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Sport gegen Depression

Dreimal pro Woche eine Dreiviertelstunde Sport hilft über die übliche Behandlung hinaus gegen eine Depression. Zu diesem Schluss kommt eine Metaanalyse der Universität Thessalien. Ist Sport tatsächlich ein natürliches Antidepressivum?

Bewegung gilt als natürlicher Stimmungsaufheller. Sie verbessert die Laune nicht nur bei passionierten Sportlerinnen und Sportlern, sondern auch bei Menschen mit Depressionen.

Allerdings fällt es Depressiven krankheitsbedingt speziell schwer, sich zu regelmäßigen sportlichen Aktivitäten zu motivieren. Wie häufig und wie lange sich die Betroffenen sportlich betätigen müssen, zeigt eine Metaanalyse, die in der  Fachzeitschrift »Depression and Anxiety« publiziert wurde: Bereits bei dreimal wöchentlich einer Dreiviertelstunde über eine Dauer von einem Monat soll ein deutlicher antidepressiver Effekt nachzuweisen sein.

Die Daten der Metaanalyse stammen aus randomisierten klinischen Kontrollstudien, bei denen erkrankte Versuchspersonen ambulant oder stationär mit Medikamenten und/oder Psychotherapie behandelt wurden und ein zufällig ausgewählter Teil sich darüber hinaus regelmäßig unter Aufsicht sportlich betätigte. Das zusätzliche Training reduzierte die depressiven Symptome bei den insgesamt 455 Patientinnen und Patienten zwischen 18 und 65 Jahren. Die Depressionswerte der Trainingsgruppe sanken beträchtlich stärker als die der Kontrollgruppe ohne Training.

Wie das Wissenschaftlerteam um den Sportpsychologen Yiannis Theodorakis von der Universität Thessalien weiter schreibt, wirkte das Training unabhängig von der Schwere der Depression und der Sportart.  Die Patientinnen und Patienten hatten allerdings in allen Studien an moderat anstrengenden körperlichen Aktivitäten wie Joggen oder Radfahren teilgenommen. Durchschnittlich hatten sie mehr als neun Wochen trainiert; doch bereits die vierwöchigen Programme erzielten einen starken Effekt.

Die antidepressive Wirkung von Sport ist allerdings nicht unumstritten.

Einerseits gibt es längst Hinweise darauf, wie der antidepressive Effekt zu Stande kommen könnte, zum Beispiel über die Regulation des neuronalen Wachstumsfaktors BDNF im Gehirn. Andererseits kamen Gesundheitsforscher der Universität Kopenhagen 2017 in einem Review im »British Medical Journal« zum Schluss, dass die antidepressive Wirkung von Sport hauptsächlich in methodisch schwächeren Studien oder infolge eines Publikationsbias nachgewiesen wurde. Demnach wären überwiegend gewünschte Resultate publiziert worden; der antidepressive Effekt würde infolgedessen überschätzt. Bereits 2013 hatten britische Psychiater in einem Review für das Netzwerk »Cochrane Collaboration«festgestellt, dass methodisch robuste klinische Studien nur einen kleinen antidepressiven Effekt belegen. Das griechische Wissenschaftlerteam schreibt dazu, dass die von ihnen verwendeten Daten keine Anzeichen für eine verzerrte Publikationspraxis zeigten.

Quelle:

https://www.spektrum.de/news/die-richtige-dosis-sport-gegen-depression/1603770

 

Kommentar & Ergänzung:

Bewegung ist eine der fünf Säulen der klassischen Naturheilkunde, wie sie von Sebastian Kneipp (1821 – 1897)  vertreten wurde. Die anderen vier Säulen sind Hydrotherapie, Ernährung, Heilpflanzen-Anwendungen und Lebensordnung.

Siehe auch:

Naturheilkunde – was ist das?

 

Die klassische Naturheilkunde aus dem 19. Jahrhundert lässt sich sehr gut mit neuen Erkenntnissen aktualisieren und ist dann medizinkompatibel.

Das kann gut am Beispiel der „Bewegung“ gezeigt werden. Immer mehr Forschungsarbeiten weisen auf die gesundheitliche Bedeutung von Bewegung und Sport hin.

 

Siehe dazu auch:

Sport hilft gegen Depressionen

Sport gegen Depression

Sport zeigt: Sport hilft gegen Depression

Sport gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren

Wandern reduziert Depressionen

Bewegung beugt Schlaganfällen vor

Bewegung bessert Schlafstörungen, aber nur längerfristig

Krampfadern – viel Bewegung und frühzeitig zum Arzt

Bewegung beugt Depressionen vor

Prämenstruelles Syndrom (PMS): Bewegung hilft – Heilpflanzen auch

Körperliche Bewegung beugt Dickdarmkrebs vor

Bewegung stärkt psychische Gesundheit

Ausdauersport ist gut fürs Gehirn

Aktiver Lebensstil reduziert Alzheimer-Risiko

Walking und Jogging helfen gegen Migräne

Zum Einsatz von Sport  gegen Depressionen weist der Artikel allerdings zu Recht darauf hin, dass es Depressiven krankheitsbedingt speziell schwer fällt, sich zu regelmäßigen sportlichen Aktivitäten zu motivieren. Es wird daher kaum möglich sein, mitten in einer Depression einfach „Sport“ zu verordnen. Idealerweise wird Bewegung allgemein ins Leben integriert und hat dann präventive Wirkungen auf verschiedenen Ebenen.

 

 

Übersäuerung und basische Ernährung – ein fragwürdiges Konzept

Immer wieder ist zu hören, dass wir an Übersäuerung leiden, eine Basendiät brauchen, eine basische Ernährung oder gar Basenpulver.

Dieses Konzept ist sehr fragwürdig. Unser Organismus hat eine ganze Reihe von Regulationsmechanismen, um das Säure-Basen-Gleichgewicht in einem engen Rahmen stabil zu halten. Schon sehr kleine Abweichungen vom normalen pH-Wert würden schon zu gravierenden medizinischen Störungen führen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat zu dieser Frage so Stellung genommen:

“Durch Basenfasten soll der Körper entsäuert werden – eine Methode, die häufig in der Alternativmedizin angewendet wird. Basenfastende dürfen nur Lebensmittel verzehren, die als basisch gelten, wie Gemüse, Obst sowie einige Nüsse und hochwertiges Lein-, Oliven- oder Rapsöl. Als Getränke stehen Quellwasser sowie verdünnte Kräutertees zur Verfügung. Wissenschaftliche Beweise für die Wirkung dieser Fastenmethode fehlen jedoch: Weder die Existenz von Schlacken im Körper ist nachgewiesen noch die Annahme, dass säurebildende Lebensmittel den Säure-Basen-Haushalt des Körpers stören. Weil lebenswichtige Nährstoffe auf Dauer in zu geringen Mengen zugeführt werden könnten, rät die DGE von langfristigem Basenfasten ab.”

Quelle:

https://www.dge.de/presse/pm/heilfasten-basenfasten-intervallfasten/

Kommentar & Ergänzung:

Heikel an dieser Basentheorie ist, dass uns damit etwas eingeredet wird. Du bist verschlackt und übersäuert. So schlimm. Dann kann man dir eine Basendiät aufschwatzen und Basenprodukte aller Art. Man muss die Leute zuerst krank reden, damit man ihnen etwas verkaufen kann – eine Idee, Spezialpräparate etc.

Damit wird auch das Vertrauen in den eigenen Organismus untergraben. Wir haben in der Regel eine kompetente Leber und kompetente Nieren, die unsere Ausscheidungsprozesse managen. Und natürlich sollten wir diesen Organen Sorge tragen Die Basentheorie – so scheint mir – redet sie konsequent schlecht.

Klar ist aber auch: Die Lebensmittelempfehlungen der Säure-Basen-Theorie sind durchaus sinnvoll: Viel Obst und Gemüse, Nüsse, wenig Fleisch, Zucker, Weissmehl.

Dagegen gibt es keine Einwände, einfach weil diese Lebensmittelzusammenstellung gute Voraussetzungen für eine gesunde Ernährung bietet – aber nicht wegen dem pH-Wert.

Siehe auch:

Fragwürdigen Basenfasten

Basenbäder für die Bikini-Figur?

Basendiät gegen Übersäuerung des Körpers?

Übersäuerung macht krank – stimmt das?

Auch die Zeitschrift “Gesundheitstipp” hat zum Thema Basenpulver und Übersäuerung Fachleute befragt:

“«Produkte wie Basenpulver sind überhaupt nicht nötig», sagt Caroline Bernet, Ernährungsberaterin der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung. Und der österreichische Ernährungsmediziner Kurt A. Moosburger rät von Basenmitteln nicht nur wegen des Preises ab: Die Pulver können zu Verdauungsproblemen führen, da sie die Magensäure angreifen…..
«Die Übersäuerung durch Ernährung ist ein grosser Mythos», sagt dagegen Mediziner Moosburger.”

Quelle:

https://www.gesundheitstipp.ch/artikel/d/mythos-uebersaeuerung-keiner-isst-sich-sauer/

Inzwischen gibt es nicht nur Basenpulver, sondern auch Basentees auf dem Markt, zum Beispiel den Sidroga Basentee. Er besteht aus:

Brennnesselblätter (26%), Melissenblätter (15%)Hagebuttenschalen (14%), Fenchel,  Äpfel (10%)Zimtrinde, Lindenblüten (5%)Löwenzahnkraut (5 %), KümmelBirkenblätter (1%).

Es existieren keinerlei Belege dafür, dass mit einem Kräutertee der Säure-Basen-Haushalt im Organismus in relevantem Mass beeinflusst werden kann. Allenfalls zugeführte Basen gleicht der Körper aus. Es gibt auch keinerlei Belege dafür, dass ausgerechnet diese im Sidroga Basentee enthaltenen Kräuter basisch wirken würden. Ich würde sagen: Der Sidroga Basentee ist ein Fake.

Wenn Sie reale, fundierte Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen  kennenlernen möchten, können Sie daw in meinen Lehrgängen – dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

Schmerzmittel: Entzündungswidrige Ernährung statt Ibuprofen und Diclofenac?

Das Magazin „Focus“ publiziert einen Artikel unter dem Titel:

„Statt Ibuprofen und Diclofenac

Alternative zu Schmerzmitteln: Wie Sie Entzündungen wegessen können

In der Einleitung schreibt die Autorin:

„Knie entzündet, Schulter schmerzt? Mediziner sehen darin noch nicht zwangsläufig einen Grund, zu Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Diclofenac zu greifen – viel zu stark seien die Nebenwirkungen. Viele plädieren stattdessen auf eine entzündungshemmende Ernährung – FOCUS Online zeigt, wie die aussehen könnte.“

Was ist davon zu halten? Schauen wir uns den Text genauer an.

Die Autorin weist darauf hin, dass viele Patienten bei Entzündungen schnell zu Schmerzmitteln wie Ibuprofen und Diclofenac greifen und zitiert dann den Spormediziner Klaus Pöttgen, der davon abrät: „Die Nebenwirkungen dieser Medikamente sind viel zu stark“. Stattdessen empfiehlt Pöttgen eine „regenerative Sporternährung“ – also Lebensmittel, die Entzündungen hemmen sollen.

Fünf dieser Lebensmittel empfiehlt Focus online:

Sauerkirschen, Zitronen, Ananas, Kurkuma, Omega-3-Fettsäuren aus Ölen.

Grundsätzlicher Kommentar:

  1. Dass Entzündungen sich über die Ernährung hemmen lassen, ist vorstellbar und es gibt einige Hinweise für eine solche Wirkung.
  2. Entzündungshemmer aus der Gruppe der NSAR wie Ibuprofen und Diclofenac können tatsächlich ernsthafte Nebenwirkungen und Risiken haben, insbesondere bei höherer Dosierung und bei längerdauernder Einnahme.

 

Heikel an diesem Artikel ist die Absolutheit der Aussage.

Bei hoch entzündeten Gelenken – zum Beispiel in einem Polyarthritis-Schub – reicht die entzündungshemmende Wirkung über die Ernährung in der Regel nicht aus. In solchen Fällen kann es wichtig sein, die Entzündung mit stark wirkenden Medikamenten wie Ibuprofen oder Diclofenac herunterzuholen, weil dadurch das Gelenk vor knorpelzerstörenden Enzymen geschützt werden kann. Ersetzt man auch in solchen Phasen Entzündungshemmer durch eine entzündungshemmende Ernährung, können Schäden am Gelenk die Folge sein. Eine unterstützende Wirkung der entzündungshemmenden Ernährung ist aber auch in hoch akuten Phasen möglich.

Ist die akute Entzündung abgeklungen, kann die entzündungshemmende Ernährung dazu beitragen, die Dosierung der NSAR herunterzufahren und in Phasen zwischen den Schüben möglichst ganz darauf zu verzichten.

Der Focus-Artikel vermittelt irreführenderweise den Eindruck, dass die entzündungshemmende Ernährung NSAR wie Ibuprophen oder Diclofenac immer ersetzen kann.

Es geht aber nicht um ein entweder-oder, sondern darum, in jeder Phase das passende einzusetzen.

Auch die Empfehlungen im Einzelnen werfen ein paar Fragen auf.

Zu den Sauerkirschen schreibt „Focus“:

„Die kleinen roten Früchte sind wahre Energiebomben: Sauerkirschen enthalten Antioxidantien, Vitamin C und sogenannte Anthocyanidine, die Entzündungen lindern können.“

Zum Thema Entzündungshemmung mit Sauerkirschen gibt es tierexperimentelle Studien und eine kleine Studie mit Menschen, die aber keine eindeutigen Ergebnisse liefern. Anthocyane wirken entzündungswidrig. Sie werden aber nur schlecht in den Körper aufgenommen, so dass es wichtig wäre zu wissen, wieviel Sauerkirschen bzw. Sauerkirschensaft enzunehmen ist, um eine merkbare Wirkung auszulösen. Hier sind noch viele Fragen offen.

Zu Zitronen schreibt Focus:

„Dass Zitronen einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben, ist längst kein Geheimnis mehr. Aber auch Entzündungen kann die Frucht bekämpfen. Für den optimalen Effekt reibt man aber nicht die Frucht selbst, sondern besonders die Schale einer Bio-Zitrone in das gewünschte Gericht.“

Zitronenschalen enthalten die bitter schmeckenden Flavonoide Neohesperidin und Naringenin, sowie das nicht bittere nicht  Rutin; Hydroxycumarine, Furanocumarine, Zitronensäure und Pektine.

Dazu sind mir keine Untersuchungen bekannt. Flavonoide wirken als Radikalfänger und steigern zum Teil auch die Kapillarresistenz. Ein Effekt auf Entzündungen ist meines Erachtens vollkommen unklar, nicht zuletzt auch deshalb, weil wohl nur wenige Menschen die bitterschmeckenden Zitronenschalen in den nötigen Mengen regelmässig einnehmen werden.

Zu Ananas schreibt Focus:

„Ebenfalls nicht zu verachten ist die Kraft der Ananas: Sie enthält ein Enzym, das bei Entzündungen hilft – und nebenbei auch die Verdauung anregt.“

Das erwähnte Enzym heisst Bromelain. Es wurde in klinischen Studien bei Gelenkbeschwerden gegen Placebo und gegen NSAR untersucht, wobei nur etwa jede zweite Studie nicht negativ ausfällt. Das ist nicht gerade überzeugend. Ein sicherer Nachweis der therapeutischen Wirksamkeit von Bromelain konnte jedenfalls noch nicht erbracht werden. In diesen Studien wurde Bromelain in Form von magensaftresistenten Dragees oder Filmtabletten verabreicht, weil dieses Enzym bereits im Magen bereits zum grössten Teil verdaut wird. Warum erwähnt Focus diese bedeutende Einschränkung nicht?

Zu Kurkuma schreibt Focus:

„Kurkuma ist ein Hauptbestandteil von Currypulver. Dem aus Südasien stammenden Gewürz schreibt Sportexperte Pöttgen ebenfalls entzündungshemmende Eigenschaften zu. Der Körper kann es gut aus dem Currypulver, bei akuten Entzündungen aber besser in Form von Dragees aufnehmen.“

Kurkuma als Gewürz stammt von der Wurzel von Curcuma longa (Gelbwurz) und enthält als Hauptwirkstoff den gelben Farbstoff Curcumin.

Curcumin ist ein intensiv wissenschaftlich untersuchter Naturstoff. In Laborexperimenten zeigt Curcumin entzündungswidrige Effekte. Ob diese Wirkung auch im menschlichen Organismus in relevanter Intensität auftritt, ist nicht bekannt. In deutlichem Gegensatz zu den Ausführungen auf Focus online ist die Aufnahmerate aus dem Verdauungstrakt in den Organismus nämlich sehr gering. Erhitzung oder Auflösung in Öl erhöht die Bioverfügbarkeit von in Lebensmitteln enthaltenem Curcumin.

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2016 zeigte, dass Curcumin in klinischen Studien bei Arthrosepatienten sowohl die Schmerzen verringern als auch die Beweglichkeit verbessern kann. Der Erfolg der klinischen Studien hängt wegen der geringen Bioverfügbarkeit von Curcumin stark von der eingesetzten Curcumin-Formulierung ab, den verwendeten Präparaten werden nämlich oft Substanzen wie Piperin (einem Bestantteil des Pfeffers) zugesetzt, um die Aufnahmefähigkeit zu verbessern.

Siehe:

https://www.liebertpub.com/doi/10.1089/jmf.2016.3705

Zu Omega-3-Fettsäuren aus Ölen schreibt Focus:

„Ebenfalls entzündungshemmend wirken Omega-3-Fettsäuren. Es steckt in Lein-, Oliven- und Rapsöl. Auch Wildlachs ist reich an Omega-3-Fettsäuren. Doch Seefisch sollten Sie allgemein mit Vorsicht genießen: Die Tiere sind heutzutage stark mit Quecksilber und anderen schädlichen Stoffen belastet.“

Omega-3-Fettsäuren wurden vor allem in Form von Fischöl-Präparaten untersucht. In der Mehrzahl der Studien konnten Präparate mit Omega-3-Fettsäuren Schmerzen und andere Symptome bei rheumatoider Arthritis nicht verbessern. Die Resultate sind teilweise jedoch widersprüchlich. Ob eine fischreiche Ernährung wirksam ist, wurde bisher nur ungenügend untersucht.

Insgesamt werden die Möglichkeiten der empfohlenen Mittel im Focus-Artikel also sehr übersteigert und unkritisch dargestellt. Aber ein solcher Text spricht natürlich die Besucherinnen und Besucher der Website an und generiert bestimmt viele Klicks, was die Werbeeinnahmen von Focus sprudeln lässt.

Quelle der Zitate:

https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/entzuendungshemmende-ernaehrung-so-essen-sie-entzuendungen-einfach-weg_id_9199459.html

Was ist Karkade-Tee?

Karkade-Tee wird hergestellt aus den getrockneten Blüten des Hibiscus sabdariffa, einer Pflanze aus der Familie der Malvengewächse (Malvaceae).

Hier ein Foto der getrockneten Blüten auf Wikipedia.

Der Name Karkade bzw. Karkadeh stammt aus der arabischen Sprache. In Deutschland sind die Blüten von Hibiscus sabdariffa auch unter der Bezeichnung Malventee bekannt, was aber ungenau ist, weil verschiedene Malvengewächse als Kräutertee verwendet werden (zum Beispiel die Blüten von Malva silvestris, Grosses Chäslichrut, gegen trockenen Reizhusten).

Karkade-Tee ist als Getränk in Ägypten und im Sudan sehr beliebt und wird heiß oder kalt getrunken.

Bei uns gilt er wegen des säuerlich-fruchtigen Geschmacks kalt getrunken vor allem als Durstlöscher im Sommer.

Die Karkadeblüten enthalten verschiedene Fruchtsäuren, insbesondere Hibiscussäure, Zitronensäure, Äpfelsäure und Weinsäure, ausserdem Ascorbinsäure (Vitamin C).

Interessant aus phytotherapeutischer Sicht ist aber vor allem der hohe Gehalt an Anthocyanen, der für die intensiv rote Farbe des Karkadetees verantwortlich ist.

Anthocyane sind Radikalfänger, wirken also als Antioxidanzien. Sie sollen im Organismus die Sehvorgänge verbessern, entzündungshemmend und gefäßschützend wirken. Allerdings werden sie nur schlecht in den Körper aufgenommen, was ihre Wirksamkeit beschränken dürfte.

Anthocyane sind aber mit Sicherheit ein wertvoller Bestandteil einer vielfältigen Ernährung. Sie kommen als Farbstoff auch in vielen blauen Früchten vor, zum Beispiel in Heidelbeeren, Brombeeren, Aronia-Beeren, Schwarzen Johannisbeeren, Beeren des Schwarzen Holunders.

Im Karkade-Tee sind die Anthocyane sehr wahrscheinlich auch verantwortlich für möglicherweise vorhandene Heilwirkungen.

Kleinere Studien geben nämlich Hinweise darauf, dass die regelmässige Einnahme von Karkade-Tee eine leichte Blutdrucksenkung bewirken könnte.

Sieh dazu:

Karkade-Tee senkt systolischen Blutdruck um 13 mmhg

Forscher aus Taiwan zeigten zudem an Ratten, dass Karkade den Spiegel an LDL-Cholesterin deutlich senkt. Allerdings ist bisher ungeklärt, ob ein solcher Effekt auch bei Menschen auftritt.

Siehe dazu:

Hibiskus: Karkade gegen erhöhtes Cholesterin

Karkadeblüten sind zudem als Farbgeber in vielen Hagebutten-Beuteltees enthalten.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Zimt zur Vorbeugung von Alzheimer?

T-online publiziert 10 Tipps zur Vorbeugung von Alzheimer. Hier lässt sich gut zeigen, wie locker und auf schwacher Basis solche Tipps oft verteilt werden.

Beispiel:

„Werden Sie verrückt nach Zimt

Auch der Insulinspiegel beeinflusst die Leistung unserer grauen Zellen. Studien haben belegt, dass Zimt den Insulinspiegel stabil halten und so auch Alzheimer vorbeugen kann.

Jean Carper: 100 simple things you can do to prevent alzheimer’s and age-related memory loss“

Quelle:

https://www.t-online.de/gesundheit/

 

Kommentar & Ergänzung:

Ja, bei Zimt gibt es eine kleine Studie aus Pakistan. Sie zeigt, dass 2 Gramm Zimt pro Tag den Blutzucker senken kann. Allerdings könnte es sein, dass bei den Probanden in Pakistan der Blutzuckerspiegel  nicht optimal eingestellt war. Denn in grössere Studien an anderen Orten wirkte Zimt nicht eindeutig besser als ein Scheinmedikament.

Schon die Aussage, dass Studien belegt haben, „dass Zimt den Insulinspiegel stabil halten“ kann, ist gewagt.

Und daraus dann sogleich auf eine vorbeugende Wirkung gegen Alzheimer zu schliessen, ist ausgesprochen fragwürdig. Dafür gibt es keinerlei Anzeichen oder gar Belege.

Die Empfehlung richtet sich zudem nicht an Diabetes-Kranke, sondern an die Allgemeinheit. Ob Zimt bei Gesunden irgendeine positive Wirkung auf den Blutzucker hat, ist ungeklärt.

Zudem wäre für eine Vorbeugung gegen Alzheimer wohl eine Langzeitanwendung über Jahrzehnte nötig. Zwischendurch mal ein paar Prisen Zimt am Milchreis reicht nicht.

Unrealistisch diese Vorstellung. Die Empfehlung ist für die Mülltonne.

Aber vor Alzheimer haben verständlicherweise viele Leute Angst, und so kommen Tipps zur Vorbeugung halt gut an.

Leider ist Vorbeugung hier aber nur sehr begrenzt möglich: Ausgewogene Ernährung, regelmässige Bewegung, soziale Kontakte pflegen, das Gedächtnis brauchen, damit es möglichst lange fit bleibt…..das wär’s dann wohl.

Phytotherapeutisch steht beim Thema Demenz / Alzheimer Ginkgo-Extrakt im Zentrum.

Allerdings konnte auch mit Ginkgo-Extrakt eine vorbeugende Wirkung gegen Demenz / Alzheimer bisher in Studien nicht belegt werden, eine positive Wirkung im Frühstadium der Demenz allerdings schon – aber nur für einen bestimmten Ginkgo-Extrakt.

Weitere Infos zu Zimt & Diabetes:

Zimt bei Diabetes: Zum aktuellen Stand des Wissens

Zimt zur Senkung des Blutzuckers bei Diabetes

Weitere Infos zu Ginkgo und Demenz / Alzheimer:

Ginkgo: Nicht alle Zubereitungsarten sind gleichwertig

S3-Leitlinie Demenzen: Empfehlung für Gingko-Extrakt 

Gingko-Extrakt bei Demenz mindestens acht Wochen lang einnehmen 

Meta-Analyse bestätigt nutzen von Ginkgo-Extrakt bei Alzheimer

 Ginkgo lindert Begleitsymptome bei Demenz

Gem-Studie: Ginkgo biloba ohne kognitiven Effekt – und nun?

 

 Metastudie zeigt: Alzheimer-Kranke können von Ginkgo-Extrakt profitieren

Ginkgo-Studie findet keine vorbeugende Wirkung gegen Demenz

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie/ Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Bewegung reduziert Risiko für schwere Schlaganfälle

Menschen, die sich regelmäßig bewegen, haben ein geringeres Risiko für schwere Schlaganfälle als körperlich Inaktive. Dazu sind keine sportlichen Höchstleistungen nötig: Eine halbe Stunde Spazierengehen am Tag reicht für eine Halbierung des Risikos.

Körperliche Bewegung reduziert bekanntermaßen das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Doch wenn es trotzdem zum Schlaganfall kommt, sind Aktive auch besser dran als Bewegungsmuffel. Zu diesem Ergebniss kommen schwedische Wissenschaftler in einer Studie, die im Fachjournal »Neurology« publiziert wurde. Das Team um Dr. Malin Reinholdsson von der Sahlgrenska Universität in Göteborg untersuchte dazu 925 Patienten, die zwischen 2014 und 2016 an der dortigen Universitätsklinik aufgrund eines erstmaligen Schlaganfalls behandelt worden waren. Die Patienten lieferten den Forschern dabei Angaben zu Art und Umfang ihrer körperlichen Aktivität vor dem Schlaganfall. Dies korrelierten die Wissenschaftler mit der Schwere der Symptome.

Es zeigte sich dabei, dass bereits leichte körperliche Aktivität – zum Beispiel vier Stunden Spazierengehen pro Woche – verglichen mit körperlicher Inaktivität einen nennenswerten Schutz vor schweren Schlaganfällen bot. Das traf ebenso zu für moderate körperliche Aktivität, zwei bis drei Stunden Joggen oder Schwimmen in der Woche. In beiden Aktivitätsgruppen lag der Anteil der Patienten mit einem schweren Schlaganfall bei 3 Prozent, bei den Inaktiven war er dagegen mit 6 Prozent doppelt so hoch.

»Einmal eine halbe Stunde oder zweimal eine Viertelstunde Spazierengehen am Tag reicht aus, um das Risiko für einen schweren Schlaganfall zu senken«, schreibt Seniorautorin Professor Dr. Katharina Stibrant Sunnerhagen in einer Mitteilung der Universität. Sie unterstreicht, dass die Schwere eines Schlaganfalls entscheidend dafür ist, wie rasch sich ein Patient davon wieder erholt. Nach einem milden Schlaganfall müsse ein Patient vielleicht eine Woche im Krankenhaus bleiben, könne dann die Reha zu Hause fortsetzen und habe gute Chancen, in sein normales Leben und auch die Arbeit zurückzukehren. Nach einem schweren Schlaganfall müssen die Betroffenen deutlich länger stationär behandelt werden und anschließend unter Umständen ins Pflegeheim.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/dem-schlaganfall-davonspazieren/

DOI: 10.1212/WNL.0000000000006354

 

Kommentar & Ergänzung:

Bewegung ist vielfältig vorbeugend und gesunderhaltend. Dabei zeigt sich in Studien immer wieder, dass es dabei nicht auf körperliche Höchstleistungen ankommt, sondern mehr um moderate, aber regelmässige Bewegung. Schon leichte Bewegung verbessert zum Beispiel das Gedächtnis im Alter.

Bewegung ist ein traditionelles Grundprinzip der Naturheilkunde und eine Säule im 5-Säulen-Modell nach Kneipp (neben Heilpflanzen-Anwendungen, Ernährung, Hydrotherapie, Lebensordnung).

Bezüglich Schlaganfall gibt es auch Hinweise, das sich das Risiko auch über die Ernährung ein Stück weit beeinflussen lässt. Einen vollständigen Schutz kann man allerdings nicht erwarten.

Siehe auch:

Fischölkapseln schützen nicht vor Herzinfarkt und Schlaganfall

Kaffeegenuss in Massen reduziert Schlaganfallrisiko

Zitrusfrüchte gegen Schlaganfall

Kann Olivenöl Schlaganfällen vorbeugen?

Weisses Obst und Gemüse schützt vor Schlaganfällen

Grüntee und Schwarztee: Schutz vor Schlaganfall?

Man muss aber leider auch sagen, dass viele dieser Ernährungsstudien von begrenzter Aussagekraft sind und eher Hinweise liefern als sichere Belege.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Ruediger Dahlke überzeugt nicht als Kokosöl-Verteidiger

Kokosöl wird als Superfood vermarktet, dem eine ganze Reihe von wunderbaren Eigenschaften zugeschrieben  wird. Unter anderem soll es gegen Alzheimer wirken.

Dass es für diese Versprechungen keinerlei Belege gibt und Kokosöl im Gegenteil sogar die Gesundheit schädigen kann, hat eine Medizin-Professorin der Universität Freiburg in einem Vortrag dargelegt.

In ihrem Vortrag bezeichnete Prof. Karin Michels Kokosöl als „schlimmer als Schweineschmalz und als reines Gift“. Der Vortrag und das Video auf YouTube stiessen auf grosse Resonanz, aber auch auf heftige Kritik der „Kokosöl-Gemeinde“.

Für die zugespitzte Formulierung hat sich die Direktorin des Instituts für Prävention und Tumorepidemiologie am Uniklinikum Freiburg später entschuldigt, inhaltlich aber an ihrer Kritik festgehalten.

Im Magazin „Spuren“ hat der Fastenarzt und fragwürdige Esoteriker Ruediger Dahlke wiederum das Kokosöl verteidigt und Karin Michels heftig kritisiert. Er liefert damit ein bemerkenswertes Beispiel für miserable Argumentation. Ich gehe nur auf die ersten paar Sätze ein, weil eine umfassende Auseinandersetzung den Rahmen hier sprengen würde. Dahlke schreibt:

„Dass immer wieder Schulmediziner auf den alten Irrtümern beharren, ist nichts Neues, aber dieser Versuch ist doch ziemlich populär geworden. Wie gut es den Menschen auf Bali, in den Philippinen, in Thailand und in allen Ländern, wo viel Kokosöl konsumiert wird, geht, ignoriert Prof. Karen Michels. Wie schlank und fit diese Leute mit diesem Öl bleiben, ist ihr offenbar entgangen.

Ausserdem ignoriert sie die guten Erfahrungen, welche die US-Ärztin Mary Newport in der Behandlung ihres an Alzheimer erkrankten Mannes machte und im Buch Alzheimer vorbeugen und behandeln (VAK Verlag, Freiburg 2014) dokumentierte. Sie holte ihren Mann mittels mittelkettiger Fettsäuren, wie sie im Kokosöl enthalten sind, aus der Demenz zurück.“

Quelle:

https://spuren.ch/content/single-ansicht-news/datum////fette-vorurteile.html
Kommentar:

Schon der erste Satz ist fragwürdig: Man aktiviere einleitend das bewährte Feindbild „Schulmedizin“, dann hat man die Lesenden schon mal auf seiner Seite.

Aber schauen wir uns die eigentliche Argumentation an:

„Wie gut es den Menschen auf Bali, in den Philippinen, in Thailand und in allen Ländern, wo viel Kokosöl konsumiert wird, geht, ignoriert Prof. Karen Michels. Wie schlank und fit diese Leute mit diesem Öl bleiben, ist ihr offenbar entgangen.“

Dahlke weist also darauf hin, dass es den Menschen in Ländern, in denen viel Kokosöl konsumiert wird, „gut“ geht. Unklar bleibt, was unter „gut“ hier verstanden wird, und Dahlke geht offenbar fraglos davon aus, dass Kokosöl für dieses „gut gehen“ verantwortlich ist.

Ein abenteuerlicher Kurzschluss, der übersieht, dass eine ganze Reihe von Einflüssen für „gut gehen“ verantwortlich sein kann.

Und in diesen Ländern sollen die Menschen offen besonders schlank und fit bleiben. Auch hier wird das umstandslos dem Kokosöl gut geschrieben. Eine vollkommen willkürliche Argumentation.

Wer so schlampig und eindimensional argumentiert, könnte auch die tiefere Lebenserwartung in Thailand (74,7 Jahre) gegenüber der Schweiz (82, 6 Jahre) auf den höheren Kokosöl-Konsum in Thailand zurückführen (Quelle: Wikipedia)

Und sind die Menschen zum Beispiel auf den Philippinen tatsächlich so fit, wie Ruediger Dahlke es darstellt? Daran kann mit Fug und Recht gezweifelt werden:

„Jede Minute sterben neun Menschen an Herzkrankheiten. Das ist auch auf ungesunde Ernährung zurückzuführen. Der traditionelle Speiseplan aus Gemüse, Fisch und nur wenig Fleisch ist gerade in den Städten durch vorverarbeitete Lebensmittel, ungesunde Fertigkost und fettere Speisen ‚ergänzt’ beziehungsweise verdrängt worden. Außerdem nimmt der Stress durch den wachsenden Leistungsdruck und das ‚moderne Leben’ zu….

Offiziellen Gesundheitsindikatoren zufolge hat sich die Gesundheitssituation in den Philippinen in den letzten Jahren verbessert. Die Lebenserwartung ist von 1970 bis 2009 um zehn Jahre gestiegen, von 58 auf 71 Jahre. Nur: In vielen vergleichbaren Ländern hat sich die Situation im gleichen Zeitraum um einiges mehr gebessert. Und: Selbst wenn sie sich leicht gebessert hat, ist sie generell weiterhin als katastrophal zu bezeichnen. Denn einer prozentualen Abnahme steht eine Zunahme in absoluten Zahlen entgegen – des Bevölkerungswachstums wegen.“

Quelle:

http://vernetzte-er.de/dev/index.php?option=com_content&view=article&id=29&Itemid=46

 

Zur Gesundheit in Thailand schreibt Wikipedia:

„Herausforderungen, denen sich das Gesundheitssystem Thailands gegenübersieht, sind neue Epidemien wie die Vogelgrippe H5N1 oder Wohlstandskrankheiten wie Fettleibigkeit.“

Warum also stellt Ruediger Dahlke die Situation so verzerrt dar? Wohl weil es so besser zu seiner Kokosöl-Vorstellung und seinem Weltbild passt?

Dann verweist Dahlke auf die Erfahrungen der US-Ärztin Mary Newport, die ihren Mann mit Kokosöl aus der Demenz zurück geholt haben soll. Grundsätzlich lässt sich mit einer solchen anekdotischen Einzelfallschilderung nie Wirksamkeit begründen. Auch hier können weitere Faktoren mitgewirkt haben. Zudem kann Alzheimer einen wechselhaften Verlauf mit Verschlechterungen und Verbesserungen zeigen. Besserungsphasen werden dann gerne einem gerade zeitgleich verabreichten Mittel wie hier den Kokosöl zugeschrieben, während sie eigentlich nur den natürlichen Verlauf zeigen. Und wenn Dahlke schreibt, dass Mary Newport ihren Mann mittels Kokosöl aus der Demenz zurückgeholt hat, dann lässt er weg, dass Steven Jerry Newport 2016 an Demenz gestorben ist. Aber es würde natürlich den Reiz der Story stören, wenn man das erwähnen würde…..

Weitere Informationen zum angeblichen Superfood Kokosöl gibt es hier bei der Verbraucherzentrale Hamburg:

Inzwischen haben auch eine Reihe von Fachleuten zur Debatte um Kokosöl Stellung genommen.

Die Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl, die Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), sagte der Nachrichtenagentur dpa, Kokosöl enthalte viele gesättigte Fettsäuren, die eine Gesundheitsgefahr darstellten und unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigerten. Kokosöl habe zu Unrecht ein positives Image, erklärte Gahl. Die Aussagen von Michels seien pointiert, in der Sache seien sie jedoch korrekt. Mehrere internationale Studien belegen laut Gahl das Gesundheitsrisiko, das von Kokosöl ausgeht. Wer Kokosöl gelegentlich zum Kochen nutze, müsse sich keine Sorgen machen, sagte die Ernährungswissenschaftlerin. Häufig verwendet, sei es aber schädlich. Schlicht falsch seien die Versprechungen der Werbung, dass Kokosöl beim Abnehmen helfe.

Besser als Kokosöl seien Pflanzenöle wie zum Beispiel Rapsöl, Sojaöl, Olivenöl, Sonnenblumenöl oder Leinöl. Sie enthalten ungesättigte Fettsäuren und gelten daher als weniger bedenklich. Ungesättigte Fettsäuren seien gut für Herz und Kreislauf des Menschen, sagt Gahl.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=78234

 

Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ sprach mit der Wiener Ernährungsexpertin Ingrid Kiefer über Kokosöl.

Die Ernährungswissenschafterin und Leiterin des Fachbereichs Risikokommunikation der Agentur für Ernährungs- und Lebensmittelsicherheit (Ages) sagt zu den Versprechungen, mit Kokosöl könne man leichter abnehmen oder es helfe gar gegen Demenz und Alzheimer:  “Das ist wissenschaftlich absolut nicht belegt, dazu gibt es keine seriösen Studien.”

Kokosöl sei tatsächlich von allen tierischen und pflanzlichen Ölen jenes, das den höchsten Gehalt an gesättigten Fettsäuren habe – er liege bei 90 Prozent, im Vergleich dazu enthalte Butter knapp unter 70 und Schweineschmalz 41 Prozent.

Kiefer lässt nur einen Vorteil von Kokosöl gelten: “Es ist beim Anbraten und Backen hitzestabil, weil der Schmelzpunkt niedrig und der Rauchpunkt hoch ist.” Diesen Vorteil haben allerdings auch andere, gesündere Öle. Als gesündere Alternative zum Erhitzen raten die Experten etwa zu Olivenäl, Rapsöl oder Erdnussöl.

Jürgen König, Leiter des Departments für Ernährungswissenschaften an der Universität Wien, sagt dem “Standard“: “Ich verstehen den Hype um das Kokosöl nicht. Ihm werden positive Eigenschaften zugeschrieben, die mir nicht verständlich sind. Es enthält viele gesättigte Fettsäuren, von deren Konsum wir eher abraten.” Eine bessere Alternative zu anderen pflanzlichen Ölen sei Kokosöl deshalb nicht.

König sagt aber auch, dass weder Kokosöl noch Schweineschmalz ein Gift ist und dass es immer um die Menge gehe:  “Es schmeckt halt, deshalb ist es völlig legitim, Kokosöl in die Ernährung einzubauen. Abwechslung ist schließlich gut. Wenn sich der Konsum in Grenzen hält, ist der Genuss von Kokosöl genauso in Ordnung wie der von Schweineschmalz.”

Quelle:

https://derstandard.at/2000085910930/Ernaehrungsexperte-Kokosoel-ist-kein-Gift-Schmalz-auch-nicht

Kokosöl oft mit schlechter Ökobilanz

Auch aus Sicht des Naturschutzes ist Kokosöl fragwürdig. Es hat wegen langer Lieferwege und oft fragwürdiger Anbaumethoden eine schlechte Öko-Bilanz. Darauf weist Ilka Petersen hin, Referentin Landnutzung und nachhaltige Biomasse bei der Umweltorganisation WWF Deutschland. Ökologische und soziale Mindeststandards würden beim Anbau kaum eingehalten und der Handel setze Kokosbauern zunehmend unter Druck. Diese könnten von ihren Erträgen trotz gestiegener Nachfrage kaum leben, der Großteil der Gewinne gehe an die vielen Zwischenhändler der Branche. Ilka Petersen fordert, dass die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen für die Bauern dringend verbessert werden.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=78234

 

Diese Stellungnahmen von Fachleuten zeigen meines Erachtens deutlich, wie fragwürdig die Argumentation von Ruediger Dahlke daher kommt.  Der Esoterik-Autor und das spirituelle „Spuren“-Magazin bewirtschaften hier schlicht und einfach das plumpe Feindbild „Schulmedizin“. Diese Feindbild-Bewirtschaftung ist ja eigentlich nicht so ganz kompatibel mit dem Weltbild, das sie sonst so predigen – aber was solls: Wenn man eine genügend unkritische Fangemeinde hat, mit der man diese Feindbilder teilt, dann wird der Widerspruch nicht zum Thema werden. Fundierte Argumente haben dann keine Bedeutung mehr.

Auch predigen genau diese Kreise stets von Ganzheitlichkeit, führen hier jedoch “gut gehen” und “fit sein” der Menschen zum Beispiel auf den Philippinen, aber auch die Heilung von Alzheimer eindimensional und monokausal auf Kokosöl zurück.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

Helfen Erdbeeren gegen Darmentzündungen?

Erdbeeren hemmen bei Mäusen die Autoimmunreaktion der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.

Täglich eine Portion Erdbeeren könnte die Symptome von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa lindern. Darauf deuten Versuche mit Mäusen hin, die an der University of Massachusetts durchgeführt wurden. Der Erdbeergenuss hemmte die Entzündungen im Darm und die damit verbundenen Schäden. Gleichzeitig reduzierte das Erdbeerpulver die Zahl der entzündungsfördernden Immunzellen und -Botenstoffe im Darm. Ob diese “Erdbeer-Diät” auch beim Menschen wirksam ist, wollen die Wissenschaftler nun als nächstes untersuchen.

Chronisch-entzündliche Darmkrankheiten wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sind weltweit verbreitet und betreffen Millionen von Menschen.

In Deutschland dürften an diesen Autoimmunerkrankungen etwa 300.000 Menschen leiden. Chronische Entzündungen der Darmschleimhaut lösen bei ihnen Durchfall und Bauchschmerzen aus und können im Laufe der Zeit sogar die Darmwand schwer schädigen. Die Auslöser dieser Krankheiten sind bisher nur zum Teil geklärt. Es gibt eine genetische Komponente, doch auch Umweltfaktoren wie Nanopartikel, Triclosan sowie die Darmflora könnten eine Rolle spielen.

Eine Heilung dieser entzündlichen Darmerkrankungen ist bisher nicht möglich. Die Entzündungen lassen sich aber durch Medikamente wie Cortison oder durch gezielte Antikörpertherapien hemmen. Auch Ernährungsmassnahmen können Linderung verschaffen.

Ein Lebensmittel, das offenbar heilsam bei entzündlichen Darmerkrankungen wirkt, haben identifiziert: Erdbeeren. Für ihre Studie mit Erdbeeren haben nun Forscher um Hang Xiao von der University of Massachusetts die Wirkung dieses Obstes an Mäusen getestet, die an einer induzierten chronischen Darmentzündung litten. Ein Teil dieser Mäuse bekam mit dem Futter ein Pulver aus gefriergetrockneten ganzen Erdbeeren.

Forscher Xiao erklärt dazu:

“Wenn man nur Extrakte und einzelne Verbindungen testet, bleiben eine Menge anderer wichtiger Inhaltsstoffe der Beeren auf der Strecke, darunter Ballaststoff-Fasern oder an sie geknüpfte phenolische Verbindungen, die sich durch Lösungsmittel nicht extrahieren lassen.“

Darum verabreichten die Forscher den Mäusen Komplettpulver, und zwar in einer Dosis, die etwa einer Tasse frische Erdbeeren täglich bei einem Menschen entspricht.

Erdbeeren reduzierten Symptome und Immunreaktion

Die Resultate der Studie zeigten, dass die Erdbeeren die Krankheitssymptome linderten. Sie verringerten die Schäden an den Darmgeweben der Mäuse und verhinderten die Verkürzung des Darms. Auch die Menge der entzündungsfördernden Immunzellen in der Darmschleimhaut wurde durch die Gabe des Erdbeer-Komplettpulvers reduziert.

Die Mäuse litten dadurch nicht mehr unter blutigen Durchfällen und nahmen auch wieder an Körpergewicht zu. Die Erdbeer-Diät hatte zudem einen günstigen Effekt auf die Darmflora der Tiere. Sie begann sich im Laufe der Studie zu normalisieren. Die Zahl der Akkermansia- und Dorea-Bakterien verminderte sich, dafür stieg die Menge von Lactobacillus und Bifidobacillus. Das wiederum normalisierte den Darmstoffwechsel und förderte die Bildung von gesunden, kurzkettigen Fettsäuren im Verdauungstrakt.

 

Wirkung beim Menschen noch ungeklärt

Noch haben die Wissenschaftler die günstige Wirkung der Erdbeeren nur bei Mäusen nachgewiesen. Sie halten es aber für durchaus wahrscheinlich, dass auch menschliche Patienten mit chronischen Darmentzündungen vom Konsum von Erdbeeren profitieren könnten und wollen dies nun in ersten Tests mit Darmpatienten untersuchen.

Dass Ernährungfaktoren bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa eine wichtige Rolle spielen können, ist schon länger bekannt. Der bewegungsarme Lebensstil und die Ernährungsgewohnheiten vieler Menschen hier bei uns – viel Zucker, viel tierisches Fett, aber wenig Ballaststoffe – könnten laut Xiao zu chronischen Darmentzündungen beitragen.

Sollte sich nun diese im Labor gefundenen Effekt der Erdbeeren bestätigen, dann hätten Betroffene eine zusätzliche Möglichkeit, ihr Leiden durch einfache Maßnahmen zumindest zu lindern – bereits eine Dreiviertel Tasse voller Erdbeeren täglich könnte dafür genügen. Die Forscher betonen aber, dass Darmpatienten vor einer Anwendung immer erst Rückspräche mit ihrem Arzt halten sollen, weil Erdbeeren auch Allergien auslösen können

 

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-23061-2018-08-21.html

(American Chemical Society 256th National Meeting, 2018)

 

Kommentar & Ergänzung:

Mal abgesehen von schwierigen ethischen Fragen, die solche Versuche immer auch aufwerfen, sind das natürlich interessante Ergebnisse.

Allerdings lassen sich Erkenntnisse aus Tierversuchen nicht einfach so direkt auf Menschen übertragen, worauf die Forscher richtigerweise auch hinweisen. Eine künstlich ausgelöste Entzündung bei der Maus entspricht eben nicht genau der Entzündung durch Morbus Crohn und Colitis ulcerosa beim Menschen.

Günstig ist hier allerdings der Umstand, dass die verwendete Dosis umgerechnet auf den Menschen in einer realistischen Grössenordnung liegt, einfach zu verabreichen ist und kostenmässig nicht gross ins Gewicht fällt. Dazu sind Erdbeeren nach gegenwärtigem Wissen unschädlich und darüber hinaus sogar gesund.

Und wer an einer Erdbeerallergie leidet, wird das in der Regel wohl wissen und diese Erdbeer-Diät bleiben lassen.

Würde ich an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leiden, würde ich diese Option wohl ausprobieren und in der Erdbeersaison über 4 – 6 Wochen eine Tasse Erdbeeren über den Tag verteilt essen.

Aus sicht der Phytotherapie könnte man aber auch andere Arzneipflanzen in Betracht ziehen. So wirken zum Beispiel getrocknete Heidelbeeren durch ihren Gerbstoffgehalt gegen Durchfall und von den blauen Farbstoffen (Anthocyane) könnte eine entzündungswidrige Wirkung im Darm ausgehen. Auch der gelbe Farbstoff Curcumin aus der Gelbwurzel (Curcuma) wirkt möglicherweise gegen Entzündungen im Darm. Das sind allerdings ebenfalls nur Ableitungen aus Laborstudien. Sowohl für Heidelbeere als auch für Curcumin fehlen grössere Studien mit Patienten, die an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leiden.

Interessant ist an diesem Forschungsbericht im übrigen auch, dass Forscher Xiao Argumente für die Verwendung von Erdbeer-Vollpulver und gegen isolierte Substanzen und Extrakte anführt.

In der Phytotherapie finden sich ähnliche Argumentationen. Phytotherapie arbeitet in der Regel mit „Teams“ von Wirkstoffen und nicht mit isolierten Einzelsubstanzen, verwendet aber durchaus auch Extrakte.

Die Schwierigkeit für Forschung mit einem Erdbeer-Vollpulver wird sein, dass sich ein solches Produkt nicht patentieren lässt. Dadurch wird es wenig Interesse von Firmen geben, massiv Geld in teure klinische Forschung zu investieren. Die Chance, dass sich eine solche Intestition später auszahlt, ist einfach zu gering, weil jede andere Firma diese Forschungsergebnisse auch für ihre Zwecke nutzen und ein Erdbeer-Vollpulver auf den Markt werfen kann. Patentierbare Einzelsubstanzen oder Spezialextrakte sind da viel attraktiver.

Diese ökonomische Tatsache ist wesentlich dafür mitverantwortlich, dass einfache Pflanzenprodukte wie ein Kräutertee oder eben ein Pflanzenpulver wenig erforscht werden. Solche Forschung kommt oft nicht über das billigere Laborstadium hinaus. Es spricht viel dafür, dass es dem Erdbeer-Vollpulver auch so gehen wird.

Und dann ist es einfach zu sagen, dass zuwenig aussagekräftige Studienergebnisse vorliegen…..

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

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Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

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Wildkräuter in der Küche: Wilde Möhre

Die wilde Möhre (Daucus carota) ist die Urform der bekannten Karotte. Mit ihrem würzigen Aroma kann sie für Geschmackserlebnisse sorgen.

Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) empfiehlt die Wilde Möhre deshalb zur Verwendung in der Küche:

„Die jungen Blätter und Stiele schmecken im Salat, in Gemüsepfannen und fein gehackt in Suppen und Soßen. Die dünne, weißliche Wurzel hat einen herb-süßlichen Geschmack und enthält wertvolle Inhaltsstoffe wie Provitamin A, B-Vitamine, Kalzium, Folsäure und Selen. Für eine Gemüsebeilage wird sie in Stifte geschnitten, in Brühe kurz gedünstet und mit etwas Olivenöl und einem Hauch Chili verfeinert. Probieren Sie auch die weichen Blüten – als essbare Dekoration für Salate oder in Pfannkuchenteig frittiert. Die getrockneten Samen haben ein anisartiges Aroma, das pikanten und süßen Speisen eine angenehme Würze gibt. Ätherische Öle regen die Verdauung an….
Das Kraut wird zur Blütezeit von Mai bis September geerntet, während die Wurzel im zeitigen Frühjahr oder Herbst am besten schmeckt. Nach der Blüte wird sie holzig.“

Quelle:
https://www.bzfe.de/inhalt/die-wilde-moehre-in-der-kueche-32327.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Wilde Möhre gehört zur Pflanzenfamilie der Doldenblütler. Sie ist nicht nur für die Ernährung des Menschen interessant, sondern auch eine wichtige Raupenfutterpflanze für den Schwalbenschwanz-Schmetterling.
Auf Wikipedia finden sich interessante Informationen zur Blütenökologie der Wilden Möhre:

„Die meist in der Doldenmitte auftretende, durch Anthocyane schwarzrot gefärbte weibliche Mohrenblüte (Stempel) bildet eine Kontrastfärbung zu den weißen zwittrigen Blüten, was auf potenzielle Bestäuber eine Signalwirkung ausübt. Bestäuber sind Insekten aller Art, besonders Käfer und Fliegen. Die Blüten sind eine Hauptpollenquelle für die Sandbienen Andrena pallitaris und Andrena nitidiuscula. Die Blütezeit reicht von Mai bis September.“

Die Wilde Möhre wächst in einem zweijährigen Zyklus und blüht erst im zweiten Jahr. Man sollte nur die einjährigen Wilden Möhren essen, da die Wurzeln der blühenden Pflanzen ziemlich scharf und holzig sind.

Für die Phytotherapie spielt die Wilde Möhre kaum eine Rolle, weil es zu ihren allfälligen Wirkungen wenig fundierte Erkenntnisse gibt.

Das „Handbuch der Arzneipflanzen“ schreibt dazu:

„Das Kraut wird traditionell bei Nieren- und Blasenleiden verwendet, insbesondere bei Harnsteinen und –griess sowie Blasenentzündung. Kraut und Früchte werden bei Verdauungsstörungen, Krämpfen, Blähungen und Gicht eingesetzt. Karottensaft ist wegen des hohen Carotingehalts (in der Leber in Vitamin A umgewandelt) mit antioxidativer Wirkung ein wichtiges Gesundheitsgetränk. Die Droge wurde auch als Wurmmittel verwendet.“

Für die Wirksamkeit bei Nierenerkrankungen, Blasenleiden und Gicht gibt es keine Belege und auch sonst kein plausiblen Argumente. Am ehesten ist eine Wirksamkeit gegen Verdauungsstörungen plausibel. Die Verwendung der Droge ( = getrocknete Arzneipflanze) als Wurmmittel ist nicht zielführend, für diesen Zweck gibt es wirksame Medikamente.

Die Wilde Möhre kann bei manchen Personen leichte Lichtallergien verursachen und wegen der Furanocumarine kann die Pflanze in seltenen Fällen eine Photodermatitis auslösen.

Wer die Wilde Möhre als Wildpflanze essen will, muss sie sicher erkennen.
Das ist anhand des schwarzen Punktes in der Doldenmitte und der langen, geteilten Hüllblätter eigentlich gut möglich, wenn man diese Merkmale sicher kennt.

Die Familie der Doldenblütler ist aber insgesamt botanisch nicht einfach, weil es darin viele ähnliche Pflanzenarten gibt. Wenn Sie bei den Doldenblütlern botanisch Fortschritte machen möchten, helfe ich Ihnen gerne auf den Kräuterwanderungen weiter.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Wildkräuter: Löwenzahn in der Küche

Der Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist nicht nur schön anzuschauen, sondern auch in der Küche vielseitig einsetzbar. Seine Blätter, Knospen, Blüten und sogar die Wurzeln sind essbar.

Löwenzahn gehört zu den bekanntesten Wildkräutern und ist insbesondere auf stickstoffreichen Böden zu finden. Die Pflanze bevorzugt sonnige und helle Standorte wie Wiesen und Ackerränder. Sie enthält reichlich Vitamin C, Vitamin A, Magnesium, Kalzium sowie wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe und hat zahlreiche positive Wirkungen auf den Körper. Löwenzahn soll Entzündungen hemmen und den Appetit, den Stoffwechsel und die Verdauung anregen, schreibt das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) in einer Mitteilung. Zur Verwendung des Löwenzahns in der Küche gibt das BzfE folgende Empfehlungen:

„Die zarten gezackten Blätter des Löwenzahns schmecken im Salat und auch in Kombination mit anderen Wildkräutern. Dabei lässt sich der etwas herbe Geschmack durch einen Schuss Sahne oder Schmand im Dressing abmildern. Die Blätter können auch ähnlich wie Spinat kurz blanchiert und als Gemüse verwendet werden. Der bitter-würzige Frühlingsbote ist dabei als Wildkräuterrisotto und Pesto, in der Suppe, in Eierspeisen und im Quark ein Genuss. Für ein Löwenzahnpesto beispielsweise werden ein Bund Löwenzahnblätter, Knoblauch, Olivenöl, Zitronensaft, geröstete Sonnenblumenkerne und Parmesan püriert und mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt.“

Wer es süss möge, könne die frischen Blüten zu einem Gelee oder einem honigartigen Sirup für einen Brotaufstrich verarbeiten. Aus den getrockneten Wurzeln des Löwenzahns lasse sich Tee und aus den jungen Knospen “Kapern” herstellen:

„Für Kapern gibt man die Löwenzahnköpfchen mit Essig, Estragon, Petersilie, Knoblauch und Zwiebelringen in ein verschließbares Glas. Nach acht bis zehn Wochen können Feinschmecker die eingelegten Blütenknospen genießen.“

Löwenzahn wird am besten im eigenen Garten oder von Wiesen an verkehrsarmen Straßen gesammelt. Die im Frühling aus der Erde spriessenden jungen, zarten Triebe enthalten weniger Bitterstoffe und sind deshalb besonders schmackhaft. Man erntet sie am besten vor der ersten Blüte. Wildkräuter sollen grundsätzlich gründlich gereinigt und möglichst noch am selben Tag verarbeitet und gegessen werden.

Quelle:

http://www.bzfe.de/inhalt/pressemeldung-6378.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Löwenzahn wirkt leicht harntreibend, fördet den Gallenfluss und regt Speichel- und Mangensaftproduktion an.

Die ESCOP empfiehlt Löwenzahnkraut mit Wurzeln unterstützend bei Behandlungen, bei denen ein verbesserter Harnfluss wünschenswert ist, z.B. bei Rheumatismus und zur Verhütung von Nierensteinen. Die Löwenzahnwurzel empfiehlt die ESCOP zur Wiederherstellung der Leber- und Gallefunktion; bei dyspeptischen Beschwerden und Appetitlosigkeit.

Löwenzahn wird gerne als Frühjahrskur verwendet. Dagegen ist nichts einzuwenden, wobei aber der Nutzen von Frühjahrskuren generell nicht so klar ist, wie es oft dargestellt wird. Empfehlungen in diese Richtung sind oft sehr vage, zum Beispiel wenn das BZfE schreibt, dass der Löwenzahn den Stoffwechsel anregt.

Stoffwechsel, das umfasst eine riesige Anzahl von Aufbau, Umbau und Abbauprozessen im Organismus.

Den Stoffwechsel anregen, das tönt zwar positiv, sagt aber konkret so gut wie nichts aus.

Auch die ESCOP bewegt sich mit ihren Empfehlungen auf dünnem Boden, etwa mit der Aussage, dass bei Rheumatismus ein verbesserter Harnfluss wünschenswert ist und der Löwenzahn dabe unterstützend wirken kann.

Rheumatismus ist schon ein ungenauer Begriff, der eine ganze Reihe von unterschiedlichen Erkrankungen umschreibt. Dass hier generell ein verbesserter Harnfluss anzustreben ist, lässt sich nicht überzeugend begründen.

Die verdauungsfördernde Wirkung durch die Bitterstoffe ist aber plausibel.

Zum Löwenzahn siehe auch:

Wildkräuter in der Küche: Löwenzahnpesto

Pflanzenkunde: Löwenzahn (Taraxacum) ist nicht gleich Löwenzahn (Leontodon)

Löwenzahn zur Entgiftung?

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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