Beiträge

Weißdorn zur Arzneipflanze des Jahres 2019 gekürt

Der Weißdorn (Crataegus spec.) wird seit Generationen als Arzneipflanze zur Unterstützung von Herz und Kreislauf eingesetzt. Wegen zahlreicher neuer Erkenntnisse zu den Wirkungen und der Bedeutung für die Pflanzenheilkunde wurde Weißdorn vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2019 gewählt.

 

Reichhaltige Kulturgeschichte des Weißdorns

Sagen und Mythen haben dem Weißdorn schon vor über 1.000 Jahren wundersame Fähigkeiten zugeschrieben. Dornröschen soll durch den Weißdorn in ihren hundertjährigen Schlaf gefallen sein.

Weißdorn galt jedoch auch als Zuhause der guten Feen und war der christlichen Zeit ein Zeichen für Hoffnung. Einer Legende nach soll selbst die Dornenkrone Jesu aus Weißdorn bestanden haben, woher wahrscheinlich die Assoziation mit Leben und Tod stammt.

Weißdorn beeindruckt aber nicht nur mit den zahkreichen Erwähnungen in der Sagenwelt, sondern auch durch die seit Jahrhunderten andauernde medizinische Anwendung und seine damit assoziierte Kraft. So wurden bereits in der Antike Weißdorn-Arten medizinisch genutzt, zum Beispiel gegen Durchfall, Koliken und zur Blutstillung. Verschiedene nordamerikanische Stämme sollen schon die herzschützende Wirkung des Weissdorns gekannt und geschätzt haben. Erste Untersuchungen zur Heilkraft des Weißdorns wurden 1896 in den USA durchgeführt. Gerhard Madaus schreibt in seinem renommierten „Lehrbuch der biologischen Heilmittel“ von 1938:

„Crataegus ist ein ausgezeichnetes Kardiakum [Herzmittel], das als fast unübertreffbar bei beginnender Myokardschwäche, namentlich im Alter und bei akuten Infektionskrankheiten bezeichnet werden kann.“

Ab den 1970er Jahren waren viele Anwendungen für Weißdornextrakt bekannt, wie beispielsweise bei Altersherz, Belastungsherz, Hochdruckherz mit und ohne Schwächeerscheinungen, leichtere Grade von Koronarinsuffizienz, Herzmuskelschwäche nach Infektionskrankheiten, Rhythmusstörungen, Durchblutungsstörungen des Gehirns und Herzinfarkt (Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, 1973). 1994 wurden dann auf der Grundlage vorliegender wissenschaftlicher Daten für Weißdornblätter mit Blüten von der für Arzneipflanzen zuständigen Kommission E des damaligen Bundesgesundheitsamtes das Anwendungsgebiet der nachlassenden Leistungsfähigkeit des Herzens entsprechend Stadium II nach NYHA festgelegt.

Weißdornextrakt als traditionelles Arzneimittel zugelassen

Die deutsche Zulassungsbehörde stufte Weissdornblätter mit Blüten im Jahr 2016 aufgrund der langjährigen Erfahrungen, der Unbedenklichkeit und der guten Verträglichkeit des Wirkstoffes als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein.

Gründend auf langjähriger Erfahrung können Weißdornblätter mit Blüten auch bei zeitweilig auftretenden nervösen Herzbeschwerden (z. B. Herzklopfen, durch Ängste ausgelöste Extrasystolen) angewendet werden, wenn ärztlicherseits eine ernsthafte Erkrankung ausgeschlossen wurde. Befürwortet wird zudem der Einsatz bei leichten Symptomen von Stress und als Schlafhilfe. Auf Grund der bekannten Wirkungen könnte der Weißdornextrakt nicht nur bei funktionellen (nicht organisch bedingten) Herzbeschwerden, sondern gerade auch bei ersten Anzeichen einer Herzinsuffizienz und zur Vorbeugung einer Herzschwäche sinnvoll eingesetzt werden. Für die Herstellung von Arzneimitteln aus Weißdorn werden die Blätter zusammen mit den leuchtend-weißen Blüten der Weißdornsträucher oder -bäume verwendet. Sie enthalten wichtige sekundäre Pflanzenstoffe, wie die oligomeren Procyanidine, die für die Wirkung zuständig sind. In Mitteleuropa sind mehrere Arten des Weißdorns heimisch, darunter auch der Eingriffelige Weissdorn (Crataegus monogyna Jacq.) und der Zweigriffelige Weißdorn (Crataegus laevigata(Poir.) DC), die beide zur Herstellung von pflanzlichen Arzneimitteln (Phytopharmaka) verwendet werden.

Vielfältige Wirkungen von Weißdorn auf Herz und Blutgefäße

Eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen hat in den letzten Jahrzehnten gezeigt, wie Weißdornextrakt die Herz- und Kreislauffunktion unterstützt. Die pflanzlichen Wirkstoffe wirken sich positiv auf die Pumpkraft des Herzens aus. Die Durchblutung der Herzkranzgefäße und des Herzmuskels wird erhöht, indem die Produktion des gefäßerweiternden Botenstoffs Stickstoffmonoxid (NO) angeregt und dessen Abbau gehemmt wird. Durch die Verbesserung der Kontraktionskraft des Herzens, die Verbesserung der Erregungsleitung und die Steigerung der Reizschwelle kann Weißdornextrakt zudem vor Herzrhythmusstörungen schützen. Ebenso kann der Extrakt aus Weißdornblättern mit Blüten die Blutgefäße elastisch halten und dadurch dem altersbedingten Verlust der Elastizität der Arterien entgegen wirken. Auch werden die krankheitsbedingten Störungen der Endothelfunktion (Endothel = Gefäßinnenwand der Blutgefäße) reduziert und der periphere Gefäßwiderstand vermindert. Es kommt zu einer Verbesserung der Belastbarkeit und Kurzatmigkeit bei Belastung tritt später ein. Durch aktuelle Untersuchungen liess sich zeigen, dass die Lebensqualität von Patienten unter Einnahme von Weißdornextrakt sich verbesserte und die körperliche Leistungsfähigkeit zunahm (Härtel et al., 2014).

Literatur

  1. Gündling PW: Weißdorn – neue Erkenntnisse zu einer alten Heilpflanze. Ein Multitalent für Herz und Kreislauf. EHK 2017; 66: 208-214.
  2. Härtel S, Kutzner C, Burkart M, Bös K: Einfluss von Training und Crataegus-Extrakt WS 1442 auf körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität bei leichter Herzinsuffizienz – eine randomisierte kontrollierte Studie. Z Phytother 2012 (Suppl 1): 17.
  3. Härtel S, Kutzner C, Westphal E et al.: Effects of endurance exercise training and Crataegus extract WS®_1442 in patients with heart failure with preserved ejection fraction – a randomized controlled trial. Sports 2014; 2(3): 59–75.
  4. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis. Vollständige (vierte) Neuausgabe, hersg. von P.H. List und L. Hörhammer, Springer-Verlag Berlin, Heidelberg, New York, Bd. 4 1973: 330.
  5. Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC): European Union herbal monograph on Crataegus spp., folium cum flore. EMA/HMPC/159075/2014. 5 April 2016.
  6. Holubarsch CJF, Colucci WS, Eha J: Benefit-risk assessment of Crataegus extract WS 1442: An evidence-based review. Am J Cardiovasc Drugs 2018; 18: 25-36.
  7. Madaus G: Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Thieme-Verlag Leipzig 1938, S. 1119.
  8. Pittler MH, Guo R, Ernst E: Hawthorn extract for treating chronic heart failure. Cochrane Database Syst Rev. 2008; (1): CD005312.
  9. Wegener T. et al.: Stellenwert von Weißdornextrakt in der hausärztlichen Praxis – eine aktuelle Standortbestimmung. MMW-Fortschritte der Medizin 2018; 160 (54): 1-7.

    Foto: Copyright (iStock) – das Foto ist für die Aktion Weißdorn als Arzneipflanze des Jahres 2019 freigegeben.

Quelle:

Medienmitteilung Interdisziplinärer Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg.

 

Kommentar & Ergänzung:

Weissdorn ist die wichtigste Heilpflanze der Phytotherapie für das Herz.

Weissdorn ist gut verträglich und eignet sich für Langzeitanwendung.

Weissdorntee und Weissdornextrakt sollten mindestens über einen Zeitraum von 3 Monaten regelmässig angewandt werden.

Weissdorn ist vielfältig wissenschaftlich untersucht worden, wobei bei einigen dieser Forschungsergebnisse nicht so ganz klar ist, wie weit sie über die experimentelle Situation hinaus auch für Patienten in der Praxis klinisch relevant sind. Das drückt sich auch darin aus, dass die Zulassung nur als „traditionell“ (Kategorie „traditional use“) und nicht als wissenschaftlich belegt (Kategorie „well-established use“ = anerkannte medizinische Wirkung und akzeptierte Unbedenklichkeit) möglich wurde. Das ist etwas enttäuschen. Es ist aber immer schwierig, milde Wirkungen in einer Studie statistisch sicher zu belegen, nur schon, weil dazu grosse Probandenzahlen nötig sind.

Wie in der Medienmitteilung erwähnt, werden vom Weissdorn für die Herstellung pflanzlicher Arzneimitttel in der Regel die Blätter und Blüten gemischt verwendet. Die Weissdornfrüchte enthalten aber auch Wirkstoffe (oligomere Procyanidine und Flavonoide) und kommen gelegentlich auch in Präparaten zum Einsatz, zum Beispiel für Weissdorntinktur).

Weißdornfrüchte sind roh essbar, schmecken säuerlich-süß, sind jedoch sehr mehlig. Sie lassen sich zu Kompott oder Gelee verarbeitet und eignen sich dabei auch zum Mischen mit anderen Früchten, weil sie gut gelieren.

Weissdorn ist aber auch ein wertvoller Strauch oder Baum für die Tierwelt. Vögel fressen im Herbst sehr gerne die leuchtend roten Früchte, und für Insekten ist der Weissdorn eine wichtige Nahrungsquelle, zum Beispiel als Futterpflanze für 54 verschiedene Schmetterlingsraupen-Arten. Weissdorn eignet sich daher sehr gut als einheimischer Strauch in Hecken.

Zu beachten ist dabei aber, dass Weissdorn den Feuerbrand übertragen kann, eine gefährliche, durch das Bakterium Erwinia amylovora verursachte Pflanzenkrankheit, die vor allem Kernobstgewächse befällt und sich seuchenartig schnell ausbreiten kann. Deshalb wird für die ganze Schweiz empfohlen, in definierten Schutzobjekten (Hochstammobstgärten, Baumschulen, Obstanlagen und andere definierte Objekte) in im Umkreis von 500 m darum herum auf das Anpflanzen von Weissdorn-Arten zu verzichten.

Dieser Empfehlung liegt ein Konses zugrunde zwischen schweizerischen Natur- und Vogelschutzverbänden, dem BAFU und dem Eidgenössischen und Kantonalen Pflanzenschutzdienst.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Rosmarin gegen Ängste, schlechten Schlaf und Depressionen wirksam?

Eine Studie aus dem Iran kommt zum Schluss: Wer regelmäßig Rosmarin einnimmt, schneidet in Gedächtnistests besser ab, ist weniger ängstlich und schläft besser.

Rosmarin ist ein beliebtes Gewürz zu Kartoffeln, Fleisch oder Pilzen.

Über den aromatischen Effekt in Speisen hinaus ist Rosmarin aber auch eine Heilpflanze mit langer Tradition.

Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ schreibt dazu:

„Diverse Studien haben bereits eine antioxidative und antibakterielle Wirkung, sowie Effekte gegen Krebs, Entzündungen, Diabetes und Schmerzen beschrieben. Auch auf die Alzheimererkrankung, Depressionen und Ängste soll Rosmarin positiv wirken.“

Iranische Wissenschaftler der Kerman University of Medical Sciences haben nun untersucht, wie sich Rosmarin auf die Gedächtnisleistung, Ängste, Depressionen und Schlafqualität von jungen Erwachsenen auswirkt. Dazu unterteilten sie die 68 Teilnehmer in zwei Gruppen: eine Gruppe bekam täglich zweimal 500 Milligramm Rosmarin zur Einnahme, der anderen Gruppe wurde stattdessen ein Placebo verabreicht.

Die Studie wurde doppelblind durchgeführt und dauerte einen Monat.

„Doppelblind“ bedeutet, dass weder die Versuchspersonen, noch die Verteiler der Wirkstoffkapseln wussten, ob jeweils Rosmarin oder das Placebo in den Kapseln enthalten war.

Die Effekte dieser Nahrungsergänzung mit Rosmarin wurden mit Gedächtnistests und standardisierten Befragungsbögen zu Depressions- und Angstsymptomen sowie der Schlafqualität beim Start der Studie und nach Ende des Behandlungsmonats ermittelt.

In allen Bereichen verbesserten sich die Werte der Studenten, die Rosmarin bekommen hatten, gegenüber denjenigen Studenten, die das Placebo eingenommen hatten. Nur die Schlafdauer sowie die sogenannte Schlaflatenz, also die Zeit, die man braucht, um einzuschlafen, veränderten sich mit der Rosmarin-Zulage nicht. Beim Start der Studie wurden 42 der Studenten als ‚normal‘ ängstlich eingestuft, bei 26 Studenten fanden sich dagegen Symptome einer mindestens milden Angststörung (zwölf in der Rosmaringruppe, 14 in der Placebogruppe).

Nach dem Behandlungsmonat stuften die Forscher nur noch sechs der Studenten der Rosmaringruppe als stärker ängstlich als normal ein, während in der Placebogruppe auch weiterhin 14 Studenten Symptome einer Angststörung zeigten.

In der Angst- und Depressionsskala verminderten sich sowohl die Ängste als auch die Depressionen der Studenten der Rosmaringruppe um knapp zwei Punkte, während die der Placebogruppe stabil blieben.

Mit Hilfe des Schlaffragebogens wiesen die Forscher der individuellen Schlafqualität einen Wert (von 0 bis 21) zu. Bei Werten über fünf Punkten wurde die Versuchsperson in dieser Befragung zu den “schlechten” Schläfern gezählt. Zu den guten Schläfern gehörten zu Studienbeginn 28 Studenten (16 in der Rosmaringruppe, zwölf in der Placebogruppe), zu den schlechten Schläfern insgesamt 40 Studenten (18 in der Rosmaringruppe, 22 in der Placebogruppe).

Nach der Behandlung waren nur noch 13 der Studenten aus der Rosmarin-Gruppe schlechte Schläfer. In der Placebogruppe waren von den Versuchspersonen noch 18 schlechte Schläfer. Im Vergleich zeigten sich also unabhängig von der jeweiligen Behandlung Verbesserungen im Schlafmuster bei manchen Teilnehmern. Die Bewertungen der Schlafqualität besserten sich jedoch messbar in der Rosmaringruppe im Durchschnitt um zwei Punkte mit der Behandlung, die Werte der Placebogruppe verhielten sich dagegen stabil. Auch in verschiedenen Gedächtnistests schnitten die Studenten der Rosmaringruppe messbar besser ab (von 35,53 auf 30,65 Punkte), während die Werte der Placebogruppe dagegen weitgehend stabil blieben (vorher 35,5 Punkte, nachher 35,59 Punkte).

Die günstigen Wirkungen des Rosmarins werden insbesondere dem ätherischen Öl und seinen Bestandteilen zugesprochen, beispielsweise Kampher oder Phenolen wie Carnosol oder Rosmarinsäure. Die Schlussfolgerung der Wissenschaftler lautet: Vor allem bei einer Erkrankung, die sich auf Schlaf, Ängste, Depressionen und das Gedächtnis auswirkt, wie zum Beispiel der Alzheimerdemenz, wäre die Rosmarin-Nahrungsergänzung zumindest eine Option, die nach Absprache mit dem Arzt auch unbedenklich sein sollte.

Quelle:

https://derstandard.at/2000085051533/Rosmarin-hilft-gegen-Aengste-schlechten-Schlaf-und-Depressionen

Originalpublikation: Effects of Rosmarinus officinalis L. on memory performance, anxiety, depression, and sleep quality in university students: A randomized clinical trial.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29389474

Kommentar & Ergänzung:

Diese Studie bringt auf den ersten Blick sehr attraktive Ergebnisse. Nur schon mit Stichworten wie Alzheimer, Depressionen und Ängste hat man die Aufmerksamkeit der Menschen rasch geweckt.

Und es ist natürlich verlockend, solche Aussagen 1:1 zu übernehmen.

Aber wir müssen schon genauer hinschauen.

Die Studie ist von den Teilnehmerzahlen her sehr klein und daher wird sie schon aus statistischen Gründen keine einwandfeien Belege liefern können.

Aus dem Iran kommen in letzter Zeit laufend derart kleine Studien zu Heilpflanzen-Anwendungen, die sensationelle Wirkungen gefunden haben wollen, für die bisher in der Fachliteratur keine Ansatzpunkte zu sehen sind.

Ich erinnere mich im Zusammenhang mit Iran zudem an eine Aussage von Roman Huber, dem Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Uniklinik Freiburg, der in einem Interview mit der „Badischen Zeitung“ darauf hinwies, dass aus dem Iran und aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur positive Studienergebnisse publiziert werden (Quelle hier)

Das ist zumindestens eigenartig, denn wo Wissenschaft ergebnisoffen betrieben wird, müssten auch negative Resultate auftauchen.

Die Aussagekraft der Studie wird auch eingeschränkt durch den Umstand, dass hier offenbar einfach Studenten als Versuchspersonen eingesetzt wurden, nicht etwa Patienten mit klar definierten Erkrankungen.

Damit will ich dem Rosmarin nicht den Status als Heilpflanzen absprechen, aber solche Wischi-Waschi-Studien, die einfach mal sehr weitreichend eine positive Wirkung bei Schlafproblemen, Angst, Depression und Alzheimer in den Raum stellen, sind fragwürdig.

Rosmarinblätter werden in der Phytotherapie-Fachliteratur vor allem zur Linderung von Verdauungsbeschwerden angewendet und äausserlich als Rosmarinöl in einer Fettgrundlage zu Einreibungen bei Gelenkschmerzen.

Rosmarinöl gilt zudem als belebendes Mittel (Analeptikum) bei Kreislaufbeschwerden, insbesondere bei Müdigkeit auf Grund von niederem Blutdruck. Für diese analeptischen Effekte wird in der Regel Rosmarinöl in verschiedenen Formen eingeatmet. In der iranischen Studie wurde aber offensichtlich Rosmarin in Kapseln eingenommen, so dass dieser Effekt über die Duftebene nicht wirksam werden kann.

Rosmarin wird aufgrund seiner antimikrobiellen Wirkung als Konserrvierungsmittel und Antioxidans in der Lebensmittelindustrie eingesetzt (z. B. bei Fleisch und Fett). Eine wichtige Rolle spielt dabei das antimikrobiell wirkende Carnosol.

Dass Rosmarin gegen Krebs und Diabetes helfen kann, wie das einleitende Zitat aus dem „Standard“ antönt, wird im Übrigen von keinerlei fundierten Belegen gestützt. Tumorhemmende Wirkungen wurden zwar im Labor gefunden, aber das it weit weg von einer erfolgreichen Anwendung bei Krebspatienten.

Insgesamt wird in diesem „Standard“-Artikel also ziemlich viel heisse Luft transportiert.

Dass Rosmarin aber schon seit langem geschäzt wird, zeigt die Beschreibung der Pflanze durch Otto Brunfels (Botaniker, Stadtarzt von Bern, 1488 1534):

„Stercket die Memory, das ist die gedächtnüss,

behütet vor der pestilentz,

erwärmet das marck in den beynen.

Bringet die sprach härwider,

macht keck und hertzhafftig,

mach jung geschaffen,

retardiert das Alter, so man es allen tag trincket,

ist ein theriacks für alles gyfft….“

Da taucht also schon das Anti-Aging auf und die Verbesserung des Gedächtnisses auch…….

Aber Tradition hat auch nicht immer Recht.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: hat Tradition Recht?

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Lavendel bei Unruhe und Einschlafstörungen

Das Magazin „Stern“ empfiehlt in einem Artikel über Hausmittel Lavendel bei Unruhe und Einschlafstörungen:

„Den Blüten des Lavendelstrauchs wird eine allgemein beruhigende Wirkung nachgesagt. Diese Einschätzung teilen auch Wissenschaftler: Die Kommission-E-Experten empfehlen Lavendel gegen Unruhezustände und Einschlafstörungen. Für den Effekt verantwortlich ist offenbar das ätherische Blütenöl. Es entspannt das zentrale Nervensystem und beruhigt die Atemwege.“

Als konkrete Anwendungsmöglichkeiten stellt der Text zwei Varianten des Lavendelbades vor:

„Eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen sechs bis zehn Tropfen Lavendelöl in etwas Sahne einrühren und ins warme, nicht zu heiße Badewasser geben. Eine Temperatur von 37 Grad ist ideal.

Als Alternative empfehlen sich getrocknete Lavendelblüten: 50 bis 60 Gramm mit einem Liter siedendem Wasser übergießen, 20 Minuten ziehen lassen, abseihen und in das Badewasser gießen.

Nicht länger als 15 Minuten baden. Im Anschluss ruhen.“

Quelle:

http://www.stern.de/gesundheit/grippe/erkaeltung–ohrenschmerzen–halsschmerzen–diese-hausmittel-helfen-6565438.html#mg-1_1507550522595

 

Kommentar & Ergänzung:

Das sind keine schlechten Empfehlungen. Ergänzend könnte man noch auf weitere Anwendungsvarianten von Lavendelblüten bzw. Lavendelöl hinweisen:

– Lavendelöl kann direkt im Raum verdunsten und eingeatmet werden (ein paar Tropfen auf ein Papertaschentuch geben und in den Raum legen).

– Lavendelblüten können zu Lavendelsäckchen verarbeitet und unters Kopfkissen gelegt werden.

– Ein paar Tropfen Lavendelöl können mit Mandelöl oder Bodylotion gemischt für Einreibungen und Massagen eingesetzt werden.

– Die Phytotherapie setzt Lavendelöl in Kapselform auch innerlich ein bei leichten Angststörungen.

– Äusserlich wirkt Lavendelöl auch gegen Hautpilze, zum Beispiel bei Fusspilz.

Der Hinweis auf eine beruhigende Wirkung auf die Atemwege ist fragwürdig.

Siehe auch:

Lavendelöl-Kapseln gegen Angst und Depressionen

Lavendelöl-Präparat bei Angststörungen

Lavendelöl gegen Hautpilze

Lavendelöl lindert Menstruationsbeschwerden

Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln Lasea bei Angststörungen

Lavendelöl bessert Migränekopfschmerz effektiver als Placebo

Lavendelöl wirksam gegen Hautpilze

Pflanzenheilkunde: Kräuterkissen für guten Schlaf

Und hier gibts eine Broschüre zu Anwendungsmöglichkeiten von Lavendelblüten / Lavendelöl.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

Demenzvorbeugung: US-Neurologen empfehlen Sport statt Medikamente

Mediziner sollen Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) zu sportlichen Aktivitäten ermuntern, statt sie mit Medikamenten zu behandeln, deren Wirksamkeit gemäss einer überarbeiteten Leitlinie der American Academy of Neurology (AAN) nicht belegt ist. Publiziert wurden die Empfehlungen in Neurology (2017; doi: 10.1212/WNL.0000000000004826). Sie umfassen auch die Suche nach modifizierbaren Risikofaktoren, deren Vermeidung die kognitiven Fähigkeiten der Patienten oft verbessern kann.

Leichte kognitive Beeinträchtigungen (MCI) kommen im Alter oft vor.

Die Beeinträchtigungen werden von den Betroffenen zunächst kaum bemerkt. Sie haben Schwierigkeiten, komplexe Aufgaben zu erledigen, oder verstehen Informationen, die sie gelesen haben, nicht mehr. Die Grenze zur Demenz ist erreicht, wenn Probleme mit alltäglichen Aufgaben wie Ankleiden, Baden und Essen auftreten.

Eine MCI entwickelt sich nicht immer zur Demenz weiter. Der Verfall der kognitiven Fähigkeiten kann aber schnell verlaufen: Bei 14,9 Prozent der MCI-Patienten kommt es innerhalb von zwei Jahren zu einer Demenzdiagnose.

Gegenwürtig existieren keine Medikamente, die die Entwicklung stoppen können.

Cholinesterase-Hemmer wie Donepezil, Rivastigmin, Tacrin oder Galantamin, die für die symptomatische Therapie der Alzheimer-Demenz zugelassen sind, sind für die Behandlung der MCI nicht angezeigt. Die AAN rät daher in ihrer Leitlinie von der Anwendung von Cholinesterase-Hemmern ab. Wenn die Mediziner sie den MCI-Patienten dennoch anbieten, sollten sie vorgängig auf die nicht nachgewiesene Wirkung hinweisen.

