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Sinupret® / Sinupret® forte / Sinupret® extract – was sind die Unterschiede?

Sinupret ist ein häufig eingesetztes pflanzliches Arzneimittel bei akuten Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis). Das Phytopharmakon hat eine sehr eigenwillige Zusammensetzung und kommt in verschiedenen Varianten auf den Markt.

Der Ursprung von Sinupret geht auf das Jahr 1933 zurück. Sinupret und Sinupret forte enthalten eine Mischung aus fünf getrockneten und pulverisierten Heilpflanzen. Getrocknete Pflanzenteile, die als Arznei eingesetzt werden, nennt man in der Phytotherapie „Droge“. Das ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „Droge“ und hat nicht mit Betäubungsmitteln zu tun.

Hier die Zusammensetzung von Sinupret und Sinupret forte:

1 Sinupret Dragée enthält in gepulverter Form:

Enzianwurzel 6 mg; Schlüsselblumenblüten 18 mg; Krause Ampfer Kraut 18 mg; Holunderblüten 18 mg; Eisenkraut 18 mg.

 

1 Sinupret forte Dragée enthält in gepulverter Form:

Enzianwurzel 12 mg; Schlüsselblumenblüten 36 mg; Krause Ampfer Kraut 36 mg; Holunderblüten 36 mg; Eisenkraut 36 mg.

Bei Sinupret forte wird die Drogenmenge pro Dragée also verdoppelt. Allerdings lautet die Dosierung bei Sinupret forte:

Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren: 3 mal täglich 1 Dragée.

Beim normalen Sinupret dagegen:

Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren: 3 mal täglich 2 Dragées

Hält man sich also an die empfohlene Dosierung, kommt es nicht darauf an, ob Sinupret oder Sinupret forte eingenommen wird.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass wir es hier mit sehr minimen Drogenmengen, zu tun haben.  Ein Teebeutel eines Kräutertees enthält etwas 1,5 – 2,0 Gramm pulverisierte Droge, wobei von den Wirkstoffen dann allerdings nicht alle ins Teewasser übergehen.

Es gibt aber noch ein weiteres Problem, wenn pulverisierte Droge in ein Dragée abgefüllt wird: Die Droge besteht zum allergrössten Teil aus Gerüststoffen, die das Pflanzenmaterial aufbauen – bei einer Wurzel beispielsweise aus Zellulose. Nur der allerkleinste Teil des Dragée-Inhalts werden Wirkstoffe sein.

Dieses Problem scheint auch der Sinupret-Hersteller Bionorica erkannt zu haben.

Im Jahr 2012 kam Sinupret extract auf den Markt. Es enthält einen Trockenextrakt aus einer Mischung von Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Krause Ampfer Kraut, Holunderblüten und Eisenkraut.

Zusammensetzung laut Arzneimittel-Compendium:

Wirkstoff: 160 mg Trockenextrakt (DEV 3-6:1, Auszugsmittel Ethanol 59% (V/V)) aus einer Mischung von Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Kraut des Krausen Ampfers, Holunderblüten und Eisenkraut (1:3:3:3:3).“

Für die Herstellung des Trockenextrakts werden die Wirkstoffe mit Alkohol ausgezogen und anschliessend der Alkohol im Vakuum schonend bei tiefer Temperatur abgedampft.

Ein Dragée Sinupret extract enthält daher keine überflüssigen Gerüststoffe und stattdessen die Wirkstoffe in konzentrierter Form.

Nach Angaben von Bionorica enthält Sinupret extract die Wirkstoffe in 4-facher Konzentration:

„Eine 4-fache Konzentration ist nicht gleichzusetzen mit der 4-fachen Wirksamkeit. Die 4-fache Konzentration bezieht sich auf Ø 720 mg eingesetzte Pflanzenmischung in Sinupret extract (entspricht 160 mg Trockenextrakt) im Vergleich zu 156 mg Pflanzenmischung in Sinupret forte, bzw. auf die die schleimlösende bzw. entzündungshemmende Eigenschaft mitbestimmenden Bioflavonoide.“

Quelle: http://www.bionorica.de/atemwege/sinupret®.html

Wer Sinupret anwenden will, sollte daher meines Erachtens Sinupret extract wählen, weil es die effizientere und modernere Arzneiform ist.

Wer Pflanzliche Arzneimitttel fundiert kennenlernen möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung. Es lohnt sich, weil Phytotherapie-Wissen vielfältig, interessant und nützlich ist.

 

Softdrinks sind die wahren Zuckerbomben

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch warnt, dass nicht Süßigkeiten sondern Softdrinks die gefährlichen Zuckerbomben sind.

Verbraucher in Deutschland konsumieren mehr Zucker über Softgetränke als über Süßigkeiten. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch publizierte dazu Zahlen des Instituts Euromonitor International:

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Zucker über Erfrischungsgetränke betrug im Jahr 2016 durchschnittlich 26 Gramm pro Tag und 9,5 Kilogramm pro Jahr.

Bei Süßigkeiten lag der Verbrauch bei 18 Gramm täglich beziehungsweise rund 6,5 Kilogramm pro Kopf und Jahr.

 

Quelle:

 

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/foodwatch-warnt-softdrinks-sind-die-zuckerfalle-15807323.html

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Das ist nicht nur ein Problem bezüglich der damit verbundenen hohen Kalorienzufuhr. Zucker wird aus den wässigen Lösungen der Softdrinks auch ausgesprochen rasch in den Organismus aufgenommen. Der rasch ansteigende Blutzuckerspiegel bewirkt eine prompte Insulinausschüttung, belastet damit auf die Länge die Bauchspeicheldrüse und hat zieht einen ganzen Rattenschwanz von gesundheitlichen Problemen mit sich.

