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Walnussverzehr wirkt günstig auf Darmflora

Regelmäßiger Walnusskonsum (täglich 43 g über 8 Wochen) verbessert nicht nur den Cholesterinspiegel im Blut, sondern auch die Darmflora. Zu diesem Resultat kommt eine Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Parhofer. In der prospektiven, randomisierten Walnuss-Studie, deren Resultate kürzlich in der Fachzeitschrift Nutrients veröffentlicht wurden, konnte gezeigt werden, dass unter regelmäßigem Walnussverzehr mehr probiotische und Buttersäure produzierende Bakterien im Stuhl nachweisbar sind.

Es sei bekannt, dass die Zusammensetzung der Darmflora Einfluss auf die Gesundheit des Menschen hat, erklärt Parhofer. Ausserdem wisse man, dass die Ernährung die Darmflora, das Mikrobiom, beeinflussen kann.
In der Studie konnte nun gezeigt werden, dass regelmäßiger Walnussverzehr Bakterien begünstigt, die mit weniger Übergewicht und weniger Zuckerkrankheit verknüpft sind.

Schon in den vorausgegangenen Walnuss-Studien konnte ein positiver gesundheitlicher Effekt durch Walnüsse bestätigt werden. Bereits 43 g/Tag verbessern den Fettstoffwechsel und reduzieren das schlechte Cholesterin nachweislich um ca. 5%. Dieser Effekt ist unabhängig davon, ob man bei der Ernährung Fette oder Kohlenhydrate anstelle der Walnüsse weglässt. Somit konnte mit der Studie belegt werden, dass alleinig der Walnussverzehr der ausschlaggebende Faktor für den günstigen Effekt auf den Cholesterinspiegel ist.

Quelle:
https://www.journalmed.de/news/anzeigen/Walnussverzehr_wirkt_sich_guenstig_auf_das_Mikrobiom_aus

Klinikum der Universität München (LMU)
Originalpublikation:
Bamberger C, Rossmeir A, Lechner K et al.
A Walnut-Enriched Diet Affects Gut Microbiome in Healthy Caucasian Subjects: A Randomized, Controlled Trial.
Nutrients 2018;10(2).pii:E244. doi:10.3390/nu10020244.

Kommentar & Ergänzung:

Eine ganze Reihe von Studien zeigt positive Einflüsse von Walnüssen auf verschiedene Bereiche der Gesundheit. Allerdings sind die dabei verwendeten Mengen oft ziemlich hoch. Täglich über viele Wochen oder Monate 43 g Walnüsse zu essen ist nicht jedermanns Sache.
Mit ihrem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren sind Walnüsse aber auch einfach ein gesunder Bestanteil einer vielfältigen Ernährung.

Interessant an der Studie aus der LMU München ist der Zusammenhang zwischen den positiven Effekten und der Beeinflussung der Darmflora.

Siehe auch:

Zeugungsfähigkeit: Walnüsse verbessern Spermienqualität

Walnüsse reduzieren Stress bei Blutdruckspitzen

Mittelmeerdiät plus Walnüsse kann metabolisches Syndrom vermindern

Omega-3-Fettsäuren aus Walnüssen und Fisch: Unterschiedliche günstige Effekte

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Kein Überlebensvorteil durch spezielle Krebsdiäten

Die Onkologin Jutta Hübner von der Deutschen Krebsgesellschaft erläuterte im Rahmen eines Patientenforums, dass es keine sinnvolle spezielle Krebsdiät gebe: „Studien bestätigen, dass spezielle Diäten keinen Vorteil für das Überleben von Krebspatienten haben.“

Auch spezielle Nahrungsergänzungsmittel hält die Onkologin in der Regel für überflüssig. Den Krebspatienten empfielt sie vielmehr ausgewogen zu essen und auf eine ausreichende Zufuhr von Kohlenhydraten, Vitaminen, Eiweißen und Fetten zu achten. Auch gegen den moderaten Verzehr von Fleisch gebe es keine Einwände, genauso wenig wie gegen Schokolade oder Kuchen. Hübner empfiehlt neben einer ausgewogenen und normalen Ernährung so viel Bewegung wie möglich.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/62710/Es-gibt-keine-spezielle-Krebsdiaet?s=Krebsdiät

Kommentar & Ergänzung:

Die Onkologin Jutta Hübner ist Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Prävention und integrative Medizin in der Onkologie (PRiO) der Deutschen Krebsgesellschaft. PRIO ist auf den Gebieten Prävention, Ernährung, Sport und komplementäre Therapien in der Onkologie tätig.

Dieselbe Ansicht bezüglich Krebsdiäten vertritt auch Susanne Weg-Remers, die Leiterin des zum Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) gehörenden Krebsinformationsdienstes in Heidelberg.

Siehe dazu:

Alternativmedizin: Es gibt keine Krebsdiät

 

Sehr fragwürdig und wohl für eine ganze Reihe von Todesfällen verantwortlich ist die sogenannte Breusskur.

Siehe dazu:

Breusskur gegen Krebs

Natürlich ist es sehr nachvollziehbar, dass Krebspatientinnen und Krebspatienten nach alternativen Behandlungen suchen. Leider geraten sie dabei oft an ausgesprochen fragwürdige bis kriminelle Angebote, von denen es im Internet nur so wimmelt.

 

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Ingwertee als „Energiebooster“?

Ingwer scheint gerade sehr im Trend zu liegen. Laufend treffe ich auf Empfehlungen, wozu Ingwer alles gut sein soll. Tatsächlich ist Ingwer ein interessantes Gewürz und eine wirksame Heilpflanze. Aber wie so oft bei derartigen Hypes kommen die Empfehlungen manchmal etwas schwammig und übertrieben daher.

Auf Focus online hat gerade ein Gesundheitsexperte Ingwer empfohlen. Schauen wir uns das etwas genauer an:

„Mit Ingwertee können Sie ganz ohne Koffein fit in den Tag starten……

Die Wurzel verfeinert nicht nicht nur Ihr Essen, sondern kurbelt Ihren Stoffwechsel an, lindert Halsschmerzen und hilft bei Magen und Darmbeschwerden. Probieren Sie doch mal Ingwertee. Schneiden Sie dazu den Ingwer in dünne Scheiben und geben diese anschließend in heißes Wasser…….

Egal, ob Sie den Ingwertee am Morgen als Kaffeeersatz oder als Energie Booster unterm Tag trinken: Sie tun Ihrem Körper etwas Gutes. Die scharfe Wurzel beruhigt Ihren Bauch und hilft bei Durchfall und Magenbeschwerden.

Wenn das noch nicht genug wäre, wirkt Ingwer zudem noch antiseptisch. Kratzt es Ihnen im Hals, empfiehlt es sich deshalb auf einem kleinen Stück Ingwer zu kauen.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/videos/ingwertee-darum-sollten-sie-ihn-vor-dem-fruehstueck-trinken_id_6867281.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Energiebooster – das tönt wirklich stark. Energiebooster ist ein trendigerer Ausdruck für Energydrink. Das sind Getränke, die wach machen und dem Organismus Energie zuführen oder Energiereserven mobilisieren sollen. Das machen sie in der Regel mit viel Koffein und viel Kohlenhydraten (insbesondere Zucker). Ingwertee – sofern ungesüsst getrunken – führt kaum Kohlenhydrate zu und enthält weder Koffein noch koffeinähnlich wirkende Inhaltsstoffe.

Pharmakologisch ist von Ingwertee keine „Energiebooster“-Wirkung zu erwarten, wobei aber auch fraglich ist, ob all die vermarkteten Energie-Booster-Präparate ihre Versprechungen erfüllen können. In Vergleich zu diesen oft wenig glaubwürdig zusammengesetzten Energydrinks ist Ingwertee wohl immerhin die gesündere Variante.

Vorstellen kann ich mir beim Trinken von Ingwertee am Morgen einen sinnlich-psychologischen Wachmacher-Effekt. Ingwer enthält Scharfstoffe. Auf der sensorischen Ebene könnte dadurch ähnlich wie bei Kräutertees mit hohem Bitterstoffgehalt die Aufmerksamkeit geweckt werden im Sinne von „Was kommt denn da?“ – während der Organismus auf irgendeine fade Flüssigkeit kaum reagieren wird.

Sehr eigenartig ist die Vorstellung, dass Ingwertee den Stoffwechsel ankurbeln soll. Aber auch das tönt natürlich toll…

Der Stoffwechsel, das ist die Gesamtheit der chemischen Prozesse in einem Lebewesen.

Den Stoffwechsel kann man einteilen in katabole Reaktionen, welche durch den Abbau von chemisch komplexen Nahrungsstoffen zu einfacheren Stoffen Energie liefern (Katabolismus), und anabole Reaktionen, welche unter Energieverbrauch körpereigene Stoffe aus einfachen Bausteinen aufbauen (Anabolismus).

Wenn Ingwertee nun einfach generell den Stoffwechsel ankurbelt, werden alle chemischen Prozesse in Organismus beschleunigt. Wollen wir wetten, dass das nicht gut ausgeht?

Hier müsste nachgefragt werden, welche Prozesse genau durch Ingwer angekurbelt werden, doch ist eher unwahrscheinlich, dass auf diese Frage eine fundierte Antwort kommt. Solche wohlklingenden Ausdrücke wie „Energie Booster“ oder „kurbelt Ihren Stoffwechsel an“ leben davon, dass sie vage und dadurch kaum zu fassen sind.

Dass viele Menschen Ingwer bei Halsschmerzen oder anderen Erkältungskrankheiten als wohltuend empfinden, ist schon seit langem bekannt. Wie diese Wirkung zustande kommt, ist nicht wirklich geklärt. Im Labor wirken Ingwer-Wirkstoffe antibakteriell und antiviral, aber ob diese Wirkungen auch beim Trinken von Ingwertee im Mund-Rachenraum zustande kommen, kann daraus nicht mit Sicherheit geschlossen werden. Durch die Erregung der Wärmerezeptoren in der Mundschleimhaut wird ein Hitzegefühl ausgelöst und vermutlich reflektorisch die Speichelsekretion angeregt. Diese Wirkungen entstehen durch die Scharfstoffe und könnten zum wohltuenden Effekt eines Ingwertees bei Erkältungen beitragen.

Dass Ingwer gegen Durchfall helfen soll ist eine ungewöhnliche Empfehlung, die in der Phytotherapie-Fachliteratur nirgends vorkommt, und die Empfehlung bei Magenbeschwerden und Darmbeschwerden ist vage. Das kann fast alles umfassen, was im Verdauungstrakt schiefläuft. Hier wären präzisere Angaben wünschenswert.

Ingwer fördert den Speichelfluss, die Magensaftsekretion und den Gallenfluss. Daraus kann eine verdauungsfördernde Wirkung gegen Völlegefühl abgeleiteet werden, was gut zur Verwendung als Gewürz passt. In der Phytotherapie am besten untersucht und am häufigsten empfohlen ist allerdings die Anwendung von Ingwerwurzel-Pulver zur Vorbeugung von Reisekrankheit. Ob Ingwertee hier auch eine Wirkung zeigt, ist ungeklärt. In den Experimenten zeigten vor allem lipophile Inhaltsstoffe diese Wirkung, während ein wässriger Ingwer-Extrakt versagte.

Zu diskutieren wäre die Angabe, dass Ingwer den Bauch beruhigt. Immerhin steigert Ingwer den Tonus und die Peristaltik im Darm. Da könnte man eher daraus schliessen, dass Ingwer den Bauch „wach“ macht.

Wie vielfältig Ingwer als Heilpflanze ist, zeigt folgende Ausstellung:

Öko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als gut bewertet

Ingweröl gegen Erbrechen?

Ingwer – wie eine tolle Heilpflanze unseriös als Wundermittel gegen Krebs vermarktet wird

 

Metaanalyse: Ingwer reduziert Menstruationsschmerzen

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

 

 

Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

 

Schwangerschaftsübelkeit: Ingwer, Frischluft und Vitamin B6

Ingwer bei Erkältungen

Ingwertee gegen Übelkeit

 

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen?

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

 

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

 

 

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Gänsefingerkraut gegen Darmerkrankungen, Bauchschmerzen, Blähungen, Menstruationsbeschwerden?

Die „Bild“-Zeitung weiss Rat: „Diese 5 Wildkräuter sind schön und machen gesund“ – so der Titel eines Beitrags.

Gut – dann schauen wir uns einmal an, was da genau empfohlen wird:

„Gänsefingerkraut: Hilft bei Darmerkrankungen, Bauchschmerzen, Blähungen und Menstruationsbeschwerden.

Blätter, Kraut und Wurzeln zu Tee verarbeiten und trinken.“

Quelle:

http://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/heilpflanzen/diese-wildkraeuter-sind-schoen-und-heilen-43457182.bild.html

Kommentar & Ergänzung:

Im Internet kann bekanntlich jede und jeder über Heilpflanzen (oder andere Heilmittel) schreiben, was er oder sie will. Das mag auch Vorteile haben und entspricht der Meinungsfreiheit, die uns wichtig ist. Es führt aber auch zu einem Dschungel von Aussagen und Behauptungen, der für Laien schwer durchschaubar ist. Denn eine Qualitätskontrolle gibt es da nicht einmal ansatzweise. Und die Redaktion der Bild-Zeitung scheint es auch nicht für nötig zu erachten, die veröffentlichten Ratschläge auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen.

Nur schon der kleine Text zum Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) wirft eine ganze Reihe von Fragen auf:

– Was genau soll ich mir darunter vorstellen, wenn Gänsefingerkraut gegen Darmerkrankungen helfen soll? Es gibt sehr viele sehr unterschiedliche Darmerkrankungen mit verschiedensten Ursachen und es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass Gänsefingerkraut in allen Fällen helfen kann. Also müsste diese Angabe eingeschränkt werden. Aufgrund des Gehalts an Gerbstoffen ist eine stopfende Wirkung bei leichten Durchfällen plausibel und auch eine entzündungswidrige Wirkung bei Mundschleimhautentzündungen. Das wär’s dann aber wohl im Verdauungstrakt.

– Vergleichbar beim Stichwort „Bauchschmerzen“: Es gibt verschiedenste Ursachen für Bauchschmerzen. Gänsefingerkraut könnte allenfalls bei leichteren Menstruationskrämpfen lindernd wirken (siehe unten) oder bei leichteren Krämpfen im Kontext von Durchfall (es gibt in solchen Fällen aber besser wirkende Heilpflanzen). Abgesehen davon hängen leichtere Bauchschmerzen oft mit Ernährungsfehlern zusammen (zuviel gegessen? Unverträgliche Nahrungsmittel?). Das lässt sich nicht mit Gänsefingerkraut beheben. Und wenn keine solchen Zusammenhänge erkennbar sind, brauchen Bauchschmerzen eine ärztliche Diagnose, damit gezielter behandelt werden kann.

– Gänsefingerkraut gegen Blähungen? Auch für Blähungen gibt es unterschiedliche Ursachen, die oft mit der Ernährung zusammenhängen – zum Beispiel mit Störungen bei der Verdauung von Kohlenhydraten. Es ist nicht ersichtlich, wie Gänsefingerkraut in solchen Fällen helfen könnte und es gibt auch keine Hinweise für eine Wirkung gegen Blähungen in der Phytotherapie-Fachliteratur.

– Gänsefingerkraut gegen Menstruationsbeschwerden: In der traditionellen Pflanzenheilkunde wurde Gänsefingerkraut gegen ganz unterschiedliche Beschwerden verwendet, darunter auch zur Linderung von Menstruationskrämpfen. Dazu liegen auch positive ärztliche Erfahrungsberichte vor, die aber keine verlässliche Beurteilung erlauben. Siehe dazu:

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung

Studien zur krampflösenden Wirkung von Gänsefingerkraut führten zu kontroversen Ergebnissen.

Soviel zu den Indikationen von Gänsefingerkraut, wie „Bild“ sie empfiehlt. Zum Schluss geht „Bild“ noch auf die Zubereitung von Gänsefingerkraut ein:

„Blätter, Kraut und Wurzeln zu Tee verarbeiten und trinken.“

Selbst in diesem kurzen Satz gibt es Ungenauigkeiten und Fehler. So ist zum Beispiel die Anwendung der Wurzel des Gänsefingerkrauts total ungebräuchlich. Wenn von „Kraut“ die Rede ist, dann meint man damit die oberirdischen Pflanzenteile, soweit sie nicht verholzt sind – also Blätter, Stängel und Blüten. Und genau dieses Kraut (Herba) kommt zur Anwendung beim Gänsefingerkraut.

Mit diesen Einwänden kritisiere ich nicht das Gänsefingerkraut, sondern nur die fragwürdige Darstellung in der „Bild“-Zeitung. Das Gänsefingerkraut ist ein sehr hübsches, sympathisches Pflänzchen….

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Schwangerschaftsübelkeit: Ingwer, Frischluft, Vitamin B6

Angesichts der schweren Schwangerschaftsübelkeit der Herzogin Kate in London kommt auf n-tv.de Christian Albring zu Wort, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte. Betroffene Frauen sollten ausschließlich das essen, was ihnen wirklich schmeckt. Essen sie andere Dinge, müssen sie sich meist sehr schnell wieder übergeben.

Auslöser für die Übelkeit sind die hormonellen Veränderungen im Körper einer Schwangeren. Oft ist ihr morgens schlecht, der Zustand kann jedoch laut Albring auch den ganzen Tag anhalten. Die meisten Schwangeren leiden zwischen der sechsten und vierzehnten Schwangerschaftswoche unter den Beschwerden. Danach treten sie nur noch sehr selten auf.

Ebenfalls selten kommt es vor, dass Übelkeit und Erbrechen so stark sind, dass eine werdende Mutter wie Herzogin Kate ins Spital muss. Das sei nur bei zwei bis drei Prozent der Frauen so” erläutert der Frauenarzt. Die normale Übelkeit, das normale Erbrechen müssen nicht im Spital behandelt werden. Als Risikofaktoren für übermäßige Übelkeit gelten Mehrlingsschwangerschaften, die erste Schwangerschaft einer Frau sowie leichtes Übergewicht.

Wenn Frauen sehr oft erbrechen, verlieren sie dabei so viel Flüssigkeit und lebenswichtige Nahrungsbestandteile, dass sie Infusionen in der Klinik brauchen. Das übermäßige Erbrechen sei gefährlich für die Mutter und dann auch das Kind, und zwar abhängig von der Dauer, erklärt Albring. Unproblematisch sei, wenn die Beschwerden nur einen Tag schlimm sind. Leide eine Frau jedoch über mehrere Tage darunter, müsse sie im Krankenhaus zunächst mit Infusionen ernährt werden, um Magen und Darm zu entlasten. Dann werde langsam immer etwas festere Kost dazugegeben, bis sich die Frau daran gewöhnt habe.

Um mit einer leichten Übelkeit besser klarzukommen, könne eine Schwangere auch das als Nahrungsergänzungsmittel frei verkäufliche Vitamin B6 nehmen. Eine weitere Möglichkeit sei Ingwer in Mengen von ein bis vier Gramm. Albring empfiehlt zudem, reichlich zu trinken. Die Schwangere sollte darüber hinaus viele Kohlenhydrate beispielsweise aus Süßigkeiten essen und eher wenig fett- oder säurehaltige Lebensmittel.

Ganz wichtig sei ausserdem, dass sie sich nicht dem Geruch beispielsweise von gekochten Speisen oder dem Kühlschrankinhalt aussetze, erklärt Albring. Darüber hinaus sollte die betroffene Frau sehr viel lüften, denn vielfach werde die Übelkeit allein durch Gerüche ausgelöst.

Quelle:

http://www.n-tv.de/wissen/Uebelkeit-in-der-Schwangerschaft-article9685441.html

Kommentar & Ergänzung:

Aus Sicht der Phytotherapie interessant ist die Empfehlung von Ingwer gegen Schwangerschaftsübelkeit.

Die Situation rund um die Anwendung von Ingwer bei Schwangerschaftsübelkeit und Schwangerschaftserbrechen ist etwas komplex.

Einerseits gibt es kleinere Studien, die eine Wirksamkeit zeigen und bei denen keine Zwischenfälle auftraten.

Andererseits ist aber ein Ingwerpräparat (Zintona Kapseln), das gegen Reisekrankheit zugelassen ist,  mit der Kontraindikation „Schwangerschaft“ versehen, weil die Sicherheit dieses Präparates in der Schwangerschaft nicht zweifelsfrei geklärt wurde.

Aus einem ähnlichen Grund findet sich auch in der Phytotherapie-Fachliteratur beim Ingwer meist die Kontraindikation „Schwangerschaft“.

Von Gynäkologinnen und Gynäkologen kommen aber durchaus immer wieder Empfehlungen für Ingwer bei dieser Indikation, wie hier in diesem Beitrag vom Präsidenten des Berufsverbandes der Frauenärzte.

Am besten untersucht ist die Wirkung von Ingwer gegen Reisekrankheit (Kinetosen).  Darüber hinaus gibt es auch Studien gegen Erbrechen nach Operationen. Beliebt ist darüber hinaus Ingwertee bei Erkältungen. Ingwerkompressen werden in der Krankenpflege eingesetzt zum Beispiel bei Muskelverspannungen und Gelenkschmerzen.

Siehe auch:

Ingwertee gegen Übelkeit und Erbrechen

Reisekrankheit: Dimenhydrinat oder Ingwer

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschftserbrechen

Übelkeit in der Schwangerschaft

Ingwer vermindert Muskelschmerzen

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen?

Manchmal hilft übrigens auch das Lutschen von Eiswürfeln, die aus Pfefferminztee hergestellt worden sind.

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Verstopfung: Woraus besteht Benefiber?

Benefiber (Novartis) ist ein Präparat, das als Mittel gegen Verstopfung in Spital und Pflegeheim ziemlich verbreitet ist. Welche pflanzlichen Inhaltsstoffe in Benefiber für die Wirksamkeit verantwortlich sind, ist aber vielen Verwenderinnen und Verwendern nicht bekannt.

Benefiber besteht aus Guar.

Was ist Guar?

Guar wird aus der Guarbohne gewonnen, den Samen von Cyamopsis tetragonolobus, und zwar  durch Zermahlen des Endosperms und anschliessender Teilhydrolyse.

Guar (Guargalactomannan) besteht hauptsächlich aus Polysacchariden.

Welche Wirkung ist von Guar / Benefiber zu erwarten?

Guar (Cyamopsis tetragonolobus, Fabaceae) quilt im Darm zusammen mit Wasser und verzögert die Aufnahme von Kohlenhydraten. Es wird zur Therapie der Obstipation (Verstopfung) sowie als Zusatzmassnahme bei der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus eingesetzt, um die Blutzuckerspitzen nach der Nahrungsaufnahme zu reduzieren.

Guar ist ein Ballaststoff, der in der Lage ist, grosse Mengen Flüssigkeit zu binden, so dass eine gelartige Masse entsteht. So kommt es zu einer verzögerten Magenentleerung und im Dünndarm zu einer Verlangsamung der Kohlenhydrat-Absorption. Diese beiden Eigenschaften führen hauptsächlich beim Diabetiker zu tieferen postprandialen Blutzuckerspitzen (postprandial = nach der Mahlzeit). Die Kohlenhydrat-Absorption wird aber nicht vermindert.

Guar wirkt zudem lipidsenkend: Das Plasma-Gesamtcholesterin und die Triglyzeride sinken, auf das HDL-Cholesterin ist kein Effekt vorhanden, während LDL abnimmt.

Darüber hinaus wirkt Guar sättigend.

Daraus ergeben sich folgende Anwendungsbereiche für Guar:

– Obstipation

– Begleitbehandlung beim Diabetes mellitus (Typ I und Typ II), um zusätzlich neben Diät und Antidiabetika die postprandialen Blutzuckerspitzen zu vermindern. Weil die gesamte Absorption der Kohlenhydrate zwar verlangsamt, nicht jedoch vermindert wird, müssen die Diät und die Behandlung weitergeführt werden

– Dyslipidämie (Lipidstoffwechselstörung)

– Übergewicht und Fettleibigkeit

Als unerwünschte Nebenwirkungen kann es zu Verdauungsbeschwerden kommen wie Blähungen, Übelkeit, Völlegefühl, Magendruck und Durchfall.

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Guarbohne

Guar ist als rezeptpflichtiges Fertigpräparat unter dem Namen Leiguar als Antidiabetikum im Handel.

Als Benefiber ( = teilhydrolisiertes Guarkernmehl) ist es frei verkäuflich, wird als Nahrungsergänzungsmittel verkauft und vor allem gegen Verstopfung eingesetzt.

P. S. : Das ist kein bezahlter Benefiber-Werbetext und ich stehe auch nicht auf einer Novartis-Lohnliste. Ich habe diesen Beitrag geschrieben, weil mir aufgefallen ist, dass viele Anwender von Benefiber in Pflegeheimen, Spitälern etc. nicht Bescheid wissen über die pflanzliche Zusammensetzung.

Dieser Blog ist werbefrei, wenn man von meinen eigenen Kursangeboten absieht!

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Gewürze: Kardamom fördert Verdauung und aromatisiert den Kaffee

Bohnenkaffee werde durch eine winzige Prise Kardamom verträglicher. Darüber hinaus sollen die Samen, die man wegen ihrer Empfindlichkeit immer in den Kapseln kaufen sollte, Appetit und Verdauung anregen. Kardamom eigne sich besonders zum Würzen von Gebäck, Kompott und Süßspeisen, aber auch für Blutwurst oder Kochschinken.

Quelle: http://derstandard.at/1350260941875/Gewuerze-und-ihre-Wirkung

Kommentar & Ergänzung:

Zwischen Gewürzen und Heilpflanzen gibt es oft fliessende Übergänge.

Kardamom (Elettaria cardamomum) gehört zur Familie der Zingiberaceae (Ingwergewächse).

Die Gewürzpflanze stammt ursprünglich aus Südindien, Sri Lanka, Irak und Thailand. Ein wichtiges Exportland ist heute auch Guatemala, weitere Anbauländer sind Tansania, Madagaskar, Papua-Neuguinea und Vietnam.

Hauptwirkstoff in den Kardamomsamen ist ein ätherisches Öl mit 1,8-Cineol (20-40 %), außerdem (+)-alpha-Terpineolacetat, Limonen (2-14 %) und Sabinen (3-5 %).

Ausserdem enthält der Samen Fettes Öl mit Linolensäure, Ölsäure, Palmitinsäure.
Weitere Inhaltsstoffe sind: Kohlenhydrate (Stärke 20-40 %, Zucker 5 %), Protein (etwa. 10 %), Gummi, reichlich Mangan und Eisen.

Zur Wirkung und Anwendung von Kardamomsamen bzw. Kardamomöl

Das Kardamom als Gewürz verdauungsfördernd wirkt, liegt irgendwie auf der Hand. Die Wirkung genauer zu fassen ist aber nicht so einfach.

Kardamom soll die Gallensekretion steigern. Das wurde jedoch mit relativ hohen Dosen eines acetonischen Extraktes bei Ratten festgestellt. Ob sich dieses Ergebnis auf den Menschen übertragen lässt, ist damit nicht belegt.

Wikipedia schreibt:

„ Ihr ätherisches Öl wirkt fördernd auf die Speichel-, Magen- und Gallensaftsekretion. In der Regel werden alkoholische Auszüge verwendet, bisweilen mit Kümmel und Fenchel kombiniert und in Fertigpräparaten gegen Verdauungsbeschwerden, Blähungen und zur Anregung des Appetits eingesetzt.“

Allerdings widerspricht dem, dass bei In-vivo-Versuchen an Kaninchen sowohl ein Wasser- als auch ein Methanolextrakt der Kardamomsamen die Säure- und Pepsinsekretion des Magens vermindert hat.

In arabischen Ländern wird dem Kardamom eine Wirkung als Aphrodisiakum nachgesagt, ohne dass diesbezüglich etwas geklärt wäre.

Kardamom als Gewürz

„Kardamomsamen sind ein verbreitetes Gewürz in der asiatischen und arabischen Küche. Sie sind ein Hauptbestandteil indischer Masalas, des bekannten Chai-Tee und des ihnen nachempfundenen Currypulvers. Das berühmte ayurvedische Konfekt Laddu, welches aus Ghee-Butter hergestellt wird, enthält auch Kardamom. In der europäischen Küche findet das Gewürz hauptsächlich Verwendung in Weihnachtsgebäck wie Lebkuchen und Spekulatius, aber auch in Wurstwaren, Likören, Schokolade und als Bestandteil von Gewürzmischungen. In Schweden ist Kardamom außerdem ein typischer Bestandteil süßer Backwaren (z. B. Kanelbulle) und im Glühwein (Glögg). Bei der Zubereitung von arabischem Mokka wird dem Kaffeemehl häufig Kardamom zugegeben. Trotz desselben Namens wird der sogenannte schwarze Kardamom (Amomum subulatum) ausschließlich für pikante Gerichte verwendet.“

(Quelle: Wikipedia)

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Naturkunde: Mauerpfeffer (Sedum)

Auf Alpenblumen-Exkursionen sind Mauerpfeffer immer wieder faszinierende Entdeckungen. Hier deshalb eine kleine Einführung als „Hommage“ an die kleinen Wunder am Wegrand.

Mauerpfeffer ( = Fetthennen, Sedum) bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae).

Die Mauerpfeffer sind mehr oder weniger sukkulent. Vor allem die fleischigen Laubblätter speichern Wasser.

Hier als Beispiele einige Informationen zu vier interessanten einheimischen Sedum-Arten:

Sedum acre – Scharfer Mauerpfeffer

(Foto auf Wikipedia)

Der Scharfe Mauerpfeffer eignet sich als Zierpflanze z. B. zur Dachbegrünung und ist auch für Wildpflanzengärten zu empfehlen.

Die Blätter der Pflanze schmecken nach einigem Kauen meist scharf, wovon sich auch der Name Mauerpfeffer ableitet. Der scharfe Geschmack geht beim Trocknen allerdings verloren.

Der Scharfe Mauerpfeffer ist eine alte Heilpflanze, die schon 300 v. Chr. genutzt wurde. Um das Jahr 70 n. Chr. beschreibt der griechische Arzt Dioscurides die Verwendung des reizenden und ätzenden Saftes der Pflanze. Im 16. Jahrhundert wurde der Scharfe Mauerpfeffer in verschiedenen Kräuterbüchern erwähnt, unter anderem bei Lonicerus, Matthiolus und Dodoneaus. In den nachfolgenden Jahren setzten berühmte Mediziner wie Albrecht von Haller und Christoph Wilhelm Hufeland die Pflanze als Heilmittel ein.

Das war möglicherweise nicht gerade ohne Risiko, denn durch Versuche des französischen Toxikologen Mathieu Orfila wurde die Giftigkeit von Sedum acre nachgewiesen. Durch Tierexperimente wies der Pharmakologe Jüngst 1888 nach, dass die Pflanze ein ausgesprochenes Gift für das Zentralnervensystem ist. Er isolierte ein Alkaloidgemisch, welches er Sedin nannte. 1945 isolierte der Kanadier Marion, geringe Mengen Nikotin und Sedamin, das erste Sedumalkaloid, aus dem Scharfen Mauerpfeffer. Danach wurden noch zahlreiche weitere Alkaloide in der Pflanze entdeckt. Als weitere Wirkstoffgruppen im Scharfen Mauerpfeffers wurden im 20. Jahrhundert Flavonoide bzw. deren Glycoside nachgewiesen.

Der Scharfe Mauerpfeffer ist eindrücklich austrocknungsresistent. Die Pflanze wächst nach dem Pressen im Herbarium weiter, wenn sie nicht vorher zum Beispiel abgebrüht wird.

Sedum album – Weisser Mauerpfeffer (Weisse Fetthenne)

Foto auf Wikipedia.

Der Weisse Mauerpfeffer dient verschiedenen Schmetterlingen als Raupenfutterpflanze. Dazu gehören vor allem folgende Arten: Fetthennen-Bläuling (Scolitantides orion) und Apollofalter (Parnassius apollo).

Der Weisse Mauerpfeffer ist gärtnerisch bedeutsam als Bodendecker für extreme Standorte. Er wurde früher auch als Salat- und Arzneipflanze angebaut.

Sedum atratum – Dunkler Mauerpfeffer

Foto auf Wikipedia

Der Dunkle Mauerpfeffer gehört zu den wenigen einjährigen Hochgebirgspflanzen (einjährig überwinternd). Seine Samen keimen schon im Herbst und überwintern als Keimlinge unter der Schneedecke.

Der Anteil der einjährigen Pflanzen nimmt im Gebirge mit zunehmender Höhe ab. Durch die kurze Vegetationszeit in den Bergen werden mehrjährige Pflanzen begünstigt, die im Frühjahr mit Reserven aus dem Vorjahr starten können. Einjährige Pflanzen starten dagegen als Samen mit sehr wenig „Proviant“ und müssen den ganzen Lebenszyklus in kurzer Zeit vollenden. Der Dunkle Mauerpfeffer ist im Gebirge daher ein Überlebenskünstler.

Sedum rupestre ( = Sedum reflexum) – Felsen-Mauerpfeffer ( = Felsen-Fetthenne, Tripmadam)

Foto auf Wikipedia.

Der Name Tripmadam ( = Dickmadam) spielt wie „Fetthenne“ auf die dickfleischigen Blätter an.

Tripmadam spielt eine Rolle als säuerlich schmeckendes Küchenkraut (Blätter und Spitzen nichtblühender Triebe) für Suppen oder Salate. Sie wird dann auch als „Grüne Tripmadam“ bezeichnet.

Als Zierpflanze genutzt (Beeteinfassungen).

Anpassung an Trockenheit: CAM-Stoffwechsel

Die meisten Mauerpfefferarten sind CAM-Pflanzen.

Der Crassulaceen-Säurestoffwechsel (kurz CAM von Crassulacean Acid Metabolism) ist ein spezieller Stoffwechsel verschiedener Pflanzen.

Die meisten Pflanzen führen die Aufnahme und die Fixierung von Kohlenstoffdioxid am Tag durch. Bei CAM-Pflanzen sind diese Vorgänge zeitlich voneinander getrennt. Das für die Photosynthese benötigte Kohlenstoffdioxid wird dabei in der Nacht aufgenommen und chemisch in Form von Äpfelsäure in den Vakuolen der Zelle gespeichert. Am folgenden Tag wird das Kohlenstoffdioxid aus der Äpfelsäure wieder freigesetzt und dem Aufbau von Kohlenhydraten im Calvin-Zyklus zugeführt.

Der Vorteil des CAM-Mechanismus besteht darin, dass die Pflanze während der (heißen) Tagesstunden ihre Spaltöffnungen geschlossen lassen kann, wodurch sie deutlich weniger Wasser durch Transpiration verliert und trotzdem Kohlenstoffdioxid immer in genügender Menge im Calvin-Zyklus zur Verfügung hat.

Die Mauerpfefferarten sind spannende und zugleich schöne Pflanzen.

Wenn Sie Pflanzen und Tiere in der Natur kennen lernen möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilkräuterexkursionen und Naturseminare.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Was ist Braunhirse?

Seit einiger Zeit wird in der Alternativmedizin-Szene Braunhirse gegen alle möglichen Beschwerden angeboten.

Was ist Braunhirse?

„Braunhirse ist ein Getreide aus der Familie der Süssgräser (Poaceae). Die Samen werden ungeschält mit Spelze und Schale zu einem Vollwertmehl verarbeitet. Das Pulver enthält unter anderem Eiweiss, Kohlenhydrate, Mineralstoffe und Kieselsäure mit einem hohen Anteil an Silicium. In der Alternativmedizin und in der Werbung wird es gegen zahlreiche Erkrankungen empfohlen, unter anderem gegen Arthrose, Osteoporose, Karies, Nagel- und Haarerkrankungen. Die Wirksamkeit in diesen Anwendungsgebieten ist nicht nachgewiesen und über mögliche Risiken und unerwünschte Wirkungen einer Behandlung ist nicht ausreichend bekannt. Braunhirse ist nicht als Arzneimittel zugelassen und wird als Nahrungsmittelergänzung verkauft.“

(Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Braunhirse)

Kommentar & Ergänzung:

Die Heilungsversprechungen bezüglich Braunhirse überschlagen sich geradezu und umfassen unterschiedlichste Erkrankungen. Das müsste eigentlich immer Anlass zu Skepsis sein und ist ein Beispiel für Indikationslyrik.

Wie andere Getreide auch, enthält Braunhirse verhältnismässig viel Mineralstoffe, darunter Kieselsäure. Diese besteht zu etwa einem Drittel aus Silizium, einem Spurenelement, das eine wichtige Rolle als Nährstoff und Aufbaustoff für Knorpelmasse, Bindegewebe, Haut, Haare und Nägel spielt und zur Mineralisation der Knochen beiträgt. Wahrscheinlich resultiert hieraus das Werbeversprechen, Braunhirse würde bei brüchigen Haaren und Nägeln, schlaffer Haut, Bindegewebsschwäche, Osteoporose und Arthrose helfen. Allerdings deckt eine normale Mischkost den Bedarf an Silicium problemlos.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Was ist Guar?

Guar wird aus der Guarbohne gewonnen, den Samen von Cyamopsis tetragonolobus, und zwar  durch Zermahlen des Endosperms und anschliessender Teilhydrolyse.

Guar (Guargalactomannan) besteht hauptsächlich aus Polysacchariden

Guar (Cyamopsis tetragonolobus, Fabaceae) ist ein pflanzliches Arzneimittel, das im Darm zusammen mit Wasser quillt und die Aufnahme von Kohlenhydraten verlangsamt. Es wird zur Behandlung von Obstipation (Verstopfung) und als Zusatzmassnahme bei der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus angewendet, um die Blutzuckerspitzen nach der Nahrungsaufnahme zu reduzieren.

Es handelt sich bei Guar um einen Ballaststoff, der in der Lage ist, grosse Mengen Flüssigkeit zu binden, so dass eine gelartige Masse entsteht.

Das bewirkt eine Verzögerung der Magenentleerung, im Dünndarm kommt es verlangsamt zur Kohlenhydrat-Absorption. Diese beiden Eigenschaften führen vor allem beim Diabetiker zu geringeren postprandialen Blutzuckerspitzen (postprandial = nach der Mahlzeit). Die Kohlenhydrat-Absorption wird aber nicht reduziert.

Guar wirkt auch lipidsenkend: Abnahme des Plasma-Gesamtcholesterins und der Triglizeride, kein Effekt auf das HDL-Cholesterin, LDL nimmt ab.

Ausserdem wirkt Guar sättigend.

Daraus ergeben sich folgende Anwendungsbereiche:

– Verstopfung

– Begleittherapie beim Diabetes mellitus (Typ I und Typ II), um zusätzlich neben Diät und Antidiabetika die postprandialen Blutzuckerspitzen zu reduzieren. Da die gesamte Absorption der Kohlenhydrate zwar verlangsamt, nicht jedoch reduziert wird, müssen die Diät und die Behandlung weitergeführt werden

– Dyslipidämie (Lipidstoffwechselstörung)

– Übergewicht und Fettleibigkeit

Als unerwünschte Nebenwirkungen kann es zu Verdauungsbeschwerden kommen: Blähungen, Völlegefühl, Magendruck, Übelkeit und Durchfall.

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Guarbohne

Guar ist als rezeptpflichtiges Fertigpräparat unter dem Namen Leiguar als Antidiabetikum im Handel.

Als Nahrungsergänzungsmittel mit teilhydrolisiertem Guarkernmehl: Benefiber (Novartis).

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