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Sind Cranberry-Produkte wirksam gegen Blasenentzündung?

Die Großfrüchtige Moosbeere (englisch Cranberry genannt) steht im Ruf, das Risiko von Harnwegsinfekten reduzieren zu können. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) überprüfte, ob Cranberry-Produkte ihr Geld wert sind.

Hauptsächlich Frauen erkranken zumindest einmal im Leben an einer Harnwegsinfektion, doch auch auch Kinder, ältere Menschen und Personen mit Blasenkatheter sind gefährdet. Auslöser der Harnwegsnfektion sind meistens Bakterien, die beispielsweise aus dem Darm in die Harnwege gelangen können. Charakteristische Symptome einer Harnwegsinfektion sind Brennen oder Schmerzen beim Harnlassen, Blut im Urin und das Gefühl, dauernd aufs WC zu müssen. Um die Erreger einer Harnwegsinfektion und damit die Beschwerden loszuwerden, werden häufig Antibiotika verschrieben. Doch diese Medikamente können manchmal Nebenwirkungen auslösen und zu Resistenzen führen.

Als Alternative insbesondere zur Vorbeugung von Blasenentzündung werden seit einiger Zeit Produkte mit Cranberry angeboten. Sie kommen in verschiedener Form in den Handel – als Cranberrysaft, als Instand-Granulat zum Auflösen, als Tabletten oder Kapseln.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Wien und seine Partner vom Portal medizin-transparent sind der Frage nachgegangen, ob Cranberry-Produkte halten, was sie versprechen.

Die Experten überprüften, ob es gute wissenschaftliche Studien gibt, die eine Wirksamkeit der Cranberry-Präparate belegen. Nach einer aufwendigen Literaturrecherche kommen sie zum Schluss, dass es zurzeit leider unklar ist, ob Cranberrys ein wirksames Mittel zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten sind.

Zwar deuten die meisten ausgewerteten Studien in diese Richtung deuten, doch könnte es sich dabei nach Ansicht der Experten auch um einen Zufallsbefund handeln. Problematisch fanden sie offensichtlich auch, dass die untersuchten Studien sich teilweise nicht miteinander vergleichen lassen, dass viele der Studien zu klein um Aussagekräftig zu sein und dass Teilnehmerinnen oft vorzeitig aus der Studie ausgestiegen sind.

Diese und noch weitere Faktoren könnten nach Ansicht der Konsumentenschützer zu einer Verzerrung der Resultate führen.

 

Nebenwirkungen durch Cranberry eher unwahrscheinlich

 

Bezüglich möglicher unerwünschter Wirkungen scheint von den Cranberry-Produkten allerdings keine Gefahr auszugehen, wobei das Auftreten von Nebenwirkungen in den vorliegenden Cranberry-Studien jedoch nicht sonderlich gut dokumentiert wurde.

 

Quelle:

https://www.kleinezeitung.at/lebensart/gesundheit/5529222/Nachgefragt_Helfen-CranberryProdukte-gegen-Blasenentzuendung

 

Kommentar & Ergänzung:

Cranberry soll die Anhaftung von Bakterien an der Schleimhaut hemmen und dadurch Blasenentzündungen vorbeugen. Die Studienlage ist genau so, wie VKI und medizin-transparent es darstellen: unklar.

Die Cranberry-Forschug steht vor mehreren Problemen. Die im Handel erhältlichen Cranberry-Produkte sind sehr unterschiedlich in ihrer Wirkstoffkonzentration. Diese Heterogenität macht es schwierig, die greifbaren Studien in einer Metaanalyse zusammenzufassen und daraus Schlüsse zu ziehen. Zudem sind Cranberry-Produkte oft  herb im Geschmack und die Einnahme über längere Zeit fällt deshalb vielen Studienteilnehmerinnen nicht leicht. Es kommt zu Studienabbrüchen, die sich auf die Qualität der Studien negativ auswirken.

Cranberry-Produkte sollten einen Mindestgehalt von 36 mg oligomere Procyanidine / Tag enthalten.

Wenn Sie Naturheilmittel präzis kennenlernen und fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchten, können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

 

 

 

Blasenentzündung vorbeugen: Erhöhte Trinkmenge laut Studie wirksam

Wissenschaftler konnten mit einer Studie nachweisen, dass eine erhöhte Trinkmenge Harnwegsinfekte reduzieren kann.

Ständiger Harndrang, unangenehmes Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen im Unterbauch – vielen Frauen sind die klassischen Symptome einer Harnwegsinfektion nur zu gut bekannt. Ein erhöhter Wasserkonsum könnte das Risiko einer Blasenentzündung deutlich vermindern.

Wie Wissenschaftler im Fachblatt JAMA dargelegt haben, wiesen Frauen mit wiederkehrenden Harnwegsinfekten, die im Verlaufe einer Studie täglich und über zwölf Monate hinweg zusätzlich eineinhalb Liter Wasser tranken, ein um 50 Prozent tieferes Risiko für Blasenentzündungen auf

Die Studie wurde von der Organisation Danone Research finanziert. Der Getränke- und Lebensmittelkonzern Danone verkauft auch Wasser in Flaschen. Das heisst nicht, dass die Studie deshalb schlecht sein muss, aber sie ist auch nicht ganz unabhängig, wie das eigentlich wünschbar wäre.

Die Resultate der Studie zeigen nach Auskunft der Wissenschaftler, dass wiederkehrende Harnwegsinfekte durch eine erhöhte Trinkmenge verhindert werden könnten.

Grund dafür sei, dass durch den erhöhten Harndrang Bakterien beim Wasserlassen aus der Harnröhre gespült werden, bevor sie sich dort festsetzen und eine Infektion auslösen können.

Dass Team um Studienleiterin Deborah Grady von der University of California in San Francisco unterstreicht, dass etwa die Hälfte aller Frauen mindestens einmal in ihrem Leben Gefahr laufen, an einem Harnwegsinfekt zu erkranken. Ist man als Frau einmal von dieser Erkrankung betroffen gewesen, kehrt sie bei etwa einem Viertel der Betroffenen innerhalb der nächsten sechs Monate zurück. Etwa 75 Prozent der Betroffenen erkranken innerhalb des Folgejahres erneut an einer Blasenentzündung.

Quelle:

https://kurier.at/wellness/harnwegsinfektionen-vorbeugen-ist-mehr-wasser-die-loesung/400134146

Originalpublikation:

https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2705079

 

Kommentar & Ergänzung:

In der Originalstudie kann man sehen, dass Deborah Grady nicht die Studienleiterin war, sondern eine „Editor’s Note (einen“Editorial Comment“, einen Kommentar der Herausgeber des Magazins) zu der Studie geschrieben hat. Studienleiter war Thomas M. Hooton von der University of Miami.

Die Originalpublikation zeigt auch, dass von dem 7-köpfigen Forschungsteam 4 Wissenschaftler von Danone Nutricia Research kommen. Also die Mehrheit. Das scheint mir zu viel.

Die Studie wird in der Pharmazeutischen Zeitung genauer beschrieben:

 140 junge Frauen wurden in die randomisierte, offene Studie aufgenommen. Die Versuchspersonen litten unter häufigen Harnwegsinfekten; im Jahr vor Studieneinschluss waren es durchschnittlich 3,3 gewesen. Dennoch tranken die Teilnehmerinnen recht wenig, nämlich weniger als 1,5 l täglich. Ein Teil der Frauen behielt diese Trinkmenge über den zwölfmonatigen Studienzeitraum bei, die anderen tranken pro Tag 1,5 l Wasser zusätzlich.

In der Interventionsgruppe sank die Zahl der Blasenentzündungs-Episoden daraufhin im Schnitt auf 1,7 pro Jahr, während sie in der Vergleichsgruppe mit 3,2 pro Jahr nahezu konstant blieb. Der zeitliche Abstand zwischen zwei Harnwegsinfekten betrug bei Frauen, die mehr tranken, durchschnittlich 142,8 Tage, bei denjenigen mit unveränderten Trinkgewohnheiten im Schnitt 84,4 Tage. Durch die gesteigerte Trinkmenge konnte zudem der Antibiotika-Verbrauch reduziert werden: Frauen in der Interventionsgruppe brauchten zur Therapie von Harnwegsinfekten durchschnittlich 1,9 Antibiotika-Kuren pro Jahr, Teilnehmerinnen in der Vergleichsgruppe 3,6.