Weil der Begriff „Softdrink“ nicht so geläufig ist, hier noch ein paar Beispiele dafür, welche Art von Produkten gemeint ist:

 

– Coca-Cola
– Fanta
– Sprite
– Almdudler
– Elmer Citro
– Lufrutta
– Gazosa

– Pepita 
– Pepsi 
– Rivella 
– S. Pellegrino
– Schweppes 
– Sinalco 

Die Produkte enthalten unterschiedliche Zuckermengen. Ein Blick auf die Zutatenliste kann sich lohnen. Aber generell wäre ratsam, zuckerhaltige Softdrinks nur sehr zurückhaltend zu konsumieren oder besser noch zu meiden.

Ein vergleichbares Problem gibt es im übrigen auch bei vielen Eistee-Sorten und auch bei unverdünnten Fruchtsäften, die schon von Natur aus einen hohen Zuckergehalt mitbringen.

 

Selbst gebraute Kräutertees sind auch in dieser Hinsicht eine interessante Alternative.

Man hat dabei den Durchblick und die Wahl, ob, welche und wieviel Süssmittel dazugegeben werden. Es gibt eine ganze Reihe von Kräutertees, die sich als Tagestee eignen, zum Beispiel Lindenblüte, Verveine (= Wohlriechendes Eisenkraut), Hagebutten, Karkade und viele andere mehr. Sie lassen sich auch gut in unterschiedlichen Verhältnissen mischen, wodurch Abwechslung ermöglicht wird. Bei solchen Tagestee-Mischungen steht nicht die Heilwirkung im Vordergrund, sondern der angenehme Geschmack.

Wer mehr über Kräutertees und auch über ihre Wirkungen lernen möchte, kann das in meinen Lehrgängen – in der Phytotherapie-Ausbildung und im Heilpflanzen-Seminar.

 

Minze und Pfefferminze – wo liegt der Unterschied?

Oft wird mit „Minze“ in erster Linie die bekannte „Pfefferminze“ gemeint. Ihr belebender, scharfer Geschmack erinnert ein wenig an Pfeffer. Wegen ihres hohen Gehalts an Menthol ist die Pfefferminze auch für die Heilkunde interessant.

Ein Glas Pfefferminztee kann lindernd auf Magen-Darm-Beschwerden und Erkältungskrankheiten wirken. Für  die Zubereitung werden einige frische Blätter mit heißem Wasser übergossen. Anschließend abgedeckt etwa 6 bis 8 Minuten ziehen lassen und dann absieben.

Die Pfefferminze wird in der Lebensmittelindustrie zum Beispiel für Kaugummis, Pralinen und Eis verwendet.

Sie trägt den botanischen Namen Mentha x piperita und soll natürlicherweise als Kreuzung zwischen Krauseminze (Grüne Minze) und Bachminze (Wasserminze) entstanden sein. Das x im botanischen Pflanzennamen ist ein Hinweis darauf, dass es sich um eine Kreuzung handelt.

Die Gattung Mentha (Minze) gehört zur Pflanzenfamilie der Lippenblütler (Lamiaceen) und umfasst rund 30 unterschiedliche Arten und viele Kreuzungen. Die Minzen sind mehrjährigen, krautigen Pflanzen, können 20 bis 100 Zentimeter hoch werden und viele sind in Europa heimisch. Sie unterscheiden sich oft deutlich im Aussehen, aber auch im Geschmack.

Die Schärfe der Pfefferminze ist nicht jedermanns Geschmack, sodass sie zum Kochen und für kalte Getränke nur selten verwendet wird. Für diese Zwecke eignen sich andere Minzen besser.

Die Grüne Minze zum Beispiel wird gerne zum Würzen von Blattsalaten, Chutneys, Fleisch und Fisch genutzt.

Die Marokkanische Minze dient der Verfeinerung von Reis, Bulgur und sommerliche Cocktails, während die Schokominze speziell gut zu Süßspeisen passt. Obstsalate bekommen mit fruchtigen Minzen eine spezielle Note. Gibt man einen Stängel Erdbeerminze in eisgekühltes Mineralwasser, bekommt man ein erfrischendes Getränk.

Im Garten benötigt die Pfefferminze nur wenig Pflege, wenn der Boden humusreich und ausreichend feucht ist. Mentha piperita mag leicht schattige, jedoch warme Standorte unter Bäumen und vor Sträuchern. Allerdings kann sich die Pfeferminze rasch im ganzen Garten ausbreiten, da sie sich über unterirdische Ausläufer vermehrt. Im späten Frühjahr liefert sie die ersten aromatischen Blätter.

Der Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen ist kurz vor der Blüte am höchsten. Die beste Zeit für die Ernte sollen die frühen Morgenstunden sein, da der Gehalt an ätherischem Öl bis zum Abend sinkt. Man schneidet die Stängel samt Blättern kurz über dem Boden ab und hängt sie in Büscheln zum Trocknen auf. So kann das feine Minzaroma ganzjährig konserviert werden.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/bzfe-newsletter-nr-20-vom-17-mai-2017-30212.html#3

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Von allen Minzenarten ist für die Phytotherapie die Pfefferminze mit Abstand am wichtigsten. Pfefferminzblätter enthalten etwa 0,5 – 4,0 % ätherisches Pfefferminzöl mit einem Anteil von 35 – 45 % Menthol. Menthol wirkt antimikrobiell, gallenflussfördernd und krampflösend auf die glatte Muskulatur des Darmes. Ausserdem löst es auf der haut einen Kühleffekt aus, genauer die Empfindung von kühl.

