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Warum Lavendelöl beruhigend wirkt

Lavendel wird seit Hunderten Jahren als Heilmittel gegen Einschlafstörungen und Unruhe verwendet. Mittlerweile wurden Wirkungen von Lavendelöl auch in medizinischen Studien bestätigt, das z.B. bei Angststörungen.

Doch wie die Wirkung von Lavendelöl zustande kommt, ist noch weitgehend unerforscht. Experimente an Mäusen zeigen nun überraschende Ähnlichkeiten zu Medikamenten auf.

Wissenschaftler um Hideki Kashiwadani von der Kagoshima Universität in Japan schreiben in einer Studie, dass Lavendel bzw. seine wirksamen Bestandteile vielleicht eine ungefährliche oder zumindest harmlosere Alternative zu angstlösenden Medikamenten werden könnten, zum Beispiel aus der Gruppe der Benzodiazepine, die zwar hochwirksam sind, jedoch auch sehr leicht abhängig machen. 

Ihre Wirksamkeit verdankt die Pflanze wahrscheinlich hauptsächlich dem ätherischen Lavendelöl mit seinem Hauptbestandteil Linalool. Wie genau diese Stoffe wirken bzw. an welche Rezeptoren sie andocken, ist gemäss den Studienautoren bis jetzt noch nicht untersucht worden.

Die Wirkstoffe könnten aus der Luft ins Blut gelangen und von dort ins Gehirn, wo sie dann an dieselben Rezeptoren binden wie Benzodiazepine. Die Mäuseversuche des Teams zeigten nun, dass wohl der Geruch von Linalool entscheidend ist. Der Dampf stimulierte in den Untersuchungen geruchssensible Nervenzellen in der Nase der Tiere und führte so zur Entspannung. Bei geruchsblinden Mäusen – denen die entsprechenden Nervenzellen fehlten – trat die Wirkung nämlich nicht ein.

Die Wirkstoffe könnten jedoch auch wirken, indem sie geschluckt oder injiziert werden, und danach der Geruch beim Ausatmen in die Nase steigt.

Wie der Wirkstoff am besten eingesetzt wird, muss noch untersucht werden, bevor er systematisch an Menschen getestet wird. Die Wissenschaftler sehen jedenfalls zahlreiche praktische Anwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel vor Narkosen, um den präoperativen Stress zu lindern. Die Inhalations-Variante wäre zudem praktisch für Menschen, die Schwierigkeiten beim Schlucken haben, beispielsweise Kinder und ältere Menschen.

Linalool aus Lavendelöl macht Mäuse mutiger

Was wurde genau untersucht?

Die Forscher der Kagoshima Universität untersuchten die Wirkung von Linalool, dem wahrscheinlichen Auslöser der beruhigenden Wirkung, in zwei verschiedenen Standard-Tests an Mäusen. Beim Hell-Dunkel-Box-Test ist ein Teil des Käfigs hell erleuchtet. Die nachtaktiven Tiere meiden die Helligkeit, sind jedoch gleichzeitig auch neugierig. Unter Anxiolytika (angstlösenden Medikamenten) überwinden sie ihre Lichtscheu und die Zeit, die sie dann im hellen Teil des Käfigs verbringen, ist ein Maß für den angstlösenden Effekts des jeweiligen Wirkstoffs.

Bevor die Mäuse getestet wurden, bedampften die Wissenschaftler sie eine halbe Stunde lang in einer Geruchskammer mit Linalool. Je mehr Linalool die Tiere geschnuppert hatten, umso größer war anschliessend ihre Bereitschaft, sich im Hellen zu bewegen. Ähnliche Wirkungen zeigten sich auch in dem anderen Standard-Test, dem Elevated-Plus-Maze-Test. Dabeiwird beobachtet, wie stark die Tiere ihre Höhenangst überwinden können. Auch in diesem Test wurden die Mäuse durch den Linalool-Duft mutiger.

In einem dritten Test zeigte sich, dass die Aromatherapie mit Linalool die Koordination und der Gleichgewichtssinn der Tiere nicht störte, ein Anzeichen dafür, dass die Behandlung möglicherweise keine sedierenden Nebenwirkungen hat – im Unterschied zu einer Behandlung mit Benzodiazepinen.

Ohne Geruchssinn geht mit Linalool nichts

Die entspannende Wirkung von Linalool konnte schon in zahlreichen Studien belegt werden, schreibt Co-Autor Hideki Kashiwadani von der Universität Kagoshima. In diesen Untersuchungen sei es aber in der Regel nicht um die Wirkorte von Linalool gegangen. Die japanischen Forscher konnten nun mit ihren Experimenten belegen, dass die Wirkung an den Geruchssinn gebunden ist. Bei Mäusen mit fehlendem Geruchssinn zeigte die Aromatherapie keinen Effekt.

Die Forscher kamen auch dem möglichen Wirkmechanismus auf die Spur. Die angstlösende Wirkung von Linalool konnte durch Gabe von Flumazenil aufgehoben werden. Der Benzodiazepin-Antagonist wird in der Anästhesie als Gegenmittel bei Überdosierungen oder zur schnellen Beendigung einer Narkose eingesetzt. Hieraus schlossen die Wissenschaftler, dass Linalool seine Wirkung über den gleichen GABA-ergen Rezeptor erzielt wie Diazepam und andere Benzodiazepine.

Bislang hätten viele angenommen, dass die Absorption von Linalool über die Atemwege ins Blut zu direkten Effekten an Hirnzell-Rezeptoren, wie dem GABA-A-Rezeptor führt, erläutert Kashiwadani und fährt fort: „Unsere Ergebnisse zeigen jedoch insgesamt, dass Linalool nicht direkt an den Rezeptoren angreift, sondern dass es diese über olfaktorische Neuronen in der Nase aktivieren muss, um die spannungslösende Wirkung zu erzielen.“

Für die japanischen Forscher ist diese Entdeckung ein Schlüsselschritt hin zur Erprobung der klinischen Anwendung am Menschen. Sie könnten sich vorstellen, dass verdampftes Linalool in einigen Einsatzgebieten eine sicherere Alternative zu anderen Anxiolytika sein könnte, beispielsweise in der Chirurgie zur Linderung von präoperativem Stress oder auch bei Patienten, die mit der oralen oder rektalen Anwendung von angstlösenden Mitteln Probleme hätten, wie etwa Kleinkinder oder verwirrte ältere Personen.

Quelle:

https://science.orf.at/stories/2943219/

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/11/01/entspannt-und-mutig-durch-lavendel

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnbeh.2018.00241/full

Die Studie

„Linalool odor-induced anxiolytic effectsin mice“, Frontiers in Behavioral Neuroscience (23.10.2018).

 

Kommentar & Ergänzung:

Natürlich ist bei Untersuchungen mit Tieren immer der Vorbehalt zu machen, dass die Ergebnisse nicht so ohne weiteres auf Menschen übertragen werden können.

Resultate aus klinischen Studien an Patienten sind daher abzuwarten, bis die Wirksamkeit bei Menschen beurteilt werden kann. Solche Studien werden aber wohl mit mindestens zwei Schwierigkeiten zu kämpfen haben:

  1. Da Linalool als Naturstoff nicht patentierbar ist, wird sich nicht so leicht eine Firma finden, die den hohen finanziellen Aufwand für klinische Forschung investiert. Und dass die Universität selber dafür die Mittel aufbringen kann, ist eher unwahrscheinlich.
  2. Bei klinischen Studien mit ätherischen Ölen ist es grundsätzlich schwierig, eine verblindete Placebo-Kontrollgruppe zu machen. Wie soll ein Placebo hergestellt werden, dass genauso riecht wie Linalool, aber kein Linalool ist? Bei irgendwelchen Tabletten ist es einfach, eine wirkstoffreie Kopie herzustellen. Bei einem ätherischen Öl ist es praktisch nicht möglich. Diese fehlende oder unvollständige Verblindung wird einer solchen Studie als Schwachpunkt ausgelegt werden.

 

Darum lohnt es sich  für Aromatherapie und Phytotherapie, gut über diese Ergebnisse aus Japan nachzudenken, obwohl es sich nur um Untersuchungen an Mäusen handelt.

Lavendelblüten und Lavendelöl wurden über lange Zeit vor allem als beruhigendes Mittel bei Schlafstörungen eingesetzt. Erst in den letzten paar Jahren wurde verstärkt zum Einsatzbereich als Anxiolytikum (angstlösendes Mittel) geforscht und entsprechende Präparate entwickelt (Lasea-Kapseln). Die dank Linalool-Duft mutiger werdenden Mäuse stützen nun diese Indikation. Interessant ist aber auch, dass die japanischen Forscher die Wirksamkeit ausdrücklich über die Inhalation vermittelt sehen, während Lasea als Kapsel eingenommen wird, und ebenfalls Wirksamkeit in Studien gezeigt hat.

Siehe dazu:

Broschüre zu Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Lavendelöl

 Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl / Lasea®-Kapseln bei Angststörungen

Lavendel bei Unruhe und Einschlafstörungen

Wer fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminarund der Phytotherapie-Ausbildung

Sind Cranberry-Produkte wirksam gegen Blasenentzündung?

Die Großfrüchtige Moosbeere (englisch Cranberry genannt) steht im Ruf, das Risiko von Harnwegsinfekten reduzieren zu können. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) überprüfte, ob Cranberry-Produkte ihr Geld wert sind.

Hauptsächlich Frauen erkranken zumindest einmal im Leben an einer Harnwegsinfektion, doch auch auch Kinder, ältere Menschen und Personen mit Blasenkatheter sind gefährdet. Auslöser der Harnwegsnfektion sind meistens Bakterien, die beispielsweise aus dem Darm in die Harnwege gelangen können. Charakteristische Symptome einer Harnwegsinfektion sind Brennen oder Schmerzen beim Harnlassen, Blut im Urin und das Gefühl, dauernd aufs WC zu müssen. Um die Erreger einer Harnwegsinfektion und damit die Beschwerden loszuwerden, werden häufig Antibiotika verschrieben. Doch diese Medikamente können manchmal Nebenwirkungen auslösen und zu Resistenzen führen.

Als Alternative insbesondere zur Vorbeugung von Blasenentzündung werden seit einiger Zeit Produkte mit Cranberry angeboten. Sie kommen in verschiedener Form in den Handel – als Cranberrysaft, als Instand-Granulat zum Auflösen, als Tabletten oder Kapseln.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Wien und seine Partner vom Portal medizin-transparent sind der Frage nachgegangen, ob Cranberry-Produkte halten, was sie versprechen.

Die Experten überprüften, ob es gute wissenschaftliche Studien gibt, die eine Wirksamkeit der Cranberry-Präparate belegen. Nach einer aufwendigen Literaturrecherche kommen sie zum Schluss, dass es zurzeit leider unklar ist, ob Cranberrys ein wirksames Mittel zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten sind.

Zwar deuten die meisten ausgewerteten Studien in diese Richtung deuten, doch könnte es sich dabei nach Ansicht der Experten auch um einen Zufallsbefund handeln. Problematisch fanden sie offensichtlich auch, dass die untersuchten Studien sich teilweise nicht miteinander vergleichen lassen, dass viele der Studien zu klein um Aussagekräftig zu sein und dass Teilnehmerinnen oft vorzeitig aus der Studie ausgestiegen sind.

Diese und noch weitere Faktoren könnten nach Ansicht der Konsumentenschützer zu einer Verzerrung der Resultate führen.

 

Nebenwirkungen durch Cranberry eher unwahrscheinlich

 

Bezüglich möglicher unerwünschter Wirkungen scheint von den Cranberry-Produkten allerdings keine Gefahr auszugehen, wobei das Auftreten von Nebenwirkungen in den vorliegenden Cranberry-Studien jedoch nicht sonderlich gut dokumentiert wurde.

 

Quelle:

https://www.kleinezeitung.at/lebensart/gesundheit/5529222/Nachgefragt_Helfen-CranberryProdukte-gegen-Blasenentzuendung

 

Kommentar & Ergänzung:

Cranberry soll die Anhaftung von Bakterien an der Schleimhaut hemmen und dadurch Blasenentzündungen vorbeugen. Die Studienlage ist genau so, wie VKI und medizin-transparent es darstellen: unklar.

Die Cranberry-Forschug steht vor mehreren Problemen. Die im Handel erhältlichen Cranberry-Produkte sind sehr unterschiedlich in ihrer Wirkstoffkonzentration. Diese Heterogenität macht es schwierig, die greifbaren Studien in einer Metaanalyse zusammenzufassen und daraus Schlüsse zu ziehen. Zudem sind Cranberry-Produkte oft  herb im Geschmack und die Einnahme über längere Zeit fällt deshalb vielen Studienteilnehmerinnen nicht leicht. Es kommt zu Studienabbrüchen, die sich auf die Qualität der Studien negativ auswirken.

Cranberry-Produkte sollten einen Mindestgehalt von 36 mg oligomere Procyanidine / Tag enthalten.

Wenn Sie Naturheilmittel präzis kennenlernen und fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchten, können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

 

 

 

Ab 2019: Iberogast und Sinupret auch in Drogerien erhältlich

In der Schweiz gibt es 2019 Änderungen in den Abgabebestimmungen von Arzneimitteln.

Hunderte bisher rezeptfreier, jedoch apothekenpflichtiger Medikamente werden auch in Drogerien erhältlich sein. Das betrifft auch eine ganze Reihe von Phytopharmaka.

Zugleich sollen Apotheken etwa 100 bisher freiverkäufliche Medikamente nur noch mit einer ärztlichen Verordnung oder nach Prüfung der Personalien abgeben dürfen.

Eine entsprechende Übersicht wurde nun von der Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic in Bern publiziert.

Mehr Heilmittel in die Drogerie

Um die Selbstmedikation zu vereinfachen, beschloss der Bundesrat die Neueinteilung die Arzneimittel in der Schweiz. Dazu soll die bisherige Abgabekategorie C (Verkauf nur in Apotheken, aber ohne Rezept) abgeschafft werden. Im Rahmen der Revision des Heilmittelgesetzes beurteilte Swissmedic unter Einbezug externer Fachleute total zirka 650 Arzneimittel, wovon 22 Tierarzneimittel. Dabei standen auch Aspekte des Medikamentenmissbrauchs sowie mögliche Interaktionen im Vordergrund.

Rund 85 Prozent und 550 Medikamente aus dieser Kategorie werden nun in die Kategorie D herabgestuft (Verkauf in Apotheken und Drogerien ohne Rezept). Darzu zählen etwa Iberogast, Sinupret, Buscopan, Talcid, Loperamid oder Voltaren Dolo forte und pflanzliche Arzneimittel mit Johanniskraut-Extrakt. Für diese Medikamente wird in Zukunft nur eine Fachberatung vorausgesetzt, egal ob durch Drogerie oder Apotheke. Die Patienten sollen zudem mit einem Warnhinweis auf der Verpackung für die nötige Fachberatung sensibilisiert werden.

Etwa 15 Prozent der überprüften Medikamente wurden dagegen heraufgestuft in die Kategorie B Verkauf in Apotheken mit Rezeptpflicht). Zwei Drittel der total etwa 100 Arzneimittel enthalten Opiatderivate als Wirkstoffe (Codein oder Dextromethorphan) und wurden von Swissmedic als Stoffe mit einem erheblichen Missbrauchspotential eingestuft. Codeinhaltige Arzneimittel dürfen zukünftig nur durch Personen mit einer Betäubungsmittelbewilligung abgegeben werden. Ergänzend zum Missbrauchspotential gebe es bei zahlreichen dieser Medikamente zusätzlich ein erhebliches Risiko von schwerwiegenden Wechselwirkungen, begründete Swissmedic diese Entscheidung. Bei den anderen für die Abgabekategorie B vorgesehenen Medikamente seien es vorwiegend schwerwiegende Interaktionen mit anderen verschreibungspflichtigen Arzneimitteln oder eine zwingend notwendige Dokumentation der Abgabe, welche eine Fachberatung durch Ärzte oder Apotheker erfordern.

Betroffen durch diese Neuerungen sind zum Beispiel Medikamente wie etwa Hustensirup mit dem Wirkstoff Codein. Der codeinhaltige Hustensaft Makatussin beispielsweise wird ab dem 1. Januar 2019 nur noch auf Rezept erhältlich sein. Wird das Arzneimittel nicht von einem Arzt verschrieben, muss der Apotheker ein Beratungsgespräch durchführen und die Abgabe entsprechend dokumentieren.

Der Berner Kantonsapotheker Samuel Steiner sagte dem Nachrichtenportal 20min.ch:„Wir gehen davon aus, dass mittlerweile 80 Prozent des Makatussin-Konsums missbräuchlich sind.“

Auf der Plattform Saferparty.ch, die unter anderem von der Stadt Zürich betrieben wird, ist zu lesen, dass ein Codein-Entzug bei längerer Einnahme genau so lang und schmerzhaft sein kann wie bei Heroin. Laut Fachleuten kann der Wirkstoff schnell zu einer Abhängigkeit führen, die Entzugserscheinungen wie Krämpfe und Übelkeit mit sich bringt. Diese sind zudem deutlich stärker als bei anderen Drogen. Deutschland hat Codein im Betäubungsmittelgesetz als verschreibungsfähiges Betäubungsmittel eingestuft, wobei niedrige Dosen beziehungsweise Mengen von betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften ausgenommen sind, solange sie nicht an Betäubungsmittel- oder alkoholabhängige Personen verschrieben werden. Anfang 2017 führte Frankreich bereits eine Rezeptpflicht für codeinhaltige Arzneimittel ein.

Mehr Heilmittel in Supermärkte wie Migros und COOP

Im Rahmen der Revision des Heilmittelgesetztes überprüft Swissmedic gegenwärtig auch 400 Medikamente der Kategorie D, die aktuell nur in Apotheken und Drogerien erhältlich sind. Welche dieser Arzneimittel in Zukunft auch im Supermarkt verkäuflich sein werden, will Swissmedic in den nächsten Wochen bekanntgeben.

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/internationales/ab-2019-iberogast-und-sinupret-in-drogerien-rezeptpflicht-fuer-codein-schweiz/

Kommentar & Ergänzung:

Diese Neuerungen werden den Arzneimittelmarkt in der Schweiz gehörig aufmischen, insbesondere den  Bereich der Selbstmedikation.

Die Drogerien werden davon profitieren, dass sie neu viele umsatzstarke Medikamente verkaufen dürfen, die bisher den Apotheken vorbehalten waren. Bei den pflanzlichen Arzneimitteln (Phytopharmaka) betrifft dies vor allem Sinupret, Iberogast und Johanniskrautextrakt-Präparate. Ich bin gespannt, ob auch Gelomyrtol / Gelodurat in die Drogerie wandert.

Drogerien und Apotheken werden aber beide möglicherweise starke Einbussen erleiden, wenn ab 2019 tatsächlich eine grössere Zahl von Arzneimitteln auch bei Migros und COOP im Regal stehen.

Dem stehe ich eher skeptisch gegenüber. Obwohl mich Drogerien und Apotheken bezüglich Beratung zu Phytopharmaka nur selten überzeugen, ist keine Beratung im Supermarkt noch schlechter.

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Wirkt Zink gegen Erkältungen? Das ist sehr fraglich!

Um die Frage, ob Zink gegen Erkältungen helfen kann, gibt es immer wieder Diskussionen.

Auf den ersten Blick scheint die Studienlage darauf hinzuweisen, dass Zink, wenn es in der Dosierung von 75 mg / Tag eingenommen wird, die Erkrankungsdauer verringern kann. Nachweisen lässt sich ein solcher Effekt allerdings nur, wenn die Einnahme innerhalb von 24 Stunden nach Beginn der ersten Symptome geschieht.

Der Effekt ist jedoch bescheiden. Wer Zink-Präparate einnimmt, dürfte seine Erkältung um durchschnittlich einen Tag abkürzen. Eine Erkältung dauert unbehandelt im Durchschnitt etwa eine Woche.

Zur Frage, ob die Erkältung infolge der Zinkeinnahme milder verläuft, fallen die Resultate widersprüchlich aus. Dass die Schwere der Erkältungssymptome durch Zinkeinnahme gemildert wird, lässt sich jedenfalls nicht belegen.

Der Nutzen einer langfristigen Einnahme zur Vorbeugung, das heißt mindestens 75 mg pro Tag über fünf Monate, lässt sich bislang ebenfalls nicht beurteilen. Es existieren dazu schlichtweg zu wenige Daten.

Diese Bewertungen basieren auf einer systematischen Übersichtsarbeit & Meta-Analyse der Cochrane Collaboration von Sinh (2013). Diese Arbeit wiederum basiert auf der Auswertung von insgesamt 18 randomisiert-kontrollierten Studien mit total 1781 Personen.

Aber jetzt kommt der Clou:

 

Diese entscheidende Metaanalyse zu Zink & Erkältungen wurde inzwischen wegen gravierender Mängel zurückgezogen.

Infos dazu hier:

https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD001364.pub5/full

Da frühere Studien keinen Nutzen zeigen konnten, fehlt im Moment eine wissenschafltiche Basis,  um Zinkpräpraten eine Wirksamkeit zuzuschreiben.

Dazu kommt noch:

Zink-Präparate schmecken nicht besonders gut und können manchmal Übelkeit hervorrufen.

Als Sirup oder Tabletten sollen sie gemäss den vorliegenden wissenschaftlichen Studien jedoch besser verträglich sein  als in Form von Lutschpastillen.

Zink soll in der Regel nüchtern eingenommen werden, also eine Stunde vor oder zwei Stunden nach einer Mahlzeit, weil gleichzeitig aufgenommene Nahrungsmittel, Genussmittel und Medikamente die Aufnahme in den Körper verringern können.  Das betrifft beispielsweise Kaffee, Schwarztee oder Getreideflocken.

Hohe Zink-Dosen sollen ohne Indikation nicht über längere Zeit eingenommen werden, weil daraus ein Kupfermangel entstehen kann.

Keinesfalls sollte Zink in den hohen Dosierungen, die gegen Erkältungen empfohlen werden (75mg/Tag), über längere Zeit eingenommen werden. Als Obergrenze für die tägliche Zink-Aufnahme nennt das  Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für Erwachsene 25 mg pro Tag – wobei Zink in Lebensmitteln mit einberechnet ist.

Den normalen Tagesbedarf an Zink kann man zudem gut mit der Ernährung decken.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Männer eine tägliche Zinkzufuhr von zehn Milligramm (mg), für Frauen von sieben mg.

Dieser Bedarf lässt sich beispielsweise über zwei Scheiben Vollkornbrot mit Käse und fünf Esslöffeln Haferflocken decken. Jürgen Thier-Kundke vom BfR.

 sagt: „Deutschland ist kein Zinkmangelgebiet. Ein sich ausgewogen ernährender Mensch braucht keine Nahrungsergänzungsmittel.“

 

Insgesamt lässt sich meines Erachtens der Schluss ziehen: Zinkpräparate sind sowohl hoch dosiet gegen Erkältungen als auch niedriger dosiert als Supplement in Nahrungsergänzungsmitteln von Spezielfällen abgesehen überflüssig. Nutzen daraus ziehen nur die Hersteller und Verkäufer der Präparate.

 

 

 

Quellen:

https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/947057/erkaeltungpraevention-gewappnet-husten-schnupfen-heiserkeit.html

https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Zink

https://www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/Zink-Gut-fuer-die-Gesundheit-aber-kein-Alleskoenner-id40521086.html

Ingwer-Wirkstoff und Zitronensäure steigern Immunabwehr im Speichel – wirksam gegen Erkältung?

Zitronensäure und der Scharfstoff 6-Gingerol aus dem Ingwer-Wurzelstock verleihen nicht nur Speisen und Getränken eine besondere Geschmacksnote. Beide Substanzen stimulieren auch die molekularen Abwehrkräfte im menschlichen Speichel. Dies ist das Resultat einer Studie von Wissenschaftlern der Technischen Universität München (TUM) und des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie.

 

Der menschliche Speichel ist eine komplexe, wässrige Mischung aus unterschiedlichsten Bestandteilen. Er enthält neben Schleimhaut- und Immunzellen grössere Zahl von Molekülen, die unterschiedlichste biologische Aufgaben erledigen. Speichel ist nämlich nicht nur wichtig für die Nahrungsaufnahme, sondern ist für die Gesunderhaltung der Zähne, des Zahnfleischs und der Mundschleimhaut.

Darüber hinaus stellt er die erste Barriere gegen von außen eindringende Krankheitserreger dar. Deshalb enthält der Speichel verschiedene, antimikrobiell wirkende Moleküle, zu denen auch das antibakteriell wirkende Lysozym zählt. Sie gehören zum angeborenen, molekularen Immunsystems des Menschen.

Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand, aber auch was jemand isst und trinkt, beeinflussen die Speichel-Zusammensetzung. Über den Einfluss einzelner Lebensmittelinhaltsstoffe ist jedoch noch wenig bekannt.

Um mehr über diesen Punkt zu erfahren, untersuchte die Forscher um Studienleiter Professor Thomas Hofmann, Leiter des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der TUM, den Einfluss unterschiedlicher Geschmacksstoffe auf die Speichelzusammensetzung des Menschen: Zitronensäure (sauer), der Süßstoff Aspartam (süß), Iso-alpha-Säuren (bitter), der Geschmacksverstärker Natriumglutamat (umami), Kochsalz (salzig), 6-Gingerol (scharf) sowie die im Szechuanpfeffer enthaltenen Stoffe Hydroxy-alpha-Sanshool (kribbelnd) und Hydroxy-beta-Sanshool (betäubend).

Durch die Kombination von Speichelflussmessungen, Proteomanalysen und bioinformatischen Auswertungen konnten die Forscherinnen und Forscher estmals nachweisen, dass alle untersuchten Substanzen die Proteinzusammensetzung des Speichels in mehr oder weniger großem Umfang verändern. 

Biologische Funktionsanalysen der von der Modulation betroffenen Speichelproteine ergaben zudem, dass die durch Zitronensäure und 6-Gingerol ausgelösten Veränderungen, das molekulare Abwehrsystem im Speichel aktivieren. 

6-Gingerol aus Ingwer erhöht Abwehrkraft im Speichel

6-Gingerol erhöhte die Aktivität eines Enzyms, welches das im Speichel gelöste Thiocyanat in Hypothiocyanat umwandelt, wodurch sich die Menge des antimikrobiell und fungizid wirkenden Hypothiocyanats im Speichel in etwa verdreifachte.

Durch Zitronensäure stiegen die Lysozym-Spiegel im Speichel um das bis zu Zehnfache an. 

Wie mittels Untersuchungen an Bakterienkulturen erstmals gezeigt werden konnte, reicht diese Erhöhung aus, um das Wachstum von Gram-positiven Bakterien beinahe vollständig zu stoppen. Lysozym ist gegen diese Art der Bakterien wirksam, indem es deren Zellwand zerstört.

Professor Hofmann vom Lehrstuhl für Lebensmittelchemie und molekularer Sensorik der TUM sagt zu diesen Forschungen:

„Unsere neuen Erkenntnisse zeigen, dass geschmacksgebende Stoffe bereits im Mundraum biologische Wirkungen besitzen, die weit über ihre bekannten sensorischen Eigenschaften hinausgehen.“

Diese geschmacksgebenden Stoffe mit neuesten Analysemethoden weiter zu erforschen, sei eins der Ziele, die sich die Lebensmittel-Systembiologie gesetzt habe, ergänzt der Lebensmittelchemiker. Nur so könnten auf lange Sicht neue Ansätze für die Produktion von Lebensmitteln gefunden werden, deren Inhaltsstoff- und Funktionsprofile an den gesundheitlichen und sensorischen Bedürfnissen der Verbraucherinnen und Verbraucher ausgerichtet seien. 

Quelle:

https://idw-online.de/de/news697688

Originalpublikation:
Matthias Bader, Andreas Dunkel, Mareike Wenning, Bernd Kohler, Guillaume Medard, Estela del Castillo, Amin Gholami, Bernhard Kuster, Siegfried Scherer and Thomas Hofmann: Dynamic Proteome Alteration and Functional Modulation of Human Saliva Induced by Dietary Chemosensory Stimuli, Journal of Agricultural and Food Chemistry 6/2018. DOI: 10.1021/acs.jafc.8b02092

https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acs.jafc.8b02092

Kommentar & Ergänzung:

Diese Forschungsergebnisse sind sehr interessant, auch für die Phytotherapie. Und es taucht sofort eine ganze Reihe von Anschlussfragen auf:

Der Scharfstoff 6-Gingerol aus Ingwer erhöht die antimikrobiellen und fungiziden Eigenschaften des Speichels. Gilt das auch für andere Scharfstoffe – oder nur für 6-Gingerol?

Zitronensäure erhöht die antibakteriellen Eigenschaften des Speichels. Gilt das auch für andere saure Nahrungsbestandteile?

Aus Sicht der Phytotherapie wäre zudem interessant, ob auch Bitterstoffe eine Veränderung im Speichel bewirken, die gesundheiltlich bedeutsam ist.

Interessant ist aber auch, die diese Forschungsergebnisse in der Boulevardpresse dagestellt werden. Während der Informationsdienst Wissenschaft (IDW) sie etwa so darstellt wie ich weiter oben, schreibt „Bild“:

„BEI ERKÄLTUNG

Darum sind Ingwer und Zitrone besser als Medikamente

Eine Tasse Ingwer-Tee hilft sehr wirksam gegen Erkältung. Das wurde jetzt wissenschaftlich bewiesen

Wer sich wirksam vor Erkältung und Grippe schützen will, muss nicht in die Apotheke gehen, sondern in den Supermarkt.

Denn Ingwer und Zitrone stärken die Abwehrkräfte besser als jedes Medikament. Was schon unsere Urgroßmütter wussten, wurde jetzt auch wissenschaftlich bewiesen: mit Spucke.“

Quelle:

https://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/gesundheit/bei-erkaeltung-ingwer-und-zitrone-sind-besser-als-medikamente-58345230.bild.html

Das ist vollkommen überzogen dargestellt. Es ist mitnichten wissenschaftlich bewiesen, dass „Eine Tasse Ingwer-Tee…sehr wirksam gegen Erkältung“ hilft. Diese Frage wurde gar nicht untersucht. Es wurde nur untersucht und gefunden, dass Zitronensäure und 6-Gingerol die Konzentration gewisser Stoffe mit antimikrobieller Wirkung im Speichel erhöht. Daraus lässt sich noch kein Schluss ziehen auf die  Wirksamkeit einer Tasse Ingwertee auf eine viral bedingte Erkältung. Es müsste noch gezeigt werden, dass das antimikrobiell wirksame Hypothiocyanat – das zentrale Stoffwechselprozesse bei Bakterien blockiert – auch gegen Erkältungsviren wirkt. Und es müsste gezeigt werden, dass dadurch weniger Erkältungen ausbrechen.

Vorsichtiger wird die Studie im Magazin „Focus“ bewertet:

Die Untersuchung legt also nahe, dass eine Kombination aus Zitronen und Ingwer den Speichel im Kampf gegen Bakterien optimal unterstützt. In diesem Sinne: Lassen Sie sich öfter mal ein Zitronen-Ingwer-Wasser schmecken! Das enthält ganz nebenbei auch viel gesundes Vitamin C.“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/stimuliert-das-immunsystem-zitronenwasser-mit-ingwer-was-das-getraenk-zur-geheimwaffe-macht_id_9207496.html

„Legt nahe“ (Focus) ist bezüglich Erkältungsprävention angemessener und zurückhaltender als die Aussage „wissenschaftlich bewiesen“ (Bild).

Das soll allerdings niemanden davon abhalten, Zitronen-Ingwer-Wasser oder Ingwertee zu trinken. Vielleicht hilfts ja, auch wenn wissenschaftlich gesehen zur Wirksamkeit noch viele Fragen offen sind.

 

Wenn Sie sich fundiertes Wissen über Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen erwerben möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

Knoblauch wirksam bei Kreislauferkrankungen

In einem früheren Beitrag (hier) habe ich über die Wirksamkeit von Knoblauch als Vorbeugungsmittel gegen Erkältungen geschrieben. Dabei erwähnte ich auch, dass es zu diesem Anwendungbereich nur eine einzige qualitativ ernstzunehmende Studie gibt.

Sehr viel ausgiebiger untersucht ist die Wirkung von Knoblauch auf Herz und Gefäße.

Dazu liegen Laborexperimenten, Tierversuchen, klinischen Studien und großangelegte epidemiologische Analysen vor. Die FAZ hat gerade einen grossen Text zu Knoblauch publiziert und findet, die Resultate all dieser Knoblauch-Forschung seien „vergleichsweise dürftig“.

Die FAZ zitiert dazu aber noch Professor Edzard Ernst. Der deutsche Mediziner und (laut FAZ) „bekennende Knoblauchfan“ übernahm 1993 an der Universität Exeter den weltweit ersten Lehrstuhl für Alternativmedizin, machte sich in der Szene aber wegen seiner kritischen Herangehensweise wenig Freunde.

Ernst äussert sich meines Erachtens sehr differenziert und genau zu Knoblauch:

„Ich denke, man kann schon sagen, dass der regelmäßige Verzehr von Knoblauch oder entsprechenden Präparaten mehrere potentiell positive Effekte hat, die sich günstig auf Blutdruck, Gerinnung oder die Neigung zu Arteriosklerose auswirken. Jeder einzelne Effekt ist eher klein und nicht vergleichbar mit dem spezieller Medikamente. Statine senken den Cholesterinspiegel zum Beispiel wesentlich stärker. Aber in der Summe könnten die Effekte des Knoblauch für die Gesundheit des kardiovaskulären Systems durchaus relevant sein.“

Quelle:

http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/warum-ein-leben-ohne-knoblauch-kaum-vorstellbar-ist-15860141.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

 

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Zitat erfasst den Charakter der Knoblauch-Wirkung gut. Es gibt in jedem einzelnen Bereich stärker wirkende Medikamente, also stärkere Blutdrucksenker, stärkere Cholesterinsenker und stärkere Mittel zur Verbesserung der Blutfliesseigenschaften.

Professor Ernst sagt aber zu Recht, dass mehrere kleine Effekte in der Summe durchaus relevant für die Gesundheit werden können. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Multi-Target-Therapie.  Der renommierte Arzneipflanzenforscher Professor Hildebert Wagner hat diesen Ansatz genauer beschrieben.

Siehe dazu hier:

Phytotherapie – auf die Mischung kommt es an

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Zuviele ungeeignete Medikamente bei Pflegeheimbewohnern

Senioren in Pflegeeinrichtungen bekommen oft für sie ungeeignete Arzneimittel oder Arzneimittel-Kombinationen. Das haben Rechtsmediziner entdeckt, die verstorbene Bewohner dieser Einrichtungen für eine Studie obduziert haben.

Betagte Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen leiden häufig gleich an mehreren Krankheiten und müssen darum verschiedene Arzneimittel einnehmen. Eine solche Medikation braucht aufmerksame Planung, denn es kann rasch zu Wechselwirkungen der verschiedenen Wirkstoffe kommen. Darüber hinaus sind einige Medikamente generell nicht für sehr alte Menschen geeignet: Sie stehen deshalb auf der sogenannten Priscus-Liste.

Nicht alle Pflegeinstitutionen prüfen aber die Medikation ihrer Bewohner sorgfältig genug. Das konnte eine Wissenschaftlergruppe am Institut für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München zeigen. Die Mediziner obduzierten 100 Bewohner von Altenheimen, die auch dort verstorben waren. Urin, Blut und Haare der Toten wurden in einem forensisch-toxikologischen Labor auf Medikamentenrückstände untersucht.

Sie wollten herausfinden, ob und wie oft die Verstorbenen für sie ungeeignete Medikamente eingenommen hatten, ob Medikamente überdosiert oder als freiheitsentziehende Maßnahme genutzt, also Patienten damit »ruhiggestellt« wurden.

Die Wissenschaftler untersuchten aber auch, ob die Gabe von Medikamenten gar für Todesfälle verantwortlich war.

Die Studie wird erst im Jahr 2019 abgeschlossen, doch die Forscher um Sabine Gleich haben nun schon erste Resultate publiziert. Demnach nahmen die untersuchten 100 Toten durchschnittlich 5 Medikamente ein. Der höchste Wert bei einem Bewohner waren 12 unterschiedliche Präparate.

Beinahe jeder zweite Bewohner (47 Prozent) nahm Antipsychotika, jeder dritte (30 Prozent) Antidepressiva.

Ein Viertel der verstorbenen Bewohnerinnen und Bewohner  (22 Prozent) hatte Hypnotika oder Sedativa eingenommen – eine Arzneimittelgruppe, die genäss Priscus-Liste für dieses Lebensalter kontraindiziert ist.

Die Studienautoren schreiben, dass die Medikamentenkombinationen in mehreren Fällen nicht den Leitlinien der Fachgesellschaften zu entsprechen scheinen. Sie fanden Hinweise auf eine gleichzeitige Verordnung mehrerer Opioidanalgetika sowie mehrerer oder langwirksamer Hypnotika. Auch hatten zahlreiche Bewohner verschiedene zentralnervös wirksame Substanzen eingenommen, was immer mit einem hohen Risiko für Nebenwirkungen und Interaktionen verbunden ist.

Bei den Antipsychotika waren die beiden am häufigsten gefundenen Substanzen Pipamperon und Risperidon, bei den Antidepressiva Mirtazapin und Citalopram, bei den Opioidanalgetika Tilidin und Fentanyl. Hatten die Verstorbenen Hypnotika eingenommen, dann besonders häufig Lorazepam oder Oxazepam. Bei den Antikonvulsiva lagen Pregabalin und Gabapentin an der Spitze.

Die Wissenschaftler werten zurzeit noch zusätzliche Details anhand von weiteren Blut- und Haarproben aus und analysieren die Medikationspläne der obduzierten Patienten. Für das kommende Jahr planen sie eine ausführliche Fachpublikation.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/zu-viele-ungeeignete-medikamente/

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Medikation bei älteren Menschen ist oft anspruchsvoll, insbesondere wenn mehrere Erkrankungen gleichzeitig vorliegen. Je höher dann die Zahl der verordneten Medikamente, desto schwieriger wird es, die potentiellen Wechselwirkungen zu überblicken.

Die Mitteilung der Forscher aus München bestätigt den Eindruck, dass hier nicht immer alles otimal läuft und oft zuviel verordnet wird. Wir können also gespannt sein auf den vollständigen Forschungsbericht.

Zur erwähnten Priscus-Liste:

Die im Herbst 2010 eingeführte Priscus-Liste kann Ärzten und Apothekern bei einer seniorengerechten Auswahl von Medikamenten helfen. Die Priscus-Liste umfasst 83 Wirkstoffe, die als potenziell ungeeignet für geriatrische Patienten gelten.

Alternativ verweist die Priscus-Liste auch auf Phytopahrmaka.

Bei Schlafstörungen schlägt sie alternativ hoch dosierte Baldrianpräparate oder nichtmedikamentöse Therapie (Schlafhygiene) vor.

Siehe dazu:

Schlafstörungen: Senioren profitieren von pflanzlichen Schlafhilfen

Baldrian als verträgliche Schlafhilfe für Senioren bestätigt

Eine Erläuterung zum Sinn und Zweck der Priscus-Liste finden sie hier:

Priscus Erläuterung

Zur Priscus-Liste direkt geht’s hier:

Priscus-Liste

P.S.:

Phytopharmaka bzw. Heilpflanzen-Anwendungen sind im Pflegeheim in gewissen Situationen eine prüfenswerte Option – für Pflegefachleute, aber auch für Personen aus Medizin und Naturheilkunde biete ich mit der Phytotherapie-Ausbildung einen fundierten Lehrgang an, um professionelles Wissen in diesem Bereich zu erwerben.

 

Cannabis-Therapie bei MS: Zusatznutzen für Sativex-Spray gegen Spastik bestätigt

In Deutschland hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) dem cannabinoidhaltigen Oromukosalspray Sativex® einen geringen Zusatznutzen für die mittelschwere bis schwere Multiple Sklerose (MS)-induzierte Spastik bestätigt.

Das teilte Sativex-Hersteller Almirall mit. Basis des Beschlusses sind zwei klinische Studien. 

Der Sativex-Spray wird in der Mundhöhle angewandt. Er enthält die zwei zurzeit wichtigsten Wirkstoffe aus Cannabis – Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) – die über die Schleimhäute resorbiert werden und Muskelverspannungen (Spastik) bei MS lindern. Wie alle THC-haltigen Arzneimittel unterliegt Sativex® den Vorschriften des Betäubungsmittelgesetzes. 

Positive Studien zu Sativex für MS-Patienten bei Spastik

Nun liegen zwei klinische Studien zur Wirksamkeit von Sativex vor: GWSP 0604 und SAVANT.

Auf der Grundlage von Auswertungen der klinischen Studien hat der G-BA dem Sativex® -Spray nun einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen bescheinigt.

Der Ausschuss sieht den Zusatznutzen bestätigt für erwachsene Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Spastik aufgrund von MS, die nicht angemessen auf eine andere anti-spastische Arzneimitteltherapie mit mindestens zwei verschiedenen oralen, optimiert eingesetzten Spasmolytika angesprochen haben – davon mindestens ein Arzneimittel mit Baclofen oder Tizanidin als Wirkstoff. 

Die zweite Voraussetzung für den Zusatznutzen ist laut G-BA eine klinisch erhebliche Verbesserung der Symptome während eines Anfangstherapieversuchs mit Sativex®. Als zweckmäßige Vergleichstherapie hatte der G-BA eine optimierte  Standardbehandlung mit Baclofen (oral), Tizanidin oder Dantrolen unter Berücksichtigung der zugelassenen Dosierungen festgelegt.  

 Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/11/02/nach-dreimaliger-fristverlaengerung-g-ba-bescheinigt-sativex-zusatznutzen

Kommentar & Ergänzung:

Es ist sehr zu begrüssen, wenn Cannabis-Präparate nach und nach zu normalen Bestandteilen des Medikamenten-Sortiments werden, denn sie haben in einigen Situationen deutliche Vorteile. Begleitend dazu braucht es aber weitere Forschung und Überwachung, damit die Wirksamkeit, die genauen Anwendungsbereiche und auch die Risiken besser verstanden werden.

Zum Sativex-Spray siehe auch:

Sativex-Spray mit Cannabisextrakt gegen Spastik bei Multipler Sklerose in der Schweiz zugelassen

 

Cannabis als Heilmittel: Zulassung für Sativex-Spray in Deutschland

Wenn Sie sich für Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Cannabis und anderen Heilpflanzen interessieren und dazu fundiertes Wissen erwerben möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Rosenwurz-Wirkstoff verbessert Gedächtnisleistung im Alter

Forscher haben einen potenziellen neuen Ansatz für die Behandlung von altersbedingtem Verlust der Merkfähigkeit entdeckt

In einer immer älter werdenden Gesellschaft nehmen Gedächtnisstörungen in der Bevölkerung zu. Bisher ist es nicht gelungen Medikamente zu entwickeln, die dem altersbedingten kognitiven Abbau vorbeugen oder dem dauerhaften Gedächtnisverlust wirksam entgegenzusteuern können. Eine von Forschern der Leibniz-Institute für Neurobiologie (LIN) und für Pflanzenbiochemie (IPB) geleitete Studie, die in der Fachzeitschrift Science Advances publiziert wurde, belegt nun erstmalig in Tierexperimenten eine Gedächtnis-fördernde Wirkung eines pflanzlichen Esters als aktiver Wirkstoff aus der Medizinalpflanze Rhodiola rosea (Rosenwurz).

Um altersbedingtem Gedächtnisverlust vorzubeugen gibt es bisher keine wirksamen Strategien – abgesehen von körperlicher Bewegung. In der traditionellen Naturheilkunde sind Pflanzenpräparate zur Förderung der Gedächtnisleistung zwar weit verbreitet. Wegen schwankender Wirkstoffkonzentrationen können diese jedoch inaktiv sein oder zu Fehldosierungen führen – und zwar vor allem dann, wenn der Wirkstoff unbekannt ist. Dadurch sind weder die Wirkungen noch die Nebenwirkungen für Patienten und Mediziner berechenbar.

So ist zwar auch die förderliche Wirkung von Rhodiola rosea, der Rosenwurzpflanze, für die geistige Leistungsfähigkeit des Menschen schon seit längerem bekannt. Doch die Erstautorin der Studie, Dr. Birgit Michels vom LIN, erklärt dazu „Um dieses Wissen für die Medizin nutzbar zu machen, wollten wir herausfinden, welche konkreten Wirkstoffe aus Rhodiola das Gedächtnis verbessern.“

Ohne identifizierten Wirkstoff ist nämlich keine gezielte Dosierung, keine Pflanzenzucht, keine Qualitätskontrolle und somit auch keine Medikamentenentwicklung möglich. 

Für die Studie wurden aufwändige Biotests am LIN in Magdeburg, zunächst an Fliegenlarven, kombiniert mit der phytochemischen Analyse durch Wissenschaftler am IPB in Halle. Dadurch gelang es schlussendlich, die Substanz Ferulasäure-Eicosyl-Ester (FAE-20) aus Rosenwurz zu isolieren und chemisch eindeutig zu bestimmen. Diese Substanz kann die Gedächtnisleistung fördern. Chemisch handelt es sich dabei um ein strukturell einfaches Molekül. Trotzdem war die Identifizierung von FAE-20 als wirksame Komponente im Pflanzenextrakt sehr langwierig. Es sei komplizierter, eine kognitive Leistung wie Lernfähigkeit mit den Hunderten von Naturstoffen aus der Pflanze in Beziehung zu setzen, als es zum Beispiel bei der Suche nach neuen Antibiotika der Fall ist, sagt Prof. Dr. Ludger Wessjohann vom IPB. Mit der reinen Substanz, die in seinem Labor gewonnen wurde, konnte der Effekt von FAE-20 dann jedoch eindeutig belegt werden.

Als Nächstes interessierte die Wissenschaftler, ob sich auch bei alternden Fliegen das Gedächtnis verbessern lässt. Das Team konnte zeigen, dass nach Zugabe von FAE-20 in das Fliegenfutter die Gedächtnisleistung von gealterten Fruchtfliegen um ein Drittel besser war als bei ihren nicht behandelten Artgenossen. Die durchgeführten Lernexperimente basieren auf der sogenannten klassischen Konditionierung. Das bedeutet, dass die Tiere lernen, einen Duft mit einer Belohnung zu verknüpfen – beispielsweise durch Zucker. In Tests kann man dann prüfen, ob sie sich diese Verknüpfung gemerkt haben und den Duft nun attraktiver finden als zuvor.

Grundlagenforschung mit Rosenwurz

Außerdem konnten die Forscher belegen, dass FAE-20 die altersbedingte übermäßige Ansammlung von Proteinen an den Verbindungen der Nervenzellen im Gehirn der Fliege verhindert. „Alt“ bedeutet bei Fliegen allerdings nur ungefähr 14 Tage. Deshalb war es für die Wissenschaftler besonders ermutigend, zusammen mit den Kollegen der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen die positiven Effekte auf die Gedächtnisleistungen auch bei über 2 Jahre alten Mäusen bestätigen zu können.

Ausgehend von der positiven Wirkung der Rhodiola-Pflanze beim Menschen konnten die Wissenschaftler mit FAE-20 also einen konkreten natürlichen Wirkstoff identifizieren, der die Gedächtnisleistung im Alter verbessert – zumindest im Tiermodell.

Sie hoffen nun, dass ihre Entdeckung für die medizinische Demenzforschung nutzbar gemacht werden kann. Sie halten es für wahrscheinlich, dass ihre Resultate mit FAE-20 bei Tieren auch auf Menschen übertragen werden können. Bereits liegt auch eine Patentanmeldung zur neu gefundenen Anwendung von FAE-20 vor.

Quelle:

Pressemitteilung Leibniz-Institut für Neurobiologie

https://idw-online.de/de/news704706

Originalpublikation:

DOI: 10.1126/sciadv.aat6994

Kommentar & Ergänzung:

Solche Grundlagenforschung ist wichtig für die Weiterentwicklung der Phytotherapie. Natürlich wird aber die Bedeutung einer Entdeckung in solchen Pressemitteilungen gerne ins günstigste Licht gestellt. Oft geht es dabei darum, Investoren für weitergehende Forschungen zu finden. Und wenn man eine möglich Beeinflussung von Demenz in den Raum stellt,  dann erweckt das selbstverständlich Hoffnung und Aufmerksamkeit.

Von solcher Laborforschung ist es aber noch ein sehr weiter Weg bis zur Entwicklung eines wirksamen Medikaments, und das Vorhaben kann an vielen Stellen noch scheitern.

Bisher wird Rosenwurz in der Phytotherapie als Adagtogen eingesetzt. Er soll en Organismus bei der Bewältigung belastender Einflüsse unterstützen (z. B. Stress, Lärm, Schichtarbeit,in der Rekonvaleszenz).

Siehe auch:

Burnout-Syndrom: Adaptogene wie Ginsengwurzel, Taigawurzel, Rosenwurz

Taigawurzel, Ginseng, Rosenwurz & Co. – Was sind Adaptogene?

Rosenwurz (Rhodiola rosea / Orpin rose) gegen Stress & Müdigkeit

 

Rosenwurz (Rhodiola rosea) gehört zur Pflanzenfamilie der Dickblattgewächse (Crassulaceae).

Die Sukkulente wächst in Felsspalten in Hochebenen und an Meeresklippen in Europa (bspw. in Schweden und Finnland), Sibirien, Nordamerika, Grossbritannien und im Himalaya.

Die im Handel erhältlichen Wurzeln des Rosenwurz stammen zum grössten Teil aus dem Altai-Hochgebirge.

Rosenwurz ist unter dem Präparatenamen Vitango als Arzneimittel zugelassen.

Eine Filmtablette Vitango® enthält 200 mg Trockenextrakt aus Rhodiola-rosea-Wurzel und Rhodiola-rosea-Wurzelstock [DEV 1,5–5:1, Auszugsmittel: Ethanol 60 %).

Wer sich fundiertes Wissen über Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen – dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

Sport gegen Depression

Dreimal pro Woche eine Dreiviertelstunde Sport hilft über die übliche Behandlung hinaus gegen eine Depression. Zu diesem Schluss kommt eine Metaanalyse der Universität Thessalien. Ist Sport tatsächlich ein natürliches Antidepressivum?

Bewegung gilt als natürlicher Stimmungsaufheller. Sie verbessert die Laune nicht nur bei passionierten Sportlerinnen und Sportlern, sondern auch bei Menschen mit Depressionen.

Allerdings fällt es Depressiven krankheitsbedingt speziell schwer, sich zu regelmäßigen sportlichen Aktivitäten zu motivieren. Wie häufig und wie lange sich die Betroffenen sportlich betätigen müssen, zeigt eine Metaanalyse, die in der  Fachzeitschrift »Depression and Anxiety« publiziert wurde: Bereits bei dreimal wöchentlich einer Dreiviertelstunde über eine Dauer von einem Monat soll ein deutlicher antidepressiver Effekt nachzuweisen sein.

Die Daten der Metaanalyse stammen aus randomisierten klinischen Kontrollstudien, bei denen erkrankte Versuchspersonen ambulant oder stationär mit Medikamenten und/oder Psychotherapie behandelt wurden und ein zufällig ausgewählter Teil sich darüber hinaus regelmäßig unter Aufsicht sportlich betätigte. Das zusätzliche Training reduzierte die depressiven Symptome bei den insgesamt 455 Patientinnen und Patienten zwischen 18 und 65 Jahren. Die Depressionswerte der Trainingsgruppe sanken beträchtlich stärker als die der Kontrollgruppe ohne Training.

Wie das Wissenschaftlerteam um den Sportpsychologen Yiannis Theodorakis von der Universität Thessalien weiter schreibt, wirkte das Training unabhängig von der Schwere der Depression und der Sportart.  Die Patientinnen und Patienten hatten allerdings in allen Studien an moderat anstrengenden körperlichen Aktivitäten wie Joggen oder Radfahren teilgenommen. Durchschnittlich hatten sie mehr als neun Wochen trainiert; doch bereits die vierwöchigen Programme erzielten einen starken Effekt.

Die antidepressive Wirkung von Sport ist allerdings nicht unumstritten.

Einerseits gibt es längst Hinweise darauf, wie der antidepressive Effekt zu Stande kommen könnte, zum Beispiel über die Regulation des neuronalen Wachstumsfaktors BDNF im Gehirn. Andererseits kamen Gesundheitsforscher der Universität Kopenhagen 2017 in einem Review im »British Medical Journal« zum Schluss, dass die antidepressive Wirkung von Sport hauptsächlich in methodisch schwächeren Studien oder infolge eines Publikationsbias nachgewiesen wurde. Demnach wären überwiegend gewünschte Resultate publiziert worden; der antidepressive Effekt würde infolgedessen überschätzt. Bereits 2013 hatten britische Psychiater in einem Review für das Netzwerk »Cochrane Collaboration«festgestellt, dass methodisch robuste klinische Studien nur einen kleinen antidepressiven Effekt belegen. Das griechische Wissenschaftlerteam schreibt dazu, dass die von ihnen verwendeten Daten keine Anzeichen für eine verzerrte Publikationspraxis zeigten.

Quelle:

https://www.spektrum.de/news/die-richtige-dosis-sport-gegen-depression/1603770

 

Kommentar & Ergänzung:

Bewegung ist eine der fünf Säulen der klassischen Naturheilkunde, wie sie von Sebastian Kneipp (1821 – 1897)  vertreten wurde. Die anderen vier Säulen sind Hydrotherapie, Ernährung, Heilpflanzen-Anwendungen und Lebensordnung.

Siehe auch:

Naturheilkunde – was ist das?

 

Die klassische Naturheilkunde aus dem 19. Jahrhundert lässt sich sehr gut mit neuen Erkenntnissen aktualisieren und ist dann medizinkompatibel.

Das kann gut am Beispiel der „Bewegung“ gezeigt werden. Immer mehr Forschungsarbeiten weisen auf die gesundheitliche Bedeutung von Bewegung und Sport hin.

 

Siehe dazu auch:

Sport hilft gegen Depressionen

Sport gegen Depression

Sport zeigt: Sport hilft gegen Depression

Sport gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren

Wandern reduziert Depressionen

Bewegung beugt Schlaganfällen vor

Bewegung bessert Schlafstörungen, aber nur längerfristig

Krampfadern – viel Bewegung und frühzeitig zum Arzt

Bewegung beugt Depressionen vor

Prämenstruelles Syndrom (PMS): Bewegung hilft – Heilpflanzen auch

Körperliche Bewegung beugt Dickdarmkrebs vor

Bewegung stärkt psychische Gesundheit

Ausdauersport ist gut fürs Gehirn

Aktiver Lebensstil reduziert Alzheimer-Risiko

Walking und Jogging helfen gegen Migräne

Zum Einsatz von Sport  gegen Depressionen weist der Artikel allerdings zu Recht darauf hin, dass es Depressiven krankheitsbedingt speziell schwer fällt, sich zu regelmäßigen sportlichen Aktivitäten zu motivieren. Es wird daher kaum möglich sein, mitten in einer Depression einfach „Sport“ zu verordnen. Idealerweise wird Bewegung allgemein ins Leben integriert und hat dann präventive Wirkungen auf verschiedenen Ebenen.