Die „Pharmazeutische Zeitung“ zitiert aus dem Fazit der Forscher:

»Mehr Wasser zu trinken, ist eine effektive, Antibiotika-sparende Strategie, um wiederkehrenden Harnwegsinfekten bei prämenopausalen Frauen vorzubeugen.«

Allerdings sei diese Aussage beschränkt auf Frauen, die gewohnheitsmäßig nur wenig trinken. 

Der Artikel in der PZ endet mit einem interessanten Hinweis:

„1,5 l am Tag sind allerdings schon mehr, als etwa die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Sie rät für Erwachsene zwischen 25 und 51 Jahren zu einer täglichen Wasserzufuhr von 1,41 l.“

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/viel-trinken-hilft/

Aus Sicht der Phytotherapie würde sich anschliessend an diese Studie noch die Frage stellen, ob spezielle Kräutertees anstelle von reinem Wasser den günstigen Effekt steigern könnten. Leider ist zur Klärung dieses offenen Punktes kaum Geld von Danone zu erwarten, so dass er wohl ungeklärt bleiben wird.

Gefragt wäre hier eine Arzneipflanze mit leicht entzündungswidrigem und leicht antimikrobiellem Effekt, einigermassen angenehmem Geschmack und guter Verträglichkeit bei Langzeiteinnahme. Buccoblätter? Goldrutenkraut aus Solidago virgaurea?

Ansonsten werden zur Rückfallprophylaxe bei Blasenentzündung oft Präparate auf der Basis von Cranberry / Preiselbeeren empfohlen. Hier haben wir allerdings mit der Schwierigkeit zu tun, dass die im Handel erhältlichen Präparate sehr unterschiedlich sind im Wirkstoffgehalt und die Studienlage insgesamt unbefriedigend. Eine Altenative ist D-Mannose. Siehe dazu:

D-Mannose schützt vor Harnwegsinfekt

Preiselbeere / Cranberry und D-Mannose sollen beide die Anheftung der Bakterien an den Schleimhäuten der Harnwege hemmen und dadurch ihre Ausschwemmung fördern.

Bei akuten Blasenentzündungen kommen phytotherapeutisch dann als unterstützende Behandlung Bärentraubenblätter als Bärentraubenblättertee oder in Form von Bärentraubenextrakt mit standardisiertem Gehalt an Arbutin in Frage, oder Präparate mit Senfölglykosiden aus Meerrettichwurzel und/oder Kapuzinerkressenkraut.

Insgesamt ist das Thema der Harnwegsinfektionen interessant für die Phytotherapie.

Wer sich fundiertes Wissen erwerben möchte über Heilpflanzen-Anwendungen kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar oder der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Inhaltsverzeichnis: Phytotherapie im Bereich Nieren, Blase, Prostata

Krankheiten und Beschwerden im Bereich Nieren / Blase / Prostata sind ein bedeutender Bereich der Phytotherapie. Hier finden Sie die wichtigsten Themen, die ich im Heilpflanzen-Seminar und in der Phytotherapie-Ausbildung im Bereich Nieren / Blase / Prostata vermittle.

Wir befassen uns hier vor allem mit Heilpflanzen-Anwendungen bei folgenden Beschwerden / Krankheiten:

Blasenentzündung

Die Blasenentzündung ist das wichtigste Thema der Phytotherapie im Bereich Urologie. In meinen Lehrgängen vermittle ich fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen zur Vorbeugung und Behandlung von Blasenentzündungen. Zum Einsatz kommen in diesem Bereich Heilpflanzen mit antibakterieller Wirkung in den Harnwegen sowie harntreibende Heilpflanzen zur Durchspülungstherapie. Wir werden uns aber auch anschauen, wo die Grenzen der Selbstbehandlung erreicht werden und eine ärztliche Untersuchung / Behandlung nötig ist.

Reizblase

Da die Reizblase nicht durch eine bakterielle Infektion ausgelöst wird, braucht sie eine komplett andere Behandlung als die Blasenentzündung. Allerdings sind die Ursachen einer Reizblase oft komplex und schwer fassbar. Deshalb kommen zur Linderung verschiedene Behandlungsstrategien zur Anwendung.

Erkrankungen der Prostata

Die Phytotherapie hat hier in erster Linie einige Heilpflanzen-Präparate anzubieten zur Linderung der Beschwerden bei der gutartigen Prostatavergrösserung bei älteren Männern. Wir schauen uns die verschiedenen pflanzlichen Möglichkeiten an und Sie lernen in den Lehrgängen, welche Präparate nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens am wirksamsten sind.

 

Und hier eine Aufstellung der wichtigsten Heilpflanzen, mit denen wir  uns beim Thema Phytotherapie für Nieren, Blase, Prostata befassen:

Juniperi fructus – Wacholderbeeren

Petroselini fructus – Petersilienfrüchte

Levistici radix – Liebstöckelwurzel

Solidaginis herba – Goldrutenkraut

Betulae folium – Birkenblatt

Ononidis radix – Hauhechelwurzel

Orthosiphonis folium – Orthosiphonblatt

Equiseti herba – 
Schachtelhalmkraut

Taraxaci radix cum herba –  Löwenzahnwurzel mit Löwenzahnkraut

Urticae folium – Brennnesselblatt

Uvae ursi folium – Bärentraubenblatt

Armoraciae rusticanae radix – Meerrettichwurzel

Cranberrysaft (= Vaccinium macrocarpon, amerikanische Preiselbeere) und Preiselbeersaft aus einheimischer Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea).

D-Mannose

Pollinis siccum extractum – Pollenextrakt

Sabalis serrulati fructus – Sägepalmenfrucht

Cucurbitae semen – Kürbissamen

Urticae radix – Brennnesselwurzel

Epilobii herba – Weidenröschenkraut

Bei diesen Heilpflanzen bekommen Sie das nötige Wissen über Wirkstoffe, Wirkung, Anwendungsbereiche (Indikationen), geeignete Zubereitungsformen, Dosierungen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, wichtige erhältliche Naturheilmittel.

Das Heilpflanzen-Seminar vermittelt einen kompakten Überblick über diese Themen. In der Phytotherapie-Ausbildung, die doppelt so lange geht, haben wir mehr Zeit für Vertiefung, Repetition und für die medizinischen Zusammenhänge.

Melden Sie sich jetzt für das Heilpflanzen-Seminar oder die Phytotherapie-Ausbildung an, wenn Sie fundiertes, verständliches Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchten.

 

 

Zur Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen / Blasenentzündung

Bei Harnwegsinfektionen – insbesondere bei Blasenentzündungen – fragen Betroffene häufig nach einem pflanzlichen Präparat. Nützliche Tipps für die Beratung in der Apotheke gab es im POP-Symposium „Pharmakotherapie von Harnwegsinfektionen” auf der INTERPHARM.

Apothekerin Dr. Kirsten Dahse aus Gröbenzell und Dr. med. Johanna Lerner aus München zeigten dabei auf, wann eine Selbstbehandlung nicht angebracht und eine ärztliche Konsultation nötig ist:

– Bei Risikofaktoren wie Schwangerschaft, Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz oder Immunsuppression.

– Außerdem bei Fieber, Schmerzen in der Nierengegend, Blut im Urin, zunehmenden Beschwerden sowie Symptomen, die länger als fünf Tage andauern.

Schmerzmittel sollten mit Vorsicht eingesetzt werden, weil damit eine beginnende Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung), die meist mit Fieber und Schmerzen einhergeht, verschleiert werden kann.

Die Referentinnen stellten für die Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen eine ganze Reihe von Präparaten vor, bei denen jedoch auch Nebenwirkungen und Kontraindikationen zu beachten sind:

☛ Bei Bärentraubenblättern und Bärentraubenextrakten resultiert die Anwendungsbeschränkung „nicht häufiger als fünfmal pro Jahr und jeweils nicht länger als ein Woche“ aus einem potenziellen kanzerogenen Risikos des Hydrochinons. Dieses sei aber wahrscheinlich sehr gering, zumal die Verbindung rasch konjugiert und abgebaut werde.

Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut enthalten Senfölglykoside und die Referentinnen wiesen darauf hin, dass sie bei Personen mit Nierenfunktionsstörungen und Magengeschwüren nicht empfohlen werden sollten. Kapuzinerkressekraut sei zudem wegen des Gehalts an Vitamin K für Patienten unter Phenprocoumon nicht geeignet.

