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Blick ins Pflanzenlexikon: Storchenschnabel – Geranium

„Storchenschnabel“ – das ist eine traditionelle Heilpflanze. Meist ist damit der Stinkende Storchenschnabel gemeint  – Geranium robertianum (Ruprechtskraut).

Botanisch korrekt heisst die Pflanze im übrigen „Stinkender Storchschnabel“ und es gibt 14 wildwachsende  Storchschnabelarten in der Schweiz. Das ist auch gut zu wissen für Leute, die sich mit Heilpflanzen befassen oder Heilpflanzen sammeln damit es keine Verwechslungen gibt.:

Geranium robertianum                                   Ruprechtskraut

Geranium pyrenáicum                                    Pyrenäen-Storchschnabel

Geranium rotundifolium                                Rundblättriger Storchschnabel

Geranium phaéum var. lividum                    Blassvioletter Braun-Storchschnabel

Geranium palustre                                            Sumpf-Storchschnabel

Geranium sanguineum                                   Blutroter Storchschnabel

Geranium sylvaticum                                      Wald-Storchschnabel

Geranium pratense                                          Wiesen-Storchschnabel

Geranium dissectum                                       Schlitzblättriger Storchschnabel

Geranium columbinum                                  Tauben-Storchschnabel

Geranium rivuláre                                           Blassblütiger Storchschnabel

Geranium nodósum                                        Knotiger Storchschnabel

Germanium molle                                            Weicher Storchschnabel

Geranium pusílium                                         Kleiner Storchschnabel

Storchenschnabel in der Pflanzenheilkunde

Das Ruprechtskraut enthält (wie andere Geranium-Arten) als wirksame Inhaltsstoffe vor allem Gerbstoffe. Sie wirken stopfend bei Durchfall, entzündungswidrig zum Beispiel bei Mundschleimhautentzündungen und nässenden Ekzemen (als Teilbad).

Fragwürdige Versprechungen zur Wirkung von Storchenschnabel…..

Der Stinkende Storchenschnabel oder genauer Storchenschnabeltee bzw. Storchenschnabeltinktur werden darüber hinaus noch für einige Anwendungsbereiche propagiert, die höchst fragwürdig sind:

– Storchenschnabeltee / Storchenschnabeltinktur sollen helfen bei unerfülltem Kinderwunsch. Dazu muss man allerdings davon überzeugt sein, dass der Storch beim Kinderkriegen eine zentrale Rolle spielt. Siehe dazu auch:

Pflanzenheilkunde – Storchenschnabeltee gegen Kinderlosigkeit

– Storchenschnabeltinktur soll „Seelengifte“ entziehen, verspricht eine Drogerie auf ihrer Website. Hoffentlich weiss die Storchenschnabeltinktur genau, was sie da rausziehen soll, sonst könnte das ja bös enden. Um welche Art von Seelengiften es sich handelt, konnte die Drogerie mir übrigens nicht sagen.

– Storchenschnabeltinktur soll ein „Lymphmittel“ sein und eine „aktivierende Wirkung auf den Lymphfluss“.  Das ist bisher eine völlig leere Behauptung. Die Verkäufer haben es bisher unterlassen, auch nur einiger massen plausible Gründe für diesen Anwendungsbereich zu liefern. Trotzdem wird diese Empfehlung quasi blind kopiert und weitererzählt, auch von Therapeutinnen und Therapeuten.

– Storchenschnabeltinktur soll als „Notfallmittel erster Güte“ bei „akuten Schockzuständen“  wirksam sein. So die Verkaufspropaganda.

Unter einem Schockzustand versteht man üblicherweise ein lebensbedrohliches Zustandsbild, bei dem die Blutzirkulation in den Kapillaren vermindert ist. Als Folge treten eine Sauerstoffunterversorgung der Gewebe und in letzter Konsequenz Stoffwechselstörungen auf. Also müsste zuerst genau geklärt werden, was mit akuten Schockzuständen gemeint ist.

Auch hier: Reine Behauptungen.

Siehe auch: Zum “Wesen der Heilpflanzen”: Storchenschnabel gegen Schock

Wenn Ihnen Ihr Naturheilpraktiker, Ihre Heilpraktikerin oder Ihre Drogerie also Storchenschnabeltinktur zur Entfernung von „Seelengiften“, zur Aktivierung des Lymphflusses, gegen „Schockzustände“ oder bei unerfülltem Kinderwunsch empfiehlt, dann ist das ein starker Hinweis für mangelnde Seriosität.

Sie haben es dann höchst wahrscheinlich mit Leuten zu tun, die einfach schöne Anekdoten weitererzählen und sich den Aufwand der Überprüfung sparen.

Ich würde einen weiten Bogen machen um solche Leute oder solche Geschäfte.

Es wird unglaublich viel erzählt über Wirkungen von Heilpflanzen. Darum ist es so wichtig zu unterscheiden, was davon überzeugend ist und was nicht.

P.S. Ich bin selbstverständlich sofort bereit, meine Beurteilung zu revidieren, falls mir jemand  plausible Gründe für diese Anwendungsbereiche nennt.

Falls Sie – über den Storchenschnabel hinaus – an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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