Beiträge

Johannisblütenöl und Orangenblütentee als Abendritual

Im “Migros Magazin” (8. Oktober 2018) wird die Skirennfahrerin Michelle Gisin aus Engelberg (Obwalden) portraitiert. Dabei kommt die Athletin auch auf Naturheilmittel zu sprechen: “Habe ich Schmerzen, trage ich Quarkwickel auf.”

Sie erwähnt ausserdem das Johannisblütenöl:

“Damit reibe ich mich vor dem Schlafengehen von Kopf bis Fuss ein. Dann trinke ich einen Orangenblütentee und ab in die Federn.”

Interessantes Abendritual. Johannisöl aus den Johanniskrautblüten wird durch Auszug mittels (meisten) Olivenöl hergestellt. Von der ESCOP wird es empfohlen zur Behandlung leichter Haut­entzündungen (z. B. Sonnenbrand) oder zur Heilung kleiner Wunden. 

Eine direkte beruhigende Wirkung durch die Haut scheint mir sehr unwahrscheinlich, aber eine Einreibung am Abend ist eine schöne Idee.

Orangenblütentee hat sich als Abendtee in der Schweiz vor allem in Pflegeinstitutionen durchgesetzt. In Pflegeheimen und Kliniken wird Orangenblütentee gereicht als Einschlafhilfe. Interessanterweise ist diese Anwendung in Pflegeinstitutionen in Deutschland und Österreich viel weniger gebräuchlich.

 Die Wirksamkeit von Orangenblütentee als Einschlafhilfe wurde allerdings nie genauer untersucht und in der Phytotherapie-Fachliteratur taucht die Pflanze in der Regel gar nicht auf.

Orangenblüten enthalten aber zirka 0,2-0,5 % ätherisches Öl mit hauptsächlich Monoterpenen (Linalylacetat, alpha-Pinen, Limonen, Linalool, Nerol, Geraniol), ausserdem Anthranilsäuremethylester und Bitterstoffe.
Die Zusammensetzung des ätherischen Öles zeigt damit gewisse Ähnlichkeit mit dem Lavendelöl (Linalylacetat, Limonen, alpha-Pinen, Linalool, Geraniol). Da für Lavendelöl eine beruhigende Wirkung bei Unruhe und Einschlafstörungen gut belegt ist, kann eine solche Wirkung auch für den Orangenblütentee vermutet werden. Es würde sich dann beim Trinken von Orangenblütentee dann quasi um eine Aromatherapie via Duftebene handeln. Darum wäre wohl die Empfehlung sinnvoll, den Orangenblütentee langsam schluckweise zu trinken, damit das ätherische Öl gut auf die Geruchsrezeptoren einwirken kann.

In der Natur entfalten Orangenblüten einen betörenden Duft. Das habe ich bei Velotouren durch Orangenfelder in China selber eindrücklich erlebt. In Spanien wird die Costa del Azahar als Küste der Orangenblüten bezeichnet und verdankt diesen Namen den grossen Orangenhainen, die unweit von der Küste wachsen und mit dem Orangenblütenduft zum Teil die ganze Umgebung erfüllen.

Mehr zum Orangenblütentee gibts hier:

Orangenblütentee bei Einschlafstörungen

Wie weit bei Michelle Gisins Abendritual mit Johannisblütenöl und Orangenblütentee auch Wirkstoffe aus den Pflanzen zur Wirkung kommen, ist also weitgehend ungeklärt.

Einschlafrituale haben aber auch für sich einen Wert und sollten in dieser Hinsicht nicht unterschätzt werden.

 

 

 

Stören Lavendelöl und Teebaumöl den Hormonhaushalt?

Eine US-Studie kommt zu dem Schluss, dass Lavendelöl und Teebaumöl den Hormonhaushalt stören können – sie wirken wie das weibliche Sexualhormon Östrogen.

Lavendelöl und Teebaumöl duften nicht nur, den ätherischen Ölen wird auch eine beruhigende bzw. entzündungshemmende Wirkung nachgesagt. Darum sind sie auch Bestandteil zahlreicher kosmetischer Produkte, wie Hautcremen, Seifen oder Raumdüften. Eine Untersuchung an menschlichen Zellen zeigte allerdings, dass einige Bestandteile dieser ätherischen Öle hormonell wirksam sein können. Im Labor zeigten sie Wirkungen wie das weibliche Sexualhormon Östrogen und hemmten die Aktivität des männlichen Sexualhormons Testosteron.

Insgesamt acht hormonell wirksame Bestandteile der beiden ätherischen Öle konnten die Forscher identifizieren, darunter Eucalyptol und Limonen. Dass Kosmetika sogenannte Endokrine Disruptoren enthalten können, sei schon länger bekannt, erklärt der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien. Bisher wurden allerdings hauptsächlich synthetisch hergestellte Substanzen untersucht.

