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Zu Knoblauch als Heilpflanze

In der Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 6 / 2012) wurde die Wirkung von Knoblauch vorgestellt:

„Nach Zentral- und Nordeuropa gelangte der Knoblauch vermutlich

durch die Römer. Die Arzneipflanze wurde dann schon recht bald

durch Anbau in Klöstern verbreitet. Der von vielen als unange-

nehm empfundene Geruch nach dem Genuss von Knoblauch

kommt von seinen schwefelhaltigen Inhaltsstoffen. Knoblauch ist

auch eine wichtige Selenquelle.

Knoblauch wirkt antibakteriell und soll der Bildung von Throm-

ben (Blutpfropfen) vorbeugen, womit die Fließeigenschaft des

Blutes unterstützt bzw. gefördert wird. Weiters konnte gezeigt

werden, dass die Inhaltsstoffe des Knoblauchs die Blutfettwerte

senken und daher vorbeugend gegen Arterien verkalkungen wirken

können. Weiters soll Knoblauch die Cholesterinwerte insgesamt

senken. Außerdem wurde und wird ihm in vielen Ländern eine

Wirkung als Aphrodisiakum nachgesagt.“

 

Kommentar & Ergänzung:

Dazu gibt es ein paar interessante Präzisierungen (Quelle der Zitate:

http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Knoblauch.html):

Zur Hemmung der Thrombozytenaggregation:

„In verschiedenen Studien wurde gezeigt, daß die Hemmung der Thrombocytenaggregation erst nach 4wöchiger Einnahme, nicht dagegen nach der Einnahme einer einzelnen Tagesdosis desselben Präparates nachweisbar war. In vitro hemmen sowohl Allicin als auch Ajoen und Vinyldithiine die durch verschiedene Induktoren auslösbare Thrombocytenaggregation durch Blockierung des Enzyms Cyclooxygenase.“

Zur lipidsenkenden Wirkung:

„Die signifikantesten Wirkungen werden bei überhöhten Blutfett- bzw. Blutcholesterinwerten erzielt, wenn die Applikation über mehrere Wochen bis maximal 6 Monate hinweg erfolgt. Die Reduktion liegt im Bereich von 5 bis maximal 23 %. Die mittlere Senkung von LDL-Cholesterin liegt um 16 %. Neue Studien belegen eine Steigerung der HDL-Konzentration unter Knoblauchbehandlung, entsprechend konnte eine Erniedrigung der LDL-Werte nachgewiesen werden.“

Fazit: Damit Knoblauch solche Wirkungen auf den Kreislauf entfaltet, braucht es kontinuierliche, längerfristige Einnahme, was infolge Knoblauchgeruch auch soziale Nebenwirkungen entfalten kann. Geruchfreie Knoblauchpräparate, bei denen das Enzym Alliinase durch Erhitzen inaktiviert wurden, sind wohl auch frei von therapeutischen Wirkungen.

Interessanter als die Veränderung von gesundheitlich mehr oder weniger relevanter Messwerte (zum Beispiel Cholesterinwerte), wären sogenannt „harte Endpunkte“, beispielsweise ein Nachweis, dass Knoblauch Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Ereignisse verhindern kann.

Siehe Artikel „Primärer Endpunkt“ auf Wikipedia.

 

Tatsächlich gibt es offenbar eine solche Studie:

„In einer placebokontrollierten Studie mit 432 Patienten nach überstandenem Herzinfarkt zeigte sich, daß die Anzahl der Todesfälle bereits nach zweijähriger Therapie in der Verumgruppe signifikant niedriger war. Die Anzahl der nichttödlichen Reinfarkte war nach 3 Jahren in der Verumgruppe signifikant niedriger als in der Placebogruppe. Blutdruck- und Cholesterinwerte waren ebenfalls gegenüber Placebo signifikant niedriger.“

Das ist bemerkenswert und legt nahe, Knoblauch als Sekundärprävention nach Herzinfarkt einzusetzen. Leider gibt es zu dieser Studie wenig greifbare Angaben.

Ich habe die Quellenangabe dazu gesucht und in der WHO-Monografie zu Knoblauch gefunden:

Bordia A. Knoblauch und koronare Herzkrankheit: Wirkungen einer dreijährigen Behandlung mit Knoblauchextrakt auf die Reinfarkt- und Mortalitätsrate. Deutsche Apotheker Zeitung, 1989, 129:16–17.

Die Studie wurde von Prof. A. Bordia am Tagore Medical College in Udalpur in Indien durchgeführt.

In der WHO-Monografie steht auch, dass in der Studie von Bordia eine Knoblauchpräparation verwendet wurde, entsprechend einer Tagesdosis von 2 Gramm frischem Knoblauch.

Die WHO-Monografie zu Knoblauch gibt’s hier:

http://apps.who.int/medicinedocs/en/d/Js2200e/4.html

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Wechselwirkung zwischen Bocksdorn-Beeren (Goji-Beeren) und Vitamin-K-Antagonisten (Phenprocoumon, Warfarin)

Der Konsum von Nahrungsmitteln aus Beeren des Gemeinen Bocksdorn (Lycium barbarum, Synonym: Lycium halmifolium) kann bei Personen, die Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon (beispielsweise Marcumar®) oder Warfarin (beispielsweise Coumadin®) einnehmen, einen lebensgefährlichen Anstieg der Blutungsneigung verursachen. Vor dieser Wechselwirkung (Interaktion) warnt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im aktuellen «Bulletin zur Arzneimittel­sicherheit». Grund für diese Warnung sind mehrere Fallberichte, in denen Ärzte einen starken Anstieg der INR-Werte von zuvor stabil auf einen Vitamin-K-Antagonisten eingestellten Patienten nach dem Konsum von Bocksdorn-Beeren beziehungsweise von daraus hergestellten Tee oder Saft melden.

Der Gemeine Bocksdorn oder auch Teufelszwirn gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceen), Seine Beeren werden seit Langem in der chinesischen Küche und in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet und sind auch als chinesische Wolfsbeeren oder Goji-Beeren im Handel. Ihnen werden verschiedene heilende beziehungsweise gesundheitsfördernde Wirkungen zugesprochen, beispielsweise eine Stärkung des Immunsystems, des Herzens, eine Verminderung der Blutfettwerte und eine Hemmung des Alterungsprozesses. Gemäss Mitteilung des BfArM werden sie in Form von Tabletten, Tee, Saft oder Marmelade verstärkt auch in Europa verkauft.

Über welchen Mechanismus Bocksdorn-Beeren die Wirkung von Cumarinen steigern, ist noch ungeklärt. Als Wirkungsmechanismus diskutiert werden eine Blockade des Cytochrom-P-450-Isoenzyms CYP2C9, eine Wechselwirkung mit P-Glykoprotein, Absorption oder eine antikoagulatorische Wirkung der Bocksdorn-Beeren selbst. Auf Anregung des BfArM diskutiert jetzt der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA über die Aufnahme der Interaktion in die Produktinformationen der Vitamin-K-Antagonisten.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=45849&Nachricht_Title=Nachrichten_Keine+Bocksdorn-Beeren+f%FCr+Marcumar-Patienten%21&type=0

Kommentar & Ergänzung:

In der traditionellen chinesischen Medizin werden Goji-Beeren bei verschiedenen Indikationen eingesetzt: Schwindel, Sehstörungen, Abnahme der Sehschärfe, nächtliches Schwitzen, Müdigkeit, Anämie usw.. Die empfohlene Dosis liegt zwischen 5g und 12g getrocknete Früchte täglich.

Es existieren eine ganze Reihe von pharmakologischen Studien mit Goji-Beeren, jedoch handelt es sich dabei meistens um in-vitro Studien ( = im Labor) in welchen antioxidative, immunmodulatorische, entzündungshemmende, lipidsenkende und leberschützende Eigenschaften festgestellt wurden. Die Ergebnisse sind zwar interessant, aussagekräftiger wären allerdings qualitativ hochstehende klinische Studien an Patienten.

Daran mangelt es aber noch.

Einzelne klinische Studien wurden nur mit einer kleinen Anzahl Teilnehmern durchgeführt. Dabei konnte allerdings eine deutliche Reduktion von Müdigkeit, Schlafproblemen, Schwindel und Appetitlosigkeit festgestellt werden. In einer Studie wurde auch der Nutzen als Adjuvans (unterstützendes Mittel) in der Tumorbehandlung im Rahmen einer Chemotherapie gezeigt.

Siehe dazu auch:

Pflanzenheilkunde: Was ist Goji?

Acai, Goji, Maqui, Wunderbeeren

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Knoblauch als Naturheilmittel

Die Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 6 / 2012) geht in einem kleinen Abschnitt auf die Heilwirkungen des Knoblauchs ein:

„Nach Zentral- und Nordeuropa gelangte der Knoblauch vermutlich durch die Römer. Die Arzneipflanze wurde dann schon recht bald durch Anbau in Klöstern verbreitet. Der von vielen als unangenehm empfundene Geruch nach dem Genuss von Knoblauch kommt von seinen schwefelhaltigen Inhaltsstoffen. Knoblauch ist auch eine wichtige Selenquelle. Knoblauch wirkt antibakteriell und soll der Bildung von Thromben (Blutpfropfen) vorbeugen, womit die Fließeigenschaft des Blutes unterstützt bzw. gefördert wird. Weiters konnte gezeigt werden, dass die Inhaltsstoffe des Knoblauchs die Blutfettwerte senken und daher vorbeugend gegen Arterienverkalkungen wirken können. Weiters soll Knoblauch die  Cholesterinwerte insgesamt senken. Außerdem wurde und wird ihm in vielen Ländern eine Wirkung als Aphrodisiakum nachgesagt.“

Kommentar & Ergänzung:

Knoblauch ist wohl eine der ältesten Heilpflanzen. Früher würde der Knoblauch vor allem bei Infektionskrankheiten eingesetzt, inklusive Pest und Cholera, wobei ein Nutzen bei letzteren nicht belegt ist. Im Labor ist die antibakterielle Wirkung aber gut bestätigt, ebenso eine Wirkung gegen Hautpilze.

Heute wird Knoblauch als Heilpflanze eher im Bereich der Kreislauferkrankungen eingesetzt und vor allem auch im Sinne der Prävention empfohlen.

Für messbare Effekte zum Beispiel auf den Cholesterinspiegel und auf Bluthochdruck braucht es relativ hohe Dosen über längere Zeiträume – was wegen dem Knoblauchgeruch zu „sozialen Nebenwirkungen“ führen kann. Die Studienergebnisse sind zum Teil widersprüchlich, wobei es schon ein methodisches Problem bei der Durchführung von Doppelblind-Studien gibt: Wie bitte sehr verblindet man Placebo und Verum (also das Knoblauchpräparat)?

Auch bei einer Knoblauchkapsel wird der Patient und auch der Arzt bei einer höheren Dosierung riechen, ob der Betreffende zur Placebo- oder zur Verumgruppe gehört.

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Bockshornklee in der Diabetesbehandlung

Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum) führt zur Reduktion des Blutzuckerspiegels und wirkt somit antidiabetisch. Grund dafür ist eine spezielle Aminosäure (4-Hydoxy-Isoleucin), die bislang nur im Bockshornklee gefunden wurde. Dies zeigten jetzt Untersuchungen an Ratten mit Diabetes Typ I.