Tausendgüldenkraut, Rosmarinblätter und Liebstöckelwurzel werden erwähnt als Mittel, die zur Durchspülungstherapie zugelassen sind. Zurückhaltung sei dabei jedoch geboten bei Patienten mit Herz- und Niereninsuffizienz wegen der hierfür notwendigen größeren Trinkmengen. Die Cumarine im Liebstöckelkraut können eine Photosensibilisierung bewirken.

☛ Nach Nieren- und Blasentees zur Durchspülungstherapie werde in der Apotheke häufig gefragt, um damit pathogene Keime aus den Harnwegen auszuschwemmen. Neben Bärentraubenblättern enthalten solche Teemischungen in verschiedenen Kombinationen insbesondere Birkenblätter, Echtes Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Hauhechelwurzel oder Ackerschachtelhalmkraut. Vor einer Empfehlung von Tees mit Birkenblättern sollte die Kundin oder der Kunde nach einer Birkenpollenallergie gefragt werden.

☛ Zubereitungen aus der Großfrüchtigen Moosbere, besser bekannt als Cranberry, werden seit einigen Jahren sowohl zur Vorbeugung als auch zur Therapie von wiederkehrenden Infektionen der Harnwege empfohlen. Allerdings konnte in einem Cochrane-Review (Metaanalyse) bezüglich der Vorbeugung keine statistisch signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo gezeigt werden.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/03/21/wann-selbstmedikation-wann-zum-arzt

Kommentar & Ergänzung:

Die beschriebenen Grenzen der Selbstbehandlung bei Blasenentzündungen kann man nur unterstreichen. Steigt eine Blasenentzündung in die Nieren auf, kann die Infektion sich rasch gefährlich entwickeln. In solchen Fällen braucht es ärztliche Behandlung und in der Regel ein Antibiotikum.

Zu den empfohlenen Heilpflanzen gibt es einiges zu ergänzen:.

1. Zu den Bärentraubenblättern: Teezubereitung als Kaltauszug ist magenverträglicher und geschmacklich akzeptabler (tieferer Gerbstoffgehalt). Auf ausreichende Dosierung achten: 10 g Bärentraubenblätter (= 4 – 5 Teebeutel pro Tag) als Bärentraubenblättertee. Pulverisierte Form (z. B. als Beuteltee) ist wirksamer als geschnittene Bärentraubenblätter (Wirkstoffe werden besser gelöst, wenn die Pflanzenteile kleiner sind).

2. Zu Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut: Die Referentinnen beziehen sich hier wohl auf Angocin® – das sind Filmtabletten mit Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressenkraut. Wer Meerrettich liebt, kann auch die frisch geraffelte Wurzel gemischt mit Joghurt, Quark, geraffeltem Apfel etc. essen und kommt so rasch auf höhere Senfölglykosid-Mengen, als es mit Angocin® der Fall ist. Als Tagesdosis werden 10 – 20 g geraffelte Merrrettichwurzel empfohlen, verteilt auf 4 – 5 Portionen über den Tag hinweg.

3. Der Empfehlung von Tausendgüldenkraut, Rosmarinblätter und Liebstöckelwurzel liegt wohl ein Präparat zugrunde, das nur in Deutschland auf dem Markt ist und genau diese drei Heilpflanzen enthält (CANEPHRON N Dragees). Dieses Präparat überzeugt mich nicht. Nur der Liebstöckelwurzel schreibt die Phytotherapie eine leicht harntreibende Wirkung zu. Tausengüldenkraut ist eine Bitterstoffpflanze, deren Nutzen im Harntrakt ungeklärt ist. Und in Rosmarinblättern ist zwar entzündungswidrige Rosmarinsäure enthalten. Ob davon aber in den Harnwegen eine wirksame Menge ankommt, ist sehr fraglich, zumal das Präparat nur je 18mg von den drei Heilpflanzen in Pulverform enthält. Das ist ausgesprochen (!) wenig, wenn man zum Beispiel vergleicht mit einem Teebeutel, der normalerweise etwa 2000 mg pulverisierte Heilpflanze enthält (als 2g). Zwar geht bei der Teezubereitung der Wirkstoff nicht vollständig ins Teewasser über, aber der Unterschied zu diesen 18 mg im Dragee ist doch riesig. Ein Tee wäre wohl überlegen.

4. Bei den häufig verwendeten Nieren- und Blasentees zur Durchspülungstherapie sind die Mischungen oft fragwürdig, zum Beispiel wenn Bärentraubenblätter mit harntreibenden Heilpflanzen wie Birkenblätter, Echtes Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Hauhechelwurzel oder Ackerschachtelhalmkraut kombiniert sind. Bei einer akuten Blasenentzündung sind die Bärentraubenblätter in solchen Mischungen oft zu tief dosiert. Es braucht dann Bärentraubenblättertee pur in einer Menge von 4 – 5 Tassen täglich, um auf eine wirksame Dosis zu kommen. Dagegen ist in einem Durchspülungstees zur Rückfallprophylaxe die Bärentraube unpassend, weil es dann um eine längerfristige Anwendung geht und wahrscheinlich auch über lange Zeiträume gar keine Bakterien verhanden sind, die bekämpft werden müssten.

5. Bei Cranberry ist die Datenlage tatsächlich nicht so positiv, wie sie oft dargestellt wird. Die erwähnte Cochrane-Metaanalyse ist sogar klar negativ. Allerdings muss man dazu folgendes wissen: Cranberry- wie auch Preiselbeer-Präparate gibt es in sehr unterschiedlichen Zubereitungen mit grossen Unterschieden in der Wirkstoffkonzentration. Diese sehr heterogene Ausgangslage macht es schwierig, eine Metaanalyse zu erstellen, die dann auch für alle geprüften Präparate gültige Aussagen machten kann. Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ (Nr. 4 / 2015) schreibt dazu:

„Selbst im neuen Cochrane-Review wurde nur für 3 der 24 eingeschlossenen Studien ein für sinnvoll erachteter PAC-Gehalt > 36 mg/d oder die Angabe des Typ-APAC-Gehalts erfüllt.“

Die Autoren weisen darauf hin, dass man das nicht den Cochrane-Autoren anlasten könne, sondern der oft ungenügenden Publikationskultur phytotherapeutischer Studien.

Wer als Konsumentin oder Konsument Cranberry- oder Preiselbeerpräparate anwenden möchte, sollte auf eine Mindestzufuhr von 36 mg Proanthocyanidinen (PAC) pro Tag achten.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Bärentraube gegen Blasenentzündung

In verschiedenen Medien wurde vor kurzem eine Pressemitteilung des Phytopharmaka-Herstellers Schaper & Brümmer veröffentlicht mit dem Titel: „Geheimwaffe aus der Natur: Bärentraube gegen Blasenentzündung“.

Über die martialische Sprache will ich mal hinwegsehen – und so geheim ist Bärentraube auch nicht, wenn sie schon – gemäss Pressemitteilung – seit dem Mittelalter gegen Blasenbeschwerden eingesetzt wird.

Jedenfalls sind Bärentraubenblätter zentral in phytotherapeutischen Behandlungskonzepten bei Blasenentzündung.

Schauen wir uns die wichtigsten Aussagen der Pressemitteilung daher genauer an (Zitate aus dem Pressetext und dazwischen Kommentare von mir):

„Die Arzneipflanze Bärentraube (Arctostaphylos Uvae-ursi) wird bereits seit dem Mittelalter erfolgreich bei Blasenbeschwerden angewendet. Heute wird ein Trockenextrakt aus den Blättern des immergrünen Zwergstrauchs in Arzneimitteln (wie in Cystinol akut® Dragées) zur Behandlung von akuten Blasenentzündungen eingesetzt.“

Kommentar:

Der erste Satz scheint mir schon ziemlich gewagt. Es fehlen schlichtweg konkrete Angaben, aus denen sich auf eine erfolgreiche Anwendung von Bärentrauben gegen Blasenbeschwerden im Mittelalter schliessen liesse. Wird seit dem Mittelalter erfolgreich angewendet, das tönt aber immer gut. Wenn ein Heilmittel über längere Zeit angewendet wird, heisst das noch nicht, dass es auch wirksam ist.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

Beim zweiten Satz: Keine Einwände.