Die Krauseminze (Mentha spicata) enthält etwa 0,8 – 2,5% ätherisches Öl, das sich in seiner Zusammensetzung prägnant von Pfefferminzöl unterscheidet. Es enthält als Hauptkomponente 40 – 80 % Carvon, ein Keton, das auch als charakteristischer Inhaltsstoff des ätherischen Kümmelöls bekannt ist. Mentha spicata verströmt einen Kaugummi-Geruch („Spearmint).

In der Heilkunde wird zudem die Ackerminze genutzt (Mentha arvensis). Ihr ätherisches Öl kommt unter Bezeichnungen wie Minzöl, Japanisches Minzöl oder Japanisches Heilpflanzenöl in den Handel und enthält  25 – 40 % Menthol.

Siehe dazu:

Was ist Minzöl / Japanisches Pfefferminzöl?

In der Natur trifft man bei uns am häufigsten die Rossminze an (Mentha longifolia). Sie wächst bis zu 1 Meter hoch und braucht nassen stickstoffreichen Boden. Da sie unangenehm nach Petroleum riecht, eignet sie sich eher weniger zur Teezubereitung.

Die Wasserminze (Mentha aquatica) ist eine Sumpfpflanze und kommt auf nassen, zeitweise überschwemmten, nährstoff- und basenreichen Böden vor. Sie verströmt den charakteristischen Minzduft besonders intensiv, nur schon wenn man in der Natur auf ein Blatt tritt, kann man den Minzgeruch oft deutlich wahrnehmen. Die Pflanze duftet, auch ohne dass man die Blätter zerreibt. Zur Linderung von Magenbeschwerden und zur Steigerung der Gallenproduktion steht die Wasserminze der Pfefferminze kaum nach.

Auf Wikipedia findet sich der Hinweis:

„Die Wasserminze zählte neben dem Echten Mädesüß (Filipendula ulmaria) und dem Eisenkraut (Verbena officinalis) zu den heiligen Kräutern der Druiden.“

Leider fehlt dort eine Quellenangabe. Zudem wurde uns von den Druiden selbst mit Ausnahme von wenigen Weiheschriften und Steintafeln mit religiösem Inhalt sowie dem Kalender von Coligny nichts überliefert. Als Grund dafür wird zumeist das von Gaius Iulius Caesar berichtete Schriftverbot für die Inhalte ihres Glaubens gesehen.

(Quelle: Wikipedia)

Daher sind heute verbreitete Angaben zu Heilkräutern der Druiden oft willkürlich, widersprüchlich und mit Vorsicht zu geniessen.

Zur Gattung der Minzen siehe auch:

Blick ins Pflanzenlexikon: Pfefferminze und andere Minzen

Zur Pfefferminze in der Phytotherapie:

Pfefferminztee bei Verdauungsbeschwerden

Pfefferminzöl bewährt sich bei Spannungskopfschmerzen:

DGS-Praxisleitlinien Schmerzmedizin: Pfefferminzöl gegen Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl bei Kopfschmerzen

Pfefferminzöl wirkt als magenresistente Kapsel verabreicht krampflindernd bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile):

Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl lindert Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom schmerzlindernd

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

Phytopharmaka in der Europäischen Leitlinie zur Behandlung von Rhinosinusitis

Die europäische Leitlinie zur Behandlung der Rhinosinusitis ist gegenwärtig die aktuellste Therapieempfehlung von HNO-Ärzten für die Behandlung viraler Atemwegsinfektionen (»Erkältung«). Sie enthält auch Empfehlungen für pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka), die in einem Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ beschrieben werden:

„Cineol und Myrtol, aber auch Pelargonium-Extrakte kommen zur Therapie viraler Atemwegsinfekte infrage….. In klinischen Studien konnten im Vergleich zu Placebo die Symptome bei einer akuten viralen Rhinosinusitis ab dem vierten Tag gelindert werden Auch die Kombination aus fünf Pflanzenextrakten (Enzian, Schlüsselblume, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut) konnte in einer neueren, Placebo-kontrollierten klinischen Studie positive Effekte auf die Symptome einer akuten Rhinosinusitis zeigen. Die Effektstärke war vergleichbar mit der Stärke der Wirkstoffe, die in der europäischen Leitlinie bereits diskutiert wurden (Cineol, Myrtol, Pelargonium)“

Die Effektstärke der genannten Therapeutika sei in den Studien nicht sehr groß gewesen und die Wirkung sei erst mit Verzögerung (vier bis sieben Tage) eingetreten.

„Dennoch gelten diese ausgewählten pflanzlichen Arzneimittel als angemessene und wirksame Apothekenempfehlung, auch ergänzend zur akut symptomatischen Therapie.“

Für die traditionelle chinesische Medizin spricht die Europäische Leitlinie aufgrund unzureichender Daten explizit keine Empfehlung aus.

Für Echinacea-haltige Präparate schätzt sie die Datenlage als widersprüchlich ein und empfiehlt sie aus diesem Grund ebenfalls nicht.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=59826

Kommentar & Ergänzung:

In die Leitlinien aufgenommen zu werden ist so etwas wie eine Auszeichnung, weil es dazu positive Ergebnisse aus klinischen Studien braucht.

Und damit solche Ergebnisse zustande kommen, braucht es Firmen, die Geld in die Forschung stecken. Das ist nicht ganz einfach für Phytopharmaka, weil grosse Investitionen in die Forschung sich nur lohnen für patentierte Produkte. Die Mehrzahl der Heilpflanzen-Präparate ist aber nicht patentiert.

Leitlinien sind für die Phytotherapie meines Erachtens nicht das einzige oder letzte Mass. Sie bieten aber trotzdem eine wichtige Orientierung.

Bei der in den Leitlinien erwähnten Kombination aus fünf Pflanzenextrakten (Enzian, Schlüsselblume, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut) handelt es sich im „Sinupret®“. Die Zusammensetzung dieses Präparats ist nicht sehr plausibel, doch gibt es dafür positive klinische Studien. Myrtol ist als „Gelomyrtol®“-Kapseln im Handel, Pelargonium als „Umckaloabo®“ und „Kaloabo®.

Siehe auch:

Phytopharmaka gehören in die Leitlinien

S3-Leitlinie bestätigt Empfehlung für Johanniskraut als Erstlinientherapie der unipolaren Depression

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Medikamentencheck für Erkältungsmittel: Sinupret

Spiegel online veröffentlichte eine Beurteilung von „chemischen“, pflanzlichen und homöopathischen Erkältungsmitteln. Als Experte fungierte dabei Peter Sawicki. Der Internist und Diabetologe war von 2004 bis 2010 Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln.

Eines der beurteilten Erkältungsmittel ist Sinupret. Das Präparat enthält Eisenkraut, Enzianwurzel, Gartensauerampferkraut, Holunderblüten und Schlüsselblumenblüten. Sinupret forte wird bei akuter Nasennebenhöhlenentzündung eingesetzt und ist das am meisten verkaufte pflanzliche Arzneimittel in Deutschland.

Zu Sinupret schreibt Peter Sawicki:

„Das Präparat ist eine Mischung aus verschiedenen Pflanzenextrakten ohne nachgewiesenen Nutzen bei Virusinfekten und Infekten der oberen Atemwege. Grundsätzlich ist das Medikament (mit Ausnahme des Sirups) nur zur Behandlung der Infektion der Nasennebenhöhlen zugelassen – also nicht bei grippalen Symptomen“

Quelle:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/erkaeltung-was-hilft-gelomyrtol-umckaloabo-echinacea-im-test-a-954781.html

Kommentar & Ergänzung:

Ein hartes Urteil zu einem Präparat, das so häufig gekauft wird. Man könnte argumentieren, dass ein so häufig gekauftes Präparat auch wirksam sein müsse. Aber so einfach ist die Wirksamkeit nicht beurteilbar, weil eine akute Nebenhöhlenentzündung in der Regel nach ein paar Tagen auch von selbst abklingt.

Es gibt eine ganze Anzahl klinischer Studien zu Sinupret, die dem Präparat eine Wirksamkeit zuschreiben. Allerdings ist die Qualität der meisten dieser Studien nicht gerade hoch. Wikipedia führt eine neuere Studie an, die ein positives Resultat zeigte:

„Das 2012 zugelassene Sinupret extract wurde in einer doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten klinischen Studie an 386 Patienten untersucht. Das Hauptzielkriterium (ein Symptomwert, der nasale Sekretion, retronasale Sekretion, Verstopfung der Nase, Kopfschmerz und Gesichtsdruck berücksichtigt) war nach Behandlung mit Verum signifikant verbessert gegenüber der Behandlung mit Placebo.“

Die Studie wurde hier veröffentlicht.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23193534?dopt=Abstract

Die „Medical-Tribune“ beschrieb 2012 die Studie so:

„Prof. Bachert berichtete über eine multizentrische Phase-III-Studie mit der Prüfsubstanz BNO 1016 (seit 1. Oktober als Sinupret® extract im Handel), die doppelblind, randomisiert und placebokontrolliert (DBRPC) mit 380 Patienten durchgeführt wurde. Sie erhielten über rund 15 Tage täglich entweder Placebo oder 480 mg BNO 1016 (3 x 2 Drg.).
Die Wirksamkeit wurde anhand des Major Symptom Score (MSS) bewertet, der fünf Symptome umfasst (anteriore bzw. posteriore Rhinorrhö, nasale Verstopfung, Kopfschmerz, Gesichtsschmerz). Ab dem dritten Behandlungstag zeigte sich ein deutlicher Unterschied zugunsten des Verums.

In dieser laut Prof. Bachert ersten DBRPC-Studie mit einem Phytopräparat bei akuter Rhinosinusitis waren Patienten unter der Phytotherapie 3,8 Tage früher geheilt als Angehörige der Placebogruppe. Der MSS zeigte sich am Tag 15 signifikant reduziert, was durch Sonographie der Nasennebenhöhlen bestätigt wurde.“

Quelle:

http://www.medical-tribune.ch/medizin/fokus-medizin/artikeldetail/rhinosinusitis-antibiotikum-oft-unnoetig.html

So wie eine einzelne Schwalbe noch keinen Frühling macht, macht eine einzelne gute Studie allerdings noch keine eindeutig belegte Wirksamkeit.

Leider. Auf diesem Hintergrund ist das harte Urteil des Experten nachvollziehbar, wenn die Kriterien der evidenzbasierten Medizin als massgeblich betrachtet werden.

Die Studie wurde mit „Sinupret extract“ durchgeführt, während im Spiegel von Sinupret oder Sinupret forte die Rede ist.

Das ist aber ein grosser Unterschied, der vielleicht bei dieser Beurteilung im Spiegel nicht oder zuwenig berücksichtigt wurde:

Sinupret Drg.:

Enzianwurzel (6 mg), Primelblüten (18 mg), Sauerampferkraut (18 mg), Holunderblüten (18 mg), Eisenkraut (18 mg)

Sinupret Forte Drg:

Enzianwurzel (12 mg), Primelblüten (36 mg), Sauerampferkraut (36 mg), Holunderblüten (36 mg), Eisenkraut (36 mg)

Sinupret und Sinupret forte enthalten getrocknete, pulvierisierte Heilpflanzen in einem Dragees und das in eher geringer Menge, wobei der Gehalt in Sinupret forte doppelt so hoch ist.

Sinupret extract enthält dagegen laut Beipackzettel pro Tablette 160,00 mg Trockenextrakt  aus Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten, Eisenkraut. Durch die Verwendung eines Trockenextraktes kann eine etwa vierfach höhere Konzentration an Wirkstoffen erreicht werden. Sinupret extract ist in Deutschland auf dem Markt, leider aber nicht in der Schweiz. Sinupret extract ist überzeugender und ich würde es vorziehen – jedenfalls für Erwachsene. Das Präparat kann in der Schweiz via Apotheke auch aus Deutschland besorgt werden.

Eigenartig finde ich die Verwendung von Schlüsselblumenblüten, weil Schlüsselblumenwurzel etwa 4mal mehr wirksamkeitsbestimmende Saponine enthält. Für Schlüsselblumenwurzel ist ein schleimlösender Effekt relativ gut dokumentiert. Auch sonst habe ich einige Fragezeichen zur Zusammensetzung von Sinupret. Für Enzianwurzel, Holunderblüten und Ampferkraut postuliert der Hersteller schleimlösende und antivirale Wirkungen, die jedoch hauptsächlich durch Tierversuche und Experimente mit Zellkulturen belegt werden. Solche Ergebnisse lassen sich nicht einfach auf die Anwendung am Menschen übertragen.

Mein eigenes Fazit: Sinupret und Sinupret forte überzeugen mich nicht (Sinupret, Sinupret forte) oder mässig (Sinupret Extrakt).

Sehr positiv bewerte ich, dass Bionorica als Hersteller von Sinupret ein mittelständischer Betrieb ist, der viel in Forschung und Entwicklung zugunsten von Phytopharmaka investiert. Ich schätze das auch bei anderen Herstellern (z. B. Schwabe, Zeller). Trittbrettfahrer haben wir genug. Wer in Forschung und Entwicklung investiert, sollte auch von Konsumentinnen und Konsumenten unterstützt werden.

P. S.

Ich selber bevorzuge im Übrigen bei Nasennebenhöhlenentzündung und Bronchitis eher Gelomyrtol®.

Siehe:

Myrtol / Gelomyrtol bei Husten und Bronchitis

Phytopharmaka: Gelomyrtol / Gelodurant / Sibrovita – was ist der Unterschied?

Myrtol bei Bronchitis und Sinusitis

Neu in der Schweiz: Gelomyrtol gegen Bronchitis und Sinusitis

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Lavendel und Melisse als “Stresskiller”

Der NHV Theoprastus, ein Verein zur Förderung traditioneller Heilkunde, empfiehlt uns:

„Wer bei den Weihnachtsvorbereitungen einen Stresskiller braucht, kann es mit einem Tee aus Lavendel oder Melisse versuchen. Die beiden Heilpflanzen gelten als beruhigend für gereizte Nerven.“

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/tee-aus-melisse-oder-lavendel-als-stresskiller-081300427.html

Kommentar & Ergänzung:

Lavendel (Lavandula angustifolia) und Melisse (Melissa officinalis) sind beides Heilpflanzen, die zur Entspannung beitragen können.

Die Bezeichnung Stresskiller ist im zweiten Teil des Wortes allerdings schon ein bisschen gar hart .

Beide Pflanzen verdanken ihre beruhigende Wirkung dem ätherischen Öl, also dem Lavendelöl bzw. dem Melissenöl.

Lavendelblüten werden eher selten als Tee verwendet. Bewährt haben sie sich als Lavendelsäckchen, das man unters Kopfkissen legt. Häufiger wird das Lavendelöl genutzt:

– Als Lavendelduft eingeatmet,

– gemischt mit Mandelöl oder Bodylotion eingerieben oder

– als Lavendelbad (8 Tropfen in etwas Kaffeerahm gemischt ins Badewasser).

Melissenblätter eignen sich gut als beruhigender Tee. Allerdings verlieren sie beim Trocknen und Aufbewahren rasch ihr ätherisches Öl. Dem Melissentee fehlt dann sein charakteristisches Aroma. Tee aus frischen Melissenblätter wäre besser, ist aber im Winter nicht so einfach greifbar.

Melissenöl wirkt wie Lavendelöl entspannend und ist in gleicher Weise anwendbar (Einatmen, Einreiben in Bodylotion, als Melissenbad). Allerdings ist Melissenöl viel teurer als Lavendelöl.

Ganz abgesehen von der Wirksamkeit spricht für die Anwendung von Kräutertee gegen Stress auch das Teeritual, das schon für sich allein genommen einen entspannenden Effekt hat.  Wichtig wird dabei auch sein, welchen Tee man vom Geschmack her mag.

Verveine (Zitronenverbena, Wohlriechendes Eisenkraut) ist in dieser Hinsicht sehr beliebt und wirkt leicht beruhigend.

In manchen Ländern ist als Abendtee die Kamille Favorit. Bei uns allerdings hat Kamillentee ein „Imageproblem“. Wer als Kind im Krankheitsfall immer Kamillentee trinken musste, wird dieses Aroma lebenslänglich mit elenden Zuständen verbinden.

Tipp: Probieren Sie den Kamillentee mal mit etwas Zitronensaft. So lässt sich sein Aroma modifizieren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytopharmaka reduzieren bei akuter Sinusitis den Sekretstau

Im Phyto-Forum der Ärztezeitung wurde die Frage gestellt, welche Alternativen es gebe, wenn Patienten bei akuter Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung) die eigentlich unverzichtbaren Nasentropfen oder Nasensprays mit α-Sympathomimetika ablehnen.

Beantwortet hat die Frage Professor Jürgen Reichling.

Er hält den Einsatz von Phytopharmaka bei akuter Sinusitis für äußerst sinnvoll.

„Sie können entweder mit α-Sympathomimetika kombiniert oder aber auch als alleinige Therapieoption eingesetzt werden.“  Es komme dabei zum Abschwellen der Schleimhaut, zur Sekretolyse und Förderung der Sekretomotorik. Durch diese Maßnahmen werde ein Sekretstau verhindert.

Klinische Studien zum Einsatz von Phytopharmaka bei akuter Sinusitis liegen gemäss Reichling für die Fertigpräparate GeloMyrtol® (Myrtol = Gemisch eines ätherischen Öls), Soledum® (isoliertes 1,8-Cineol) und Sinupret® (Kombinationspräparat aus Extrakten von Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut) vor.

Bei chronischer Sinusitis sollten Phytopharmaka allerdings nur als Begleittherapie zur Anwendung kommen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/phytotherapie/article/814714/akute-sinusitis-phytopharmaka-verhindern-sekretstau.html?sh=14&h=-1654080400

Kommentar & Ergänzung:

Weitere Infos siehe:

Wirkstoffkunde: Was ist Cineol / 1,8-Cineol?

Myrtol / GeloMyrtol® bei Husten und Bronchitis

Phytopharmaka: Gelomyrtol / Gelodurant und Sibrovita – Unterschied?

Neu in der Schweiz: GeloMyrtol® gegen Bronchitis & Sinusitis

Soledum® ist in Deutschland im Handel, nicht aber in der Schweiz.

Sehr erfolgreich im Markt ist Sinupret®, obwohl die Kombination von Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut sehr ungewöhnlich und nicht so ohne weiteres nachzuvollziehen ist.

Enzianwurzel zum Beispiel wird wegen den Bitterstoffen bei Völlegefühl und Appetitlosigkeit eingesetzt. Die Belege für eine schleimlösende Wirkung sind ziemlich schwach.

Schlüsselblumenblüten sind wegen ihrem Gehalt an Saponinen in der Phytotherapie als schleimlösend anerkannt. In den Schlüsselblumenwurzeln wäre der Gehalt an Saponinen aber etwa viermal höher. Auch Holunderblüten wirken schleimlösend, doch würde ich dann eher Holunderblütentee empfehlen, weil so höchstwahrscheinlich eine wesentlich höhere Zufuhr an Inhaltsstoffen erreicht werden kann als mit den Sinupret-Dragées.

Auch bei Ampferkraut und Eisenkraut sind die Belege für einen Nutzen bei Sinusitis spärlich.

Prof. Reichling schreibt betreffend Sinupret von Extrakten aus Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut. Extrakte sind allerdings nur im Präparat “Sinupret extrakt” enthalten, das punkto Inhaltsstoffe daher etwa 4mal konzentrierter ist als die Sinupret forte Dragées, welche nur getrocknete Heilpflanzen enthalten. “Sinupret extrakt” ist in der Schweiz allerdings bisher nicht im Handel (in Deutschland jedoch schon).

Wikipedia fasst die Datenlage zur Wirksamkeit von Sinupret so zusammen:

„ Eine sekretolytische Wirkung wurde im klassischen Percy- und Boyd-Modell bestätigt. Positive Ergebnisse wurden aus verschiedenen Blindstudien gewonnen. Ein substanzspezifischer positiver Beitrag von Eisenkraut liegt für die Kombination der Pflanzenextrakte nicht vor. Der Arzneiverordnungs-Report kritisierte eine fehlende pharmakologische Zuordnung der fünf Wirkstoffe, die antiviral, antiinflammatorisch und sekretolytisch wirken sollen. Das Medikament habe 1997 die Nachzulassung erhalten, ohne dass die eingereichten Daten einer streng wissenschaftlichen Überprüfung standhalten konnten.

Das 2012 zugelassene Sinupret extract wurde in einer doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten klinischen Studie an 386 Patienten untersucht. Das Hauptzielkriterium (ein Symptomwert, der nasale Sekretion, retronasale Sekretion, Verstopfung der Nase, Kopfschmerz und Gesichtsdruck berücksichtigt) war nach Behandlung mit Verum siginifikant verbessert gegenüber der Behandlung mit Placebo.“

(Quelle: Wikipedia, Literaturangaben dort)

Ich nehme ein Präparat wie Sinupret durchaus ernst, doch bleiben eine ganze Reihe von Fragen zu diesem Phytopharmaka offen.

Markterfolg ist jedenfalls noch kein Beleg für Wirksamkeit. Markterfolge gibt es nämlich beispielsweise auch für Nashornpulver bei Potenzproblemen….

Siehe: Traditionelle Medizin gefährdet Nashörner

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Verveinetee gegen Nervosität – stimmt’s?

„Die Pflanze ist auch unter dem Namen Zitronenverbene oder Zitronenstrauch bekannt. Die Blätter enthalten ein feines, frisch nach Zitrone duftendes ätherisches Öl, das beruhigend bei Nervosität und Schlaflosigkeit wirkt……Für einen Tee 1 TL getrocknete Verveine­blätter mit 200 ml kochendem Wasser aufgießen, 10 Minuten ziehen lassen. Alternative: Frische Blätter mit kochendem Wasser übergießen und eine halbe Stunde ziehen lassen.“

Quelle:

http://madonna.oe24.at/gesund/Die-besten-Heilkraeuter-fuer-die-Seele/83718451

Kommentar & Ergänzung:

Verveine (Aloysia triphylla, Lippia citriodora) stammt aus Südamerika ( Argentinien und Chile) und ist eine beliebte Gartenpflanze, Zierpflanze und Teepflanze in warmen und gemässigten Klimaregionen. Vor allem in Frankreich wird Verveinetee gern als Genusstee verwendet.

Verveinetee gilt traditionell aber auch als Beruhigungsmittel und wird gegen Verdauungsbeschwerden empfohlen.

Das ätherische Öl aus den Blättern (Verveineöl) enthält als charakteristische Bestandteile Neral und Geranial (das Gemisch wird Citral genannt).

Citral entfaltet ein intensives Zitronenaroma und  ist auch Hauptbestandteil der ätherischen Öle von Melisse (Melissa officinalis) und Zitronengras (Cymbopogon citratus, syn. Andropogon citratus). Zusammen mit Citronellal ist es Hauptbestandteil des Melissengeists und Grundstoff zahlreicher Liköre. Im Melissentee und im Melissenöl ist Citral das beruhigende Wirkprinzip.

Mit dem Inhaltsstoff Citral lässt sich eine beruhigende Wirkung von Verveinetee begründen. Klinische Studien, die eine solche Wirkung belegen könnten, gibt es dazu allerdings nicht.

Die Bezeichnung Eisenkraut für Verveine und Eisenkrautöl für Verveineöl sind etwas irreführend. Mit Eisenkraut wird botanisch Verbena officinalis bezeichnet. Eisenkrauttee aus Verbena officinalis schmeckt sehr bitter und riecht eher streng. Kein Genusstee also.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Heilpflanzen bei Schnupfen

Die Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 1 / 2012) veröffentlichte einen Beitrag zum Thema Schnupfenbehandlung. Dabei kamen auch Heilpflanzen-Anwendungen zum Zug:

„Aus der Pflanzenheilkunde ergeben sich wirksame Möglichkeiten, den gewöhnlichen Schnupfen in den Griff zu bekommen. Beispielsweise ist die Verwendung ätherischer Öle in Form von Tropfen oder Sprays empfehlenswert. Um die Beweglichkeit der in den Atemwegen befindlichen Flimmerhärchen nicht einzuschränken, sollte auf eine hydrophile, d.h. wässrige Zusammensetzung – statt fettreicher Salben – geachtet werden. Durch den Einsatz ätherischer Öle in dieser Form kann eine Verbesserung der Nasenluft-Passage erzielt werden. Weiters bewirkt auch der aus Pflanzen gewonnene Wirkstoff Myrtol die Verflüssigung und den anschließenden Abtransport von Schleimansammlungen.  Auch die Kombination aus Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüte, Sauerampferkraut, Holunderblüte und Eisenkraut ist bei Erkrankungen der oberen Atemwege wirksam.“

Kommentar & Ergänzung:

Bei den ätherischen Ölen stehen für die Schnupfenbehandlung im Vordergrund Eukalyptusöl, Thymianöl und Pfefferminzöl. Man kann von einem dieser ätherischen Öle ein paar Tropfen auf ein Papiertaschentuch geben und dieses im Raum deponieren.

Oder man gibt einen Tropfen auf einen Topf mit heissem Wasser und atmet die Dämpfe direkt ein.

Ätherische Öle sollten bei Säuglingen und Kleinkindern nicht in der Nähe von Mund und Nase appliziert werden.

Wer keine isolierten ätherischen Öle anwenden will, kann auch Kamillenblüten und Thymiankraut mischen, kochendes Wasser darüber giessen und den Dampf inhalieren.

Kamille und Thymian eignen sich gut als Inhalationsmischung.

Der Hinweis auf den Wirkstoff Myrtol bezieht sich auf das Phytopharmakon Gelomyrtol®. Die magensaftresistenten Kaseln werden eingenommen und enthalten Myrtol, ein Destillat aus einer Mischung von Eukalyptusöl, Süssorangenöl, Myrtenöl und Zitronenöl. Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen zählen die Monoterpene Limonen, Cineol und α-Pinen.

Gelomyrtol® wird angewendet bei akuter und chronischer Bronchitis und akuter und chronischer Sinusitis bei Erwachsenen und Kindern ab 4 Jahren.

Der Hinweis auf die Kombination aus Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüte, Sauerampferkraut, Holunderblüte und Eisenkraut bezieht sich auf das Präparat Sinupret®. Das pflanzliche Kombinationspräparat wird vor allem eingesetzt bei Entzündungen der Nasennebenhöhlen.

Der Schnupfen (Rhinitis) ist aber auch das klassische Anwendungsgebiet der Nasenspülung mit Kochsalzwasser. Einer Studie zufolge, bei der eine isotonische Salzlösung eingesetzt wurde, war bei Kindern in der Akutphase einer Rhinitis das Ausmaß der Nasenschleimhautschwellung und der Nasensekretion im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne Nasenspülung signifikant vermindert. In der Präventionsphase zeigten sich weniger Sekretion, Halsschmerzen und Husten, es mussten weniger fiebersenkende oder abschwellende Medikamente eingesetzt werden und zudem fielen signifikant weniger Krankheitstage an. Eine Studie aus Deutschland kommt bei Erwachsenen zu einem vergleichbaren Resultat.

Nasenspülungen mit physiologischer Kochsalzlösung sind billig, unschädlich und wirksam.

Siehe auch:

Ätherische Öle bei Schnupfen

Menthol bei Schnupfen

Tägliche Inhalation mit Salzwasser beugt Erkältungen vor

Salzwasser-Inhalationen als Mittel gegen Erkältungen, Schweinegrippe & Co.

Akuter Schnupfen bei Kindern: Nasenspülungen sind wirksam

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Gelenkschmerzen lindern mit Zitronenverbene (Verveine) und Fischöl?

Die Carstens-Stiftung berichtet über eine Studie zur Wirksamkeit von Verveine-Extrakt und Fischöl gegen Gelenkbeschwerden.

Oxidativer Stress spiele bei entzündlichen Gelenkerkrankungen wie Arthritis oder der entzündlich aktivierten Arthrose eine primäre Rolle. Wie die Schädigung der Gelenke durch antioxidativ wirksame Stoffe aufgehalten werden könne, habe nun eine spanische Studie zu klären versucht.

In der Vergangenheit hätten verschiedene Studien gezeigt, dass eine an Omega-3-Fettsäuren reichhaltige Diät entzündliche Gelenkerkrankungen lindern kann. Zahlreiche dieser gesunden Fettsäuren seien zum Beispiel im Fischöl enthalten.

Zur Verveine schreibt die Stiftung:

„Zitronenverbene (Aloysia triphylla) dagegen gelangte im kulinarischen Bereich eher als Würzkraut zur Berühmtheit. Allerdings weisen die Verbascoside in der Zitronenverbene ein hohes antioxidatives und antientzündliches Potenzial auf.“

Im Rahmen einer Doppelblindstudie wurde nun eine Kombination aus Fischöl und Zitronenverbene in ihrer Wirkung auf die Gelenkfunktionen und den Gelenkschmerz bei Patienten mit Gelenkbeschwerden wie Arthritis oder Arthrose untersucht.

Innerhalb der ersten sechs Wochen Behandlungszeit schluckten die insgesamt 45 Studienteilnehmer entweder sechs Kapseln mit je 370 Milligramm Fischöl-Pulver und 230 Milligramm standardisierten Zitronenverbene-Extrakt pro Tag vor den Mahlzeiten, oder aber die gleiche Menge Placebo-Kapseln. In den letzten drei Wochen der insgesamt neun Behandlungswochen wurde die Dosis dann halbiert.

Mit Hilfe des WOMAC-Testverfahrens wurden sowohl die Schmerzintensität, das Ausmaß der Gelenksteifheit und der Gelenkfunktionalität erfasst. Verglichen mit der Placebo-Gruppe konnte der WOMAC-Wert in der Fischöl-Zitronenverbenen-Gruppe um über die Hälfte verbessert werden.

Quellen:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/schmerzfreie-gelenke-mit-zitronenverbene-und-fischoel.html

Literatur Caturla N, Funes L, Pérez-Fons L, Micol V. A randomized, double-blinded, placebo-controlled study of the effect of a combination of Lemon verbena extract and fish oil omega-3 fatty acid on joint management. J Altern Complement Med 2011; 17(1): 1051-1063

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22087615

Kommentar & Ergänzung:

Für mich ist an dieser Meldung nicht das Fischöl interessant, sondern die Zitronenverbena (Zitronenstrauch, Verveine).

Als Genusstee ist der Verveinetee sehr bekannt und beliebt. In der Phytotherapie-Fachliteratur fristet die Pflanze ein Mauerblümchen-Dasein, weil über ihre Wirkungen nur wenig fundierte Informationen vorliegen.

Ausserdem wird Verveine oft verwechselt mit dem einheimischen Eisenkraut (Verbena officinalis), das aber Bitterstoffe enthält und als Genusstee denkbar ungeeignet ist. Verveine stammt ursprünglich aus Mittelamerika und Südamerika (besonders Argentinien und Chile) und wird vor allem im Mittelmeergebiet kultiviert (vor allem in Spanien und Südfrankreich).

An Studien zur Wirkung der Verveine-Pflanze bin ich nur schon wegen dem eher mageren Stand des Wissens zu dieser Heilpflanze immer interessiert.

Schwierig an der beschriebenen Studie ist nun aber, dass Fischöl und Zitronenverbenen-Extrakt als Kombination angewendet wurden. So lässt sich nicht beurteilen, welcher Anteil an der Wirkung dem Fischöl zukommt und welcher der Zitronenverbene.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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