Die an Diabetes erkrankten Ratten wurden während 4 Wochen entweder mit der besonderen Aminosäure aus dem Bockshornklee oder mit einer Kontrolllösung behandelt. Darüber hinaus wurden gesunde Ratten mit der Kontrolllösung behandelt.

In der Behandlungsgruppe konnte der Blutzuckerwert fast um die Hälfte reduziert werden, während er in der diabetischen und in der gesunden Kontrollgruppe beinahe unverändert blieb. Überraschenderweise ging diese Senkung nicht einher mit einem Anstieg der Insulinkonzentration im Blut. Daher postulieren die Wissenschaftler eine von Insulin unabhängige, antidiabetische Wirkung des 4-Hydoxy-Isoleucins. Neben der Blutzuckerwertsenkung konnten die charakteristischerweise krankhaft veränderten Blutfettwerte in den diabetischen Ratten, mit Ausnahme für Cholesterin, wieder beinahe auf die Normalwerte reduziert werden.

Die mit 4-Hydoxy-Isoleucin gefundenen Unterschiede seien statistisch signifikant, schreibt die Carstens-Stiftung in einer Einschätzung. Allerdings seien pro Gruppe nur bis zu sechs Ratten untersucht worden, und die Werte innerhalb einer Gruppe unterschieden sich sehr stark. Die Stiftung kommt zum Schluss: „Vor diesem Hintergrund können die präsentierten Ergebnisse allein nur als Hinweis gedeutet werden. Einige kleine klinische Studien legen aber ebenfalls einen Nutzen von Bockshornklee bei Diabetes nahe.“

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/bockshornklee-hat-antidiabetische-eigenschaften.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22397995

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12611558

Kommentar & Ergänzung:

Ob die Resultate dieses Ratten-Versuchs sich auf Diabetes-kranke Menschen übertragen lassen, bleibt allerdings noch offen.

Bockshornkleesamen werden in der Phytotherapie schon bisher wegen ihrer günstigen Wirkung bei Diabetes geschätzt. Die Wirkung wird aber vor allem den Galactomannanen zugeschrieben und den Pektinen. Diese Stoffe gehören zu den Polysacchariden. Es wird angenommen, dass die Blutzuckersenkung durch Galactomannan und Pektin aus einer Resorptionsverminderung der Glucose resultiert.

Das ist eine ähnliche Wirkung, wie sie von Guar und Johannisbrotkernmehl bekannt ist.

Bockhornkleesamen sind auch Bestandteil der Curry-Mischung.

Siehe auch:

Bockshornklee – interessant als Heilpflanze und Gewürz

Was ist Guar?

Was ist Johannisbrotkernmehl?

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Knoblauch gegen Infektionen

Im Phyto-Forum der Aerztezeitung wurde die Frage aufgeworfen, wie ist es um die Wirksamkeit von Allium sativum (Knoblauch) bei viralen und bakteriellen Infekten bestellt ist.

Professor Jürgen Reichling gab dazu folgende Antwort:

„Zubereitungen aus der Knoblauchzwiebel (Allii sativi bulbus) werden adjuvant bei Erhöhung der Blutfettwerte und zur Vorbeugung altersbedingter Gefäßveränderungen angewendet. Verschiedentlich werden Zubereitungen aus der Droge auch zur Behandlung von Infektionen und Entzündungen des oberen Respirationstraktes empfohlen.

Diese Empfehlung stützt sich auf die Tatsache, dass Lauchöle in vitro sowohl gegen Gram-positive und Gram-negative Bakterien als auch gegen Candida-Arten (Hefepilze) und Influenzaviren wirksam sind. In Tierexperimenten am Meerschweinchen hemmten sie zudem das Wachstum verschiedener Hautpilze.“

„Droge“ meint hier „Heilpflanze“, also Knoblauch, nicht wie im heutigen Sprachgebrauch „Rauschmittel“.

Die Wirkung von Knoblauch gegen verschiedene Bakterien, Hautpilze und Viren ist verhältnismässig gut untersucht. Allerdings stellt sich bei diesen Experimenten in-vitro (= im Labor, im Reagenzglas) immer die Frage, ob und in wie weit sich solche Resultate auf Erkrankungssituationen beim Menschen übertragen lassen.

Bei lokalen Wirkungen auf der Haut beispielsweise ist eine solche Wirkung plausibel, ob sie aber auch systemisch nach Aufnahme in den Organismus aus dem Verdauungstrakt zu erwarten ist, bleibt oft fraglich. Prof. Reichling erwähnt in dieser Hinsicht folgende Studie:

„Laut einer Studie in England soll es bei einer täglichen Einnahme von 1 Knoblauchkapsel über einen Zeitraum von 4 Monaten zu weniger Erkältungskrankheiten im Vergleich zur Placebogruppe gekommen sein (24 versus 65 Prozent).“

Leider fehlen hier genauere Angaben zu dieser Studie, wodurch ihre Aussagekraft nicht beurteilt werden kann. Falls Knoblauchkapseln nämlich tatsächlich eine vorbeugende Wirkung gegen Erkältungskrankheiten haben sollten, wäre das sehr bemerkenswert.

Einen entsprechenden Ruf als Schutzmittel gegen Infektionen hat Knoblauch in der traditionellen Pflanzenheilkunde schon lange.

Quelle der Zitate:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/phytotherapie/article/811558/knoblauch-ingwer-infektionen.html?sh=8&h=-1673844218

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Pistazien als Potenzmittel?

Pistazien seien gut für die Potenz und positiv für die Blutfettwerte. Zu diesem Resultat kommt eine kleine türkische Studie.

