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Philosophische Anmerkungen zum Umgang mit Pflanzen und zur Signaturenlehre

Das folgenden Zitat stammt vom französischen Philosophen Alain (1868 – 1951). Es spricht ein sehr interessantes und grundlegendes Phänomen in unserem Umgang mit Pflanzen an und hat damit auch Bedeutung für die Pflanzenheilkunde:

„Ein Mann, der die Samen seiner Kapuzinerkresse bekämpfte, um Platz zu schaffen für andere Blumen, sagte naiv: „Sie verstecken sich, sehen Sie. Seit ich ihnen den Kampf angesagt habe, haben sie sich alle unter einem Blätterdach versteckt. Sie lernen es, sich meinen Blicken zu entziehen, wie Tiere es tun würden.“ Von Natur sind wir alle Dichter, und wir beurteilen zunächst alle Dinge nach unseren politischen Ideen. In der Tat blieben nach einigen Tagen nur noch die Samenkörner, die durch ihre günstige Lage den wachsamen Gärtner getäuscht hatten. Ich erinnere mich, dass ich, als ich in einem Frühjahr von allen Seiten von einem stark wuchernden Unkraut angegriffen wurde, dessen Blätter denen der Veilchen ähnelten, fast gedacht hätten, es zöge sich in die Veilchenstauden zurück. Der erste Gedanke, der uns kommt, ist immer ein ungezügelter Gedanke; und ich wurde einen Augenblick lang von der törichten Idee ergriffen, es stecke eine pflanzliche List dahinter. Tatsächlich aber wuchs diese Pflanze fast überall; die Nachbarschaft der Veilchen bewahrte sie eine gewisse Zeit vor der Hacke.

Als Darwin auf den Gedanken kam, auf einer schottischen Weide ein kleines Stück einzufrieden, um es vor dem Vieh zu schützen, und bald Kiefern darauf wachsen sah, hätte man auch sagen können, dass die Samen der Kiefer, als sie die Einfriedung bemerkten, sich sogleich darein flüchteten. Aber Kiefern wuchsen auf der ganzen Weide; und Darwin hatte diese Sprosse wohl bemerkt, die durch die Hufe und Zähne des Rindviehs ständig knapp über dem Boden gehalten wurden. Auf den durch den Krieg unbestellten Feldern, die sich zwischen Artillerie und Infanterie erstrecken, habe ich mehr als eine Feststellung getroffen, und besonders habe ich in einem Luzernenfeld einen kleinen Wald von Hagebuchen gesehen, der dort wuchs; diese Wahrnehmung rief in meinem Geist die Feststellung Darwins wach, die so einfach ist, der es für mich aber an Anschauung fehlte. Grosse Gedanken haben etwas Kindliches, das bewirkt, dass die Schöngeister immer an ihnen vorbeigehen, ohne sie zu sehen.

Man kann also die Ökonomie eines Instinktes der Pflanzen aufstellen, die darin bestände, dass sie ein günstiges Gelände, Schutz und Licht suchen und finden. Nur metaphorisch wird man sagen, dass die Gänseblümchen einen besonnten Hang erstürmen; ihre kriechenden Stengel und ihre Samen wachsen besser auf dieser Seite. Die Winde ringelt sich in einer einzigen Nacht um einen vergessenen Spazierstock; aber sie stürzt sich nicht auf diese Stütze, um sich zum Licht zu erheben; nur da der Teil des Stengels, der auf einen festen Körper trifft, sich weniger schnell entwickelt als der freie Teil, wird der Stengel nach der Form des Stocks gebogen. Alle diese Wesen leben, so gut sie können, oder gehen ein, und ihre Formen drücken Bedingungen aus. Diese Idee führt weit; und beachten Sie, dass sie uns von der Inhärenz abwendet, wie der Schatten Platons sagte, als er die Verhältnisse des Lebens nicht so sehr durch die Eigenschaften der Pflanze als durch ihre Beziehung zur Nachbarschaft erklärte; zur Umwelt, dem Schatten, der Sonne, dem Wind, den anderen Pflanzen und Tieren, Insekten, Vögeln, Vieh, die mit der Pflanze ein einziges Wesen bilden. Ebenso bilden die Gezeiten mit der Sonne und dem Mond eine einzige Tatsache; und der Tag bildet mit der Nacht und der Mondfinsternis eine einzige Tatsache. Nach dieser Abfolge unserer Ideen in der Geschichte der Wissenschaften kann man eine neue Idee beurteilen, nicht allein nach der Erfahrung; denn die Erfahrung bestätigt oft eine törichte Idee, wie meine Beispiele zeigen. Deshalb folgte Descartes dem Königsweg, als er den Tieren jegliches Denken bestritt; denn man unterstellt den Tieren und sogar den Menschen immer zuviel Denken. Und man muss viele Abstriche machen an der List der Politiker wie an der List der Pflanzen; die Ursachen sind immer einfacher, als man annimmt, und überdies die letzten, an die man denkt; aber daraus entspringt auch eine Sicherheit des Tuns, sobald man die Ursachen erkennt. Um den Ungeduldigen zu beruhigen, bieten Sie ihm einen Sessel an.“

  1. Mai 1922

 

Alain (eigentlich Emile Auguste Chartier), Philosoph, 1868 – 1951,

Zitat aus: Sich beobachten heisst sich verändern, Insel Taschenbuch 1994

 

Kommentar & Ergänzung

Alain beschreibt in diesem Text ein interessantes Phänomen: Wir Menschen neigen dazu, die Natur zu vermenschlichen. Wir unterstellen beispielsweise den Pflanzen menschliche Verhaltensweisen, zum Beispiel eine List, oder Gefühle wie Sympathie und Fröhlichkeit. Dadurch reduzieren wir Fremdheit diesen Lebewesen gegenüber. Denn in menschliche Regungen können wir uns besser einfühlen. Allerdings bleibt der ganze Vorgang eine Unterstellung. Und so sind wir dann in der Begegnung mit diesen Pflanzen nur mit eigenen Teilen (Projektionen) in Kontakt, die wir den Pflanzen vorgängig unterschoben haben. Wer Pflanzen wirklich begegnen will, darf sie meines Erachtens nicht durch solche Unterstellungen vermenschlichen. Das setzt aber voraus, dass wir auch die Fremdheit und Andersartigkeit der Pflanzen akzeptieren und ihr auf diesem Hintergrund gegenüber treten.

Solche Vermenschlichungen von Pflanzen durch Unterstellungen passieren heutzutage rasch im Umfeld von Büchern, die Kommunikation und soziales Verhalten bei Pflanzen beschreiben, wie sie zum Beispiel Florianne Köchlin und Peter Wohlleben verfasst haben. Darin werden durchaus interessante Phänomene beschrieben. Aber die Formulierungen legen es oft nahe, den Pflanzen bewusste Ziele, soziales Verhalten oder List zu unterstellen. Da stellt sich dann die Frage, ob solche Beschreibungen noch pflanzengerecht sind.

Alain’s kleine Pflanzengeschichte drückt zudem aus, dass die Form der Pflanzen und der Ort, an dem sie jeweils wachsen, von ihren Lebensbedingungen bestimmt werden. Dieser gut dokumentierte Zusammenhang scheint bei manchen Vertreterinnen und Vertretern der Pflanzenheilkunde unbekannt zu sein. So hört man zum Beispiel immer wieder ernsthaft die Behauptung, dass diejenigen Heilpflanzen, die in meinen Garten kommen, auch diejenigen sind, welche ich brauche um gesund zu werden. Diese Überzeugung hat einen grossen „Vorteil“: Sie verleiht absolute Sicherheit darüber, welche Heilpflanze ich gerade brauche – und zwar ohne dass ich nachdenken oder etwas über Heilpflanzen lernen muss….und es ist ja auch schön, dass da jemand kommt, und sich um mich kümmert, und das ganz ohne Ansprüche zu stellen.

Im Ernst: Wir sollten bescheiden genug sein, um zu erkennen, dass wir nicht so bedeutend sind für die Pflanzen, dass sie sich um uns kümmern und zu uns kommen, wenn wir sie brauchen. Pflanzen wachsen genau dort, wo sie für sich günstige Bedingungen finden.

Und Pflanzen wachsen mit ihren Formen und Farben auch nicht so, dass sie uns dadurch mitteilen, welche Heilkräfte sie für uns bereithalten. Diese heute wieder manchmal zu hörende oberflächliche Neuauflage einer Signaturenlehre aus der Renaissance übersieht, dass die Formen und Farben der Pflanze sich genau so entwickeln, wie die Pflanze es für sich braucht – nicht für uns.

Doch auch mit diesen Erkenntnissen können wir uns an Pflanzen freuen, sie als Heilpflanzen mit Respekt nutzen und über ihre Schönheit und ihre faszinierende Lebensweise staunen.

 

Studienlage zur Phytotherapie bei Erkältungskrankheiten

Professor Dr. Robert Fürst von der Uni Frankfurt hat vor kurzem in der Pharmazeutischen Zeitung die Studienlage zu Heilpflanzen-Präparaten bei Erkältungskrankheiten dargelegt.

Zur Vorbeugung von Atemwegsinfektionen allgemein hat gemäss Fürst das Präparat Angocin® Anti-Infekt N zeigen können, dass es die Infektwahrscheinlichkeit gegenüber Placebo reduziert (DOI: 10.1185/03007995.2012.742048).

Als Therapeutikum kann Esberitox® die Symptomlast vermindern. Es verkürzt jedoch nicht die Erkrankungsdauer (DOI: 10.1185/03007999909114094).

Laut den Resultaten eines Cochrane-Reviews aus dem Jahr 2014 kann für Echinacea von einem geringen Effekt bei der Vorbeugung und keinem Effekt bei der Behandlung ausgegangen werden (DOI: 10.1002/14651858.CD000530.pub3). In der Metaanalyse von 24 Studien wurden allerdings extrem heterogene Präparate zusammengefasst (verschiedene Echinacea-Arten, Pflanzenteile oder Extraktionsverfahren). In diesem Fall müsse man sich gezielt die Studien der einzelnen Präparate ansehen, erklärt Fürst. Echinacin® Liquidum Madaus habe zum Beispiel bei Kindern die Schwere und Dauer der Symptome lindern können (DOI: 10.1001/jama.290.21.2824).

Bei einer akuten Rhinosinusitis kann gemäss aktueller S2k-Leitlinie eine Therapie mit Sinupret® extract oder definierten Eucalyptus-Extrakten empfohlen werden. Für eine Empfehlung bei rezidivierender oder chronischer Rhinosinusitis ist laut Fürst die Evidenzlage dagegen nicht genügend. Darüber hinaus gibt es gemäss Fürst Studien, die auch für einen Einsatz von Umckaloabo® bei bakterieller Sinusitis (Bachert et al. Rhinology. 2009; 47: 51-58) sowie bedingt auch für Gelomyrtol® forte (DOI: 10.1055/s-2007-997381) und Soledum® (DOI: 10.1097/00005537-200404000-00027) sprechen. Umckaloabo sei allerdings nicht für die Indikation akute Rhinosinusitis zugelassen.

Zur Therapie von Halsschmerzen sagt die Leitlinie, deren Gültigkeit allerdings abgelaufen ist und die zurzeit überarbeitet wird: »Pflanzliche Arzneimittel können bei ausgeprägtem Therapiewunsch oder unzureichender Wirksamkeit besser belegter symptomatischer Maßnahmen mit Einschränkungen empfohlen werden«. Positiv erwähnt wird der Valverde® Salvia Rachenspray, der allerdings nicht in Deutschland auf dem Markt ist, sowie Umckaloabo. Das Pelargonium-Präparat hat allerdings auch für Halsschmerzen bzw. die akute Pharyngitis keine Zulassung.

Auch in der gültigen S3-Leitlinie Husten finden Phytopharmaka positive Erwähnung: die Kombination aus Thymiankraut und Efeublättern (in Bronchipret® Saft TE), die Kombination aus Thymiankraut und Primelwurzel (in Bronchipret® TP Filmtabletten und Bronchicum® Tropfen) und auch bei dieser Indikation Pelargonium sidoides, also Umckaloabo. Plausibel erscheint Fürst bei akuter Bronchitis der Einsatz von gut untersuchten Efeu-Monopräparaten wie Prospan® oder Hedelix® sowie Gelomyrtol forte und bedingt auch Soledum, obwohl diese Präparate nicht in der Leitlinie aufgeführt sind.

Es gebe noch viele andere Präparate. Nur weil es noch keine überzeugenden Studien gebe, heisse das nicht, dass diese nicht wirken, sagte Fürst. Er rät aber, sich an der aktuellen Datenlage und den Bedürfnissen der Patienten zu orientieren.

Quelle;

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/phytos-evidenzbasiert-bewerten/

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine gute Zusammenstellung der Heilpflanzen-Präparate (Phytopharmaka), deren Wirksamkeit  im Bereich der Erkältungskrankheiten mit Studien belegt ist.

Unterstrichen werden muss dabei, dass diese Studienlage und diese Bestätigungen für Wirksamkeit nur für die untersuchten Präparate gelten. Wenn also ein Efeu-Monopräparat wie Prospan positive Studien vorlegen kann, dann lässt sich das zum Beipsiel nicht auf Efeutinktur übertragen, weil es sich dabei aufgrund unterschiedlicher Herstellungsverfahrung um unterschiedliche Produkte handelt.

Ebenso bei Pelargonium-Präparaten: Belegt ist ausschliesslich Umckaloabo®, weil dieser Hersteller die Studien finanziert hat.

Der Valverde Salvia Rachenspray (mit Salbei) war in der Schweiz im Handel, jetzt nicht mehr. Bei Halsschmerzen ist Gurgeln mit Salbeitee aber eine gute Option. Studien gibt es dazu allerdings nicht, denn für eine simple Kräutertee-Anwendung, die sich nicht patentieren lässt, gibt es keine Finanzierung für fundierte Forschung.

Angocin ist in der Schweiz nicht im Handel, wird aber von Apotheken bei Nachfrage besorgt. Das Präparat enthält Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressenkraut. Ich würde dieses Präparat allerdings eher bei akuter Bronchitis (oder akuter Blasenentzündung) einsetzen und weniger zur Vorbeugung.

Gelomyrtol ist ein Gemisch von ätherischen Ölen mit der Hauptkomponente Eukalyptusöl. Ein identisches Präparat ist unter dem Namen Gelodurat im Handel und kassenzulässig aus der Grundversicherung, wenn ein Arzt oder eine Ärztin es verschreibt.

Im übrigen: Die erwähnten DOI-Nummern verweisen auf die entsprechenden wissenschaftlichen Publikationen. Details hier auf Wikipedia.

Professor Fürst hat ein kleines Buch publiziert und darin die durch Studien belegten Heilpflanzen-Anwendungen zusammengefasst:

Pflanzliche Arzneimittel – was wirklich hilft

Ich habe dieses gut verständlich geschriebene Buch in meinem Buchshop genauer vorgestellt. Dort können Sie es auch via Buchhaus bestellen (hier).

Wenn Sie sich fundiertes Wissen über alle gebiete der Phytotherapie aneignen möchten, können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Blasenentzündung vorbeugen: Erhöhte Trinkmenge laut Studie wirksam

Wissenschaftler konnten mit einer Studie nachweisen, dass eine erhöhte Trinkmenge Harnwegsinfekte reduzieren kann.

