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Hildegard von Bingen und die „Hildegard-Medizin“

Die Äbtissin Hildegard von Bingen (1098 – 1179) ist eine eindrückliche Persönlichkeit, die sich neben kirchlich-religiösen und politischen Fragen auch mit der Heilkunde befasst hat. In den letzten Jahren ist eine eigentliche Hildegard-Medizin entstanden, die sich angeblich nach den Ratschlägen und Regel der Hildegard von Bingen richtet.

Fachleute wie der Medizinhistoriker Johannes Gottfried Mayer sehen das durchaus kritisch. Lange nicht überall, wo Hildegard drauf steht, ist auch Hildegard drin. Das Portal katholisch.de hat mit Mayer ein Interview geführt.

Im Gespräch kommt die Rede zum Beispiel auch auf die Dinkelbackrezepte nach Hildegard, die im Umlauf sind. Mayer sagt dazu:

„Hildegard von Bingen hat kein einziges Backrezept mit Dinkel verfasst. Sie lobt in ihren naturkundlichen Schriften zwar diese Getreidesorte, weil sie gesund sei und ein frohes Gemüt verschaffe, aber sie gibt keine Tipps für die Zubereitung von Speisen. Im Gegenteil. Wenn Hildegard ein Rezept empfiehlt, dann betrifft dies immer die Heilwirkung einer Pflanze. Alles andere, also sämtliche Kochbücher und Backbücher nach Hildegard sind eine reine Erfindung der Neuzeit.“

Mayer wird dann gefragt, ob es spezielle Hildegard-Kräuter gebe.

Antwort:

„Ja, das sind Kräuter, die vor ihrer Zeit in ihrer Heilwirkung noch nicht erwähnt oder entdeckt waren, aber in ihren heilkundlichen Werken eine bedeutende Rolle spielen. Hildegard von Bingen war zum Beispiel die erste, die die Ringelblume nennt und konkrete Anwendungen auf der Haut festlegt. Und sie nennt auch ein Wundkraut, das aus heutiger Sicht die Arnika sein könnte……………………Fenchel ist eines ihrer Lieblingskräuter. Auch hier nennt sie konkrete Rezepte für medizinische Anwendungen. Erstaunlich ist auch, dass sie asiatische Gewürzpflanzen kennt wie Ingwer, Muskatnuss oder Galgant. Das sind auch sogenannte Hildegard-Kräuter, aber keine Entdeckung von Hildegard selbst. Berühmt ist aber ihre Gewürztherapie mit Galgant für eine bessere Verdauung.“

Die Überlieferungen der traditionellen Pflanzenheilkunde und auch der Klostermedizin sind für die heutige Phytotherapie wichtig als Inspiration. Mayer legt aber auch zu Recht Wert darauf, dass man sich mit der Tradition kritisch auseinandersetzen muss. Es brauche Umsicht in der Bewertung der Anwendungen Hildegard von Bingens.

Es gibt in diesem Fundus Wert- und Sinnvolles, wie die Anwendung von Ringelblume bei Wunden. Es gibt aber auch Irrtümer und aus heutiger Sicht schlicht Unbrauchbares.

Der Medizinhistoriker Johannes Gottfried Mayer sagt dazu:

„Man kann vieles aus Hildegards Heilkunde nachmachen, aber es ist auch Vorsicht geboten. Zum Beispiel empfiehlt Hildegard bei Epilepsie eine Handvoll Maiglöckchen zu essen. Das geht gar nicht, denn damit würde man sich selbst vergiften.“

Quelle der Zitate:

https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/krauterkunde-nach-hildegard-heilsam-bis-giftig

Kommentar & Ergänzung:

Der Medizinhistoriker Johannes Gottfried Mayer ist ein Experte für die Klostermedizin. Er lehrt am Institut für Medizingeschichte der Universität Würzburg und leitet als Geschäftsführer die Forschergruppe Klostermedizin.

Mir fällt immer wieder auf, dass es im Umfeld der „Hildegard-Medizin“ viele Anhängerinnen und Anhänger gibt, die jedes Wort und jeden Rat der Hildegard von Bingen als absolute Wahrheit auffassen. Das ist meines Erachtens fragwürdig und es ist eine offene Frage, ob Hildegard das so gewollt hätte.

Tradition braucht nicht gedankenloses  Nachplappern, sondern eine interessiert-kritische, sorgfältige Auseinandersetzung. Dazu gehört auch, dass man sich um ein Verständnis bemüht über den geschichtlichen Kontext, aus dem ein alter Text stammt. Man muss eine Idee davon haben, in welchem Menschenbild und Weltbild eine Person wie Hildegard von Bingen gelebt hat, um Texte einordnen zu können.

Siehe auch:

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

Es gehört zu den interessanten und anregenden Aspekten der Phytotherapie, dass sie einen Bogen schlägt durch die Geschichte der Menschheit bis zu den modernen Erkenntnissen der Arzneipflanzenforschung.

Wenn Sie diese Verknüpfung von altem und neuem Wissen über Heilpflanzen anspricht, können Sie sich solches Wissen erwerben in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

Rosskastanienextrakt als Venenmittel

Rosskastanienextrakt aus der Gewöhnlichen Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) gilt in der Phytotherapie als bestuntersuchtes und  bestbelegtes Mittel gegen Ödeme bei Venenschwäche. Er enthält ein Saponin-Gemisch, das Aescin genannt wird.

Wie wirkt Aescin genau gegen Ödeme?

Kompakt erklärt ist das auf der Website von Venostasin, einem Venenpräparat auf Basis von Rosskastanienextrakt:

„Extrakt aus den Samen der Rosskastanie hemmt lysosomale Enzyme. 

Bei lysosomalen Enzymen handelt es sich um körpereigene Stoffe, die für den zellulären Abbau verantwortlich sind. Zum Schutz des umliegenden Gewebes werden sie in Transportbläschen (Lysosome) gespeichert. In Stresssituationen, d. h. Entzündungen oder einem erhöhten Druck auf die Veneninnenwände werden die Enzyme freigesetzt und schädigen die Kapillarwände und Fasern des Bindegewebes. Die Gefäßwände werden durchlässiger für Flüssigkeit und die Entstehung von Ödemen wird verstärkt.“

Quelle:

https://www.venostasin.de/rosskastanienextrakt/

 

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Wirkungsmechanismus wurde allerdings zur Hauptsache im Labor erforscht und belegt. Ob er auch im lebenden Organismus in klinisch relevanter Grösse vorkommt, ist nicht so klar.

Allerdings haben Rosskastanienextrakte wie Venostasin ihre Wirksamkeit auch mit Studien an Patientinnen und Patienten  zeigen können. Sie bauen durch Venenschwäche bedingte Stauungen ab und lindern das Schweregefühl in den Beinen. Es braucht zur Linderung von Venenleiden aber eine längerdauernde Rosskastanien-Behandlung.

Bemerkenswert ist auf der Venostasin-Website die Passage über Venensalbe & Venengel:

„Während die Creme und das Gel in ihrer lindernden und massierenden Wirkung der oberen Hautschichten die systemische Behandlung unterstützen, reduziert die langfristig angesetzte medikamentöse Behandlung mit Venostasin® retard nachweislich Ödeme, Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen und hemmt zudem venenwand-schädigende Enzyme.“

Hier fällt angenehm die Zurückhaltung auf, mit der die Wirksamkeit der Venensalbe bzw. des Venengels umschrieben wird:

„…lindernden und massierenden Wirkung….“

Venensalben und Venengele sind bei Patientinnen und Patienten sehr beliebt. Vor allem die Gelform bringt noch etwas Erfrischendes mit und massieren zum Herzen hin kann entstauend wirken. Ob aber die Wirkstoffe im Rosskastanienextrakt durch die Haut und bis in die Vene vorstossen, ist sehr offen und meines Erachtens eher unplausibel. Der Websitetext macht hier keine überzogenen Versprechungen.

Während der innerlich verabreichte Rosskastanienextrakt also ziemlich gut in seiner Wirksamkeit belegt ist, fehlen bezüglich Venensalbe/Venengel verlässliche Erkenntnisse aus Studien.

Neben Venostasin gibt es in der Schweiz noch den Rosskastanienextrakt in Aesculaforce / Aesculamed von Bioforce.

Fragwürdig bezüglich Wirksamkeit sind Rosskastanientinktur, Rosskastanien Urtinktur und Rosskastanie Gemmospray – sie sind mit grösster Wahrscheinlichkeit den Extrakten im Wirkstoffgehalt deutlich unterlegen.

Unsinnig sind spagyrische Rosskastanientinkturen, weil bei ihrer Herstellung  durch die grosse Hitze der Wirkstoff Aescin zerstört wird.

Wenn Sie fundiertes Wissen über Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Rosskastanie und von anderen Arzneipflanzen erwerben möchten, könen Sie das in meinen Lehrgängen – dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Johannisblütenöl und Orangenblütentee als Abendritual

Im “Migros Magazin” (8. Oktober 2018) wird die Skirennfahrerin Michelle Gisin aus Engelberg (Obwalden) portraitiert. Dabei kommt die Athletin auch auf Naturheilmittel zu sprechen: “Habe ich Schmerzen, trage ich Quarkwickel auf.”

Sie erwähnt ausserdem das Johannisblütenöl:

“Damit reibe ich mich vor dem Schlafengehen von Kopf bis Fuss ein. Dann trinke ich einen Orangenblütentee und ab in die Federn.”

Interessantes Abendritual. Johannisöl aus den Johanniskrautblüten wird durch Auszug mittels (meisten) Olivenöl hergestellt. Von der ESCOP wird es empfohlen zur Behandlung leichter Haut­entzündungen (z. B. Sonnenbrand) oder zur Heilung kleiner Wunden. 

Eine direkte beruhigende Wirkung durch die Haut scheint mir sehr unwahrscheinlich, aber eine Einreibung am Abend ist eine schöne Idee.

Orangenblütentee hat sich als Abendtee in der Schweiz vor allem in Pflegeinstitutionen durchgesetzt. In Pflegeheimen und Kliniken wird Orangenblütentee gereicht als Einschlafhilfe. Interessanterweise ist diese Anwendung in Pflegeinstitutionen in Deutschland und Österreich viel weniger gebräuchlich.

 Die Wirksamkeit von Orangenblütentee als Einschlafhilfe wurde allerdings nie genauer untersucht und in der Phytotherapie-Fachliteratur taucht die Pflanze in der Regel gar nicht auf.

Orangenblüten enthalten aber zirka 0,2-0,5 % ätherisches Öl mit hauptsächlich Monoterpenen (Linalylacetat, alpha-Pinen, Limonen, Linalool, Nerol, Geraniol), ausserdem Anthranilsäuremethylester und Bitterstoffe.
Die Zusammensetzung des ätherischen Öles zeigt damit gewisse Ähnlichkeit mit dem Lavendelöl (Linalylacetat, Limonen, alpha-Pinen, Linalool, Geraniol). Da für Lavendelöl eine beruhigende Wirkung bei Unruhe und Einschlafstörungen gut belegt ist, kann eine solche Wirkung auch für den Orangenblütentee vermutet werden. Es würde sich dann beim Trinken von Orangenblütentee dann quasi um eine Aromatherapie via Duftebene handeln. Darum wäre wohl die Empfehlung sinnvoll, den Orangenblütentee langsam schluckweise zu trinken, damit das ätherische Öl gut auf die Geruchsrezeptoren einwirken kann.

In der Natur entfalten Orangenblüten einen betörenden Duft. Das habe ich bei Velotouren durch Orangenfelder in China selber eindrücklich erlebt. In Spanien wird die Costa del Azahar als Küste der Orangenblüten bezeichnet und verdankt diesen Namen den grossen Orangenhainen, die unweit von der Küste wachsen und mit dem Orangenblütenduft zum Teil die ganze Umgebung erfüllen.

Mehr zum Orangenblütentee gibts hier:

Orangenblütentee bei Einschlafstörungen

Wie weit bei Michelle Gisins Abendritual mit Johannisblütenöl und Orangenblütentee auch Wirkstoffe aus den Pflanzen zur Wirkung kommen, ist also weitgehend ungeklärt.

Einschlafrituale haben aber auch für sich einen Wert und sollten in dieser Hinsicht nicht unterschätzt werden.

 

 

 

Grünschlippmuschel bei Rheuma und Arthrose – Wirkung fragwürdig

Die Grünlippmuschel soll die Maori-Ureinwohner in Neuseeland vor rheumatischen Beschwerden bewahren. Jene Maori, die an der neuseeländischen Küste wohnen leiden angeblich seltener an rheumatischer Arthritis als die im Landesinneren beheimateten Maori. Den Grund dafür vermuteten Wissenschaftler im Speiseplan der Küsten-Maori – die Grünlippmuschel ist dort eine wichtige Zutat in der Ernährung

Geschäftstüchtige Muschelzüchter verkaufen inzwischen große Mengen der beliebten Speisemuscheln an Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln. Der Grünlipp-Muschelextrakt ist unter anderem reich an Omega-3-Fettsäuren und soll sich günstig auf rheumatische Symptome auswirken.

Dem widersprechen Wissenschaftler der Natural Standard Research Collaboration, die objektive wissenschaftliche (evidenzbasierte) Analysen erstellt. Forscher dieser internationalen Organisation fassten bisher publizierte Grünlipp-Studien zusammen. Ihr Fazit: für eine solch günstige Wirkung bei Patienten mit rheumatoider Arthritis existieren keine stichhaltigen Belege. Studien dazu sind von schlechter Qualität, wurden an nur wenigen Probanden durchgeführt und liefern widersprüchliche Resultate.

Für die Gelenksabnützungserscheinung Arthrose bescheinigen die Forscher Extrakten der Grünlippmuschel sogar eine mögliche Wirkungslosigkeit. Eine bereits etwas ältere systematische Übersichtsarbeit fand jedenfalls keinen Hinweis auf Wirksamkeit. Arthrose betrifft insbesondere im Alter viele Menschen, etwa drei Viertel aller Personen ab 55 Jahren leiden an diesen Beschwerden.

Quelle:

Kommentar & Ergänzung:

Medizin-Transparent hat viel Erfahrung mit der Auswertung von Studien. Darum gehe ich davon aus, dass die Bewertung der Studienlage zutreffend ist.

Für die Wirksamkeit der Grünlippmuscheln bei Arthrose soll ihr Gehalt an Glykosaminoglykanen verantwortlich sein. Das sind langkettige Aminozuckerverbindungen, die auch in der Gelenkflüssigkeit (Gelenkschmiere, Synovialflüssigkeit) vorkommen.

Der Verabreichung von Glykosaminoglykanen liegt die Vorstellung zugrunde, dass diese Substanzen in den Körper aufgenommen und in den Knorpel „eingebaut“ werden. Ob das wirklich geschieht, ist unklar.

Im Handel sind auch Produkte mit reinem Glucosamin, die als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen sind und auch in den Regalen der Grossverteiler COOP und Migros stehen (unter Bezeichnungen wie „Gelenkfit“).

Auch für diese Glucosamin-Präparate ist die Wirksamkeit bei Arthrose nicht belegt. Industriell wird dieses Glucosamin produziert aus Chitin, das aus den Abfällen der Fischerei von Krustentiere (Krabben, Garnelen) stammt. Grundsätzlich könnte das Glucosamin auch aus dem Chitin von Insekten gewonnen werden (z. B. Seidenspinnerraupen oder Bienen) oder aus Pilzen (z. B. Aspergillus niger, ein Glucosamin-Präparat auf der Basis von Aspergillus niger stellt die Firma Bioforce in Roggwil her).

Obwohl die Studienlage betreffend Grünlippmuschel-Präparaten und anderen Glucosamin-Präparaten also ziemlich desolat ist, berichten Anwenderinnen und Anwender manchmal von positiven Effekten. Bei solchen Einzelfallberichten ist aber zu berücksichtigen, dass chronische Erkrankungen wie zum Beispiel Arthrose in der Regel naturgemäss einen schwankenden Verlauf mit Hochs und Tiefs haben. So wird gerne jede Besserung während der Anwendung des Grünlippmuschel-Präparats diesem Präparat gutgeschreiben, obwohl für die Besserung auch der natürliche Verlauf verantwortlich sein könnte.

Neben den peroral anwendbaren Grünlippmuschel-Präparaten gibt es seit einiger Zeit auch Grünlippmuschel-Salben und Grünlippmuschel-Gel.

Diese Anwendungsform ist noch fragwürdiger wie die Einnahme von Grünlipp-Kapseln. Nicht nur, dass zu dieser transdermalen Anwendung keine Studien vorliegen – es ist auch ungeklärt, ob der Wirkstoff Glucosamin überhaupt durch die Haut aufgenommern wird. Gut durch die Haut aufgenommen werden lipophile (fettliebende), kleine Moleküle. Glucosamen aber ist sehr gut wasserlöslich…

Und auch wenn das Glucosamin aufgenommen würde, ist damit noch nicht gesagt, dass es auch bis zum Gelenk vordringen könnte.

Ziemlich viele Fragen also rund um diese Grünlippmuscheln.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Homöopathie bei Sportverletzungen: Medizin-Transparent untersucht Traumeel

Bei Sportverletzungen kommt oft das homöopathische Mittel Traumeel als Salbe oder Gel zur Anwendung.

Das Portal Medizin-Transparent hat die Studienlage zu dieser Behandlung unter die Lupe genommen und kommt zum Schluss, dass Belege für eine Wirksamkeit fehlen. Die genauen Begründungen dazu sind hier zu finden.

Aus phytotherapeutischer Sicht ist interessant, dass Traumeel zwar als Homöopathikum angepriesen wird, in der Realität aber eher als homöopathisch-phytotherapeutisches Mischprodukt angesehen werden könnte.

Laut Packungsprospekt hat Traumeel Gel pro 1 g folgende Zusammensetzung:

Achillea millefolium TM 0.9 mg, Aconitum napellus D1 0.5mg, Arnica montana D3 15 mg, Atropa belladonna D1 0.5 mg, Bellis perennis TM 1 mg, Calendula officinalis TM 4,5 mg, Chamomilla recutita TM 1,5 mg, Echinacea angustifolia TM 1,5 mg, Echinacea purpurea TM 1,5 mg, Hamamelis virginiana TM4,5 mg, Hepar sulfuris D6 0,25 mg, Hypericum perforatum D6 0,9 mg, Mercurius solubilis Hahnemanni D12 0,4 mg, Symphytum officinale D4 1mg, Zusätzliche Hilfsstoffe: Salbe: Cetylstearylalkohol, dickflüssiges Paraffin, weisses Vaselin, Alkohol 13.8 Vol%, Wasser Gel: Carbopol 980, Alkohol 25 Vol%, Wasser

Was sehen wir da?

Neben homöopathisch verdünnten Bestandteilen (erkennbar an den D-Bezeichnungen) enthält der Traumeel Gel folgende Urtinkturen nach homöopathischem Arzneibuch:

Achillea millefolium TM – Schafgarbentinktur

Bellis perennis TM – Gänseblümchentinktur

Calendula officinalis TM – Ringelblumentinktur

Chamomilla recutita TM – Kamillentinktur

Echinacea angustifolia TM – Sonnenhuttinktur aus Schmalblättrigem Sonnenhut

Echinacea purpurea TM – Sonnenhuttinktur aus Purpur-Sonnenhut

Hamamelis virginiana TM4 – Hamamelistinktur (Zaubernuss)

Kommentar:

TM bedeutet „Teinture-mère“ und im deutschen Sprachraum „Urtinktur“.

Urtinkturen werden nach den Regeln des Homöopathischen Arzneibuchs (HAB) hergestellt und sind im allgemeinen Frischpflanzentinkturen. Weil sie dem HAB entsprechen, kann man sie zwar als „homöopathisch“ bezeichnen. Sie sind aber eigentlich nur die Ausgangsbasis für die Herstellung von Homöopathika und wurden noch keiner Verdünnung (homöopathisch „Potenzierung“) unterzogen.

Daher enthalten sie noch Wirkstoffe in relevanter Menge und können auch als phytotherapeutische Tinkturen aufgefasst und beurteilt werden.

Den Unterschied zwischen homöopathischen und phytotherapeutischen Bestandteilen sieht und kommentiert auch Medizin-Transparent:

„In homöopathischen Arzneimitteln sind Substanzen üblicherweise so stark verdünnt, dass sie keine Wirkung mehr besitzen können. Oft sind sie auch im Labor nicht mehr nachweisbar. Solche Mittel wirken nachweisbar nicht besser als wirkstofflose Scheinmedikamente (Placebo)………

Dass Traumeel in Gel- oder Salbenform eine Wirkung haben könnte, die über eine angenehme und bei Sportverletzungen empfohlene Kühlung hinausgeht, ist dennoch prinzipiell denkbar.

Der Grund: Traumeel als Salbe oder Gel enthält neben stark verdünnten Substanzen in „homöopathischen“ Mengen auch Pflanzenextrakte in deutlich höheren Konzentrationen, etwa von Ringelblume, Hamamelis und Echinacea. Die Menge dieser pflanzlichen Stoffe könnte ausreichen, um – zumindest theoretisch – wirksam zu sein.

Ob in Traumeel tatsächlich eine geeignete und ausreichend dosierte Mischung von Pflanzenstoffe steckt, um bei Sportverletzungen helfen zu können, müsste allerdings erst in gut gemachten, ausreichend großen Studien geklärt werden.“

Gut. Dann schauen wir uns diese „Pflanzenextrakte“ einmal genauer an. Grundsätzlich ist zu sagen, dass Frischpflanzentinkturen eher geringere Wirkstoffmengen enthalten als Tinkturen aus getrockneten Pflanzen, wie sie die staatlichen Arzneibücher (Pharmakopöe) vorziehen. Aus wirkstoffkundlicher Sicht würde deshalb viel dafür sprechen, in einem solchen Produkt Tinkturen aus getrockneten Pflanzen zu verwenden.

Was ist nun von den einzelnen Bestandteilen zu halten?

Schafgarbentinktur:  Wird innerlich vor allem als Bittermittel bei Verdauungsstörungen angewendet. Die Schafgarbe hat aber traditionell auch einen Ruf als Wundheilmittel. Zwar wurde die Wirksamkeit in dieser Hinsicht nie untersucht. Das ätherische Schafgarbenöl enthält aber als Hauptbestandteil Chamazulen, das auch Hauptbestandteil im Kamillenöl ist und zu dessen wundheilender Wirkung beiträgt. Das lässt eine wundheilende Wirkung der Schafgabe zumindestens theoretisch als möglich erscheinen.

Gänseblümchentinktur: Zu allfälligen Wirkungen der Gänseblümchentinktur bei Wunden oder Sportverletzungen gibt es keine fundierten Belege.

Ringelblumentinktur: Der Ringelblume bescheinigt die Phytotherapie-Fachliteratur eine wundheilende Wirkung (granulationsfördernd, epithelisierungsfördernd), wofür es auch Hinweise aus Studien gibt. Allerdings geht es bei diesen Hiweisen um Wundheilungsförderung auf der Haut, während bei Sportverletzungen stumpfe Verletzungen wie Prellungen, Verstauchungen, Blutergüsse im Vordergrund stehen (also Verletzungen ohne Durchtrennung der Haut).

Kamillentinktur: Auch für Kamille git es Hinweise aus Studien für eine wundheilende Wirkung (granulationsfördernd, epithelisierungsfördernd), allerdings wurde in der Regel Kamillenextrakt untersucht (Kamillosan) und nicht Kamillentinktur, die weniger Wirkstoffgehalt hat.

Sonnenhuttinktur (Echinaceatinktur): Echinacea ist heute ja vor allem als Mittel zur Aktivierung des Immunsystems bekannt. In der ersten Hälfte des 20. Jahhunderts hatte die Pflanze einen Ruf als Wundheilmittel. Im „Dritten Reich“ wurde das Echinacea-Präparat Echinacin im Konzentrationslager Buchenwald zur Behandlung von absichtlich gesetzen Brandwunden bei Gefangenen eingesetzt. Über diese abscheulichen Menschenversuche sind keine näheren Details bekannt. Es ist aber möglich, dass Echinacea eine wundheilende Wirkung hat. Die ESCOP-Kommission bestätigt für Präparate aus Echinacea purpurea die äusserliche Anwendung unterstützend bei oberflächlichen Wunden.

Hamamelistinktur: Hamamelis wird eingesetzt bei leichten Hautverletzungen, Entzündungen von Haut une Schleimhaut sowie in Cremen zur Hautpflege bei Neurodermatitis.

Zusammengefasst: Einige der pflanzlichen Inhaltsstoffe zum Beispiel aus Ringelblume und Kamille haben eine Wirkung auf die Haut und wirken wundheilend. Daraus lässt sich aber nicht automatisch eine Wirksamkeit bei stumpfen Verletzungen ableiten. Es ist nicht klar, ob Wirkstoffe aus Ringelblumen, Echinacea, Kamille oder Hamamelis bis in gequetschtes Gewebe eindringen.

Medizin-Transparent stellt ausserdem die Frage, ob in Traumeel eine „ausreichend dosierte Mischung von Pflanzenstoffen steckt“, um eine Wirkung zu erzielen. Sehr gute Frage, die oft vernachlässigt wird.

Beispiel Calendula: In phytotherapeutischen Calendulacremen werden in der Regel 1 – 2 g Ringelblumentinktur in 10 g Salbe eingearbeitet, also 100 – 200 mg pro Gramm. In Traumeel: 4,5 mg pro Gramm. Das ist krass wenig.

Bei Kamillensalbe und Hamamelissalbe liegen die Konzentrationen von Tinktur etwa bei 10 % = 100mg pro Gramm, wenn konzentriertere Extrakte zum Einsatz kommen etwa 5 %.

Verglichen mit üblichen phytotherapeutischen Präparaten sind die Konzentrationen in Traumeel also ausgesprochen tief.

Soweit mein Kommentar zu den phytotherapeutisch relevanten Ingredienzien von Traumeel. Die Tatsache, dass irgendeine Pflanze in einem Produkt vorkommt, heisst also noch lange nicht, dass sie auch wirklich zur Wirksamkeit beiträgt. Im vorliegenden Beispiel passen die Pflanzen phytotherapeutisch überwiegend nicht zum Anwendungsgebiet und sind in viel zu kleiner Menge vorhanden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Pflanzliche Arzneiformen als Thema in Phytotherapie-Ausbildung & Heilpflanzen-Seminar

In meinen Lehrgängen – der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar – lernen Sie präzis, welche Heilpflanzen bei bestimmten Beschwerden am wirksamsten sind.

Genauso wichtig, aber oft vernachlässigt,  ist in der Phytotherapie jedoch die Frage, in welcher Arzneiform diese Heilpflanze am sinnvollsten eingesetzt werden kann.

Darum widmen wir uns in den Lehrgängen diesem Thema intensiv und immer wieder.

Es ist ein grosser Unterschied, ob Heilpflanzen als Kräutertee, Pflanzentinktur oder Pflanzenextrakt eingesetzt werden. Die zugeführten Mengen an Wirkstoffen können dabei ausserordentlich stark variieren.

Die optimale Arzneiform kann dabei von Situation zu Situation und von Pflanze zu Pflanze sehr unterschiedlich sein. Bei diesem Thema stellen sich deshalb eine ganze Reihe von interessanten Fragen.

Zum Beispiel:

☛ In welchen Fällen ist Kräutertee die optimale Zubereitungsform? Wie muss Kräutertee zubereitet werden, damit sich möglichst viele Wirkstoffe im Tee lösen? Wie muss Kräutertee zubereitet werden, damit unerwünschte Stoffe im Kraut zurückbleiben und sich nicht im Tee lösen?

☛ In welchen Fällen sind Pflanzentinkturen die optimale Zubereitungsform? Kann man Pflanzentinkturen selber herstellen und wenn ja, wie geht das? Worin bestehen die Unterschiede zwischen Frischpflanzentinkturen und Tinkturen aus getrockneten Pflanzen? Worin besteht der Unterschied zwischen den Herstellungsverfahren Mazeration und Perkolation?

☛ In welchen Fällen sind Pflanzenextrakte die optimale Zubereitungsform? Worin besteht der Unterschied zwischen Fluidextrakten, Dickextrakten und Trockenextrakten?

☛ Worin bestehen die Vorteile und Nachteile von Frischpflanzensäften? Wie können sie haltbar gemacht werden?

☛ Welche verschiedenen Typen von Salben und Cremen gibt es und in welchen Fällen weerden Sie jeweils eingesetzt? (Das ist insbesondere ein Thema im Kursteil „Hauterkrankungen und Wunden“).

☛ Wie kann man in einer bestimmten Situation ätherische Öle optimal anwenden (inhalativ, über die Haut, über den Verdauungstrakt)?

Solche Fragen stellen sich bei jeder Heilpflanzen-Anwendung. Sowohl in der Phytotherapie-Ausbildung als auch im Heilpflanzen-Seminar kann ich dazu das notwendige Wissen in verständlicher Form vermitteln.

In der Phytotherapie-Ausbildung ist das natürlich vertiefter möglich und kann auch intensiver eingeübt werden, weil sie doppelt so lange dauert als das Heilpflanzen-Seminar und mit Repetitionselementen systematisch auf einen Abschluss (freiwillige Prüfung) ausgelegt ist.

 

 

Wirkstoffkunde als Basis der Phytotherapie

In meinen Lehrgängen – der Phytotherapie-Ausbildung  und dem Heilpflanzen-Seminar – ist die Wirkstoffkunde eine wichtige Grundlage.

Wer gut über die Wirkstoffe der Heilpflanzen Bescheid weiss, kann jede Behandlung entscheidend verbessern.

Wirkstoffkunde gibt eine ganze Reihe von Antworten auf wichtige Fragen.  Zum Beispiel:

☛ Wie kann man beim Trockenen von Heilpflanzen dafür sorgen, dass die Wirkstoffe erhalten bleiben?

☛ Wie kann man bei der Zubereitung von Kräutertee oder Pflanzentinkturen dafür sorgen, dass möglichst viele Wirkstoffe auch im Endprodukt enthalten sind?

☛ Welche Wirkstoffe werden im Verdauungstrakt in den Körper aufgenommen und wirken daher auf den gesamten Organismus? Welche werden nicht aufgenommen und wirken nur lokal auf Haut und Schleimhaut?

☛ Welche Wirkstoffe gehen bei äusserlicher Anwendung durch die Haut und welche wirken ausschliesslich lokal?

☛ Welche Wirkstoffe stören sich gegenseitig, wenn verschiedene Heilpflanzen gleichzeitig angewendet werden?

Solche Fragen sind zentral für ein vertieftes Verständnis der Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten der Heilpflanzen.  Auf der Basis von mehr als 30jähriger Erfahrung kann ich dieses Wissen in meinen Lehrgängen Teilnehmenden gut verständlich vermitteln, unabhängig davon, ob sie mediziniche Vorkenntnisse haben oder nicht.

Es geht vor allem um Gerbstoffe, Bitterstoffe, Alkaloide, Schleimstoffe, ätherischen Öle, Harze & Balsame, Herzglykoside, Flavonoide, Cumarine, Phenolglykoside, Senfölglykoside, Saponine, Anthranoide.

Wer sich in meinen Lehrgängen mit Wirkstoffkunde befasst, wird sich durch dieses fundierte Wissen wesentlich leichter im Bereich der Heilpflanzen-Anwendungen zurecht finden.

Sowohl im Heilpflanzen-Seminar als auch in der Phytotherapie-Ausbildung vermittle ich Wirkstoffkunde als Basis. In der Phytotherapie-Ausbildung ist das natürlich vertiefter möglich und kann auch intensiver eingeübt werden, weil sie doppelt so lange dauert als das Heilpflanzen-Seminar und mit Repetitionselementen systematisch auf einen Abschluss (freiwillige Prüfung) ausgelegt ist.

Melden Sie sich für einen Lehrgang an! Sie bekommen professionelles Wissen in kompakter, verständlicher Form.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wildkräuter: Gundelrebe / Gundermann in der Küche & als Heilpflanze

Der Gundermann (Glechoma hederacea), auch Gundelrebe genannt, zählt zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceen). Mit ihren blauvioletten Blüten ist die Pflanze im Frühling recht auffällig.

Nur wenige nutzen Gundermann in der Küche. Das Bundeszentrum für Ernährung weist aber darauf hin, dass sein herbes bis leicht harziges Aroma viele Alltagsgerichte wie Pellkartoffeln und Eierspeisen interessanter macht.

Auch für Salate, Kräuterquark und Pesto sei der Gundermann eine Bereicherung. Zum Osterfest werde er traditionell in der Gründonnerstagsuppe serviert, die aus neun verschiedenen Kräutern zubereitet wird.

Wie die Zubereitung von statten geht, beschreibt das BZfE so:

„Alle Wildkräuter, darunter auch Brennnessel, Gänseblümchen und Löwenzahn, werden gewaschen, trocken getupft und fein geschnitten. Anschließend Zwiebeln und Knoblauch in etwas Butter andünsten, Gemüsebrühe und das frische Grün hinzugeben. Nun lässt man die Suppe zwanzig Minuten köcheln und schmeckt mit etwas Schmand, Salz und Pfeffer ab.“

Auch Tee und Kräuterlimonade könne mit Gundermann verfeinert werden, schreibt das BzfE weiter, weist aber darauf hin, dass sparsam dosiert werden soll, damit der Geschmack nicht zu intensiv wird.

Gundermann wird 10 bis 20 cm hoch und wächst am Waldrand, unter Hecken, aber auch in feuchten Wiesen. Er zählt Im Frühjahr zu den ersten verfügbaren Wildkräutern für die Küche und zeigt in den Monaten April bis Juni seine blauvioletten Blüten. Beim Zerreiben der Gundermannblätter entsteht ein scharfer Geruch, der etwas an Minze erinnert.

Die Pflanze enthält unter anderem Vitamin C, Mineralstoffe wie Kalium, ätherische Öle, Saponine, Gerbstoffe und Bitterstoffe. Im Mittelalter wurde Gundermann in klösterlichen Gärten als Arzneipflanze angebaut und zur Wundheilung eingesetzt. So leitet sich der Name wahrscheinlich vom althochdeutschen Wort „gund“ für Eiter oder Beule ab.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/bzfe-newsletter-nr-12-vom-21-maerz-2018-31994.html#3

 

Kommentar & Ergänzung:

Gundermann eignet sich auch für Rahmspeisen wie Eiscreme oder Panna Cotta. Aber auch hier sparsam dosieren, sonst kippt der Geschmack ins Unangenehme. Schliesslich verwendete man früher bei den Sachsen den Gundermann anstelle von Hopfen als Bittermittel zum Bierbrauen.

Die Griechen und Römer in der Antike kannten den Gundermann nicht. Bei den Germanen war er aber wohl eine wichtige Heilpflanze. Im Mittelalter erwähnt ihn Hildegard von Bingen.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde wurde Gundermann für eine grosse Bandbreite von Erkrankungen eingesetzt, zum Beispiel innerlich bei Durchfall, Magenbeschwerden, Darmkatarrh, Bronchialerkrankungen, Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen, Lungenleiden.

Diese „Indikationslyrik“ ist unübersichtlich, weil nicht mehr klar ist, wofür die Pflanze wirklich wirksam ist.

Es gibt keine fundierten Belege für solche Wirkungen des Gundermanns. Vermutet werden entzündungswidrige Wirkungen durch Flavonoide, Triterpentoide und Gerbstoffe, was bei äusserlicher Anwendung eine Rolle spielen könnte.

In der Alternativmedizin tauchen immer wieder Versprechungen auf, dass Gundermann / Gundelrebe zur Ausleitung von Schwermetallen wie Blei und Quecksilber wirksam ist.

Das ist natürlich eine attraktive Vorstellung – eine Pflanze, die Gifte rausholt. Darum stossen solche Versprechungen auf grosse Ressonanz.

Diese Versprechen sind aber sehr fragwürdig. Es gibt keine glaubwürdigen Argumente oder gar Belege für eine solche Wirkung. Es gibt auch keine plausible Erklärung dazu, wie der Gundermann eine solche Wirkung zustande bringen soll.

Zu Laborforschung und klinischen Studien mit Gundermann habe ich nur im Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ einen Hinweis gefunden – und zwar zum Thema Hyperpigmentierung.

Im Labor hemmte ein Gundermann-Extrakt die Melatoninsynthese und die Tyrosinaseaktivität bei B16-Melanomzellen, woraus auf eine mögliche Wirksamkeit bei der Behandlung von Hyperpigmentierungsflecken der Haut geschlossen wurde.

Eine Lotion mit Gundermann-Extrakt bewirkte nach 8-wöchiger Behandlung von UV-induzierten Pigmentflecken der Haut eine im Vergleich zu Placebobehandlung eine signifikante Depigmentierung und Entzündungshemmung.

Wie gut die Wirksamkeit dieser Lotion nun wirklich geklärt ist,  kann ich nicht beurteilen. Im Markt scheint sie jedenfalls bisher nicht erhältlich zu sein.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Gundelrebe / Gundermann

Stören Lavendelöl und Teebaumöl den Hormonhaushalt?

Eine US-Studie kommt zu dem Schluss, dass Lavendelöl und Teebaumöl den Hormonhaushalt stören können – sie wirken wie das weibliche Sexualhormon Östrogen.

Lavendelöl und Teebaumöl duften nicht nur, den ätherischen Ölen wird auch eine beruhigende bzw. entzündungshemmende Wirkung nachgesagt. Darum sind sie auch Bestandteil zahlreicher kosmetischer Produkte, wie Hautcremen, Seifen oder Raumdüften. Eine Untersuchung an menschlichen Zellen zeigte allerdings, dass einige Bestandteile dieser ätherischen Öle hormonell wirksam sein können. Im Labor zeigten sie Wirkungen wie das weibliche Sexualhormon Östrogen und hemmten die Aktivität des männlichen Sexualhormons Testosteron.

Insgesamt acht hormonell wirksame Bestandteile der beiden ätherischen Öle konnten die Forscher identifizieren, darunter Eucalyptol und Limonen. Dass Kosmetika sogenannte Endokrine Disruptoren enthalten können, sei schon länger bekannt, erklärt der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien. Bisher wurden allerdings hauptsächlich synthetisch hergestellte Substanzen untersucht.

Kommt man mit solchen hormonaktiven Substanzen regelmäßig in Kontakt, zum Beispiel über die Haut oder die Atemwege, dann kann das gesundheitliche Folgen haben. „Hormonaktive Stoffe können das menschliche Hormonsystem bewiesenermaßen durcheinander bringen“, sagt der Umweltmediziner Hutter. Das könne vom verfrühten Einsetzen der Pubertät über Einschränkungen der Fruchtbarkeit bis zu einem erhöhten Krebsrisiko gehen. Er hält es daher für wichtig, „dass wir Bestandteile von Kosmetika auf beiden Seiten des Spektrums untersuchen, also natürliche wie synthetisch hergestellte.“

Die US-Mediziner haben die ätherischn Öle untersucht, weil Beobachtungen erste Hinweise auf eine hormonelle Wirksamkeit geliefert hatten. Bei drei Buben, die regelmäßig Teebaumöl-Produkte verwendet haben, wurde vor der Pubertät ein anormales Brustwachstum festgestellt, eine sogenannte Gynäkomastie. Wurden die Teebaumöl-Produkte nicht mehr verwendet, bildete sich die Brust zurück.

Umweltmediziner Hutter sagt, dass man diesen Zusammenhang auf jeden Fall noch genauer untersuchen müsse. Werde die hormonelle Wirksamkeit des Teebaumöls und des Lavendelöls durch mehrere Studien bestätigt, müsse die Zulassung für Kosmetikprodukte anders reguliert werden.

Die US-Wissenschaftler wollen nun auch andere ätherische Öle auf eine mögliche hormonelle Wirksamkeit untersuchen. Denn die Inhaltsstoffe, die sie identifiziert haben, findet man auch in mindestens 65 weiteren ätherischen Ölen. Umweltmediziner Hutter rät, kosmetische Produkte insgesamt sparsamer zu verwenden – denn es gebe auch zahlreiche andere Inhaltsstoffe, die noch nicht ausreichend erforscht sind.

Quelle:

http://science.orf.at/stories/2904066/

https://www.endocrine.org/news-room/2018/chemicals-in-lavender-and-tea-tree-oil-appear-to-be-hormone-disruptors

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Geschichte ist eigentlich schon ziemlich alt. Sie wurde im Fachmagazin New England Journal of Medicine bereits im Jahr 2007 publiziert:

http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/nejmoa064725

Die „Süddeutsche“ berichtete dann im Mai 2010 darüber.

http://www.sueddeutsche.de/leben/wie-oestrogen-lavendel-oel-laesst-jungen-brueste-wachsen-1.109345

Der Bericht auf endocrine.org stammt vom 17. März 2018 und Ende März folgen nun Artikel auf 20min.ch und auf science.orf.

Es macht den Eindruck, als werde da immer wieder dieselbe Sau durchs Dorf gejagt….

Klar ist, dass auch Naturprodukte wie ätherische Öle unerwünschte Nebenwirkungen und Risiken haben können.

Beim vorliegenden Thema der allfälligen Hormonaktivität von Lavendelöl und Teebaumöl sind allerdings noch eine ganze Reihe von Fragen offen.

So lässt sich aus Einzelfallbeobachtungen nie sicher ein ursächlicher Zusammenhang belegen. Die drei Fälle mit den präpubertären Buben sind im New England Journal of Medicine detailliert beschrieben.

Patient 1 verwendete einen „healing balm“ mit Lavendelöl, Patient 2 einen Haargel und ein Shampoo mit Lavendelöl und Teebaumöl, Patient 3 eine Seife mit Lavendelöl.

In allen drei Fällen können andere auslösende Faktioren nicht ausgeschlossen werden. Auch dass sich in allen drei Fällen die Gynäkomastie einige Monate nach dem Absetzen der Produkte zurückbildete, sagt nichts Definitives aus. Das kann auch der natürliche Verlauf gewesen sein und zum Beispiel durch eine veränderte Hormonlage bewirkt worden sein.

Und Untersuchungen im Labor an menschlichen Zellen sagen nichts Definitives darüber aus, die die Substanzen im lebenden Organismus wirken.

Das ist alles sehr vage und wenn 20min.ch mit der Schlagzeile daher kommt: „Männer bekommen Brüste wegen Shampoo und Seife“, dann steht diese Behauptung auf wackeligen Beinen. Aber es tönt halt interessanter als „Teebaumöl und Lavendelöl zeigen Hormonwirkung im Reagenzglas“.

Den grundsätzlichen Rat von Umweltmediziner Hutter, kosmetische Produkte insgesamt sparsamer zu verwenden, würde ich aber unterschreiben – auch in Bezug auf Lavendelöl und Teebaumöl.

Teebaumöl wird antimikrobiell gegen Bakterien, Pilze und Viren. Lavendelöl wird antimikrobiell gegen Bakterien und Pilze sowie beruhigend zum Beispiel bei Schlafstörungen.

Es ist nicht einzusehen, weshalb ein Haargel und ein Shampoo für einen präpubertären Jungen Teebaumöl und Lavendelöl enthalten sollte. Es ist auch für Erwachsene nicht einzusehen. Auch ein „healing balm“ und eine Seife mit Lavendelöl sind in diesem Kontext durchaus fragwürdig.

Aus phytotherapeutischer Sicht sind ätherische Öle Arzneimittel, die bei einer bestimmten Indikation angewendet werden können. Die tägliche Anwendung in Kosmetika oder als „Wellness“-Produkte ist in den meisten Fällen nicht zu empfehlen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Hausmittel: Kernseifenbad bei Nagelbettentzündung

Das Magazin „Stern“ empfiehlt ein altbewährtes Hausmittel bei Nagelbettentzündung:

„Zu Entzündungen kommt es meist im Bereich der Nägel, wenn diese in die Haut einwachsen und Druck auf das Gewebe ausüben. Bei den ersten Anzeichen bringt ein Kernseifenbad Linderung: Es wirkt leicht antibakteriell und hemmt die Entzündung. Außerdem weicht es die Haut auf, was zu einer Entlastung der gereizten Stelle führen kann.“

Das ist ein guter Tipp. Und wie macht man ein Kernseifenbad?

„Stern“ empfiehlt:

„Von einer Kernseife einige Stücke abhobeln und in eine Fußbadewanne geben.

Mit heißem Wasser aufgießen, vorsichtig umrühren und kurz abkühlen lassen.

So lange baden bis die Haut schön weich ist.

Bei anhaltenden Beschwerden einen Arzt aufsuchen.“

Quelle:

http://www.stern.de/gesundheit/grippe/erkaeltung–ohrenschmerzen–halsschmerzen–diese-hausmittel-helfen-6565438.html#mg-1_1507550562484

 

Kommentar & Ergänzung:

Ein Kernseifenbad lässt sich gut mit einer Heilpflanzen-Anwendung kombinieren. Dazu passen vor allem Heilpflanzen mit entzündungswidriger Wirkung wie Ringelblume und Kamille. Man kann dazu einen Aufguss mit Ringelblumen oder Kamille machen und diesen nach dem Absieben für das Kernseifenbad verwenden. Auch Kamillenextrakt in entsprechener Verdünnung lässt sich dazu nutzen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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