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Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoides): Gute Evidenz bei Atemwegsinfekten

Umfangreiche wissenschaftliche Daten belegen die symptomlindernden und krankheitsverkürzenden Wirkungen des Pelargonium-sidoides-Extrakts EPs® 7630 (Umckaloabo®) bei Atemwegsinfekten.

Bei grippalen Infekten könne der Pelargonium-sidoides-Extrakt die Symptome lindern und die Krankheitsdauer verkürzen, erklärte Professor Dr. Michael Tamm vom Universitätsspital Basel auf einer Veranstaltung des Herstellers Schwabe in Hamburg. Der Pneumologe sagte: »Zahlreiche klinische Studien mit mehr als 10.000 Probanden, darunter circa 4000 Kinder und Jugendliche, dokumentieren die Wirksamkeit von Umckaloabo bei viralen Infekten«.

Das Spektrum reiche von akuter (Rhino-) Pharyngitis (Rachenentzündung), Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung), Laryngitis (Kehlkopfentzündung), Tracheitis (Luftröhrenentzündung) und Otitis media (Mittelohrentzündung) bis hin zur akuten Bronchitis und Lungenentzündung.

Der Pelargonium-sidoides-Extrakt wirke symptommindernd und krankheitsverkürzend unter anderem durch Hemmung der Vermehrungszyklen wichtiger Atemwegsviren.

Ebenfalls nachgewiesen seien bakterizide Effekte durch Minderung der Anheftung dieser Krankheitserreger an Schleimhautzellen bei gleichzeitiger Chemotaxis und Phagozytose. Darüber hinaus werde durch Modulation der Synthese von Interferonen, Entzündungsstoffen und Defensinen das körpereigene Abwehrsystem gestärkt. Professor Tamm zufolge vermindert der Extrakt zudem sowohl die Zahl als auch das Ausmaß von Exazerbationen (akute Verschlechterung) der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD).

Professor Dr. Martin Korte von der Technischen Universität Braunschweig sagte ergänzend:

»Die in Studien nachgewiesene Supprimierung der Replikation spezifischer Grippeviren durch Umckaloabo kann sich auch mit Blick auf die Verringerung bislang kaum berücksichtigter Spätfolgen als wichtig erweisen«.

Bei Erkältungen werden laut Korte im peripheren Gewebe entzündungsfördernde Mediatoren wie TNF-α, IL-6 beziehungsweise Il-1β und Il-2 freigesetzt, die direkt oder indirekt auch auf das Gehirn wirken können. Langfristig könne die zentrale Neuoinflammation zu Symptomen wie Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Depressionen führen, sowie gegebenenfalls auch zu Gedächtnisstörungen bis hin zu Morbus Alzheimer.

Weiter führt der Neurobiologe Korte aus: »Die eventuellen Nachwirkungen können weit über die akute Phase der Erkrankung reichen, wobei die Intensität und Dauer des grippalen Infekts eine große Rolle spielen. Besonders ältere Menschen erholen sich oft nur schwer und sind häufig über längere Zeit desorientiert«. Auch vor diesem Hintergrund könne sich die frühzeitige Behandlung von Erkältungskrankheiten mit evidenzbasierten Phytopharmaka als bedeutsam erweisen, so der Neurobiologe.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/gute-evidenz-bei-erwachsenen-und-kindern/

 

Kommentar & Ergänzung:

Der Text in der Pharmazeutischen Zeitung enthält ziemlich viel Fachjargon, aber darüber hinaus auch ziemlich viel Spekulation. Nicht so untypisch für eine Pressekonferenz, die auch Werbecharakter hat. Was die Wirkungen des Pelargonium-sidoides-Extrakt angeht, werden hier viele Ergebnisse aus dem Labor in den Raum gestellt, bei denen ungeklärt ist, ob diese Wirkungen auch im Organismus eines lebenden Menschen so verlaufen und ob sie im Erkältungsfall für die Genesung relevant sind.

Wichtiger ist, ob und in welchen Fällen sich ein Arzneimittel in klinischen Studien mit Patientinnen und Patienten bewährt hat.

Beim erwähnten Extrakt aus Kapland-Pelargonie ist klinisch vor allen der auswurffördernde Effekt bei Bronchitis gut belegt. Bei dieser Indikation kann der Umckaloabo®-Extrakt als Schleimlöser mit den synthetischen Auswurfförderern gut mithalten oder ist ihnen gar überlegen. An diesem Punkt – als auswurfförderndes (=expektorierendes) Hustenmittel  – ist der Pelargonium-sidoides-Extrakt ein wichtiges Phytopharmakon (pflanzliches Arzneimittel).

Dagegen scheint es mir unangebracht, den Pelargonium-sidoides-Extrakt auch noch in einen Zusammenhang zu stellen mit Depressionen, Gedächtnisstörungen und Alzheimer.

In Apotheken und Drogerien werden unterschiedliche Tinkturen oder Extrakte aus der Kapland-Pelargonie verkauft, oft auch als Hausspezialität.

Die Forschung auf diesem Gebiet wurde aber von Schwabe in Karlsruhe mit dem Umckaloabo®-Extrakt gemacht. Dieses Präparat ist zwar in der Regel etwas teuerer als die Hausspezialitäten, aber dafür ist Umckaloabo® besser in seiner Wirksamkeit dokumentiert. Ich selber berücksichtige zudem bevorzugt diejenigen Phytofirmen, die mit Forschung zur Weiterentwiclung der Phytotherapie beitragen – und weniger die Trittbrettfahrer, die auf den Erkenntnissen anderer aufbauend eine Kopie auf den Markt werfen.

Umckaloabo® ist in der Schweiz auch als Kaloabo® im Handel und unter diesem Namen kassenzulässig aus der Grundversicherung, wenn ein Arzt oder eine Ärztin das Präparat verschreibt.

Wer sich fundiert mit den Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten der Heilpflanzen vertraut machen möchte, kann das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

Inhaltsverzeichnis: Phytotherapie im Bereich Atemwege / Erkältungskrankheiten / Immunsystem

Krankheiten und Beschwerden im Bereich Erkältungskrankheiten / Immunsystem sind ein wichtiger Bereich der Phytotherapie. Hier finden Sie die wichtigsten Themen, die ich im Heilpflanzen-Seminar und in der Phytotherapie-Ausbildung in diese Bereichen vermittle.

Wir befassen uns hier vor allem mit Heilpflanzen-Anwendungen in folgenden Bereichen:

 

Husten

Hier lernen wir unterschiedliche Hustenformen kennen, die auch unterschiedlich mit Heilpflanzen-Anwendungen behandelt werden sollten: Husten mit Auswurf, trockener Reizhusten, krampfartiger Husten – welche Kräutertees, Pflanzentinkturen, Pflanzenextrakte, Hustensirupe, Inhalationen, Hustensalben, Erkältungsbäder etc. sind zur Linderung und Behandlung geeignet?

☛ Bronchitis

Grippe /  grippale Infekte / Fieber

☛ Schnupfen / Heuschnupfen

☛ Nebenhöhlenentzündung

Halsschmerzen

☛ Heiserkeit

☛ Abwehrsteigernde Mittel / pflanzliche Immunstimulanzien

Hier geht es darum, den „Charakter“ bzw. die Wirkungsweise pflanzlicher Immunstimulanzien genau kennenzulernen und damit ihre Stärken und Schwächen. Nur so kann man sie wirksam und sinnvoll einsetzen.

Ausserdem:

Wir befassen wir uns in diesem Kursteil auch mit Heilpflanzen, die immunstimulierende Effekte zeigen, aber hauptsächlich ausserhalb der Erkältungskrankheiten eingesetzt werden. Dazu gehören:

a) Adaptogene. Darunter versteht man Heilpflanzen, die den Organismus bei der Bewältigung belastender Situationen wie zum Beispiel Stress unterstützen.

b) Mistelpräparate, die in der Krebsbehandlung eine Rolle spielen, in Experimenten immunstimulierende und krebshemmende Wirkungen zeigen, aber bezüglich der Wirkung bei Krebspatienten umstritten sind. Bei diesem Thema bekommen Sie eine differenzierte Übersicht zum Stand des Wissens.

Und hier eine Aufstellung der wichtigsten Heilpflanzen, mit denen wir  uns beim Thema Erkältungskrankheiten & Immunstimulation befassen:

Malvae flos –  Malvenblüte

Althaeae radix – Eibischwurzel

Lichen islandicus  Isländisch Moos

Verbasci flos – Königskerzenblüte

Plantaginis folium – Spitzwegerichblatt

Farfarae folium/flos –  Huflattichblatt/ Huflattichblüte

Pfefferminzöl / Menthol / Eukalyptusöl 
/ Thymianöl / Anisöl

Ipecacuanhae radix – Brechwurzel

Primulae radix/flos – Schlüsselblumenwurzel/ Schlüsselblumenblüte

Senegae radix – Senegawurzel

Liquiritiae radix –  Süssholzwurzel

Hederae folium – Efeublatt

Pelargonii sidoides radix – Kapland-Pelargonie, Umckaloabo

Asari rhizoma – Haselwurz-Wurzelstock

Thymi folium/- aetheroleum – Thymianblatt/ Thymianöl

Serphylli herba – Quendel / Feldthymian / Bergthymian / Wilder Thymian

Anisi fructus – Anisfrucht

Eucalypti folium/-aetheroleum – Eucalyptusblatt/ Eukalyptusöl

Menthae piperitae aetheroleum – Pfefferminzöl

Hederae extractum – Efeuextrakt

Droserae extractum /Droserae herba –  Sonnentauextrakt /Sonnentaukraut

Armoraciae radix – Meerrettichwurzel

Raphani sativi radix – Rettichwurzel

Allii cepae bulbus – Küchenzwiebel 
(Zwiebelwickel /Zwiebelsirup etc.)

Tiliae flos  – Lindenblüte

Sambuci flos  – Holunderblüte

Spiraeae flos  – Mädesüssblüte

Matricariae flos  – Kamillenblüte

Petasitidis folium – Pestwurzblatt.

Lini semen – Leinsamen

Foenugraeci semen – Bockshornsamen

Sinapis nigrae semen – schwarze Senfsamen

Salviae folium – Salbeiblatt

Pimpinellae radix – Bibernellwurzel.

Echinaceae herba, -radix – Sonnenhutkraut, Sonnenhutwurzel

Visci albi herba – Mistelkraut

Ginseng radix – Ginsengwurzel

Eleutherococci radix – Taigawurzel

Rhodoliae roseae radix – Rosenwurzwurzel

Bei diesen Heilpflanzen bekommen Sie das nötige Wissen über Wirkstoffe, Wirkung, Anwendungsbereiche (Indikationen), geeignete Zubereitungsformen, Dosierungen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, wichtige erhältliche Naturheilmittel.

Das Heilpflanzen-Seminar vermittelt einen kompakten Überblick über diese Themen. In der Phytotherapie-Ausbildung, die doppelt so lange geht, haben wir mehr Zeit für Vertiefung und Repetition.

Melden Sie sich jetzt für das Heilpflanzen-Seminar oder die Phytotherapie-Ausbildung an, wenn Sie fundiertes, verständliches Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchten.

 

 

 

 

 

 

 

Akute Bronchitis: Phytopharmaka sind antiviral wirksam ohne Resistenz

Weil Virustatika nur gegen Influenza (Grippe) zugelassen sind, können pflanzliche Arzneimittel bei Atemwegsinfekten eine Alternative sein.

Atemwegsinfekte sind die Auslöser für rund 20 Prozent der Fälle von Arbeitsunfähigkeit (AU) und rund 10 Prozent der AU-Tage. Zur Behandlung kommen Phytotherapeutika aus der Kapland-Pelargonie wie Umckaloabo® in Frage.

An einer Veranstaltung, die vom Umckaloabo®-Hersteller Schwabe unterstützt wurde, sagte Professor Matthias Tisch, Leiter der Poliklinik am Bundeswehrkrankenhaus Ulm:

“Der in Umckaloabo® enthaltene Spezialextrakt EPs® 7630 bewirkt laut Studien eine signifikante Verkürzung der Krankheitsdauer um zwei bis drei Tage.”

In-vitro-Tests (also Untersuchungen im Reaganzglas) zum Wirkmechanismus des Extrakts ergaben, dass er auf verschiedene Weise antiviral wirkt. So reduziert EPs® 7630 die Freisetzung vervielfältigter Viren aus infizierten Zellen durch seinen Einfluss auf komplexe Virusproteine, die diesen Prozess steuern.

Ausserdem wurde ein zytoprotektiver Effekt festgestellt sowie eine Aktivierung der Immunabwehr gegen Viren bei einer Infektion.

Der Wurzelextrakt wurde in Studien mit über 10.000 Patienten untersucht, darunter knapp 4000 Kinder und Jugendliche. Die Anwendungsgebiete waren nicht nur akute Bronchitis, sondern auch akute Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung), Pharyngitis (Rachenentzündung) und Tonsillitis (Mandelentzündung) gehörten dazu.

Franz D. Daschner, ehemals Professor an der Uni Freiburg, sagte:

“Die pflanzlichen Inhaltsstoffe des Extraktes besitzen antiinfektive Eigenschaften ohne eine Resistenzbildung hervorzurufen, da sie nicht in den Erregerstoffwechsel eingreifen.”

Dass heute immer noch etwa 60 bis 70 Prozent der bei Atemwegsinfekten verschriebenen Medikamente Antibiotika enthalten, sbezeichnete er als “Kunstfehler”.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/870263/akute-bronchitis-phytos-antiviral-wirksam-resistenz.html?sh=8&h=-1886162606

 

Kommentar & Ergänzung:

Umckaloabo® ist das am besten untersuchte Präparat auf der Basis von Kapland-Pelargonie.

Weitere Beiträge dazu finden Sie über die Suchfunktion auf dieser Website unter dem Stichwort „Umkaloabo“.

Insbesondere bei aktuer Bronchitis sind die Studien mit Patienten ziemlich gut, was die auswurffördernde Wirkung betrifft.

Bei akuter Sinusitis, Pharyngitis und Tonsillitis ist die Studienlage meinem Eindruck nach weniger überzeugend.

Positiv ist die breite Erfahrung mit Studien bei Kindern. Das ist nicht selbstverständlich. Viele Phytopharmaka, aber auch synthetische Pharmaprodukte, weisen hier Lücken auf und sind bei Kindern nur schlecht dokumentiert.

Etwas Vorsicht scheint mir angebracht bei der Beurteilung der antiviralen Wirkung. Was im Labor im Reagenzglas Viren hemmen kann, muss dies noch lange nicht im menschlichen Organismus ebeno können.

Dass bei aktuer Bronchitis immer noch zu viele Antibiotika verschrieben werden, ist in der medizinischen Fachliteratur wiederholt kritisiert worden. Insbesondere bei viraler Ursache können Antibiotika gegen die Auslöser nicht wirksam werden, weil sie nur Bakterien bekämpfen.

In manchen Fällen ist die Behandlung mit Antibiotika allerdings trotzdem nötig.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Schleimlöser bei Husten: Schlüsselblumenblüten oder Schlüsselblumenwurzel?

Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) ist eine wichtige Heilpflanze bei produktivem Husten. Sie wird bei dieseer Indikation als Schleimlöser (Expectorans) eingesetzt wird.

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass der Wirkstoffgehalt in der Schlüsselblumenwurzel deutlich höher ist als in den Schlüsselblumenblüten.

Präzis beschrieben hat dies vor kurzem ein Beitrag auf Apotheke-Adhoc:

„In der Phytotherapie finden sowohl die Blüten als auch die Wurzel Anwendung. Die Schlüsselblumenblüten enthalten jedoch weitaus weniger wirksame Inhaltsstoffe als die Wurzel. Bislang konnte nur ein geringer Anteil an Triterpensaponinen nachgewiesen werden. Ätherisches Öl ist zu etwa 0,1 Prozent enthalten, Flavonoide zu etwa 3 Prozent. Die Blüten werden volkstümlich bei Reizbarkeit, Ruhelosigkeit und Angstzuständen eingesetzt. Auch wenn die Wirksamkeit nicht belegt ist, kommen die Blüten außerdem bei Neuralgien, Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit zum Einsatz.

Die Wurzel enthält weitaus mehr Triterpensaponine, insgesamt können es bis zu 12 Prozent der Pflanzeninhaltsstoffe sein. Der Großteil bezieht sich auf das Aglykon Protoprimulagenin A und die dazugehörigen Glykoside – die Primulasaponine. Primverin und Primulaverin sind als Phenolgylkoside die Hauptkomponenten.“

Apotheke-adhoc geht auch auf den Wirkungsmechanismus der Schlüsselblume ein, also auf die Frage, wie die schleimlösende Wirkung der Saponine zustande kommt:

„Die Wirkung ist auf die Triterpensaponine zurückzuführen. Sie reizen die Magenschleimhaut und regen die Bronchialschleimhaut durch die Reizweiterleitung über Nervenfasern dazu an, mehr Schleim zu produzieren. Somit verdünnt sich das Sekret und kann leichter abgehustet werden. Als Nebenwirkungen können vereinzelt Magenreizungen oder Übelkeit auftreten. Die Wurzel kann als Expektoranz zum Beispiel mit Thymian, Spitzwegerich, Fenchel oder Süßholz kombiniert werden.“

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/arzneipflanzen-primula-veris-fruehblueher-gegen-husten/

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein fachlich kompetenter Text. Bei der Schlüsselblume steht heute tatsächlich die schleimlösende Wirkung im Zentrum.

Die erwähnten volkstümlichen Anwendungen der Schlüsselblumenblüten bei Reizbarkeit, Ruhelosigkeit, Angstzuständen, Neuralgien, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit sind nicht plausibel. Schlüsselblumenblüten eignen sich aber gut zur Teeverschönerung. Sie sind auch enthalten im Präparat „Sinupret“, das bei Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis) eingesetzt wird.

Bei Husten ist aber wegen des höheren Saponin-Gehalts mit grosser Wahrscheinlichkeit die Schlüsselblumenwurzel wirksamer. Allerdings ist sie einzeln nicht nicht fundiert auf ihre Wirksamkeit untersucht worden. Es gibt aber gute Studien zur Wirksamkeit einer Kombination von Thymianextrakt und Schlüsselblumenwurzelextrakt. Dieses Kombipräparat wird sogar in den Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) empfohlen.

Siehe dazu hier:

Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser bewertet

Schlüsselblume als Hustenmittel

 

Heilpflanzen-Extrakte aus Schlüsselblume und Thymian helfen beim abhusten

Den beschriebenen Wirkungsmechanismus der Triterpensaponine nennt man auch gastropulmonalen Reflex. Er ist nicht spezifisch für die Schlüsselblume, sondern tritt auch bei anderen Heilpflanzen auf, die Triterpensaponine enthalten.

Die Echte Schlüsselblume (Primula veris) steht im Übrigen unter Naturschutz. Zu Heilzwecken kauft man sie besser in der Apotheke oder Drogerie.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Augentrost als Augenheilmittel

Die Kundenzeitschrift „Die Apotheke“ (Juli / 2014) beschreibt die Anwendungsbereiche der traditionellen Heilpflanze Augentrost (Euphrasia rostkoviana):

„Als Heilmittel hat Euphrasia allgemein eine entzündungshemmende Wirkung auf die Schleimhäute. Die Wirkstoffe weisen weiters antibakterielle Effekte auf. Neben der Anwendung bei Augenbeschwerden – bei Reizungen, Entzündungen von Augenlidrand und Bindehaut, Sehstörungen und Augenermüdung – wurde der Augentrost auch traditionell innerlich als Magenmittel, bei Husten und Heiserkeit, Heuschnupfen und Nebenhöhlenentzündung sowie äußerlich bei Hautproblemen angewandt. In der Pflanzenheilkunde wird er heute vor allem in Augentropfen und –salben verwendet.“

Quelle:

Die Apotheke, Juli 2014

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/DA/DA-2014/DA-2014-07.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Augentrost ist ein hübsches Pflänzchen (Foto auf Wikipedia) und ein Halbschmarotzer.

Der antiken Kräuterliteratur taucht Augentrost nicht auf, weil er in Griechenland nicht vorkommt. Erstmals sicher identifizierbar erwähnt wird die Pflanze im spätmittelalterlichen „Gart der Gesundheit“ (1485). Beachtet wurde der Augentrost vermehrt in der Renaissance auf dem Hintergrund der damals dominierenden Signaturenlehre, die von Farben und Formen der Pflanzen auf deren Wirkungen schloss.

Paracelsus (1493 – 1541) und andere sahen in der Blüte ein Auge dargestellt und schlossen daraus auf eine Wirksamkeit als Augenheilmittel: Das gelbe Zentrum als Pupille, die länglich schwarzen Striche als Wimpern. Damals war noch nicht bekannt, dass die Farben und Formen der Blüten an die Insekten gerichtet sind, und nicht als Botschaft an uns. Auch war den Menschen wohl kaum bewusst, dass diese Zuschreibungen in ihren eigenen Interpretationen gründen und mit der Pflanze direkt nichts zu tun haben. Man könnte die Interpretationen jederzeit anders legen und zum Beispiel aufgrund der wimpernartigen dunklen Striche auf eine wimpernwachstumsfördernde Wirkung schliessen.

In den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts, zum Beispiel bei Hieronymus Bock oder Matthiolus, ist der Augentrost ausführlich beschrieben. Matthiolus nennt ihn „ein Prinzipal zu den blöden und tunkeln Augen“. Das zeigt gut auf, dass die Zuschreibungen der Signaturenlehre meist ziemlich umfassend sind und nicht unterscheiden zwischen verschiedenen Augenkrankheiten. Augentrost enthält in diesen Vorstellungen einfach die Kraft für die Augen – egal um welche Augenkrankheit es gerade geht.

Diesen umfassenden Anspruch als Augenheilmittel muss man heute daher schon sehr relativieren. Empfohlen werden Umschläge und Augenbäder mit Augentrost in der traditionellen Pflanzenheilkunde noch bei leichten Bindehautentzündungen (Konjunktivitis). Belegt ist diese Wirkung nicht und die wissenschaftlich orientierte Phytotherapie lehnt die Anwendung von Umschlägen und Augenbädern mit Augentrost ab, weil sie bakteriologisch verunreinigt sein könnten und möglicherweise reizende Schwebestoffe enthalten. Ich selber denke, dass Augentrost bei leichten Bindehautentzündungen durchaus lindernd wirken könnte. Die Pflanze enthält Gerbstoffe und antimikrobiell wirkende Iridoide (Aucubin und Catalpol). Allerdings ziehe ich bei leichten Bindehautentzündungen Umschläge mit Schwarztee vor, wobei die Gerbstoffe sich aber bei der Teezubereitung nur langsam lösen. Schwarztee sollte zu diesem Zweck deshalb etwa 8 – 10 Minuten ziehen.

Für die Wirksamkeit einer Anwendung von Augentrost als Magenmittel, bei Husten und Heiserkeit, Heuschnupfen und Nebenhöhlenentzündung sowie äußerlich bei Hautproblemen, gibt es keine glaubwürdigen Hinweise.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Medikamentencheck für Erkältungsmittel: Sinupret

Spiegel online veröffentlichte eine Beurteilung von „chemischen“, pflanzlichen und homöopathischen Erkältungsmitteln. Als Experte fungierte dabei Peter Sawicki. Der Internist und Diabetologe war von 2004 bis 2010 Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln.

Eines der beurteilten Erkältungsmittel ist Sinupret. Das Präparat enthält Eisenkraut, Enzianwurzel, Gartensauerampferkraut, Holunderblüten und Schlüsselblumenblüten. Sinupret forte wird bei akuter Nasennebenhöhlenentzündung eingesetzt und ist das am meisten verkaufte pflanzliche Arzneimittel in Deutschland.

Zu Sinupret schreibt Peter Sawicki:

„Das Präparat ist eine Mischung aus verschiedenen Pflanzenextrakten ohne nachgewiesenen Nutzen bei Virusinfekten und Infekten der oberen Atemwege. Grundsätzlich ist das Medikament (mit Ausnahme des Sirups) nur zur Behandlung der Infektion der Nasennebenhöhlen zugelassen – also nicht bei grippalen Symptomen“

Quelle:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/erkaeltung-was-hilft-gelomyrtol-umckaloabo-echinacea-im-test-a-954781.html

Kommentar & Ergänzung:

Ein hartes Urteil zu einem Präparat, das so häufig gekauft wird. Man könnte argumentieren, dass ein so häufig gekauftes Präparat auch wirksam sein müsse. Aber so einfach ist die Wirksamkeit nicht beurteilbar, weil eine akute Nebenhöhlenentzündung in der Regel nach ein paar Tagen auch von selbst abklingt.

Es gibt eine ganze Anzahl klinischer Studien zu Sinupret, die dem Präparat eine Wirksamkeit zuschreiben. Allerdings ist die Qualität der meisten dieser Studien nicht gerade hoch. Wikipedia führt eine neuere Studie an, die ein positives Resultat zeigte:

„Das 2012 zugelassene Sinupret extract wurde in einer doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten klinischen Studie an 386 Patienten untersucht. Das Hauptzielkriterium (ein Symptomwert, der nasale Sekretion, retronasale Sekretion, Verstopfung der Nase, Kopfschmerz und Gesichtsdruck berücksichtigt) war nach Behandlung mit Verum signifikant verbessert gegenüber der Behandlung mit Placebo.“

Die Studie wurde hier veröffentlicht.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23193534?dopt=Abstract

Die „Medical-Tribune“ beschrieb 2012 die Studie so:

„Prof. Bachert berichtete über eine multizentrische Phase-III-Studie mit der Prüfsubstanz BNO 1016 (seit 1. Oktober als Sinupret® extract im Handel), die doppelblind, randomisiert und placebokontrolliert (DBRPC) mit 380 Patienten durchgeführt wurde. Sie erhielten über rund 15 Tage täglich entweder Placebo oder 480 mg BNO 1016 (3 x 2 Drg.).
Die Wirksamkeit wurde anhand des Major Symptom Score (MSS) bewertet, der fünf Symptome umfasst (anteriore bzw. posteriore Rhinorrhö, nasale Verstopfung, Kopfschmerz, Gesichtsschmerz). Ab dem dritten Behandlungstag zeigte sich ein deutlicher Unterschied zugunsten des Verums.

In dieser laut Prof. Bachert ersten DBRPC-Studie mit einem Phytopräparat bei akuter Rhinosinusitis waren Patienten unter der Phytotherapie 3,8 Tage früher geheilt als Angehörige der Placebogruppe. Der MSS zeigte sich am Tag 15 signifikant reduziert, was durch Sonographie der Nasennebenhöhlen bestätigt wurde.“

Quelle:

http://www.medical-tribune.ch/medizin/fokus-medizin/artikeldetail/rhinosinusitis-antibiotikum-oft-unnoetig.html

So wie eine einzelne Schwalbe noch keinen Frühling macht, macht eine einzelne gute Studie allerdings noch keine eindeutig belegte Wirksamkeit.

Leider. Auf diesem Hintergrund ist das harte Urteil des Experten nachvollziehbar, wenn die Kriterien der evidenzbasierten Medizin als massgeblich betrachtet werden.

Die Studie wurde mit „Sinupret extract“ durchgeführt, während im Spiegel von Sinupret oder Sinupret forte die Rede ist.

Das ist aber ein grosser Unterschied, der vielleicht bei dieser Beurteilung im Spiegel nicht oder zuwenig berücksichtigt wurde:

Sinupret Drg.:

Enzianwurzel (6 mg), Primelblüten (18 mg), Sauerampferkraut (18 mg), Holunderblüten (18 mg), Eisenkraut (18 mg)

Sinupret Forte Drg:

Enzianwurzel (12 mg), Primelblüten (36 mg), Sauerampferkraut (36 mg), Holunderblüten (36 mg), Eisenkraut (36 mg)

Sinupret und Sinupret forte enthalten getrocknete, pulvierisierte Heilpflanzen in einem Dragees und das in eher geringer Menge, wobei der Gehalt in Sinupret forte doppelt so hoch ist.

Sinupret extract enthält dagegen laut Beipackzettel pro Tablette 160,00 mg Trockenextrakt  aus Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten, Eisenkraut. Durch die Verwendung eines Trockenextraktes kann eine etwa vierfach höhere Konzentration an Wirkstoffen erreicht werden. Sinupret extract ist in Deutschland auf dem Markt, leider aber nicht in der Schweiz. Sinupret extract ist überzeugender und ich würde es vorziehen – jedenfalls für Erwachsene. Das Präparat kann in der Schweiz via Apotheke auch aus Deutschland besorgt werden.

Eigenartig finde ich die Verwendung von Schlüsselblumenblüten, weil Schlüsselblumenwurzel etwa 4mal mehr wirksamkeitsbestimmende Saponine enthält. Für Schlüsselblumenwurzel ist ein schleimlösender Effekt relativ gut dokumentiert. Auch sonst habe ich einige Fragezeichen zur Zusammensetzung von Sinupret. Für Enzianwurzel, Holunderblüten und Ampferkraut postuliert der Hersteller schleimlösende und antivirale Wirkungen, die jedoch hauptsächlich durch Tierversuche und Experimente mit Zellkulturen belegt werden. Solche Ergebnisse lassen sich nicht einfach auf die Anwendung am Menschen übertragen.

Mein eigenes Fazit: Sinupret und Sinupret forte überzeugen mich nicht (Sinupret, Sinupret forte) oder mässig (Sinupret Extrakt).

Sehr positiv bewerte ich, dass Bionorica als Hersteller von Sinupret ein mittelständischer Betrieb ist, der viel in Forschung und Entwicklung zugunsten von Phytopharmaka investiert. Ich schätze das auch bei anderen Herstellern (z. B. Schwabe, Zeller). Trittbrettfahrer haben wir genug. Wer in Forschung und Entwicklung investiert, sollte auch von Konsumentinnen und Konsumenten unterstützt werden.

P. S.

Ich selber bevorzuge im Übrigen bei Nasennebenhöhlenentzündung und Bronchitis eher Gelomyrtol®.

Siehe:

Myrtol / Gelomyrtol bei Husten und Bronchitis

Phytopharmaka: Gelomyrtol / Gelodurant / Sibrovita – was ist der Unterschied?

Myrtol bei Bronchitis und Sinusitis

Neu in der Schweiz: Gelomyrtol gegen Bronchitis und Sinusitis

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Lavendelblüten und Lavendelöl als Sedativum

In der Zeitschrift „PHYTOTherapie (Nr. 4 / 2013) der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie geht Reinhard Länger auch die Wirkungen von Lavendel ein:

„Lavendelblüten und Lavendelöl gelten in der Phytotherapie als mildes Sedativum, auch die Anwendung zur Linderung der Symptome von Stress und mentaler Erschöpfung ist traditionell belegt. Neue klinische Studien zeigen nach oraler Anwendung von Lavendelöl Wirksamkeit bei bestimmten Angstformen. Äußerlich angewendet fördert Lavendelöl wie viele andere ätherische Öle lokal die Durchblutung, daher die Verwendung in diversen Salben zur Behandlung von Muskelverspannungen und rheumatischen Beschwerden. Spiköl wird bei Rhinosinusitis und Husten zur Schleimlösung eingesetzt.“

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0413.pdf

Kommentar und Ergänzung:

Lavendelblüten und Lavendelöl, die in der Phytotherapie eingesetzt werden, stammen üblicherweise von Lavandula angustifolium (Echter Lavendel).

Spiköl stammt dagegen von Lavandula latifolia (Grosser Speik, Narde, Breitblättriger Lavendel). Spiköl enthält eine relevante Menge an 1,8-Cineol und Kampfer. Diese Inhaltsstoffe dürften für die schleimlösende Wirkung bei Rhinusinusitis (Nebenhöhlenentzündung) und Husten verantwortlich sein. Spiköl wird auch für Einreibungen eingesetzt und ist in Rheumasalben enthalten.

Lavendelblüten und Lavendelöl aus Lavandula angustifolia sind dagegen charakterisiert durch die Hauptkomponenten Linalylacetat (30-50) und Linalool (20-50 %), die sedierend wirken.

Die orale Anwendung von Lavendelöl bei bestimmten Angstformen erfolgt in Kapselform (Lasea).

Siehe dazu:

Lavendelöl reduziert Angst und bessert Schlaf

Lavendel ist eine Gattung in der Pflanzenfamilie der Lamiaceen (Lippenblütler).

Siehe:

Phytotherapie: Von welcher Lavendelart stammen Lavendelöl und Lavendelblüten?

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Phytopharmaka reduzieren bei akuter Sinusitis den Sekretstau

Im Phyto-Forum der Ärztezeitung wurde die Frage gestellt, welche Alternativen es gebe, wenn Patienten bei akuter Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung) die eigentlich unverzichtbaren Nasentropfen oder Nasensprays mit α-Sympathomimetika ablehnen.

Beantwortet hat die Frage Professor Jürgen Reichling.

Er hält den Einsatz von Phytopharmaka bei akuter Sinusitis für äußerst sinnvoll.

„Sie können entweder mit α-Sympathomimetika kombiniert oder aber auch als alleinige Therapieoption eingesetzt werden.“  Es komme dabei zum Abschwellen der Schleimhaut, zur Sekretolyse und Förderung der Sekretomotorik. Durch diese Maßnahmen werde ein Sekretstau verhindert.

Klinische Studien zum Einsatz von Phytopharmaka bei akuter Sinusitis liegen gemäss Reichling für die Fertigpräparate GeloMyrtol® (Myrtol = Gemisch eines ätherischen Öls), Soledum® (isoliertes 1,8-Cineol) und Sinupret® (Kombinationspräparat aus Extrakten von Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut) vor.

Bei chronischer Sinusitis sollten Phytopharmaka allerdings nur als Begleittherapie zur Anwendung kommen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/phytotherapie/article/814714/akute-sinusitis-phytopharmaka-verhindern-sekretstau.html?sh=14&h=-1654080400

Kommentar & Ergänzung:

Weitere Infos siehe:

Wirkstoffkunde: Was ist Cineol / 1,8-Cineol?

Myrtol / GeloMyrtol® bei Husten und Bronchitis

Phytopharmaka: Gelomyrtol / Gelodurant und Sibrovita – Unterschied?

Neu in der Schweiz: GeloMyrtol® gegen Bronchitis & Sinusitis

Soledum® ist in Deutschland im Handel, nicht aber in der Schweiz.

Sehr erfolgreich im Markt ist Sinupret®, obwohl die Kombination von Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut sehr ungewöhnlich und nicht so ohne weiteres nachzuvollziehen ist.

Enzianwurzel zum Beispiel wird wegen den Bitterstoffen bei Völlegefühl und Appetitlosigkeit eingesetzt. Die Belege für eine schleimlösende Wirkung sind ziemlich schwach.

Schlüsselblumenblüten sind wegen ihrem Gehalt an Saponinen in der Phytotherapie als schleimlösend anerkannt. In den Schlüsselblumenwurzeln wäre der Gehalt an Saponinen aber etwa viermal höher. Auch Holunderblüten wirken schleimlösend, doch würde ich dann eher Holunderblütentee empfehlen, weil so höchstwahrscheinlich eine wesentlich höhere Zufuhr an Inhaltsstoffen erreicht werden kann als mit den Sinupret-Dragées.

Auch bei Ampferkraut und Eisenkraut sind die Belege für einen Nutzen bei Sinusitis spärlich.

Prof. Reichling schreibt betreffend Sinupret von Extrakten aus Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut. Extrakte sind allerdings nur im Präparat “Sinupret extrakt” enthalten, das punkto Inhaltsstoffe daher etwa 4mal konzentrierter ist als die Sinupret forte Dragées, welche nur getrocknete Heilpflanzen enthalten. “Sinupret extrakt” ist in der Schweiz allerdings bisher nicht im Handel (in Deutschland jedoch schon).

Wikipedia fasst die Datenlage zur Wirksamkeit von Sinupret so zusammen:

„ Eine sekretolytische Wirkung wurde im klassischen Percy- und Boyd-Modell bestätigt. Positive Ergebnisse wurden aus verschiedenen Blindstudien gewonnen. Ein substanzspezifischer positiver Beitrag von Eisenkraut liegt für die Kombination der Pflanzenextrakte nicht vor. Der Arzneiverordnungs-Report kritisierte eine fehlende pharmakologische Zuordnung der fünf Wirkstoffe, die antiviral, antiinflammatorisch und sekretolytisch wirken sollen. Das Medikament habe 1997 die Nachzulassung erhalten, ohne dass die eingereichten Daten einer streng wissenschaftlichen Überprüfung standhalten konnten.

Das 2012 zugelassene Sinupret extract wurde in einer doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten klinischen Studie an 386 Patienten untersucht. Das Hauptzielkriterium (ein Symptomwert, der nasale Sekretion, retronasale Sekretion, Verstopfung der Nase, Kopfschmerz und Gesichtsdruck berücksichtigt) war nach Behandlung mit Verum siginifikant verbessert gegenüber der Behandlung mit Placebo.“

(Quelle: Wikipedia, Literaturangaben dort)

Ich nehme ein Präparat wie Sinupret durchaus ernst, doch bleiben eine ganze Reihe von Fragen zu diesem Phytopharmaka offen.

Markterfolg ist jedenfalls noch kein Beleg für Wirksamkeit. Markterfolge gibt es nämlich beispielsweise auch für Nashornpulver bei Potenzproblemen….

Siehe: Traditionelle Medizin gefährdet Nashörner

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Wirkstoffkunde: Was ist Cineol / 1,8-Cineol?

1,8-Cineol ist ein wichtiger Bestandteil verschiedener ätherischer Öle. In hoher Konzentration kommt es vor in Eukalyptusöl, das ungefähr 85% Cineol enthält, und im ätherischen Lorbeeröl (45%). In tieferen Konzentrationen ist Cineol vorhanden in Minzöl, Salbeiöl, Thymianöl, Basilikumöl und im Teebaumöl.

Cineol lässt sich in großen Mengen gewinnen durch fraktionierte Destillation aus Eukalyptusöl.

Cineol wirkt auswurffördernd, antiseptisch und antiparasitär.

1,8-Cineol wird eingesetzt bei Atemwegserkrankungen in der Humanmedizin, aber auch in der Veterinärmedizin. Parfümindustrie nutzt Cineol als Aromastoff, die Zahnmedizin  bei der Revision von Wurzelfüllungen.

In der Lunge und den Nebenhöhlen wirkt Cineol beim Menschen schleimlösend und bakterizid.

Es hemmt zudem bestimmte Neurotransmitter, die für die Verengung der Bronchien verantwortlich sind. Bei Asthmatikern kann reines Cineol unter ärztlicher Kontrolle die Lungenfunktion verbessern, wobei es allerdings nur in Ausnahmefällen eine Alternative zu Corticosteroiden darstellt, die als Inhalation lokal und nebenwirkungsarm angewandt werden können. Auch bei der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung COPD kann reines Cineol als Zusatzmedikation zur Standardbehandlung unter Umständen die Lungenfunktion verbessern und auf diese Weise Exazerbationen vermindern.

(Exazerbation = deutliche Verschlechterung des Krankheitsbildes bei chronisch verlaufenden Erkrankungen)

Die Hauptanwendungsbereiche von Cineol beim Menschen sind Bronchitis, Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung), Husten, Schnupfen.

Cineol kann angewendet werden in Form von Teeaufgüssen cineolhaltiger Heilpflanzen, wobei aber die Konzentration im Teewasser sehr beschränkt bleibt.

Meistens kommt Cineol daher via Inhalation, via Haut als Bestandteil von Erkältungssalben oder innerlich in Form von dünndarmlöslichen Kapseln zur Anwendung.

In der Schweiz ist Cineol Bestandteil zahlreicher Kombinationspräparate, zum Beispiel Inhalant®, Nasobol®, Olbas®, Parapic®, Rectoseptal®, Transpulmin®, Pulmex Inhalation, Gelomyrtol® Kapseln.

In Deutschland gibt es das Monopräparat Soledum Kapseln mit reinem Cineol.

Interaktionen (Wechselwirkungen): Cineol kann nach der Einnahme die Entgiftungsgeschwindigkeit der Leber für einige Arzneistoffe beschleunigen, so dass deren Wirkung angeschwächt wird.

Cineol und cineolhaltige Präparate nicht ohne ärztliche Konsultation länger als eine Woche einnehmen. Atemwegserkrankungen, die länger als 7 Tage anhalten, sollten ärztlich abgeklärt werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Myrtol (Gelomyrtol®) bei Husten und Bronchitis

Die Österreichische Apothekerzeitung (8. Oktober 2012) geht bei Thema Hustenbehandlung auf den pflanzlichen Wirkstoff Myrtol ein:

„Myrtol (Gelomyrtol®) zählt zur Wirkstoffgruppe der schleimlösenden Mittel und besitzt als ätherisches Öl sowohl sekretolytische als auch mukolytische Eigenschaften. So verhilft es zum erleichterten Abtransport des zähen, keimlastigen Schleims aus den Bronchien und Nebenhöhlen.  Des Weiteren ist der Wirkstoff für seine antibakterielle sowie antiinflammatorische Wirkung bekannt. In der Regel wird der als ätherisches Öl vorliegende Wirkstoff in Form von magensaftresistenten Weichkapseln verabreicht, die mit kalter Flüssigkeit eingenommen werden sollten. Damit wird eine frühzeitige Freisetzung der enthaltenen Wirkstoffe und damit Beschwerden im Bereich des Magen-Darmtraktes vermieden.“

Was genau ist Myrtol?

„Myrtol ist kein eindeutig definierter Begriff; er wird teilweise mit dem ätherischen Öl der Myrte (Myrtus communis), eines immergrünen Strauches, der im Mittelmeergebiet und in Vorderasien verbreitet ist, in Zusammenhang gebracht. Die exakte Bezeichnung dafür ist Myrtenöl.

In Arzneimitteln wird ein standardisiertes pflanzliches Mischdestillat als Myrtol bezeichnet, das laut Herstellerangaben nicht weniger als 25 Prozent Limonen, 25 Prozent Cineol und 6,7 Prozent (+)-α-Pinen enthält. Dieses Stoffgemisch….wirkt auswurffördernd und wird daher bei akuten und chronischen Bronchitiden sowie bei einer Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis) angewandt.“

Quelle: Wikipedia

Das in den Gelomyrtol-Kapseln enthaltene Stoffgemisch namens Myrtol besteht aus einer Mischung von Eukalyptusöl, Süssorangenöl, Myrtenöl und Zitronenöl.

Hauptanwendungsgebiet der Kapseln sind produktiver Husten / Bronchitis und Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis).

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