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Taigawurzel von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) positiv bewertet

Die EMA trägt in regelmässigen Abständen Informationen zu Arzneipflanzen zusammen und bewertet deren Einsatz in der Pharmazie. Diese Bewertungen sollen Apotheken, Ärzten und Verbrauchern klare Richtlinien geben, inwieweit der Einsatz aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist. Inzwischen liegt auch eine Beurteilung der Taigawuzel vor.

Die Taigawurzel (Eleutherococci radix von Eleutherococcus senticosus) wird aufgrund von Daten nach Markteintritt und Erfahrungen positiv bewertet. Den Gutachtern der EMA standen dafür klinische Studien zur Verfügung, in denen ein möglicher Effekt auf Müdigkeit und Schwächegefühl beobachtet worden war. Wirkliche Belege seien aus den mehr als 30 Studien jedoch nicht zu entnehmen, schreibt die EMA, weil die Studiendesigns nicht den höchsten wissenschaftlichen Kriterien entsprächen.

Die EMA kommt dennoch zu dem Resultat, dass die Effekte und die Sicherheit der Taigawurzel hinreichend belegt sind. Aufgrund der jahrelangen traditionellen Anwendung der Taigawurzel könne von einer ausreichenden Wirksamkeit und Sicherheit der Präparate ausgegangen werden.

In Deutschland sind Extrakte aus der Taigawurzel in Form von Lösungen oder Dragees seit rund 20 Jahren im Handel. Eingesetzt werden sollen Eleutherococcus-Präparate bei Personen über 12 Jahren zur unterstützenden Symptomlinderung bei Asthenie (Schwäche, Kraftlosigkeit). Die Tagesdosis liegt bei 2 bis 3 Gramm Taigawurzel. Die Anwendungdauer beträgt in der Regel bis zu drei Monaten.

Quelle:

https://m.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/arzneipflanzen-ema-empfiehlt-drei-phyto-klassiker-epilobium-eleutherococcus-centaurium/?forceMobile=1%3F&noMobile=1&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BcurrentPage%5D=2&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BitemsPerPage%5D=1&cHash=7114c4db7166baf0d965eea791dd4b48&tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Taigawurzel gehört zusammen mit Ginseng und Rosenwurz zu den sogenannten Adaptogenen. Das sind Arzneipflanzen, die zur besseren Bewältigung von Stresssituationen beitragen können.

Siehe:

Taigawurzel, Ginseng, Rosenwurz: Was sind Adaptogene?

Burnout-Syndrom: Adaptagene wie Ginsengwurzel, Taigawurzel und Rosenwurz

Phytotherapie: Was sind Adaptogene?

Die meisten Studien zur Wirksamkeit der Taigawurzel stammen aus den 1950er Jahren und wurden in der Sowjetunion durchgeführt. Es erstaunt daher nicht, dass sie neueren wissenschaftlichen Kriterien nicht genügen.

Hier wären neuere und bessere Studien nötig. Wenn nämlich die EMA nur aufgrund der jahrelangen traditionellen Anwendung der Taigawurzel die Wirksamkeit der Präparate bestätigt sieht, dann ist diese Schlussfolgerung nicht sehr fundiert. Zumal in diesem Zusammenhang schon von einer traditionellen Anwendung ausgegangen wird, wenn die Pflanze mehr als 30 Jahre im Handel ist. Auch langjährige Anwendung garantiert nicht Wirksamkeit. Das zeigt sich zum Beispiel beim traditionellen Einsatz von Nashorpulver als Potenzmittel in Asien.

Siehe auch:

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

Zur Taigawurzel gibt es eine ganze Reihe von Laborexperimenten und Untersuchungen an Tieren, aber wenige und widersprüchliche klinische Studien mit Patienten.

So wurde beispielsweise in einer randomisierten und kontrollierten Studie an 144 Patienten mit stressbezogenen Erschöpfungs- und Müdigkeitssymptomen bei Behandlung mit 120 mg Eleutherococcus-senticosus-Wurzelextrakt pro Tag in Ergänzung zu einem professionellen Stressmanagement-Training (SMT) kein zusätzlicher Nutzen gesehen (nach: Wichtl, Teedrogen und Phytopharmaka).

Trotzdem gibt es aber auch sehr klare Empfehlungen für die Taigawurzel in der ESCOP-Monografie:

„Nachlassende geistige und körperliche Leistungsfähigkeit wie Schwächegefühl, Erschöpfung, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, zur Rekonvaleszenz.”

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Zitat des Tages von Johann Wolfgang Goethe

„Ein Phänomen, Ein Versuch kann nichts beweisen, es ist das Glied einer grossen Kette, das erst im Zusammenhange gilt. Wer eine Perlenschnur verdecken und nur die schönste einzelne vorzeigen wollte, verlangend, wir sollten ihm glauben, die übrigen seien alle so: schwerlich würde sich jemand auf den Handel einlassen.“

(Goethe, Maximen und Reflexionen, Insel Taschenbuch 1976, S. 43, Abschnitt 156)

Kommentar & Ergänzung:

Goethe spricht hier eine sehr wichtige Erkenntnis an – auch für die Heilkunde.

Um die Wirksamkeit einer bestimmten Heilmethode oder eines Heilmittels zu demonstrieren, werden immer wieder Anekdoten erzählt, basierend auf einzelnen Erfahrungen.

Erfahrungen – auch viele Erfahrungen – können allerdings täuschen.

Millionen von Männern in Asien schwören aufgrund ihrer Erfahrungen auf Nashornpulver als Potenzmittel, obwohl Fingernägel aus der gleichen Substanz bestehen. Und in Europa schwörten vom 18. bis 20. Jahrhundert unzählige Menschen auf Schluckbildchen (siehe dazu Artikel auf Wikipedia) und waren – offenbar aufgrund ihrer Erfahrungen – von deren Wirksamkeit überzeugt.

Erfahrungen als solche sagen wenig aus, man muss sie interpretieren – und dieser Vorgang ist irrtumsanfällig. Darum ist es entscheidend, wie sorgfältig und fundiert man sich mit Erfahrungen auseinandersetzt.

Siehe dazu:

Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung

Pflanzenheilkunde: Erfahrung genügt nicht als Begründung

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Das Zitat von Goethe betrifft aber selbstverständlich genau so die Medizin wie die Bereiche Naturheilkunde und Komplementärmedizin. Zum Beispiel im Umgang mit Studien. Da wird gegenwärtig diskutiert über das sogenannte „Single-Study-Syndrom“.

Darunter versteht man zum einen das Phänomen, dass eine Studie, die konträr zu bisherigen Studien zeigen soll, dass es doch anders ist, in den Medien übertrieben gehypt wird, bevor die Bedeutung und der Wert dieser Studie überhaupt geklärt sind.

Zum anderen ist damit aber auch das Phänomen gemeint, dass über jede einzelne kleine Studie berichtet wird, als wäre sie wichtig oder gar entscheidend, obwohl sie nur ein Mosaiksteinchen in einem grossen Bild ist. Mehr zu dieser Diskussion steht bei Marcus Anhäuser auf sienceblogs.de.

In den Medien findet man immer wieder Formulierungen wie: „Eine neue Studie hat bewiesen, dass….“.

Solche Formulierungen mahnen eher zu Vorsicht. Eine einzelne Studie beweist oft noch wenig oder gar nichts. Man muss die Ergebnisse im Kontext von anderen Studien zum selben Thema interpretieren.

Rosinenpickerei ist in diesem Zusammenhang ein verbreitetes Phänomen – in der klassischen Pharmaindustrie, aber auch bei Präparaten aus Komplementärmedizin und Phytotherapie: Man pickt aus dem ganzen Kuchen der vorliegenden Studien genau diejenigen heraus, die ein positives Ergebnis zeigen – und „übersieht“ alle anderen diskret.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Frauenmantel im Heilpflanzenlexikon

Im Magazin „Focus“ online ist ein Heilpflanzenlexikon zu finden.

Über den Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) steht da folgendes:

„Die Pflanze enthält nur wenig Gerbstoffe, Bitterstoffe und ätherisches Öl. Der schulmedizinisch ausgerichteten Pflanzenheilkunde ist das zu wenig. Die traditionelle Kräutermedizin hat mit Frauenmantel aber gute Erfolge erzielt gegen Regelschmerzen, starke Menstruationsblutungen, Umstellungsprobleme in den Wechseljahren. Frauenmantel heilt Zahnfleisch- und Kehlkopfentzündungen.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/gesundleben/alternativmedizin/kraeuter/heilpflanzen-lexikon/alchemilla-vulgaris_aid_57879.html

Kommentar & Ergänzung:

Der Text, so kurz er auch ist, wirft viele Fragen auf:

Was heisst genau: „Der schulmedizinisch ausgerichteten Pflanzenheilkunde ist das zuwenig“?

„Schulmedizinisch“ wird hier offenbar zwecks Abgrenzung und mit eher negativer Konnotation verwendet. „Schulmedizin“ ist generell ein höchst fragwürdiger Begriff.

Siehe:

Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck

Wer oft von „Schulmedizin“ spricht, festigt und bewirtschaftet meines Erachtens ein fragwürdiges Lagerdenken.

Ist mit „schulmedizinisch ausgerichtet“ eher „wissenschaftlich ausgerichtet“ gemeint? Wenn ja, warum wird es nicht auch so – und damit neutraler – formuliert?

Und was bedeutet genau „Der schulmedizinisch ausgerichteten Pflanzenheilkunde ist das zuwenig“. Ich sehe nirgendwo in der wissenschaftlich ausgerichteten Pflanzenheilkunde (= Phytotherapie) eine solche Wertung („zu wenig“). Wissenschaft hat in diesem Sinne nicht zu werten.

Dieser Satz unterstellt eine Kritik der „schulmedizinisch ausgerichteten Pflanzenheilkunde“, die dem Frauenmantel quasi einen Mangel an Wirkstoffen vorwirft. Das ist Unsinn.

Für eine wissenschaftlich ausgerichtete Pflanzenheilkunde dürften Wirkstoffe eher sekundär sein. Entscheidend ist dagegen, ob glaubwürdige Hinweise auf eine Wirksamkeit bei einer konkreten Erkrankung vorhanden sind. Bei den gynäkologischen Anwendungsbereichen des Frauenmantels ist das eben nicht der Fall. Darum enthält sich die wissenschaftlich ausgerichtete Pflanzenheilkunde in diesem Bereich einer Aussage. Das ist ehrlicher und bescheidener, als irgendwelche Phantasien in die Pflanze hinein zu interpretieren.

Dann steht da noch:

„Die traditionelle Kräutermedizin hat mit Frauenmantel aber gute Erfolge erzielt gegen Regelschmerzen, starke Menstruationsblutungen, Umstellungsprobleme in den Wechseljahren.“

Der Verweis auf eine lange Tradition ist nicht viel Wert. Die Medizingeschichte ist voll von Beispielen, in denen sich die Tradition über Jahrhunderte hartnäckig geirrt hat.

Auch Nashornpulver gegen Potenzschwäche hat eine lange Tradition. Millionen von Männern in China und Japan zeigt ihre Erfahrung, dass dieses Mittel hilft.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

Naturheilkunde – Erfahrung genügt nicht als Begründung

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht?

Fragwürdig ist auch die Angabe, dass Frauenmantel gegen „Umstellungsprobleme in den Wechseljahren* hilft. „Umstellungsprobleme“ – das ist ein ausgesprochen vager Begriff, unter dem man alles und jedes verstehen kann. Das hat den Vorteil, dass man einfach immer in den Wechseljahren Frauenmanteltee trinken kann, egal welche Beschwerden vorliegen. Das vereinfacht die Sache ungemein. Es ist aber unwahrscheinlich, dass ein Mittel in jeder Phase der Wechseljahre und bei allen möglichen Beschwerden hilft.

Das heisst nun meines Erachtens nicht, dass Frau keinen Frauenmanteltee trinken soll.

Wer davon überzeugt ist, dass Frauenmantel ihr gut tut, kann ihn gern nutzen. Man sollte nur wissen, wo man mit einer Heilpflanze steht. Und Frauenmantel steht eher auf einem kulturhistorischen Boden und weniger auf einem pharmakologisch-physiologischen.

Nachvollziehbar ist im übrigen eine Wirkung der Gerbstoffe bei Zahnfleischentzündungen (Spülen, Gurgeln). Für diesen Anwendungsbereich gibt es aber viele gleichwertige oder gar wirksamere Heilpflanzen (Schwarztee, Tormentill, Salbei…).

Schon bei der Kehlkopfentzündung wäre ich wieder skeptischer. Kommt der Gerbstoff beim Gurgeln wirklich so tief runter oder bleibt er nicht eher im Rachenbereich?

Ich bin mir bewusst, dass man nur schon aus Zeitgründen nicht jeden Text so detailliert auseinander nehmen kann. Ich wollte nur zeigen, wie viele Fragen sich auftun, wenn man damit anfängt.

Und ich möchte anregen, mehr Fragen an solche Texte zu stellen.

Meiner Ansicht nach herrscht viel zu viel Fraglosigkeit in den Bereichen Naturheilkunde / Alternativmedizin / Komplementärmedizin.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Test: Bioresonanz bei Nahrungsmittelallergie – lauter Fehldiagnosen

Die Bioresonanztherapie wird angeboten zur Behandlung von Allergien, Migräne, Neurodermitis, Atemwegserkrankungen, Schlafstörungen, chronischen Schmerzen und weiteren Krankheiten. Die Methode wurde 1977 von dem deutschen Arzt und Scientologen Franz Morell und seinem Schwiegersohn, dem Ingenieur Erich Rasche als MORA-Therapie eingeführt. Die Bioresonanztherapie hat nichts zu tun mit Biofeedback.

Beim Bioresonanzverfahren sollen mittels Elektroden elektromagnetische Körperschwingungen gemessen und an das Bioresonanzgerät übertragen werden. Der Apparat vergleiche das Körpersignal mit einem festgelegten Sollwert und übermittle korrigierende Signale zurück an den Körper, so die Erklärung der Bioresonanz-Anwender. Das krankhafte Signal werde sozusagen im Gerät zu einer guten Schwingung umgepolt und über die zweite Elektrode zurück zum Patienten geleitet. So sollen nach der Bioresonanz-Lehre pathologische Schwingungen nach und nach aufgelöst und Krankheiten geheilt werden.

In der Alternativmedizin wird Bioresonanz häufig angewendet zur Diagnostik und Behandlung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten bzw. Nahrungsmittelallergien.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Österreich hat eine Testperson von sechs Bioresonanz-Anbietern im Raum Wien untersuchen lassen und kommt zum vernichtenden Resulat: Die Bioresonanztherapie ist teuer und liefert Fehldiagnosen.

Kein einziger Befund deckte sich mit der von einem Allergiezentrum durchgeführten Kontrolluntersuchung, in der unter anderem eine Fruchtzucker- und Milchzuckerunverträglichkeit diagnostiziert wurde. Zudem unterschieden sich die Befunde der Bioresonanzinstitute fundamental: Das Spektrum erstreckte sich von einer Unverträglichkeit gegen Erdnüsse und Walnüsse über Instantkaffee und Saccharin bis hin zu Milcheiweiß und Weizen.

In einem der getesteten Bioresonanz-Institute wurde der Testperson fälschlicherweise sogar eine zerebrale Durchblutungsstörung attestiert. Die Testperson leidet aber weder unter charakteristischen Symptomen wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen oder Kopfschmerzen, noch wurde diese Erkrankung jemals im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung diagnostiziert. Der VKI kritisiert auch die Ernährungsempfehlungen: Eine ausgewogene Ernährung wäre schier unmöglich, würde man sich an die gegebenen Empfehlungen halten.

Während sie sich in den Diagnosen unterscheiden, haben die getesteten Anbieter die hohen Kosten im Falle einer Therapie gemeinsam. Diese bewegen sich zwischen 50 und 120 Euro pro Sitzung, wobei teils bis zu zehn notwendige Behandlungen in Aussicht gestellt wurden. Bei Erstkonsultationen wurden zum Teil höhere Beträge (bis zu 168 Euro) verlangt. Hätte sich die VKI-Testperson auf eine Behandlung eingelassen, wären im extremsten Fall – inklusive der empfohlenen Nahrungsergänzungsmittel – bis zu 900 Euro fällig geworden.

Um Bioresonanz durchzuführen braucht es keine Ausbildung – es reicht, ein Gerät zur Verfügung zu haben.

Quelle:

http://derstandard.at/1363705912849/Bioresonanz-Heilen-mit-einem-Luegendetektor

http://derstandard.at/1363709129052/Bioresonanz-bei-Lebensmittelunvertraeglichkeit-unzuverlaessig-und-teuer

Kommentar & Ergänzung:

Am Ursprung des Bioresonanzverfahrens stehen mit (SS-Oberscharführer) Morell, Erich Rasche und Hans Brügemann Leute, die von den obskuren Vorstellungen des Scientology-Gurus  L. Ron Hubbard beeinflusst waren bzw. sind. Sie bestreiten aber eine Ähnlichkeit des Bioresonanzgeräts mit dem ähnlichen E-Meter, das von Scientology eingesetzt wird.

Die Erklärungen zur Wirkungsweise des Bioresonanzgerätes sind durchwegs schwammig und nebulös, und eine ganze Reihe von Überprüfungen ergab keinen Effekt des Verfahrens, der über einen Placeboeffekt hinausgeht.

Quellenangaben und weitere Informationen dazu auf Psiram.

Psychologisch gesehen ist es interessant, wie ein immer wieder mit negativem Ergebnis überprüftes Verfahren derart viele Anhänger gewinnen kann.

Überraschend ist das allerdings nicht. In der Medizingeschichte haben auch völlig absurde Verfahren begeisterte Anhänger gefunden, was sich in der Regel mit dem Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss erklären lässt, der zu eindrücklichen Fremd- und Selbsttäuschungen führt.

Siehe:

Komplementärmedizin – Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

Ein Beispiel aus der europäischen Vergangenheit sind die beliebten Schluckbildchen, ein Beispiel aus der Gegenwart die anhaltend grosse Nachfrage nach Nashornpulver gegen Potenzprobleme in China und Japan.

Siehe: Traditionelle Medizin gefährdet Nashörner

Bioresonanz ist eine technisierte Variante und passt damit gut in unsere Zeit.

Im Bereich der Allergiebehandlung ist es allerdings sehr problematisch,  dass dadurch Fehldiagnosen in derart grosser Zahl in die Welt gesetzt werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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“Mehr Sex durch Müsli? Sexcereal soll Lust steigern”

So titelt die Fachzeitschrift „Bild“ gerade.

Verwiesen wird dabei auf den kanadische Unternehmer Peter Ehrlich. Der propagiert seine Sexcereals, Müsli-Mischungen für Männer und Frauen, deren Inhaltsstoffe den Hormon-Haushalt positiv beeinflussen und so das Liebesleben anheizen sollen.

Eine Mischung aus Sesam, Weizenkeimen, Goji-Beeren, Blütenstaub und Kürbiskernen soll die Testosteron-Produktion bei Männern ankurbeln, das Müsli für Frauen soll mithilfe von Salbei-Samen, Ingwer, Leinsamen und Mandeln die Hormon-Balance unterstützen.

Der Hersteller Peter Ehrlich zeigt sich von der stimulierenden Wirkung überzeugt und verweist auf Rückmeldungen seiner Kunden. Das ist allerdings ein ausgesprochen schwaches Argument. Positive Rückmeldungen von Kunden – das zeigt die Medizingeschichte und die aktuelle Therapielandschaft – gibt es auch für die absurdesten Heilmittel und Behandlungsmethoden. Millionen von Männern in Japan und China schwören auf Nashornpulver zur Potenzsteigerung. In Europa hatten auch Schluckbildchen einst eine begeisterte Anhängerschaft und gegenwärtig sind gerade mal wieder viele Konsumentinnen von Schüssler Salzen beeindruckt – die letzte grosse Schüssler-Welle fand im “Dritten Reich” statt.

Positive Rückmeldungen – das gibt es also praktisch immer. Weil Beschwerden auch von selber wieder bessern und weil das Ritual an sich eine Wirkung hat.

Siehe auch:

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht?

Glücklicherweise ist unser Hormonhaushalt in der Regel stabil genug, damit er nicht schon durch ein Müsli aus dem Gleichgewicht gekippt werden kann.

„Bild“ zitiert dazu noch einen Ernährungswissenschaftler mit der Aussage, dass unser Sexualleben nicht durch Inhaltsstoffe in Lebensmitteln beeinflusst werden kann.

Quelle:

http://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/ernaehrung/sex-muesli-lust-steigern-hormone-beeinflussen-29651976.bild.html

Der Wunsch nach solchen Effekten scheint aber ziemlich gross zu sein, so dass Argumente hier wenig Wirkung zeigen.

Über einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Sexualität wird allerdings wohl schon seit Urzeiten nachgedacht.

Ziemlich skurril erscheinen aus heutiger Sicht dazu zum Beispiel die Bemühungen von Sylvester Graham (1794–1851)   und John Harvey Kellogg (1852-1943).

Sylvester Graham war ein presbyterianischer Prediger, der sich vor allem Gedanken über die Verbindung von Sexualtrieb und Nahrungsaufnahme machte. Als strammer Puritaner war Graham überzeugt, dass Fleischgenuss die Fleischeslust anrege und speziell die “gefährliche Praktik” der Masturbation fördere, die, wie er nie vergaß zu unterstellen, angeblich zu Blindheit führe. Allgemein sah Graham im Vegetarismus ein wirksames Rezept gegen sexuelles Verlangen – und damit der seiner Meinung nach wahren Ursache der meisten Krankheiten.

Das von ihm entwickelte Grahambrot empfahl Sylvester Graham im Sinne eines „Masturbationshemmers“.

Ähnlich John Harvey Kellogg: Der Vegetarier und Siebenter-Tag-Adventist und glaubte ebenfalls fest daran, dass nur eine strenge Diät den selbstzerstörerischen Sexualtrieb seiner Landsleute zu bremsen vermöge. Seine Kellogs-Flocken sollten dazu einen Beitrag leisten.

Quelle:

http://derstandard.at/1577837050383/160-Jahre-Grahamweckerl-Ein-Mann-wie-trocken-Brot

Als Fazit könnte man sagen: Die Zeiten ändern sich zwar, aber Sex sells – so oder so.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schüssler Salze gegen Schwangerschaftsstreifen?

Gestern erzählte mir eine Kursteilnehmerin, dass sie in der Apotheke ein Pflegeöl gekauft habe zur Vorbeugung gegen Schwangerschaftsstreifen. Von der Apothekenmitarbeiterin wurde sie darauf hingewiesen, dass dieses Produkt nur zusammen mit Schüssler-Salzen gut wirksam sei. Worauf sie also zusätzlich noch drei verschiedene Schüssler-Salze kaufte.

Es gibt keinerlei auch nur ansatzweise plausible Hinweise dafür, dass Schüssler Salze gegen Schwangerschaftsstreifen wirksam sind.

Apotheken, die solch haltlose Behauptungen machen, betrügen meines Erachtens ihre Kundinnen und Kunden. Das ist nicht Beratung, sondern Abzocke.  Und ich sehe keinen Unterschied zwischen einer solchen Apotheke und einem Verkäufer von Nashornpulver gegen Potenzschwäche.

Kundinnen und Kunden sollten wissen, dass die Heilmittelbehörde Swissmedic die Wirksamkeit von Schüssler Salzen grundsätzlich nicht überprüft und die sehr grenzenlosen Heilungsversprechungen, mit denen diese Präparate vermarktet werden, keiner Qualitätskontrolle unterliegen.

Den Versprechungen der Pharmaindustrie sollte man generell mit einer gesunden Portion Skepsis begegnen. Das gilt für synthetische Präparate und genauso für Produkte der Komplementärmedizin.

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Phytopharmaka reduzieren bei akuter Sinusitis den Sekretstau

Im Phyto-Forum der Ärztezeitung wurde die Frage gestellt, welche Alternativen es gebe, wenn Patienten bei akuter Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung) die eigentlich unverzichtbaren Nasentropfen oder Nasensprays mit α-Sympathomimetika ablehnen.

Beantwortet hat die Frage Professor Jürgen Reichling.

Er hält den Einsatz von Phytopharmaka bei akuter Sinusitis für äußerst sinnvoll.

„Sie können entweder mit α-Sympathomimetika kombiniert oder aber auch als alleinige Therapieoption eingesetzt werden.“  Es komme dabei zum Abschwellen der Schleimhaut, zur Sekretolyse und Förderung der Sekretomotorik. Durch diese Maßnahmen werde ein Sekretstau verhindert.

Klinische Studien zum Einsatz von Phytopharmaka bei akuter Sinusitis liegen gemäss Reichling für die Fertigpräparate GeloMyrtol® (Myrtol = Gemisch eines ätherischen Öls), Soledum® (isoliertes 1,8-Cineol) und Sinupret® (Kombinationspräparat aus Extrakten von Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut) vor.

Bei chronischer Sinusitis sollten Phytopharmaka allerdings nur als Begleittherapie zur Anwendung kommen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/phytotherapie/article/814714/akute-sinusitis-phytopharmaka-verhindern-sekretstau.html?sh=14&h=-1654080400

Kommentar & Ergänzung:

Weitere Infos siehe:

Wirkstoffkunde: Was ist Cineol / 1,8-Cineol?

Myrtol / GeloMyrtol® bei Husten und Bronchitis

Phytopharmaka: Gelomyrtol / Gelodurant und Sibrovita – Unterschied?

Neu in der Schweiz: GeloMyrtol® gegen Bronchitis & Sinusitis

Soledum® ist in Deutschland im Handel, nicht aber in der Schweiz.

Sehr erfolgreich im Markt ist Sinupret®, obwohl die Kombination von Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut sehr ungewöhnlich und nicht so ohne weiteres nachzuvollziehen ist.

Enzianwurzel zum Beispiel wird wegen den Bitterstoffen bei Völlegefühl und Appetitlosigkeit eingesetzt. Die Belege für eine schleimlösende Wirkung sind ziemlich schwach.

Schlüsselblumenblüten sind wegen ihrem Gehalt an Saponinen in der Phytotherapie als schleimlösend anerkannt. In den Schlüsselblumenwurzeln wäre der Gehalt an Saponinen aber etwa viermal höher. Auch Holunderblüten wirken schleimlösend, doch würde ich dann eher Holunderblütentee empfehlen, weil so höchstwahrscheinlich eine wesentlich höhere Zufuhr an Inhaltsstoffen erreicht werden kann als mit den Sinupret-Dragées.

Auch bei Ampferkraut und Eisenkraut sind die Belege für einen Nutzen bei Sinusitis spärlich.

Prof. Reichling schreibt betreffend Sinupret von Extrakten aus Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut. Extrakte sind allerdings nur im Präparat “Sinupret extrakt” enthalten, das punkto Inhaltsstoffe daher etwa 4mal konzentrierter ist als die Sinupret forte Dragées, welche nur getrocknete Heilpflanzen enthalten. “Sinupret extrakt” ist in der Schweiz allerdings bisher nicht im Handel (in Deutschland jedoch schon).

Wikipedia fasst die Datenlage zur Wirksamkeit von Sinupret so zusammen:

„ Eine sekretolytische Wirkung wurde im klassischen Percy- und Boyd-Modell bestätigt. Positive Ergebnisse wurden aus verschiedenen Blindstudien gewonnen. Ein substanzspezifischer positiver Beitrag von Eisenkraut liegt für die Kombination der Pflanzenextrakte nicht vor. Der Arzneiverordnungs-Report kritisierte eine fehlende pharmakologische Zuordnung der fünf Wirkstoffe, die antiviral, antiinflammatorisch und sekretolytisch wirken sollen. Das Medikament habe 1997 die Nachzulassung erhalten, ohne dass die eingereichten Daten einer streng wissenschaftlichen Überprüfung standhalten konnten.

Das 2012 zugelassene Sinupret extract wurde in einer doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten klinischen Studie an 386 Patienten untersucht. Das Hauptzielkriterium (ein Symptomwert, der nasale Sekretion, retronasale Sekretion, Verstopfung der Nase, Kopfschmerz und Gesichtsdruck berücksichtigt) war nach Behandlung mit Verum siginifikant verbessert gegenüber der Behandlung mit Placebo.“

(Quelle: Wikipedia, Literaturangaben dort)

Ich nehme ein Präparat wie Sinupret durchaus ernst, doch bleiben eine ganze Reihe von Fragen zu diesem Phytopharmaka offen.

Markterfolg ist jedenfalls noch kein Beleg für Wirksamkeit. Markterfolge gibt es nämlich beispielsweise auch für Nashornpulver bei Potenzproblemen….

Siehe: Traditionelle Medizin gefährdet Nashörner

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Tierschutz: Handel mit Löwenknochen gefährdet Bestand in Südafrika

Tierschützer schlagen Alarm, weil für die asiatische Medizin immer mehr Löwenknochen in den Handel kommen. Ein Löwen-Skelett bringe bis zu 10.000 US-Dollar.

Pulver und Tabletten aus Löwenknochen gelten als Arznei für Krankheiten von Asthma bis Impotenz.

Vor allem „Tigerwein“ ist beliebt und gefragt. Da jedoch der Handel mit Tigerknochen schon lange geächtet ist, werden nun stattdessen Löwenknochen in Whisky eingelegt und als eine Art „Tigerwein“ verkauft.

In Südafrika dürfen Löwenknochen frei gehandelt werden – im Mai war ein Verkaufsverbot gescheitert. Die Regierung erklärt, die Knochen seien nur ein Abfallprodukt aus der Löwenzucht. Tierschützer glauben das jedoch nicht. Das Angebot in Vietnam und Laos übertreffe schon jetzt die Menge an legal exportierter Ware. Das nähre die Vermutung, dass auch Knochen gewilderter Löwen verkauft würden. Die Tierschützer befürchten, die steigende Nachfrage nach den Knochen sei das Todesurteil für die wilden Löwen in Südafrika. Schätzungen zufolge leben dort noch zirka 2.000 Tiere.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=155710

http://www.taz.de/!105062/

Kommentar & Ergänzung:

Der Handel mit Tigerknochen genauso wie der Handel mit Nashornpulver gegen Potenzprobleme zeigen zweierlei:

1. Tradition hat nicht immer Recht.

Auch die langjährige Anwendung eines Heilmittel kann auf einem Irrtum basieren.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

2. Auch langjährige Erfahrung bringt einen Irrtum oft nicht ans Licht.

Millionen von Menschen in Asien zeigen ihre Erfahrungen, dass Nashornpulver und Tigerknochen helfen.

Tausende von Beschneiderinnen in Dschibuti, Ägypten, Guinea, Mali, Sierra Leone, Somalia,  Eritrea, Äthiopien, Nordsudan, Jemen…würden mit ihrer Erfahrung begründen, dass Genitalverstümmelungen für kleine Mädchen unverzichtbar sind.

Und die Mayas wussten aus Erfahrung, dass man dem Regengott regelmässig Kinder als Menschenopfer darbringen muss, damit er seine Aufgabe verlässlich erfüllt.

Vom 18. bis ins 20. Jahrhundert vertrauten auch Millionen von Menschen in Europa aus Erfahrung auf die Wirksamkeit von Schluckbildchen. Da braucht es doch keinen Nachweis (siehe Artikel Schluckbildchen auf Wikipedia)

Erfahrung allein ist ein sehr unzuverlässiger Geselle.

Siehe dazu:

Naturheilkunde: Erfahrung genügt nicht als Begründung

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Zu Erfahrungen mit Schüssler-Salzen

Ähnlich der Homöopathie gebe es auch für die Schüßler-Salze keinen wissenschaftlich fundierten Nachweis der Wirksamkeit, schreibt die Apothekerin Heike Klocker und fährt fort: “Ich spreche immer von einer Erfahrungsheilweise. Denn es bestätigt ja, dass so vielen Menschen tatsächlich mit Schüßler-Salzen geholfen werden kann. Das zeigt, dass es einfach wirkt…..In der Volksmedizin ist es ja ähnlich – da weiß man auch, dass bestimmte Kräuter gegen bestimmte Krankheiten wirken. Da braucht man keinen Nachweis.”

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/magazin/wellness/apothekenfuehrer/3168647/aller-guten-salze-sind-27.story

Kommentar & Ergänzung:

Die Vorstellung, dass die Erfahrung verlässlich etwas aussagt über die Wirksamkeit, ist so verbreitet wie naiv.

Millionen von Männern vor allem in Japan zeigt ihre nächtliche Erfahrung, dass Nashornpulver gegen Potenzprobleme hilft. Passiert so etwas wirklich nur Japanern und nur Männern?

Tausende von Beschneiderinnen in Dschibuti, Ägypten, Guinea, Mali, Sierra Leone, Somalia,  Eritrea, Äthiopien, Nordsudan, Jemen…würden mit ihrer Erfahrung begründen, dass Genitalverstümmelungen für kleine Mädchen unverzichtbar sind.

Und die Mayas wussten aus Erfahrung, dass man dem Regengott regelmässig Kinder als Menschenopfer darbringen muss, damit er seine Aufgabe verlässlich erfüllt.

Vom 18. bis ins 20. Jahrhundert vertrauten auch Millionen von Menschen in Europa aus Erfahrung auf die Wirksamkeit von Schluckbildchen. Da braucht es doch keinen Nachweis (siehe Artikel Schluckbildchen auf Wikipedia)

Erfahrung allein ist ein sehr unzuverlässiger Geselle.

Wer bei der Beurteilung von Heilmitteln nur auf Erfahrung und Anekdoten setzt, fällt mit grosser Wahrscheinlichkeit auf den Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss herein.

Siehe:

Komplementärmedizin – Der Post-hoc-ergo-propter-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

Zum Umgang mit Erfahrung siehe auch:

Naturheilkunde: Vom sorgfältigen Umgang mit Erfahrung

Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung

Naturheilkunde: Erfahrung genügt nicht als Begründung

Naturheilkunde: Warum werden unsere Kranken eigentlich wieder gesund?

Naturheilkunde: Sorgfältig prüfen lernen

Komplementärmedizin – wer heilt hat Recht?

Dass eine Apothekerin offenbar keinen blassen Schimmer hat vom post-hoc-ergo-propter-Fehlschluss und derart unreflektierte Schlussfolgerungen zieht, spricht nicht gerade fürs Pharmaziestudium. Was lernen die dort eigentlich? Schade um den ehrwürdigen Apothekerberuf. Wenn Apothekerinnen und Apotheker auf diesem Niveau argumentieren, gibt es keinen grossen Unterschied mehr zwischen einer Apotheke und einem Kiosk. Dass tausende von Menschen das Mittel brauchen beweist ja, dass es wirkt – genauso argumentieren auch Verkäufer von Nashornpulver und Schluckbildchen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Traditionelle Medizin gefährdet Nashörner

Zerriebenes Pulver aus Nashorn ist in Asien als Heilmittel gegen verschiedenste Krankheiten gefragt wie noch nie. Ob Fieber, Krebs, Impotenz oder anders – zahlreiche Einwohner asiatischer Länder vertrauen auf traditionelle Medizin und suchen Heiler auf, die Nashornpulver als Potenz- und Heilmittel anpreisen. Für den Handel mit Wild und Tierprodukten gebe es eine massive Nachfrage in China – und zunehmend in anderen Ländern, die reicher werden, sagt der Asiendirektor der Wildlife Conservation Society (WCS), Joe Walston. Alles, was teuer ist, ziehe die neue Mittelschicht an, erklärt auch William Schaedla von der Organisation Traffic, und erwähnt als Beispiel einen Mercedes-Benz, eine schicke Wohnung und eben auch ein exotisches, teures Medikament. Dabei existiert keine einzige Studie, die eine medizinische Wirkung von Nashornpulver belegen würde.

In Vietnam ist das Nashorn schon ausgerottet – hier wurde 2010 das letzte Tier getötet. Heute wird das Nashornpulver aus dem südlichen Afrika importiert. Wilderer schlachten die Nashörner dort gleich dutzendweise ab, um die grosse Nachfrage zu decken. Mit 220 toten Nashörnern bis Mitte Mai steht Südafrika in diesem Jahr an der Spitze einer traurigen Rekordliste.

Schaedla macht hauptsächlich die traditionellen Heiler für die problematische Entwicklung verantwortlich.

Sie würden die Not der Menschen durch falsche Versprechungen ausnutzen, stellt er fest. Beispielsweise in Vietnam: Bei dem katastrophalen Gesundheitssystem ist die Aussicht auf erfolgreiche Behandlung klein, daher klammern sich Kranke und ihre Familien an jeden Strohhalm. Wenn jemand sage ‘Rhino-Horn heilt Krebs’, wollten sie es unbedingt haben, stellt Scott Roberton fest, der für WCS in Hanoi arbeitet.

Die Tierschützer verlangen einen stärkeren Kampf gegen die Wilderer und härteres Durchgreifen gegen Schmuggler. Wild-Verbrechen seien aber nicht gerade sehr weit oben auf der Prioritätenliste der Regierungen, sagt Tierschutzaktivistin Onkuri Majumdar von der Organisation Freeland. Und ihr  WCS-Kollege erklärt, letztlich helfe nur Aufklärung und mehr Druck aus der eigenen Gesellschaft – zum Beispiel durch junge Menschen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=42045&Nachricht_Title=Nachrichten_Medizinischer+Aberglaube+bedroht+Nash%F6rner&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Traditionelle Heilmethoden werden im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin oft sehr unkritisch betrachtet. Was eine lange Tradition hat, gilt fraglos als gut, wahr, wirksam etc.

Der Einsatz von Nashornpulver mit seinen falschen Versprechungen und der damit drohenden Ausrottung der Nashörner ist ein Beispiel dafür, dass Tradition nicht immer Recht hat.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin – Hat Tradition Recht?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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