Ständiger Harndrang, unangenehmes Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen im Unterbauch – vielen Frauen sind die klassischen Symptome einer Harnwegsinfektion nur zu gut bekannt. Ein erhöhter Wasserkonsum könnte das Risiko einer Blasenentzündung deutlich vermindern.

Wie Wissenschaftler im Fachblatt JAMA dargelegt haben, wiesen Frauen mit wiederkehrenden Harnwegsinfekten, die im Verlaufe einer Studie täglich und über zwölf Monate hinweg zusätzlich eineinhalb Liter Wasser tranken, ein um 50 Prozent tieferes Risiko für Blasenentzündungen auf

Die Studie wurde von der Organisation Danone Research finanziert. Der Getränke- und Lebensmittelkonzern Danone verkauft auch Wasser in Flaschen. Das heisst nicht, dass die Studie deshalb schlecht sein muss, aber sie ist auch nicht ganz unabhängig, wie das eigentlich wünschbar wäre.

Die Resultate der Studie zeigen nach Auskunft der Wissenschaftler, dass wiederkehrende Harnwegsinfekte durch eine erhöhte Trinkmenge verhindert werden könnten.

Grund dafür sei, dass durch den erhöhten Harndrang Bakterien beim Wasserlassen aus der Harnröhre gespült werden, bevor sie sich dort festsetzen und eine Infektion auslösen können.

Dass Team um Studienleiterin Deborah Grady von der University of California in San Francisco unterstreicht, dass etwa die Hälfte aller Frauen mindestens einmal in ihrem Leben Gefahr laufen, an einem Harnwegsinfekt zu erkranken. Ist man als Frau einmal von dieser Erkrankung betroffen gewesen, kehrt sie bei etwa einem Viertel der Betroffenen innerhalb der nächsten sechs Monate zurück. Etwa 75 Prozent der Betroffenen erkranken innerhalb des Folgejahres erneut an einer Blasenentzündung.

Quelle:

https://kurier.at/wellness/harnwegsinfektionen-vorbeugen-ist-mehr-wasser-die-loesung/400134146

Originalpublikation:

https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2705079

 

Kommentar & Ergänzung:

In der Originalstudie kann man sehen, dass Deborah Grady nicht die Studienleiterin war, sondern eine „Editor’s Note (einen“Editorial Comment“, einen Kommentar der Herausgeber des Magazins) zu der Studie geschrieben hat. Studienleiter war Thomas M. Hooton von der University of Miami.

Die Originalpublikation zeigt auch, dass von dem 7-köpfigen Forschungsteam 4 Wissenschaftler von Danone Nutricia Research kommen. Also die Mehrheit. Das scheint mir zu viel.

Die Studie wird in der Pharmazeutischen Zeitung genauer beschrieben:

 140 junge Frauen wurden in die randomisierte, offene Studie aufgenommen. Die Versuchspersonen litten unter häufigen Harnwegsinfekten; im Jahr vor Studieneinschluss waren es durchschnittlich 3,3 gewesen. Dennoch tranken die Teilnehmerinnen recht wenig, nämlich weniger als 1,5 l täglich. Ein Teil der Frauen behielt diese Trinkmenge über den zwölfmonatigen Studienzeitraum bei, die anderen tranken pro Tag 1,5 l Wasser zusätzlich.

In der Interventionsgruppe sank die Zahl der Blasenentzündungs-Episoden daraufhin im Schnitt auf 1,7 pro Jahr, während sie in der Vergleichsgruppe mit 3,2 pro Jahr nahezu konstant blieb. Der zeitliche Abstand zwischen zwei Harnwegsinfekten betrug bei Frauen, die mehr tranken, durchschnittlich 142,8 Tage, bei denjenigen mit unveränderten Trinkgewohnheiten im Schnitt 84,4 Tage. Durch die gesteigerte Trinkmenge konnte zudem der Antibiotika-Verbrauch reduziert werden: Frauen in der Interventionsgruppe brauchten zur Therapie von Harnwegsinfekten durchschnittlich 1,9 Antibiotika-Kuren pro Jahr, Teilnehmerinnen in der Vergleichsgruppe 3,6.

Die „Pharmazeutische Zeitung“ zitiert aus dem Fazit der Forscher:

»Mehr Wasser zu trinken, ist eine effektive, Antibiotika-sparende Strategie, um wiederkehrenden Harnwegsinfekten bei prämenopausalen Frauen vorzubeugen.«

Allerdings sei diese Aussage beschränkt auf Frauen, die gewohnheitsmäßig nur wenig trinken. 

Der Artikel in der PZ endet mit einem interessanten Hinweis:

„1,5 l am Tag sind allerdings schon mehr, als etwa die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Sie rät für Erwachsene zwischen 25 und 51 Jahren zu einer täglichen Wasserzufuhr von 1,41 l.“

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/viel-trinken-hilft/

Aus Sicht der Phytotherapie würde sich anschliessend an diese Studie noch die Frage stellen, ob spezielle Kräutertees anstelle von reinem Wasser den günstigen Effekt steigern könnten. Leider ist zur Klärung dieses offenen Punktes kaum Geld von Danone zu erwarten, so dass er wohl ungeklärt bleiben wird.

Gefragt wäre hier eine Arzneipflanze mit leicht entzündungswidrigem und leicht antimikrobiellem Effekt, einigermassen angenehmem Geschmack und guter Verträglichkeit bei Langzeiteinnahme. Buccoblätter? Goldrutenkraut aus Solidago virgaurea?

Ansonsten werden zur Rückfallprophylaxe bei Blasenentzündung oft Präparate auf der Basis von Cranberry / Preiselbeeren empfohlen. Hier haben wir allerdings mit der Schwierigkeit zu tun, dass die im Handel erhältlichen Präparate sehr unterschiedlich sind im Wirkstoffgehalt und die Studienlage insgesamt unbefriedigend. Eine Altenative ist D-Mannose. Siehe dazu:

D-Mannose schützt vor Harnwegsinfekt

Preiselbeere / Cranberry und D-Mannose sollen beide die Anheftung der Bakterien an den Schleimhäuten der Harnwege hemmen und dadurch ihre Ausschwemmung fördern.

Bei akuten Blasenentzündungen kommen phytotherapeutisch dann als unterstützende Behandlung Bärentraubenblätter als Bärentraubenblättertee oder in Form von Bärentraubenextrakt mit standardisiertem Gehalt an Arbutin in Frage, oder Präparate mit Senfölglykosiden aus Meerrettichwurzel und/oder Kapuzinerkressenkraut.

Insgesamt ist das Thema der Harnwegsinfektionen interessant für die Phytotherapie.

Wer sich fundiertes Wissen erwerben möchte über Heilpflanzen-Anwendungen kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar oder der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Hausmittel: Rettichsirup gegen Husten

Rettichsirup ist ein altbewährtes Hausmittel gegen Husten. Das Magazin „Focus“ hat dazu ein Rezept veröffentlicht:

„Von innen können Sie den Husten mit selbstgemachtem Hustensaft lindern. Ein Beispiel dafür ist der Rettich-Honig. Dafür schneiden Sie einen schwarzen Rettich der Länge nach auf, höhlen ihn mit einem Löffel aus und füllen beide Hälften mit Honig. Anschließend lassen sie es zwölf Stunden ziehen. Dabei entzieht der Honig dem Rettich Wasser und es entsteht ein Hustensaft. Davon können Sie drei Mal täglich einen Esslöffel zu sich nehmen. Den Rest bewahren Sie im Kühlschrank auf.“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/praxistipps/video/omas-hausapotheke-aerztin-verraet-die-drei-besten-mittel-gegen-husten-stehen-schon-in-ihrer-kueche_id_7910407.html

Kommentar & Ergänzung:

Wie genau die Wirkung von Rettichsirup zustande kommt, wurde nie genauer untersucht. Umfangreichere Forschungsarbeiten sind hier qauch nicht zu erwarten. Wer investiert schon in Studien für ein Hausmittel, das sich nicht patentieren lässt, und das jeder Mensch billig selber herstellen kann.

Mehr zum Rettichsirup hier:

Hausmittel: Rettichsirup gegen Husten

Bekannt ist immerhin, dass Rettich Senfölglykoside (= Glukosinolate) enthält, die auch charakteristische Inhaltsstoffe von Meerrettich und Kapuzinerkresse sind.

Senfölglykoside bzw. Senföle wirken antimikrobiell und möglicherweise auch schleimlösend bei Husten.

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside und welche Wirkung haben sie?

Bekannt ist zudem, dass Honig den Hustenreiz lindern kann. Das haben inzwischen auch Studien bestätigt.

Siehe dazu:

Honig gegen Husten wirksam

 

Obwohl Studien fehlen, gibt es also einige Argumente, die für eine Wirksamkeit des Rettichsirups sprechen. Und weil dieses Hausmittel zudem billig und leicht verfügbar ist, kann man eigentlich nur empfehlen, es bei der nächsten Gelegenheit auszuprobieren.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Meerrettichwein gegen Verdauungsprobleme

Der Bayerische Rundfunk berichtete kürzlich sehr informativ über Meerrettich und seine Wirkungen. Dabei kam die Rede auch auf den Meerrettichwein:

„Auch bei Verdauungsproblemen kann Meerrettich helfen. Gerieben mit dem Lieblingswein mischen – acht Tage im Dunkeln lagern, gelegentlich schwenken. Fertig ist der Verdauungstrunk.“

Quelle:

http://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/gesundheit/meerrettich-heilpflanze-gesundheit-100.html

Kommentar & Ergänzung:

Meerrettichwein ist ein altes Hausmittel, das vor allem als schleimlösendes Mittel bei Husten und Bronchitis eingesetzt wird.

Die Empfehlung bei „Verdauungsproblemen“ ist nachvollziehbar, aber sehr vage. Als „Verdauungsprobleme“ können sehr unterschiedliche Beschwerden bezeichnet werden.

Meerrettich regt die Verdauungssäfte an und soll deshalb gegen Appetitlosigkeit wirken.

Meerrettichwurzel enthält Senfölglykoside (Glukosinolate), die reizend und durchblutungsfördernd auf Haut und Schleimhäute wirken. Im Magen-Darm-Trakt könnten Senfölglykoside dadurch zu einer gesteigerten Magen- und Darmperistaltik führen. Das kennt man aus Studien mit dem Präparat Iberogast, das ebenfalls Senfölglykoside enthält (aus Iberis amara, Bittere Schleifenblume). Das legt die Vermutung nahe, dass Meerrettichwein auch bei Völlegefühl wirksam sein könnte. Genauer untersucht wurde die Wirkung von Meerrettichwein allerdings nicht.

Der Tipp des Bayerischen Rundfunks hält sich etwas knapp mit Angaben zur Zubereitung und Dosierung des Meerrettichweins. Wieviel Meerrettich pro Liter Wein? Wieviel Meerrettichwein pro Tag?

Glukosinolate und andere Scharfstoffe werden allerdings von Menschen unterschiedlich vertragen. Ich würde jedenfalls beim ersten Versuch zurückhaltend sein mit der Menge an zugegebener Meerrettichwurzel. Falls das Produkt dann zu schwach wirkt, lässt sich die Menge bei der nächsten Zubereitung immer noch steigern.

Siehe auch:

Meerrettich als “Penicillin des Gartens”?

Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse hemmen Grippeviren vom Typ H1N1

Meerrettich: Breitbandantibiotikum aus der Natur

Phytotherapie: Senföl aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenzaviren

Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und Blasenentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Meerrettich als “Penicillin des Gartens”?

Der Bayerische Rundfunk berichtete kürzlich sehr informativ über Meerrettich und seine Wirkungen. „Penicillin des Gartens“ werde der Meerrettich auch genannt. Das ist zwar etwas gar gross ausgedrückt, doch kann der Meerrettich tatsächlich antimikrobielle Wirkungen entfalten.

Dr. rer. nat. Iris Eisenmann-Tappe, Sommerhausen wird in dem Beitrag zur Wirkung des Meerrettichs folgendermassen zitiert:

“Wo er oft gebraucht wird, das sind Blasenentzündungen. Wenn man merkt, oh je, das geht schon wieder los, dann muss man nicht gleich mit dem Antibiotikum schießen, sondern dann kann man auch auf den Meerrettich zurückgreifen – Wenn man das so nicht zu sich nehmen möchte, eben dann die ausreichende Anzahl von Kapseln nehmen. Und in diesem modernen Medikament bekommt der Meerrettich mit seinen Senfölen auch Hilfe von einem Partner, der Kapuzinerkresse, die auch Senföle produziert und jetzt haben wir dann eine Kombination, die zusammen sehr schlagkräftig ist.”

Quelle:

http://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/gesundheit/meerrettich-heilpflanze-gesundheit-100.html

Kommentar & Ergänzung:

Von der Meerrettichwurzel können antimikrobielle Wirkungen in den Atemwegen (Bronchitis) und in den Harnwegen (Blasenentzündung) erwartet werden. Die Tagesdosis beträgt 20 g frische Meerrettichwurzel gerieben und über den Tag verteilt in mehreren Portionen. Eine scharfe Sache, die nicht allen behagt, aber gemischt mit Quark, geraffelten Äpfeln, geraffelten Karotten oder ähnlichem geht das für viele Menschen schon. Das im Zitat erwähnte Präparat heisst Angocin und ermöglicht die Anwendung von antimikrobiellen Senfölen auch Personen, denen die direkte Meerretticheinnahme zu scharf ist. Eine Filmtablette enthält allerdings nur 80 mg Meerrettichwurzelpulver und 200 mg Kapuzinerkressenkrautpulver. Das ist nicht gerade viel und man muss daher eine stattliche Anzahl Tabletten einnehmen, um eine wirksame Dosis zu erreichen (3-5mal täglich je 4-5 Filmtabletten für Erwachsene). In der Schweiz ist Angocin nicht als Arzneimittel angemeldet, kann aber durch die Apotheke auf Kundenverlangen aus Deutschland bestellt werden. Ich selber würde im Bedarfsfall die frische Meerrettichwurzel vorziehen.

 

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Saathafer – die Arzneipflanze des Jahres 2017

Der Saathafer wurde vom Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2017 gewählt.

Der Saathafer (Avena sativa) ist ein Getreide und zählt zu den Süßgräsern (Poaceae oder Gramineae). Er bildet im Gegensatz zu Weizen, Roggen und Gerste seine Körner nicht in Ähren, sondern in vielfach verzweigten Rispen aus.

Die Haferkörner sind von Spelzen umschlossen, die durch einen speziellen Mahlgang entfernt werden müssen. Der Hafer liefert zwar tiefere Hektar-Erträge als Weizen, Roggen und Gerste, doch ist er diesen gegenüber beim Nährwert und nicht zuletzt beim Geschmack überlegen. Zudem ist Hafer weniger anspruchsvoll, denn er gedeiht auch auf kargen Böden und bei feuchter Witterung.

Drei Pflanzenteile des Saathafers stossen auf pharmazeutisches Interesse:

Haferstroh (Avenae stramentum) wird als Abkochung für Bäder bei Hautverletzungen und Juckreiz verwendet.

