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Venenschwäche: Pycnogenol® reduziert das Ödemrisiko effektiver als Kompressionsstrümpfe

Eine aktuelle Studie von Belcaro et al. (1) bestätigt erneut, dass der Pflanzenextrakt Pycnogenol® aus der Rinde der französischen Meer-Kiefer das Auftreten von Unterschenkelödemen nach langem Sitzen wie auf Langstreckenflügen signifikant vermindern kann – und das sogar effektiver als das Tragen von Kompressionsstrümpfen. Die Passagiere bekamen drei Tage vor und drei Tage nach dem Flug Pycnogenol®. Es traten in der Pycnogenol®-Gruppe keine Thrombosen auf. Zudem verbesserten sich charakteristische Jetlag-Symptome: Schlafqualität, Sehleistung, Kognition sowie die Anpassung an die Zeitzonen wurden als deutlich verbessert beschreiben und die Ermüdung als weniger stark bewertet.

Vorangegangene Studien zeigen bereits deutlich, dass der Extrakt aus der Rinde der französischen Meer-Kiefer (Pinus pinaster) effektiv und sicher vorbeugend einer Ödembildung (2,3) sowie einem Jetlag (4) entgegenwirkt.

Der patentierte Extrakt der französischen Meereskiefer hat sich in der Behandlung der chronischen venösen Insuffizienz (CVI) bewährt. Jahrzehntelange Forschungen mit mehr als 400 publizierten Studien zeigen nachweislich, dass die enthaltenen oligomeren Procyanidine im Verbund mit weiteren natürlichen Wirkstoffen wegen ihrer starken antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkung die Kapillarwände stärken. Die gesteigerte Widerstandskraft gegen den Venendruck reduziert Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödeme). Der Pflanzenextrakt regt zudem die Blutzirkulation an und vermindert die Thrombozytenaktivität und damit das Thromboserisiko.

Die enthaltenen Wirkstoffe sind in hohem Maße bioverfügbar. Durch ihre Synergie verstärkt sich die therapeutische Wirksamkeit im Vergleich zu den Einzelwirkstoffen (5).

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/branchennews/alle-branchennews/branchennews-detail/ifemedi-der-unverzichtbare-reisebegleiter-9/

 

Wissenschaftliche Literatur:

1 Belcaro G, Cornelli U, Dugall M, Hosoi M, Cotellese R, Feragalli B: Long-haul flights, edema, and thrombotic events: prevention with stockings and Pycnogenol® supplementation (LONFLIT Registry Study).Minerva Cardioangiol. 2018 Apr;66(2):152-159. doi: 10.23736/S0026-4725.17.04577-7.

https://www.minervamedica.it/en/journals/minerva-cardioangiologica/article.php?cod=R05Y2018N02A0152

 

2 Cesarone MR, Belcaro G, Nicolaides AN et al: Prevention of venous thrombosis in longhaul flights with Flite Tabs: the LONFLITFLITE randomized, controlled trial. Angiology 2003; 54: 531–539.

 

3 Belcaro G, Dugall M, Luzzi R, et al: Postpartum varicose veins: supplementation with 
Pycnogenol or elastic compression – a 12-month follow-up. Int J Angiol 2017; doi:10.1055/s-0033-1363784.

 

4 Belcaro G, Cesarone MR, Steigerwalt RJ et al.: Jet lag: prevention with Pycnogenol. Preliminary report: evaluation in healthy individuals and in hypertensive patients. Minerva Cardioangiol 2008; 56 (suppl 1):1–7.

 

5 D’Andrea G: Pycnogenol: a blend of procyanidins with multifaceted therapeutic applications?  Fitoterapia. 2010 Oct;81(7):724-36. doi: 10.1016/j.fitote.2010.06.011. Epub 2010 Jun 20.

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Meer-Kiefer (Pinus pinaster) heisst auch See-Kiefer, Bordeaux-Kiefer, Igel-Kiefer, Stern-Kiefer, Seestrand-Kiefer oder Strand-Kiefer. Sie gehört zur Gattung der Kiefern (Pinus) und damit zur Pflanzenfamilie der Kieferngewächse (Pinaceae). Pinus pinaster stammt aus dem westlichen Mittelmeerraum und wird bis zu 300 Jahre alt. Aus der Pflanze wird auch Terpentinöl gewonnen.

Sie zählt in Form von Pinienrindenextrakt im Bereich der Venenerkrankungen zu den interessantesten Heilpflanzen, auch wenn sie in der Phytotherapie-Fachliteratur nur selten beschrieben wird. 

Der Text auf Apotheke-Adhoc stammt von einer Werbeagentur, was zur Folge hat, dass die Aussagen immer mit einer gewissen Zurückhaltung aufgenommen werden sollten. Eine kritische Darstellung darf man hier jedenfalls nicht erwarten.

Immerhin scheint aber der Hersteller des Produkts stark in Forschung zu investieren, was lobend zu erwähnen ist. Die Qualität dieser Studien kann ich allerdings nicht ausreichend beurteilen. Die oben beschriebene Studie aus dem Jahr 2018 läuft auf einen Vergleich zwischen Pycnogenol® und Kompressionsstrümpfen hinaus, wobei es natürlich interessant ist, wenn das Heilpflanzen-Präparat die Kompressionsstrümpfe wirklich übertrifft. Eine Placebo-Gruppe gabs in dieser Studie nicht (placebokontrolliert war offenbar die Studie von 2003).

Roman Huber schreibt im „Mind-Maps Phytotherapie“ (zur Zeit vergriffen):

„Die Rinde der Französichen Seekiefer enthält Polyphenole mit antioxidativen, analgetischen und antientzündlichen Eigenschaften. Der wässrige Extrakt Pycnogenol war in der Dosierung von 360 mg/Tag über 4 Wochen bei Symptomen der chronisch-venösen Insuffizienz (Schwellung, Schweregefühl) besser als 600 mg Rosskastanienextrakt (B). Er führte ausserdem zu einer Senkung der Cholesterinwerte.“

Da Rosskastanienextrakt bei Venenschwäche der Topfavorit in der Phytotherapie ist, wäre es zumindestens beeindruckend, wenn Pycnogenol Überlegenheit zeigt.

Der Hinweis „(B)“ bedeutet im „Mindmaps Phytotherapie“ allerdings, dass die Wirksamkeit „in mindestens  einer unkontrollierten Studie oder Anwendungsbeobachtung gefunden wurde“. Damit handelt es sich um kein wirklich gesichertes Ergebnis. Möglicherweise ist die Studienqualität für diesen Pinienrindenextrakt generell nicht sehr stark. Das würde erklären, weshalb die Phytotherapie-Fachliteratur hier so zurückhaltend ist. Aber trotzdem: Das Pinenextraktpräparat ist meinem Eindruck nach interessant.

Wer sich fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

 

Rosenwurz-Wirkstoff verbessert Gedächtnisleistung im Alter

Forscher haben einen potenziellen neuen Ansatz für die Behandlung von altersbedingtem Verlust der Merkfähigkeit entdeckt

In einer immer älter werdenden Gesellschaft nehmen Gedächtnisstörungen in der Bevölkerung zu. Bisher ist es nicht gelungen Medikamente zu entwickeln, die dem altersbedingten kognitiven Abbau vorbeugen oder dem dauerhaften Gedächtnisverlust wirksam entgegenzusteuern können. Eine von Forschern der Leibniz-Institute für Neurobiologie (LIN) und für Pflanzenbiochemie (IPB) geleitete Studie, die in der Fachzeitschrift Science Advances publiziert wurde, belegt nun erstmalig in Tierexperimenten eine Gedächtnis-fördernde Wirkung eines pflanzlichen Esters als aktiver Wirkstoff aus der Medizinalpflanze Rhodiola rosea (Rosenwurz).

Um altersbedingtem Gedächtnisverlust vorzubeugen gibt es bisher keine wirksamen Strategien – abgesehen von körperlicher Bewegung. In der traditionellen Naturheilkunde sind Pflanzenpräparate zur Förderung der Gedächtnisleistung zwar weit verbreitet. Wegen schwankender Wirkstoffkonzentrationen können diese jedoch inaktiv sein oder zu Fehldosierungen führen – und zwar vor allem dann, wenn der Wirkstoff unbekannt ist. Dadurch sind weder die Wirkungen noch die Nebenwirkungen für Patienten und Mediziner berechenbar.

So ist zwar auch die förderliche Wirkung von Rhodiola rosea, der Rosenwurzpflanze, für die geistige Leistungsfähigkeit des Menschen schon seit längerem bekannt. Doch die Erstautorin der Studie, Dr. Birgit Michels vom LIN, erklärt dazu „Um dieses Wissen für die Medizin nutzbar zu machen, wollten wir herausfinden, welche konkreten Wirkstoffe aus Rhodiola das Gedächtnis verbessern.“

Ohne identifizierten Wirkstoff ist nämlich keine gezielte Dosierung, keine Pflanzenzucht, keine Qualitätskontrolle und somit auch keine Medikamentenentwicklung möglich. 

Für die Studie wurden aufwändige Biotests am LIN in Magdeburg, zunächst an Fliegenlarven, kombiniert mit der phytochemischen Analyse durch Wissenschaftler am IPB in Halle. Dadurch gelang es schlussendlich, die Substanz Ferulasäure-Eicosyl-Ester (FAE-20) aus Rosenwurz zu isolieren und chemisch eindeutig zu bestimmen. Diese Substanz kann die Gedächtnisleistung fördern. Chemisch handelt es sich dabei um ein strukturell einfaches Molekül. Trotzdem war die Identifizierung von FAE-20 als wirksame Komponente im Pflanzenextrakt sehr langwierig. Es sei komplizierter, eine kognitive Leistung wie Lernfähigkeit mit den Hunderten von Naturstoffen aus der Pflanze in Beziehung zu setzen, als es zum Beispiel bei der Suche nach neuen Antibiotika der Fall ist, sagt Prof. Dr. Ludger Wessjohann vom IPB. Mit der reinen Substanz, die in seinem Labor gewonnen wurde, konnte der Effekt von FAE-20 dann jedoch eindeutig belegt werden.

Als Nächstes interessierte die Wissenschaftler, ob sich auch bei alternden Fliegen das Gedächtnis verbessern lässt. Das Team konnte zeigen, dass nach Zugabe von FAE-20 in das Fliegenfutter die Gedächtnisleistung von gealterten Fruchtfliegen um ein Drittel besser war als bei ihren nicht behandelten Artgenossen. Die durchgeführten Lernexperimente basieren auf der sogenannten klassischen Konditionierung. Das bedeutet, dass die Tiere lernen, einen Duft mit einer Belohnung zu verknüpfen – beispielsweise durch Zucker. In Tests kann man dann prüfen, ob sie sich diese Verknüpfung gemerkt haben und den Duft nun attraktiver finden als zuvor.

Grundlagenforschung mit Rosenwurz

Außerdem konnten die Forscher belegen, dass FAE-20 die altersbedingte übermäßige Ansammlung von Proteinen an den Verbindungen der Nervenzellen im Gehirn der Fliege verhindert. „Alt“ bedeutet bei Fliegen allerdings nur ungefähr 14 Tage. Deshalb war es für die Wissenschaftler besonders ermutigend, zusammen mit den Kollegen der Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen die positiven Effekte auf die Gedächtnisleistungen auch bei über 2 Jahre alten Mäusen bestätigen zu können.

Ausgehend von der positiven Wirkung der Rhodiola-Pflanze beim Menschen konnten die Wissenschaftler mit FAE-20 also einen konkreten natürlichen Wirkstoff identifizieren, der die Gedächtnisleistung im Alter verbessert – zumindest im Tiermodell.

Sie hoffen nun, dass ihre Entdeckung für die medizinische Demenzforschung nutzbar gemacht werden kann. Sie halten es für wahrscheinlich, dass ihre Resultate mit FAE-20 bei Tieren auch auf Menschen übertragen werden können. Bereits liegt auch eine Patentanmeldung zur neu gefundenen Anwendung von FAE-20 vor.

Quelle:

Pressemitteilung Leibniz-Institut für Neurobiologie

https://idw-online.de/de/news704706

Originalpublikation:

DOI: 10.1126/sciadv.aat6994

Kommentar & Ergänzung:

Solche Grundlagenforschung ist wichtig für die Weiterentwicklung der Phytotherapie. Natürlich wird aber die Bedeutung einer Entdeckung in solchen Pressemitteilungen gerne ins günstigste Licht gestellt. Oft geht es dabei darum, Investoren für weitergehende Forschungen zu finden. Und wenn man eine möglich Beeinflussung von Demenz in den Raum stellt,  dann erweckt das selbstverständlich Hoffnung und Aufmerksamkeit.

Von solcher Laborforschung ist es aber noch ein sehr weiter Weg bis zur Entwicklung eines wirksamen Medikaments, und das Vorhaben kann an vielen Stellen noch scheitern.

Bisher wird Rosenwurz in der Phytotherapie als Adagtogen eingesetzt. Er soll en Organismus bei der Bewältigung belastender Einflüsse unterstützen (z. B. Stress, Lärm, Schichtarbeit,in der Rekonvaleszenz).

Siehe auch:

Burnout-Syndrom: Adaptogene wie Ginsengwurzel, Taigawurzel, Rosenwurz

Taigawurzel, Ginseng, Rosenwurz & Co. – Was sind Adaptogene?

Rosenwurz (Rhodiola rosea / Orpin rose) gegen Stress & Müdigkeit

 

Rosenwurz (Rhodiola rosea) gehört zur Pflanzenfamilie der Dickblattgewächse (Crassulaceae).

Die Sukkulente wächst in Felsspalten in Hochebenen und an Meeresklippen in Europa (bspw. in Schweden und Finnland), Sibirien, Nordamerika, Grossbritannien und im Himalaya.

Die im Handel erhältlichen Wurzeln des Rosenwurz stammen zum grössten Teil aus dem Altai-Hochgebirge.

Rosenwurz ist unter dem Präparatenamen Vitango als Arzneimittel zugelassen.

Eine Filmtablette Vitango® enthält 200 mg Trockenextrakt aus Rhodiola-rosea-Wurzel und Rhodiola-rosea-Wurzelstock [DEV 1,5–5:1, Auszugsmittel: Ethanol 60 %).

Wer sich fundiertes Wissen über Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen – dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

Blick in die Natur: Herbstzeitlose

Jetzt kann man auf den Wiesen wieder die hübschen Herbstzeitlosen mit ihren blassrosa bis violetten, krokusähnlichen Blüten sehen.

Fällt Ihnen auf, dass die Blüte ohne Blätter in der Wiese steht und dass sie im Verlaufe des Herbsts keine Früchte bilden?

Die Herbstzeitlosenblüten werden zwar im Herbst bestäubt. Über den Winter zieht sich die Pflanze aber in die Erde zurück und bildet erst im kommenden Frühling Blätter und Früchte. Weil die Herbstzeitlosenblätter den Bärlauchblättern ähneln, kommt es manchmal zu tödlichen Vergiftungen, denn Herbstzeitlose ist eine starke Giftpflanze.

Alle Teile der Pflanze enthalten das stark giftige Alkaloid Colchicin, ein Kapillar- und Mitosegift. Nach Wikipedia befindet sich der höchste Gehalt in der Blüte mit bis zu 1,8 %, doch auch die Samen (0,5 %), die Knolle (0,2 %) und die Blätter (0,03 %) enthalten genug Colchicin, um Vergiftungen auslösen zu können. Der Colchicin-Gehalt schwankt im Jahresverlauf und nimmt mit der Samenreifung zu.

Die Herbstzeitlose ist auch sehr giftig für zahlreiche Tierarten wie Pferde, Rinder, Schafe, Ziegen, Hunde, Katzen, Kaninchen, Hasen, Meerschweinchen, Hamster und auch für Vögel. 

Die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) zählt heute zur Pflanzenfamilie der Zeitlosengewächse (Colchicaceae), früher zu den Liliengewächsen.

Siehe auch:

Unterscheidungsmerkmale: Bärlauch? Maiglöckchen? Herbstzeitlose?

Bärlauch, Maiglöckchen oder Herbstzeitlose?

Tödliche Verwechslung von Bärlauch und Herbstzeitlose

Heilpflanzen und Giftpflanzen können Sie übrigens in meinen Kräuterwanderungen kennenlernen.

 

 

 

Fettkraut als biologische Fruchtfliegen-Falle?

Fruchtfliegen sind insbesondere im Sommerhalbjahr oft eine Plage. Der Tages-Anzeiger hat dazu einen ausführlichen Artikel veröffentlicht und darin auch einen interessanten Hinweis für eine pflanzliche Bekämpfungsmöglichkeit aufgeführt:

„Rein biologisch geht es aber auch. Die Fleisch fressende Pflanze Fettkraut dezimiert die Plagegeister effektiv.“

Quelle:

https://www.tagesanzeiger.ch/wissen/so-werden-sie-fruchtfliegen-los/story/27444850

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Idee.

Aus diesem aktuellen Anlass ein paar Inputs zur Gattung der Fettkräuter und zu ihrem Insektenfressertum.

Die Gattung Fettkraut ( = Fettblatt, Pinguicula) ist bei uns vor allem in den Bergregionen nicht selten anzutreffen. Jedenfalls sind diese Insektenfresser verbreiteter als die ebenfalls insektenfressenden Drosera-Arten (Sonnentau), die insbesondere in Hochmooren vorkommen.n

Die dem Boden aufliegenden Blätter der Fettkräuter scheiden ein Fangsekret aus, das ihnen einen fettigen Glanz verleiht und Insekten anlockt. Gerät ein Insekt auf ein solches Blatt, scheidet die Blattoberfläche einen enzymhaltigen Verdauungssaft aus. Er enthält die Enzyme Amylase, Esterase, Phosphatase, Protease und Ribonuklease, kann also unter anderem Stärke und Eiweisse verdauen. Die Blätter können sich über einem gefangenen Insekt einrollen, doch ist diese Bewegung sehr langsam. Auf der Blattoberfläche können sich rund um die Beute auch kleine Vertiefungen bilden, in denen sich dann Verdauungssäfte sammeln. Das erleichtet die Zersetzung der Beute.

Die Fettblätter bzw. Fettkräuter können neben kleinen Insekten auch Pollen verwerten, der auf die Blätter geweht wird. Blütenpollen ist sehr proteinreich. Beim Gemeinen Fettblatt (Pinguicula vulgaris) können über 50% des aufgenommenen Proteins aus Pollen stammen.

Die Gattung Fettblatt (Pinguicula) gehört zur Pflanzenfamilie der Wasserschlauchgewächse (Lentibulariaceae) und umfasst etwa 85 Arten. Vier davon kommen in der Schweiz vor.

Am verbreitetsten ist das Gemeine Fettblatt (= Gemeines Fettkraut, Pinguicula vulgaris) mit seinen schönen, blauen Blüten.

Hier geht’s zu einem schönen Foto der Pflanze in meiner Bildergalerie:

Gemeines Fettblatt (Pinguicula vulgaris)

Bei meinen Kräuterwanderungen in den Bergregionen ist das Fettblatt immer wieder mal anzutreffen. Es kommt aber auch in tieferen Lagen vor. Wir finden es zum Beispiel oft auf der Kräuterwanderung zum Sihlsprung im Sihltal.

In Bergregionen kommt das Alpen-Fettblatt (Pinguicula alpina) ziemlich häufig vor. Seine hübschen Blüten sind weiss-gelb (Siehe Foto).

Dann gibt es noch hauptsächlich in Graubünden und im Wallis das sehr schöne Dünnspornige Fettblatt (Dünnsporn-Fettkraut, Pinguicula leptoceras), zu sehen auf den Kräuterwanderungen im Valsertal. Foto auf Wikipedia hier:

Das sehr seltene Grossblütige Fettblatt ( Pinguicula grandiflora) habe ich noch nie angetroffen.

Soviel also zu den Fettblättern.

Ob sie wirklich effizient sind gegen Fruchtfliegen, kann ich nicht beurteilen. Wer es versuchen will, dem würde ich aber empfehlen, sich eine Pinguicula-Art aus der Gärtnerei zu besorgen. Ob unsere einheimischen, wilden Fettblatt-Arten sich als „Hauspflanze“ eignen, scheint mir nicht so sicher.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Wildkräuter in der Küche: Wilde Möhre

Die wilde Möhre (Daucus carota) ist die Urform der bekannten Karotte. Mit ihrem würzigen Aroma kann sie für Geschmackserlebnisse sorgen.

Das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) empfiehlt die Wilde Möhre deshalb zur Verwendung in der Küche:

„Die jungen Blätter und Stiele schmecken im Salat, in Gemüsepfannen und fein gehackt in Suppen und Soßen. Die dünne, weißliche Wurzel hat einen herb-süßlichen Geschmack und enthält wertvolle Inhaltsstoffe wie Provitamin A, B-Vitamine, Kalzium, Folsäure und Selen. Für eine Gemüsebeilage wird sie in Stifte geschnitten, in Brühe kurz gedünstet und mit etwas Olivenöl und einem Hauch Chili verfeinert. Probieren Sie auch die weichen Blüten – als essbare Dekoration für Salate oder in Pfannkuchenteig frittiert. Die getrockneten Samen haben ein anisartiges Aroma, das pikanten und süßen Speisen eine angenehme Würze gibt. Ätherische Öle regen die Verdauung an….
Das Kraut wird zur Blütezeit von Mai bis September geerntet, während die Wurzel im zeitigen Frühjahr oder Herbst am besten schmeckt. Nach der Blüte wird sie holzig.“

Quelle:
https://www.bzfe.de/inhalt/die-wilde-moehre-in-der-kueche-32327.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Wilde Möhre gehört zur Pflanzenfamilie der Doldenblütler. Sie ist nicht nur für die Ernährung des Menschen interessant, sondern auch eine wichtige Raupenfutterpflanze für den Schwalbenschwanz-Schmetterling.
Auf Wikipedia finden sich interessante Informationen zur Blütenökologie der Wilden Möhre:

„Die meist in der Doldenmitte auftretende, durch Anthocyane schwarzrot gefärbte weibliche Mohrenblüte (Stempel) bildet eine Kontrastfärbung zu den weißen zwittrigen Blüten, was auf potenzielle Bestäuber eine Signalwirkung ausübt. Bestäuber sind Insekten aller Art, besonders Käfer und Fliegen. Die Blüten sind eine Hauptpollenquelle für die Sandbienen Andrena pallitaris und Andrena nitidiuscula. Die Blütezeit reicht von Mai bis September.“

Die Wilde Möhre wächst in einem zweijährigen Zyklus und blüht erst im zweiten Jahr. Man sollte nur die einjährigen Wilden Möhren essen, da die Wurzeln der blühenden Pflanzen ziemlich scharf und holzig sind.

Für die Phytotherapie spielt die Wilde Möhre kaum eine Rolle, weil es zu ihren allfälligen Wirkungen wenig fundierte Erkenntnisse gibt.

Das „Handbuch der Arzneipflanzen“ schreibt dazu:

„Das Kraut wird traditionell bei Nieren- und Blasenleiden verwendet, insbesondere bei Harnsteinen und –griess sowie Blasenentzündung. Kraut und Früchte werden bei Verdauungsstörungen, Krämpfen, Blähungen und Gicht eingesetzt. Karottensaft ist wegen des hohen Carotingehalts (in der Leber in Vitamin A umgewandelt) mit antioxidativer Wirkung ein wichtiges Gesundheitsgetränk. Die Droge wurde auch als Wurmmittel verwendet.“

Für die Wirksamkeit bei Nierenerkrankungen, Blasenleiden und Gicht gibt es keine Belege und auch sonst kein plausiblen Argumente. Am ehesten ist eine Wirksamkeit gegen Verdauungsstörungen plausibel. Die Verwendung der Droge ( = getrocknete Arzneipflanze) als Wurmmittel ist nicht zielführend, für diesen Zweck gibt es wirksame Medikamente.

Die Wilde Möhre kann bei manchen Personen leichte Lichtallergien verursachen und wegen der Furanocumarine kann die Pflanze in seltenen Fällen eine Photodermatitis auslösen.

Wer die Wilde Möhre als Wildpflanze essen will, muss sie sicher erkennen.
Das ist anhand des schwarzen Punktes in der Doldenmitte und der langen, geteilten Hüllblätter eigentlich gut möglich, wenn man diese Merkmale sicher kennt.

Die Familie der Doldenblütler ist aber insgesamt botanisch nicht einfach, weil es darin viele ähnliche Pflanzenarten gibt. Wenn Sie bei den Doldenblütlern botanisch Fortschritte machen möchten, helfe ich Ihnen gerne auf den Kräuterwanderungen weiter.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Wildkräuter: Hirtentäschel in der Küche

Das Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) mit seinen herzförmigen Früchten ist eine unscheinbares Pflänzchen. Die alte Heilpflanze hat auch kulinarische Qualitäten.

Die jungen Hirtentäschelblätter besitzen einen würzig-scharfen Geschmack, der an eine Mischung aus Kresse und Meerrettich erinnert. Sie setzen in Suppen, in Eierspeisen und im Kräuterquark interessante Akzente. Für einen Salat können die Blätter zu gleichen Teilen mit Feldsalat (= in der Schweiz: “Nüsslisalat”) gemischt werden. Dazu gibt man beispielsweise klein geschnittene hart gekochte Eier, geröstete Kürbiskerne und ein Dressing aus Olivenöl, Weinessig, Naturjoghurt, Senf, Salz und Pfeffer.

Die milde Schärfe der Hirtentäschelfrüchte bringt Pep aufs Butterbrot und dient in Gemüsepfannen als Pfefferersatz. Die herzchenförmigen Hirtentäschelfrüchte enthalten kleine Samen, die wie Senf gemahlen und als Gewürz verwendet werden können.

Das Hirtentäschelkraut wird zur Pflanzenfamilie der Kreuzblütler (Brassicaceen) gezählt. Das ein- bis zweijährige Kraut wächst bis zu einer eine Höhe von 40 Zentimetern und bildet in Bodennähe Rosetten aus länglichen, löwenzahnähnlich gelappten Blättern. Die kleinen, weißen Blüten sind ebenfalls essbar und sitzen in Trauben am Ende des aufrechten Stängels. Die außergewöhnliche Form der Früchte haben dem Hirtentäschel seinen Namen gegeben: Sie sind platt und umgekehrt herzförmig, was an die Umhängetaschen von Hirten aus früheren Zeiten erinnern soll. Hirtentäschel ist sehr genügsam und wächst auf Wegen, selbst zwischen Pflastersteinen, am Ackerrand, auf Schutthalden und in Gärten.

Als Wildkraut für die Küche wird das Hirtentäschel am besten im Frühjahr geerntet. Dazu pflückt man am besten die jungen, zarten Blätter, denn nach der Blüte werden sie etwas bitter. Hirtentäschel enthält unter anderem reichlich Flavonoide, Saponine, Senfölglykoside, Gerbstoffe, Vitamin C, Kalium und Kalzium.

Quelle:

http://www.bzfe.de/inhalt/hirtentaeschel-32188.html

Kommentar & Ergänzung:

In der traditionellen Pflanzenheilkunde zählt Hirtentäschelkraut zu den „Frauenkräutern“. Es wird unter anderem zur Blutstillung bei zu starker Menstruation empfohlen. Eine ernsthafte Erkrankung sollte aber durch eine ärztliche Untersuchung ausgeschlossen werden.

Im Gegensatz zum Beispiel zur Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) und zum Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) gehört Hirtentäschel allerdings zu den schlecht untersuchten und nur ungenügend dokumentierten „Frauenkräutern“.

 

Eine interessante Studie zum Hirtentäschelkraut in der Gynäkologie hier:

Hirtentäschelkraut reduziert laut Studie Blutungen nach der Geburt

Bei günstigem Klima kann Hirtentäschel das ganze Jahr über blühen. Es ist nahezu weltweit verbreitet und dadurch wohl eine der erfolgreichsten Pflanzen überhaupt.

 

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Weisse Taubnessel in der Küche und Kräuterheilkunde

Das Bundeszentrum für Ernährung hat gerade die Taubnessel als Wildkraut vorgestellt: Ihre zarten Blätter haben ein feines, champignonähnliches Aroma. Wer sie sammelt, sollte nur die jungen Triebe pflücken, deren obere Blättchen äußerst zart und schmackhaft sind.

Taubnessel schmeckt im Salat, im Pesto und Kräuterquark, in cremigen Suppen und in Aufläufen. Die Blätter lassen sich jedoch auch kurz gedünstet als Gemüsebeilage zu Fleisch und Fisch reichen.

Die weiße Taubnessel (Lamium album) zählt zur Pflanzenfamilie der Lippenblütler und ist mit Kräutern wie Oregano und Thymian verwandt.

Quelle:

http://www.bzfe.de/inhalt/taubnessel-in-der-kueche-32105.html

Kommentar & Ergänzung:

Neben der Weissen Taubnessel findet man in der Natur zum Beispiel auch die gelbblühende Goldnessel und die rotblühenden Arten Rote Taubnessel und Gefleckte Taubnessel. Sie sind auch essbar.

Die Weisse Taubnessel wurde früher entsprechend der Signaturenlehre wegen der weissen Blüten bei Weissfluss eingesetzt. Es gibt allerdings keine ernsthaften Hinweise für eine Wirksamkeit in dieser Hinsicht. Dazu kommt, dass Weissfluss durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden kann. Eine Empfehlung von Taubnesseln gegen Weissfluss ist daher von Grund auf zu undifferenziert. Tradition ist wertvoll, aber sie hat nicht immer Recht. Tradition zu schätzen heisst nicht, ihr kritiklos zu begegnen. Im Gegenteil: Tradition zu schätzen bedeutet, sich mit ihr auseinanderzusetzen und dabei zu prüfen, was an ihr nützlich und was überholt oder irrtumsbehaftet ist.

Siehe auch:

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

Zur Zeit gibt es meinem Eindruck nach keine fundierten,  überzeugenden Anwendungsbereiche für die Weisse Taubnessel als Heilpflanze.

Taubnesseln sind aber sehr wertvolle Nahrungsquellen für Hummeln. Sie bieten ihnen sowohl Nektar als auch Pollen.

Und weil wir gerade bei den Hummeln sind und Frühling ist:

Augen auf – Hummelköniginnen unterwegs

 

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Hopfen bei Unruhe, Angst und Schlafstörungen

Die Deutsche Apotheker Zeitung hat ein Pflanzenporträt veröffentlicht über den Hopfen (Humulus lupulus) in der Phytotherapie. Darin kommen auch die Wirkstoffe zu Sprache:

„Hopfen enthält unter anderem die Bitterstoffe Humulon und Lupulon, außerdem ätherische Öle und Flavonoide. Eine sedierende Wirkung der Inhaltsstoffe wurde nachgewiesen, allerdings konnte keine konkrete wirksamkeitsbestimmende Substanz verantwortlich gemacht werden. Wahrscheinlich sind flüchtige Substanzen, die sich aus den instabilen Hopfen-Bitterstoffen Humulon und Lupulon bilden, an der Wirkung beteiligt.“

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/01/01/hopfen-in-der-phytotherapie/chapter:1

Kommentar & Ergänzung:

Beim Hopfen sind bezüglich der Wirkstoffe, die für die beruhigende Wirkung verantwortlich sind, tatsächlich noch viele Fragen offen.

Hopfentee ist ausgesprochen bitter und kommt daher nicht gerade häufig zur Anwendung. Wer mit dem bitteren Geschmack nicht klar kommt, kann auch Hopfenextrakt in Dragees oder Kapselform einnehmen. Allerdings wird der Hopfenextrakt in diesen Präparaten oft mit Baldrianextrakt kombiniert. Deshalb gibt es auch kaum Studien allein mit Hopfenextrakt. Phytohersteller Zeller konnte jedoch für sein Baldrian-Hopfen-Kombipräparat Redormin zeigen, dass die Hopfen-Baldriankombination besser wirksam ist als der Baldriananteil im Redormin allein. So konnte die Wirksamkeit von Hopfenextrakt zumindestens indirekt bestätigt werden.

Als Wirkungsmechanismus des Hopfens wird eine Aktivierung des Melatoninrezeptors vermutet.

Hopfen eignet sich im Übrigen auch gut als Schlafkissen.

Margret Wenigmann schreibt dazu im Fachbuch „Phytotherapie“:

„Für ein Hopfenkissen oder –säckchen zur Beruhigung (z. B. von Säuglingen und Kleinkindern) frische Hopfenzapfen in ein Leinensäckchen füllen und ins Bettchen legen. Das bei der Lagerung entstehende 2-Methyl-3-butenol ist bereits bei niederen Temperaturen flüchtig und wirkt schlaffördernd.“

Das Hopfenkissen ist eine Alternative zum Lavendelsäckchen. Beide eignen sich natürlich auch für Erwachsene und insbesondere auch für ältere Personen, zum Beispiel im Pflegeheim.

Botanisch gehört der Hopfen übrigens zur Pflanzenfamilie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Hopfen wird hauptsächlich für die Bierproduktion angebaut. Sie kommt aber auch wildwachsend vor, hauptsächlich in Auenwäldern. Kennenlernen können Sie Hopfen in der Natur an meinen Kräuterwanderungen in die Petite Camarque bei Basel, in die Rheinschlucht (Graubünden) und in die Thurauen am Zusammenfluss von Rhein und Thur.

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Heidelbeeren aus dem Supermarkt – betreffend Wirkstoffgehalt fragwürdig

Heidelbeeren haben gerade Saison. Im Supermarkt bekommt man allerdings kaum die wildwachsende Waldheidelbeere, sondern viel häufiger eine Kulturheidelbeere.

Heidelbeeren gehören zur Pflanzenfamilie der Heidekrautgewächse.

Kulturheidelbeeren wie Vaccinium corymbosum unterscheiden sich beträchtlich von der wild wachsenden Waldheidelbeere (Vaccinium myrtillus). Die Waldheidelbeere wächst europaweit in lichten Nadelwäldern, Hochmooren und Heiden, in den Bergregionen gern im subalpinen Nadelwald als Unterwuchs. Der Halbstrauch wird bis zu 50 cm hoch. Die schwarzblauen Beeren sind erbsengroß und schmecken sehr aromatisch. Der Heidelbeersaft aus Vaccinium myrtillus ist aufgrund des blauen Farbstoffs Anthocyan intensiv blau gefärbt. Anthocyane sind sekundäre Pflanzenstoffe, die zu den Antioxidanzien gehören, die den Körper vor schädlichen freien Radikalen schützen. Weitere wertvolle Inhaltsstoffe der Waldheidelbeere sind Ballaststoffe, Fruchtsäuren, Mangan, Mineralstoffe wie Magnesium, Vitamin E und Vitamin C.

Die Kulturheidelbeere Vaccinium corymbosum ist ursprünglich in Nordamerika beheimatet und stammt nicht von der heimischen Waldheidelbeere ab. Ihre Früchte sind grösser als diejenigen der Waldheidelbeere, wachsen an bis zu zwei Meter hohen Sträuchern und haben einen deutlich süßeren, aber weniger intensiven Geschmack. Ihr Fruchtfleisch ist fest und hat nur wenige Kerne. Bei den Mineralstoffen und Vitaminen bestehen kaum größere Unterschiede zwischen Waldheidelbeere und Kulturheidelbeere. Der blaue Farbstoff Anthocyan steckt bei der Kulturheidelbeere allerdings nur in der Haut, während Saft und Fruchtfleisch farblos sind. Dadurch bekommt man beim Essen kaum blaue Zähne.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/heidelbeere-30444.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Für die Phytotherapie sind als Wirkstoffe in der Heidelbeere relevant die Gerbstoffe und die Anthocyane.

Getrocknete Heidelbeeren werden wegen der Gerbstoffe zum Beispiel gegen Durchfall eingesetzt.

Anthocyane hemmen Entzündungen, werden jedoch nur schlecht in den Organismus aufgenommen. Daher sind insbesondere Untersuchungen zur Wirksamkeit bei Darmentzündungen interessant – in diesen Fällen braucht es die Aufnahme in den Körper nicht.

Siehe dazu:

Farbstoffe: Auch Heidelbeeren hemmen Entzündungen

 

Interessant wären genaue Angaben bezüglich den Unterschieden im Gehalt an Anthocyanen und Gerbstoffen zwischen Kulturheidelbeeren und Waldheidelbeeren. Dazu finde ich in der Phytotherapie-Fachliteratur keine brauchbaren Informationen.

Weil die Kulturheidelbeere im Inneren nicht blau gefärbt ist, liegt es allerdings auf der Hand, dass sie weniger Anthocyane enthält als die Waldheidelbeere. Ich würde jedenfalls als Heilpflanze die Waldheidelbeere vorziehen.

Laut ESCOP-Monografie können anthocyanangereicherte Extrakte aus Heidelbeeren angewendet werden für die „symptomatische Behandlung bei Problemen von Krampfadern wie schmerzende und schwere Beine, periphere Durchblutungsstörungen, kapillare Durchblutungsstörungen des Auges.“

Der „Leitfaden Phytotherapie“ führt Indikationen aus der WHO-Monografie auf. Darunter ist ein Hinweis, der interessant ist, weil er aus der Reihe tanzt:

„symptomatische Behandlung von Dysmenorrhö bei prämenstruellem Syndrom“

Die Plausibilität dieser Angabe ist schwer einzuschätzen, weil sie sonst in der Phytotherapie-Fachliteratur nicht auftaucht (Dysmenorrhö = schmerzhafte Menstruation).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Brokkoli wirksam gegen Diabetes?

Der Brokkoli-Inhaltsstoff Sulforaphan kann den Blutzucker bei Diabetes-Patienten reduzieren.

Der in Brokkoli und anderen Kreuzblütlern vorkommender Wirkstoff Sulforaphan könnte sich als neues Mittel gegen Diabetes Typ 2 entpuppen. In ersten Untersuchungen machte eine Behandlung mit dem Senföl bei Ratten Veränderungen der Genexpression rückgängig, die dem Diabetes Typ 2 zugrunde liegen. Auch am Menschen zeigte sich die Sulforaphan wirkungsam: In Form von Brokkolisprossen-Extrakt verabreicht verbesserte die Substanz die Blutzuckerwerte von Diabetespatienten messbar.

Weltweit leiden 300 Millionen Menschen an der Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus Typ 2, bei der das Hormon Insulin nicht mehr genügend Wirkung entfalten, um Zucker aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Dadurch kommt es zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels, der längerfristig große gesundheitliche Schäden verursachen kann – zum Beispiel an der Augennetzhaut und den Nieren. Auch das Risiko für koronare Herzerkrankungen oder Krebs steigt dadurch oftmals an.

Manchmal lassen sich die erhöhten Blutzuckerwerte beim Diabetes Typ 2 durch Ernährungsumstellung, Gewichtsabnahme und mehr Bewegung wieder unter Kontrolle bringen. Schwerere Fälle benötigen aber eine Therapie mit Insulin oder blutzuckersenkenden Medikamenten wie Metformin. Diese Mittel sind allerdings nicht für alle Patienten geeignet, weil sie unter anderem die Nieren schädigen können.

Ein Forschungsteam um um Annika Axelsson vom Lund University Diabetes Center im schwedischen Malmö hat daher nach alternativen Wirkstoffen gesucht.

Die Wissenschaftler schauten sich dabei an, welche genetischen Besonderheiten einem Diabetes Typ 2 zugrunde liegen. Die Stoffwechselerkrankung geht nämlich häufig mit Veränderungen der Genexpression einhergeht. Dann suchten die Forscher nach Wirkstoffen, welche die veränderte Genexpression rückgängig machen könnten. Die Substanz Sulforaphan eerwies sich dabei als vielversprechend. Sie kommt als Senfölglykosid Glukoraphan in der Pflanzenfamilie der Kreuzblütler vor, zum Beispiel in Kresse, Radieschen, Rettich und Brokkoli. In Brokkolisprossen ist die Sulforaphan-Konzentration besonders hoch. Mit Hilfe von Enzymen wird das Glykosid in seine aktive Form umgewandelt.

In Laborexperimenten konnte bereits gezeigt werden, dass Sulforaphan eine erhöhte Glucose-Produktion in Leberzellen unterdrückt und bei erkrankten Ratten die Genexpression günstig beeinflusst. Dabei wirkt es nach Angaben der Wissenschaftler ähnlich gut wie Metformin, aber auf einem anderen Weg.

Ob sich dieser Effekt auch beim Menschen bestätigen lässt, untersuchten die Forscher an 97 Testpersonen mit Übergewicht und einer Diabetes Typ 2-Erkrankung. Die Probanden nahmen über einen Zeitraum von zwölf Wochen regelmäßig konzentrierten Brokkolisprossen-Extrakt oder ein Placebo (Scheinmedikament) ein.

Aus dem Brokkoli-Extrakt entstand beim Kauen und durch Darmbakterien Sulforaphan.

Bei Versuchspersonen, die den Brokkoli-Extrakt eingenommen hatten, verbesserten sich die Blutzuckerwerte messbar. Die Behandlung reduzierte sowohl den sogenannten Nüchternblutzucker als auch das Glykohämoglobin HbA1c, das umgangssprachlich auch als Langzeit-Blutzucker bezeichnet wird.

Die Wissenschaftler raten Diabetespatienten allerdings davon ab, sich nun in Eigenregie mit hohen Dosen Brokkolisprossen-Extrakt oder konzentriertem Sulforaphan behandeln zu wollen. Es brauche weitere Studien, um die Wirksamkeit der Substanz zu bestätigen und herauszufinden, welche Patientengruppen am meisten von dem Wirkstoff profitieren können.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-21560-2017-06-15.html

Science Translational Medicine, 2017;

doi: 10.1126/scitranslmed.aah4477

American Association for the Advancement of Science, 15.06.2017 – DAL

Kommentar & Ergänzung:

Präzisere Ergebnisse berichtet die Pharmazeutische Zeitung:

„Die Kombination Metformin plus Placebo führte in keiner Subgruppe zu dem Ergebnis, dass der HbA1c-Wert oder die Nüchtern-Blutzuckerwerte sanken. Anders in der Verumgruppe: Bei adipösen Patienten mit einer schlechten Blutzuckereinstellung führte Sulforaphan zur Senkung des HbA1c-Wertes von durchschnittlich 7,37 auf durchschnittlich 7,04 Prozent. Zudem sanken in dieser Gruppe auch leicht die Nüchtern-Blutzuckerwerte – von durchschnittlich 158 auf durchschnittlich 147 mg/dl. /“

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=69991

Wie die Forscher berichten, hemmt Sulforaphan wie Metformin die Gluconeogenese in der Leber, doch geschieht dies auf einem anderen Weg. Die Wissenschaftler denken daher über Möglichkeiten nach, Metformin und Sulforaphan für die Behandlung zu kombinieren.

Die Studien sind noch lange nicht so weit gediehen, um Brokkolisprossen oder Sulforaphan als Arzneimittel bei Diabetes Typ 2 zu empfehlen.

Es spricht aber viel dafür dass Senfölglykoside, die in Kreuzblütlern verbreitet vorkommen, ein wertvoller Bestandteil einer vielfältigen Ernährung sind. Zahlreiche Untersuchungen haben günstige Eigenschaften dieser Wirkstoffgruppe gezeigt, wobei aber auch hier der Hinweis wichtig ist, dass es sich meistens um Laborforschung handelt, deren Ergebnisse sich nicht einfach direkt auf den Menschen übertragen lasen.

Siehe auch:

Brokkoli: Schutz gegen Arthrose?

 

Glukosinolate aus Brokkoli im Fokus der Forschung

Brokkoli-Wirkstoffe unterstützen Krebstherapie

Glukosinolate aus Brokkoli und Rosenkohl schützen vor Darmerkrankungen

Brokkolisprossen hemmen Helicobakter pylori-Bakterien im Magen

Brokkoli-Inhaltsstoff günstig bei Asthma

 

 

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? Welche Wirkung haben sie?

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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