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Cannabis-Wirkstoffe: Neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

„Die Presse“ in Österreich publizierte vor kurzem einen Artikel von Stephan Müller zur medizinischen Anwendung von Cannabis.
Dabei wird als Cannabis-Wirkstoff interessanterweise nicht wie meist üblich das THC ins Zentrum gerückt, sondern das Cannabidiol (CBD).
Tetrahydrocannabinol (THC) wird immer wieder als Hauptwirkstoff der Cannabispflanze dargestellt. Cannabis enthält aber 66 verschiedene Cannabinoide mit unterschiedlicher Wirkung.
Bei THC ist der therapeutische Einsatz in manchen Situationen schwierig durch den berauschenden Effekt. Zudem erreichen nicht alle Patientinnen und Patienten mit einem reinen THC-Präparat – in der Schweiz als Dronabinol im Handel – ein befriedigendes Behandlungsergebnis.
Im Gegensatz zu THC entwickelt CBD keine Rauschwirkung.
Im Gegenteil: CBD soll gemäss neueren Studien den Rauscheffekt des THC’s neutralisieren oder zumindestens abschwächen. Darüber hinaus soll es auch eine krebs- und entzündungshemmende Wirkung haben. Schon länger bekannt sei dessen entkrampfende, angstlösende und Übelkeit lindernde Wirkung. Außerdem sei CBD wenig toxisch und nebenwirkungsarm, betont der Pharmazeut Rudolf Brenneisen, Spezialist für Cannabis an der Universität Bern.
Lange hat sich die Forschung rund um die Anwendung von Cannabis in der Medizin laut Brenneisen hauptsächlich auf den Wirkstoff THC konzentriert. Cannabinoide wurden bisher vor allem gegen neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Epilepsie, gegen die Nebenwirkungen von Chemotherapien oder gegen chronische Schmerzen eingesetzt. Die Entdeckung des CBD und dessen Wirkkraft verlieh der Cannabisforschung international neuen Schwung, sagt Brenneisen. Für das natürliche Heilmittel Cannabis eröffnen sich dadurch immer neue Forschungsansätze, zum Beispiel die Anwendung bei Brustkrebs oder Psychosen. Medizinalcannabis hat in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen.
Eine Folge dieser Cannabis-Forschung ist die Einführung von Sativex – ein Medikament mit einer Kombination von THC und CBD, zur Linderung von Schmerzen und Beschwerden bei Multipler Sklerose beitragen kann.
Trotz dieser Fortschritte bei der Zulassung von Cannabis-Medikamenten wünscht sich Cannabisspezialist Brenneisen endlich eine „Entkriminalisierung, vielleicht sogar die partielle Legalisierung von Konsum und Handel“. Denn der Einsatz von natürlichen Cannabinoiden, die unter kontrollierten Bedingungen hergestellt werden, sei für die medizinische Verwendung geeignet. Zumal es auch zahlreiche Patienten gebe, die gezielt danach fragten, hauptsächlich im Bereich Krebs.
Quelle:
http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/1556828/Cannabis-wird-als-Heilpflanze-salonfaehig?_vl_backlink=/home/leben/gesundheit/index.do
Kommentar & Ergänzung:
Zu Sativex siehe:
Zu Dronabinol:
Wikipedia schreibt zur Pharmakologie von  Cannabidiol:
„Cannabidiol bindet an die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 agonistisch, jedoch kann es deren Aktivität über einen ungeklärten Mechanismus auch blockieren. Es wirkt jedoch als Antagonist an dem G-Protein gekoppeltem Rezeptor GPR55, dessen physiologische Rolle noch nicht geklärt ist.
CBD wird als Spasmolytikum bei multipler Sklerose eingesetzt. CBD wirkt immunsupprimierend und wird zur Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen verwendet. Eine Verwendung bei affektiven Störungen wird untersucht. CBD ist Bestandteil des arzneilich genutzten Hanfextrakts Nabiximols.“
Der Artikel in der „Presse“ spricht auch eine mögliche krebshemmende Wirkung von Cannabidiol an und erwähnt als Beispiel den Brustkrebs. Cannabidiol und andere Cannabinoide stehen immer wieder im Fokus der Forschung und tauchen in diesem Zusammenhang in Medienberichten auf. CBD soll beispielsweise bei Brustkrebs, Prostatakrebs, Gehirntumor und Leukämie wirksam sein und Krebszellen töten.
Natürlich ist es zu begrüssen, wenn THC, Cannabidiol und andere Cannabinoide erforscht werden. Die Meldungen darüber sind aber oft fragwürdig. So basieren die Meldungen über krebshemmende Wirkungen von Cannabidiol überwiegend auf Laborversuchen mit isolierten Zellen, teilweise auf Tierversuchen und nur in sehr geringem Mass auf Untersuchungen an Menschen. Daraus eine Meldung wie beispielsweise „Cannabidiol wirksam gegen Prostatakrebs“ zu basteln ist einfach nicht zulässig. Im Labor lassen sich isolierte Zellen verhältnisweise einfach zerstören. Ob aber aus solchen Erkenntnissen ein wirksames Medikament gegen Tumorerkrankungen entwickelt werden kann, ist in den meisten Fällen noch eine ganz und gar offene Frage – und braucht in der Regel auf jeden Fall viel Zeit.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Cannabis-Wirkstoff gegen Epilepsie erforscht

Für Cannabis sativa könnte es bald ein weiteres Anwendungsgebiet geben, schreiben Wissenschaftler der University of Reading im „British Journal of Pharmacology“. Sie haben gezeigt, dass das Cannabinoid mit dem Namen Cannabidivarin zur Therapie von Epilepsie eingesetzt werden könnte.

Der nicht psychoaktive Cannabis-Wirkstoff hatte im Tierversuch eine krampflösende Wirkung gezeigt. Klinische Studien sollen Ende des Jahres beendet werden.

In Deutschland sind Cannabis-Extrakte bislang in dem Fertigarzneimittel Sativex (Almirall) enthalten. Als Rezeptursubstanz gibt es darüber hinaus das synthetisch hergestellte Dronabinol. Sativex ist zur Therapie spastischer Beschwerden von Multiple-Sklerose-Patienten indiziert. Auch als Antiemetikum (Mittel gegen Erbrechen) oder zur Appetitsteigerung in der Krebstherapie und AIDS-Behandlung findet die Cannabispflanze Verwendung.

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/wissenschaft/cannabis-gegen-epilepsie

Kommentar & Ergänzung:

Na, dann warten wir doch einmal die Ergebnisse der klinischen Studien Ende Jahr ab.

Nur die klinischen Studien mit Patientinnen und Patienten geben fundierte Hinweise darauf, ob der Cannabis-Wirkstoff Cannabidivarin tatsächlich zur Epilepsie-Therapie geeignet ist. Studien am Tier sind hier nur begrenzt aussagekräftig.

Zu Dronabinol siehe auch:

Dronabinol (THC) vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten

Cannabis als Heilmittel zulassen!

Zu Sativex siehe auch:

Cannabis als Heilmittel: Zulassung für Sativex®-Spray in Deutschland

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Dronabinol (THC) vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten

Am Institut CENTER für klinische und epidemiologische Erforschung von Darmerkrankungen in Rochester (USA) wurde eine Studie mit 75 Patienten, die an einem Reizdarm litten, durchgeführt, darunter 35 mit Reizdarm und Verstopfung, 35 mit Reizdarm und Durchfall und fünf mit Reizdarm und alternierender Verstopfung und Durchfall. Sie bekamen eine Dosis Plazebo oder 2,5 mg oder 5 mg Dronabinol. Der Wirkstoff in Dronabinol ist Tetrahydrocannabinol (THC), auch bekannt als wichtigster Inhaltsstoff der Cannabispflanze.

Gemessen wurden die Bewegungen des Dickdarms, der Tonus und die Wahrnehmung des Dickdarms im nüchternen Zustand und nach einer Mahlzeit. Ausserdem untersuchten die Forscher verschiedene Genvarianten:

– eine bestimmte Variante des Gens, das den Cannabinoid-1-Rezoptor codiert,

sowie

– eine Variante des Gens, das die Fettsäureamidhydrolase codiert, die für den Abbau des Endocannabinoids Anandamid verantwortlich ist.

Bei allen Patienten verminderte 5 mg Dronabinol die Dickdarmbewegungen im nüchternen Zustand. Die gemessenen Wirkungen waren bei Patienten, die an Durchfall oder wechselnd an Durchfall und Verstopfung litten, am stärksten ausgeprägt. Dronabinol zeigte keine Auswirkung auf den Tonus oder die Wahrnehmung. Die Motilität (Darmbewegungen) war abhängig von den untersuchten Gen-Varianten.

In tierexperimentellen Studien vermindern Dronabinol und andere CB1-Rezeptoragonisten die Darmmotilität. Verglichen mit den Opiaten ist diese Wirkung jedoch nur sehr gering ausgeprägt. Die aktuelle Studie zeigt, dass dieser Effekt vielleicht therapeutisch bei Reizdarm-Patienten mit Durchfall genutzt werden könnte.

Quellen:

– Wong BS, Camilleri M, Busciglio I, Carlson P, Szarka LA, Burton D, Zinsmeister AR. Pharmacogenetic Trial of a Cannabinoid Agonist Shows Reduced Fasting Colonic Motility in Patients with Non-Constipated Irritable Bowel Syndrome. Gastroenterology, 28. Juli 2011 [Elektronische Veröffentlichung vor dem Druck]

– THC Pharm

– http://www.journalmed.de/newsview.php?id=36032

Kommentar & Ergänzung:

Dronabinol zur Linderung der Beschwerden bei Reizdarm – diese Option ist natürlich noch weit entfernt von der Anwendung bei Reizdarm-Patienten.

Dronabinol wird bisher eingesetzt beispielsweise zur Linderung der Spastik bei Multiple-Sklerose-Kranken.

Siehe:

Cannabis als Heilmittel zulassen

Ergänzende Informationen zu Dronabinol (Quelle: Pharmawiki):

Dronabinol, besser bekannt als Tetrahydrocannabinol (THC), ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Cannabinoide, der natürlicherweise im Hanf vorkommt. In der Schweiz ist eine medizinische Anwendung mit einer Ausnahmebewilligung des Bundesamts für Gesundheit möglich. Der Wirkstoff wird vorwiegend als Lösung verabreicht und kann unter anderem gegen Schmerzen, Spastik, Appetitlosigkeit und Übelkeit infolge schwerer Erkrankungen eingesetzt werden. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören psychotrope Effekte, Verdauungsbeschwerden und Herz-Kreislaufstörungen.“

Zur rechtlichen Situation:

„Dronabinol ist ein Betäubungsmittel. Das Bundesamt für Gesundheit kann für die beschränkte medizinische Anwendung eine Ausnahmebewilligung erteilen. Eine solche Bewilligung erfordert einen detaillierten Antrag an die Sektion Grundlagen des BAG.”

Herstellung von Dronabinol:

„Apotheken können Dronabinol-Zubereitungen als Magistralrezeptur selbst herstellen oder in Lohnherstellung herstellen lassen.“

Dabei wird unterschieden zwischen

Öligen Dronabinol-Tropfen 2.5%

und

Dronabinol-Kapseln 2.5 mg, 5 mg,

In der Praxis werden vor allem die Tropfen eingesetzt. Die Kosten für die Therapie sind vergleichsweise hoch. In den Vereinigten Staaten ist Dronabinol in Form von Kapseln im Handel (Marinol®).

Struktur und Eigenschaften von Dronabinol

„Bei Dronabinol handelt es sich um (-)-trans-Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC), ein natürlicher Inhaltsstoff der Hanfpflanze Cannabis sativa L. Dronabinol (C21H30O2, Mr = 314.5 g/mol) ist ein leicht gelbliches, harziges und klebriges Öl, das bei kalter Temperatur aushärtet. Aufgrund seiner hohen Lipophilie ist es in Wasser unlöslich. Zur Zubereitung der Lösungen werden in der Regel mittelkettige Triglyceride oder Sesamöl, für die Kapseln ein Hartfett oder Sesamöl verwendet. Sesamöl hat den Nachteil, dass es oxidationsempfindlich ist.“

Wirkungen von Dronabinol

Dronabinol hat antiemetische, appetitstimulierende, schmerzlindernde, entzündungshemmende, muskelentspannende, dämpfende und psychotrope Wirkungen.

Dronabinol wirkt zentral sympathomimetisch, was die unerwünschten Effekte auf den Herz-Kreislauf erklärt. Die Wirkungen werden mit der Bindung an Cannabinoid-Rezeptoren erklärt und setzen nach etwa 30-60 Minuten ein. Die psychotropen Effekte von Dronabinol halten 4-6 Stunden an, die Appetitstimulation bis zu 24 Stunden.

Indikationen von Dronabinol

„In den USA ist Dronabinol zur Behandlung der Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust bei AIDS-Patienten und als Mittel der 2. Wahl gegen Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit einer Chemotherapie zugelassen. In der Schweiz wird es vorwiegend gegen chronische / neuropathische Schmerzen und Spastik eingesetzt.“

Dosierung von Dronabinol

Entsprechend der Arzneimittel-Fachinformation. Die Dosis muss individuell eingestellt werden.

„Dronabinol wird in der Regel peroral eingenommen. Es kann – ähnlich wie Cannabis – auch inhalativ in Form alkoholischer Lösungen verabreicht werden. Die öligen Tropfen sind geruch- und geschmacklos und werden zu oder nach einer Mahlzeit auf einem Stück Zucker oder Brot, auf einem Butterkeks oder in Joghurt eingenommen. Dabei soll beachtet werden, dass sie nicht wasserlöslich sind und deshalb nicht mit Tee oder Wasser verdünnt werden können. Zur Appetitsteigerung erfolgt die Einnahme vor den Mahlzeiten.“

Welche Kontraindikationen gibt es für Dronabinol?

Dronabinol darf bei Überempfindlichkeit, während der Schwangerschaft und während der Stillzeit nicht angewendet werden. Vorsicht ist nötig bei psychiatrischen Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aufgrund der Verminderung des Reaktionsvermögens ist eine Teilnahme am Strassenverkehr und das Bedienen von Maschinen nicht angezeigt und laut Gesetz verboten. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen sind zu finden in der Arzneimittel-Fachinformation.

Interaktionen (= Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten)

Mit einer Reihe von Wirkstoffen wurden pharmakodynamische Interaktionen (Wechselwirkungen) beschrieben. Der zentral dämpfende Effekt kann bei gleichzeitiger Verabreichung von Alkohol, Beruhigungsmitteln, Antidepressiva, Schmerzmitteln und Schlafmitteln verstärkt werden. Anticholinergika können die Tachykardie (Herzrasen) verstärken.

Dronabinol besitzt einen hohen First-Pass-Metabolismus und eine schwache Bioverfügbarkeit von 10-20%. Der Wirkstoff wird in der Leber von CYP450 unter anderem zum aktiven Metaboliten 11-OH-Dronabinol biotransformiert. Nach einer Einzeldosis können Dronabinol und seine Umwandlungsprodukte noch 5 Wochen später im Urin und im Stuhl in geringen Konzentrationen nachgewiesen werden.

Unerwünschte Wirkungen von Dronabinol

Die Nebenwirkungen sind dosiabhängig, werden also hauptsächlich bei hohen Dosen beobachtet. Sie lassen sich unter anderem auf die sympathomimetischen und psychotropen Eigenschaften des Wirkstoffs THC zurückführen. Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen zählen Schwäche, Palpitationen, schneller Herzschlag, Gefässerweiterung, Flush, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Oft sind auch zentrale Störungen wie Amnesie, Nervosität, Verwirrung, Paranoia, Euphorie, Halluzinationen, Schläfrigkeit und abnormes Denken.

Das Abhängigkeitspotential wird für die aufgeführten Indikationen als gering bewertet. Dronabinol kann aber abhängig machen und bei hoher Dosis ein Abstinenzsyndrom verursachen, das sich unter anderem in Reizbarkeit, Schlafstörungen und Unruhe zeigt.

Literatur: Siehe Pharmawiki

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

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US-Studie: Hasch wirksam gegen Spastik bei Multipler Sklerose

Extrakte der Cannabispflanze können einer neuen US-Analyse zufolge Beschwerden bei Multipler Sklerose. Die Auswertung mehrerer Studien habe gezeigt, dass eine bestimmte Kombination der Extrakte spastische Muskelbewegungen vermindere und die Mobilität der Patienten verbessere, erklären Shaheen Lakhan und Marie Rowland von der Global Neuroscience Initiative Foundation in Los Angeles.
“Das therapeutische Potenzial von Cannabinoiden ist umfangreich. Ihm sollte beträchtliche Aufmerksamkeit gewidmet werden”, stellt Lakhan im US-Fachmagazin BMC Neurology fest.
Viele der bisherigen Therapien gegen MS-Symptome sind der Wissenschaftlerin zufolge unwirksam, schwer zu bekommen oder sie zeigen zu große Nebeneffekte. Auch die Hasch-Produkte hätten Nebeneffekte, allerdings seien sie auch bei den Placebo-Gruppen beobachtet worden. “Wenn man die Belastung und die Einschränkungen bedenkt, die die Spastiken für Menschen mit MS bedeuten, sollte man Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen”, raten die Wissenschaftler.

Quelle: www.aerztezeitung.de, 4. 12. 2009

Kommentar & Ergänzung:

Man kann es nicht oft genug sagen und diese Meldung ist eine weitere Bestätigung: Cannabis ist für viele (nicht alle) Patienten mit Multipler Sklerose eine wichtige Hilfe zur Linderung der Spastik. In diesem Sinne gehört Cannabis zu den Heilpflanzen und es sollte einen einfachen, entkriminalisierten Zugang zu dieser Arznei geben.
Dasselbe gilt auch für die Anwendung von Cannabis gegen Übelkeit und Appetitlosigkeit begleitend zu Chemotherapien bei Krebserkrankungen.

ch bin mir durchaus bewusst, dass Cannabis auch problematische Seiten hat.
Dass es trotz umfangreicher wissenschaftlicher Daten bei der Anwendung von Cannabis als Heilpflanze in den Bereichen Multiple Sklerose und als Begleittherapie in der Tumorbehandlung noch immer solche Schwierigkeiten gibt, liegt meines Erachtens nur an mangelndem politischen Willen. Der mangelnde politische Wille scheint mir damit zu tun zu haben, dass “Hasch” bzw. Cannabis als Droge der Hippie- oder 68er-Generation gilt. Wird aber aus solchen Gründen entgegen von wissenschaftlichen Daten und positiven Erfahrungen Betroffener eine Entkriminalisierung von Cannabis als Heilpflanze blockiert, stellt man meiner Ansicht nach die eigene Ideologie über das Wohlergehen von MS-Kranken und Krebspatienten.

Ich schreibe dies nicht als “Cannabis-Fan”, sondern als jemand, der persönlich mit Cannabis nichts anfangen kann.

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