Kommt man mit solchen hormonaktiven Substanzen regelmäßig in Kontakt, zum Beispiel über die Haut oder die Atemwege, dann kann das gesundheitliche Folgen haben. „Hormonaktive Stoffe können das menschliche Hormonsystem bewiesenermaßen durcheinander bringen“, sagt der Umweltmediziner Hutter. Das könne vom verfrühten Einsetzen der Pubertät über Einschränkungen der Fruchtbarkeit bis zu einem erhöhten Krebsrisiko gehen. Er hält es daher für wichtig, „dass wir Bestandteile von Kosmetika auf beiden Seiten des Spektrums untersuchen, also natürliche wie synthetisch hergestellte.“

Die US-Mediziner haben die ätherischn Öle untersucht, weil Beobachtungen erste Hinweise auf eine hormonelle Wirksamkeit geliefert hatten. Bei drei Buben, die regelmäßig Teebaumöl-Produkte verwendet haben, wurde vor der Pubertät ein anormales Brustwachstum festgestellt, eine sogenannte Gynäkomastie. Wurden die Teebaumöl-Produkte nicht mehr verwendet, bildete sich die Brust zurück.

Umweltmediziner Hutter sagt, dass man diesen Zusammenhang auf jeden Fall noch genauer untersuchen müsse. Werde die hormonelle Wirksamkeit des Teebaumöls und des Lavendelöls durch mehrere Studien bestätigt, müsse die Zulassung für Kosmetikprodukte anders reguliert werden.

Die US-Wissenschaftler wollen nun auch andere ätherische Öle auf eine mögliche hormonelle Wirksamkeit untersuchen. Denn die Inhaltsstoffe, die sie identifiziert haben, findet man auch in mindestens 65 weiteren ätherischen Ölen. Umweltmediziner Hutter rät, kosmetische Produkte insgesamt sparsamer zu verwenden – denn es gebe auch zahlreiche andere Inhaltsstoffe, die noch nicht ausreichend erforscht sind.

Quelle:

http://science.orf.at/stories/2904066/

https://www.endocrine.org/news-room/2018/chemicals-in-lavender-and-tea-tree-oil-appear-to-be-hormone-disruptors

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Geschichte ist eigentlich schon ziemlich alt. Sie wurde im Fachmagazin New England Journal of Medicine bereits im Jahr 2007 publiziert:

http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/nejmoa064725

Die „Süddeutsche“ berichtete dann im Mai 2010 darüber.

http://www.sueddeutsche.de/leben/wie-oestrogen-lavendel-oel-laesst-jungen-brueste-wachsen-1.109345

Der Bericht auf endocrine.org stammt vom 17. März 2018 und Ende März folgen nun Artikel auf 20min.ch und auf science.orf.

Es macht den Eindruck, als werde da immer wieder dieselbe Sau durchs Dorf gejagt….

Klar ist, dass auch Naturprodukte wie ätherische Öle unerwünschte Nebenwirkungen und Risiken haben können.

Beim vorliegenden Thema der allfälligen Hormonaktivität von Lavendelöl und Teebaumöl sind allerdings noch eine ganze Reihe von Fragen offen.

So lässt sich aus Einzelfallbeobachtungen nie sicher ein ursächlicher Zusammenhang belegen. Die drei Fälle mit den präpubertären Buben sind im New England Journal of Medicine detailliert beschrieben.

Patient 1 verwendete einen „healing balm“ mit Lavendelöl, Patient 2 einen Haargel und ein Shampoo mit Lavendelöl und Teebaumöl, Patient 3 eine Seife mit Lavendelöl.

In allen drei Fällen können andere auslösende Faktioren nicht ausgeschlossen werden. Auch dass sich in allen drei Fällen die Gynäkomastie einige Monate nach dem Absetzen der Produkte zurückbildete, sagt nichts Definitives aus. Das kann auch der natürliche Verlauf gewesen sein und zum Beispiel durch eine veränderte Hormonlage bewirkt worden sein.

Und Untersuchungen im Labor an menschlichen Zellen sagen nichts Definitives darüber aus, die die Substanzen im lebenden Organismus wirken.

Das ist alles sehr vage und wenn 20min.ch mit der Schlagzeile daher kommt: „Männer bekommen Brüste wegen Shampoo und Seife“, dann steht diese Behauptung auf wackeligen Beinen. Aber es tönt halt interessanter als „Teebaumöl und Lavendelöl zeigen Hormonwirkung im Reagenzglas“.

Den grundsätzlichen Rat von Umweltmediziner Hutter, kosmetische Produkte insgesamt sparsamer zu verwenden, würde ich aber unterschreiben – auch in Bezug auf Lavendelöl und Teebaumöl.

Teebaumöl wird antimikrobiell gegen Bakterien, Pilze und Viren. Lavendelöl wird antimikrobiell gegen Bakterien und Pilze sowie beruhigend zum Beispiel bei Schlafstörungen.

Es ist nicht einzusehen, weshalb ein Haargel und ein Shampoo für einen präpubertären Jungen Teebaumöl und Lavendelöl enthalten sollte. Es ist auch für Erwachsene nicht einzusehen. Auch ein „healing balm“ und eine Seife mit Lavendelöl sind in diesem Kontext durchaus fragwürdig.

Aus phytotherapeutischer Sicht sind ätherische Öle Arzneimittel, die bei einer bestimmten Indikation angewendet werden können. Die tägliche Anwendung in Kosmetika oder als „Wellness“-Produkte ist in den meisten Fällen nicht zu empfehlen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Teebaumöl bei Akne

Das ätherische Öl aus den Blättern und Zweigen des in Australien heimischen Teebaums (Melaleuca alternifolia) gilt als Geheimtipp gegen Pickel / Akne.

Das Portal „Medizin transparent“ hat recherchiert, ob die Studienlage die Wirksamkeit von Teebaumöl gegen Akne bestätigt.

Ein chinesisch-australisches Wissenschaftsteam konnte in einer umfangreichen Recherche nur eine einzige Studie zu diesem Thema finden.

Diese allerdings kleine Studie liefert zwar vorsichtige Hinweise, dass Teebaumöl gegen Pickel helfen könnte. Für wissenschaftliche Gewissheit wären jedoch weitere, gutgemachte Studien mit positivem Resultat nötig.

In dieser Untersuchung hatten die Versuchspersonen per Losentscheid entweder ein Gel mit Teebaumöl in einer 5-prozentigen Konzentration oder aber ein vergleichbares Gel ohne Wirkstoff ( = Scheinpräparat, Placebo) zugeteilt bekommen, das sie sich zweimal täglich auf die betroffenen Stellen im Gesicht auftragen sollten.

Welche der insgesamt 60 Versuchspersonen das Teebaumöl-Präparat und welche das Placebo bekamen, wurde vor den Probanden und dem Studienpersonal geheim gehalten. Durch diese „doppelte Verblindung“, wie das Geheimhalten der Zuteilung vor sowohl Teilnehmern als auch Studienpersonal genannt wird, wird sichergestellt, dass Erwartungen der an der Studie beteiligten Personen das Resultat nicht beeinflussen können. Allerdings ist nicht sicher, dass bei dieser Studie die Verblindung auch bis zum Ende der Studie aufrecht blieb, da die Wirkstoff-freien Salben eine andere Beschriftung hatten als jene mit Teebaumöl.

Nach sechs Wochen zeigten sich bei den Versuchpersonen, welche das Gel mit Teebaumöl verwendeten, durchschnittlich sieben bis acht Hautunreinheiten wie Pickel, Mitesser oder Pusteln weniger als bei jenen, die das wirkstofflose Gel aufgetragen hatten. Mit nur 60 Probanden sind diese Resultate dieser Studie allerdings nur eingeschränkt aussagekräftig. Finanziert wurde die Untersuchung durch ein Unternehmen, das Kosmetika mit Teebaumöl produziert.

Aus den Resultaten ihrer Untersuchung schlussfolgern die Studienautoren, dass ihr Teebaumöl-Präparat kaum mehr Nebenwirkungen hat als das Gel ohne Wirkstoff. „Medizin transparent“ weißt jedoch darauf hin, dass Teebaumöl nicht immer harmlos ist, und bei empfindlichen Personen zu Hautreizungen und allergischen Hautausschlägen führen kann. Das Scientific Commitee on Consumer Safety (SCCS), das auf EU-Ebene berät, warne daher vor Produkten, die über fünf Prozent Teebaumöl enthalten, und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung rate bei Kosmetika überhaupt zu einer Begrenzung auf eine Konzentration von einem Prozent.

Quelle:

https://www.medizin-transparent.at/teebaumoel-gegen-pickel

Kommentar & Ergänzung:

Teebaumöl hat eine gute antibakterielle Wirkung und da Bakterien bei Akne eine Rolle spielen, erscheint eine Wirksamkeit plausibel.

Teebaumöl wird durch Wasserdampfdestillation aus den Blättern und Zweigen des in Australien heimischen Australischen Teebaums (Melaleuca alternifolia) gewonnen.

Es besteht aus einem Gemisch von etwa 100 Substanzen, insbesondere (+)-Terpinen-4-ol (rund 40 %), α-Terpinen (rund 20 %), Terpinolen, Terpineol (jeweils 3 bis 4 %), Pinen, Myrcen, Phellandren, p-Cymen, Limonen, 1,8-Cineol.

Während die chinesisch-australische Forschergruppe nur eine einzige Studie fand, die ihren Qualitätsansprüchen genügte, geht Dr. Rainer C. Görne in der ÄrzteZeitung von fünf randomisierten Studien aus, welche die Wirksamkeit von Teebaumöl bei der Behandlung von Akne belegen sollen. Allerdings fehlen dort Quellenangaben zu diesen Studien.

Siehe: Teebaumöl gegen Akne

 

Die Verträglichkeit des Teebaumöls hängt wesentlich von den Aufbewahrungsbedingungen ab, die möglischst geschützt vor Sauerstoff sein sollten:

Teebaumöl: Korrekte Aufbewahrung reduziert Nebenwirkungen

Grundsätzlich stellt sich jedoch die Frage, ob es unbedingt Teebaumöl sein muss.

Viele ätherische Öle wirken antibakteriell. Und viele ätherische Öle sind besser hautverträglich als Teebaumöl und geruchlich angenehmer.

Besser verträgliche und geruchlich angenehmere ätherische Öle mit antibakterieller Wirkung sind zum Beispiel Korianderöl und Lavendelöl.

Siehe dazu:

Korianderöl bekämpft gefährliche Bakterien

Zur Wirkung von Korianderöl

Phytotherapie: Zur Wirkung von Koriander / Korianderöl

 

 

 

Wer typverwandte ätherische Öle als geruchliche Alternativen zu Teebaumöl sucht probiert es manchmal mit Manukaöl, Kanukaöl, Niaouliöl, Cajeputöl oder Eukalyptusöl.

Manukaöl ( aus der Südseemyrte, Leptospermum scoparium) wirkt ähnlich antibakteriell wie Teebaumöl, ist aber ebenfalls haut- und augenreizend.

Kanukaöl stammt von Leptospermum ericoides (= Kunzea ericoides) und fällt bezüglich antibakterieller Wirkung ab.

Niaouliöl wird mittels Wasserdampfdestillation gewonnen aus Melaleuca viridiflora (Myrtaceae) und gleicht in seiner Zusammensetzung dem Cajeputöl: Hauptbestandteil ist 1,8-Cineol (bis ca. 60 %), weiters Pinen und Limonen. Im Labor zeigte es antimikrobielle Wirkung.

Siehe: Was ist Niaouliöl?

Cajeputöl wird durch Wasserdampfdestillation aus den Blättern und kleineren Zweigen des Cajeputbaumes (Melaleuca leucadendra) gewonnen. Es hat einen an Eukalyptus erinnernden Duft, wirkt stark antimikrobiell, enthält in hohem Maße Terpene und ist ein Hauptbestandteil des Olbasöls.

Siehe:

Olbastropfen – ein Gemisch von ätherischen Ölen getestet auf antimikrobielle Wirkung

Eukalyptusöl stammt von Eucalyptus globulus und besteht hauptsächlich aus 1,8-Cineol (über 70 %), ausserdem 1-Pinen (Spuren bis maximal 9 %), 2-Pinen (0-1,5 %), Limonen (0-12 %), und Phellandren (0-1,5 %). Es zeigt breite antimikrobielle Aktivität, ist dabei aber in seiner Wirksamkeit dem Teebaumöl unterlegen.

Verglichen mit dem relativ giftigen Phenol ist das Teebaumöl 11 bis 13 Mal wirksamer und damit viel stärker bakterizid als Eukalyptusöl, das nur etwa 3,5mal stärker als Phenol wirkt. In der Phytotherapie wird Eukalyptusöl in Kapselform auch innerlich angwendet als schleimlösendes Mittel gegen Husten (Sibrovita N).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dill (Anethum graveolens) als Gewürz und Heilpflanze

Die Zeitschrift „Phytotherapie“ publizierte vor kurzem einen informativen Beitrag zu Wirkung und Anwendungsmöglichkeiten von Dill, einer alten Heilpflanze, die heute vor allem als Gewürz verwendet wird. Nachfolgend eine Zusammenfassung.

Die historischen Angaben zur medizinische Nutzung des Dills bei Albertus Magnus (1200 – 1280) und Paracelsus (1493 – 1541) gleichen sich weitgehend. Dill wird empfohlen als Karminativum (gegen Blähungen), Stomachikum (magenstärkendes Mittel), Galaktagogum (milchbildungsförderndes Mittel), Schmerzmittel, gegen Übelkeit, Mundgeruch, Hämorrhoiden, Kondylome und Schlaflosigkeit. Auf die weitverbreitete Nutzung des Dills verweist die Bemerkung, dass er »allen luten sy wolbekant« in einem der ersten gedruckten Kräuterbücher, dem Gart der Gesundheit (1485). Dem aromatischen Geruch verdankt der Dill seinen Ruf als Pestpflanze. So wurden die Früchte in Peststuben geräuchert und innerlich als Bestandteil des Tugendpulvers, als Roborans (Kräftigungsmittel) und Pesttherapeutikum verwendet.

Gegenwärtig wird Dill nur noch selten in der westlichen Phytotherapie genutzt, meist in Form von Dillwasser oder Sirup als Karminativum für Kinder, hauptsächlich in Großbritannien. In der Volksmedizin wurde Dill gegen eine Vielzahl von Beschwerden eingesetzt: Hämorrhoiden (als Presssaft), Skorbut (Vitamin-C-Gehalt des Krautes!), die Früchte gegen Zyklusstörungen und Erbrechen, das Kraut gegen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, der Niere, Harnwege, bei Schlafstörungen und Krämpfen, außerdem bei Tumoren, Kondylomen, Indurationen, Husten, Schluckauf, Bauchschmerzen, Brustgeschwüren, Prellungen, Wassersucht, Gelbsucht und als Diuretikum. Als Galaktagogum wird Dilltee auch heute noch angewendet.

Inhaltsstoffe

Ein großer Teil der Dill-Produktion wird für die industrielle Herstellung von eingelegtem Gemüse genutzt, vor allem von Gurken. Dillkraut enthält getrocknet 0,12 – 1,9% ätherisches Öl mit 6- 44% (+)-Carvon, Limonen, Dillether und Myristicin. Neben anderen Komponenten sind hauptsächlich Dillether, α-Phellandren, Limonen und Myristicin für das charakteristische Dillaroma verantwortlich. Die Zusammensetzung des ätherischen Öls, vor allem dessen Gehalt an (+)-Carvon schwankt stark. Außerdem enthält das Kraut Flavonolglykoside mit Quercetin und Isorhamnetin als Aglyka und es wurde Scopoletin nachgewiesen.

Dillfrüchte enthalten 2,5 – 4% ätherisches Öl. Es besteht im Wesentlichen aus (+)-Carvon, (+)-Limonen und α- Phellandren.

Ausserdem enthalten Dillfrüchte Furano- und Hydroxycumarine wie Bergapten und Umbelliferon, Flavonolglykoside, die sich vom Kämpferol, Isorhamnetin und Quercetin ableiten, sowie 10–20% fettes Öl.

Durch Wasserdampfdestillation der getrockneten Samen gewinnt man das schwach gelbe, kümmelähnlich riechende Dillöl (Anethi aetheroleum).

Wirkungen

Aus der Dillpflanze hergestellte Arzneimittel werden heute in der westlichen Medizin nur noch selten angewendet. Wissenschaftlich anerkannt ist der Einsatz von Dillfrüchten (Anethi fructus) Verdauungsbeschwerden (dyspeptische Bescherden). Sie wirken krampflösend auf die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Trakts und schützen die Magenschleimhaut Auch in der vietnamesischen Medizin wird der Dill bei Darmkrankheiten eingesetzt. Die Kommission E bewertete den Einsatz bei dyspeptischen Beschwerden als positiv, jedoch kommt den Kümmelfrüchten durch ihre stärkere Wirkung auch eine größere Bedeutung zu. Dillfrüchte sind aber bei Blähungen, Völlegefühl und ähnlichen Verdauungsbeschwerden eine Alternative für Menschen mit einer Abneigung gegen den Kümmelgeschmack.

Die im ätherischen Öl von Dillkraut (Anethi herba) vorkommenden (+)-Carvon, Dillether und Limonen führen im Tierversuch zu einem Anstieg der Glutathion-S-Transferase in der Leber und der Dünndarmschleimhaut Dieses Enzym spielt bei der Entgiftung von organischen Substanzen im Körper eine bedeutende Rolle.

Durch viele Studien sind die antibakteriellen und fungistatischen Effekte des ätherischen Öls der Früchte und des Krautes belegt. Die antimikrobielle Aktivität einiger Inhaltsstoffe des Dills könnte ein Grund für dessen vielseitige Verwendung als Gewürz sein, da dadurch die Haltbarkeit von Lebensmitteln verlängert wird.

Das fruchtreife oberirdische Dillkraut entfaltet insektizide ( = insektentötende) und repellierende ( = insektenvertreibende) Wirkungen, u.a. durch die im ätherischen Öl enthaltenen Myristicin und Dillapiol.

Quelle:

Zeitschrift für Phytotherapie Nr. 5/2013

Online

http://dx.doi.org/10.1055/s-0033-1349763

Kommentar & Ergänzung:

Von der Wirkung her gehört Dill in die Nähe von Fenchel, Kümmel und Anis. Er gilt in der Wirkung gegen Verdauungsbeschwerden aber als schwächer. Eine Wirksamkeit als Galaktagogum ist nicht belegt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Gewürzkunde: Grüner Pfeffer, weisser Pfeffer, schwarzer Pfeffer….

Pfeffer gibt es als Gewürz in verschiedenen Sorten. Jede verleiht Gerichten ein anderes Aroma und passt daher auch zu verschiedenen Speisen.

Grüner Pfeffer verleiht süßen Speisen einen besonderen Pfiff.

Die grünen Körner werden unreif vom Pfefferstrauch geerntet und entweder haltbar gemacht, indem ihnen per Gefriertrocknung Wasser entzogen wird, oder durch sofortiges Einlegen in Lake (Lösung von Salz in Wasser).

Grüner Pfeffer hat grasige, leicht kräuterige Aromen und noch nicht die Schärfe von schwarzem oder weißem Pfeffer. Das passt beispielsweise gut zu Erdbeeren.

Auch schwarzer Pfeffer wird unreif gepflückt, bekommt jedoch durch normales Trocknen seine charakteristische dunkle Farbe und sein schärferes Aroma. Am besten schmeckt schwarzer Pfeffer frisch gemahlen.

Als höchste Qualitätsstufe bei schwarzem Pfeffer gilt Tellicherry-Pfeffer. Er darf am Strauch ausreifen und wird deshalb als «Spätlesepfeffer» bezeichnet. Immer dann, wenn eine würzige Schärfe erwünscht ist, passen diese bräunlich-roten Körner.

Weißer Pfeffer wird vollreif geerntet, anschliessend in Wasser eingeweicht, geschält und getrocknet. Dadurch gehen beinahe alle Aromastoffe verloren. Köche setzen den weissen Pfeffer daher gern ein für helle Soßen und immer dann, wenn keine anderen Geschmacksnuancen außer Schärfe an der Speise gewünscht sind.

Kubeben-Pfeffer ( = Schwanz-Pfeffer, Piper cubeba) wird wegen seinem Aussehen auch als Stielpfeffer bezeichnet und benötigt besonders kräftige Partner – beispielsweise Wurzelgemüse oder dunkles Fleisch. Zu Spargel passt Kubeben-Pfeffer nicht. Sein Aroma erinnert etwas an Menthol oder Eukalyptus. Manche Köche kombinierten ihn mit Schokolade, zum Beispiel in einer Soße zu einem Hasenbraten.

Langer Pfeffer (= Stangenpfeffer, Piper longum) gleicht vom Aussehen her kleinen Tannenzapfen und schmeckt kräuterig-ledrig. Er lässt sich ebenfalls einsetzen zu Wurzelgemüsen und Wild, eignet sich aber auch zu Käsegerichten. Im ersten Augenblick schmeckt er allerdings nicht sehr stark und zeigt erst im Abgang, was er kann. Langer Pfeffer ist unheimlich hart und kann selbst eine hochwertige Keramikmühle beschädigen, wenn man ihn darin mahlen will. Daher ist es besser, ihn im Mörser zu zerkleinern oder auf einer Muskatnussreibe zu reiben.

Quelle:

http://www.ksta.de/verbraucher/kleine-gewuerzkunde–welcher-pfeffer-wozu-passt,15938542,22614420.html

Kommentar & Ergänzung:

Zwischen Ernährung und Phytotherapie gibt es einige fliessende Übergänge. Viele Gewürze stehen an solchen Übergängen, sind einerseits wichtige Bestandteile der Kochkunst und zugleich Heilmittel.

Grüner Pfeffer, weisser Pfeffer und schwarzer Pfeffer stammen von der gleichen Pfefferart (Echter Pfeffer, Piper nigrum).

Der Echte Pfeffer enthält reizende Scharfstoffe, darunter vor allem das Alkaloid Piperin (5-8 %) und Derivate des Piperins wie Piperettin, Piperylin, Piperanin, Chavicin.

In weißem Pfeffer ist zudem etwa 2,5 Prozent ätherisches Öl, sogenanntes Pfefferöl enthalten, in grünem und schwarzem Pfeffer bis zu 4,8 Prozent. Es gibt dem Pfeffer sein Aroma und wird durch Wasserdampfdestillation gewonnen. Die Hauptbestandteile im ätherischen Öl sind Monoterpene wie Pinene, 3-Caren, Terpinene, Terpinolen und Limonen, sowie Sesquiterpene wie α- und β-Caryophyllen und β-Farnesen.

Der scharf brennende Geschmack des Pfeffers kommt durch die Erregung von Wärme- und Schmerzrezeptoren zustande. Reflektorisch werden dadurch Speichel- und Magensaftsekretion gesteigert, ebenso die Produktion von Verdauungsenzymen. Pfeffer hat deshalb eine deutlich appetitanregende und verdauungsfördernde Wirkung, die jedoch nur noch sollten in Arzneimitteln zur Anwendung kommt. Neben einer ganzen Reihe von anderen Heilpflanzen ist der Echte Pfeffer Bestandteil von Melisana Klosterfrau Melissengeist.

Äusserlich kann Pfeffer zur Durchblutungsförderung eingesetzt werden. Das gut hautverträgliche Pfefferöl soll kombiniert mit Ingweröl ein gutes Mittel zur Vorbeugung und Behandlung von Muskelkater sein (nach Dietrich Wabner / Christiane Baier, Aromatherapie, München 2009, S. 258)

Der Kubeben-Pfeffer ist eine andere Pfefferart, die als Kletterpflanze in Java und auf anderen Inseln Indonesien heimisch ist, aber auch in Sri Lanka angebaut wird.

Zur Heilanwendung schreibt Wikipedia:

„ Kubeben sind seit der Antike als Heilmittel verwendet worden und werden im Osten immer noch geschätzt. Sie wirken schleimlösend und werden in Mitteln gegen Atembeschwerden gebraucht. Kubeben haben auch antiseptische Eigenschaften. In der Volksheilkunde finden die getrockneten Früchte Verwendung bei entzündlichen und bakteriellen Erkrankungen der Harnwege, ebenfalls als Expektorans bei chronischer Bronchitis, unzerkleinert bei Kopfschmerzen (Schwindelkörner), Gedächtnisschwäche und zur Steigerung des Geschlechtstriebs.“

Die botanische Gattung Pfeffer ist jedenfalls vielseitig und mit interessanten Inhaltsstoffen und  Wirkungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Kümmelöl für Bauchmassagen gegen Krämpfe und Blähungen bei Säuglingen und Kleinkindern

Bei Krämpfen und Blähungen von Säuglingen und Kleinkindern wird häufig Fencheltee oder Kamillentee angewendet. Eine Alternative oder Ergänzung ist die Bauchmassage mit Kümmelöl:

10 bis 15 Tropfen einer zehnprozentigen Lösung des Kümmelöls in einem fetten Öl, beispielsweise in Olivenöl, lindern bei Kleinkindern und Säuglingen Blähungen und Krämpfe, wenn sie mit kreisenden Bewegungen in der Nabelgegend einmassiert werden.

Woraus besteht Kümmelöl?

Kümmelöl stammt aus den Früchten des Wiesen-Kümmels (Carum carvi). Die altbewährte Gewürz- und Heilpflanze wächst bei uns in den Bergen recht häufig.

Wer Kümmel in Natura kennenlernen möchte, kann das auf vielen meiner Bergexkursionen.

Kümmelöl enthält als Hauptbestandteile Carvon (40-66 %) und Limonen (bis 50 %).

Carvon kommt auch vor im Dillöl, im Krauseminzenöl und im Mandarinenöl.

Limonen ist das in Pflanzen am häufigsten vorkommende Monoterpen und ist neben dem Kümmelöl zum Beispiel auch zu finden in Pomeranzenschalenöl, in Dillöl, in Korianderöl, in Zitronenöl und in Orangenöl.

Limonen dient in der Industrie als preiswerter Duftstoff und wird auch verwendet als Ausgangsstoff für die Synthese von Dronabinol (synthetisches THC).

Zu Dronabinol siehe:

Cannabis als Heilmittel zulassen

Dronabinol (THC) vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten

Tschechien: Cannabis bald in Apotheken erlaubt

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

www.info-phytotherapie.ch/index.php/phytotherapie-infothek/was-ist-phytotherapie

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

moodle.heilpflanzen-info.ch/course/view.php?id=6

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

moodle.heilpflanzen-info.ch/course/view.php?id=15

Phytotherapie / Aromatherapie: Kiefernnadelöl

Kiefernnadelöl stammt von Pinus sylvestris (Gemeine Kiefer, Waldkiefer, Föhre), einem bis zu 40m hohen Baum aus der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae). Kiefernnadelöl ähnelt in seiner Zusammensetzung dem Latschenkiefernöl.

Die Gewinnung erfolgt durch Wasserdampfdestillation der frischen Nadeln oder Zweigspitzen (Aetheroleum Pini sylvestris).

Als Hauptkomponente enthält Kiefernnadelöl (+)-alpha-Pinen (bis 50 %), daneben 3-Caren (bis 20 %), Camphen, beta-Pinen, Limonen, Bornylacetat und andere Substanzen.

Kiefernnadelöl besitzt antimikrobielle und schleimlösende Wirkung bei Husten. Es wird angewendet als bewährtes Mittel bei Katarrhen der Atemwege. Ähnlich wie Pfefferminzöl oder Kamillenblüten eignet sich Kiefernnadelöl ausgezeichnet für die Dampfinhalation. Dafür werden wenige Tropfen Kiefernnadelöl in heißes Wasser gegeben und mehrmals täglich einige Minuten lang inhaliert.

Kiefernnadelöl entfaltet auch als Zusatz im Vollbad eine angenehm befreiende Wirkung auf die Atemwege. Dazu werden ein bis zwei Teelöffel Kiefernnadelöl auf ein Vollbad gegeben, wobei das ätherische Öl zuvor mit Kaffeerahm emulgiert werden sollte.

In der Apotheke oder Drogerie sind fertige Erkältungssalben mit Kiefernnadelöl erhältlich, die man ebenfalls zum Inhalieren oder zum Einreiben auf Brust und Rücken nutzen kann. Nach dem Eincremen verflüchtigen sich die ätherischen Öle mit der Zeit und erreichen auf diesem Weg die Atemwege. Kiefernnadelöl ist vor allem enthalten in Rheumasalben, Sportgels und in Mittel gegen Erkältungskrankheiten (bspw. Perskindol®, Pinimenthol®, Inhalant®, Carmol Sportgel®).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Aromatherapie / Phytotherapie: Zur Wirkung von Teebaumöl

Teebaumöl wird durch Wasserdampfdestillation aus verschiedenen Arten der Gattung Melaleuca gewonnen, die in Australien beheimatet sind. Von der Zusammensetzung her ist Teebaumöl nichts Spezielles. Es enthält ein Gemisch aus ca. 100 Substanzen. Hervorzuheben sind Terpinen-4-ol (etwa 40 %), α-Terpinen (etwa 20 %), Terpinolen, Terpineol (jeweils 3 bis 4 %), Pinen, Myrcen, Phellandren, p-Cymen, Limonen, 1,8-Cineol.

Typverwandte ätherische Öle sind: Manukaöl, Kanukaöl, Eukalyptusöl und Cajeputöl.

Teebaumöl hat eine starke antimikrobielle Wirkung, vor allem gegen Bakterien und Pilze. Diese Effekte kann man aber auch mit anderen ätherischen Ölen erreichen – auch aus einheimischen Pflanzen – beispielsweise mit Thymianöl.

Teebaumöl birgt zudem ein Risiko vor allem bei unsachgemässer Lagerung. Durch Einwirkung von Licht und Luftsauerstoff entstehen Umbauprodukte, die allergische Reaktionen auslösen können.

Weil die Wirkung von Teebaumöl auch durch andere ätherische Öle mit geringerem Risiko von Nebenwirkungen erreicht werden kann, lohnt es sich, jeweils über passende Alternativen nachzudenken.

Wenn es um eine antimikrobielle Wirkung geht, sind zum Beispiel Lavendelöl und Korianderöl oft verträglichere Varianten.

Siehe auch:

Phytotherapie: Zur Wirkung von Koriander / Korianderöl

Korianderöl bekämpft gefährliche Bakterien

Zur Wirkung von Korianderöl

Verbessert Korianderöl die Wirkung von Antibiotika?

Lavendelöl wirksam gegen Hautpilze

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Myrtol (Gelomyrtol®) bei Husten und Bronchitis

Die Österreichische Apothekerzeitung (8. Oktober 2012) geht bei Thema Hustenbehandlung auf den pflanzlichen Wirkstoff Myrtol ein:

„Myrtol (Gelomyrtol®) zählt zur Wirkstoffgruppe der schleimlösenden Mittel und besitzt als ätherisches Öl sowohl sekretolytische als auch mukolytische Eigenschaften. So verhilft es zum erleichterten Abtransport des zähen, keimlastigen Schleims aus den Bronchien und Nebenhöhlen.  Des Weiteren ist der Wirkstoff für seine antibakterielle sowie antiinflammatorische Wirkung bekannt. In der Regel wird der als ätherisches Öl vorliegende Wirkstoff in Form von magensaftresistenten Weichkapseln verabreicht, die mit kalter Flüssigkeit eingenommen werden sollten. Damit wird eine frühzeitige Freisetzung der enthaltenen Wirkstoffe und damit Beschwerden im Bereich des Magen-Darmtraktes vermieden.“

Was genau ist Myrtol?

„Myrtol ist kein eindeutig definierter Begriff; er wird teilweise mit dem ätherischen Öl der Myrte (Myrtus communis), eines immergrünen Strauches, der im Mittelmeergebiet und in Vorderasien verbreitet ist, in Zusammenhang gebracht. Die exakte Bezeichnung dafür ist Myrtenöl.

In Arzneimitteln wird ein standardisiertes pflanzliches Mischdestillat als Myrtol bezeichnet, das laut Herstellerangaben nicht weniger als 25 Prozent Limonen, 25 Prozent Cineol und 6,7 Prozent (+)-α-Pinen enthält. Dieses Stoffgemisch….wirkt auswurffördernd und wird daher bei akuten und chronischen Bronchitiden sowie bei einer Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis) angewandt.“

Quelle: Wikipedia

Das in den Gelomyrtol-Kapseln enthaltene Stoffgemisch namens Myrtol besteht aus einer Mischung von Eukalyptusöl, Süssorangenöl, Myrtenöl und Zitronenöl.

Hauptanwendungsgebiet der Kapseln sind produktiver Husten / Bronchitis und Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Gewürze: Kardamom fördert Verdauung und aromatisiert den Kaffee

Bohnenkaffee werde durch eine winzige Prise Kardamom verträglicher. Darüber hinaus sollen die Samen, die man wegen ihrer Empfindlichkeit immer in den Kapseln kaufen sollte, Appetit und Verdauung anregen. Kardamom eigne sich besonders zum Würzen von Gebäck, Kompott und Süßspeisen, aber auch für Blutwurst oder Kochschinken.

Quelle: http://derstandard.at/1350260941875/Gewuerze-und-ihre-Wirkung

Kommentar & Ergänzung:

Zwischen Gewürzen und Heilpflanzen gibt es oft fliessende Übergänge.

Kardamom (Elettaria cardamomum) gehört zur Familie der Zingiberaceae (Ingwergewächse).

Die Gewürzpflanze stammt ursprünglich aus Südindien, Sri Lanka, Irak und Thailand. Ein wichtiges Exportland ist heute auch Guatemala, weitere Anbauländer sind Tansania, Madagaskar, Papua-Neuguinea und Vietnam.

Hauptwirkstoff in den Kardamomsamen ist ein ätherisches Öl mit 1,8-Cineol (20-40 %), außerdem (+)-alpha-Terpineolacetat, Limonen (2-14 %) und Sabinen (3-5 %).

Ausserdem enthält der Samen Fettes Öl mit Linolensäure, Ölsäure, Palmitinsäure.
Weitere Inhaltsstoffe sind: Kohlenhydrate (Stärke 20-40 %, Zucker 5 %), Protein (etwa. 10 %), Gummi, reichlich Mangan und Eisen.

Zur Wirkung und Anwendung von Kardamomsamen bzw. Kardamomöl

Das Kardamom als Gewürz verdauungsfördernd wirkt, liegt irgendwie auf der Hand. Die Wirkung genauer zu fassen ist aber nicht so einfach.

Kardamom soll die Gallensekretion steigern. Das wurde jedoch mit relativ hohen Dosen eines acetonischen Extraktes bei Ratten festgestellt. Ob sich dieses Ergebnis auf den Menschen übertragen lässt, ist damit nicht belegt.

Wikipedia schreibt:

„ Ihr ätherisches Öl wirkt fördernd auf die Speichel-, Magen- und Gallensaftsekretion. In der Regel werden alkoholische Auszüge verwendet, bisweilen mit Kümmel und Fenchel kombiniert und in Fertigpräparaten gegen Verdauungsbeschwerden, Blähungen und zur Anregung des Appetits eingesetzt.“

Allerdings widerspricht dem, dass bei In-vivo-Versuchen an Kaninchen sowohl ein Wasser- als auch ein Methanolextrakt der Kardamomsamen die Säure- und Pepsinsekretion des Magens vermindert hat.

In arabischen Ländern wird dem Kardamom eine Wirkung als Aphrodisiakum nachgesagt, ohne dass diesbezüglich etwas geklärt wäre.

Kardamom als Gewürz

„Kardamomsamen sind ein verbreitetes Gewürz in der asiatischen und arabischen Küche. Sie sind ein Hauptbestandteil indischer Masalas, des bekannten Chai-Tee und des ihnen nachempfundenen Currypulvers. Das berühmte ayurvedische Konfekt Laddu, welches aus Ghee-Butter hergestellt wird, enthält auch Kardamom. In der europäischen Küche findet das Gewürz hauptsächlich Verwendung in Weihnachtsgebäck wie Lebkuchen und Spekulatius, aber auch in Wurstwaren, Likören, Schokolade und als Bestandteil von Gewürzmischungen. In Schweden ist Kardamom außerdem ein typischer Bestandteil süßer Backwaren (z. B. Kanelbulle) und im Glühwein (Glögg). Bei der Zubereitung von arabischem Mokka wird dem Kaffeemehl häufig Kardamom zugegeben. Trotz desselben Namens wird der sogenannte schwarze Kardamom (Amomum subulatum) ausschließlich für pikante Gerichte verwendet.“

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch