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Wirkt Zink gegen Erkältungen? Das ist sehr fraglich!

Um die Frage, ob Zink gegen Erkältungen helfen kann, gibt es immer wieder Diskussionen.

Auf den ersten Blick scheint die Studienlage darauf hinzuweisen, dass Zink, wenn es in der Dosierung von 75 mg / Tag eingenommen wird, die Erkrankungsdauer verringern kann. Nachweisen lässt sich ein solcher Effekt allerdings nur, wenn die Einnahme innerhalb von 24 Stunden nach Beginn der ersten Symptome geschieht.

Der Effekt ist jedoch bescheiden. Wer Zink-Präparate einnimmt, dürfte seine Erkältung um durchschnittlich einen Tag abkürzen. Eine Erkältung dauert unbehandelt im Durchschnitt etwa eine Woche.

Zur Frage, ob die Erkältung infolge der Zinkeinnahme milder verläuft, fallen die Resultate widersprüchlich aus. Dass die Schwere der Erkältungssymptome durch Zinkeinnahme gemildert wird, lässt sich jedenfalls nicht belegen.

Der Nutzen einer langfristigen Einnahme zur Vorbeugung, das heißt mindestens 75 mg pro Tag über fünf Monate, lässt sich bislang ebenfalls nicht beurteilen. Es existieren dazu schlichtweg zu wenige Daten.

Diese Bewertungen basieren auf einer systematischen Übersichtsarbeit & Meta-Analyse der Cochrane Collaboration von Sinh (2013). Diese Arbeit wiederum basiert auf der Auswertung von insgesamt 18 randomisiert-kontrollierten Studien mit total 1781 Personen.

Aber jetzt kommt der Clou:

 

Diese entscheidende Metaanalyse zu Zink & Erkältungen wurde inzwischen wegen gravierender Mängel zurückgezogen.

Infos dazu hier:

https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD001364.pub5/full

Da frühere Studien keinen Nutzen zeigen konnten, fehlt im Moment eine wissenschafltiche Basis,  um Zinkpräpraten eine Wirksamkeit zuzuschreiben.

Dazu kommt noch:

Zink-Präparate schmecken nicht besonders gut und können manchmal Übelkeit hervorrufen.

Als Sirup oder Tabletten sollen sie gemäss den vorliegenden wissenschaftlichen Studien jedoch besser verträglich sein  als in Form von Lutschpastillen.

Zink soll in der Regel nüchtern eingenommen werden, also eine Stunde vor oder zwei Stunden nach einer Mahlzeit, weil gleichzeitig aufgenommene Nahrungsmittel, Genussmittel und Medikamente die Aufnahme in den Körper verringern können.  Das betrifft beispielsweise Kaffee, Schwarztee oder Getreideflocken.

Hohe Zink-Dosen sollen ohne Indikation nicht über längere Zeit eingenommen werden, weil daraus ein Kupfermangel entstehen kann.

Keinesfalls sollte Zink in den hohen Dosierungen, die gegen Erkältungen empfohlen werden (75mg/Tag), über längere Zeit eingenommen werden. Als Obergrenze für die tägliche Zink-Aufnahme nennt das  Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für Erwachsene 25 mg pro Tag – wobei Zink in Lebensmitteln mit einberechnet ist.

Den normalen Tagesbedarf an Zink kann man zudem gut mit der Ernährung decken.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Männer eine tägliche Zinkzufuhr von zehn Milligramm (mg), für Frauen von sieben mg.

Dieser Bedarf lässt sich beispielsweise über zwei Scheiben Vollkornbrot mit Käse und fünf Esslöffeln Haferflocken decken. Jürgen Thier-Kundke vom BfR.

 sagt: „Deutschland ist kein Zinkmangelgebiet. Ein sich ausgewogen ernährender Mensch braucht keine Nahrungsergänzungsmittel.“

 

Insgesamt lässt sich meines Erachtens der Schluss ziehen: Zinkpräparate sind sowohl hoch dosiet gegen Erkältungen als auch niedriger dosiert als Supplement in Nahrungsergänzungsmitteln von Spezielfällen abgesehen überflüssig. Nutzen daraus ziehen nur die Hersteller und Verkäufer der Präparate.

 

 

 

Quellen:

https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/947057/erkaeltungpraevention-gewappnet-husten-schnupfen-heiserkeit.html

https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Zink

https://www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/Zink-Gut-fuer-die-Gesundheit-aber-kein-Alleskoenner-id40521086.html

Kann Kaffee Alzheimer und Herzkrankheiten vorbeugen?

Je dunkler der Kaffee geröstet wird, desto besser soll er fürs Gehirn sein. Dieses Fazit ziehen Wissenschaftler der University of Toronto in einer Studie.

Kaffee mit dunkler Röstung soll demnach Gehirnkrankheiten wie Parkinson oder Alzheimer vorbeugen.

Ausschlaggebend für diese Wirkung soll eine Gruppe von Inhaltsstoffen sein, die Phenylindane, die im Zuge der Röstung entstehen. Untersucht wurden drei Kaffeesorten – heller Röstung, dunkler Röstung und entkoffeinierter dunkler Röstung. Die Studienautoren Ross Mancini, Yanfei Wang und Donald Weaver schreiben, dass dunkle Röstungen (auch in entkoffiinierter Variante) besonders viele Phenylindane enthalten, die wiederum die Produktion von mit Alzheimer und Parkinson in Verbindung stehenden Proteinen (Beta-Amyloid und Tau) hemmen.

Je länger die Röstung, desto mehr potentiell gesunde Phenylindane im Kaffee

Auf die Frage, welche Menge von Kaffee für eine vorbeugende Wirkung nötig ist, gibt die Untersuchung hingegen keine Antwort.

Ungeklärt bleibt auch, ob Kaffee als therapeutisches Mittel bei bestehenden Erkrankungen eingesetzt werden könnte. Dazu bedürfe es weiterer Forschung, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle:

https://diepresse.com/home/leben/gesundheit/5528069/Studie_Kaffee-wirkt-gegen-Alzheimer-und-Herzkrankheiten

Originalstudie:

Phenylindanes in Brewed Coffee Inhibit Amyloid-Beta and Tau Aggregation

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnins.2018.00735/full

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessant finde ich, dass die Röstung hier eine Rolle zu spielen scheint. Allerdings muss auch gesagt werden, dass wir es hier mit einer reinen Laboruntersuchung zu tun haben. Ob dunkel gerösteter Kaffee bei Menschen tatsächlich vorbeugend gegen Alzheimer und Parkinson wirkt, könnte nur durch eine Langzeitstudie mit einer Kontrollgruppe geklärt werden. Da solche Studien sehr aufwendig und teuer sind, ist es eher unwahrscheinlich, dass sie in Angriff genommen werden. Obwohl die Kaffee-Industrie die finanziellen Ressourcen dazu bestimmt hätte.

Da beim Rösten von Kaffee Stoffe entstehen, die die Ausschüttung von Magensäure verlangsamen können, sollen stark geröstete Bohnen besser magenverträglich sein. Bezüglich Verträglichkeit spielen aber auch wohl individuelle Faktoren und die Kaffeesorte eine Rolle.

Kaffee taucht in der Phytotherapie-Fachliteratur nicht auf, obwohl die Kaffeebohne selbstverständlich aus der Pflanzenwelt stammt. Kaffee gilt heute ganz offensichtlich nicht als Arznei, sondern als Genussmittel. Immerhin wird Kaffee aber hinsichtlich seiner gesundheitlichen Auswirkungen intensiv erforscht und er ist eine bedeutende Quelle für Antioxidantien.

 

 

 

 

 

 

Kaffee trocknet den Körper nicht aus

Immer noch zu hören ist die Ansicht, dass Kaffee, Grüntee und Schwarztee für die Flüssigkeitsbilanz nicht angerechnet werden dürfen, weil sie dem Organismus Wasser entziehen würden.

Dieser Gesundheitstipp ist jedoch schon seit einiger Zeit widerlegt. Zwar insbesondere Kaffee wegen seinem Gehalt an Koffein kurzfristig den Harndrang, über den Tag verteilt scheiden Kaffeetrinker jedoch ähnlich viel Flüssigkeit aus wie Nicht-Kaffeetrinker.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) schreibt:

“Kaffee sowie schwarzer und grüner Tee können in der Flüssigkeitsbilanz wie jedes andere Getränk behandelt werden.”

Etwa 1,5 Liter Flüssigkeit täglich gelten als ideal.

Quelle:

https://www.stern.de/gesundheit/krank-wegen-nasser-haare–zwoelf-gesundheitsmythen–die-sie-vergessen-koennen-7275258.html#ktg-0_slide-7

 

Kommentar & Ergänzung:

Kaffee bewirkt also keine „Austrocknung“.

Nach gegenwärtigem Stand des Wissens ist bei koffeinabstinenten Menschen nach Koffeinzufuhr zwar eine gewisse Reduktion des Gesamtkörperwassers festzustellen, doch tritt erhöhter Flüssigkeitsverlust nur einmalig auf, weil bei fortgesetzter, dauerhafter Koffeinzufuhr Ausgleichsmechanismen greifen.

Auf Wikipedia sind diese physiologischen Vorgänge so beschrieben:

“Eine Studie, in der man zwölf Probanden, die seit fünf Tagen koffeinabstinent gelebt hatten, über mehrere Tage jeweils zweimal drei Tassen Kaffee pro Tag (insgesamt 642 mg Koffein/Tag) zuführte, ergab nach 24 Stunden eine mittlere Abnahme des Körpergewichtes von 0,7 kg und eine Reduktion des Gesamtkörperwassers um 1,1 kg (gemessen mit Bio-Impedanz-Messung). Es kann jedoch nicht allein anhand der Gesamtkörperwassermenge eine Aussage über den Flüssigkeitsversorgungsstatus einer Person getroffen werden, da das Wasser wie in diesem Fall aus dem Extrazellularraum stammen kann. Bei fortgesetztem dauerhaftem Kaffeekonsum werden Kompensationsmechanismen, wie die Erhöhung des Plasmavasopressinspiegels und der Osmolalität des Urins, aktiv. Ein erhöhter Flüssigkeitsverlust infolge von Kaffee tritt demnach nur einmalig in Erscheinung.

Das im Kaffee enthaltene Coffein wirkt diuretisch. Wird Kaffee allerdings regelmäßig und in ähnlichen Mengen konsumiert, so besteht keine erhöhte Diurese oder Natriurese aufgrund des erhöhten Niveaus verschiedener Kompensationsmechanismen (Escape-Phänomen). Kaffee wird deshalb nach aktuellem Forschungsstand als Teil der Wasserzufuhr des Körpers betrachtet und kann in der Flüssigkeitsbilanz wie jedes andere Getränk behandelt werden.

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kaffee#Entwässerung)

Diese Ausführungen lassen sich wohl weitgehend auch auf Grünteee und Schwarztee übertragen, die beide dem Organismus in der Regel weniger Koffein zuführen und das zudem auch langsamer tun.

Kaffee hat in der Phytotherapie keine Bedeutung, Schwarztee und Grüntee aber schon, allerdings vor allem wegen dem hohen Gehalt an Gerbstoffen und Antioxidantien (EGCG in Grüntee, Theaflavine im Schwarztee).

Wenn Sie fundiertes Wissen über Wirkstoffe in Heilpflanzen erwerben möchten, dann nhemen Sie am besten an einem meiner Lehrgänge Teil. Das Heilpflanzen-Seminar und vertiefter noch die Phytotherapie-Ausbildung geben einen guten Einblick in dieses faszinierende Thema.

Bewegung reduziert Risiko für schwere Schlaganfälle

Menschen, die sich regelmäßig bewegen, haben ein geringeres Risiko für schwere Schlaganfälle als körperlich Inaktive. Dazu sind keine sportlichen Höchstleistungen nötig: Eine halbe Stunde Spazierengehen am Tag reicht für eine Halbierung des Risikos.

Körperliche Bewegung reduziert bekanntermaßen das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Doch wenn es trotzdem zum Schlaganfall kommt, sind Aktive auch besser dran als Bewegungsmuffel. Zu diesem Ergebniss kommen schwedische Wissenschaftler in einer Studie, die im Fachjournal »Neurology« publiziert wurde. Das Team um Dr. Malin Reinholdsson von der Sahlgrenska Universität in Göteborg untersuchte dazu 925 Patienten, die zwischen 2014 und 2016 an der dortigen Universitätsklinik aufgrund eines erstmaligen Schlaganfalls behandelt worden waren. Die Patienten lieferten den Forschern dabei Angaben zu Art und Umfang ihrer körperlichen Aktivität vor dem Schlaganfall. Dies korrelierten die Wissenschaftler mit der Schwere der Symptome.

Es zeigte sich dabei, dass bereits leichte körperliche Aktivität – zum Beispiel vier Stunden Spazierengehen pro Woche – verglichen mit körperlicher Inaktivität einen nennenswerten Schutz vor schweren Schlaganfällen bot. Das traf ebenso zu für moderate körperliche Aktivität, zwei bis drei Stunden Joggen oder Schwimmen in der Woche. In beiden Aktivitätsgruppen lag der Anteil der Patienten mit einem schweren Schlaganfall bei 3 Prozent, bei den Inaktiven war er dagegen mit 6 Prozent doppelt so hoch.

»Einmal eine halbe Stunde oder zweimal eine Viertelstunde Spazierengehen am Tag reicht aus, um das Risiko für einen schweren Schlaganfall zu senken«, schreibt Seniorautorin Professor Dr. Katharina Stibrant Sunnerhagen in einer Mitteilung der Universität. Sie unterstreicht, dass die Schwere eines Schlaganfalls entscheidend dafür ist, wie rasch sich ein Patient davon wieder erholt. Nach einem milden Schlaganfall müsse ein Patient vielleicht eine Woche im Krankenhaus bleiben, könne dann die Reha zu Hause fortsetzen und habe gute Chancen, in sein normales Leben und auch die Arbeit zurückzukehren. Nach einem schweren Schlaganfall müssen die Betroffenen deutlich länger stationär behandelt werden und anschließend unter Umständen ins Pflegeheim.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/dem-schlaganfall-davonspazieren/

DOI: 10.1212/WNL.0000000000006354

 

Kommentar & Ergänzung:

Bewegung ist vielfältig vorbeugend und gesunderhaltend. Dabei zeigt sich in Studien immer wieder, dass es dabei nicht auf körperliche Höchstleistungen ankommt, sondern mehr um moderate, aber regelmässige Bewegung. Schon leichte Bewegung verbessert zum Beispiel das Gedächtnis im Alter.

Bewegung ist ein traditionelles Grundprinzip der Naturheilkunde und eine Säule im 5-Säulen-Modell nach Kneipp (neben Heilpflanzen-Anwendungen, Ernährung, Hydrotherapie, Lebensordnung).

Bezüglich Schlaganfall gibt es auch Hinweise, das sich das Risiko auch über die Ernährung ein Stück weit beeinflussen lässt. Einen vollständigen Schutz kann man allerdings nicht erwarten.

Siehe auch:

Fischölkapseln schützen nicht vor Herzinfarkt und Schlaganfall

Kaffeegenuss in Massen reduziert Schlaganfallrisiko

Zitrusfrüchte gegen Schlaganfall

Kann Olivenöl Schlaganfällen vorbeugen?

Weisses Obst und Gemüse schützt vor Schlaganfällen

Grüntee und Schwarztee: Schutz vor Schlaganfall?

Man muss aber leider auch sagen, dass viele dieser Ernährungsstudien von begrenzter Aussagekraft sind und eher Hinweise liefern als sichere Belege.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Ingwer gegen Mundgeruch

Ein Scharfstoff aus der Gewürzknolle reduziert üblen Atem.

Wissenschaftler haben entdeckt, dass Ingwer gegen schlechten Atem hilft. Ein in der Gewürzpflanze enthaltener Scharfstoff steigert die Produktion eines wichtigen Speichelenzyms. Dieses Enzym ist in der Lage, schwefelhaltige Verbindungen im Mund abzubauen. Dadurch verschwindet nicht nur der unangenehme Nachgeschmack, den manche Lebensmittel nach dem Konsum hinterlassen – wir riechen auch besser.

Ingwer ist eine nützliche und beliebte Pflanze: Er verleiht Tee, Gebäck, asiatischen Gewürzmischungen oder Sushi-Kreationen einen angenehmen Schärfekick und kann in der Küche vielseitig eingesetzt werden. Darüber hinaus ist er aber auch als Heilpflanze bekannt. Denn der Ingwer enthält ätherische Öle und Scharfstoffe, die im Körper positive Wirkungen entfalten können. So wirkt Ingwer zum Beispiel gegen Übelkeit und Brechreiz, reduziert Schmerzen und lindert Entzündungen.

Forscher um Thomas Hofmann von der Technischen Universität München haben nun einen weiteren Effekt der Knolle zeigen können. Sie untersuchten im Labor, wie unterschiedliche Inhaltsstoffe von Lebensmitteln auf die im Speichel gelösten Moleküle wirken und stellten bei dieser Gelegenheit fest, dass Ingwer gegen Mundgeruch hilft.

Im Experiment stellten sie fest, dass sich beim Verzehr der Gewürzpflanze schon innerhalb weniger Sekunden die Konzentration des Enzyms Sulfhydryl-Oxidase 1 im Speichel erhöht – und zwar um das 16-fache. Ausgelöst wird dieser Effekt offenbar durch den scharf schmeckenden Ingwer-Inhaltsstoff 6-Gingerol. 

Speichel- und Atemluftanalysen bei vier Frauen und Männern zeigten, dass das Enzym im Mund übelriechende schwefelhaltige Verbindungen abbaut. Dadurch kann es den lang anhaltendenden Nachgeschmack zahlreicher Lebensmittel wie zum Beispiel Kaffee reduzieren und auch der Atem riecht dadurch besser. Dieser neu entdeckte Mechanismus könnte nach Ansicht der Forscher in Zukunft dazu beitragen, neue Mundpflegemittel zu entwickeln.

Neben dem Ingwer untersuchten die Wissenschaftler auch die Wirkung von Zitronensäure genauer. Dabei fanden sie heraus, dass dieser Stoff den Speichel auf eine ganz andere Art und Weise beeinflusst als die Ingwerknolle. Der Saft von Zitronen regt den Speichelfluss an und dadurch erhöht sich auch die Menge der im Speichel gelösten Mineralstoffe.

Als Folge davon steigt der Natriumionen-Spiegel rasch um das etwa Elffache an. Durch diesen Effekt nehmen wir Dinge weniger salzig wahr. Kochsalz ist Natriumchlorid, wobei die Natriumionen beim Menschen den Salzgeschmack bewirken. Enthält der Speichel schon stärkere Konzentrationen an Natriumionen, müssen verkostete Proben einen deutlich höheren Salzgehalt haben, um sie vergleichsweise salzig zu empfinden.

Die beiden Beispiele zeigen, wie komplex das Zusammenspiel zwischen den geschmacksgebenden Molekülen in Lebensmitteln ist. Auf der Basis dieser Forschungsergebnisse lassen sich möglicherweise Produkte entwickeln, die ein besseres kulinarisches Geschmackserlebnis ermöglichen oder gesundheitsfördernd wirken.

Hofmann und sein Team wollen mit ihren Experimenten in Zukunft die wissenschaftliche Grundlage für neue Lebensmittel entwickeln “deren Inhaltsstoff- und Funktionsprofile an den gesundheitlichen und sensorischen Bedürfnissen der Verbraucher ausgerichtet sind”, wie die Wissenschaftler in einer Mitteilung schreiben. 

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-22997-2018-08-01.html

https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acs.jafc.8b02772

(Journal of Agriculture and Food Chemistry, 2018)

doi: 10.1021/acs.jafc.8b02772

Technische Universität München, 01.08.2018 – DAL

Kommentar & Ergänzung:

Das sind zwar erst Laborergebnisse und damit ist noch unklar, wie gross der Nutzen von Ingwer bei Mundgeruch in der Realität wirklich ist. Aber Ingwer ist billig zu haben und in normalen Mengen ungiftig, so dass nichts gegen einen Versuch spricht, wenn jemand unter Mundgeruch leidet.

Dazu kann Ingwer in unterschiedlichen Formen zur Anwendung gelangen, zum Beispiel als Ingwertee oder als kandierte Ingwerstückchen.

In der Phytotherapie wird Ingwer vor allem bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt, vor allem aber auch gegen Übelkeit und Erbrechen infolge Reisekrankheit (Kinetose) oder nach Operationen.

Siehe auch:

Ingwer gegen Reisekrankheit

Kandierte Ingwerstückchen zur Förderung des Appetits

Öko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als “gut” bewertet

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden 

Ingwer bei Erkältungen

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ingwer gegen Reisekrankheit

Die Ingwerwurzel ist als Mittel gegen Reisekrankheit inzwischen ziemlich etabliert:

„Ein bekanntes und gut wirksames Hausmittel ist Ingwer. Am besten hilft die Wurzel in Kapselform (Zintona). Der Vorteil: Im Vergleich zu Dimenhydrinat macht Ingwer nicht müde und schränkt das Reaktionsvermögen nicht ein.

Zwischendurch sind auch Bonbons mit Pfefferminz oder Ingwer erlaubt, die der Übelkeit entgegen wirken können. Wer auf große Fahrt geht, sollte auch auf seine Flüssigkeitsreserven achten. Getränke wie Milch oder Kaffee sind tabu, geeignet sind hingegen Tee aus Ingwer oder Pfefferminze sowie Wasser ohne Kohlensäure.“

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/pta-live/nachricht-detail-pta-live/fuenf-tipps-reiseuebelkeit-kinetosen-reisekrankheit-so-wird-kindern-nicht-uebel/?tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=2&cHash=ceb156c23be026f5a24e214b0ddf224f

 

Kommentar & Ergänzung:

Ingwer ist ein beliebtes Gewürz, das auch in Curry-Mischungen auftaucht und zur Verfeinerung von Speisen wie Lebkuchen, Milchreis oder Obstsalat eingesetzt werden kann.

Traditionell wird Ingwer gern bei Verdauungsstörungen angewendet. Für die Wirksamkeit gegen Reisekrankheit sprechen Resultate aus einigen kleineren Studien.

Als belegt gilt auch ein moderater Effekt zur Linderung von postoperativem Erbrechen.

Zudem gibt es Hinweise auf eine Wirkung gegen Erbrechen bei Chemotherapie.

Siehe dazu:

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen erbrechen bei Chemotherapie

Ingwer scheint auch Entzündungen hemmen zu können.

Der Inhaltsstoff Gingerol hemmt das Enzym Cyclooxygenase-2, welches Entzündungsreaktionen z. B. bei Arthrose und Rheuma fördert.

In einer iranischen Studie von Haghighi/Khalva/Toliat/Jallaei aus dem Jahr 2005 konnte bei Arthrose-Patienten mit Ingwer-Auszügen die gleiche Schmerzlinderung wie mit Ibuprofen erzielt werden. Wenn das stimmt, dann ist das sehr interessant. Allerdings kann ich die Qualität dieser Studie nicht beurteilen und aus dem Iran scheinen zum Thema Naturheilkunde eigenartigerweise nur Studien mit positiven Resultaten zu kommen.

Es gibt allerdings eine Metaanalyse dänischer Forscher, die ebenfalls zum Schluss kommt,  dass die Behandlung mit Ingwer bei Arthrose die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern kann.

Die Überlegenheit gegenüber Placebo zeigte sich bei Dosierungen von 500 – 1000 mg Ingwer pro Tag, das entspricht 2 bis 4 Kapseln Zintona / Tag.

Siehe dazu:

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

Zur Wirksamkeit und Sicherheit von Ingwer bei Schwangerschaftserbrechen gehen die Ansichten auseinander.

Sieh dazu:

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

 

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Eisenpräparate nicht mit Kaffee, Grüntee, Schwarztee oder Rotwein kombinieren

Eisenpräparate sollte man nicht zusammen mit Kaffee, Schwarztee, Grüntee oder Rotwein einnehmen. Diese Getränke reduzieren die Aufnahme von Eisen in den Körper durch ihren Gerbstoffgehalt.

Gerbstoffe binden die Eisenionen.

Quelle:

http://www.t-online.de/gesundheit/id_41285508/medikamente-wechselwirkung-mit-lebensmitteln.html

Kommentar & Ergänzung:

Grundsätzlich ist zu empfehlen, Medikamente nur mit Wasser einzunehmen.

Gerbstoffe aus Grüntee und Schwarztee sollen auch die Eisenaufnahme aus pflanzlichen Speisen verringern können. Das fällt allerdings nur ins Gewicht, wenn man Grüntee oder Schwarztee in grossen Mengen und regelmässig zu den Mahlzeiten trinkt. In diesem Fall wäre es günstiger, einen zeitlichen Abstand von einer Stunde einzuhalten zwischen der Mahlzeit und der Teeaufnahme.

Das Standardwerk „Teedrogen und Phytopharmaka“ schreibt dazu:

“Durch üblichen Teekonsum wird die Aufnahme von Eisen aus der Nahrung (Komplexbildung mit Tee-Polyphenolen) nicht negativ beeinflusst; bestenfalls sollte bei bekanntem Eisenmangel zwischen Mahlzeiten und Teetrinken vorsichtshalber ein zeitlicher Abstand von etwa 1 Stunde eingehalten werden.“

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Koffein während der Schwangerschaft?

Studienresultate halten einen Verzehr von bis zu drei Tassen Kaffee während der Schwangerschaft als unbedenklich.

Vom Konsum von Energydrinks während der Schwangerschaft wird aber abgeraten.

Während der Schwangerschaft komplett auf Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke zu verzichten ist unnötig.

Bis zu drei Tassen Kaffee täglich gelten als unbedenklich, erklärt das Netzwerk Gesund ins Leben.

So zeigten Studienresultate beim Konsum von bis zu drei Tassen Kaffee während der Schwangerschaft keine nachteiligen Wirkungen auf Gestationsdauer und Geburtsgewicht. Im Sinne eines präventiven Gesundheitsschutzes wird allerdings vorsorglich von hohen Koffeinmengen abgeraten. Deshalb sollten Schwangere auf Energydrinks verzichten, die hohe Koffeinmengen pro Portion enthalten.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/koffein-in-der-schwangerschaft-30742.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Gemäss European Food Safety Authority (EFSA) gilt für schwangere und stillende Frauen, dass eine über den gesamten Tag verteilte Koffein-Aufnahme aus allen Quellen von bis zu 200 mg pro Tag für den Fötus unbedenklich ist.

(Quelle: Wikipedia)

Eine Tasse Kaffee (150 ml) enthält etwa 30 bis 100 mg Koffein, eine Tasse Schwarztee je nach Zubereitungsart bis zu 50 mg. Das im Tee vorkommende Koffein wurde früher Thein (von französisch thé) genannt, ist chemisch jedoch exakt der gleiche Stoff wie im Kaffee. Energy-Drinks wie “Red Bull” enthalten ca. 80 mg Koffein pro Dose.

(Quelle: http://www.chemie.de/lexikon/Koffein.html).

Fundierte Angaben finden sich im Standardwerk “Biogene Arzneimittel”:

“Bei einem durchschnittlichen Coffeingehalt von 60 – 100mg /Tasse (150ml)kann der Genuss von bis zu fünf Tassen Kaffee durch einen Erwachsenen als toxikologisch unbedenklich angesehen werden. Vorsicht ist geboten bei Personen mit labilem Herz-Kreislauf-System, Nierenkrankheiten, Magengeschwüren, Überfunktion der Schilddrüse, erhöhter Krampfbereitschaft oder bestimmten psychischen Störungen (panische Angstzustände). Schwangere sollten möglichst auf den Kaffeekonsum verzichten, zumindest aber eine Dosis von 300 mg /d nicht überschreiten (3 Tassen Kaffee, 9 Tassen Tee oder 7 kleine Gläser Colagetränk). Säuglinge, deren stillende Mütter viel Kaffee trinken, können Schlafstörungen zeigen.”

 

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Krebstherapie: Sport und Phytotherapie bei Fatigue

Zahlreiche Krebspatienten leiden während und nach einer Chemotherapie unter Fatigue. Das sogenannte Erschöpfungssyndrom kann die Erkrankten in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigen. Auf dem Deutschen Krebskongress in Berlin haben Fachleute diskutiert, wie den Betroffenen geholfen werden kann.

Fatigue ist eine häufige Begleiterscheinung in der Tumorbehandlung. Zwischen 60 und 100 Prozent der Krebspatienten klagen während der Therapie über ausgeprägte Müdigkeit und bei mehr als jedem Vierten tritt das Erschöpfungssyndrom als Langzeitfolge nach Abschluss der Behandlung auf. Die dem Erschöpfungssyndrom zugrunde liegenden Mechanismen sind bislang unklar.

Wichtige Elemente für die Therapie der Fatigue sind die Verhaltenstherapie und die gezielte Schulung der Patienten. In Einzel- und Gruppengesprächen können sie lernen, mit ihrer Situation besser umzugehen, zum Beispiel mithilfe bestimmter Entspannungstechniken. Denn die reduzierte Leistungsfähigkeit führt häufig zu Stress und letztlich zu Depressionen.

Mit Sport bei Fatigue nicht übertreiben

Auch Sport kann dazu beitragen, das Befinden bei Fatigue zu verbessern. Dr. Freerk Baumann von der Deutschen Sporthochschule Köln warnt aber davor, die Erkrankten zu stark zu beanspruchen. Je nachdem, welche Folgeerscheinung der Krebstherapie man behandeln möchte, gebe es völlig unterschiedliche Bewegungsprogramme. Wer während der Behandlung unter Fatigue leidet, sollte etwa vier bis fünf Stunden pro Woche spazieren gehen. So ließe sich das beste Resultat erzielen. Mehr Bewegung bringe in diesem Fall eher schlechtere als bessere Resultate, erklärt Baumann.

Da Sport vom Körper als Stress wahrgenommen werde und zu einem höheren Energieverbrauch führe, müsse nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand das Pensum laut Baumann an die Schwere des Erschöpfungszustands angepasst werden. Je ausgeprägter die Fatigue ist, desto weniger intensiv sollte laut Baumann das Training ausfallen.

Zu klären bleibe beispielsweise, ob körperliche Aktivität an der frischen Luft einen höheren Nutzen habe als Training in der Halle oder im Fitnessstudio.

Ergänzend zu solchen Massnahmen kann auch der Einsatz pflanzlicher Arzneimittel erwogen werden, sagt Dr. Matthias Rostock vom Institut für komplementäre und integrative Medizin am Universitätsspital Zürich. Die Phytotherapie könne helfen, die Patienten für andere Maßnahmen zu aktivieren.

Günstig wirkt laut Rostock Guarana bei der akuten Fatigue während einer Chemotherapie bei Brustkrebspatientinnen. Verglichen mit Placebo habe sich die Symptomatik der Frauen bei der Behandlung mit Guarana signifikant verbessert und sie klagten deutlich weniger über Übelkeit und Schlafstörungen. Baldrian ist laut Rostock gegen Schlaflosigkeit zwar wenig effektiv, wirkt dafür jedoch gegen nervöse Erschöpfung. Das entspreche der ursprünglichen Indikation für den Einsatz von Baldrianwurzel, erklärt Rostock.

Gut erforscht sei insbesondere die Wirksamkeit von Ginseng. Bei Tagesdosen von 1 bis 2 g fühlen sich rund 30 Prozent der Patienten besser. Das zeigt nach Rostock aber auch, dass Ginseng nicht jedem hilft. Der positive Effekt von Ginseng sei während der Chemotherapie signifikant, nach Beendigung der Behandlung aber deutlich schwächer ausgeprägt.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=62425

Kommentar & Ergänzung:

Zum Thema „Sport & Fatigue“ siehe:

Krafttraining bessert krebsbedingte Erschöpfung bei Fatigue

Gut dosierter Sport lindert Müdigkeit bei Krebs und Fibromyalgie

 

Zum Thema „Ginseng & Fatigue“ siehe:

Ginseng-Behandlung reduziert Fatigue-Smptome bei Krebserkrankung

Onkologie: Fatigue & Roter Ginseng

Ginseng lindert Fatigue bei Krebskranken

Onkologie / Palliative Care: Was hilft bei Fatigue?

Zu Guarana:

Guarana enthält als wirksamen Inhaltsstoff Coffein. Zum Thema „Guarana & Fatigue“ gibt es eine Studie mit positivem Resultat:

„Guarana (Paullinia cupana) improves fatigue in breast cancer patients undergoing systemic chemotherapy…..

RESULTS: Guarana significantly improved the FACIT-F, FACT-ES, and BFI global scores compared to placebo on days 21 and 49 (p < 0.01). The Chalder Scale improved significantly on day 21 (p < 0.01) but not on day 49 (p = 0.27). Guarana did not produce any Common Terminology Criteria for Adverse Events grades 2, 3, or 4 toxicities and did not worsen sleep quality or cause anxiety or depression.

CONCLUSIONS: Guarana is an effective, inexpensive, and nontoxic alternative for the short-term treatment of fatigue in BC patients receiving systemic chemotherapy. Further studies are needed to confirm these results and to evaluate their generalizability to chronic CRF and to other types of cancer.“

Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21612429

Die Studie gibt zwar Hinweise auf einen günstigen Effekt von Guarana, sie ist aber von der Zahl der teilnehmenden Patienten her klein und kann die Wirksamkeit nicht einwandfrei belegen. Eigenartig ist bei dieser Studie die Dosierung von zweimal täglich 50mg Guarana. Normalerweise wird bei Guaranapulver als Tagesdosis 1 – 3 Gramm empfohlen (entsprechend etwa 50 – 150 mg Coffein). Eine Tasse Kaffee (150 ml) enthält aber auch bereits zirka 60 – 100 mg Coffein (Angaben aus: Biogene Arzneimittel).

Was Guarana gegenüber anderen Coffeinquellen wie Kaffee, Grüntee, Schwarztee oder Matetee für Vorteile haben soll, ist mir nicht plausibel ersichtlich.

Als Vorteil wird manchmal angeführt, dass das Coffein aus Guarana im Gegensatz zum Coffein aus Kaffee langsamer in den Körper aufgenommen werden soll, weil es an Gerbstoffe gebunden vorliegt. Das soll zu einer länger anhaltenden Wirkung führen.

Dieser postulierte Retard-Effekt konnte aber in neueren Untersuchungen nicht bestätigt werden. Die Freisetzung und Aufnahme von Coffein aus Guarana entspricht derjenigen aus Präparaten mit reinem Coffein (Angaben gemäss: Teedrogen und Phytopharmaka)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie bei Erkrankungen im Vedauungstrakt

Beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming sprach Professor Dr. Robert Fürst von der Goethe-Universität Frankfurt am Main über pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka) bei Erkrankungen im Verdauungstrakt.

Bei der Indikation Übelkeit und Erbrechen empfahl Robert Fürst den Ingwerwurzelstock. Die Studienlage sei zwar heterogen, doch bei Reiseübelkeit sei die Wirksamkeit gut belegt. Eine Besonderheit sei hier, dass kein Extrakt zum Einsatz kommt, sondern der gepulverte Ingwerwurzelstock (zum Beispiel Zintona®). Bei Reizmagen oder auch funktioneller Dyspepsie gibt es laut Fürst Wirksamkeitsbelege für ein Kombipräparat aus Kümmelöl und Pfefferminzöl (Carmenthin®) und für STW-5 (Iberogast®). Zur Unterstützung der Leberfunktion könne der Mariendistelfrüchte-Trockenextrakt Legalon® empfohlen werden, jedoch nur bei alkoholischem Leberschaden. Bei viralen Hepatitiden gebe es keine Evidenz für die Wirksamkeit.

Dyspepsie beziehungsweise funktionelle Störungen der ableitenden Gallenwege lassen sich laut Fürst mit dem Artischockenblätter-Trockenextrakt Hepar-SL® günstig beeinflussen. Vorsicht sei dabei jedoch geboten, denn bei einem Verschluss der Gallenwege seien Artischockenblätter aufgrund ihrer choleretischen Wirkung kontraindiziert.

Bei Reizdarmsyndrom gebe es evidenzbasierte Empfehlungen für Flohsamenschalen (zum Beispiel Mucofalk®), Iberogast und hoch dosiertes Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln (zum Beispiel Medacalm®).

Für Flohsamenschalen sieht der Experte auch Anwendungsmöglichkeiten bei Colitis ulcerosa. Für diese Indikation eigne sich auch Myrrhinil®, eine Kombination aus Myrrhepulver, Kaffeekohlepulver und Kamillenblüten-Trockenextrakt. Beide Phytopharmaka haben laut Fürst in Studien gezeigt, dass sie bei Patienten mit der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung zum Remissionserhalt ebenso wirksam sind wie der chemisch definierte Wirkstoff Mesalazin.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=61686

Kommentar & Ergänzung:

Verdauungsbeschwerden sind ein bewährtes Anwendungsfeld für Heilpflanzen-Präparate.

Der Artischockenblätter-Trockenextrakt Hepar-SL®   heisst in der Schweiz Hepa-S®.

Pfefferminzölkapseln sind in der Schweiz als Colpermin®  im Handel, Flohsamenschalen unter den Namen Laxiplant und Metamucil.

Ein weiteres interessantes Anwendungsgebiet für Flohsamenschalen und für Pfefferminzölkapseln ist der Reizdarm (Colon irritabile).

Siehe dazu hier:

Phytotherapie bewährt bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)

Phyto-Kombi mit Pfefferminzöl und Kümmelöl bei Reizdarm

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

STW-5 (Iberogast®) setzt sich zusammen aus neun Komponenten:

Bittere Schleifenblume (Iberis amara), Angelikawurzel (Engelwurz), Kamillenblüten, Kümmelfrüchte, Mariendistelfrüchte, Melissenblätter, Pfefferminzblätter, Schöllkraut und Süßholzwurzel.

Siehe dazu:

Phytotherapie bei Reizmagensyndrom

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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