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Was ist Himalaya-Salz?

Das Magazin „focus“ hat sich mit verschiedenen Salzsorten befasst und darüber mit Sabine Hülsmann gesprochen. Sie ist Ernährungsberaterin bei der Verbraucherzentrale Bayern. Im Beitrag werden die zum Teil sehr teueren Luxussalze wie das Himalayasalz  in Frage gestellt. Sie werden oft als besonders gesund angepriesen. Nimmt man die Versprechungen allerdings genauer unter die Lupe, bleibt meistens kaum mehr etwas davon übrig.  Das sieht auch die Verbraucherzentrale so. Was ist Himalayasalz?

Hier das Zitat zum Stichwort Himalayasalz aus dem Focus-Artikel:

„Himalaya Salz enthält eine geringe Menge Eisenoxid, was für seine Rosafärbung verantwortlich ist. Zu 97 Prozent besteht es jedoch aus Natriumchlorid. Der Anteil des enthaltenen Eisens ist Hülsmann zufolge so gering, dass keine gesundheitlichen Vorteile beim Konsum des rosafarbenen Salzes auftreten. Aber nicht nur die Zusammensetzung, auch sein Name ist trügerisch. Denn der Name Himalaya-Salz ist eine Handelsbezeichnung für rosafarbiges Steinsalz. Das Salz kommt hauptsächlich aus dem Salzbergwerk Khewra in der pakistanischen Provinz, 200 Kilometer südwestlich des Himalayagebirges. Die Verbraucherzentrale rät daher, auch im Hinblick auf den hinterlassenen ökologischen Fußabdruck, besser Salz aus der Region zu verwenden.“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/besonders-oder-doch-alles-das-gleiche-die-salzluege-himalaya-salz-steinsalz-oder-fleur-de-sel-wie-hersteller-ihre-kunden-taeuschen_id_9313121.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Heilungsversprechungen der Himalayasalz-Verkäufer sind zum Teil wirklich grenzenlos und allesamt ohne Substanz. Aber was teuer und exotisch ist, muss wohl in den Augen von nicht wenigen Menschen ganz besonders gut und heilsam sein. Das einfache, normale, gewöhliche Salz kann da nicht mithalten.

Dass man ein Steinsalz einfach mit dem Trick, dass man es mit dem wundersamen Begriff „Himalaya“ verbindet, so stark mit Vorstellungen von Natürlichkeit, Kraft und Ursprünglichkeit aufladen kann, ist schon eindrücklich. Ein gutes Beispiel für Manipulation in der Werbung.

Einen ausführlichen, kritischen Artikel zum Himalayasalz hat das Portal Psiram veröffentlicht.

Einen weiteren Blog-Artikel von mir zu den Luxussalzen gibt es hier:

Himalayasalz, Blausalz & Co. – leere Versprechungen zu gesalzenen Preisen

Wildkräuter: Giersch (Baumtropfen) in der Küche

Giersch – Mundart „Baumtropfe“ – kann im Garten zur Plage werden. Er bildet unterirdische Ausläufer und kann sich dadurch unkontrolliert ausbreiten. Auch Hacken bringt nichts, da selbst die Bruchstücke der Wurzeln neu austreiben.

Statt das „Unkraut“ zu bekämpfen – empfiehlt das Bundeszentrum für Ernährung – können Sie aus der Not eine Tugend machen und die Pflanze für die Küche nutzen.

Mit seinem fein-würzigen Aroma von Möhre und Petersilie sei der Giersch eines der schmackhaftesten Wildgemüse hierzulande, schreibt das BzfE:

„Außerdem enthalten die Blättchen außergewöhnlich viel Eiweiß und Vitamin C, Provitamin A und Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium und Eisen. In der Naturheilkunde wird Giersch vor allem gegen Gicht und Rheuma eingesetzt. Ein Tee aus Gierschblättern entsäuert, wirkt harntreibend und bringt die Verdauung wieder in Schwung.“

Der Giersch (Aegopodium podagraria) fällt im Frühjahr und Sommer durch seine weißen Doldenblüten auf, doch gibt es viele weissblühenden Doldenblütler, die leicht zu verwechseln sind:

„Merken Sie sich zur Bestimmung die Zahl Drei,  denn das Wildkraut hat einen dreieckigen Blattstiel und dreiteilig verzweigte Blätter.“

Wer den Giersch nicht im eigenen Garten hat, wird am lichten Waldrand, an Flussufern und in Hängen fündig. Giersch darf allerdings nicht mit giftigen Doldenblütlern wie der Hundspetersilie und dem Gefleckten Schierling verwechselt werden, die auf den ersten Blick ähnlich aussehen.

An dem dreieckigen Blattstiel und dem möhrenartigen Duft isr er jedoch gut von seinen giftigen Verwandten zu unterscheiden.

Das BzfE empfiehlt vor allem die besonders zarten, jungen, hellgrünen Blätter.

„Sie schmecken roh in einem frischen Blattsalat, auch in Kombination mit anderen Wildkräutern wie Löwenzahn und Brennnessel. Fein gehackt werden sie für Bratlinge, Pesto und grüne Soßen verwendet. Sehr lecker ist eine Wildkräuterbutter mit geschnittenem Giersch, Zitronensaft, einem Hauch Knoblauch und etwas Salz. Ältere Blätter haben ein herb-würziges Aroma. Da sie etwas zäher sind, werden sie gerne als Gemüse gedünstet. Die süßen Blüten sind eine essbare Dekoration für Desserts und auch paniert und frittiert ein Genuss.“

Quelle:

http://www.bzfe.de/inhalt/bzfe-newsletter-nr-17-vom-25-april-2018-32163.html#2

 

Kommentar & Ergänzung:

Giersch wird nicht nur Baumtropfen genannt, sondern auch Geissfuss und St. Gerhardkraut. Der heilige St. Gerhard war der Patron der Gichtkranken und gegen Gicht wurde die Pflanze früher auch empfohlen. Über die tatsächliche Wirkung ist aber nichts Sicheres bekannt. Der hohe Gehalt an Kaliumsalzen, durch den sich der Giersch auszeichnet,  könnte zu einer  ermehrten Wasserausscheidung führen. Der Hinweis im Text des BZfE, dass ein Tee aus Gierschblättern “entsäuert”, ist aber fragwürdig, weil die dahintersteckende Vorstellung von “Übersäuerung” grundsätzlich schon nicht fundiert ist.

Der Vorschlag, Giersch aus dem Garten zu essen, statt sich über ihn zu ärgern, ist ja nicht schlecht. Allerdings wuchert die Pflanze oft so stark im Garten, dass man mit der kulinarischen Verwertung kaum nachkommen wird. Loswerden kann man den Giersch durch intensives Ausdunkeln, das heisst durch mehrjähriges Abdecken des Bodens.

Koschtschejew empfiehlt im Buch „Wildwachsende Pflanzen in unserer Ernährung“ zur Anwendung von Giersch:

„Wenn man die Blätter durch den Fleischwolf dreht, erhält man ein Püree, das man einsalzen und im Winter für Suppen und als Zutat verwenden kann.“

Vielleicht wäre Einfrieren statt Einsalzen auch eine Möglichkeit?

Das Buch von Koschtschejew wurde in der ehemaligen DDR aus dem Russischen übersetzt und erschien 1990 in der 2. Auflage.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Aktivkohle bei Durchfall

Aktivkohle = „medizinische Kohle“, ist poröser, feinkörniger Kohlenstoff mit einer grossen inneren Oberfläche.

„ Die Poren sind wie bei einem Schwamm untereinander verbunden (offenporig). Die innere Oberfläche beträgt zwischen 300 und 2000 m2/g Kohle, damit entspricht die innere Oberfläche von vier Gramm Aktivkohle ungefähr der Fläche eines Fußballfeldes.“ (Quelle: Wikipedia).

An diese eindrücklich grosse Oberfläche bindet Aktivkohle Toxine und führt sie über den Stuhl der Ausscheidung zu. Diese Fähigkeit wird ausgenutzt bei Vergiftungen. Aktivkohle ist dabei zwar sehr breit wirksam, aber nicht gegen alle Gifte. Unwirksam ist sie zum Beispiel gegen Cyanid, Eisen, Lithium, Elektrolyte, Lösungsmittel und verschiedene Alkohole wie Methanol und Ethanol. (Quelle: Pharmawiki)

Da Aktivkohle zum Beispiel auch Bakterien und Bakterientoxine bindet, wird sie ebenfalls als Mittel gegen Durchfall eingesetzt. Sie ist nur lokal im Verdauungstrakt wirksam und wird nicht in den Organismus aufgenommen.

Aktivkohle kann auch andere Medikamente binden und dadurch ihre Aufnahme stören. Deshalb sollen andere Medikamente nicht gleichzeitig, sondern in einem Abstand von mindestens zwei Stunden eingenommen werden, da es sonst zu einem Wirkungsverlust kommen kann.

Aktivkohle kann auch zur Entfernung von Zahnverfärbungen eingesetzt werden.

Aktivkohle ist für medizinische Zwecke im Handel in Kapselform oder als flüssige Suspension (Carbovit).

Ausgesprochen fragwürdig ist der Trend, Aktivkohle Lebensmitteln beizufügen in der Hoffnung, damit den Körper zu entgiften, zum Beispiel in Form von Aktivkohle-Drinks. Erstens ist überhaupt nicht klar, was genau für Stoffe da entgiftet werden sollen. Die Aktivkohle ist nämlich nicht so schlau, dass sie unterscheiden kann, welche Stoffe für uns schädlich sein könnten, und welche wir brauchen. So ist es denkbar, dass sie auch gesunde und notwendige Stoffe bindet wie Vitamine, Polyphenole etc.

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Quittensirup bei Schwangerschaftsübelkeit?

Die Carstens-Stiftung beschreibt eine iranische Studie, wonach Quittensirup schwangerschaftsinduzierte Übelkeit besser reduziert als standardmäßig verabreichtes Vitamin B6. Das ist interessant, wirft aber auch einige Fragen auf.

Acht von zehn Schwangeren leiden an Übelkeit und Erbrechen und bei besonders stark ausgeprägtem Verlauf spricht man von Hyperemesis gravidarum. Der anhaltende Brechreiz kann mehrmals täglich zur Erbrechen und infolgedessen zu teils gravierendem Flüssigkeits- und Nährstoffverlust führen. Eine Anpassung der Ernährung, der Ausgleich des entstehenden Flüssigkeits- und Nährstoffmangels und die Behandlung der Symptome mittels medikamentöser Verfahren sowie eine Vitamin B6-Supplementierung (Pyridoxin) zählen zur Standardbehandlung der Hyperemesis gravidarum. Da vor allem in der frühen Schwangerschaftsphase wegen möglicher Komplikationen und Schädigungen des ungeborenen Kindes auf synthetische Arzneimittel möglichst verzichtet werden sollte, wird zunehmend auf pflanzliche Mittel wie z.B. Pfefferminze und Ingwer zurückgegriffen, um die Schwangerschaftsübelkeit zu reduzieren

Unbekannt ist bei uns bisher die Anwendung von Quittensirup.

In der Traditionellen Iranischen Medizin wird die Quitte unter anderem als Magentonikum zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen sowie als Mittel zur Appetitanregung empfohlen. Auf dieser Basis führten iranische Wissenschaftler eine Studie durch, um die Wirkung von Quittensirup im Vergleich mit Vitamin B6 bei Frauen mit Schwangerschaftsübelkeit zu untersuchen. Die Studie wurde an fünf klinischen Zentren in Teheran und Qom durchgeführt. Aufgenommen wurden 90 Frauen in der Gestationsphase zwischen der 6. bis 14. Woche und einer therapiebedürftigen, schwangerschaftsinduzierten Übelkeit von 3 bis 12 Punkten auf der PUQE-Skala (PUQE = Pregnancy-Unique Quantification of Emesis) mit und ohne Erbrechen. Per Zufallsprinzip wurden die Studienteilnehmerinnen in eingeteilt und bekamen über die Therapiephase von einer Woche dreimal täglich jeweils vor den Mahlzeiten entweder einen Esslöffel des eigens für die Studie hergestellten Quittensirups oder aber eine Tablette mit einem Gehalt von 20 mg Vitamin B6 pro Einheit.

Die Einnahme zusätzlicher Arzneimittel war nicht gestattet. Darüber hinaus wurden die Probandinnen zu einer Vermeidung von fettem Essen und dem Verzehr regelmäßiger kleiner Mahlzeiten angehalten. Während der einwöchigen Therapiephase und der nachfolgenden, ebenfalls siebentägigen Nachbeobachtungszeit dokumentierten die teilnehmenden Frauen mittels PUQE-24-Fragebogen die Dauer, Häufigkeit und Intensität ihrer Übelkeit und des auftretenden Erbrechens. Ausserdem wurden die Probandinnen zur Erfassung auftretender Nebenwirkungen angehalten.

In die Auswertung flossen Daten von 76 Patientinnen ein. In der Quittensirup-Gruppe konnte im Vergleich mit der Vitamin B-Gruppe nach 7 Tagen schon eine klinisch signifikante Besserung um rund 4,3 Punkte auf der PUQE-Skala festgestellt werden, die noch eine Woche nach Beendigung der Behandlung anhielt. In der Vitamin B6-Gruppe betrug die Punktedifferenz nach 7 Tagen lediglich 1,1 Punkte – mit sinkender Tendenz nach 14 Tagen. Zudem wiesen die Probandinnen der Quittensirup-Gruppe zu Studienbeginn eine höhere Punktezahl auf der PUQE-Skala auf (9.55, Standardabweichung 2.05) als die Frauen in der Vitamin B-Gruppe (8.44, Standardabweichung 1.87). Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass die Quittensirup-Intervention sich auch bei schwereren Verläufen erfolgreich ist. Keine der teilnehmenden Frauen klagte über das Auftreten von Nebenwirkungen.

Quelle:

https://www.carstens-stiftung.de/artikel/gar-nicht-uebel-quittensirup-bei-schwangerschaftsuebelkeit.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28631509

 

Kommentar & Ergänzung:

Da Schwangerschaftsübelkeit für die betroffenen Frauen oft eine starke Belastung ist und Quittensirup ein billiges und darüber hinaus gesundes Mittel, kann diese Studien aus dem Iran berechtigtes Interesse wecken. Jedenfalls sind mir keine Gründe bekannt, die gegen einen Versuch mit Quittensirup sprechen würden.

Die Studie ist allerdings mit 90 teilnehmenden Frauen ziemlich klein, was ihre Aussagekraft einschränkt. Wir treffen hier auf ein Problem, das in der Forschung mit Naturheilmitteln oft vorkommt:

Für eine grosse, beweisende Studie, die entsprechend teuer und aufwendig ist, wird sich kaum ein Sponsor finden, wenn das untersuchte Produkt nicht patentierbar sondern billig im Haushalt herzustellen ist. Bei solchen Hausmitteln fehlt einfach oft (und ökonomisch nachvollziehbar) das kommerzielle Interesse für Investitionen in die Forschung.

Fragen wirft auch der Vergleich von Quittensirup versus Vitamin B6-Gabe auf.

Die Wirksamkeit von Vitamin B6 bei Schwangerschaftsübelkeit ist selber nicht zweifelsfrei geklärt. Pharmawiki schreibt dazu:

„Die Verwendung von Pyridoxin gegen Übelkeit geht vermutlich auf kleine, unkontrollierte Studien aus den 1940er Jahren zurück (z.B. Willis et al., 1942). Moderne Zulassungsstudien sind nicht verfügbar. Wir haben in der neueren wissenschaftlichen Literatur lediglich zwei kleine randomisierte und placebokontrollierte klinische Studien aus den 1990er Jahren identifiziert, ausschliesslich in der Indikation Schwangerschaftserbrechen (Sahakian, 1991; Vutyavanich, 1995). Aus unserer Sicht gibt es Hinweise für eine mögliche Wirksamkeit, sauber wissenschaftlich nachgewiesen ist sie bisher jedoch nicht. Ein Therapieversuch ist aufgrund der guten Verträglichkeit möglich.“

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Pyridoxin%20gegen%20Übelkeit

 

Und die Pharmazeutische Zeitung verweist auf eine Cochrane-Metaanalyse:

„Forscher der Cochrane Collaboration haben in einer aktuellen Übersichtsarbeit Studien zu Arzneimitteln zusammengefasst, die bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft empfohlen werden. Ihr Fazit: In Anbetracht der hohen Prävalenz der Beschwerden ist die Studienlage erstaunlich schlecht. So fanden sich beispielsweise für die vielfach empfohlenen Ingwer- oder Pyridoxinpräparate nur sehr wenige Daten aus qualitativ hochwertigen klinischen Studien. Ingwer und Pyridoxin (Vitamin B6) scheinen aber besser als Placebo morgendliche Übelkeit zu lindern. Bei der Reduktion von Erbrechen zeigte nur Ingwer einen leichten Nutzen, während sich die Symptome mit Vitamin B6 nicht eindeutig verbesserten.“

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=36523

Wenn für die Vergleichsgruppe mit der Vitamin B6-Gabe eine Intervention gewählt wird, die selber nicht eindeutig in ihrer Wirksamkeit ist, dann kann der Quittensirup diese Vergleichgruppe verhältnismässig leicht übertreffen. Aussagekräftig wäre zudem eine dritte Gruppe gewesen, die ein Placebo bekommen hätte.

Aber eben, das ist alles auch eine Frage der Ressourcen.

Interessant schein mir noch die überlegung, welcher Wirkungsvorgang der Anwendung von Quittensirup bei Schwangerschaftsbelkeit zugrunde liegen könnte.

Die Quittenfrucht enthält „viel Vitamin C, Kalium, Natrium, Zink, Eisen, Kupfer, Mangan und Fluor, Tannine (Catechin und Epicatechin), Gerbsäure, organische Säuren, viel Pektin und Schleimstoffe.“ (Quelle: Wikipedia)

Am interessantesten scheinen mit hier Pektin und Schleimstoffe zu sein. Sie könnten möglicherweise über eine Eindickung der Nahrung dem Erbrechen entgegenwirken. Das kennt man auch von Johannisbrotkernmehl (z. B. als Nestargel) gegen Erbrechen bei Säuglingen.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde werden eher die reifen Quittensamen verwendet. Unzerkleinerte Quittensamen nutzt man für die Zubereitung eines Schleims, der gegen Hustenreiz, als mildes Abführmittel und gegen Entzündungen von Haut und Schleimhäuten eingesetzt wird.

Quittensirup gibt es meines Wissens nicht als Fertigprodukt zu kaufen, doch existieren viele Rezepte zur Zubereitung.

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Eisenpräparate nicht mit Kaffee, Grüntee, Schwarztee oder Rotwein kombinieren

Eisenpräparate sollte man nicht zusammen mit Kaffee, Schwarztee, Grüntee oder Rotwein einnehmen. Diese Getränke reduzieren die Aufnahme von Eisen in den Körper durch ihren Gerbstoffgehalt.

Gerbstoffe binden die Eisenionen.

Quelle:

http://www.t-online.de/gesundheit/id_41285508/medikamente-wechselwirkung-mit-lebensmitteln.html

Kommentar & Ergänzung:

Grundsätzlich ist zu empfehlen, Medikamente nur mit Wasser einzunehmen.

Gerbstoffe aus Grüntee und Schwarztee sollen auch die Eisenaufnahme aus pflanzlichen Speisen verringern können. Das fällt allerdings nur ins Gewicht, wenn man Grüntee oder Schwarztee in grossen Mengen und regelmässig zu den Mahlzeiten trinkt. In diesem Fall wäre es günstiger, einen zeitlichen Abstand von einer Stunde einzuhalten zwischen der Mahlzeit und der Teeaufnahme.

Das Standardwerk „Teedrogen und Phytopharmaka“ schreibt dazu:

“Durch üblichen Teekonsum wird die Aufnahme von Eisen aus der Nahrung (Komplexbildung mit Tee-Polyphenolen) nicht negativ beeinflusst; bestenfalls sollte bei bekanntem Eisenmangel zwischen Mahlzeiten und Teetrinken vorsichtshalber ein zeitlicher Abstand von etwa 1 Stunde eingehalten werden.“

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Was ist Gerstengras?

Der Name „Gerstengras“ tönt geheimnisvoller als das, was es ist. Gemeint ist damit ganz einfach die junge Gerstenpflanze.

Für die Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln werden meist die Blätter der jungen Pflanze gefriergetrocknet und gemahlen.

Gerstengras ist reich an Nährstoffen und wird daher in der Tiermast eingesetzt.

Und darüber hinaus wird Gerstengras im Internet über allen Klee gelobt und als „Superfood“ vermarktet. Wenn ein Produkt derart als Wundermittel gegen alles und jedes angepriesen wird, ist immer eine gehörige Portion Skepsis angebracht.

Ich habe mich auf den entsprechenden Internetseiten ein wenig umgeschaut. Da wird Gerstengras nicht gerade bescheiden als eines der kostbarsten Lebensmittel unseres Planeten bezeichnet. Irgendwie muss man den Preis ja rechtfertigen.

Und wie es bei fragwürdigen Produkten oft der Fall ist:

Gerstengras hilft gegen Brustkrebs, Prostatakrebs, Hautkrebs, Colitis ulcerosa, Diabetes, zu hohem Cholesterinspiegel, Candida-Infektionen, Depressionen – und es beugt Herzinfarkt und Schlaganfall vor. Wer ein solches Mittel nicht kauft und einnimmt, ist selber schuld.

Für alle diese Behauptungen gibt es nicht den Hauch eines fundierten Belegs. Zwar wird auf einigen Internetseiten zum Thema Gerstengras eine ganze Reihe von Studien aufgeführt. Es wird also mit Studien argumentiert.

Schaut man sich allerdings die Studien genauer an, wird rasch deutlich, wie absurd die darauf begründeten Versprechungen sind.

Bei den Studien, die sich Prostatakrebs, Hautkrebs und Brustkrebs beziehen, handelt es sich um Laborstudien im Reagenzglas mit Krebszellen. Eine Frau mit Brustkrebs ist aber komplexer als ein Reagenzglas. Es gibt unzählige Naturstoffe, die im Reagenzglas an isolierten Krebszellen tolle Wirkungen zeigen. Solche Laborexperimente sagen nichts aus über eine Wirksamkeit im Organismus einer krebskranken Person. Es ist nicht klar, ob allfällige Wirkstoffe aus dem Verdauungstrakt überhaupt in den Organismus gelangen, ob sie – wenn das der Fall ist – dort eine ausreichende Konzentration erreichen und ob sie in dieser Konzentration wirklich nur die Krebszellen schädigen und nicht auch noch gesunde Zellen.

Ob den Betreibern dieser Websites die sehr begrenzte Aussagekraft solcher Studien einfach nicht verstehen oder ob sie es zwar wissen, aber in ihren Texten unter den Tisch fallen lassen, lässt sich kaum beurteilen.

Ein Schwimmtest mit Mäusen wird flugs zum Wirksamkeitsbeleg gegen Depressionen. Und die Wirkung gegen den zu hohen Cholesterinspiegel? – Da wird eine kleine Studie aufgeführt, bei der die Probanden aber zusätzlich zum Gerstengras auch Olivenöl einnehmen mussten. Offenbar verschwenden die Gerstengras-Propagandisten keinen Gedanken daran, dass die gemessene Reduktion des Cholesterinspiegels auch vom Olivenöl bewirkt sein könnte.

Die einzige, zwar ebenfalls kleine, aber qualitativ offenbar akzeptable Studie zum Einfluss von Gerstengras auf den Cholesterinspiegel aus Korea finde ich dagegen auf keiner Gerstengras-Website. Kein Wunder: Die Resultate waren enttäuschend. Selbst nach drei Monaten Einnahme von Gerstengras-Extrakt zeigten sich keine Unterschiede zu jenen Personen, die Kapseln mit einem wirkungslosen Scheinpräparat bekommen hatten. Wegen der geringen Teilnehmerzahl und der kurzen Studiendauer sind die Resultate auch dieser Studie nur bedingt aussagekräftig. Genauer beschrieben wird die Studie im Portal medizin-transparent.at.

Die Wissenschaftler dort haben weltweit nach Studien zur Wirksamkeit von Gerstengras gesucht und nur diese eine bewertbare klinische Studie gefunden.

Spricht das gegen Gerstengras? Nein. Es spricht nur gegen die überzogenen Versprechungen.

Wer gerne Gerstengras hat und sich die Präparate leisten kann und will, soll sie doch nehmen.

Gerstengras enthält Vitamin B , Vitamin C , Kalzium, Kalium und Eisen in größeren Konzentrationen. Das ist ja schon mal was. Diese Stoffe kann man sich allerdings in der Regel auch gut mit einer normalen Ernährung in ausreichender Menge zuführen.

Solche mit Gesundheitshoffnungen aufgeladenen Präparate werden jedoch sowieso eher aus psychologischen Gründen gekauft.

Sie lindern zum Beispiel das schlechte Gewissen, das uns die Hersteller und Verkäufer zuvor einreden, weil wir nicht in allen Facetten so gesund leben, wie wir das angeblich sollten.

Oder sie reduzieren diffuse Besorgtheit und Ängstlichkeit um unsere Gesundheit, die manchmal eine reale Basis haben, oft aber auch von den Medien geschürt werden.

Wer sich nicht 24 Stunden mal 7 Tage die Woche um seine Gesundheit sorgt, ist schliesslich ein schlechter Konsument.

Seiner Gesundheit sorge tragen, das ist ja nicht falsch. Nur kann man das quasi auf eine eher gesunde Art tun oder auf eine eher kranke Art.

Eher krank scheint mir die Sorge um die Gesundheit, wenn sie zum hauptsächlichen Lebensinhalt wird, ohne dass dafür konkrete Gründe zu erkennen sind.

Und wenn das Gesundbleiben vor allem erreicht werden soll durch den wahllosen Konsum von Gesundheitsprodukten wie Nahrungsergänzungsmittel, Schüssler Salzen, Pflanzentinkturen, Globuli etc. – dann stimmt da für etwas nicht mehr so ganz. Man unterminiert nämlich das Vertrauen in die eigenen Selbstheilungskräfte und Regulierungsfähigkeiten, wenn man permanent irgendein Mittelchen einwirft, das Gesundheit und Wohlbefinden stabilisieren und garantieren soll.

Niemand kann seine Gesundheit vollkommen im Griff haben, auch nicht mit einem vollkommen gesunden Lebensstil. Aber soweit wir etwas zu unserer Gesundheit beitragen können, sind es in der Regel ziemlich unspektakuläre Sachen: Genug Bewegung, ausreichende Erholung, nur soviel Kalorien zuführen, wie man wieder verbraucht, intaktes soziales Umfeld…..Das lässt sich jedenfalls nicht mit Nahrungsergänzungsmitteln ersetzten.

 

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Alte Getreidesorten Emmer, Einkorn, Dinkel: Weniger Ertrag, mehr gesunde Inhaltsstoffe

Auf science.ORF.at gibt Friedrich Longin Auskunft über die alten Getreidesorten Emmer, Einkorn, Dinkel:

„Einkorn beispielsweise ist gut erforscht. Man weiß heute, dass es viele Carotinoide und viel Lutein beinhaltet – bis zu zehn Mal mehr als in herkömmlichem Brotweizen und bis zu fünf Mal mehr als in Hartweizen vorhanden ist. Das ist wichtig für die Sehkraft und das zentrale Nervensystem. Außerdem hat Einkorn mehr Vitamin E als Brotweizen und die doppelte Menge der Mineralstoffe Zink, Selen, Eisen, Kupfer, Mangan. Für Emmer und Dinkel gilt das deutlich weniger, die von den Inhaltsstoffen her betrachtet dem Brotweizen sehr ähnlich sind. Sie beinhalten geringfügig mehr Mineralstoffe, ansonsten gibt es aber kaum Unterschiede zum Brotweizen.“

Allerdings sei der Ertrag bei diesen alten Getreidesorten im Vergleich zum Brotgetreide geringer:

„Einkorn hat…etwa ein Drittel des Ertrags. Emmer bringt ungefähr die Hälfte des Ertrags von Brotweizen, Dinkel etwa Dreiviertel.“

Der tiefere Ertrag sei auch der Grund dafür, dass die alten Getreidesorten teurer sind.

Friedrich Longin ist Spezialist für Weizen an der Landessaatzuchtanstalt der Universität Hohenheim.

Quelle:

http://science.orf.at/stories/2782530/

Studie: Back to the Future – Tapping into Ancient Grains for Food Diversity“, „Trends in Plant Science“, 27.6.2016:

http://www.cell.com/trends/plant-science/fulltext/S1360-1385(16)30043-7

 

Kommentar & Ergänzung:

Einkorn, Emmer und Dinkel sind anspruchslose Getreide, die mit geringer Nährstoffversorgung auskommen und sich daher gut eignen zum Anbau auf trockenen, mageren Böden. Sie sind auch resistent gegen viele Schädlinge. Auch wenn es unrealistisch ist, voll und ganz zu den alten Getreidesorten zurückzukehren lohnt es sich, die Vielfalt der Nahrungspflanzen zu erhalten.

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Metastudie kommt zum Schluss: Bio-Milch und Bio-Fleisch sind gesünder

Milch und Fleisch aus ökologischer Tierhaltung enthalten mehr gesunde Inhaltsstoffe als konventionell produzierte Nahrungsmittel. Zu diesem Schluss kommt eine Metastudie britischer Wissenschaftler der Universität Newcastle. Sie verglichen die Resultate von mehr als 190 Milch- und mehr als 60 Fleisch-Studien.

Das Fazit: Bio-Milch und Bio-Fleisch enthalten etwa 50 Prozent mehr gesunde ungesättigte Fettsäuren. Ein halber Liter Bio-Milch liefert rund 39 Milligramm Omega-3-Fettsäuren, konventionell produzierte Milch nur 25 Milligramm. Außerdem enthält Bio-Milch rund 40 Prozent mehr konjugierte Linolsäure. Auch bei Vitaminen und Spurenelementen fanden die Forscher Unterschiede: Bio-Milch hat demnach einen höheren Gehalt an fettlöslichen Vitaminen wie Vitamin E und Karotinoide sowie an Eisen.

In Bio-Fleisch fanden die Forscher bei Analysen weniger von den gesättigten Fettsäuren Myristinsäure und Palmitinsäure gefunden worden, was sie positiv werten.

Wie erklären sich die Wissenschaftler diese Unterschiede?

Sie führen das hauptsächlich auf die Haltung der Rinder zurück:

Bio-Rinder verbringen mehr Zeit im Freien auf der Weide und fressen daher mehr Gras und Heu als Kraftfutter oder Silage. Das hat wohl Auswirkungen auf ihren Stoffwechsel und damit auch auf die Inhaltsstoffe von Milch und Fleisch. Weniger Kraftfutter hat zur Folge, dass die Rinder langsamer wachsen und weniger Milch produzieren. Das Zusammenspiel aus Grünfutter und Entschleunigung könnte eine gesündere Fettbilanz zur Folge haben.

Quelle:

http://www.dw.com/de/warum-bio-milch-gesünder-ist/a-19152084

http://www.ncl.ac.uk/press/news/2016/02/organicandnon-organicmilkandmeat/

 

Kommentar & Ergänzung:

Dass Bio-Produkte tendenziell gesünder sind, davon würde ich auch ausgehen, auch wenn es nicht in jedem Fall so ist.

Das entscheidendere Argument für die Bevorzugung von Lebensmitteln aus Bio-Anbau ist für mich aber, dass diese Art der Landwirtschaft weniger Pestizide in die Umwelt freisetzt und sich positiv auf die Artenvielfalt der Pflanzen und Tiere auswirkt.

Bei Weidetieren wirkt sich zudem die Zusammensetzung der Pflanzendecke auf die Qualität der Milchprodukte aus. Alpkäse enthält zum Beispiel gössere Mengen an Alphalinolensäure, die günstige Effekte im Herz-Kreislauf-Bereich zeigt. Das lässt sich unter anderem zurückführen auf den höheren Alphalinolensäure-Gehalt der Alpenflora.

Alphalinolensäure ist im übrigen auch enthalten in Chiaöl (ca. 60 %), Perillaöl (31–42 %), Leinöl (56–71 %), Hanföl (28 %), Walnussöl (ca. 15 %), Rapsöl (5–16 %) und Sojaöl (4–11 %). Direkt aus Leinsamen wird Alphalinolensäure nur aufgenommen, wenn sie geschrotet werden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Eisenmangel: Rostige Eisennägel in einen Apfel stecken – hilft das?

Immer wieder habe ich von diesem alten Hausmittel gehört: Man soll bei Eisenmangel einen rostigen Eisennagel in einen Apfel stecken, nach ein paar Stunden den Nagel herausziehen und den Apfel essen.

Irgendwelche fundierten Angaben dazu habe ich allerdings bisher nicht gefunden.

Jetzt schreibt der österreichische „Kurier“ dazu:

„Steckt man die Nägel in den Apfel, bilden sich braune Flecken. Sie bestehen aus Eisenmalat, einem zweiwertigen Eisensalz, das vom Körper gut aufgenommen werden kann. Allerdings lässt sich die Eisenmenge, die man so aufnimmt, kaum kontrollieren, weshalb Experten von dieser Selbsttherapie abraten.“

Quelle:

http://kurier.at/lebensart/gesundheit/eisenmangel-10-mythen-im-faktencheck/125.657.518/slideshow#125657518,96474541

Kommentar & Ergänzung:

Das ist immerhin schon mal eine detailliertere Erklärung und Begründung. Zweifelsfrei überprüfen kann ich diese Aussage allerdings nicht.

Sehr ähnlich beschreibt aber „Zeit online“ dieses Hausmittel und beruft sich dazu auf einen Ernährungsberater namens Hans-Heinrich Jörgensen.

Quelle:

http://www.zeit.de/2004/45/Stimmts_N_8agel_im_Apfel

Der Einwand wegen mangelnder Kontrollierbarkeit der aufgenommenen Dosis ist wohl nicht so einfach vom Tisch zu wischen. Will man mit diesem Hausmittel einen Effekt erzielen, reicht eine gelegentliche Anwendung sehr wahrscheinlich nicht. Es wäre eine kontinuierlichere Anwendung nötig. Und gerade bei Langzeitanwendung kann es jedoch heikel werden, wenn die aufgenommene Eisenmenge zu hoch ist. Eisenverbindungen können in zu hohen Dosierungen durchaus schädlich sein.

Also bin ich da trotz grosser Sympathie zu alten Hausmitteln eher skeptisch.

Ausserdem ist festzuhalten, dass die häufigsten Ursachen für einen Eisenmangel Mangelernährung und Blutungen sind – und dass es daher in erster Linie darum gehen sollte, diese Ursachen zu beheben.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Krebsmittel Amygdalin / Vitamin B17: Oft propagiert, aber unwirksam

Amygdalin, auch Laetrile oder fälschlicherweise Vitamin B17 genannt, war insbesondere in den 70er Jahren populär und wird gegenwärtig in der “Alternativmedizin“ wieder als Naturheilmittel zur Behandlung von Krebserkrankungen propagiert.

Das cyanogene Glykosid Amygdalin ist als toxischer sekundärer Pflanzeninhaltsstoff bekannt und ist zum Beispiel enthalten in Aprikosenkernen oder bitteren Mandeln, wie sie beispielsweise in Reformhäusern oder im Internet angeboten werden.

Durch den enzymatischen Abbau von Amygdalin wird im menschlichen Organismus Cyanid/ Blausäure freigesetzt. Cyanidionen binden mit hoher Affinität an dreiwertiges Eisen, wodurch die Zellatmung im gesamten Körper geschädigt werden kann. Kleinere Mengen Cyanid können zwar mit Hilfe des Rhodanidsynthetasesystems, das vor allem in der Leber vorhanden ist, in das verhältnismässig untoxische Thiocyanat (Rhodanid) umgewandelt werden. Trotzdem sind schon 50mg Cyanid-freisetzende Blausäure (HCN) tödlich. Fachleute empfehlen deshalb, maximal 1-2 Aprikosenkerne am Tag zu verzehren oder vorsorglich ganz auf solche Produkte zu verzichten.

Behauptet wird, dass Amygdalin durch die in Krebszellen gehäuft vorkommende β–Glukosidase zu Benzaldehyd und Blausäure hydrolysiert würde und so selektiv wirken sollte. Sowohl physiologische als auch bösartige entartete Zellen enthalten aber allenfalls Spuren der β–Glukosidase.

Spekuliert wird auch, dass wegen des in Krebszellen fehlenden Enzyms Rhodanase eine Entgiftung in diesem Gewebe nicht möglich sein soll.

Amygdalin wird auch fälschlicherweise als Vitamin B17 bezeichnet, weil ein Mangel an Amygdalin den Ausbruch einer Krebserkrankung fördern soll.

Für all diese Hypothesen gibt es keinerlei wissenschaftlichen Belege. Das Blausäureglykosid Amygdalin ist weder als Arzneimittel zugelassen, noch spielt es in der menschlichen Ernährung als Vitamin eine Rolle.

Literatur:

– arznei-telegramm, 10/2014/p99

– Pharmazeutische Zeitung, 41/2014/p20

 

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=1372&NMID=1372&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Wichtig ist darüber hinaus, dass Amygdalin auch in Studien mit Krebspatienten nicht überzeugt:

„Eine klinische Studie aus dem Jahre 1982 zeigte bei an Krebs erkrankten Menschen keinen Vorteil durch die Einnahme von Amygdalin, es zeigten sich stattdessen bei einigen Patienten Symptome einer Cyanidvergiftung. Ein Review aus dem Jahre 2006 kam nach der Untersuchung von 36 Studien zum Ergebnis, dass in keiner einzigen der 2006 zur Verfügung stehenden Arbeiten ein Hinweis für eine mögliche Wirkung gegen Krebs beim Menschen nachweisbar war.“

Quelle:

http://www.chemie.de/lexikon/Amygdalin.html#_note-2/

Weitere Informationen zu diesem Thema:

Unsinnige Krebstherapie: Bittere Aprikosenkerne

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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