An der Studie zur Behandlung von Potenzstörungen nahmen 17 verheiratete Männer teil, die seit mindestens einem Jahr unter einer erektilen Dysfunktion litten. Während drei Wochen assen die Teilnehmer 100 g Pistazien täglich, berichtete Professor Dr. Stephan Martin vom Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum in Düsseldorf.

Beim Start der Studie und am Ende ermittelten die Wissenschaftler den International Index of Erectile Funktion (IIEF) und untersuchten den Penis mittels Farbdoppler. Vor der Pistaziendiät lag der mittlere IIEF-15-Wert bei 36, nach der dreiwöchigen Behandlung war er auf 54,2 gestiegen. Die Penisdurchblutung verstärkte sich in ähnlichem Maß.

Pistazien reduzieren Gesamtcholesterin und LDL

Gleichzeitig sanken die Werte für Gesamtcholesterin und LDL signifikant, während der HDL-Wert anstieg. Es handelt sich zwar um eine unkontrollierte Studie, deren Resultate mit Vorsicht zu genießen sind, schränkte der Experte ein. Aber auch aus anderen Studien ergeben Hinweise auf günstige Effekte von Pistazien auf den Stoffwechsel.

Man könne daher den Patienten auf jeden Fall zum Genuss dieser Steinfrüchte des Pistazienbaumes raten. Sollten die Pistazien für die Potenz nicht bringen, darf man jedenfalls auf klinische Verbesserungen bei Blutlipiden und Blutglukose hoffen.

Quelle:

http://www.medical-tribune.de/home/news/artikeldetail/pistazien-gut-fuer-die-potenz.html?no_cache=1

Diabetes-Update, Mainz, 2012

Kommentar & Ergänzung:

Eine Studie mit so wenigen Teilnehmern und ohne Kontrollgruppe ist tatsächlich nur von geringer Aussagekraft. Es stimmt aber schon, was der letzte Abschnitt aussagt: Im Gegensatz zu vielen als Naturheilmittel vermarkteten Potenzmitteln kann man von den Pistazien sagen, dass sie zumindestens ein gesundes Nahrungsmittel sind, wenn man sie in die tägliche Ernährung einbaut.

Wenn ein gewohnter, ungesunder Snack durch Pistazien ersetzt wird, ist das alleweil besser. Allerdings enthalten 100g Pistazien 651 kcal und sind daher energiereicher als Schokolade. Das entspricht mehr als einem Viertel des Tagesbedarfs eines erwachsenen Menschen.

Siehe aber auch:

Pistazien als Hilfe zur Gewichtskontrolle?

Gewohnt reisserisch wurde die türkische “Potenzstudie” im Boulevardblatt Blick kommentiert:

“Pistazien machen Männer scharf. Es muss nicht immer Viagra sein: Auch Pistazien wirken als Aphrodisiakum – sagt eine neue türkische Studie.”

Quelle: http://www.blick.ch/erotik/pistazien-machen-maenner-scharf-id1767158.html

Das ist total falsch: Weder Viagra noch Pistazien machen “scharf”. Sie steigern eben gerade nicht die sexuelle Erregung, sondern – jedenfalls bei Viagra – die Durchblutung. Und sollten Pistazien das auch bewirken, so ist dieser Effekt langsamer und schwächer als bei Viagra, das einen raschen Wirkungseintritt hat und im Gegensatz zu Pistazien mit Nebenwirkungen und Risiken verbunden ist.

Pistazien und Viagra haben ein Wirkungsprofil, das ganz und gar nicht ähnlich ist. Aber eine reisserische Schlagzeile muss sein. Das treibt den Kioskverkauf in die Höhe.

Zur Pistazienforschung hier ein paar Infos aus Wikipedia:

„Anfang Dezember 2009 wurde bekannt, dass eine Ernährung mit täglich ein bis zwei Handvoll Pistazien dazu beitragen kann, das Risiko von Lungenkrebs zu reduzieren. Das ist das Ergebnis einer Studie der Amerikanischen Gesellschaft für Krebsforschung (American Association for Cancer Research, AACR).

Forscher der Universität von Toronto haben herausgefunden, dass beim gleichzeitigen Verzehr von einer Handvoll Pistazien und kohlenhydrathaltiger Lebensmittel wie etwa Weißbrot die Pistazien den Anstieg des Blutzuckerspiegels gemindert haben. Auch wurden so Hunger stimulierende Hormone reduziert. So bleibt der Appetit kontrollierbar.

Pistazien sind reich an Ballaststoffen. Pistazien in der Schale haben einen zusätzlichen Vorteil für die Gewichtskontrolle, da sie die Verzehrzeit verlangsamen, weil sie erst geöffnet werden müssen. Studien haben gezeigt, dass das Sättigungsgefühl ungefähr 20 Minuten nach dem Verzehr eines Snacks eintritt. Durch den langsameren Verzehr der Pistazie wird die Zeit bis zum Sättigungsgefühl überbrückt.

Die meisten in Pistazien enthaltenen Fette sind sogenannte gute Fettsäuren. Sie tragen dazu bei, das Risiko einer Herzerkrankung zu mindern. Forscher der Pennsylvania State University in den USA haben herausgefunden, dass der Verzehr von ein bis zwei Handvoll Pistazien pro Tag zu einer Reduktion des schlechten LDL-Cholesterinspiegels um neun bis 12 Prozent führen kann.“

Und hier zur Kulturgeschichte der Pistazien:

„Pistazien gehören zu den ältesten blühenden Kulturpflanzen und sind heimisch im Nahen Osten. Wilde Pistazien (Pistacia atlantica oder P. khinjuk) wurden seit dem Natufien (Epipaläolithikum) gesammelt und unter anderem in Abu Hureyra (Syrien) nachgewiesen. Ein gezielter Anbau fand spätestens seit der Antike statt. Pistazien breiteten sich vom Nahen Osten auf das Mittelmeergebiet aus und wurden schnell zu einer geschätzten Delikatesse unter Königen, Reisenden und einfachem Volk gleichermaßen. Die Legende besagt, dass die Königin von Saba die Pistazien zu einem ausschließlich königlichen Nahrungsmittel ernannte und es dem einfachen Volk verbot, sie für den persönlichen Verzehr anzubauen. Nebukadnezar, König von Babylon, ließ angeblich Pistazienbäume in seinen Gärten pflanzen. Im 1. Jahrhundert n. Chr. soll Kaiser Vitellius sie in seiner Hauptstadt Rom eingeführt haben. Die Pistazie wurde als Färbemittel und Heilmittel für Beschwerden wie Zahnschmerzen bis hin zu Lebersklerose verwendet. Der hohe Nährwertgehalt und die lange Haltbarkeit haben die Pistazie auch zu einem unverzichtbaren Reisegut unter frühen Forschungsreisenden und Händlern gemacht. Zusammen mit Mandeln wurden Pistazien von Reisenden auf der antiken Seidenstraße zwischen China und dem Westen mitgeführt. In den 1880er Jahren wurden Pistazien für Einwanderer aus dem Nahen Osten nach Amerika importiert. Dem Rest der USA wurden sie ungefähr 50 Jahre später als Snack vorgestellt.“

(Quelle: Wikipedia)

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Einige Gewürze senken Blutfettwerte und Insulinproduktion

Einige Gewürze reduzieren die Blutfettwerte und die Insulinproduktion. Das hat jetzt ein Wissenschaftlerteam der Pennsylvania State University herausgefunden. Vor allem die Triglyzeridwerte konnten nach einer fettreichen Mahlzeit durch den Verzehr von Gewürzen um 30 Prozent vermindert werden, schreiben die Forscher im “Journal of Nutrition”.

Entsprechende Resultate erzielten die Wissenschaftler durch Testessen, die von sechs gesunden, übergewichtigen Männern eingenommen wurden. Den Testpersonen wurde an einem Tag ein Drei-Gänge-Menü ohne Gewürze und an einem anderen Tag mit Kräutern und Gewürzen serviert. Bei den Gewürzen wurden Kurkuma, Nelken, Paprika, Oregano, Rosmarin, Zimt und schwarzen Pfeffer verwendet, die für ihre antioxidative Wirkung bekannt sind. Nach den Mahlzeiten wurde den Teilnehmern in 30minütigen Abständen sechs Mal eine Blutprobe entnommen, die auf ihre Werte untersucht wurde – mit dem Resultat, dass die Werte nach den gewürzten Speisen deutlich besser waren als bei den Mahlzeiten ohne diese Bestandteile. Neben der geringeren Zahl an Triglyzeriden wurde auch eine um 20 Prozent reduzierte Insulinausschüttung festgestellt. Ein Freibrief für den Konsum fettiger, wenn auch stark gewürzter Speisen, seien die Resultate allerdings nicht. Die Kalorien der Mahlzeiten setzen dem Organismus auch trotz der antioxidativen Wirkung einiger Gewürze zu (http://dx.doi.org/10.3945/jn.111.138966).

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/gegen-blutfettwerte-würzen-084928482.html

http://jn.nutrition.org/content/141/8/1451

Kommentar & Ergänzung:

Dass Gewürze wie Kurkuma, Nelken, Paprika, Oregano, Rosmarin, Zimt und schwarzer Pfeffer nicht nur für den Gaumen gut sind, ist schon lange bekannt. Im Zentrum des Interesses standen aber meistens Wirkungen der Gewürze bei Verdauungsstörungen wie Blähungen, Völlegefühl oder Appetitlosigkeit. Deshalb ist es sehr interessant, wenn in dieser Studie nun günstige Wirkungen auf die Blutfettwerte und auf die Insulinausschüttung festgestellt wurden.

Gewürze stehen am Übergang zwischen Ernährungslehre und Kochkunst einerseits und Phytotherapie andererseits.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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Schlankheitsmittel CLA könnte Diabetes begünstigen

Fachleute warnen vor Einnahme von konjugierten Linolsäuren wegen unklarem Diabetes-Risiko.

Konjugierte Linolsäuren, vielgepriesene Schlankheitsmittel, regen in der Bauchspeicheldrüse die Ausschüttung von Insulin an, haben Wissenschaftler der Universität Bonn in Kooperation mit Tübinger Kollegen herausgefunden. Was geschieht, wenn jemand konjugierte Linolsäuren über viele Jahre einnimmt, ist nicht voraussehbar, denn solide Langzeitstudien am Menschen fehlen bisher. Eine mögliche Folge: Diabetes. Die Studie erschien in dem Fachmagazin Journal of Biological Chemistry (doi: 10.1074/jbc.C110.200477).

„Viele Leute schlucken große Mengen dieser Substanzen, weil sie glauben, dass sie ihnen gut tun”, erklärt Evi Kostenis. „Aber wie wir jetzt gesehen haben, beeinflussen konjugierte Linolsäuren auch die Bauchspeicheldrüse. Es ist gut möglich, dass die Zellen dadurch auf Dauer Schaden nehmen.”

Konjugierte Linolsäuren, CLA abgekürzt, sind bestimmte Arten von Fettsäuren, die natürlicherweise in der Milch und dem Fleisch von Wiederkäuern vorhanden sind. Hochdosierte Kapseln dieser CLA-Verbindungen stehen als Nahrungsergänzungsmittel in den Regalen von Drogerien und Supermärkten und können auch im Internet bestellen. „Sie werden quasi als Allheilmittel angepriesen”, sagt Prof. Kostenis. „Sie sollen Fett verbrennen, Muskelmasse aufbauen, schön machen, gegen Entzündungen helfen, sogar Krebs vorbeugen.” Die Werbung verspricht viel, doch endgültig bewiesen ist bislang keine dieser Wirkungen.

Einige klinische Studien haben dagegen schon gezeigt, dass Menschen unter hohen CLA-Dosen entweder mehr oder weniger Insulin ausschütten und unter Umständen eine Insulinresistenz entwickeln. „Jetzt kennen wir auch den Mechanismus, mit dem die Substanzen auf die Bauchspeicheldrüsenzellen einwirken”, erklärt die Forscherin. Konjugierte Linolsäuren greifen an einem ganz bestimmten Rezeptor an – ist der Blutzuckerspiegel hoch, schütten die Zellen daraufhin innerhalb von Sekunden verstärkt Insulin aus. Das haben die Wissenschaftler an Mäuse- und an Menschenzellen festgestellt, und zwar mit CLA-Mengen, die auch im Blut vorliegen können, wenn der betreffende Mensch konjugierte Linolsäuren in Kapselform zu sich nimmt. Milch und Fleisch dagegen sind in dieser Hinsicht unbedenklich, weil sie keine so hohen Mengen an CLA enthalten.

„Wir wissen nicht, ob Menschen, die regelmäßig mehrere Gramm der Substanzen schlucken, dadurch irgendwann Diabetes entwickeln”, stellt Kostenis fest. Denkbar ist jedoch auch das Gegenteil: Mglicherweise tut den Bauchspeicheldrüsenzellen die wiederholte Stimulation gut. Vielleicht eignen sich CLA damit auch als Arzneimittel gegen Diabetes Typ II. Das alles müssen zukünftige Studien erst klären.

„Bisher wollen wir nur sagen: Leute, passt auf!” betont Evi Kostenis. „Diese Substanzen wirken wie ein Arzneimittel und sind damit nicht ungefährlich.” Die Forscherin fordert endlich seriöse Langzeitstudien am Menschen. Bislang gab es mit CLA keine einzige Langzeitstudie. Das Wissenschaftlerteam hat nun eine Langzeitstudie mit Mäusen initiiert. Sie soll wertvolle Hinweise liefern, welche Langzeitwirkungen von CLA beim Menschen zu erwarten sind.

Natürlich bedeutet nicht harmlos

Konjugierte Linolsäuren werden als natürliche Substanzen propagiert. Aber natürlich heißt nicht automatisch harmlos, warnt die Wissenschaftlerin: „Die Natur macht auch viele schöne Gifte – denken Sie nur an Knollenblätterpilze!” Ihre Schlussfolgerung: „Man sollte nicht alles unbesehen glauben, was die Werbung verspricht.”

Quellen:

http://derstandard.at/1297822036805/Konjugierte-Linolsaeuren-Schlankheitsmittel-koennte-Diabetes-zur-Folge-haben

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21339298

Kommentar & Ergänzung:

Es fällt jedenfalls auf, wie unklar und widersprüchlich die Daten zu Wirkungen und Nebenwirkungen der Konjugierten Linolsäuren (CLA) sind. Das spiegelt sich meinem Eindruck nach sogar im Text auf Wikipedia zur den Wirkungen der CLA:

„Studien an Menschen weisen darauf hin, dass CLA den Körperfettanteil reduziert, während gleichzeitig der Muskelanteil erhöht wird. Außerdem verbessert es die Cholesterinwerte. Die Wirksamkeit künstlich hergestellter Derivate der Linolsäure ist noch Gegenstand der Forschung und lässt sich noch nicht beurteilen.

Nach Einschätzung der Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. besteht keine ausreichender Beweis für die Wirksamkeit einer Supplementation mit CLA und das Auftreten von Nebenwirkungen kann nicht ausgeschlossen werden. Das Bundesamt für Gesundheit (CH) empfiehlt, dass generell die Aufnahme von TFA, egal welcher Herkunft, möglichst gering sein sollte. Es wird keine Empfehlung zum Konsum von CLA gegeben. In einem Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit wurden die Ergebnisse bisherigen Untersuchungen bezüglich CLA als nicht einheitlich bewertet und auf Anhaltspunkte für unerwünschte Nebenwirkungen hingewiesen.

Zu den potentiellen positiven Effekten von CLA wird eine reduzierte Anfälligkeit für ernährungsbedingte Allergien gezählt. Auf der Gegenseite besteht die Annahme, dass CLA möglicherweise Insulinresistenz hervorruft, was ein erhöhtes Risiko zur Erkrankung an Diabetes bedeuten würde. Dennoch erfreuen sich CLA-Präparate insgesamt einer zunehmenden Beliebtheit in der Bevölkerung. Bereits vor Jahren hatten diese natürlichen Substanzen, hinter denen sich genau genommen acht verschiedene Verbindungen identischer chemischer Zusammensetzung mit jeweils abweichender geometrischer Struktur – und deshalb auch unterschiedlichen biochemischen Effekten – verbergen, die Aufmerksamkeit internationaler Forschergruppen geweckt. In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass einige CLA antikarzinoge Wirkungen entfalten, der Arteriosklerose entgegenwirken, die Blutfettwerte verbessern, das Immunsystem stärken und den Insulinhaushalt günstig beeinflussen. In Deutschland nehmen Frauen täglich etwa 350 Milligramm CLA mit der Nahrung zu sich, Männer 430 Milligramm. Die erwähnten vorteilhaften Wirkungen kommen in der Regel aber erst bei Dosen im Grammbereich zum Tragen.

Vermehrter Fettabbau durch CLA

Vor allem für Personen, die eine Gewichtsreduktion anstreben, kann sich eine Nahrungsergänzung mit CLA auszahlen. Umfangreiche Studien hatten belegt, dass eine langfristige Nahrungsergänzung mit CLA die Körperfettmasse reduziert. Bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse lassen vermuten, dass dafür drei Wirkmechanismen verantwortlich sind: CLA verringern die nach der Nahrungsaufnahme gespeicherte Fettmenge, beschleunigen den Fettstoffwechsel und fördern die Fettspaltung in den Fettzellen. Zudem erhöhen sie die Apoptose (programmierter Zelltod) der Adipozyten (Fettzellen) und reduzieren so deren Anzahl. Mit CLA lässt sich darüber hinaus der Leptin-Spiegel senken. Leptin ist ein Eiweißhormon, das im Fettgewebe gebildet wird und eine Schlüsselrolle bei der Zunahme des Körpergewichtes spielt.

Eine im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlichte Studie dokumentierte die langfristige Sicherheit und Wirksamkeit der Nahrungsergänzung mit CLA. Andere Studien belegten, dass CLA weder einen Einfluss auf die Blutgerinnung hat, noch die Funktion der Blutplättchen beeinträchtigt. Ferner wurden keine negativen Auswirkungen auf den Fettstoffwechsel gesehen.“

Quelle: Wikipedia

Kommentar & Ergänzung:

Wichtig scheint mir im Wikipedia-Text, dass offenbar die experimentell gefundenen positiven Wirkungen der CLA erst bei unrealistisch hohen Dosen auftreten. Das ist ein Phänomen, welches bei Nahrungsergänzungsmittel nicht selten anzutreffen ist.

Erstaunlich, dass ein bezüglich Risiken so ungeklärtes Produkt auf breiter Basis als Nahrungsergänzungsmittel vermarktet werden kann.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Wichtiger Unterschied zwischen der Wirkung und dem Nutzen eines Medikaments

Die Wirkung eines Medikaments und sein Nutzen werden immer wieder verwechselt oder gleich gesetzt. Dabei ist dieser Unterschied  sehr bedeutsam.

Markus Bill hat ihn auf Spiegel Online prägnant auf den Punkt gebracht:

“Wenn ein neues Medikament auf den Markt kommt, unterscheiden Mediziner zwischen Wirksamkeit und Nutzen. Ein Cholesterinsenker zum Beispiel ist dann wirksam, wenn er die Blutfettwerte senkt und seine Nebenwirkungen sich in Grenzen halten.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, wird das neue Medikament zugelassen. Der Nutzen dagegen zeigt sich oft erst später: Er tritt dann zutage, wenn Patienten tatsächlich weniger Herzinfarkte oder Schlaganfälle bekommen als ohne das Präparat – oder wenn sie schlicht länger leben.

Doch der Zusammenhang zwischen Wirksamkeit und Nutzen existiert häufig gar nicht. Manchmal verbessern sich zwar Cholesterinwerte, Blutdruck oder das Wachstums eines Tumors wird gebremst – den Patienten geht es aber trotzdem nicht besser. Sie leben nicht länger, sie bekommen genauso häufig Herzinfarkte oder Schlaganfälle wie ohne das Präparat. Es haben sich also nur die messbaren Werte geändert – sonst nichts. Solche Präparate verfügen über keinen “patientenrelevanten Nutzen”, wie die Fachleute sagen.

Pharmakonzerne stellen dagegen gern die Wirksamkeit ihrer Pillen in den Vordergrund, die Nutzendebatte mögen sie nicht besonders. Hintergrund: Unabhängige Wissenschaftler entdecken häufig, dass viele angebliche Neuheiten zwar im Körper wirken, aber keinen Vorteil gegenüber bisherigen Präparaten haben. Es handelt sich also um ‚Scheininnovationen’.”

Quelle:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,719507,00.html

Kommentar & Ergänzung:

Und solche Scheininnovationen sind oft sehr viel teurer als die bisher verwendeten Produkte…….

Ich pflege kein „Feindbild Pharmaindustrie“, wie es im Bereich Komplementärmedizin / Naturheilkunde nicht selten vorkommt. Solche Feindbilder sind dumm und führen zu  sehr einseitigen Wahrnehmungen  und Interpretationen.

Das simple Feindbild Pharmaindustrie abzulehnen heisst aber nicht Kritiklosigkeit. Es gibt immer wieder Punkt, an denen konkrete Kritik bezüglich der Vorgänge in dieser Branche notwendig ist. Der Artikel von Spiegel Online schildert im Weiteren den problematischen Einfluss der Pharma-Lobby auf die Gesetzgebung in Deutschland.

Die Diskussion um Wirksamkeit und Nutzen eines Medikamentes  ist im Übrigen natürlich auch nötig für Produkte aus dem Bereich Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Phytotherapie.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pflanzenheilkunde: Zimt gegen Diabetes kontrovers beurteilt

Zimt wird seit einiger Zeit als Heilmittel gegen Diabetes („Zuckerkrankheit“) empfohlen, gleichzeitig aber auch sehr  kontrovers beurteilt. Dabei fällt auf, dass sowohl Befürworter als auch Skeptiker der Zimt-Anwendung ziemlich undifferenziert  Stellung nehmen.

Im Internet und in Kreisen der Komplementärmedizin wird Zimt zum Teil ohne jede Einschränkung als Diabetes-Heilmittel propagiert. Absurderweise wird sogar Einlagesohlen mit Zimt eine Wirksamkeit gegen Diabetes zugeschrieben.
Andererseits ist auch die Kritik an der Verwendung von Zimt gegen Diabetes meist ziemlich undifferenziert.

In der „Welt“ (online 28. April 2010) kommt Prof. Rüdiger Landgraf von der Deutschen Diabetes-Stiftung in Düsseldorf zu Wort.

„In Online-Foren wird heiß diskutiert, welche Wundermittel gegen Diabetes die Natur bereithält. Ob Zimt, Grüner Tee oder spezielle japanische Heilpilze: ‚Es gibt bis heute noch keine Studien, die die positiven Wirkungen belegen’, sagt Landgraf. Er warnt besonders vor der Dauereinnahme von Zimt: ‚Es gibt keine Dosierungsempfehlung. Außerdem kann Zimt auf Dauer die Leber schädigen und sogar das Krebsrisiko erhöhen.’“

Zu präzisieren wäre da: Es gibt durchaus positive Zimt-Studien, doch ist die Wirksamkeit gegen Diabetes nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin tatsächlich nicht belegt.
Eine gute Zusammenfassung findet sich bei Wikipedia im Artikel über ZImt (Literaturangaben dort):

„Eine mögliche blutzuckersenkende Wirkung von Zimt in frühen Stadien des Diabetes mellitus wird in der modernen Medizin kontrovers diskutiert. In einer ersten Pilotstudie wurde die Wirksamkeit größerer Dosen Zimt (1–6 Gramm) auf Blutzucker- und Blutfettwerte untersucht. Hier konnte eine mögliche Senkung des Nüchternblutzuckers, der Triglyceride, des Gesamt- und des LDL-Cholesterins beobachtet werden. In einer weiteren Studie an 79 Patienten konnte eine Senkung des Blutzuckerspiegels, aber nicht des als “Langzeitblutzuckerspiegel” geltenden HbA1c-Werts und der Blutfettwerte beobachtet werden. Ein Wirksamkeitsnachweis der Anwendung von Zimt bei Diabetes mellitus nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin steht noch aus.“

Es gibt experimentelle und klinische Hinweise auf eine Wirksamkeit von Zimt, aber keine eindeutigen Belege.
Zur Diskussion steht aufgrund des gegenwärtigen Wissensstand nur der Diabetes-Typ-2, nicht der Diabetes-Typ1.

Die Warnung vor Langzeiteinnahme müsste differenziert werden. Heikel ist aufgrund des hohen Cumaringehalts der chinesische Zimt. Wikipedia dazu:

„In Zimt – vor allem im billigeren Cassia-Zimt (auch: chinesischer Zimt) – ist das als gesundheitsschädlich geltende Cumarin enthalten. In Fertigprodukten wird fast ausschließlich dieser aus China, Indonesien oder Vietnam stammende Cassia-Zimt verarbeitet. Der Cumarin-Anteil beider Zimtsorten unterscheidet sich erheblich: Während er bei dem Cassia-Zimt bei ca. 2 g Cumarin pro kg liegt, finden sich in der gleichen Menge Ceylon-Zimt nur ca. 0,02 g Cumarin.
Cumarin kann bei Einnahme in den Blutkreislauf Kopfschmerzen, Leberschäden, Leberentzündungen und, wie in wahrscheinlich nur bedingt auf den Menschen übertragbaren Tierversuchen mit Ratten festgestellt wurde, in sehr hohen Dosierungen sogar Krebs verursachen.“

Im „Leitfaden Phytotherapie“ (2007) schreiben Heinz Schilcher / Susanne Kammerer / Tankred Wegener:
„Der Ceylonzimt besitzt gegenüber dem chinesischen Zimt ein runderes Aroma, enthält keine oder nur in Spuren Cumarine und ist daher auch die verwendete Arzneibuchzimtrinde. Mit Ceylonzimt werden die erlaubten 0,1 mg Cumarin / kgKG nicht überschritten. Als Nahrungsergänzungsmittel zur begleiteten Diät bei Diabetes mellitus sollten nur wässrige Extrakte des Ceylonzimts verwendet werden.“

Im „Leitfaden Phytotherapie“ gibt es eine vorsichtige Empfehlung von Zimt zur unterstützenden Behandlung bei Diabetes.
Andere Phytotherapie-Fachautoren sind aber skeptischer, zum Beispiel Karl Hiller & Dieter Löw (in Max Wichtl, Teedrogen und Phytopharmaka, 2009):

„Eine blutzuckersenkende Wirkung von wasserlöslichen Inhaltsstoffen der Zimtrinde ist zwar wahrscheinlich, doch reichen die bisherigen Befunde nicht aus, die Anwendung als Antidiabetikum zu empfehlen, hierzu bedarf es noch wesentlich umfangreicherer klinischer Studien, sowohl bezüglich der Patientenzahlen als auch der untersuchten Parameter.“

Es gibt also noch viele offene Fragen zur Anwendung von Zimt bei Diabetes. Unkritische Zimt-Propaganda scheint mir daher genauso wenig angebracht wie fundamental-undifferenzierte Verdammung.

Sehr wichtig im Beitrag auf www.welt.de scheint mir folgender Hinweis:

„Statt auf die Rettung durch Nahrungsergänzungsmittel zu hoffen, sollten Diabetiker regelmäßig in die Sportschuhe schlüpfen. Walken, Joggen, Radfahren oder Schwimmen.“

Die Hoffnung auf irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel aus Zimt, Grüntee oder anderem kann die notwendigen Umstellungen im Lebensstil nicht ersetzen.
Professor Thomas Haak vom Diabetes Zentrum Mergentheim erklärt dazu: „Bewegung ist neben der Ernährung die wichtigste Säule der Therapie.“
Je nach Konstitution und Gewicht solle unter ärztlicher Anleitung ein Trainingsplan erstellt werden. „Stark übergewichtige Menschen müssen natürlich langsam anfangen.“

Quelle: http://www.welt.de/wissenschaft/medizin/article7373687/Diabetes-auch-ohne-Medikamente-behandelbar.html

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