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Desinformation statt Information im Umgang mit Heilpflanzen

Cäcilia Brendieck-Worm hat in der Zeitschrift für Phytotherapie (Nr. 5 / 2018) einen interessanten Text publiziert unter dem Titel:

„Phytos im Aufwind: Der Medien-Hype und seine Folgen für die Phytotherapie“

Die Autorin befasst sich darin mit der Frage, wie Fachleute in der Phytotherapie mit dem Medien-Hype umgehen sollen, der immer wieder um Heilpflanzen und Heilpflanzen-Präparate entfacht wird.

Zitat:

„Seit den Anfängen hat sich viel geändert. Sprach man vor 25 Jahren kaum über pflanzliche Heilmittel, begegnet man heute täglich Anpreisungen von Heilpflanzen, sei es in Lebens- und Genussmitteln, in Tiernahrung, Pflegemitteln oder Kosmetika. Es ist ein regelrechter Heilpflanzen-Hype entstanden. Pflanzen werden zu Wunderdrogen. Derartige Tendenzen gab es schon sehr viel früher, z. B. beim Theriak.

Doc Google ist allgegenwärtig. Da kommen exotische Beeren und Kräuter geradezu in Mode, es wird große Propaganda für sie gemacht. Fakten werden aus dem Zusammenhang genommen und verallgemeinert. Es spielt keine Rolle, ob die angepriesenen Wirkungen in der Petrischale, beim Mäuseversuch oder bei der Anwendung am Hund festgestellt wurden. So wird aus Information Desinformation. Aus gesundheitsförderlichen Pflanzen wird Superfood, werden Wunderdrogen, die als Universalheilmittel missverstanden werden. Da sind Lüge und Betrug oft nicht mehr weit.

Man fragt sich, ob das derzeitige Szenario um heilkräftige Pflanzen so etwas wie eine „Phyto-Blase“ sein könnte, die platzen und die Pflanzen wieder in die Bedeutungslosigkeit zurückfallenlassen könnte, weil die irrationalen Erwartungen gar nicht erfüllbar sind.“

Kommentar & Ergänzung:

Pflanzliche Wundermittel kommen in Wellen. Mal ist es Schwedenbitter, mal Aloe vera, mal Zistrose, mal Chia-Samen…, die plötzlich als Heilmittel gegen nahezu alle Krankheiten hochgejubelt werden, und dann, wenn sie gewöhnlich geworden sind, wieder langsam in Vergessenheit geraten und durch neue Wundermittel abgelöst werden.

Meistens preschen dabei die Vermarktung und die Versprechungen mit Hochgeschwindigkeit davon, während die Klärung der offenen Fragen manchmal Jahre hinterher hinkt.

Fachleute der Phytotherapie sollten nicht unbesehen auf solche Wellen aufspringen, sondern ausdauernd auf der Klärung offener Fragen bestehen und einen Beitrag leisten zur Einordnung der betreffenden Heilpflanzen in den Wissensbereich der Phytotherapie.

Lehrende in der Phytotherapie stehen in der Verantwortung, Studierende zu befähigen, solche Versprechungen gründlich zu prüfen und dabei die Spreu vom Weizen zu trennen.

Das bedeutet auch, Grenzen aufzuzeigen und Schwachstellen in den Anpreisungen zu benennen.

So sehe ich jedenfalls meine Aufgabe als Leiter von Phytotherapie-Lehrgängen.

Wenn Sie an einem differenzierten Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen interessiert sind, das Möglichkeiten und Grenzen der Phytotherapie aufzeigt, dann empfehle ich Ihnen meine Lehrgänge, das Heilpflanzen-Seminar oder die Phytotherapie-Ausbildung.

Hausmittel: Heilpflanzen bei Erkältung & Husten

Das Magazin „Stern“ empfiehlt in einem Beitrag Hausmittel bzw. Heilpflanzen bei Erkältung und Husten. Der Artikel ist ein gutes Beispiel für Halb-Richtigkeiten und daher lehrreich.

Schauen wir uns die Empfehlung als phytotherapeutischer Sicht mal genauer an (Zitate aus dem Artikel kursiv):

„Manche Pflanzen entfalten ihre Wirkung am besten, wenn man einen Tee daraus zubereitet. Trockenen Husten lindern Königskerze oder Isländisches Moos, Thymian oder Efeu, Eibisch oder Huflattich. Hat sich der Husten festgesetzt, lässt er sich mit Wiesenschlüsselblume, Waldschlüsselblume, Pimpinelle, Anis oder Seifenkraut lösen.“

Kommentar:

Hier wird der löbliche Versuch gemacht, in der Behandlung zwischen  verschiedenen Hustenstadien zu unterscheiden:  „Trockener Husten“ und „festgesetzter Husten“. Letzteres ist unpräzis ausgedrückt. Es müsste wohl statt von „festgesetztem Husten“ von festgesetztem Schleim die Rede sein, dann wird es klarer, was gemeint ist, nämlich „Husten mit Auswurf“ oder „produktiver Husten“.

– Beim trockenen Husten fehlt hier meines Erachtens Malvenblüte, während Thymian wegen seinem auswurffördernden ätherischen Thymianöl eher zum produktiven Husten gehört, dort aber besser als Inhalation angewendet wird. Huflattich enthält toxische Pyrrolidinalkaloide und sollte besser durch risikolose Schleimpflanzen ersetzt werden (wie zum Beispiel Malvenblüten). Efeublätter sind nicht wie empfohlen zur Teezubereitung geeignet. Sie brauchen eine genaue Einstellung der Wirkstoffmenge. Das lässt sich nur mit einem Extraktpräparat erreichen (z. B. Prospan). Bei Eibisch ist wohl die Eibischwurzel gemeint. Dann ist es wichtig anzufügen, dass zur Teezubereitung ein Kaltauszug vorzuziehen ist.

