sie bindet undifferenziert alles, was sie binden kann, darunter auch wichtig und nützliche Nahrungsbestandteile wie Vitamine, aber auch zeitgleich eingenommene Arzneimittel, die dadurch an Wirksamkeit einbüssen.

Dieser Punkt allein schon macht eine Detox-Kur mit Aktivkohle fragwürdig. Solche Aktivkohle-Smoothies müssten über längere Zeit eingenommen werden. Die Aktivkohle wird dabei mit grosser Wahrscheinlichkeit auch wertvolle, andere Smoothie-Bestandteile binden genauso wie wichtige Inhaltsstoffe der übrigen Nahrung.

Der ganze Detox-Boom ist sowieso ziemlich fragwürdig, unter anderem auch, weil die Detox-Vorstellung das Vertrauen in unseren Organismus untergräbt.

Sieh dazu auch:

Detox ist Unsinn

Detox entschlankt nur den Geldbeutel

Detox: Fragwürdiger Trend mit Entgiftungskuren

Detox-Kuren: Eingebildete Lösungen für nicht existierende Probleme

Entgiftungsdiäten & Detox-Diäten – bodenlose Versprechungen

 

 

Zu den medizinischen Anwendungen der Aktivkohle siehe auch:

Aktivkohle bei Durchfall

Wirkstoffkunde: Was ist Aktivkohle?

Aktivkohle bei akuten oralen Vergiftungen

 

Wie sich Durchfall mit Heilpflanzen behandeln lässt, können Sie lernen in meinen Lehrgänge, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

Aufklärungsbedarf im Umgang mit Antibiotika

Antibiotika sind nur gegen Bakterien wirksam, nicht gegen Viren – das weiß in Deutschland nur jede zweite Person, wie eine neue Umfrage im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigt. Im Umgang mit Antibiotika besteht weiterhin Aufklärungsbedarf.

 

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/nur-jeder-zweite-weiss-bescheid/

 

Kommentar & Ergänzung:

Aufgrund dieser Wissenslücke erwarten Leute mit Erkältungskrankheiten in der Arztpraxis nicht selten ein Antibiotikum. Das ist bei einer unkomplizierten Erkältungskrankheit aber unsinnig, weil in diesen Fällen Viren für die Infektion verantwortlich sind. Unnötige Antibiotika-Einsaätze sollten aber vermieden werden, weil dadurch vermehrt Resistenzen entstehen können.

Antibiotika sind in vielen Situationen lebenswichtige Medikamente. Sie sollten nur dann zum Einsatz kommen, wenn es notwendig ist.