 

„Als wichtigster Inhaltsstoff gegen Harnwegsinfekte wurde in den 1950er Jahren das Arbutin identifiziert. Es liegt zunächst noch inaktiv vor und wird erst nach der Einnahme im menschlichen Organismus in seine aktive Wirkform verstoffwechselt. Das gebildete Hydrochinon wirkt antibakteriell und desinfizierend auf die Harnwege. Das Besondere dabei: Die letzte Stufe der Umwandlung in die wirksame Form (freies Hydrochinon) erfolgt erst innerhalb der Blase in den infektauslösenden Erregern (Bakterien), die sich dadurch regelrecht selbst vernichten. Dabei ist der pH-Wert des Urins für die Wirkung unbedeutend, da das Hydrochinon erst innerhalb der Bakterien freigesetzt wird – eine Ernährungsumstellung ist somit nicht erforderlich.“

Kommentar:

Am interessantesten ist hier der Hinweis, dass der pH-Wert des Urins für die Wirkung der Bärentraubenblätter unbedeutend ist. Über einige Jahrzehnte war nämlich in der Phytotherapie-Fachwelt die Ansicht gesetzt, dass Bärentraube nur im alkalischen Harn wirksam sei (pH 8+). Durch neuere Untersuchungen wird diese Ansicht stark angezweifelt. Es spricht jedenfalls einiges für die oben im Zitat formulierte Ansicht, dass der pH-Wert unbedeutend ist.

 

„Zusätzlich tragen die enthaltenen Gerbstoffe zur Wirksamkeit der Bärentraubenblätter bei. Sie verhindern, dass die Bakterien an der Blasenschleimhaut anhaften können. Beschwerden wie Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen sowie häufiger Harndrang bessern sich zügig und die gereizte Blasenschleimhaut kann sich erholen.“

Kommentar:

Sehr unplausibel. Gerbstoffe werden kaum aus dem Verdauungstrakt resorbiert. Und bei den 10 – 15 % Gerbstoffen, die im Bärentraubenblatt 

enthalten sind, handelt es sich vorwiegend um Gallotannine, die in Säuren hydrolisiert und damit wohl schon im Magen gespalten werden. Gallotannine verbinden sich mit Proteinen (Eiweissen), und selbst wenn ein kleiner Teil der Gallotannine in den Körper aufgenommen werden sollte, beginnen sie damit nicht erst in der Blase. Der Weg der Gallotannine zur Blase ist quasi mit Eiweissen „gepflastert“. Die Gallotannine würden sich auf jedes Eiweissmoleküle „stürzen“, das ihnen über den Weg läuft. Unplausibel.

Die beschriebene Hemmung der Anhaftung von Bakterien an die Blasenschleimhaut erinnert an Cranberry. Dort wird ein solcher Wirkungsmechanismus aber mit oligomeren Proanthocyanidinen erklärt. Sie werden je nach Substanz unterschiedlich stark resorbiert, haben aber keine Gerbwirkung und sollten daher sinnvollerweise auch nicht als Gerbstoffe bezeichnet werden.

Keines der aktuellen und relevanten Phytotherapie-Fachbücher nennt als Inhaltsstoff von Bärentraubenblättern oligomere Procyanidine. Also immer noch unplausibel, dieser Abschnitt.

 

„Verglichen mit Tee aus Bärentraubenblättern, bei dem die Wirkstoffmenge starken Schwankungen unterliegt, ist in einem Arzneimittel (wie Cystinol akut®) in jeder Tablette exakt die gleiche Wirkstoffmenge, d. h. ein standardisierter Bärentraubenblätterextrakt, enthalten.“

Kommentar und Ergänzung:

Ja, es ist ein Vorteil standardisierter Pflanzenextrakte, dass die Wirkstoffmenge konstant und damit verlässlich ist. Das betrifft aber nur die Substanz, auf welche der Extrakt eingestellt wurde – hier Arbutin.

Allerdings relativiert sich dieser Vorteil, wenn man sich die Dosierungen genau anschaut.

Cystinol akut® enthält pro Dragée 70 mg Arbutin, das ergibt bei 6 Dragées pro Tag eine Tagesdosis von 420 mg Arbutin. Die Phytotherapie-Fachliteratur empfiehlt eine Tagesdosis von 400 – 840 mg Arbutin. Somit liegt Cystinol akut® am unteren Rand.

400 – 840 mg Arbutin ist etwa enthalten in 6 – 12 g getrocknete Bärentraubenblätter und das entspricht 4 Tassen Bärentraubenblättertee pro Tag.

Rein rechnerisch gesehen dürfte es also gut möglich sein, mit Bärentraubentee mehr Arbutin zuzuführen als mit Cystinol akut®. Ein grosser Vorteil der Cystinol-Dragees ist allerdings, dass sie viel angenehmer einzunehmen sind. Bärentraubenblättertee ist geschmacklich doch eher eine Zumutung.

Generell lässt sich festhalten: Pflanzenextrakte sind bezüglich Wirkstoffmenge den Kräutertees manchmal überlegen, manchmal aber auch nicht.

Man muss im Einzelfall entscheiden, welche Anwendungsform bei einer bestimmten Arzneipflanze am sinnvollsten ist.

 

Zum Bärentraubenblatt bei Blasenentzündung noch kurz:

– Die Dosierung muss hoch genug sein (siehe oben).

– Die Anwendung ist auf 7 Tage zu beschränken.

– Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit, weil noch keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vorliegen.

– Treten im Laufe der Behandlung Symptome wie Fieber, Harnverhalten, Krämpfe oder Blut im Urin auf, muss ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, ebenso, wenn die Symptome länger als 4 Tage andauern.

– Kaltauszug vorziehen (bessere Verträglichkeit im Magen, geschmacklich bessr).

 

Neben Bärentraubenblatt/ Arbutin ist bei akuter Blasenentzündung auch noch an Senfölglykoside (Glukosinolate) zu denken, die vor allem via Meerrettichwurzel oder Kapuzinerkressenkraut zur Anwendung kommen.

Siehe dazu:

Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und Blasenentzündung

Kapuzinerkresse: Breitbandantibiotikum aus der Natur 

Meerrettich: Breitbandantibiotikum aus der Natur

Phytotherapie bei Harnwegsinfekten

Vorbeugend:

D-Mannose schützt vor Harnwegsinfekt

Quelle der Zitate:

http://www.apotheke-adhoc.de/branchennews/alle-branchennews/branchennews-detail/baerentraube-gegen-blasenentzuendung/

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Rangliste der gesündesten Gemüse- und Obstarten: Spitzenplatz für die Brunnenkresse

Eine Forscherin der William Paterson University in New Jersey hat eine Rangliste der gesündesten Gemüse- und Obstsorten erstellt. Eine Zusammenfassung der Studie wurde in der Onlineversion des Fachmagazins Preventing Chronic Disease veröffentlicht. Jennifer Di Noia analysierte 47 Gemüse- und Obstsorten auf 17 Nährstoffe wie zum Beispiel Calcium, Eisen, Zink und Vitamine.

Die Wissenschaftlerin beurteilte die untersuchten Pflanzen danach, wie hoch der Anteil der wichtigen Inhaltsstoffe in dem jeweiligen Gemüse oder Obst (pro 100 Gramm) ist und inwiefern damit der tägliche Bedarf an den jeweiligen Stoffen gedeckt wird. Zehn Prozent oder mehr des täglichen Bedarfs musste ein Gemüse oder Obst aufweisen, um in das Ranking aufgenommen zu werden. Dadurch Von fielen von 47 untersuchten Pflanzenarten sechs durch das Raster: nämlich Himbeere, Mandarine, Cranberry, Knoblauch, Zwiebel und Blaubeere.

Als Spitzenreiter auf Platz eins ihrer Liste sieht die Wissenschaftlerin die Brunnenkresse (Nasturtium officinale). Sie deckt nach Di Noias Berechnung 100 Prozent des Tagesbedarfs der im Ranking ausgewerteten wichtigen Nährstoffe ab.

Die weitere Rangliste der ersten 10 Gemüse – Obst schaffte es keines auf einen Spitzenplatz – mit Prozentangaben zum jeweils gedeckten Tagesbedarf:

2. Chinakohl (fast 92 Prozent)

3. Mangold (90 Prozent)

4. Rote Beete (= Randen, 87 Prozent)

5. Spinat (fast 87 Prozent)

6. Chicoree (73 Prozent)

7. Kopfsalat (fast 71 Prozent)

8. Petersilie (fast 66 Prozent)

9. Romana-Salat (63 Prozent)

10. Markstammkohl (62 Prozent)

 

Quelle:

http://www.fr-online.de/ernaehrung/studie-diese-zehn-gemuesesorten-sind-am-gesuendesten,9563634,27862246.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Na dann, Gratulation an die Brunnenkresse. Das hat sie fraglos verdient. Die Brunnenkresse war früher wichtig als Vitamin-C-Lieferant, weil sie schon im Winter geerntet werden kann.

