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Stören Lavendelöl und Teebaumöl den Hormonhaushalt?

Eine US-Studie kommt zu dem Schluss, dass Lavendelöl und Teebaumöl den Hormonhaushalt stören können – sie wirken wie das weibliche Sexualhormon Östrogen.

Lavendelöl und Teebaumöl duften nicht nur, den ätherischen Ölen wird auch eine beruhigende bzw. entzündungshemmende Wirkung nachgesagt. Darum sind sie auch Bestandteil zahlreicher kosmetischer Produkte, wie Hautcremen, Seifen oder Raumdüften. Eine Untersuchung an menschlichen Zellen zeigte allerdings, dass einige Bestandteile dieser ätherischen Öle hormonell wirksam sein können. Im Labor zeigten sie Wirkungen wie das weibliche Sexualhormon Östrogen und hemmten die Aktivität des männlichen Sexualhormons Testosteron.

Insgesamt acht hormonell wirksame Bestandteile der beiden ätherischen Öle konnten die Forscher identifizieren, darunter Eucalyptol und Limonen. Dass Kosmetika sogenannte Endokrine Disruptoren enthalten können, sei schon länger bekannt, erklärt der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien. Bisher wurden allerdings hauptsächlich synthetisch hergestellte Substanzen untersucht.

Kommt man mit solchen hormonaktiven Substanzen regelmäßig in Kontakt, zum Beispiel über die Haut oder die Atemwege, dann kann das gesundheitliche Folgen haben. „Hormonaktive Stoffe können das menschliche Hormonsystem bewiesenermaßen durcheinander bringen“, sagt der Umweltmediziner Hutter. Das könne vom verfrühten Einsetzen der Pubertät über Einschränkungen der Fruchtbarkeit bis zu einem erhöhten Krebsrisiko gehen. Er hält es daher für wichtig, „dass wir Bestandteile von Kosmetika auf beiden Seiten des Spektrums untersuchen, also natürliche wie synthetisch hergestellte.“

Die US-Mediziner haben die ätherischn Öle untersucht, weil Beobachtungen erste Hinweise auf eine hormonelle Wirksamkeit geliefert hatten. Bei drei Buben, die regelmäßig Teebaumöl-Produkte verwendet haben, wurde vor der Pubertät ein anormales Brustwachstum festgestellt, eine sogenannte Gynäkomastie. Wurden die Teebaumöl-Produkte nicht mehr verwendet, bildete sich die Brust zurück.

Umweltmediziner Hutter sagt, dass man diesen Zusammenhang auf jeden Fall noch genauer untersuchen müsse. Werde die hormonelle Wirksamkeit des Teebaumöls und des Lavendelöls durch mehrere Studien bestätigt, müsse die Zulassung für Kosmetikprodukte anders reguliert werden.

Die US-Wissenschaftler wollen nun auch andere ätherische Öle auf eine mögliche hormonelle Wirksamkeit untersuchen. Denn die Inhaltsstoffe, die sie identifiziert haben, findet man auch in mindestens 65 weiteren ätherischen Ölen. Umweltmediziner Hutter rät, kosmetische Produkte insgesamt sparsamer zu verwenden – denn es gebe auch zahlreiche andere Inhaltsstoffe, die noch nicht ausreichend erforscht sind.

Quelle:

http://science.orf.at/stories/2904066/

https://www.endocrine.org/news-room/2018/chemicals-in-lavender-and-tea-tree-oil-appear-to-be-hormone-disruptors

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Geschichte ist eigentlich schon ziemlich alt. Sie wurde im Fachmagazin New England Journal of Medicine bereits im Jahr 2007 publiziert:

http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/nejmoa064725

Die „Süddeutsche“ berichtete dann im Mai 2010 darüber.

http://www.sueddeutsche.de/leben/wie-oestrogen-lavendel-oel-laesst-jungen-brueste-wachsen-1.109345

Der Bericht auf endocrine.org stammt vom 17. März 2018 und Ende März folgen nun Artikel auf 20min.ch und auf science.orf.

Es macht den Eindruck, als werde da immer wieder dieselbe Sau durchs Dorf gejagt….

Klar ist, dass auch Naturprodukte wie ätherische Öle unerwünschte Nebenwirkungen und Risiken haben können.

Beim vorliegenden Thema der allfälligen Hormonaktivität von Lavendelöl und Teebaumöl sind allerdings noch eine ganze Reihe von Fragen offen.

So lässt sich aus Einzelfallbeobachtungen nie sicher ein ursächlicher Zusammenhang belegen. Die drei Fälle mit den präpubertären Buben sind im New England Journal of Medicine detailliert beschrieben.

Patient 1 verwendete einen „healing balm“ mit Lavendelöl, Patient 2 einen Haargel und ein Shampoo mit Lavendelöl und Teebaumöl, Patient 3 eine Seife mit Lavendelöl.

In allen drei Fällen können andere auslösende Faktioren nicht ausgeschlossen werden. Auch dass sich in allen drei Fällen die Gynäkomastie einige Monate nach dem Absetzen der Produkte zurückbildete, sagt nichts Definitives aus. Das kann auch der natürliche Verlauf gewesen sein und zum Beispiel durch eine veränderte Hormonlage bewirkt worden sein.

Und Untersuchungen im Labor an menschlichen Zellen sagen nichts Definitives darüber aus, die die Substanzen im lebenden Organismus wirken.

Das ist alles sehr vage und wenn 20min.ch mit der Schlagzeile daher kommt: „Männer bekommen Brüste wegen Shampoo und Seife“, dann steht diese Behauptung auf wackeligen Beinen. Aber es tönt halt interessanter als „Teebaumöl und Lavendelöl zeigen Hormonwirkung im Reagenzglas“.

Den grundsätzlichen Rat von Umweltmediziner Hutter, kosmetische Produkte insgesamt sparsamer zu verwenden, würde ich aber unterschreiben – auch in Bezug auf Lavendelöl und Teebaumöl.

Teebaumöl wird antimikrobiell gegen Bakterien, Pilze und Viren. Lavendelöl wird antimikrobiell gegen Bakterien und Pilze sowie beruhigend zum Beispiel bei Schlafstörungen.

Es ist nicht einzusehen, weshalb ein Haargel und ein Shampoo für einen präpubertären Jungen Teebaumöl und Lavendelöl enthalten sollte. Es ist auch für Erwachsene nicht einzusehen. Auch ein „healing balm“ und eine Seife mit Lavendelöl sind in diesem Kontext durchaus fragwürdig.

Aus phytotherapeutischer Sicht sind ätherische Öle Arzneimittel, die bei einer bestimmten Indikation angewendet werden können. Die tägliche Anwendung in Kosmetika oder als „Wellness“-Produkte ist in den meisten Fällen nicht zu empfehlen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Schlafmittel: Risiko Benzodiazepin-Abhängigkeit

Benzodiazepine sind Wirkstoffe mit angstlösenden, krampflösenden, beruhigenden und schlaffördernden Eigenschaften. Sie werden unter anderem gegen Angst-, Erregungs- und Spannungszustände, Schlafstörungen und Epilepsie angewendet und zählen zu den am häufigsten verschriebenen Psychopharmaka.

Hier eine Liste mit Wirkstoffen / Präparaten aus der Gruppe der Benzodiazepine (Quelle: Pharmawiki):

Alprazolam (Xanax®), Bromazepam (Lexotanil®), Chlordiazepoxid (Librium®), Clobazam (Urbanyl®), Clonazepam (Rivotril®), Clorazepat (Tranxillium®), Cloxazolam (ausser Handel), Diazepam (Valium®, Stesolid®), Flunitrazepam (Rohypnol®), Flurazepam (Dalmadorm®), Ketazolam (Solatran®), Lorazepam (Temesta®), Lormetazepam (Loramet®, Noctamid®), Medazepam (Rudotel®, D), Midazolam (Dormicum®), Nitrazepam (Mogadon®), Oxazepam (Seresta®, Anxiolit®), Prazepam (Demetrin®), Temazepam (Normison®), Tetrazepam (in der Schweiz nicht im Handel), Triazolam (Halcion®).

Solche Schlaf- und Beruhigungsmittel machen recht schnell süchtig. Als Folge einer Benzodiazepin-Abhängigkeit können Stürze, Gedächtnisverlust und emotionaler Rückzug auftreten. Menschen, die über längere Zeit Benzodiazepine einnehmen beschreiben oft, dass sie sich wie in Watte eingepackt fühlen.

Der Benzodiazepin-Missbrauch ist nicht tödlich, aber schädlich, weil er unerwünschte Wirkungen hat. Ein Drittel bis die Hälfte aller Oberschenkelhalsbrüche passiere aufgrund einer Niedrigdosisabhängigkeit, sagt Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer in Deutschland.

Diese Medikamente seien grundsätzlich hochwirksam und bei psychiatrischen Erkrankungen sehr hilfreich, doch hätten sie aufgrund ihres Wirkmechanismus ein hohes Abhängigkeitspotenzial und sollten deshalb nicht länger als vier Wochen angewendet werden.

Benzodiazepine wirken zentral im Gehirn als Angstlöser und Beruhigungsmittel. In Deutschland sind gemäss Schätzungen 1,2 Millionen Menschen von Benzodiazepinen abhängig, wovon viele von ihnen älter als 70 Jahre sind. Betroffene besorgen sich häufig ihre Rezepte über mehrere Ärzte – damit der Missbrauch nicht auffällt. Meist benötigen die Abhängigen nur eine geringe Dosis: Eine halbe Tablette am Tag reicht aus, weil die Mittel so wirksam sind.

Wer allerdings ein solches Mittel dauerhaft nimmt, ist auch tagsüber schläfrig, unkonzentriert und hat eine geringe Muskelspannung, was Stürze und damit Knochenbrüche gerade bei älteren Menschen fördert.

Als weitere Merkmale einer Abhängigkeit können Gedächtnisverlust, sozialer und emotionaler Rückzug und Abgestumpftheit auftreten. Wer Benzodiazepine über längere Zeit einnimmt nimmt, fürchtet oft, dass Angst und Unruhe zurückkehren, wenn er die Medikamente absetzt. Doch Andreas Kiefer sagt, dass die Ängste beim Entzug völlig überschätzt werden, der Vorteil der Abstinenz dagegen unterschätzt.

Benzodiazepine sollten allerdings niemals auf eigene Faust abgesetzt werden, denn das führt häufig zu einer Wirkumkehr und kann Zittern, Angst und Depressionen auslösen. Betroffene sollten daher mit dem behandelnden Arzt, der behandelnden Ärztin einen sogenannten Abdosierungsplan erstellen. Man könne es in drei Monaten schaffen, davon loszukommen, sagt Kiefer.

Quelle:

http://www.welt.de/gesundheit/article128195362/Wenn-das-Schlafmittel-zur-Gefahr-wird.html

Kommentar & Ergänzung:

Auch beim Thema „Benzodiazepine“ halte ich es für wichtig, nicht in Schwarz-Weiss-Denken zu verfallen. „Niemals Chemie!“ ist eine recht einseitige, undifferenzierte Haltung – und zudem einfach falsch (auch Pflanzen bestehen aus „Chemie“).

Es gibt meines Erachtens zweifellos Krankheiten und Zustände, bei denen Benzodiazepine sinnvoll und wirksam als Medikament eingesetzt werden können. Wer alles mit Heilpflanzen behandeln zu können glaubt, macht sich und anderen etwas vor.

Es steht aber auch ohne Zweifel fest, dass Benzodiazepine zum grossen Teil fahrlässig und unsinnig verschrieben und eingenommen werden.

Die Warnungen vor diesem Missbrauch stehen schon seit Jahren im Raum, scheinen aber nicht viel zu nützen. Da stellt sich unter anderem die Frage, ob die Qualitätssicherung in der Medizin an diesem Punkt versagt (die fehlende Qualitätssicherung in der Komplementärmedizin habe ich schon oft kritisiert).

Angesichts der Risiken, die mit einer Langzeiteinnahme von Benzodiazepinen verbunden sind, ist die Frage nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten bei Schlafstörungen wichtig. Und da sind Heilpflanzen-Anwendungen vor allem aus Baldrian, Hopfen, Passionsblume, Melisse und Lavendel eine gute Option.

Heilpflanzen-Anwendungen lösen Schlafprobleme nicht in jedem Fall. Wenn sie diese aber lösen, dann ohne die Risiken der Benzodiazepine.

Und nicht zu unterschätzen: Neben Wirkstoffen, welche die Schlafbereitschaft fördern können, lassen sich viele Heilpflanzen-Anwendungen in ein Abendritual einbauen, das auch seine günstige Wirkung hat (z. B. Kräutertee trinken, Einreibungen mit ätherischen Ölen, Lavendelsäckli verteilen im Pflegeheim, Duftanwendungen, Abendbad mit Lavendelöl).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Lindernde Massnahmen für Schreikinder

Bei Kindern mit exzessivem Schreien können Maßnahmen wie Ernährungsveränderungen oder Akupunktur lindernd wirken.

Forscher haben im Auftrag des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) verschiedene Ansätze untersucht, die exzessives Schreien bei Kindern reduzieren sollen.

Zu den dabei betrachteten Schreiambulanzen finden die Wissenschaftler keine Studiendaten, die deren Wirksamkeit nachweisen, teilte das DIMDI mit.

Für einzelne Maßnahmen existieren jedoch Belege für positive Effekte aus Studien: So könnten gewisse Ernährungsveränderungen, Akupunktur oder psychologische Ansätze zu einer Verbesserung des Schreiverhaltens beitragen.

Die Wissenschaftler fassen ihre Resultate in einem HTA-Bericht zusammen (Health Technology Assessment, wissenschaftliche Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien). Für ihren Bericht identifizierten sie 23 wissenschaftliche Studien.

Diese Studien zeigen, dass unter anderem eine angepasste Ernährung das Schreien der Kinder vermindert.

Lindernd wirkten demnach eine pflanzliche Mischung aus Fenchel, Kamille und Melisse, eine Fenchelsamen-Emulsion, allergenarme Kost, Kräutertee und hydrolisierte Kost sowie ein Verzicht auf Kuhmilchprodukte. Auch für die Akupunktur zeigen Studien günstige Effekte.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/news/article/830213/schreikinder-hilft-eltern-babys.html

Eine Zusammenfassung des Berichts ist abrufbar auf:

http://portal.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta338_zusammenfassung_de.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Ein Säugling gilt dann als Schreikind, wenn er die sogenannte Dreierregel erfüllt: Er quengelt oder schreit anhaltend und ausdauernd mindestens drei Stunden pro Tag, an mindestens drei Tagen in der Woche und mehr als drei Wochen lang.

Das Schreien wird manchmal durch bestimmte Auslöser wie Hunger oder Müdigkeit verursacht. Oft sind aber keine bestimmten Gründe zu erkennen. Solcherart unspezifisches Schreien tritt typischerweise in den Abendstunden auf.

Schreit ein Säugling sehr häufig ohne ersichtliche Ursache, ist eine ärztliche Untersuchung nötig, um ernsthafte Auslöser auszuschliessen (zum Beispiel einen Harnwegsinfekt oder eine Mittelohrentzündung).

Wirklich wirksame Massnahmen für Schreikinder sind oft nicht einfach zu finden. In der Phytotherapie werden vor allem blähungswidrige Mittel (Karminativa), krampflösende Mittel (Spasmolytika) und beruhigende Mittel (Sedativa) empfohlen.

Die oben erwähnte Melisse gehört zu den Sedativa und wird als Melissentee innerlich und als Melissenöl (via Einatmung) angewendet. Beruhigend via Einatmung ist auch Lavendelöl anwendbar.

Neben Fenchelfrüchten werden in der Phytotherapie-Fachliteratur als Spasmolytika und Karminativa auch Kümmel bei Schreikindern empfohlen, wenn die Verdauung als wesentlich daran beteiligt zu sein scheint.

Im „Leitfaden Phytotherapie“ (2010) von Schilcher / Kammerer / Wegener: „Kümmelöl (Carvi aeth.): 2 – 3 Tr. in etwas Wasser oder besser in Milch verteilt zu den Mahlzeiten“. Mir selber ist das etwas zu stark für Säuglinge. Für die äusserliche Anwendung bei „Dreimonatskoliken“ empfiehlt der „Leitfaden Phytotherapie“ eine 10%ige Lösung von Kümmelöl in Olivenöl. Davon sollen einige Tropfen auf den Bauch und insbesondere in der Nabelgegend im Uhrzeigersinn eingerieben werden. Eine weitere Option für Säuglinge sind Dillfrüchte. Sie sind milder, aber auch schwächer als Fenchelfrüchte und Kümmelfrüchte.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Lavendel und Melisse als “Stresskiller”

Der NHV Theoprastus, ein Verein zur Förderung traditioneller Heilkunde, empfiehlt uns:

„Wer bei den Weihnachtsvorbereitungen einen Stresskiller braucht, kann es mit einem Tee aus Lavendel oder Melisse versuchen. Die beiden Heilpflanzen gelten als beruhigend für gereizte Nerven.“

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/tee-aus-melisse-oder-lavendel-als-stresskiller-081300427.html

Kommentar & Ergänzung:

Lavendel (Lavandula angustifolia) und Melisse (Melissa officinalis) sind beides Heilpflanzen, die zur Entspannung beitragen können.

Die Bezeichnung Stresskiller ist im zweiten Teil des Wortes allerdings schon ein bisschen gar hart .

Beide Pflanzen verdanken ihre beruhigende Wirkung dem ätherischen Öl, also dem Lavendelöl bzw. dem Melissenöl.

Lavendelblüten werden eher selten als Tee verwendet. Bewährt haben sie sich als Lavendelsäckchen, das man unters Kopfkissen legt. Häufiger wird das Lavendelöl genutzt:

– Als Lavendelduft eingeatmet,

– gemischt mit Mandelöl oder Bodylotion eingerieben oder

– als Lavendelbad (8 Tropfen in etwas Kaffeerahm gemischt ins Badewasser).

Melissenblätter eignen sich gut als beruhigender Tee. Allerdings verlieren sie beim Trocknen und Aufbewahren rasch ihr ätherisches Öl. Dem Melissentee fehlt dann sein charakteristisches Aroma. Tee aus frischen Melissenblätter wäre besser, ist aber im Winter nicht so einfach greifbar.

Melissenöl wirkt wie Lavendelöl entspannend und ist in gleicher Weise anwendbar (Einatmen, Einreiben in Bodylotion, als Melissenbad). Allerdings ist Melissenöl viel teurer als Lavendelöl.

Ganz abgesehen von der Wirksamkeit spricht für die Anwendung von Kräutertee gegen Stress auch das Teeritual, das schon für sich allein genommen einen entspannenden Effekt hat.  Wichtig wird dabei auch sein, welchen Tee man vom Geschmack her mag.

Verveine (Zitronenverbena, Wohlriechendes Eisenkraut) ist in dieser Hinsicht sehr beliebt und wirkt leicht beruhigend.

In manchen Ländern ist als Abendtee die Kamille Favorit. Bei uns allerdings hat Kamillentee ein „Imageproblem“. Wer als Kind im Krankheitsfall immer Kamillentee trinken musste, wird dieses Aroma lebenslänglich mit elenden Zuständen verbinden.

Tipp: Probieren Sie den Kamillentee mal mit etwas Zitronensaft. So lässt sich sein Aroma modifizieren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Lavendel im Garten vermehren

Lavendelblüten und Lavendelöl werden in der Phytotherapie als mildes Beruhigungsmittel und als Einschlafhilfe angewendet. Lavendelöl auch gegen Hautpilze (z. B. Fusspilz).

Hier ein Tipp zur Vermehrung von Lavendel:

„Echter Lavendel ist bei uns winterhart und leicht zu kultivieren. Tipp aus der Praxis: Lavendel lässt sich auch ganz leicht selbst vermehren! Einfach junge Triebspitzen (ca. 5-7 cm lang) abschneiden und in Blumenerde stecken. Gut gießen. Obwohl nicht alle Stecklinge Wurzeln treiben, kann man auf einfache Weise den eigenen Lavendelbestand vergrößern. Für das Lavendelblütensäckchen im Wäscheschrank kann dann die Eigenproduktion herangezogen werden.“

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0413.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Lavendelblütensäckchen kann man bei Schlafstörungen unter das Kopfkissen legen.

Hier ein paar Hinweise auf weitere Informationen über Lavendel:

Lavendel in der Küche

– Speiklavendel (Lavandula latifolia) enthält im ätherischen Öl Cineol (auch im Eukalyptusöl enthalten) und wirkt daher statt beruhigend bei produktivem Husten schleimlösend:

Aromatherapie / Phytotherapie: Spiköl – was ist das?

Lavendelöl – grosse Qualitätsunterschiede

Zur Botanik der Gattung Lavandula / Lavendel:

Grüner Lavendel (Lavandula viridis) gegen Hautpilze

– Eine Broschüre über ätherische Öle generell und über Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Lavendelöl können Sie hier anschauen und kaufen: Lavendelbroschüre.

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Lindenblütentee gegen Nierenerkrankungen?

Unter dem Titel „Kräutertees für jede Gelegenheit“ stellt die „Kleine Zeitung“ eine Reihe von Heilpflanzen vor.

„Lindenblütentee eignet sich zur unterstützenden Anwendung bei fiebrigen Erkältungen, leichten Infekten, Krämpfen, Kopfschmerzen und Migräne aber auch bei Rheuma, Nierenerkrankungen, Atemwegserkrankungen und Halsschmerzen.“

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/magazin/wellness/multimedia.do?action=showEntry_detail&project=38495

Kommentar & Ergänzung:

Ein gutes Beispiel dafür, wieviel Unsinn über Heilpflanzen und ihre Wirkungen erzählt und geschrieben wird.

Lindenblütentee wird traditionell angewendet als schweisstreibendes Mittel bei fiebrigen Erkältung. Ob Lindenblütentee dabei wirklich besser wirkt als ein anderer heisser Kräutertee, ist zwar nicht geklärt. Trotzdem würde ich sagen, Lindenblütentee kann man gut zu diesem Zweck anwenden. Teetrinken ist bei fiebrigen Infekten bestimmt gut, und Lindenblütentee ist angenehm, mild und gut verträglich.

Dass Lindenblütentee gegen „Krämpfe“ wirken soll, dafür gibt es allerdings weder in der Tradition noch in der neuen Phytotherapie-Fachliteratur fassbare Hinweise, ebenso wenig wie gegen Kopfschmerzen, Migräne und Rheuma. Es sind weder dokumentierte Erfahrungen dazu greifbar noch sind Wirkstoffe aus den Lindenblüten bekannt, die solche Wirkungen auslösen könnten.

Noch fragwürdiger wird es mit der Indikation „Nierenerkrankungen“. Auch dazu gibt es keine glaubwürdigen Hinweise. Dazu kommt, dass „Nierenerkrankungen“ ein sehr weiter Begriff ist. Was ist denn damit genau gemeint? Nierenentzündungen, Nierenschwäche, Nierenkrebs, Nierensteine, Nierenzysten, Nierenversagen……?

Genauso bei „Atemwegserkrankungen“: Bronchitis, Lungenentzündung, Asthma, Husten….? Und gegen das alles hilft Lindenblütentee? Warum nicht präzisiere Angaben? Weil man dann genauer nachhaken könnte?

Lindenblütentee enthält Schleimstoffe. Davon ableiten liesse sich eine reizlindernde Wirkung bei trockenem Reizhusten. Und das in geringer Menge in den Lindenblüten vorhandene ätherische Öl  soll leicht beruhigend wirken.

Nichts gegen Lindenblütentee, aber eine ganze Menge gegen solche Wischiwaschi-Angaben.

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Zur Begriffsverwirrung betreffend Homöopathie / Phytotherapie

Bei Laien und sogar auch bei manchen Fachleuten kommt es immer wieder zu eklatanten Begriffsverwirrungen rund um Homöopathie und Phytotherapie.

„Ich nehme jetzt etwas Homöopathisches und trinke Kamillentee.“

Solche Äusserungen sind nicht selten und sie zeugen von einem grundlegenden Unverständnis betreffend den sehr unterschiedlichen Konzepten von Homöopathie und Phytotherapie.

Ein aktuelles Beispiel liefert die Zeitung „Neues Deutschland“ in einem Beitrag über die Passionsblume (Passiflora):

„In der Homöopathie und Heilpraxis können Blätter und Blüten der Passiflora incarnata als Tee gegen Depression, Ängste und Schlaflosigkeit hilfreich sein.“

Quelle:

http://www.neues-deutschland.de/artikel/821780.blaues-bluetenwunder-an-langen-ranken.html

Das ist vollkommener Unsinn: Ein Tee ist nie etwas Homöopathisches.

In der Homöopathie werden die Ausgangsstoffe (Pflanzen, Tiere, Metalle, aber auch Mondlicht, Vakuum, Röntgenstrahlen, Hundekot. Plutonium etc. ) schrittweise so stark verdünnt, bis nur noch Spuren oder bei hohen Verdünnungen keine Wirkstoffe mehr in dem Präparat vorhanden sind.

Dazu wird noch bei jedem Verdünnungsschritt rituell verschüttelt.

Für Passionsblumenextrakt – also eine phytotherapeutische Zubereitungform – gibt es einige Hinweise aus Patientenstudien, die eine beruhigende und leicht angstlösende Wirkung nahelegen. Zweifelsfrei gesichert ist dies zwar nicht, doch empfiehlt die ESCOP-Kommission auf der Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen die Anwendung von Passionsblumenkraut bei Angespanntheit, Unruhezuständen und Erregbarkeit mit Einschlafstörungen.

Globuli werden nun unter der Bezeichnung Passiflora bequemerweise für ähnliche Anwendungsbereiche verkauft. Obwohl sie aufgrund ihrer hohen Verdünnung keine Passionsblume enthalten (oder allenfalls marginale Spuren). Und obwohl es keinerlei glaubwürdige Dokumention bezüglich ihrer Wirksamkeit gibt.

Die Verwischung und Verwechslung von Anwendungsformen der Homöopathie und der Phytotherapie ist sehr fragwürdig und sie passiert auch in Apotheken und Drogerien immer wieder.

Anwenderinnen und Anwender brauchen aber ein klares Bild der beiden höchst unterschiedlichen Konzepte, um eine informierte Entscheidung zu treffen.

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Kräutertees gegen Erkältungen: Thymian, Malve Lindenblüten

Thymian, Malve oder Lindenblüte zählen zu den altbekannten Hausmitteln.

Sie können bei der Überwindung einer  Erkältung helfen.

Bei einer Erkältung müssen Erkrankte nicht unbedingt zu Medikamenten greifen. Die Beschwerden lassen sich oft auch mit Hausmitteln wie Tees aus Heilpflanzen lindern.

Darauf hat die Apothekerkammer Niedersachsen in Hannover hingewiesen. Um die Atemwege von Schleim zu befreien, könne Thymiantee helfen.  Bei Reizhusten lindere Malventee die Beschwerden. Empfehlenswert sei es zudem bei Erkältungen immer, viel warme Flüssigkeit wie Tee zu trinken.

Die Apothekerkammer empfiehlt, feuchte Tücher in der Wohnung aufzuhängen, um die Luftfeuchtigkeit zu steigern. Dadurch werden die Schleimhäute befeucht. Eine Schwitzkur mit Lindenblüten- oder Holunderblütentee helfe gegen Frösteln. Auch ein Bad mit ätherischen Ölen könne eine Erkältung lindern. Bei Fieber sollten die Betroffenen jedoch besser inhalieren.

Quellen:

http://www.onmeda.de/aktuelles/news/erkältung__thymiantee_kann_helfen-9930.html

Kommentar & Ergänzung:

Thymian enthält ätherisches Thymianöl und dieses wirkt tatsächlich schleimlösend bei Husten. Allerdings sind ätherische Öle schlecht wasserlöslich und gehen daher nur beschränkt ins Teewasser über. Thymiantee ist daher wohl nicht die optimale Zubereitungsform, obwohl man die Löslichkeit des Thymianöls mit Zugabe von etwas Vollmilch fördern kann. Thymianöl könnte aber auch als Inhalation angewendet werden und kommt dann von aussen direkt in die Atemwege.

Malventee enthält Schleime und lindert trockenen Reizhusten. Empfehlen würde ich Malvenblüten von Malva silvestris.

Lindenblütentee soll schweisstreibend und dadurch fiebersenkend wirken, doch ist diese Wirkung nicht geklärt. Lindenblüten enthalten aber auch Schleim mit reizlindernder Wirkung bei trockenem Husten und etwas ätherisches Öl, das leicht beruhigend wirken soll.

Im Text wird empfohlen, ätherische Öle für ein Erkältungsbad zu verwenden. Dazu wäre zu ergänzen, dass auf eine Badewanne gerechnet nur ein paar wenige Tropfen (etwa 8) eines ätherischen Öles verwendet werden. Das ätherische Öl muss zudem emulgiert werden, zum Beispiel durch Mischung mit Vollmilch oder Kaffeerahm. Ungeeignet für ein Erkältungsbad ist Pfefferminzöl, weil sein Hauptinhaltsstoff Menthol die Kälterezeptoren in der Haut stimuliert, was zu “Schlotteranfällen” führen kann. Am besten geeignet für ein Erkältungbad sind Thymianöl oder Eukalyptusöl.

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Aromatherapie unterm Weihnachtsbaum: Wacholderöl gegen Enttäuschungen?

Ätherische Öle können uns Dufterlebnisse bieten und in bestimmten Bereichen heilende Wirkungen entfalten. Dass Düfte auch unsere Stimmungen beeinflussen können, dafür sprechen sowohl Jahrtausende alte Erfahrungen als auch moderne experimentelle Untersuchungen.

Wie aber mit den psychischen Wirkungen der ätherischen Öle in der Aromatherapie gegenwärtig umgegangen wird, scheint mir oft ausgesprochen fragwürdig.

In einer Dapd-Nachricht äussert sich eine Osmopraktikerin zum Einsatz von Düften in der Weihnachtszeit. Sie erklärt, dass Düfte eine grosse Wirkung auf das Unterbewusstsein haben und dabei bei jedem Menschen individuell wirken.

Tatsächlich ist der Einfluss von Düften auf die Gefühlslage eines Menschen in weiten Bereichen von seiner „Duftbiografie“ abhängig, also von den Erfahrungen, die jemand mit bestimmten Düften gemacht hat. Vor allem im Bereich von anregenden oder beruhigenden Wirkungen gibt es allerdings auch Duftwirkungen, die sich weitgehend verallgemeinern lassen (beispielsweise beruhigend: Lavendelöl, Melissenöl; anregend: Pfefferminzöl, Rosmarinöl, Kampfer). Aber abgesehen von solchen eng begrenzten Bereichen sind die Wirkungen der ätherischen Öle auf die Psyche wohl genau so  individuell verschieden, wie es die Osmopraktikerin darstellt.

Schwierig daran ist allerdings, dass auf der Basis dieser individuellen Effekte kaum allgemeine Tipps über die psychischen Wirkungen eines ätherischen Öles in Büchern, Schulungsunterlagen und Interviews abgegeben werden können.

Viele Aromatherapie-Bücher enthalten aber genau solche detaillierten und zugleich pauschalen Angaben in rauer Menge.

Auch die von Dapd befragte Osmopraktikerin läuft voll in diesen Widerspruch. Nachdem sie eingangs erklärt, die Wirkungen der ätherischen Öle seien bei jedem Menschen individuell, gibt sie abschliessend verallgemeinernd Tipps für „Gute Stimmung vor dem Baum“.

Die Wirkung von ätherischen Ölen könne auch gezielt eingesetzt werden, zum Beispiel um familiäre Spannungen vorm Weihnachtsbaum vorzubeugen oder zumindest zu reduzieren, erklärt sie, und empfiehlt „eine Ölmischung, die den Bedürfnissen der Familie entspricht”.

Das dürfte im Vorfeld der Weihnachtsfeier nicht ganz einfach werden. In Familien, in denen Spannungen im Raum stehen, sind die Bedürfnisse ja vielleicht gerade unterschiedlich.

Da fängt der Streit dann wohl schon bei der Diskussion um die angemessene Ölmischung an. Oder wird die Ölmischung, die den Bedürfnissen der Familie entspricht, von einem einzelnen Familienmitglied autokratisch bestimmt? Ohne Diskussion oder gar ohne Information der restlichen Mitglieder? Das wäre ein ziemlich manipulativer Ansatz.

Die Duftexpertin nennt im Beitrag sehr konkrete Möglichkeiten zur weihnachtlichen Spannungsprävention und stellt allgemeingültige Wirkungen der ätherischen Öle in Aussicht: Wacholder mindert Enttäuschungen, Jasmin und Blutorange stärken die Persönlichkeit, Geranium und Rose lassen Gefühle sprechen.

Anzuraten ist, diese ätherischen Öle bei nächster Gelegenheit zu erwerben, da sie nach dieser Meldung wohl demnächst ausverkauft sind…….

Im Ernst: Zu dieser Empfehlung gibt es einige offene Fragen.

Wacholderöl soll also Enttäuschungen mindern? Wie genau schafft das Wacholderöl sowas eigentlich?

Enttäuschungen sind ein ziemlich komplexes Phänomen. Hat mit Täuschung zu tun (Selbsttäuschung? Fremdtäuschung?) und mit (zu hohen?) Erwartungen.

Wo genau setzt das Wacholderöl an? Reduziert es die Erwartungen? Und hat es keine unerwünschten Nebenwirkungen, wenn man in ein so komplexes Geschehen eingreift?

Jasminöl und Blutorangenöl sollen die Persönlichkeit stärken. Das tönt jedenfalls gut. Aber auch hier stellt sich die Frage, wie ein ätherisches Öl solches bewerkstelligen kann.

Der Begriff Persönlichkeit, schreibt Wikipedia, „umfasst die einzigartigen psychischen Eigenschaften eines Individuums, in denen es sich von anderen unterscheidet. ‚Temperament’ und ‚Charakter’ sind ältere Bezeichnungen für Teilaspekte. Es werden zahlreiche Persönlichkeitseigenschaften unterschieden.“

Stärken Jasminöl und Blutorangenöl nun alle Persönlichkeitsmerkmale gleichermassen oder einzelne ganz besonders? Und ist das – falls eine solche Wirkung tatsächlich vorhanden sein sollte – nicht ein Eingriff in die Persönlichkeit, der sorgfältig geplant und mit den Betroffenen abgesprochen sein müsste? Und könnte es am Weihnachtsfest nicht kontraproduktiv sein, wenn Persönlichkeitseigenschaften („Temperament“) von Verwandten, über die man sich schon das ganze Jahr über aufregt, ausgerechnet jetzt noch verstärkt werden?

Geranium und Rose sollen Gefühle sprechen lassen. Das kann ja heiter werden: Ärger, Wut, Hass, Enttäuschung sind doch auch Gefühle? Oder lassen Geraniumöl und Rosenöl nur positive Gefühle sprechen wie Liebe, Freude…und lassen die unerwünschtere Seite der Gefühlspalette aussen vor? Das wäre dann wieder ein bisschen manipulativ, vor allem wenn dieser Einfluss nicht transparent gemacht würde. In einer spannungsgeladenen Atmosphäre harmonisierende Düfte verströmen zu lassen, wird wohl kaum von allen Konfliktparteien als konstruktiv erlebt werden. Daher dürfte Transparenz nicht so einfach zu erreichen sein.

Ich selber glaube nicht daran, dass Wacholderöl Enttäuschungen mindert, Blutorangenöl und Jasminöl die Persönlichkeit stärken und Geraniumöl und Rosenöl die Gefühle sprechen lassen.

Mir ist das zu simpel und zu konsumistisch-zeitgeistig.

Diese Tipps sind viel zu pauschal, insofern sie Wirkungen eines bestimmten ätherischen Öles auf alle Menschen postulieren. Und sie schreiben gleichzeitig den ätherischen Ölen eine viel zu differenzierten Einfluss auf psychische Prozesse wie „Enttäuschung“ zu.

Wer aber an solche Wirkungen glaubt, müsste sich ernsthaft mit den oben aufgeworfenen Fragen befassen.

Nur schön klingende, aber hohle Phrasen in den Raum stellen wie „stärkt die Persönlichkeit“ – das ist etwas mager.

Leider sind solch wolkig-blumige Worthülsen in der Aromatherapie-Literatur sehr verbreitet. Genau und hartnäckig nachfragen, was damit gemeint ist – das ist mein Tipp an Konsumentinnen und Konsumenten.

Damit bin ich weder „gegen Aromatherapie“ noch mache ich „die ätherischen Öle schlecht“. Mir liegt nur an einem sorgfältigen Umgang mit Aussagen zu Heilwirkungen – vor allem auch, wenn es um den psychischen Bereich geht.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/weihnachtsdüfte-können-gereizt-und-depressiv-machen-065234463.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Heilpflanzen bei Einschlafstörungen

„Der wichtigste Tipp bei Einschlafstörungen ist das Bemühen um Schlafhygiene: Bei zu wenig Bewegung, einem zu hellen und zu lauten Schlafzimmer sind Schlafstörungen vorprogrammiert. Jederzeit hilfreich ist ein entspannendes Lavendelbad. Baldrian, Melisse, Hopfen und Passionsblume wirken bei ausreichender Dosierung gut Schlaf-anstoßend. Im Gegensatz zu synthetischen Schlafmitteln verändern pflanzliche das natürliche Schlafprofil nicht – und machen auch nicht abhängig.“

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/magazin/wellness/apothekenfuehrer/3168662/morgen-graut.story

Kommentar & Ergänzung:

– In den Studien zeigt Baldrianextrakt eine Wirksamkeit erst nach etwa 10 – 14 Tagen. Baldriantee und Badriantinktur wirken möglicherweise unmittelbar via Dufteffekt. Das volle Potenzial zeigen aber auch sie erst mit dieser Verzögerung.

– Ein Lavendelbad macht man ab besten mit Lavendelöl (etwa 8 Tropfen Lavendelöl in etwas Kaffeerahm mischen und dem Badewasser zugeben).

Neben dem Lavendelbad sind als Anwendungsform auch Lavendelsäckchen bewährt Lavendelblüten werden dazu in ein Stoffsäckchen eingenäht, welches unter das Kopfkissen  gelegt wird.

– Melisse enthält Melissenöl, das entspannend und beruhigend wirkt, aber sehr teuer ist. Geeignet ist aber auch Melissentee, am besten zubereitet mit frischen Melissenblättern.

Melissengeist enthält zwar Melissenblätter und andere Heilpflanzen (Alantwurzel, Enzianwurzel, Pomeranzenschalen, Angelikawurzel, Ingwerwurzel , Gewürznelken, Galgantwurzelstock, Zimtrinde, Alexandriner-Sennesblätter, Muskatnusssamen, Schwarze Pfefferfrüchte, Kardamomenfrüchte). Den Hauptanteil im Melissengeist macht aber der Alkohol aus (66 Volumen-% Alkohol).

– Hopfen wird oft in Kombinationspräparaten zusammen mit Baldrianwurzel eingesetzt. Hopfentee und Hopfentinktur sind sehr bitter.

– Passionsblumenkraut kommt vor allem in Fertigpräparaten zum Einsatz, zum Beispiel im Relaxane / Zeller Entspannungsdragée zusammen mit Pestwurz, Baldrian und Melisse.

– Ergänzend erwähnt werden soll der Orangenblütentee, der sich im Spitälern und Pflegeheimen als schlaffördernder Abendtee etabliert hat. Orangenblütentee ist beliebt. Seine Wirksamkeit wurde allerdings nie genauer untersucht. Beides gilt auch für den Goldmelissentee.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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