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Heilpflanzen bei Psoriasis

Im Phyto-Forum der Ärztezeitung wurde die Frage gestellt, ob es pflanzliche Alternativen zur Therapie der Psoriasis gebe.

Die Schuppenflechte oder Psoriasis (Psoriasis vulgaris) sei eine schubweise verlaufende, entzündliche und chronische Hauterkrankung mit Hyperproliferation der Epidermis, schreibt dazu Professor Jürgen Reichling.

„Nach derzeitigem Erkenntnisstand können zur Behandlung bei Psoriasis Phytopharmaka (Phyto-Dermatika) nur bei leichten Formen adjuvant eingesetzt werden.“

Bei schweren Verlaufsformen gebe es bisher weder überzeugende Studien noch entsprechende Erfahrungswerte.

Sinnvoll erscheine eine Kombinationstherapie bestehend aus äußerlich anwendbaren Phyto-Dermatika zusammen mit systemisch wirksamen Arzneimitteln wie zum Beispiel Retinoiden, Ciclosporin, Methotrexat.

Und welche Pflanzenpräparate empfiehlt Reichling konkret?

„Bei den Phyto-Dermatika haben sich zur äußerlichen Anwendung Zubereitungen aus Birkenrinde (etwa Trockenextrakt mit 80 Prozent Betulin), Mahonienrinde sowie Pflanzenteere (zum Beispiel Birkenholzteer) bewährt.“

Eine Kombination aus Pflanzenteer und Johanniskrautöl eingearbeitet in Zinkpaste werde ebenfalls als sehr hilfreich beschrieben.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/phytotherapie/article/814714/akute-sinusitis-phytopharmaka-verhindern-sekretstau.html?sh=14&h=-1654080400

Kommentar & Ergänzung:

Am häufigsten im Bereich Psoriasis wird als Begleittherapie die Mahonia-Salbe angewendet (Rubisan-Salbe / Rubiderm-Salbe).

Die Gewöhnliche Mahonie (Zierberberitze, Mahonia aquifolium) gehört in die Familie der Berberitzengewäche (Berberidaceae).

Die Pflanze ist bei uns wenig bekannt, obwohl sie zum Beispiel in Parkanlagen häufig anzutreffen ist. Darum hier ein paar Informationen zur Mahonia (Foto auf Wikipedia)

Wo kommt die Mahonia ursprünglich her?

„ Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Gewöhnlichen Mahonie liegt im westlichen Nordamerika von Britisch-Kolumbien in Kanada bis zum US-Bundesstaat Oregon. Dort ist die Gewöhnliche Mahonie die offizielle Staatsblume („Oregon grape“). Heute findet man sie auch kultiviert und verwildert in Mitteleuropa; besonders in Frankreich ist sie als Neophyt weit verbreitet. Die Gewöhnliche Mahonie wächst sowohl in sonnigen als auch in halbschattigen Lagen, hauptsächlich in städtischen Garten- und Parklandschaften.“

(Quelle: Wikipedia)

Und zur Nutzung der Mahonia:

„ Die Pflanze ist nicht ohne Weiteres zu verwerten, da die meisten Pflanzenteile giftig sind. Die Wurzeln enthalten bis zu 1,5 % Berberin sowie diverse weitere Alkaloide. Der Alkaloid-Gehalt der Beeren liegt bei etwa 0,05 %; sie sind essbar und werden z. B. für die Herstellung von Marmeladen und Fruchtweinen verwendet.

In der Literatur finden sich Hinweise auf die medizinische Verwendung von Pflanzenextrakten, insbesondere des darin enthaltenen Berberins zur Bekämpfung von Haarschuppen und Schuppenflechte, möglicherweise auch Akne. Der Extrakt aus Rinde und Wurzel wird in der traditionellen Literatur und in der Homöopathie bei Hautausschlag empfohlen. Studien belegen einen positiven Effekt. Die Pflanze blüht schon zeitig im Frühjahr (ab März) und stellt damit eine frühe Nektar- und Pollentracht für Bienen und Hummeln dar.“

(Quelle: Wikipedia)

Der Hinweis auf die Anwendung von Mahonia-Extrakten in der Homöopathie bei Hautausschlag, bei welcher positive Studienresultate vorliegen sollen, ist etwas irreführend, weil es sich dabei um Salben auf der Basis von homöopathischen Urtinkturen handelt. Weil die Urtinktur noch nicht verschüttelt und verdünnt wurde, handelt es sich eigentlich um eine phytotherapeutische Anwendung.

Einen Überblick über Heilpflanzen-Anwendungen bei Hauterkrankungen finden Sie hier:

Phytotherapie im Überblick: Dermatologie

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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www.phytotherapie-seminare.ch

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Phytopharmaka reduzieren bei akuter Sinusitis den Sekretstau

Im Phyto-Forum der Ärztezeitung wurde die Frage gestellt, welche Alternativen es gebe, wenn Patienten bei akuter Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung) die eigentlich unverzichtbaren Nasentropfen oder Nasensprays mit α-Sympathomimetika ablehnen.

Beantwortet hat die Frage Professor Jürgen Reichling.

Er hält den Einsatz von Phytopharmaka bei akuter Sinusitis für äußerst sinnvoll.

„Sie können entweder mit α-Sympathomimetika kombiniert oder aber auch als alleinige Therapieoption eingesetzt werden.“  Es komme dabei zum Abschwellen der Schleimhaut, zur Sekretolyse und Förderung der Sekretomotorik. Durch diese Maßnahmen werde ein Sekretstau verhindert.

Klinische Studien zum Einsatz von Phytopharmaka bei akuter Sinusitis liegen gemäss Reichling für die Fertigpräparate GeloMyrtol® (Myrtol = Gemisch eines ätherischen Öls), Soledum® (isoliertes 1,8-Cineol) und Sinupret® (Kombinationspräparat aus Extrakten von Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut) vor.

Bei chronischer Sinusitis sollten Phytopharmaka allerdings nur als Begleittherapie zur Anwendung kommen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/phytotherapie/article/814714/akute-sinusitis-phytopharmaka-verhindern-sekretstau.html?sh=14&h=-1654080400

Kommentar & Ergänzung:

Weitere Infos siehe:

Wirkstoffkunde: Was ist Cineol / 1,8-Cineol?

Myrtol / GeloMyrtol® bei Husten und Bronchitis

Phytopharmaka: Gelomyrtol / Gelodurant und Sibrovita – Unterschied?

Neu in der Schweiz: GeloMyrtol® gegen Bronchitis & Sinusitis

Soledum® ist in Deutschland im Handel, nicht aber in der Schweiz.

Sehr erfolgreich im Markt ist Sinupret®, obwohl die Kombination von Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut sehr ungewöhnlich und nicht so ohne weiteres nachzuvollziehen ist.

Enzianwurzel zum Beispiel wird wegen den Bitterstoffen bei Völlegefühl und Appetitlosigkeit eingesetzt. Die Belege für eine schleimlösende Wirkung sind ziemlich schwach.

Schlüsselblumenblüten sind wegen ihrem Gehalt an Saponinen in der Phytotherapie als schleimlösend anerkannt. In den Schlüsselblumenwurzeln wäre der Gehalt an Saponinen aber etwa viermal höher. Auch Holunderblüten wirken schleimlösend, doch würde ich dann eher Holunderblütentee empfehlen, weil so höchstwahrscheinlich eine wesentlich höhere Zufuhr an Inhaltsstoffen erreicht werden kann als mit den Sinupret-Dragées.

Auch bei Ampferkraut und Eisenkraut sind die Belege für einen Nutzen bei Sinusitis spärlich.

Prof. Reichling schreibt betreffend Sinupret von Extrakten aus Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut. Extrakte sind allerdings nur im Präparat “Sinupret extrakt” enthalten, das punkto Inhaltsstoffe daher etwa 4mal konzentrierter ist als die Sinupret forte Dragées, welche nur getrocknete Heilpflanzen enthalten. “Sinupret extrakt” ist in der Schweiz allerdings bisher nicht im Handel (in Deutschland jedoch schon).

Wikipedia fasst die Datenlage zur Wirksamkeit von Sinupret so zusammen:

„ Eine sekretolytische Wirkung wurde im klassischen Percy- und Boyd-Modell bestätigt. Positive Ergebnisse wurden aus verschiedenen Blindstudien gewonnen. Ein substanzspezifischer positiver Beitrag von Eisenkraut liegt für die Kombination der Pflanzenextrakte nicht vor. Der Arzneiverordnungs-Report kritisierte eine fehlende pharmakologische Zuordnung der fünf Wirkstoffe, die antiviral, antiinflammatorisch und sekretolytisch wirken sollen. Das Medikament habe 1997 die Nachzulassung erhalten, ohne dass die eingereichten Daten einer streng wissenschaftlichen Überprüfung standhalten konnten.

Das 2012 zugelassene Sinupret extract wurde in einer doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten klinischen Studie an 386 Patienten untersucht. Das Hauptzielkriterium (ein Symptomwert, der nasale Sekretion, retronasale Sekretion, Verstopfung der Nase, Kopfschmerz und Gesichtsdruck berücksichtigt) war nach Behandlung mit Verum siginifikant verbessert gegenüber der Behandlung mit Placebo.“

(Quelle: Wikipedia, Literaturangaben dort)

Ich nehme ein Präparat wie Sinupret durchaus ernst, doch bleiben eine ganze Reihe von Fragen zu diesem Phytopharmaka offen.

Markterfolg ist jedenfalls noch kein Beleg für Wirksamkeit. Markterfolge gibt es nämlich beispielsweise auch für Nashornpulver bei Potenzproblemen….

Siehe: Traditionelle Medizin gefährdet Nashörner

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zur Neubesetzung des Lehrstuhls für Naturheilkunde an der Universität Zürich

Die Universität Zürich sucht einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Professor Reinhard Saller auf den Lehrstuhl für Naturheilkunde.

Im Rahmen dieser Neubesetzung fand am 30. August 2012 am Universitätsspital Zürich ein Symposium statt, an dem  BewerberInnen sich mit einem Fachvortrag vorstellten.

Vortragende und Themen waren:

Prof. Dr. med. Benno Brinkhaus

Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und

Gesundheitsökonomie Charité – Universitätsmedizin Berlin

Thema: Integration von Naturheilkunde / Komplementärmedizin in die

konventionelle Medizin am Beispiel Akupunktur

Prof. Dr. med. Jost Langhorst

Innere Medizin V – Naturheilverfahren und Integrative

Medizin Kliniken Essen Mitte – Knappschaftskrankenhaus

Thema: Naturheilkunde und Integrative Medizin am Beispiel chronisch

entzündlicher Darmerkrankungen

PD Dr. med. Florian Pfab

Präventive und Rehabilitative Sportmedizin

Klinikum rechts der Isar; Technische Universität München

Thema: Nadeln, Chilli, Drachenblut oder gar Haschisch gegen Juckreiz?

Prof. Dr. med. Claudia Witt, MBA

Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie

und Gesundheitsökonomie Charité – Universitätsmedizin Berlin

Thema: Forschung zur Komplementärmedizin – eine internationale Perspektive

PD Dr. med. Ursula Wolf

Institute of Complementary Medicine, Universität Bern; Inselspital

Thema: Forschung in der Komplementärmedizin

Kommentar & Ergänzung:

Tobias Füchslin und Marko Kovic besuchten die Veranstaltung und haben sie in einem Podcast kritisch kommentiert.

Den Podcast können Sie hier hören.

Bei Prof. Reinhard Saller war die Phytotherapie ein zentraler Schwerpunkt. Es wäre natürlich aus meiner Sicht begrüssenswert, wenn der Nachfolger oder die Nachfolgerin auch einen „Draht“ zur Phytotherapie mitbringen würde.

Wichtiger aber noch scheint mir, dass eine Person gewählt wird, die Wissenschaft nach den besten Standards betreibt.  Die Methoden von Komplementärmedizin und Naturheilkunde sollen ergebnisoffen erforscht werden. Das ist in diesem Bereich nicht so selbstverständlich, wie es sein sollte. Wenn aus politischen Gründen komplementärmedizinische Forschung an Universitäten durchgedrückt wird, entwickelt sich daraus nicht selten eine einseitige Bestätigungs- und Rechtfertigungsforschung, die wissenschaftlich zurecht nicht mehr ernst genommen wird.

Ein Beispiel für einseitige Zugänge ist wohl die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder mit dem „Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften“, das mit wissenschaftlich fragwürdigen Lehrveranstaltungen und skurilen Forschungsarbeiten in die Kritik gekommen ist.

Siehe:

Europa-Universität Viadrina: Esoterik-Institut vor dem aus

An der Europa-Universität Viadrina wird der Lehrstuhl von Harald Walach durch den Homöopathika-Hersteller Heel finanziert. Harald Walach ist der diesjährige Preisträger des „Goldenen Bretts“:

„Das «Goldene Brett vorm Kopf 2012» geht an Harald Walach, Professor an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder…..Das gab die Gesellschaft für Kritisches Denken bekannt.

Die Verleihung der Preise für den «erstaunlichsten pseudowissenschaftlichen Unfug» fand…..im Naturhistorischen Museum Wien statt. Der Komplementär-Mediziner Walach wurde dabei für sein «einzigartiges Bemühen, wissenschaftsbefreite Theorien in die akademische Welt hineinzubringen», gewürdigt.“

Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Goldenes-Brett-vorm-Kopf-fuer-Erich-von-Daeniken/story/26845575

Forschung muss sich an den besten Standards orientieren – auch die Forschung im Bereich Komplementärmedizin und Naturheilkunde. Je mehr sich Forschung an dehnbareren, „weicheren“ Standards orientiert, desto grösser wird der Interpretationsspielraum. Und das dient letztlich weder der Wissenschaft noch der „Komplementärmedizin“.

Siehe auch: Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

Das Berufungsverfahren für den Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Zürich hat bisher in der Schweiz kaum Wellen geschlagen. Erstaunlicherweise geht nun die „Die Süddeutsche“ in einem ausführlicheren Beitrag darauf ein:

Der Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Uni Zürich ist etwas Besonderes: Er ist im deutschsprachigen Raum der einzige, der nicht durch Interessengruppen finanziert wird. Ausgerechnet hier hat die Kandidatur einer deutschen Homöopathie-Forscherin nun zum Eklat geführt. Edzard Ernst, einer der renommiertesten Kritiker der Komplementärmedizin, wurde aus der Berufungskommission gedrängt.“

Mir war nicht bewusst, dass der Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Zürich im deutschsprachigen Raum der einzige ist, der nicht von Interessengruppen finanziert wird.

Bei der deutschen Homöopathie-Forscherin, die sich für den Lehrstuhl in Zürich bewirbt, und auf welche die „Süddeutsche“ hinweist, handelt es sich um Prof. Claudia Witt von der Charité Berlin. Ihr Lehrstuhl wird von der Carstens-Stiftung finanziert, einer Organisation zum Zwecke der Homöopathie-Förderung. Meinem Eindruck nach bemüht sich Claudia Witt um Ergebnisoffenheit und um differenzierte Stellungnahmen, aber sie laviert manchmal auch. Es sind an der Charité allerdings zudem einige Studien durchgeführt worden, die viel Interpretationsspielraum offen lassen und von der „Homöopathie-Szene“ sofort als Beweis für die Wirksamkeit ihrer Methode gefeiert wurden, eine Schlussfolgerung, welche die Studien nicht ansatzweise hergeben.

Im Artikel der „Süddeutschen“ wird die Forschungsarbeit von Claudia Witt kritisch kommentiert von Edzard Ernst, ehemaliger Professor für Komplementärmedizin in Exeter,  und von Jürgen Windeler vom unabhängigen Institut für Qualitätskontrolle und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG).

Den ganzen Artikel finden Sie hier:

Alternative Heilverfahren an Hochschulen: Wissenschaft in homöopathischen Dosen

An der Universität Rostock gibt es noch den Lehrstuhl für Naturheilkunde, der mit Prof. Karin Kraft besetzt ist. Sie befasst sich intensiv mit Phytotherapie und publiziert dazu auch in Fachzeitschriften. Ihr Forschungsarbeit kann ich nicht beurteilen, ihre Fachartikel sind aber sorgfältig und fundiert geschrieben.

Auch der Lehrstuhl an der Universität Rostock ist eine Stiftungsprofessur, wobei mir aber scheint, dass die Stifter und Sponsoren etwas breiter angesiedelt sind als bei der Stiftungsprofessur an der Charité und an der Vaidrina.

Arzneipflanzenkunde ist an Universitäten gut etabliert

Aus phytotherapeutischer Perspektive könnte noch ergänzt werden, dass es im Pharmazie-Studium eine ganze Reihe von Lehrstühlen im Bereich der Pharmazeutischen Biologie gibt, die sich gut etabliert mit Lehre und Forschung zum Thema Arzneipflanzenkunde befassen.

Um beispielhaft und unvollständig ein paar Namen ehemaliger oder aktiver Persönlichkeiten zu nennen:

Rudolf Hänsel (Universität Berlin), Hildebert Wagner (Universität München), Rudolf Bauer (Universität Düsseldorf), Theo Dingermann (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Georg Schneider (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Ilse Zündorf (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Otto Sticher (ETH Zürich), Jürgen Reichling (Universität Heidelberg), Michael Wink (Universität Heidelberg), Max Wichtl (Universität Marburg), Elisabeth Stahl-Biskup (Universität Hamburg), Rudolf Bauer (Universität Graz) sowie last, aber ganz sicher nicht least: Heinz Schilcher (Freie Universität Berlin).

Phytotherapie hat keine eigene Diagnostik. Daher ist für die Phytotherapie die Arzneipflanzenkunde, wie sie in der Pharmazeutischen Biologie erforscht und vermittelt wird, absolut zentral.

Und die aufgeführten Beispiele zeigen, dass Phytotherapie bestens in die Wissenschaft integriert ist und damit auch nicht zur Komplementärmedizin gerechnet werden kann.

Siehe auch: Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

Phytotherapie ist ein Teil der Naturheilkunde und damit ein (randständiger) Teil der Medizin.

Siehe: Naturheilkunde – was ist das?

Zu hoffen ist, dass bei der Besetzung des Lehrstuhles für Naturheilkunde an der Universität Zürich eine Person gewählt wird, die gute Forschung gewährleisten kann und auch wirklich im Bereich der Naturheilkunde – und damit auch der Phytotherapie – „zuhause“ ist.

Eine Stellungnahme zu den Vorgängen rund um die Neubesetzung des Lehrstuhle für Naturheilkunde ist gerade erschienen auf skeptiker.ch

Wenn Sie interessiert sind daran, Begriffe wie Komplementärmedizin, Alternativmedizin, Naturheilkunde vertiefter zu verstehen, dann bekommen Sie Informationen dazu im Tagesseminar „Komplementärmedizin verstehen und beurteilen“, am 18. November 2012 in Winterthur. Der Kurstag vermittelt auch Orientierungspunkte und Kriterien, mit denen man im weitläufigen Dschungel der Komplementärmedizin die Spreu vom Weizen unterscheiden kann.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Ingwer gegen Infektionen?

Im Phyto-Forum der Aerztezeitung wurde die Frage aufgeworfen, wie ist es um die Wirksamkeit von Ingwer (Zingiber officinale) bei viralen und bakteriellen Infekten bestellt ist.

Professor Jürgen Reichling gab dazu folgende Antwort:

„Zubereitungen aus dem Ingwerwurzelstock (Zingiberis rhizoma) werden hauptsächlich bei dyspeptischen Beschwerden und zur Verhütung der Symptome der Reisekrankheit eingesetzt.

Hingegen ist die volkstümliche Anwendung von Ingwerzubereitungen bei Husten und Erkältungskrankheiten derzeit wissenschaftlich nicht belegt. Die antibakterielle und antimykotische Wirkung von Ingwerzubereitungen sind zudem nur schwach ausgeprägt.

Hingegen hat sich das ätherische Öl aus dem Ingwerwurzelstock in vitro gegenüber dem Herpes-Simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) als äußerst wirksam erwiesen.“

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/phytotherapie/article/811558/knoblauch-ingwer-infektionen.html?sh=8&h=-1673844218

Kommentar & Ergänzung:

Gut geklärt ist die Wirksamkeit von Ingwer bei Verdauungsbeschwerden ( = dyspeptische Beschwerden): Inwerwurzelstock bewirkt eine Steigerung von Tonus und Peristaltik im Darm und fördert Magensaftsekretion und Speichelsekretion. Ausserdem wird der Gallenfluss gesteigert.

Interessant ist die Wirksamkeit gegen Übelkeit und Erbrechen.

Siehe dazu:

Ingwertee gegen Übelkeit und Erbrechen

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen?

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Buchtipp: Ingwer – Gesundheit und Genuss

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Un zum Thema Ingwer & Erkältungskrankheiten:

Ingwer bei Erkältungen

Ingwer: Inhalationen gegen Schnupfen

Ausserdem:

Ingwer vermindert Muskelschmerz

Interessant ist die Wirksamkeit des ätherischen Ingweröls gegen Herpes-simplex-Virus Typ 1 (Fieberbläschen, Lippenbläschen). Neben dem Ingweröl sind gegen Herpes-simplex-Viren beispielsweise auch wirksam Melissenöl, Pfefferminzöl, Teebaumöl.

Siehe:

Herpesviren mit Melissenöl und Teebaumöl stoppen

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Knoblauch gegen Infektionen

Im Phyto-Forum der Aerztezeitung wurde die Frage aufgeworfen, wie ist es um die Wirksamkeit von Allium sativum (Knoblauch) bei viralen und bakteriellen Infekten bestellt ist.

Professor Jürgen Reichling gab dazu folgende Antwort:

„Zubereitungen aus der Knoblauchzwiebel (Allii sativi bulbus) werden adjuvant bei Erhöhung der Blutfettwerte und zur Vorbeugung altersbedingter Gefäßveränderungen angewendet. Verschiedentlich werden Zubereitungen aus der Droge auch zur Behandlung von Infektionen und Entzündungen des oberen Respirationstraktes empfohlen.

Diese Empfehlung stützt sich auf die Tatsache, dass Lauchöle in vitro sowohl gegen Gram-positive und Gram-negative Bakterien als auch gegen Candida-Arten (Hefepilze) und Influenzaviren wirksam sind. In Tierexperimenten am Meerschweinchen hemmten sie zudem das Wachstum verschiedener Hautpilze.“

„Droge“ meint hier „Heilpflanze“, also Knoblauch, nicht wie im heutigen Sprachgebrauch „Rauschmittel“.

Die Wirkung von Knoblauch gegen verschiedene Bakterien, Hautpilze und Viren ist verhältnismässig gut untersucht. Allerdings stellt sich bei diesen Experimenten in-vitro (= im Labor, im Reagenzglas) immer die Frage, ob und in wie weit sich solche Resultate auf Erkrankungssituationen beim Menschen übertragen lassen.

Bei lokalen Wirkungen auf der Haut beispielsweise ist eine solche Wirkung plausibel, ob sie aber auch systemisch nach Aufnahme in den Organismus aus dem Verdauungstrakt zu erwarten ist, bleibt oft fraglich. Prof. Reichling erwähnt in dieser Hinsicht folgende Studie:

„Laut einer Studie in England soll es bei einer täglichen Einnahme von 1 Knoblauchkapsel über einen Zeitraum von 4 Monaten zu weniger Erkältungskrankheiten im Vergleich zur Placebogruppe gekommen sein (24 versus 65 Prozent).“

Leider fehlen hier genauere Angaben zu dieser Studie, wodurch ihre Aussagekraft nicht beurteilt werden kann. Falls Knoblauchkapseln nämlich tatsächlich eine vorbeugende Wirkung gegen Erkältungskrankheiten haben sollten, wäre das sehr bemerkenswert.

Einen entsprechenden Ruf als Schutzmittel gegen Infektionen hat Knoblauch in der traditionellen Pflanzenheilkunde schon lange.

Quelle der Zitate:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/phytotherapie/article/811558/knoblauch-ingwer-infektionen.html?sh=8&h=-1673844218

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Phytotherapie bei Kontaktekzem

Im „Phyto-Forum“ der „Aerzte-Zeitung“ wurde vor kurzem folgende Frage gestellt: „Welche Möglichkeiten gibt es, bei einem Kontaktekzem mit pflanzlichen Wirkstoffen etwas auszurichten?“

Beantwortet hat die Frage Professor Jürgen Reichling. Er führte zuerst aus, dass Kontaktekzeme durch Allergene (allergisches Kontaktekzem) oder durch Haut irritierende Stoffe (toxisches Kontaktekzem) hervorgerufen werden. Im Vordergrund stehe daher zunächst die Erkennung und Meidung der infrage kommenden Allergene oder irritierenden Stoffe.

Phyto-Dermatika zur äußeren Anwendung können durchaus eine sinnvolle Ergänzung zu einer Therapie mit Glukokortikoiden sein, schreibt Reichling. Die Therapie richte sich dabei nicht nach den Ursachen des Ekzems, sondern im Wesentlichen nach der Verlaufsform oder nach den symptomatischen Beschwerden.

„Da die Behandlung des Ekzems stadiengerecht erfolgen sollte, kommt der jeweiligen Darreichungsform große Bedeutung zu. Hier ist der Rat eines erfahrenen Dermatologen oder Apothekers unerlässlich.

Wässrige und wässrig-alkoholische Zubereitungen aus Heilpflanzen werden bevorzugt in Form von Bädern, Teilbädern, Umschlägen, Salben, Cremes und Pasten eingesetzt. Die infrage kommenden Heilpflanzen zeichnen sich durch ein breites Wirkungsprofil aus.“

Kommentar M.K.: Im Bereich der „Phyto-Dermatologie“ ist es tatsächlich entscheidend, dass die Behandlung dem jeweiligen Ekzemstadium angepasst wird. Dabei kommt es nicht nur auf die Auswahl einer geeigneten Heilpflanze an. Genauso wichtig ist die passende Darreichungsform. Konkret: Akute, nässende Ekzeme werden nass behandelt (Wässrige Umschläge oder Teilbäder zum Beispiel mit Eichenrinde), je chronisch-trockener das Ekzem ist, desto fetter die Darreichungsform.

„Sie besitzen zumeist entzündungshemmende, juckreizstillende, antimikrobielle, granulations- und wundheilungsfördernde sowie sekretionshemmende Eigenschaften. Gerbstoffhaltige Pflanzendrogen werden hierbei bevorzugt eingesetzt, wie zum Beispiel Zubereitungen aus Eichenrinde, Odermennigkraut, schwarzen und grünen Teeblättern, Walnussblättern sowie Hamamelisrinde und Hamamelisblättern.“

Kommentar M.K.:

Das Wort „Pflanzendrogen“ ist etwas irreführend. Unter „Drogen“ versteht man in der Phytotherapie „getrocknete Heilpflanze“.

Gerbstoffreiche Heilpflanzen werden vor allem bei nässenden Ekzemen als Umschläge oder Teilbäder eingesetzt. Einen sehr hohen Gerbstoffanteil hat die Eichenrinde. Aber auch Grüntee oder Schwarztee können äusserlich als Gerbstoff-Anwendung eingesetzt werden, sofern man den Tee lange ziehen lässt.

„Bewährt haben sich auch Zubereitungen aus Spitzwegerichkraut, die eine entzündungshemmende Wirkung aufweisen sowie Zubereitungen aus Kamillenblüten, die sowohl entzündungshemmende, juckreizstillende, antimikrobielle als auch granulations- und wundheilungsfördernde Eigenschaften besitzen.“

Kommentar M.K.: Spitzwegerichkraut ist für die Ekzembehandlung eher unüblich. Die Tradition spicht dem Spitzwegerich eher wundheilende und entzündungswidrige Wirkung zu. Ausserdem enthält der Spitzwegerich antimikrobielle Wirkstoffe.

„Von Hamamelisrinde und -blättern sowie Kamillenblüten gibt es Fertigarzneimittel in Form von Cremes und Salben sowie von Extrakten für Bäder, Teilbäder und Umschläge. Vom Ballonrebenkraut sind Salben und Cremes verfügbar, die eine 10-prozentige homöopathische Urtinktur als Wirkstoff enthalten.

In klinischen Beobachtungsstudien konnte eine gute Verträglichkeit und eine entzündungshemmende Wirkung nachgewiesen werden.“

Kommentar M.K.:

Bei Hamamelis (Zaubernuss) ist das im Vergleich zu Kamille sehr geringe Allergiepotenzial bemerkenswert.

Ballonrebe (Cardiospermum) gehört zu den vergleichsweise wenigen Heilpflanzen der Phytotherapie, die aus Afrika stammen. Weitere Beispiele sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Perargonie).

Quelle der Zitate:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/683811/welche-phyto-dermatika-helfen-kontaktekzemen.html

Vertiefte Informationen im Tagesseminar „Heilpflanzen bei Hauterkrankungen und Wunden“.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

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Heilpflanzen bei Pilzerkrankungen (Mykosen)

Im „Phyto-Forum“ der Aerztezeitung wurde vor kurzem folgende Frage gestellt:

„Gibt es Pflanzenextrakte gegen Hautpilze? Ich habe vor einiger Zeit etwas von Lavendelöl gehört. In welcher Form oder Zubereitung bei welchen Mykosen wäre das denn geeignet – falls ich mich recht erinnere.“

Auf diese Frage antwortete Professor Jürgen Reichling. Hier die wichtigsten Aussagen und dazu kurze Zwischenbemerkungen von mir.

Wer verursacht die Mykosen?

„Pilzinfektionen der Haut können durch Dermatophyten (Fadenpilze), Hefepilze (zum Beispiel Candida-Arten) und Schimmelpilze (zum Beispiel Aspergillus niger) verursacht werden. In den Zehenzwischenräumen und an den Nägeln der Finger und Zehen treten bevorzugt Fadenpilzerkrankungen hervor.“

Und wie zeigen sich die Pilzerkrankungen der Haut?

„Typisch für den Pilzbefall der Haut sind umschriebene, scharf begrenzte, leicht schuppende und randständig gerötete Herde, die leicht jucken.“

Wie steht es mit Untersuchungen zur Wirksamkeit von Heilpflanzen-Präparaten bei Pilzerkrankungen?

„Bisher gibt es keine zugelassenen pflanzlichen Antimykotika. Andererseits haben in experimentellen In-vitro-Studien vor allem verschiedene ätherische Öle fungizide Eigenschaften gezeigt. Sie waren besonders gegen Fadenpilze und Hefepilze wirksam.“

Tatsächlich zeigen sehr viele ätherische Öle pilzhemmende oder pilztötende Wirkungen. Beispiele sind Teebaumöl, Lavendelöl, Eukalyptusöl, Kümmelöl, Thymianöl.

„Bisher konnte allerdings die Wirksamkeit von pflanzlichen Antimykotika nur in wenigen standardisierten klinischen Studien belegt werden. In einer Beobachtungsstudie konnte etwa für Teebaumöl gezeigt werden, dass das ätherische Öl die Symptome einer Nagelpilzinfektion an Fingern und Zehen signifikant reduziert. Die Patienten berichteten übereinstimmend, dass vor allem die Hautrötungen und der Juckreiz stark gemildert wurden. Der Nagelpilz selbst konnte allerdings nicht abgetötet werden.“

Das entspricht meinen eigenen Beobachtungen bei Nagelpilz-Erkrankungen. Der Pilz ist hier für die ätherischen Öle schwer erreichbar und daher kaum wirksam zu bekämpfen.

„Die Symptomlinderungen lassen sich mit der Beobachtung erklären, dass viele ätherische Öle neben hautregenerierenden auch entzündungshemmende und juckreizstillende Eigenschaften aufweisen.“

Einverstanden. Im Gegensatz zum Nagelpilz kann aber bei Fusspilz oder Vaginalpilz mit ätherischen Ölen durchaus eine wirksame pilzhemmende oder pilztötende Wirkung erreicht werden.

„Aus der Erfahrungsheilkunde weiß man, dass bei Fußpilz- und Nagelpilzerkrankungen zum Beispiel Bäder und Einreibungen mit ätherischen Ölen von Teebaum, Thymian, Rosmarin, Lavendel, Nelke, Kümmel, Kamille und Myrrhe fungizid wirken.“

Hier wird die Differenzierung zwischen Nagelpilz (kaum erfolgreich mit ätherischen Ölen behandelbar) und Fusspilz (mit ätherischen Ölen oft gut behandelbar) wieder verwischt. Ausserdem scheinen mir Bäder – also ätherische Öle in Wasser gemischt – nur beschränkt fungizid (pilztötend) wirksam. Einreibungen von ätherischem Öl gemischt mit fettem Öl dürften wirksamer sein.

„Im Handel gibt es antimykotische Nagelprotektor-Stifte, die verschiedene ätherische Öle (etwa Lavendel- und Teebaumöl) und pflanzliche Extrakte (etwa Niembaumextrakte) enthalten und die gut zur Pflege eingesetzt werden können. Ätherische Öle können auch in Form von Lösungen, Cremes und Gelen auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden. In jedem Fall muss beachtet werden, dass ätherische Öle nur verdünnt (1-3 Prozent) verwendet werden sollten, da sie prinzipiell hautreizend sind. Menschen mit bekannter Duftstoffallergie ist von der Verwendung ätherischer Öle abzuraten.“

Grundsätzlich finde ich auch, dass man mit ätherischen Ölen sorgfältig umgehen soll und dass daher eine Verdünnung empfehlenswert ist. Für eine vergleichsweise gut verträgliches ätherisches Öl wie Lavendelöl scheint mir aber eine 1 – 3 %ige Konzentration sehr tief. In manchen Situationen kann man Lavendelöl auch pur verwenden.

„Außer den oben genannten ätherischen Ölen haben sich auch Bäder mit Eichenrinde oder auch Einreibungen mit Propoliszubereitungen bewährt. Generell ist allerdings zu beachten, dass die antimykotische Wirksamkeit von pflanzlichen Zubereitungen eher als begrenzt anzusehen ist.“

Bei Fusspilz eignet sich ein Fussbad mit Eichenrinde vor allem in einem nässenden Stadium und wenn die betroffenen Hautstellen offen sind. Erst anschliessend würde ich ätherische Öle empfehlen.

Das Bienenkittharz Propolis wirkt gut fungizid, doch muss auch hier auf die Verträglichkeit geachtet werden, da es zu Allergien führen kann.

„Pflanzliche Pilzmittel stellen daher immer nur eine begleitende therapeutische Maßnahme dar, nie eine alleinige.“

Das würde ich so absolut nicht sagen. In leichten Fällen sind ätherische Öle bei Mykosen durchaus erfolgreich. Wichtig ist es allerdings, dass die Behandlung genügend lange fortgesetzt wird, weil bei zu frühzeitigen Therapie-Ende ein Rückfall droht.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/647854/pflanzliche-pilzmittel-immer-nur-zusaetzlich.html

Kommentar & Ergänzung:

Zum Thema Lavendelöl & Pilzerkrankungen siehe auch:

Lavendelöl wirksam gegen Hautpilze

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Ärztezeitung neu mit Phytotherapie-Expertenrat

Die „Ärztezeitung“ führt neu einen Online-Expertenrat für Phytotherapie ein. Betreut wird das „Phyto-Forum“ durch:

Dr. Rainer C. Görne: Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie, Facharzt für Klinische Pharmakologie, Diabetologie, Neustadt a. d. Weinstraße

Professor Karin Kraft: Lehrstuhl für Naturheilkunde, Zentrum für Innere Medizin, Uni Rostock

Professor Karen Nieber: Lehrstuhl Pharmakologie für Naturwissenschaftler, Institut für Pharmazie, Uni Leipzig

Professor Jürgen Reichling: Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie, Uni Heidelberg

Rainer C. Görne ist mir im Zusammenhang mit Phytotherapie bisher nicht bekannt.

Karin Kraft schreibt seit Jahren in medizinischen Zeitschriften fundierte Beiträge zum Thema Phytotherapie.

Karen Nieber gewann 2003 den Hans-Heinrich-Reckeweg-Preis der “Internationalen Gesellschaft für Homotoxikologie e.V.” und der Internationalen Gesellschaft für Biologische Medizin e.V. für den vermeintlichen Wirkungsnachweis Homöopathischer Mittel. Sie gab diesen Preis später zurück, weil bei der zugrunde liegenden Studie schwere Fehler zu einem falschen Ergebnis geführt hatten. Die Kontroverse um diesen Fall ist hier dokumentiert: http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Karen_Nieber

Jürgen Reichling ist seit langem Autor von fundierten Phytotherapie-Fachbüchern.

Die „Ärztezeitung“ schreibt im Zusammenhang mit dem neuen Phyto-Forum zur Phytotherapie:

„Phytotherapie hat einen festen Stellenwert in der Heilkunst. Sie wird ergänzend zu synthetischen Arzneimitteln angewandt oder als Alternative.

Dabei ist Phytotherapie nichts für Gegner der Schulmedizin, die schon mit dem Glauben an eine Wirkung zufrieden sind. Phytopharmaka sind hoch wirksame Arzneimittel, deren Wirkung auf den enthaltenen pflanzlichen Substanzen beruht.

Über die Wirkmechanismen dieser Stoffe wird an deutschen Hochschulen ebenso geforscht wie in der Industrie. Wie etwas wirkt, ist eine immer wieder gestellte Frage zu Arzneimitteln jeglicher Herkunft.“

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/642481/jetzt-online-expertenrat-forum-phytotherapie.html

Kommentar & Ergänzung:

Den Ausdruck „Heilkunst“ empfinde ich immer ein wenig als hochgestochen. Ansonsten spricht der Text aber ein wichtiges Thema an:

Phytotherapie strebt danach, Aussagen über die Wirkung von Heilpflanzen mit Argumenten zu begründen. In diesem Sinne ist Phytotherapie kompatibel mit einer demokratischen Gesellschaftsstruktur, welche die Auseinandersetzung auf argumentativer Ebene zur Basis hat.

Heilmethoden und Heilmittel, die ohne Begründungen operieren und an blinde Gläubigkeit appellieren, sind meines Erachtens schädlich für die demokratisch-politische Kultur. Sie gewöhnen den Menschen die Fähigkeit ab, Versprechungen durch kritische Fragen auf ihren realen Gehalt zu untersuchen und Schein von Sein zu unterscheiden.

Wenn man sieht, wie sich in abendländischen Demokratien breite Bevölkerungsschichten in einer fraglosen Gläubigkeit von „schönem“ Schein einlullen lassen, dann ist das besorgniserregend.

Ein Silvio Berlusconi, mafianaher Egomane, der Gesetze auf seine eigene Person zuschneidet, um sich vor der Justiz zu retten und sein Amt für persönliche Zwecke schamlos nach Strich und Faden missbraucht…

Ein Blender wie Jörg Haider mit seiner korrupten Vetternwirtschaft…

Eine Tea-Party in den USA mit ihren absurden Verschwörungstheorien…..

Ein Karl-Theodor zu Guttenberg, so perfekt verpackter und vermarkteter Politiker, dass seine Anhängerinnen und Anhänger ihm auch ein bisschen Betrug beim Abfassen seiner Dissertation nicht nachtragen….

Aber auch ein Christoph Blocher, der ständig gegen eine „Classe politique“ wettert, der er skurriler weise selber angehört…..

…sie wären so nicht möglich, wenn breite Kreise das Stellen kritischer Fragen nicht derart verlernt hätten.

Unter anderem auch aus diesem Grund verlange ich mit Nachdruck eine verstärkte Kultur kritischen Nachfragens bei Themen aus dem Bereich der Komplementärmedizin – gerade weil hier fraglose Gläubigkeit weit verbreitet ist.

Zur Frage: Was ist Phytotherapie?

Was ist Phytotherapie? Was ist Integrative Phytotherapie?

Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

Im Text aus der „Ärztezeitung“ wird der fragwürdige Ausdruck „Schulmedizn“  verwendet. Siehe dazu:

Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Herpesviren mit Melissenöl und Teebaumöl stoppen

Ob Herpes labialis (Fieberbläschen) oder Herpes genitalis (Genitalherpes):

Verschiedene ätherische Öle hemmen die auslösenden Viren. Im Vordergrund stehen Melissenöl und Teebaumöl.

Gerade für Patienten mit häufig wiederkehrenden Herpes-Erkankungen könnten die ätherischen Öle eine interessante Lokaltherapie darstellen.

Herpesinfektionen werden oft mit der antiviralen Substanz Aciclovir oder verwandten Medikamenten behandelt. Allerdings gibt es zunehmend Virusstämme, die gegen die üblichen antiviralen Mittel resistent sind, was hauptsächlich für Patienten mit Immundefekt problematisch ist. Vor diesem Hintergrund gewinnen antivirale und antimikrobielle Extrakte und ätherische Öle aus Heilpflanzen zunehmend an Bedeutung, stellt Prof. Dr. Jürgen Reichling vom Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie an der Universität Heidelberg fest.

Speziell unangenehm sind Infektionen mit dem Herpes-simplex-Virus (HSV) Typ 1, das zur schmerzhaften Gingivostomatitis herpetica und zu rezidivierendem (wiederkehrendem) Lippenherpes (Fieberbläschen) führt. HSV Typ 2 wird sexuell übertragen und ist der häufigste Auslöser für Herpeserkrankungen im Genitalbereich.

Prof. Reichling und sein Team untersuchten in vitro ( = im Reagenzglas) an Zellen, auf denen Herpesviren kultiviert wurden, wie Melissenöl auf HSV-1 und HSV-2 wirkt. Wurde das Melissenöl in nichtzytotoxischen Konzentrationen hinzugefügt, reduzierte sich die Bildung von Virusplaques signifikant um 98,8 % (HSV-1) bzw. um 97,2 % (HSV-2). Bei höheren Konzentrationen ließ sich fast keine Virusinfektiosität mehr feststellen.

Ätherisches Öl aus Zitronenmelisse übt eine direkte antivirale Wirkung auf Herpesviren aus. Weil das Melissenöl lipophil (fettliebend) ist und in die Haut eindringen kann, eignet es sich möglicherweise zur Lokalbehandlung von Herpesinfektionen.

Nicht nur die Zitronenmelisse (Melissa officinalis) hat heilsame ätherische Öle zu bieten. Interessant ist ebenfalls das Teebaumöl, welches antiviral wirkt und für die Lokalbehandlung des Herpes genitalis vielversprechend sein dürfte.

Quelle:

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=100576&dspaid=819103

Kommentar & Ergänzung:

Antiviral gegen Herpesviren wirkt nicht nur Melissenöl, sondern auch Melissenextrakt. Er verhindert durch Rezeptor-Blockade das Eindringen des Virus in noch nicht infizierte epidermale Wirtszellen.  Diese virustatischen Eigenschaften werden den glykosidisch gebundenen Phenolcarbonsäuren und  deren Polymeren zugeschrieben.

Auch Salbeiextrakt und Rhabarberwurzel-Extrakt zeigen gute Effekte gegen Herpesviren und werden gegen Lippenbläschen (Fieberbläschen) eingesetzt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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[Buchtipp] Heilpflanzenkunde für Veterinärpraxis, von Jürgen Reichling, Marijke Frater-Schröder, Reinhard Saller

Verlagsbeschreibung

Heilpflanzenkunde-VeterinaerpraxisAuch in der 3., vollstandig aktualisierten und erweiterten Auflage gibt das bewahrte Buch eine systematische und praxisnahe Einfuhrung in die Anwendung von Heilpflanzen in der Veterinarpraxis. Nach Indikationsgebieten geordnet werden zu jeder relevanten Pflanze die botanischen Eigenschaften, die Inhaltsstoffe und ihre Wirkungen, die Anwendungsgebiete mit exakten Dosierungen und Rezepturen und mogliche unerwunschte Wirkungen sowie rechtliche Regelungen zur Anwendung beschrieben; zusatzlich werden alle Pflanzen durch eine oder mehrere Abbildungen veranschaulicht. Neu in der 3. Auflage sind die Beschreibungen 8 weiterer Pflanzen, die Angabe der verfugbaren Pflanzenpraparate zu jeder Heilpflanze, Hinweise auf spezifische Regelungen zur Anwendung in der Schweiz sowie eine Liste ausgewahlter Bezugsquellen im deutschsprachigen Raum. Eine neu eingefuhrte ubersichtliche Tabelle erleichtert fur die wichtigen Anwendungsgebiete die Suche nach den geeigneten Heilpflanzen. Einfuhrende Kapitel zu den pharmakologischen und rechtlichen Grundlagen sowie ein ausfuhrlicher Anhang mit Begriffserklarungen und Listen zum Nachschlagen runden die Darstellung ab.”  »Zum Shop

Kommentar:

Heilpflanzenkunde für Tierärzte

Optimaler könnte ein Autoren-Team für ein solches Buch wohl nicht zusammengesetzt sein. Hier fliesst das Wissen von phytotherapeutisch versierten Tierärztinnen, Pharmazeuten und Medizinern zusammen. Beteiligt ist unter anderen Reinhard Saller, Professor für Naturheilkunde an der Universität Zürich.

Bei den meisten Heilpflanzen sind die hier beschriebenen Wirkungen und Indikationen identisch mit denen, die wir aus humanmedizinischen Phytotherapie-Fachbüchern kennen. Das Buch liefert Dosierungsangaben und Rezepturbeispiele für die Pflanzenheilkunde bei Tieren. Es werden rund 100 Heilpflanzen besprochen und mit Fotos vorgestellt.

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