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[Buchtipp] „Fake statt Fakt – Wie Populisten, Bots und Trolle unsere Demokratie angreifen,“ von Ute Schaeffer

 

Worum gehts?

Fake News und Propaganda

Populismus und Demokratie

Ein ausgezeichnetes Buch über die Gefährdung der Demokratie durch Bots, Trolle und Fake News.

 

 

 

Verlagsbeschreibung

Inhalt:

Die digitale Manipulation
Der öffentliche Raum hat sich fundamental verändert. Was als Tweet oder Post beginnt, führt zu praktischer Gewalt und hat unmittelbaren Einfluss auf Wahlergebnisse. Ein regelrechter Informationskrieg ist entstanden, der unsere Gesellschaft spalten und demokratische Institutionen unglaubwürdig machen soll. Es geht um Stimmungen, nicht um Fakten. Populisten und Extremisten brauchen eine Story: mit Opfern und Tätern, klaren Feinden und Helden. Somit sind die Echo- und Meinungsräume im Internet ein Biotop für beide. Ute Schaeffer hat sich fast zwei Jahre undercover in diese Räume begeben. Sie beschreibt die Akteure hinter den Kampagnen, analysiert die Storys und zeigt, auf welche Weise die Funktionen des Netzes die Wirkung der Propaganda verstärken.

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Zusammenfassung

Aufgedeckt von einer der versiertesten Journalistinnen Deutschlands: Mechanismen und Akteure hinter den Fake News, die die öffentliche Meinung manipulieren.

Aus Buchbesprechungen

“Schaeffer warnt davor, auszublenden, was im Netz verhandelt wird. ”
emotion 1. Juli 2018

»Das Buch liefert wesentliche Informationen zum Hintergrund und viele Diskussionsansätze. «
3. September 2018, Hessischer Bildungsserver

»Sie analysiert, wie Meinungen gemacht werden, und zeigt auf, warum dies für die Demokratie gefährlich ist. «
30. Juli 2018, Martina Dannert, ekz-bibliotheksservice

»Wichtigste Voraussetzung für eine wirksame Abwehr ist die Kenntnis der Mechanismen, mit denen die Netz-Fälscher in Politik, Werbung und Medien verfahren. Hierfür liefert der Band wertvolle Hilfe. «
11. Juli 2018, Badische Neueste Nachrichten

»Was Schaeffer schreibt, verwundert wenig, macht aus einem Ahnen aber durch sorgfältiges und umfassendes Ausleuchten ein Wissen. «
3. Juli 2018, Goslarsche Zeitung

»Schaeffer entdeckte zu ihrem Bedauern professionelle Content- und Vertriebsstrategien sowie viel Desinformation. Aber mit Blick auf den etablierten Journalismus hat sie auch einiges nachdenklich und selbstkritisch gemacht.«
13. Juni 2018, Frank Hauke-Steller, kress news

»Gegenmaßnahmen für eine resiliente Demokratie …«
6. Juli 2018, Wolfgang Taus, Wiener Zeitung

»Sie zeigt dabei, wie Sprache Wirklichkeit umstülpen kann. «
18. Juni 2018, www.kultur-punkt.ch

»Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, also bedarf es wirksamer Gegenmaßnahmen, um uns und unsere Demokratie zu schützen. Solide Informationen über das Geschehen im Netz sind der erste wichtige Schritt – und dazu leistet die Autorin einen wesentlichen und wichtigen Beitrag!«
17. Juni 2018, Dietmar Langusch, www.lehrerbibliothek.de

»Eine ihrer Erkenntnisse lautet, dass sich eine immer größere werdende Gegenöffentlichkeit in eigenen Echokammern bildet. «
1. Juni 2018, Team Vorarlberg – Standpunkte für Wirtschaft und Gesellschaft

»Schaeffer entdeckte zu ihrem Bedauern professionelle Content- und Vertriebsstrategien sowie viel Desinformation. Aber mit Blick auf den etablierten Journalismus hat sie auch einiges nachdenklich und selbstkritisch gemacht.«
13. Juni 2018, Frank Hauke-Steller, kress news

Zur Autorin Ute Schaeffer

Ute Schaeffer war Chefredakteurin der Deutschen Welle und ist heute Leiterin Medienentwicklung und stellvertretende Direktorin der DW-Akademie. Sie hat lange Jahre aus Afrika, Osteuropa und den arabischen Staaten Bericht erstattet und kennt viele Herkunftsregionen der Flüchtlinge persönlich.

Kommentar von Martin Koradi

Das Buch von Ute Schaeffer ist sehr ergiebig und  geht meines Erachtens weit über das Thema „Fake statt Fakt“ hinaus. Die Autorin liefert einen hautnahen Einblick in die Kommunikations- und Marketingstrategien der AfD und der Identitären Bewegung. Überaus erkenntnisreich und gut lesbar. Die demagogischen Strategien und auch die Verführungskraft werden dadurch auf vielfältigen Ebenen sichtbar. Für meinen Geschmack zitiert das Buch die demagogischen Slogans fast zu häufig. Man sollte Lügengeschichten nicht zu oft wiederholen und sie bei jeder Gelegenheit konsequent widerlegen. Aber eindrücklich ist dieser Einblick allemal.

Schaeffers Buch zeigt auch, wie konsequent rechtpopulistische und rechtsextreme Akteure mit Falschmeldungen demokratische Istitutionen diskreditieren und damit ihre eigene Agenda verfolgen.

Ein eigenes Kapitel ist der Einflussnahme der Kreml-Propaganda gewidmet, die konsequent rechtspopulistische und rechtsextreme Akteure unterstützt und gezielt Misstrauen, Konflikte und Polarisierung in demokratischen Staaten schürt.

Ein weiteres Kapitel handelt vom Einfluss  türkischer TV-Stationen als Multiplikatoren der AKP-Politik in Deutschland.

Auch der raffinierte Medien-Dschihad des IS wird in einem eigenen Kapitel vorgestellt.

Und dann- ein absolutes Zukunftsthema – geht es um Big Data, Microtargeting und Profiling am Beispiel des Wahlkampf Donald Trumps. Hier kommt etwas auf uns zu, das grosse Aufmerksamkeit erfordert, weil dadurch demokratische Prozesse vollständig unterspülen kann.

Ute Schaeffer beschliesst ihr Buch mit ein paar Vorschlägen, wie wir die digitale Öffentlichkeit gestalten können.

Das Thema verlangt meines Erachtens darüber hinaus aber von uns allen Nachdenken und Aktivwerden, um diesen Herausforderungen demokratischer Gesellschaften Widerstand entgegen setzen zu können.

Ein detailliertes Inhaltsverzeichnis von „Fakt statt Fakt“ finden Sie anschliessen sweiter unten.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen

 

Inhaltsverzeichnis

TEIL 1

WIR GEGEN DIE ANDEREN – DIE GEGENÖFFENTLICHKEIT IM NETZ

Umzug in die andere Echokammer. Die Recherche    13

Fake statt Fakt – das heißt was? ∙ Mitmachen und erleben – nicht mehr nur kommunizieren ∙ Warum das Buch zum Thema? ∙

Radikalisierung über das Netz ∙ Wie Sprache Wirklichkeit verändert ∙
Der Selbstversuch
Eine Gegenöffentlichkeit schaffen –

Medien der Neuen Rechten im Netz       25

Die Akteure – von der nationalkonservativen Traditionsmarke bis zum Blog ∙ Protest aus dem Nichts – Emotionen füllen nachrichtenarme Zeiten ∙ Tendenzmedien und Politik-PR
– verbreitet wird vor allem Werbung ∙ Die Medien der Neuen Rechten ∙ Mitmachen und erleben – jeder kann aktiv werden ∙ Echokammer-Live: mein Besuch auf der Compact–Konferenz 2016 ∙ Vielfältiges Angebot: vom Verschwörungsportal bis zum anonymen Fake-Blog ∙ Gemeinsam sind wir stark: die rechte Filterblase ∙ Die Strategie ∙ Reichweite erhöhen: Social Bots in der digitalen Gegenöffentlichkeit ∙ Inhaltliche Schlagseite – Fake als redaktionelles Mittel ∙ Schlüsselthemen: Flüchtlinge und Terror ∙ Emotion als Verstärker

Die Grenze des Sagbaren verschieben    62

Die rechte Brille, mit der ich die Welt betrachte ∙ Katalysator-Themen ∙Die Erzählungen in der rechten Echokammer ∙ Alles darf gesagt werden – ?

Die »Wir-gegen-die!«-Kommunikation der AfD: Provokation und Protest statt Programm und Problemlösung  106

Der direkte Draht zum Volk – Soziale Medien als ideales Medium der Populisten ∙ Tabubruch durch Spitzenpolitiker ∙ Eskalation zur besten Sendezeit: die AfD und die »Systemmedien« ∙ Deutungshoheit durch hohe Frequenz ∙ Zielgruppengerechte Ansprache: Emotionen schaffen, um sie zu bedienen ∙ Protest braucht Feinde ∙ Mit wenigen Themen punkten ∙ Provokation um jeden Preis ∙ Die Echokammern der AfD: Einladung für rechtsextreme Positionen ∙ Menschenrechte? Ja, aber nicht für alle! ∙ Die Twitterstrategie der AfD ∙ Reichweite über Contentsharing ∙ Parolen statt Programm

Rechtsextremer Flashmob –die Identitäre Bewegung   135

Digitaler Flashmob – Sponti-Aktionen online und offline ∙ Netz- Avantgarde und Widerstandsgruppe ∙ Die Kriegserklärung: die IB als europäische Marke ∙ Der rote Faden identitärer Erzählungen ∙ Etikettenschwindel: die »Wortschmiede« der Identitären ∙ Genderwahn bei der IB ∙ Wie aus abstrakten Begriffen Botschaften und Aktionen werden

Bericht aus der Echokammer – Erfahrungen nach zwei Jahren Selbstversuch  155

Persönlichkeitsspaltung zu Recherchezwecken ∙ Keine Ideologie ohne Erzählung ∙ Einheitsmeinung statt Meinungsvielfalt

TEIL 2

AKTEURE VON AUSSEN

Alte Methoden, digitale Technik – und eine Botschaft der Stärke. Die (Des-)Informationsarbeit des Kreml   167

Russlands digitale Medienstrategie für Westeuropa ∙ Russische Medien als Teil der Gegenöffentlichkeit in Deutschland ∙ Die Rollenverteilung – das starke Russland, das schwache Europa ∙ Alte Methoden, neue Technik ∙ Digitale Verstärker: Vernetzung mit Plattformen der Neuen Rechten ∙ Politische Verbindungen zu Rechtspopulisten in Deutschland ∙ Regieanweisungen der Politik: Schlüsselbegriffe und Themen ∙ Politische Destabilisierung – und Polarisierung der öffentlichen Meinung ∙ Die Kampagne #unserelisa. Die Kampagne #lügenpresse ∙ Medien im Zensurstaat Russland: Information als Herrschaftsinstrument ∙ (Des-)Information als Waffe im hybriden Krieg ∙ Informationen als Waffe – die Strategie des Verteidigungsministeriums ∙ Die Ukraine als Testfall des hybriden Krieges ∙ Agendasetting im Krieg: Anweisungen des Kreml für die Ostukraine ∙ Die Ukraine-Erzählung in den russischen Auslandsmedien ∙ Politisches Marketing: Trolle im Dienste der Politik ∙ Die Wirkung: Misstrauen und Verunsicherung

Deutschland ist der Feind der Türkei – wie Erdoğan über seine Medien die deutsche Öffentlichkeit polarisiert        204

Die deutsch-türkische Beziehungskrise 2016/17 ∙ Türkische TV – Sender als Multiplikatoren der AKP-Politik in Deutschland ∙ Türken in Deutschland – für Erdoğan wichtige politische Zielgruppe ∙ Das Netzwerk der AKP in Deutschland ∙ Die Proteste im Gezipark 2013 – der Beginn einer neuen AKP-Medienstrategie ∙ Erdoğans Trolle ∙

Medien stramm auf Erdoğan-Kurs ∙ Der Stoff, aus dem die Erzählungen der AKP sind ∙ Deutschland steht auf Seiten der Feinde der Türkei und unterstützt den Terror ∙ Die Türken werden wegen ihres Glaubens, ihrer Werte, ihrer Identität beschimpft ∙ Medien und Politik verbreiten Lügen über die Türkei ∙ Deutschland ähnelt der Nazidiktatur, es herrscht Rassismus ∙ »Nazimädchen Merkel« – das Echo der Botschaften Erdoğans in den Sozialen Medien ∙ Die freiwilligen Unterstützer im Netz

Der Medien-Dschihad des IS – Informationen als Werkzeug des Terrors   229

Radikalisierung vor dem Computer – wie Dschihadisten in Deutschland angeworben werden ∙ Anis Amri – Berlin, Anschlag auf den Breitscheidplatz 19. 12. 2016 ∙ Ohne digitale Medien kein globaler Dschihad des IS ∙ Wer radikalisiert sich? ∙ Dschihad und Terror in Echtzeit – den Schrecken multiplizieren ∙ Kein Weltreich ohne internationale Propaganda – die Entwicklung seit 2014 ∙ Die Medienstrategie des globalen Dschihad ∙ Informationen als Waffe im Kampf gegen die »Kreuzzügler« ∙ Flexible Wege zum Kunden ∙ Moderne mediale Verpackung ∙ Der Kampf findet auch auf dem Schlachtfeld der Medien statt ∙ Die Medienunternehmen des digitalen Kalifats ∙ Medienplattformen für unterschiedliche Zielgruppen ∙ Der Terror-Ticker Amaq – die Nachrichtenagentur des IS ∙ Die Zielgruppen des IS ∙ Die Erzählung für die Zielgruppen in Deutschland: Komm raus aus Isolation und Ungerechtigkeit und werde ein Held! ∙ Scharia statt Demokratie – die verfassungsfeindliche Botschaft kommt bei den Nutzern in Deutschland an

Big Data, Microtargeting, Profiling – wie mit Donald Trump ein Populist Präsident wurde   254

Die Marke Trump: made by social media ∙ Die Fiktionalisierung der Politik ∙ Der Twitter-Präsident: Politik in 140 Zeichen ∙ Mobilisierung durch Provokation: Trumps Angriff auf Staat und Medien ∙ Alternative Medien verbreiten alternative Fakten ∙ Medium gegen das Establishment:

Breitbart.com ∙ Das Internet als Schlüsseltechnologie für das Erstarken der Alt-Right-Bewegung ∙ Die technischen Zutaten für den Erfolg von Trump ∙ Warum ein Trump-Wahlkampf in Deutschland (noch) nicht funktioniert ∙ Wahlkampf via Direktmarketing ∙ Kommerzielle Trolle in Mazedonien machen Werbung für Trump

Digitales Marketing – wie das Netz mir hilft, an den Fakten vorbeizusehen   278

Wie Facebook gläserne Nutzer serviert ∙ News oder Marketing? – Wenn die Gesetze der Werbung den Stellenwert von Informationen bestimmen ∙ Eine gute Platzierung bei Google schafft Reichweite ∙ Algorithmen bestimmen, was ich sehe – bestimmen sie auch, wie ich mich verhalte? ∙ Kinderleicht: Facebook-Werbung schalten ∙ Werbung leicht gemacht: Erstwähler über Facebook für die AfD begeistern ∙ Achtung ansteckend! Warum sich vor allem Gefühle so gut im Netz verbreiten lassen und warum Soziale Medien so wirkungsvolle Verstärker sind ∙ Roboter, die sich verhalten wie Menschen: Social Bots

Kein Algorithmus der Welt wird uns das kritische Denken abnehmen  289

Wie groß ist der politische Schaden? ∙ Es geht um einen anderen Gesellschaftsentwurf ∙ Weltvereinfachungsformeln für eine komplexe Welt ∙ Desinformation als Mittel zum Zweck ∙ Postfaktisch ist nicht neu ∙ Digitales Agendasetting und Meinungsbildung ∙ Und nun? Digitale Öffentlichkeit gestalten – ein paar Vorschläge ∙ Der digitale Strukturwandel ist eine großartige Chance auf mehr Demokratie

Anhang   315

Anmerkungen ∙ Quellen ∙ Glossar ∙ Dank

[Buchtipp] „1938 – Warum wir heute genau hinschauen müssen“, von Barbara Schieb, Jutta Hercher, Klaus von Dohnanyi

 

Worum gehts?

1938 – ein Wendepunkt auf dem Weg in den Dritten Weltkrieg

Dieses Buch beschreibt sehr eindrücklich, wie sich der Nationalsozialismus 1938 gefestigt und in der Bevölkerung verankert hat – vor dem Schritt in den Dritten Weltkrieg. Daraus lässt sich viel lernen, um ähnliche Entwicklungen weltweit frühzeitig zu erkennen.

 

Verlagsbeschreibung zu “1938”

Klaus von Dohnanyi schreibt im Vorwort:

“So brauchen wir nicht nur die Erinnerung an 1938, an die Jahre davor und danach, sondern auch einen mutigen Blick nach vorn. Denn Freiheit und Demokratie müssen auch heute mit Mut und Zivilcourage verteidigt werden.”

Warum müssen wir heute wieder genau hinschauen? Vieles von dem, was 1938 damals ereignet hat, ist wieder aktuell geworden: Flüchtlingskrise, Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, internationales Kräftemessen, ein Erstarken der rechten Parteien, Fake News.
1938 markiert einen Wendepunkt, nicht nur im Leben vieler Menschen hier, sondern weltweit. 1938 werden politische Entscheidungen getroffen, die in den großen, ein Jahr später ausbrechenden Flächenbrand münden. 1938 machen sich Hunderttausende auf die Flucht, sie suchen Schutz vor Verfolgung, aber keiner ist bereit, sie aufzunehmen. 1938 manipulieren politische Agitatoren durch Hetzkampagnen und Falschmeldungen die Bevölkerung und eine beispiellose Gewalt gegen Ausgegrenzte wird schweigend geduldet oder sogar begrüßt. Die Nachwirkungen der sich 1938 anbahnenden Katastrophe sind bis heute spürbar, und die Geister, die damals gerufen wurden, sind heute wieder aktiv.
Zeitzeugen, Überlebende und auch deren Enkel erzählen in persönlichen Berichten ihre Geschichte, darunter Gabriel Bach, Walter Frankenstein, Ruth Rotem, August Zirner, Mirna Funk, Linda Rachel Sabiers, Monica Dugot oder Arye Sharuz Shalicar. Noch nie veröffentlichte Dokumente, zahlreiche Fotografien und eine lebendige Gestaltung machen das Jahr 1938 greifbar und zeigen zudem Parallelen auf, die in Zeiten eines neu aufkommenden Nationalismus gefährlich werden können. Insofern ist dieses Buch auch ein warnender Weckruf.

Mit einem Vorwort von Klaus von Dohnanyi.

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Zu den Herausgeberinnen Barbara Schieb und Jutta Hercher

Barbara Schieb studierte Geschichtswissenschaft und Germanistik in Freiburg im Breisgau und Berlin und arbeitet derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gedenkstätte Deutscher Widerstand an der Gedenkstätte Stille Helden.
Jutta Hercher ist als Dokumentarfilmerin tätig und lebt als freie Autorin in Berlin.

Kommentar von Martin Koradi zum Buch “1938”

Die Geschichte wiederholt sich nie genau gleich. Trotzdem lässt sich an manchen Punkten viel aus ihre lernen. Und 1938 ist dafür tatsächlich ein ergiebiges Jahr. Hier zeigt sich, wie ein totalitäres Regime sich immer fester installiert, aber auch, wie rasch Menschen sich solchen Verhältnissen anpassen, aber auch, welche Möglichkeiten für des Sich-Entziehens und des Widerstands es gibt. 

Das Jahr 1938 war eine entscheidende Phase auf dem Weg in den Abgrund. Mit dem “Anschluss” Österreichs im März und  der Zerschlagung der Tschechoslowakei ab Herbst beginnt das Nazi-Regime, die infolge des Ersten Weltkrieges festgelegte Grenzordnung zu zerstören, währen der britische Premierminister Chamberlain glaubt, mit seiner Appeasement-Politik den Frieden sichern zu können. Aber auch im Innern des “Dritten Reiches” wurden laufend Grenzen aller Art überschritten. Die Herausgeberinnen schreiben in der Einleitung dazu:

“1938 war das Jahr,  in dem jeder sehen konnte, wie diese Diktatur funktionierte und auch, dass sie direkt in den Krieg führte. Im Januar 1938 kommentierte Joseph Goebbels die enorme Verschuldung des Staatshaushalts: «Aber an Schulden ist noch nie ein Volk zugrunde gegangen. Wohl aber an einem Mangel an Waffen.» Die NS-Politik funktionierte nur mit dem Vorgriff auf zukünftige Raubzüge; Goebbels im März 1938: «Wir haben einen bedeutenden Fehlbetrag. aber dafür Österreich.» Der sogenannte Anschluss wurde für beispiellose Plünderungen genutzt und ging einher mit bis dahin unvorstellbar offener Gewalt. Die vollständige Enteignung der jüdischen Bevölkerung war von vornherein kalkuliert und begann 1938 in grossem Stil.

Es war das Jahr, in dem das NS-Regime in die Offensive ging. Niemand mehr stellte sich der Politik ernsthaft in den Weg – weder Kriegsgegner noch konservative Bürger, weder Beamte noch Institutionen oder die Kirchen, und auch nich die anderen europäischen Regierungen.

Vieles geschah 1938 zum ersten Mal: die Inbesitznahme eines souveränen Nachbarstaates – Österreich – , offene Kriegsdrohung und Ultimatum – Anspruch auf das Sudetenland -,  Massenverhaftung und Arbeitszwang mit der Aktion ‘Arbeitsscheu Reich’, die erste grosse Abschiebung von Tausenden Juden mit polnischen Pässen. Es gab das Gesetz zur Beschlagnahme von sogenannter entarteter Kunst, die systematische Enteignung der jüdischen Bürger und schliesslich die berüchtigten Novemberpogrome – den offenen Terror.”

Die Stärke dieses Buches liegt darin, dass es diese politischen Vorgänge anhand von persönlichen Schicksalen eindrücklich, konkret und hautnah nachvollziehbar macht.

Barbara Schieb und Jutta Hercher schreiben in der Einleitung:

“1938 war das Jahr, in dem Menschlichkeit zur Ausnahme wurde und Terror zur Normalität. Jede und jeder konnte damals wissen, worauf Deutschland zusteuerte, weil es vor aller Augen geschah. Ab 1933 wurde die Schicht  der Humanität Lage für Lage abgetragen, und zwar ohne grossen Protest, dafür aber nicht selten begleitet von der Begeisterung einer korrumpierten Bevölkerung. Wie die Gesetze von 1933 und 1935 gegen Juden und alle politischen Gegner zeigten, ging die Verwandlung Deutschlands vom Rechtsstaat zur Diktatur in atemberaubendem Tempo vor sich.

Wer jetzt nicht Hilfe von guten Freunden, mutigen oder einfach human denkenden Menschen bekam, war in seiner gesamten Existenz gefährdet. Was aber heisst das genau? Wie muss es gewesen sein, wenn die Miete nicht mehr bezahlt werden konnte oder dem Ladenbesitzer die Kundschaft wegbrach? Wie war das, wenn die einstmals gefeierten Mäzene der Stadt, die den Museen wertvolle Gemälde geschenkt, das Waisenhaus unterstützt, den Fussballverein gefördert oder die Bestuhlung des Gemeindesaals bezahlt hatten, aus den Kuratorien, Sportvereinen und Gemeinderäten geworfen und von den Einladungslisten gestrichen wurden, Hausverbot erhielten, sich Freunde und Bekannte wegdrehten, wenn sie einander auf der Strasse sahen. Wie war das, wenn die Kinder nicht mehr in die Schule gehen durften, in denen ihre Freunde waren? Oder die Freunde von einst auf sie spuckten, die Lehrer nicht mehr ihre jüdischen Schüler schützten, oder sie, im Gegenteil, dem Spott preisgaben.”

Das Buch zeigt eindringlich auf, wie eine Bevölkerung im Alltag nach und nach korrumpiert wird und sich korrumpieren lässt. Es ist in diesem Sinn eine Warnung und ein Aufruf zur Wachsamkeit. Es zeigt aber auch Widerstand und Zivilcourage.

Rechtspopulismus ist nicht schon Nationalsozialismus oder Faschismus. Aber weil Parteien wie AfD, FPÖ und Lega sich wiederkehrend nicht eindeutig von extremistischen Personen und Vorstellungen abgrenzen können oder wollen, ist eine Entwicklung in diese Richtung auch nicht ausgeschlossen. Leider sind die Übergänge hier oftmals sehr fliessend. Madeleine Albright verweist in ihrem Buch “Faschismus – eine Warnung” auf eine Äusserung des italienischen Schriftstellers und Holocaust-Überlebenden Primo Levi hin, wonach jedes Zeitalter seinen eigenen Faschismus habe.

Das Buch “1938 – Warum wir heute genau hinschauen müssen“, bietet passend zur gegenwärtigen Lage eine sehr aktuelle, lebendige und packende Geschichtslektion.

 

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

 

[Buchtipp] ” Stille Machtergreifung ” , von Hans-Henning Scharsach,

Stille-Macht-ErgreifungVerlagsbeschreibung

Hofer, Strache und die Burschenschaften

Norbert Hofers Präsidentschaftswahlkampf war ein Lehrstück einer von Burschenschaften konzipierten populistischen Kampagne. Mit eisernem Lächeln täuschte er erfolgreich über die von ihm vertretenen rechtsextremen Standpunkte hinweg. Doch das ist nur die Speerspitze einer Entwicklung, die fast unbemerkt von der österreichischen Öffentlichkeit vor sich geht: Ein kleiner, verschworener Kreis hat die FPÖ in Besitz genommen, zentrale Funktionen in Bundespartei, Parlament und Landesverbänden sind fest in den Händen von Burschenschaftern.
Hans-Henning Scharsach untersucht die engen Verflechtungen Norbert Hofers, Heinz-Christian Straches und ihrer Weggefährten mit den Burschenschaften. Seine akribische Recherche taucht tief in deren antisemitische und nationalsozialistisch geprägte Geschichte ein. Er analysiert ihr politisches Instrumentarium, das sich mit Hasskampagnen und systematischer Verbreitung von Unwahrheiten über alle Regeln der Fairness hinwegsetzt. Anhand belegbarer Zahlen, Daten und Fakten zeigt Scharsach auf, was Österreich droht, wenn deutschnationale, schlagende Burschenschafter an die Macht kämen. Zum Shop

Zum Autor Hans-Henning Scharsach

Hans-Henning Scharsach, langjähriger Leiter der Auslandsressorts von “Kurier” und “News”, ist Publizist und Autor politischer Sachbücher. Der Experte für Rechtspopulismus, Rechtsextremismus und Neonazismus moderierte 15 Jahre die Zeitzeugengespräche zum Jahrestag des Novemberpogroms im Wiener Volkstheater. Zu seinen Büchern zählen die Bestseller “Haiders Kampf”, “Haiders Clan”, “Europas Populisten” und “Die Ärzte der Nazis”.

Kommentar von Martin Koradi

Hans-Henning Scharsach zeigt auf,  „was Österreich droht, wenn deutschnationale, schlagende Burschenschafter an die Macht kämen“, steht in der Verlagsbeschreibung…..

Nun sitzen also diese Burschenschafter wie Heinz-Christian Straches, Norbert Hofers & Co. inzwischen in der Regierung und  an den Schalthebeln der Macht.

Wer das Buch von Hans-Henning Scharsach gelesen hat, wird nicht in Versuchung kommen, diese Machtergreifung zu verharmlosen.

Hans-Henning Scharsach zeigt detailliert und gut belegt, mit welch fragwürdigen Figuren und menschenverachtender Ideologie wir es hier zu tun haben.

Es ist eindrücklich zu lesen, mit welcher Kaltschnäuzigkeit und Konsequenz hier Unwahrheiten und Hass als politische Instrumente eingesetzt werden.

Die gesammelten Lügen des Heinz-Christian Straches – in der Zwischenzeit zum Vizekanzler und Bundesminister für Beamte und Sport der Republik Österreich ernannt –  kann man auf der Website FPÖ-Watch nachlesen (samt Widerlegung).

Eindrücklich zeigt das Buch von Hans-Henning Scharsach auch, wie konsequent die FPÖ alle Medien, die ihre Lügen in Frage stellen, mit „Lügenpresse“-Vorwürfen zu diffamieren suchen. In dieser Hinsicht fährt die FPÖ die gleiche Strategie wie der Oberlügner Donald Trump in den USA.

Es muss sehr zu denken geben und sagt viel über eine Gesellschaft aus, wenn solch zwielichtige Figuren trotz ihrer offensichlichen Lügen gewählt werden.

Wer noch nicht davon überzeugt ist, dass Österreich eine starke zivilgesellschaftliche Reaktion auf diesen rechtsextremen Burschenschafter-Sumpf braucht, sollte diese Buch lesen – und wer davon schon überzeugt es auch.

Vernetzen Sie sich mit zivilgesellschaftlich aktiven Gruppen, zum Beispiel https://www.aufstehn.at oder bei Mitgliedern des Solidaritätspakts der Zivilgesellschaft.

Hans-Henning Scharsach liefert auch eine detaillierte Aufstellung dazu, welche FPÖ-Politiker in welchen Burschenschaften aktiv sind. Selten ein so gut recherchiertes Buch gelesen. Stichworte aus dem Inhaltsverzeichnes unten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

Aus dem Inhaltsverzeichnis

Die stille Machtübernahme: FPÖ im Besitz der Burschenschaften

Geheimhaltung: Wir sollen nicht wissen, wen wir wählen

Traditionen des Nationalsozialismus

Hofers Marko-Germania: Verräterische Festschrift

Deutsches Vaterland: Der Kampf gegen die österreichische Nation

Gegen Gleichheit und Pluralismus

Antisemitismus in den Burschenschaften

Das antisemitische Nazi-Symbol der Kornblume

Feindbild-Austausch: Muslime statt Juden

Antisemitismus-Verleugnung: Hofer und Strache als Judenfreunde

Burschenschaften und Nationalsozialismus

Bücherverbrennung 1933: Burschenschaften und der Anschluss

„Ehrendes Andenken“ für die Massenmörder der Nazis

Hofer und die NS-Traditionen

Gegen NS-Verbot und „Menschenhatz der Linken“

Täter-Opfer-Umkehr: Schlag nach bei Goebbels

Am Beispiel Norbert Hofer: Stille Machtergreifung

Hofers rechtsextreme Weggefährten, Freunde und Mitarbeiter

Väterliche Förderer und junge Geförderte

Hitlers Legitimationstheoretiker als „Vorbild“

Geschönte Biografie für die politische Mitte

Ein Künstler zur ideologischen Standortbestimmung

Ideologische Standortbestimmungen

Rechtsextreme Inhalte im FPÖ-Handbuch

Plebiszit als Waffe gegen Verfassung und Demokratie

Ausschaltung ganzer Wählergruppen durch Ende der Briefwahl?

Ein Handbuch als Kriegserklärung an die Verfassung

Von Wespenlarven, Brutpflegetrieb und militärischen Tugenden

Von der Verachtung für „Eliten“ und den Sorgen des kleinen Mannes

Faktencheck: Das Märchen von der „sozialen Heimatpartei“

„Mut zur Wahrheit“: Einblick in die blaue Sozialpolitik

Kampf gegen Kammern und Interessenverbände

Personen als Programm: Barbara Kolm, Olaf Henkel und Dieter Hundt

Männliche Weltordnung: Frauen als Opfer der „Burschenpartei“

Der Mann auf der Jagd, die Frau im Heim

Ausgeladen: Frauen, die weder schön noch still sind

Identitäre: Eine PR-Aktion rechtsextremer Burschen

Identitäre, Burschenschafter und FPÖ

Rechtsextreme Inhalte in jugendlicher Verpackung

Wahlkampf: Lügen, Hass und Nächstenliebe

Der Wahlkampf der Burschenschafter im Netz

Wie Fake News und Lügen verbreitet werden

Die grausamen Fratzen des Hasses

Überforderte Gerichte, hilfloser Rechtsstaat

Die mediale Parallelwelt der Burschenschafter

Das Zusammenspiel mit der Krone

Strache: Fake News und falsche Fakten

Der Kampf gegen die „Lügenpresse“

Kampf gegen demokratische Grundrechte

Die Printmedien der Burschenschaften

Der Rechtsstaat als Feindbild

Das Spiel mit Gewalt und Bürgerkrieg

Gewalt als Wesensmerkmal der Burschenschaften

Die Anti-Ausländer-Wahlkämpfe der FPÖ

Waffenfreunde: Schon Kinder sollen schießen lernen 162

Die burschenschaftliche Verwurzelung in NS-Traditionen

Strache und die braune Gewaltszene

Am Beispiel Olympia: Bewahrer brauner Traditionen

Sommerlager nach dem Vorbild der Reichsführerschulen

Neonazistische Redner bei Olympia-Veranstaltungen

Arminia Czernowitz: Werbung mit NSDAP-Plakat

Libertas: Ein Preis für junge Neonazis

Cimbria: Gemeinsam mit Nazis gegen die Wehrmachtsausstellung

Silesia im Rotlichtbezirk: Straches Sekretärin holt Gottfried Küssel

Teutonia: Nazi-Schulung „im Einklang mit der Bundlinie“

Wenn Burschenschafter und Neonazis gemeinsame Sache machen

Ein rechtsextremes Milieu und sein freundlicher Darsteller

Wo steht Norbert Hofer politisch?

Ist Norbert Hofer rechtsextrem?

Ist Norbert Hofer Neonazi?

Die Taktik des Populismus: Auf beiden Seiten dabei

Was droht unter einer FPÖ-Regierung?

[Buchtipp] “Der neue Untertan – Populismus, Postmoderne, Putin”, von Boris Schumatsky

Der-neue-UntertanVerlagsbeschreibung

25 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion steckt Europas Demokratie in der Krise. Alte politische Lager lösen sich auf. Die Linke tauscht Revolution gegen Nationalismus, und die Rechte borgt sich von der Linken als nützlichen Feind die Banken. Mit Bestürzung hört Boris Schumatsky den Beifall, den die russische Autokratie von überall bekommt. Ob links, rechts oder Mitte: Herrschaft macht Spaß, Freiheit strengt an. In den 1990er Jahren ritt man auf der Welle der Postmoderne in den ewigen Frieden. Nun ist daraus ein populistisches Monster entstanden. Scharf analysiert Boris Schumatsky die politischen Bewegungen der Gegenwart und blickt in eine mögliche Zukunft. Zum Shop

Zum Autor Boris Schumatsky

Boris Schumatskys, geboren 1965 in Moskau, studierte Kunstgeschichte in Moskau und Leningrad und Politologie in Berlin. Seit Beginn der 1990er Jahre lebt er in Deutschland als freier Autor und Publizist für deutschsprachige Zeitungen, später auch für Hörfunk und Fernsehen.

Kommentar von Martin Koradi

Boris Schumatsky legt eindrücklich dar, wie die Kreml-Propaganda in den letzten Jahren bis in die Mitte der Gesellschaft einwirkt und insbesondere im Rechtspopulismus und im Linkspopulismus angedockt hat. Mit Nachdruck kritisert er dabei auch das Versagen der Linken.

Was ihn als russischen Emigranten frustriert, ist nicht Putin allein:

„Was den Emigranten wirklich verzweifeln lässt, sind die Putinversteher im Westen. Menschen, die so viel Akzeptanz für eine banale Despotie haben oder sich sogar nach ihr sehnen….Heute sind die Diktaturversteher die gefährlichsten Gegner der ideelen Freiheit, die Emigranten wie ich im Westen suchen.“

Das Buch von Boris Schumatsky dreht sich nicht in erster Linie um Wladimir Putin und Russland, sondern um den Zustand unserer liberalen Gesellschaften in Mitteleuropa. Schumatzky geht auch der Frage nach, woher diese Anfälligkeit für autoritäre Propaganda kommt, die sich heute so deutlich zeigt. Es geht ihm dabei zum Beispiel um den pluralen Wahrheitsbegriff der Postmoderne:

„Die Wahrheit nicht so genau nehmen – diese Einstellung breitet sich durch alle politischen Lager und Kulturschichten aus. Wie in dem Apell deutscher Putinversteher, ‚niemand’ wolle Krieg, als der Krieg bereits seit zehn Monaten gefochten wurde. Die Leugnung eines klaren Tatbestands ist Teil der Politik der Unmündigkeit. Dahinter steht eine Einstellung, die sowohl den neuen Untertanen, als auch ihren Hirten eigen ist: Es ist nicht entscheidend, was Fakt ist. Wahr ist, was ich gerade brauche.“

Die Zersetzung des Wahrheitsbegriffs durch die Postmoderne verschafft der Propaganda freie Bahn.

Boris Schumatzky vermittelt mit seinem Buch den speziellen Blick eines russischen Emigranten auf die Gesellschaften Westeuropas sowie einen kenntnisreichen Blick auf die ehemalige Sowjetunion und das heutige Russland.

Zur Website von Boris Schumatzky:

http://www.schumatsky.de

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

[Buchtipp] “Populismus für Anfänger”, von Walter Ötsch und Nina Horaczek

Populismus-AnfaengerVerlagsbeschreibung

Die simple Welt der Populisten

Frankreich, Holland, Deutschland, Österreich – die Populisten scheinen in Europa unaufhaltsam auf dem Vormarsch. Und alle anderen agieren, als gäbe es keine Strategien gegen die rechten Volksverführer. Dabei besitzen Rechtspopulisten einen einfachen Kern, nämlich das selbstgestrickte Bild einer gespaltenen Gesellschaft: Hier sind WIR und dort sind die ANDEREN. Dieses Bild erklärt die Sprache, die Taktiken, die innere Organisation und die Eskalationsdynamiken der Rechtspopulisten auf ungemein klare Art. Der Kommunikationsexperte Walter Ötsch und die Journalistin Nina Horaczek zeigen in dieser “Anleitung zur Volksverführung” als fiktive Coaches, wie man erfolgreicher Populist wird. So entlarven sie klug und unterhaltsam die Tricks und Täuschungsmanöver der Demagogen und entschlüsseln ihre Codes – und Sie erfahren, was Sie selbst gegen rechte Endzeitpropheten tun können.

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Zum Autor Walter Ötsch

Prof. Dr. Walter Ötsch ist Ökonom und Kommunikationswissenschaftler an der Johannes Kepler Universität Linz. Er leitet das Zentrum für soziale und interkulturelle Kompetenz, ist Autor mehrerer Bücher und als Trainer und Coach für Führungskräfte tätig.

Zur Autorin Nina Horaczek

Nina Horaczek  studierte Politikwissenschaften und arbeitet seit dem Jahr 2000 bei der österreichischen Wochenzeitung „Falter“,aktuell als Chefreporterin. Horaczek widmet sich intensiv dem Thema Rechtsextremismus und ist Autorin mehrerer Sachbücher.

 

Kommentar von Martin Koradi

Während das Buch „Was ist Populismus“ von Jan-Werner Müller ein kompaktes Konzept bietet dazu, was Populismus ist (und was nicht), liefern Ötsch und Horaczek die praktische Analyse der populistischen Rhetorik. Hier wird Punkt für Punkt seziert, wie demagogische Strategien funktionieren. Das ist sehr erhellend und zudem unterhaltsam formuliert.

Ötsch und Horaczek haben sich intensiv mit den langjährigen Erfahrungen auseinandergesetzt, die Österreich mit dem Rechtspopulismus hat, angefangen mit dem „Superstar“ Jörg Haider, der mit seinen Skandalen und seiner Politik das Bundesland Kärnten gehörig ins Trudeln gebracht hat.

Im Vorwort schreiben die Autoren:

„Dieses Buch fusst auf den Erfahrungen der letzten zwei Jahrzehnte. Es zeigt auf, mit welchen Tricks die Demagogen unserer Zeit arbeiten und welches Welt- und Menschenbild dahintersteht. In diesem buch lernen Sie, selbst zum Superdemagogen zu werden und Spass daran zu haben, die demagogischen Codes zu entschlüsseln. Sie erfahren ausserdem Gegenstrategien, was jede und jeder Einzelne, was wir alle gemeinsam gegen rechte Entzeitpropheten tun können. Denn nur wer versteht, wie Volksverführung funktioniert, ist immun gegen das Gift, das die Verführer versprühen.“

Den Kernpunkt ihres Ansatzes formulieren Ötsch und Horaczek so:

„Rechtspopulismus ist alles andere als ein Geheimnis. Im Gegenteil: Rechtspopulismus beruht auf einem einzigen Grundgedanken, einem selbstgestrickten Bild der Gesellschaft. Dieses Bild ist die Basis des Rechtspopulismus.  So sieht das Bild aus: Hier sind WIR und dort sind die ANDEREN. Diese beiden Gruppen braucht der Rechtspopulismus. Sonst nichts.“

Diese Grundeinteilung stimmt zwar, doch braucht es schon mehr für einen ausgewachsenen Populismus. Jan-Werner Müller würde wohl sagen, dass die Anführer von WIR als Populisten behaupten, dass sie und nur sie das Volk vertreten.

Das Buch „Populismus für Anfänger“ nimmt aber die rhetorischen Strategien der Populisten sehr differenziert auseinander und lohnt sich für alle, die an der Erhaltung demokratischer Gesellschaftsmodelle interessiert sind.

Wobei aber – als Wort zu Schluss – dem Populismus nicht nur auf rhetorischer Ebene begegnet werden kann. Es braucht beispielsweise auch überzeugende politische Programme und Angebote der nicht-populistischen Parteien. Manchmal werfen nämlich Populisten durchaus relevante Fragen auf, auch wenn ihre Antworten und Lösungsvorschläge noch nie irgendwo funktioniert haben.

Ausserdem: Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterkursen und Kräuterwanderungen.