– Beim produktiven Husten wäre darauf hinzuweisen, dass bei der Schlüsselblume die Schlüsselblumenwurzel wirksamer ist als die Schlüsselblumenblüte. Bei Seifenkraut musste ebenfalls die Wurzel zur Anwendung kommen. Seifenkraut ist aber sehr unüblich als Heilpflanze gegen Husten. Anisfrüchte wirken auswurffördernd, man muss sie aber vor der Teezubereitung zerquetschen. Thymian gehört auch zum produktiven Husten.

Bei „Pimpinelle“ ist unklar, welche Pflanze damit gemeint ist: Bibernellwurzel (von Pimpinella major und Pimpinella saxifraga), eine traditionelle Hustenpflanze, oder der umgangssprachlich oft als Pimpinelle bezeichnete Kleine Wiesenknopf (Sanguisorba minor), der eher in der Wildkräuterküche verwendet wird.

Hier ein weiteres Zitat:

„Wirkstoffe aus Mädesüßblüten und Weidenrinde lindern Schmerzen, hemmen Entzündungen und senken das Fieber. Speziell gegen Fieber wirken auch Tees aus Holunderblüten, Lindenblüten oder Chinarinde. Und bei einer Nebenhöhlenentzündung haben Sie eine große Auswahl an pflanzlichen Mitteln zur Auswahl: Schlüsselblume, schwarzer Holunder, Efeu, Kamille, Thymian, Eukalyptus, Fichtennadel.“

 

Kommentar:

Mädesüss und Weidenrinde enthalten beide Salicylsäureabkömmlinge, die potenziell schmerzlindernd und fiebersenkend wirken. Der Gehalt ist bei Weidenrinde sehr viel höher als bei Mädesüss. Zur Entzündungshemmung reicht der Gehalt im Mädesüss deshalb nicht aus und gegen Schmerzen und Fieber ist er auch zu knapp.

Holunderblüten und Lindenblüten gelten traditionell als schweisstreibend und damit als fiebersenkend. Ob das so zutrifft, ist ungeklärt.

Dass Chinarinde (Cinchona pubescens) fiebersenkend wirken soll, ist schlicht falsch. Sie wird angewendet bei Appetitlosigkeit, Blähungen und anderen Verdauungsstörungen.

Chinarinde kann die Blutungsneigung steigern, indem sie die Anzahl der Blutplättchen reduziert. Sie kann daher als Interaktion die Wirkung von blutgerinnungshemmenden Medikamenten verstärken. Schwangerschaft sowie Magen- und Darmgeschwüre gelten als Kontraindikationen für Chinarinde.  

Die Aufzählung der pflanzlichen Mittel bei Nebenhöhlenentzündung ist willkürlich. Schlüsselblume und Schwarzer Holunder werden hier wohl aufgeführt, weil sie Bestandteil des Phytopharmakons „Sinupret“ sind. Als Tee sind sie bei Nebenhöhlenentzündung unüblich und die Wirkung ist ausgesprochen fraglich. Efeu wird als Extrakt aus den Blättern (zum Beispiel als Prospan) gegen Husten eingesetzt und wirkt krampflösend und auswurfördernd auf die Bronchien. Sehr unüblich bei Nebenhöhlenentzündung.

Bei Kamille, Thymian, Eukalyptus und Fichtennadel müsste erwähnt werden, dass die Anwendung bei Nebenhöhlenentzündung nur inhalativ sinnvoll und un nur, wenn die Nasenwege frei sind. Kamillenblüten wirken dabei entzündungswidrig. Thymian, Eukalyptus und Fichtennadel wirken auswurffördernd und antimikrobiell, sie werden sinnvollerweise als Thymianöl, Eukalyptusöl und Fichtennadelöl inhaliert.  Durch Fichtennadelöl können Bronchospasmen verstärkt werden, weshalb es nicht bei Asthma bronchiale und Keuchhusten angewendet werden sollte.

Es gibt also durchaus interessante Möglichkeiten zur Behandlung von Erkältungen mit Heilpflanzen, aber es braucht dazu mehr Präzision, als dieser Beitrag des „Sterns“ liefert.

Falls Sie fundierte Kenntnisse der Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchten, können Sie das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

 

Warum Lavendelöl beruhigend wirkt

Lavendel wird seit Hunderten Jahren als Heilmittel gegen Einschlafstörungen und Unruhe verwendet. Mittlerweile wurden Wirkungen von Lavendelöl auch in medizinischen Studien bestätigt, das z.B. bei Angststörungen.

Doch wie die Wirkung von Lavendelöl zustande kommt, ist noch weitgehend unerforscht. Experimente an Mäusen zeigen nun überraschende Ähnlichkeiten zu Medikamenten auf.

Wissenschaftler um Hideki Kashiwadani von der Kagoshima Universität in Japan schreiben in einer Studie, dass Lavendel bzw. seine wirksamen Bestandteile vielleicht eine ungefährliche oder zumindest harmlosere Alternative zu angstlösenden Medikamenten werden könnten, zum Beispiel aus der Gruppe der Benzodiazepine, die zwar hochwirksam sind, jedoch auch sehr leicht abhängig machen. 

Ihre Wirksamkeit verdankt die Pflanze wahrscheinlich hauptsächlich dem ätherischen Lavendelöl mit seinem Hauptbestandteil Linalool. Wie genau diese Stoffe wirken bzw. an welche Rezeptoren sie andocken, ist gemäss den Studienautoren bis jetzt noch nicht untersucht worden.

Die Wirkstoffe könnten aus der Luft ins Blut gelangen und von dort ins Gehirn, wo sie dann an dieselben Rezeptoren binden wie Benzodiazepine. Die Mäuseversuche des Teams zeigten nun, dass wohl der Geruch von Linalool entscheidend ist. Der Dampf stimulierte in den Untersuchungen geruchssensible Nervenzellen in der Nase der Tiere und führte so zur Entspannung. Bei geruchsblinden Mäusen – denen die entsprechenden Nervenzellen fehlten – trat die Wirkung nämlich nicht ein.

Die Wirkstoffe könnten jedoch auch wirken, indem sie geschluckt oder injiziert werden, und danach der Geruch beim Ausatmen in die Nase steigt.

Wie der Wirkstoff am besten eingesetzt wird, muss noch untersucht werden, bevor er systematisch an Menschen getestet wird. Die Wissenschaftler sehen jedenfalls zahlreiche praktische Anwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel vor Narkosen, um den präoperativen Stress zu lindern. Die Inhalations-Variante wäre zudem praktisch für Menschen, die Schwierigkeiten beim Schlucken haben, beispielsweise Kinder und ältere Menschen.

Linalool aus Lavendelöl macht Mäuse mutiger

Was wurde genau untersucht?

Die Forscher der Kagoshima Universität untersuchten die Wirkung von Linalool, dem wahrscheinlichen Auslöser der beruhigenden Wirkung, in zwei verschiedenen Standard-Tests an Mäusen. Beim Hell-Dunkel-Box-Test ist ein Teil des Käfigs hell erleuchtet. Die nachtaktiven Tiere meiden die Helligkeit, sind jedoch gleichzeitig auch neugierig. Unter Anxiolytika (angstlösenden Medikamenten) überwinden sie ihre Lichtscheu und die Zeit, die sie dann im hellen Teil des Käfigs verbringen, ist ein Maß für den angstlösenden Effekts des jeweiligen Wirkstoffs.

Bevor die Mäuse getestet wurden, bedampften die Wissenschaftler sie eine halbe Stunde lang in einer Geruchskammer mit Linalool. Je mehr Linalool die Tiere geschnuppert hatten, umso größer war anschliessend ihre Bereitschaft, sich im Hellen zu bewegen. Ähnliche Wirkungen zeigten sich auch in dem anderen Standard-Test, dem Elevated-Plus-Maze-Test. Dabeiwird beobachtet, wie stark die Tiere ihre Höhenangst überwinden können. Auch in diesem Test wurden die Mäuse durch den Linalool-Duft mutiger.

In einem dritten Test zeigte sich, dass die Aromatherapie mit Linalool die Koordination und der Gleichgewichtssinn der Tiere nicht störte, ein Anzeichen dafür, dass die Behandlung möglicherweise keine sedierenden Nebenwirkungen hat – im Unterschied zu einer Behandlung mit Benzodiazepinen.

Ohne Geruchssinn geht mit Linalool nichts

Die entspannende Wirkung von Linalool konnte schon in zahlreichen Studien belegt werden, schreibt Co-Autor Hideki Kashiwadani von der Universität Kagoshima. In diesen Untersuchungen sei es aber in der Regel nicht um die Wirkorte von Linalool gegangen. Die japanischen Forscher konnten nun mit ihren Experimenten belegen, dass die Wirkung an den Geruchssinn gebunden ist. Bei Mäusen mit fehlendem Geruchssinn zeigte die Aromatherapie keinen Effekt.

Die Forscher kamen auch dem möglichen Wirkmechanismus auf die Spur. Die angstlösende Wirkung von Linalool konnte durch Gabe von Flumazenil aufgehoben werden. Der Benzodiazepin-Antagonist wird in der Anästhesie als Gegenmittel bei Überdosierungen oder zur schnellen Beendigung einer Narkose eingesetzt. Hieraus schlossen die Wissenschaftler, dass Linalool seine Wirkung über den gleichen GABA-ergen Rezeptor erzielt wie Diazepam und andere Benzodiazepine.

Bislang hätten viele angenommen, dass die Absorption von Linalool über die Atemwege ins Blut zu direkten Effekten an Hirnzell-Rezeptoren, wie dem GABA-A-Rezeptor führt, erläutert Kashiwadani und fährt fort: „Unsere Ergebnisse zeigen jedoch insgesamt, dass Linalool nicht direkt an den Rezeptoren angreift, sondern dass es diese über olfaktorische Neuronen in der Nase aktivieren muss, um die spannungslösende Wirkung zu erzielen.“

Für die japanischen Forscher ist diese Entdeckung ein Schlüsselschritt hin zur Erprobung der klinischen Anwendung am Menschen. Sie könnten sich vorstellen, dass verdampftes Linalool in einigen Einsatzgebieten eine sicherere Alternative zu anderen Anxiolytika sein könnte, beispielsweise in der Chirurgie zur Linderung von präoperativem Stress oder auch bei Patienten, die mit der oralen oder rektalen Anwendung von angstlösenden Mitteln Probleme hätten, wie etwa Kleinkinder oder verwirrte ältere Personen.

Quelle:

https://science.orf.at/stories/2943219/

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/11/01/entspannt-und-mutig-durch-lavendel

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnbeh.2018.00241/full

Die Studie

„Linalool odor-induced anxiolytic effectsin mice“, Frontiers in Behavioral Neuroscience (23.10.2018).

 

Kommentar & Ergänzung:

Natürlich ist bei Untersuchungen mit Tieren immer der Vorbehalt zu machen, dass die Ergebnisse nicht so ohne weiteres auf Menschen übertragen werden können.

Resultate aus klinischen Studien an Patienten sind daher abzuwarten, bis die Wirksamkeit bei Menschen beurteilt werden kann. Solche Studien werden aber wohl mit mindestens zwei Schwierigkeiten zu kämpfen haben:

  1. Da Linalool als Naturstoff nicht patentierbar ist, wird sich nicht so leicht eine Firma finden, die den hohen finanziellen Aufwand für klinische Forschung investiert. Und dass die Universität selber dafür die Mittel aufbringen kann, ist eher unwahrscheinlich.
  2. Bei klinischen Studien mit ätherischen Ölen ist es grundsätzlich schwierig, eine verblindete Placebo-Kontrollgruppe zu machen. Wie soll ein Placebo hergestellt werden, dass genauso riecht wie Linalool, aber kein Linalool ist? Bei irgendwelchen Tabletten ist es einfach, eine wirkstoffreie Kopie herzustellen. Bei einem ätherischen Öl ist es praktisch nicht möglich. Diese fehlende oder unvollständige Verblindung wird einer solchen Studie als Schwachpunkt ausgelegt werden.

 

Darum lohnt es sich  für Aromatherapie und Phytotherapie, gut über diese Ergebnisse aus Japan nachzudenken, obwohl es sich nur um Untersuchungen an Mäusen handelt.

Lavendelblüten und Lavendelöl wurden über lange Zeit vor allem als beruhigendes Mittel bei Schlafstörungen eingesetzt. Erst in den letzten paar Jahren wurde verstärkt zum Einsatzbereich als Anxiolytikum (angstlösendes Mittel) geforscht und entsprechende Präparate entwickelt (Lasea-Kapseln). Die dank Linalool-Duft mutiger werdenden Mäuse stützen nun diese Indikation. Interessant ist aber auch, dass die japanischen Forscher die Wirksamkeit ausdrücklich über die Inhalation vermittelt sehen, während Lasea als Kapsel eingenommen wird, und ebenfalls Wirksamkeit in Studien gezeigt hat.

Siehe dazu:

Broschüre zu Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Lavendelöl

 Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl / Lasea®-Kapseln bei Angststörungen

Lavendel bei Unruhe und Einschlafstörungen

Wer fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminarund der Phytotherapie-Ausbildung

Ananassaft als Hausmittel gegen Husten und Halsweh

Die österreichische Tageszeitung „Kurier“ stellt Hausmittel gegen Husten und Halsweh vor und empfiehlt dabei unter anderem Ananassaft:

„Der Saft der exotischen Frucht soll dabei bis zu fünf Mal effektiver als Hustensaft sein. Verantwortlich für die heilende Wirkung ist Bromelain, ein Enzym mit entzündungshemmenden und schleimlösenden Eigenschaften, das Infektionen bekämpft und Bakterien tötet. Die Ananas enthält reichlich davon. Der Fruchtsaft wirkt daher nicht nur schleimlösend, er lindert auch Halsschmerzen und Hustenanfälle. Frisch gepresster Ananassaft liefert auch Vitamin C, das gerade in der Grippesaison zur Stärkung der Immunabwehr beiträgt. Ein Glas deckt an die 50 Prozent des täglichen Tagesbedarfs.“

Abschliessen liefert der Artikel ein Rezept für Ananas-Hustensaft:

 

„1 Tasse frischer Ananassaft

1/2 Tasse Zitronensaft

1 Stück Ingwer

1 EL Honig oder Agavendicksaft zum Süßen

1/2 TL Zimt und/oder 1/2 TL Cayennepfeffer“

 

Alle Zutaten mischen und täglich bis zu drei Mal eine halbe Tasse davon trinken.

Quelle:

https://kurier.at/wellness/honig-bis-salzwasser-4-hausmittel-gegen-halsschmerzen/400321701

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Idee: Ananassaft gegen Husten und Halsweh – davon habe ich noch nie gehört. Aber es lohnt sich vielleicht, darüber nachzudenken. Woher die Aussage kommt, dass Ananassaft fünf Mal effektiver sei als Hustensaft, ist mir allerdings nicht nachvollziehbar.

Bromelain ist ein Enzymgemisch mit eiweissspaltender  (proteolytischer) Wirkung, gehört also zu den Proteasen.

Es kann in Enzympräparaten die Verdauung unterstützen und ist auch der Grund für die Empfehlung von Ananassaft zur Förderung der Verdauung, zum Beispiel bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, die normalerweise Verdauungsenzyme bereitstellt.

Bromelain wird aber insbesondere auch eingesetzt als Begleittherapie bei Schwellungszuständen nach Operationen und Verletzungen, insbesondere der Nase und der Nasennebenhöhlen, sowie bei oberflächlichen Venenentzündungen. In der Schweiz wird dafür das Präparat Traumanase® verschrieben.

Da Bromelain selber aus Eiweiss besteht, wird es im Magen grösstenteils bereits abgebaut, weshalb Traumanase® in Form von magenresistenten Präparaten hergestellt wird.

Ananassaft wird auch während Krebstherapien (Chemotherapie, Strahlentherapie) eingesetzt zur Linderung von Mukositis (Mundschleimhautentzündung). Siehe dazu:

Gefrorene Ananas lindert Mukositis (Mundschleimhautentzündung) bei Strahlentherapie

Eine entzündungswidrige Wirkung von Ananassaft ist also zumindestens denkbar, zum Beispiel bei Halsschmerzen. Gurgeln wäre da aber wohl effektiver als simples Trinken eines Sirups. Oder Lutschen von gefrorenen Ananasstückchen wie in der Krebstherapie.

Ob Ananassaft wirklich auch bei Husten wirkt, scheint mir schwer einschätzbar. Es dürfte auf die Art des Hustens ankommen.

Wenn Sie fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchten, können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung

 

Europäischer Bericht zu Cannabis in der Medizin veröffentlicht

Die Europäische Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) hat erstmals einen Report über die medizinische Verwendung von Cannabis und Cannabinoiden publiziert, der Überblick bietet über bisher verfügbare Belege zur Wirksamkeit.

Der Bericht Medical use of cannabis and cannabinoids: Questions and answers for policymaking“trage der Tatsache Rechnung, dass immer mehr europäische Länder in diesem Bereich politische Strategien und Verfahren entwickeln, liess die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) dazu verlauten.

Zahlreiche EU-Länder erlauben inzwischen die medizinische Verwendung von Cannabis oder Cannabinoiden in bestimmter Form oder ziehen eine solche Zulassung in Erwägung. In Bezug auf die verfolgten Ansätze bestehen jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern, und zwar sowohl hinsichtlich der zugelassenen Produkte als auch der rechtlichen Rahmenbedingungen für ihre Bereitstellung.

Das Verständnis der vielfältigen nationalen Ansätze sei wichtig, um „in der EU eine fundierte politische Debatte über dieses Thema führen zu können“, schreibt die EMCDDA.

Diese unterschiedlichen Ansätze wurden mit Hilfe einer Auswahl von Fallstudien aus Drittländern, etwa den USA, Kanada, Australien und Israel beschrieben.

Der medizinische Einsatz von Cannabis beziehe sich auf eine Vielzahl von Produkten und Präparaten, die verschiedene Wirkstoffe enthalten und in unterschiedlicher Qualität auf unterschiedlichem Weg verabreicht werden können.

Die EMCDDA zieht den Schluss, dass weitere Forschungsarbeiten und klinische Studien nötig sind, um in Zukunft „erhebliche Lücken in den verfügbaren Evidenzdaten“ zu schließen. So sei zwar beispielsweise die Wirkung von Cannabinoiden in der Palliativversorgung teilweise untersucht worden, für die ausreichende Evidenz des therapeutischen Nutzens seien jedoch größere sowie längerfristig angelegte Studien nötig. Vergleichbares gilt für die Anwendung von Cannabis und Cannabinoiden bei Schlafstörungen, Angststörungen, Depression, oder neurodegenerativen Erkrankungen.

In den meisten Ländern habe sich im Hinblick auf die Bereitstellung von Cannabis oder Cannabinoide enthaltenden Produkten und Präparaten für medizinische Zwecke im Laufe der Zeit ein Wandel vollzogen – und das oftmals als Reaktion auf die Nachfrage von Patienten oder Produktentwicklungen, sagt EMCDDA-Direktor Alexis Goosdeel. Bei diesem Thema sei es wichtig, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln, um eine Basis für Evaluierungen und Bewertungen zu schaffen.

Quelle:

https://science.orf.at/stories/2951314/

Der EMCDDA ist hier einsehbar:

http://www.emcdda.europa.eu/publications/rapid-communications/medical-use-of-cannabis-and-cannabinoids-questions-and-answers-for-policymaking_en

 

Kommentar & Ergänzung:

In den letzten Jahren hat sich bezüglich der Anwendung von Cannabis als Heilpflanze viel getan – in rechtlicher Hinsicht, durch neu zugelassene Cannabis-Präparate und im Bereich der Forschung.

Und natürlich gibt es forschungsmässig noch Lücken, die geschlossen werden müssen, damit ein klares Bild zu den sinnvollen Anwendungsbereichen von Cannabispräparaten entsteht, aber auch zu den Risiken und Grenzen.

In der Forschung steht neben Tetrahydrocannabinol (TCH) zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus.

In meinem Buchshop gibt’s eine aktuelle Broschüre zum Thema Cannabis als Arzneimittel:

Cannabis, von Klaus Häussermann, Franjo Grotenhermen und Eva Milz.

 

Siehe auch:

Cannabidiol (CBD) – ein Wirkstoff im Trend

Cannabis-Wirkstoffe: Neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

Cannabis-Therapie bei MS: Zusatznutzen von Sativex bei Spastik bestätigt

Cannabis als Medizin: Unterschiedliche Wirkung von Cannabis sativa und Cannabis indica

Und wenn Sie fundiertes Wissen über Cannabis als Arzneimittel und über andere Heilpflanzen erwerben möchten, dann empfehle ich meine Lehrgänge, die Phytotherapie-Ausbildung und das Heilpflanzen-Seminar.

 

 

Hausmittel: Heilpflanzen bei Halsschmerzen

„Focus“ veröffentlichte einen Artikel zum Thema „Hausmittel gegen Halsschmerzen“. Dabei kommen auch Heilpflanzen zur Sprache:

„Bei Tees hat sich, wie bereits erwähnt, der entzündungshemmende Salbei bewährt. Seine Gerbstoffe schützen die Schleimhaut und die enthaltenen ätherischen Öle desinfizieren. Aber auch Ingwer, Malvenblüten und Thymian helfen bei der Linderung von Halsschmerzen – beim Geschmack kann ein Löffel Honig nachhelfen. Der Genesung förderlich sind auch warme Wickel aus Kartoffel- oder Leinsamenbrei, oder warme Wickel getränkt in Thymian- oder Salbeitee. Wichtig: Sobald die Wärme nachlässt, sollte man den Wickel abnehmen oder gegen einen neuen Wickel tauschen!“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/experten/hausmittel-gegen-halsschmerzen-apotheker-gibt-tipps_id_9991183.html

Kommentar & Ergänzung:

Traditionell steht bei Halsschmerzen Salbei im Vordergrund. Für die Wirkung wird wie beschrieben das Zusammenwirken von entzündungswidrigen Gerbstoffen (Lamiaceengerbstoff) und ätherischem Öl (Salbeiöl) verantwortlich gemacht. Gurgeln ist hier sinnvoller als Teetrinken.

Ingwer dürfte wohl antimikrovbiell wirken.

Malvenblüten enthalten Schleimstoffe mit einhüllend-reizlindernder Wirkung – aber ohne antimikrobieller Wirkung.

Thymian enthält antimikrobielles Thymianöl mit dem Hauptbestandteil Thymol. Sein Hauptanwendungsgebiet ist allerdings Husten (auswurffördernde Wirkung).

Ob Wärmeanwendung in Form von Kartoffelwickel oder Leinsamen-Auflagen bei Halsschmerzen immer sinnvoll sind, ist für mich nicht so eindeutig. Bei starker Entzündung ist Kälte naheliegender, zum Beispiel als Quarkwickel.

Wer fundierte Kenntnisse über Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar

Zimt schädlich?

Immer wieder hört man Warnung vor der Einnahme von Zimt wegen dem Gehalt an Cumarin, das für die Leber schädlich ist. Wichtig ist bei diesem Thema, dass es verschiedene Zimt-Arten gibt, die sich im Cumaringehalt stark unterscheiden.

Cassia-Zimt von Cinnamomum cassia ist die bei uns am häufigsten erhältliche Zimtart. Sie enthält gesundheitsschädliches Cumarin in deutlich höherer Konzentration als Ceylon-Zimt aus Cinnamomum verum.

Unterscheiden zwischen Cassia-Zimt und Ceylon-Zimt

Für Cumarin ist gesichert, dass es in höheren Mengen Leberschäden verursachen kann. Experten des Bundesinstituts für Risikoforschung in Deutschland zufolge sollte eine erwachsene Person mit 60 Kilo auf Dauer nicht mehr als zwei Gramm Cassia-Zimt pro Tag einnehmen. Diese Menge entspricht zirka einem gestrichenen Teelöffel Zimtpulver. Für eine 90 Kilo schwere Person wäre die tägliche Einnahme von bis zu drei Gramm unbedenklich.

Solche Mengen an Zimt werden bei uns in der Regel nicht erreicht, ausser wenn jemand in der Adventszeit Zimtsterne in Massen isst.

Für Kinder wird Zimt im Übrigen schon in deutlich geringeren Mengen bedenklich. Für ein Kleinkind mit einem Gewicht von 15 Kilo ist die tägliche Obergrenze bereits bei 0,5 Gramm erreicht.

Die aufgenommene Zimtmenge könnte allenfalls bei Personen problematisch werden, die Zimt als Mittel bei Diabetes einnehmen. In Studien zu diesem Thema wurden Zimt-Dosen von 0,5 bis 6 Gramm pro Tag eingenommen.

Wichtig ist aber auch hier:

Im teureren Ceylon-Zimt ist im Gegensatz zum Cassia-Zimt kaum Cumarin enthalten. Leider wird auf den Zimt-Produkten oft nicht deklariert, ob sie Cassia-Zimt oder Ceylon-Zimt enthalten.

Ceylon-Zimt zum Beispiel für selbstgebackene Zimtsterne bekommt man in Apotheken und Drogerien.

Zum Thema Zimt und Diabetes siehe:

Zimt und Diabetes: Zur aktuellen Studienlage

Wer differenzierte und fundierte Kenntnisse über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

 

 

 

 

Zimt gegen Diabetes: Zur aktuellen Studienlage

Zimt verfeinert nicht nur als Gewürz Süßspeisen. Er soll auch bei Diabetes helfen durch Senkung des Blutzuckerspiegels

Das versprechen zumindest zahlreiche Internetseiten, die Zimtkapseln als gesundheitsförderndes Nahrungsergänzungsmittel für eine „natürliche“ Blutzuckerregulierung anpreisen.

Die zusammengefassten Resultate bisheriger Studien zeigen allerdings, dass Zimt den Blutzuckerspiegel bei Diabetikerinnen und Diabetikern wahrscheinlich nicht beeinflusst.

Das Portal medizin-transparent hat mehrere wissenschaftliche Datenbanken nach entsprechenden Forschungsarbeiten durchforstet. Insgesamt konnten die Wissenschaftler elf einigermaßen aussagekräftige Studien finden. Die zusammengefassten Resultate dieser Studien sind jedoch enttäuschend und weisen darauf hin, dass Zimt den Blutzuckerspiegel von Diabetes-Betroffenen wahrscheinlich nicht günstig beeinflussen kann.

Für die Studien wurden mehr als 900 Menschen mit Diabetes per Zufall einer von zwei Gruppen zugelost. Eine Gruppe bekam täglich Nahrungsergänzungsmittel mit Zimt, die andere Gruppe ein wirkstoffloses Scheinpräparat. Nach Abschluss der Studien unterschieden sich die Blutzuckerwerte in Summe nicht zwischen beiden Gruppen.

Die Studien dauerten allerdings nur zwei bis vier Monate. Eine längerfristigere Wirkung von Zimt – zum Beispiel auch auf gesundheitliche Folgen durch eine Diabeteserkrankung – wurde bisher gar nicht untersucht.

Medizin-transparent stellt die Studien im Detail vor:

In einer systematischen Übersichtsarbeit fassten ein Wissenschaftler und eine Wissenschaftlerin aus Australien die Studienlage zu Zimt und Diabetes bis Januar 2012 zusammen. Insgesamt fandes sie zehn randomisiert-kontrollierte Studien an 577 Personen mit Typ 1 oder Typ 2 Diabetes.

In diesen Studien waren die Probanden per Zufall (randomisiert) einer von zwei Gruppen zugeteilt worden. Eine Gruppe bekam Kapseln oder andere Präparate mit Zimt. Die andere Gruppe erhielt ein gleich aussehendes Placebomittel ohne Zimt. Die tägliche Zimt-Dosis reichte von 0,5 bis 6 Gramm. Die Einnahmedauer betrug ein bis vier Monate. Die Versuchspersonen stammten hauptsächlich aus wohlhabenden Staaten wie den USA, Deutschland oder Großbritannien, aber auch aus Ländern wie Thailand, Pakistan oder dem Libanon.

Sechs der zehn Studien verglichen am Ende der Untersuchung eine Maßzahl für den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel innerhalb der vergangenen drei Monate – den HbA1c-Wert. Dieser Wert steht für den Anteil des Blutfarbstoffs Hämoglobin, an den der im Blut vorkommende Zucker Glucose gebunden ist. Für Experten ist er bei der Behandlung von Diabetes aussagekräftiger als eine einmalige Messung des Blutzuckers. Beim Studienende zeigte sich praktisch kein Unterschied der HbA1c-Werte zwischen der Zimt- und der Placebo-Gruppe.

Kein Unterschied zeigte sich am Studienende auch beim Nüchtern-Blutzucker, den sechs Studien untersuchten.

Da die erwähnte Übersichtsarbeit nur Studien bis Januar 2012 berücksichtigt hat, suchten die Fachleute von Medizin-transparent in Forschungsdatenbanken nach aktuelleren wissenschaftlichen Resultaten.

Sie fanden dabei sieben weitere randomisiert-kontrollierte Studien, die den HbA1c-Wert bei den untersuchten Personen erhoben haben. Zwei dieser Studien waren äußerst mangelhaft in der Durchführung, sodass ie als nicht aussagekräftig eingestuft wurden.

Die restlichen fünf Studien stammen alle aus dem Iran und umfassten 359 Männer und Frauen mit Diabetes. Eine Zusammenfassung dieser iranischen Daten mit den Ergebnissen der älteren systematischen Übersichtsarbeit bestätigte das Resultat des australischen Forschungsduos von 2012: Mit Zimt lässt sich der HbA1c-Wert von Diabetikerinnen und Diabetikern wahrscheinlich nicht verbessern.

Medizin-Transparent weist aber darauf hin, dass die Studienergebnisse die Wirkung von Zimt nur über eine Dauer von maximal vier Monaten wider. Darum lässt sich nicht völlig ausschließen, dass Zimt über einen längeren Zeitraum doch noch eine kleine Wirkung zeigt.  Die Beurteilung enthält auch einige Unsicherheiten, weil die Qualität der meisten Studien zu wünschen übrig lässt. Zum Beispiel ist nicht immer ausgeschlossen, dass sich Zimt- und Placebogruppe in einzelnen Punkten schon vor Studienbeginn unterschieden. Dadurch wird es schwieriger, die beiden Gruppen zu Studienende zu vergleichen. In etlichen Fällen könnte das Resultat zudem verzerrt sein, weil Probanden vorzeitig aus der Studie ausgeschieden sind. Darüber hinaus ist die Zahl der Probanden in den meisten Studien sehr klein.

Trotz allem weichen die Resultate der Einzelstudien nach Einschätzung der Fachleute von Medizin-transparent nicht stark voneinander ab und deuten in dieselbe Richtung. Das bedeutet, dass die Resultate der Übersichtsarbeit von 2012 bestätigt wurden.

Quelle

https://www.medizin-transparent.at/zimt-wirkung-diabetes

 

Kommentar & Ergänzung:

Beim Thema Zimt und Diabetes erleben wir eine ernüchternde Entwicklung der Studienlage. Denn eine im Dezember 2003 in der renommierte Zeitschrift  „Diabetes Care“ publizierte randomisierte und Placebo-kontrollierte Studie der Agricultural University in Peshawar (Pakistan) kam zu beeindruckenden Ergebnissen.

Die Forscher untersuchten insgesamt 60 Personen mit Typ-2-Diabetes, 30  Frauen und 30 Männer. Sie ergänzten die Nahrung der Verum-Gruppe mit 1, 3 oder 6 Gramm Zimt pro Tag in Form von Kapseln  à 500mg, während die Placebo-Gruppe identisch aussehende zimtfreie Kapseln erhielt.  Zimt bzw. Placebo wurden während 40 Tagen eingenommen. Anschliessend folgte eine 20tägige Wash-out-Phase.

An den Tagen 0, 20, 40 und 60 wurden die Blutwerte von Glukose, Triglyzeriden, Gesmtcholesterin, HDL-Cholesterin und LDL-Cholesterin bestimmt.

Die Ergebnisse waren eindrücklich:

Glukose:

Nach 40 Tagen wurden in allen drei Verum-Gruppen (1, 3 und 6 Gramm) eine signifikante Verminderung des Nüchtern-Blutzuckers um  18 – 29 %festgestellt, die jedoch nicht dosisabhängig war.

Triglyceride:

Auch die Triglyceride waren nach 40 Tagen signifikant vermindert um 23 – 30 %.

Gesamtcholesterin:

Hier zeigten sich schon nach 20 Tagen Zimteinnahme signifikante Werte (minus 12 – 26%), welche dann in den Gruppen mit 1 Gramm und 6 Gramm nach 40 Tagen auf ähnlichem Wert blieben und  nur in der Gruppe mit 3 Gramm weiter absanken. Auch nach der 20-Tage-Wash-out-Phase blieben diese Werte in den drei Gruppen erhalten.

LDL:

Durchschnittliche Reduktion nach 40 Tagen um 7-27 %. Die Gruppen mit 3 Gramm und 6 Gramm Zimt erreichten mit 10% respektive 24 % nach 40 Tagen signifikante Werte. In der 1-Gramm-Gruppe war dies  nach 40 Tagen noch  nicht soweit. Die Werte sanken jedoch in der Wash-out-Phase weiter und ereichten nach 60 Tagen Signifikanz!

HDL:

Bei den HDL-Werten wurden keine signifikanten Veränderungen festgestellt.

Placebo:

In allen Placebo-Gruppen blieben die Werte  bei jeder Messung gleich

Die günstigen Effekte waren auch 20 Tage nach Absetzen des Zimts zumindestens teilweise immer noch messbar, doch stiegen die Blutzuckerwerte nach Beendigung der Einnahme wieder an.

Mit 3 und 6 Gramm Zimt liessen sich keine besseren Ergebnisse erzielen als mit 1 Gramm. Die Einnahme des Zimts bewirkte keine unerwünschten Nebenwirkungen . Ein akuter Zuckermangel, eine der häufigsten und gefährlichsten Nebenwirkungen von Antidiabetika, trat mit Zimt offenbar nicht auf.

Und nun mit Stand 2018 sieht die Studienlage zur Wirkung des Zimts gegen Diabetes sehr anders aus. Was lernen wir daraus?

Eine erste erfolgreiche Studie bringt noch kein einwandfreies Ergebnis. Die Vermarktung von Produkten wie Zimtkapseln startet aber oft bereits mit hoher Intensität schon auf der Grundlage dieser ersten positiven Studie. Folgen dann Studien mit negativen Ergebnissen, werden diese kaum mehr zur Kenntnis genommen – weder von den Herstellern der Produkte noch von den Konsumentinnen und Konumenten.

Zur Diskussion um ein allfälliges Risiko durch Cumarine aus dem Zimt:

Zimt schädlich?

Wer differenzierte und fundierte Kenntnisse über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

 

Grüntee gut fürs Zahnfleisch

T-online hat einen Beitrag über Grüntee veröffentlicht. Darin wird von einer positiven Wirkung des Grüntees auf  das Zahnfleisch berichtet:

„Wer regelmäßig grünen Tee trinkt, stärkt damit sein Zahnfleisch. Das bestätigen japanische Forscher der Universität Kyushu. Sie beobachteten bei 940 Männern im Alter zwischen 49 und 59 Jahren, wie sich Teekonsum auf das Zahnfleisch auswirkt. Als Kriterien wurden Vertiefungen der Zahnfleischtasche, Zahnfleischverlust und Blutungshäufigkeit herangezogen.“

Quelle:

https://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_42896396/gruener-tee-sieben-gruende-warum-er-so-gesund-ist.html

Kommentar und Ergänzung:

Ich habe mir die Studie im „Journal of Peridontology“ angeschaut:

https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1902/jop.2009.080510

Die Forscher verglichen die täglich konsumierte Menge an Grüntee mit dem Zustand des Zahnfleischs. Diese „epidemiologisch“ genannte Forschung hat einen Haken: Sie liefert nur Hinweise auf mögliche Zusammenhänge, aber keine einwandfreien Belege. Es könnten Faktoren entscheidend sein, die noch nicht bekannt sind. Zum Beispiel könnten Personen, die viel Grüntee trinken, auch sonst gesünder leben, und es könnte irgendein unbekannter Faktor aus diesem „gesünder leben“ den besseren Zustand des Zahnfleischs bewirken. Denkbar wäre zum Beispiel, dass Personen, die viel Grüntee trinken, weniger Cola konsumieren. Wenn nun zum Beispiel Cola schädlich für das Zahnfleisch wäre, dann könnte das gesündere Zahnfleisch vom Weglassen des Colas her rühren und nicht vom in grösseren Mengen konsumierten Grüntee.

Endgültige Antworten liefert diese Studie also nicht.

Trotzdem halte ich den günstigen Einfluss von Grüntee auf das Zahnfleisch für plausibel – und zwar aufgrund des Gehalts an Gerbstoffen. Heilpflanzen mit Gerbstoffen werden schon lange zur Behandlung von Zahnfleischentzündungen und Mundschleimhautentzündungen (z. B. Schwarztee, Blutwurz, Ratanhia).

Wenn Sie fundiertes Wissen über Heilpflanzen erwerben möchten, dann empfehle ich dafür meine Lehrgänge, das Heilpflanzen-Seminar und die Phytotherapie-Ausbildung.

Umkaloabo und Kaloba – was ist der Unterschied?

Umckaloabo® ist ein Erkältungsmittel aus Pelargonium sidoides (Kapland-Pelargonie).

Kaloba® ist ein identisches Präparat. Der einzige Unterschied:

Kaloba® wird von der Grundversicherung bezahlt, wenn eine Arzt oder eine Ärztin es verschreibt. Kaloba® ist weniger bekannt als Umckaloabo®, weil dafür keine Publikumswerbung gemacht werden kann.

Die Zusammensetzung ist aber identisch:

1 g Lösung enthält 800 mg Flüssigextrakt (1:8–10) aus den Wurzeln von Pelargonium sidoides.

Kaloba und Umckaloabo werden angewendet bei akuter Bronchitis (Entzündung der Bronchien). Für diesen Anwendungsbereich gibt es Studien, die eine Wirksamkeit belegen. Diese Studien  gelten nur für Umckaloabo® / Kaloba®. Sie lassen sich auf andere Präparate aus Pelargonium sidoides, die anders hergestellt wurden, nicht so einfach übertragen.

 

Siehe auch:

Metaanalyse zeigt: Umckaloabo lindert Atemwegsinfekte

Phytotherapie: Umckaloabo-Studien

Phytotherapie: Umckaloabo / Pelargonium sidoides bei Erkältungen

Wenn Sie lernen möchten, wie sich Naturheilmittel und Phytopharmaka beurteilen lassen, und wenn Sie die Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen fundiert kennenlernen möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar