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[Buchtipp] „Kinder – natürlich gesund,“ von Walter Dorsch

 

Thema des Buches:

Naturheilverfahren in der Kinderheilkunde

Das Buch stellt bewährte Hausmittel für die Behandlung von Kinderkrankheiten vor und nutzt dabei Verfahren aus der Naturheilkunde. Eltern bekommen dadurch nützliche Tipps, wie sie ihre Kinder mit Naturheilmitteln gesund halten können. Das Buch ist frei von übertriebenen Versprechungen und zeichnet sich durch eine hohe Glaubwürdigkeit aus. (Kurzkommentar von Martin Koradi)

 

Verlagsbeschreibung:

Naturheilverfahren, die wirklich helfen

Hilft eine Bachblütentherapie bei Neurodermitis? Kann man ADHS biodynamisch auspendeln? Welche Naturheilverfahren tatsächlich heilende Wirkung haben, weiß der renommierte Kinderarzt und überzeugte Naturheilmediziner Walter Dorsch. Dieses Buch ist seine persönliche Bilanz aus jahrzehntelanger Forschung und Praxis.
Wenn der Nachwuchs krank ist, wünschen sich viele Eltern für ihre Kinder eine möglichst natürliche Behandlung und keinen Arzt, der bei einer Erkältung Antibiotika verschreibt. Doch was genau heißt “natürlich”? Welche Naturheilverfahren sind sinnvoll? Der erfahrene Kinderarzt und Naturheilmediziner Walter Dorsch beschreibt, welche Verfahren wann zum Einsatz kommen sollten und wie sie zur Heilung beitragen können. In vielen Fällen sind Pflanzenheilkunde, Hydrotherapie und andere Naturheilverfahren unverzichtbar und ergänzen sinnvoll die klassische Medizin. Doch es gilt zu unterscheiden zwischen obskuren Angeboten und seriöser Anwendung: Dieses Buch ist ein Leitfaden für Eltern, damit sie eine selbstbestimmte Entscheidung treffen können.

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Zum Autor Walter Dorsch

Prof. Dr. med. Walter Dorsch, geboren 1949 in Weilheim, war Professor für Allergologie und Pneumologie an der Universitätskinderklinik Mainz. Er entdeckte u.a. die heilsame Wirkung der Hauszwiebel bei der Behandlung von Asthma bronchiale. Seit 1994 arbeitet er in eigener Praxisgemeinschaft in München. Er ist Vater von sechs Kindern, einem Stiefsohn und Großvater von acht Enkeln.

Kommentar von Martin Koradi

In der Kinderheilkunde liegt die Naturheilkunde und damit auch die Phytotherapie zunehmend im Trend, weil Eltern vermehrt nach natürlichen Alternativen fragen.

Schaut man sich die Ratgeberliteratur zu diesem Thema an, wird allerdings auch viel “Schrott” publiziert. Das Buch von Walter Dorsch ist da eine löbliche Ausnahme. Kinderarzt Dorsch ist offen für Naturheilkunde, aber nicht unkritisch. Er nimmt differenziert und fundiert Stellung zu gebräuchlichen Methoden und Massnahmen und er zeigt in einem speziellen Kapitel auf, woran man eine seriöse Naturheilkunde erkennen kann.

Der Autor orientiert sich erkennbar an den 5-Säulen nach Kneipp, die den Kern der klassischen Naturheilkunde gut ausdrücken. 

Früher wurden Hausmittel zur Behandlung von unkomplizierteren Beschwerden auch der Kinder von Generation zu Generation weitergegeben. Viele Menschen machten damit in der eigenen Kindheit gute Erfahrungen. Heute fehlt dieser Wissenstransfer oft. Das hat zur Folge, dass Eltern nicht selten mit banalen Erkrankungen ihrer Kinder nicht mehr umzugehen verstehen und damit in die kinderärztliche Praxis oder sogar in Notfallstationen von Kinderspitälern kommen. Andererseits gibt es auch Eltern, die den Kontakt zur Medizin möglichst meiden und bei Erkrankungen zu lange selber “herumwursteln”.

Beides ist problematisch.

Indem das Buch von Walter Dorsch fundiertes Wissen über Naturheilkunde bei Kinderkrankheiten vermittelt, schliesst es eine Lücke. Es bietet mit konkreten Anleitungen und Rezepturen Anleitung zur Selbsthilfe, bleibt dabei aber erfreulich auf dem Boden und macht keine überzogenen Versprechungen.

