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Zur Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen / Blasenentzündung

Bei Harnwegsinfektionen – insbesondere bei Blasenentzündungen – fragen Betroffene häufig nach einem pflanzlichen Präparat. Nützliche Tipps für die Beratung in der Apotheke gab es im POP-Symposium „Pharmakotherapie von Harnwegsinfektionen” auf der INTERPHARM.

Apothekerin Dr. Kirsten Dahse aus Gröbenzell und Dr. med. Johanna Lerner aus München zeigten dabei auf, wann eine Selbstbehandlung nicht angebracht und eine ärztliche Konsultation nötig ist:

– Bei Risikofaktoren wie Schwangerschaft, Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz oder Immunsuppression.

– Außerdem bei Fieber, Schmerzen in der Nierengegend, Blut im Urin, zunehmenden Beschwerden sowie Symptomen, die länger als fünf Tage andauern.

Schmerzmittel sollten mit Vorsicht eingesetzt werden, weil damit eine beginnende Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung), die meist mit Fieber und Schmerzen einhergeht, verschleiert werden kann.

Die Referentinnen stellten für die Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen eine ganze Reihe von Präparaten vor, bei denen jedoch auch Nebenwirkungen und Kontraindikationen zu beachten sind:

☛ Bei Bärentraubenblättern und Bärentraubenextrakten resultiert die Anwendungsbeschränkung „nicht häufiger als fünfmal pro Jahr und jeweils nicht länger als ein Woche“ aus einem potenziellen kanzerogenen Risikos des Hydrochinons. Dieses sei aber wahrscheinlich sehr gering, zumal die Verbindung rasch konjugiert und abgebaut werde.

Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut enthalten Senfölglykoside und die Referentinnen wiesen darauf hin, dass sie bei Personen mit Nierenfunktionsstörungen und Magengeschwüren nicht empfohlen werden sollten. Kapuzinerkressekraut sei zudem wegen des Gehalts an Vitamin K für Patienten unter Phenprocoumon nicht geeignet.

Tausendgüldenkraut, Rosmarinblätter und Liebstöckelwurzel werden erwähnt als Mittel, die zur Durchspülungstherapie zugelassen sind. Zurückhaltung sei dabei jedoch geboten bei Patienten mit Herz- und Niereninsuffizienz wegen der hierfür notwendigen größeren Trinkmengen. Die Cumarine im Liebstöckelkraut können eine Photosensibilisierung bewirken.

☛ Nach Nieren- und Blasentees zur Durchspülungstherapie werde in der Apotheke häufig gefragt, um damit pathogene Keime aus den Harnwegen auszuschwemmen. Neben Bärentraubenblättern enthalten solche Teemischungen in verschiedenen Kombinationen insbesondere Birkenblätter, Echtes Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Hauhechelwurzel oder Ackerschachtelhalmkraut. Vor einer Empfehlung von Tees mit Birkenblättern sollte die Kundin oder der Kunde nach einer Birkenpollenallergie gefragt werden.

☛ Zubereitungen aus der Großfrüchtigen Moosbere, besser bekannt als Cranberry, werden seit einigen Jahren sowohl zur Vorbeugung als auch zur Therapie von wiederkehrenden Infektionen der Harnwege empfohlen. Allerdings konnte in einem Cochrane-Review (Metaanalyse) bezüglich der Vorbeugung keine statistisch signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo gezeigt werden.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/03/21/wann-selbstmedikation-wann-zum-arzt

Kommentar & Ergänzung:

Die beschriebenen Grenzen der Selbstbehandlung bei Blasenentzündungen kann man nur unterstreichen. Steigt eine Blasenentzündung in die Nieren auf, kann die Infektion sich rasch gefährlich entwickeln. In solchen Fällen braucht es ärztliche Behandlung und in der Regel ein Antibiotikum.

Zu den empfohlenen Heilpflanzen gibt es einiges zu ergänzen:.

1. Zu den Bärentraubenblättern: Teezubereitung als Kaltauszug ist magenverträglicher und geschmacklich akzeptabler (tieferer Gerbstoffgehalt). Auf ausreichende Dosierung achten: 10 g Bärentraubenblätter (= 4 – 5 Teebeutel pro Tag) als Bärentraubenblättertee. Pulverisierte Form (z. B. als Beuteltee) ist wirksamer als geschnittene Bärentraubenblätter (Wirkstoffe werden besser gelöst, wenn die Pflanzenteile kleiner sind).

2. Zu Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut: Die Referentinnen beziehen sich hier wohl auf Angocin® – das sind Filmtabletten mit Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressenkraut. Wer Meerrettich liebt, kann auch die frisch geraffelte Wurzel gemischt mit Joghurt, Quark, geraffeltem Apfel etc. essen und kommt so rasch auf höhere Senfölglykosid-Mengen, als es mit Angocin® der Fall ist. Als Tagesdosis werden 10 – 20 g geraffelte Merrrettichwurzel empfohlen, verteilt auf 4 – 5 Portionen über den Tag hinweg.

3. Der Empfehlung von Tausendgüldenkraut, Rosmarinblätter und Liebstöckelwurzel liegt wohl ein Präparat zugrunde, das nur in Deutschland auf dem Markt ist und genau diese drei Heilpflanzen enthält (CANEPHRON N Dragees). Dieses Präparat überzeugt mich nicht. Nur der Liebstöckelwurzel schreibt die Phytotherapie eine leicht harntreibende Wirkung zu. Tausengüldenkraut ist eine Bitterstoffpflanze, deren Nutzen im Harntrakt ungeklärt ist. Und in Rosmarinblättern ist zwar entzündungswidrige Rosmarinsäure enthalten. Ob davon aber in den Harnwegen eine wirksame Menge ankommt, ist sehr fraglich, zumal das Präparat nur je 18mg von den drei Heilpflanzen in Pulverform enthält. Das ist ausgesprochen (!) wenig, wenn man zum Beispiel vergleicht mit einem Teebeutel, der normalerweise etwa 2000 mg pulverisierte Heilpflanze enthält (als 2g). Zwar geht bei der Teezubereitung der Wirkstoff nicht vollständig ins Teewasser über, aber der Unterschied zu diesen 18 mg im Dragee ist doch riesig. Ein Tee wäre wohl überlegen.

4. Bei den häufig verwendeten Nieren- und Blasentees zur Durchspülungstherapie sind die Mischungen oft fragwürdig, zum Beispiel wenn Bärentraubenblätter mit harntreibenden Heilpflanzen wie Birkenblätter, Echtes Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Hauhechelwurzel oder Ackerschachtelhalmkraut kombiniert sind. Bei einer akuten Blasenentzündung sind die Bärentraubenblätter in solchen Mischungen oft zu tief dosiert. Es braucht dann Bärentraubenblättertee pur in einer Menge von 4 – 5 Tassen täglich, um auf eine wirksame Dosis zu kommen. Dagegen ist in einem Durchspülungstees zur Rückfallprophylaxe die Bärentraube unpassend, weil es dann um eine längerfristige Anwendung geht und wahrscheinlich auch über lange Zeiträume gar keine Bakterien verhanden sind, die bekämpft werden müssten.

5. Bei Cranberry ist die Datenlage tatsächlich nicht so positiv, wie sie oft dargestellt wird. Die erwähnte Cochrane-Metaanalyse ist sogar klar negativ. Allerdings muss man dazu folgendes wissen: Cranberry- wie auch Preiselbeer-Präparate gibt es in sehr unterschiedlichen Zubereitungen mit grossen Unterschieden in der Wirkstoffkonzentration. Diese sehr heterogene Ausgangslage macht es schwierig, eine Metaanalyse zu erstellen, die dann auch für alle geprüften Präparate gültige Aussagen machten kann. Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ (Nr. 4 / 2015) schreibt dazu:

„Selbst im neuen Cochrane-Review wurde nur für 3 der 24 eingeschlossenen Studien ein für sinnvoll erachteter PAC-Gehalt > 36 mg/d oder die Angabe des Typ-APAC-Gehalts erfüllt.“

Die Autoren weisen darauf hin, dass man das nicht den Cochrane-Autoren anlasten könne, sondern der oft ungenügenden Publikationskultur phytotherapeutischer Studien.

Wer als Konsumentin oder Konsument Cranberry- oder Preiselbeerpräparate anwenden möchte, sollte auf eine Mindestzufuhr von 36 mg Proanthocyanidinen (PAC) pro Tag achten.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Pflanzenkunde: Löwenzahn (Taraxacum) ist nicht gleich Löwenzahn (Leontodon)

Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist in der Phytotherapie als Bitterstoffpflanze bekannt und wird vor allem zur Förderung der Verdauung angewendet, zum Beispiel in Leber-Galle-Tees. Reinhard Länger hat die traditionelle Heilpflanze in „Phytotherapie Austria“ (Nr. 3 / 2014) vorgestellt, der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie.

Löwenzahn zeichnet sich durch grossen Formenreichtum aus.

Reinhard Länger erklärt, weshalb das so ist:

„Der Löwenzahn wird in die Familie der Korbblütler gestellt. Dies deshalb, weil der attraktive gelb leuchtende Blütenstand aus sehr vielen Einzelblüten besteht, in diesem Fall werden ausschließlich sogenannte Zungenblüten ausgebildet. So wichtig die Blüten als Nahrung für Insekten sind, so wenig bedeutsam ist der Insektenbesuch für die Vermehrung des Löwenzahns: die Früchte entstehen ohne Bestäubung (Apomixis). Dies erklärt auch die enorme Formenvielfalt unter den ‚Löwenzähnen‘.“

 

Dieses interessante Phänomen der Apomixis bewirkt, dass jede Mutation sich 1:1 weitervererbt, da keine Chromosomen mit anderen „Löwenzähnern“ ausgetauscht werden. Das gleiche Phänomen ist im Übrigen auch beim Frauenmantel (Alchemilla spec.) zu beobachten.

 

Der Autor verweist auf eine Verwechslungsmöglichkeit mit der arzneilich nicht verwendeten Gattung Leontodon, die ebenfalls gelbblühende Asteraceen (Korbblütler) sind, und erläutert das wichtigste Unterscheidungsmerkmal:

„Wenn Sie selbst sammeln wollen, sollten Sie nur auf die mögliche Verwechslung mit der Gattung Leontodon (wörtlich übersetzt ebenfalls Löwenzahn, um den Unterschied deutlich zu machen auch Leuenzahn) achten. Taraxacum blüht zeitig im Frühjahr, meist im April, Leontodon blüht später, ab Mai bis in den Sommer. Ein untrügliches Erkennungsmerkmal für die ‚gewöhnlichen‘ Taraxacum-Sippen ist, dass die grünen Hüllblätter, die den Blütenstand umgeben, nach unten umgebogen sind.“

 

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0314.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Es gibt rund 50 Leontodonarten.

Die Gattung Leontodon kommt bei uns vor allem in den Bergregionen vor.

Beispielsweise:

Alpen-Löwenzahn (= Leontodon montanus, Berg-Löwenzahn)

Herbst-Löwenzahn (= Leontodon autumnalis, Herbst-Milchkraut)

Gemeiner Löwenzahn (= Leontodon hispidus, Steifhaariges Milchkraut)

Pyrenäen-Löwenzahn (= Leontodon helveticus, Schweizer Milchkraut).

 

Wenn Sie Heilpflanzen, Wildkräuter und Alpenblumen in der Natur kennenlernen möchten, dann schauen Sie doch immer mal wieder in mein Kursprogramm. Dort werden jetzt laufend schon neue Daten für die Kräuterwanderungen 2015 publiziert.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen bei Verdauungsbeschwerden

Um Verdauungsbeschwerden durch zu schweres Essen vorzubeugen, bieten sich Heilpflanzenextrakte oder Kräutertees mit Bitterstoffen an. Sie wirken am besten, wenn sie 30 Minuten vor einer Mahlzeit eingenommen werden. Das erklärt Gabriele Overwiening, Vorstandsmitglied der Bundesapothekerkammer in Berlin. Geeignet seien zum Beispiel Enzianwurzel, Schafgarbenkraut oder Löwenzahnwurzel und Löwenzahnkraut. Ein solcher Tee sollte nicht gesüßt werden, weil der bittere Geschmack für die Wirkung verantwortlich ist, erläutert Overwiening.

Heilpflanzen mit ätherischen Ölen eignen sich gut, um Völlegefühle nach einem Festessen zu lindern. Gegen Blähungen helfen beispielsweise Fenchel und Anis.

Bevor man sie mit kochendem Wasser aufgiesst, sollten Anis und Fenchel leicht mit einem Mörser oder der nach außen gewölbten Seite eines Löffels angequetscht werden. Dadurch kann das Teewasser die ätherischen Öle besser herauslösen. Ein Verdauungsschnaps nach dem Essen sei nicht geeignet, um Beschwerden zu lindern, sagt Overwiening.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/bittere-heilpflanzen-halbe-stunde-vor-dem-essen-einnehmen-161457433.html

Kommentar & Ergänzung:

Vergleichbar mit Anisfrüchten und Fenchelfrüchten können auch Kümmelfrüchte eingesetzt werden. Etwas schwächer, aber mit ähnlicher Wirkung ist Dill:

Dill (Anethum graveolens) als Gewürz und Heilpflanze

Bei den aufgeführten Bitterstoff-Pflanzen scheint mir die Enzianwurzel für eine Anwendung als Tee etwas gar bitter. Bei den Bitterstoffen ist es jedenfalls nicht so, dass mehr auch besser wirkt. Und es lohnt sich auszuprobieren, welche Bitterstoffpflanze einem  am besten zusagt. Es gibt noch eine ganze Reihe von interessanten Bitteerstoff-Pflanzen, zum Beispiel Artischockenblätter, Engelwurz, Wermutkraut.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen bei Verdauungsbeschwerden

Über die Festtage überbieten sich die Medien mit hilfreichen Tipps gegen Verdauungsbeschwerden. Dabei werden oft auch Heilpflanzen empfohlen – und das mehr oder weniger überzeugend. Als Beispiel dafür ein Beitrag, der unter dem Titel „Hilfe für Leber, Galle und Co.“ auf  rp-online.de veröffentlicht wurde.

Hier die entsprechenden Zitate mit Kommentaren:

„Bitterstoffe wie die in Artischocken regen den Appetit an und fördern den Gallenfluss und die Verdauung und helfen gegen Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit, Völlegefühl und Blähungen. Wer mit dem Gemüse nichts anzufangen weiß, erhält in Drogeriemärkten und Apotheken auch Artischockenpräparate in verschiedenen Darreichungsformen.“

Kommentar: Die Artischocke eignet sich tatsächlich als Verdauungshelfer. Allerdings ist hier wohl irrtümlich von „Gemüse“ die Rede. Als Heilpflanze gegen Verdauungsbeschwerden werden nämlich die Artischockenblätter verwendet – als Artischockentee, Artischockentinktur, Artischockenextakt.

„Hilfreich ist neben diesem Gemüse auch die Mariendistel. Ähnlich wie die Artischocke schützt sie die Leber, unterstützt sie bei der Regeneration und hilft beim Abbau von Giftstoffen. Am besten entfaltet sie ihre Wirkung, wenn man sich am Abend einen Tee damit aufbrüht. Der aus ihren Früchten gewonnene Inhaltsstoff Silymarin soll selbst bei schweren Leberschäden heilende Wirkung haben.“

Kommentar: Fragwürdiger Tipp. Silymarin ist schlecht wasserlöslich, Tee als Zubereitungsform daher sehr suboptimal. Mariendistel ist auch eher für Langzeitanwendungen sinnvoll, bei Zufuhr leberbelastender Stoffe (gewisse Medikamente) und als Begleittherapie bei chronischen Lebererkrankungen. Vor allem zum Leberschutz braucht es dazu Silymarin in hohen Dosen, die nur in Form von Mariendistelextrakt oder mittels isoliertem Silymarin zugeführt werden können. Das gilt auch für die Hilfe beim „Abbau von Giftstoffen“. Silymarin wirkt antioxidativ und es erhöht den Glutathionspiegel in der Leber. Glutathion wiederum kann in der Leber mithelfen, schädliche Stoffe besser wasserlöslich zu machen, wodurch sie von den Nieren besser ausgeschieden werden. Auf diesem Weg könnte man eine entgiftende Wirkung von Silymarin allenfalls erklären, wobei aber auch hier alles für hohe Dosen über längere Zeit spricht. Schutz der Leber, „Abbau von Giftstoffen“ und „Regeneration“ der Leber – das sind Stichworte, die völlig unpassend und überzogen sind, wenn es um eine Tasse Mariendisteltee begleitend zum Weihnachtsessen geht.

Für akute, temporäre Verdauungsbeschwerden wegen Völlerei ist Mariendistel meines Erachtens einfach nicht überzeugend.

„Ebenfalls aus der Naturheilkunde kommt die Schafgarbe, die bei Verdauungsproblemen als vielseitiger Helfer bekannt ist. Ein Teelöffel Schafgarbenkraut mit einer Tasse heißem Wasser überbrüht ergibt einen Tee, der zwischen den Mahlzeiten getrunken verdauungsfördernd wirkt. Die in dem Kraut enthaltenen Bitterstoffe wirken außerdem krampflösend, galle- und verdauungsfördernd. Hilfe geben sie damit auch für einen geregelten Stuhlgang. Durch ihre ätherischen Öle und Flavonoide weist sie zudem antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften auf. Selbst Menschen mit empfindlicher Magenschleimhaut können bedenkenlos auf sie zurückgreifen. Eine Tasse zusätzlich vor dem Zubettgehen beruhigt Leber, Galle und Magen und beschert eine ruhige und entspannte Nacht.“

Kommentar:

Schafgarbenkraut ist charakterisiert durch ätherisches Öl, Bitterstoffe und Flavonoide. Es ist ein Amarum-aromaticum. Als Bitterstoffpflanze regt Schafgarbe die Magensaftproduktion und den Gallenfluss an. Gut geeignet bei Verdauungsbeschwerden.

Im Text auf rp-online.de wird ein Gastroenterologe zitiert mit der Aussage: “Übertreiben Sie es mit fetthaltigen Speisen nicht und setzen Sie nicht auf den Magenschnaps.”

Der nämlich fördere entgegen der volksläufigen Meinung die Verdauung nicht, weil er die Organe zusätzlich mit Alkohol belaste. Die beste Alternative dazu sei schwarzer Tee, empfiehlt der Facharzt.

Kommentar:

Dass Verdauungsschnäpse nicht sinnvoll sind, hat sich inzwischen auch in einer Studie gezeigt:

Verdauungsschnaps unwirksam

Nicht nachvollziehbar ist für mich die Empfehlung von Schwarztee als Verdauungsförderer (obwohl Schwarztee oft auch zum Fondue getrunken wird).

Schwarztee enthält vor allem Gerbstoffe und wirkt dadurch stopfend bei Durchfall. Was er bei Verdauungsbeschwerden wie zum Beispiel Völlegefühl positiv bewirken soll, ist mir nicht ansatzweise klar. Passender wäre meines Erachtens zum Beispiel der Pfefferminztee mit seiner gallenflussfördernden Wirkung (auch zum Fondue).

„Sinnvoll ist es zudem, das Essen tatsächlich zu genießen, sich Zeit zu lassen und es gut zu kauen. Auch hilft ein Spaziergang nach dem Essen. Die Bewegung von außen regt die Verdauungsorgane an. So gerät nichts ins Stocken und die Nahrung wird zügig weitertransportiert.“

Kommentar:

Der altbewährte Verdauungsspaziergang also. Und noch besser wäre manchmal präventiv eine gewisse Mengenbeschränkung beim Essen….

Quelle der Zitate:

http://www.rp-online.de/leben/gesundheit/ernaehrung/fit-fuer-das-grosse-weihnachts-schlemmen-aid-1.3811365

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kräutertees aus dem Garten

Zu diesem Thema veröffentlichte die „Kleine Zeitung“ einen kleineren Artikel.

Viele Heilpflanzen aus dem Garten lassen sich in Form von gesundheitsfördernden Kräutertees verwenden. Dazu sei allerdings etwas Fachwissen nötig, schreibt zu recht die „Kleine Zeitung“.

Hier ein paar Zitate mit Kommentaren von mir:

„’Es lohnt sich, mit offenen Augen durch den Garten zu gehen: Dort gibt es manch eine unbehandelte Zutat für einen gesunden Tee’, sagt Sven Görlitz, Gartenfachberater vom Verband Wohneigentum in Karlsruhe.“

Genau. Aber es braucht einiges an Wissen darüber, wofür genau welche Heilpflanze eingesetzt werden kann.

Minzen / Pfefferminze

„Ganz oben auf der Liste stehen Minzen. Doch angesichts der vielen Sorten ist Vorsicht geboten: ‚Darunter sind auch giftige Arten, sowie einige mit sehr hohem Menthol-Gehalt, was Magenreizungen verursachen kann’, warnt Manfred Fischer von den Kneipp-Werken in Bad Wörishofen. Auf der sicheren Seite ist man mit einer Mentha x piperita vom Gärtner. ‚Bei ihr ist untersucht: Die ätherischen Öle lindern Magen-Darm-Beschwerden und steigern Gallenproduktion und -abfluss.’“

Mentha piperita, die Pfefferminze, ist jedenfalls vo allen Minzenarten am besten in ihren Wirkungen dokumentiert und wird deshalb von den staatlichen Arzneibüchern als Heilpflanze anerkannt.

Brennnessel

„Ähnlich weit verbreitet ist die Brennnessel. ‚Sie wird von manch einem Gartenbesitzer gar nicht gerne gesehen, weil sie stark wuchert’, sagt Andrea Danitschek von der Verbraucherzentrale Bayern in München. ‚Aber wenn man die Triebe ausmerzt, kann man sie prima als Tee verwerten.’ Gerade die ersten frischen Triebe enthalten viele wertvolle Mineralstoffe und Vitamine. ‚Gleichzeitig steigert Brennnesseltee die Filtrationsleistung der Niere’, erklärt Fischer.”

Brennessel ist zudem wertvoll als Futterpflanze für die Raupen einiger Schmetterlingsarten (Kleiner Fuchs,  Admiral, Tagpfauenauge, Landkärtchen, Silbergraue Nessel-Höckereule, Dunkelgraue Nessel-Höckereule, Brennessel-Zünslereule). Diese Schmetterlingsraupen fressen ausschliesslich Brennnesseln, während der Distelfalter neben Brennnesseln auch andere Pflanzen verspeist.

Kamille

„Auch die echte Kamille wächst in vielen Gärten. ‚Als Tee wirkt sie stark entzündungshemmend und krampflösend zum Beispiel bei gereizten Schleimhäuten oder Gastritis, auf einen Umschlag gegeben fördert sie die Wundheilung, und die aufsteigenden Dämpfe von mit heißem Wasser übergossenen Blüten helfen bei Erkältungsbeschwerden’, erläutert Fischer.“

Häufiger im Garten wachsend findet man aber die Strahlenlose Kamille. Nicht mit Echter Kamille verwechseln!

Schafgarbe

„Noch stärker krampflösend wirken übrigens die Blüten der Schafgarbe.“

Ob Schafgarbe oder Kamille stärker ist in der krampflösenden Wirkung, ist nicht geklärt. Schafgarbe gehört aber im Gegensatz zur Kamile zu den Bitterstoffpflanzen. Sie fördert daher die Magensaftproduktion und den Gallenfluss.

Spitzwegerich

„Die Blätter des Spitzwegerich helfen ebenfalls bei Erkältungen: Ihre Schleimstoffe legen sich wie ein Schutzfilm über die durch Husten oder Räuspern gereizten Schleimhäute.“

Okay, aber Malvenblüten (von Malva silvestris) sind für diesen Zweck meines Erachtens wirksamer.

Thymian

„Dann sind da noch die Küchenkräuter. ‚Als Heilkraut gerne unterschätzt ist Thymian’, urteilt Danitschek. Dank seiner antimikrobiellen Wirkung trägt Thymiantee dazu bei, bei einer Erkältung die Schleimhautbereiche bakterienarm zu halten.“

Das ist fraglich, weil bei Erkältungskrankheiten in der Regel Viren als Auslöser vorliegen. Und weil das ätherische Thymianöl schlecht wasserlöslich ist, dürfte eine antimikrobielle Wirkung von Thymiantee eher zu schwach sein.

Man kann den Gehalt an ätherischem Öl im Thymiantee aber erhöhen, indem man während dem Ausziehen etwas Honig beifügt.

Salbei

„Ein guter Partner ist Salbei: Dieser wirkt entzündungshemmend in Mund und Rachen bei Erkältungen und Druckstellen von Prothesen. Hierzu wird in der Regel mit einem Aufguss gegurgelt. ‚Salbei-Tee kommt vor allem bei gereizter Magen-Darm-Schleimhaut zum Einsatz’, ergänzt Fischer. Außerdem hemme Salbei die Schweißsekretion und werde deshalb gern bei verstärkter Schweißneigung oder in den Wechseljahren getrunken.“

Medizinisch verwendet wird in der Phytotherapie ausschliesslich der Garten-Salbei (Salvia officinalis).

Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) gilt als unwirksam.

Fachkenntnisse nötig

„Voraussetzung dafür, dass das Kraut, die Blätter oder Blüten ihre heilsame Wirkung entfalten können, ist, dass die richtige Pflanze gewählt wird. ‚Das erfordert Fachkenntnisse’, warnt Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in Berlin. So sei der echte Spitzwegerich kaum vom Breitwegerich zu unterscheiden. ‚Man sollte auf keinen Fall durch Wald und Wiesen streifen und Pflanzenteile abrupfen. Dazu ist die Verwechslungsgefahr zu groß. Zudem stehen viele Pflanzen unter Naturschutz.’ Ein guter Weg ist stattdessen der gezielte Erwerb und Anbau von echten Heilkräutern im eigenen Garten.“

Einverstanden, was die nötigen Fachkenntnisse angeht.

Diese können Sie sich übrigens in meinem Heilpflanzen-Seminar, in der Phytotherapie-Ausbildung, auf Heilkräuter-Exkursionen oder in Tagesseminaren erwerben (siehe unter „Kurse“ in der obigen Menü-Liste).

Dass Spitzwegerich und Breitwegerich kaum zu unterscheiden sind, wie das oben formuliert wird, finde ich allerdings ziemlich übertrieben.

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/magazin/wellness/2750944/arzneitees-dem-garten.story

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Kennen Sie das Heilkräuter-Paradies Feldis im Domleschg?

Nein? Dann verpassen Sie möglicherweise ein tolles Naturerlebnis.

Fast überall in Mitteleuropa hat die P?anzenvielfalt dramatisch abgenommen. Doch es gibt immer noch Oasen, die mit einer aussergewöhnlich grossen Zahl von Heilkräutern und Alpenblumen überraschen. Das Bergdorf Feldis im bündnerischen Domleschg gehört ganz bestimmt dazu. Es bewährt sich seit Jahren als Ausgangspunkt für Heilkräuter-Exkursionen und ist doch fast ein Geheimtipp geblieben. Nur schon der “An?ug” mit der Luftseilbahn über die Rhäzünser Rheinauen ist ein beeindruckendes Erlebnis.

Auf der Sonnenterrasse auf 1500 m ü. M. angekommen zeigt sich rasch: Feldis liegt inmitten der schönsten Alpen?ora. Diese botanische Reichhaltigkeit hat einen ganz handfesten Grund: Das althergebrachte Erbrecht im Kanton Graubünden. Hier wurde das Land traditionellerweise über Generationen unter den Kindern aufgeteilt. So wurden die Grundstücke immer kleiner. Dadurch entstand eine kleinstrukturierte, unterschiedlich genutzte Landschaft – die optimale Basis für eine vielfältige P?anzen- und Tierwelt. Paradieslilien, Pracht-Nelken, Schwefelanemonen, Türkenbundlilien, Akelei, Feuerlilien und zahlreiche wilde Orchideen wachsen in Feldis noch direkt am Dorfrand. Und auf der Mutta-Hochebene auf 2000 m ü. M. geniesst man nicht nur einen tollen Rundblick.

Heilkräuter und Alpenblumen entdecken auf der Mutta-Hochebene

Wer aufmerksam wandert, ?ndet auch viele zum Teil seltene Heilkräuter. So wächst hier zum Beispiel Isländisches Moos (Cetraria islandica) in grossen Mengen. Diese Flechte dient in Nordeuropa den Rentieren als Nahrung und ist eine altbewährte Hustenp?anze. Schwieriger zu entdecken ist die Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi). Als Tee getrunken wirkt sie antibakteriell auf die Harnwege und wird darum eingesetzt bei Blasenentzündung. In einem kleinen Bergsee zeigt sich sogar der seltene, attraktive Fieberklee (Menyanthes trifoliata), eine verdauungsfördernde Bitterstoffp?anze. Daneben natürlich noch viele andere Heilkräuter wie Arnika, Baldrian, Augentrost, Bergthymian, Frauenmantel, Silbermantel, Bibernell, Kümmel, Schafgarben etc.

Die blumenreichsten Wiesen ?ndet man aber an den südexponierten Hängen unterhalb des Dorfes. Für Naturliebhaberinnen und Naturliebhaber ist Feldis jedenfalls immer eine Reise wert.
Wer sich die Heilkräuter und Alpenblumen von Feldis zeigen und erklären lassen möchte, hat dazu Gelegenheit in den Heilkräuter-Exkursionen, die ich jeden Sommer dort leite. Der Kurs findet jeweils an einem Wochenende zwischen Ende Juni und anfangs Juli statt, weil dieser Zeitraum von der Pflanzevielfalt her am besten ist.
Auf www.phytotherapie-seminare.ch ?nden sich im Kurskalender weitere Informationen zu diesen Kursen und in der Bildergalerie Fotos der einzigartigen Landschaft und P?anzenwelt von Feldis.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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