Für die Gewinnung von Haferkraut (Avenae herba) wird der Hafer vor seiner Blüte geerntet. Haferkraut ist reich an Flavonoiden, Saponinen und Mineralien (Kalium, Calcium, Magnesium), wobei den Flavonoiden entzündungshemmende und den Saponinen immunmodulierende Eigenschaften zugesprochen werden.

Haferkraut-Extrakte kommen daher bei trockener Haut und bei atopischer Dermatitis zur Anwendung.

In den Neunzigerjahren wurde in Frankreich durch Selektion eine Hafersorte mit einem besonders hohen Anteil an Flavonoiden und Saponinen gezüchtet, die schon sehr jung geerntet und durch ein besonderes Verfahren extrahiert wird. Der aufgereinigte Extrakt ist frei von Proteinen und wird für Hautpflegemittel wie Cremes, Körpermilch und Badezusätze eingesetzt, die für Allergiker speziell gut verträglich sein sollen. Seine Bedeutung für die Dermatologie wurde schon in neueren Fachpublikationen gezeigt. Haferkrautextrakt-Produkte werden aber auch zur Pflege von empfindlicher Haut (Babys, Senioren) und zur Behandlung von Wunden, Rosacea und nicht zuletzt von Psoriasis eingesetzt.

Das Haferkorn (Avenae fructus), aus dem die allseits bekannten Haferflocken hergestellt werden, ist reich an Ballaststoffen (Polysacchariden), von denen die löslichen β-Glucane etwa die Hälfte ausmachen.

In 100 Gramm Haferflocken sind etwa 4,5 Gramm β-Glucane enthalten, in der Haferkleie sind es sogar mehr als 8 Gramm pro 100 Gramm. Die β-Glucane geben dem Haferschleim seine Konsistenz. Indem sie die Verdauung und den Stoffwechsel beeinflussen, wirken sie sich günstig auf den Cholesterinspiegel und den Blutzuckerspiegel aus.

Die Fähigkeit der β-Glucane, Gallensäuren zu binden, führt wahrscheinlich zur Ausscheidung von Cholesterol und zur Reduktion des Gesamtcholesterol- und des LDL-Cholesterol-Spiegels, was einer Atherosklerose vorbeugen kann. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat im Jahr 2011 bestätigt, dass die Einnahme von Hafer-β-Glucanen zur Reduktion des Cholesterolspiegels beitragen kann.

Die unlöslichen Ballaststoffe regulierend ausserdem die Verdauungstätigkeit. Da sie die Aufnahme der Nährstoffe aus dem Darm in den Körper verzögern, steigt der Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit zeitverzögert an, was eine geringere Ausschüttung von Insulin zur Folge hat. Schon vor 100 Jahren wurden daher diätetische „Hafertage“ für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 eingeführt. Eine neuere Studie am Diabetologikum in Berlin hat gezeigt, dass die Insulindosis bei Patienten mit einem hohen Insulinbedarf nach zwei Hafertagen um bis zu 30 Prozent reduziert werden kann. Dieser günstige Effekt soll bis zu vier Wochen nachweisbar sein.

Haferflocken zeigen aber auch günstige Auswirkungen auf die Verdauungsorgane selbst. Die Darmwand wird durch die viskösen löslichen Ballaststoffe vor Reizen aus dem Darmlumen geschützt und ein empfindlicher Magen beruhigt.

Umstritten ist noch, ob Menschen mit Zöliakie zu Haferprodukten greifen können. Bei der Zöliakie entzündet sich die Schleimhaut des Darms nach dem Verzehr von Gluten, dem Kleber-Eiweiß in verschiedenen Getreidekörnern.

Gluten ist die dominierende Eiweissfraktion im Weizenkorn, Im Haferkorn herrscht dagegen das Globulin Avenalin mit 80% vor, während Gluten nur einen Anteil von 15 Prozent hat. Hirse, Mais und Reis gelten dagegen als glutenfrei.

Die Zusammensetzung des Glutens unterscheidet sich in den einzelnen Getreidearten und ihren Sorten. Allgemein besteht Gluten aus den Proteingemischen der Prolamine und Gluteline, die wegen ihres hohen Anteils an den Aminosäuren Prolin und Glutaminsäure so benannt worden sind.

Krankheitsauslösend sind bei der Zöliakie die Prolamine, allerdings mit unterschiedlicher Intensität. Für zahlreiche Zöliakie-Patienten ist zwar das Weizen-Prolamin Gliadin, nicht jedoch das Hafer-Prolamin Avenin unverträglich. Und die relative Unverträglichkeit des Avenins hängt zudem noch von der Hafersorte ab; es gibt Hafersorten, die sogar für eine glutenfreie Ernährung infrage kommen.

Mehrere Studien zur Verträglichkeit des Hafers bei Zöliakie-Patienten haben gezeigt, dass kleinere Mengen Hafer im allgemeinen gut vertragen werden. In Schweden und Finnland gilt die Aufnahme von bis zu 50 g Hafer pro Tag als unbedenklich. Es muss sich dabei jedoch um „nicht-kontaminierten Hafer“ handeln, der nicht mit anderem Getreide verunreinigt sein darf und speziell für diesen Zweck angebaut wird.

Der Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ ist überzeugt davon, dass das diätetische und therapeutische Potenzial des Hafers noch nicht ausgeschöpft ist und hofft, dass die Arzneipflanze des Jahres 2017 Gegenstand weiterer Forschungen sein wird.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/10/28/noch-viel-potenzial-bei-hautkrankheiten-und-zoeliakie

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine ungewöhnliche Wahl, zählt doch der Hafer seit je her zu den Nahrungsmitteln und nicht zu den typischen Heilpflanzen. Nimmt man ihn aber aus der Perspektive der Heilwirkungen in den Blick, steht er in einem Übergangsbereich zwischen Phytotherapie und Ernährungstherapie. Und dieser Übergangsbereich ist durchaus interessant.

Wie gewohnt begründet der Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ seine Wahl der Arzneipflanze des Jahres 2017 auch dieses Mal fundiert.

2016 war der Kümmel Arzneipflanze des Jahres, 2015 das Johanniskraut, 20114 der Spitzwegerich, 2013 die Kapuzinerkresse und 2012 das Süssholz.

Hier geht’s zur Website des Studienkreises:

http://www.welterbe-klostermedizin.de/index.php

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Zur Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen / Blasenentzündung

Bei Harnwegsinfektionen – insbesondere bei Blasenentzündungen – fragen Betroffene häufig nach einem pflanzlichen Präparat. Nützliche Tipps für die Beratung in der Apotheke gab es im POP-Symposium „Pharmakotherapie von Harnwegsinfektionen” auf der INTERPHARM.

Apothekerin Dr. Kirsten Dahse aus Gröbenzell und Dr. med. Johanna Lerner aus München zeigten dabei auf, wann eine Selbstbehandlung nicht angebracht und eine ärztliche Konsultation nötig ist:

– Bei Risikofaktoren wie Schwangerschaft, Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz oder Immunsuppression.

– Außerdem bei Fieber, Schmerzen in der Nierengegend, Blut im Urin, zunehmenden Beschwerden sowie Symptomen, die länger als fünf Tage andauern.

Schmerzmittel sollten mit Vorsicht eingesetzt werden, weil damit eine beginnende Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung), die meist mit Fieber und Schmerzen einhergeht, verschleiert werden kann.

Die Referentinnen stellten für die Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen eine ganze Reihe von Präparaten vor, bei denen jedoch auch Nebenwirkungen und Kontraindikationen zu beachten sind:

☛ Bei Bärentraubenblättern und Bärentraubenextrakten resultiert die Anwendungsbeschränkung „nicht häufiger als fünfmal pro Jahr und jeweils nicht länger als ein Woche“ aus einem potenziellen kanzerogenen Risikos des Hydrochinons. Dieses sei aber wahrscheinlich sehr gering, zumal die Verbindung rasch konjugiert und abgebaut werde.

Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut enthalten Senfölglykoside und die Referentinnen wiesen darauf hin, dass sie bei Personen mit Nierenfunktionsstörungen und Magengeschwüren nicht empfohlen werden sollten. Kapuzinerkressekraut sei zudem wegen des Gehalts an Vitamin K für Patienten unter Phenprocoumon nicht geeignet.

Tausendgüldenkraut, Rosmarinblätter und Liebstöckelwurzel werden erwähnt als Mittel, die zur Durchspülungstherapie zugelassen sind. Zurückhaltung sei dabei jedoch geboten bei Patienten mit Herz- und Niereninsuffizienz wegen der hierfür notwendigen größeren Trinkmengen. Die Cumarine im Liebstöckelkraut können eine Photosensibilisierung bewirken.

☛ Nach Nieren- und Blasentees zur Durchspülungstherapie werde in der Apotheke häufig gefragt, um damit pathogene Keime aus den Harnwegen auszuschwemmen. Neben Bärentraubenblättern enthalten solche Teemischungen in verschiedenen Kombinationen insbesondere Birkenblätter, Echtes Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Hauhechelwurzel oder Ackerschachtelhalmkraut. Vor einer Empfehlung von Tees mit Birkenblättern sollte die Kundin oder der Kunde nach einer Birkenpollenallergie gefragt werden.

☛ Zubereitungen aus der Großfrüchtigen Moosbere, besser bekannt als Cranberry, werden seit einigen Jahren sowohl zur Vorbeugung als auch zur Therapie von wiederkehrenden Infektionen der Harnwege empfohlen. Allerdings konnte in einem Cochrane-Review (Metaanalyse) bezüglich der Vorbeugung keine statistisch signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo gezeigt werden.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/03/21/wann-selbstmedikation-wann-zum-arzt

Kommentar & Ergänzung:

Die beschriebenen Grenzen der Selbstbehandlung bei Blasenentzündungen kann man nur unterstreichen. Steigt eine Blasenentzündung in die Nieren auf, kann die Infektion sich rasch gefährlich entwickeln. In solchen Fällen braucht es ärztliche Behandlung und in der Regel ein Antibiotikum.

Zu den empfohlenen Heilpflanzen gibt es einiges zu ergänzen:.

1. Zu den Bärentraubenblättern: Teezubereitung als Kaltauszug ist magenverträglicher und geschmacklich akzeptabler (tieferer Gerbstoffgehalt). Auf ausreichende Dosierung achten: 10 g Bärentraubenblätter (= 4 – 5 Teebeutel pro Tag) als Bärentraubenblättertee. Pulverisierte Form (z. B. als Beuteltee) ist wirksamer als geschnittene Bärentraubenblätter (Wirkstoffe werden besser gelöst, wenn die Pflanzenteile kleiner sind).

2. Zu Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut: Die Referentinnen beziehen sich hier wohl auf Angocin® – das sind Filmtabletten mit Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressenkraut. Wer Meerrettich liebt, kann auch die frisch geraffelte Wurzel gemischt mit Joghurt, Quark, geraffeltem Apfel etc. essen und kommt so rasch auf höhere Senfölglykosid-Mengen, als es mit Angocin® der Fall ist. Als Tagesdosis werden 10 – 20 g geraffelte Merrrettichwurzel empfohlen, verteilt auf 4 – 5 Portionen über den Tag hinweg.

3. Der Empfehlung von Tausendgüldenkraut, Rosmarinblätter und Liebstöckelwurzel liegt wohl ein Präparat zugrunde, das nur in Deutschland auf dem Markt ist und genau diese drei Heilpflanzen enthält (CANEPHRON N Dragees). Dieses Präparat überzeugt mich nicht. Nur der Liebstöckelwurzel schreibt die Phytotherapie eine leicht harntreibende Wirkung zu. Tausengüldenkraut ist eine Bitterstoffpflanze, deren Nutzen im Harntrakt ungeklärt ist. Und in Rosmarinblättern ist zwar entzündungswidrige Rosmarinsäure enthalten. Ob davon aber in den Harnwegen eine wirksame Menge ankommt, ist sehr fraglich, zumal das Präparat nur je 18mg von den drei Heilpflanzen in Pulverform enthält. Das ist ausgesprochen (!) wenig, wenn man zum Beispiel vergleicht mit einem Teebeutel, der normalerweise etwa 2000 mg pulverisierte Heilpflanze enthält (als 2g). Zwar geht bei der Teezubereitung der Wirkstoff nicht vollständig ins Teewasser über, aber der Unterschied zu diesen 18 mg im Dragee ist doch riesig. Ein Tee wäre wohl überlegen.

4. Bei den häufig verwendeten Nieren- und Blasentees zur Durchspülungstherapie sind die Mischungen oft fragwürdig, zum Beispiel wenn Bärentraubenblätter mit harntreibenden Heilpflanzen wie Birkenblätter, Echtes Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Hauhechelwurzel oder Ackerschachtelhalmkraut kombiniert sind. Bei einer akuten Blasenentzündung sind die Bärentraubenblätter in solchen Mischungen oft zu tief dosiert. Es braucht dann Bärentraubenblättertee pur in einer Menge von 4 – 5 Tassen täglich, um auf eine wirksame Dosis zu kommen. Dagegen ist in einem Durchspülungstees zur Rückfallprophylaxe die Bärentraube unpassend, weil es dann um eine längerfristige Anwendung geht und wahrscheinlich auch über lange Zeiträume gar keine Bakterien verhanden sind, die bekämpft werden müssten.

5. Bei Cranberry ist die Datenlage tatsächlich nicht so positiv, wie sie oft dargestellt wird. Die erwähnte Cochrane-Metaanalyse ist sogar klar negativ. Allerdings muss man dazu folgendes wissen: Cranberry- wie auch Preiselbeer-Präparate gibt es in sehr unterschiedlichen Zubereitungen mit grossen Unterschieden in der Wirkstoffkonzentration. Diese sehr heterogene Ausgangslage macht es schwierig, eine Metaanalyse zu erstellen, die dann auch für alle geprüften Präparate gültige Aussagen machten kann. Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ (Nr. 4 / 2015) schreibt dazu:

„Selbst im neuen Cochrane-Review wurde nur für 3 der 24 eingeschlossenen Studien ein für sinnvoll erachteter PAC-Gehalt > 36 mg/d oder die Angabe des Typ-APAC-Gehalts erfüllt.“

Die Autoren weisen darauf hin, dass man das nicht den Cochrane-Autoren anlasten könne, sondern der oft ungenügenden Publikationskultur phytotherapeutischer Studien.

Wer als Konsumentin oder Konsument Cranberry- oder Preiselbeerpräparate anwenden möchte, sollte auf eine Mindestzufuhr von 36 mg Proanthocyanidinen (PAC) pro Tag achten.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Gemeinsame Strategie gegen Antibiotika-Resistenzen

Im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen bringt die Politik alle Beteiligten in ein Boot. Zudem werden Kooperationen in der Forschung unterstützt.

2001 hat die Weltgesundheits-Organisation (WHO) eine globale Strategie zur Eindämmung antimikrobieller Resistenzen publiziert, die in den EU-Ländern in unterschiedlichem Maße umgesetzt wurde.

16 Berater einigten sich im August 2010 im Namen der WHO auf einen strategischen Aktionsplan für Europa mit sieben Punkten.

Um die Resistenzentwicklung zu bremsen und neue Antibiotika zu entwickeln, ist die Einbindung aller beteiligten Bereiche im sogenannten “One-HealthAnsatz” nötig: Humanmedizin, Veterinärmedizin, Landwirtschaft und Umwelt.

Denn 2013 wurden mit 1452 Tonnen doppelt so viel Antibiotika an Tierärzte abgegeben wie im humanmedizinischen Bereich.

Erst seit dem Jahr 2011 werden die Antibiotikaabgaben in der Veterinärmedizin erfasst.

Dabei existiert ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen dem Antibiotikaeinsatz bei Zuchttieren und Resistenzen von Salmonellen und Campylobacter, aber auch MRSA-Keimen. Zudem mehren sich die Hinweise für eine Assoziation mit ESBL-Keimen.

Dringenden Handlungsbedarf sieht die WHO bezüglich Förderung der Forschung.

Es braucht zuverlässige Diagnosetests, die breit und schell verfügbar sind, um Antibiotika gezielter einzusetzen, sowie neue Antibiotika und insbesondere neue Antibiotikaklassen.

In den letzten 30 Jahren sind nur zwei wirklich neue Antibiotikaklassen dazugekommen, Oxazolidinone und zyklische Lipopeptide. Sie sind aber beide nur wirksam gegen grampositive Bakterien.

Die Entwicklung neuer Antibiotika kostet viel Geld, bringt aber nicht entsprechende Gewinnaussichten. Forschung in diesem Bereich ist daher für Pharmafirmen nicht sonderlich attraktiv.

Bund und EU-Kommission setzen zwecks Förderung der Forschung in diesem Bereich nun verstärkt auf Kooperationen zwischen Forschungseinrichtungen und Industrie (Private Public Partnership). Beispiele dafür sind “New Drugs 4 Bad Bugs” (ND4BB), gefördert von der Europäischen Kommission, und “InfectControl 2020”, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/atemwegskrankheiten/article/893912/one-health-ansatz-gemeinsam-antibiotika-resistenzen.html?sh=13&h=1911711750

 

Kommentar & Ergänzung:

Er geht besorgniserregend langsam, dieser Kampf gegen die Antibiotika-Resistenzen.

Siehe auch:

Europäische Fachleute warnen vor Antibiotika-Resistenz

Warnung vor zunehmenden Antibiotika-Resistenzen

WHO schlägt Alarm wegen Antibiotikaresistenzen

Kinderärzte warnen vor Antibiotikaresistenz

Heilpflanzen-Anwendungen können in vielen Anwendungsbereichen Antibiotika nicht ersetzen. Die Medizin braucht wirksame Antibiotika.

In manchen Fällen sind aber Antibiotika-Gaben schlicht unnötig und unsinnig, zum Beispiel bei viralen Erkrankungen. In genau begrenzten Situationen kann mit Heilpflanzen-Anwendungen darum durchaus ein Antibiotika-Einsatz vermieden werden.

Siehe beispielsweise:

Akute Bronchitis: Myrtol meist sinnvoller als Antibiotika

Nicht sofort die Antibiotika-Keule

 

Ätherische Öle gegen Antibiotika-resistente Bakterien

Antibiotika bei Sinusitis: Nutzen in Frage gestellt

Kapuzinerkresse – Breitbandantibiotikum aus der Natur

Meerrettich – Breitbandantibiotikum aus der Natur

Korianderöl bekämpft gefährliche Bakterien

Ätherische Öle gegen Bakterien

Senfölglykoside hemmen multiresistente-Erreger (MRSA)

 

 

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Europäische Fachleute warnen vor Antibiotika-Resistenz

Problematisch sei nicht nur die zu häufige und falsche Verschreibung, sondern auch der intensive Einsatz in der Landwirtschaft.

In Europa sei zwischen 2010 und 2013 der Anteil gegen Antibiotika resistenter Bakterien teilweise gestiegen. Das zeigt der neueste Bericht des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle (ECDC) in Stockholm.

ECDC-Direktor Marc Sprenger unterstrich in diesem Zusammenhang die komplexen Ursachen von Antibiotikaresistenzen. Dazu gehören insbesondere zu viel Verwendung, auch bei “falschen” Krankheiten (Virusinfektionen), in der Humanmedizin, nicht ausreichende Dosierung und Einnahmedauer richtig verschriebener Antibiotika und die Verwendung in großen Mengen für Humanmedizin-fremde Ziele.

Letzteres betrifft hauptsächlich die Agrarindustrie. Eine spezielle Problematik sind dabei auch Spitalhygiene und sogenannte Spitalkeime, die besonders häufig Resistenzen aufweisen. Obwohl der größte Teil des Antibiotikaverbrauchs außerhalb von Kliniken stattfinde, sei der Antibiotikagebrauch in den Kliniken der hauptsächliche Faktor für die Verbreitung multiresistenter Bakterien, die Infektionen im Gesundheitseinrichtungen selbst auslösen, erläutert Sprenger.

Die Situation sei unterschiedlich von Antibiotikum zu Antibiotikum und von Keimart zu Keimart. Gleichzeitig seien Antibiotikaresistenzen häufig lokaler (nationaler) Natur, weil sie direkt mit der häufig sehr unterschiedlichen Verwendung in Verbindung stehen. Ein Beispiel sei der Anteil der Klebsiella pneumoniae-Keime, die zum Beispiel gegen die häufig verwendeten Fluorchinolone, Cephalosporine der dritten Generation und Aminoglykoside unempfindlich geworden sind.

Die früher als “Wunderantibiotika” für den Spitalsbereich bezeichneten Carpabeneme sind eine der letzten Möglichkeiten bei sonst resistenten Klebsiella pneumoniae und E. coli-Keimen. Hier zeichnet sich haupsächlich bei den Klebsiellen eine Verschlechterung der Situation ab.

In den vergangenen 20 Jahren sind als Spitalkeime auch die sogenannten methicillin-resistenten Staphylococcus aureus-Bakterien (MSRA) wichtig geworden. Hier haben in den vergangenen Jahren entsprechende Gegenmaßnahmen für eine Reduktion der Problematik gesorgt. Die Verminderung des Anteils der resistenten Erreger zwischen 2010 und 2013 in Europa war jedoch geringer als davor.

ECDC verlangt in diesem Zusammenhang einen vorsichtigen Gebrauch der Arzneimittel von der Versorgung von Patienten mit bakteriellen Infektionen im Akutfall bis hin zur Langzeitpflege sowie entsprechende Hygienemaßnahmen, um Infektionen überhaupt zu vermeiden.

Quelle:

http://derstandard.at/2000008243550/Europaeische-Experten-warnen-vor-Antibiotika-Resistenz

 

Kommentar & Ergänzung:

Eine Massentierhaltung, die auf die flächendeckende, kontinuierliche Antibiotika-Gabe angewiesen ist, ist nicht nachhaltig und gehört in dieser Form abgeschafft. Schärfere Regeln sind nötig. Das gilt allerdings auch für die Medizin, die wider besseres Wissen offensichtlich nicht in der Lage ist, falsche und unnötige Antibiotika-Verschreibungen von sich aus in den Griff zu bekommen. Es braucht hier harte gesetzliche Regelungen, wenn möglich weltweit.

Das schreibe ich nicht aus Feindschaft gegenüber den Antibiotika, sondern weil ich den unschätzbaren Wert dieser Medikamente anerkenne. Und dass sich Antibiotika nicht einfach durch Heilpflanzen ersetzen lassen, braucht gar nicht erst speziell betont zu werden.

In ganz bestimmten Teilbereichen könnten Heilpflanzen allerdings schon zur Reduktion des Antibiotika-Verbrauchs beitragen. Jedenfalls kommen mir dazu einige Möglichkeiten in den Sinn. So könnte beispielsweise die gute antimikrobielle Wirkung vieler ätherischer Öle bei örtlicher Einwirkung besser genutzt werden (z. B. Korianderöl, Lavendelöl, Teebaumöl).

Senfölglykoside (Glukosinolate) aus Meerrettich, Kapuzinerkresse und Brunnenkresse entfalten antibakterielle Wirkungen bei Infektionen der Harnwege (Blasenentzündung) und der Atemwege (akute Bronchitis) und lassen sich gut einsetzen, wenn man auch ihre Grenzen kennt. Und die Kapland-Pelargonie (Umckaloabo®) ist ein bewährtes Mittel bei unkomplizierter, viraler Bronchitis, einem Krankheitsbild, bei dem immer noch Antibiotika eingesetzt werden, obwohl diese bei viralen Erkrankungen gar nicht wirksam sind.

Eine weitere Option ist Myrtol / Eukalyptusöl in Kapselform (Gelomyrtol®) – vor allem bei Infektionen der Atemwege (Bronchitis, Sinusitis).

Siehe auch:

Jedes dritte Antibiotikum unnötig verordne

Phytotherapie: Infektabwehr aus der Natur (Pelargonium-Extrakt) 

Übersichtsstudie zu Umckaloabo zieht positives Fazit 

Kinderärzte warnen vor Antibiotikaresistenz 

Akute Bronchitis – Myrtol meist sinnvoller als Antibiotika 

Myrtol / Gelomyrtol bei Husten und Bronchitis

Metaanalyse zeigt: Umckaloabo lindert Atemwegsinfekte 

Senfölglycoside gegen Infektionen

Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger

Meerrettich – Breitbandantibiotikum aus der Natur 

Kapuzinerkresse – Breitbandantibiotikum aus der Natur 

Myrtol bei Bronchitis und Sinusitis

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Infoportal

Kapuzinerkresse

Kapuzinerkresse


Phytotherapie: Kapuzinerkresse zur Arzneipflanze des Jahres 2013 gewählt

Der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg hat die Grosse Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) zur Arzneipflanze des Jahres 2013 erkoren. Foto auf Wikipedia.

Die Blätter und Blüten dieser Pflanze enthalten Glucosinolate (Senfölglucoside). Aus diesen Wirkstoffen wird Benzylsenföl freigesetzt, das die Vermehrung von Bakterien, Viren und Pilzen hemmt. Daher wird die Kapuzinerkresse seit Jahrzehnten zur Behandlung von Infekten angewendet. Zudem hat eine durchblutungsfördernde Wirkung. Präparate aus der Kapuzinerkresse werden zur Behandlung der Bronchitis und von Harnblasenentzündungen (Zystitis) eingesetzt… Zum vollständigen Text hier…

Kapuzinerkresse: Breitbandantibiotikum aus der Natur

Das Magazin „focus“ brachte eine Serie zum Thema „ Mit Hausmitteln Erkältungen lindern“.

Ein Abschnitt daraus war der Kapuzinerkresse gewidmet, wobei der Ausdruck „Breitbandantibiotika“ im Titel etwas gar stark aufgetragen ist. Kapuzinerkresse ist aber tatsächlich eine sehr interessante Heilpflanze gegen Infektionen.

Zitat:

„ Kapuzinerkresse

Die Pflanze mit den runden saftigen Blättern und den leuchtenden Blüten steht dem Meerrettich in nichts nach. Ihre antibiotische Wirkung macht sie zu einem hervorragenden Mittel gegen Husten, Bronchitis, Fieber, Hals- und Rachenentzündungen. Wer die Pflanze isst, nimmt die stark antibiotisch wirkenden Öle auf und scheidet sie anschließend über die Harn- und Atemwege wieder aus… Zum vollständigen Text hier…

Kräuter und ihre Wirkung: Kapuzinerkresse

„Die Kleine Zeitung“ veröffentlichte eine Zusammenstellung von Kräutern und ihren Wirkungen.

Zur Kapuzinerkresse steht dort:

Große Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus)

Die Blüten und Blätter der großen Kapuzinerkresse schmecken frisch zu Salaten, Quark oder aufs Butterbrot. Sie wirken blutreinigend und aktivieren die Abwehrkräfte. Die Blütenknospen und weichen Samen werden als Kapernersatz verwendet.“… Zum vollständigen Text hier…

Meerrettich

MEERRETTICH

Meerrettichwein gegen Verdauungsprobleme

Der Bayerische Rundfunk berichtete kürzlich sehr informativ über Meerrettich und seine Wirkungen. Dabei kam die Rede auch auf den Meerrettichwein:

„Auch bei Verdauungsproblemen kann Meerrettich helfen. Gerieben mit dem Lieblingswein mischen – acht Tage im Dunkeln lagern, gelegentlich schwenken. Fertig ist der Verdauungstrunk.“

Quelle:

http://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/gesundheit/meerrettich-heilpflanze-gesundheit-100.html

Kommentar & Ergänzung:… Zum vollständigen Text hier…


Meerrettich als „Penicillin des Gartens“?

Der Bayerische Rundfunk berichtete kürzlich sehr informativ über Meerrettich und seine Wirkungen. „Penicillin des Gartens“ werde der Meerrettich auch genannt. Das ist zwar etwas gar gross ausgedrückt, doch kann der Meerrettich tatsächlich antimikrobielle Wirkungen entfalten.

Dr. rer. nat. Iris Eisenmann-Tappe, Sommerhausen wird in dem Beitrag zur Wirkung des Meerrettichs folgendermassen zitiert:.. Zum vollständigen Text hier…


Meerrettich: Breitbandantibiotikum aus der Natur

Das Magazin „focus“ brachte eine Serie zum Thema „ Mit Hausmitteln Erkältungen lindern“.

Ein Abschnitt daraus war dem Meerrettich gewidmet, wobei der Ausdruck „Breitbandantibiotika“ im Titel etwas gar stark aufgetragen ist. Meerrettich ist aber tatsächlich eine sehr interessante Heilpflanze gegen Infektionen.

Zitat:

„Die unscheinbare Wurzel zeigt erstaunliche Heilkraft. Dank der antibiotischen Inhaltsstoffe Allicin und Sinigrin, wirkt Meerrettich ähnlich wie Penicillin. Er hilft bei allen Erkältungssymptomen, Schnupfen, Husten, Bronchitis, Mandelentzündung, Nasennebenhöhlen- und Stirnhöhlenentzündungen, Kopfschmerzen und Fieber. Zudem stärkt er das Immunsystem und nimmt es sogar mit Grippeerregern auf.“… Zum vollständigen Text hier…

PHYTOTHERAPIE: SENFÖL AUS MEERRETTICH UND KAPUZINERKRESSE BEKÄMPFEN INFLUENZA-VIREN

Senföle sind bei bakteriellen und viralen Infekten von Harn- und Atemwegen eine Behandlungsmöglicheit. Offenbar können sie auch der Vermehrung von Influenza-Viren entgegen wirken: Eine Gießener Wissenschaftlergruppe konnte in In-vitro-Untersuchungen eine Hemmung um 90 Prozent feststellen.

Die Vermehrung von Influenza-Viren (Grippe-Viren) kann auch phytotherapeutisch reduziert werden. Das legen In-vitro- Untersuchungen mit einem Heilpflanzen-Präparat nahe, das bislang bei bakteriellen und viralen Infekten der Atemwege und der Harnwege eingesetzt wird……. Zum vollständigen Text hier…

PHYTOTHERAPIE: MEERRETTICH ALS HEILPFLANZE BEI HUSTEN UND BLASENENTZÜNDUNG

Der scharfe Geschmack des Meerrettichs (syn. Armoracia rusticana) ist den meisten aus der Küche bekannt. Die Pfahlwurzel wird sowohl zum Verfeinern von verschiedenen Speisen als auch zu medizinischen Zwecken eingesetzt. Der Name Meerrettich bedeutet “über das Meer zu uns gekommener Rettich”, wobei damit die fremdländische Herkunft und nicht das Meer an sich gemeint ist…… Zum vollständigen Text hier…