Die langjährige Erfahrung des Autors in der Kinderheilkunde zeigt sich in jedem Kapitel.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen

Koffein verlangsamt Hirnentwicklung – jedenfalls bei pubertierenden Ratten

Koffeinkonsum während der Pubertät kann zu reduziertem Tiefschlaf und einer verlangsamten Hirnentwicklung führen. Zu diesem Resultat kamen Wissenschaftler um Reto Huber vom Kinderspital Zürich anhand einer Studie an pubertierenden Ratten. Den Ratten wurde Koffein in einer Menge zugeführt, die auf den Menschen umgerechnet drei bis vier Tassen Kaffee pro Tag entsprechen würde.

Beim Menschen wie bei Ratten steigen die Dauer und Intensität des Tiefschlafs sowie die Anzahl der Synapsen im Gehirn bis zur Pubertät an und nehmen im Erwachsenenalter wieder ab, schreibt Huber in einer Pressemitteilung des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung (SNF).

Ein großer Teil dieser Verknüpfungen gehe wieder verloren, sobald das Gehirn in der Pubertät zu reifen beginne. Das sei eine Optimierung, die vermutlich im Tiefschlaf passiere. Das Netzwerk werde dadurch effizienter und das Gehirn leistungsfähiger, weil wichtige Synapsen ausgebaut und andere abgebaut werden.

Im Verlauf ihrer Studie fanden die Wissenschaftler im Gehirn von koffeintrinkenden Ratten weit mehr Nervenverbindungen als bei Tieren, die im gleichen Zeitraum reines Trinkwasser aufgenommen hatten. Die Forscher schliessen daraus, dass das Gehirn der Koffein konsumierenden Ratten langsamer gereift ist. Laut SNF zeigte sich das auch im Verhalten der Tiere: Während Ratten mit steigendem Alter normalerweise neugieriger würden, seien die Ratten, die Koffein bekommen hatten, scheu und vorsichtig geblieben.

Das Gehirn von Ratten unterscheide sich zwar klar vom menschlichen, doch gebe es auch viele Parallelen in der Hirnentwicklung. Laut Huber stellt sich dadurch die Frage, ob der Koffeinkonsum von Kindern und Jugendlichen tatsächlich bedenkenlos ist.

Laut SNF hat sich der Koffeinkonsum in dieser Altersgruppe in den letzten 30 Jahren um über 70 Prozent erhöht. Am stärksten steige der Umsatz der Getränkeindustrie im Segment der koffeinhaltigen «energy drinks».

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=48894&Nachricht_Title=Nachrichten_Tierversuch%3A+Koffein+verz%F6gert+Hirnentwicklung&type=0

http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0072539

Kommentar & Ergänzung:

Es stellt sich immer die Frage, ob und wie weit solche Rattenversuche auf den Menschen übertragen werden können.

Im „Tages-Anzeiger“ wurde Reto Huber direkt nach der Übertragbarkeit der Rattenversuche auf pubertierende Jugendliche gefragt:

„Das ist schwierig zu sagen. Dennoch sind Mensch und Ratten bei dem Thema in den wichtigsten Punkten absolut vergleichbar. So wirkt Koffein bei beiden ähnlich auf den Schlaf und die Müdigkeit. Auch die wichtigsten Parameter bei der Entwicklung lassen sich übertragen.“

Die Studie scheint jedenfalls zu zeigen, dass Koffein eingreifende Wirkungen im Gehirn entfalten kann. Das reicht allein schon aus, um Respekt vor dieser Substanz nahezulegen.

Allerdings stellt Huber im Interview ein allfälliges Risiko nicht als dramatisch dar.

Zur Vergleichbarkeit der Dosis, die den Tieren verabreicht wurde, mit den heute von Jugendlichen konsumierten Koffeinmengen, sagt er:

„Sie war eher am oberen Limit. Etwa so viel wie drei bis vier Tassen Kaffee pro Tag bei einem Menschen.“

Und auf die Frage, ob er nicht beunruhigt wäre, wenn ein Jugendlicher jeden Tag eine Coca-Cola trinkt:

„Nein, problematisch wird es aber, wenn der Konsum so hoch ist, dass direkte Auswirkungen wie Einschlafschwierigkeiten auftreten.“

Auf die Frage, ob der Koffeinkonsum während der Pubertät ein gravierendes Problem sei, bei dem beispielsweise die Eltern oder die Politik intervenieren müssten:

„Nein, ich würde das Koffein eher zu den vielen kleinen Risiken zählen, die das Leben so mit sich bringen. Natürlich kommt es auf die Dosis an. Aber es dürften nur wenige Kinder sehr viel Koffein konsumieren.“

Quelle:

http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medizin-und-psychologie/Bei-Einschlafschwierigkeiten-wird-es-problematisch/story/16012019

Fazit?

Für den „normalen Durchschnittsjugendlichen“ scheint ein Risiko aus diesen Resultaten nicht greifbar, was aber nicht ausschliesst, dass es empfindlichere Individuen gibt.

Spätestens wenn ein Jugendlicher viel „Energy Drinks“ konsumiert und Schlafstörungen zeigt, dürfte aber eine Reaktion angemessen sein.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

www.info-phytotherapie.ch/index.php/phytotherapie-infothek/was-ist-phytotherapie

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Carrageen aus Rotalgen wirksam gegen H1N1-Viren

Die Wirksamkeit von Carrageen als Inhibitor (Hemmstoff) der Influenza A-Virus Infektion (H1N1) konnte in in-vitro und in-vivo Versuchen gezeigt werden. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie, die als Kooperationsprojekt zwischen Forschern des Instituts für Diagnostische Virologie (Friedrich-Loeffler-Institut, Riems, Deutschland), dem St. Anna Kinderspital in Wien, der Veterinärmedizinischen Universität Wien und einem Industriepartner durchgeführt wurde.

Carrageen ist ein Polymer aus Rotalgen, das zum Aufbau einer schützenden physikalischen Barriere in der Nasenhöhle führt und bereits antivirale Wirksamkeit bei der Behandlung von Erkältungen zeigte. Die hier beschriebene Studie untersuchte die Wirksamkeit von Carrageen gegen Influenzaviren, einschließlich des Influenza-Pandemiestamms H1N1. Die Resultate zeigten, dass das Polymer direkt an Influenza-Viren bindet und damit deren Anheftung an Zellen verhindert. Eine Weiterverbreitung der Viren wird dadurch behindert. Im Tierversuch zeigte Carrageen eine vergleichbaren Effekt wie das Medikament Tamiflu.

“Influenza-Viren stellen global immer noch eine große Bedrohung der öffentlichen Gesundheit dar und mit der zunehmenden Resistenz gegen Tamiflu steigt das Bedürfnis nach wirksamen Alternativen”, sagte Dr. Andreas Grassauer, CEO und Mitbegründer von Marinomed.“Diese Studie bestätigt, dass Iota-Carrageen eine Alternative zu Neuraminidase-Inhibitoren darstellen kann und weiter in klinischen Studien im Menschen zur Prävention und Behandlung von Influenza-A getestet werden sollte.”

Der wissenschaftliche Artikel mit dem Titel “Iota-Carrageenan is a Potent Inhibitor of Influenza A Virus Infection” von Andreas Leibbrandt, Christiane Meier, Marielle König-Schuster, Regina Weinmüllner, Donata Kalthoff, Bettina Pflugfelder, Philipp Graf, Britta Frank-Gehrke, Martin Beer, Tamas Fazekas, Hermann Unger, Eva Prieschl-Grassauer und Andreas Grassauer wird online publiziert in der Open-Access-Zeitschrift PLoS ONE: http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0014320

Quelle:

Veterinärmedizinische Universität Wien

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=32519

Kommentar & Ergänzung:

Was ist Carragen?

„Carrageen (auch: Carragaheen, Karrageen oder Karragheen; englisch Carrageenan) ist eine Sammelbezeichnung für eine Gruppe langkettiger Kohlenhydrate (Polysaccharide), die wie die ähnlichen Substanzen Agar-Agar oder Alginat in den Zellen verschiedener Rotalgenarten vorkommen.“ (nach: Wikipedia)

Und wozu wird Carragen verwendet?

„In der Lebensmittelindustrie wird Carrageen als Geliermittel für Schlankheits- und Light-Produkte und in Fleischwaren (z. B. Wurst), sowie als Verdickungsmittel in kalt angerührten Marmeladen, Babynahrung, Milchprodukten, Milchshakes, Eiscreme und Desserts eingesetzt. Mit Hilfe von Carrageen können auch Trübungen in Weinen beseitigt werden. In der EU ist es als Lebensmittelzusatzstoff mit der Nummer E 407 zugelassen. Carrageen wird auch in der Kosmetikindustrie (Zahnpasta) verwendet.

Das Dickungsmittel Carrageen (E 407) ist auch nach der Europäischen Öko-Verordnung für Bio-Lebensmittel zugelassen.

Neuerdings wird Carrageen auch medizinisch eingesetzt. Unter dem Produktnamen Coldamaris prophylactic hat die österreichische Marinomed die Zulassung in Österreich für ein Produkt zur Schnupfenprävention erhalten. Das auf die Entwicklung von Medikamenten mit marinen Naturstoffen spezialisierte Spin-Off der Veterinärmedizinischen Universität Wien (VUW) hat für das Produkt die europäische Zulassung erhalten. Der Wirkstoff ist nach Herstellerangaben Carragelose®, die aus Rotalgen gewonnen wird und die Nase vor äußeren Einflüssen wie zum Beispiel Schnupfenviren schützen soll. Der Wirkstoff soll sich wie ein schützender, natürlicher Film über trockene und gereizte Nasenschleimhaut legen und dadurch die natürliche Abwehr von Viren und Bakterien durch körpereigene Prozesse unterstützen. Derzeit wird das Produkt nur in Österreich und apothekenexklusiv vertrieben; der Vertrieb in Deutschland und anderen EU-Ländern ist beantragt.“

(nach Wikipedia)

Hier wird der Zweck der Carrageen-Forschung deutlicher. Wikipedia erwähnt als Herstellerin des Schnupfenmittels dieselbe Firma wie der Artikel im Journalmed. Der Hinweis auf das Schnupfenmittel ist interessant. Er wirft die Frage auf, ob ein prophylaktischer Effekt gegen Schupfen auch durch andere schleimhaltige Heilpflanzen erreicht werden könnte (Eibischwurzel?).

„Eine Studie aus dem Jahr 2006 zeigt eine deutliche, bisher nicht vollständig erklärte antivirale Aktivität gegen humane Papillomviren (HPV), die Gebärmutterhalskrebs auslösen können.

Des weiteren zeigen einige Arbeiten, dass Carrageen Einfluss auf die Aktivität von Makrophagen hat.“

(nach: Wikipedia)

Dieser Einfluss auf humane Papillomviren und auf Makrophagen ist tatsächlich schwer einzuordnen.

Grundsätzlich sind diese Forschungsergebnisse zu Carrageen aber sehr interessant. Von Carrageen hört man in der Phytotherapie-Forschung nämlich sonst nicht so oft, während andere schleimhaltige Heilpflanzen wie zum Beispiel Eibischwurzel in den letzten Jahren intensiv untersucht wurden. Dabei ergaben sich neue Erkenntnisse über die Wirkungsweise dieser Heilpflanzen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Phytotherapie & Kinderheilkunde

Dem Thema “Phytotherapie in der Kinderheilkunde” widmet die Zeitschrift “PHYTOTherapie Austria” in ihrer neuesten Ausgabe einen Schwerpunkt-Artikel.
Die Autorin Univ.-Doz. Mag. pharm. DDr. Ulrike Kastner arbeitet am St. Anna Kinderspital in Wien.

Einleitend umreisst die Autorin die Bedeutung der Phytotherapie in der Kinderheilkunde:

“Phytopharmaka zählen heute in der Kinderheilkunde zu denjenigen Medikamenten, die mehr denn je von Eltern erwünscht und der Selbstmedikation zugänglich sind; nicht selten erfolgt die Anwendung jedoch durch den Laien – kommerziell beeinflusst und unreflektiert. Dabei wird vielerorts argumentiert, dass pflanzliche Arzneimittel eine große therapeutische Breite aufweisen, ohnehin als nur mittel bis schwach wirksam einzustufen sind und demzufolge auch keine nennenswerten Nebenwirkungen verursachen können.”

Anschliessend grenzt sie Phytotherapie von anderen Methoden der Komplementärmedizin ab:

“ Phytotherapie wird allzu oft mit komplementärmedizinischen Disziplinen wie Homöopathie, Bach-Blüten-Therapie, Bioresonanz u. a. vermengt oder ihnen gleichgestellt; zu Unrecht, denn Fertigzubereitungen aus pflanzlichen Drogen unterliegen einem strengen Zulassungsverfahren mit nahezu den gleichen Anforderungen wie für synthetische Arzneimittel betreffend Qualität, pharmakologische Wirkungen, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit. Zwischen dem so genannten “natürlichen Arzneimittel ohne Nebenwirkungen” einerseits und dem modernen Phytotherapeutikum mit hohen Ansprüchen der Pharmakologie und Toxikologie anderseits steht das kranke Kind, das wie jeder Patient Recht auf adäquate und sichere Behandlung hat.”

Diese Abgrenzung ist nötig, weil vielen Laien die Unterschiede kaum klar sind. Insbesondere ist in weiten Kreisen nicht bekannt, dass sehr viele Heilmittel aus dem Bereich Komplementärmedizin von jedem Wirksameitsnachweis befreit sind, während Phytopharmaka für eine Zulassung als Heilmittel ihre Wirksamkeit und Sicherheit genauso dokumentieren müssen wie synthetische Medikamente.

Wenn Ulrike Kastner im obigen Abschnitt von “pflanzlichen Drogen” schreibt, sind damit im übrigen einfach getrocknete Heilpflanzen gemeint. Dies ist die ursprüngliche Bedeutung des Wortes “Droge”, was heute erläutert werden muss, damit nicht irreführende Vorstellungen entstehen.

Die Autorin umreisst dann den Schwerpunkt der Phytotherapie in der Kinderheilkunde:

“ In der Kinderheilkunde liegt der Schwerpunkt der Phytotherapie sicherlich nicht in der Notfallversorgung, sehr wohl aber in der “Alternativ”- und/oder Supportivtherapie bei milden bis moderaten Krankheitsbildern, wie dermatologischen Problemen, Atemwegserkrankungen, gastrointestinalen Erkrankungen und häufig auftretenden Befindlichkeitsstörungen, wie Säuglingsunruhe bis hin zu Konzentrations- und Schlafstörungen des Schulkindes.”

Anschliessend werden die wichtigsten Anwendungsbereiche der Phytotherapie in der Kinderheilkunde vorgestellt.

Die wichtigsten Stichwörter zusammengefasst:

– Hautkrankheiten:
Windeldermatitis: Kamillenblüte, Eichenrinde, Hamamelisblatt, Hamamelisrinde, Calendulablüte u. a.
Neurodermitis: Nachtkerzenöl, Hamamelis, Avocadoöl

– Atemwegsinfektionen:
Hustenpflanzen wie Eibisch, Malve, Spitzwegerich, Huflattich, Primelwurzel, neben ätherischen Ölen.

– Verdauungsstörungen:
Am interessantesten ist hier das Rezept für die altbewährte Karottensuppe nach Moro gegen Durchfall:
“Karottensuppe nach E. Moro (1905):
500 g geschälte Karotten zerkleinern, in 1 Liter Wasser 1 bis 1 1/2 Stunden kochen, pürieren,
Gesamtmenge auf 1 Liter auffüllen und 3 g Kochsalz zufügen .
Herr Dr. Pechlaner, Praktischer Arzt in Lofer, empfiehlt eine Variante der Karottensuppe:
500 g geschälte Karotten in 1L Wasser 1 bis 1 1/2 Stunden kochen, 3 g Kochsalz zufügen,
ca. 1 KL Butter und 1 EL Zucker dazugeben und zu einem Brei verarbeiten.
Der erfahrene Arzt sagt: ,Wird von Kindern deutlich lieber gegessen.‘”
Bei Blähungen: Fenchel, Anis, Kümmel (das sind die Klassiker, M.K.)

– Unruhe, Schlafstörungen:
Bei Schlafstörungen von Kleinkindern und Schulkindern Teemischungen aus Pfefferminze, Melisse, Baldrian, Hopfen, Passionsblume (Okay, aber den Geschmack im Auge behalten, Baldrian und Hopfen sind für Kinder diesbezüglich gar nicht attraktiv, M.K.)

Allgemein hält die Autorin aber die Verträglichkeit und Akzeptanz von Phytopharmaka für sehr gut:

“ Generell sind Verträglichkeit und Akzeptanz von Phytopharmaka im Kindesalter als sehr gut einzustufen, zumal durch die Beimengung von Geschmackskorrigentien oder durch die Anwendung von wohlschmeckenden Sirup- und Saftrezepturen die Compliance kein Problem darstellen dürfte.”

Der Artikel schliesst mit der wichtigen Frage nach Dosierungsregeln für Heilpflanzen-Präparate in der Kinderheilkunde. Es gibt natürlich noch wesentlich mehr Anwendungsbereiche für Phytotherapie bzw. Pflanzenheilkunde in der Kinderheilkunde. Der Text von Ulrike Kastner gibt meiner Ansicht nach aber eine gute Einführung.

Quelle: Zeitschrift PHYTOTherapie Austria 3 / 2009
(PHYTOTherapie Austria ist die Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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