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Naturheilkunde: Bewährte Hausmittel für Kinder

Der österreichische „Kurier“ bricht eine Lanze für bewährte Hausmittel. Dabei kommt auch der Kinderarzt Karl Zwiauer zu Wort. Er ist Vorstand der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde im Universitätsklinikum St. Pölten:

„Mit dem Aufkommen der modernen Medizin – Stichwort Antibiotika – sind viele Hausmittel in Vergessenheit geraten. Jetzt gibt es eine gewisse Rückbesinnung.“

Als Beispiel erwähnt er warme Wickel (z. B. gegen Husten oder Halsschmerzen), welche die Durchblutung verbessern, Regenerationsprozesse anregen und die lokale Abwehr stärken. Da gehe es einem schnell besser. Früher hätten die Ärzte viel rascher Antibiotika verschrieben, heute sei man da konservativer. Der Kinderarzt weist aber auch auf die Grenzen der Hausmittel hin: Bessere sich ein schlechter Zustand von Säuglingen und Kleinkindern nicht innert eines Tages wesentlich, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Bei Heilpflanzen rät Zwiauer zu Präparaten in Arzneibuchqualität (erhältlich in Apotheken und Drogerien): „Da weiß man, was drinnen ist und kann sich auf die Wirkung verlassen.“

Quelle:

https://kurier.at/gesund/warum-jetzt-omas-heilwissen-wieder-in-ist/400309764

 

Kommentar & Ergänzung:

Sehr vernünftiges Statement.

Irgendwie scheint heute nämlich über weite Strecken das richtige Mass abhanden gekommen zu sein. Einerseits gibt es Eltern, die schon mit kleineren Beschwerden ihrer Kinder – zum Beispiel einer normalen Erkältung – überfordert sind und mit den Kleinen zum Arzt oder gleich ins Spital rennen. Ihnen würden wohl bessere Kenntnisse bewährter Hausmittel mehr eigenen Handlungsspielraum verschaffen und mehr Gesundheitskompetenz vermitteln. Andererseits gibt es gerade auch in Kreisen der Alternativmedizin Eltern, die den eigenen Methoden zuviel zutrauen und zu spät ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, wodurch immer wieder auch Kinder zu Tode kommen. Darum ist es wichtig, wie Zwiauer auch auf Grenzen der Selbstbehandlung hinzuweisen.

Ich bin auch mit dem Hinweis einverstanden, bei Heilpflanzen-Präparaten Arzneibuchqualität zu bevorzugen, weil damit ein gewisser Qualitätsstandard gewährleistet ist. Vor allem würde ich keine Heilkräuter und auch sonst keine Arzneimittel via Internet beziehen. Dort werden derart viele Fälschungen angeboten, dass die Sicherheit der Produkte nicht gewährleistet ist.

Eine fundierte Phytotherapie eignet sich im übrigen bestens, um verlorengegangenes Wissen über Hausmittel in erneuerter Form wieder aufzubauen.

Wer sich für fundiertes Heilpflanzen-Wissen für die Anwendung bei Kindern und Erwachsenen interessiert, dem empfehle ich meine Lehrgänge – das Heilpflanzen-Seminar und die Phytotherapie-Ausbildung.

 

 

Was ist Karkade-Tee?

Karkade-Tee wird hergestellt aus den getrockneten Blüten des Hibiscus sabdariffa, einer Pflanze aus der Familie der Malvengewächse (Malvaceae).

Hier ein Foto der getrockneten Blüten auf Wikipedia.

Der Name Karkade bzw. Karkadeh stammt aus der arabischen Sprache. In Deutschland sind die Blüten von Hibiscus sabdariffa auch unter der Bezeichnung Malventee bekannt, was aber ungenau ist, weil verschiedene Malvengewächse als Kräutertee verwendet werden (zum Beispiel die Blüten von Malva silvestris, Grosses Chäslichrut, gegen trockenen Reizhusten).

Karkade-Tee ist als Getränk in Ägypten und im Sudan sehr beliebt und wird heiß oder kalt getrunken.

Bei uns gilt er wegen des säuerlich-fruchtigen Geschmacks kalt getrunken vor allem als Durstlöscher im Sommer.

Die Karkadeblüten enthalten verschiedene Fruchtsäuren, insbesondere Hibiscussäure, Zitronensäure, Äpfelsäure und Weinsäure, ausserdem Ascorbinsäure (Vitamin C).

Interessant aus phytotherapeutischer Sicht ist aber vor allem der hohe Gehalt an Anthocyanen, der für die intensiv rote Farbe des Karkadetees verantwortlich ist.

Anthocyane sind Radikalfänger, wirken also als Antioxidanzien. Sie sollen im Organismus die Sehvorgänge verbessern, entzündungshemmend und gefäßschützend wirken. Allerdings werden sie nur schlecht in den Körper aufgenommen, was ihre Wirksamkeit beschränken dürfte.

Anthocyane sind aber mit Sicherheit ein wertvoller Bestandteil einer vielfältigen Ernährung. Sie kommen als Farbstoff auch in vielen blauen Früchten vor, zum Beispiel in Heidelbeeren, Brombeeren, Aronia-Beeren, Schwarzen Johannisbeeren, Beeren des Schwarzen Holunders.

Im Karkade-Tee sind die Anthocyane sehr wahrscheinlich auch verantwortlich für möglicherweise vorhandene Heilwirkungen.

Kleinere Studien geben nämlich Hinweise darauf, dass die regelmässige Einnahme von Karkade-Tee eine leichte Blutdrucksenkung bewirken könnte.

Sieh dazu:

Karkade-Tee senkt systolischen Blutdruck um 13 mmhg

Forscher aus Taiwan zeigten zudem an Ratten, dass Karkade den Spiegel an LDL-Cholesterin deutlich senkt. Allerdings ist bisher ungeklärt, ob ein solcher Effekt auch bei Menschen auftritt.

Siehe dazu:

Hibiskus: Karkade gegen erhöhtes Cholesterin

Karkadeblüten sind zudem als Farbgeber in vielen Hagebutten-Beuteltees enthalten.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Heilpflanzen bei Hämorrhoiden

Die Zeitung „Kurier“ veröffentlicht einen fundierten Artikel zum Thema:

„Hämorrhoiden: Was wirklich hilft“

Darin bekommen auch Heilpflanzen-Anwendungen einen wichtigen Platz.

Hier die entsprechende Passage:

„Empfohlene Heilpflanzen

Pflanzliche Substanzen werden vor allem in Form von Salben und Cremes zur Linderung von Juckreiz und Schmerzen eingesetzt. Dazu werden meist die ätherischen Öle, die Pflanzenfarbstoffe (Flavonoide) sowie seifenähnliche Inhaltsstoffe (Saponine) verarbeitet. Bei Hämorrhoidalleiden haben sich die Inhaltsstoffe aus Kamille, Ringelblume, Kornblume, Rosskastanie und Asiatischem Wassernabel bewährt. Bäder aus Eichenrinde oder Kamille wirken z.B. entzündungshemmend und stillen den Juckreiz. Zur Pflege der Analhaut eignen sich Mandel- und Jojobaöl.“

Quelle:

https://kurier.at/wellness/haemorrhoiden-das-leiden-ueber-das-keiner-sprechen-moechte/400128260

Kommentar & Ergänzung:

Bei entzündeten Hämorrhoiden ist vor allem das Eichenrinden-Sitzbad wirksam.

Ringelblume und Kamille sind als Bestandteile von Hämorrhoidensalben sinnvoll, Hamamelissalbe würde ich noch als zusätzliche sinnvolle Alternative sehen.

Die Erwähnung von Kornblume kann ich aus der Phytotherapie-Fachliteratur nicht nachvollziehen.

Bei der Rosskastanie würde ich anstelle einer Rosskastaniensalbe darüber nachdenken, ob nicht eine Einnahme von Rosskastanien-Extrakt sinnvoller wäre.

Die Wirksamkeit von innerlich angewendetem Rosskastanien-Extrakt ist zwar bei Hämorrhoidenleiden nicht untersucht worden. Es gibt dazu aber gute Studien für eine Wirksamkeit bei Venenschwäche (Veneninsuffizienz). Weil Hämorrrhoiden zum Venensystem gehören, ist es aber denkbar, dass die Einnahme von Rosskastanien-Extrakt auch günstig bei Hämorrhoiden wirkt.

Bei Hämorrhoiden ist es zudem wichtig, für weichen Stuhlgang zu sorgen. Das lässt sich meistens gut erreichen durch pflanzliche Quellmittel mit Schleimstoffen, zum Beispiel mittels Flohsamen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Zimt zur Vorbeugung von Alzheimer?

T-online publiziert 10 Tipps zur Vorbeugung von Alzheimer. Hier lässt sich gut zeigen, wie locker und auf schwacher Basis solche Tipps oft verteilt werden.

Beispiel:

„Werden Sie verrückt nach Zimt

Auch der Insulinspiegel beeinflusst die Leistung unserer grauen Zellen. Studien haben belegt, dass Zimt den Insulinspiegel stabil halten und so auch Alzheimer vorbeugen kann.

Jean Carper: 100 simple things you can do to prevent alzheimer’s and age-related memory loss“

Quelle:

https://www.t-online.de/gesundheit/

 

Kommentar & Ergänzung:

Ja, bei Zimt gibt es eine kleine Studie aus Pakistan. Sie zeigt, dass 2 Gramm Zimt pro Tag den Blutzucker senken kann. Allerdings könnte es sein, dass bei den Probanden in Pakistan der Blutzuckerspiegel  nicht optimal eingestellt war. Denn in grössere Studien an anderen Orten wirkte Zimt nicht eindeutig besser als ein Scheinmedikament.

Schon die Aussage, dass Studien belegt haben, „dass Zimt den Insulinspiegel stabil halten“ kann, ist gewagt.

Und daraus dann sogleich auf eine vorbeugende Wirkung gegen Alzheimer zu schliessen, ist ausgesprochen fragwürdig. Dafür gibt es keinerlei Anzeichen oder gar Belege.

Die Empfehlung richtet sich zudem nicht an Diabetes-Kranke, sondern an die Allgemeinheit. Ob Zimt bei Gesunden irgendeine positive Wirkung auf den Blutzucker hat, ist ungeklärt.

Zudem wäre für eine Vorbeugung gegen Alzheimer wohl eine Langzeitanwendung über Jahrzehnte nötig. Zwischendurch mal ein paar Prisen Zimt am Milchreis reicht nicht.

Unrealistisch diese Vorstellung. Die Empfehlung ist für die Mülltonne.

Aber vor Alzheimer haben verständlicherweise viele Leute Angst, und so kommen Tipps zur Vorbeugung halt gut an.

Leider ist Vorbeugung hier aber nur sehr begrenzt möglich: Ausgewogene Ernährung, regelmässige Bewegung, soziale Kontakte pflegen, das Gedächtnis brauchen, damit es möglichst lange fit bleibt…..das wär’s dann wohl.

Phytotherapeutisch steht beim Thema Demenz / Alzheimer Ginkgo-Extrakt im Zentrum.

Allerdings konnte auch mit Ginkgo-Extrakt eine vorbeugende Wirkung gegen Demenz / Alzheimer bisher in Studien nicht belegt werden, eine positive Wirkung im Frühstadium der Demenz allerdings schon – aber nur für einen bestimmten Ginkgo-Extrakt.

Weitere Infos zu Zimt & Diabetes:

Zimt bei Diabetes: Zum aktuellen Stand des Wissens

Zimt zur Senkung des Blutzuckers bei Diabetes

Weitere Infos zu Ginkgo und Demenz / Alzheimer:

Ginkgo: Nicht alle Zubereitungsarten sind gleichwertig

S3-Leitlinie Demenzen: Empfehlung für Gingko-Extrakt 

Gingko-Extrakt bei Demenz mindestens acht Wochen lang einnehmen 

Meta-Analyse bestätigt nutzen von Ginkgo-Extrakt bei Alzheimer

 Ginkgo lindert Begleitsymptome bei Demenz

Gem-Studie: Ginkgo biloba ohne kognitiven Effekt – und nun?

 

 Metastudie zeigt: Alzheimer-Kranke können von Ginkgo-Extrakt profitieren

Ginkgo-Studie findet keine vorbeugende Wirkung gegen Demenz

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie/ Pflanzenheilkunde

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Weißdorn zur Arzneipflanze des Jahres 2019 gekürt

Der Weißdorn (Crataegus spec.) wird seit Generationen als Arzneipflanze zur Unterstützung von Herz und Kreislauf eingesetzt. Wegen zahlreicher neuer Erkenntnisse zu den Wirkungen und der Bedeutung für die Pflanzenheilkunde wurde Weißdorn vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2019 gewählt.

 

Reichhaltige Kulturgeschichte des Weißdorns

Sagen und Mythen haben dem Weißdorn schon vor über 1.000 Jahren wundersame Fähigkeiten zugeschrieben. Dornröschen soll durch den Weißdorn in ihren hundertjährigen Schlaf gefallen sein.

Weißdorn galt jedoch auch als Zuhause der guten Feen und war der christlichen Zeit ein Zeichen für Hoffnung. Einer Legende nach soll selbst die Dornenkrone Jesu aus Weißdorn bestanden haben, woher wahrscheinlich die Assoziation mit Leben und Tod stammt.

Weißdorn beeindruckt aber nicht nur mit den zahkreichen Erwähnungen in der Sagenwelt, sondern auch durch die seit Jahrhunderten andauernde medizinische Anwendung und seine damit assoziierte Kraft. So wurden bereits in der Antike Weißdorn-Arten medizinisch genutzt, zum Beispiel gegen Durchfall, Koliken und zur Blutstillung. Verschiedene nordamerikanische Stämme sollen schon die herzschützende Wirkung des Weissdorns gekannt und geschätzt haben. Erste Untersuchungen zur Heilkraft des Weißdorns wurden 1896 in den USA durchgeführt. Gerhard Madaus schreibt in seinem renommierten „Lehrbuch der biologischen Heilmittel“ von 1938:

„Crataegus ist ein ausgezeichnetes Kardiakum [Herzmittel], das als fast unübertreffbar bei beginnender Myokardschwäche, namentlich im Alter und bei akuten Infektionskrankheiten bezeichnet werden kann.“

Ab den 1970er Jahren waren viele Anwendungen für Weißdornextrakt bekannt, wie beispielsweise bei Altersherz, Belastungsherz, Hochdruckherz mit und ohne Schwächeerscheinungen, leichtere Grade von Koronarinsuffizienz, Herzmuskelschwäche nach Infektionskrankheiten, Rhythmusstörungen, Durchblutungsstörungen des Gehirns und Herzinfarkt (Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis, 1973). 1994 wurden dann auf der Grundlage vorliegender wissenschaftlicher Daten für Weißdornblätter mit Blüten von der für Arzneipflanzen zuständigen Kommission E des damaligen Bundesgesundheitsamtes das Anwendungsgebiet der nachlassenden Leistungsfähigkeit des Herzens entsprechend Stadium II nach NYHA festgelegt.

Weißdornextrakt als traditionelles Arzneimittel zugelassen

Die deutsche Zulassungsbehörde stufte Weissdornblätter mit Blüten im Jahr 2016 aufgrund der langjährigen Erfahrungen, der Unbedenklichkeit und der guten Verträglichkeit des Wirkstoffes als traditionelles pflanzliches Arzneimittel ein.

Gründend auf langjähriger Erfahrung können Weißdornblätter mit Blüten auch bei zeitweilig auftretenden nervösen Herzbeschwerden (z. B. Herzklopfen, durch Ängste ausgelöste Extrasystolen) angewendet werden, wenn ärztlicherseits eine ernsthafte Erkrankung ausgeschlossen wurde. Befürwortet wird zudem der Einsatz bei leichten Symptomen von Stress und als Schlafhilfe. Auf Grund der bekannten Wirkungen könnte der Weißdornextrakt nicht nur bei funktionellen (nicht organisch bedingten) Herzbeschwerden, sondern gerade auch bei ersten Anzeichen einer Herzinsuffizienz und zur Vorbeugung einer Herzschwäche sinnvoll eingesetzt werden. Für die Herstellung von Arzneimitteln aus Weißdorn werden die Blätter zusammen mit den leuchtend-weißen Blüten der Weißdornsträucher oder -bäume verwendet. Sie enthalten wichtige sekundäre Pflanzenstoffe, wie die oligomeren Procyanidine, die für die Wirkung zuständig sind. In Mitteleuropa sind mehrere Arten des Weißdorns heimisch, darunter auch der Eingriffelige Weissdorn (Crataegus monogyna Jacq.) und der Zweigriffelige Weißdorn (Crataegus laevigata(Poir.) DC), die beide zur Herstellung von pflanzlichen Arzneimitteln (Phytopharmaka) verwendet werden.

Vielfältige Wirkungen von Weißdorn auf Herz und Blutgefäße

Eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen hat in den letzten Jahrzehnten gezeigt, wie Weißdornextrakt die Herz- und Kreislauffunktion unterstützt. Die pflanzlichen Wirkstoffe wirken sich positiv auf die Pumpkraft des Herzens aus. Die Durchblutung der Herzkranzgefäße und des Herzmuskels wird erhöht, indem die Produktion des gefäßerweiternden Botenstoffs Stickstoffmonoxid (NO) angeregt und dessen Abbau gehemmt wird. Durch die Verbesserung der Kontraktionskraft des Herzens, die Verbesserung der Erregungsleitung und die Steigerung der Reizschwelle kann Weißdornextrakt zudem vor Herzrhythmusstörungen schützen. Ebenso kann der Extrakt aus Weißdornblättern mit Blüten die Blutgefäße elastisch halten und dadurch dem altersbedingten Verlust der Elastizität der Arterien entgegen wirken. Auch werden die krankheitsbedingten Störungen der Endothelfunktion (Endothel = Gefäßinnenwand der Blutgefäße) reduziert und der periphere Gefäßwiderstand vermindert. Es kommt zu einer Verbesserung der Belastbarkeit und Kurzatmigkeit bei Belastung tritt später ein. Durch aktuelle Untersuchungen liess sich zeigen, dass die Lebensqualität von Patienten unter Einnahme von Weißdornextrakt sich verbesserte und die körperliche Leistungsfähigkeit zunahm (Härtel et al., 2014).

Literatur

  1. Gündling PW: Weißdorn – neue Erkenntnisse zu einer alten Heilpflanze. Ein Multitalent für Herz und Kreislauf. EHK 2017; 66: 208-214.
  2. Härtel S, Kutzner C, Burkart M, Bös K: Einfluss von Training und Crataegus-Extrakt WS 1442 auf körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität bei leichter Herzinsuffizienz – eine randomisierte kontrollierte Studie. Z Phytother 2012 (Suppl 1): 17.
  3. Härtel S, Kutzner C, Westphal E et al.: Effects of endurance exercise training and Crataegus extract WS®_1442 in patients with heart failure with preserved ejection fraction – a randomized controlled trial. Sports 2014; 2(3): 59–75.
  4. Hagers Handbuch der pharmazeutischen Praxis. Vollständige (vierte) Neuausgabe, hersg. von P.H. List und L. Hörhammer, Springer-Verlag Berlin, Heidelberg, New York, Bd. 4 1973: 330.
  5. Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC): European Union herbal monograph on Crataegus spp., folium cum flore. EMA/HMPC/159075/2014. 5 April 2016.
  6. Holubarsch CJF, Colucci WS, Eha J: Benefit-risk assessment of Crataegus extract WS 1442: An evidence-based review. Am J Cardiovasc Drugs 2018; 18: 25-36.
  7. Madaus G: Lehrbuch der biologischen Heilmittel, Thieme-Verlag Leipzig 1938, S. 1119.
  8. Pittler MH, Guo R, Ernst E: Hawthorn extract for treating chronic heart failure. Cochrane Database Syst Rev. 2008; (1): CD005312.
  9. Wegener T. et al.: Stellenwert von Weißdornextrakt in der hausärztlichen Praxis – eine aktuelle Standortbestimmung. MMW-Fortschritte der Medizin 2018; 160 (54): 1-7.

    Foto: Copyright (iStock) – das Foto ist für die Aktion Weißdorn als Arzneipflanze des Jahres 2019 freigegeben.

Quelle:

Medienmitteilung Interdisziplinärer Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg.

 

Kommentar & Ergänzung:

Weissdorn ist die wichtigste Heilpflanze der Phytotherapie für das Herz.

Weissdorn ist gut verträglich und eignet sich für Langzeitanwendung.

Weissdorntee und Weissdornextrakt sollten mindestens über einen Zeitraum von 3 Monaten regelmässig angewandt werden.

Weissdorn ist vielfältig wissenschaftlich untersucht worden, wobei bei einigen dieser Forschungsergebnisse nicht so ganz klar ist, wie weit sie über die experimentelle Situation hinaus auch für Patienten in der Praxis klinisch relevant sind. Das drückt sich auch darin aus, dass die Zulassung nur als „traditionell“ (Kategorie „traditional use“) und nicht als wissenschaftlich belegt (Kategorie „well-established use“ = anerkannte medizinische Wirkung und akzeptierte Unbedenklichkeit) möglich wurde. Das ist etwas enttäuschen. Es ist aber immer schwierig, milde Wirkungen in einer Studie statistisch sicher zu belegen, nur schon, weil dazu grosse Probandenzahlen nötig sind.

Wie in der Medienmitteilung erwähnt, werden vom Weissdorn für die Herstellung pflanzlicher Arzneimitttel in der Regel die Blätter und Blüten gemischt verwendet. Die Weissdornfrüchte enthalten aber auch Wirkstoffe (oligomere Procyanidine und Flavonoide) und kommen gelegentlich auch in Präparaten zum Einsatz, zum Beispiel für Weissdorntinktur).

Weißdornfrüchte sind roh essbar, schmecken säuerlich-süß, sind jedoch sehr mehlig. Sie lassen sich zu Kompott oder Gelee verarbeitet und eignen sich dabei auch zum Mischen mit anderen Früchten, weil sie gut gelieren.

Weissdorn ist aber auch ein wertvoller Strauch oder Baum für die Tierwelt. Vögel fressen im Herbst sehr gerne die leuchtend roten Früchte, und für Insekten ist der Weissdorn eine wichtige Nahrungsquelle, zum Beispiel als Futterpflanze für 54 verschiedene Schmetterlingsraupen-Arten. Weissdorn eignet sich daher sehr gut als einheimischer Strauch in Hecken.

Zu beachten ist dabei aber, dass Weissdorn den Feuerbrand übertragen kann, eine gefährliche, durch das Bakterium Erwinia amylovora verursachte Pflanzenkrankheit, die vor allem Kernobstgewächse befällt und sich seuchenartig schnell ausbreiten kann. Deshalb wird für die ganze Schweiz empfohlen, in definierten Schutzobjekten (Hochstammobstgärten, Baumschulen, Obstanlagen und andere definierte Objekte) in im Umkreis von 500 m darum herum auf das Anpflanzen von Weissdorn-Arten zu verzichten.

Dieser Empfehlung liegt ein Konses zugrunde zwischen schweizerischen Natur- und Vogelschutzverbänden, dem BAFU und dem Eidgenössischen und Kantonalen Pflanzenschutzdienst.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

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Bewegung reduziert Risiko für schwere Schlaganfälle

Menschen, die sich regelmäßig bewegen, haben ein geringeres Risiko für schwere Schlaganfälle als körperlich Inaktive. Dazu sind keine sportlichen Höchstleistungen nötig: Eine halbe Stunde Spazierengehen am Tag reicht für eine Halbierung des Risikos.

Körperliche Bewegung reduziert bekanntermaßen das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Doch wenn es trotzdem zum Schlaganfall kommt, sind Aktive auch besser dran als Bewegungsmuffel. Zu diesem Ergebniss kommen schwedische Wissenschaftler in einer Studie, die im Fachjournal »Neurology« publiziert wurde. Das Team um Dr. Malin Reinholdsson von der Sahlgrenska Universität in Göteborg untersuchte dazu 925 Patienten, die zwischen 2014 und 2016 an der dortigen Universitätsklinik aufgrund eines erstmaligen Schlaganfalls behandelt worden waren. Die Patienten lieferten den Forschern dabei Angaben zu Art und Umfang ihrer körperlichen Aktivität vor dem Schlaganfall. Dies korrelierten die Wissenschaftler mit der Schwere der Symptome.

Es zeigte sich dabei, dass bereits leichte körperliche Aktivität – zum Beispiel vier Stunden Spazierengehen pro Woche – verglichen mit körperlicher Inaktivität einen nennenswerten Schutz vor schweren Schlaganfällen bot. Das traf ebenso zu für moderate körperliche Aktivität, zwei bis drei Stunden Joggen oder Schwimmen in der Woche. In beiden Aktivitätsgruppen lag der Anteil der Patienten mit einem schweren Schlaganfall bei 3 Prozent, bei den Inaktiven war er dagegen mit 6 Prozent doppelt so hoch.

»Einmal eine halbe Stunde oder zweimal eine Viertelstunde Spazierengehen am Tag reicht aus, um das Risiko für einen schweren Schlaganfall zu senken«, schreibt Seniorautorin Professor Dr. Katharina Stibrant Sunnerhagen in einer Mitteilung der Universität. Sie unterstreicht, dass die Schwere eines Schlaganfalls entscheidend dafür ist, wie rasch sich ein Patient davon wieder erholt. Nach einem milden Schlaganfall müsse ein Patient vielleicht eine Woche im Krankenhaus bleiben, könne dann die Reha zu Hause fortsetzen und habe gute Chancen, in sein normales Leben und auch die Arbeit zurückzukehren. Nach einem schweren Schlaganfall müssen die Betroffenen deutlich länger stationär behandelt werden und anschließend unter Umständen ins Pflegeheim.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/dem-schlaganfall-davonspazieren/

DOI: 10.1212/WNL.0000000000006354

 

Kommentar & Ergänzung:

Bewegung ist vielfältig vorbeugend und gesunderhaltend. Dabei zeigt sich in Studien immer wieder, dass es dabei nicht auf körperliche Höchstleistungen ankommt, sondern mehr um moderate, aber regelmässige Bewegung. Schon leichte Bewegung verbessert zum Beispiel das Gedächtnis im Alter.

Bewegung ist ein traditionelles Grundprinzip der Naturheilkunde und eine Säule im 5-Säulen-Modell nach Kneipp (neben Heilpflanzen-Anwendungen, Ernährung, Hydrotherapie, Lebensordnung).

Bezüglich Schlaganfall gibt es auch Hinweise, das sich das Risiko auch über die Ernährung ein Stück weit beeinflussen lässt. Einen vollständigen Schutz kann man allerdings nicht erwarten.

Siehe auch:

Fischölkapseln schützen nicht vor Herzinfarkt und Schlaganfall

Kaffeegenuss in Massen reduziert Schlaganfallrisiko

Zitrusfrüchte gegen Schlaganfall

Kann Olivenöl Schlaganfällen vorbeugen?

Weisses Obst und Gemüse schützt vor Schlaganfällen

Grüntee und Schwarztee: Schutz vor Schlaganfall?

Man muss aber leider auch sagen, dass viele dieser Ernährungsstudien von begrenzter Aussagekraft sind und eher Hinweise liefern als sichere Belege.

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Kann man Vogelbeeren essen?

Der Vogelbeerbaum (Eberesche, Sorbus aucuparia) fällt im Herbst auf durch seine leuchtend orange-roten Früchte. Sie werden oft als giftig angesehen, was aber nicht richtig ist. Die Beeren sind roh wenig schmackhaft und enthalten Parasorbinsäure, die zu Magenproblemen führen kann. Durch Kochen wird die Parasorbinsäure in Sorbinsäure umgewandelt, die gut verträglich ist. Gekochte Beeren können deshalb auch in größeren Mengen gegessen werden.

Durch die ersten Fröste wird die Parasorbinsäure ebenfalls zu Sorbinsäure abgebaut, wodurch die Früchte ihren bitteren Geschmack verlieren und leicht süßlich werden.

Es empfiehlt sich jedoch, die Beeren vor dem Verzehr zu kochen. Auf diese Art bekömmlich gemacht, sind sie vielseitig einsetzbar und schmecken als Konfitüre, Kompott, Sirup, Chuttney oder auch in Gebäck.

Vogelbeerschnaps hat in einigen Regionen Österreichs eine lange Tradition, so in Tirol, in der Region Salzburg und in der Steiermark. Beim Destillieren wird die Parasorbinsäure durch das Erhitzen vollständig abgebaut.

Sorbinsäure (E 200) wird übrigens als Konservierungsmittel für Lebensmittel verwendet.

Im „keltischen Baumkreis“ (keltischen Baumhoroskop) gehört die Eberesche zu den Lebensbäumen. Allerdings ist der keltische Baumkreis eine freie Erfindung des keltischen Neopaganismus (siehe dazu Wikipedia) aus dem 20. Jahhundert und hat mit den Kelten nichts zu tun.

Die Eberesche ist eine gute Nahrungsquelle für Vögel, Insekten und Säugetiere. Die Früchte wurden früher zur Schweinemast verwendet, was zum Namen Eberesche geführt haben könnte (Eber = das männliche Schwein). Wahrscheinlicher kommt der Name aber davon, dass die Blätter der Eberesche denjenigen der Gemeinen Esche (Fraxinus excelsior) ähneln, obwohl die beiden Pflanzenarten nicht verwandt sind.

Der Name Vogelbeeren stammt daher, dass die roten Beeren früher häufig als Köder beim Vogelfang eingesetzt wurden.

Weitere Infos auch zur Bedeutung der Vogelbeeren für die Tierwelt hier:

Sind Vogelbeeren giftig?

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Krebstherapie: Bittere Aprikosenkerne, Amygdalin, „Vitamin B17“ – unwirksam und in höheren Dosen giftig

Erneute Warnung vor Bitteren Aprikosenkernen als untaugliches Mittel zur alternativen Krebstherapie. Sie werden schon seit langem in der Alternativmedizin als Krebsheilmittel propagiert, auch unter dem Namen Amygdalin, Laetrile  oder „Vitamin B17“.

Bittere Aprikosenkerne enthalten einen relativ hohen Gehalt an Amygdalin. Von diesem cyanogenen Glycosid spaltet sich während der Verdauung hochgiftige Blausäure ab. Bei Einnahme grösserer Mengen besteht das Risiko einer Blausäurevergiftung.

Bittere Aprikosenkerne werden hauptsächlich zur alternativen Krebsbehandlung angepriesen. Es gibt aber bisher keine wissenschaftlichen Belege zur vorbeugenden oder heilenden Wirksamkeit bei Krebs. Amygdalin ist als giftige Substanz ohne Effekte bei der Krebstherapie einzustufen.

Von der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA, vom deutschen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM und von Tox Info Suisse wurden schon mehrere Warnhinweise veröffentlicht.

Gemäss ToxInfoSuisse wird Verbrauchern dringend empfohlen, wenn überhaupt maximal ein bis zwei bittere Aprikosenkerne täglich zu essen oder besser ganz darauf zu verzichten. Gemäss EFSA sollen Erwachsene nicht mehr als 1 grossen oder 3 kleine bittere Aprikosenkerne einnehmen. Bei kleinen Kindern ist die Menge auf maximal einen halben kleinen Aprikosenkern limitiert.

Arzneimittel mit Amygdalin oder seinen Derivaten (Mandelonitril oder Amygdalonitril, Laetrile) sind weder in der Schweiz noch in den Nachbarländern zugelassen und als bedenklich einzustufen. Trotzdem werden sie seit einiger Zeit wieder vermehrt – auch unter der irreführenden Bezeichnung „Vitamin B17“ – als alternatives Heilmittel in der Krebstherapie und zur Tumorvorbeugung beworben und eingesetzt.

Literatur:

_ANSES: Amandes d’abricot : un risque d’intoxication au cyanure, 27.07.2018

_Tox Info Suisse: Gefahr durch bittere Aprikosenkerne: die Menge macht‘s, 12.02.2015

_BfArM Bulletin zur Arzneimittelsicherheit, Ausgabe 3 – September 2014

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5144&NMID=5144&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Warnungen erreichen allerdings diejenigen Leute kaum, die von der Wirksamkeit Bitterer Aprikosenkerne überzeugt sind. Es gibt da eine „Szene“, die für Argumente nicht mehr offen ist.

Das kann tödlich enden, wie in diesem Beispiel:

Alternativmedizin bei Krebs – gefährliche Esoterik

Aprikosenkerne gegen Krebs (Video)

Oder es kann zu Vergiftungen führen:

Aprikosen-Extrakt: Mann erleidet Zyanid-Vergiftung durch Alternativmedizin

Hier gibt es weitere Infos:

Unsinnige Krebstherapie: Bittere Aprikosenkerne

 

Amygdalin / “Vitamin B17” als angebliches Krebsmittel: alt, unwirksam und wieder aktuell

 

Alternative Krebstherapie mit Amygdalin: Bittere Aprikosenkerne / “Vitamin B17” – unwirksam und toxisch

 

Ausführlichere Informationen auf Onkopedia.

Die Anpreiser dieser Methode berufen sich meist nur auf vollkommen unkontrollierte Anekdoten und verschanzen sich dann zum Beispiel hinter Sprüchen wie: Wer heilt hat recht!

Das aber ist ein irreführender Kurzschluss.

Siehe:

Komentärmedizin: Wer heilt hat Recht? (1)

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht? (2)

 

Naturheilkunde: Sorgfältig prüfen lernen

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Naturheilkunde: Woran erkennen Sie fragwürdige Aussagen

Komplementärmedizin: Mehr Argumente – weniger fraglose Gläubigkei

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Hausmittel bei Schnupfen und Halsschmerzen

Das Magazin „Stern“ berichtet über „natürliche Medizin“ in einem Artikel mit dem Titel:

„Diese Hausmittel helfen gegen Erkältung.“

Leider kommt der Text ungenau und etwas willkürlich daher. Aber schauen wir uns eine Passage detaillierter an:

„Die Naturapotheke hat einiges im Angebot: Läuft die Nase, können Tabletten oder Lösungen von Echinacea, Thuja, Eupatorium oder Kamille helfen. Bei Halsschmerzen bieten sich Wilde Malve, Salbei, Eibisch, Echte Kamille, Arnika, Tausendgüldenkraut und Enzian zum Gurgeln an.“

Quelle:

https://www.stern.de/gesundheit/grippe/therapie/erkaeltung—die-besten-hausmittel-3215640.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Schnupfen:

Echinacea (Sonnenhut), Eupatorium (Wasserdost) und Thujawerden als Immunstimulanzien eingesetzt. Wenn die Nase läuft, ist es dafür allerdings meist schon zu spät. Wenn akute angewendet, dann bei den allerersten Symptomen. Am besten untersucht ist Echinacea, wobei die Ergebnisse immer noch nicht eindeutig sind.

Thuja (Abendländischer Lebensbaum, Thuja occidentalis) wird phytotherapeutisch selten angewendet, dann aber in genau dosierbaren Extrakten (in Esperitox Präparaten), die auf einen bestimmten Gehalt an Inhaltsstoffen eingestellt sind. Thuja ist nämlich eine Giftpflanze. Das sollte meines Erachtens in einem solchen Text erwähnt werden, damit nicht irgendwer auf die Idee kommt, einen Kräutertee aus Thuja zu brauen. Thuja enthält ein ätherisches Öl mit dem Hauptbestandteil Thujon.

Nach der Einnahme giftiger Pflanzenbestandteile kann es zu Schleimhautreizungen kommen und zu Magen-Darm-Beschwerden mit Übelkeit, Brechreiz, Blähungen und Durchfall. In seltenen Fällen traten Schäden an Nieren und Leber sowie Krampfanfälle auf. Bei Tieren kann der Verzehr zum Tod führen. Zu Vergiftungen kommt es insbesondere, wenn Heckenschnitt mit Thuja auf Weideplätzen entsorgt wird.

Thuja wird in Europa häufig angepflanzt, hauptsächlich als zypressenähnlicher Baum auf Friedhöfen und als ganzjährig blickdichte Hecke in Gartenumfriedungen.

Äusserlich wird Thuja-Tinktur aufgrund der hautreizenden Wirkung manchmal punktuell gegen Warzen eingesetzt. Dabei kann es aber auch zu unerwünschten Hautirritationen kommen.

Da Thuja in der Homöopathie als wichtiges Mittel gilt, wird es gerne als Globuli verabreicht. Weil dann die Ausgangssubstanzen in der Regel mindestens 1: 1 000 000 mal verdünnt werden, sind keine Inhaltsstoffe mehr vorhanden, die toxisch wirken könnten. Eine Wirksamkeit ist aber wie bei allen Homöopathika nicht belegt.

Kamille (Matricaria recutita) kann sinnvoll sein bei Schnupfen, doch fehlt hier der Hinweis, dass die Pflanze am besten als Inhalation angewendet wird. Kamillentee ist sinnlos bei Schupfen.

 

Halsschmerzen:

Wilde Malve (Malva silvestris) und Eibisch (Althaea officinalis) enthalten Schleimstoffe, die bei Halsschmerzen reizlindernd und schützend auf Schleimhäute wirken können. Ihnen fehlen aber Eigenschaften, die bei Halsschmerzen wichtig sind, nämlich antimikrobielle Wirkungen, wie sie Salbei zeigt, und direkt entzündungswidrige Wirkungen, wie sie Kamille entfaltet.

Salbei (Salvia officinalis) vereinigt antimikrobielle Wirkungen (durch ätherisches Salbeiöl) und entzündungswidrige Wirkungen (durch Lamiaceen-Gerbstoffe).

Arnika  (Arnica montana) ist eher unüblich bei Halsschmerzen, aber wegen entzündungswidrignen Effekten nicht unplausibel.

Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea) und Enzian (Gentiana lutea) enthalten vor allem Bitterstoffe, die bei verschiedenen Verdauungsstörungen eingesetzt werden. Ihre Anwendung bei Halsschmerzen ist unplausibel und durch die Phytotherapie-Fachliteratur nicht gedeckt.

Die Berichterstattung über Anwendungsmöglichkeiten und Wirkungen von Heilpflanzen in den Medien ist von sehr unterschiedlicher Qualität und mehrheitlich fragwürdig.

Erwerben Sie sich eigenes und fundiertes Wissen. zum Beispiel in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Ruediger Dahlke überzeugt nicht als Kokosöl-Verteidiger

Kokosöl wird als Superfood vermarktet, dem eine ganze Reihe von wunderbaren Eigenschaften zugeschrieben  wird. Unter anderem soll es gegen Alzheimer wirken.

Dass es für diese Versprechungen keinerlei Belege gibt und Kokosöl im Gegenteil sogar die Gesundheit schädigen kann, hat eine Medizin-Professorin der Universität Freiburg in einem Vortrag dargelegt.

In ihrem Vortrag bezeichnete Prof. Karin Michels Kokosöl als „schlimmer als Schweineschmalz und als reines Gift“. Der Vortrag und das Video auf YouTube stiessen auf grosse Resonanz, aber auch auf heftige Kritik der „Kokosöl-Gemeinde“.

Für die zugespitzte Formulierung hat sich die Direktorin des Instituts für Prävention und Tumorepidemiologie am Uniklinikum Freiburg später entschuldigt, inhaltlich aber an ihrer Kritik festgehalten.

Im Magazin „Spuren“ hat der Fastenarzt und fragwürdige Esoteriker Ruediger Dahlke wiederum das Kokosöl verteidigt und Karin Michels heftig kritisiert. Er liefert damit ein bemerkenswertes Beispiel für miserable Argumentation. Ich gehe nur auf die ersten paar Sätze ein, weil eine umfassende Auseinandersetzung den Rahmen hier sprengen würde. Dahlke schreibt:

„Dass immer wieder Schulmediziner auf den alten Irrtümern beharren, ist nichts Neues, aber dieser Versuch ist doch ziemlich populär geworden. Wie gut es den Menschen auf Bali, in den Philippinen, in Thailand und in allen Ländern, wo viel Kokosöl konsumiert wird, geht, ignoriert Prof. Karen Michels. Wie schlank und fit diese Leute mit diesem Öl bleiben, ist ihr offenbar entgangen.

Ausserdem ignoriert sie die guten Erfahrungen, welche die US-Ärztin Mary Newport in der Behandlung ihres an Alzheimer erkrankten Mannes machte und im Buch Alzheimer vorbeugen und behandeln (VAK Verlag, Freiburg 2014) dokumentierte. Sie holte ihren Mann mittels mittelkettiger Fettsäuren, wie sie im Kokosöl enthalten sind, aus der Demenz zurück.“

Quelle:

https://spuren.ch/content/single-ansicht-news/datum////fette-vorurteile.html
Kommentar:

Schon der erste Satz ist fragwürdig: Man aktiviere einleitend das bewährte Feindbild „Schulmedizin“, dann hat man die Lesenden schon mal auf seiner Seite.

Aber schauen wir uns die eigentliche Argumentation an:

„Wie gut es den Menschen auf Bali, in den Philippinen, in Thailand und in allen Ländern, wo viel Kokosöl konsumiert wird, geht, ignoriert Prof. Karen Michels. Wie schlank und fit diese Leute mit diesem Öl bleiben, ist ihr offenbar entgangen.“

Dahlke weist also darauf hin, dass es den Menschen in Ländern, in denen viel Kokosöl konsumiert wird, „gut“ geht. Unklar bleibt, was unter „gut“ hier verstanden wird, und Dahlke geht offenbar fraglos davon aus, dass Kokosöl für dieses „gut gehen“ verantwortlich ist.

Ein abenteuerlicher Kurzschluss, der übersieht, dass eine ganze Reihe von Einflüssen für „gut gehen“ verantwortlich sein kann.

Und in diesen Ländern sollen die Menschen offen besonders schlank und fit bleiben. Auch hier wird das umstandslos dem Kokosöl gut geschrieben. Eine vollkommen willkürliche Argumentation.

Wer so schlampig und eindimensional argumentiert, könnte auch die tiefere Lebenserwartung in Thailand (74,7 Jahre) gegenüber der Schweiz (82, 6 Jahre) auf den höheren Kokosöl-Konsum in Thailand zurückführen (Quelle: Wikipedia)

Und sind die Menschen zum Beispiel auf den Philippinen tatsächlich so fit, wie Ruediger Dahlke es darstellt? Daran kann mit Fug und Recht gezweifelt werden:

„Jede Minute sterben neun Menschen an Herzkrankheiten. Das ist auch auf ungesunde Ernährung zurückzuführen. Der traditionelle Speiseplan aus Gemüse, Fisch und nur wenig Fleisch ist gerade in den Städten durch vorverarbeitete Lebensmittel, ungesunde Fertigkost und fettere Speisen ‚ergänzt’ beziehungsweise verdrängt worden. Außerdem nimmt der Stress durch den wachsenden Leistungsdruck und das ‚moderne Leben’ zu….

Offiziellen Gesundheitsindikatoren zufolge hat sich die Gesundheitssituation in den Philippinen in den letzten Jahren verbessert. Die Lebenserwartung ist von 1970 bis 2009 um zehn Jahre gestiegen, von 58 auf 71 Jahre. Nur: In vielen vergleichbaren Ländern hat sich die Situation im gleichen Zeitraum um einiges mehr gebessert. Und: Selbst wenn sie sich leicht gebessert hat, ist sie generell weiterhin als katastrophal zu bezeichnen. Denn einer prozentualen Abnahme steht eine Zunahme in absoluten Zahlen entgegen – des Bevölkerungswachstums wegen.“

Quelle:

http://vernetzte-er.de/dev/index.php?option=com_content&view=article&id=29&Itemid=46

 

Zur Gesundheit in Thailand schreibt Wikipedia:

„Herausforderungen, denen sich das Gesundheitssystem Thailands gegenübersieht, sind neue Epidemien wie die Vogelgrippe H5N1 oder Wohlstandskrankheiten wie Fettleibigkeit.“

Warum also stellt Ruediger Dahlke die Situation so verzerrt dar? Wohl weil es so besser zu seiner Kokosöl-Vorstellung und seinem Weltbild passt?

Dann verweist Dahlke auf die Erfahrungen der US-Ärztin Mary Newport, die ihren Mann mit Kokosöl aus der Demenz zurück geholt haben soll. Grundsätzlich lässt sich mit einer solchen anekdotischen Einzelfallschilderung nie Wirksamkeit begründen. Auch hier können weitere Faktoren mitgewirkt haben. Zudem kann Alzheimer einen wechselhaften Verlauf mit Verschlechterungen und Verbesserungen zeigen. Besserungsphasen werden dann gerne einem gerade zeitgleich verabreichten Mittel wie hier den Kokosöl zugeschrieben, während sie eigentlich nur den natürlichen Verlauf zeigen. Und wenn Dahlke schreibt, dass Mary Newport ihren Mann mittels Kokosöl aus der Demenz zurückgeholt hat, dann lässt er weg, dass Steven Jerry Newport 2016 an Demenz gestorben ist. Aber es würde natürlich den Reiz der Story stören, wenn man das erwähnen würde…..

Weitere Informationen zum angeblichen Superfood Kokosöl gibt es hier bei der Verbraucherzentrale Hamburg:

Inzwischen haben auch eine Reihe von Fachleuten zur Debatte um Kokosöl Stellung genommen.

Die Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl, die Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), sagte der Nachrichtenagentur dpa, Kokosöl enthalte viele gesättigte Fettsäuren, die eine Gesundheitsgefahr darstellten und unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigerten. Kokosöl habe zu Unrecht ein positives Image, erklärte Gahl. Die Aussagen von Michels seien pointiert, in der Sache seien sie jedoch korrekt. Mehrere internationale Studien belegen laut Gahl das Gesundheitsrisiko, das von Kokosöl ausgeht. Wer Kokosöl gelegentlich zum Kochen nutze, müsse sich keine Sorgen machen, sagte die Ernährungswissenschaftlerin. Häufig verwendet, sei es aber schädlich. Schlicht falsch seien die Versprechungen der Werbung, dass Kokosöl beim Abnehmen helfe.

Besser als Kokosöl seien Pflanzenöle wie zum Beispiel Rapsöl, Sojaöl, Olivenöl, Sonnenblumenöl oder Leinöl. Sie enthalten ungesättigte Fettsäuren und gelten daher als weniger bedenklich. Ungesättigte Fettsäuren seien gut für Herz und Kreislauf des Menschen, sagt Gahl.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=78234

 

Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ sprach mit der Wiener Ernährungsexpertin Ingrid Kiefer über Kokosöl.

Die Ernährungswissenschafterin und Leiterin des Fachbereichs Risikokommunikation der Agentur für Ernährungs- und Lebensmittelsicherheit (Ages) sagt zu den Versprechungen, mit Kokosöl könne man leichter abnehmen oder es helfe gar gegen Demenz und Alzheimer:  “Das ist wissenschaftlich absolut nicht belegt, dazu gibt es keine seriösen Studien.”

Kokosöl sei tatsächlich von allen tierischen und pflanzlichen Ölen jenes, das den höchsten Gehalt an gesättigten Fettsäuren habe – er liege bei 90 Prozent, im Vergleich dazu enthalte Butter knapp unter 70 und Schweineschmalz 41 Prozent.

Kiefer lässt nur einen Vorteil von Kokosöl gelten: “Es ist beim Anbraten und Backen hitzestabil, weil der Schmelzpunkt niedrig und der Rauchpunkt hoch ist.” Diesen Vorteil haben allerdings auch andere, gesündere Öle. Als gesündere Alternative zum Erhitzen raten die Experten etwa zu Olivenäl, Rapsöl oder Erdnussöl.

Jürgen König, Leiter des Departments für Ernährungswissenschaften an der Universität Wien, sagt dem “Standard“: “Ich verstehen den Hype um das Kokosöl nicht. Ihm werden positive Eigenschaften zugeschrieben, die mir nicht verständlich sind. Es enthält viele gesättigte Fettsäuren, von deren Konsum wir eher abraten.” Eine bessere Alternative zu anderen pflanzlichen Ölen sei Kokosöl deshalb nicht.

König sagt aber auch, dass weder Kokosöl noch Schweineschmalz ein Gift ist und dass es immer um die Menge gehe:  “Es schmeckt halt, deshalb ist es völlig legitim, Kokosöl in die Ernährung einzubauen. Abwechslung ist schließlich gut. Wenn sich der Konsum in Grenzen hält, ist der Genuss von Kokosöl genauso in Ordnung wie der von Schweineschmalz.”

Quelle:

https://derstandard.at/2000085910930/Ernaehrungsexperte-Kokosoel-ist-kein-Gift-Schmalz-auch-nicht

Kokosöl oft mit schlechter Ökobilanz

Auch aus Sicht des Naturschutzes ist Kokosöl fragwürdig. Es hat wegen langer Lieferwege und oft fragwürdiger Anbaumethoden eine schlechte Öko-Bilanz. Darauf weist Ilka Petersen hin, Referentin Landnutzung und nachhaltige Biomasse bei der Umweltorganisation WWF Deutschland. Ökologische und soziale Mindeststandards würden beim Anbau kaum eingehalten und der Handel setze Kokosbauern zunehmend unter Druck. Diese könnten von ihren Erträgen trotz gestiegener Nachfrage kaum leben, der Großteil der Gewinne gehe an die vielen Zwischenhändler der Branche. Ilka Petersen fordert, dass die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen für die Bauern dringend verbessert werden.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=78234

 

Diese Stellungnahmen von Fachleuten zeigen meines Erachtens deutlich, wie fragwürdig die Argumentation von Ruediger Dahlke daher kommt.  Der Esoterik-Autor und das spirituelle „Spuren“-Magazin bewirtschaften hier schlicht und einfach das plumpe Feindbild „Schulmedizin“. Diese Feindbild-Bewirtschaftung ist ja eigentlich nicht so ganz kompatibel mit dem Weltbild, das sie sonst so predigen – aber was solls: Wenn man eine genügend unkritische Fangemeinde hat, mit der man diese Feindbilder teilt, dann wird der Widerspruch nicht zum Thema werden. Fundierte Argumente haben dann keine Bedeutung mehr.

Auch predigen genau diese Kreise stets von Ganzheitlichkeit, führen hier jedoch “gut gehen” und “fit sein” der Menschen zum Beispiel auf den Philippinen, aber auch die Heilung von Alzheimer eindimensional und monokausal auf Kokosöl zurück.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe.

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse.

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse.

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch