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Lebererkrankungen bleiben oft lange unbemerkt

Eine Lebererkrankung kann zahlreiche verschiedene Auslöser haben. Die häufigsten Ursachen sind Infektionen mit Hepatitisviren, übermäßiger Alkoholkonsum und Übergewicht. Ungesunde Ernährung kann die Leber ebenfalls krank machen. Eine Fettleber kann aber auch durch Medikamente oder eine genetische Veranlagung ausgelöst werden.

Von einer nicht-alkoholischen Fettleberentzündung ist die Rede, wenn falsche Ernährung oder eine Störung des Stoffwechsels (z.B. Diabetes mellitus) dafür verantwortlich sind. Solchen Fettleberentzündungen kommen immer häufiger vor. Viele Betroffene merken es gar nicht, wenn die Leber krank wird, denn sie zeigt keine Schmerzen. Darum dauert es oft lange, bis eine Lebererkrankung erkannt wird. Dann ist sie häufig schon in einem weit fortgeschrittenen Stadium.

Eine regelmäßige Kontrolle der Leberwerte und eine frühe Diagnose sind deshalb wichtig, um mit gezielten Maßnahmen ein weiteres Fortschreiten einer Lebererkrankung zu verhindern.

Wird die Lebererkrankung frühzeitig erkannt, kann unter Umständen je nach Krankheitsbild eine vollständige Heilung und eine Regeneration des Lebergewebes erreicht werden. Hepatitis B und Hepatitis C, hervorgerufen durch Infektionen mit dem Hepatitis B- bzw. Hepatitis C-Virus, können inzwischen gut behandelt werden. Bei der Fettleberhepatitis sind gesunde Ernährung und Bewegung sowie gegebenenfalls eine Optimierung der Diabetes-Therapie ausschlaggebend, um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

Wird die Grunderkrankung nicht genügend behandelt, kann es zu einer Vernarbung des Lebergewebes (Zirrhose) oder zu einem Leberzellkrebs (Hepatozelluläres Karzinom) kommen.

Weitere Informationen über Lebererkrankungen unter www.deutsche-leberstiftung.de

Kommentar & Ergänzung:

Zu den Medikamenten, die häufig die Leber schädigen, zählen neben Paracetamol und nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) vor allem Antibiotika.

Neuere Forschungen weisen daraufhin, dass Fruchtzucker (Fruktose) eine Fettleber begünstigen kann. Dies haben Wissenschaftler allerdings nur beobachtet, wenn die Studienteilnehmer große Mengen Fruktose aufnahmen, etwa in Form von fruchtzuckerhaltigen Limonaden und Softdrinks.

Kaffee soll zudem gemäss neueren Studien günstig auf die Leber wirken.

In der Phytotherapie gilt Mariendistel (Silybum marianum) als „Leberpflanze“.

Aus der Forschung gibt es Hinweise darauf, dass der Mariendistel-Wirkstoff Silymarin die Leber vor manchen schädlichen Stoffen schützen und die Funktion der Leber bei chronischen Lebererkrankungen verbessern kann. Mariendistel ist eine interessante Heilpflanze und nach gegenwärtigem Wissensstand sehr gut verträglich.

Allerdings wird sie meinem Eindruck nach von manchen Praktikern in der Naturheilkunde ziemlich nebulös eingesetzt. Beispielsweise vorbeugend zur Leberstärkung bei „Leberschwäche“ (Was heisst das genau?) oder zur Förderung der „Entgiftung“ (Welche Gifte sollen da auf welche Weise raus?).Mir scheint es jedenfalls fragwürdig, Mariendistel mit derart nebulösen, diffusen Begründungen wie „Leberschwäche“ oder zur „Entgiftung“ einzusetzen.

Die Indikationen für eine Mariendistelanwendung sollten enger und klarer gefasst werden: Prophylaxe gegenüber toxischen Leberschäden, unterstützende Behandlung bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen und Leberzirrhose.

Klar ist zudem: Lebererkrankungen gehören in ärztliche Behandlung.

Entschliesst man sich zu einer Mariendisteltherapie, dann sollte die Dosierung ausreichend hoch sein (200 – 400 mg Silymarin als Tagesdosis). Damit diese Dosierung erreicht werden kann, kommen Präparate mit reinem Silymarin oder mit Mariendistelextrakt zur Anwendung. Mit Mariendisteltinktur lässt sich kaum genügend Wirkstoff zuführen und Mariendisteltee ist wegen der geringen Wasserlöslichkeit des Wirkstoffs Silymarin ungeeignet.

Vorbeugend gegen Lebererkrankungen hilft hauptsächlich – soweit möglich – ein leberfreundlicher Lebensstil.

Dazu gehören eine ausgewogene, kalorienarme Ernährung mit ausreichend Bewegung, Masshalten beim Alkoholkonsum und sofern möglich bei der Einnahme von Schmerzmitteln wie Paracetamol und NSAR (nicht unnötig lang, nicht zu hoch dosiert) sowie die Impfung gegen Hepatitis A und Hepatitis B.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Mariendistel hat auch antivirale Wirkung

Silibinin (Legalon® SIL) i.v. ist wirksam gegen das Hepatitis-C-Virus (HCV) und gegen HIV. Diesen Schluss legt die Kasuistik einer mit beiden Viren infizierten Patientin nahe (J Clin Virol online).

Die Frau hatte vorgängig nicht auf die HCV-Standardtherapie angesprochen. Eine antivirale HIV-Therapie war nicht indiziert. Silibinin wurde zwei Wochen verabreicht, nach einer Woche zusätzlich die HCV-Standardtherapie. Nach zwei Wochen liess sich keine HCV- und HIV-RNA mehr nachweisen. Das blieb bei der HCV-RNA bis Woche 24 so, während die HIV-RNA-Menge erneut auf das Ausgangsniveau anstieg.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/hepatitis/article/611851/mariendistel-antivirale-eigenschaften.html?sh=17&h=-1895162575

Zur Originalarbeit:

http://www.journalofclinicalvirology.com/article/S1386-6532(10)00273-8/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Die Mariendistel-Inhaltstoffe werden seit einiger Zeit auf antivirale Eigenschaften hin erforscht – mit durchaus interessanten Ergebnissen. Die Meldung aus der Aerztezeitung  darf aber nicht überinterpretiert werden:

Es handelt sich um einen einzigen beschriebenen Fall. Silibinin wurde in Reinform und intra venös verabreicht, so dass sich dieses Resultat nicht einfach auf perorale Anwendungsformen wie Mariendisteltinktur oder Mariendistelextrakt übertragen lassen. Genau genommen lässt sich aus dem beschriebenen Fall nicht schliessen, dass Mariendistel antiviral wirkt, sondern allenfalls, dass Silibinin antiviral wirkt.

Vor allem Mariendistel-Extrakte sind in der Phytotherapie für ihre Leberschutzwirkung bekannt. In diesem Bereich ist Mariendistel die wichtigste der Heilpflanzen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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