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Zur Dosierung von Baldriantinktur

Immer wieder gibt es Diskussionen zur richtigen Dosierung von Baldriantinktur. Die Position der Phytotherapie-Fachliteratur ist hier sehr eindeutig: 

Baldriantinktur nicht unterdosieren!

Dazu ein paar Zitate:

“Leitfaden Phytotherapie” von Heinz Schilcher (Hrsg.):

“Die traditionelle Anwendung von Baldriantropfen (Baldriantinktur) von 10 – 20 Tr. auf einem Würfel Zucker ist häufig eine deutliche Unterdosierung und kann zu paradoxen Reaktionen führen. Richtig ist eine Dosierung von 1/2 – 1 TL (2-3 ml) Baldriantropfen.”

“Phytotherapie” von Margret Wenigmann:

“Bei manchen Menschen sind paradoxe Reaktionen möglich, v. a. bei der traditionellen Anwendung von Baldriantinktur in zu geringer Dosierung (traditionell 10 – 20 Tr.auf einem Stück Zucker).” Auch Wenigmann empfiehlt als Dosierung für Baldriantinktur 1/2 – 1 TL = 1 – 3 ml.

“Lehrbuch der Phytotherapie” von Fintelmann / Weiss / Kuchta:

“Therapeutische Empfehlung: Um gute Erfolge zu erzielen, müssen grössere Mengen Baldrian eingenommen werden, z. B. 1 – 2 TL der Tinktur. Überdosierungen sind dabei kaum zu befürchten.”

Diese Autoren gehen in der empfohlenen Dosierung also noch deutlich höher als Schilcher und Wenigmann.

☛ Reinhard Länger und Wolfgang Kubelka von der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie weisen im “Phytokodex” darauf hin, dass in der Baldriantinktur die Inhaltsstoffe im Vergleich zur Baldrianwurzel “im Verhältnis von ca. 1 : 5 verdünnt vorliegen”.Daraus ziehen sie den Schluss: “Die in der Literatur empfohlene Dosierung der Tinktur (Baldriantropfen) von 1,5-3 g erscheint deutlich zu niedrig,…”

Quelle: https://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Baldrianwurzel.html 

Drei Anmerkungen darüber hinaus:

  1. Es spricht viel dafür, dass Baldrian seine Wirksamkeit erst bei einer Anwendung über mehrere Wochen voll entfaltet.
  2. Die Phytotherapie-Fachliteratur empfiehl in der Regel Baldrianextrakt-Präparate anstelle von Baldriantee oder Baldriantinktur. Dies weil Baldriantee geschmacklich eine Zumutung ist und weil Baldriantinktur im Vergleich zu Baldrianextrakt einen deutlich tieferen Wirkstoffgehalt aufweist. Bei Baldrianextrakt-Präparaten mit rund  500 – 600 Baldrianextrakt pro Tablette ist der Wirkstoffgehalt gegenüber der Baldriantinktur deutlich höher.
  3. In der traditionellen Anwendung von Heilpflanzen wird die Bedeutung der richtigen Dosierung und der optimalen Zubereitungsform (z. B. Kräutertee, Tinktur, Extrakt) stark unterschätzt.

Wer fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

Kann Kaffee Alzheimer und Herzkrankheiten vorbeugen?

Je dunkler der Kaffee geröstet wird, desto besser soll er fürs Gehirn sein. Dieses Fazit ziehen Wissenschaftler der University of Toronto in einer Studie.

Kaffee mit dunkler Röstung soll demnach Gehirnkrankheiten wie Parkinson oder Alzheimer vorbeugen.

Ausschlaggebend für diese Wirkung soll eine Gruppe von Inhaltsstoffen sein, die Phenylindane, die im Zuge der Röstung entstehen. Untersucht wurden drei Kaffeesorten – heller Röstung, dunkler Röstung und entkoffeinierter dunkler Röstung. Die Studienautoren Ross Mancini, Yanfei Wang und Donald Weaver schreiben, dass dunkle Röstungen (auch in entkoffiinierter Variante) besonders viele Phenylindane enthalten, die wiederum die Produktion von mit Alzheimer und Parkinson in Verbindung stehenden Proteinen (Beta-Amyloid und Tau) hemmen.

Je länger die Röstung, desto mehr potentiell gesunde Phenylindane im Kaffee

Auf die Frage, welche Menge von Kaffee für eine vorbeugende Wirkung nötig ist, gibt die Untersuchung hingegen keine Antwort.

Ungeklärt bleibt auch, ob Kaffee als therapeutisches Mittel bei bestehenden Erkrankungen eingesetzt werden könnte. Dazu bedürfe es weiterer Forschung, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle:

https://diepresse.com/home/leben/gesundheit/5528069/Studie_Kaffee-wirkt-gegen-Alzheimer-und-Herzkrankheiten

Originalstudie:

Phenylindanes in Brewed Coffee Inhibit Amyloid-Beta and Tau Aggregation

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnins.2018.00735/full

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessant finde ich, dass die Röstung hier eine Rolle zu spielen scheint. Allerdings muss auch gesagt werden, dass wir es hier mit einer reinen Laboruntersuchung zu tun haben. Ob dunkel gerösteter Kaffee bei Menschen tatsächlich vorbeugend gegen Alzheimer und Parkinson wirkt, könnte nur durch eine Langzeitstudie mit einer Kontrollgruppe geklärt werden. Da solche Studien sehr aufwendig und teuer sind, ist es eher unwahrscheinlich, dass sie in Angriff genommen werden. Obwohl die Kaffee-Industrie die finanziellen Ressourcen dazu bestimmt hätte.

Da beim Rösten von Kaffee Stoffe entstehen, die die Ausschüttung von Magensäure verlangsamen können, sollen stark geröstete Bohnen besser magenverträglich sein. Bezüglich Verträglichkeit spielen aber auch wohl individuelle Faktoren und die Kaffeesorte eine Rolle.

Kaffee taucht in der Phytotherapie-Fachliteratur nicht auf, obwohl die Kaffeebohne selbstverständlich aus der Pflanzenwelt stammt. Kaffee gilt heute ganz offensichtlich nicht als Arznei, sondern als Genussmittel. Immerhin wird Kaffee aber hinsichtlich seiner gesundheitlichen Auswirkungen intensiv erforscht und er ist eine bedeutende Quelle für Antioxidantien.

 

 

 

 

 

 

Flavonoide zur Vorbeugung gegen Diabetes?

Bestimmte Nahrungsmittel können das Diabetesrisiko reduzieren. Dazu zählen Tee, Schokolade und Beerenobst – alles Lebensmittel mit einem hohen Anteil an Flavonoiden. Die gesunden Pflanzenstoffe sollen demnach den Blutzuckerspiegel und das Maß der Insulinresistenz senken.

Lebensmittel mit einer hohen Konzentration an Flavonoiden können das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, deutlich reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommen englische Wissenschaftler um die Ernährungswissenschaftlerin Aedin Cassidy. Die Studie konzentrierte sich auf die positive Wirkung bestimmter Flavonoide. Dazu zählen die blau-rot gefärbten Anthocyane in Beeren und Wein, aber auch Flavone, wie sie beispielsweise in Sellerie, Petersilie und Thymian vorkommen.

Die Studie sei eine der ersten großen zum Thema, wie diese bioaktiven Substanzen das Diabetesrisiko senken können, sagt Cassidy. Die Forscher untersuchten Blutproben von knapp 2.000 britischen Frauen auf Entzündungsmarker und prüften, wie gut die Regulierung des Blutzuckerspiegels bei den Testpersonen funktionierte. Die Insulinresistenz berechneten die Wissenschaftler aus Nüchternblutzucker und Nüchterninsulin. Ihre Ernährungsgewohnheiten dokumentierten die Frauen in einem umfangreichen Fragebogen.

Wie sich in der Studie zeigte, entwickelten Probandinnen, die mit der täglichen Ernährung viele Flavonoide aufnahmen, seltener eine Insulinresistenzwie sie für Diabetes charakteristisch ist.

Speziell Anthocyane zeigten darüber hinaus noch einen weiteren Vorteil: Sie verringerten das Risiko für chronische Entzündungsprozesse, die an der Entstehung von Krebs und Herz-Kreislauf-Krankheiten beteiligt sind.

Professor Tim Spector, der ebenfalls an der Studie beteiligt war, äusserte sich angesichts der “aufregenden Ergebnisse” zuversichtlich: “Sie zeigen, dass auch Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, die wir für ungesund halten – zum Beispiel Wein oder Schokolade – einen gesundheitlichen Nutzen haben könnten.“

Allerdings müssten die Resultate noch gründlich überprüft werden, bevor die Wissenschaftler eine generelle Empfehlung aussprechen wollen.

Ein Freibrief für Diabetiker, häufiger zur Zuckerbombe Schokolade zu greifen, ist die Studie daher nicht – zumal die gesunden Pflanzenstoffe hauptsächlich in Bitterschokolade mit hohem Kakao-Gehalt in grösseren Mengen vorkommen. Zudem wissen die Forsscher noch nicht, ab welcher Menge die Flavonoide ihren Diabetesschutz entfalten.

Flavonoide schützen das Erbgut vor Schäden

Flavonoide zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen und umfassen neben den Anthocyanen und Flavonen Viele weitere Untergruppen wie Isoflavone und Chalkone. Im Laborversuch zeigen Flavonoide antioxidative Effekte, das bedeutet: sie haben die Fähigkeit, Schäden vom Erbgut und anderen Molekülen abzuwehren und möglicherweise die Entstehung von Krebs zu verhindern. Tiere können keine Flavonoide produzieren. Im Pflanzenreich findet man sie dagegen vom Apfel bis zur Zwiebel fast überall.

 

Quelle:

https://www.morgenpost.de/web-wissen/gesundheit/article215583715/Flavonoide-im-Essen-So-gut-schmeckt-Diabetesschutz.html

Kommentar & Ergänzung:

Flavonoide sind sowohl in der Ernährung interessante Inhaltsstoffe als auch in der Phytotherapie wichtige Wirkstoffe.

Allerdings kann man es nicht genug sagen: diese Art von Studie kann nie einen eindeutigen ursächlichen Zusammenhang belegen, sondern nur Hinweise auf mögliche Zusammenhänge liefern.

Hier wird das Ernährungsverhalten von Bevölkerungsgruppen erfasst und mit Krankheiten und Störungen in Beziehung gesetzt. So sollen Zusammenhänge gefunden werden wie in dieser Studie: Wer viele Lebensmittel mit hohem Gehalt an Flavonoiden isst, bekommt weniger Diabetes. Der Knackpunkt: Es könnte sein, dass Menschen, die viele Lebensmittel mit hohem Flavonoidgehalt essen – Zum Beispiel Früchte, Beeren – auch sonst einen gesünderen Lebensstil pflegen als der Durchschnitt. So könnte es sein, dass der günstige Effekt auf Diabetes durch einen anderen Faktor ausgelöst wird, der noch nicht bekannt ist.

Solche epidemiologischen Studien, so nennt man die, werden oft durchgeführt in der Ernährungswissenschaft und oft wird ihre begrenzte Aussagekraft nicht erwähnt, wie auch in diesem Artikel in der Berliner Morgenpost.

Siehe dazu:

Ernährungswissenschaft: Fragwürdige Studien stiften mehr Verwirrung als Nutzen

So ist also nicht einwandfrei geklärt, ob Flavonoide das Diabetesrisiko senken. Dass sie antioxidativ wirken ist geklärt, allerdings im Labor. Damit ist auch hier nicht geklärt, ob ein positiver Effekt auch ausserhalb des Reagenzglases auftritt, im lebendigen Menschen.

Es spricht aber sehr viel dafür, dass Flavonoide als Bestandteil einer vielfältigen Ernährung  sinnvoll sind. Äpfel sind reich an Flavonoiden, blaue Beeren mit hohemn Gehalt an Anthocyanen wie Heidelbeeren, Holunderbeeren, Schwarze Johannisbeeren, Brombeeren, Kirschen..

In der Phytotherapie gibt es eine ganze Reihe von Heilpflanzen, deren Wirkung insbesondere auf Flavonoide zurückgeführt wird. Zum Beispiel Weissdorn, Ginkgo, Mariendistel, Buchweizenkraut.

Flavonoid-Pflanzen sind im allgemeinen sehr gut verträglich. Das hat auch damit zu tun, dass Flavonoide rasch wieder ausgeschieden werden. Darum müssen die Dosierungen hoch genug sein.

Wenn Sie interessiert sind daran, Wirkstoffe, Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten der Heilpflanzen fundiert kennenzulernen, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Leinsamen schroten – oder ungeschotet einnehmen?

T-online befasst sich in einem Artikel mit Leinsamen als Heilpflanze und kommt dabei auch auf die Frage zu sprechen, ob die Körner ungeschreotet oder geschrotet einzunehmen sind. Hier das Zitat:

„Umstritten ist, ob Leinsamen geschrotet oder ungeschrotet verzehrt werden sollten. Bei ungeschroteten Samen können die enthaltenen Inhaltsstoffe nur schwer vom Körper aufgenommen werden. Laut der staatlichen Lebensmittelbehörde Schwedens gelangen beim Verzehr der geschroteten Variante allerdings auch Giftstoffe in den Körper. Sprechen Sie daher am besten vor der Einnahme des Naturprodukts mit Ihrem Arzt.“

Quelle:

https://www.t-online.de/gesundheit/heilmittel-medikamente/id_68620188/mit-leinsamen-abnehmen-geht-das-.html

Kommentar & Ergänzung:

Gegen Verstopfung würde ich die Leinsamen ganz mit viel Wasser einnehmen, also ungeschrotet. Die für die mild abführende Wirkung verantwortlichen Schleimstoffe treten auch aus den ganzen Leinsamen in den Darm aus, quellen dort und verlassen mit dem Stuhl unverdaut den Organismus. Aufgenommen in den Körper wird so gar nichts.

Bei geschroteten Leinsamen gehen die Schleimstoffe ebenfalls in den Darm und wirken dort abführend. Darüber hinaus wird aber ein grosser Teil der Leinsamen verdaut und aufgenommen:

  • Das wertvolle Leinöl,
  • Lignane, die zu den Phytoöstrogenen gehören,
  • Blausäure-Glykoside, die im Zitat oben als Giftstoffe erwähnt werden, aber in den gebräuchlichen Leinsamen-Mengen für unseren Organismus ungiftig sind.

Geschroteter Leinsamen ist weniger lange haltbar, weil Sauerstoff mit dem empfindlichen Leinöl in Kontakt kommt. Das Leinöl kann dadurch ranzig werden. Ganze Leinsamen sind dagegen eine ideale Verpackung für die empfindlichen Inhaltsstoffe.

Nimmt man geschroteten Leinsamen ein, ist das mit einer Kalorienaufnahme verbunden. Ganze Leinsamen führen keine Kalorien zu, weil alles was in den Körper rein geht, auch wieder raus geht.

Nett ist ja die Empfehlung, wegen der „Giftstoffe“ vor der Leinsamen-Einnahme mit dem Arzt zu sprechen. Muss ein sehr seltenes Exemplar von Arzt sein, der darüber wirklich Bescheid weiss…..

Wenn Sie selber fundiertes Wissen über die Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten der Heilpflanzen erwerben möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

Cannabis als Heilmittel gegen Krebs: Grosse Versprechungen und Erwartungen, aber keine sicheren Belege

Wirkstoffe aus Cannabis sind nicht nur für Kiffer interessant. Sie können auch bei verschiedenen Krankheiten wirksam eingesetzt werden. In letzter Zeit hört man immer wieder, dass Cannabis auch gegen Krebs helfen soll.

„Cannabis soll Polo (71) heilen“, titelte die Boulevard-Zeitung zu einer Cannabis-Behandlung des Mundart-Rockers Polo Hofer, der inzwischen an seinem Lungenkrebs gestorben ist. Als „alternatives Krebsheilmittel“ bezeichnete die „Blick“ Cannabis gar. Das ist sehr reisserisch ausgedrückt, wie es sich für eine wackere Boulevard-Zeitung eben gehört. Siehe dazu:

Cannabis als alternatives Krebsheilmittel

Dass Cannabis sogar gegen den Krebs selber helfen könne, wird immer wieder auch in Internetforen oder in Social-Media-Gruppen behauptet, oft begleitet von  emotionalen Fallberichten.

Derartige „Informationen˝ sprechen Patienten oder deren Angehörige nicht selten stark an – gerade dann, wenn konventionelle Krebstherapien nicht die erhofften Erfolge erzielen und sich die Betroffenen in einer Ausnahmesituation befinden.

Der Frage, ob Cannabis als Krebsheilmittel wirksam ist, ging das Portal Medizin-Transparent in einer Recherche nach.

Die kurze Antwort: wissenschaftliche Belege für eine solche Wirkung am Menschen fehlen.

Experimente mit Zellen und Tieren haben zwar einige viel versprechende Hinweise geliefert. Tetrahydrocannabinol (THC) und weitere Substanzen aus Cannabis können das Wachstum und die Blutgefäßversorgung von Tumoren bremsen – zumindest im Labor bei Zellen und bei Versuchstieren. Dabei bleibt noch zu klären, ob Hanf-Substanzen auch Krebspatienten helfen können und ob eine solche Anwendung sicher wäre.

Für verlässliche Aussagen über eine Anti-Krebs-Wirkung von Cannabis und über die Sicherheitsrisiken beim Menschen fehlt bisher die Grundlage in Form von gut gemachten Studien. Bis auf eine kleine Pilotstudie aus dem Jahr 2002 in Spanien mit neun unheilbar kranken Gehirntumor-Patienten gibt es zur Zeit (noch) keine publizierten Untersuchungen.

Die neun Probanden dieser Studien waren Patienten mit einem Glioblastoma multiforme, also mit einem bösartigen Gehirntumor. Sie waren lebensbedrohlich erkrankt und hatten sich schon diversen Therapien unterzogen.

Patienten mit dieser Krebsform haben leider keine gute Prognose undv können bislang nicht durch Operationen, Bestrahlung oder Chemotherapie geheilt werden. Der Tumor kommt wieder, auch wenn er sich zurückdrängen lässt  – mal früher, mal später.

Das Wissenschaftlerteam schob Röhrchen direkt in den Schädel der Patienten, die am Gehirn operiert worden waren. Über diese Verbindung sollte eine THC-Lösung direkt an die Tumorzellen geleitet werden.

Mit diesen Experimenten wollten die Autoren dieser 2006 veröffentlichten Pilotstudie in erster Linie klären, ob die Verabreichung von THC mit besonderen Risiken verbunden ist. Die Sicherheit stuften die Wissenschaftler dann auch als zufriedenstellend ein.

Die Überlebensdauer der Patienten scheint diese Intervention wohl nicht entscheidend verändert zu haben. Sie starben im Durchschnitt 24 Woche nach dem Start der Tests. Aufgrund des Pilotcharakters der Studie (geringe Probandenzahl, fehlende Verblindung, fehlende Kontrollgruppen) erscheint es allerdings kaum möglich, hier eventuelle Wirkungen verlässlich aufzuspüren und richtig einzuordnen.

Seit der Publikation der Resultate aus dieser Studie im Jahr 2006 sind keine weiteren Untersuchungen von experimentellen Cannabis-Therapien an Krebspatienten zu verzeichnen.

Aus dieser Pilotstudie lassen sich daher keine verlässlichen Aussagen bezüglich einer Wirksamkeit gegen Krebs ziehen

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Wirkung von Cannabis gegen Krebs beschränken sich daher sehr weitgehend auf Laborbefunde und einzelne Fallberichte, die ebensowenig aussagekräftig sind.

Cannabinoide als charakteristische Inhaltsstoffe von Cannabis sind medizinisch jedoch durchaus interessant, weil sie verschiedene Abläufe im Körper beeinflussen können, zum Beispiel im Immunsystem und im Nervensystem.

Es gibt inzwischen auch einige Medikamente, für die einzelne Cannabis-Wirkstoffe künstlich nachgebildet worden sind. Beim bekanntesten dieser Cannabinoide handelt es sich um Tetrahydrocannabiol, kurz THC.

Cannabis-Tabletten oder Cannabis-Mundsprays werden etwa gegen Muskelverspannungen bei Multipler Sklerose, gegen chronische Schmerzen oder gegen Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust bei HIV/Aids eingesetzt.

Vergleichsweise gut belegt ist auch ein gewisser Nutzen für Patienten mit chronischen Schmerzen. Dies berichteten zum Beispiel die Autoren einer 2015 publizierten Übersichtsarbeit samt Meta-Analyse. Sie haben dazu 79 Cannabis-Studien zu unterschiedlichen Krankheitsbildern mit rund 6500 Teilnehmern ausgewertet.

Auch Krebspatienten bekommen zu therapeutischen Zwecken mit unter Hanf-Wirkstoffe. Diese können zur Linderung von Nebenwirkungen der Krebstherapie beitragen: Cannabinoide helfen mitunter gegen die durch Chemotherapie ausgelöste Übelkeit samt Erbrechen, wenn andere (ältere!) Medikamente nicht wirken.

Zu diesem Schluss kommen jedenfalls die Verfasser einer kürzlich erschienenen Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration. Allerdings sind die Befunde aus dieser Publikation durchaus mit Vorsicht zu genießen – denn die Wissenschaftler haben bei ihrer Auswertung nur ziemlich alte Studien und Medikamente (1980er, 1990er) berücksichtigt.

Die Recherche von Medizin-Transparent hat dementsprechend ergeben:

Es wurden zwar etliche Studien zu Cannabis und Krebs publiziert. Es handelt sich aber dabei weitestgehend um Untersuchungen mit Zellen oder an Tieren (Mäuse, Ratten).

Bei diesen Experimenten zeigte sich, dass Cannabis-Substanzen (wie übrigens zahlreiche andere Substanzen auch) diverse Effekte auf Krebszellen und Tumoren von Tieren zeigen können. Cannabis-Substanzen bewirkten zum Beispiel das Absterben von Krebszellen, verhinderten die Ausbreitung von Krebszellen (Metastasierung), bremsten das Tumorwachstum oder hemmten die Blutversorgung von Tumoren.

Obwohl diese Befunde verheißungsvoll erscheinen mögen, ist es nicht möglich, von diesen präklinischen Studien mit Zellen und Tieren ohne weiteres auf eine günstige Wirkung für den tumorkranken Menschen zu schließen.

Und die erwähnte Untersuchung mit neun unheilbar erkrankten Krebspatienten ist als Pilotstudie nicht geeignet, um Aussagen über die Wirksamkeit von THC gegen Krebs zu treffen.

Daher muss als unbekannt gelten, ob Cannabis eine heilende oder zumindest lindernde Anti-Krebs-Wirkung hat bzw. für welche Krebsformen eine solche Wirkung eventuell denkbar ist.

Offen bleibt auch, ob einzelne Cannabis-Substanzen oder ein Wirkstoffgemisch besser geeignet sein könnten. Des weiteren fehlen verlässliche Informationen zu erforderlicher Dosis oder zu den Risiken bei einer Langzeiteinnahme von Cannabinoiden bei Krebspatienten. Ebenso ist nicht geklärt, wie die Cannabis-Substanzen wohl am besten eingenommen werden sollten – also zum Beispiel in Form von Mundspray, Tabletten oder Tee.

Es gibt also bei diesem Thema gewaltige Wissenslücken.

Medizin-Tansparent kann daher nicht bestätigen, dass einzelne oder mehrere Cannabis-Substanzen wirksame Anti-Krebs-Mittel sind. Die Wissenchaftler können eine positive Wirkung aber auch nicht rigoros ausschließen.

Inzwischen sollen laut Studienregister Clinicaltrials.gov  aber einige Untersuchungen mit menschlichen Probanden laufen. Es gibt offenbar etliche Wissenschaftler, die überprüfen möchten, was Cannabis-Substanzen tatsächlich gegen Krebs und andere Erkrankungen bewirken können.

Quelle

 

Kommentar & Ergänzung:

Naturstoffe werden in grosser Zahl auf eine mögliche Wirksamkeit gegen Krebs untersucht. Viele davon zeigen im Labor auch eine positive Wirkung, indem sie zum Beispiel im Reagenzglas Krebszellen töten können. Solche experimentellen Ergebnisse finden oft rasch den Weg in die Medien und werden manchmal unkritisch und vorschnell als Durchbruch in der Krebsbehandlung herumgereicht.

Dass Krebspatientinnen und Krebspatienten mit ihren verständlichen Hoffnungen auf Heilung auf solche Meldungen ansprechen, ist gut nachvollziehbar.

Krebspatientinnen und Krebspatienten sind aber keine Reaganzgläser. Ein lebendiger Organismus ist um ein Vielfaches komplexer als eine überschaubare experimentelle Laborsituation. Deshalb lassen sich Laborergebnisse nicht einfach die Krebsbehandlung übertragen. Es braucht klinische Studien mit Krebspatientinnen und Krebspatienten, um die Wirksamkeit einer Substanz zu belegen.

Wer über die Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Cannabis und anderen Heilpflanzen Bescheid wissen möchte, kann sich dazu das nötige Wissen erwerben in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

 

Aktivkohle als Detox-Kur?

Aktivkohle wird schon seit langem als „Medizinische Kohle“ bei Durchfall und gegen Vergiftungen eingesetzt.

Seit einiger Zeit wird sie zudem intensiv propagiert als Detox-Kur zur „Entgiftung“ – zum Beispiel in Smoothies.

Funktioniert das und ist das überhaupt gesund? Und was ist überhaupt Aktivkohle?

Hier dazu eine kurze Information:

Was ist Aktivkohle?

Aktivkohle besteht überwiegend aus hochporösem, feinkörnigem Kohlenstoff mit großer innerer Oberfläche – wobei die Poren wie bei einem Schwamm untereinander verbunden sind. Laut Wikipedia beträgt die innere Oberfläche zwischen 300 und 2000 m2/g Kohle. Dadurch entspricht die innere Oberfläche von vier Gramm Aktivkohle ungefähr der Fläche eines Fußballfeldes. 

Diese Eigenschaft prädestiniert die Aktivkohle für den Einsatz als Adsorbtionsmittel in Chemie und Medizin, aber auch in vielen technischen Anwendungsbereichen wie Trinkwasseraufbereitung, Abwasserbehandlung sowie Lüftungs- und Klimatechnik.

Gefragt ist dabei die Fähigkeit der Aktivkohle, andere Stoffe wie etwa Toxine, Chemikalien oder auch Geruchsmoleküle an ihrer Oberfläche an sich zu binden.

 

Aktivkohle gegen Durchfall

Aktivkohle kann bei Durchfall Auslöser wie etwa Bakterien oder Schadstoffe an sich binden. Sie werden dadurch zunächst unschädlich gemacht und danach über den Stuhl aus dem Körper transportiert. Aktivkohle war daher über lange Zeit ein unverzichtbarer Bestandteil der Reiseapotheke.

 

Aktivkohle gegen Vergiftungen

Wurden toxische Chemikalien oder auch giftige Pflanzenstoffe eingenommen, kann die Gabe von Aktivkohle helfen, die Giftstoffe zu binden und ihre Aufnahme in den Organismus zu hemmen. Weil die Aktivkohle bis zu ihrer Ausscheidung im Verdauungstrakt bleibt, funktioniert das allerdings nur solange, wie die Giftstoffe sich noch dort befinden. Auf Giftstoffe, die bereits in den Organismus aufgenommen wurden, hat die Aktivkohle keinen Einfluss mehr. Zudem wirkt die Aktivkohle zwar gegen viele, aber nicht gegen alle Giftstoffe.

 

Aktivkohle als Detox-Kur

Dieser Empfehlung liegt die Vorstellung zugrunde, dass man durch Zusatz von Aktivkohle zum Beispiel in Smoothies Giftstoffe im Körper binden und damit ausleiten kann.

Das könnte allenfalls funktionieren für Giftstoffe im Verdauungstrakt, weil die Aktivkohle den Verdauungstrakt nicht verlässt. Die Vorstellung, das Aktivkohle Giftstoffe ausleitet, die irgendwo sonst im Körper vorhanden sind, entbehrt jeder Grundlage.

Entscheidend ist aber, dass die Aktivkohle nicht „weiss“, welche Substanzen für uns Giftstoff sind und entfernt werden sollten. Sie bindet undifferenziert alles, was sie binden kann, darunter auch wichtig und nützliche Nahrungsbestandteile wie Vitamine, aber auch zeitgleich eingenommene Arzneimittel, die dadurch an Wirksamkeit einbüssen.

Dieser Punkt allein schon macht eine Detox-Kur mit Aktivkohle fragwürdig. Solche Aktivkohle-Smoothies müssten über längere Zeit eingenommen werden. Die Aktivkohle wird dabei mit grosser Wahrscheinlichkeit auch wertvolle, andere Smoothie-Bestandteile binden genauso wie wichtige Inhaltsstoffe der übrigen Nahrung.

Der ganze Detox-Boom ist sowieso ziemlich fragwürdig, unter anderem auch, weil die Detox-Vorstellung das Vertrauen in unseren Organismus untergräbt.

Sieh dazu auch:

Detox ist Unsinn

Detox entschlankt nur den Geldbeutel

Detox: Fragwürdiger Trend mit Entgiftungskuren

Detox-Kuren: Eingebildete Lösungen für nicht existierende Probleme

Entgiftungsdiäten & Detox-Diäten – bodenlose Versprechungen

 

 

Zu den medizinischen Anwendungen der Aktivkohle siehe auch:

Aktivkohle bei Durchfall

Wirkstoffkunde: Was ist Aktivkohle?

Aktivkohle bei akuten oralen Vergiftungen

 

Wie sich Durchfall mit Heilpflanzen behandeln lässt, können Sie lernen in meinen Lehrgänge, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

Öko-Test findet sehr gute Kräutertees beim Discounter

Kräutertees gelten als gesund und schmackhaft. Entsprechend häufig werden hierzulande insbesondere in der kalten Jahreszeit damit die Tassen gefüllt. Für die gesunde Wirkung sind wohl vor allem Polyphenole verantwortlich. Die Pflanzenstoffe stecken hauptsächlich in echten Tees wie Grüntee, weiße Tee oder Schwarztee, aber auch in Kräutertees. Diese stammen nicht vom Teestrauch (Camellia sinensis), sondern von getrockneten Teilen anderer Pflanzen und enthalten in den meisten Fällen kein Koffein, jedoch Vitamine, Mineralstoffe und ätherische Öle.

Öko-Test hat 24 Kräutermischungen aus dem konventionellen und ökologischen Anbau auf problematische Inhaltsstoffe prüfen lassen.

Giftige Pflanzenstoffe waren in den untersuchten Kräutertees kein Thema. Das sind natürliche Gifte, die von einigen Pflanzen selbst produziert werden und manchmal wohl auch bei der Ernte über mitgepflückte Kräuter in den Tee gelangen können. In bisherigen Untersuchungen waren sie häufig ein Problem, insbesondere die Pyrrolizidinalkaloide (PA), die leberschädigend wirken können und zudem als erbgutschädigend und krebsauslösend gelten.

13 der untersuchen Kräutermischungen wiesen überhaupt keine dieser Stoffe auf und die anderen waren nur sehr gering belastet.

Grenzwerte für Pyrrolizidinalkaloide gibt es nicht, aber eine sogenannte maximale Aufnahmemenge, die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kürzlich überarbeitet wurde. Bezogen auf diese Menge liegen alle PA-Gehalte, die das Labor im Auftrag von Öko-Test gefunden hat, im Spurenbereich. 

Anders sieht die Situation allerdings bei Pestiziden aus. Hier können auch Bio-Produkte mit Spritzmitteln belastet sein, wobei es sich dann oft nur um Spuren handelt. Da swar in der Öko-Test-Untersuchung allerdings nicht der Fall bei den Produkten von Alnatura (“Kräuter Tee, Beutel) und Sonnentor (“Gute Laune Bio Kräutertee, lose). Ihre Kräutertees schnitten sogar schlechter ab als viele konventionelle Produkte. Öko-Test fragt denn auch, ob das noch Bio sein kann. Die Antwort lautet aber „Ja“, weil beide Produkte die Regeln des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren einhalten.

Quelle:

https://www.n-tv.de/ratgeber/Sehr-gute-Kraeutertees-gibt-s-beim-Discounter-article20649680.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Das ist natürlich gar nicht gut, wenn Bioprodukte von Alnatura und Sonnentor übermässig mit Pestiziden belastet sind. Allerdings lässt sich das nie ganz ausschliessen, weil Pestizide über weite Räume verteilt werden. Wichtig ist bei Bioprodukten, dass bei ihrer Produktion keine Pestizide zusätzlich in die Umwelt eingeführt werden.

Und mit sehr genauen Labormethoden kann man heute auch schon sehr geringe Pestizidmengen feststellen.

Ein anderer Punkt ist mir aber noch wichtig: Das Urteil „sehr gut“ für die Kräutertees bezieht sich in der Öko-Test-Untersuchung nur auf das Kriterium des Pestizidgehalts.

Aus Sicht der Phytotherapie gibt es noch andere Kriterien wie Wirkstoffgehalt und verwendete Pflanzenteile.

So schreibt zum Beispiel das Arzneibuch für Kamille, die als Arzneimittel in Apotheken und Drogerien verkauft wird vor, dass nur die Kamillenblüte verwendet werden darf. Im Kamillentee der Discounter und Grossverteiler COOP und Migros dürfen grundsätzlich auch Stängelanteile enthalten sein. Das ist geschmacklich manchmal sogar ein Vorteil, aber vom Wirkstoffgehalt her in derr Regel nachteilig.

Vergleichbar bei Pfefferminze, wo das Arzneibuch nur Pfefferminzblätter zulässt, im Lebensmittelhandel aber auch Stängelanteile möglich sind.

Kräutertees können nicht nur als angenehme Flüssigkeitszufuhr verwendet werden. Mit dem entsprechenden Fachwissen lassen sie sich auch als Arzneimittel einsetzen.

Fundiertes Fachwissen über Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Kräutertees können Sie in meinen Lehrgängen erwerben – in der Phytotherapie-Ausbildung und im Heilpflanzen-Seminar.

 

Heilpflanzen bei Hämorrhoiden

Die Zeitung „Kurier“ veröffentlicht einen fundierten Artikel zum Thema:

„Hämorrhoiden: Was wirklich hilft“

Darin bekommen auch Heilpflanzen-Anwendungen einen wichtigen Platz.

Hier die entsprechende Passage:

„Empfohlene Heilpflanzen

Pflanzliche Substanzen werden vor allem in Form von Salben und Cremes zur Linderung von Juckreiz und Schmerzen eingesetzt. Dazu werden meist die ätherischen Öle, die Pflanzenfarbstoffe (Flavonoide) sowie seifenähnliche Inhaltsstoffe (Saponine) verarbeitet. Bei Hämorrhoidalleiden haben sich die Inhaltsstoffe aus Kamille, Ringelblume, Kornblume, Rosskastanie und Asiatischem Wassernabel bewährt. Bäder aus Eichenrinde oder Kamille wirken z.B. entzündungshemmend und stillen den Juckreiz. Zur Pflege der Analhaut eignen sich Mandel- und Jojobaöl.“

Quelle:

https://kurier.at/wellness/haemorrhoiden-das-leiden-ueber-das-keiner-sprechen-moechte/400128260

Kommentar & Ergänzung:

Bei entzündeten Hämorrhoiden ist vor allem das Eichenrinden-Sitzbad wirksam.

Ringelblume und Kamille sind als Bestandteile von Hämorrhoidensalben sinnvoll, Hamamelissalbe würde ich noch als zusätzliche sinnvolle Alternative sehen.

Die Erwähnung von Kornblume kann ich aus der Phytotherapie-Fachliteratur nicht nachvollziehen.

Bei der Rosskastanie würde ich anstelle einer Rosskastaniensalbe darüber nachdenken, ob nicht eine Einnahme von Rosskastanien-Extrakt sinnvoller wäre.

Die Wirksamkeit von innerlich angewendetem Rosskastanien-Extrakt ist zwar bei Hämorrhoidenleiden nicht untersucht worden. Es gibt dazu aber gute Studien für eine Wirksamkeit bei Venenschwäche (Veneninsuffizienz). Weil Hämorrrhoiden zum Venensystem gehören, ist es aber denkbar, dass die Einnahme von Rosskastanien-Extrakt auch günstig bei Hämorrhoiden wirkt.

Bei Hämorrhoiden ist es zudem wichtig, für weichen Stuhlgang zu sorgen. Das lässt sich meistens gut erreichen durch pflanzliche Quellmittel mit Schleimstoffen, zum Beispiel mittels Flohsamen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Hausmittel bei Schnupfen und Halsschmerzen

Das Magazin „Stern“ berichtet über „natürliche Medizin“ in einem Artikel mit dem Titel:

„Diese Hausmittel helfen gegen Erkältung.“

Leider kommt der Text ungenau und etwas willkürlich daher. Aber schauen wir uns eine Passage detaillierter an:

„Die Naturapotheke hat einiges im Angebot: Läuft die Nase, können Tabletten oder Lösungen von Echinacea, Thuja, Eupatorium oder Kamille helfen. Bei Halsschmerzen bieten sich Wilde Malve, Salbei, Eibisch, Echte Kamille, Arnika, Tausendgüldenkraut und Enzian zum Gurgeln an.“

Quelle:

https://www.stern.de/gesundheit/grippe/therapie/erkaeltung—die-besten-hausmittel-3215640.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Schnupfen:

Echinacea (Sonnenhut), Eupatorium (Wasserdost) und Thujawerden als Immunstimulanzien eingesetzt. Wenn die Nase läuft, ist es dafür allerdings meist schon zu spät. Wenn akute angewendet, dann bei den allerersten Symptomen. Am besten untersucht ist Echinacea, wobei die Ergebnisse immer noch nicht eindeutig sind.

Thuja (Abendländischer Lebensbaum, Thuja occidentalis) wird phytotherapeutisch selten angewendet, dann aber in genau dosierbaren Extrakten (in Esperitox Präparaten), die auf einen bestimmten Gehalt an Inhaltsstoffen eingestellt sind. Thuja ist nämlich eine Giftpflanze. Das sollte meines Erachtens in einem solchen Text erwähnt werden, damit nicht irgendwer auf die Idee kommt, einen Kräutertee aus Thuja zu brauen. Thuja enthält ein ätherisches Öl mit dem Hauptbestandteil Thujon.

Nach der Einnahme giftiger Pflanzenbestandteile kann es zu Schleimhautreizungen kommen und zu Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit, Brechreiz, Blähungen und Durchfall. In seltenen Fällen traten Schäden an Nieren und Leber sowie Krampfanfälle auf. Bei Tieren kann der Verzehr zum Tod führen. Zu Vergiftungen kommt es insbesondere, wenn Heckenschnitt mit Thuja auf Weideplätzen entsorgt wird.

Thuja wird in Europa häufig angepflanzt, hauptsächlich als zypressenähnlicher Baum auf Friedhöfen und als ganzjährig blickdichte Hecke in Gartenumfriedungen.

Äusserlich wird Thuja-Tinktur aufgrund der hautreizenden Wirkung manchmal punktuell gegen Warzen eingesetzt. Dabei kann es aber auch zu unerwünschten Hautirritationen kommen.

Da Thuja in der Homöopathie als wichtiges Mittel gilt, wird es gerne als Globuli verabreicht. Weil dann die Ausgangssubstanzen in der Regel mindestens 1: 1 000 000 mal verdünnt werden, sind keine Inhaltsstoffe mehr vorhanden, die toxisch wirken könnten. Eine Wirksamkeit ist aber wie bei allen Homöopathika nicht belegt.

Kamille (Matricaria recutita) kann sinnvoll sein bei Schnupfen, doch fehlt hier der Hinweis, dass die Pflanze am besten als Inhalation angewendet wird. Kamillentee ist sinnlos bei Schupfen.

 

Halsschmerzen:

Wilde Malve (Malva silvestris) und Eibisch (Althaea officinalis) enthalten Schleimstoffe, die bei Halsschmerzen reizlindernd und schützend auf Schleimhäute wirken können. Ihnen fehlen aber Eigenschaften, die bei Halsschmerzen wichtig sind, nämlich antimikrobielle Wirkungen, wie sie Salbei zeigt, und direkt entzündungswidrige Wirkungen, wie sie Kamille entfaltet.

Salbei (Salvia officinalis) vereinigt antimikrobielle Wirkungen (durch ätherisches Salbeiöl) und entzündungswidrige Wirkungen (durch Lamiaceen-Gerbstoffe).

Arnika  (Arnica montana) ist eher unüblich bei Halsschmerzen, aber wegen entzündungswidrignen Effekten nicht unplausibel.

Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea) und Enzian (Gentiana lutea) enthalten vor allem Bitterstoffe, die bei verschiedenen Verdauungsstörungen eingesetzt werden. Ihre Anwendung bei Halsschmerzen ist unplausibel und durch die Phytotherapie-Fachliteratur nicht gedeckt.

Die Berichterstattung über Anwendungsmöglichkeiten und Wirkungen von Heilpflanzen in den Medien ist von sehr unterschiedlicher Qualität und mehrheitlich fragwürdig.

Erwerben Sie sich eigenes und fundiertes Wissen. zum Beispiel in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Artischockenextrakt wirkt günstig bei Fettleber – in einer Pilotstudie

Die Wirksamkeit eines Extraktes aus den Blättern der Artischocke gegen nicht-alkoholische Fettleber wurde erstmals in einer Studie an Patienten untersucht.

Weltweit nimmt die Zahl der Menschen zu, die unter einer nicht-alkoholischen Fettleber (Steatosis hepatis) leiden. Sie wird im Unterschied zur alkoholischen Fettleber durch eine zu hohe Energiezufuhr über die Nahrung ausgelöst. Dabei kommt es zu Fetteinlagerungen in den Leberzellen, wodurch deren Funktion beeinträchtigt und Entzündungen (Fettleberhepatitis/Steatohepatitis) hervorgerufen werden können. Zentral für die Behandlung dieser ernährungsbedingten Leberverfettung ist bisher eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten sowie regelmäßige körperliche Bewegung mit dem Ziel einer Gewichtsverminderung. Die  Normalisierung des Fettstoffwechsels kann mit verschiedenen pflanzlichen Arzneimitteln unterstützt werden, wozu auch der Artischockenextrakt zählt. Ob solche Extrakte auch für die Behandlung der nicht-alkoholischen Fettleber erfolgreich eingesetzt werden können, wurde bisher nicht an Patienten untersucht.

Das hat eine Forschergruppe aus Qatar und dem Iran nun mit einer randomisierten, doppelt verblindeten, placebokontrollierten Pilotstudie nun getan.

Die Wissenschaftler teilten erwachsene Patienten mit diagnostizierter Steatohepatitis Grad 1 bis 3 auf zwei Gruppen auf. Die Probaden der Verumgruppe bekamen über einen Zeitraum von acht Wochen dreimal täglich 200 mg Artischockenblattextrakt, standardisiert auf einen Gehalt von 2 mg des aktiven Inhaltsstoffes Cynarin. Der Kontrollgruppe wurden entsprechende Placebo-Tabletten verabreicht. Beim Start und am Schluss der Studie wurden die anthropometrischen Daten Gewicht, Bauchumfang, Body-Mass-Index (BMI) und der Blutdruck der Testpersonen erfasst. Zudem wurden im nüchternen Zustand zum einen mittels Lebersonographie der Grad der Leberverfettung erhoben und zum anderen Blutproben entnommen zur Feststellung der Werte von Glucose, Insulin, glykiertes Hämoglobin, Gesamt-, LDL- und HDL- Cholesterin, Triglyzeride, der Leberenzyme Alanin-Aminotransferase, Aspartat-Aminotransferase und Phosphatase sowie Bilirubin und Harnsäure.

Ausgewertet wurden die Daten von 81 (Artischockenextrakt: 41, Placebo: 40) von anfänglich 100 Probanden. Nach achtwöchigem Behandlungsverlauf lag die Reduktion des BMI und des Bauchumfangs in der Verumgruppe signifikant höher als in der Placebogruppe. Ebenso liessen sich am Schluss der Studie durch Sonographie signifikante Differenzen zwischen den Gruppen zugunsten des Artischockenblattextraktes festgestellen. 81,6 % der mit Artischockenextrakt behandelten Patienten zeigten eine Verbesserung, bei 18,4 % blieb der Zustand unverändert im Vergleich zur ersten Untersuchung.

In der Placebogruppe zeigte der Zustand der Leber bei 5 % der Patienten im Studienverlauf eine Verbesserung, bei 67,5 % trat keine Veränderung auf, und bei 27,5 % war eine Verschlechterung festzustellen. Die Blutzucker- und Insulinwerte wurden von der Artischockenextrakt-Behandlung nicht beeinflusst. Dagegen sanken die Leberenzymwerte (für Phosphatase nicht signifikant), der Gesamt-Bilirubinwert, der Harnsäurewert sowie alle Blutfettwerte signifikant verglichen mit Placebo. Im Verlauf der Studie traten keinerlei unerwünschte Wirkungen auf.

Quelle:

https://www.carstens-stiftung.de/artikel/artischockenextrakt-gegen-fettleber.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29520889

Panahi Y, Kianpour P, Mohtashami R, Atkin SL, Butler AE, Jafari R, Badeli R, Sahebkar A. Efficacy of artichoke leaf extract in non-alcoholic fatty liver disease: A double-blind randomized controlled trial. Phytother Res 2018; 32(7): 1382-1387.

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Carstens-Stiftung, die diese Studie auf ihrem Portal vorstellt, interpretiert die Ergebnisse in ihrem Kommentar so, dass die Einnahme eines Artischockenblattextraktes eine erfolgversprechende Behandlungsoption für Patienten mit Fettleber sein kann. Sie weist aber auch auf kleinere Unstimmigkeiten im Artikeltext hin betreffend der eingeschlossenen, ausgeschiedenen und letztlich analysierten Patientenzahlen. Die statistische Auswertung sei dadurch nicht eindeutig nachvollziehbar. Der Kommentar kommt aber auch zum Schluss, dass die Grundaussage der Studie von diesen statistischen Ungenauigkeiten unberührt bleiben dürfte.

Bei solchen Meldungen muss immer wieder darauf hingewiesen werden, dass mit einer Pilotstudie nie einwandfrei Wirksamkeit belegt werden kannn.

Pilotstudien werden durchgeführt in einer frühen Phase der Forschung mit Patienten (klinische Forschung). Es sind meisten kurzzeitige, preisgünstige Studien mit einen kleinen Zahl von Probanden. Sie dienen eher einer ersten Erkundung des Therapiekonzepts und des Studienaufbaus. Zeigen sich positive Ergebnisse, braucht es grösser angelegte Studien, um eine Wirksamkeit zu belegen und allenfalls auch ein Überlegenheit gegenüber herkömmlichen Behandlungskonzepten zu zeigen.

Welche Wirkungen von Artischockenblattextrakt werden in der Phytotherapie-Fachliteratur anerkannt.

Die ESCOP-Monografie führt als belegte Anwendungsbereiche auf:

„Verdauungsstörungen wie Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Völlegefühl, Flatulenz und Gallenbeschwerden; Unterstützung einer Niedrigfettdiät zur Behandlung einer leichten Hyperlipidämie.“

Um die Studie besser einschätzen zu können, wären auch genaue Informationen  zum verwendeten Artischockenextrakt nötig. Solche Extrakte können auf unterschiedliche Art hergestellt werden – zum Beispiel mit Wasser oder Alkohol (Äthanol) als Lösungsmittel. Das kann den Gehalt an Inhaltsstoffen qualitativ und quantitativ stark beeinflussen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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