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Knoblauch gegen Schnupfen wirksam?

Die „Welt“ hat Hausmittel gegen Schnupfen vorgestellt. Dabei wurde auch Knoblauch als Mittel zur Vorbeugung und Behandlung empfohlen:

„Die Schwefelverbindungen des Knoblauchs eliminieren Schnupfenviren, doch es ist schwierig, diese Wirkung nicht nur im Labor, sondern auch am Menschen wissenschaftlich korrekt zu dokumentieren. Denn die Knolle riecht so unverwechselbar, dass man ihren Anwendern in einer Studie nicht ohne Weiteres eine Placebogruppe gegenüberstellen kann. Es sei denn, man verabreicht ein Knoblauchextrakt, das nur schwach riecht, und ein Placebo, das ein wenig mit Knoblaucharoma bearbeitet ist, sodass man beide nicht unterscheiden kann. Genau das tat Peter Josling vom Herbal Research Centre im englischen Sussex, mit 146 Testpersonen, drei Monate lang. Und in dieser Zeit entwickelte die Knoblauchgruppe nur halb so viele grippale Infekte wie die Placebogruppe, und deren Erkältungen dauerten auch noch drei Mal so lange.

Die Anwendung: die geschälte Zehe einfach zerkauen. Oder zerstampfen und den erhaltenen Brei in heißem Zitronenwasser ziehen lassen und den Mix in kleinen Schlucken trinken. Drei Mal pro Tag.“

Quelle:

https://www.welt.de/gesundheit/article172119898/Die-Top-Ten-der-Hausmittel-gegen-den-Schnupfen.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Diese Studie ist sehr interessant. Ich habe sie hier genauer beschrieben:

Schützt Knoblauch vor Erkältungen?

Die vorbeugende Wirkung der Knoblauch-Anwendung war eindrücklich. Wenn die Testpersonen eine Erkältung hatten, war die Krankheitsdauer allerdings in beiden Gruppen ähnlich (4,63 bzw. 5,63 Tage). Hier ist der Text der „Welt“ irreführend.

Zudem ist zu berücksichtigen: Die verwendete Knoblauchtablette entspricht einer Tagesdosis von 14 bis 36 g frischen Knoblauch. Das ist ziemlich viel, wenn man die möglichen sozialen Nebenwirkungen berücksichtigt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Gute Studiendaten für Extrakt aus Kapland-Pelargonie bei Atemwegserkrankungen von Kindern

Phytopharmaka mit dem Pelargonium-sidoides-Extrakt EPs® 7630 sind eine wirksame und sichere Behandlungsalternative für Kinder und Jugendliche mit akuten Atemwegsinfektionen. Zu diesem Fazit kommen Wissenschaftler der Klinik für Naturheilkunde und integrative Medizin der Kliniken Essen-Mitte in einer Metaanalyse.

Die Forscher fassten im Fachjournal »Academic Pediatrics« elf randomisierte klinische Studien mit total 2181 pädiatrischen Probanden zusammen (DOI: 10.1016/j.acap.2017.06.006).

In sechs Studien bekamen die Kinder entweder den Extrakt EPs 7630, der in Umckaloabo® enthalten ist, oder Placebo. Die Ansprechrate lag beim Kapland-Perlargonien-Extrakt 2,56-mal höher als unter Placebo und es zeigten sich auch kaum mehr Nebenwirkungen als unter Placebo. Als Ansprechrate galt die Zahl der Patienten mit vollständiger Genesung spezifischer Symptome des Atemwegsinfekts nach einem Zeitraum von vier bis sieben Tagen. In vier ausgewerteten Studien wurden die Kinder mit Echinacea-Extrakt (Sonnenhut) behandelt. Hier bewerteten die Autoren der Metaanalyse die Datenlage als widersprüchlich. Es zeigte sich keine Evidenz für das Vorbeugen von Symptomen eines Atemwegsinfekts. Dementsprechend ziehen die Wissenschaftler den Schluss, dass für Sonnenhut-Präparate keine Empfehlung ausgesprochen werden könne. Für standardisierte Pelargonium-Extrakte sehen die Wissenschaftler dagegen einen moderaten Beleg für Wirksamkeit und Sicherheit und ziehen sie als zusätzliche Behandlungsoption bei Atemwegsinfektionen in Betracht. Entsprechende Phytopharmaka sind in Deutschland zur Therapie der akuten Bronchitis bei Kinder ab einem Jahr zugelassen, sollten jedoch bei Kindern unter sechs Jahren nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingesetzt werden.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=74337

http://www.academicpedsjnl.net/article/S1876-2859(17)30358-3/fulltext

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Studienlage zur Kapland-Pelargonie entwickelt sich erfreulich. Festzuhalten ist allerdings, dass diese Studienergebnisse korrekterweise nur für den untersuchten Extrakt gelten und nichts aussagen über andere Zubereitungen aus Pelargonium sidoides. In der Schweiz ist der Extrakt EPs 7630 als Umckaloabo® im Handel, sowie als Kaloabo® (kassenzulässig für die Grundversicherung bei ärztlicher Verschreibung).

Bei den Echinacea-Präparaten ist die Lage insofern komplexer, dass sehr unterschiedliche Produkte in Studien untersucht werden, zum Beispiel alkoholische Tinkturen oder Frischpflanzenpresssäfte. Diese unterschiedlichen Präparate lassen sich nicht so einfach in Metaanalysen zusammenfassen. Man müsste hier also mehr wissen über die untersuchten Präparate.

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Grüntee zur Gewichtsreduktion

Der „Tages-Anzeiger hat gerade einen Artikel publiziert mit dem Titel „Was beim Abnehmen wirklich hilft – 10 Methoden im Vergleich.“

Aus phytotherapeutischer Sicht ist dabei der Abschnitt über Grüntee am interesssantesten:

„Grüntee-Extrakte finden sich in vielen Abnehmsupplementen. Etliche Studien haben gezeigt, dass Epigallocatechingallat (EGCG), ein Hauptinhaltsstoff von Grüntee, beim Fettverbrennen helfen kann. Forscher vermuten, dass Grüntee die Aktivität des Hormons Noradrenalin ankurbelt und so zur verstärkten Fettverbrennung beiträgt. Diverse Studien haben gezeigt, dass Grüntee-Extrakte zu einem moderaten Gewichtsverlust beitragen können, vor allem beim Bauchfett.“

Zu den Nebenwirkungen stellt der Autor fest, dass Grüntee in der Regel gut vertragen wird.

Der Abschnitt endet mit folgendem Fazit:

„Grüntee und Grüntee-Extrakte können die Fettverbrennung leicht ankurbeln und möglicherweise mithelfen, Bauchfett zu verlieren.“

Quelle:

https://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medizin-und-psychologie/was-beim-abnehmen-wirklich-hilft-10-methoden-im-vergleich/story/22217708

Kommentar & Ergänzung:

Als Quellen für seine Auswertung gibt der Autor an:

„National Institutes of Health, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Healthline, The Conversation u.a.“

Das Thema ist interessant. Grüntee wird ja für eine ganze Reihe von Anwendungsbereichen erforscht und empfohlen, darunter auch zur Gewichtsreduktion.

Die Ergebnisse aus Studien sind dabei allerdings oft nicht so eindeutig, wie die Werbung sie uns darstellt.

Das Portal „Medizin Transparent“ verweist auf eine Cochrane-Metaanalyse aus dem Jahr 2012:

„ In einer 2012 publizierte Arbeit der Cochrane Collaboration haben sich Hinweise verdichtet, dass Grüntee-Mittel möglicherweise nicht hilfreich für ein gesundes, langfristiges Abnehmen zur Reduktion von Gesundheitsrisiken sind – dies würde nämlich eine Gewichtsreduktion von mindestens fünf Prozent erforderlich machen.“

Mit anderen Worten:

In den zusammengefassten Studien zeigte sich eine geringe Gewichtsreduktion, die aber unterhalb von 5% lag. Damit ist sie nach Ansicht der Autoren zu klein, um gesundheitlichen Nutzen zu bringen.

Hier gibt’s einen Auszug aus der Cochrane-Studie

 

Ungeklärt ist zudem die Frage, wieviel Grüntee oder Grüntee-Extrakt ich einnehmen muss, damit diese Gewichtsreduktion von weniger als 5 % eintritt.

Von den Erkenntnissen aus anderen Anwendungsbereichen übertragen könnten es ziemlich hohe Mengen sein.

Ich selber trinke gerne ab und zu einen Grüntee, aber nicht als Wundermittel zur Gewichtsreduktion, sondern eher als Bereicherung und Abwechslung in der Ernährung.

 

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Demenzvorbeugung: US-Neurologen empfehlen Sport statt Medikamente

Mediziner sollen Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) zu sportlichen Aktivitäten ermuntern, statt sie mit Medikamenten zu behandeln, deren Wirksamkeit gemäss einer überarbeiteten Leitlinie der American Academy of Neurology (AAN) nicht belegt ist. Publiziert wurden die Empfehlungen in Neurology (2017; doi: 10.1212/WNL.0000000000004826). Sie umfassen auch die Suche nach modifizierbaren Risikofaktoren, deren Vermeidung die kognitiven Fähigkeiten der Patienten oft verbessern kann.

Leichte kognitive Beeinträchtigungen (MCI) kommen im Alter oft vor.

Die Beeinträchtigungen werden von den Betroffenen zunächst kaum bemerkt. Sie haben Schwierigkeiten, komplexe Aufgaben zu erledigen, oder verstehen Informationen, die sie gelesen haben, nicht mehr. Die Grenze zur Demenz ist erreicht, wenn Probleme mit alltäglichen Aufgaben wie Ankleiden, Baden und Essen auftreten.

Eine MCI entwickelt sich nicht immer zur Demenz weiter. Der Verfall der kognitiven Fähigkeiten kann aber schnell verlaufen: Bei 14,9 Prozent der MCI-Patienten kommt es innerhalb von zwei Jahren zu einer Demenzdiagnose.

Gegenwürtig existieren keine Medikamente, die die Entwicklung stoppen können.

Cholinesterase-Hemmer wie Donepezil, Rivastigmin, Tacrin oder Galantamin, die für die symptomatische Therapie der Alzheimer-Demenz zugelassen sind, sind für die Behandlung der MCI nicht angezeigt. Die AAN rät daher in ihrer Leitlinie von der Anwendung von Cholinesterase-Hemmern ab. Wenn die Mediziner sie den MCI-Patienten dennoch anbieten, sollten sie vorgängig auf die nicht nachgewiesene Wirkung hinweisen.

Für die Wirksamkeit von Sport existieren dagegen erste Belege. Zwar seien bisher noch keine Langzeitstudien durchgeführt worden, erklären die Leitlinien-Autoren. Sechsmonatige Studien würden aber darauf hinweisen, dass das zweimal wöchentliche Training das Gedächtnis verbessern kann.

Die Mediziner können den Patienten auch kognitives Training empfehlen, schreiben die Leitlinien-Autoren. Die Hinweise, dass die Denksport-Übungen den Patienten helfen, stufen sie jedoch als schwach ein.

Eine wichtige Aufgabe der Mediziner besteht nach Einschätzung der Leitlinien in der Suche nach beeinflussbaren Risikofaktoren. Dazu zählen die Nebenwirkungen von Medikamenten, Schlafstörungen oder Depressionen. Durch Wechsel der Medikation, verbesserte Schlafhygiene und die Behandlung von Depressionen können oft die Symptome der MCI gelindert und die Lebensqualität der Patienten verbessert werden.

Quelle:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/87286/Demenzpraevention-US-Neurologen-raten-zu-Sport-statt-Medikamenten

http://n.neurology.org/content/early/2017/12/27/WNL.0000000000004826

 

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine Bestätigung für Empfehlungen, die schon aus verschiedenen Quellen verlautet sind.

Galantamin ist übrigens ein Wirkstoff, der ursprünglich aus dem Schneeglöckchen stammt.

Siehe dazu:

Wirksamkeit von Galantamin bei Demenz bestätigt

Aus phytotherapeutischer Sicht gibt es bei leichter und mittelgradiger Alzheimer-Demenz sowie bei vaskulärer Demenz laut einer S3-Leitline Hinweise auf einen kognitiven Nutzen für den Ginkgo-Extrakt EgB 761 (Tebokan, Tebofortin, in D: Tebonin). Ein vorbeugender Effekt konnte dagegen nicht hinreichend belegt werden.

Siehe dazu:

S3-Leitlinie “Demenzen”: Empfehlung für Ginkgo-Extrakt

 

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Honig gegen Husten wirksam

Laut einer Empfehlung des American College of Chest Physicians sollten Patienten mit einem erkältungsbedingten Husten vor allem erst einmal abwarten. Oft angewendete medikamentöse Therapien mit ACC, NSAR oder Dextrometorphan kommen für die Wissenschaftlerr bei Erkältungshusten nicht infrage. Zu diesem fazit kommt zumindest ein Forscher-Team um Professor Mark Malesker von der Pharmazeutischen Fakultät der Creighton University. Die Wissenschaftler werteten randomisierte klinische Studien (RCT) aus und bewerteten in der Zusammenschau die aktuell verfügbaren Daten zum Thema Erkältungshusten.

Dabei untersuchten sie auch die Datenlage zur Wirksamkeit von Honig und analysierten RCTs, die sich mit Honig als Hustentherapie bei Kindern beschäftigten. Die Forscher zogen daraus den Schluss, dass Honig durchaus einen guten Effekt bei akutem Husten erzielen könne, da es vergleichbar gut hustenlindernd wirke wie Dextrometorphan und verglichen mit Placebo sogar wirksamer sei.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/12/12/honig-essen-zink-nehmen-und-auf-acc-verzichten/chapter:1

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine weitere Bestätigung für die Wirksamkeit von Honig bei Husten. Interesssant wäre noch zu wissen, ob es Unterschiede zwischen verschiedenen Honigsorten gibt und ob die Wirksamkeit an spezifischen Inhaltsstoffen hängt oder eher durch die enthaltenen Zuckerarten ausgelöst wird.

Wenn Honig gleich gut hustenreizlindernd wirkt wie Dextrometorphan, dann spricht viel für Honig, weil Dextrometorphan doch einige Risiken und unerwünschte Nebenwirkungen hat.

Honig soll allerdings nicht bei Kindern unter einem Jahr angewendet werden (Risiko Botulismus durch Clostridium botulinum Sporen) und den Zähnen schaden kann (Karies).

Siehe auch:

Hausmittel: Heisse Milch mit Honig gegen Husten

Erkältungen: Honig hilft gegen Husten

 

Erkältungsmittel, Hustenstiller und Schleimlöser bewertet

Heilpflanzen lindern Husten bei Kindern

Honig lindert Erkältungen bei Kleinkindern

 

 

 

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Tausendgüldenkraut von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) positiv bewertet

Die EMA trägt in regelmässigen Abständen Informationen zu Arzneipflanzen zusammen und bewertet deren Einsatz in der Pharmazie. Diese Bewertungen sollen Apotheken, Ärzten und Verbrauchern klare Richtlinien geben, inwieweit der Einsatz aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist. Inzwischen liegt auch eine positive Beurteilung des Tausendguldenkrauts (Centaurii herba) vor.

Für den Einsatz bei milden Verdauungs- oder Magenbeschwerden und Appetitlosigkeit seien die Erfahrungswerte sehr gut, schreibt die EMA. Sofern nach zwei Wochen die Beschwerden trotz Anwendung des Tausendgüldenkrauts nicht nachgelassen haben, soll laut Empfehlung ein Arzt aufgesucht werden. Obwohl Nebenwirkungen nicht bekannt sind, sollen Menschen mit peptischen Ulcera (Magengeschwüren) Tausendgülden-Produkte meiden.

Abgesehen vom mehr als 30-jährigen Erfahrungswissen nennt die EMA keine Fakten, die die Wirksamkeit des Tausendgüldenkrauts belegen. Klinische Studien sind keine durchgeführt worden und in-vitro-Daten aus Laboruntersuchungen nur marginal vorhanden. Es existieren laut EMA wenige Hinweise auf die stimulierende Wirkung von Appetit und Verdauung.

In Deutschland ist ein Präparat im Handel das Tausendgüldenkraut kombiniert mit Liebstöckel und Rosmarin enthält und bei unkomplizierten Harnwegsinfekten helfen soll. Für diese Indikation gibt die EMA aber keine Empfehlung ab.

Quelle:

https://m.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/arzneipflanzen-ema-empfiehlt-drei-phyto-klassiker-epilobium-eleutherococcus-centaurium/?forceMobile=1%3F&noMobile=1&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BcurrentPage%5D=2&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BitemsPerPage%5D=1&cHash=7114c4db7166baf0d965eea791dd4b48&tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Das Echte Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea) gehört zu den Bitterstoffpflanzen, die hauptsächlich bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt werden. Weitere Beispiele für Bitterstoffpflanzen sind Enzian, Löwenzahn, Engelwurz, Hopfen (wird aber vor allem gegen Schlafstörungen eingesetzt), Schafgarbe, Wermut, Beifuß, Kardobenediktenkraut, Kalmus, Bitterklee, Artischocke, Isländisch Moos (wird aber vor allem gegen Reizhusten eingesetzt) und Teufelskralle (wird aber vor allem gegen Rheuma, Arthrose etc. eingesetzt).

Hier gibt’s weitere Informationen zu den Bitterstoffpflanzen:

Wirkstoffe der Heilpflanzen: Bitterstoffe

 

Beim erwähnten Kombi-Präparat gegen Harnwegsinfekte mit Tausendgüldenkraut, Rosmarin und Liebstöckel halte ich die Wirksamkeitsbelege für sehr schwach. Das Thema in diesem Beitrag:

Urologen erforschen Phytopräparat mit drei Heilpflanzen

 

 

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Weidenröschenkraut bei gutartiger Prostatavergrösserung (BPH) von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) positiv bewertet

Die EMA trägt in regelmässigen Abständen Informationen zu Arzneipflanzen zusammen und bewertet deren Einsatz in der Pharmazie. Diese Bewertungen sollen Apotheken, Ärzten und Verbrauchern klare Richtlinien geben, inwieweit der Einsatz aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist. Inzwischen liegt auch eine Beurteilung des Weidenröschenkrauts (Epilobii herba) vor.

Epilobii herba, das Weidenröschenkraut, kann nach Einschätzung der EMA-Gutachter für Patienten mit benigner Prostatahyperplasie (BPH, gutartige Prostatavergrösserung) empfohlen werden. Weidenröschen kann bei Miktionsstörungen unterstützend eingesetzt werden. Eine Wirksamkeit sei insbesondere durch den jahrelangen erfolgreichen Gebrauch der Pflanze erwiesen, schreibt die EMA, und verweist auf Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit aus mehr als 30 Jahren. In der EU sind Produkte aus Weidenröschen seit 15 Jahren auf dem Markt.

Zwar gebe es keine klinischen Studien, doch sei aus Labortests ersichtlich, dass Epilobium einen Effekt auf das Wachstum von Prostatazellen habe. Darüber hinaus konnten im Labor antientzündliche und schmerzlindernde Wirkungen festgestellt werden. Nebenwirkungen bei Anwendung von Weidenröschenkraut sind nach Aussage der EMA nicht bekannt.

Für die Fachleute sind die jahrelange sichere Verwendung und die Hinweise auf gute Wirksamkeit zur unterstützenden Behandlung der BPH ausreichend, um die Anwendung bei dieser Indikation ausdrücklich zu empfehlen. Vor der Behandlung sollen allerdings schwerere Erkrankungen durch einen Arzt ausgeschlossen werden, erklärt die EMA.

Quelle:

https://m.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/arzneipflanzen-ema-empfiehlt-drei-phyto-klassiker-epilobium-eleutherococcus-centaurium/?forceMobile=1%3F&noMobile=1&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BcurrentPage%5D=2&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BitemsPerPage%5D=1&cHash=7114c4db7166baf0d965eea791dd4b48&tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Inhaltsstoffe verschiedener Weidenröschen-Arten wurden intensiv im Labor erforscht und zeigten zum Teil interessante Wirkungen. Die Empfehlung der EMA steht trotzdem auf wackligem Fundament. Laborergebnisse lassen sich nicht direkt auf die Anwendung beim Menschen übertragen und Erfahrungsberichte aus traditioneller Anwendung lassen keine sicheren Schlüsse zu. Bei einer Besserung ist nie klar erkennbar, ob sie wirklich vom angewendeten Weidenröschentee ausgelöst wurde. Bei langandauernden Beschwerden schwankt die Intensität der Beschwerden meistens im Verlauf und es passiert sehr leicht, dass jede Besserung dem angewendeten Mittel zugeschrieben wird, obwohl nur das natürliche Auf und Ab der Beschwerden vorliegt. Nur klinische Studien könnten hier Klarheit verschaffen, sind aber nicht in Sicht.

Die Phytotherapie-Fachliteratur ist deutlich zurückhaltender bezüglich der Wirksamkeit des Weidenröschens als die EMA.

Weidenröschentee verdankt seine Bekanntheit den Empfehlungen von Maria Treben (1907 – 1991), die aber wegen ihren zahlreichen fragwürdigen bis gefährlichen Ratschlägen nicht vertrauenswürdig ist.

Die auf Wikipedia geäusserte Kritik teile ich voll und ganz:

„Die Stiftung Warentest äußert erhebliche Zweifel an der Sachkundigkeit Maria Trebens und weist auf mehrere Fehler in ihren Büchern hin. Sie empfehle Pflanzen zur Behandlung schwerer Krankheiten bis hin zu Krebs, deren Wirksamkeit für diese Pflanzen überhaupt nicht nachgewiesen seien. Teilweise verwechsele Treben wichtige Fachbegriffe, beispielsweise den Zucker Inulin mit dem Hormon Insulin, wodurch sie fälschlich Löwenzahn gegen Diabetes mellitus empfehle. „Ihr Schöllkraut-Rezept gegen Leber- und Gallenleiden ist eine Anleitung zur Vergiftung. Der Ratschlag, Ohnmächtigen einen Esslöffel Schwedenbitter einzuflößen, ist lebensgefährlich.“

Die Universitätsklinik Freiburg äußert in ihrem Ratgeber für Krebspatienten: „(…) gefährlich ist (…) die Grundtendenz, alle Krankheiten als mit Kräutern heilbar darzustellen. Treben behauptet mit Hinweis auf Sebastian Kneipp, dass das Zinnkraut jeden gut- oder bösartigen Tumor zum Stillstand bringt und ihn langsam auflöst. (…) Gegenüber den ‘Ratschlägen und Erfahrungen mit Heilkräutern’ der Maria Treben ist Skepsis und Zurückhaltung geboten. (…) Gefährlich sind Ratschläge, primär gut operable und damit heilbare Tumoren zuerst versuchsweise mit Kräutern zu behandeln, z. B. Hodenkrebs mit Spitzwegerichumschlägen. Damit geht (…) viel Zeit und möglicherweise die Heilungschance verloren. Alle diese Medikamente sind in ihrer Wirksamkeit gegen Krebs unbewiesen.“

 

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Quittensirup bei Schwangerschaftsübelkeit?

Die Carstens-Stiftung beschreibt eine iranische Studie, wonach Quittensirup schwangerschaftsinduzierte Übelkeit besser reduziert als standardmäßig verabreichtes Vitamin B6. Das ist interessant, wirft aber auch einige Fragen auf.

Acht von zehn Schwangeren leiden an Übelkeit und Erbrechen und bei besonders stark ausgeprägtem Verlauf spricht man von Hyperemesis gravidarum. Der anhaltende Brechreiz kann mehrmals täglich zur Erbrechen und infolgedessen zu teils gravierendem Flüssigkeits- und Nährstoffverlust führen. Eine Anpassung der Ernährung, der Ausgleich des entstehenden Flüssigkeits- und Nährstoffmangels und die Behandlung der Symptome mittels medikamentöser Verfahren sowie eine Vitamin B6-Supplementierung (Pyridoxin) zählen zur Standardbehandlung der Hyperemesis gravidarum. Da vor allem in der frühen Schwangerschaftsphase wegen möglicher Komplikationen und Schädigungen des ungeborenen Kindes auf synthetische Arzneimittel möglichst verzichtet werden sollte, wird zunehmend auf pflanzliche Mittel wie z.B. Pfefferminze und Ingwer zurückgegriffen, um die Schwangerschaftsübelkeit zu reduzieren

Unbekannt ist bei uns bisher die Anwendung von Quittensirup.

In der Traditionellen Iranischen Medizin wird die Quitte unter anderem als Magentonikum zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen sowie als Mittel zur Appetitanregung empfohlen. Auf dieser Basis führten iranische Wissenschaftler eine Studie durch, um die Wirkung von Quittensirup im Vergleich mit Vitamin B6 bei Frauen mit Schwangerschaftsübelkeit zu untersuchen. Die Studie wurde an fünf klinischen Zentren in Teheran und Qom durchgeführt. Aufgenommen wurden 90 Frauen in der Gestationsphase zwischen der 6. bis 14. Woche und einer therapiebedürftigen, schwangerschaftsinduzierten Übelkeit von 3 bis 12 Punkten auf der PUQE-Skala (PUQE = Pregnancy-Unique Quantification of Emesis) mit und ohne Erbrechen. Per Zufallsprinzip wurden die Studienteilnehmerinnen in eingeteilt und bekamen über die Therapiephase von einer Woche dreimal täglich jeweils vor den Mahlzeiten entweder einen Esslöffel des eigens für die Studie hergestellten Quittensirups oder aber eine Tablette mit einem Gehalt von 20 mg Vitamin B6 pro Einheit.

Die Einnahme zusätzlicher Arzneimittel war nicht gestattet. Darüber hinaus wurden die Probandinnen zu einer Vermeidung von fettem Essen und dem Verzehr regelmäßiger kleiner Mahlzeiten angehalten. Während der einwöchigen Therapiephase und der nachfolgenden, ebenfalls siebentägigen Nachbeobachtungszeit dokumentierten die teilnehmenden Frauen mittels PUQE-24-Fragebogen die Dauer, Häufigkeit und Intensität ihrer Übelkeit und des auftretenden Erbrechens. Ausserdem wurden die Probandinnen zur Erfassung auftretender Nebenwirkungen angehalten.

In die Auswertung flossen Daten von 76 Patientinnen ein. In der Quittensirup-Gruppe konnte im Vergleich mit der Vitamin B-Gruppe nach 7 Tagen schon eine klinisch signifikante Besserung um rund 4,3 Punkte auf der PUQE-Skala festgestellt werden, die noch eine Woche nach Beendigung der Behandlung anhielt. In der Vitamin B6-Gruppe betrug die Punktedifferenz nach 7 Tagen lediglich 1,1 Punkte – mit sinkender Tendenz nach 14 Tagen. Zudem wiesen die Probandinnen der Quittensirup-Gruppe zu Studienbeginn eine höhere Punktezahl auf der PUQE-Skala auf (9.55, Standardabweichung 2.05) als die Frauen in der Vitamin B-Gruppe (8.44, Standardabweichung 1.87). Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass die Quittensirup-Intervention sich auch bei schwereren Verläufen erfolgreich ist. Keine der teilnehmenden Frauen klagte über das Auftreten von Nebenwirkungen.

Quelle:

https://www.carstens-stiftung.de/artikel/gar-nicht-uebel-quittensirup-bei-schwangerschaftsuebelkeit.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28631509

 

Kommentar & Ergänzung:

Da Schwangerschaftsübelkeit für die betroffenen Frauen oft eine starke Belastung ist und Quittensirup ein billiges und darüber hinaus gesundes Mittel, kann diese Studien aus dem Iran berechtigtes Interesse wecken. Jedenfalls sind mir keine Gründe bekannt, die gegen einen Versuch mit Quittensirup sprechen würden.

Die Studie ist allerdings mit 90 teilnehmenden Frauen ziemlich klein, was ihre Aussagekraft einschränkt. Wir treffen hier auf ein Problem, das in der Forschung mit Naturheilmitteln oft vorkommt:

Für eine grosse, beweisende Studie, die entsprechend teuer und aufwendig ist, wird sich kaum ein Sponsor finden, wenn das untersuchte Produkt nicht patentierbar sondern billig im Haushalt herzustellen ist. Bei solchen Hausmitteln fehlt einfach oft (und ökonomisch nachvollziehbar) das kommerzielle Interesse für Investitionen in die Forschung.

Fragen wirft auch der Vergleich von Quittensirup versus Vitamin B6-Gabe auf.

Die Wirksamkeit von Vitamin B6 bei Schwangerschaftsübelkeit ist selber nicht zweifelsfrei geklärt. Pharmawiki schreibt dazu:

„Die Verwendung von Pyridoxin gegen Übelkeit geht vermutlich auf kleine, unkontrollierte Studien aus den 1940er Jahren zurück (z.B. Willis et al., 1942). Moderne Zulassungsstudien sind nicht verfügbar. Wir haben in der neueren wissenschaftlichen Literatur lediglich zwei kleine randomisierte und placebokontrollierte klinische Studien aus den 1990er Jahren identifiziert, ausschliesslich in der Indikation Schwangerschaftserbrechen (Sahakian, 1991; Vutyavanich, 1995). Aus unserer Sicht gibt es Hinweise für eine mögliche Wirksamkeit, sauber wissenschaftlich nachgewiesen ist sie bisher jedoch nicht. Ein Therapieversuch ist aufgrund der guten Verträglichkeit möglich.“

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Pyridoxin%20gegen%20Übelkeit

 

Und die Pharmazeutische Zeitung verweist auf eine Cochrane-Metaanalyse:

„Forscher der Cochrane Collaboration haben in einer aktuellen Übersichtsarbeit Studien zu Arzneimitteln zusammengefasst, die bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft empfohlen werden. Ihr Fazit: In Anbetracht der hohen Prävalenz der Beschwerden ist die Studienlage erstaunlich schlecht. So fanden sich beispielsweise für die vielfach empfohlenen Ingwer- oder Pyridoxinpräparate nur sehr wenige Daten aus qualitativ hochwertigen klinischen Studien. Ingwer und Pyridoxin (Vitamin B6) scheinen aber besser als Placebo morgendliche Übelkeit zu lindern. Bei der Reduktion von Erbrechen zeigte nur Ingwer einen leichten Nutzen, während sich die Symptome mit Vitamin B6 nicht eindeutig verbesserten.“

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=36523

Wenn für die Vergleichsgruppe mit der Vitamin B6-Gabe eine Intervention gewählt wird, die selber nicht eindeutig in ihrer Wirksamkeit ist, dann kann der Quittensirup diese Vergleichgruppe verhältnismässig leicht übertreffen. Aussagekräftig wäre zudem eine dritte Gruppe gewesen, die ein Placebo bekommen hätte.

Aber eben, das ist alles auch eine Frage der Ressourcen.

Interessant schein mir noch die überlegung, welcher Wirkungsvorgang der Anwendung von Quittensirup bei Schwangerschaftsbelkeit zugrunde liegen könnte.

Die Quittenfrucht enthält „viel Vitamin C, Kalium, Natrium, Zink, Eisen, Kupfer, Mangan und Fluor, Tannine (Catechin und Epicatechin), Gerbsäure, organische Säuren, viel Pektin und Schleimstoffe.“ (Quelle: Wikipedia)

Am interessantesten scheinen mit hier Pektin und Schleimstoffe zu sein. Sie könnten möglicherweise über eine Eindickung der Nahrung dem Erbrechen entgegenwirken. Das kennt man auch von Johannisbrotkernmehl (z. B. als Nestargel) gegen Erbrechen bei Säuglingen.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde werden eher die reifen Quittensamen verwendet. Unzerkleinerte Quittensamen nutzt man für die Zubereitung eines Schleims, der gegen Hustenreiz, als mildes Abführmittel und gegen Entzündungen von Haut und Schleimhäuten eingesetzt wird.

Quittensirup gibt es meines Wissens nicht als Fertigprodukt zu kaufen, doch existieren viele Rezepte zur Zubereitung.

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Grüntee gegen Zahnfleischentzündung

Mundspülungen mit Grüntee schützen genauso effektiv vor Zahnbelag und Zahnfleischentzündung wie Chlorhexidin.

Chronische Gingivitis (Zahnfleischentzündung) infolge einer verstärkten Anlagerung von krankmachenden Bakterien an Zähnen und Zahnfleisch betrifft weltweit 50 bis 90 % der Erwachsenen.

Insbesondere bei Personen mit einer entsprechenden Anfälligkeit kann sich daraus eine Parodontitis entwickeln, eine Entzündung des Zahnhalteapparats. Konsequente, gründliche Mundhygiene kann frühzeitig der Entstehung von Plaques und Zahnfleischentzündung vorbeugen.

Dabei können ergänzend zur mechanischen Reinigung mit Zahnbürste, Zahnseide und Co. Mundspülungen mithelfen. Die Substanz Chlorhexidin gehört aufgrund ihrer antimikrobiellen Wirksamkeit zur Standardlösung im Kampf gegen bakterielle Entzündungen im Mundraum. Allerdings wird Chlorhexidin nicht für eine Langzeitanwendung empfohlen und kann Nebenwirkungen wie Taubheitsgefühl, Schwellungen und Schleimhautreizungen bewirken. Zudem kann es die Zähne, Füllungen und die Zunge bräunlich verfärben. Es sind allerdings auch Produkte erhältlich, welche keine Verfärbungen verursachen.

Verschiedene Mundspülungen auf pflanzlicher Basis werden als Alternative zu Chlorhexidin bereits angeboten.

Grüntee von der Teepflanze Camellia sinensis besitzt aufgrund seiner verschiedenen Inhaltsstoffe eine vielfältige gesundheitsfördernde Wirkung und kann auch als antibakterielles Mittel eingesetzt werden.

Eine iranische Wissenschaftlergruppe untersuchte nun in einer randomisierten Studie die Wirksamkeit einer Mundspülung auf der Basis von Grüntee gegen Chlorhexidin.

Die Studie umfasste 40 Teilnehmer, Medizinstudenten im Alter von 18 bis 25 Jahren. Sie wurden zu Beginn der Studie hinsichtlich ihres mundhygienischen Zustandes untersucht (Entzündungen des Zahnfleisches, Zahnfleischbluten, Ausmaß des Zahnbelags Plaque, Verfärbungen der Zähne). Danach wurden Zahnbeläge, Zahnstein und Verfärbungen entfernt und die Probanden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe bekam eine Mundspüllösung auf Basis von Grüntee, welche speziell für die Studie mit einem Tanningehalt von 1 % hergestellt wurde, die andere Gruppe bekam eine Mundspülung mit Chlorhexidin (0,12 %).

Die Studie war doppelblind. Das heisst: Die Testpersonen beider Gruppen wurden nicht darüber informiert, welche Lösung sie erhalten hatten, und auch die untersuchenden Ärzte wussten nicht, zu welcher Gruppe die Probanden gehörten.

Die Teilnehmer bekamen die Anweisung, über einen Zeitraum von vier Wochen zusätzlich zu ihrer normalen Zahnreinigung zweimal täglich eine Minute lang mit 15 ml der jeweiligen Lösung den Mund durchzuspülen.

Nach einer Woche und am Studienende wurden wiederum die zu Beginn untersuchten mundhygienischen Parameter durch ein und denselben Arzt überprüft.

Zu allen drei Überprüfungszeitpunkten liessen sich keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen festgestellen. In beiden Gruppen fanden die Untersucher nach einer bzw. vier Wochen Anwendung der Mundspülungen weniger Zahnbelag, Zahnfleischentzündungen und Zahnfleischbluten im Vergleich zum Befund beim Studienbeginn. Das bedeutet, dass die Spülungen mit Grüntee genauso wirksam waren wie jene mit Chlorhexidin. Mit Grüntee-Spülungen kam es zudem weniger zu Zahnverfärbungen als mit Chlorhexidin.

Quelle:

https://www.carstens-stiftung.de/artikel/gruener-tee-gegen-rotes-zahnfleisch.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26272266

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie ist mit 40 Probanden ziemlich klein und daher in ihrer Aussagekraft begrenzt. Es gibt aber weitere Hinweise auf eine günstige Wirkung von Grüntee bei Zahnfleischentzündungen, zum Beispiel die Beobachtungsstudie hier:

Grüntee fördert gesundes Zahnfleisch

Wobei Beobachtungsstudien nur Hinweise auf mögliche Wirkungen geben, aber nie solche belegen können.

Die Gerbstoffe machen eine Wirksamkeit des Grüntees bei Zahnfleischentzündungen auch plausibel. Dabei dürfte eine direkte entzündungswidrige Wirkung im Vordergrund stehen – im Gegensatz zum Chlorhexidin, das indirekt Entzündungen hemmt über die bakterientötende Wirkung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Ginkgo-Extrakt: Unerwünschte Nebenwirkungen auf Placebo-Niveau

Ob Patienten mit dem Ginkgo-biloba-Spezialextrakt EGb 761® (Tebonin®) behandelt werden oder mit einem Scheinmedikament (Placebo) macht keinen Unterschied, was die Häufigkeit von Nebenwirkungen anbelangt. Zu diesem Resultat kommt eine Metaanalyse von 44 placebokontrollierten Studien, die kürzlich im Rahmen einer Poster-Präsentation auf dem Symposium der Europäischen Gesellschaft für Klinische Pharmazie (ESCP) in Heidelberg präsentiert wurde. In der Fachinformation des Ginkgo-Präparats Tebonin sind als potenziell auftretende unerwünschte Ereignisse Blutungen an einzelnen Organen, schwere Überempfindlichkeitsreaktionen, leichte Magen-Darm-Beschwerden sowie Kopfschmerzen und Schwindel aufgeführt. Wie oft diese Nebenwirkungen unter Tebonin im Vergleich zu Placebo auftreten, untersuchten zwei Mitarbeiter der Herstellerfirma Willmar Schwabe unter der Leitung von Professor Dr. Martin Schulz von der Freien Universität Berlin. Total werteten sie 44 randomisierte klinische Studien aus, in denen insgesamt 6415 Patienten entweder EGb 761 oder Placebo bekommen hatten. Für keine der aufgeführten Nebenwirkungen ergab sich in der Gesamtschau ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Placebo und EGb 761.

Die Autoren ziehen den Schluss, dass sich unter der Behandlung mit Tebonin sowohl unerwünschte Wirkungen als auch vermutete unerwünschte Arzneimittelreaktionen auf Placebo-Niveau bewegen. Die bisherige Bewertung potenzieller Nebenwirkungen sei womöglich verzerrt worden, weil zu wenige placebokontrollierte Studien betrachtet wurden.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=72616

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein positives Ergebnis für den Ginkgo-biloba-Spezialextrakt EGb 761® (Tebonin®, in der Schweiz als „Tebofortin“ bzw. kassenzulässig bei ärztlicher Verordnung als „Tebokan“). Diese Aussagen lassen sich aber nicht einfach auf andere Ginkgo-Zubereitungen übertragen, insbesondere nicht auf Ginkgotee, der unterschiedliche Mengen von Ginkgolsäuren enthalten kann, die ein hohes allergenes Potenzial besitzen und in pharmakologisch-toxikologischen Untersuchungen auch cytotoxische, neurotoxische und mutagene Wirkungen zeigen.

Siehe dazu:

Ginkgotee nicht ohne Risiko

 

Einschränkend muss man sagen, dass die Untersuchung weitgehend vom Hersteller abhängig war und dass eine Poster-Präsentation an einem Kongress nicht gleich viel wert ist wie eine Publikation in einer Fachzeitschrift.

Das Thema ist aber grundsätzlich sehr interessant: Gibt man ein wirkstofffreies Scheinpräparat (Placebo), so sind vergleichbare Nebenwirkungen zu beobachten wie bei dem echten Arzneimittel, hier einem Ginkgo-Präparat.

Das heisst natürlich – und das wollen die Autoren auch sagen – dass das Ginkgo-Präparat gut verträglich ist.

Aber es heisst auch, dass bei der Anwendung eines wirkstofffreien Scheinpräparats Nebenwirkungen beobachtet werden können. Das ist auf den ersten Blick doch sehr erstaunlich.

Wie kommen solche unerwünschten Nebenwirkungen zustande?

Erstens können wirkstofffreie Scheinpräparate (Placebo) eine Erwartungshaltung erzeugen, die zu unerwünschten Nebenwirkungen führt. Das nennt man Nocebo-Effekt.

Siehe dazu:

Interessantes zum Nocebo-Effekt

Zweitens kann es sein, dass während der Einnahme eines Arzneimittels zufällig bestimmte Beschwerden auftreten, die dann fälschlicherweise dem Arzneimittel zugeschrieben werden.

Wenn ich über drei Monate ein Medikament X einnehme und während dieser Zeit zwei Tage Kopfschmerzen habe, kann ich den Schluss ziehen, dass es sich bei diesen Kopfschmerzen um eine Nebenwirkung von Medikament X handelt. Die Ursache für die Kopfschmerzen sehe ich bei Medikament X, obwohl die Kopfschmerzen und die Einnahme von X unabhängig voneinander sind. In diesem Fall spricht man von einem Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss.

Das tönt komplizierter als es ist. Mehr dazu hier:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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