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Milchzucker gegen Verstopfung

Milchzucker (Laktose) ist ein bewährtes und mildes Hausmittel gegen Verstopfung. Darauf weißt das Portal T-online hin:

„Milchzucker wird im Dickdarm von Bakterien in Traubenzucker und Galaktose zerlegt und dann zu Milchsäure und Essigsäure abgebaut. Diese beiden Säuren wirken ähnlich abführend auf den Darm wie Bittersalze und Glaubersalz, sind jedoch milder. Bei Verstopfung können Sie 1 bis 4 Esslöffel Milchzucker über den Tag verteilt pur oder in Joghurt oder Apfelmus gerührt einnehmen. Milchzucker erhalten Sie in der Apotheke.“

Quelle:
https://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_49362672/hausmittel-gegen-verstopfung-das-hilft-die-obstipation-zu-loesen.html

Kommentar & Ergänzung:

Normalerweise wird Milchzucker im Dünndarm durch das Enzym Lactase in Traubenzucker und Galaktose zerlegt. Fehlt Lactase im Dünndarm oder reich ihre Aktivität nicht aus, um die mit der Nahrung aufgenommene Menge an Lactose zu spalten. So gelangt Laktase in den Dickdarm und wird dort bakteriell abgebaut. Als Gärungsprodukte entstehen dabei die Gase Methan (Treibhausgas!😉) und Wasserstoff, die Blähungen verursachen können, und kurzkettige Fettsäuren (Milchsäure, Essigsäure), die leicht abführend wirken durch osmotische Effekte (Anziehen und Zurückhalten von Wasser im Darm) und durch Steigerung der Dickdarm-Bewegungen (Peristaltik).

Milchzucker spielt als Teil der Muttermilch bei der Ernährung von jungen Säugetieren eine wichtige Rolle. Daher bilden alle gesunden neugeborenen Säugetiere während des Säugens bzw während der Stillzeit Lactase.

Im Laufe der natürlichen Entwöhnung von der Muttermilch reduziert sich die Aktivität der Laktase bei Menschen und allen anderen Säugetieren auf etwa 5–10 % der Aktivität bei der Geburt.

Nur bei Nord- und Mitteleuropäern sowie einigen afrikanischen Völkern, die seit langer Zeit Milchwirtschaft betreiben, hat sich eine Mutation durchgesetzt, die dazu führt, dass auch noch im Erwachsenenalter ausreichend Laktase produziert wird (Laktasepersistenz). Wahrscheinlich liegt das daran, dass die höhere Laktaseaktivität einen Selektionsvorteil für diese Gruppen bot (durch bessere Ausnutzung von Mineralstoffen und Nährstoffen aus der Milch).

Gibt man nun diese 1 bis 4 Esslöffel Milchzucker pro Tag, überfordert man offenbar das durchschnittliche Abbauvermögen via Lactase, so dass über den osmotischen Effekt eine milde Abführwirkung entsteht.
Milchzucker hemmt im Darm zudem Fäulnisbakterien und fördert Bifidus-Bakterien (Bifidobacterium)

Warnung vor Ibuprofen in der Schwangerschaft

Ibuprofen ist ein Schmerzmittel, Entzündungshemmer und Fiebersenker aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR).

Seit 15 Jahren publiziert die ANSM Gesundheitsfachleute regelmässig Warnungen vor Risiken bei Einnahme von NSAR ab dem sechsten Schwangerschaftsmonat.

Aus der Überwachung von Medikamenten bezüglich Risiken und Nebenwirkungen (Pharmakovigilanz) zeigt sich eindeutig, dass eine Einnahme, auch einmalig, ab dem sechsten Schwangerschaftsmonat für den Fötus toxisch sein kann. Belegt ist ein ein Risiko für renale und kardiopulmonale Beschwerden, welche zum Tod in utero oder kurz nach der Geburt führen können. Frühgeburten und Asthma beim Neugeborenen können ebenfalls auftreten.

Gemäss einem aktuellen Bericht des Inserm (Institut national de la santé et de la recherche médicale française) und der ANSM zählt Ibuprofen bei Schwangeren zu den am häufigsten konsumierten frei verkäuflichen Schmerzmitteln, und wird in der Schwangerschaft oft verschrieben.

In Kooperation mit anderen Ländern haben Wissenschaftler des Inserm nun die Wirkung von Ibuprofen auf humane, fötale Hoden (Transplantat in Mäusen) untersucht. Sie konnten so feststellen, dass es im ersten Trimenon im Hodengewebe zu hormonellen Störungen kommt, welche möglicherweise Folgen für die Entwicklung des männlichen Urogenitalsystems haben können. Die Testosteronproduktion wurde stark reduziert, die Vermännlichung des Genitaltraktes beeinträchtigt und die Genexpression für funktionsfähige Keimzellen (Bildung von Spermatozyten) vermindert.

Eine neue Studie an 7 bis 12 Wochen alten Föten zeigte auch eine schädliche Wirkung auf die Entwicklung der Eierstöcke bei Mädchen.

Diese Ergebnisse mahnen zur Vorsicht bei der Anwendung von Ibuprofen bereits zu Beginn einer Schwangerschaft, damit die Fruchtbarkeit der Kinder nicht beeinträchtigt wird.

Literatur:

Revue Médicale Suisse 556/2018/p724

Le Moniteur 321/2018/p20

Quelle:

 

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5721&NMID=5721&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Da Ibuprofen ein sehr häufig konsumiertes Schmerzmittel ist, verdient diese Warnung breite Beachtung.

Ausserdem sind eine ganze Reihe von unerwünschten Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu beachten.

Ibuprofen hemmt zum Beispiel unter anderem die Schleimproduktion im Magen und kann dadurch Schäden an der Magenschleimhaut auslösen.

Gemäss Wikipedia ist Ibuprofen gegenwärtig in folgenden Medikamenten enthalten (Monopräparate):

„Da das Patent von Ibuprofen seit Jahren frei ist, handelt es sich – außer beim Original – bei den folgenden Präparaten um Generika mit verschiedensten Namen in Deutschland (D), Österreich (A) und der Schweiz (CH): Aktren (D, A), Alges-X (CH), Algifor-L Forte 400 (CH), Anco (D), Brufen (A, CH), Dismenol (D, A, CH), Dolgit (D, A), Dolocyl (CH), Dolormin Extra (D), Esprenit (D), Eudorlin Extra (D), Grefen (CH), Gyno-Neuralgin (D), Ibuflam (D), IbuHEXAL (D), Ibumetin (A), Ibutop (D), Ibubeta (D), Irfen (CH), Kontagripp (D), Migränin Ibuprofen (D), Movone (A), Neuralgin extra (D), Nurofen (D, A), Opturem (D), Pedea (D), RatioDolor akut (A), Saridon (CH), Spedifen (A, CH), Spalt Flüssigkapseln (D), Spidifen (D), Tispol (D), Urem (D).“

Es wäre aber verkehrt, die Warnung nur auf Ibuprofen zu beziehen. Auch andere Schmerzmittel könnten während der Schwangerschaft problematisch sein. Darauf weisen die Resultate einer Studie aus Kopenhagen hin.

Demnach steigern Schmerzmittel das Risiko, einen Sohn zu gebären, der eine Lageanomalie des Hodens – auch Kryptorchismus genannt – aufweist. Diese Fehlentwicklung kann im späteren Lebensalter zu einer schlechteren Samenqualität führen und Hodenkrebs fördern.

Siehe dazu:

Bedenkliche Schmerzmittel in der Schwangerschaft

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Hirtentäschelkraut reduziert in Studie Blutungen nach der Geburt

Ergänzend zu Oxytocin zeigte sich die Gabe eines Extraktes von Capsella bursa-pastoris (Hirtentäschel) zur Linderung postpartaler Hämorrhagie (Blutungen nach der Geburt) gegenüber Placebo als überlegen.

Starke Blutungen nach einer Geburt können zu einem kritischen Gesundheitszustand führen. Als Folge des hohen Blutverlustes und anhaltender Blutungen können Anämie, Infektionen, Nierenprobleme, die Erfordernis von Bluttransfusionen oder einer Gebärmutterentfernung auftreten. Im schlimmsten Fall kann die postpartale Hämorrhagie sogar tödlich enden. Das vom menschlichen Körper produzierte Hormon Oxytocin kommt als Standardtherapie zur Eindämmung übermäßiger postpartaler Blutungen und zur Gebärmutterrückbildung zur Anwendung. Hebammen setzen in verschiedensten Kulturkreisen seit jeher die Kräuterheilkunde ein zur Begleitung von Schwangeren und Wöchnerinnen. Eine fast über die ganze Erde verbreitete Heilpflanze, die traditionell zur Stillung von Blutungen eingesetzt wird, ist das Hirtentäschelkraut (Capsella bursa-pastoris).

An der Shahid Beheshti University of Medical Sciences in Teheran wurde im Rahmen einer Doktorarbeit erstmals mit einer klinischen Studie untersucht, inwieweit die Verabreichung eines wässrig-alkoholischen Extraktes von Capsella bursa-pastoris den postpartalen Blutverlust bei Frauen mit vaginaler Entbindung reduzieren kann.

Jeweils 50 Frauen wurden per Zufallsentscheid zwei Gruppen zugeordnet (= randomisiert), die entweder Hirtentäschelkraut-Extrakt oder Placebo-Flüssigkeit bekamen.

Nach vollständiger Entfernung der Nachgeburt wurden den Studienteilnehmerinnen sublingual (= unter die Zunge) 10 Tropfen der jeweiligen Testflüssigkeit verabreicht. Alle Frauen bekamen als Standardbehandlung eine Infusion mit 20 U Oxytocin in 1 l Ringerlösung.

Der Blutverlust in den ersten drei Stunden nach der Geburt wurde durch das Wiegen unbenutzter und der benutzten (blutgetränkten) Hygienevorlagen erfasst. Ausserdem wurden in diesem Zeitraum in regelmäßigen Abständen die Vitalwerte der Probandinnen dokumentiert. Zu Geburtsbeginn und 6 Stunden nach der Entbindung wurden Blutproben der Frauen auf den Hämoglobin- und den Hämatokrit-Gehalt untersucht. In einer 40-tägigen Follow-up-Phase befragte die Studienleiterin die Teilnehmerinnen telefonisch zu ihrem Wohlbefinden und zu speziellen Vorkommnissen (Blutungen, Krankenhausaufenthalte, sonstige Komplikationen bei der Mutter oder beim Kind).

Verglichen mit der Kontrollgruppe (Oxytocin + Placebo) verlor die Behandlungsgruppe (Oxytocin + Capsella) total durchschnittlich 35 ml weniger Blut. Die Differenz erwies sich im statistischen Test für den Gesamtverlust und für die Messungen zur ersten, zweiten und dritten Stunde nach der Geburt als signifikant (p < 0.0001). Sowohl die Hämoglobin- als auch der Hämatokrit-Werte lagen bei den Frauen der Hirtentäschelkraut-Gruppe höher als in der Placebo-Gruppe. Die Teilnehmerinnen in der Hirtentäschelkraut-Gruppe waren mit ihrer Behandlung deutlich zufriedener als die Frauen der Placebo-Gruppe.

Quelle:

https://www.carstens-stiftung.de/artikel/hirtentaeschelkraut-gegen-blutungen-nach-der-entbindung.html

Ghalandari S, Kariman N, Sheikhan Z, Mojab F, Mirzaei M, Shahrahmani H. Effect of hydroalcoholic extract of Capsella bursa patoris on early postpartum hemorrhage: a clinical trial study. J Altern Complement Med 2017; 23(10):794-799.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28590768

 

Kommentar & Ergänzung:

Hirtentäschelkraut hat eine lange Tradition als Mittel gegen starke Blutungen in der Gynäkologie. Aber die Belege für eine Wirksamkeit sind bisher schwach. Auf diesem Hintergrund ist diese Studie aus dem Iran ziemlich überraschend und interessant.

Allerdings habe ich zu Studien aus dem Iran noch eine Aussage von Roman Huber in Erinnerung, dem Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Universitätsklinik Freiburg:

„Bei derartigen Untersuchungen sollte man vorsichtig sein, denn aus dem Iran kommen genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen.“

Quelle dazu  siehe hier: Lavendelöl lindert Menstruationsbeschwerden

Wie es die Wissenschaft normalerweise fordert, müsste diese Studie nun von einer unabhängigen Forschungsgruppe wiederholt und das Resultat bestätigt werden, damit die Wirksamkeit anerkannt werden kann.

Interessant an diesem Bereicht ist ausserdem, dass die Verabreichung des Hirtentäschelextrakts sublingual erfolgte.

„Bei der sublingualen Einnahme gelangt der Wirkstoff schneller in den Blutkreislauf, da das venöse Blut aus der Mundschleimhaut direkt in die obere Hohlvene fließt. Bei der oralen Einnahme muss der Wirkstoff erst die Leber passieren, um in den großen Kreislauf zu gelangen, wobei er eventuell chemisch verändert wird. Dies ist bei der sublingualen Einnahme nicht der Fall, die Leber wird umgangen.“

Quelle: Wikipedia

Hirtentäschelkraut soll laut dem Phytotherapie-Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ ein Peptid enthalten, das in-vitro (= im Reagenzglas) eine dem Oxytocin ähliche Wirkung zeigt. Das könnte eine Erklärung sein für eine allenfalls vorhandene blutstillende (hämostyptische) Wirkung.

Auch hier gilt es allerdings festzuhalten, dass eine Wirkung im Labor nicht unbedingt einer Wirkung im menschlichen Organismus entspricht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Giftmischerin produziert und testet Rizin im Altersheim

Diese ziemlich verrückte Geschichte ging vor kurzem durch die Medien:

Eine 70-jährige Seniorin aus dem US-Bundesstaat Vermont hat auf eigene Faust hochgefährliches Pflanzengift Rizin produziert – und an ihren Mitbewohnern im Altersheim getestet.

Wie das US-Justizministerium mitteilte, wurde durch die Machenschaften der 70-jährigen Betty Miller aber offenbar kein Bewohner der idyllischen Seniorenresidenz in Shelburne im Bundesstaat Vermont getötet.

Die US-Bundespolizei FBI war den Angaben zufolge aufgrund einer möglicherweise gefährlichen Substanz in Millers Appartement alarmiert worden. Die Polizisten entdeckten in der Wohnung eine Flasche mit der Aufschrift “Rizin”. Untersuchungen bestätigten, dass es sich um das hochgefährliche Pflanzengift handelte. Rizin lähmt die Atemwege und kann bei Verschlucken schon in kleinsten Dosen tödlich wirken.

Die Giftmischerin wurde festgenommen. Sie habe angegeben, “Interesse an Giftstoffen auf Pflanzenbasis zu haben”, erklärte das Justizministerium. Nach einer Internet-Recherche produzierte sie das Rizin in ihrer Küche. Um seine Wirksamkeit zu prüfen, mischte sie das Gift in Speisen und Getränke ihrer Mitbewohner.

Millers Wohnung wurde von FBI-Fachleuten für “Massenvernichtungswaffen” durchsucht. Die Polizisten entdeckten dort noch mehr Rizin und Pflanzenbestandteile etwa von Äpfeln, Kirschen, Rizinus, Fingerhut und Hefe, aus denen nach Einschätzung der Fachleute ebenfalls Gift hergestellt werden kann. Eine Gefahr bestehe nun jedoch nicht mehr.

Das Altersheim sprach von einem Einzelfall. Um die toxikologisch interessierte Bewohnerin des Appartements kümmern sich nun die Strafverfolgungsbehörden. In die Seniorenresidenz wird sie nicht zurückkehren.

Quelle:

https://www.stern.de/gesundheit/giftkueche-im-altenheim–seniorin-braut-hochgefaehrliches-rizin-7771444.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Keine Ahnung, wie genau die Frau Rizin produziert hat.

Rizin ist vor allem enthalten in Rizinussamen.

Wikipedia schreibt dazu:

„Rizin oder Ricin ist ein äußerst giftiges Protein aus den Samen des Wunderbaums (Ricinus communis) aus der Familie der Wolfsmilchgewächse. Chemisch ist das Protein Rizin ein Lektin, das aus einer zellbindenden und einer giftigkeitsvermittelnden Komponente besteht. Seine Giftigkeit wird auf eine Hemmung der eukaryotischen Proteinbiosynthese zurückgeführt.

Gelangt das Gift in den menschlichen Organismus, so bringt es die kontaminierten Zellen zum Absterben. Für eine tödliche Vergiftung eines Menschen genügen (bei oraler Aufnahme) 0,3–20 Milligramm isoliertes Rizin pro Kilogramm Körpergewicht entsprechend etwa acht Samenkörnern, deren Größe und Gehalt jedoch stark schwankt. Bei Kindern kann, je nach Alter und Konstitution, schon ein halbes Samenkorn tödlich wirken. Allerdings wird auch berichtet, dass selbst nach Einnahme von 40 bis 60 Samen eine Überlebenschance besteht. Dabei kommt es darauf an, zu welchem Zeitpunkt das Erbrechen einsetzt. Bei intravenöser, inhalativer oder subkutaner Aufnahme wirken wesentlich geringere Mengen letal, so bei subkutaner Gabe schon 43 μg/kg Körpergewicht.

Rizin ist in der Kriegswaffenliste des deutschen Kriegswaffenkontrollgesetzes aufgeführt.“

Für den Einsatz von Rizin als Biowaffe gibt es eine Reihe von Fallbeispielen. Dazu wieder bei Wikipedia:

„Bekanntheit erlangte der Mordanschlag mit Rizin als ‚Regenschirmattentat’ auf den bulgarischen Schriftsteller und Dissidenten Georgi Markow in London 1978.

1991 wurden in Minnesota mehrere Mitglieder der rechtsextremistischen Gruppe Patriot’s Council festgenommen, weil sie für einen Anschlag auf Bundespolizisten eine Menge an Rizin hergestellt hatten, die für die Tötung von über 100 Menschen ausreichend gewesen wäre. Vier von ihnen wurden gemäß dem ‚Biological Weapons Anti-Terrorism Act’ von 1989 für schuldig befunden, sie waren die ersten nach diesem Gesetz Verurteilten überhaupt. 1995 wurde an der Grenze von Alaska ein ebenfalls dem rechtsextremistischen Lager zugerechneter Mann festgenommen beim Versuch, 130 Gramm pulverisiertes Rizin nach Kanada einzuschmuggeln.

Die Londoner Times berichtete am 16. November 2001, dass in verlassenen Al-Qaida-Häusern in Kabul Herstellungsanleitungen für Rizin gefunden worden waren, allerdings kein Rizin selbst. Im August 2002 gaben US-amerikanische Behörden bekannt, dass die islamistische Terrororganisation Ansar al-Islam Versuche mit Rizin und anderen chemischen und biologischen Kampfstoffen im Nord-Irak angestellt habe.

Am 9. Januar 2003 meldete die dpa, dass in London kleinere Mengen Rizin sowie Geräte zu seiner Herstellung gefunden worden waren. In diesem Zusammenhang wurden sechs Algerier festgenommen. Im April 2005 wurden bis auf einen alle Beteiligten freigesprochen. Ein Angeklagter wurde wegen Mordes an einem Polizisten, den er während einer Hausdurchsuchung erstochen hatte, zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Ermittlungsbehörden gaben in dem Verfahren entgegen früheren Meldungen an, kein Rizin, sondern lediglich amateurhafte Anweisungen zu seiner Herstellung gefunden zu haben.

Im Februar 2008 wurde in einem Hotelzimmer in Las Vegas Rizin gefunden. Die dortige Polizei erklärte, eine schwer vergiftete Person sei in ein Krankenhaus eingeliefert worden und schwebe in Lebensgefahr. Trotz des Fundes von Waffen und ‚anarchistischer Literatur’ glaube man nicht an einen terroristischen Hintergrund.

Am 12. August 2011 berichtete die New York Times über geheimdienstliche Erkenntnisse bezüglich des Versuchs zur Herstellung von Rizin durch den regionalen Arm von Al-Qaida im Jemen. Demnach sei die US-Regierung besorgt, dass dort Rizin für Anschläge gegen die USA hergestellt werden könne.

Am 16. April 2013 wurde je ein Brief mit Rizin an den republikanischen US-Senator Roger Wicker und den US-Präsidenten Barack Obama abgefangen. Am 30. Mai 2013 wurde bekannt, dass am 24. bzw. 26. Mai 2013 zwei Briefe mit Rizin an den amtierenden New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg abgefangen worden waren. Als Absenderin der Briefe an Bloomberg und Obama wurde die Schauspielerin Shannon Guess Richardson ermittelt; sie gestand dies. Sie wurde zu 18 Jahren Haft und 367.222 Dollar Entschädigungszahlung verurteilt.

Anfang September 2014 wurden in einem US-amerikanischen Labor schlecht gesicherte Rizinrestbestände aus Waffenexperimenten im Ersten Weltkrieg gefunden, zusammen mit Pest- und Botulismus-Erregern.“

Ein ziemlich gruseliger Giftstoff, dieses Rizin

Aus Rizinussamen gewinnt man das fette Rizinusöl, das in der Phytotherapie als Abführmittel (Laxans) eingesetzt wird. Für medizinische Zwecke wird Rizinusöl durch Kaltpressung hergestellt und raffiniert, das heisst entschleimt, entsäuert und mit Wasserdampf behandelt. Raffiniertes Rizinusöl enthält kein Rizin mehr.

Das Fachbuch „Pharmakognosie / Phytopharmazie“ schreibt zur Anwendung als Abführmittel:

„Innerlich als Laxans: Je nach Dosis tritt die laxieerende Wirkung unterschiedlich rasch ein: nach Einnahme von 1 Teelöffel voll nach etwa 8 h, nach Einnahme von 15 – 30 g (1 – 2 Esslöffel) innerhalb von 2 – 4 h. Unerwünschte Wirkungen: Es können sich dyspeptische Beschwerden einstellen. In Stadien fortgeschrittener Schwangerschaft können höhere Dosen die Wehen auslösen.“

Wegen der wehenauslösenden Wirkung ist Rizinusöl auch Bestandteil von sogenannten „Wehencocktails“. Siehe dazu:

Rizinusöl zur Geburtseinleitung

Rizinusöl als Abführmittel & Wehenmittel – Wirkung via Prostaglandinrezeptor

In Kosmetik und Dermatologie wird Rizinusöl zudem wegen seiner guten Löslichkeit in Alkohol als Fettzusatz in alkoholhaltigen Externa eingesetzt, insbesondere in Haartonika.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Koffein während der Schwangerschaft?

Studienresultate halten einen Verzehr von bis zu drei Tassen Kaffee während der Schwangerschaft als unbedenklich.

Vom Konsum von Energydrinks während der Schwangerschaft wird aber abgeraten.

Während der Schwangerschaft komplett auf Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke zu verzichten ist unnötig.

Bis zu drei Tassen Kaffee täglich gelten als unbedenklich, erklärt das Netzwerk Gesund ins Leben.

So zeigten Studienresultate beim Konsum von bis zu drei Tassen Kaffee während der Schwangerschaft keine nachteiligen Wirkungen auf Gestationsdauer und Geburtsgewicht. Im Sinne eines präventiven Gesundheitsschutzes wird allerdings vorsorglich von hohen Koffeinmengen abgeraten. Deshalb sollten Schwangere auf Energydrinks verzichten, die hohe Koffeinmengen pro Portion enthalten.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/koffein-in-der-schwangerschaft-30742.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Gemäss European Food Safety Authority (EFSA) gilt für schwangere und stillende Frauen, dass eine über den gesamten Tag verteilte Koffein-Aufnahme aus allen Quellen von bis zu 200 mg pro Tag für den Fötus unbedenklich ist.

(Quelle: Wikipedia)

Eine Tasse Kaffee (150 ml) enthält etwa 30 bis 100 mg Koffein, eine Tasse Schwarztee je nach Zubereitungsart bis zu 50 mg. Das im Tee vorkommende Koffein wurde früher Thein (von französisch thé) genannt, ist chemisch jedoch exakt der gleiche Stoff wie im Kaffee. Energy-Drinks wie “Red Bull” enthalten ca. 80 mg Koffein pro Dose.

(Quelle: http://www.chemie.de/lexikon/Koffein.html).

Fundierte Angaben finden sich im Standardwerk “Biogene Arzneimittel”:

“Bei einem durchschnittlichen Coffeingehalt von 60 – 100mg /Tasse (150ml)kann der Genuss von bis zu fünf Tassen Kaffee durch einen Erwachsenen als toxikologisch unbedenklich angesehen werden. Vorsicht ist geboten bei Personen mit labilem Herz-Kreislauf-System, Nierenkrankheiten, Magengeschwüren, Überfunktion der Schilddrüse, erhöhter Krampfbereitschaft oder bestimmten psychischen Störungen (panische Angstzustände). Schwangere sollten möglichst auf den Kaffeekonsum verzichten, zumindest aber eine Dosis von 300 mg /d nicht überschreiten (3 Tassen Kaffee, 9 Tassen Tee oder 7 kleine Gläser Colagetränk). Säuglinge, deren stillende Mütter viel Kaffee trinken, können Schlafstörungen zeigen.”

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Andorn (Marrubium vulgare) zur Arzneipflanze des Jahres 2018 gekürt

Der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg hat den Andorn (Marrubium vulgare) zur Arzneipflanze des Jahres 2018 gewählt.

Außerhalb von Fachkreisen ist der Andorn hierzulande fast unbekannt. Dabei zählte der stattliche Lippenblütler (Lamiaceae) von der Antike bis weit in die Neuzeit zu den bedeutendsten Arzneipflanzen Europas. Die Verwendung der Pflanze bei Katarrhen der Atemwege sowie bei Verdauungsbeschwerden ist schon seit über 2000 Jahren dokumentiert. Heute wird Andornkraut zur Schleimlösung bei Husten im Rahmen von Erkältungen eingesetzt. Andorn lindert Entzündungen in den Atemwegen, wirkt schleimlösend bei festsitzendem Schleim und krampflösend in den Bronchien.

Mit seinen kugeligen, vielblütigen Scheinquirlen steht der Andorn zwischen Ackerminze und Melisse. Seine Blätter sind aber kleiner, rundlich bis herzförmig, und besitzen auf der Oberseite ein tief eingesenktes Nervennetz, während sie unten stark filzig behaart sind. Die unverzweigten Stängel wachsen bis zu 80 cm hoch. Andorn stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum.

Unter den Arzneipflanzen aus der Familie der Lippenblütler fällt der Andorn auf durch seinen prägnanten Gehalt an Bitterstoffen und Gerbstoffen, während der Gehalt an ätherischem Öl nur gering ist. Durchaus zutreffend urteilt darum der berühmte Abt und Dichter Walahfrid im 9. Jahrhundert: „Er duftet süß, schmeckt aber scharf.“

Neben dem wirksamkeitsmitbestimmenden Bitterstoff Marrubiin enthält Andornkraut unter anderem Flavonoide, stickstoffhaltige Verbindungen und ätherisches Öl. Traditionell eingesetzt wird die Heilpflanze bei Bronchialkatarrhen sowie bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit. Verschiedene Studien zeigen eine Wirkung zur Schleimlösung bei Husten im Rahmen von Erkältungen.

Darüber hinaus entdeckten Wissenschaftler erst in jüngerer Zeit Mechanismen, die eine weitergehende therapeutische Bedeutung von Bitterstoffen nahe legen.

Die Bedeutung von Bitterstoffen für den menschlichen Körper zeigt sich schon darin, dass uns die Natur mit jeweils nur einem einzigen Rezeptortyp für süß, salzig, sauer und umami (japanisch für „würzig“, „schmackhaft“) ausgestattet hat, aber mit 25 verschiedenen Bitterrezeptoren. Sie versetzen uns zumindest theoretisch in die Lage, Tausende von Bittersubstanzen zu erkennen.

Solche Rezeptoren für Bitterstoffe gibt es nicht nur z. B. auf der Zunge sowie im Mund- und Rachenraum, sondern auch auf glatten Muskelzellen des Bronchialsystems. Dort bewirkt ihre Aktivierung eine Erweiterung von verengten Bronchien, die zu einer verbesserten Sauerstoffaufnahme und erleichterten Schleimentfernung führt[1]. Eine Studie von Forschern aus den USA weist außerdem darauf hin, dass die gezielte Stimulation dieser Rezeptoren mit Bitterstoffen eine Stärkung des Immunsystems bewirken kann[2]. Eine verstärkte Stimulation der Bitterrezeptoren könnte einen größeren Schutz vor Infektionen zur Folge haben, während eine niedrigere Funktion die Anfälligkeit für Infekte steigert, vermuten die Wissenschaftler.

Andornkraut wirkt zudem choleretisch, das heisst es hat eine den Gallenfluss-fördernde Wirkung, was die günstigen Effekte bei Verdauungsbeschwerden unterstützt.

 

Andorn – eine Arzneipflanze mit großer historischer Bedeutung

Für die Wahl des Andorns zur Arzneipflanze des Jahres 2018 war die historische Bedeutung der Pflanze mit entscheidend. Von der Antike bis weit in die Neuzeit hinein zählte der Andorn zu den beliebtesten Heilpflanzen in Europa. Laut Plinius dem Älteren (gest. 79 nach Chr.) war Andorn als „eines der vorzüglichsten Kräuter“ bekannt. Er wurde hauptsächlich bei Lungenerkrankungen und hartnäckigem Husten angewendet, aber auch bei Brüchen, Verstauchungen, Krämpfen und Erkrankungen der Sehnen. Der zeitgleich tätige griechische Arzt Dioskurides nennt Schwindsucht, Asthma und Husten als die ersten Anwendungsgebiete.

Der schon erwähnte Abt Walahfrid Strabo preist den Andorn nicht nur bei „starken Beklemmungen der Brust“ sondern auch als rasch wirkendes Mittel gegen Giftanschläge, etwa durch böse Stiefmütter: „Sollten die Stiefmütter in feindseliger Absicht Gifte zubereiten und in das Getränk mischen oder Eisenhut zum Verderben in trügerische Speisen mengen, so vertreibt ein Trank des heilkräftigen Andorn, unverzüglich eingenommen, die lebensbedrohenden Gefahren.“

Die Äbtissin Hildegard von Bingen rät bei starkem Husten zu einer Abkochung von Andorn, Fenchel und Dill mit Wein.

In allen einschlägigen Werken bis ins 18. Jahrhundert hinein werden zudem für Andorn auch Ohrenschmerzen und Probleme bei der Geburt sowie Menstruationsbeschwerden unter den Indikationen erwähnt.

Im 19. Jahrhundert konzentrierte sich die Anwendung des Andorns auf die schleimlösende Wirkung in den Atemwegen und auf Verdauungsprobleme. Anfangs des 20. Jahrhunderts wurde in Frankreich sogar für etwa drei Jahrzehnte eine Wirkung bei Malaria diskutiert.

Der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ schreibt, der Andorn sei kulturgeschichtlich eine hochinteressante Pflanze, die auch unter medizinischen Aspekten wohl zu Unrecht in Vergessenheit geraten sei. Neue Forschungen seien jedoch dringend erforderlich, um das Potential der Pflanze ausloten zu können.

Zur Herkunft des Pflanzennamens Andorn schreibt der Studienkreis:

„Was jedoch wohl nie wirklich geklärt werden wird, ist die Bedeutung des deutschen Namens; es ist völlig unklar, was Andorn, ohne Dornen (an-dorn) bei diesem Lippenblütler uns sagen soll.“

Literatur:

  1. Deepak, A. et al.: Bitter taste receptors on airway smooth muscle bronchodilate by localized calcium signaling and reverse obstruction. Nature Medicine EPub, abstract 24 Oct 2010 (2010)
  2. Lee, RJ. et al.: Bitter Taste Bodyguards. Scientific American 314: 38 – 43 (2016)

Quelle:

http://www.welterbe-klostermedizin.de/index.php

Kommentar & Ergänzung:

Der Andorn ist ein Beispiel für eine Arzneipflanze, die etwas in Vergessenheit geraten ist. Natürlich kann man nicht alle Anwendungsempfehlungen, die irgendwann im Laufe der Geschichte auftauchen, unbesehen für heute übernehmen. Tradition hat sich auch oft geirrt und daher hat sie nicht immer Recht.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

Man muss sich mit der Tradition der Pflanzenheilkunde sorgfältig und kritisch auseinandersetzen. So bekommt man eine Basis, auf der sich entscheiden lässt, welche historischen Anwendungsempfehlungen überholt sind und welche auch heute noch sinnvoll eingesetzt werden können. Der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ tut dies in vorbildlicher Art.

Im Standardwerk Teedrogen und Phytopharmaka bin ich auf einen interessanten Hinweis zum Andorn gestossen:

„In einer ethno-pharmakologischen Arbeit wurde über einen erfolgreichen Einsatz bei asthmatischen Erkrankungen in Sardinien berichtet. Acetosid könnte bei entsprechenden Anwendungsgebieten eine wichtige Rolle zukommen.“

Aber auch hier sind weitere Untersuchungen und Studien nötig, bis je nach Ergebnis allenfalls eine Behandlungsempfehlung ausgesprochen werden kann.

 

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Rizinusöl zur Geburtseinleitung

Wenn der Geburtstermine überschritten ist – das Baby aber nicht kommt – werden verschiedene Hausmittel und Tricks empfohlen, um die Wehentätigkeit anzuregen.

Eindeutige Belege für die Wirksamkeit von Hausmitteln wie Rizinusöl, Bewegung, Sex oder Darmspülung gibt es allerdings nicht.

Bisher ist auch nicht abschliessend wissenschaftlich geklärt, wie eine Geburt genau ins Rollen kommt.

Man vermute, dass das Kind selbst ein Reifesignal gebe und damit die Wehentätigkeit aktiviere, sagt Renate Nielsen vom Deutschen Hebammenverband.

Hausmittel könnten diesem Prozess höchstens einen letzten Schubs geben, meint dazu der Leiter der Universitäts-Frauenklinik am Campus Lübeck, Achim Rody. Von Experimenten im Alleingang rät er Schwangeren ab und weist darauf hin, dass besonders Rizinusöl nicht ohne die Betreuung einer Hebamme oder eines Arztes eingenommen werden sollte.

Rizinusöl aus den Samen des tropischen Wunderbaums (Ricinus communis) ist eine der bekanntesten alternativen Einleitungsmethoden.

Getrunken wird der Rizinus-Cocktail in einer Kombination mit Mandelmus, süßem Saft und Alkohol, oft Aprikosensaft und Sekt. Die abführende Wirkung auf den Darm soll die Gebärmutter zu Kontraktionen anregen. Die Universitäts-Frauenklinik Ulm führte im Jahr 2009 eine Studie mit 120 Frauen durch, die tatsächlich eine Wirkung bei Mehrgebärenden belegt hat – zumindest im direkten Vergleich mit sogenannten Prostaglandin-Gelen. Letztere können den Gebärmutterhals und den Muttermund auf die Geburt vorbereiten, ein Prozess, der von Medizinern und Hebammen Reifung genannt wird.

In einer Metastudie der renommierten Cochrane Database, in der drei Rizinusöl-Testreihen mit total 233 Frauen verglichen wurden, konnten allerdings keine Effekte auf den Geburtsverlauf belegt werden. Nachteile zeigten sich hingegen schon: Alle teilnehmenden Frauen sagten, dass sie nach der Einnahme des Rizinus-Cocktails unter Übelkeit litten. “Eine solche Nebenwirkung sollte man bei hochschwangeren Frauen nicht provozieren, warnt Achim Rody und ergänzt: “Rizinusöl kann zu starken Durchfällen führen und den Körper der Frau unnötig schwächen.” Zudem sei der in den Cocktail-Rezepten enthaltene Alkohol tabu.

Quelle:

http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/geburt-einleiten-was-taugen-rizinusoel-sex-und-heisse-baeder-a-1063778.html

https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0029-1243142

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD003099.pub2/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Rizinusöl wahrscheinlich nicht nur mechanisch über eine Anregung der Darmperistaltik wehenfördernd auf die Gebärmutter.

Ricinolsäure, die im Darm bei der Spaltung von Rizinusöl entsteht, bindet direkt an zwei Rezeptoren, die als Andockstellen für Prostaglandin E2 dienen.

Prostaglandin E2 wirkt wehenfördernd und wird auch isoliert zur Einleitung der Geburt verwendet.

Quelle: http://www.spektrum.de/news/wehenfoerdernde-wirkung-von-rizinusoel-aufgeklaert/1152212

In der Geburtshilfe kommt Prostaglandin E2 unter dem Wirkstoffnamen „Dinoproston“ zur Anwendung – am Termin oder nahe am Termin mit ausreichender Geburtsreife der Zervix (ab der 38. Schwangerschaftswoche). Bei der Anwendung müssen zahlreiche Vorsichtsmassnahmen beachtet werden.

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Dinoproston&Spez=True#bottom

Es spricht also viel dafür, dass Rizinusöl seine wehenfördernde Wirkung über diesen Prostaglandin-E2-Effekt auslöst.

Die Empfehlung, den Rizinusöl-Cocktail nur in enger Absprache mit einer Hebamme einzunehmen, ist daher gut begründet. Man muss vorher abgeklärt haben, wo der Geburtsvorgang steht. Wikipedia schreibt dazu:

„Der gewünschte Effekt der Geburtseinleitung kann nur dann eintreten, wenn sich auch der Muttermund öffnet. Daher birgt die Einnahme eines Wehencocktails bei noch nicht geburtsbereiten Frauen (fehlende Muttermundreife) Gefahren für Mutter und Kind.“

Und zu guter Letzt: Rizinusöl wird  in der Phytotherapie natürlich vor allem als Abführmittel beschrieben und eingesetzt.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Umweltgifte gefährden Kinder

Neurowissenschaftler warnen vor schleichender Vergiftung von Kindern durch neurotoxische Chemikalien. Bereits im Mutterleib gefährden sie die Gesundheit der Kinder.

Eine schleichende Vergiftung mit Chemikalien könnte der Auslöser dafür sein, dass immer mehr Kinder unter Verhaltens- und Entwicklungsstörungen leiden. In einer Studie belegen die Wissenschaftler eine hirnschädigende Wirkung für elf verbreitete Chemikalien, gehen jedoch von zahlreichen weiteren unerkannten Giftstoffen aus. Dieser globalen, stillen Pandemie der schleichenden Vergiftung von Kindern müsse Einhalt geboten werden, warnen die Forscher eindringlich im Fachmagazin “Lancet Neurology”.

Mehr als jedes zehnte Kind habe heute schon von Geburt an eine Entwicklungs- und Verhaltensstörung, schreiben Philippe Grandjean von der Universität von Süddänemark in Odense und Philip Landrigan von der Harvard University. Dazu zählen Autismus, geistige Defizite und Hyperaktivität, aber auch eine später auftretende verstärkte Aggression und weitere Verhaltensauffälligkeiten. Die Wurzeln dieser globalen Pandemie von neurologischen Entwicklungsstörungen seien bisher nur in Teilen verstanden, stellen die Wissenschaftler fest.

Sensible Phase im Mutterleib

Genetische Faktoren spielen zwar für einige der Erkrankungen eine Rolle, sie können jedoch nur 30 bis 40 Prozent der Fälle erklären, schreiben die Forscher. Es liege deshalb nahe, die Ursachen für den Rest der Erkrankungen in Umwelteinflüssen zu suchen. Schon lange sei bekannt, dass das sich entwickelnde Gehirn hauptsächlich im Mutterleib und in der frühesten Kindheit besonders sensibel gegenüber chemischen und anderen Reizen reagiere.

Umweltgifte, denen die Mutter ausgesetzt ist, bekommt ihr Kind über das mütterliche Blut nahezu ungefiltert ab. Mehr als 200 Chemikalien wurden bereits in Nabelschnurblut nachgewiesen, schreiben die Wissenschaftler.

Sie konnten schon im Jahr 2006 in einer Überblicksstudie zeigen, dass fünf Umweltgifte, darunter Blei, Quecksilber, Arsen, polychorierte Biphenyle und das Lösungsmittel Toluol, messbare Einflüsse auf die Hirnentwicklung von Kindern haben. Dies zeigte sich in einem reduzierten Hirnvolumen, Defiziten in der geistigen Leistung aber auch in Problemen im Sozialverhalten und motorischen Störungen.

Grandjean und Landrigan haben in ihre aktuelle Studie nun neuere Studien zu den neurologischen Auswirkungen von Chemikalien in ihre Auswertungen einbezogen. Dabei entdeckten sie Belege für sechs weitere Chemikalien, die die Hirnentwicklung von Kindern nachweislich schädigen. Studien in Kanada und Bangladesch liefern beispielsweise Hinweise darauf, dass Mangan die mathematischen Fähigkeiten beeinträchtigt und Hyperaktivität begünstigt.

In Frankreich und den USA entdeckten Wissenschaftler Indizien dafür, dass Kinder von Müttern, die Lösungsmitteln wie Tetrachlorethylen ausgesetzt waren, zu aggressivem Verhalten, Hyperaktivität und psychischen Erkrankungen neigen.

Drei Kohortenstudien kommen zum Schluss, dass Kinder, die im Mutterleib Organophosphat-Pestiziden ausgesetzt waren, einen kleineren Kopfumfang aufweisen und bis ins Schulalter hinein Defizite in ihrer geistigen und sozialen Entwicklung zeigen.

Enorme Dunkelziffer befürchtet

Die größte Sorge der Forscher ist jedoch die große Zahl von Kindern, deren Gehirn durch giftigen Chemikalien geschädigt wurde, die aber nie eine formelle Diagnose erhalten haben.  Solche Kinder leiden unter Konzentrationsstörungen, einer verzögerten Entwicklung und schlechten schulischen Leistungen, ohne dass der Grund dafür bekannt ist.

Angesichts der immensen Menge an neurotoxischen Chemikalien, die in der Umwelt verbreitet sind, liege es nahe, diese Substanzen auch für solche eher unauffälligen Störungen als Ursache anzunehmen, schreiben die Wissenschaftler.

Von den 214 bisher bekannten neurotoxischen Substanzen werden mindestens die Hälfte in großen Mengen hergestellt – und in die Umwelt freigesetzt

Jährlich kommen zwei neue Chemikalien mit hirnschädigender Wirkung hinzu.

Lebenslange Folgen

Die im Mutterleib oder in der frühen Kindheit verursachten Chemikalienschäden seien größtenteils unbehandelbar, schreiben die Forscher.

Sie verlangen deshalb dringende Änderungen in den Zulassungsbestimmungen und Umweltrichtlinien. Auch bereits produzierte Chemikalien sollten noch einmal auf ihre neurotoxische Wirkung hin untersucht werden.

Wichtig ist den Wissenschaftlern zudem die Überprüfung der Kriterien für diese Tests. Bisher werden dabei zwar akute neurotoxische Wirkungen getesteet. Schleichende und pränatale Wirkungen dagegen werden nicht erfasst.

Die Forscher warnen vor der irrigen Annahme, nach der neue Chemikalien und Technologien solange als ungefährlich gelten, bis das Gegenteil bewiesen wird.

Umdenken und entschlossenes Handeln sei nötig, um die Kinder und auch die gesamte Gesellschaft gegen die stille Pandemie der schleichenden Vergiftung zu schützen.

(Lancet Neurology, 2014; doi: 10.1016/S1474-4422(13)70278-3)

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-17226-2014-02-18.html

http://www.thelancet.com/journals/laneur/article/PIIS1474-4422(13)70278-3/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Die Qualität dieser Studien kann ich nicht einschätzen. Doch ist „The Lancet“ eine renommierte Fachzeitschrift. Und dass es weltweit schärfere Vorschriften braucht gegen die allzu sorglose Freisetzung problematischer Chemikalien steht für mich ausser Frage.

Dass es immer wieder Fälle gibt, bei denen erst nach Jahren oder Jahrzehnten klar wird, dass eine Chemikalie die Gesundheit von Mensch und Tier gefährdet, ist nicht akzeptabel. Wählen Sie bevorzugt Politikerinnen und Politiker, welche diese Probleme ernstnehmen und angehen. Unterstützen Sie NGO, welche diese Probleme ernstnehmen und angehen. Es braucht Druck. Gesundheit ist nicht nur eine individuelle Angelegenheit – sie hat auch eine gesellschaftliche Dimension.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schwangerschaft: Cannabiskonsum gefährdet Hirnentwicklung von Babys

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Cannabiskonsum während der Schwangerschaft die Gehirnentwicklung des Fötus beeinträchtigen und nach der Geburt langfristige Schädigungen verursachen kann.
Geleitet wurde die Studie durch Tibor Harkany vom Zentrum für Hirnforschung an der MedUni Wien. Durchgeführt wurde sie gemeinsam mit ein Team von WissenschaftlerInnen des schwedischen Karolinska Institutet und der US-amerikanischen Mount Sinai School of Medicine.
Nach den Erkenntnissen der ForscherInnen beeinflusst Cannabis hauptsächlich die Art, wie sich Nervenzellen miteinander vernetzen. Das führt dazu, dass betroffene Kinder Informationen in weiterer Folge nur in einem eingeschränkten Ausmaß verarbeiten können.
Eine steigende Zahl von Kindern leiden unter den Folgen eines Drogenkonsums ihrer Mütter während der Schwangerschaft. Zu den am häufigsten verwendeten Substanzen gehört dabei Cannabis. Die AutorInnen einer soeben in der Fachzeitschrift „The EMBO Journal“ publizierten Studie versuchten darum, die molekulare Basis zu entschlüsseln, über welche die bedeutende psychoaktive Cannabis-Komponente D9-tetrahydrocannabinol (THC) die Gehirnentwicklung ungeborener Kinder beeinflusst.
In ihrer Studie haben die ForscherInnen mit Modellsystemen gearbeitet – basierend auf Studien mit Mäusen und Zellkulturen. Die Resultate haben sie mit dem Gewebe von Föten verglichen, die von Frauen stammten, die zuvor große Mengen an Cannabis konsumiert hatten.
Fehlerhafte Entwicklung der Gehirnrinde
 durch Cannabis
Die Studie kommt zum Schluss, dass Cannabiskonsum während der Schwangerschaft eine deutlich fehlerhafte Entwicklung von Nervenzellen in der Gehirnrinde bewirkt.
Dieser Gehirnteil ist beim Menschen für die Organisation der höheren kognitiven Funktionen zuständig und steuert die Bildung von Erinnerungen.
Verantwortlich für die Effekte ist der psychoaktive Wirkstoff von Cannabis, das Tetrahydrocannabinol (THC). Es wirkt sich v.a. in der Gehirnrinde aus, das beim Menschen die höheren kognitiven Funktionen organisiert und die Bildung von Erinnerungen steuert.
THC beeinflusst im Gehirn unter anderem die Entwicklung und Funktion der Kommunikationsleitungen zwischen den Nervenzellen – die sogenannten Synapsen und Axonen.
Eine wichtige Rolle dürfte dabei das Protein “Stathmin-2” spielen, erklären die Wissenschaftler. Fehlt dieses Protein, kann es zu einem fehlerhaften Nervenwachstum und lebenslangen Veränderungen der Gehirnfunktion kommen.
Die WissenschaftlerInnen betonen, dass die Cannabisexposition in den experimentellen Modellen genau übereinstimmt mit der fetalen Entwicklungsperiode, während der Nervenzellen untereinander Verbindungen herstellen. Laut den Studienergebnissen können die durch Cannabiskonsum in der Schwangerschaft hervorgerufenen Entwicklungsdefizite bei den Betroffenen lebenslange Veränderungen der Gehirnfunktion hervorrufen.
Nach Aussagen der ForscherInnen leiden zwar nicht alle Kinder, die während einer Schwangerschaft dem Einfluss von Cannabis ausgesetzt waren, unter unmittelbaren und offensichtlichen Defiziten. Die durch die Studie gezeigten Gehirnveränderungen können aber selbst bei vergleichsweise kleinen Schädigungen das Risiko für spätere neuropsychiatrische Erkrankungen deutlich steigern. Selbst wenn THC nur zu kleinen Veränderungen führe, könne seine Wirkung ausreichen, um das Gehirn für Stressoren oder Krankheiten zu sensibilisieren, die bei den Betroffenen später neuropsychiatrische Erkrankungen hervorrufen.
Trotz dieser negativen Wirkungen während der Schwangerschaft betonen die ForscherInnen, dass zwischen der privaten Nutzung und der medizinischen Anwendung von Cannabis klar unterschieden werden muss. Die medizinische Verwendung von Cannabis sei sinnvoll, soweit es sich um die Behandlung von Krankheiten handele. Bei der Verwendung von Cannabis während einer Schwangerschaft sei es jedoch genau umgekehrt. Der Konsum während der Gehirnentwicklung beeinträchtige ein physiologisch intaktes und sehr sensibles System, mit weit reichenden Folgen für die betroffenen Babys und Kinder.
Ob schon ein Gelegenheitsjoint während der Schwangerschaft gefährlich ist, können die ForscherInnen nicht beantworten. Sie wissen nicht, ab wann die gehirnschädigende Wirkung einsetzt. Sicher sind sie sich jedoch darin,  dass kontinuierlicher Konsum über einen längeren Zeitraum gefährlich für das ungeborene Kind ist.
Quelle:
http://www.meduniwien.ac.at/homepage/news-und-topstories/?Fsize=0&tx_ttnews%5Btt_news%5D=4381&cHash=cdd25cfc5b
http://science.orf.at/stories/1732429/
http://emboj.embopress.org/content/early/2014/01/27/embj.201386035
Kommentar & Ergänzung:
Hier wurden zwar nicht Babys oder Kinder oder Erwachsene untersucht, deren Mütter in der Schwangerschaft Cannabis konsumiert hatten. Es wurden also nicht direkt Schädigungen an lebenden Menschen festgestellt. Die Forschenden arbeiteten mit Modellsystemen, basierend auf Studien mit Mäusen und Zellkulturen, und sie stellten Vergleiche an mit dem Gewebe von Föten, deren Mütter zuvor große Mengen an Cannabis konsumiert hatten.
Offenbar sind die Forschenden überzeugt davon, dass sich ihre Resultate auf die Situation einer Schwangerschaft übertragen lassen.
Angesichts des potenziellen Risikos von Schädigungen empfiehlt aber wohl schon der gesunde Menschenverstand, Cannabis in der Schwangerschaft zu meiden.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Radiotipp: Ganz schön krank? – Die Pathologisierung der Gesellschaft (Bayern 2 RadioWissen)

„Bei einem gebrochenen Fuß ist die Sache klar: Der Bruch muss behandelt werden. Was aber, wenn jemand vergesslich ist und Angst hat, an Alzheimer zu erkranken? Oder wenn ein lebhaftes Kind die Diagnose ADHS bekommt? Dann sind die Diagnosen manchmal nicht so eindeutig.“

So beschreibt der Radiosender den Inhalt des Beitrages.

Die Sendung können Sie hier nachhören.

Die zunehmende Medikalisierung und Pathologisierung aller Lebenslagen ist tatsächlich eine problematische Entwicklung, die ernsthaft diskutiert werden müsste.

Die Wechseljahre, das Älterwerden, Schwangerschaft und Geburt, die Leistungsfähigkeit in Beruf, Studium, Sexualität, Sport….alles braucht immer intensivere Behandlungen, selbst dann, wenn keine Beschwerden vorliegen.

Zu beachten ist dabei meiner Ansicht nach, dass für diese ungesunde Entwicklung nicht nur die Medizin verantwortlich ist. Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin sind hier voll mit dabei im fragwürdigen Trend.

Kummer? Nervosität beim Schulanfang? Trennungsschmerz? Einsamkeit? Für jede Lebenslage werden uns Unmengen an Globuli, Tropfen und Tabletten auf natürlicher Basis angeboten. Und weil die grosse Mehrheit der Leute davon ausgeht, dass solche Naturheilmittel sanft und nebenwirkungsfrei sind, kann wirklich hemmungslos und willkürlich durcheinander gemixt eingeworfen und geschluckt werden.

Problematisch daran finde ich vor allem die Haltung, die damit gefördert wird. Schon Kindern wird so vermittelt, dass es für jedes Unwohlsein, jedes kleine „Högerli“ im Leben ein Mittel braucht. Die Kompetenz des Organismus, mit kleineren Störungen selber fertig zu werden, wird damit unterlaufen. So entstehen psychische Abhängigkeiten und vielleicht gar eine Disposition zu Medikamentenmissbrauch.

Man müsste meines Erachtens einen simplen Grundsatz wieder mehr betonen:

Es braucht nicht immer etwas! Abwarten und Teetrinken ist oft (aber nicht immer) ein gute Idee. Manchmal hilft auch nur abwarten.

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Hirtentäschel

Hirtentäschel

Hirtentäschelkraut reduziert in Studie Blutungen nach der Geburt

Ergänzend zu Oxytocin zeigte sich die Gabe eines Extraktes von Capsella bursa-pastoris (Hirtentäschel) zur Linderung postpartaler Hämorrhagie (Blutungen nach der Geburt) gegenüber Placebo als überlegen.

Starke Blutungen nach einer Geburt können zu einem kritischen Gesundheitszustand führen. Als Folge des hohen Blutverlustes und anhaltender Blutungen können Anämie, Infektionen, Nierenprobleme, die Erfordernis von Bluttransfusionen oder einer Gebärmutterentfernung auftreten. Im schlimmsten Fall kann die postpartale Hämorrhagie sogar tödlich enden. Das vom menschlichen Körper produzierte Hormon Oxytocin kommt als Standardtherapie zur Eindämmung übermäßiger postpartaler Blutungen und zur Gebärmutterrückbildung zur Anwendung… Zum vollständigen Text hier…