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John Stuart Mill über Irrtum und Erfahrung

Hier ein interessantes Zitat von John Suart Mill über Irrtum und Erfahrung:

“….Quelle alles Achtenswerten im Menschen….dass er seine Irrtümer korrigieren kann. Er ist fähig, seine Missgriffe durch Diskussion und Erfahrung richtigzustellen. Nicht durch Erfahrung allein: Diskussion tut not, um zu zeigen, wie die Erfahrung zu deuten ist. Falsche Urteile und Bräuche geben allmählich den Tatsachen und Überlegungen Raum…Sehr wenige Tatsachen sind imstande, ihre eigene Geschichte zu erzählen…”

John Stuart Mill, 1806–1873, Philosoph, Psychologe und Soziologe; Über die Freiheit, Reclam 2004

 

Kommentar & Ergänzung:

Erfahrungen sprechen nicht für sich, wir müssen sie erst zum Sprechen bringen. Jede Erfahrung ist mit verschiedenen Deutungen kompatibel. Das gilt auch für Erfahrungen mit Heilmitteln und Heilmethoden. Wenn daher von „Erfahrungsmedizin“ die Rede ist, so sagt das noch gar nichts aus. Erfahrung allein kann uns nicht sicher zeigen, ob ein Heilmittel hilft oder nicht. So zeigte sich beispielsweise in der Medizingeschichte immer wieder, dass sich Irrtümer über Jahrhunderte halten können und trotz aller Erfahrung nicht erkannt werden. Erfahrung bringt den Irrtum nicht mit Gewissheit zu Tage.

Entscheidend ist, und das sagt Mill deutlich, wie wir mit unseren Erfahrungen umgehen. Nötig ist eine kritische Diskussion aller Erfahrungen, ein Distanznehmen von eigenen Erfahrungen, um sie zu reflektieren, mit anderen Erfahrungen zu vergleichen und einzuordnen.

Wenn mir also jemand sagt, dass Heilmittel XY seiner Erfahrung nach bei Krankheit Z hilft, dann frage ich immer genau nach, wie diese Erfahrung gemacht wurde, wie sie zustande kam, und wie der betreffende Mensch sich mit seiner Erfahrung auseinander gesetzt hat. Die Antwort auf diese Fragen ist oft enttäuschend.

Es fehlt häufig jede Distanz zur eigenen Erfahrung, jedes Bewusstsein dafür, dass Erfahrung täuschungsanfällig ist und jede fundierte Auseinandersetzung mit der eigenen Erfahrung, nicht nur bei Laien, sondern auch bei Fachleuten aus Apotheken oder Drogerien, bei Praktizierenden und Lehrenden der Naturheilkunde.

Wir brauchen in diesen Bereichen mehr Bewusstsein über die eigene Irrtumsanfälligkeit und mehr krtische Auseinandersetzung mit „Erfahrungen“. Das sind Kompetenzen, die ich auch in meinen Lehrgängen zu vermitteln suche, in der Phytotherapie-Ausbildung und im Heilpflanzen-Seminar.

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung

 

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung

Naturheilkunde: Warum werden unsere Kranken eigentlich wieder gesund?

Vom Umgang mit Erfahrung in der Pflanzenheilkunde

 

 

Kaffee trocknet den Körper nicht aus

Immer noch zu hören ist die Ansicht, dass Kaffee, Grüntee und Schwarztee für die Flüssigkeitsbilanz nicht angerechnet werden dürfen, weil sie dem Organismus Wasser entziehen würden.

Dieser Gesundheitstipp ist jedoch schon seit einiger Zeit widerlegt. Zwar insbesondere Kaffee wegen seinem Gehalt an Koffein kurzfristig den Harndrang, über den Tag verteilt scheiden Kaffeetrinker jedoch ähnlich viel Flüssigkeit aus wie Nicht-Kaffeetrinker.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) schreibt:

“Kaffee sowie schwarzer und grüner Tee können in der Flüssigkeitsbilanz wie jedes andere Getränk behandelt werden.”

Etwa 1,5 Liter Flüssigkeit täglich gelten als ideal.

Quelle:

https://www.stern.de/gesundheit/krank-wegen-nasser-haare–zwoelf-gesundheitsmythen–die-sie-vergessen-koennen-7275258.html#ktg-0_slide-7

 

Kommentar & Ergänzung:

Kaffee bewirkt also keine „Austrocknung“.

Nach gegenwärtigem Stand des Wissens ist bei koffeinabstinenten Menschen nach Koffeinzufuhr zwar eine gewisse Reduktion des Gesamtkörperwassers festzustellen, doch tritt erhöhter Flüssigkeitsverlust nur einmalig auf, weil bei fortgesetzter, dauerhafter Koffeinzufuhr Ausgleichsmechanismen greifen.

Auf Wikipedia sind diese physiologischen Vorgänge so beschrieben:

“Eine Studie, in der man zwölf Probanden, die seit fünf Tagen koffeinabstinent gelebt hatten, über mehrere Tage jeweils zweimal drei Tassen Kaffee pro Tag (insgesamt 642 mg Koffein/Tag) zuführte, ergab nach 24 Stunden eine mittlere Abnahme des Körpergewichtes von 0,7 kg und eine Reduktion des Gesamtkörperwassers um 1,1 kg (gemessen mit Bio-Impedanz-Messung). Es kann jedoch nicht allein anhand der Gesamtkörperwassermenge eine Aussage über den Flüssigkeitsversorgungsstatus einer Person getroffen werden, da das Wasser wie in diesem Fall aus dem Extrazellularraum stammen kann. Bei fortgesetztem dauerhaftem Kaffeekonsum werden Kompensationsmechanismen, wie die Erhöhung des Plasmavasopressinspiegels und der Osmolalität des Urins, aktiv. Ein erhöhter Flüssigkeitsverlust infolge von Kaffee tritt demnach nur einmalig in Erscheinung.

Das im Kaffee enthaltene Coffein wirkt diuretisch. Wird Kaffee allerdings regelmäßig und in ähnlichen Mengen konsumiert, so besteht keine erhöhte Diurese oder Natriurese aufgrund des erhöhten Niveaus verschiedener Kompensationsmechanismen (Escape-Phänomen). Kaffee wird deshalb nach aktuellem Forschungsstand als Teil der Wasserzufuhr des Körpers betrachtet und kann in der Flüssigkeitsbilanz wie jedes andere Getränk behandelt werden.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kaffee#Entwässerung)

Diese Ausführungen lassen sich wohl weitgehend auch auf Grünteee und Schwarztee übertragen, die beide dem Organismus in der Regel weniger Koffein zuführen und das zudem auch langsamer tun.

Kaffee hat in der Phytotherapie keine Bedeutung, Schwarztee und Grüntee aber schon, allerdings vor allem wegen dem hohen Gehalt an Gerbstoffen und Antioxidantien (EGCG in Grüntee, Theaflavine im Schwarztee).

Wenn Sie fundiertes Wissen über Wirkstoffe in Heilpflanzen erwerben möchten, dann nhemen Sie am besten an einem meiner Lehrgänge Teil. Das Heilpflanzen-Seminar und vertiefter noch die Phytotherapie-Ausbildung geben einen guten Einblick in dieses faszinierende Thema.

Naturheilkunde: Bewährte Hausmittel für Kinder

Der österreichische „Kurier“ bricht eine Lanze für bewährte Hausmittel. Dabei kommt auch der Kinderarzt Karl Zwiauer zu Wort. Er ist Vorstand der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde im Universitätsklinikum St. Pölten:

„Mit dem Aufkommen der modernen Medizin – Stichwort Antibiotika – sind viele Hausmittel in Vergessenheit geraten. Jetzt gibt es eine gewisse Rückbesinnung.“

Als Beispiel erwähnt er warme Wickel (z. B. gegen Husten oder Halsschmerzen), welche die Durchblutung verbessern, Regenerationsprozesse anregen und die lokale Abwehr stärken. Da gehe es einem schnell besser. Früher hätten die Ärzte viel rascher Antibiotika verschrieben, heute sei man da konservativer. Der Kinderarzt weist aber auch auf die Grenzen der Hausmittel hin: Bessere sich ein schlechter Zustand von Säuglingen und Kleinkindern nicht innert eines Tages wesentlich, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Bei Heilpflanzen rät Zwiauer zu Präparaten in Arzneibuchqualität (erhältlich in Apotheken und Drogerien): „Da weiß man, was drinnen ist und kann sich auf die Wirkung verlassen.“

Quelle:

https://kurier.at/gesund/warum-jetzt-omas-heilwissen-wieder-in-ist/400309764

 

Kommentar & Ergänzung:

Sehr vernünftiges Statement.

Irgendwie scheint heute nämlich über weite Strecken das richtige Mass abhanden gekommen zu sein. Einerseits gibt es Eltern, die schon mit kleineren Beschwerden ihrer Kinder – zum Beispiel einer normalen Erkältung – überfordert sind und mit den Kleinen zum Arzt oder gleich ins Spital rennen. Ihnen würden wohl bessere Kenntnisse bewährter Hausmittel mehr eigenen Handlungsspielraum verschaffen und mehr Gesundheitskompetenz vermitteln. Andererseits gibt es gerade auch in Kreisen der Alternativmedizin Eltern, die den eigenen Methoden zuviel zutrauen und zu spät ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, wodurch immer wieder auch Kinder zu Tode kommen. Darum ist es wichtig, wie Zwiauer auch auf Grenzen der Selbstbehandlung hinzuweisen.

Ich bin auch mit dem Hinweis einverstanden, bei Heilpflanzen-Präparaten Arzneibuchqualität zu bevorzugen, weil damit ein gewisser Qualitätsstandard gewährleistet ist. Vor allem würde ich keine Heilkräuter und auch sonst keine Arzneimittel via Internet beziehen. Dort werden derart viele Fälschungen angeboten, dass die Sicherheit der Produkte nicht gewährleistet ist.

Eine fundierte Phytotherapie eignet sich im übrigen bestens, um verlorengegangenes Wissen über Hausmittel in erneuerter Form wieder aufzubauen.

Wer sich für fundiertes Heilpflanzen-Wissen für die Anwendung bei Kindern und Erwachsenen interessiert, dem empfehle ich meine Lehrgänge – das Heilpflanzen-Seminar und die Phytotherapie-Ausbildung.

 

 

Knoblauch wirksam bei Kreislauferkrankungen

In einem früheren Beitrag (hier) habe ich über die Wirksamkeit von Knoblauch als Vorbeugungsmittel gegen Erkältungen geschrieben. Dabei erwähnte ich auch, dass es zu diesem Anwendungbereich nur eine einzige qualitativ ernstzunehmende Studie gibt.

Sehr viel ausgiebiger untersucht ist die Wirkung von Knoblauch auf Herz und Gefäße.

Dazu liegen Laborexperimenten, Tierversuchen, klinischen Studien und großangelegte epidemiologische Analysen vor. Die FAZ hat gerade einen grossen Text zu Knoblauch publiziert und findet, die Resultate all dieser Knoblauch-Forschung seien „vergleichsweise dürftig“.

Die FAZ zitiert dazu aber noch Professor Edzard Ernst. Der deutsche Mediziner und (laut FAZ) „bekennende Knoblauchfan“ übernahm 1993 an der Universität Exeter den weltweit ersten Lehrstuhl für Alternativmedizin, machte sich in der Szene aber wegen seiner kritischen Herangehensweise wenig Freunde.

Ernst äussert sich meines Erachtens sehr differenziert und genau zu Knoblauch:

„Ich denke, man kann schon sagen, dass der regelmäßige Verzehr von Knoblauch oder entsprechenden Präparaten mehrere potentiell positive Effekte hat, die sich günstig auf Blutdruck, Gerinnung oder die Neigung zu Arteriosklerose auswirken. Jeder einzelne Effekt ist eher klein und nicht vergleichbar mit dem spezieller Medikamente. Statine senken den Cholesterinspiegel zum Beispiel wesentlich stärker. Aber in der Summe könnten die Effekte des Knoblauch für die Gesundheit des kardiovaskulären Systems durchaus relevant sein.“

Quelle:

http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/warum-ein-leben-ohne-knoblauch-kaum-vorstellbar-ist-15860141.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

 

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Zitat erfasst den Charakter der Knoblauch-Wirkung gut. Es gibt in jedem einzelnen Bereich stärker wirkende Medikamente, also stärkere Blutdrucksenker, stärkere Cholesterinsenker und stärkere Mittel zur Verbesserung der Blutfliesseigenschaften.

Professor Ernst sagt aber zu Recht, dass mehrere kleine Effekte in der Summe durchaus relevant für die Gesundheit werden können. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Multi-Target-Therapie.  Der renommierte Arzneipflanzenforscher Professor Hildebert Wagner hat diesen Ansatz genauer beschrieben.

Siehe dazu hier:

Phytotherapie – auf die Mischung kommt es an

Wer fundiertes Heilpflanzen-Wissen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Knoblauch zur Vorbeugung von Erkältungen

Das Magazin „Focus“ hat einen Artikel publiziert zum Thema „Mythen im Faktencheck: Was Sie wirklich schützt vor Husten und Schnupfen.“

Dabei nimmt der Text auch den „Mythos 4“ unter die Lupe:

„Wer täglich Knoblauch isst, bekommt keine Infekte.“

Das stimme teilweise, schreibt die Autorin, und führt dazu aus:

„Knoblauch soll fast in jeder Form die Immunabwehr stärken, manche schwören sogar darauf, bei einer aufziehenden Erkältung eine geschälte Knoblauchzehe ins Ohr zu stecken. Das ist allerdings Humbug. Nachweislich wirksam ist Knoblauch zur Infektabwehr jedoch, wenn täglich zwei Knoblauchzehen verzehrt werden, das zeigt die Analyse mehrerer Studien zu diesem Thema.

Die Wirkung entfaltet sich vor allem durch rohen, zerdrückten oder gehackten Knoblauch. Erst Zerkleinern setzt das Enzym Alliinase frei, das wiederum die Bildung von Allicin anstößt, der Stoff, der die Immunabwehr auf Trab bringt. Tipp: Wer rohen Knoblauch zu scharf findet, kann ihn beispielsweise mit Honig zu sich nehmen.

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/erkaeltung/ohne-erkaeltung-durch-den-herbst-kuessen-kaelte-und-knoblauch-mythen-zum-thema-erkaeltung-im-faktencheck_id_9858852.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Knoblauch und Erkältungen – was ist dran?

Knoblauch wurde früher vor allem gegen Infektionskrankeiten eingesetzt, gegen Pest und Cholera, bei Grippeepidemien, Maul- und Klauenseuche, Thypus und Tuberkulose.

Tatsache ist, dass Knoblauch mit seinem Hauptwirkstoff Allicin / Alliin im Labor in Bakterienkulturen Bakterien abtöten kann. Ob und wie stark diese Wirkung auch in einem erkrankten Menschen zum Tragen kommt ist aber unklar.

Heute wird Knoblauch in der Phytotherapie hauptsächlich im Bereich der Kreislauferkrankungen eingesetzt, zum Beispiel als mildes Mittel bei Bluthochdruck, zur leichten Senkung des Cholesterinspiegels und zur Verbesserung der Blutfliesseigenschaften.

Es ist aber natürlich auch sehr interesssant, wenn der alte Mythos von der Vorbeugung gegen Erkältungskrankheiten mit Knoblauch wissenschaftlich untersucht wird. Und es hat mich sehr gefreut, dass die renommierte Cochrane Collaboration sich mit diesem Thema befasst.

Der Artikel im Magazin „Focus“ ist aber irreführend und zum Teil auch schlicht falsch. Wenn da steht, dass die vorbeugende Wirkung von Knoblauch gegen Erkältungen „nachweislich“ durch „Analyse mehrerer Studien“ belegt ist, dann stimmt das so nicht.

Cochrane wertet in der Regel alle relevanten Studien zu einer bestimmten Fragestellung aus und zieht dann eine Schlussfolgerung. In diesem Fall beschreiben die Autoren in der von „Focus“ verlinkten Originalpublikation, dass sie 6 für das Thema potenziell relevante Studien fanden (in einem späteren Update waren es 8).

Aber: Nur eine von diesen 8 Studien hat die Qualitätsanforderungen der Forscher erfüllt und wurde deshalb ausgewertet. Es kann also nicht die Rede sein von der „Analyse mehrer Studien“, die „nachweislich“ die Wirksamkeit belegen.

Die Studie gibt zwar Hinweise auf eine vorbeugende Wirkung, doch halten die Forscher die Qualität dieser Ergebnisse offenbar für nicht für in allen Punkten hoch.

Sie halten es für möglich, dass die Verblindung der Versuchspersonen nicht genügte. Die Probanden können also gemerkt haben, ob sie der Knoblauchgruppe oder der Placebogruppe zugeteilt sind.

Ansonsten beurteilen die Wissenschaftler die Studie aber recht positiv, bleiben aber in den Schlussfolgerungen zurückhaltend:

„There is insufficient clinical trial evidence regarding the effects of garlic in preventing or treating the common cold. A single trial suggested that garlic may prevent occurrences of the common cold but more studies are needed to validate this finding. Claims of effectiveness appear to rely largely on poor-quality evidence.“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/erkaeltung/ohne-erkaeltung-durch-den-herbst-kuessen-kaelte-und-knoblauch-mythen-zum-thema-erkaeltung-im-faktencheck_id_9858852.html

https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD006206.pub4/epdf/full

 

Die Studie ist trotzdem interessant. Ich habe sie in einem früheren Beitrag vorgestellt:

Schützt Knoblauch vor Erkältungen?

Ausserdem hier:

Knoblauch gegen Schnupfen wirksam?

Dort ist auch nachzulesen, dass die verwendete Knoblauchtablette einer Tagesdosis von 14 bis 36 g frischen Knoblauch entspricht. Das ist ziemlich viel, wenn man die möglichen sozialen Nebenwirkungen berücksichtigt. Auch diesen nicht unwesentlichen Umstand lässt der Bericht im „Focus“ weg.

Ich bin nicht dagegen, wenn jemand Knoblauch vorbeugend gegen Erkältungen einnimmt. Es ist auch nicht auszuschliessen, dass dafür sogar eine Wirkung vorhanden ist, die bisher einfach nicht belegt werden konnte (wenn das auch unwahrscheinlich ist).

Der Bericht im „Focus“ stellt aber eine eher schwache Studienlage sehr überzogen dar und führt die Leserinnen und Lesern damit hinters Licht.

Falls Sie an fundiertem Wissen über die Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen interessiert sind, empfehle ich meine Lehrgänge, die Phytotherapie-Ausbildung und das Heilpflanzen-Seminar.

 

Cannabis-Therapie bei MS: Zusatznutzen für Sativex-Spray gegen Spastik bestätigt

In Deutschland hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) dem cannabinoidhaltigen Oromukosalspray Sativex® einen geringen Zusatznutzen für die mittelschwere bis schwere Multiple Sklerose (MS)-induzierte Spastik bestätigt.

Das teilte Sativex-Hersteller Almirall mit. Basis des Beschlusses sind zwei klinische Studien. 

Der Sativex-Spray wird in der Mundhöhle angewandt. Er enthält die zwei zurzeit wichtigsten Wirkstoffe aus Cannabis – Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) – die über die Schleimhäute resorbiert werden und Muskelverspannungen (Spastik) bei MS lindern. Wie alle THC-haltigen Arzneimittel unterliegt Sativex® den Vorschriften des Betäubungsmittelgesetzes. 

Positive Studien zu Sativex für MS-Patienten bei Spastik

Nun liegen zwei klinische Studien zur Wirksamkeit von Sativex vor: GWSP 0604 und SAVANT.

Auf der Grundlage von Auswertungen der klinischen Studien hat der G-BA dem Sativex® -Spray nun einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen bescheinigt.

Der Ausschuss sieht den Zusatznutzen bestätigt für erwachsene Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Spastik aufgrund von MS, die nicht angemessen auf eine andere anti-spastische Arzneimitteltherapie mit mindestens zwei verschiedenen oralen, optimiert eingesetzten Spasmolytika angesprochen haben – davon mindestens ein Arzneimittel mit Baclofen oder Tizanidin als Wirkstoff. 

Die zweite Voraussetzung für den Zusatznutzen ist laut G-BA eine klinisch erhebliche Verbesserung der Symptome während eines Anfangstherapieversuchs mit Sativex®. Als zweckmäßige Vergleichstherapie hatte der G-BA eine optimierte  Standardbehandlung mit Baclofen (oral), Tizanidin oder Dantrolen unter Berücksichtigung der zugelassenen Dosierungen festgelegt.  

 Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/11/02/nach-dreimaliger-fristverlaengerung-g-ba-bescheinigt-sativex-zusatznutzen

Kommentar & Ergänzung:

Es ist sehr zu begrüssen, wenn Cannabis-Präparate nach und nach zu normalen Bestandteilen des Medikamenten-Sortiments werden, denn sie haben in einigen Situationen deutliche Vorteile. Begleitend dazu braucht es aber weitere Forschung und Überwachung, damit die Wirksamkeit, die genauen Anwendungsbereiche und auch die Risiken besser verstanden werden.

Zum Sativex-Spray siehe auch:

Sativex-Spray mit Cannabisextrakt gegen Spastik bei Multipler Sklerose in der Schweiz zugelassen

 

Cannabis als Heilmittel: Zulassung für Sativex-Spray in Deutschland

Wenn Sie sich für Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Cannabis und anderen Heilpflanzen interessieren und dazu fundiertes Wissen erwerben möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Rosenwurz-Wirkstoff verbessert Gedächtnisleistung im Alter

Forscher haben einen potenziellen neuen Ansatz für die Behandlung von altersbedingtem Verlust der Merkfähigkeit entdeckt

In einer immer älter werdenden Gesellschaft nehmen Gedächtnisstörungen in der Bevölkerung zu. Bisher ist es nicht gelungen Medikamente zu entwickeln, die dem altersbedingten kognitiven Abbau vorbeugen oder dem dauerhaften Gedächtnisverlust wirksam entgegenzusteuern können. Eine von Forschern der Leibniz-Institute für Neurobiologie (LIN) und für Pflanzenbiochemie (IPB) geleitete Studie, die in der Fachzeitschrift Science Advances publiziert wurde, belegt nun erstmalig in Tierexperimenten eine Gedächtnis-fördernde Wirkung eines pflanzlichen Esters als aktiver Wirkstoff aus der Medizinalpflanze Rhodiola rosea (Rosenwurz).

Um altersbedingtem Gedächtnisverlust vorzubeugen gibt es bisher keine wirksamen Strategien – abgesehen von körperlicher Bewegung. In der traditionellen Naturheilkunde sind Pflanzenpräparate zur Förderung der Gedächtnisleistung zwar weit verbreitet. Wegen schwankender Wirkstoffkonzentrationen können diese jedoch inaktiv sein oder zu Fehldosierungen führen – und zwar vor allem dann, wenn der Wirkstoff unbekannt ist. Dadurch sind weder die Wirkungen noch die Nebenwirkungen für Patienten und Mediziner berechenbar.

So ist zwar auch die förderliche Wirkung von Rhodiola rosea, der Rosenwurzpflanze, für die geistige Leistungsfähigkeit des Menschen schon seit längerem bekannt. Doch die Erstautorin der Studie, Dr. Birgit Michels vom LIN, erklärt dazu „Um dieses Wissen für die Medizin nutzbar zu machen, wollten wir herausfinden, welche konkreten Wirkstoffe aus Rhodiola das Gedächtnis verbessern.“

Ohne identifizierten Wirkstoff ist nämlich keine gezielte Dosierung, keine Pflanzenzucht, keine Qualitätskontrolle und somit auch keine Medikamentenentwicklung möglich. 

Für die Studie wurden aufwändige Biotests am LIN in Magdeburg, zunächst an Fliegenlarven, kombiniert mit der phytochemischen Analyse durch Wissenschaftler am IPB in Halle. Dadurch gelang es schlussendlich, die Substanz Ferulasäure-Eicosyl-Ester (FAE-20) aus Rosenwurz zu isolieren und chemisch eindeutig zu bestimmen. Diese Substanz kann die Gedächtnisleistung fördern. Chemisch handelt es sich dabei um ein strukturell einfaches Molekül. Trotzdem war die Identifizierung von FAE-20 als wirksame Komponente im Pflanzenextrakt sehr langwierig. Es sei komplizierter, eine kognitive Leistung wie Lernfähigkeit mit den Hunderten von Naturstoffen aus der Pflanze in Beziehung zu setzen, als es zum Beispiel bei der Suche nach neuen Antibiotika der Fall ist, sagt Prof. Dr. Ludger Wessjohann vom IPB. Mit der reinen Substanz, die in seinem Labor gewonnen wurde, konnte der Effekt von FAE-20 dann jedoch eindeutig belegt werden.

Als Nächstes interessierte die Wissenschaftler, ob sich auch bei alternden Fliegen das Gedächtnis verbessern lässt. Das Team konnte zeigen, dass nach Zugabe von FAE-20 in das Fliegenfutter die Gedächtnisleistung von gealterten Fruchtfliegen um ein Drittel besser war als bei ihren nicht behandelten Artgenossen. Die durchgeführten Lernexperimente basieren auf der sogenannten klassischen Konditionierung. Das bedeutet, dass die Tiere lernen, einen Duft mit einer Belohnung zu verknüpfen – beispielsweise durch Zucker. In Tests kann man dann prüfen, ob sie sich diese Verknüpfung gemerkt haben und den Duft nun attraktiver finden als zuvor.

Grundlagenforschung mit Rosenwurz

Außerdem konnten die Forscher belegen, dass FAE-20 die altersbedingte übermäßige Ansammlung von Proteinen an den Verbindungen der Nervenzellen im Gehirn der Fliege verhindert. „Alt“ bedeutet bei Fliegen allerdings nur ungefähr 14 Tage. Deshalb war es für die Wissenschaftler besonders ermutigend, zusammen mit den Kollegen der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen die positiven Effekte auf die Gedächtnisleistungen auch bei über 2 Jahre alten Mäusen bestätigen zu können.

Ausgehend von der positiven Wirkung der Rhodiola-Pflanze beim Menschen konnten die Wissenschaftler mit FAE-20 also einen konkreten natürlichen Wirkstoff identifizieren, der die Gedächtnisleistung im Alter verbessert – zumindest im Tiermodell.

Sie hoffen nun, dass ihre Entdeckung für die medizinische Demenzforschung nutzbar gemacht werden kann. Sie halten es für wahrscheinlich, dass ihre Resultate mit FAE-20 bei Tieren auch auf Menschen übertragen werden können. Bereits liegt auch eine Patentanmeldung zur neu gefundenen Anwendung von FAE-20 vor.

Quelle:

Pressemitteilung Leibniz-Institut für Neurobiologie

https://idw-online.de/de/news704706

Originalpublikation:

DOI: 10.1126/sciadv.aat6994

Kommentar & Ergänzung:

Solche Grundlagenforschung ist wichtig für die Weiterentwicklung der Phytotherapie. Natürlich wird aber die Bedeutung einer Entdeckung in solchen Pressemitteilungen gerne ins günstigste Licht gestellt. Oft geht es dabei darum, Investoren für weitergehende Forschungen zu finden. Und wenn man eine möglich Beeinflussung von Demenz in den Raum stellt,  dann erweckt das selbstverständlich Hoffnung und Aufmerksamkeit.

Von solcher Laborforschung ist es aber noch ein sehr weiter Weg bis zur Entwicklung eines wirksamen Medikaments, und das Vorhaben kann an vielen Stellen noch scheitern.

Bisher wird Rosenwurz in der Phytotherapie als Adagtogen eingesetzt. Er soll en Organismus bei der Bewältigung belastender Einflüsse unterstützen (z. B. Stress, Lärm, Schichtarbeit,in der Rekonvaleszenz).

Siehe auch:

Burnout-Syndrom: Adaptogene wie Ginsengwurzel, Taigawurzel, Rosenwurz

Taigawurzel, Ginseng, Rosenwurz & Co. – Was sind Adaptogene?

Rosenwurz (Rhodiola rosea / Orpin rose) gegen Stress & Müdigkeit

 

Rosenwurz (Rhodiola rosea) gehört zur Pflanzenfamilie der Dickblattgewächse (Crassulaceae).

Die Sukkulente wächst in Felsspalten in Hochebenen und an Meeresklippen in Europa (bspw. in Schweden und Finnland), Sibirien, Nordamerika, Grossbritannien und im Himalaya.

Die im Handel erhältlichen Wurzeln des Rosenwurz stammen zum grössten Teil aus dem Altai-Hochgebirge.

Rosenwurz ist unter dem Präparatenamen Vitango als Arzneimittel zugelassen.

Eine Filmtablette Vitango® enthält 200 mg Trockenextrakt aus Rhodiola-rosea-Wurzel und Rhodiola-rosea-Wurzelstock [DEV 1,5–5:1, Auszugsmittel: Ethanol 60 %).

Wer sich fundiertes Wissen über Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen – dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

Opiumtinktur als Fertigarzneimittel gegen Durchfall

Opiumtinktur ist ein altes Arzneimittel, das insbesondere bei schwerem Durchfall zur Anwendung kommt, dabei aber dem Betäubungsmittelgesetz unterliegt.

In Deutschland wurde vor kurzem das Fertigarzneimittel Dropizol eingeführt, das den Apotheken Erleichterung bringt, weil bei der Abgabe Prüfung, Abfüllung und Kennzeichnug entfallen.

Opiumtinktur wirkt über eine Hemmung der Darmperistaltik. Die Dauer der Wirkung wird auf drei bis vier Stunden beziffert.

 

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/dropizol-opiumtinktur-als-fertigarzneimittel-antidiarrhoika/

Kommentar & Ergänzung:

In der Schweiz ist Opiumtinktur erhältlich, die nach der Vorschrift des Arzneibuchs (Pharmakopöe) hergestellt ist, und natürlich auch dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt ist. Sie besteht aus Opium, Ethanol 70% ( = Alkohol) und gereinigtem Wasser.

Woraus besteht Opiumtinktur?

Opium wird gewonnen aus getrocknetem Milchsaft des Schlafmohns (Papaver somniferum), der aus den eingeschnittenen, unreifen Kapseln der Pflanze ausläuft.

Opium und damit auch Opiumtinktur enthält ein Gemisch von Opium-Alkaloiden, insbesondere Morphin, Codein, Thebain, Papaverin, Noscapin.

Zwar wird Opiumtinktur  heute nur noch selten eingesetzt.  Isoliert haben Opium-Alkaloide zum Teil aber immer noch grosse Bedeutung:

– Morphin als Schmerzmittel.

– Codein und Noscapin als Hustenstiller (Antitussiva) zur Linderung von trockenem Reizhusten.

– Papaverin zur Behandlung von Krämpfen der glatten Muskulatur (in der Schweiz kein Fertigarzneimittel mehr im Handel).

Diese Beispiel zeigen, dass die Natur durchaus potente Wirkstoffe zur Verfügung stellt, auch wenn Opiumtinktur und Opium-Alkaloide heute nicht mehr zur Phytotherapie gezählt werden.

Wenn Sie sich solide Kenntnisse der pflanzlicher Wirkstoffe und der Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen erwerben möchten, dann empfehle ich Ihnen meine Lehrgänge, das Heilpflanzen-Seminar und die Phytotherapie-Ausbildung.

Heilpflanzen-Seminar: Nächster Lehrgang startet ab 14. Juni 2019

Das Heilpflanzen-Seminar über 6 Wochenenden mit Start im Dezember 2018 ist bereits ausgebucht. Deshalb habe ich einen zusätzlichen Lehrgang ausgeschrieben mit Start am 14. Juni 2019.

Dieser Lehrgang beginnt mit dem Wochenende vom 14. – 16. Juni in Feldis (Graubünden). Wir werden dort auf Kräuterwanderungen Heilpflanzen, Wildkräuter und Alpenblumen in der Natur kennenlernen. Anschliessend mach der Lehrgang eine Sommerpause und fährt fort mit fünf Wochenenden (Sa/So) in Winterthur verteilt auf die Monate September / Oktober / November / Dezember.

Sie können in diesem Lehrgang in kompakter, verständlichen Form fundiertes Wissen über Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen erwerben.

Hier finden Sie die Detailausschreibung und die Anmeldemöglichkeit:

Heilpflanzen-Seminar Winterthur

 

Flavonoide zur Vorbeugung gegen Diabetes?

Bestimmte Nahrungsmittel können das Diabetesrisiko reduzieren. Dazu zählen Tee, Schokolade und Beerenobst – alles Lebensmittel mit einem hohen Anteil an Flavonoiden. Die gesunden Pflanzenstoffe sollen demnach den Blutzuckerspiegel und das Maß der Insulinresistenz senken.

Lebensmittel mit einer hohen Konzentration an Flavonoiden können das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, deutlich reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommen englische Wissenschaftler um die Ernährungswissenschaftlerin Aedin Cassidy. Die Studie konzentrierte sich auf die positive Wirkung bestimmter Flavonoide. Dazu zählen die blau-rot gefärbten Anthocyane in Beeren und Wein, aber auch Flavone, wie sie beispielsweise in Sellerie, Petersilie und Thymian vorkommen.

Die Studie sei eine der ersten großen zum Thema, wie diese bioaktiven Substanzen das Diabetesrisiko senken können, sagt Cassidy. Die Forscher untersuchten Blutproben von knapp 2.000 britischen Frauen auf Entzündungsmarker und prüften, wie gut die Regulierung des Blutzuckerspiegels bei den Testpersonen funktionierte. Die Insulinresistenz berechneten die Wissenschaftler aus Nüchternblutzucker und Nüchterninsulin. Ihre Ernährungsgewohnheiten dokumentierten die Frauen in einem umfangreichen Fragebogen.

Wie sich in der Studie zeigte, entwickelten Probandinnen, die mit der täglichen Ernährung viele Flavonoide aufnahmen, seltener eine Insulinresistenzwie sie für Diabetes charakteristisch ist.

Speziell Anthocyane zeigten darüber hinaus noch einen weiteren Vorteil: Sie verringerten das Risiko für chronische Entzündungsprozesse, die an der Entstehung von Krebs und Herz-Kreislauf-Krankheiten beteiligt sind.

Professor Tim Spector, der ebenfalls an der Studie beteiligt war, äusserte sich angesichts der “aufregenden Ergebnisse” zuversichtlich: “Sie zeigen, dass auch Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, die wir für ungesund halten – zum Beispiel Wein oder Schokolade – einen gesundheitlichen Nutzen haben könnten.“

Allerdings müssten die Resultate noch gründlich überprüft werden, bevor die Wissenschaftler eine generelle Empfehlung aussprechen wollen.

Ein Freibrief für Diabetiker, häufiger zur Zuckerbombe Schokolade zu greifen, ist die Studie daher nicht – zumal die gesunden Pflanzenstoffe hauptsächlich in Bitterschokolade mit hohem Kakao-Gehalt in grösseren Mengen vorkommen. Zudem wissen die Forsscher noch nicht, ab welcher Menge die Flavonoide ihren Diabetesschutz entfalten.

Flavonoide schützen das Erbgut vor Schäden

Flavonoide zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen und umfassen neben den Anthocyanen und Flavonen Viele weitere Untergruppen wie Isoflavone und Chalkone. Im Laborversuch zeigen Flavonoide antioxidative Effekte, das bedeutet: sie haben die Fähigkeit, Schäden vom Erbgut und anderen Molekülen abzuwehren und möglicherweise die Entstehung von Krebs zu verhindern. Tiere können keine Flavonoide produzieren. Im Pflanzenreich findet man sie dagegen vom Apfel bis zur Zwiebel fast überall.

 

Quelle:

https://www.morgenpost.de/web-wissen/gesundheit/article215583715/Flavonoide-im-Essen-So-gut-schmeckt-Diabetesschutz.html

Kommentar & Ergänzung:

Flavonoide sind sowohl in der Ernährung interessante Inhaltsstoffe als auch in der Phytotherapie wichtige Wirkstoffe.

Allerdings kann man es nicht genug sagen: diese Art von Studie kann nie einen eindeutigen ursächlichen Zusammenhang belegen, sondern nur Hinweise auf mögliche Zusammenhänge liefern.

Hier wird das Ernährungsverhalten von Bevölkerungsgruppen erfasst und mit Krankheiten und Störungen in Beziehung gesetzt. So sollen Zusammenhänge gefunden werden wie in dieser Studie: Wer viele Lebensmittel mit hohem Gehalt an Flavonoiden isst, bekommt weniger Diabetes. Der Knackpunkt: Es könnte sein, dass Menschen, die viele Lebensmittel mit hohem Flavonoidgehalt essen – Zum Beispiel Früchte, Beeren – auch sonst einen gesünderen Lebensstil pflegen als der Durchschnitt. So könnte es sein, dass der günstige Effekt auf Diabetes durch einen anderen Faktor ausgelöst wird, der noch nicht bekannt ist.

Solche epidemiologischen Studien, so nennt man die, werden oft durchgeführt in der Ernährungswissenschaft und oft wird ihre begrenzte Aussagekraft nicht erwähnt, wie auch in diesem Artikel in der Berliner Morgenpost.

Siehe dazu:

Ernährungswissenschaft: Fragwürdige Studien stiften mehr Verwirrung als Nutzen

So ist also nicht einwandfrei geklärt, ob Flavonoide das Diabetesrisiko senken. Dass sie antioxidativ wirken ist geklärt, allerdings im Labor. Damit ist auch hier nicht geklärt, ob ein positiver Effekt auch ausserhalb des Reagenzglases auftritt, im lebendigen Menschen.

Es spricht aber sehr viel dafür, dass Flavonoide als Bestandteil einer vielfältigen Ernährung  sinnvoll sind. Äpfel sind reich an Flavonoiden, blaue Beeren mit hohemn Gehalt an Anthocyanen wie Heidelbeeren, Holunderbeeren, Schwarze Johannisbeeren, Brombeeren, Kirschen..

In der Phytotherapie gibt es eine ganze Reihe von Heilpflanzen, deren Wirkung insbesondere auf Flavonoide zurückgeführt wird. Zum Beispiel Weissdorn, Ginkgo, Mariendistel, Buchweizenkraut.

Flavonoid-Pflanzen sind im allgemeinen sehr gut verträglich. Das hat auch damit zu tun, dass Flavonoide rasch wieder ausgeschieden werden. Darum müssen die Dosierungen hoch genug sein.

Wenn Sie interessiert sind daran, Wirkstoffe, Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten der Heilpflanzen fundiert kennenzulernen, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.