Die Rangliste als Ganzes ist allerdings nicht sehr aussagekräftig.

Die Forscherin Di Noia räumt selber ein, dass das Ranking nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Sekundäre Pflanzenstoffe, die ebenfalls einen günstigen Effekt auf die Gesundheit haben können, wurden wegen der mangelnden Datenlage nicht berücksichtigt. Das ist zwar nachvollziehbar, weil es bei sekundären Pflanzenstoffen keinen festgelegten Tagesbedarf gibt, den man für solche Berechnungen heranziehen könnte. Dieser Ausschluss verzerrt die Rangliste aber schon arg. Wären sekundäre Inhaltsstoffe (z. Bsp. Flavonoide, Anthocyane, Glukosinolate) mitberücksichtigt worden, hätten es auch Obstsorten in die Spitzenränge geschafft.

Sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide oder Glukosinolate (Senfölglykoside) sind auch wichtige Wirkstoffe in der Phytotherapie.

Die Brunnenkresse zum Beispiel enthält wie auch Kapuzinerkresse, Rettich und Meerrettich Glukosinolate mit antimikrobieller Wirkung. Auch für die gesunden Wirkungen von Kohlarten (z. B. Blumenkohl, Brokkoli) dürften Senfölglykoside eine Rolle spielen.

Sie dazu:

Glukosinolate aus Brokkoli & Co. im Fokus der Forschung

Senfölglykoside gegen Infektionen

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? / Welche Wirkung haben sie? 

Kräuter und ihre Wirkungen: Kapuzinerkresse 

Phytotherapie: Kapuzinerkresse zur Arzneipflanze des Jahres 2013 gewählt

Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse hemmen Grippeviren vom Typ H1N1  

Brokkoli-Wirkstoffe unterstützen Krebstherapie

Kapuzinerkresse: Breitbandantibiotikum aus der Natur

 

Bei der gesundheitlichen Wirkung der sekundären Pflanzenstoffe geht es eher darum, dass wir eine breite Palette davon einnehmen (sofern sie nicht toxisch sind).

Deshalb ist auch bei Gemüse und Obst Abwechslung ein gutes Motto. Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln wollen uns nicht selten einreden, dass wir einen ganz bestimmten sekundären Pflanzenstoff in hohen Mengen brauchen – nämlich den, der unzufälligerweise gerade in ihren Produkten enthalten ist. In solchen Fällen scheint mir eher Skepsis angebracht.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

Echinacea – was sagt die wissenschaftliche Forschung?

Echinacea-Präparate gehören zu den beliebtesten Naturheilmitteln zur Vorbeugung und Behandlung von Erkältungskrankheiten.

Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ veröffentlichte vor kurzem eine informative Bestandesaufnahme der aktuellen wissenschaftlichen Literatur zu Echinacea (eFirst, 16. Mai 2014). Die Autorin Karin Ardjomand-Woelkart arbeitet am Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Graz (Prof. Dr. Rudolf Bauer), einem „Kompetenzzentrum“ in Sachen Echinacea.

Nachfolgend ein paar Zitate aus der Zusammenfassung mit anschliessendem Kommentar:

– Zum Wirkungsmechanismus von Echinacea:

„Trotz zahlreicher neuer Untersuchungen kann die therapeutische Wirkung von Echinacea nicht eindeutig einer bestimmten Komponente zugeschrieben werden. Allerdings deuten die jüngsten Daten darauf hin, dass die Alkamide eine sehr wichtige Rolle spielen. Sie besitzen zahlreiche immunmodulatorische und entzündungshemmende Eigenschaften und binden an CB2-Rezeptoren. Dies könnte ein Wirkungsmechanismus im Sinne eines Infektions-Mimiking bedeuten. Die Tatsache, dass für Echinacea-Alkamide auch die Bioverfügbarkeit nachgewiesen wurde und pharmakologisch relevante Blutspiegel erreicht werden, macht sie noch mehr zu klinisch hoch relevanten Inhaltsstoffen und eine entsprechende Standardisierung von Präparaten ist gerechtfertigt.“

Kommentar:

Der Weg bis zur Identifizierung der relevanten Wirkstoffe ist bei Phytopharmaka häufig lang. Viele Heilpflanzen enthalten eine ganze Reihe von Inhaltstoffen, die für eine bestimmte Wirkung in Frage kommen. Und die Einschätzung, welche Substanzen für die Wirksamkeit relevant sind, ändert sich im Verlaufe der Forschungsaktivitäten nicht selten grundlegend. Bei Echinacea konzentriert sich das Interesse seit längerem bereits auf die Alkamide.

Diese Forschungsaktivitäten sind wichtig, unter anderem, weil es ganz unterschiedlich zusammengesetzte Echinacea-Präparate gibt. Kennt man die entscheidenden Wirkstoffe, können die Produkte entsprechend optimiert werden.

 

– Zur klinischen Studienlage (Patientenstudien)

„Die klinische Studienlage ist bei Echinacea-Präparaten immer noch nicht zufriedenstellend. Es deuten zwar viele Studien auf eine Wirksamkeit hin, insbesondere bei Zubereitungen aus den oberirdischen Teilen von E. purpurea, aber wegen der unterschiedlichen Zusammensetzung der verwendeten Zubereitungen sind die Ergebnisse der Studien widersprüchlich. In Zukunft sollten klinische Studien mit klar definierten Produkten gemacht werden.“

Kommentar:

Die Unterschiedlichkeit der untersuchten Präparate ist für die Echinacea-Forschung ein grosses Problem. Jedes positive oder negative Studienresultat gilt genau genommen nur für das untersuchte Präparat und nicht generell für „Echinacea“. Man kann also aufgrund einer einzelnen Studie nicht sagen „Echinacea ist wirksam“ oder „Echinacea wirkt nicht“, wie das in den Medien manchmal dargestellt wird.

Man kann nur sagen: Die Echinacea-Zubereitung XY ist unter diesen Studienbedingungen wirksam (oder unwirksam).

Entscheidend in der klinischen Forschung sind Metaanalysen (siehe dazu Wikipedia), bei denen mehrere Studien zusammenfassend bewertet werden.

Bei Metaanalysen sollten aber möglichst vergleichbare Produkte verglichen werden. Die grossen Unterschiede zwischen den in Studien untersuchten Echinacea-Präparaten ist auch für Metaanalysen ein Problem.

Diese Hürden gibt es in der Phytopharmaka-Forschung auch bei anderen Heilpflanzen, nicht nur bei Echinacea. Ein weiteres Beispiel ist die Preiselbeer-Forschung. Auch die im Handel befindlichen Preiselbeer- / Cranberry-Produkte unterscheiden sich sehr stark in ihrer Herstellungsweise und Zusammensetzung.

Da hat es die Forschung mit synthetischen Wirkstoffen wie beispielsweise Mefenacid viel einfacher, weil es sich dabei um eine chemisch eindeutig festgelegte Substanz handelt. Alle Patientenstudien zu Mefenacid sind daher für Metastudien vergleichsweise sehr einfach zusammenfassend bewertbar.

 

– Zu Potenzial bezüglich Interaktionen (Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten) und Nebenwirkungen von Echinacea-Präparaten:

„Das Nebenwirkungs- und Interaktionspotenzial von Echinacea-Präparaten ist nicht besorgniserregend. Kontraindikationen bei Autoimmunerkrankungen sind substanziell nicht gerechtfertigt. Die Vorsichtsmaßnahme, „Echinacea“ nicht bei atopischen Patienten zu verwenden, ergibt sich aus der allgemein bekannten Allergenität gegen Pollen-Proteine von Korbblütlern. Ein besonderes Risiko für Kinder über einem Jahr ist nicht dokumentiert.“

Kommentar:

In der Phytotherapie-Fachliteratur wird bei Echinacea als Kontraindikation in der Regel „Autoimmunkrankheiten“ aufgeführt – aus Sicherheitsüberlegungen, und meines Wissens ohne dass jemals in dieser Hinsicht Schäden bekannt geworden wären. Ein Immunsystem, das schon aus dem Gleichgewicht ist, soll nicht noch weiter stimuliert werden, so vereinfacht gesagt die dahinterstehende Überlegung.

Obwohl für Kinder über einem Jahr kein Risiko durch Echinacea bekannt ist, stellt sich die Frage, ob die Anwendung bei kleinen Kindern Sinn macht. Die normalen Infekte im frühen Kindesalter dienen dem Training des Immunsystems. Unter normalen Umständen würde ich nicht mit einem Immunstimulans in dieses Training eingreifen.

Quelle der Zitate:

Zeitschrift für Phytotherapie, DOI: 10.1055/s-0034-1381286

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Smoothies & Co. – Kräuterzusätze als Marketingmasche in Wellness-Drinks

Kräuterzusätze tauchen zunehmend in Modegetränken auf. Die Hersteller und ihre Marketingagenturen bauen dabei auf das gesunde Image der Kräuter.

Cranberry, Aloe vera, Holunder, Melisse, Ginseng, Grüntee, Rotes Weinlaub, Ingwer & Co. versprechen einen gesundheitlichen Zusatznutzen. Wie real sind diese Versprechungen?

Grundsätzlich ist es so, dass eine Wirksamkeit solcher Kräuterzusätze in Lebensmitteln nicht nachgewiesen werden muss – das wäre nur bei Arzneimitteln der Fall.

Und es ist sehr, sehr fraglich, ob diese Heilpflanzen in solchen Produkten in einer Konzentration vorliegen, die auch wirksam sein könnte.

Wenn zum Beispiel Rotes Weinlaub als Extraktpräparat gegen venöse Ödeme wirksam ist, und dies auch mit Studien gezeigt werden konnte, dann folgt daraus nicht, dass ein bisschen Rotes Weinlaub in einem Smoothie genauso wirksam ist. Aber der Smoothie-Hersteller profitiert vom Ruf, den Rotes Weinlaub als Phytopharmaka inzwischen aufgebaut hat.

Die Beschriftung „Rotes Weinlaub“ allein wirkt allerdings noch nicht, es braucht eine relevante Menge an Wirkstoffen.

In der „Welt“ rät die Oecotrophologin Andrea Pütz:

“Wer etwas für seine Gesundheit tun möchte, beruhigt sein Gewissen besser nicht mit Wellness-Drinks.“

Sie empfiehlt, Zutaten wie Melisse oder Ingwer frisch zu kaufen und selber Getränke mit purem Mineralwasser zu mixen oder einen Tee damit aufzubrühen.

Solche selbst zubereiteten Getränke sparen außerdem Geld, erklärt Pütz.

Eine gesunde Abwechslung bringe mit ein bis zwei Gläsern pro Tag auch die traditionelle Saftschorle.

Die Anteile der beworbenen Pflanzenstoffe seien häufig nur minimal in fertigen Getränken enthalten, manchmal sogar nur als Aroma.

So bringen sie nach Angaben der Ökotrophologin keinerlei Zusatznutzen.

Konsumentinnen und Konsumenten sollten also genau abwägen, ob sie den Werbeaussagen von sogenanntem Functional Food trauen können. Diese versprechen beispielsweise etwa vitalisierende oder beruhigende Wirkung. Da dieser gesundheitliche Zusatznutzen meist ausbleibt, sei dies als irreführend zu bewerten, sagt Pütz.

Quelle:

http://www.welt.de/gesundheit/article123278625/Wirkung-von-Pflanzen-in-Wellness-Drinks-unbewiesen.html

Kommentar & Ergänzung:

In Functional Food sind Kräuterzusätze in der Regel irrelevante Attribute, die den Konsumentinnen und Konsumenten einen höheren Wert des Produktes vorgaukeln und zur Profilierung gegenüber der Konkurrenz dienen. Wirksamkeit ist von diesen Kräuterzusätzen nicht zu erwarten.

Immer wenn es um Kräuter geht, lohnt es sich daher genau hinzuschauen. Wie lässt sich beurteilen, ob Heilkräuter in einer wirksamen Zubereitungsform vorliegen oder in einer unwirksamen?

Welche Kriterien muss eine Heilkräuter-Zubereitung erfüllen, damit sie wirksam ist?

Das ist unter anderem Thema in meinen Lehrgängen (Phytotherapie-Ausbildung, Heilpflanzen-Seminar). Schauen Sie sich das Programm einmal genauer an, wenn Sie sich fundiertes Kräuterkunde-Wissen erwerben möchten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Studie: Cranberry-Saft effektiver als Cranberry-Kapseln

Über die Metaanalyse zur Wirksamkeit von Cranberry-Präparaten bei Harnwegsinfekten in der Fachzeitschrift »Archives of Internal Medicine« (2012) habe ich schon berichtet:

Metastudie mit Cranberry: (Lückenhafte) Evidenz zur Vorbeugung von Harnwegsinfektionen

Die „Pharmazeutische Zeitung“ berichtet darüber hinaus noch über eine interessante Subgruppenanalyse aus der gleichen Studie:

„Die Subgruppenanalyse ergab einen weiteren Hinweis: Cranberry-Saft scheint effektiver zu sein als Kapseln oder Tabletten. Auch dürfte die regelmäßige Einnahme für die Schutzwirkung wichtig sein. So war das relative Risiko in der Subgruppe der regelmäßigen Cranberrysaft-Trinker auf 0,47 reduziert. Ein ähnlich niedriges relatives Risiko war in der Subgruppe feststellbar, die täglich mehr als zwei Cranberry-Kapseln einnahm – dies ist ein Hinweis darauf, dass Cranberry-Extrakte ausreichend hoch dosiert werden müssen. Zur Frage der optimalen Darreichungsform und Dosierung besteht noch Forschungsbedarf, betonen die Autoren.“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=42775&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Schwierig für die Beurteilung der Cranberry-Produkte ist unter anderem, dass sowohl Cranberry-Säfte als auch Cranberry-Extrakt in Form von Kapseln, Tabletten, Granulat etc. die Wirkstoffe in unterschiedlichen Konzentrationen enthalten.

Gerade bei den Säften ist der Cranberry-Gehalt sehr unterschiedlich hoch.

Und dummerweise sind die am höchsten konzentrierten Cranberry-Säfte auch diejenigen, die geschmacklich nicht gerade freundlich daher kommen.

Ein Problem von Langzeitstudien mit Cranberry ist daher auch die hohe Aussteigerrate aufgrund des herben Geschmacks.

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Metastudie mit Cranberry: (Lückenhafte) Evidenz zur Vorbeugung von Harnwegsinfektionen

Die Einnahme der in Nordamerika angebauten Cranberries soll vor Harnwegsinfektionen schützen. Eine neue Meta-Analyse in den Archives of Internal Medicine (2012; 172: 988-996) findet tatsächlich Hinweise für eine vorbeugende Wirkung. Die Datenlage ist nach Ansicht der Wissenschaftler aber nach wie vor lückenhaft.

Die Kranbeere (Cranberry) zählt zur Gattung Vaccinium (Heidelbeeren) in der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Die Cranberry-Frucht unterscheidet sich jedoch in Aussehen und Geschmack deutlich von den bei uns verbreiteten, nah verwandten Preiselbeeren. Der Cranberry-Saft ist geschmacklich herb und sehr sauer. Cranberry werden in der Küche niedrig dosiert angewendet. Mehr als 95 Prozent der Cranberry-Jahresproduktion werden versaftet und im Handel in der Regel mit gesundheitsfördernden Argumenten propagiert.

An erster Stelle bei den empfohlenen Indikationen steht die Vorbeugung von Harnwegsinfektionen (vor allem Blasenentzündung) Die Wirkung wurde anfangs mit der Ansäuerung des Harns begründet, was den Bakterien im Harntrakt gar nicht gut bekommt. In den 80er Jahren überwog die Vorstellung, dass Inhaltsstoffe des Saftes (oder was von ihm im Urin übrig bleibt) die Anhaftung von Bakterien an der Blasenschleimhaut reduziert. Im Jahr 1989 wurde schliesslich mit den Typ A Proanthocyanidinen ein potenzieller Wirkstoff in den Cranberries entdeckt.

Die Belege für eine Wirksamkeit der Cranberry-Präparate hinkten allerdings lange den Erklärungsmodellen hinterher. Zuletzt bestätigte eine Cochrane-Meta-Analyse eine gewisse Evidenz. Hauptsächlich Frauen mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen könnten von dem Saft profitieren, hieß es in der Publikation. Den Autoren war allerdings nicht entgangen, dass sich zahlreiche Personen nicht an den Geschmack gewöhnen und die Saftbehandlung frühzeitig beenden. Nicht zufällig werden darum inzwischen Cranberry-Kapseln angeboten.

Definitive klinische Studien sind von den Produzenten der Getränke nicht zu erwarten, da sie nicht unter das Arzneimittelgesetz fallen. Als Nahrungsergänzungsmittel müssen Cranberry-Präparate ihre Wirksamkeit nicht  belegen.

Die Ersteller von Metaanalysen stehen daher vor der Aufgabe, Daten aus nicht immer hochwertigen Studien zusammenfassen zu müssen. Eine Folge ist eine hohe Heterogenität, sprich Unterschiedlichkeit in den Resultaten, die auch Chih-Hung Wang vom National Taiwan University Hospital die Beurteilung der Wirksamkeit erschwert.

Wang hat die Resultate aus 10 Studien mit 1.494 Teilnehmern ausgewertet und kommt wie die Cochrane-Analyse zu dem Ergebnis, dass Frauen mit rezidivierenden Harnwegsinfektionen durch das Trinken von Cranberry-Saft oder die Einnahme der Cranberry-Kapseln weiteren Harnwegsinfektionen vorbeugen können. Mit einem relativen Risiko (RR) von 0,53 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,33-0,83) ist das Risiko nahezu halbiert. Aber auch bei Frauen allgemein (RR 0,49), Kindern (RR 0,33), regelmäßigen Cranberrysafttrinker (RR 0,47) zeigte sich eine Schutzwirkung. Auch bei Einnahme von mehr als 2 Kapseln am Tag (RR 0,58) war das Risiko reduziert.

Für alle Gruppen zusammen reduzierten die Cranberries das Risiko indes nur um ein Drittel (relatives Risiko 0,62), und bei der Herausnahme bestimmter Studien bleiben die günstigen Wirkungen ganz aus.

Quellen:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/50839/Kranbeeren-Lueckenhafte-Evidenz-zur-Praevention-von-Harnwegsinfektionen

http://archinte.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1213845

Kommentar & Ergänzung:

Schön, dass die Metastudie zumindestens eine teilweise Evidenz für die Anwendung von Cranberry zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten gefunden hat. Die Arbeit aus Taiwan zeigt aber auch die Probleme bei der Erforschung der Cranberry-Wirkung.

Eine Schwierigkeit in der Cranberry-Forschung sind zudem die grossen Unterschiede zwischen den einzelnen Cranberry-Präparaten bezüglich Herstellungsweise und damit auch bezüglich Wirkstoffgehalt.

Sowohl positive als auch negative Studienergebnisse gelten dadurch streng genommen nur für das jeweilige untersuchte Präparat und können nicht einfach so ohne weiteres auf andere Präparate übertragen werden.

Das ist aber auch ein wichtiger Punkt im Umgang mit anderen Heilpflanzen-Präparaten:

Beispiel Baldrian:

Baldriantee, Baldriantinktur und Baldrianextrakt sind nicht einfach in ihrer Wirkung identisch.

Bei den Baldriantinkturen gibt es verschiedene Herstellungsarten, zum Beispiel Frischpflanzentinkturen oder Tinkturen aus getrockneten Baldrianwurzeln. Und selbst bei den Frischpflanzentinkturen aus Baldrian gibt es unterschiedliche Herstellungsverfahren.

Das selbe gilt auch für die Baldrianextrakte: Hier kommen zum Beispiel unterschiedliche Lösungsmittel in unterschiedlicher Konzentration zum Einsatz.

All diese Präparationen aus Baldrian unterscheiden sich bezüglich ihrer Wirksamkeit!!

Ein fundierter Umgang mit einer Heilpflanze wie Baldrian kann sich deshalb nicht auf die Empfehlung bzw. Feststellung beschränken, dass Baldrian als Einschlafhilfe verwendbar ist. Es stellt sich immer auch die Frage, in welcher Zubereitungsform das optimalerweise geschehen soll.

Diese Fragen sind anspruchsvoll, aber such sehr spannend.

Falls Sie mehr darüber lernen möchten, können Sie das in meiner Phytotherapie-Ausbildung oder im Heilpflanzen-Seminar.

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Infoportal

Preiselbeere / Cranberry

PREISELBEERE / CRANBERRY


Studie: Cranberry-Saft effektiver als Cranberry-Kapseln

Über die Metaanalyse zur Wirksamkeit von Cranberry-Präparaten bei Harnwegsinfekten in der Fachzeitschrift »Archives of Internal Medicine« (2012) habe ich schon berichtet:

Metastudie mit Cranberry: (Lückenhafte) Evidenz zur Vorbeugung von Harnwegsinfektionen

Die „Pharmazeutische Zeitung“ berichtet darüber hinaus noch über eine interessante Subgruppenanalyse aus der gleichen Studie:

„Die Subgruppenanalyse ergab einen weiteren Hinweis: Cranberry-Saft scheint effektiver zu sein als Kapseln oder Tabletten. Auch dürfte die regelmäßige Einnahme für die Schutzwirkung wichtig sein… Zum vollständigen Text hier…

Metastudie mit Cranberry: (Lückenhafte) Evidenz zur Vorbeugung von Harnwegsinfektionen

Die Einnahme der in Nordamerika angebauten Cranberries soll vor Harnwegsinfektionen schützen. Eine neue Meta-Analyse in den Archives of Internal Medicine (2012; 172: 988-996) findet tatsächlich Hinweise für eine vorbeugende Wirkung. Die Datenlage ist nach Ansicht der Wissenschaftler aber nach wie vor lückenhaft.

Die Kranbeere (Cranberry) zählt zur Gattung Vaccinium (Heidelbeeren) in der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Die Cranberry-Frucht unterscheidet sich jedoch in Aussehen und Geschmack deutlich von den bei uns verbreiteten, nah verwandten Preiselbeeren. Der Cranberry-Saft ist geschmacklich herb und sehr sauer. Cranberry werden in der Küche niedrig dosiert angewendet… Zum vollständigen Text hier…

Cranberry und Kürbiskerne zur Prävention von Blasenentzündung

Die günstigen Effekte der Cranberry auf die Blasengesundheit wurden schon in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen belegt.

Inhaltsstoffe der Cranberry, die Typ-A-Proanthocyanidine (PAC), können effektiv die meist für eine Blasenentzündung verantwortlichen Escherichia-coli-Bakterien blockieren.

Durch diesen speziellen Schutzmechanismus wird verhindert, dass sich die Keime in den Schleimhäuten von Blase und Harnwegen festsetzen. Die Bakterien können stattdessen mit dem Harn ausgeschwemmt werden.

In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten, klinischen Cross-over-Studie wurde nun die Wirksamkeit eines Kombinationspräparates mit Cranberry und Kürbiskernen auf die Harnwege untersucht… Zum vollständigen Text hier…

Phytotherapie: Blasenentzündung & Cranberry-Saft

Bei einer beginnenden Blasenentzündung (Zystitis) kann die Empfehlung, viel zu trinken, Schlimmerem vorbeugen. Kräutertees und Cranberry-Saft sind dazu eine gute Option.

Blasentees enthalten meist Heilpflanzen wie Birkenblätter und Bärentraubenblätter, Brennnessel und Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Schachtelhalm und Wacholderbeeren, welche die Harnbildung und Harnausscheidung fördern. Goldrutenkraut und Orthosiphonblätter zeigen zudem eine entkrampfende und entzündungshemmende Wirkung.

Empfehlenswert sind Heilpflanzen-Präparate aus der Apotheke, denn sie enthalten die pflanzlichen Bestandteile in ausgewogenen Mischungen und in Arzneibuchqualität… Zum vollständigen Text hier…

Inserat

Interessiert an Wildkräuterkursen in der Schweiz?

Heilpflanzen, Wildkräuter und Alpenblumen in schönen Landschaften kennenlernen. Wildkräuterkurse in den Kantonen Graubünden, Bern, Basel, Wallis, Aargau, Schaffhausen, St. Gallen, Luzern, Glarus, Schwyz, Zürich....

Programm im Portal Heilpflanzen-Info: Wildkräuterkurse Schweiz. Dort finden Sie auch Lehrgänge für Ausbildung und Weiterbildung in Kräuterheilkunde (Phytotherapie-Ausbildung, Heilpflanzen-Seminar) am Seminar für Integrative Phytotherapie (SIP) in Winterthur.

WIE CRANBERRYSAFT GEGEN BLASENENTZÜNDUNG HILFT

Cranberrysaft kann krankmachende Bakterien während mehreren Stunden an der Ansiedlung in den Harnwegen hindern. Zu diesem Resultat sind nun US-Experten gekommen.

Die zu den häufigsten Auslösern von Harnwegsinfektionen, Blaseninfektionen und Niereninfektionen zählenden E. coli-Bakterien haften unter dem Einfluss von Substanzen aus Cranberrysaft schlechter an Zellen der Schleimhäute. Außerdem können sich die krankmachenden Keime wegen der Inhaltsstoffe des Cranberrysaftes nur schwer zu Biofilmen zusammenschließen. So werden Bakterienverbunde bezeichnet, die ein stärkeres Wachstum der Keime fördern. Einzelne Bakterien, die nirgendwo andocken können, werden leicht mit dem Harn aus dem Organismus gespült…… Zum vollständigen Text hier…

SUPPORT FÜR PREISELBEERSAFT GEGEN BLASENENTZÜNDUNG

Preiselbeersaft oder Cranberrysaft wird zunehmend eingesetzt zur Therapie und Prophylaxe von Blasenentzündungen. Was in der Phytotherapie seit einigen Jahren etabliert ist, wird inzwischen auch mehr und mehr in der Medizin anerkannt, vor allem in Gynäkologie und Urologie, die mit dem Thema Blasenentzündung stark konfrontiert sind. Die Zunehmende Anerkennung von Preiselbeersaft spiegelt sich auch in Empfehlungen in den Medien…… Zum vollständigen Text hier…

CRANBERRYSAFT VERHINDERT HARNWEGSINFEKTE

Der tägliche Konsum von Cranberrysaft kann Rezidive (Rückfälle) von Harnwegsinfekten (HWI) bei Kindern deutlich vermindern, melden Ärzte in Rom. An einer Studie nahmen 84 Mädchen im Alter zwischen 3 und 14 Jahren mit wiederkehrenden HWI teil.

Innerhalb von 6 Monaten hatten 34 von ihnen ein HWI-Rezidiv: Von den Mädchen, die täglich 50 ml einer Cranberry-Zubereitung getrunken hatten, erkrankten 18,5 Prozent (5/27), von den Mädchen, welche regelmäßig eine probiotische Zubereitung auf Lactobacillus-Basis zu sich nahmen, 42 Prozent (11/ 26) und in der Kontrollgruppe 67 Prozent (18/27)….. Zum vollständigen Text hier…

TEST ZEIGT: CRANBERRY-PRODUKTE OFT UNTERDOSIERT

Gegen Harnwegsinfektionen können die Inhaltsstoffe von Cranberrys gut helfen. Seitdem verschiedene Studien die Wirkung dieser Früchte bestätigen, kommen immer mehr Heilpflanzen-Präparate mit Cranberry-Extrakten auf den Markt, die gegen Blasenentzündungen bzw. Harnwegsinfektionen helfen sollen. Ihre Wirksamkeit hängt allerdings stark von der Menge des Wirkstoffes im eingesetzten Produkt ab…… Zum vollständigen Text hier…

PHYTOTHERAPIE: CRANBERRY-SAFT WIRKT WIE TEFLON

Der Saft aus der nordamerikanischen Cranberry schützt vor Blasenentzündung, Karies und Magengeschwüren. Bakterien scheinen einfach abzuprallen.

Cranberrys zählen seit jeher zu den Naturheilmitteln der nordamerikanischen Indianer. In den 80er-Jahren gab es dann erste wissenschaftliche Hinweise für die Heilkraft der roten Beere, einer Verwandten der europäischen Preiselbeere. Cranberrys, beziehungsweise deren Saft, können offenbar Blasenentzündungen vorbeugen oder sie verkürzen….. Zum vollständigen Text hier…

Kürbis / Kürbissamen

KÜRBIS / KÜRBISSAMEN


Kürbissamen bei Blasenschwäche (Harninkontinenz)

In der Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 7 / 2012) werden Kürbissamen bei Blasenschwäche der Frau empfohlen:

„Die Belastungs- oder Stressinkontinenz, die Reizblase und die Dranginkontinenz sind die häufigsten Formen der Blasenschwäche bei Frauen. Eine große Rolle in der Problematik spielt nach aktuellem Wissensstand ein hormonelles Ungleichgewicht, das einen Einfluss auf die Muskulatur von Beckenboden und Blase hat. In diesem Zusammenhang stellen die Samen des steirischen Kürbisses eine sinnvolle pflanzliche Therapiemöglichkeit dar. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die Inhaltsstoffe einen Effekt auf die Muskulatur von Beckenboden und Blase ausüben. In klinischen Studien zeigten sich gute Erfolge bei täglicher Einnahme von hoch dosiertem Kürbiskernextrakt:.. Zum vollständigen Text hier…

Kürbiskernöl lindert Beschwerden bei Benigner Prostatahyperplasie

Im Phyto-Forum der „Ärztezeitung“ schreibt Prof. Karin Kraft vom Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Rostock über die Wirkung von Kürbiskernöl bei Benigner Prostatahyperplasie (Gutartige Prostatavergrösserung):

„In einer kleinen placebokontrollierten Studie aus Korea von 2009, die sich mit der Wirksamkeit von Kürbiskernen bei benigner Prostatahyperplasie (BPH) befasst, wurden Männer über 12 Monate mit Kürbiskernöl (320 mg/Tag, n =16) oder Placebo (n=7) behandelt, als Hauptzielparameter diente der in klinischen Studien zur benignen Prostatahyperplasie allgemein verwendete „International Prostate Symptom Score“ (IPSS)… Zum vollständigen Text hier…

Cranberry und Kürbiskerne zur Prävention von Blasenentzündung

Die günstigen Effekte der Cranberry auf die Blasengesundheit wurden schon in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen belegt.

Inhaltsstoffe der Cranberry, die Typ-A-Proanthocyanidine (PAC), können effektiv die meist für eine Blasenentzündung verantwortlichen Escherichia-coli-Bakterien blockieren.

Durch diesen speziellen Schutzmechanismus wird verhindert, dass sich die Keime in den Schleimhäuten von Blase und Harnwegen festsetzen. Die Bakterien können stattdessen mit dem Harn ausgeschwemmt werden.

In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten, klinischen Cross-over-Studie wurde nun die Wirksamkeit eines Kombinationspräparates mit Cranberry und Kürbiskernen auf die Harnwege untersucht… Zum vollständigen Text hier…

STUDIE BESTÄTIGT: KÜRBISSAMEN BESSERN NYKTURIE BEI PROSTATAVERGRÖSSERUNG

Die Behandlung mit einem Kürbissamenextrakt lindert bei Patienten mit benigner Prostatahyperplasie (gutartiger Prostatavergrösserung) die charakteristischen Beschwerden beim Wasserlassen – vor allem ständigen Harndrang und Nykturie (vermehrtes, nächtliches Harnlassen). Kürbissamen verbessern die im IPSS-Gesamtscore erfasste Lebensqualität. Zu diesem Ergebnis kam die Placebo-kontrollierte G.R.A.N.U.-Studie, wie GlaxoSmithKline Consumer HealthCare mitgeteilt hat…… Zum vollständigen Text hier…

KÜRBISSAMEN HELFEN BEI REIZBLASE UND PROSTATAPROBLEMEN

Auf www.netdoktor.de wurde vor ein paar Tagen ein Text publiziert zum Thema Phytotherapie bei Reizblase und Prostataproblemen – sowie zur Wirkung von Kürbissamen.
Hier eine bearbeitete Zusammenfassung…… Zum vollständigen Text hier…

KÜRBIS – SYMBOL, HEILPFLANZE, NAHRUNGSMITTEL

In dieser Jahreszeit sieht man Kürbisse wieder in verschiedensten Farben und Formen.
Die Kürbis-Pflanzen stammen ursprünglich aus Amerika. Angebaut werden die domestizierten Arten heute aber weltweit in den warmen Gebieten.
Die verschiedenen Kürbis-Arten wurden großteils unabhängig voneinander für die gleiche Verwendung domestiziert. Die Kürbis-Kultivierung hat eine lange Geschichte…… Zum vollständigen Text hier…