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Inhaltsverzeichnis: Phytotherapie im Bereich Nieren, Blase, Prostata

Krankheiten und Beschwerden im Bereich Nieren / Blase / Prostata sind ein bedeutender Bereich der Phytotherapie. Hier finden Sie die wichtigsten Themen, die ich im Heilpflanzen-Seminar und in der Phytotherapie-Ausbildung im Bereich Nieren / Blase / Prostata vermittle.

Wir befassen uns hier vor allem mit Heilpflanzen-Anwendungen bei folgenden Beschwerden / Krankheiten:

Blasenentzündung

Die Blasenentzündung ist das wichtigste Thema der Phytotherapie im Bereich Urologie. In meinen Lehrgängen vermittle ich fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen zur Vorbeugung und Behandlung von Blasenentzündungen. Zum Einsatz kommen in diesem Bereich Heilpflanzen mit antibakterieller Wirkung in den Harnwegen sowie harntreibende Heilpflanzen zur Durchspülungstherapie. Wir werden uns aber auch anschauen, wo die Grenzen der Selbstbehandlung erreicht werden und eine ärztliche Untersuchung / Behandlung nötig ist.

Reizblase

Da die Reizblase nicht durch eine bakterielle Infektion ausgelöst wird, braucht sie eine komplett andere Behandlung als die Blasenentzündung. Allerdings sind die Ursachen einer Reizblase oft komplex und schwer fassbar. Deshalb kommen zur Linderung verschiedene Behandlungsstrategien zur Anwendung.

Erkrankungen der Prostata

Die Phytotherapie hat hier in erster Linie einige Heilpflanzen-Präparate anzubieten zur Linderung der Beschwerden bei der gutartigen Prostatavergrösserung bei älteren Männern. Wir schauen uns die verschiedenen pflanzlichen Möglichkeiten an und Sie lernen in den Lehrgängen, welche Präparate nach dem gegenwärtigen Stand des Wissens am wirksamsten sind.

 

Und hier eine Aufstellung der wichtigsten Heilpflanzen, mit denen wir  uns beim Thema Phytotherapie für Nieren, Blase, Prostata befassen:

Juniperi fructus – Wacholderbeeren

Petroselini fructus – Petersilienfrüchte

Levistici radix – Liebstöckelwurzel

Solidaginis herba – Goldrutenkraut

Betulae folium – Birkenblatt

Ononidis radix – Hauhechelwurzel

Orthosiphonis folium – Orthosiphonblatt

Equiseti herba – 
Schachtelhalmkraut

Taraxaci radix cum herba –  Löwenzahnwurzel mit Löwenzahnkraut

Urticae folium – Brennnesselblatt

Uvae ursi folium – Bärentraubenblatt

Armoraciae rusticanae radix – Meerrettichwurzel

Cranberrysaft (= Vaccinium macrocarpon, amerikanische Preiselbeere) und Preiselbeersaft aus einheimischer Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea).

D-Mannose

Pollinis siccum extractum – Pollenextrakt

Sabalis serrulati fructus – Sägepalmenfrucht

Cucurbitae semen – Kürbissamen

Urticae radix – Brennnesselwurzel

Epilobii herba – Weidenröschenkraut

Bei diesen Heilpflanzen bekommen Sie das nötige Wissen über Wirkstoffe, Wirkung, Anwendungsbereiche (Indikationen), geeignete Zubereitungsformen, Dosierungen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, wichtige erhältliche Naturheilmittel.

Das Heilpflanzen-Seminar vermittelt einen kompakten Überblick über diese Themen. In der Phytotherapie-Ausbildung, die doppelt so lange geht, haben wir mehr Zeit für Vertiefung, Repetition und für die medizinischen Zusammenhänge.

Melden Sie sich jetzt für das Heilpflanzen-Seminar oder die Phytotherapie-Ausbildung an, wenn Sie fundiertes, verständliches Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchten.

 

 

Sabalfrüchte gegen Prostatabeschwerden

Für Patienten mit milden Beschwerden eines benignen Prostatasyndroms sind Heilpflanze-Präparate eine Option. Für einige Phytotherapeutika gebe es aus randomisierten Studien Hinweise auf Wirksamkeit, darunter für Extrakte aus Sägezahnpalmenfrüchten (Serenoa repens, Sabal serrulata, Sägepalme), erklärte Professor Klaus Höfner beim Uro Update in Düsseldorf.

Dort stellte der Experte aus Oberhausen eine neue Studie zu einer Serenoa-repens-Zubereitung vor: Im Tiermodell hemmte das Präparat, additiv verstärkt durch Lycopin und Selen, die mit der Obstruktion einhergehende Entzündung und Hyperplasie (Urology 2011; 77: 248).

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/urologische-krankheiten/prostata/article/652374/saegezahnpalmenfruechte-prostatasymptome.html?sh=8&h=-202169220

Kommentar & Ergänzung:

Trockenextrakte aus den Sabalfrüchten werden zur Linderung von milderen gutartigen Prostatabeschwerden schon seit längerem erforscht.

Tatsächlich gibt es Hinweise auf eine Wirksamkeit aus randomisierten klinischen Studien. Der Text  übergeht an diesen Punkt allerdings, dass es auch Studien gibt, in denen Sabalfrüchte keine Wirkung zeigten. Insofern ist die Darstellung einseitig.

Wichtig scheint mir in diesem Zusammenhang:

Alle positiven Hinweise aus Patienten-Studien basieren auf Langzeitanwendungen über drei bis (eher) sechs Monate. Kurzzeitige Anwendung über wenige Wochen sind daher  nicht sehr erfolgsversprechend.

Bei der erwähnten Untersuchung am „Tiermodell“ bleibt  völlig offen, ob daraus auch Schlüsse auf eine Wirkung auch beim Menschen gezogen werden kann.

Ernstnehmen kann man hier eigentlich nur klinische Studien mit Prostata-Patienten.

Weitere Informationen zu Lycopin:

Lycopin im Tomatensaft reduziert Knochenschwund

Tomatenmark schützt vor Sonnenschäden

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Studie bestätigt: Kürbissamen bessern Nykturie bei Prostatavergrösserung

Die Behandlung mit einem Kürbissamenextrakt lindert bei Patienten mit benigner Prostatahyperplasie (gutartiger Prostatavergrösserung) die charakteristischen Beschwerden beim Wasserlassen – vor allem ständigen Harndrang und Nykturie (vermehrtes, nächtliches Harnlassen). Kürbissamen verbessern die im IPSS-Gesamtscore erfasste Lebensqualität. Zu diesem Ergebnis kam die Placebo-kontrollierte G.R.A.N.U.-Studie, wie GlaxoSmithKline Consumer HealthCare mitgeteilt hat.

Je ein Drittel der total 1430 Studienteilnehmer mit einem IPSS-Gesamtscore zwischen 13 und 19 Punkten, also mit mittelschweren Beschwerden, nahm ein Jahr lang entweder täglich 2 x 500 mg Kürbissamenextrakt, täglich 2 x 5 g gereinigte Kürbissamen oder Placebo ein.

Zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden sei es schon nach vierwöchiger Einnahme der Kürbissamen-Präparate gekommen: Die Nykturie ging von 2,5 auf 1,7 zurück (Placebo: 2,6 auf 2,0). Die per IPSS festgestellte Lebensqualität verbesserte sich von 3,5 auf 2,2 (Placebo: von 3,5 auf 2,5). Im weiteren Verlauf sei es in beiden Kürbissamen-Gruppen zu einer kontinuierlichen Besserung von Nykturie und Lebensqualität gekommen, während mit Placebo nach sechs Monaten keine signifikanten Änderungen mehr feststellbar gewesen seien

(G.R.A.N.U.: German Research Activities on Natural Urologicals)

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/urologische-krankheiten/prostata/article/625592/studie-bestaetigt-kuerbissamen-bessert-nykturie.html?sh=18&h=-14188817

Kommentar & Ergänzung:

Kürbissamen scheinen mir bei gutartiger Prostatavergrösserung in den leichteren Stadien eine interessante Behandlungsoption. Das sieht auch die Phytotherapie-Fachliteratur so.

Die Meldung  – basierend auf einer Mitteilung von GlaxoSmithKline – lässt aber noch viele Fragen offen:

Die beschriebene Studie wurde offenbar (noch?) nicht in einer Fachzeitschrift veröffentlicht, sonst wäre dieser wichtige Punkt erwähnt worden. Die Publikation in einer Fachzeitschrift stellt ein gewisses Gütezeichen dar, weil die Studie dann vorgängig von Fachleuten auf ihre Qualität hin begutachtet wird.

Die Studie soll placebokontrolliert durchgeführt worden sein. Beim Kürbiskern-Extrakt lässt sich eine Placebokontrolle leicht durchführen, indem eine gleichartige Placebokapsel abgegeben wird.

Daher wird das Placebo eine Kapsel gewesen sein. Die Kürbissamen sind aber wohl kaum verblindet worden. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen wie man da ein Placebo erstellt. Also dürften die Kürbissamen-Konsumenten gewusst haben, dass sie ein Verum einnehmen.

Die Studie soll placebokontrolliert durchgeführt worden sein. Aber war sie auch doppelblind? Nur wenn die abgebenden Aerzte und Aerztinnen auch nicht wissen, ob der Patient ein Placebo oder ein Kürbissamen-Präparat bekommt, wird eine unbewusste Beeinflussung ausgeschlossen. Solange „doppelblind“ im Bericht nicht erwähnt wird, muss wohl davon ausgegangen werden, dass die Studie nur „einfachblind“ war.

War die Studie randomisiert? Nur wenn per Zufall entschieden wurde, ob jemand in die Placebo-Gruppe oder in die Kürbissamen-Gruppe kommt, ist die Qualität der Studie vertrauenswürdig. Leider fehlt diese Information im Bericht.

Positiv scheint mir, dass die Kürbissamen-Studie über ein Jahr lief.

Heilpflanzen-Präparate gegen Beschwerden bei gutartiger Prostatavergrösserung brauchen eine langdauernde Einnahme, damit sie ihr Potential voll entfalten können.

Neben den Kürbissamen gibt es in der Phytotherapie noch weitere Heilpflanzen zur Linderung der Beschwerden bei gutartiger Prostatavergrösserung, zum Beispiel Sägepalme (Sabal serrulata, Serenoa repens, Sabal-Früchte) oder Brennesselwurzel.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: wo sie helfen kann….

Die Grundlage unseres gegenwärtigen Wissensstandes über die Anwendung pflanzlicher Arzneimittel ist die oft Jahrhunderte lange traditionelle Anwendung von Heilpflanzen in der Volksmedizin. In einer modernen, wissenschaftlich orientierten Therapieform reicht dies jedoch nicht als Wirksamkeitsbeweis. Darum strebt die Arzneipflanzenforschung danach, von modellhaften Labortests bis hin zu klinischen Studien an Patienten Fakten für den therapeutischen Wert und die Unbedenklichkeit von Phytopharmaka zu liefern.

Im „Kleinen Wörterbuch der Pflanzenmedizin“ wird aufgeführt, in welchen Einsatzbereichen sich die Phytotherapie, alleine oder in Kombination mit anderen therapeutischen Maßnahmen bewährt. Hier eine modifizierte Übersicht auf der Basis dieser Publikation:

1. Vorbeugung von Krankheiten

– Stärkung des Immunsystems:

Roter Sonnenhut, Echinacea purpurea

– Schwitzkuren bei beginnenden grippalen Infekten:

Holunderblüten, Sambucus nigra

Lindenblüten, Tilia – Arten (Tilia cordata, Tilia platyphyllos)

2. Befindlichkeitsstörungen im Verdauungstrakt

– Entzündungen im Bereich der Mundhöhle:

Salbei, Salvia officinalis

– Blähungstreibend, krampflösend:

Kamille, Matricaria recutita

Kümmel, Carum carvi

Fenchel, Foeniculum vulgare

Pfefferminze, Mentha piperita

– Appetitanregend:

Arzneipflanzen mit Bitterstoffen:

Enzian, Gentiana-Arten, vor allem Gelber Enzian, Gentiana lutea

Tausendguldenkraut, Centaurium erythraea

Fieberklee, Menyanthes trifoliata

Arzneipflanzen mit aromatisch-

bitterem Geschmack:

Wermut, Artemisia absinthium

Schafgarbe, Achillea millefolium

– Übersäuerung des Magens:

Käsepappel, Malva – Arten (Chäslichrut, Malva silvestris, Malva neglecta)

– Lebererkrankungen:

Mariendistel, Silybum marianum

– Erkrankungen der Galle:

Artischocke, Cynara scolymus

Löwenzahn, Taraxacum officinale

– Durchfallerkrankungen:

Tormentillwurzel, Potentilla erecta

Heidelbeeren (getrocknet!), Vaccinium myrtillus

– Verstopfung:

Faulbaum, Frangula alnus

Senna, Cassia – Arten

Rhabarber, Rheum palmatum

Leinsamen, Linum usitatissimum

Flohsamen, Plantago ovata

3. Erkrankungen im Bereich der Atemwege:

– Reizhusten: Tees mit schleimhaltigen Heilpflanzen:

Eibisch, Althaea officinalis

Isländische Flechte (Isländisches Moos), Cetraria islandica

– Auswurffördernde Hustenmittel:

Arzneipflanzen mit ätherischem Öl:

Thymian, Thymus vulgaris

Anis, Pimpinella anisum

Eukalyptus, Eucalyptus globulus

Latschenkiefer, Pinus mugo

Arzneipflanzen mit Saponinen:

Schlüsselblume, Primula veris

Efeu, Hedera helix

– Arzneipflanzen mit anderen Wirkstoffen:

Sonnentau, Drosera rotundifolia

4. Erkrankungen im Urogenitaltrakt:

– Erhöhung der Harnmenge, besonders bei Steinleiden oder Entzündungen der ableitenden Harnwege:

Birke, Betula pendula

Hauhechel, Ononis spinosa

Schachtelhalm, Equisetum arvense

Wacholder, Juniperus communis

– Unterstützung bei gutartiger Vergrößerung der Prostata (Prostatahyperplasie):

Weidenröschen, Epilobium angustifolium

Sägepalme, Serenoa repens (Sabal serrulata)

5. Herz- Kreislaufbeschwerden

– Leichte Herzmuskelschwäche, „Altersherz“:

Weißdorn, Crataegus-Arten, vor allem Crataegus oxyacantha und Crataegus monogyna)

– Krampfadern:

Rosskastanie, Aesculus hippocastanum

– Durchblutungsstörungen:

Ginkgo, Ginkgo biloba

– Vorbeugung gegen Arteriosklerose (= „Verkalkung“):

Knoblauch, Allium sativum

6. Nervöse Störungen

– Leichte und mittelschwere Depressionen:

Johanniskraut, Hypericum perforatum

– Einschlafstörungen:

Baldrian, Valeriana officinalis

Melisse, Melissa officinalis

Hopfen, Humulus lupulus

Lavendel, Lavandula angustifolia

7. Gynäkologische Erkrankungen

– Prämenstruelles Syndrom (PMS), klimakterische Beschwerden (z. B. Wallungen):

Mönchspfeffer, Vitex agnus-castus

Nordamerikanisches Wanzenkraut ( = Traubensilberkerze), Cimicifuga racemosa

8. Hauterkrankungen / Wunden:

Ringelblume, Calendula officinalis

Arnika, Arnica montana

Quelle:

Kleines Wörterbuch der Pflanzenmedizin,

herausgegeben von Pharmig, der Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen, Wien

in Zusammenarbeit mit dem Institut für Pharmakognosie der Universität Wien

www.pharmig.at

Kommentar & Ergänzung:

Die Aufstellung im „Kleinen Wörterbuch der Pflanzenmedizin“ gibt einen guten Überblick, führt aber natürlich längst nicht alle wichtigen Heilpflanzen der Phytotherapie auf.

Wichtig zu wissen ist aber auch, dass es nicht nur darauf ankommt, welche Heilpflanze bei welcher Krankheit eingesetzt werden kann. Mindestens so entscheidend ist auch die Frage, in welcher Arzneiform die jeweilige Heilpflanze optimal zur Wirkung kommt, zum Beispiel als Tee, Tinktur, Extrakt, Frischpflanzenpresssaft etc.

Vollständig vergessen ging in der Übersicht der Bereich Rheuma / Arthrose. Hier gibt es interessante und bewährte Heilpflanzen, die auch mit Patientenstudien erforscht werden, zum Beispiel Teufelskralle (Harpagophytum procumbens), Weidenrinde (Salix-Arten), Weihrauch (Olibanum), Paprika (Capsaicin), Hagebutte.

Interessant ist, dass die Publikation von Pharmig herausgegeben wird, der Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen. Es gibt in der Komplementärmedizin ein weit verbreitetes Feindbild, wonach die „Pharmaindustrie“ die Naturheilmittel kaputt machen will. Das ist ziemlich naiv, weil die Hersteller komplementärmedizinischer und phytotherapeutischer Präparate längst ein Teil der Pharmaindustrie sind. Sie sind bestens in die entsprechenden Branchenverbände eingebettet. Das pauschale Feinbild „Pharmaindustrie“ ist zwar unsinnig, doch soll die Absage an pauschale Feindbilder nicht davon abhalten, konkrete Pharmafirmen für konkrete Missstände zu kritisieren, wo dies nötig ist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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[Buchtipp] Biogene Nahrungsergänzungsmittel, Mit Nutzen/Risiko-Bewertung von Hans-Peter Hanssen, Angelika Koch, Rita Richter

Verlagsbeschreibung

Nahrung sinnvoll ergänzen! Grünlippmuschel, Schwarzkümmelöl, Rotes Weinlaub der Kunde will wissen, ob diese Mittel halten, was die Werbung verspricht. Dazu liefert das Autorentrio Ihnen für über 100 pflanzliche und tierische Ausgangsmaterialien sowie Pilze und Mineralien Informationen über Herkunft, Beschreibung, Inhaltsstoffe, Verwendung und Verzehrempfehlung. Zusätzlich wird jedes Präparat hinsichtlich Nutzen/Risiko kritisch bewertet. Farbige Abbildungen veranschaulichen, was sich hinter den oft exotischen Namen verbirgt. Übersichtliche Tabellen zeigen die wichtigsten Anwendungsgebiete auf einen Blick. Nahrung ergänzen, ja und zwar mit Verstand! Zum Shop

Kommentar

Biogene Nahrungsergänzungsmittel

Gemäss einer rechtlichen Definition sind Nahrungsergänzungsmittel „Erzeugnisse, die Vitamine, Mineralstoffe oder andere Substanzen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung in konzentrierter Form enthalten und zur Ergänzung der Ernährung mit diesen Stoffen dienen.“

Simpler ausgedrückt handelt es sich um Produkte, die als besonders gesund propagiert werden, ohne aber den Status eines Arzneimittels zu haben. Nahrungsergänzungsmittel müssen keine Wirksamkeit nachweisen, dürfen jedoch auch keine Heilung von Krankheiten versprechen.

Das ist eine ständige Gratwanderung. Viele Hersteller nutzen alle Tricks, um Heilwirkungen zu suggerieren, ohne dabei so konkret zu werden, dass die Heilmittelbehörden einschreiten können bzw. müssen. Oft enthalten Nahrungsergänzungsmittel auch Heilpflanzen und werden in Apotheken und Drogerien verkauft. Das hat zur Folge, dass Konsumentinnen und Konsumenten irrtümlich davon ausgehen, dass es sich um Arzneimittel handelt. Dabei ist aber oft die Qualität und auch der Gehalt an wirksamen Inhaltsstoffen in den Nahrungsergänzungsmitteln viel tiefer als in Arzneimitteln aus den gleichen Heilpflanzen.

Viele Nahrungsergänzungsmittel sind so populär, dass man von Modewellen sprechen kann.

Dieses kompakte Nachschlagewerk von Hanssen, Koch & Richter beschreibt und bewertet über 100 pflanzliche und tierische Ausgangsmaterialien für Nahrungsergänzungsmittel sowie Pilze und Mineralien. Es stellt jedes der besprochenen Nahrungsergänzungsmittel vor mit Herkunft / Gewinnung, Beschreibung, Inhaltsstoffe / Nährstoffe, Einsatzgebiete / Verwendung, Handelsprodukte, Verzehrempfehlung, Bewertung. Auch Warnhinweise und weitere interessante Informationen kommen an manchen Stellen vor.

Alles in allem ergibt sich daraus eine wertvolle Nutzen-Risiko-Bewertung.

Um welche Art von Produkten es genau geht, zeigt wohl am besten ein Inhaltsverzeichnis mit einer Aufzählung der beschrieben Nahrungsergänzungsmittel:

Aus dem Bereich der Heilpflanzen:

Acerola, Alfalfa, Aloe vera, Ananas, Apfelessig, Aprikose, Artischocken,

Bärentraube, Bärlauch, Baldrian, Banane, Basilikum, Bittermelone, Blütenpollen, Bockshornklee, Borretsch, Boswellia (Weihrauch), Brennessel, Broccoli,

Caiguafrucht, Citrusfasern, Cranberries, Cystus,

Feige,

Garcinia, Gerste, Giersch, Ginkgo, Ginseng, Goldrutenkraut, Grapefruitkerne, Guarana,

Hagebuttenkerne, Hagebuttenschalen, Heidelbeeren, Holunder, Hoodia,

Ingwer,

Johanniskraut,

Kidney Bohnen, Knoblauch, Kohlsuppe (Weisskohl), Konjac, Kudzu-Bohne,

Leinsamen,

Maca, Mariendistel, Melisse, Mistel, Mutterkraut, Myrrhe / Myrrha,

Noni (Morinda citrifolia), Nopal,

Olivenblätter, Orangenfasern,

Papaya, Passionsblume, Portulak, Preiselbeeren,

Reiskörner, Rosenwurz (Rhodiola), Rosskastanie, Roter Kürbis, Rotes Weinlaub, Rotklee,

Sägepalme, Sanddorn, Schinus, Soja, Sonnenhut, Spargel, Spinat, Süssholz,

Teufelskralle, Topinambur, Traubenkerne,

Venuskicher, Vitamin B 15 (Pangamsäure), Vitamin B 17 (Aprikosenkerne),

Wegwarte, Weissdorn, Weizengrad,

Yamswurzel, Yucca,

Zimt, Zwiebel.

Dazu kommen noch als Tee: Grüntee und Pu Erh Tee.

Aus dem Reich der Algen:

AfA-Algen, Chlorella, Rotalgen, Fucus, Spirulina.

Aus dem Pilzreich:

Agaricus blazei, Austernpilze, Cordyceps, Hefen, Kombucha, Maitake, Reishi, ShiitakAus dem Tierreich: Austern, Bienenhonig, Chitosan, Gelée Royal, Grünlippmuschel, Milchprodukte (Kuh-Erstmilch / Stutenmilch).

Dazu kommen noch eine ganze Reihe von Fetten / Ölen:

Essenzielle Fettsäuren, Vitamin F, Pflanzenöle, Borretschsamenöl, Distelöl, Leinsamenöl, Nachkerzenöl, Perillaöl, Schwarzes Johannisbeersamenöl, Schwarzkümmelöl, Sonnenblumenöl, Walnussöl, Fischöle, Lachsöl, Lebertran.

Aus dieser Aufstellung dürfte die Vielfalt dieses Buches ersichtlich werden. Es informiert kompakt und fundiert auch über viele Heilpflanzen, die in Fachbüchern aus dem Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde nur am Rande oder gar nicht erwähnt werden, weil sie eben weniger als Arzneimittel sondern mehr als Nahrungsergänzung Bedeutung haben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Pflanzenheilkunde bei Frauenleiden…..

Mit diesem Thema befasst sich die Boulevardzeitung „Krone“. Ein Beispiel für „Halbfalschheiten“ bzw. „Halbrichtigkeiten“, wie sie bei Medienberichten über Heilpflanzen nicht selten anzutreffen sind.

Die „Krone“ titelt: „Frauenleiden und die Pflanzen, die dagegen helfen“.

Und sie fährt fort:

„ Als Frau empfindet man die Einnahme von Medikamenten bei vielen Leiden oft als Belastung und macht sich Gedanken über die viele Chemie, die man einnimmt. Über pflanzliche Alternativen wissen wir leider oft nur ungenau oder nicht Bescheid und würden uns wünschen, einen Arzt zu haben, der darüber aufklärt und möglicherweise neben Medikamenten auch eine sanfte Therapie anbietet.“

Soweit einverstanden. Dann folgt ein Ausrutscher:

„ Sei es das Johanniskraut bei Depressionen oder Bärentraubenblätter bei einer Blasenentzündung – für jede Erkrankung kennen Forscher das passende Heilmittelchen.“

Die Angaben zum Johanniskraut und zur Bärentraube stimmen, aber dass die Forscher für jede Erkrankung das passende Heilmittelchen kennen, ist eine oft gehörte Übertreibung, die auch mit unzähligen Wiederholungen  nicht wahrer wird. Das wäre allzu schön, um wahr zu sein. Und es wäre seriöser, auf solche Aufplusterungen zu verzichten.

Dann präsentiert die „Krone“ „ein paar typische Frauenleiden und Pflanzen, die dagegen helfen“.

Ich kommentiere die Empfehlungen nachstehend:

Blasenentzündung
Bärentraubenblätter als Tee oder Fertigarzneimittel
Johanniskraut als Tee, Tinktur oder Fertigarzneimittel“

Kommentar: Bärentraubenblätter sind bei akuter Blasenentzündung wirksam, für Johanniskraut allerdings fehlt jeder Beleg für eine Wirksamkeit bei Blasenentzündung. In der Phytotherapie-Fachliteratur taucht der Anwendungsbereich „Blasenentzündung“ beim Johanniskraut nicht auf. Das schliesst eine Wirksamkeit nicht aus, doch müssten solche aus dem Rahmen fallenden Empfehlungen detailliert begründet werden.

Brustschmerzen
Mönchspfeffer als Fertigarznei in Tropfen oder Tablettenform
Wolfstrappkraut als Fertigarznei in Tropfen oder Tablettenform.“

Kommentar: „Brustschmerzen“ ist als Indikation viel zu ungenau. Darunter könnte man zum Beispiel auch Angina pectoris verstehen. Im Zusammenhang mit dem Mönchspfeffer geht es um Brustspannen bei Prämenstruellem Syndrom (PMS). In diesem Bereich ist Mönchspfeffer als wirksame Heilpflanze anerkannt.

Dem Wolfstrappkraut hat die Kommission E als Indikation Mastodynie zugestanden, also schmerzhafte und geschwollene Brüste. Überzeugende Studien dazu fehlen allerdings. Da Wolfstrappkraut die Aktivität der Schilddrüse  beeinflusst, ist seine Anwendung zudem nicht ganz unproblematisch.

Depression
Johanniskraut als Fertigarznei“

Kommentar: Korrekt. Leichte und mittelschwere Depressionen wäre genauer.

Harnwegsinfekt
Sägepalme als Fertigarznei in Tropfen oder Kapseln“

Kommentar: Unsinnig. Die Wirksamkeit gewissen Extrakte aus der Sägepalme ist gut dokumentiert bei gutartiger Prostatavergrösserung der älteren Männer. Allenfalls könnte die Sägepalme auch Beschwerden bei Reizblase der Frau lindern, doch ist dies nicht gesichert. Für eine Wirksamkeit bei Harnwegsinfekten gibt es in der Phytotherapie-Fachliteratur meines Wissens keine Hinweise. Die Begriffe „Harnwegsinfekt“ und „Blasenentzündung“ überschneiden sich zudem, was eher verwirrlich ist.

Klimakterische Beschwerden
Traubensilberkerze als Fertigarznei in Tropfen oder Tablettenform“

Kommentar: Okay, allerdings nicht im Frühklimakterium, sondern spezifisch bei Wallungen.

Prämenstruelles Syndrom
Mönchspfeffer als Fertigarznei in Tropfen oder Tablettenform
Johanniskraut als Fertigarznei“

Kommentar: Ja, Mönchspfeffer bei Prämentruellem Syndrom, vor allem wenn verbunden mit Brustspannen (Mastodynie). Überschneidung mit Punkt „Brustschmerzen“. Johanniskraut nur bei Prämenstruellem Syndrom Typ D, also mit depressiver Symptomatik.

Schlafstörungen
Passionsblume als Tee, Fertigarznei oder alkoholische Lösung“

Kommentar: Okay, mindestens so wirksam wären allerdings Kombinationen von Baldrian mit Hopfen.

– „Schmerzhafte Regelblutung
Gänsefingerkraut als Tee“

Kommentar: Gänsefingerkraut bei Menstruationsbeschwerden (Dysmenorrhoe) ist schlecht dokumentiert, kann Frau aber gut probieren.

Zyklusstörungen
Mönchspfeffer als Fertigarznei“

Kommentar: Zyklusstörungen als Indikation ist zu ungenau. Präziser wäre: Zyklusstörungen infolge Gelbkörperinsuffizienz.

Abschliessend: Ein unsorgfältiger, wirrer, fehlerhafter Artikel, der wieder einmal zeigt, wie wenig die Qualitätssicherung in diesem Bereich der Medien greift. Den Konsumentinnen und Konsumenten kann man nur raten, nicht einfach zu glauben, was auf Papier gedruckt oder im Internet veröffentlicht wird, sondern sich selber schlau zu machen.

Phytotherapie hat im Bereich Gynäkologie einiges zu bieten. Präzise Infos dazu zum Beispiel im Heilpflanzen-Seminar oder im Phytotherapie-Lehrgang.

Quellenangabe zum Krone-Artikel:

http://www.krone.at/Gesund-Fit/Frauenleiden_und_die_Pflanzen._die_dagegen_helfen-Kraeutermedizin-Story-212575, medical press (tönt doch seriös, oder?)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Warnung vor pflanzlichem (?) Potenzmittel Viapro

Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ warnt in ihrer jüngsten Ausgabe (Nr. 3 / 2010) vor dem im Internet als natürlicher Viagra-Ersatz  vertriebenen pflanzlichen Produkt Viapro:

„Bei Viapro handelt es sich um ein Nahrungsergänzungsmittel, welches eine Kombination aus 22 verschiedenen Kräutern enthalten soll und für den Einsatz bei erektiler Dyfunktion beworben wird. Ein solcher Indikationsanspruch würde das Präparat nach deutschem Recht automatisch dem Arzneimittelrecht unterwerfen, ein Vertrieb als Nahrungsergänzungsmittel wäre demnach illegal. In einer Untersuchung stellte die FDA im Juli 2008 die Anwesenheit einer Analogsubstanz des Sildenafils, nämlich Thio-Methisosildenafil in einer Charge des Präparates fest und forderte den Hersteller zum Rückruf auf. Patienten bzw. Kunden müssen über die gefährlichen Auswirkungen nicht deklarierter und nicht standardisierter Wirkstoff-Beimengungen aufgeklärt werden. Das Mittel sollte sofort abgesetzt werden.“

Sildenafil ist der keineswegs pflanzliche Wirkstoff im Viagra. Die Anwesenheit von Thio-Methisosildenafil als Analogsubstanz des Sildenafils gefährde den Verbraucher, „weil der Blutdruck aufgrund einer gravierenden Wechselwirkung mit Medikamenten wie z.B. Trinitroglycerin gefährlich absinken kann. Patienten mit Diabetes, hohem Blutdruck, hohen Cholesterinwerten oder Herzerkrankungen gehören oftmals zu den Betroffenen.“

Nach Herstellerangaben soll das Produkt speziell für die Beeinflussung der männlichen Erektion, also zur Behandlung von Impotenz, entwickelt worden sein.

Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ druckt aus einem Verkaufsprospekt Angaben zur Zusammensetzung von Viapro ab (Zitat inkl. Fehler im Verkaufsprospekt):

»Smilax extract (Sarsaparille) – ist dafür bekannt ein Hormongleichgewicht zu halten. Der Saft verbessert die Blutzirkulation und die männliche Potenz.

Avena sativa Extrakt (oat straw) – dient als Aphrodisiakum. Fördert die Libido bei Männer und Frauen.

Zyzphys Jujube (Jujube) – verbessert die Libido beim Mann. Durch den süßlichen Geruch werden Frauen davon angezogen.

Weitere Wirkstoffe sind – Kapsikum annum (Cayenne), Eleutherococcus senticocus (Ginseng), Urtica dioca (stinging nettles), Sernoa repens (saw palmetto), Cucurbita pepo (Kürbiskerne).«

Quelle:

Zeitschrift für Phytotherapie 3 / 2010

Kommentar & Ergänzung:

Es ist eine hoch betrügerische Sache, dass immer wieder angeblich rein pflanzliche Naturheilmittel mit undeklarierten synthetischen Zusätzen vermarktet werden. Immer wieder festgestellt wurden solch gefährliche Betrügereien bei asiatischen Heilmitteln, die via Internet bestellt wurden.

Viapro ist nun offenbar ein europäisch-amerikanisches Beispiel.

Aber auch unabhängig von dem 2008 von der FDA gefundenen Sildenafil-Analogon ist die Zusammensetzung von Viapro mehr als fragwürdig.

– Sarsaparilla gehört zu den Stechwindengewächsen. Die China-Stechwinde (Smilax china) kam 1525 durch Vinzenz Gilius von Tristan nach Europa und wurde als Mittel gegen Lustseuche (Syphilis) empfohlen. Eine solche Heilpflanze einem Potenzmittel gleich beizufügen wäre ja zumindestens originell, wenn davon eine Wirkung erwartet werden könnte. Allerdings fehlen Hinweise auf solche Effekte.

– Avena sativa (Hafer) gilt als sehr energiereiches Pferdefutter…kann also in einem Potenzmittel auch nicht schaden. In der traditionellen Pflanzenheilkunde soll Hafertinktur allerdings eher beruhigend wirken – bleibt also zu hoffen, dass „er“ nicht einschläft.

– Die Chinesische Jujube (Ziziphus zizyphus, syn. Ziziphus jujuba), auch Chinesische Dattel oder Rote Dattel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae) und stammt aus Nord- und Nordostchina. Die Jujube-Früchte dienen in getrockneter Form als Brusttee bei Erkältungen; aus diesem Grunde ist sie bei Apothekern häufig auch als Brustbeere bekannt. In China stellte sie schon sehr früh eine der wichtigsten Arzneipflanzen dar. Eine Wirkung als Potenzmittel ist nicht plausibel.

– Capsicum annuum (Spanischer Pfeffer, Paprika) hat zwar eine Ruf als unregendes Gewürz – aber in Kapselform?? Ausserdem wird Paprikaextrakt eingesetzt zur Förderung der Durchblutung und Reizempfindlichkeit im Genitalbereich – allerdings als Creme….

– Eleutherococcus senticosus (Taiga-Wurzel, Sibirischer Ginseng), im Prospekt fälschlich einfach als Ginseng (wodurch normalerweise gemeint ist: Panax ginseng) bezeichnet, verbessert als adaptogene Heilpflanze die Fähigkeit des Organismus zur Stressbewältigung. Das zumindestens kann ja in einem Potenzmittel nicht schaden….

– Urtica dioica, die altbekannte Brennessel. Um sie ranken sich zahlreiche Geschichten. Die Brennesselsamen sollen feurig machen in der Liebe – getestet von Pferdehändlern, die vor einem Verkauf damit ihre Tiere behandelt haben sollen, damit sie fitter aussehen. Und Brennesselpeitschungen sollen anregend wirken…na ja, wems gefällt.

Brennesselwurzel dagegen sind tatsächlich in ihrer Wirkung gut erforscht zur Linderung der Beschwerden bei gutartiger Prostatavergrösserung. Kann also für Männe auch nicht schaden, doch werden die Kapseln kaum die Wurzeln enthalten.

–  Serenoa repens (Zwergpalme, Sägepalme, Sabal serrulata) ist das am besten dokumentierte Heilpflanzen-Mittel gegen gutartige Prostatavergrösserung älterer Männer. Aber potenzsteigernd?

– Cucurbita pepo (Kürbiskerne) sind ebenfalls wirksam gegen Beschwerden bei gutartiger Prostatavergrösserung. Aber potenzsteigernd?

Eine ziemlich wilde, unsinnige Kräutermischung also, welches da als natürliches Potenzmittel vermarktet wird.

Allerdings wird von einem solchen Produkt schon ein anständiger Placeboeffekt zu erwarten sein. In Situationen, in denen Potenzmittel angewendet werden, spielt die Erwartungshaltung eine grosse und wohl mitunter entscheidende Rolle.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Heilpflanzen-Extrakte zeigen günstige Effekte bei bakterieller Prostatitis

Der Zusatz pflanzlicher Arzneien bessert eine bakterielle Prostatitis schneller als ein Antibiotikum allein. Einen Monat nach der Behandlung mit Prulifloxacin plus Serenoa repens, Urtica dioica (ProstaMEV®), Quercetin und Curcumin (FlogMEV®) zeigten 90 Prozent von 143 Studienteilnehmern keine Symptome mehr, berichten Wissenschaftler aus Florenz. Mit Prulifloxacin pur dagegen wurde nur knapp ein Drittel beschwerdefrei. Ein halbes Jahr später hatte keiner mit der Kombi einen Rückfall, mit Monotherapie jedoch waren es zwei Patienten (Int J Antimicrob Agents 33, 2009: 549).

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Eine interessante Meldung. Bakterielle Prostatitis ist bisher  für die Phytotherapie eher ein randständiges Thema. Im Vordergrund der Phytotherapie im Bereich Urologie stehen Heilpflanzen zur Linderung der Beschwerden bei benigner Prostatahyperplasie (gutartige Prostatavergrösserung):

Vor allem Sägepalmenfrüchte, aus der Sägepalme, ( = Zwergpalme, Sabal serrulata, Serenoa repens),

Brennesselwurzel aus der Brennessel (= Urtica dioica) und

Kürbissamen (Cucurbita pepo).

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Phytotherapie: Cimicifuga auch gegen BPH wirksam?

Neue Forschungsresultate zeigen, dass bestimmte Extrakte der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) nicht nur Frauen, sondern auch Männern helfen können. Erste Untersuchungen von Dr. Dana Seidlova-Wuttke von der Universität Göttingen deuten darauf hin, dass bestimmte Cimifuga-Zubereitungen zur Prävention und Behandlung von altersbedingten Veränderungen der Prostata wirksam sein könnten.

Quelle: http://www.aerztezeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Die Aussagen in diesem Text sind zu Recht noch vorsichtig formuliert. Die Forschung zur Wirksamkeit von Traubensilberkerze bei benigner Prostatahyperplasie (= gutartige Prostatavergrösserung, BPH) stecken noch in den Anfängen. Die Hormonexpertin Dr. Seidlova-Wuttke ist aber eine Kapazität in der Erforschung von Cimicifuga-Wirkungen.

Traubensilberkerzen-Extrakte sind in der Phytotherapie gut etabliert und dokumentiert zur Anwendung bei Beschwerden im Klimakterium, also in den Wechseljahren, beispielsweise bei Hitzewallungen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es allerdings noch viel zu früh, Traubensilberkerze auch bei BPH zu empfehlen. Hier stehen nach wie vor im Vordergrund

– Sägepalme ( = Früchte der Zwergpalme, Sägezahnpalme, Sabal serrulata, Serenoa repens),

– Brennessel (Wurzel von Urtica dioica) und

– Kürbissamen (Cucurbita pepo, Gartenkürbis).

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Granatapfel-Extrakt als natürlicher Wehenförderer?

Ein Extrakt aus Granatäpfeln soll die Gebärmutter von Schwangeren dazu bringen, sich zusammenzuziehen. Verantwortlich dafür sei ein Inhaltsstoff namens Beta-Sitosterin, der die Muskelzellen im weiblichen Fortpflanzungsorgan beeinflusst. Zu diesem Resultat sei Professor Sue Wray von der Universität im britischen Liverpool im Tierversuch gekommen.
Diese Nachricht wurde auf dem Newsportal von Yahoo verbreitet.
Hier eine Zusammenfassung der Meldung und anschliessend ein Kommentar dazu:

Zieht sich während der Wehen die Gebärmutter einer Schwangeren nicht genügend zusammen, können Ärzte das Hormon Oxytozin anwenden, um die Muskelkontraktionen herbeizuführen. Allerdings wirkt Oxytozin nicht bei allen Frauen, so dass häufig ein Kaiserschnitt nötig wird. Nun hoffen die britischen Forscher, aus dem Granatapfel-Extrakt, der aus den Kernen gewonnen wird, in Zukunft möglicherweise wirksame Medikamente herstellen zu können.
In der Vergangenheit haben sich viele Wissenschaftler intensiv mit dem Granatapfel und der medizinischen Bedeutung seiner Inhaltsstoffe beschäftigt. Diverse Untersuchungen haben bestätigt, dass Granatapfel-Extrakte bei Erkrankungen wie Zum Beispiel Krebs oder Arthritis eine günstige Wirkung auf die Gesundheit der Patienten haben können.

Quelle:
http://de.news.yahoo.com

Kommentar & Ergänzung:

Die Meldung scheint sensationeller als sie ist. Beta-Sitosterol ( = Beta-Sitosterin) kommt in der Pflanzenwelt ziemlich verbreitet vor und ist keineswegs ein spezifischer Inhaltsstoff in Granatapfel-Kernen (Punica granatum).

Beta-Sitosterin, ( = Beta-Sitosterol) gehört zur Gruppe der Phytosterine, deren chemische Strukturen Ähnlichkeit mit der von Cholesterin aufweisen.
Sitosterin wurde erstmals 1897 aus Weizenkeimöl isoliert.

In den folgenden Jahren wurde Beta-Sitosterin dann auch in zahlreichem anderen Pflanzenölen gefunden (z. B. in Maiskeimöl, Roggenkeimöl, Baumwollsamenöl, Avocadoöl, Olivenöl, Kürbissamenöl, Sojaöl). Es kommt aber auch vor in Tallöl, Calabarbohnen, Cinchonawachs und Cinchonarinde, in Pekannüssen, der Sägepalme (Serenoa repens), in Avocado (Persea americana), Kürbissamen (Curcurbita pepo), Prunus africana (Pygeum africanum), Cashewnüssen, Reiskleie, Sanddorn und Bocksdornfrüchten bzw. Gojifrüchten.

Im Bereich Pflanzenheilkunde / Phytotherapie spielt Beta-Sitosterol eine Rolle als Inhaltsstoff von Heilpflanzen gegen die Beschwerden bei gutartiger Prostatavergösserung (Benigne Prostatahyperplasie). Im Vordergrund stehen dabei Brennesselwurzel, Sägepalmenfrüchte, Hypoxis-rooperi-Rhizom, Pygeum afrikanum.
Wikipedia führt eine Liste der Pflanzenteile mit den höchsten Konzentrationen an Beta-Sitosterol (Angabe in parts per million):
Cherimoya-Samen (Annona cherimola MILL.): 10000-14000 ppm
Zweigriffliger Weißdorn-Blüten und Weissdorn-Blätter (Crataegus laevigata (POIR.) DC): 6500-7800 ppm in den Blüten; 5100-6200 ppm in den Blättern
Echter Schwarzkümmel-Samen (Nigella sativa L.): 3218 ppm
Gemeine Nachtkerzen-Samen (Oenothera biennis L.): 1186-2528 ppm
Salbei-Blätter (Salvia officinalis L.): 5-2450 ppm
Weiße Maulbeere (Morus alba L.): 2000 ppm in den Blättern
Senna obtusifolia (L.) H.IRWIN & BARNEBY: 1000-2000 ppm in den Samen
Buchweizen-Samen (Fagopyrum esculentum MOENCH.): 1880 ppm
Basilikum-Blätter (Ocimum basilicum L.): 896-1705 ppm
Mais (Zea mays L.): 1300 ppm in Maisgriffel, in Narbe/Stylus (Maisgriffel)
Salbei-Stiel (Salvia officinalis L.): 1214 ppm
Basilikum-Blüte (Ocimum basilicum L.): 1051 ppm
Sanddorn-Samen (Hippophae rhamnoides L.): 550-970 ppm
Sojabohne (Glycine max (L.) MERR.): 900 ppm in den Samen
Süßholz-Wurzel (Glycyrrhiza glabra L.): 500 ppm in Radix Liquiritiae
Basilikum-Wurzel (Ocimum basilicum L.): 408 ppm
Duftveilchen (Viola odorata L.): 330 ppm in der Pflanze
Basilikum-Sprossen (Ocimum basilicum L.): 230 ppm im Stiel des Keimlings
Ashwaganda-Wurzel, Schlafbeeren-Wurzel (Withania somnifera (L.) DUNAL): 200 ppm
Sägepalme-Früchte, Sabalpalme (Serenoa repens (W. BARTRAM) SMALL): 189 ppm

Zur pharmakologieschen Wirkung von Beta-Sitosterol

Die normale Aufnahme von Beta-Sitosterin durch die Nahrung beträgt etwa 250-300 mg pro täglich. Dabei werden im Magen-Darmtrakt etwa 5 % des aufgenommenen Beta-Sitosterins resorbiert.
Allein oder in Kombination mit ähnlichen Phytosterinen vermag Beta-Sitosterin in höheren Dosen (1-3 g pro Tag) den Cholesterinspiegel des Blutes zu reduzieren und wird daher manchmal als Mittel gegen Hypercholesterinämie eingesetzt, da es die Cholesterinaufnahme bremst.
Beta-Sitosterin wird in der Pflanzenheilkunde in niedrigeren Dosierungen (mg-Bereich) zur symptomatischen Behandlung einer beginnenden Benignen Prostatahyperplasie (BPH) eingesetzt.
Auch zur unterstützenden Behandlung von Prostatakarzinom und Brustkrebs wird es verwendet. Die Wirkprinzipien sind noch weitgehend unbekannt. Solide Studien fehlen. Diskutiert werden hormonartige Effekte (estrogenartig) und die Hemmung der Prostaglandinsynthese.

Auf welchem Weg Beta-Sitosterol wehenfördernd wirken soll, bleibt unklar. Eine Hemmung der Prostaglandinsynthese würde sich wohl eher negativ auswirken, da Prostaglandin E2 eine wichtige Rolle bei den Wehen spielt.
Den Artikel auf Yahoo-News kann man meines Erachtens zusammenfassen mit: Viel Wind, aber wenig Substanz.
Aber wer weiss, vielleicht zeigen ja zukünftige Forschungen, dass……..
Weitere Infos über Granatapfel:
Ellagsäure aus Granatapfel hemmt Brustkrebs im Labor
http://heilpflanzen-info.ch/cms/2010/02/13/ellagsaeure-aus-granatapfel-hemmt-brustkrebs-im-labor.html

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Infoportal

Sabal (Zwergpalme)

Sabal (Zwergpalme)


Sabalfrüchte gegen Prostatabeschwerden

Für Patienten mit milden Beschwerden eines benignen Prostatasyndroms sind Heilpflanze-Präparate eine Option. Für einige Phytotherapeutika gebe es aus randomisierten Studien Hinweise auf Wirksamkeit, darunter für Extrakte aus Sägezahnpalmenfrüchten (Serenoa repens, Sabal serrulata, Sägepalme), erklärte Professor Klaus Höfner beim Uro Update in Düsseldorf.

Dort stellte der Experte aus Oberhausen eine neue Studie zu einer Serenoa-repens-Zubereitung vor: Im Tiermodell hemmte das Präparat, additiv verstärkt durch Lycopin und Selen, die mit der Obstruktion einhergehende Entzündung und Hyperplasie (Urology 2011; 77: 248)… Zum vollständigen Text hier…