Für die Wirksamkeit von Sport existieren dagegen erste Belege. Zwar seien bisher noch keine Langzeitstudien durchgeführt worden, erklären die Leitlinien-Autoren. Sechsmonatige Studien würden aber darauf hinweisen, dass das zweimal wöchentliche Training das Gedächtnis verbessern kann.

Die Mediziner können den Patienten auch kognitives Training empfehlen, schreiben die Leitlinien-Autoren. Die Hinweise, dass die Denksport-Übungen den Patienten helfen, stufen sie jedoch als schwach ein.

Eine wichtige Aufgabe der Mediziner besteht nach Einschätzung der Leitlinien in der Suche nach beeinflussbaren Risikofaktoren. Dazu zählen die Nebenwirkungen von Medikamenten, Schlafstörungen oder Depressionen. Durch Wechsel der Medikation, verbesserte Schlafhygiene und die Behandlung von Depressionen können oft die Symptome der MCI gelindert und die Lebensqualität der Patienten verbessert werden.

Quelle:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/87286/Demenzpraevention-US-Neurologen-raten-zu-Sport-statt-Medikamenten

http://n.neurology.org/content/early/2017/12/27/WNL.0000000000004826

 

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine Bestätigung für Empfehlungen, die schon aus verschiedenen Quellen verlautet sind.

Galantamin ist übrigens ein Wirkstoff, der ursprünglich aus dem Schneeglöckchen stammt.

Siehe dazu:

Wirksamkeit von Galantamin bei Demenz bestätigt

Aus phytotherapeutischer Sicht gibt es bei leichter und mittelgradiger Alzheimer-Demenz sowie bei vaskulärer Demenz laut einer S3-Leitline Hinweise auf einen kognitiven Nutzen für den Ginkgo-Extrakt EgB 761 (Tebokan, Tebofortin, in D: Tebonin). Ein vorbeugender Effekt konnte dagegen nicht hinreichend belegt werden.

Siehe dazu:

S3-Leitlinie “Demenzen”: Empfehlung für Ginkgo-Extrakt

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Inhalieren gegen Erkältungen

Das Magazin „Focus“ gibt Tipps gegen Erkältungen und kommt dabei auch auf Inhalationen zu sprechen. Nicht ganz falsch, aber auch ziemlich ungenau.

Was schreibt „Focus“:

„Salzspülung und Inhalieren

Gegen eine verstopfte Nase kann eine Salzwasserspülung aus der Apotheke oder Drogerie helfen. Das Inhalieren mit Ölen oder Kamillentee löst den Schleim.“

Wenn von „Ölen“ gesprochen wird, dann meint man in der Regel „fette Öle“ wie Mandelöl, Sonnenblumenöl oder Olivenöl. Hier sind aber zweifellos ätherische Öle gemeint. Fette Öle sind gar nicht flüchtig und würden nicht in den Dampf übergehen. Fette Öle und ätherische Öle sind aber zwei vollkommen unterschiedliche Dinge und deshalb wäre es hier sinnvoll, von „ätherischen Ölen“ zu schreiben.

Und ja, mit Kamillentee kann man inhalieren. Eine Mischung von Kamillenblüten mit Thymiankraut fände ich bei Husten und Schnupfen allerdings noch besser.

Beim direkten Inhalieren mit ätherischen Ölen, also wenn ätherische Öle auf heisses Wasser gegeben und direkt eingeatmet werden, sollte die Dosierung eher tief bleiben. 1 – 2 Topfen genügen in der Regel.

Und was schreibt „Focus“ weiter:

„Heiß Baden

Ein heißes Bad mit Eukalyptus oder ätherischen Ölen beruhigt, der heiße Dampf befreit die Atemwege. Vorsicht: Bei Fieber sollte nicht heiß gebadet werden!“

 

Ja, ein Erkältungsbad ist eine gute Idee. Mit „Eukalyptus“ ist wohl das ätherische Eukalyptusöl gemeint, so dass die Formulierung „Eukalyptus oder ätherische Öle“ etwas schief ist.

Neben Eukalyptusöl wäre auch Thymianöl eine gute Wahl. Allerdings fehlen im „Focus“-Text genauere Angaben zur Zubereitung und Dosierung, was meines Erachtens für eine sichere und verträgliche Anwendung wichtig wäre.

Ätherische Öle mischen sich schlecht mit Wasser und sind leichter, schwimmen also auf der Wasseroberfläche (Ausnahmen sind zum Beispiel Nelkenöl und Zimtöl). In der Badewanne hat das zur Folge, dass zum Beispiel Thymianöl und Eukalyptusöl konzentriert obenauf schwimmen, was beim Kontakt mit der Haut Reizungen verursachen kann.

Daher müssen die ätherischen Öle emulgiert werden, zum Beispiel indem man sie mit etwas Kaffeerahm (Sahne) oder Vollmilch mischt, bevor sie dem Badewasser zugefügt werden.

Auf ein Vollbad würde ich 8 Tropfen Eukalyptusöl oder Thymianöl geben, bei der ersten Anwendung nur 3 – 4 Tropfen, um die Verträglichkeit zu prüfen.

„Focus“ empfiehlt zudem:

„Natürliche Öle

Eukalyptusöl oder Pfefferminzöl vor dem Schlafen gehen auf der Brust verreiben. Wirkt gegen Husten und hilft beim Durchatmen.“

Auch hier würde es korrekt heissen „Natürliche ätherische Öle“. Meine Empfehlung wäre dabei, Eukalyptusöl oder Pfefferminzöl nicht pur aufzutragen, sondern wenige Tropfen gemischt mit etwas fettem Öl, zum Beispiel Mandelöl, oder allenfalls auch mit einer fettreichen Bodylotion (W/O-Emulsion).

Grundsätzlich könnte man aber auch von Eukalyptusöl, Thymianöl oder Pfefferminzöl ein paar Tropfen auf ein Papiertaschentuch geben und sie so über Nacht im Schlafzimmer verdunsten lassen.

Quelle der Zitate:

http://www.focus.de/gesundheit/praxistipps/erkaeltung-schnell-loswerden-die-besten-tipps_id_7761950.html

Als Ergänzung:

Margret Wenigmann empfiehlt im Fachbuch „Phytotherapie“ für die äusserliche Anwendung von Pfefferminzöl:

„Einige Tr. In die betroffenen Hautpartien einreiben, in halbfesten oder öligen Zubereitungen 5 – 20 –prozentig…“

Bei Säuglingen und Kleinkindern rate ich ab von Pfefferminzöl-Anwendungen.

Margret Wenigmann schreibt dazu:

„Bei Säuglingen und Kleinkindern nicht im Bereich des Gesichtes, speziell der Nase, oder grossflächig auf Brust und Rücken anwenden (Gefahr von Glottiskrampf, Kratschmer-Reflex mit Atemdepression bis hin zur Erstickung).“

Solche Warnungen sind ähnlich formuliert in wohl allen Phytotherapie-Fachbüchern zu finden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Koffein während der Schwangerschaft?

Studienresultate halten einen Verzehr von bis zu drei Tassen Kaffee während der Schwangerschaft als unbedenklich.

Vom Konsum von Energydrinks während der Schwangerschaft wird aber abgeraten.

Während der Schwangerschaft komplett auf Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke zu verzichten ist unnötig.

Bis zu drei Tassen Kaffee täglich gelten als unbedenklich, erklärt das Netzwerk Gesund ins Leben.

So zeigten Studienresultate beim Konsum von bis zu drei Tassen Kaffee während der Schwangerschaft keine nachteiligen Wirkungen auf Gestationsdauer und Geburtsgewicht. Im Sinne eines präventiven Gesundheitsschutzes wird allerdings vorsorglich von hohen Koffeinmengen abgeraten. Deshalb sollten Schwangere auf Energydrinks verzichten, die hohe Koffeinmengen pro Portion enthalten.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/koffein-in-der-schwangerschaft-30742.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Gemäss European Food Safety Authority (EFSA) gilt für schwangere und stillende Frauen, dass eine über den gesamten Tag verteilte Koffein-Aufnahme aus allen Quellen von bis zu 200 mg pro Tag für den Fötus unbedenklich ist.

(Quelle: Wikipedia)

Eine Tasse Kaffee (150 ml) enthält etwa 30 bis 100 mg Koffein, eine Tasse Schwarztee je nach Zubereitungsart bis zu 50 mg. Das im Tee vorkommende Koffein wurde früher Thein (von französisch thé) genannt, ist chemisch jedoch exakt der gleiche Stoff wie im Kaffee. Energy-Drinks wie “Red Bull” enthalten ca. 80 mg Koffein pro Dose.

(Quelle: http://www.chemie.de/lexikon/Koffein.html).

Fundierte Angaben finden sich im Standardwerk “Biogene Arzneimittel”:

“Bei einem durchschnittlichen Coffeingehalt von 60 – 100mg /Tasse (150ml)kann der Genuss von bis zu fünf Tassen Kaffee durch einen Erwachsenen als toxikologisch unbedenklich angesehen werden. Vorsicht ist geboten bei Personen mit labilem Herz-Kreislauf-System, Nierenkrankheiten, Magengeschwüren, Überfunktion der Schilddrüse, erhöhter Krampfbereitschaft oder bestimmten psychischen Störungen (panische Angstzustände). Schwangere sollten möglichst auf den Kaffeekonsum verzichten, zumindest aber eine Dosis von 300 mg /d nicht überschreiten (3 Tassen Kaffee, 9 Tassen Tee oder 7 kleine Gläser Colagetränk). Säuglinge, deren stillende Mütter viel Kaffee trinken, können Schlafstörungen zeigen.”

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Phytotherapie: Interessantes Gerichtsurteil zum Baldrianpräparat Baldriparan

Hersteller Pfizer darf sein Präparat Baldriparan im Fernsehen nicht mehr mit dem Satz „1 Dragee am Abend“ bewerben. Das Landgericht Berlin hat den Spot des Pharmakonzerns als irreführend beurteilt.

Geklagt gegen den Spot hatte die Wettbewerbszentrale. Der Hinweis „1 Dragee am Abend“ ist aus Sicht der Wettbewerbszentrale ein Verstoß gegen das Heilmittelwerbegesetz und das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb.

Verbraucher würden aufgrund dieser Werbeaussage nämlich erwarten, dass schon mit der Einnahme nur eines Dragees ein ruhiger Schlaf erreicht werden könne. Tatsächlich sei Baldriparan laut Gebrauchsinformation aufgrund der allmählich einsetzenden Wirkung nicht zur akuten Behandlung von nervös bedingten Schlafstörungen geeignet. Der Hersteller Pfizer selbst empfiehlt eine kontinuierliche Behandlung mit Baldriparan über zwei bis vier Wochen.

Der TV-Spot zeigt eine friedlich schlafende Frau verbunden mit der Aussage: „Gut ein- und durchschlafen. Baldriparan stark für die Nacht hilft dabei mit einem Dragee am Abend.“

Eingeblendet wird zudem die Baldriparan-Packung mit einer roten Banderole „1 Dragee am Abend“, der Satz wird in einem großen roten Punkt noch einmal wiederholt. Darüber hinaus wird darauf hingewiesen, dass „der hochkonzentrierte Baldrian“ beim Einschlafen helfe und die natürlichen Schlafphasen bis zum Morgen unterstütze.

Bezüglich des Werbespots gab das Landgericht der Wettbewerbszentrale Recht und wies darauf hin, dass die Aussage „1 Dragee am Abend“ in dem Werbefilm als gute und effiziente Wirkweise und als Versprechen eines schnellen Ein- und Durchschlafens verstanden werde.

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apothekenpraxis/pfizers-frau-schlaeft-zu-schnell-ein-tv-spot-verboten-baldriparan-spot/

Kommentar & Ergänzung:

Die Wettbewerbszentrale und offenbar auch dieses Gericht scheinen gute Kenntnisse der Phytotherapie zu haben. Studien zeigen, dass die Wirkung von Baldrianextrakt sich erst klinisch signifikant nach 2 – 4 Wochen zeigt. Darum ist es sehr fragwürdig, wenn die Werbung eine Sofortwirkung verspricht. Allerdings kann bei der Einnahme vor dem Schlafengehen wohl oft mit einem schnell eintretenden Placeboeffekt gerechnet werden. Und wenn das der Fall ist, dann kann das auch als Erfolg betrachtet werden. Ein Placeboeffekt ist auch etwas wert. Das volle Potenzial von Baldrian nutzt man aber offensichtlich nur bei einer Anwendung über längere Zeit. Die fehlende Sofortwirkung trägt im Übrigen wesentlich dazu bei, dass die Einnahme von Baldrian kein Abhängigkeitsrisiko mit sich bringt.

Interessant an diesem Fall ist zudem, dass Badriparan zum Pharmakonzern Pfizer gehört. Pfizer ist der grösste Pharmakonzern der Welt.

Man hört ja immer wieder einmal die leicht verschwörungstheoretisch angehauchte Vorstellung, dass die grossen Pharmakonzerne die Pflanzenheilkunde kaputt machen wollen, um sich unliebsame Konkurrenz vom Leibe zu halten. Das ist wohl ziemlich abwegig. Pharmakonzerne sind nicht so ideologisch fixiert auf „Chemie“. Sie verkaufen im Wesentlichen, was sich als Arzneimittel verkaufen lässt. Und wenn es Nachfrage gibt nach bestimmten Heilpflanzen-Präparaten, dann werden sie solche Extrakte entwickeln oder aufstrebende Firmen aufkaufen. So gehört zum Beispiel die Beinwellsalbe Kytta zu Merck Pharma und der Phytopharmaka-Hersteller Steigerwald wurde von Bayer übernommen. Steigerwald ist bekannt für das Verdauungspräparat Iberogast, den Hustensirup Phytohustil mit Eibischextrakt und das Johanniskrautpräparat Laif (in der Schweiz Solevita). Das ist im Übrigen nicht nur schlecht. Diese Pharmakonzerne haben in der Regel viel Know-how in der Forschung und können auch relevante finanzielle Mittel dafür locker machen. Es gibt aber natürlich auch eine ganze Reihe von unabhängigen Phytopharmaka-Herstellern, in der Schweiz zum Beispiel Zeller in Romanshorn oder Bioforce in Roggwil.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Lavendelöl-Extrakt verursacht keine Entzugssymptome beim Absetzen

Der patentierte Lavendelöl-Extrakt Silexan® kommt als Wirkstoff im Präparat Lasea® zur Anwendung.

Im Gegensatz zu den meisten chemisch-synthetischen Anxiolytika (angstlösende Mittel) kann Lasea von einem Tag auf den anderen Tag abgesetzt werden, ohne dass Absetzphänomene auftreten. Zu diesem Schluss kommt die Auswertung der Nachbeobachtungsphase einer randomisierten Doppelblindstudie, in der Patienten mit Angststörung entweder Silexan, Paroxetin oder Placebo erhalten hatten.

An der zehnwöchigen Studie waren 539 Patienten mit Angststörungen beteiligt. Die Probanden bekamen entweder täglich 80 mg oder 160 mg Silexan, 20 mg Paroxetin oder Placebo. In der elften Woche wurde die Paroxetin-Dosis schrittweise gesenkt. Patienten der Silexan- und Placebo-Gruppe bekamen ab diesem Zeitpunkt alle Placebo-Kapseln.

Zur Erfassung möglicher Absetzphänomene kam die 20 Punkte enthaltende Physician Withdrawal Checklist (PWC-20) zur Anwendung. Die einfache Selbsteinschätzungsskala für Patienten fragt in 20 Items häufig beobachtete Entzugssymptome ab. Die mittlere PWC-20-Gesamtpunktzahl sank in der einwöchigen Absetzphase in allen Gruppen: Bei Placebo -0,19, bei Silexan 80 mg -0,23, bei Silexan 160 mg -0,65, bei Paroxetin -0,51.

Absetzphänomene wurden in keiner Gruppe beobachtet.

Die Autoren der Studie ziehen aus den Resultaten den Schluss, dass der Lavendelöl-Extrakt Silexan kein Abhängigkeitspotenzial besitzt und auch nach einer Langzeittherapie ohne Ausschleichen der Dosis abgesetzt werden kann.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=71404

DOI:10.1080/13651501.2017.1301488

Kommentar & Ergänzung:

Das Lavendelölpräparat Lasea® wird zur Linderung von leichten generalisierten Angststörungen eingesetzt. Die Kapseln werden eingenommen. Das ist ungewöhlich für Lavendelöl, das meistens inhalativ oder percutan, also über die Haut zur Anwendung kommt.

Lasea® enthält ein Lavendelöl, das für diese Indikation quasi optimiert wurde und hohe Gehalte an Linalylacetat und Linalool aufweist.

Dass sich beim Absetzen von Lasea® keine Entzugssymptome zeigen, ist nicht überraschend.

Zur Wirksamkeit siehe auch:

Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln Lasea bei Angststörungen

Lavendelöl-Kapseln gegen Angst und Depressionen

Lavendelöl-Präparat bei Angststörungen

Lavendelöl-Kapseln reduzieren Angst bei Depressionen (Fallstudie)

 

Studie: Lavendelöl lindert Angststörungen

Lavendelblüten und Lavendelöl als Sedativum

Lavendelöl reduziert Angst und bessert den Schlaf

 

Phytotherapie: Lavendelöl als Angstlöser

Phytotherapie: Lavendelöl gegen Unruhe

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

Zur Kombination Baldrian & Sanalepsi: Was ist Sanalepsi?

In Pflegeheimen und Kliniken wird manchmal als Einschlafhilfe eine Mischung aus Sanalepsi-Tropfen und Baldriantinktur eingesetzt.

Daher kommt in meinen Kursen immer wieder einmal die Frage auf, um was es sich bei „Sanalepsi“ genau handle.

Sanalepsi N Tropfen enthalten Doxylamin, ein Antihistaminikum der 1. Generation mit antiallergischern, beruhigenden und schlaffördernden Eigenschaften.

Als Monopräparat oder kombiniert mit Baldriantinktur wird Salalepsi N in erster Linie zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt und dazu eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen eingenommen.

Die Halbwertszeit von Doxylamin beträgt etwa 10 Stunden. Das heisst, dass die Konzentration von Doxylamin im Organismus resp. im Blut nach 10 Stunden auf den halben Wert (50%) absinkt. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass Sanalepsi bei der Einnahme als Einschlafhilfe unerwünschterweise in den folgenden Tag hinein wirkt. Bei der Baldriantinktur besteht dieses Risiko nicht.

Doxylamin wird in Kombination mit Dextromethorphan (Hustenreizstiller), Ephedrin (Schleimhautabschweller) und Paracetamol (Schmerzmittel) in Kombinationspräparaten wie dem Erkältungspräparat Vicks MediNait® Saft verwendet. Solche Kombipräparate werden allerdings von vielen Fachleuten generell skeptisch beurteilt, weil damit oft Substanzen eingenommen werden, die im jeweiligen Erkältungsfall gar nicht nötig sind.

Als Einzelmittel ist Doxylamin in der Schweiz bei Einschlafstörungen zur Kurzzeitbehandlung zugelassen. Das passt aber eigentlich nicht zu einer Kombination mit Baldriantinktur, weil Baldrian erst nach einer Anwendung über mehrere Wochen wirksam wird.

Da Sanalepsi-Tropfen in Apotheken ohne Rezept erhältlich sind, werden sie oft als verhältnismässig harmlos eingeschätzt. Das ist aber wohl ein Trugschluss. In Deutschland hat das TV-Magazin „rbb Praxis“ sich mit diesem Thema befasst und dabei kamen verschiedene Fachleute zu Wort.

Der Schlafmediziner Dr. Holger Rein hält es für einen Trugschluss, wenn Patienten diese Medikamente unbedenklich finden, weil sie freiverkäuflich sind: „Das sind keine Lutschbonbons und keine Hustenbonbons. Es sind tatsächlich hochwirksame Substanzen.“

Der Pharmakologe Professor Dr. Markus Schwaninger von der Universität Lübeck sagt: „Es wirkt auf das Gehirn und kann dort verschiedene Funktionen beeinträchtigen. Nicht nur Schlaf auslösen, sondern auch das Gedächtnis und geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.“

Dass die Nachwirkungen der Substanzen auch noch am Folgetag auftreten können, bestätigt in der Sendung auch ein Anwender. Am nächsten Morgen denke und spreche man etwas langsamer und auch die Bewegungsabläufe seien verändert.

Die Internistin Dr. Jördis Hendricks aus Hamburg erklärt, dass durch die Einnahme dieser Präparate der Schlafrhythmus und die Schlafarchitektur gestört werde; der Schlaf sei nicht erholsam:„Man zahlt unter Umständen einen hohen Preis ohne einen langfristigen Nutzen.“ Und sie ergänzt: „Sie dürften auf gar keinen Fall frei verkauft werden. Das Mindeste wäre, dass man sie unter der die Rezeptpflicht stellt.“ Auch eine Marktrücknahme der Präparate ist für Hendricks denkbar.

Mögliche Nebenwirkungen von Doxylamin / Sanalepsi fasst das „Pharmawiki“ so zusammen:

„Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Müdigkeit, Verminderung der Reaktionsbereitschaft, paradoxe Reaktionen wie Erregung und Halluzinationen bei Kindern und älteren Personen, Kopfschmerzen und anticholinerge Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Akkommodationsstörungen, Verstopfung und Harnretention. Selten können Herz-Kreislauf-Reaktionen wie ein tiefer oder hoher Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen auftreten.“

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/panorama/nachricht-detail-panorama/aerztin-rezeptpflicht-fuer-otc-schlafmittel-tv-tipp-rbb-praxis/

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Doxylamin

Kommentar & Ergänzung:

Ohne zu dramatisieren lässt sich der Schluss ziehen, dass Sanalepsi-Tropfen nicht harmlos sind. Will man sie trotzdem einsetzen, dann sollte das  sehr gut überlegt und zeitlich begrenzt geschehen.

Die Kombination mit Baldriantinktur halte ich eher für fragwürdig.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Baldrian gegen Schlafstörungen erst nach zwei Wochen wirksam

Zitat aus einer dpa-Meldung:

„Wer leichte Schlafstörungen natürlich behandeln möchte, braucht etwas Geduld. Baldrian entfaltet seine volle Wirkung erst nach bis zu zwei Wochen, schreibt die Landesapothekerkammer Hessen in einer Mitteilung.

Im Gegensatz zu chemischen Schlaf- und Beruhigungsmitteln mache Baldrian allerdings nicht süchtig.“

Quelle:

https://de.nachrichten.yahoo.com/gegen-schlafstörungen-wirkt-baldrian-nach-etwa-zwei-wochen-030000824.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Schaut man sich die Ergebnisse klinischer Studien an, spricht tatsächlich viel dafür, dass Baldrianpräparate erst nach etwa zwei Wochen besser wirken als Placebo.

Allerdings wurde Baldrianextrakt in den Studien in geruchfreier Form verabreicht (Kapseln, Dragees). Nur so lässt sich die Verblindung gewährleisten, die dafür sorgt, dass die Probanden nicht wissen, ob sie Baldrianextrakt bekommen oder Placebo. Die sichere Verblindung ist ein zentrales Kriterium für die Qualität einer Studie.

Denkbar wäre jedoch, dass die Anwendung als Baldriantee oder Baldriantinktur einen schlaffördernden Effekt über die Duftebene auslöst – und das wäre dann ein rasch eintretender Effekt. Geklärt ist das aber nicht.

Die Empfehlung der Landesapothekerkammer Hessen für eine längerdauernde Anwendung von Baldrian deckt sich mit den Angaben in der Phytotherapie-Fachliteratur, sie widerspricht aber der landläufigen Verwendung in der Bevölkerung. Dort wird Baldrian meistens sehr punktuell eingesetzt, wenn jemand gerade nicht einschlafen kann.

Wer das volle Potenzial von Baldrianpräparaten ausschöpfen will, sollte sich aber die Empfehlungen der Landesapothekerkammer und der Phytotherapie-Fachliteratur zu Herzen nehmen.

Baldrian hilft nicht bei jeder Schlafstörung. Dass er nicht süchtig macht und auch keine erhöhte Sturzgefahr mit sich bringt sind aber beachtenswerte Vorteile.

Siehe dazu:

Schlafmittel: Sturzrisiko auch mit Nicht-Benzodiazepinen

Pflanzliche Schlafmittel: Weder Hang-over noch Entzugssymptome

Phytotherapie: Baldrian bei Schlafstörungen

Baldrian als verträgliche Schlafhilfe für Senioren bestätigt

Schlafmittel begünstigen Stürze älterer Menschen

Süchtig nach Schlafmitteln: Phytotherapie bietet gesunde Alternativen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch