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Aktivkohle bei Durchfall

Aktivkohle = „medizinische Kohle“, ist poröser, feinkörniger Kohlenstoff mit einer grossen inneren Oberfläche.

„ Die Poren sind wie bei einem Schwamm untereinander verbunden (offenporig). Die innere Oberfläche beträgt zwischen 300 und 2000 m2/g Kohle, damit entspricht die innere Oberfläche von vier Gramm Aktivkohle ungefähr der Fläche eines Fußballfeldes.“ (Quelle: Wikipedia).

An diese eindrücklich grosse Oberfläche bindet Aktivkohle Toxine und führt sie über den Stuhl der Ausscheidung zu. Diese Fähigkeit wird ausgenutzt bei Vergiftungen. Aktivkohle ist dabei zwar sehr breit wirksam, aber nicht gegen alle Gifte. Unwirksam ist sie zum Beispiel gegen Cyanid, Eisen, Lithium, Elektrolyte, Lösungsmittel und verschiedene Alkohole wie Methanol und Ethanol. (Quelle: Pharmawiki)

Da Aktivkohle zum Beispiel auch Bakterien und Bakterientoxine bindet, wird sie ebenfalls als Mittel gegen Durchfall eingesetzt. Sie ist nur lokal im Verdauungstrakt wirksam und wird nicht in den Organismus aufgenommen.

Aktivkohle kann auch andere Medikamente binden und dadurch ihre Aufnahme stören. Deshalb sollen andere Medikamente nicht gleichzeitig, sondern in einem Abstand von mindestens zwei Stunden eingenommen werden, da es sonst zu einem Wirkungsverlust kommen kann.

Aktivkohle kann auch zur Entfernung von Zahnverfärbungen eingesetzt werden.

Aktivkohle ist für medizinische Zwecke im Handel in Kapselform oder als flüssige Suspension (Carbovit).

Ausgesprochen fragwürdig ist der Trend, Aktivkohle Lebensmitteln beizufügen in der Hoffnung, damit den Körper zu entgiften, zum Beispiel in Form von Aktivkohle-Drinks. Erstens ist überhaupt nicht klar, was genau für Stoffe da entgiftet werden sollen. Die Aktivkohle ist nämlich nicht so schlau, dass sie unterscheiden kann, welche Stoffe für uns schädlich sein könnten, und welche wir brauchen. So ist es denkbar, dass sie auch gesunde und notwendige Stoffe bindet wie Vitamine, Polyphenole etc.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Walnussverzehr wirkt günstig auf Darmflora

Regelmäßiger Walnusskonsum (täglich 43 g über 8 Wochen) verbessert nicht nur den Cholesterinspiegel im Blut, sondern auch die Darmflora. Zu diesem Resultat kommt eine Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Parhofer. In der prospektiven, randomisierten Walnuss-Studie, deren Resultate kürzlich in der Fachzeitschrift Nutrients veröffentlicht wurden, konnte gezeigt werden, dass unter regelmäßigem Walnussverzehr mehr probiotische und Buttersäure produzierende Bakterien im Stuhl nachweisbar sind.

Es sei bekannt, dass die Zusammensetzung der Darmflora Einfluss auf die Gesundheit des Menschen hat, erklärt Parhofer. Ausserdem wisse man, dass die Ernährung die Darmflora, das Mikrobiom, beeinflussen kann.
In der Studie konnte nun gezeigt werden, dass regelmäßiger Walnussverzehr Bakterien begünstigt, die mit weniger Übergewicht und weniger Zuckerkrankheit verknüpft sind.

Schon in den vorausgegangenen Walnuss-Studien konnte ein positiver gesundheitlicher Effekt durch Walnüsse bestätigt werden. Bereits 43 g/Tag verbessern den Fettstoffwechsel und reduzieren das schlechte Cholesterin nachweislich um ca. 5%. Dieser Effekt ist unabhängig davon, ob man bei der Ernährung Fette oder Kohlenhydrate anstelle der Walnüsse weglässt. Somit konnte mit der Studie belegt werden, dass alleinig der Walnussverzehr der ausschlaggebende Faktor für den günstigen Effekt auf den Cholesterinspiegel ist.

Quelle:
https://www.journalmed.de/news/anzeigen/Walnussverzehr_wirkt_sich_guenstig_auf_das_Mikrobiom_aus

Klinikum der Universität München (LMU)
Originalpublikation:
Bamberger C, Rossmeir A, Lechner K et al.
A Walnut-Enriched Diet Affects Gut Microbiome in Healthy Caucasian Subjects: A Randomized, Controlled Trial.
Nutrients 2018;10(2).pii:E244. doi:10.3390/nu10020244.

Kommentar & Ergänzung:

Eine ganze Reihe von Studien zeigt positive Einflüsse von Walnüssen auf verschiedene Bereiche der Gesundheit. Allerdings sind die dabei verwendeten Mengen oft ziemlich hoch. Täglich über viele Wochen oder Monate 43 g Walnüsse zu essen ist nicht jedermanns Sache.
Mit ihrem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren sind Walnüsse aber auch einfach ein gesunder Bestanteil einer vielfältigen Ernährung.

Interessant an der Studie aus der LMU München ist der Zusammenhang zwischen den positiven Effekten und der Beeinflussung der Darmflora.

Siehe auch:

Zeugungsfähigkeit: Walnüsse verbessern Spermienqualität

Walnüsse reduzieren Stress bei Blutdruckspitzen

Mittelmeerdiät plus Walnüsse kann metabolisches Syndrom vermindern

Omega-3-Fettsäuren aus Walnüssen und Fisch: Unterschiedliche günstige Effekte

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Fatigue bei Krebserkrankungen

Martina Schmidt und Karen Steindorf haben gerade in der „Pharmazeutischen Zeitung“ einen sehr informativen Artikel veröffentlicht zum Thema Fatigue bei Krebserkrankungen. Sie empfehlen vor allem Sport und psychologische Interventionen, gehen aber in einem Abschnitt auch auf phytotherapeutische Möglichkeiten ein.

Zahlreiche Krebspatienten leiden während der Behandlung unter Fatigue, einer extremen Erschöpfung, die die Lebensqualität massiv einschränkt. Bei rund einem Drittel der Betroffenen hält dieser belastende Zustand Monate oder gar Jahre nach Ende der Krebstherapie an. Die Fatigue ist eine der häufigsten Komplikationen während und nach einer Krebserkrankung und -therapie. Sie wird oft unzureichend behandelt und beeinträchtigt die Lebensqualität des Patienten und das soziale Umfeld (Partnerschaft, Familie, Freunde) stark.

Die Erkenntnisse zu Ursachen und Pathophysiologie von Fatigue sind insgesamt noch sehr diffus und unzureichend.

Um einer Chronifizierung vorzubeugen, sollte die Fatigue so früh wie möglich verhindert sowie therapiert werden, in der Regel meist schon während der Krebsbehandlung.

Die Autorinnen weisen darauf hin, dass nach dem gegenwärtigen Stand der Empfehlungen sind nicht-pharmakologische Verfahren aufgrund ihrer nachgewiesenen Wirksamkeit in den Vordergrund zu stellen sind. In begründeten Einzelfällen können sie durch eine pharmakologische Behandlung ergänzt werden.

Als derzeit vielversprechendste nicht-pharmakologische Therapieansätze gelten Sport und Bewegungstherapien sowie psychologische Interventionen. Eine aktuelle Metaanalyse über 113 randomisiert-kontrollierte Interventionsstudien zeigte signifikant bessere Effekte von Sport sowie psychologischen Interventionen im Vergleich zu Medikamenten.

In einen kleinen Abschnitt gehen die Autorinnen auch auf phytotherapeutische Möglichkeiten ein:

„Zu Nahrungsergänzungsmitteln, Vitaminen, Phytotherapeutika oder anderen Arzneimitteln der besonderen Therapierichtungen gibt es wenig klare Evidenz. Nur für Ginseng gibt es einige Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit. Amerikanischer Ginseng (Panax quinquefolius) verbesserte in einer großen doppelblinden randomisiert-kontrollierten Studie die Fatigue. Auch der asiatische Ginseng (Panax ginseng), der in Deutschland als Arzneimittel gegen Erschöpfung zugelassen ist, reduzierte signifikant die Beschwerden. Ein aktueller Review schätzte die Evidenz für eine positive Wirkung von Panax ginseng als gut ein. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf mögliche positive Effekte von Guaranà (Paullinia cupana).“

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=75039

 

Kommentar & Ergänzung:

Der Artikel ist insgesamt sehr lesenswert, insbesondere natürlich für Menschen, die mit Fatigue zu tun haben, als Betroffene, als Angehörige von Betroffenen oder als medizinische oder pflegerische Fachleute.

Siehe auch:

Krebstherapie: Sport und Phytotherapie bei Fatigue

Onkologie: Johanniskraut beim Chronischen Fatigue-Syndrom

Krafttraining bessert krebsbedingte Erschöpfung (Fatigue)

Onkologie / Palliative Care: Was hilft bei Fatigue?

Onkologie: Roter Ginseng bei Fatigue

Ginseng lindert Fatigue bei Krebskranken

Bei der Anwendung von Ginseng ist zu beachten, dass es bei den im Handel erhältlichen Ginsengpräparaten grosse Qualitätsunterschiede gibt. Empfehlenswert sind auf einen bestimmten Gehalt an Ginsenosiden standardisierte Ginsengextrakte (z. B. der G115-Extrakt von Ginsana).

Bei Guaranà dürfte die Wirkung vor allem auf dem Gehalt an Koffein basieren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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ADHS: Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren hilfreich?

Die Zeitschrift „Vista“ ( Nr. 6 / 2014) befasst sich mit Möglichkeiten der Naturheilkunde bei ADHS und schreibt:

„Zu den wichtigsten Präparaten aus der Natur, die bei Hyperaktivität gern verwendet werden, gehören Omega-3-Fischöl und Omega-6-Nachtkerzenöl……In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass die Gabe von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren eine deutliche Verbesserung in Bezug auf die Lernfähigkeit hyperaktiver Kinder brachte.“

Kommentar & Ergänzung:

„In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass….“

Wenn eine solche Formulierung in einer Gesundheitszeitschrift auftaucht, ist eine gehörige Portion Skepsis angebracht.

Studien gibt es nämlich in sehr unterschiedlicher Qualität. Eine schlechte Studie beweist gar nichts. Auch mehrere schlechte Studien beweisen nichts.

Die Qualität der Studien ist entscheidend und um diese beurteilen zu können, sind Quellenangaben nötig. Wo wurden die Studien veröffentlicht? Wer hat sie durchgeführt?

Weil einzelne Studien immer fehleranfällig sind, werden mehrere Studien zur gleichen Fragestellung zusammengefasst und in einer Metaanalyse ausgewertet.

Auf dieser Basis hat sich das Portal medizin-transparent.at mit der Frage befasst, ob Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren günstig wirken bei ADHS:

„Bei Kindern, die an ADHS leiden, wurde in einigen Studien ein niedrigerer Spiegel an Omega-3 & 6 – Fettsäuren festgestellt. Daher vermuteten manche Forscher, dass ein Ausgleich des Omega-3/6-Mangels die Symptome von ADHS mildern könnte.

In einer systematischen Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration wurden alle relevanten, bisher veröffentlichten klinischen Studien zu dieser Fragestellung zusammengefasst. Insgesamt wurde in 13 Studien an etwas mehr als 1000 kleinen ADHS-Patienten die Wirksamkeit von Omega-3/6-Fettsäuren untersucht. Ob sich die Auffälligkeiten und Probleme der Kinder gebessert hatte, wurde dabei sowohl von den Kindern selbst, deren Lehrer und Eltern als auch von Ärzten beurteilt. Im Vergleich zu Kindern, die nur ein Scheinpräparat (Placebo) bekamen, zeigte sich bei der Einnahme der Omega-3/6-Fettsäure-Präparate keine eindeutige Besserung.“

Die Resultate der analysierten Studien seien allerdings nur bedingt aussagekräftig, vor allem aufgrund der geringen Teilnehmerzahl, schreibt „medizin-transparent.at“ – und fährt fort:

„In vielen Fällen wurden Teilergebnisse nicht berichtet, die eine Wirksamkeit der Mittel möglicherweise in Frage gestellt hätten. Zudem wurden viele der Studien von den Herstellern der untersuchten Nahrungsergänzungsmittel finanziert. Die Autoren der Übersichtsarbeit kamen daher zu dem Schluss, dass die derzeit vorhandenen Studienergebnisse nicht ausreichen, um auf einen vorteilhaften Effekt von Omega-3/6-Fettsären bei ADHS schließen zu können.“

Es gebe keine aussagekräftigen Hinweise, dass die zusätzliche Einnahme von Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren zu Verbesserungen bei ADHS führe, schreiben die Autoren von „medizin-transparent“.

Quelle:

http://www.medizin-transparent.at/omega-fettsauren-hilfe-fur-zappelphilipps-fragwurdig

Für die Empfehlung von Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren als Naturheilmittel bei ADHS in der Gesundheitszeitschrift „Vista“ fehlt eine solide Grundlage. Die Aussage, dass in mehreren Studien ein günstiger Effekt dieser Präparate nachgewiesen worden sei, wird durch die Metaanalyse der Cochrane Collaboration nicht gestützt.

„Vista“ ist keine verlässliche Informationsquelle für Gesundheitsfragen.

 

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Heilpflanzen von Maria Treben gegen Tumore?

Ich werde immer wieder mal gefragt, was ich von den Heilkräutern halte, die Maria Treben gegen Tumore empfiehlt.

Daher soll es hier wieder einmal gesagt sein:

Die Empfehlungen von Maria Treben gegen Krebs entbehren jeder Grundlage.

Maria Treben (1907 – 1991) ging davon aus, dass sich jede Krankheit mit Heilpflanzen heilen lässt. Das ist ein fundamentaler Irrtum. Heilpflanzen haben eine ganze Palette von sinnvollen Anwendungsbereichen, doch haben sie auch ihre Grenzen. Wer diese Grenzen wie Maria Treben ausblendet, läuft in eine riskante Richtung und gefährdet das Leben von Patientinnen und Patienten.

Das Tumorzentrum der Universitätsklinik Freiburg schreibt mit gutem Grund:

„Treben behauptet, mit Hinweis auf Sebastian Kneipp, dass “das Zinnkraut jeden gut- oder bösartigen Tumor zum Stillstand bringt und ihn langsam auflöst”. Weitere “Wundermittel” sind Schwedenkräuter, intern oder als Umschlag angewendet, Spitz- oder Breitwegerichbrei, Ringelblumensalbe und vieles anderes. Gegenüber den “Ratschlägen und Erfahrungen mit Heilkräutern” der Maria Treben ist Skepsis und Zurückhaltung geboten. Einer vernünftigen zusätzlichen Anwendung solcher Präparate ist nichts entgegenzuhalten, zum Beispiel dem Einreiben einer Operationsnarbe nach Mastektomie mit Ringelblumensalbe. Gefährlich sind Ratschläge, primär gut operable und damit heilbare Tumoren zuerst versuchsweise mit Kräutern zu behandeln, z. B. Hodenkrebs mit Spitzwegerichumschlägen. Damit geht bei diesem heute heilbaren Tumor viel Zeit und möglicherweise die Heilungschance verloren.“

Quelle:

http://www.uniklinik-freiburg.de/fileadmin/mediapool/09_zentren/cccf/pdf/Broschüren/Final-Patientenratgeber_Komplementäre_Verfahren.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Nicht alles glauben, was über Wirkungen von Heilpflanzen erzählt und geschrieben wird. Wie man kritisch nachfragt und Aussagen und Versprechungen auf ihren Gehalt hin prüft, können Sie in meinen Lehrgängen lernen (Heilpflanzen-Seminar, Phytotherapie-Ausbildung).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zitronengrasöl wirksam gegen Hautpilz

Die Kleienpilzflechte (Pityriasis versicolor) wird durch Malassezia-Hefen ausgelöst. Die Erkrankung verursacht zwar keine gravierenden Beschwerden, doch der Leidensdruck bei Betroffenen ist trotzdem hoch.

Forscher untersuchten daher in einer Studie, ob sich die Pilzinfektion durch eine spezielle Zubereitung aus Zitronengras (Cymbopogon citratus) lindern lässt. Patienten, die Shampoos und Cremes mit Zusatz von Zitronengrasöl auf der betroffenen Kopfhaut verwendeten, profitierten von der pflanzlichen Behandlung ebensosehr wie Patienten in der Kontrollgruppe, die ein herkömmliches Antipilzmittel (Ketoconazol) einsetzten.

Besonders für Menschen mit Unverträglichkeiten der üblich eingesetzten antimykotischen Präparate biete sich ein Versuch mit dem gut verträglichen Zitronengrasöl in äußerlicher Anwendung an.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/zitronengras-lindert-hautpilz.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23793205

Carmo ES, Cavalcante NM, Oliveira Lima E de, Oliveira Pereira F de, Gayoso CW. Treatment of pityriasis versicolor with topical application of essential oil of Cymbopogon citratus (DC) Stapf – therapeutic pilot study. An Bras Dermatol 2013; 88(3): 381-385

 

Kommentar & Ergänzung:

Zitronengras ( = Lemongras) stammt vermutlich aus Südindien und Sri Lanka und wird inzwischen in vielen Teilen der Welt angebaut. Aus der orientalischen Küche ist es nicht wegzudenken (Indien, Thailand). Lemongrasöl enthält grosse Mengen am Citral (Geranial, Neral) und viele weitere Monoterpene. Lipophile Monoterpene interagieren mit zellulären Biomembranen und können die Aktivität von Membranproteinen modifizieren, vor allem von Ionenkanälen und Rezeptoren. Diese Eigenschaften könnten antimikrobielle Wirkungen des Zitronengrasöls erklären. Eine antimykotische (= pilzhemmende) Wirkung ist deshalb plausibel. Allerdings zeigen viele ätherische Öle antimikrobielle Wirkungen (z. B. Lavendelöl, Korianderöl, Teebaumöl, Thymianöl, Eukalyptusöl, Kümmelöl).

Bei der Anwendung auf der Haut spielt neben der Stärke der antimikrobiellen Wirkung auch die Verträglichkeit eine Rolle. In dieser Hinsicht sind Lavendelöl und Korianderöl meine Favoriten.

Siehe auch:

Ätherische Öle bei Mykosen / Pilzinfektionen

Zur Wirkung von Korianderöl

Aromatherapie / Phytotherapie: Zur Wirkung von Teebaumöl 

Phytotherapie bei Hautpilzen

Jasminöl, Teebaumöl und Minzöl gegen Scheidenpilz untersucht

Lavendelöl wirksam gegen Hautpilze

 

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Lavendelöl lindert Menstruationsbeschwerden

Lavendelöl reduziert Menstruationsbeschwerden (Dysmenorrhoe).
 Bei 48 Studentinnen, die eine Stunde nach dem Einsetzen der ersten Symptome Lavendelöl inhaliert hatten, reduzierten sich u.a. Unterleibskrämpfe, Müdigkeit, Übelkeit und Kopfschmerzen deutlich gegenüber der Kontrollgruppe. Die Blutungsstärke blieb vergleichbar in beiden Gruppen.

Quelle: http://www.carstens-stiftung.de/artikel/lavendelduft-bei-regelbeschwerden.html

Raisi Dehkordi Z, Hosseini Baharanchi FS, Bekhradi R. Effect of lavender inhalation on the symptoms of primary dysmenorrhea and the amount of menstrual bleeding: A randomized clinical trial. Complement Ther Med. 2014 Apr;22(2):212-9

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24731891

Kommentar & Ergänzung:

Ich kann mir gut vorstellen, dass Lavendelöl bei Menstruationsbeschwerden wohltuend ist und die Symptome lindert. Die Studie selbst wirft allerdings ein paar Fragen auf. Die Studentinnen inhalierten Lavendelöl auf der Basis von Sesamöl, die 48 Studentinnen der Kontrollgruppe dagegen reines Sesamöl. Sesamöl ist allerdings weitgehend geruchs- und geschmacklos. Eine Verblindung zwischen Placebogrupe und Lavendelölgruppe (Verum) fand hier also nicht statt. Es scheint naheliegend, dass die Probandinnen der Lavendelöl-Gruppe eine wirksamere Intervention erwarteten als die Probandinnen der Gruppe mit reinem Sesamöl. Ein dadurch grösserer Placeboeffekt in der Lavendelölgruppe könnte das Ergebnis verzerrt haben.

Es scheint mir aber allgemein schwierig zu sein, bei klinischen Studien mit ätherischen Ölen eine ausreichende Verblindung zu erreichen. Riecht das Placebo gleich wie das Verum ist es kein Placebo mehr. Riecht das Placebo anders als das Verum kann es irgendeine Wirkung entfalten und ist kein Placebo mehr. Ist das Placebo geruchlich neutral, wie in dieser Studie das Sesamöl, ist es als Placebo zu erkennen. Ich bin sehr für hochwertige Doppelblindstudien, doch muss man auch sehen, dass es Bereiche gibt, in denen es sehr schwierig ist, hochwertige Studien zu machen, weil die Verblindung nicht wirklich gelingen kann.

Neben den ätherischen Ölen dürfte diese Schwierigkeit auch im Bereich Wickel vorhanden sein. Man kann höchstwahrscheinlich kein Placebo herstellen, das unverwechselbar wie ein Kartoffelwickel aussieht und riecht und sich so anfühlt, aber kein Kartoffelwickel ist. Die Chance, dass für Ätherische Öle und Wickel in hochwertigen Studien eine Wirksamkeit belegt werden kann ist daher klein – auch in den Bereichen, in denen sie de facto wirksam sind.

P. S. Die Lavendelöl-Studie wurde in Teheran durchgeführt. Das macht mich immer etwas skeptisch, seit ich in einem Interview folgende Aussage von Roman Huber gelesen habe:

„Bei derartigen Untersuchungen sollte man vorsichtig sein, denn aus dem Iran kommen genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen.“

Quelle: http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/panorama/schoen-mild-und-sehr-beruhigend–38073981.html

Roman Huber leitet das Zentrums für Naturheilkunde der Universitätsklinik Freiburg.

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Spirulina als “Superfood”

Im Rahmen des „Impact Journalism Day“ stellte der „Tages-Anzeiger“ gestern kleine und grosse Projekte vor, die zu einer besseren Welt beitragen. Als erstes aufgefallen ist mir ein lobhudlerischer Artikel über Spirulina-Algen – mit grossem Verbesserungspotenzial, aber wohl hauptsächlich für die Finanzen der Hersteller und Verkäufer dieser Produkte.

Spirulina wird hochgejubelt und mit Heilserwartungen aufgeladen, manchmal sogar als Lösung für die Welternährungsprobleme propagiert.

Das ist sehr fragwürdig:

„Befürworter heben vor allem den hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen, Fettsäuren, Aminosäuren und Chlorophyll hervor. Da von den getrockneten Bakterien jedoch nicht mehr als 1,5 Gramm am Tag empfohlen werden, ist die absolute Nährstoffaufnahme gering. So enthält eine Scheibe Käse etwa zwanzigmal so viel Calcium wie eine Tagesdosis Algen. Und eine Scheibe Vollkornbrot liefert fast das Hundertfache an Zink. Mit den anderen Mikronährstoffen sieht es ähnlich aus. Die Algen-Vertreiber betonen zwar die hohe Verfügbarkeit der Nährstoffe. Dies macht jedoch die geringen Nährstoffmengen pro Portion nicht wett. Ob AFA-Algen für Vegetarier eine so gute Quelle für Vitamin B12 sind, wie die Anbieter behaupten, ist ebenfalls fraglich. Denn Algen enthalten überwiegend eine Form des Vitamins, das für den Menschen nicht nutzbar ist.“

Quelle: http://www.ugb.de/lebensmittel-im-test/afa-algen/

(UGB = Verband für unabhängige Ernährungsberatung)

 

„Ob Spirulina¬, Chlorella¬ oder Afa¬Algen, sie alle gel¬ ten als gute Eiweissquellen mit einer guten Ext¬ raportion an Vitaminen und Mineralstoffen. Das mag auf eine Menge von 100 Gramm zutreffen, doch heruntergerechnet auf die empfohlenen Höchstdosen ergeben sich nur vernachlässigbare 1,1 bis 5,4 Gramm Protein pro Tag.“

Quelle: Tabula (6 / 2013), Zeitschrift der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung

 

„Bei Spirulina-Produkten als Nahrungsergänzungsmittel wird der Eiweißgehalt und Vitamin B12-Gehalt ausgelobt. Die Dosis, die über Nahrungsergänzungsmittel bei Einnahme der höchsten empfohlenen Dosis aufgenommen wird, ist jedoch so gering, dass sich die ergänzende Eiweißzufuhr in der Regel kaum bemerkbar macht. Das manchmal gesondert ausgezeichnete Chlorophyll findet sich in jedem Lebensmittel mit grünen Pflanzenteilen. Die Auslobung von Vitamin B12 gilt als irreführende Werbung.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit kam nach Auswertung der vorgelegten Studien von Herstellern zu dem Schluss, dass Spirulina-Kapseln keine Auswirkung auf die Glucose-Konzentration im Blut bei Diabetikern besitzen.“

Quelle: Wikipedia

Die Heilungsversprechungen stehen genauso auf wackeliger Basis. Hier der entsprechende Abschnitt aus Wikipedia. Zwischen den Zitaten kursiv Kommentare von mir.

 

„In der Alternativmedizin werden Spirulinapräparaten mögliche Effekte gegen Krebs, Viren und Allergien nachgesagt.“

Die angebliche Wirkung gegen Krebs ist aus der Luft gegriffen. Bei der Wirkung gegen Viren handelt es sich um Laborergebnisse ohne klare Aussage auf eine Wirkung beim Menschen. Die Wirkung bei Allergien wurde zu mindestens an Patienten untersucht – mit ungesicherten Hinweisen auf eine günstige Wirkung.

„Die Anwendung von Spirulina-Präparaten senkt möglicherweise die Cholesterin-Konzentration im Blut. Bei den durchgeführten Studien traten jedoch nur geringe Effekte zu Tage, die jeweilige Anzahl der Probanden bei den Studien war zu gering oder das Studiendesign schlecht, so dass bislang wenig verwertbare Ergebnisse vorliegen.“

Sehr vage Hinweise.

„Dokumentiert ist auch die immunmodulierende Wirkung von Spirulina u. a. bei Allergien als Mastzellinhibitor – Spirulina hemmt die Freisetzung von Histamin aus Mastzellen. Ishii et al. demonstrierten den positiven Einfluss von Spirulina auf die Immunglobulin-A-Sekretion und damit die Verbesserung der Immunkompetenz und Abwehrfunktion im Speichel.“

Laborergebnisse ohne klare Aussage für Patienten.

„Eine aktuellere doppelblind placebokontrollierte Studie in der Türkei belegt eine signifikante Effizienz von Spirulina bei der Behandlung von Patienten mit allergischem Schnupfen. Bei guter Verträglichkeit wurden die Symptome einschließlich Sekretmenge, Niesen, geschwollenen Schleimhäuten und Juckreiz deutlich gebessert. In einer weiteren randomisierten, doppelblind placebokontrollierten Studie nahmen die Probanden 12 Wochen täglich 1 g bzw. 2 g Spirulina. Es zeigte sich, dass die Spiegel von Interleukin-4, das bei Immunglobulin-E-vermittelten Allergien eine verstärkende Rolle spielt, um etwa 32 % gesenkt werden konnten.“

Das sind immerhin positive klinische Studien mit Patienten, deren Qualität ich aber nicht beurteilen kann.

„Darüber hinaus konnte 2011 in einer Studie eine antivirale Wirkung von Spirulina gegen das Epstein-Barr-Virus nachgewiesen werden.“

Laborstudie, deren Relevanz für die Anwendung bei Patienten offen bleibt.

 

„Eine Meta-Analyse vermutete einen positiven Einfluss auf verschiedene Parameter, kritisierte jedoch die bis 2008 vorhandenen Studien als von schlechter methodischer Qualität und nicht ausreichend für eine Beurteilung.“

Auch die Meta-Analyse kommt zu sehr vagen Ergebnissen.

 

Die Quellenangaben zu den einzelnen Studien sind im Originalartikel auf Wikipedia zu finden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Spirulina#Gesundheit

Typisch ist, dass die Vermarkter solcher Produkte aus den vorliegenden Studien immer nur einzelne Bruchstücke herauspicken, die ihnen gerade passen. Dann tönt es jeweils so, wie wenn die Aussagen wissenschaftlich belegt seien.

Rosinenpicken nennt man dieses Vorgehen.

Vom „superfood“, den der Tages-Anzeiger beschreibt, bleibt nicht viel übrig, wenn man nur ein bisschen nachhakt.

Siehe ausserdem:

Naturheilkunde: Spirulina als Quelle von Vitamin B12

Algenpräparate: Schlechte Noten für Spirulina, Chlorella & Co. 

 

Ich halte es durchaus für möglich, dass Spirulina einige positive Eigenschaften haben könnte. Versucht man allerdings die Fakten zusammenzubringen, dann gibt es da einen grossen Berg von Versprechungen, der bestenfalls eine Maus an konkreten Wirkungen gebiert. Spirulina im Zuge des „Impact Journalism Day“ als Beitrag zu einer besseren Welt darzustellen, ist daher ein bisschen übertrieben und geht wohl auf das Konto „Schleichwerbung“.

 

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Sport hilft gegen Depressionen

Sport löst Veränderungen im Gehirn aus, die sonst nur durch Medikamente bewirkt werden

Ein internationales Team von Forschern unter Mitwirkung der Universität Bern hat alle verfügbaren Metaanalysen zum Thema Sport und Depressionen zusammengefasst und deren günstige Wirkung auf Depressionen ausgewertet.

In den westlichen Industrienationen leidet mindestens jede zehnte Person im Verlauf ihres Lebens einmal an Depressionen. Damit handelt es sich bei den Depressionen um die am häufigsten diagnostizierte psychische Erkrankung. Sie beeinflussen die körperliche Gesundheit stärker als Diabetes oder Arthritis.

 

Die Behandlung von Depressionen geschieht üblicherweise mit Medikamenten (Antidepressiva) und Psychotherapie.

Eine aktuelle Veröffentlichung zeigt aber nun, dass Sport und körperliche Aktivität teilweise die gleichen neurophysiologischen Veränderungen anstossen wie Antidepressiva. Eine Vielzahl von Metaanalysen zeigte eine positive Wirkung von Sport und körperlicher Aktivität auf Depressionen.

Sport und körperliche Aktivität bewirken durch neurobiologische Anpassungen verschiedene Veränderungen im Gehirn, die sonst nur durch Medikamente erzielt werden. Arzneimittel zur Therapie von Depressionen setzen ähnlich wie Sport und körperliche Aktivität an der Serotoninaufnahmefähigkeit des Gehirns an. Sie intensivieren die Epinephrinaktivität und bewirken die Ausschüttung verschiedener Faktoren für das Nervenwachstum.

 

Diese Faktoren begünstigen das Zellwachstum im Gehirn und verhindern das Absterben von Zellen im Hippocampus, welches sonst durch Depressionen ausgelöst wird. Sport und körperliche Aktivität führen mit diesen Veränderungen auch zu einer reduzierten Aktivität des Stresshormons Cortisol und wirken damit zum Teil ähnlich wie Psychopharmaka.

Die Wissenschaftler schränken ein, dass die Metaanalysen keine Schlüsse zulassen, wie oft und wie lange wöchentlich Sport getrieben werden sollte. Feststellen konnten sie dagegen, dass die Wirksamkeit von Sport bei Depressionsstörungen größer ist als zum Beispiel bei Angststörungen.

Regelmäßiges Sporttreiben scheint daher gemäss bisherigem Stand der Forschung ein geeignetes Mittel zu sein, um Depressionssymptome zu lindern. Ein Mittel zudem, das kostengünstig ist und nur wenige Nebenwirkungen hat.

 

Ob und in welchem Maß Sport und körperliche Aktivität eine Ergänzung oder sogar Alternative zu Antidepressiva bei leichten Depressionen sein können, muss allerdings noch untersucht werden.

 

Quelle:

http://derstandard.at/2000005634313/Sport-und-koerperliche-Aktivitaet-helfen-gegen-Depressionen

 

Abstract
CNS & Neurological Disorders: Effects of Exercise on Anxiety and Depression Disorders – Review of Meta- Analyses and Neurobiological Mechanisms

 

http://www.eurekaselect.com/122692/article

 

Kommentar & Ergänzung:

Das ist dann also eine Metaanalyse der Metaanalysen – eine Meta-Metaanalyse quasi. Schön, dass es so etwas auch noch gibt.

Im Ernst:

Dass Sport bei Depressionen helfen kann, ist gut dokumentiert. Bei schweren Depressionen dürfte das nicht reichen und ein Hauptproblem des Ansatzes „Sport gegen Depressionen“ liegt darin, dass Depressive krankheitsbedingt oft nicht gerade einfach für Bewegung zu motivieren sind. Bei leichten Depressionen funktioniert das besser und mir scheint vor allem auch wichtig zu beachten, dass regelmässige Bewegung auch eine vorbeugende Wirkung haben könnte.

Bewegung ist im Übrigen ein Grundpfeiler der klassischen Naturheilkunde.

Siehe: Naturheilkunde: Was ist das?

Phytotherapeutisch ist bei leichten und mittelschweren Depressionen auch an Johanniskraut-Extrakt zu denken. Bei den Johanniskrautpräparaten gibt es allerdings grosse Qualitätsunterschiede, die zu beachten sind.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

Aromatherapie / Phytotherapie: Ätherische Öle bei Schlafstörungen

Ätherische Öle können bei milden Schlafstörungen eine Alternative zu Schlaftabletten sein und werden zu diesem Zweck in Aromatherapie und Phytotherapie eingesetzt.

Forscher haben nun in einer aktuellen Übersichtsarbeit, in der 15 Einzelstudien zusammengefasst worden sind, den Nutzen von ätherischen Ölen bei Schlafstörungen aufzeigen können. Am häufigsten wurde Lavendelöl in den Studien eingesetzt (10 Studien).

Berichte über Nebenwirkungen gab es dabei nicht.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/schlafen-im-duftparadies.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24720812

Lillehei AS, Halcon LL. A systematic review of the effect of inhaled essential oils on sleep. J Altern Complement Med. 2014 Jun;20(6):441-51.

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Meldung sagt insgesamt nicht viel aus und die Qualität dieser Übersichtarbeit kann ich nicht beurteilen. Klar ist aber, dass Lavendelöl am besten untersucht und belegt ist zur Behandlung von Schlafstörungen. Daher wird Lavendelöl in Aromatherapie, Aromapflege und Phytotherapie auch oft angewendet für diesen Indikationsbereich.

Interessant zur Behandlung von Schlafstörungen ist auch Melissenöl aus Melissa officinalis (Zitronenmelisse). Melissenöl ist aber viel teurer als Lavendelöl.

Wenn in der Übersichtsstudie steht, dass keine Nebenwirkungen berichtet wurden, heisst das nicht, dass Nebenwirkungen ausgeschlossen sind. Ätherische Öle können zum Beispiel Allergien auslösen. Dieses Risiko ist unterschiedlich bei den verschiedenen ätherischen Ölen. Lavendelöl gilt als in der Regel gut verträglich, doch kann es auch hier vereinzelt zu allergischen Hautreaktionen kommen.

Zu den Wirkungen und Anwendungsbereichen von Lavendelöl finden Sie hier eine Broschüre:

Ätherische Öle in der Pflege – Grundlagenwissen über ätherische Öle – Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Lavendelöl

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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