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Test: Bioresonanz bei Nahrungsmittelallergie – lauter Fehldiagnosen

Die Bioresonanztherapie wird angeboten zur Behandlung von Allergien, Migräne, Neurodermitis, Atemwegserkrankungen, Schlafstörungen, chronischen Schmerzen und weiteren Krankheiten. Die Methode wurde 1977 von dem deutschen Arzt und Scientologen Franz Morell und seinem Schwiegersohn, dem Ingenieur Erich Rasche als MORA-Therapie eingeführt. Die Bioresonanztherapie hat nichts zu tun mit Biofeedback.

Beim Bioresonanzverfahren sollen mittels Elektroden elektromagnetische Körperschwingungen gemessen und an das Bioresonanzgerät übertragen werden. Der Apparat vergleiche das Körpersignal mit einem festgelegten Sollwert und übermittle korrigierende Signale zurück an den Körper, so die Erklärung der Bioresonanz-Anwender. Das krankhafte Signal werde sozusagen im Gerät zu einer guten Schwingung umgepolt und über die zweite Elektrode zurück zum Patienten geleitet. So sollen nach der Bioresonanz-Lehre pathologische Schwingungen nach und nach aufgelöst und Krankheiten geheilt werden.

In der Alternativmedizin wird Bioresonanz häufig angewendet zur Diagnostik und Behandlung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten bzw. Nahrungsmittelallergien.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Österreich hat eine Testperson von sechs Bioresonanz-Anbietern im Raum Wien untersuchen lassen und kommt zum vernichtenden Resulat: Die Bioresonanztherapie ist teuer und liefert Fehldiagnosen.

Kein einziger Befund deckte sich mit der von einem Allergiezentrum durchgeführten Kontrolluntersuchung, in der unter anderem eine Fruchtzucker- und Milchzuckerunverträglichkeit diagnostiziert wurde. Zudem unterschieden sich die Befunde der Bioresonanzinstitute fundamental: Das Spektrum erstreckte sich von einer Unverträglichkeit gegen Erdnüsse und Walnüsse über Instantkaffee und Saccharin bis hin zu Milcheiweiß und Weizen.

In einem der getesteten Bioresonanz-Institute wurde der Testperson fälschlicherweise sogar eine zerebrale Durchblutungsstörung attestiert. Die Testperson leidet aber weder unter charakteristischen Symptomen wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen oder Kopfschmerzen, noch wurde diese Erkrankung jemals im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung diagnostiziert. Der VKI kritisiert auch die Ernährungsempfehlungen: Eine ausgewogene Ernährung wäre schier unmöglich, würde man sich an die gegebenen Empfehlungen halten.

Während sie sich in den Diagnosen unterscheiden, haben die getesteten Anbieter die hohen Kosten im Falle einer Therapie gemeinsam. Diese bewegen sich zwischen 50 und 120 Euro pro Sitzung, wobei teils bis zu zehn notwendige Behandlungen in Aussicht gestellt wurden. Bei Erstkonsultationen wurden zum Teil höhere Beträge (bis zu 168 Euro) verlangt. Hätte sich die VKI-Testperson auf eine Behandlung eingelassen, wären im extremsten Fall – inklusive der empfohlenen Nahrungsergänzungsmittel – bis zu 900 Euro fällig geworden.

Um Bioresonanz durchzuführen braucht es keine Ausbildung – es reicht, ein Gerät zur Verfügung zu haben.

Quelle:

http://derstandard.at/1363705912849/Bioresonanz-Heilen-mit-einem-Luegendetektor

http://derstandard.at/1363709129052/Bioresonanz-bei-Lebensmittelunvertraeglichkeit-unzuverlaessig-und-teuer

Kommentar & Ergänzung:

Am Ursprung des Bioresonanzverfahrens stehen mit (SS-Oberscharführer) Morell, Erich Rasche und Hans Brügemann Leute, die von den obskuren Vorstellungen des Scientology-Gurus  L. Ron Hubbard beeinflusst waren bzw. sind. Sie bestreiten aber eine Ähnlichkeit des Bioresonanzgeräts mit dem ähnlichen E-Meter, das von Scientology eingesetzt wird.

Die Erklärungen zur Wirkungsweise des Bioresonanzgerätes sind durchwegs schwammig und nebulös, und eine ganze Reihe von Überprüfungen ergab keinen Effekt des Verfahrens, der über einen Placeboeffekt hinausgeht.

Quellenangaben und weitere Informationen dazu auf Psiram.

Psychologisch gesehen ist es interessant, wie ein immer wieder mit negativem Ergebnis überprüftes Verfahren derart viele Anhänger gewinnen kann.

Überraschend ist das allerdings nicht. In der Medizingeschichte haben auch völlig absurde Verfahren begeisterte Anhänger gefunden, was sich in der Regel mit dem Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss erklären lässt, der zu eindrücklichen Fremd- und Selbsttäuschungen führt.

Siehe:

Komplementärmedizin – Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

Ein Beispiel aus der europäischen Vergangenheit sind die beliebten Schluckbildchen, ein Beispiel aus der Gegenwart die anhaltend grosse Nachfrage nach Nashornpulver gegen Potenzprobleme in China und Japan.

Siehe: Traditionelle Medizin gefährdet Nashörner

Bioresonanz ist eine technisierte Variante und passt damit gut in unsere Zeit.

Im Bereich der Allergiebehandlung ist es allerdings sehr problematisch,  dass dadurch Fehldiagnosen in derart grosser Zahl in die Welt gesetzt werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Zur Wirkung von Chinakraut / Wilfords Dreiflügelfrucht bei Rheumatoider Arthritis

Chinakraut (Tripterygium wilfordii) wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin zur Behandlung diverser Autoimmunerkrankungen eingesetzt.

Extrakte der Wurzeln, nicht der Frucht, zeigen entzündungshemmende und immunsuppressive Effekte.

In vitro – also im Reagenzglas – hemmen Extrakte der Pflanze die Freisetzung von TNFα, IL-2, und INFγ. Sie blockieren die Prostaglandin-Bildung durch Hemmung der COX-2.

Auch suppressive Wirkungen auf Adhäsionsmoleküle wie E-Selectin und Interzelluläres Adhäsions-Molekül (ICAM) wurden beschrieben. Weit mehr als 100 Inhaltsstoffe wurden bisher isoliert und zum Teil charakterisiert.

Für die in vitro belegten Glucocorticoid-ähnlichen Wirkungen werden hauptsächlich die Diterpenoide Triptolid und Tripdiolid sowie das sehr potente Chinontriterpen Celastrol verantwortlich gemacht.

In insgesamt sieben, teilweise auch Sulfasalazin-kontrollierten Studien mit bis zu 121 Patienten wurde über eine signifikante Verbesserung von Gelenkschwellungen, Schmerz, Morgensteifigkeit und Funktionseinschränkungen vor allem bei Rheumatoider Arthritis berichtet.

China-Kraut bzw. Wilfords Dreiflügelfrucht enthält mit Triptolid und Celastrol pharmakologisch hochwirksame Inhaltsstoffe. Es handelt sich um ein klinisch wirksames Antiphlogistikum (Entzündungshemmer) mit Glucocorticoid-ähnlicher immunsuppressiver Wirkung, das mit zahlreichen Zytokinen. China-Kraut weist allerdings ein relativ hohes Nebenwirkungspotential auf.

Relativ oft traten dabei jedenfalls Nebenwirkungen auf wie Durchfälle, Übelkeit, Dyspepsie und abdominale Schmerzen, Amenorrhoe, Osteoporose und Reizungen der Schleimhäute.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?type=0&id=40814

Kommentar & Ergänzung:

China-Kraut ist also ein Entzündungshemmer mit Glucocortikoid-ähnlicher Wirkung, hat aber auch ein hohes Risiko für Nebenwirkungen. So die Meldung.

Das mit dem Nebenwirkungsrisiko ist nicht überraschend. Schliesslich kann man davon ausgehen:

Keine Wirkung – keine unerwünschten Nebenwirkungen;

Milde Wirkung – geringes Risiko für ernste Nebenwirkungen;

Starke Wirkung – deutliches Risiko für ernsthafte Nebenwirkung.

Mag sein, dass es von dieser Regel auch Ausnahmen gibt, aber überwiegend dürfte sie zutreffen. Wenn eine Arznei eben beispielsweise ähnliche Effekte hat wie Kortison, muss auch potenziell mit unerwünschten Nebenwirkungen ähnlicher Art gerechnet werden.

Das Beispiel Chinakraut zeigt aber auch: Nicht alles, was eine Tradition von hunderten von Jahren beansprucht, ist sanft und harmlos. Es ist nämlich kaum anzunehmen, dass in der langen (und heterogenen) Tradition  in China systematisch nach Nebenwirkungen gesucht worden wäre. Systematische Pharmakovigilanz ist eine ziemlich neue Entwicklung.

Es gibt wertvolle Heilpflanzen im der chinesischen  Arzneikunde, aber auch viele unwirksame und risikobehaftete Kräuter. Und über den grössten Teil der chinesischen Heilkräuter fehlen ganz einfach gesicherte Erkenntnisse. Von tierischen Heilmitteln wie Nashorn-Horn, getrocknete Ameisen, Saiga-Antilopen-Horn oder Bärengalle einmal ganz abgesehen.

Siehe:

China: Widerstand gegen Entnahme von Bärengalle steigt

Saiga-Antilope durch TCM-Heilmittel bedroht

Traditionelle Medizin bedroht Nashörner

Tradition allein ist noch keine Bestätigung, weil Tradition sich sehr häufig auch irrt.

Siehe:

Komplementärmedizin – hat Tradition recht?

Es braucht sorgfältige Auseinandersetzung mit traditionellen Heilmethoden, damit sich klären lässt, welche Empfehlungen sinnvoll sind und welche nicht.

Und es ist oft sehr anspruchsvoll, Überlieferungen aus Kulturkreisen, die uns wie der chinesische sehr fremd sind, zu übersetzen und zu deuten. Wenn beispielsweise in dieser Meldung steht, dass Wilfords Dreiflügelfrucht in der Traditionellen Chinesischen Medizin gegen Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird, dann ist das zumindestens fragwürdig. Es spricht nämlich sehr viel dafür, dass die Traditionelle Chinesische Medizin das Konzept der Autoimmunkrankheiten, so wie es heute definiert ist, nicht gekannt hat. Wir unterstellen hier rasch Ähnlichkeiten, die nur in unserem Kopf existieren.

Die Phytotherapie nimmt auch traditionelle Heilpflanzen aus allen Weltgegenden auf, sofern die Wirksamkeit und Sicherheit ausreichend dokumentiert ist. Beispiele sind Ginkgo biloba (Asien), Teufelskralle (Afrika) oder Hamamelis (Nordamerika).

Bevor Chinakraut (möglicherweise) in die westliche Phytotherapie integriert werden kann, braucht es noch vertiefte Studien und viel Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Es braucht beispielsweise standardisierte Extrakte mit gleichbleibendem Wirkstoffgehalt und einen Prozess der Dosisfindung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ein schlechtes Jahr für Elefanten und Nashörner in Afrika – auch wegen traditioneller Medizin

2012 war ein schlechtes Jahr für Elefanten und Nashörner in Afrika,
schreibt die südafrikanische Zeitung “Business Day”. Sie beruft sich dabei auf Statistiken der Organisation Traffic, die den Handel mit Wildtieren untersucht. Traffic zufolge wurden in Südafrika in diesem Jahr so viele Nashörner erlegt wie noch nie – nämlich 633. In Kamerun und der Demokratischen Republik Kongo würden dagegen hauptsächlich Elefanten gewildert. Sowohl bei der illegalen Jagd von Elefanten als auch bei den Nashörnern geht es um die begehrten Hörner der Tiere. Nashorn-Hörner werden überwiegend nach China und Vietnam verkauft und dort zu traditioneller Medizin verarbeitet. Auch das Elfenbein der Elefanten geht hauptsächlich nach Asien.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=174583

Kommentar & Ergänzung:

Diese unsägliche Nashorn-Wilderei zur Herstellung von traditioneller chinesischer Medizin zeigt, dass Tradition nicht immer Recht hat.

Es gibt in weiten Teilen der Alternativmedizin eine Traditionsgläubigkeit, die allem, was an Heilmethoden traditionell daher kommt, fraglos höhere Weihen zuspricht.

Traditionelle Heilkunde ist aber nicht per se gut. Tradition hat sich auch hundert Mal geirrt.

Es braucht daher eine interessierte, kritische, fachkundige Auseinandersetzung mit „Traditioneller Medizin“, um zu klären, was wir von ihr lernen können.

Wer diesen Aufwand scheut, sollte meines Erachtens lieber die Finger lassen von „Traditionellen Heilmethoden“.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

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Phytopharmaka reduzieren bei akuter Sinusitis den Sekretstau

Im Phyto-Forum der Ärztezeitung wurde die Frage gestellt, welche Alternativen es gebe, wenn Patienten bei akuter Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung) die eigentlich unverzichtbaren Nasentropfen oder Nasensprays mit α-Sympathomimetika ablehnen.

Beantwortet hat die Frage Professor Jürgen Reichling.

Er hält den Einsatz von Phytopharmaka bei akuter Sinusitis für äußerst sinnvoll.

„Sie können entweder mit α-Sympathomimetika kombiniert oder aber auch als alleinige Therapieoption eingesetzt werden.“  Es komme dabei zum Abschwellen der Schleimhaut, zur Sekretolyse und Förderung der Sekretomotorik. Durch diese Maßnahmen werde ein Sekretstau verhindert.

Klinische Studien zum Einsatz von Phytopharmaka bei akuter Sinusitis liegen gemäss Reichling für die Fertigpräparate GeloMyrtol® (Myrtol = Gemisch eines ätherischen Öls), Soledum® (isoliertes 1,8-Cineol) und Sinupret® (Kombinationspräparat aus Extrakten von Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut) vor.

Bei chronischer Sinusitis sollten Phytopharmaka allerdings nur als Begleittherapie zur Anwendung kommen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/phytotherapie/article/814714/akute-sinusitis-phytopharmaka-verhindern-sekretstau.html?sh=14&h=-1654080400

Kommentar & Ergänzung:

Weitere Infos siehe:

Wirkstoffkunde: Was ist Cineol / 1,8-Cineol?

Myrtol / GeloMyrtol® bei Husten und Bronchitis

Phytopharmaka: Gelomyrtol / Gelodurant und Sibrovita – Unterschied?

Neu in der Schweiz: GeloMyrtol® gegen Bronchitis & Sinusitis

Soledum® ist in Deutschland im Handel, nicht aber in der Schweiz.

Sehr erfolgreich im Markt ist Sinupret®, obwohl die Kombination von Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut sehr ungewöhnlich und nicht so ohne weiteres nachzuvollziehen ist.

Enzianwurzel zum Beispiel wird wegen den Bitterstoffen bei Völlegefühl und Appetitlosigkeit eingesetzt. Die Belege für eine schleimlösende Wirkung sind ziemlich schwach.

Schlüsselblumenblüten sind wegen ihrem Gehalt an Saponinen in der Phytotherapie als schleimlösend anerkannt. In den Schlüsselblumenwurzeln wäre der Gehalt an Saponinen aber etwa viermal höher. Auch Holunderblüten wirken schleimlösend, doch würde ich dann eher Holunderblütentee empfehlen, weil so höchstwahrscheinlich eine wesentlich höhere Zufuhr an Inhaltsstoffen erreicht werden kann als mit den Sinupret-Dragées.

Auch bei Ampferkraut und Eisenkraut sind die Belege für einen Nutzen bei Sinusitis spärlich.

Prof. Reichling schreibt betreffend Sinupret von Extrakten aus Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut. Extrakte sind allerdings nur im Präparat “Sinupret extrakt” enthalten, das punkto Inhaltsstoffe daher etwa 4mal konzentrierter ist als die Sinupret forte Dragées, welche nur getrocknete Heilpflanzen enthalten. “Sinupret extrakt” ist in der Schweiz allerdings bisher nicht im Handel (in Deutschland jedoch schon).

Wikipedia fasst die Datenlage zur Wirksamkeit von Sinupret so zusammen:

„ Eine sekretolytische Wirkung wurde im klassischen Percy- und Boyd-Modell bestätigt. Positive Ergebnisse wurden aus verschiedenen Blindstudien gewonnen. Ein substanzspezifischer positiver Beitrag von Eisenkraut liegt für die Kombination der Pflanzenextrakte nicht vor. Der Arzneiverordnungs-Report kritisierte eine fehlende pharmakologische Zuordnung der fünf Wirkstoffe, die antiviral, antiinflammatorisch und sekretolytisch wirken sollen. Das Medikament habe 1997 die Nachzulassung erhalten, ohne dass die eingereichten Daten einer streng wissenschaftlichen Überprüfung standhalten konnten.

Das 2012 zugelassene Sinupret extract wurde in einer doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten klinischen Studie an 386 Patienten untersucht. Das Hauptzielkriterium (ein Symptomwert, der nasale Sekretion, retronasale Sekretion, Verstopfung der Nase, Kopfschmerz und Gesichtsdruck berücksichtigt) war nach Behandlung mit Verum siginifikant verbessert gegenüber der Behandlung mit Placebo.“

(Quelle: Wikipedia, Literaturangaben dort)

Ich nehme ein Präparat wie Sinupret durchaus ernst, doch bleiben eine ganze Reihe von Fragen zu diesem Phytopharmaka offen.

Markterfolg ist jedenfalls noch kein Beleg für Wirksamkeit. Markterfolge gibt es nämlich beispielsweise auch für Nashornpulver bei Potenzproblemen….

Siehe: Traditionelle Medizin gefährdet Nashörner

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Traditionelle Medizin gefährdet Nashörner

Zerriebenes Pulver aus Nashorn ist in Asien als Heilmittel gegen verschiedenste Krankheiten gefragt wie noch nie. Ob Fieber, Krebs, Impotenz oder anders – zahlreiche Einwohner asiatischer Länder vertrauen auf traditionelle Medizin und suchen Heiler auf, die Nashornpulver als Potenz- und Heilmittel anpreisen. Für den Handel mit Wild und Tierprodukten gebe es eine massive Nachfrage in China – und zunehmend in anderen Ländern, die reicher werden, sagt der Asiendirektor der Wildlife Conservation Society (WCS), Joe Walston. Alles, was teuer ist, ziehe die neue Mittelschicht an, erklärt auch William Schaedla von der Organisation Traffic, und erwähnt als Beispiel einen Mercedes-Benz, eine schicke Wohnung und eben auch ein exotisches, teures Medikament. Dabei existiert keine einzige Studie, die eine medizinische Wirkung von Nashornpulver belegen würde.

In Vietnam ist das Nashorn schon ausgerottet – hier wurde 2010 das letzte Tier getötet. Heute wird das Nashornpulver aus dem südlichen Afrika importiert. Wilderer schlachten die Nashörner dort gleich dutzendweise ab, um die grosse Nachfrage zu decken. Mit 220 toten Nashörnern bis Mitte Mai steht Südafrika in diesem Jahr an der Spitze einer traurigen Rekordliste.

Schaedla macht hauptsächlich die traditionellen Heiler für die problematische Entwicklung verantwortlich.

Sie würden die Not der Menschen durch falsche Versprechungen ausnutzen, stellt er fest. Beispielsweise in Vietnam: Bei dem katastrophalen Gesundheitssystem ist die Aussicht auf erfolgreiche Behandlung klein, daher klammern sich Kranke und ihre Familien an jeden Strohhalm. Wenn jemand sage ‘Rhino-Horn heilt Krebs’, wollten sie es unbedingt haben, stellt Scott Roberton fest, der für WCS in Hanoi arbeitet.

Die Tierschützer verlangen einen stärkeren Kampf gegen die Wilderer und härteres Durchgreifen gegen Schmuggler. Wild-Verbrechen seien aber nicht gerade sehr weit oben auf der Prioritätenliste der Regierungen, sagt Tierschutzaktivistin Onkuri Majumdar von der Organisation Freeland. Und ihr  WCS-Kollege erklärt, letztlich helfe nur Aufklärung und mehr Druck aus der eigenen Gesellschaft – zum Beispiel durch junge Menschen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=42045&Nachricht_Title=Nachrichten_Medizinischer+Aberglaube+bedroht+Nash%F6rner&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Traditionelle Heilmethoden werden im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin oft sehr unkritisch betrachtet. Was eine lange Tradition hat, gilt fraglos als gut, wahr, wirksam etc.

Der Einsatz von Nashornpulver mit seinen falschen Versprechungen und der damit drohenden Ausrottung der Nashörner ist ein Beispiel dafür, dass Tradition nicht immer Recht hat.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin – Hat Tradition Recht?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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