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Kann Kaffee Alzheimer und Herzkrankheiten vorbeugen?

Je dunkler der Kaffee geröstet wird, desto besser soll er fürs Gehirn sein. Dieses Fazit ziehen Wissenschaftler der University of Toronto in einer Studie.

Kaffee mit dunkler Röstung soll demnach Gehirnkrankheiten wie Parkinson oder Alzheimer vorbeugen.

Ausschlaggebend für diese Wirkung soll eine Gruppe von Inhaltsstoffen sein, die Phenylindane, die im Zuge der Röstung entstehen. Untersucht wurden drei Kaffeesorten – heller Röstung, dunkler Röstung und entkoffeinierter dunkler Röstung. Die Studienautoren Ross Mancini, Yanfei Wang und Donald Weaver schreiben, dass dunkle Röstungen (auch in entkoffiinierter Variante) besonders viele Phenylindane enthalten, die wiederum die Produktion von mit Alzheimer und Parkinson in Verbindung stehenden Proteinen (Beta-Amyloid und Tau) hemmen.

Je länger die Röstung, desto mehr potentiell gesunde Phenylindane im Kaffee

Auf die Frage, welche Menge von Kaffee für eine vorbeugende Wirkung nötig ist, gibt die Untersuchung hingegen keine Antwort.

Ungeklärt bleibt auch, ob Kaffee als therapeutisches Mittel bei bestehenden Erkrankungen eingesetzt werden könnte. Dazu bedürfe es weiterer Forschung, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle:

https://diepresse.com/home/leben/gesundheit/5528069/Studie_Kaffee-wirkt-gegen-Alzheimer-und-Herzkrankheiten

Originalstudie:

Phenylindanes in Brewed Coffee Inhibit Amyloid-Beta and Tau Aggregation

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnins.2018.00735/full

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessant finde ich, dass die Röstung hier eine Rolle zu spielen scheint. Allerdings muss auch gesagt werden, dass wir es hier mit einer reinen Laboruntersuchung zu tun haben. Ob dunkel gerösteter Kaffee bei Menschen tatsächlich vorbeugend gegen Alzheimer und Parkinson wirkt, könnte nur durch eine Langzeitstudie mit einer Kontrollgruppe geklärt werden. Da solche Studien sehr aufwendig und teuer sind, ist es eher unwahrscheinlich, dass sie in Angriff genommen werden. Obwohl die Kaffee-Industrie die finanziellen Ressourcen dazu bestimmt hätte.

Da beim Rösten von Kaffee Stoffe entstehen, die die Ausschüttung von Magensäure verlangsamen können, sollen stark geröstete Bohnen besser magenverträglich sein. Bezüglich Verträglichkeit spielen aber auch wohl individuelle Faktoren und die Kaffeesorte eine Rolle.

Kaffee taucht in der Phytotherapie-Fachliteratur nicht auf, obwohl die Kaffeebohne selbstverständlich aus der Pflanzenwelt stammt. Kaffee gilt heute ganz offensichtlich nicht als Arznei, sondern als Genussmittel. Immerhin wird Kaffee aber hinsichtlich seiner gesundheitlichen Auswirkungen intensiv erforscht und er ist eine bedeutende Quelle für Antioxidantien.

 

 

 

 

 

 

[Buchtipp] “Cannabis” von Klaus Häussermann, Franjo Grotenhermen, Eva Milz

CannabisVerlagsbeschreibung

Cannabis auf Rezept!
1976 pries der Song “Legalize it!” Cannabis als Medizin – und landete auf dem Index. 2016 lindert Vater Beimer in der “Lindenstraße” seine Parkinsonsymptome mit Gras und hat die Nation auf seiner Seite. Ein weiter Weg – doch jetzt ist es so weit: Cannabis auf Rezept aus der Apotheke! Dieses Szenario ist brandneu und wirft ungewohnte Fragen auf:
Welche Sorten und Darreichungsformen von Cannabis sind verfügbar?
Wem wird was auf welcher rechtlichen Grundlage verschrieben?
Welche Indikationen sprechen auf Cannabis an?
Wie sind Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen für den Patienten?
Wie gestaltet sich Beschaffung, Lagerung und Prüfung in der Apotheke?
Die Autoren, ausgewiesene Experten für BtM und cannabisbasierte Arzneimittel, liefern Ihnen eine kompakte Arbeitshilfe für die Apotheke. Profitieren Sie von diesem Wissen!

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Zum Autor Klaus Häußermann

Dr. Klaus Häußermann studierte Biologie an der Universität Stuttgart. Die Promotion folgte am Dr. Margarete-Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie in Stuttgart. Nach 20-jähriger Industrietätigkeit als Leiter Betäubungsmittel (BtM-Verantwortlicher, zuvor Leiter Med-Wiss. BtM & ZNS, ehemaliges Mitglied im Sachverständigenausschuss BtM beim BfArM) sind Schwerpunkte seiner freiberuflichen Tätigkeit Fortbildung (LAV Baden-Württemberg, verschiedene bundesweit auftretende Seminaranbieter) und Beratung im Betäubungsmittelwesen in Apotheke, Arztpraxis und Industrie. Er ist Autor von Fachartikeln in der Zeitschrift PTAheute und des BtM-Teils von “Das große PTAheute Handbuch”. Dr. Häußermann ist Mitglied der ACM/IACM und der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin.

Kommentar von Martin Koradi

Die Möglichkeiten für den legalen Einsatz von Cannabis als Arzneimittel waren lange Zeit aus ideologischen Gründen komplet verschlossen. Das ändert sich seit einigen jahren Schritt für Schritt.

In der Schweiz  sind unter gewissen Umständen pharmazeutische Präparate wie Dronabinol, Sativex, Cannabistinktur und Ölauszuge (Sativa Öl) mit einer Bewilligung des BAG legal erhältlich. In Deutschland hat der Bundestag im Januar 2017 das „Cannabisgesetz“ angenommen.  Damit können Ärzte und Ärztinnen Cannabisblüten verschreiben, wenn sie begründet eine positive Wirkung auf den Krankheitsverlauf oder vorhandene Symptome erwarten. Die Krankenkassen müssen diese Therapie in solchen Fällen bezahlen. Der Anbau des medizinischen Cannabis wird in Zukunft Sache des Staates sein.

Diese veränderte gesetzliche Situation stellt Ärzte und Apotheker vor neue Herausforderungen und verlangt vertieftes Wissen über Wirkungen, Nebenwirkungen, Interaktionen, Anwendungsformen, Dosierungen etc.

Diese A4-Broschüre mit 51 Seiten liefert das nötige Know-how.

Die rechtlichen Erläuterungen beziehen sich natürlich auf die Situation in Deutschland und lassen sich nicht auf die Schweiz übertragen.

Von den fachlichen Ausführungen profitieren jedoch alle, die sich mit der medizinischen Anwendung von Cannabis befassen.

Die Wirkungen, Nebenwirkungen, Kontraindikationen, Risiken und Anwendungsformen (Präparate, Canabisblüten) werden detailliert und auf dem aktuellen Wissensstand beschrieben.

Als etablierte Indikationen für cannabisbasierte Medikamente führen die Autoren auf:

Übelkeit und Erbrechen bei Krebs-Chemotherapie

Appetitlosigkeit und Kachexie (Auszehrung) bei Krebs- oder HIV/Aids-Patienten

Neuropathische und chronische Schmerzen

Spastik bei multipler Sklerose.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

Studie: 28 000 Pflanzenarten mit Heilkraft für Menschen

Über 28 000 Pflanzenarten besitzen laut einer umfangreichen Untersuchung Heilkraft für den Menschen – doch nur ein Bruchteil von ihnen ist in der medizinischen Forschung bekannt.

In seinem aktuellen Jahresbericht bilanziert das britische Zentrum für botanische Forschung, Kew Gardens, dass nur 16 Prozent der Heilpflanzen in anerkannten medizinischen Publikationen Erwähnung finden.

Dabei kommt der Bericht zum Schluss, dass Heilpflanzen ein „riesiges Potenzial“ bei der Bekämpfung von Krankheiten wie Diabetes und Malaria hätten. Die beiden Pflanzenstoffe Artemisinin und Chinin zählten beispielsweise „zu den wichtigsten Waffen“ gegen die Infektionskrankheit Malaria, an der 2015 mehr als 400 000 Menschen starben.

An der Studie „State of the World’s Plants“ beteiligten sich 128 Forscher aus zwölf Ländern. Aufgeführt werden darin etwa 1 730 Neuentdeckungen seit dem Vorjahr. Dazu gehören neun Arten einer Kletterpflanze namens Mucuna, die bei der Behandlung von Parkinson angewendet werden.

 

Quelle:

http://science.orf.at/stories/2844019/

http://www.kew.org/science/who-we-are-and-what-we-do/strategic-outputs-2020/state-of-the-worlds-plants

https://stateoftheworldsplants.com/2017/report/SOTWP_2017_4_material.pdf

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie untersucht unter anderem, in welchen Pflanzenfamilien am meisten Heilpflanzen vorkommen. Zweifellos existiert ein grosses Potenzial an unerforschten Heilpflanzen und es ist sehr zu begrüssen, wenn die Botanik sich hier um eine systematische Erfassung bemüht. Allerdings handelt es sich dabei um einen weitgehend theoretischen Überblick zu potenziellen Heilpflanzen. Bis eine Heilpflanze tatsächlich therapeutisch bei kranken Menschen eingesetzt werden kann, braucht es oft noch sehr viel Forschung.

Auch ist nicht alles, was da entdeckt worden ist, vollkommen neu. Das zeigt der Hinweis auf die „neun Arten einer Kletterpflanze namens Mucuna, die bei der Behandlung von Parkinson angewendet werden.“

Die Samen von Mucuna pruriens, der Juckbohne, werden wegen ihres Gehalts an L-Dopa schon seit längerem bei Parkinson-Patienten eingesetzt und dazu auch industriell verarbeitet.

In der Parkinson-Behandlung wird L-Dopa schon seit vielen Jahren zur Linderung der Symptome angewendet.

Der Wirkstoff hat eine kleine therapeutische Breite. Wirksame und giftige Dosierung liegen also nahe beieinander. Starke Schwankungen im Wirkstoffgehalt, wie sie in Pflanzen vorkommen können, können daher Risiken mit sich bringen und für die Anwendung der klar dosierbaren, isolierten Einzelsubstanz sprechen.

Siehe auch:

Hilft Juckbohne (Mucuna Pruriens) bei Parkinson?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Cannabis als Medizin: Unterschiedliche Wirkung von Cannabis sativa und Cannabis indica

Professor Dr. Theo Dingermann, Seniorprofessor an der Universität Frankfurt, hat auf einer Fortbildungsveranstaltung die verschiedenen Cannabisarten mit ihren unterschiedlichen Wirkungen beschrieben.

Die Pflanzengattung Hanf (Cannabis) gehört in die Familie der Hanfgewächse und besteht aus drei verschiedenen Arten, auf die sich jede erhältliche Mischung oder Kreuzung zurückführen lässt: Cannabis sativa, Cannabis indica und Cannabis ruderalis.

Zu Cannabis sativa, der bekanntesten Art, sagt Dingermann:

„Das High, das solche Sorten erzeugen, wird meist als psychedelisch, verträumt und kreativitätsfördernd beschrieben. Der Effekt ist sowohl geistig als auch körperlich spürbar.“

Diese Cannabis-Sorten werden insbesondere zur Behandlung von Übelkeit und Brechreiz eingesetzt, beispielsweise verursacht durch eine Chemotherapie oder durch HIV/Aids-Medikamente, ausserdem bei Appetitlosigkeit, Migräne, Depression, chronischen Schmerzen und verwandten Symptomen.

Das High von Cannabis indica beschrieb Dingermann als schwer und stark und in der Regel wie ein Beruhigungsmittel wirkend. Diese Empfindung sei vor allem körperlicher Natur und wirke entspannend, da die Muskelspannung vermindert werde. Bevorzugte Anwendungsbereiche sind daher die Behandlung von Muskelspasmen und Tremor-Symptomen (beispielsweise bei Multiple Sklerose und Parkinson) sowie chronische Schmerzen, Schlaflosigkeit oder Ängste.

Cannabis ruderalis ist eine kleinwüchsige, struppige Pflanze, die nur äußerst wenig THC enthält und wegen ihrer frühen Blüte in der Züchtung eine Rolle spielt.

Quelle:

ptaforum 06/2016

http://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=8597

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Differenzierung, die auch für die medizinische Anwendung wichtig ist. Für die unterschiedliche Wirkung von Cannabis sativa und Cannabis indica dürfte unter anderem der höhere Gehalt an Cannabidiol (CBD) in Cannabis indica verantwortlich sein. Mit reinen THC-Präparaten wie Dronabinol ist jedenfalls nicht allen Patientinnen und Patienten optimal geholfen. CBD kann die Wirkung offenbar in manchen Fällen günstig modulieren.

Siehe dazu auch:

Cannabis-Wirkstoffe: Neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

Sativex-Spray mit Cannabisextrakt gegen Spastik bei Multipler Sklerose in der Schweiz zugelassen

Zu Möglichkeiten des legalen Bezug von Cannabis-Präparaten für Patientinnen und Patienten in der Schweiz:

Cannabis für Patienten in der Schweiz legal erhältlich

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Hilft Juckbohne (Mucuna pruriens) bei Parkinson?

Schon mehrmals bin ich an Kräuterseminaren gefragt worden, was ich von der Juckbohne als Mittel bei Parkinson halte.

Mucuna pruriens, die Juckbohne, enthält in den getrockneten Samen L-Dopa in relativ hoher Konzentration (5 – 6 Prozent). Da L-Dopa seit vielen Jahren in der Parkinson-Behandlung zur Linderung der Symptome verwendet wird, ist eine Wirksamkeit von Mucuna jedenfalls denkbar.

Laborexperimente und tierexperimentelle Untersuchungen legen eine neuroprotektive Wirkung nahe und auch einzelne, in Bezug auf Dauer und Zahl der Teilnehmenden allerdings kleine Patientenstudien weisen in diese Richtung.

Grössere Patientenstudien über längere Zeiträume, welche die Wirksamkeit und Sicherheit einwandfrei belegen könnten, fehlen jedoch. Die bei L-Dopa während einer Langzeiteinnahme beobachtbaren Nebenwirkungen und Wirkungsschwankungen könnten auch bei Mucuna auftreten. Ein gewisses Risiko liegt zudem im schwankenden und ungewissen Wirkstoffgehalt der Mucuna-Präparate.

Deshalb ist sehr zu empfehlen, die Anwendung mit einem erfahrenen Neurologen abzusprechen.

Erfolgsberichte im Internet zur Anwendung der Juckbohne sagen leider wenig Handfestes aus. In solchen Einzelverläufen kann nicht wirklich unterschieden werden, was der natürliche Krankheitsverlauf ist, welchen Einfluss die begleitend eingenommenen Parkinsonmedikamente haben und welche Wirkung dem Mucuna-Präparat zukommt. Um dies herauszufinden wären eben genau die erwähnten grossen Patientenstudien nötig, die es nicht gibt. Daher hält sich die Phytotherapie-Fachliteratur mit Empfehlungen bei diesem Thema zurück. Und wenn die Wirkung der Juckbohne vom L-Dopa stammt, dann muss man sich auch fragen, weshalb man nicht bei der Substanz L-Dopa bleibt, die besser dosierbar ist.

Bei Wirkstoffen mit derart kleiner therapeutischer Breite ( = wirksame und giftige Dosierung liegen nahe beieinander), sind starke Schwankungen im Wirkstoffgehalt, wie sie in Pflanzen vorkommen können, meistens nicht tolerierbar.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Hopfen-Inhaltsstoff Xanthohumol reduziert LDL-Cholesterol (bei Mäusen)

Das in Hopfen und auch in Bier vorkommende Flavonoid Xanthohumol verbessert Tierversuchen zufolge bedeutende Biomarker für das metabolische Syndrom und führt zu Gewichtsverminderung.

Das konnten Forscher um Cristobal L. Miranda von der Oregon State University in Corvallis in ihren Studien zeigen.

Wie die Wissenschaftler in «Archives of Biochemistry and Biophysics» schreiben, fütterten sie Labormäuse mit einer hochkalorischen Kost. Einige Tiere bekamen zusätzlich Xanthohumol. Im Vergleich zur Kontrollgruppe reduzierte sich der LDL-Cholesterol-Spiegel in der Gruppe, die die höchste Flavonoid-Dosis bekommen hatte, um 80 Prozent. Der Insulinspiegel sank um 42 Prozent, das proinflammatorische Zytokin Interleukin-6 um 78 Prozent. Wegen der hochkalorischen Kost legten alle Mäuse an Gewicht zu, jedoch in unterschiedlichem Ausmaß. Tiere, die Xanthohumol bekommen hatten, nahmen durchschnittlich 22 Prozent weniger zu als ihre Artgenossen.

Die Forscher gehen davon aus, dass Xanthohumol in der Lage ist, den Plasmaspiegel des Proteins PCSK9 zu reuzieren. Damit hätte der Hopfen-Inhaltsstoff einen ähnlichen Wirkmechanismus wie die beiden PCSK9-Antikörper Alirocumab und Evolocumab, die seit 2015 zur LDL-Senkung auf dem deutschen Markt zugelassen sind. Bevor Studien mit Xanthohumol beim Menschen durchgeführt werden, wollen die Forscher noch weitere Beweise für Wirksamkeit und Sicherheit von Xanthohumol in Tierversuchen liefern.

Einen herben Dämpfer versetzen die Wissenschaftler der Hoffnung, mit Xanthohumol aus Bier den Cholesterolspiegel zu senken.

Die höchste in der Studie eingesetzte Xanthohumol-Menge betrug 60 mg/kg Körpergewicht. Übertragen auf den Menschen würde das bei einer 70 kg schweren Person einer Menge von 350 mg entsprechen. Für diese Dosis müsste ein Mensch täglich mehr als 1600 l Bier trinken. Die Wissenschaftler sind jedoch der Meinung, dass diese Xanthohumol-Menge leicht in einer Kapsel oder Tablette untergebracht werden könnte und dann nur einmal täglich eingenommen werden müsste.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=62989

DOI: 10.1016/j.abb.2016.03.008

 

Kommentar & Ergänzung:

Xanthohumol ist ein sehr interessanter Naturstoff, der bisher ausschliesslich im Hopfen nachgewiesen wurde, und auch in der Forschung einige Aufmerksamkeit bekommen hat. Man kann an diesem Beispiel aber auch zeigen, dass die Ergebnisse von Laboruntersuchungen an Tieren nicht einfach auf die Anwendung bei Menschen übertragen werden können.

Die Sicherheit und Wirksamkeit muss bei Patienten mit erhöhten Cholesterolspiegeln belegt werden.

Ob sich dann eine Reduktion der Cholesterolspiegel erreichen lässt, die klinisch relevant ist und sich zum Beispiel im reduzierten Auftreten von Herz-Kreislauferkrankungen zeigt, ist noch völlig offen.

Daher ist es ungenau und verkürzt, wenn diese Studie in manchen Zeitungen mit der Schlagzeile „Hopfen reduziert Cholesterolspiegel“ angekündigt wird. Aber eine korrekte Schlagzeile wie „Xanthohumol reduziert Cholesterolspiegel bei Labormäusen“ spricht halt weniger an.

Diese Einwände gelten auch für andere Schlagzeilen rund um Xanthohumol wie „Bier könnte gegen Alzheimer schützen“ oder „Schützt Hopfen vor Krebs?“.

Zwar ist Xantohumol ein starkes Antioxidans. In Laborversuchen zeigt es sich als wirksam gegen die Entstehung von Krebszellen. Zudem kann es die Nervenzellen des Gehirns schützen, was möglicherweise den Krankheitsverlauf bei Alzheimer und Parkinson verlangsamen könnte. Aber: Das sind interessante Laborergebnisse, die noch sehr wenig über eine mögliche Wirksamkeit beim Menschen aussagen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heidelbeeren gegen Alzheimer-Symptome?

Heidelbeeren (Blaubeeren) könnten helfen, Gedächtnisprobleme bei beginnender Demenz zu lindern. Darauf weisen zwei Pilotstudien mit älteren Menschen hin. Die tägliche Einnahme von Heidelbeerpulver führte bei Testpersonen zu messbaren Verbesserungen von Gedächtnis und geistigen Leistungen, in der Placebogruppe war dies nicht der Fall. Grund für die Wirkung könnten die in den Beeren enthaltenen Anthocyane sein, wie US-Wissenschaftler berichten.

Heidelbeeren sind reich an Antioxidantien und bereits veröffentlichte Studien deuten auf risikosenkende Effekte für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs hin. Neue Studien legen nun nahe, dass auch das Gehirn von den Heidelbeeren profitieren könnte.

Robert Krikorian von der University of Cincinnati und seine Kollegen verabreichten für ihre Studie 47 über 68-Jährigen mit ersten Gedächtnisausfällen täglich etwa eine große Handvoll Heidelbeeren in Form eines Pulvers aus den gefriergetrockneten Beeren.

Eine zweite Gruppe bekam stattdessen ein ähnlich aussehendes Placebo-Pulver. Beim Start der Studie und nach 16 Wochen absolvierten alle Versuchspersonen Tests ihres Gedächtnisses und ihrer geistigen Leistungen.

Das Resultat: Probanden, welche die Heidelbeeren eingenommen hatten zeigten eine klare Besserung bei den geistigen Leistungen und der Hirnfunktion gegenüber den Placebo-Empfängern. Die Heidelbeer-Gruppe zeigte ein verbessertes Gedächtnis und einen besseren Zugang zu Wörtern und abstrakten Konzepten. Hirnscans mittels funktioneller Magnetresonanz-Tomografie (fMRT) ergaben zudem eine stärkere Hirnaktivität bei den Heidelbeer-Teilnehmern.

Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte dieser günstige Effekt auf die Wirkung der Anthocyane zurückgehen. Dieses im blauen Pflanzenfarbstoff enthaltene Antioxidans zeigte in früheren Untersuchungen schon eine hirnschützende Wirkung bei Parkinsonpatienten und bei Tieren mit Alzheimerähnlichen Erkrankungen.

Nach Ansicht der US-Forscher aus Cincinnati bestätigen ihre Ergebnisse diese vorhergehenden Studien und stützen die Annahme, dass Heidelbeeren eine positive Wirkung auf das Gedächtnis und die geistigen Leistungen bei zumindest einigen älteren Menschen haben können.

In einer weitere Studie mit gut 90 Senioren ohne beginnende Gedächtnisausfälle zeigte sich allerdings keine so eindeutige Wirkung der Heidelbeeren.

Es kam in der Heidelbeer-Gruppe zwar zu leichten Verbesserungen bei den allgemeinen geistigen Leistungen, nicht aber beim Gedächtnis. Auch in den fMRT-Aufnahmen ergaben sich weniger Unterschiede zur Placebogruppe als bei den Senioren mit schon beginnenden Gedächtnisproblemen.

Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die Heidelbeer-Inhaltsstoffe insbesondere dann positive Effekte zeigen, wenn es schon geistige Ausfälle gibt. Bei Personen, die noch keine Demenzsymptome zeigen, könnte die Wirkung dagegen weniger ausgeprägt sein – oder jedenfalls weniger leicht nachweisbar.

Ob das wirklich so ist, wollen die US-Forscher nun in einer Studie mit jüngeren Versuchspersonen klären.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-19953-2016-03-14.html

American Chemical Society 251st National Meeting & Exposition, American Chemical Society, 14.03.2016 – NPO.

Kommentar & Ergänzung:

Die Anthocyane aus Heidelbeeren werden seit längerem wissenschaftlich untersucht und zählen zu den interessantesten Naturstoffen.

Die geschilderten Studienresultate sind sehr interessant.

Zwei Einschränkungen sind aber nötig:

– Pilotstudien mit derart kleinen Probandenzahlen dienen der Vorsondierung einer Fragestellung. Sie belegen keine Wirksamkeit. Dazu wären grössere Studien nötig.

– Die Studien aus Cincinnati sind offenbar auf einem Kongress der American Chemical Society vorgestellt worden. Auf einem wissenschaftlichen Kongress kann man pointiert ausgedrückt einiges erzählen. An Glaubwürdigkeit gewinnt eine Studien, wenn sie in einer anerkannten wissenschaftlichen Fachzeitschrift publiziert wurde. Das setzt nämlich in der Regel voraus, dass die Studie in einem sogenannten „Peer-Review-Verfahren“ auf ihre Solidität überprüft wurde.

Zum Peer-Review-Verfahren siehe Wikipedia.

Bei Kongressbeiträgen kann man nicht von dieser fachlichen Kontrolle ausgehen.

Zu den Heidelbeeren-Anthocyanen siehe auch:

Myrtillin aus Heidelbeeren gegen Entzündungen

Heidelbeeren reduzieren Blutdruck in kontrollierter Studie

Heidelbeeren: Anthocyane im Verdauungstrakt

Anthocyane aus Heidelbeeren und Erdbeeren: Günstige Wirkung auf Gehirnleistung im Alter

Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Parkinson vorbeugen durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Auberginen?

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

 

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Schützen Flavonoide aus Früchten vor erektiler Dysfunktion?

Eine Ernährung mit hohem Anteil an flavonoidreichen Früchten (etwa Trauben, Orangen) reduziert möglicherweise die Inzidenz (= Häufigkeit von Neuerkrankungen) an erektiler Dysfunktion.

Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler aufgrund von Resultaten der Health Professionals Follow-up-Studie mit Befragungen über einen Zeitraum von einer Dekade (publiziert im Am J Clin Nutr; online 13. Januar). Befragt wurden für diese Studie mehr als 50.000 Ärzte.

Wie die Forscher berichten, entwickelten insgesamt 35,6 Prozent der Teilnehmer im Zehn-Jahres-Follow-up eine erektile Dysfunktion (ED). Bei den Männern, die die höchste Menge an Flavanonen, Flavonen und Anthocyanen aufgenommen hatten, war die ED-Inzidenz um 9 bis 11 Prozent vermindert.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/urologische-krankheiten/erektile-dysfunktion/article/904320/aerzte-studie-fruechten-erektile-dysfunktion.html?sh=4&h=-1734357609

http://ajcn.nutrition.org/content/early/2016/01/06/ajcn.115.122010In

Kommentar & Ergänzung:

Flavonoide sind auch eine wichtige Wirkstoffgruppe in der Phytotherapie. Die Wirkungen von Heilpflanzen wie Mariendistel (Silymarin), Weissdorn, Ginkgo oder Buchweizenkraut (Rutin) sind durch Flavonoide geprägt. Interessant sind an der Grenze zwischen Phytotherapie und Ernährungstherapie die Anthocyane, die als rote oder blaue Farbstoffe in Beeren vorkommen (z. B. Himbeeren, Heidelbeeren, schwarze Johannisbeeren, Brombeeren, Kirschen). Viele Anthocyane haben entzündungshemmende, antioxidative und kapillarresistenzsteigernde Wirkungen.

Dass Flavonoide aus Früchten gesund sind wird kaum jemand bestreiten. Aber diese Art von Studie, wie sie oben beschreiben ist, sagt nur wenig aus und beweist keine Zusammenhänge.

Man befragt also 50 000 Leute zu ihren Ernährungsgewohnheiten und beobachtet, welche Krankheiten sie entwickeln. Dann sucht man nach Zusammenhängen und stellt zum Beispiel fest: Diejenige Gruppe, die viel Flavonoide aufnimmt, erkrankt seltener an erektiler Dysfunktion (ED).

Es könnte aber sein, dass die hohe Flavonoid-Aufnahme nicht die Ursache für das verringerte Auftreten von erektiler Dysfunktion ist, sondern nur ein Hinweis auf einen insgesamt gesünderen Lebensstil. Dann könnten irgendwelche noch unbekannten Faktoren für das tiefere ED-Risiko verantwortlich sein.

Wie auch immer – esst Flavonoide, für irgendetwas wird es schon gut sein!

Siehe auch:

Viele Ernährungsstudien mit wenig Aussagekraft

Ein Beispiel für die beschränkte Aussagekraft von Beobachtungsstudien zeigt dieser Beitrag:

Schützen Flavonoide aus Beeren vor Parkinson?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heidelbeeren reduzieren Blutdruck in kontrollierter Studie

Ein Pulver aus gefriergetrockneten Kulturheidelbeeren in einer Menge, die einer Tasse der Früchte entspricht, reduzierte in einer placebokontrollierten Studie den Blutdruck von Hypertonikerinnen und verbesserte andere Gefäßparameter.

Publiziert wurde die Studie im Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics (2015; doi: org/10.1016/j.jand.2014.11.001)

Den Heidelbeeren schreibt man wegen ihres hohen Gehalts an Anthocyanen – das sind die blauen Farbstoffe – und anderen Polyphenolen eine gesundheitsfördernde Wirkung zu. Zu den günstigen Wirkungen könnte eine Verminderung des Blutdrucks zählen.

Ein Team um Sarah Johnson von der Florida State University untersuchte die Wirkung von Heidelbeeren auf den Blutdruck an einer Gruppe von 48 postmenopausalen Frauen, bei denen der Blutdruck leicht erhöht war (Prä- oder Stadium 1-Hypertonie).

Die Teilnehmerinnen nahmen täglich ein Pulver aus 22 Gramm gefriergetrockneten Kulturheidelbeeren oder ein Placebo ein, sollten ansonsten jedoch ihren üblichen Tagesablauf nicht verändern.

Beim Start und am Ende der achtwöchigen Studiendauer wurde der Blutdruck bestimmt – er war der primäre Endpunkt der Studie.

Das Heidelbeerpulver reduzierte den systolischen Blutdruck um 7 mm Hg und den diastolischen Blutdruck um 5 mm Hg, während es in der Placebogruppe keine Veränderungen gab. Die Pulswellengeschwindigkeit, ein Marker für die Steifigkeit der Gefäße, verminderte sich um 97 cm/sec oder 6,5 Prozent. Die Serumkonzentration von Stickstoffoxid (NO), das in den Blutgefäßen eine erweiternde Wirkung hat, erhöhte sich von 9,1 auf 15,35 µmol/l oder um 68,5 Prozent. Eine reduzierte Pulswellengeschwindigkeit und ein gesteigerter NO-Wert könnten die günstigen Wirkungen der Heidelbeeren auf den Blutdruck erklären.

Die Studienresultate weisen darauf hin, dass die tägliche Einnahme von Heidelbeeren einen Beitrag zur Senkung des Blutdrucks leisten könnte. Und Johnson sieht Heidelbeeren als „functional food“, das sich möglicherweise langfristig zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eignen könnte.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/61428/Heidelbeeren-senken-Blutdruck-in-kontrollierter-Studie

http://www.andjrnl.org/article/S2212-2672(14)01633-5/abstract

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessant an dieser Studie ist, dass sie eine Placebo-Kontrollgruppe enthält.

Ernährungsstudien sind sehr oft Beobachtungsstudien. Das heisst vereinfacht: Man protokolliert die Ernährungsgewohnheiten von zum Beispiel 5 000 Menschen über eine gewisse Zeit und untersucht später, welche Krankheiten sie entwickeln.

So kommen dann Meldungen zustande wie:

Beeren mit blauen Farbstoffen (Anthocyanen) schützen vor Parkinson

Aus solchen Beobachtungsstudien lässt sich aber nur das Zusammenfallen zweier Fakten – hoher Anthocyankonsum und tiefes Parkinsonrisiko – feststellen, nicht aber ein kausaler (= ursächlichen) Zusammenhang (= hoher Anthocyankonsum bewirkt tiefes Parkinsonrisiko). Es könnten immer unbekannte weitere Faktoren für das tiefere Parkinsonrisiko verantwortlich sein – zum Beispiel ein generell gesünderer Lebensstil von Leuten, die viel Beeren konsumieren.

Um einen ursächlichen Zusammenhang zu belegen braucht es Studien mit einer unbehandelten Kontrollgruppe. Um diesen Studientyp handelt es sich bei der Studie von Sarah Johnson. Doch auch hier gibt es Einschränkungen:

– Kleine Zahl der Teilnehmenden;

– Kurze Studiendauer (Bluthochdruck ist in der Regel ein Langzeitproblem);

– Die geringe Blutdruckreduktion und die verminderte Gefässsteifigkeit sind weiche Endpunkte, bei denen weitgehen offen bleibt, inwiefern Patienten davon profitieren würden. Harte Endpunkte wären zum Beispiel: Verminderung der tödlichen / nichttödlichen Schlaganfälle unter der Einnahme von Heidelbeerpulver. Um solche harten Endpunkte zu prüfen, wäre eine längere Studiendauer nötig.

Langfristige Doppelblindstudien mit grösseren Probandenzahlen sind im Ernährungbereich selten anzutreffen, weil sie aufwendiger und schwieriger durchzuführen sind als reine Beobachtungsstudien.

Teilnehmende Personen müssten sich dazu über lange Zeiträume einem Ernährungsregime unterwerfen.

Ich schreibe das auch, um damit aufzuzeigen, dass es sehr unterschiedliche Studientypen und unterschiedliche Qualitäten von Studien gibt.

Die Qualität und die Aussagekraft von Studien zu bewerten ist eine sehr komplexe Angelegenheit und ich selber fühle mich dazu nur sehr begrenzt in der Lage. Vor allem fehlt mit dazu statistisches Wissen.

Die Punkte, die ich oben als Einschränkungen aufgeführt habe, kann man aber auch als Laie sehen. Und es ist für Laien schon wichtig zu wissen, dass es grosse Unterschiede in der Aussagekraft von Studien gibt. Dadurch wird man sich bewusster, dass es noch nicht viel aussagt, wenn irgendwo geschrieben steht: „Eine Studie hat gezeigt…“.

Bezogen auf die Heidelbeerstudie der Florida State University würde ich also sagen: Interessant, dass das gemacht wurde, aber es bleiben noch viele Fragen offen (das kann man aber bei vielen Studien sagen).

Dass Anthocyane positive Effekte auf unsere Gesundheit haben, ist durchaus vorstellbar. Substanzen aus der Gruppe der Anthocyane hat es allerdings in vielen blauen und roten Früchte, zum Beispiel in schwarzen Johannisbeeren und Kirschen – und auch in anderen Pflanzen.

Beispiel:

Blaue Kartoffeln reduzieren den Blutdruck

Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass Anthocyane günstig auf den Blutdruck wirken könnten.

Meinem Eindruck nach braucht es keinen „functional food“ auf der Basis von Heidelbeeren. Ich würde nicht auf eine einzige Pflanzenart setzen, sondern abwechselnd dafür sorgen, dass verschiedenfarbige Früchte und Gemüse im Speiseplan Platz haben – blaue, rote, gelbe.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Viele Ernährungsstudien mit wenig Aussagekraft

Untersuchungen zur Frage der gesunden Ernährung gibt es zuhauf. Doch sind die Schlussfolgerungen der meisten Studien fragwürdig. Um wirklich herauszufinden, welche Ernährung die Gesundheit schützt, wären riesige, teure Studien nötig.

In der ÄrzteZeitung brachte Beate Schumacher vor einiger Zeit die Problematik der Situation auf den Punkt:

„Das Risiko für Myokardinfarkt und Schlaganfall lässt sich um 39 Prozent senken, wenn man täglich acht Gramm Schokolade nascht. Alternativ kann man auch Nüsse knabbern – damit geht die Herzinfarktrate um 48 Prozent zurück. Oder wenigstens einmal in der Woche fetten Fisch auf den Tisch bringen: macht 44 Prozent weniger Infarkte.“

Die genannten und vielfach berichteten relativen Risikoreduktionen stammen aus Beobachtungsstudien, die solche Schlussfolgerungen eigentlich gar nicht zulassen, stellt Schumacher klar.

Mithilfe von Beobachtungsstudien könne nur festgestellt werden, ob zwei Konstellationen besonders häufig gemeinsam auftreten. Aus einem solchen Zusammentreffen lasse sich jedoch kein ursächlicher Zusammenhang ableiten. Wenn eine Beobachtungsstudie ergebe, dass ältere Männer, die das Frühstück ausfallen lassen, häufiger einen Herzinfarkt erleiden, bedeutet dies eben nicht, dass Frühstücken vor dem Infarkt schützt.

Es könnte ja auch sein, dass sich gestresste und daher infarktgefährdete Menschen einfach nur nicht die Zeit für eine Morgenmahlzeit nehmen.

Solche Korrelationen zu Kausalitäten umzudeuten sei unzulässig, werde aber trotzdem oft gemacht.

Neben dieser eingeschränkten Aussagekraft aller Beobachtungsstudien kommt bei Ernährungsstudien als spezielle Schwierigkeit dazu, dass Essverhalten der Probanden in der Regel von den Studienteilnehmern erfragt wird und die Ergebnisse daher von deren Gedächtnis beeinflusst werden. Und dieses ist nicht immer zuverlässig. So fanden sich beispielsweise in verschiedenen Studien unphysiologisch tiefe Angaben zur Energieaufnahme.

Darüber hinaus scheinen Abhängigkeiten die Resultate mancher Ernährungsstudien zu beeinflussen. Beispielsweise wird der Limonadenkonsum zwar in 80 Prozent aller epidemiologischen Studien mit einer Gewichtszunahme in Verbindung gebracht. Beschränkt man sich aber auf diejenigen Studien, die von den Getränkeherstellern unterstützt wurden, dann finden ebenfalls 80 Prozent keinen derartigen Zusammenhang.

Besonders anfällig für systematische Verzerrungen sind Beobachtungsstudien mit erwartbar kleinen Effekten, wie es in der Primärprävention mit einzelnen Nahrungsmitteln der Fall ist.

Jeder Störfaktor oder jede Ungleichheit in den Patientengruppen kann so ein statistisches Rauschen verursachen, das den eigentlichen Effekt weit übertrifft.

Aussagekräftiger wären große prospektive Studien

Damit die Ernährungsforschung ernst zu nehmende Resultate liefern könne, seien mehr randomisierte kontrollierte Studien nötig. Davon sind viele Fachleute überzeugt.

Das heisst: Es braucht eine Gruppe, die über lange Zeit eine bestimmte, genau definierte Ernährungsweise einhält, und eine Kontrollgruppe, die sich anders ernährt. Und es muss per Zufall entschieden werden ( = Randomisierung), wer welcher Gruppe zugeteilt wird.

Nur mit riesigen Langzeitstudien unter randomisierten kontrollierten Bedingungen werde es letztlich möglich sein, herauszufinden, mit welcher Ernährungsweise sich die Sterblichkeit reduzieren lässt. Solche Studien seien extrem aufwendig und teuer. Am Ernährungsverhalten insgesamt werden sie vermutlich trotzdem nicht viel ändern, schreibt Beate Schumacher.

Auch heute schon wisse man, dass eine ausgeglichene normokalorische Diät eine Adipositas mit ihren tödlichen Folgen verhindern kann. Dennoch seien 23 Prozent der Deutschen fettsüchtig. Wenn es für die Ernährungsberatung nicht genügend Geld gebe, sei die Ernährungsforschung wenig wert.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/adipositas/article/855000/leitartikel-ernaehrung-viele-studien-naehrwert.html?sh=19&h=-906492551

 

Kommentar & Ergänzung:

Aus Beobachtungsstudien werden tatsächlich nicht selten voreilig Schlüsse gezogen.

Man erfasst über lange Zeiträume die Ernährungsgewohnheiten einer Gruppe von Menschen (nach deren Angaben), und sucht dann Zusammenhänge zwischen bestimmten Nahrungsbestandteilen und dem Auftreten bestimmter Krankheiten.

So findet man dann beispielsweise heraus: Wer viel Anthocyane einnimmt – das sind blaue und rote Farbstoffe aus Beeren – hat ein tieferes Parkinsonrisiko.

Wer nun daraus schliesst: „Anthocyane schützen vor Parkinson“, liegt möglicherweise falsch. Vielleicht leben Leute, die viele Beeren essen, auch in anderen Bereichen gesünder, und es gibt andere Faktoren, die für das tiefere Parkinsonrisiko verantwortlich sind.

Mehr dazu hier:

Schützen Flavonoide aus Beeren vor Parkinson?

Die kritische Einschätzung von Beobachtungsstudien, die Beate Schumacher in der AerzteZeitung vornimmt, ist daher sehr berechtigt.

Aber die grossen, randomisierten, kontrollierten Langzeitstudien, die mehr fundierte Erkenntnisse in die Ernährungsforschung bringen sollen, sind alles andere als einfach zu realisieren.

Wer lässt sich schon per Zufall auf eine bestimmte Ernährungsform festlegen und hält die dann über Jahre durch?

Und so sieht es ganz danach aus, dass wir im Bereich der Ernährungslehren noch lange auf zweifelsfrei gesicherte Erkenntnisse warten müssen – wenn es sie denn je geben sollte. Vielleicht ist das ja gar nicht einmal so schlecht. Wenn allen klar ist, dass die vorliegenden Erkenntnisse nur begrenzte Aussagekraft haben, dann schützt das möglicherweise auch vor Dogmatismus, also vor der Absolutsetzung bestimmter Diäten oder Ernährungsweisen. Das setzt allerdings voraus, dass wir immer wieder lernen, auch ohne absolute Wahrheiten zu leben.

Wichtig wäre in diesem Zusammenhang vor allem noch, dass bei der Berichterstattung über Forschungsergebnisse auch die jeweiligen Limitierungen der zugrundeliegenden Studien mitgeliefert werden.

Die Verwechslung von Korrelation mit Kausalität, die Beate Schumacher beschreibt, ist im Übrigen nicht nur in der Ernährungsforschung ein oft vorkommender Fehlschluss, sondern genauso auch bei der Beurteilung der Wirksamkeit von Heilmitteln.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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