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Walnüsse mit weissem Film meiden

Walnüsse sind gesund und eignen sich gut zur Verfeinerung von Kuchen, Desserts und weiteren Gerichten. Vor der Verwendung sollte man sie jedoch genau anschauen und schimmelige Nüsse aussortieren.

Wer gerne Walnüsse isst, sollte die Früchte vorher auf Schimmel und ranzigen Geruch inspizieren. Schimmelige Nüsse enthalten den Giftstoff Aflatoxin.

Dieses starke Schimmelpilzgift ist hitzestabil und ist deshalb auch noch in gerösteten Nüssen vorhanden.

Aflatoxin kann krebserregend wirken. Von einem Verzehr absehen sollten Verbraucher auch, wenn der Kern der Walnuss in der Schale wackelt oder mit einem weißen Film oder Fäden überzogen ist.

Diese Warnung hat das Verbraucherschutzministerium Baden-Württemberg veröffentlicht.

Walnüsse sind kalorienreich – gelten jedoch nicht als Dickmacher, solange nicht mehr als eine Handvoll am Tag konsumiert wird. Die Samen enthalten Walnussöl, das reich ist an Alpha-Linolensäure, einer Omega-3-Fettsäure. Sie soll günstig wirken auf die Herzgesundheit und Entzündungen hemmen.

Quelle:

http://www.fr.de/wissen/gesundheit/ernaehrung/krebserregender-schimmel-walnuesse-mit-weissem-film-besser-aussortieren-a-1599195

 

Kommentar & Ergänzungen:

Walnüsse sind sehr gesund.

Zur gesundheitlichen Bedeutung von Walnüssen ist in den letzten Jahren eine Reihe von Studien erschienen. Zum Beispiel:

Mittelmeerdiät plus Walnüsse kann metabolisches Syndrom vermindern

Omega-3-Fettsäuren aus Walnüssen und Fisch – unterschiedliche günstige Effekte

Walnussverzehr wirkt günstig auf Darmflora

 

Aflatoxin B1 ist eine der stärksten krebserzeugenden Verbindungen überhaupt.

Aflatoxine sind auch leberschädigend, vor allem bei längerdauernder Aufnahme.

Darum ist es wichtig mit Schimmelpilzen auf Nahrungsmitteln generell sehr vorsichtig zu sein. Was angeschimmelt ist, gehört entsorgt.

 

Schmerzmittel: Entzündungswidrige Ernährung statt Ibuprofen und Diclofenac?

Das Magazin „Focus“ publiziert einen Artikel unter dem Titel:

„Statt Ibuprofen und Diclofenac

Alternative zu Schmerzmitteln: Wie Sie Entzündungen wegessen können

In der Einleitung schreibt die Autorin:

„Knie entzündet, Schulter schmerzt? Mediziner sehen darin noch nicht zwangsläufig einen Grund, zu Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Diclofenac zu greifen – viel zu stark seien die Nebenwirkungen. Viele plädieren stattdessen auf eine entzündungshemmende Ernährung – FOCUS Online zeigt, wie die aussehen könnte.“

Was ist davon zu halten? Schauen wir uns den Text genauer an.

Die Autorin weist darauf hin, dass viele Patienten bei Entzündungen schnell zu Schmerzmitteln wie Ibuprofen und Diclofenac greifen und zitiert dann den Spormediziner Klaus Pöttgen, der davon abrät: „Die Nebenwirkungen dieser Medikamente sind viel zu stark“. Stattdessen empfiehlt Pöttgen eine „regenerative Sporternährung“ – also Lebensmittel, die Entzündungen hemmen sollen.

Fünf dieser Lebensmittel empfiehlt Focus online:

Sauerkirschen, Zitronen, Ananas, Kurkuma, Omega-3-Fettsäuren aus Ölen.

Grundsätzlicher Kommentar:

  1. Dass Entzündungen sich über die Ernährung hemmen lassen, ist vorstellbar und es gibt einige Hinweise für eine solche Wirkung.
  2. Entzündungshemmer aus der Gruppe der NSAR wie Ibuprofen und Diclofenac können tatsächlich ernsthafte Nebenwirkungen und Risiken haben, insbesondere bei höherer Dosierung und bei längerdauernder Einnahme.

 

Heikel an diesem Artikel ist die Absolutheit der Aussage.

Bei hoch entzündeten Gelenken – zum Beispiel in einem Polyarthritis-Schub – reicht die entzündungshemmende Wirkung über die Ernährung in der Regel nicht aus. In solchen Fällen kann es wichtig sein, die Entzündung mit stark wirkenden Medikamenten wie Ibuprofen oder Diclofenac herunterzuholen, weil dadurch das Gelenk vor knorpelzerstörenden Enzymen geschützt werden kann. Ersetzt man auch in solchen Phasen Entzündungshemmer durch eine entzündungshemmende Ernährung, können Schäden am Gelenk die Folge sein. Eine unterstützende Wirkung der entzündungshemmenden Ernährung ist aber auch in hoch akuten Phasen möglich.

Ist die akute Entzündung abgeklungen, kann die entzündungshemmende Ernährung dazu beitragen, die Dosierung der NSAR herunterzufahren und in Phasen zwischen den Schüben möglichst ganz darauf zu verzichten.

Der Focus-Artikel vermittelt irreführenderweise den Eindruck, dass die entzündungshemmende Ernährung NSAR wie Ibuprophen oder Diclofenac immer ersetzen kann.

Es geht aber nicht um ein entweder-oder, sondern darum, in jeder Phase das passende einzusetzen.

Auch die Empfehlungen im Einzelnen werfen ein paar Fragen auf.

Zu den Sauerkirschen schreibt „Focus“:

„Die kleinen roten Früchte sind wahre Energiebomben: Sauerkirschen enthalten Antioxidantien, Vitamin C und sogenannte Anthocyanidine, die Entzündungen lindern können.“

Zum Thema Entzündungshemmung mit Sauerkirschen gibt es tierexperimentelle Studien und eine kleine Studie mit Menschen, die aber keine eindeutigen Ergebnisse liefern. Anthocyane wirken entzündungswidrig. Sie werden aber nur schlecht in den Körper aufgenommen, so dass es wichtig wäre zu wissen, wieviel Sauerkirschen bzw. Sauerkirschensaft enzunehmen ist, um eine merkbare Wirkung auszulösen. Hier sind noch viele Fragen offen.

Zu Zitronen schreibt Focus:

„Dass Zitronen einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben, ist längst kein Geheimnis mehr. Aber auch Entzündungen kann die Frucht bekämpfen. Für den optimalen Effekt reibt man aber nicht die Frucht selbst, sondern besonders die Schale einer Bio-Zitrone in das gewünschte Gericht.“

Zitronenschalen enthalten die bitter schmeckenden Flavonoide Neohesperidin und Naringenin, sowie das nicht bittere nicht  Rutin; Hydroxycumarine, Furanocumarine, Zitronensäure und Pektine.

Dazu sind mir keine Untersuchungen bekannt. Flavonoide wirken als Radikalfänger und steigern zum Teil auch die Kapillarresistenz. Ein Effekt auf Entzündungen ist meines Erachtens vollkommen unklar, nicht zuletzt auch deshalb, weil wohl nur wenige Menschen die bitterschmeckenden Zitronenschalen in den nötigen Mengen regelmässig einnehmen werden.

Zu Ananas schreibt Focus:

„Ebenfalls nicht zu verachten ist die Kraft der Ananas: Sie enthält ein Enzym, das bei Entzündungen hilft – und nebenbei auch die Verdauung anregt.“

Das erwähnte Enzym heisst Bromelain. Es wurde in klinischen Studien bei Gelenkbeschwerden gegen Placebo und gegen NSAR untersucht, wobei nur etwa jede zweite Studie nicht negativ ausfällt. Das ist nicht gerade überzeugend. Ein sicherer Nachweis der therapeutischen Wirksamkeit von Bromelain konnte jedenfalls noch nicht erbracht werden. In diesen Studien wurde Bromelain in Form von magensaftresistenten Dragees oder Filmtabletten verabreicht, weil dieses Enzym bereits im Magen bereits zum grössten Teil verdaut wird. Warum erwähnt Focus diese bedeutende Einschränkung nicht?

Zu Kurkuma schreibt Focus:

„Kurkuma ist ein Hauptbestandteil von Currypulver. Dem aus Südasien stammenden Gewürz schreibt Sportexperte Pöttgen ebenfalls entzündungshemmende Eigenschaften zu. Der Körper kann es gut aus dem Currypulver, bei akuten Entzündungen aber besser in Form von Dragees aufnehmen.“

Kurkuma als Gewürz stammt von der Wurzel von Curcuma longa (Gelbwurz) und enthält als Hauptwirkstoff den gelben Farbstoff Curcumin.

Curcumin ist ein intensiv wissenschaftlich untersuchter Naturstoff. In Laborexperimenten zeigt Curcumin entzündungswidrige Effekte. Ob diese Wirkung auch im menschlichen Organismus in relevanter Intensität auftritt, ist nicht bekannt. In deutlichem Gegensatz zu den Ausführungen auf Focus online ist die Aufnahmerate aus dem Verdauungstrakt in den Organismus nämlich sehr gering. Erhitzung oder Auflösung in Öl erhöht die Bioverfügbarkeit von in Lebensmitteln enthaltenem Curcumin.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2016 zeigte, dass Curcumin in klinischen Studien bei Arthrosepatienten sowohl die Schmerzen verringern als auch die Beweglichkeit verbessern kann. Der Erfolg der klinischen Studien hängt wegen der geringen Bioverfügbarkeit von Curcumin stark von der eingesetzten Curcumin-Formulierung ab, den verwendeten Präparaten werden nämlich oft Substanzen wie Piperin (einem Bestantteil des Pfeffers) zugesetzt, um die Aufnahmefähigkeit zu verbessern.

Siehe:

https://www.liebertpub.com/doi/10.1089/jmf.2016.3705

Zu Omega-3-Fettsäuren aus Ölen schreibt Focus:

„Ebenfalls entzündungshemmend wirken Omega-3-Fettsäuren. Es steckt in Lein-, Oliven- und Rapsöl. Auch Wildlachs ist reich an Omega-3-Fettsäuren. Doch Seefisch sollten Sie allgemein mit Vorsicht genießen: Die Tiere sind heutzutage stark mit Quecksilber und anderen schädlichen Stoffen belastet.“

Omega-3-Fettsäuren wurden vor allem in Form von Fischöl-Präparaten untersucht. In der Mehrzahl der Studien konnten Präparate mit Omega-3-Fettsäuren Schmerzen und andere Symptome bei rheumatoider Arthritis nicht verbessern. Die Resultate sind teilweise jedoch widersprüchlich. Ob eine fischreiche Ernährung wirksam ist, wurde bisher nur ungenügend untersucht.

Insgesamt werden die Möglichkeiten der empfohlenen Mittel im Focus-Artikel also sehr übersteigert und unkritisch dargestellt. Aber ein solcher Text spricht natürlich die Besucherinnen und Besucher der Website an und generiert bestimmt viele Klicks, was die Werbeeinnahmen von Focus sprudeln lässt.

Quelle der Zitate:

https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/entzuendungshemmende-ernaehrung-so-essen-sie-entzuendungen-einfach-weg_id_9199459.html

Ingwer gegen Mundgeruch

Ein Scharfstoff aus der Gewürzknolle reduziert üblen Atem.

Wissenschaftler haben entdeckt, dass Ingwer gegen schlechten Atem hilft. Ein in der Gewürzpflanze enthaltener Scharfstoff steigert die Produktion eines wichtigen Speichelenzyms. Dieses Enzym ist in der Lage, schwefelhaltige Verbindungen im Mund abzubauen. Dadurch verschwindet nicht nur der unangenehme Nachgeschmack, den manche Lebensmittel nach dem Konsum hinterlassen – wir riechen auch besser.

Ingwer ist eine nützliche und beliebte Pflanze: Er verleiht Tee, Gebäck, asiatischen Gewürzmischungen oder Sushi-Kreationen einen angenehmen Schärfekick und kann in der Küche vielseitig eingesetzt werden. Darüber hinaus ist er aber auch als Heilpflanze bekannt. Denn der Ingwer enthält ätherische Öle und Scharfstoffe, die im Körper positive Wirkungen entfalten können. So wirkt Ingwer zum Beispiel gegen Übelkeit und Brechreiz, reduziert Schmerzen und lindert Entzündungen.

Forscher um Thomas Hofmann von der Technischen Universität München haben nun einen weiteren Effekt der Knolle zeigen können. Sie untersuchten im Labor, wie unterschiedliche Inhaltsstoffe von Lebensmitteln auf die im Speichel gelösten Moleküle wirken und stellten bei dieser Gelegenheit fest, dass Ingwer gegen Mundgeruch hilft.

Im Experiment stellten sie fest, dass sich beim Verzehr der Gewürzpflanze schon innerhalb weniger Sekunden die Konzentration des Enzyms Sulfhydryl-Oxidase 1 im Speichel erhöht – und zwar um das 16-fache. Ausgelöst wird dieser Effekt offenbar durch den scharf schmeckenden Ingwer-Inhaltsstoff 6-Gingerol. 

Speichel- und Atemluftanalysen bei vier Frauen und Männern zeigten, dass das Enzym im Mund übelriechende schwefelhaltige Verbindungen abbaut. Dadurch kann es den lang anhaltendenden Nachgeschmack zahlreicher Lebensmittel wie zum Beispiel Kaffee reduzieren und auch der Atem riecht dadurch besser. Dieser neu entdeckte Mechanismus könnte nach Ansicht der Forscher in Zukunft dazu beitragen, neue Mundpflegemittel zu entwickeln.

Neben dem Ingwer untersuchten die Wissenschaftler auch die Wirkung von Zitronensäure genauer. Dabei fanden sie heraus, dass dieser Stoff den Speichel auf eine ganz andere Art und Weise beeinflusst als die Ingwerknolle. Der Saft von Zitronen regt den Speichelfluss an und dadurch erhöht sich auch die Menge der im Speichel gelösten Mineralstoffe.

Als Folge davon steigt der Natriumionen-Spiegel rasch um das etwa Elffache an. Durch diesen Effekt nehmen wir Dinge weniger salzig wahr. Kochsalz ist Natriumchlorid, wobei die Natriumionen beim Menschen den Salzgeschmack bewirken. Enthält der Speichel schon stärkere Konzentrationen an Natriumionen, müssen verkostete Proben einen deutlich höheren Salzgehalt haben, um sie vergleichsweise salzig zu empfinden.

Die beiden Beispiele zeigen, wie komplex das Zusammenspiel zwischen den geschmacksgebenden Molekülen in Lebensmitteln ist. Auf der Basis dieser Forschungsergebnisse lassen sich möglicherweise Produkte entwickeln, die ein besseres kulinarisches Geschmackserlebnis ermöglichen oder gesundheitsfördernd wirken.

Hofmann und sein Team wollen mit ihren Experimenten in Zukunft die wissenschaftliche Grundlage für neue Lebensmittel entwickeln “deren Inhaltsstoff- und Funktionsprofile an den gesundheitlichen und sensorischen Bedürfnissen der Verbraucher ausgerichtet sind”, wie die Wissenschaftler in einer Mitteilung schreiben. 

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-22997-2018-08-01.html

https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acs.jafc.8b02772

(Journal of Agriculture and Food Chemistry, 2018)

doi: 10.1021/acs.jafc.8b02772

Technische Universität München, 01.08.2018 – DAL

Kommentar & Ergänzung:

Das sind zwar erst Laborergebnisse und damit ist noch unklar, wie gross der Nutzen von Ingwer bei Mundgeruch in der Realität wirklich ist. Aber Ingwer ist billig zu haben und in normalen Mengen ungiftig, so dass nichts gegen einen Versuch spricht, wenn jemand unter Mundgeruch leidet.

Dazu kann Ingwer in unterschiedlichen Formen zur Anwendung gelangen, zum Beispiel als Ingwertee oder als kandierte Ingwerstückchen.

In der Phytotherapie wird Ingwer vor allem bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt, vor allem aber auch gegen Übelkeit und Erbrechen infolge Reisekrankheit (Kinetose) oder nach Operationen.

Siehe auch:

Ingwer gegen Reisekrankheit

Kandierte Ingwerstückchen zur Förderung des Appetits

Öko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als “gut” bewertet

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden 

Ingwer bei Erkältungen

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Helfen Erdbeeren gegen Darmentzündungen?

Erdbeeren hemmen bei Mäusen die Autoimmunreaktion der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.

Täglich eine Portion Erdbeeren könnte die Symptome von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa lindern. Darauf deuten Versuche mit Mäusen hin, die an der University of Massachusetts durchgeführt wurden. Der Erdbeergenuss hemmte die Entzündungen im Darm und die damit verbundenen Schäden. Gleichzeitig reduzierte das Erdbeerpulver die Zahl der entzündungsfördernden Immunzellen und -Botenstoffe im Darm. Ob diese “Erdbeer-Diät” auch beim Menschen wirksam ist, wollen die Wissenschaftler nun als nächstes untersuchen.

Chronisch-entzündliche Darmkrankheiten wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sind weltweit verbreitet und betreffen Millionen von Menschen.

In Deutschland dürften an diesen Autoimmunerkrankungen etwa 300.000 Menschen leiden. Chronische Entzündungen der Darmschleimhaut lösen bei ihnen Durchfall und Bauchschmerzen aus und können im Laufe der Zeit sogar die Darmwand schwer schädigen. Die Auslöser dieser Krankheiten sind bisher nur zum Teil geklärt. Es gibt eine genetische Komponente, doch auch Umweltfaktoren wie Nanopartikel, Triclosan sowie die Darmflora könnten eine Rolle spielen.

Eine Heilung dieser entzündlichen Darmerkrankungen ist bisher nicht möglich. Die Entzündungen lassen sich aber durch Medikamente wie Cortison oder durch gezielte Antikörpertherapien hemmen. Auch Ernährungsmassnahmen können Linderung verschaffen.

Ein Lebensmittel, das offenbar heilsam bei entzündlichen Darmerkrankungen wirkt, haben identifiziert: Erdbeeren. Für ihre Studie mit Erdbeeren haben nun Forscher um Hang Xiao von der University of Massachusetts die Wirkung dieses Obstes an Mäusen getestet, die an einer induzierten chronischen Darmentzündung litten. Ein Teil dieser Mäuse bekam mit dem Futter ein Pulver aus gefriergetrockneten ganzen Erdbeeren.

Forscher Xiao erklärt dazu:

“Wenn man nur Extrakte und einzelne Verbindungen testet, bleiben eine Menge anderer wichtiger Inhaltsstoffe der Beeren auf der Strecke, darunter Ballaststoff-Fasern oder an sie geknüpfte phenolische Verbindungen, die sich durch Lösungsmittel nicht extrahieren lassen.“

Darum verabreichten die Forscher den Mäusen Komplettpulver, und zwar in einer Dosis, die etwa einer Tasse frische Erdbeeren täglich bei einem Menschen entspricht.

Erdbeeren reduzierten Symptome und Immunreaktion

Die Resultate der Studie zeigten, dass die Erdbeeren die Krankheitssymptome linderten. Sie verringerten die Schäden an den Darmgeweben der Mäuse und verhinderten die Verkürzung des Darms. Auch die Menge der entzündungsfördernden Immunzellen in der Darmschleimhaut wurde durch die Gabe des Erdbeer-Komplettpulvers reduziert.

Die Mäuse litten dadurch nicht mehr unter blutigen Durchfällen und nahmen auch wieder an Körpergewicht zu. Die Erdbeer-Diät hatte zudem einen günstigen Effekt auf die Darmflora der Tiere. Sie begann sich im Laufe der Studie zu normalisieren. Die Zahl der Akkermansia- und Dorea-Bakterien verminderte sich, dafür stieg die Menge von Lactobacillus und Bifidobacillus. Das wiederum normalisierte den Darmstoffwechsel und förderte die Bildung von gesunden, kurzkettigen Fettsäuren im Verdauungstrakt.

 

Wirkung beim Menschen noch ungeklärt

Noch haben die Wissenschaftler die günstige Wirkung der Erdbeeren nur bei Mäusen nachgewiesen. Sie halten es aber für durchaus wahrscheinlich, dass auch menschliche Patienten mit chronischen Darmentzündungen vom Konsum von Erdbeeren profitieren könnten und wollen dies nun in ersten Tests mit Darmpatienten untersuchen.

Dass Ernährungfaktoren bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eine wichtige Rolle spielen können, ist schon länger bekannt. Der bewegungsarme Lebensstil und die Ernährungsgewohnheiten vieler Menschen hier bei uns – viel Zucker, viel tierisches Fett, aber wenig Ballaststoffe – könnten laut Xiao zu chronischen Darmentzündungen beitragen.

Sollte sich nun diese im Labor gefundenen Effekt der Erdbeeren bestätigen, dann hätten Betroffene eine zusätzliche Möglichkeit, ihr Leiden durch einfache Maßnahmen zumindest zu lindern – bereits eine Dreiviertel Tasse voller Erdbeeren täglich könnte dafür genügen. Die Forscher betonen aber, dass Darmpatienten vor einer Anwendung immer erst Rückspräche mit ihrem Arzt halten sollen, weil Erdbeeren auch Allergien auslösen können

 

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-23061-2018-08-21.html

(American Chemical Society 256th National Meeting, 2018)

 

Kommentar & Ergänzung:

Mal abgesehen von schwierigen ethischen Fragen, die solche Versuche immer auch aufwerfen, sind das natürlich interessante Ergebnisse.

Allerdings lassen sich Erkenntnisse aus Tierversuchen nicht einfach so direkt auf Menschen übertragen, worauf die Forscher richtigerweise auch hinweisen. Eine künstlich ausgelöste Entzündung bei der Maus entspricht eben nicht genau der Entzündung durch Morbus Crohn und Colitis ulcerosa beim Menschen.

Günstig ist hier allerdings der Umstand, dass die verwendete Dosis umgerechnet auf den Menschen in einer realistischen Grössenordnung liegt, einfach zu verabreichen ist und kostenmässig nicht gross ins Gewicht fällt. Dazu sind Erdbeeren nach gegenwärtigem Wissen unschädlich und darüber hinaus sogar gesund.

Und wer an einer Erdbeerallergie leidet, wird das in der Regel wohl wissen und diese Erdbeer-Diät bleiben lassen.

Würde ich an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leiden, würde ich diese Option wohl ausprobieren und in der Erdbeersaison über 4 – 6 Wochen eine Tasse Erdbeeren über den Tag verteilt essen.

Aus sicht der Phytotherapie könnte man aber auch andere Arzneipflanzen in Betracht ziehen. So wirken zum Beispiel getrocknete Heidelbeeren durch ihren Gerbstoffgehalt gegen Durchfall und von den blauen Farbstoffen (Anthocyane) könnte eine entzündungswidrige Wirkung im Darm ausgehen. Auch der gelbe Farbstoff Curcumin aus der Gelbwurzel (Curcuma) wirkt möglicherweise gegen Entzündungen im Darm. Das sind allerdings ebenfalls nur Ableitungen aus Laborstudien. Sowohl für Heidelbeere als auch für Curcumin fehlen grössere Studien mit Patienten, die an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leiden.

Interessant ist an diesem Forschungsbericht im übrigen auch, dass Forscher Xiao Argumente für die Verwendung von Erdbeer-Vollpulver und gegen isolierte Substanzen und Extrakte anführt.

In der Phytotherapie finden sich ähnliche Argumentationen. Phytotherapie arbeitet in der Regel mit „Teams“ von Wirkstoffen und nicht mit isolierten Einzelsubstanzen, verwendet aber durchaus auch Extrakte.

Die Schwierigkeit für Forschung mit einem Erdbeer-Vollpulver wird sein, dass sich ein solches Produkt nicht patentieren lässt. Dadurch wird es wenig Interesse von Firmen geben, massiv Geld in teure klinische Forschung zu investieren. Die Chance, dass sich eine solche Intestition später auszahlt, ist einfach zu gering, weil jede andere Firma diese Forschungsergebnisse auch für ihre Zwecke nutzen und ein Erdbeer-Vollpulver auf den Markt werfen kann. Patentierbare Einzelsubstanzen oder Spezialextrakte sind da viel attraktiver.

Diese ökonomische Tatsache ist wesentlich dafür mitverantwortlich, dass einfache Pflanzenprodukte wie ein Kräutertee oder eben ein Pflanzenpulver wenig erforscht werden. Solche Forschung kommt oft nicht über das billigere Laborstadium hinaus. Es spricht viel dafür, dass es dem Erdbeer-Vollpulver auch so gehen wird.

Und dann ist es einfach zu sagen, dass zuwenig aussagekräftige Studienergebnisse vorliegen…..

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

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Homöopathie bei Sportverletzungen: Medizin-Transparent untersucht Traumeel

Bei Sportverletzungen kommt oft das homöopathische Mittel Traumeel als Salbe oder Gel zur Anwendung.

Das Portal Medizin-Transparent hat die Studienlage zu dieser Behandlung unter die Lupe genommen und kommt zum Schluss, dass Belege für eine Wirksamkeit fehlen. Die genauen Begründungen dazu sind hier zu finden.

Aus phytotherapeutischer Sicht ist interessant, dass Traumeel zwar als Homöopathikum angepriesen wird, in der Realität aber eher als homöopathisch-phytotherapeutisches Mischprodukt angesehen werden könnte.

Laut Packungsprospekt hat Traumeel Gel pro 1 g folgende Zusammensetzung:

Achillea millefolium TM 0.9 mg, Aconitum napellus D1 0.5mg, Arnica montana D3 15 mg, Atropa belladonna D1 0.5 mg, Bellis perennis TM 1 mg, Calendula officinalis TM 4,5 mg, Chamomilla recutita TM 1,5 mg, Echinacea angustifolia TM 1,5 mg, Echinacea purpurea TM 1,5 mg, Hamamelis virginiana TM4,5 mg, Hepar sulfuris D6 0,25 mg, Hypericum perforatum D6 0,9 mg, Mercurius solubilis Hahnemanni D12 0,4 mg, Symphytum officinale D4 1mg, Zusätzliche Hilfsstoffe: Salbe: Cetylstearylalkohol, dickflüssiges Paraffin, weisses Vaselin, Alkohol 13.8 Vol%, Wasser Gel: Carbopol 980, Alkohol 25 Vol%, Wasser

Was sehen wir da?

Neben homöopathisch verdünnten Bestandteilen (erkennbar an den D-Bezeichnungen) enthält der Traumeel Gel folgende Urtinkturen nach homöopathischem Arzneibuch:

Achillea millefolium TM – Schafgarbentinktur

Bellis perennis TM – Gänseblümchentinktur

Calendula officinalis TM – Ringelblumentinktur

Chamomilla recutita TM – Kamillentinktur

Echinacea angustifolia TM – Sonnenhuttinktur aus Schmalblättrigem Sonnenhut

Echinacea purpurea TM – Sonnenhuttinktur aus Purpur-Sonnenhut

Hamamelis virginiana TM4 – Hamamelistinktur (Zaubernuss)

Kommentar:

TM bedeutet „Teinture-mère“ und im deutschen Sprachraum „Urtinktur“.

Urtinkturen werden nach den Regeln des Homöopathischen Arzneibuchs (HAB) hergestellt und sind im allgemeinen Frischpflanzentinkturen. Weil sie dem HAB entsprechen, kann man sie zwar als „homöopathisch“ bezeichnen. Sie sind aber eigentlich nur die Ausgangsbasis für die Herstellung von Homöopathika und wurden noch keiner Verdünnung (homöopathisch „Potenzierung“) unterzogen.

Daher enthalten sie noch Wirkstoffe in relevanter Menge und können auch als phytotherapeutische Tinkturen aufgefasst und beurteilt werden.

Den Unterschied zwischen homöopathischen und phytotherapeutischen Bestandteilen sieht und kommentiert auch Medizin-Transparent:

„In homöopathischen Arzneimitteln sind Substanzen üblicherweise so stark verdünnt, dass sie keine Wirkung mehr besitzen können. Oft sind sie auch im Labor nicht mehr nachweisbar. Solche Mittel wirken nachweisbar nicht besser als wirkstofflose Scheinmedikamente (Placebo)………

Dass Traumeel in Gel- oder Salbenform eine Wirkung haben könnte, die über eine angenehme und bei Sportverletzungen empfohlene Kühlung hinausgeht, ist dennoch prinzipiell denkbar.

Der Grund: Traumeel als Salbe oder Gel enthält neben stark verdünnten Substanzen in „homöopathischen“ Mengen auch Pflanzenextrakte in deutlich höheren Konzentrationen, etwa von Ringelblume, Hamamelis und Echinacea. Die Menge dieser pflanzlichen Stoffe könnte ausreichen, um – zumindest theoretisch – wirksam zu sein.

Ob in Traumeel tatsächlich eine geeignete und ausreichend dosierte Mischung von Pflanzenstoffe steckt, um bei Sportverletzungen helfen zu können, müsste allerdings erst in gut gemachten, ausreichend großen Studien geklärt werden.“

Gut. Dann schauen wir uns diese „Pflanzenextrakte“ einmal genauer an. Grundsätzlich ist zu sagen, dass Frischpflanzentinkturen eher geringere Wirkstoffmengen enthalten als Tinkturen aus getrockneten Pflanzen, wie sie die staatlichen Arzneibücher (Pharmakopöe) vorziehen. Aus wirkstoffkundlicher Sicht würde deshalb viel dafür sprechen, in einem solchen Produkt Tinkturen aus getrockneten Pflanzen zu verwenden.

Was ist nun von den einzelnen Bestandteilen zu halten?

Schafgarbentinktur:  Wird innerlich vor allem als Bittermittel bei Verdauungsstörungen angewendet. Die Schafgarbe hat aber traditionell auch einen Ruf als Wundheilmittel. Zwar wurde die Wirksamkeit in dieser Hinsicht nie untersucht. Das ätherische Schafgarbenöl enthält aber als Hauptbestandteil Chamazulen, das auch Hauptbestandteil im Kamillenöl ist und zu dessen wundheilender Wirkung beiträgt. Das lässt eine wundheilende Wirkung der Schafgabe zumindestens theoretisch als möglich erscheinen.

Gänseblümchentinktur: Zu allfälligen Wirkungen der Gänseblümchentinktur bei Wunden oder Sportverletzungen gibt es keine fundierten Belege.

Ringelblumentinktur: Der Ringelblume bescheinigt die Phytotherapie-Fachliteratur eine wundheilende Wirkung (granulationsfördernd, epithelisierungsfördernd), wofür es auch Hinweise aus Studien gibt. Allerdings geht es bei diesen Hiweisen um Wundheilungsförderung auf der Haut, während bei Sportverletzungen stumpfe Verletzungen wie Prellungen, Verstauchungen, Blutergüsse im Vordergrund stehen (also Verletzungen ohne Durchtrennung der Haut).

Kamillentinktur: Auch für Kamille git es Hinweise aus Studien für eine wundheilende Wirkung (granulationsfördernd, epithelisierungsfördernd), allerdings wurde in der Regel Kamillenextrakt untersucht (Kamillosan) und nicht Kamillentinktur, die weniger Wirkstoffgehalt hat.

Sonnenhuttinktur (Echinaceatinktur): Echinacea ist heute ja vor allem als Mittel zur Aktivierung des Immunsystems bekannt. In der ersten Hälfte des 20. Jahhunderts hatte die Pflanze einen Ruf als Wundheilmittel. Im „Dritten Reich“ wurde das Echinacea-Präparat Echinacin im Konzentrationslager Buchenwald zur Behandlung von absichtlich gesetzen Brandwunden bei Gefangenen eingesetzt. Über diese abscheulichen Menschenversuche sind keine näheren Details bekannt. Es ist aber möglich, dass Echinacea eine wundheilende Wirkung hat. Die ESCOP-Kommission bestätigt für Präparate aus Echinacea purpurea die äusserliche Anwendung unterstützend bei oberflächlichen Wunden.

Hamamelistinktur: Hamamelis wird eingesetzt bei leichten Hautverletzungen, Entzündungen von Haut une Schleimhaut sowie in Cremen zur Hautpflege bei Neurodermatitis.

Zusammengefasst: Einige der pflanzlichen Inhaltsstoffe zum Beispiel aus Ringelblume und Kamille haben eine Wirkung auf die Haut und wirken wundheilend. Daraus lässt sich aber nicht automatisch eine Wirksamkeit bei stumpfen Verletzungen ableiten. Es ist nicht klar, ob Wirkstoffe aus Ringelblumen, Echinacea, Kamille oder Hamamelis bis in gequetschtes Gewebe eindringen.

Medizin-Transparent stellt ausserdem die Frage, ob in Traumeel eine „ausreichend dosierte Mischung von Pflanzenstoffen steckt“, um eine Wirkung zu erzielen. Sehr gute Frage, die oft vernachlässigt wird.

Beispiel Calendula: In phytotherapeutischen Calendulacremen werden in der Regel 1 – 2 g Ringelblumentinktur in 10 g Salbe eingearbeitet, also 100 – 200 mg pro Gramm. In Traumeel: 4,5 mg pro Gramm. Das ist krass wenig.

Bei Kamillensalbe und Hamamelissalbe liegen die Konzentrationen von Tinktur etwa bei 10 % = 100mg pro Gramm, wenn konzentriertere Extrakte zum Einsatz kommen etwa 5 %.

Verglichen mit üblichen phytotherapeutischen Präparaten sind die Konzentrationen in Traumeel also ausgesprochen tief.

Soweit mein Kommentar zu den phytotherapeutisch relevanten Ingredienzien von Traumeel. Die Tatsache, dass irgendeine Pflanze in einem Produkt vorkommt, heisst also noch lange nicht, dass sie auch wirklich zur Wirksamkeit beiträgt. Im vorliegenden Beispiel passen die Pflanzen phytotherapeutisch überwiegend nicht zum Anwendungsgebiet und sind in viel zu kleiner Menge vorhanden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ingwer gegen Reisekrankheit

Die Ingwerwurzel ist als Mittel gegen Reisekrankheit inzwischen ziemlich etabliert:

„Ein bekanntes und gut wirksames Hausmittel ist Ingwer. Am besten hilft die Wurzel in Kapselform (Zintona). Der Vorteil: Im Vergleich zu Dimenhydrinat macht Ingwer nicht müde und schränkt das Reaktionsvermögen nicht ein.

Zwischendurch sind auch Bonbons mit Pfefferminz oder Ingwer erlaubt, die der Übelkeit entgegen wirken können. Wer auf große Fahrt geht, sollte auch auf seine Flüssigkeitsreserven achten. Getränke wie Milch oder Kaffee sind tabu, geeignet sind hingegen Tee aus Ingwer oder Pfefferminze sowie Wasser ohne Kohlensäure.“

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/pta-live/nachricht-detail-pta-live/fuenf-tipps-reiseuebelkeit-kinetosen-reisekrankheit-so-wird-kindern-nicht-uebel/?tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=2&cHash=ceb156c23be026f5a24e214b0ddf224f

 

Kommentar & Ergänzung:

Ingwer ist ein beliebtes Gewürz, das auch in Curry-Mischungen auftaucht und zur Verfeinerung von Speisen wie Lebkuchen, Milchreis oder Obstsalat eingesetzt werden kann.

Traditionell wird Ingwer gern bei Verdauungsstörungen angewendet. Für die Wirksamkeit gegen Reisekrankheit sprechen Resultate aus einigen kleineren Studien.

Als belegt gilt auch ein moderater Effekt zur Linderung von postoperativem Erbrechen.

Zudem gibt es Hinweise auf eine Wirkung gegen Erbrechen bei Chemotherapie.

Siehe dazu:

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen erbrechen bei Chemotherapie

Ingwer scheint auch Entzündungen hemmen zu können.

Der Inhaltsstoff Gingerol hemmt das Enzym Cyclooxygenase-2, welches Entzündungsreaktionen z. B. bei Arthrose und Rheuma fördert.

In einer iranischen Studie von Haghighi/Khalva/Toliat/Jallaei aus dem Jahr 2005 konnte bei Arthrose-Patienten mit Ingwer-Auszügen die gleiche Schmerzlinderung wie mit Ibuprofen erzielt werden. Wenn das stimmt, dann ist das sehr interessant. Allerdings kann ich die Qualität dieser Studie nicht beurteilen und aus dem Iran scheinen zum Thema Naturheilkunde eigenartigerweise nur Studien mit positiven Resultaten zu kommen.

Es gibt allerdings eine Metaanalyse dänischer Forscher, die ebenfalls zum Schluss kommt,  dass die Behandlung mit Ingwer bei Arthrose die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern kann.

Die Überlegenheit gegenüber Placebo zeigte sich bei Dosierungen von 500 – 1000 mg Ingwer pro Tag, das entspricht 2 bis 4 Kapseln Zintona / Tag.

Siehe dazu:

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

Zur Wirksamkeit und Sicherheit von Ingwer bei Schwangerschaftserbrechen gehen die Ansichten auseinander.

Sieh dazu:

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Rosmarin gegen Ängste, schlechten Schlaf und Depressionen wirksam?

Eine Studie aus dem Iran kommt zum Schluss: Wer regelmäßig Rosmarin einnimmt, schneidet in Gedächtnistests besser ab, ist weniger ängstlich und schläft besser.

Rosmarin ist ein beliebtes Gewürz zu Kartoffeln, Fleisch oder Pilzen.

Über den aromatischen Effekt in Speisen hinaus ist Rosmarin aber auch eine Heilpflanze mit langer Tradition.

Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ schreibt dazu:

„Diverse Studien haben bereits eine antioxidative und antibakterielle Wirkung, sowie Effekte gegen Krebs, Entzündungen, Diabetes und Schmerzen beschrieben. Auch auf die Alzheimererkrankung, Depressionen und Ängste soll Rosmarin positiv wirken.“

Iranische Wissenschaftler der Kerman University of Medical Sciences haben nun untersucht, wie sich Rosmarin auf die Gedächtnisleistung, Ängste, Depressionen und Schlafqualität von jungen Erwachsenen auswirkt. Dazu unterteilten sie die 68 Teilnehmer in zwei Gruppen: eine Gruppe bekam täglich zweimal 500 Milligramm Rosmarin zur Einnahme, der anderen Gruppe wurde stattdessen ein Placebo verabreicht.

Die Studie wurde doppelblind durchgeführt und dauerte einen Monat.

„Doppelblind“ bedeutet, dass weder die Versuchspersonen, noch die Verteiler der Wirkstoffkapseln wussten, ob jeweils Rosmarin oder das Placebo in den Kapseln enthalten war.

Die Effekte dieser Nahrungsergänzung mit Rosmarin wurden mit Gedächtnistests und standardisierten Befragungsbögen zu Depressions- und Angstsymptomen sowie der Schlafqualität beim Start der Studie und nach Ende des Behandlungsmonats ermittelt.

In allen Bereichen verbesserten sich die Werte der Studenten, die Rosmarin bekommen hatten, gegenüber denjenigen Studenten, die das Placebo eingenommen hatten. Nur die Schlafdauer sowie die sogenannte Schlaflatenz, also die Zeit, die man braucht, um einzuschlafen, veränderten sich mit der Rosmarin-Zulage nicht. Beim Start der Studie wurden 42 der Studenten als ‚normal‘ ängstlich eingestuft, bei 26 Studenten fanden sich dagegen Symptome einer mindestens milden Angststörung (zwölf in der Rosmaringruppe, 14 in der Placebogruppe).

Nach dem Behandlungsmonat stuften die Forscher nur noch sechs der Studenten der Rosmaringruppe als stärker ängstlich als normal ein, während in der Placebogruppe auch weiterhin 14 Studenten Symptome einer Angststörung zeigten.

In der Angst- und Depressionsskala verminderten sich sowohl die Ängste als auch die Depressionen der Studenten der Rosmaringruppe um knapp zwei Punkte, während die der Placebogruppe stabil blieben.

Mit Hilfe des Schlaffragebogens wiesen die Forscher der individuellen Schlafqualität einen Wert (von 0 bis 21) zu. Bei Werten über fünf Punkten wurde die Versuchsperson in dieser Befragung zu den “schlechten” Schläfern gezählt. Zu den guten Schläfern gehörten zu Studienbeginn 28 Studenten (16 in der Rosmaringruppe, zwölf in der Placebogruppe), zu den schlechten Schläfern insgesamt 40 Studenten (18 in der Rosmaringruppe, 22 in der Placebogruppe).

Nach der Behandlung waren nur noch 13 der Studenten aus der Rosmarin-Gruppe schlechte Schläfer. In der Placebogruppe waren von den Versuchspersonen noch 18 schlechte Schläfer. Im Vergleich zeigten sich also unabhängig von der jeweiligen Behandlung Verbesserungen im Schlafmuster bei manchen Teilnehmern. Die Bewertungen der Schlafqualität besserten sich jedoch messbar in der Rosmaringruppe im Durchschnitt um zwei Punkte mit der Behandlung, die Werte der Placebogruppe verhielten sich dagegen stabil. Auch in verschiedenen Gedächtnistests schnitten die Studenten der Rosmaringruppe messbar besser ab (von 35,53 auf 30,65 Punkte), während die Werte der Placebogruppe dagegen weitgehend stabil blieben (vorher 35,5 Punkte, nachher 35,59 Punkte).

Die günstigen Wirkungen des Rosmarins werden insbesondere dem ätherischen Öl und seinen Bestandteilen zugesprochen, beispielsweise Kampher oder Phenolen wie Carnosol oder Rosmarinsäure. Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler lautet: Vor allem bei einer Erkrankung, die sich auf Schlaf, Ängste, Depressionen und das Gedächtnis auswirkt, wie zum Beispiel der Alzheimerdemenz, wäre die Rosmarin-Nahrungsergänzung zumindest eine Option, die nach Absprache mit dem Arzt auch unbedenklich sein sollte.

Quelle:

https://derstandard.at/2000085051533/Rosmarin-hilft-gegen-Aengste-schlechten-Schlaf-und-Depressionen

Originalpublikation: Effects of Rosmarinus officinalis L. on memory performance, anxiety, depression, and sleep quality in university students: A randomized clinical trial.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29389474

Kommentar & Ergänzung:

Diese Studie bringt auf den ersten Blick sehr attraktive Ergebnisse. Nur schon mit Stichworten wie Alzheimer, Depressionen und Ängste hat man die Aufmerksamkeit der Menschen rasch geweckt.

Und es ist natürlich verlockend, solche Aussagen 1:1 zu übernehmen.

Aber wir müssen schon genauer hinschauen.

Die Studie ist von den Teilnehmerzahlen her sehr klein und daher wird sie schon aus statistischen Gründen keine einwandfeien Belege liefern können.

Aus dem Iran kommen in letzter Zeit laufend derart kleine Studien zu Heilpflanzen-Anwendungen, die sensationelle Wirkungen gefunden haben wollen, für die bisher in der Fachliteratur keine Ansatzpunkte zu sehen sind.

Ich erinnere mich im Zusammenhang mit Iran zudem an eine Aussage von Roman Huber, dem Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Uniklinik Freiburg, der in einem Interview mit der „Badischen Zeitung“ darauf hinwies, dass aus dem Iran und aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur positive Studienergebnisse publiziert werden (Quelle hier)

Das ist zumindestens eigenartig, denn wo Wissenschaft ergebnisoffen betrieben wird, müssten auch negative Resultate auftauchen.

Die Aussagekraft der Studie wird auch eingeschränkt durch den Umstand, dass hier offenbar einfach Studenten als Versuchspersonen eingesetzt wurden, nicht etwa Patienten mit klar definierten Erkrankungen.

Damit will ich dem Rosmarin nicht den Status als Heilpflanzen absprechen, aber solche Wischi-Waschi-Studien, die einfach mal sehr weitreichend eine positive Wirkung bei Schlafproblemen, Angst, Depression und Alzheimer in den Raum stellen, sind fragwürdig.

Rosmarinblätter werden in der Phytotherapie-Fachliteratur vor allem zur Linderung von Verdauungsbeschwerden angewendet und äausserlich als Rosmarinöl in einer Fettgrundlage zu Einreibungen bei Gelenkschmerzen.

Rosmarinöl gilt zudem als belebendes Mittel (Analeptikum) bei Kreislaufbeschwerden, insbesondere bei Müdigkeit auf Grund von niederem Blutdruck. Für diese analeptischen Effekte wird in der Regel Rosmarinöl in verschiedenen Formen eingeatmet. In der iranischen Studie wurde aber offensichtlich Rosmarin in Kapseln eingenommen, so dass dieser Effekt über die Duftebene nicht wirksam werden kann.

Rosmarin wird aufgrund seiner antimikrobiellen Wirkung als Konserrvierungsmittel und Antioxidans in der Lebensmittelindustrie eingesetzt (z. B. bei Fleisch und Fett). Eine wichtige Rolle spielt dabei das antimikrobiell wirkende Carnosol.

Dass Rosmarin gegen Krebs und Diabetes helfen kann, wie das einleitende Zitat aus dem „Standard“ antönt, wird im Übrigen von keinerlei fundierten Belegen gestützt. Tumorhemmende Wirkungen wurden zwar im Labor gefunden, aber das it weit weg von einer erfolgreichen Anwendung bei Krebspatienten.

Insgesamt wird in diesem „Standard“-Artikel also ziemlich viel heisse Luft transportiert.

Dass Rosmarin aber schon seit langem geschäzt wird, zeigt die Beschreibung der Pflanze durch Otto Brunfels (Botaniker, Stadtarzt von Bern, 1488 1534):

„Stercket die Memory, das ist die gedächtnüss,

behütet vor der pestilentz,

erwärmet das marck in den beynen.

Bringet die sprach härwider,

macht keck und hertzhafftig,

mach jung geschaffen,

retardiert das Alter, so man es allen tag trincket,

ist ein theriacks für alles gyfft….“

Da taucht also schon das Anti-Aging auf und die Verbesserung des Gedächtnisses auch…….

Aber Tradition hat auch nicht immer Recht.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: hat Tradition Recht?

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Homöopathie: Arnika-Globuli bei stumpfen Verletzungen von Weichteilen wirksam?

Bei Heilpflanzen-Anwendungen kommt es immer auch auf die Form an, in welcher sie eingesetzt werden. Dabei kommt es in den Medien oft zu verwirrenden bis irreführenden Aussagen. Auch werden homöopathische und phytotherapeutische Anwendungen oft verwechselt.

Schauen wir uns dazu ein Beispiel an:

Die österreichische „Kronenzeitung“, ein Boulevardblatt von fundamental fragwürdigem Niveau, berichtet über die Anwendung von Arnika-Globuli:

« “Arnika ist wohl eines der bekanntesten homöopathischen Mittel für Sportler. Es lindert Schmerzen, verhindert massive Schwellungen sowie Blutergüsse und beschleunigt den Heilungsprozess”, erklärte der Wiener Orthopäde und Sportmediziner Dr. Karl- Heinz Kristen auf einer Pressekonferenz. “Typischerweise zu verwenden bei stumpfen Verletzungen von Weichteilen mit Gewebeeinblutungen, Verschlimmerung durch Bewegung, Ruhelosigkeit und Verbesserung durch Kälte, z.B. bei Prellungen oder Zerrungen.” »

Quelle:

 

http://www.krone.at/gesund-fit/mit-homoeopathie-durch-die-warme-jahreszeit-ausflug-und-reise-story-562777

Kommentar & Ergänzung:

Interessant wäre zu erfahren, welche Firma die Pressekonferenz veranstaltet hat, doch leider hält die Journalistin das offenbar nicht für mitteilungswert.

Arnika-Globuli werden oft empfohlen bei stumpfen Verletzungen wie Prellungen, Verstauchungen, Blutergüssen etc.

Die Schwierigkeit bei der Beurteilung von Behandlungserfolgen bei solchen Verletzungen liegt darin, dass im Einzelfall nicht gewusst werden kann, wie der Heilungsverlauf ohne Behandlung vonstatten gegangen wäre.

Aus diesem Grund macht man Studien, in denen die eine Gruppe mit Arnika-Globuli behandelt wird, und eine andere Gruppe mit einem Scheinmedikament (Placebo). So lässt sich unterscheiden, ob die Besserung mit Arnika-Globuli rascher eintritt als wenn man ohne Behandlung auf die natürlichen Selbstheilungskräfte setzt.

Solche kontrollierten Studien wurden mit Arnika-Globuli in namhafter Zahl durchgeführt.

Studien unterscheiden sich aber häufig stark in ihrer Qualität und nicht selten auch im Ergebnis. Wenn man eine verlässlichere Aussage bekommen will, fasst man daher die Resultate der qualitativ besten Studien in einer Metaanalyse zusammen. Das wurde für Arnika-Globuli bereits 1998 von Ernst & Pittler gemacht. Acht Studien wurden für die Metaanalyse ausgewertet:

Arch Surg. 1998 Nov;133(11):1187-90.

Efficacy of homeopathic arnica: a systematic review of placebo-controlled clinical trials.

Ernst E1, Pittler MH.

Die Autoren fanden keinen Unterschied zwischen der Placeo-Gruppe und der Arnika-Globuli-Gruppe:

„RESULTS: Eight trials fulfilled all inclusion criteria. Most related to conditions associated with tissue trauma. Most of these studies were burdened with severe methodological flaws. On balance, they do not suggest that homeopathic arnica is more efficacious than placebo.

CONCLUSION: The claim that homeopathic arnica is efficacious beyond a placebo effect is not supported by rigorous clinical trials.“

Quelle:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9820349?dopt=Abstract

Langversion hier.

http://www.crd.york.ac.uk/CRDWeb/PrintPDF.php?AccessionNumber=11998002055&Copyright=Database+of+Abstracts+of+Reviews+of+Effects+%28DARE%29%3Cbr+%2F%3EProduced+by+the+Centre+for+Reviews+and+Dissemination+%3Cbr+%2F%3ECopyright+%26copy%3B+2017+University+of+York%3Cbr+%2F%3E

 

Während also Ernst & Pittlersich auf die acht qualitativ besten Studien beschränkten, habe im Jahr 2005 Rainer Lüdtke und Daniela Hacke alle prospektiven, kontrollierten Studien ausgewertet, bei denen Arnika homöopathisch verordnet wurde (insgesamt 49 Studien). Lüdtke und Hacke arbeiten bzw. arbeiteten für die Carstens-Stiftung, die sich der Förderung der Homöopathie verschrieben hat. Die Studie mit dem Titel „Zur Wirksamkeit des homöopathischen Arzneimittels Arnica montana“  kommt zu folgenden Schlussfolgerungen:

„Eine Wirksamkeit homöopathischer Arnika ist statistisch nicht nachzuweisen, aber auch nicht auszuschließen. Die Ergebnisse weisen eine hohe Heterogenität auf, die auch durch die Meta-Regression nicht eliminiert wird.“

Quelle:

Wiener Medizinische Wochenschrift

November 2005, Volume 155, Issue 21, pp 482–490

http://link.springer.com/article/10.1007/s10354-005-0227-8?no-access=true

Oft zeigen sich in qualitativ schlechteren Studien positive Ergebnisse, die sich in gut gemachten Studien nicht reproduzieren lassen. Aber selbst mit Einbezug dieser schlechteren Studien konnten die Autoren, die zudem der Homöopathie zugewandten sind, keine überzeugenden Resultate finden.

Erstaunlich ist meines Erachtens, dass diese doch sehr eindeutige Studienlage in der Verordnungspraxis offenbar keine Beachtung findet. Arnika-Globuli gehören nach wie vor zu den am häufigsten angewandten Homöopathika.

Die Empfehlung von Arnika-Globuli bei stumpfen Verletzungen müsste eigentlich „tot“ sein, wenn aus der Studienlage Konsequenzen gezogen würden.

Passend zum Thema ein Zitat von Johann Wolfgang von Goethe.

Zitat des Tages von Johann Wolfgang von Goethe

Und wie sieht die Situation bezüglich Arnika in der Phytotherapie aus?

Die Phytotherapie-Fachliteratur lehnt die innerliche Anwendung von Arnika ab, weil die Sicherheit nicht ausreichend geklärt ist.

Phytotherapeutisch wird Arnika daher nur äusserlich angewendet – vor allem als Arnikagel oder in Form von verdünnter Arnikatinktur – zum Beispiel bei Verletzungs- und Unfallfolgen wie Hämatomen, Prellungen, Quetschungen; bei rheumatischen Muskel- und Gelenksbeschwerden und bei Entzündungen als Folge von Insektenstichen.

Schaut man sich hier die Studienlage an, ist das Fazit ebenfalls nicht so eindeutig. Das hängt auch damit zusammen, dass phytotherapeutische Arnikapräparate in sehr unterschiedlicher Qualität im Handel sind. Homöopathische Arnika-Globuli sind dagegen sehr eindeutig definiert, so dass Studienergebnisse gut auf die Arnika-Globuli aller Hersteller übertragen werden können.

Bei phytotherapeutischen Arnikapräparaten sind die Qualitätsunterschiede zwischen den verschiedenen Zubereitungsformen und Markenprodukten so gross, dass Studienergebnisse mit einem Präparat nicht ohne weiteres auf andere Präparate übertragen werden können. Das macht eine generelle Bewertung der Studienlage schwierig. Eine Studie gilt daher eigentlich nur für das Präparat, das gerade untersucht wurde.

Das Phytotherapie-Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ schreibt zur Studienlage für die äusserliche Anwendung von Arnikapräparaten:

„In einer klinischen Doppelblindstudie zum Wirksamkeitsnachweis von Arnika-Salbe und Arnika-Gel bei chronischer Veneninsuffizienz konnten signifikant positive Effekte nachgewiesen werden. In einer klinischen Studie mit Patienten mit Osteoarthritis an den Händen konnte bei Behandlung mit Ibuprofen-Gel oder mit Arnika-Gel in beiden Gruppen eine vergleichbare Verbesserung von Beweglichkeit und Schmerzreduktion festgestellt werden. Eine systematische Auswertung von 11 Studien zur topischen Anwendung von Arnika-Zubereitungen in der Behandlung von Schmerzen, Schwellungen und hämatomen kommt zum Schluss, dass eine Tendenz zu Wirksamkeit gegeben ist, aber weitere Studien – eventuell auch mit höheren Dosierungen – wünschenswert wären.“

Klar ist: In der Phytotherapie braucht es ziemlich viel fundiertes Wissen, um ein geeignetes Präparat und eine geeignete Zubereitungsform auszuwählen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Inhaltsverzeichnis: Phytotherapie im Bereich Rheuma

Hier finden Sie die wichtigsten Themen, die ich im Heilpflanzen-Seminar und in der Phytotherapie-Ausbildung im Bereich Rheumatologie vermittle.

Bei rheumatischen Erkrankungen kann man mit innerlichen oder äusserlichen Heilpflanzen-Anwendungen oft zur Linderung von Schmerzen und/oder Entzündungen beitragen. Bei hoch entzündlichen Gelenken sind aber in der Regel starke Entzündungshemmer nötig, um den Knorpel zu schützen. Da solche Medikamente aber bei längerdauernden Anwendungen oft gravierende Nebenwirkungen entfalten können, machen unterstützende Heilpflanzen-Anwendungen zum Beispiel in Phasen zwischen akuten Schüben oft Sinn. Ausschliesslich auf Heilpflanzen-Anwendungen zu setzen kann bei schwereren Entzündungen zu Schäden am Gelenk führen.

Ich vermittle einen kooperativen Ansatz: Heilpflanzen-Anwendungen und klassische Medikamente können sich je nach Situation ergänzen. Als Anwender muss man wissen, in welchen Situation Heilpflanzen sinnvoll sind, wann sie unterstützend helfen können und wann es klassische Entzündungshemmer braucht.

Wir befassen uns im Bereich „Phytotherapie in der Rheumatologie“ vor allem mit innerlichen und äusserlichen Heilpflanzen-Anwendungen bei folgenden Beschwerden / Krankheiten:

☛ Entzündlicher Rheumatismus 
z.B. chronische Polyarthritis, Spondilitis 


☛ Degenerativer Rheumatismus z.B. Arthrosen und Spondylosen 


☛ Weichteilrheumatismus (extraartikulärer Rheumatismus)


☛ Gicht



Und hier eine Aufstellung der wichtigsten Heilpflanzen, mit denen wir  uns beim Thema „Phytotherapie in der Rheumatologie“ befassen :

Olibanum – Weihrauch

Urticae folium – Brennnesselblatt

Oenotherae biennis oleum – Nachtkerzenöl

Harpagophyti radix – Teufelskrallenwurzel

Salicis cortex – Weidenrinde

Capsici fructus – Paprikafrucht (Capsaicin-Präparate)

Cynosbati fructus cum semina – Hagebutten (Hagebuttenpulver)

Graminis flos – Heublumen / Heublumenwickel

Einreibung ätherischer Öle (z. B. Rosmarinöl, Wacholderöl, Latschenkieferöl)

Arnicae flos – Arnikablüte

Symphyti radix – Beinwellwurzel, Wallwurz

 

Bei diesen Heilpflanzen bekommen Sie das nötige Wissen über Wirkstoffe, Wirkung, Anwendungsbereiche (Indikationen), geeignete Zubereitungsformen, Dosierungen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, wichtige erhältliche Naturheilmittel.

Das Heilpflanzen-Seminar vermittelt einen kompakten Überblick über diese Themen. In der Phytotherapie-Ausbildung, die doppelt so lange geht, haben wir mehr Zeit für Vertiefung, Repetition und für die medizinischen Zusammenhänge.

Melden Sie sich jetzt für das Heilpflanzen-Seminar oder die Phytotherapie-Ausbildung an, wenn Sie fundiertes, verständliches Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchten.

 

 

Wildkräuter: Löwenzahn in der Küche

Der Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist nicht nur schön anzuschauen, sondern auch in der Küche vielseitig einsetzbar. Seine Blätter, Knospen, Blüten und sogar die Wurzeln sind essbar.

Löwenzahn gehört zu den bekanntesten Wildkräutern und ist insbesondere auf stickstoffreichen Böden zu finden. Die Pflanze bevorzugt sonnige und helle Standorte wie Wiesen und Ackerränder. Sie enthält reichlich Vitamin C, Vitamin A, Magnesium, Kalzium sowie wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe und hat zahlreiche positive Wirkungen auf den Körper. Löwenzahn soll Entzündungen hemmen und den Appetit, den Stoffwechsel und die Verdauung anregen, schreibt das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) in einer Mitteilung. Zur Verwendung des Löwenzahns in der Küche gibt das BzfE folgende Empfehlungen:

„Die zarten gezackten Blätter des Löwenzahns schmecken im Salat und auch in Kombination mit anderen Wildkräutern. Dabei lässt sich der etwas herbe Geschmack durch einen Schuss Sahne oder Schmand im Dressing abmildern. Die Blätter können auch ähnlich wie Spinat kurz blanchiert und als Gemüse verwendet werden. Der bitter-würzige Frühlingsbote ist dabei als Wildkräuterrisotto und Pesto, in der Suppe, in Eierspeisen und im Quark ein Genuss. Für ein Löwenzahnpesto beispielsweise werden ein Bund Löwenzahnblätter, Knoblauch, Olivenöl, Zitronensaft, geröstete Sonnenblumenkerne und Parmesan püriert und mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt.“

Wer es süss möge, könne die frischen Blüten zu einem Gelee oder einem honigartigen Sirup für einen Brotaufstrich verarbeiten. Aus den getrockneten Wurzeln des Löwenzahns lasse sich Tee und aus den jungen Knospen “Kapern” herstellen:

„Für Kapern gibt man die Löwenzahnköpfchen mit Essig, Estragon, Petersilie, Knoblauch und Zwiebelringen in ein verschließbares Glas. Nach acht bis zehn Wochen können Feinschmecker die eingelegten Blütenknospen genießen.“

Löwenzahn wird am besten im eigenen Garten oder von Wiesen an verkehrsarmen Straßen gesammelt. Die im Frühling aus der Erde spriessenden jungen, zarten Triebe enthalten weniger Bitterstoffe und sind deshalb besonders schmackhaft. Man erntet sie am besten vor der ersten Blüte. Wildkräuter sollen grundsätzlich gründlich gereinigt und möglichst noch am selben Tag verarbeitet und gegessen werden.

Quelle:

http://www.bzfe.de/inhalt/pressemeldung-6378.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Löwenzahn wirkt leicht harntreibend, fördet den Gallenfluss und regt Speichel- und Mangensaftproduktion an.

Die ESCOP empfiehlt Löwenzahnkraut mit Wurzeln unterstützend bei Behandlungen, bei denen ein verbesserter Harnfluss wünschenswert ist, z.B. bei Rheumatismus und zur Verhütung von Nierensteinen. Die Löwenzahnwurzel empfiehlt die ESCOP zur Wiederherstellung der Leber- und Gallefunktion; bei dyspeptischen Beschwerden und Appetitlosigkeit.

Löwenzahn wird gerne als Frühjahrskur verwendet. Dagegen ist nichts einzuwenden, wobei aber der Nutzen von Frühjahrskuren generell nicht so klar ist, wie es oft dargestellt wird. Empfehlungen in diese Richtung sind oft sehr vage, zum Beispiel wenn das BZfE schreibt, dass der Löwenzahn den Stoffwechsel anregt.

Stoffwechsel, das umfasst eine riesige Anzahl von Aufbau, Umbau und Abbauprozessen im Organismus.

Den Stoffwechsel anregen, das tönt zwar positiv, sagt aber konkret so gut wie nichts aus.

Auch die ESCOP bewegt sich mit ihren Empfehlungen auf dünnem Boden, etwa mit der Aussage, dass bei Rheumatismus ein verbesserter Harnfluss wünschenswert ist und der Löwenzahn dabe unterstützend wirken kann.

Rheumatismus ist schon ein ungenauer Begriff, der eine ganze Reihe von unterschiedlichen Erkrankungen umschreibt. Dass hier generell ein verbesserter Harnfluss anzustreben ist, lässt sich nicht überzeugend begründen.

Die verdauungsfördernde Wirkung durch die Bitterstoffe ist aber plausibel.

Zum Löwenzahn siehe auch:

Wildkräuter in der Küche: Löwenzahnpesto

Pflanzenkunde: Löwenzahn (Taraxacum) ist nicht gleich Löwenzahn (Leontodon)

Löwenzahn zur Entgiftung?

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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