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Warum Lavendelöl beruhigend wirkt

Lavendel wird seit Hunderten Jahren als Heilmittel gegen Einschlafstörungen und Unruhe verwendet. Mittlerweile wurden Wirkungen von Lavendelöl auch in medizinischen Studien bestätigt, das z.B. bei Angststörungen.

Doch wie die Wirkung von Lavendelöl zustande kommt, ist noch weitgehend unerforscht. Experimente an Mäusen zeigen nun überraschende Ähnlichkeiten zu Medikamenten auf.

Wissenschaftler um Hideki Kashiwadani von der Kagoshima Universität in Japan schreiben in einer Studie, dass Lavendel bzw. seine wirksamen Bestandteile vielleicht eine ungefährliche oder zumindest harmlosere Alternative zu angstlösenden Medikamenten werden könnten, zum Beispiel aus der Gruppe der Benzodiazepine, die zwar hochwirksam sind, jedoch auch sehr leicht abhängig machen. 

Ihre Wirksamkeit verdankt die Pflanze wahrscheinlich hauptsächlich dem ätherischen Lavendelöl mit seinem Hauptbestandteil Linalool. Wie genau diese Stoffe wirken bzw. an welche Rezeptoren sie andocken, ist gemäss den Studienautoren bis jetzt noch nicht untersucht worden.

Die Wirkstoffe könnten aus der Luft ins Blut gelangen und von dort ins Gehirn, wo sie dann an dieselben Rezeptoren binden wie Benzodiazepine. Die Mäuseversuche des Teams zeigten nun, dass wohl der Geruch von Linalool entscheidend ist. Der Dampf stimulierte in den Untersuchungen geruchssensible Nervenzellen in der Nase der Tiere und führte so zur Entspannung. Bei geruchsblinden Mäusen – denen die entsprechenden Nervenzellen fehlten – trat die Wirkung nämlich nicht ein.

Die Wirkstoffe könnten jedoch auch wirken, indem sie geschluckt oder injiziert werden, und danach der Geruch beim Ausatmen in die Nase steigt.

Wie der Wirkstoff am besten eingesetzt wird, muss noch untersucht werden, bevor er systematisch an Menschen getestet wird. Die Wissenschaftler sehen jedenfalls zahlreiche praktische Anwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel vor Narkosen, um den präoperativen Stress zu lindern. Die Inhalations-Variante wäre zudem praktisch für Menschen, die Schwierigkeiten beim Schlucken haben, beispielsweise Kinder und ältere Menschen.

Linalool aus Lavendelöl macht Mäuse mutiger

Was wurde genau untersucht?

Die Forscher der Kagoshima Universität untersuchten die Wirkung von Linalool, dem wahrscheinlichen Auslöser der beruhigenden Wirkung, in zwei verschiedenen Standard-Tests an Mäusen. Beim Hell-Dunkel-Box-Test ist ein Teil des Käfigs hell erleuchtet. Die nachtaktiven Tiere meiden die Helligkeit, sind jedoch gleichzeitig auch neugierig. Unter Anxiolytika (angstlösenden Medikamenten) überwinden sie ihre Lichtscheu und die Zeit, die sie dann im hellen Teil des Käfigs verbringen, ist ein Maß für den angstlösenden Effekts des jeweiligen Wirkstoffs.

Bevor die Mäuse getestet wurden, bedampften die Wissenschaftler sie eine halbe Stunde lang in einer Geruchskammer mit Linalool. Je mehr Linalool die Tiere geschnuppert hatten, umso größer war anschliessend ihre Bereitschaft, sich im Hellen zu bewegen. Ähnliche Wirkungen zeigten sich auch in dem anderen Standard-Test, dem Elevated-Plus-Maze-Test. Dabeiwird beobachtet, wie stark die Tiere ihre Höhenangst überwinden können. Auch in diesem Test wurden die Mäuse durch den Linalool-Duft mutiger.

In einem dritten Test zeigte sich, dass die Aromatherapie mit Linalool die Koordination und der Gleichgewichtssinn der Tiere nicht störte, ein Anzeichen dafür, dass die Behandlung möglicherweise keine sedierenden Nebenwirkungen hat – im Unterschied zu einer Behandlung mit Benzodiazepinen.

Ohne Geruchssinn geht mit Linalool nichts

Die entspannende Wirkung von Linalool konnte schon in zahlreichen Studien belegt werden, schreibt Co-Autor Hideki Kashiwadani von der Universität Kagoshima. In diesen Untersuchungen sei es aber in der Regel nicht um die Wirkorte von Linalool gegangen. Die japanischen Forscher konnten nun mit ihren Experimenten belegen, dass die Wirkung an den Geruchssinn gebunden ist. Bei Mäusen mit fehlendem Geruchssinn zeigte die Aromatherapie keinen Effekt.

Die Forscher kamen auch dem möglichen Wirkmechanismus auf die Spur. Die angstlösende Wirkung von Linalool konnte durch Gabe von Flumazenil aufgehoben werden. Der Benzodiazepin-Antagonist wird in der Anästhesie als Gegenmittel bei Überdosierungen oder zur schnellen Beendigung einer Narkose eingesetzt. Hieraus schlossen die Wissenschaftler, dass Linalool seine Wirkung über den gleichen GABA-ergen Rezeptor erzielt wie Diazepam und andere Benzodiazepine.

Bislang hätten viele angenommen, dass die Absorption von Linalool über die Atemwege ins Blut zu direkten Effekten an Hirnzell-Rezeptoren, wie dem GABA-A-Rezeptor führt, erläutert Kashiwadani und fährt fort: „Unsere Ergebnisse zeigen jedoch insgesamt, dass Linalool nicht direkt an den Rezeptoren angreift, sondern dass es diese über olfaktorische Neuronen in der Nase aktivieren muss, um die spannungslösende Wirkung zu erzielen.“

Für die japanischen Forscher ist diese Entdeckung ein Schlüsselschritt hin zur Erprobung der klinischen Anwendung am Menschen. Sie könnten sich vorstellen, dass verdampftes Linalool in einigen Einsatzgebieten eine sicherere Alternative zu anderen Anxiolytika sein könnte, beispielsweise in der Chirurgie zur Linderung von präoperativem Stress oder auch bei Patienten, die mit der oralen oder rektalen Anwendung von angstlösenden Mitteln Probleme hätten, wie etwa Kleinkinder oder verwirrte ältere Personen.

Quelle:

https://science.orf.at/stories/2943219/

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/11/01/entspannt-und-mutig-durch-lavendel

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnbeh.2018.00241/full

Die Studie

„Linalool odor-induced anxiolytic effectsin mice“, Frontiers in Behavioral Neuroscience (23.10.2018).

 

Kommentar & Ergänzung:

Natürlich ist bei Untersuchungen mit Tieren immer der Vorbehalt zu machen, dass die Ergebnisse nicht so ohne weiteres auf Menschen übertragen werden können.

Resultate aus klinischen Studien an Patienten sind daher abzuwarten, bis die Wirksamkeit bei Menschen beurteilt werden kann. Solche Studien werden aber wohl mit mindestens zwei Schwierigkeiten zu kämpfen haben:

  1. Da Linalool als Naturstoff nicht patentierbar ist, wird sich nicht so leicht eine Firma finden, die den hohen finanziellen Aufwand für klinische Forschung investiert. Und dass die Universität selber dafür die Mittel aufbringen kann, ist eher unwahrscheinlich.
  2. Bei klinischen Studien mit ätherischen Ölen ist es grundsätzlich schwierig, eine verblindete Placebo-Kontrollgruppe zu machen. Wie soll ein Placebo hergestellt werden, dass genauso riecht wie Linalool, aber kein Linalool ist? Bei irgendwelchen Tabletten ist es einfach, eine wirkstoffreie Kopie herzustellen. Bei einem ätherischen Öl ist es praktisch nicht möglich. Diese fehlende oder unvollständige Verblindung wird einer solchen Studie als Schwachpunkt ausgelegt werden.

 

Darum lohnt es sich  für Aromatherapie und Phytotherapie, gut über diese Ergebnisse aus Japan nachzudenken, obwohl es sich nur um Untersuchungen an Mäusen handelt.

Lavendelblüten und Lavendelöl wurden über lange Zeit vor allem als beruhigendes Mittel bei Schlafstörungen eingesetzt. Erst in den letzten paar Jahren wurde verstärkt zum Einsatzbereich als Anxiolytikum (angstlösendes Mittel) geforscht und entsprechende Präparate entwickelt (Lasea-Kapseln). Die dank Linalool-Duft mutiger werdenden Mäuse stützen nun diese Indikation. Interessant ist aber auch, dass die japanischen Forscher die Wirksamkeit ausdrücklich über die Inhalation vermittelt sehen, während Lasea als Kapsel eingenommen wird, und ebenfalls Wirksamkeit in Studien gezeigt hat.

Siehe dazu:

Broschüre zu Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Lavendelöl

 Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl / Lasea®-Kapseln bei Angststörungen

Lavendel bei Unruhe und Einschlafstörungen

Wer fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminarund der Phytotherapie-Ausbildung

Johannisblütenöl und Orangenblütentee als Abendritual

Im “Migros Magazin” (8. Oktober 2018) wird die Skirennfahrerin Michelle Gisin aus Engelberg (Obwalden) portraitiert. Dabei kommt die Athletin auch auf Naturheilmittel zu sprechen: “Habe ich Schmerzen, trage ich Quarkwickel auf.”

Sie erwähnt ausserdem das Johannisblütenöl:

“Damit reibe ich mich vor dem Schlafengehen von Kopf bis Fuss ein. Dann trinke ich einen Orangenblütentee und ab in die Federn.”

Interessantes Abendritual. Johannisöl aus den Johanniskrautblüten wird durch Auszug mittels (meisten) Olivenöl hergestellt. Von der ESCOP wird es empfohlen zur Behandlung leichter Haut­entzündungen (z. B. Sonnenbrand) oder zur Heilung kleiner Wunden. 

Eine direkte beruhigende Wirkung durch die Haut scheint mir sehr unwahrscheinlich, aber eine Einreibung am Abend ist eine schöne Idee.

Orangenblütentee hat sich als Abendtee in der Schweiz vor allem in Pflegeinstitutionen durchgesetzt. In Pflegeheimen und Kliniken wird Orangenblütentee gereicht als Einschlafhilfe. Interessanterweise ist diese Anwendung in Pflegeinstitutionen in Deutschland und Österreich viel weniger gebräuchlich.

 Die Wirksamkeit von Orangenblütentee als Einschlafhilfe wurde allerdings nie genauer untersucht und in der Phytotherapie-Fachliteratur taucht die Pflanze in der Regel gar nicht auf.

Orangenblüten enthalten aber zirka 0,2-0,5 % ätherisches Öl mit hauptsächlich Monoterpenen (Linalylacetat, alpha-Pinen, Limonen, Linalool, Nerol, Geraniol), ausserdem Anthranilsäuremethylester und Bitterstoffe.
Die Zusammensetzung des ätherischen Öles zeigt damit gewisse Ähnlichkeit mit dem Lavendelöl (Linalylacetat, Limonen, alpha-Pinen, Linalool, Geraniol). Da für Lavendelöl eine beruhigende Wirkung bei Unruhe und Einschlafstörungen gut belegt ist, kann eine solche Wirkung auch für den Orangenblütentee vermutet werden. Es würde sich dann beim Trinken von Orangenblütentee dann quasi um eine Aromatherapie via Duftebene handeln. Darum wäre wohl die Empfehlung sinnvoll, den Orangenblütentee langsam schluckweise zu trinken, damit das ätherische Öl gut auf die Geruchsrezeptoren einwirken kann.

In der Natur entfalten Orangenblüten einen betörenden Duft. Das habe ich bei Velotouren durch Orangenfelder in China selber eindrücklich erlebt. In Spanien wird die Costa del Azahar als Küste der Orangenblüten bezeichnet und verdankt diesen Namen den grossen Orangenhainen, die unweit von der Küste wachsen und mit dem Orangenblütenduft zum Teil die ganze Umgebung erfüllen.

Mehr zum Orangenblütentee gibts hier:

Orangenblütentee bei Einschlafstörungen

Wie weit bei Michelle Gisins Abendritual mit Johannisblütenöl und Orangenblütentee auch Wirkstoffe aus den Pflanzen zur Wirkung kommen, ist also weitgehend ungeklärt.

Einschlafrituale haben aber auch für sich einen Wert und sollten in dieser Hinsicht nicht unterschätzt werden.

 

 

 

Lavendelöl-Extrakt verursacht keine Entzugssymptome beim Absetzen

Der patentierte Lavendelöl-Extrakt Silexan® kommt als Wirkstoff im Präparat Lasea® zur Anwendung.

Im Gegensatz zu den meisten chemisch-synthetischen Anxiolytika (angstlösende Mittel) kann Lasea von einem Tag auf den anderen Tag abgesetzt werden, ohne dass Absetzphänomene auftreten. Zu diesem Schluss kommt die Auswertung der Nachbeobachtungsphase einer randomisierten Doppelblindstudie, in der Patienten mit Angststörung entweder Silexan, Paroxetin oder Placebo erhalten hatten.

An der zehnwöchigen Studie waren 539 Patienten mit Angststörungen beteiligt. Die Probanden bekamen entweder täglich 80 mg oder 160 mg Silexan, 20 mg Paroxetin oder Placebo. In der elften Woche wurde die Paroxetin-Dosis schrittweise gesenkt. Patienten der Silexan- und Placebo-Gruppe bekamen ab diesem Zeitpunkt alle Placebo-Kapseln.

Zur Erfassung möglicher Absetzphänomene kam die 20 Punkte enthaltende Physician Withdrawal Checklist (PWC-20) zur Anwendung. Die einfache Selbsteinschätzungsskala für Patienten fragt in 20 Items häufig beobachtete Entzugssymptome ab. Die mittlere PWC-20-Gesamtpunktzahl sank in der einwöchigen Absetzphase in allen Gruppen: Bei Placebo -0,19, bei Silexan 80 mg -0,23, bei Silexan 160 mg -0,65, bei Paroxetin -0,51.

Absetzphänomene wurden in keiner Gruppe beobachtet.

Die Autoren der Studie ziehen aus den Resultaten den Schluss, dass der Lavendelöl-Extrakt Silexan kein Abhängigkeitspotenzial besitzt und auch nach einer Langzeittherapie ohne Ausschleichen der Dosis abgesetzt werden kann.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=71404

DOI:10.1080/13651501.2017.1301488

Kommentar & Ergänzung:

Das Lavendelölpräparat Lasea® wird zur Linderung von leichten generalisierten Angststörungen eingesetzt. Die Kapseln werden eingenommen. Das ist ungewöhlich für Lavendelöl, das meistens inhalativ oder percutan, also über die Haut zur Anwendung kommt.

Lasea® enthält ein Lavendelöl, das für diese Indikation quasi optimiert wurde und hohe Gehalte an Linalylacetat und Linalool aufweist.

Dass sich beim Absetzen von Lasea® keine Entzugssymptome zeigen, ist nicht überraschend.

Zur Wirksamkeit siehe auch:

Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln Lasea bei Angststörungen

Lavendelöl-Kapseln gegen Angst und Depressionen

Lavendelöl-Präparat bei Angststörungen

Lavendelöl-Kapseln reduzieren Angst bei Depressionen (Fallstudie)

 

Studie: Lavendelöl lindert Angststörungen

Lavendelblüten und Lavendelöl als Sedativum

Lavendelöl reduziert Angst und bessert den Schlaf

 

Phytotherapie: Lavendelöl als Angstlöser

Phytotherapie: Lavendelöl gegen Unruhe

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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Lavendelöl-Präparat bei Angststörungen

An der Pharma World in Düsseldorf kommentierte Dr. Mario Wurglics von der Goethe-Universität Frankfurt Forschungsergebnisse zum Lavendelöl-Präparat Silexan.

Das Präparat aus Lavandula angustifolia sei ein rationales Phytopharmakon zur Therapie von Angststörungen bei Erwachsenen. Es habe eine belegte Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit, löse keine Sedierung aus und verbessere die Schlafqualität.

In der S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen werde Silexan bei den pflanzlichen Präparaten genannt. Es enthält ein spezielles Lavendelöl mit einem Gehalt an Linalool und Linalylacetat von etwa 80 Prozent. Das sei extrem hoch, sagt Wurglics.

In zwei Studien zeigte sich Silexan laut Wurglics dem Placebo deutlich überlegen und war vergleichbar wirksam zu Lorazepam. 2014 wurde eine dritte Studie veröffentlicht, bei der Silexan (80 oder 160 mg) sowohl dem Paroxetin als auch einem Placebo überlegen war.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=60027

Kommentar & Ergänzung:

Silexan ist ein „optimiertes“ Lavendelöl mit einem besonders hohen Gehalt an den wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffen Linalool und Linalylacetat. Die Kapseln sind in Deutschland unter dem Namen Lasea® im Handel. In der Schweiz können sie von Apotheken aus Deutschland besorgt werden.

Siehe auch:

Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln Lasea bei Angststörungen

Arznei-Telegramm kritisiert Lavendelöl-Präparat Lasea

Bfarm wehrt sich gegen Kritik an der Zulassung des Lavendelöl-Präparats Lasea

Lavendelöl-Kapseln reduzieren Angst bei Depressionen (Fallstudie)

Studie: Lavendelöl lindert Angststörungen

 

 

 

Lavendelöl reduziert Angst und bessert den Schlaf

Phytotherapie: Lavendelöl als Angstlöser

 

Phytotherapie: Lavendelöl gegen Unruhe

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen in den Wechseljahren

„Wechseljahre: Hormonersatz oder Heilpflanzen?“, so titelt der „Kurier“ und fährt fort: „Österreichische Apotheken setzen auf sanfte Hausmittel mit pflanzlichen Wirkstoffen“.

Im Artikel wird die Apothekerin Irina Schwabegger-Wager zitiert: “Etwa ein Drittel der rund eine Million Österreicherinnen in den Wechseljahren hat keine Probleme. Ein weiteres Drittel hat leichte Beschwerden, die oft mit pflanzlichen Wirkstoffen gut in den Griff zu bekommen sind. Johanniskraut-, Rotklee-, Salbei-, Traubensilberkerze-, Baldrian-, Mönchspfeffer-Präparate, Tees etc. stehen dabei zur Verfügung. Aber auch hier kommt es auf entsprechende Information und Vorsicht an.“

Quelle:

http://kurier.at/lebensart/gesundheit/wechseljahre-hormonersatz-oder-heilpflanzen/29.629.110

 

Kommentar & Ergänzung:

Johanniskraut-, Rotklee-, Salbei-, Traubensilberkerze-, Baldrian-, Mönchspfeffer-Präparate – das sind tatsächlich genau diejenigen Heilpflanzen, die zur Linderung von Wechseljahrbeschwerden am häufigsten eingesetzt werden. Und es stimmt natürlich auch, dass es hier auf entsprechende Information und Vorsicht ankommt.

Weil der Artikel im „Kurier“ für die Beratung in Apotheken Werbung macht, möchte ich dazu noch eine Ergänzung anfügen:

Ich würde mich, was „Information“ über Heilpflanzen-Präparate und andere Naturheilmittel anbelangt, nicht fraglos auf die Beratung von Apotheken oder Drogerien verlassen – und dies aus zwei Gründen:

1. Apotheken und Drogerien empfehlen oft nicht das, was am wirksamsten und qualitativ am besten ist, sondern das, was am besten ins Sortiment passt und Gewinn verspricht.

2. Die fachliche Qualität der Beratung in Apotheken und Drogerien zum Thema Naturheilmittel ist sehr unterschiedlich – und manchmal recht fragwürdig. Falsche Auskünfte sind häufig, werden von Kundinnen und Kunden aber in der Regel wegen fehlender Fachkenntnisse nicht bemerkt.

 

Anmerkung zu Punkt 1:

Schätzungsweise 90% der Naturheilmittel, Komplementärmedizin-Präparate und pflanzlichen Nahrungsergänzungsmittel, die in Apotheken und Drogerien verkauft und empfohlen werden, sind unnötig und haben über den Placebo-Effekt hinaus keine Wirkung (im Internethandel ist es aber noch schlimmer!)

Die meisten Mitarbeitenden in Apotheken und Drogerien stehen diesem Bereich ihres Sortimentes viel zu unkritisch gegenüber, weil sie schlicht ökonomisch davon leben und weil ein grosser Teil der Weiterbildung von den Herstellern der Präparate zur Verfügung gestellt wird, was kritischem In-Frage-stellen nicht förderlich ist.

Beispiel Rotklee gegen Hitzewallungen: Ob Rotklee-Präparate gegen Wallungen wirksam sind ist überhaupt nicht geklärt. Trotzdem werden sie oft in Apotheken und Drogerien so propagiert, als ob ihre Wirksamkeit fraglos vorhanden wäre.

Dazu im Pharmawiki:

„Die Rotklee-Phytoöstrogene haben oestrogene Eigenschaften. Sie binden hauptsächlich an den Oestrogen-Rezeptor ERβ, sind hingegen nur schwache Agonisten an ERα. Sie werden deshalb auch als natürliche SERMs bezeichnet. Zwar ist ihre Affinität zum Rezeptor geringer als diejenige von Estradiol, aber sie liegen in deutlich höheren Konzentrationen vor. Die klinische Wirksamkeit bei vasomotorischen Beschwerden wie Hitzewallungen oder anderen Beschwerden der Wechseljahre konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Positive Effekte, zum Beispiel auf den Herz-Kreislauf und den Knochenmetabolismus, sind nicht auszuschliessen. Insgesamt ist Rotklee wissenschaftlich nicht ausreichend untersucht und klare Belege für die beanspruchten Anwendungsgebiete fehlen. Die Mehrheit der unabhängigen Experten, welche die wissenschaftliche Datenlage beurteilt haben, lehnen eine Anwendung deshalb und aufgrund der unbekannten Risiken, ab.“

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Rotklee

Ich bin nicht dagegen, wenn Frauen Rotklee-Präparate gegen Hitzewallungen versuchen. Ich bin auch nicht grundsätzlich dagegen, wenn Apotheken und Drogerien Rotklee-Präparate verkaufen oder gar empfehlen. Ich finde nur, dass fachliche „Beratung“ – im Gegensatz zum reinen „Verkaufsgespräch“ – auch die Einschränkungen und offenen Fragen transparent auf den Tisch legen sollte. Nur so können sich Konsumentinnen und Konsumenten rundum informiert entscheiden. Wenn Ihnen also in einer Gesundheitszeitschrift, in einer Apotheke oder Drogerie Rotklee-Präparate als fraglos wirksame Therapie für Hitzewallungen empfohlen werden, dann ist die „Information“ einseitig und selektiv.

Eine seriöse Beratung müsste darauf hinweisen, dass für Rotklee bisher keine geklärten und belastbaren Hinweise auf eine Wirksamkeit vorliegen, allfällige Risiken bei Langzeiteinnahme nicht geklärt sind, bisher aber auch keine ernsthaften Zwischenfälle beobachtet wurden. Transparenz ist gefragt.

Allerdings – und das kompliziert die Situation – wollen viele Patientinnen das gar nicht hören. Sie erwarten einfach ein Mittel, das hilft. Punkt. Auf dieser Basis gibt es aber keine informierten Entscheidungen.

Ausserdem könnte eine Pro- und Kontra-Beratung den Placebo-Effekt reduzieren, der bei der Behandlung von Hitzewallungen immer eine wichtige Rolle spielt.

Allerdings: Ein Placebo wirkt auch dann, wenn der Patient oder die Patientin weiss, dass es ein Placebo ist.

Siehe:

Placebo wirkt, auch wenn man weiss, dass man ein Scheinmedikament nimmt

Placeboforschung: Tablettenschlucken bereits als Ritual wirksam bei Migräne 

Anmerkung zu Punkt 2:

Jüngstes Beispiel (von vielen): Eine Kollegin geht in die Apotheke und will Lavendelöl kaufen zur Behandlung von Fusspilz. Auskunft Apotheke: Lavendelöl wirkt nicht gegen Fusspilz, das tut nur Teebaumöl.

Die Auskunft ist falsch. Linalool als wichtiger Inhaltsstoff von Lavendelöl wirkt ziemlich gut antimykotisch (pilzhemmend).

Siehe:

Lavendelöl gegen Hautpilze

Fazit: Wer sich für Naturheilkunde interessiert tut gut daran, kritisch zu bleiben, sich selber schlau zu macht und nicht einfach blindlings Empfehlungen und Versprechungen zu folgen, selbst wenn diese von Fachleuten stammen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Lavendelöl gegen Hautpilze

Lavendelöl wird in Aromatherapie und Phytotherapie gern als Beruhigungsmittel eingesetzt und bewährt sich auch bei Schlafstörungen.

Lavendelöl wirkt aber auch gut gegen Hautpilze verschiedener Art, zum Beispiel gegen Fusspilz und Scheidenpilz.

Die antimykotische Wirkung von Lavendelöl ist auch in der Phytotherapie-Fachliteratur beschrieben.

Beispiele:

– Georg Schneider, Arzneidrogen, Spektrum Akademischer Verlag, 2004:

Die Autoren schreiben zur antimikrobiellen Aktivität von Lavendelöl gegen Bakterien und Pilze:

„Lavendelöl hemmt im Agardiffusionstest das Wachstum von Bacillus subtilis, Escherichia coli, Staphylococcus aureus und Candida albicans, jedoch nicht von Pseudomonas aeruginosa. Der Phenolkoeffizient von 1,6 weißt das Öl als mässig effektiv aus…..Auf die Dermatophythen Epidermophyton floccosum und Trichophyton rubrum wirkt Lavendelöl im Verdünnungstest hemmend (MHK-Werte unter 313 ppm). Die antimikrobielle Aktivität geht auf das Linalool zurück.“

(Seite 364)

 

– Matthias Augustin / Yvonne Hoch (Hrsg.): Phytotherapie bei Hauterkrankungen, Urban & Fischer Verlag 2004:

„Antifungale Wirkung

Eine antifungale Wirkung des ätherischen Öls konnte in mehreren In-vitro-Studien nachgewiesen werden. Lavendelöl hemmt das Wachstum und die Konidienkeimung von Penicillium digitatum. Bei Kontakt von Trichophyton mentagrophytes und Trichophyton rubrum mit Lavendeldampf in Konzentrationen von 40 – 160 µg/ml Luft kommt es zur Tötung der Konidien und zu einer Hemmung des Auskeimens und der Hyphenverlängerung. Lavendel zeigte in diesem Versuch trotz einer bescheidenen MID (minimale Hemmdosis) eine bessere Wirkung als Thymian, Zitronengras und andere ätherische Öle. Das ätherische Öl hemmt im Plattendiffusionstest und in der Brühverdünnungsmethode das Wachstum von Aspergillus niger und – etwas schwächer – von Aspergillus flavus…..Seine antimikrobielle Wirkung ist auf den Gehalt an Linalool zurückzuführen, das im Plattentest eine Hemmwirkung gegen eine Vielzahl von Mikroorganismen zeigt. Im Agardiffusionstest zeigt reines Öl Wirkung auf Escherichia coli, Candida albicans, Bacillus subtilis und Staphylococcus aureus, nicht jedoch auf Pseudomonas aeruginosa.“

(Seite 151/152, Literatur siehe dort)

 

„Neuere experimentelle und klinische Studien weisen auf gute antimykotische Eigenschaften von Koriander-, Thymian- und Lavendelöl hin. Diese gelten sowohl für Epidermophyten wie auch für Candida-Spezies.“

(Seite 296)

 

Die Angaben in den obigen Zitaten beziehen sich höchstwahrscheinlich auf Lavendelöl aus Lavandula angustifolia in Arzneibuchqualität, wie es in der Phytotherapie verwendet wird.

Eine Forschergruppe in Portugal untersuchte dagegen Lavendelöl aus Lavandula viridis (Grüner Lavendel). Siehe dazu:

Lavendelöl wirksam gegen Hautpilze

 

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Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln (Lasea®) bei Angststörungen

Die angstlösende Wirksamkeit der oral verabreichten Lavendelöl-Zubereitung Silexan (Lasea®) wurde bei Patienten mit generalisierter Angststörung (GAS) im Vergleich zu Placebo und dem Standardmedikament Paroxetin untersucht. In der randomisierten, doppelblinden Studie bekamen 539 Erwachsene mit GAS 160 oder 80 mg Silexan, oder 20 mg Paroxetin, oder Placebo einmal täglich für 10 Wochen.

Die Studie kam zum Ergebnis, dass das Lavendelöl-haltige Präparat bei Patienten mit generalisierter Angststörung ebenso gut abschnitt wie Paroxetin und besser war als Placebo.

Das Lavendelöl-Präparat linderte nicht nur Angst- und Unruhezustände bei den Patienten. Es wirkte auch antidepressiv bzw. gemütsaufhellend. Auch in der höheren Dosierung von 160 mg pro Tag war es gut verträglich. Zudem kann das Präparat nach der Behandlung auch bei der höheren therapeutischen Dosis sofort abgesetzt werden, ohne dass die Patienten mit Entzugserscheinungen rechnen müssen.

Die Studie deutet darauf hin, dass Lavendelölpräparate wie z.B. das hier vorgestellte (Lasea®) als eine gut verträgliche Therapieoption zur Behandlung generalisierter Angststörungen genutzt werden können.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/lavendel-ist-gut-fuer-die-psyche.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24456909

Kasper S, Gastpar M, Müller, WE, Volz HP, Möller HJ, Schläfke S, Dienel A. Lavender oil preparation Silexan is effective in generalized anxiety disorder – a randomized, double-blind comparison to placebo and paroxetine. Int J Neuropsychopharmacol 2014; 17(6): 859-869

 

Kommentar & Ergänzung:

Lavendelöl-Kapseln (und andere Phytopharmaka) eignen sich nur zur Behandlung von leichteren Angststörungen.

Dann sind sie aber durchaus eine sinnvolle Option, vor allem auch wenn man das äusserst geringe Nebenwirkungsrisiko mit Standardmedikamenten wie Paroxetin vergleicht.

Paroxetin kommt zur Anwendung bei Depressionen, Zwangsstörungen, Panikstörungen, sozialen Angststörungen, generalisierten Angststörungen, posttraumatischen Belastungsstörungen und Fibromyalgie. Der Arzneistoff gehört zur Gruppe der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer.

Als Nebenwirkungen können auftreten:

„Unter der Anwendung von Paroxetin können insbesondere folgende Nebenwirkungen beobachtet werden: Appetitstörungen, Störungen des Magen-Darm-Trakts, Schlafstörungen, Verwirrtheit, Halluzinationen, sexuelle Dysfunktion (Impotenz, Unfähigkeit zum Orgasmus, unbemerkter Samenerguss, siehe auch SSRI-bedingte sexuelle Dysfunktion), Schwitzen, Parästhesie (Kribbeln der Haut), Restless-Legs-Syndrom (krampfähnliche Empfindungen in den Beinen) und Gewichtszunahme.“

(Quelle: Wikipedia)

Vielen Patientinnen und Patienten mit generalisierten Angststörungen werden zudem fragwürdigerweise Benzodiazepine verschrieben. Dabei kommt es rasch zu Gewöhnungseffekten und kann sich schnell eine Abhängigkeit entwickeln, was das Absetzen der Präparate schwierig macht.

Lavendelöl-Kapseln dagegen zeigen weder die Nebenwirkungen von Paroxetin noch die Risiken von Gewöhnung und Abhängigkeit, wie sie die Benzodiazepine mit sich bringen.

Das spricht sehr dafür, die Option Lavendelöl bei generalisierten Angststörungen in Betracht zu ziehen.

Allerdings ist auch festzuhalten, dass bei leichteren Angststörungen generell nichtmedikamentöse Massnahmen im Vordergrund stehen sollten: Psychotherapie, Entspannungsmethoden, Bewegung.

Zu letzterem siehe:

Bewegung stärkt psychische Gesundheit

Zu Lavendelöl bei Angststörungen:

Phytotherapie: Lavendelöl als Angstlöser

Lavendelöl zur Behandlung von Angststörungen 

Lavendelöl-Bestandteil Linalool dämpft Stressreaktion 

Ausserdem:

Schlafmittel: Risiko Benzodiazepin-Abhängigkeit

 Passionsblume: Angstlinderung ohne Abhängigkeit und Entzugsprobleme

Passionsblume und Kava-Kava lindern Angstzustände

Phytotherapie: Kava-Extrakt hilft gegen Angststörungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Lavendelblüten und Lavendelöl als Sedativum

In der Zeitschrift „PHYTOTherapie (Nr. 4 / 2013) der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie geht Reinhard Länger auch die Wirkungen von Lavendel ein:

„Lavendelblüten und Lavendelöl gelten in der Phytotherapie als mildes Sedativum, auch die Anwendung zur Linderung der Symptome von Stress und mentaler Erschöpfung ist traditionell belegt. Neue klinische Studien zeigen nach oraler Anwendung von Lavendelöl Wirksamkeit bei bestimmten Angstformen. Äußerlich angewendet fördert Lavendelöl wie viele andere ätherische Öle lokal die Durchblutung, daher die Verwendung in diversen Salben zur Behandlung von Muskelverspannungen und rheumatischen Beschwerden. Spiköl wird bei Rhinosinusitis und Husten zur Schleimlösung eingesetzt.“

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0413.pdf

Kommentar und Ergänzung:

Lavendelblüten und Lavendelöl, die in der Phytotherapie eingesetzt werden, stammen üblicherweise von Lavandula angustifolium (Echter Lavendel).

Spiköl stammt dagegen von Lavandula latifolia (Grosser Speik, Narde, Breitblättriger Lavendel). Spiköl enthält eine relevante Menge an 1,8-Cineol und Kampfer. Diese Inhaltsstoffe dürften für die schleimlösende Wirkung bei Rhinusinusitis (Nebenhöhlenentzündung) und Husten verantwortlich sein. Spiköl wird auch für Einreibungen eingesetzt und ist in Rheumasalben enthalten.

Lavendelblüten und Lavendelöl aus Lavandula angustifolia sind dagegen charakterisiert durch die Hauptkomponenten Linalylacetat (30-50) und Linalool (20-50 %), die sedierend wirken.

Die orale Anwendung von Lavendelöl bei bestimmten Angstformen erfolgt in Kapselform (Lasea).

Siehe dazu:

Lavendelöl reduziert Angst und bessert Schlaf

Lavendel ist eine Gattung in der Pflanzenfamilie der Lamiaceen (Lippenblütler).

Siehe:

Phytotherapie: Von welcher Lavendelart stammen Lavendelöl und Lavendelblüten?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Aromatherapie / Phytotherapie: Spiköl – was ist das?

Spiköl wird gewonnen mittels Wasserdampfdestillation aus Lavandula latifolia.

Der Spiklavendel ist im Mittelmeergebiet heimisch und zählt zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).

Die Zusammensetzung des Spiköls unterscheidet sich deutlich vom Lavendelöl aus Lavandula angustifolia, obwohl auch Spiköl aus einer Lavendelart gewonnen wird.

Spiköl enthält als Hauptbestandteile Linalool (30 – 50 %), 1,8-Cineol (20 – 35%), Kampfer (1 – 20%).

Es wirkt nicht beruhigend, wie das Lavendelöl aus Lavandula angustifolia, sondern fördert den Auswurf von Schleim bei produktivem Husten.

Dafür dürfte wesentlich der Inhaltsstoff Cineol verantwortlich sein.

Zur Wirkung von Cineol siehe auch:

Wirkstoffkunde: Was ist Cineol / 1,8-Cineol?

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Lindenblüten aktivieren Immunsystem

Lindenblüten-Extrakt beschleunigt in Studien die Vermehrung von Lymphozyten.

Lindenblüten werden traditionell eingesetzt zur Behandlung von Erkrankungen der Atemwege. Eine bereits ältere Studie mit der Winter-Linde (Tilia cordata) zeigte eine verstärkte Vermehrung von Lymphozyten (1). Lymphozyten zählen zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und ihre Aufgabe im Immunsystems ist die Erkennung und Eliminierung von Fremdstoffen. Nun wurden mit einer weiteren Lindenart (Tilia x viridis) die Experimente zur Aktivierung der Lymphozyten wiederholt (2).

Dazu wurden zwei Extrakte aus den Lindenblüten gewonnen und an zwei Gruppen von Mäusen verabreicht. Eine dritte Gruppe bekam nur eine Kontrolllösung ohne Lindenblütenanteile. Zudem wurden isolierte Mäuse-Lymphozyten direkt mit den Lindenblüten-Extrakten (bzw. der Kontrolllösung) behandelt. Unter Einwirkung der Extrakte vermehrten sich die Lymphozyten rascher als in den Kontrollgruppen. Außerdem stieg die Überlebensfähigkeit der Lymphozyten aus den behandelten Mäusen. Die Lindenblüten-Extrakte wirkten dabei sowohl direkt aktivierend auf die Lymphozyten als auch indirekt über die Aktivierung von Makrophagen ( = Fresszellen des Immunsystems), welche dann wiederum die Lymphozyten aktivierten.

Aus den Extrakten konnte eine Substanz isoliert werden, die in der Lage war, eine ähnliche Stimulation des Immunsystems zu bewirken wie der Gesamtextrakt. Bei diesem Wirkstoff handelte es sich um Rutin aus der Gruppe der Flavonoide.

Ob weitere Inhaltsstoffe aus dem Gesamtextrakt ebenfalls immunstimulierend wirken oder ob es Synergismus-Effekte gibt, wurde nicht untersucht.

Die Carstens-Stiftung, die diese Lindenblüten-Untersuchung vorstellt, kommt zu folgender Einschätzung:

„Die Studie zeichnet mittels vielfältiger Methoden und gut überlegten Versuchen ein geschlossenes Bild, das als Erklärung für die günstigen Eigenschaften von Lindenblütenpräparaten bei Erkältungen und Entzündungen herangezogen werden kann.“

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/lindenblueten-staerken-das-immunsystem.html

Originalarbeiten:

1) Anesini C.; Werner S.; Borda E. Effect of Tilia cordata flower on lymphocyte proliferation: participation of peripheral type benzodiazepine binding sites. Fitoterapia, Volume 70, Number 4, 1 August 1999 , pp. 361-367(7)

Abstract:

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0367326X99000490

2) Davicino R, Zettler G, Brizi MR, Marrassini C, Ferraro G, Filip R, Anesini C. In Vivo Immunomodulatory Effect of Tilia x viridis Extracts on Normal Lymphocyte Proliferation: A Direct and an Indirect Action. Phytother Res. 2011, Vol. 25, pp. 1342 – 1347.

Abstract:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21328620

Kommentar & Ergänzung:

Lindenblütentee ist in der traditionellen Pflanzenheilkunde gegen Erkältungen mit Fieber ein etabliertes Mittel. Gemessen an dieser Bedeutung gibt es allerdings nur wenige Studien zur Wirksamkeit der Lindenblüten.

Daher ist dieser Bericht grundsätzlich schon einmal interessant.

Einschränkend muss man jedoch sagen, dass solche Untersuchungen an Mäusen und isolierten Lymphozyten noch nichts aussagen darüber, ob auch bei einem Menschen mit Erkältung eine nützliche Wirkung zu erwarten ist. Das könnten nur Patientenstudien zeigen.

Traditionell wird Lindenblütentee als schweisstreibendes Mittel zur Fiebersenkung empfohlen. Dass die beschriebenen Studien die traditionelle Anwendung stützen, ist allerdings fraglich. Wenn bei einer Erkältung Fieber da ist, dürfte das Immunsystem schon ziemlich aktiviert sein. Heilpflanzen zur Immunstimulation müssen daher im allerersten Frühstadium einer Infektion eingenommen werden, wenn sie wirksam sein sollen. Lindenblütentee müsste für eine Immunstimulation also früher angewendet werden, als dies traditionell meist der Fall ist (eine ähnliche Anwendung im Frühstadium wird bei Echinacea = Sonnenhut empfohlen).

Interessant ist der Hinweis auf den Inhaltsstoff Rutin, der ähnlich wie der Gesamtextrakt eine immunstimulierende Wirkung haben soll.

Das Flavonoid Rutin kommt in relevanten Mengen im Buchweizenkraut vor und wird dort zur Linderung von Venenbeschwerden (schwere Beine, venöse Ödeme) angewendet. Das muss kein Widerspruch sein, denn Naturstoffe können selbstverständlich unterschiedliche Wirkungen im Organismus auslösen.

Sollte Rutin an der postulierten immunstimulierenden Wirkung von Lindenblüten beteiligt sein, stellt sich allerdings die Frage, ob Buchweizenkraut nicht vorzuziehen wäre. Lindenblüten enthalten etwa 1 % Flavonoide, wovon eines davon Rutin ist. Buchweizenkraut enthält aber gemäss Europäischem Arzneibuch mindestens 4% Rutin!

Buchweizenkraut ist jedoch für den Bereich der Immunstimulation gänzlich unbekannt.

Bei den Lindenblüten ist im übrigen noch ihr hoher Schleimgehalt (etwa 10%), der nützlich sein könnte bei trockenem Reizhusten, sowie das Linalool, von dem eine leichte  Sedierung erwartet werden kann.

Siehe auch:

Lindenblütentee als Beruhigungsmittel

Wo kommt Rutin sonst noch vor im Pflanzenreich?

„Die Pflanzen mit dem höchsten Rutingehalt (in der Trockenmasse) sind:

Wildes Stiefmütterchen (Viola tricolor, 25 %, Blüte), Japanischer Schnurbaum (Styphnolobium japonicum, 15–20 % Blüte bzw. Blütenknospen, 4 % Blätter), Echter Buchweizen (Fagopyrum esculentum, 2–8 % Blätter, 4–12 % Blüte), Weiße Maulbeere (Morus alba, 6 %, Blätter), Kanadischer Holunder (Sambucus nigra subsp. canadensis, 3,5 %, Blätter), Petersilie (Petroselinum crispum, 3 % Blätter), Wasserpfeffer (Persicaria hydropiper, 3 % Blätter).

Selbst in Buchweizenmehl waren bei einer Analyse immerhin noch 0,27 Prozent Rutin enthalten.“

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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