Beiträge

Sind Edelkastanie und Rosskastanie verwandt?

Nein, Edelkastanie und Rosskastanie sind nicht verwandt und zeigen grosse Unterschiede. Hier dazu etwas mehr:

Edelkastanie (= Esskastanie, = Marroni; Castanea sativa)

Die Edelkastanie gehört zur Familie der Buchengewächse und gedeiht bei uns vor allem in den eher wärmeren Regionen, in der Schweiz natürlich insbesondere im Kanton Tessin. Die Früchte der Edelkastanie werden als Marroni geröstet und zu Vermicelles verarbeitet. Botanisch handelt es sich bei den Edelkastanien-Früchten um echte Nüsse.

Im Tessin war die Edelkastanie über Jahrhunderte hinweg ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Sie sind reich an Stärke und arm an Fett.

100 Gramm Edelkastanien enthalten nur 2 Gramm Fett, das einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren aufweist. Wegen dem tiefen Fettanteil liefern Edelkastanien im vergleich zu anderen Nüssen nur wenig Kalorien – etwas 200 Kilokalorien pro 100 Gramm. Edelkastanien sind sehr vielseitig in der Küche verwendbar. Da sie kein Gluten enthalten, sind sie auch für Menschen geeignet, die an einer Zöliakie leiden.

Edelkastanienblätter enthalten Gerbstoffe (hauptsächlich Ellagitannine) und Flavonoide. In der traditionellen Pflanzenheilkunde sollen sie manchenorts gegen Husten, zur Wundbehandlung und bei Durchfall eingesetzt worden sein. Fundiertere Erkenntnisse dazu gibt es meines Wissens allerdings nicht. Wegen den Gerbstoffen wäre eine Wirkung gegen Durchfall plausibel, doch gibt es vielen Heilpflanzen, die Gerbstoffe enthalten und zur Behandlung von Durchfall geeignet sind, zum Beispiel Tormentillwurzel (= Blutwurz) oder  Schwarztee. In der Phytotherapie-Fachliteratur kommt die Anwendung von Edelkastanienblättern nicht vor, weil dazu keine fundierten Erkenntnisse vorliegen.

Neue Laboruntersuchungen mit einem Extrakt aus Edelkastanienblättern belegen allerdings eine antibakterielle Wirksamkeit selbst gegen Staphylococcus aureus (MRSA-Bakterien). Der Artikel dazu wurde im Fachmagazin PLOS publiziert (Quelle: doi:10.1371/journal.pone.0136486). Es handelt sich allerdings um eine Laboruntersuchung. Die Bedeutung der Ergebnisse für die Welt ausserhalb des Reagenzglases ist umklar.

In der „Dr. Bach Blütentherapie“ wird die Edelkastanie als „Bachblüte Nr. 30  Sweet Chestnut“ eingesetzt, beispielsweise bei „tiefster Verzweiflung, Ausweglosigkeit und Seelenqual“, aber auch bei „akuter Hoffnungslosigkeit, äußerster Depression, extremen seelischen Leiden“ sowie bei „seelischem oder körperlichem Zusammenbruch“ (zusammengestellt aus der Bachblüten-Literatur).

Wie immer bei der Bach-Blütentherapie sind die Beschreibungen der Zustände, bei denen die Bachblüten eingesetzt werden hoch dramatisch, bildhaft und weitläufig, so dass viele Menschen sich an irgendeinem Punkt damit identifizieren können. Und wie immer bei der Bach-Blütentherapie gibt es für diese hochtrabenden Versprechungen keine Belege.

In der Homöopathie wird die Edelkastanie unter dem Namen Castanea vesca eingesetzt, das ist ein Synonym für Castanea sativa. Unter diesem Namen taucht die Edelkastanie im Homöopathischen Arzneibuch (HAB) auf und wird homöopathisch zum Beispiel bei Krampfhusten und Enddarmentzündungen eingesetzt. Belege für eine Wirksamkeit gibt es wie bei den anderen Homöopathika nicht.

 

Rosskastanie (Aesculus hippocastanum)

Die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) ist auf dem Balkan heimisch und wird in Mitteleuropa verbreitet angepflanzt – zum Beispiel in Parkanlagen und Biergärten.

Den Namen Rosskastanie bekam die Pflanze, weil die Rosskastaniensamen von den Osmanen als Pferdefutter und als Heilmittel gegen Pferdehusten mitgeführt wurden und so nach Mitteleuropa gelangten.

Rosskastaniensamen werden auch zur Winterfütterung von Rothirschen und Rehen verwendet. Die Rosskastanienblüten produzieren ausgiebig Nektar und Pollen und sind damit eine gute Bienenweide.

Rosskastaniensamen sind wie Edelkastanien reich an Stärke, eigenen sich aber nicht als Nahrungsmittel. Sie enthalten ein Gemisch aus Saponinen, das als Aescin bezeichnet wird. Diese Saponine verleihen den Rosskastaniensamen schäumende Eigenschaften. Extakte aus den Samen werden deshalb Shampoos und Waschmitteln zugesetzt.

Wegen dem Aescin-Gehalt sind Rosskastaniensamen in der Phytotherapie ein wichtiges Mittel zur Linderung von Stauungen (Ödeme) bei Venenschwäche (Veneninsuffizienz).

Zu diesem Zwecker werden Trockenextrakte aus Rosskastaniensamen oder reine Aescin-Präparate für die innerliche Einnahme hergestellt, zum Beispiel Aesculaforce / Aesculamed / Venostasin. Für diese Präparate gibt es Wirksamkeitsbelege durch klinische Studien.

Siehe dazu:

Rosskastanienextrakt als Venenmittel

Textsammlung zu Rosskastanie im Heilpflanzen-Infoportal

Venenerkrankungen: Wirksamkeit von Rosskastanienextrakt erneut bestätigt

Pharmawiki: Rosskastanienextrakt bei Venenleiden

Cochrane-Studie zu Rosskastanienextrakt bei Venenbeschwerden

In der Bach Blütentherapie wird die Rosskastanie als „Bachblüte Nr. 35 White Chestnut“ verwendet, unter anderem bei „Zwangsgedanken, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen“ sowie „Kopfschmerzen infolge geistiger Überbeanspruchung“

(Zusammenstellung aus Bach-Blüten-Literatur).

Hier gilt das gleiche wie bei der Edelkastanie:

Wie immer bei der Bach-Blütentherapie sind die Beschreibungen der Zustände, bei denen die Bachblüten eingesetzt werden, hoch dramatisch, bildhaft und weitläufig, so dass viele Menschen sich an irgendeinem Punkt damit identifizieren können.

Und wie immer bei der Bach-Blütentherapie gibt es für diese hochtrabenden Versprechungen keine Belege.

Bei der hier besprochenen Aesculus hippocastanum handelt es sich im übrigen um die Weissblühende Rosskastanie. In Parkanlagen ist auch die Fleischrote Rosskastanie anzutreffen (Aesculus × carnea). Sie ist eine Kreuzung zwischen der von der Balkanhalbinsel stammenden Gewöhnlichen Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) und der nordamerikanischen Roten Rosskastanie (Aesculus pavia).

In der Phytotherapie wird sie nicht verwendet.

In der Bach Blütentherapie wird Aesculus carnea als „Bachblüte Nr. 25 Red Chestnut“ eingesetzt, unter anderem bei  „übertriebenen Sorgen und Ängsten um andere“ sowie bei „übertriebener Fürsorglichkeit und neurotischem Mitleid“ und „selbstlose Sorgen und Kummer“.

Wie immer bei der Bach-Blütentherapie sind die Beschreibungen der Zustände, bei denen die Bachblüten eingesetzt werden, hoch dramatisch, bildhaft und weitläufig, so dass viele Menschen sich an irgendeinem Punkt damit identifizieren können.

Und wie immer bei der Bach-Blütentherapie gibt es für diese hochtrabenden Versprechungen keine Belege. Die Beschreibungen sind willkürlich und entstammen der Fantasie des Erfinders.

Wer fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Knoblauch wirksam bei Kreislauferkrankungen

In einem früheren Beitrag (hier) habe ich über die Wirksamkeit von Knoblauch als Vorbeugungsmittel gegen Erkältungen geschrieben. Dabei erwähnte ich auch, dass es zu diesem Anwendungbereich nur eine einzige qualitativ ernstzunehmende Studie gibt.

Sehr viel ausgiebiger untersucht ist die Wirkung von Knoblauch auf Herz und Gefäße.

Dazu liegen Laborexperimenten, Tierversuchen, klinischen Studien und großangelegte epidemiologische Analysen vor. Die FAZ hat gerade einen grossen Text zu Knoblauch publiziert und findet, die Resultate all dieser Knoblauch-Forschung seien „vergleichsweise dürftig“.

Die FAZ zitiert dazu aber noch Professor Edzard Ernst. Der deutsche Mediziner und (laut FAZ) „bekennende Knoblauchfan“ übernahm 1993 an der Universität Exeter den weltweit ersten Lehrstuhl für Alternativmedizin, machte sich in der Szene aber wegen seiner kritischen Herangehensweise wenig Freunde.

Ernst äussert sich meines Erachtens sehr differenziert und genau zu Knoblauch:

„Ich denke, man kann schon sagen, dass der regelmäßige Verzehr von Knoblauch oder entsprechenden Präparaten mehrere potentiell positive Effekte hat, die sich günstig auf Blutdruck, Gerinnung oder die Neigung zu Arteriosklerose auswirken. Jeder einzelne Effekt ist eher klein und nicht vergleichbar mit dem spezieller Medikamente. Statine senken den Cholesterinspiegel zum Beispiel wesentlich stärker. Aber in der Summe könnten die Effekte des Knoblauch für die Gesundheit des kardiovaskulären Systems durchaus relevant sein.“

Quelle:

http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/warum-ein-leben-ohne-knoblauch-kaum-vorstellbar-ist-15860141.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

 

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Zitat erfasst den Charakter der Knoblauch-Wirkung gut. Es gibt in jedem einzelnen Bereich stärker wirkende Medikamente, also stärkere Blutdrucksenker, stärkere Cholesterinsenker und stärkere Mittel zur Verbesserung der Blutfliesseigenschaften.

Professor Ernst sagt aber zu Recht, dass mehrere kleine Effekte in der Summe durchaus relevant für die Gesundheit werden können. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Multi-Target-Therapie.  Der renommierte Arzneipflanzenforscher Professor Hildebert Wagner hat diesen Ansatz genauer beschrieben.

Siehe dazu hier:

Phytotherapie – auf die Mischung kommt es an

Wer fundiertes Heilpflanzen-Wissen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

EU will hormonschädigende Stoffe stärker unter die Lupe nehmen

Die EU-Kommission will in den kommenden Wochen und Monaten die Auswirkungen von hormonschädigenden Chemikalien in Europa genauer erfassen. Die diesbezügliche EU-Gesetzgebung soll auf Schlupflöcher hin untersucht werden.

Hormonell wirksame Substanzen – sogenannte endokrine Disruptoren – finden sich zum Beispiel in Kunststoffen und Körperpflegeprodukten. Sie werden mit hormonbedingten Krebserkrankungen sowie Fortpflanzungsstörungen und Fruchtbarkeitsstörungen in Verbindung gebracht.

Europäische Umweltorganisationen und Verbraucherschutzorganisationen hatten zuletzt eine umfassendere EU-Strategie verlangt.

Die Grünen im Europaparlament verlangen strengere Prüfverfahren, da hormonell wirksame Substanzen bereits in sehr geringer Dosis Menschen schaden könnten. Darüber hinaus pocht die Fraktion auf einen offenen Zugang zu allen Studien, die solche Chemikalien untersuchen.

Eine von den Grünen selbst in Auftrag gegebene Studie hat aufgezeigt, dass die Ablagerung von Pestiziden, die endokrine Disruptoren enthalten, sich im menschlichen Körper häufig nachweisen lässt. Ein französisches Forschungsinstitut analysieerte dazu etwa 150 Haarproben aus sechs EU-Ländern. In rund 60 Prozent der Haare fanden die Wissenschaftler mindestens ein Pestizid.

Am häufigsten kam die Substanz Fipronil vor, die hauptsächlich durch einen Skandal mit verseuchten Eiern bekannt wurde. Der Grünen-Europapolitiker Sven Giegold hält die Ergebnisse für einen Weckruf. Er weist darauf hin, dass niemand sich selbst vor den giftigen Stoffen schützen kann, da sie in vielen Alltagsprodukten enthalten sind.

Quelle:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/98990/Bruessel-will-hormonschaedigende-Stoffe-staerker-in-den-Blick-nehmen

 

FAQ der EU-Kommission zu endokrinen Disruptoren:

http://europa.eu/rapid/press-release_MEMO-17-1907_de.htm

 

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein wichtiges Thema, das über weite Strecken wohl noch unterschätzt wird.

Eine US-Studie kommt im übrigen zum Schluss, dass auch Lavendelöl und Teebaumöl als endokrine Disruptoren wirken undden Hormonhaushalt stören können – in Körperpflegeprodukten verwendet wirkten sie offenbar wie das weibliche Sexualhormon Östrogen. Allerdings waren das vielleicht auch Einzelfälle aufgrund von individueller Disposition. Es spricht aber viel dafür, Lavendelöl und Teebaumöl nicht einfach so täglich in Körperpflege- oder Wellnessprodukten zu verwenden, sondern nur mit einer sinnvollen Indikation.

Siehe:

Stören Lavendelöl und Teebaumöl den Hormonhaushalt?

Ausserdem zu diesem Thema:

Die Alternativmedizin spiegelt Menschen oft eine individuelle Lösbarkeit für die Probleme mit Umweltgiften vor:

Mit all den Entgiftungskuren, Blutreinigungstees, Detox-Diäten etc. wird er Eindruck erweckt, man könne mit sochen Mitteln Umweltgifte ausleiten.

Das ist Unsinn.

Sieh dazu auch:

Detox ist Unsinn

Detox entschlankt nur den Geldbeutel

Brennnesseltee für Detox?

Entgiftungsdiäten & Detox-Diäten – bodenlose Versprechungen

Detox-Pflaster zur Entgiftung

Detox: Fragwürdiger Trend mit Entgiftungskuren

Detox-Rezepturen & Entgiftungsmittel meiden

Michèle Binswanger im Tages-Anzeiger über Entgiftung für Detox-Deppen

Das Problem der Umweltgifte muss auf gesellschaftlicher Ebene gelöst werden. Wer den Menschen vorgaukelt, sie könnten mit individuellen „Putzmassnahmen“ wie Detox-Kuren diesen Substanzen quasi entkommmen, täuscht die Menschen und lenkt von ursächlichen Problemlösungen ab.

 

 

Knoblauch zur Vorbeugung von Erkältungen

Das Magazin „Focus“ hat einen Artikel publiziert zum Thema „Mythen im Faktencheck: Was Sie wirklich schützt vor Husten und Schnupfen.“

Dabei nimmt der Text auch den „Mythos 4“ unter die Lupe:

„Wer täglich Knoblauch isst, bekommt keine Infekte.“

Das stimme teilweise, schreibt die Autorin, und führt dazu aus:

„Knoblauch soll fast in jeder Form die Immunabwehr stärken, manche schwören sogar darauf, bei einer aufziehenden Erkältung eine geschälte Knoblauchzehe ins Ohr zu stecken. Das ist allerdings Humbug. Nachweislich wirksam ist Knoblauch zur Infektabwehr jedoch, wenn täglich zwei Knoblauchzehen verzehrt werden, das zeigt die Analyse mehrerer Studien zu diesem Thema.

Die Wirkung entfaltet sich vor allem durch rohen, zerdrückten oder gehackten Knoblauch. Erst Zerkleinern setzt das Enzym Alliinase frei, das wiederum die Bildung von Allicin anstößt, der Stoff, der die Immunabwehr auf Trab bringt. Tipp: Wer rohen Knoblauch zu scharf findet, kann ihn beispielsweise mit Honig zu sich nehmen.

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/erkaeltung/ohne-erkaeltung-durch-den-herbst-kuessen-kaelte-und-knoblauch-mythen-zum-thema-erkaeltung-im-faktencheck_id_9858852.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Knoblauch und Erkältungen – was ist dran?

Knoblauch wurde früher vor allem gegen Infektionskrankeiten eingesetzt, gegen Pest und Cholera, bei Grippeepidemien, Maul- und Klauenseuche, Thypus und Tuberkulose.

Tatsache ist, dass Knoblauch mit seinem Hauptwirkstoff Allicin / Alliin im Labor in Bakterienkulturen Bakterien abtöten kann. Ob und wie stark diese Wirkung auch in einem erkrankten Menschen zum Tragen kommt ist aber unklar.

Heute wird Knoblauch in der Phytotherapie hauptsächlich im Bereich der Kreislauferkrankungen eingesetzt, zum Beispiel als mildes Mittel bei Bluthochdruck, zur leichten Senkung des Cholesterinspiegels und zur Verbesserung der Blutfliesseigenschaften.

Es ist aber natürlich auch sehr interesssant, wenn der alte Mythos von der Vorbeugung gegen Erkältungskrankheiten mit Knoblauch wissenschaftlich untersucht wird. Und es hat mich sehr gefreut, dass die renommierte Cochrane Collaboration sich mit diesem Thema befasst.

Der Artikel im Magazin „Focus“ ist aber irreführend und zum Teil auch schlicht falsch. Wenn da steht, dass die vorbeugende Wirkung von Knoblauch gegen Erkältungen „nachweislich“ durch „Analyse mehrerer Studien“ belegt ist, dann stimmt das so nicht.

Cochrane wertet in der Regel alle relevanten Studien zu einer bestimmten Fragestellung aus und zieht dann eine Schlussfolgerung. In diesem Fall beschreiben die Autoren in der von „Focus“ verlinkten Originalpublikation, dass sie 6 für das Thema potenziell relevante Studien fanden (in einem späteren Update waren es 8).

Aber: Nur eine von diesen 8 Studien hat die Qualitätsanforderungen der Forscher erfüllt und wurde deshalb ausgewertet. Es kann also nicht die Rede sein von der „Analyse mehrer Studien“, die „nachweislich“ die Wirksamkeit belegen.

Die Studie gibt zwar Hinweise auf eine vorbeugende Wirkung, doch halten die Forscher die Qualität dieser Ergebnisse offenbar für nicht für in allen Punkten hoch.

Sie halten es für möglich, dass die Verblindung der Versuchspersonen nicht genügte. Die Probanden können also gemerkt haben, ob sie der Knoblauchgruppe oder der Placebogruppe zugeteilt sind.

Ansonsten beurteilen die Wissenschaftler die Studie aber recht positiv, bleiben aber in den Schlussfolgerungen zurückhaltend:

„There is insufficient clinical trial evidence regarding the effects of garlic in preventing or treating the common cold. A single trial suggested that garlic may prevent occurrences of the common cold but more studies are needed to validate this finding. Claims of effectiveness appear to rely largely on poor-quality evidence.“

Quelle:

https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/erkaeltung/ohne-erkaeltung-durch-den-herbst-kuessen-kaelte-und-knoblauch-mythen-zum-thema-erkaeltung-im-faktencheck_id_9858852.html

https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD006206.pub4/epdf/full

 

Die Studie ist trotzdem interessant. Ich habe sie in einem früheren Beitrag vorgestellt:

Schützt Knoblauch vor Erkältungen?

Ausserdem hier:

Knoblauch gegen Schnupfen wirksam?

Dort ist auch nachzulesen, dass die verwendete Knoblauchtablette einer Tagesdosis von 14 bis 36 g frischen Knoblauch entspricht. Das ist ziemlich viel, wenn man die möglichen sozialen Nebenwirkungen berücksichtigt. Auch diesen nicht unwesentlichen Umstand lässt der Bericht im „Focus“ weg.

Ich bin nicht dagegen, wenn jemand Knoblauch vorbeugend gegen Erkältungen einnimmt. Es ist auch nicht auszuschliessen, dass dafür sogar eine Wirkung vorhanden ist, die bisher einfach nicht belegt werden konnte (wenn das auch unwahrscheinlich ist).

Der Bericht im „Focus“ stellt aber eine eher schwache Studienlage sehr überzogen dar und führt die Leserinnen und Lesern damit hinters Licht.

Falls Sie an fundiertem Wissen über die Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen interessiert sind, empfehle ich meine Lehrgänge, die Phytotherapie-Ausbildung und das Heilpflanzen-Seminar.

 

Cannabis-Therapie bei MS: Zusatznutzen für Sativex-Spray gegen Spastik bestätigt

In Deutschland hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) dem cannabinoidhaltigen Oromukosalspray Sativex® einen geringen Zusatznutzen für die mittelschwere bis schwere Multiple Sklerose (MS)-induzierte Spastik bestätigt.

Das teilte Sativex-Hersteller Almirall mit. Basis des Beschlusses sind zwei klinische Studien. 

Der Sativex-Spray wird in der Mundhöhle angewandt. Er enthält die zwei zurzeit wichtigsten Wirkstoffe aus Cannabis – Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) – die über die Schleimhäute resorbiert werden und Muskelverspannungen (Spastik) bei MS lindern. Wie alle THC-haltigen Arzneimittel unterliegt Sativex® den Vorschriften des Betäubungsmittelgesetzes. 

Positive Studien zu Sativex für MS-Patienten bei Spastik

Nun liegen zwei klinische Studien zur Wirksamkeit von Sativex vor: GWSP 0604 und SAVANT.

Auf der Grundlage von Auswertungen der klinischen Studien hat der G-BA dem Sativex® -Spray nun einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen bescheinigt.

Der Ausschuss sieht den Zusatznutzen bestätigt für erwachsene Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Spastik aufgrund von MS, die nicht angemessen auf eine andere anti-spastische Arzneimitteltherapie mit mindestens zwei verschiedenen oralen, optimiert eingesetzten Spasmolytika angesprochen haben – davon mindestens ein Arzneimittel mit Baclofen oder Tizanidin als Wirkstoff. 

Die zweite Voraussetzung für den Zusatznutzen ist laut G-BA eine klinisch erhebliche Verbesserung der Symptome während eines Anfangstherapieversuchs mit Sativex®. Als zweckmäßige Vergleichstherapie hatte der G-BA eine optimierte  Standardbehandlung mit Baclofen (oral), Tizanidin oder Dantrolen unter Berücksichtigung der zugelassenen Dosierungen festgelegt.  

 Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/11/02/nach-dreimaliger-fristverlaengerung-g-ba-bescheinigt-sativex-zusatznutzen

Kommentar & Ergänzung:

Es ist sehr zu begrüssen, wenn Cannabis-Präparate nach und nach zu normalen Bestandteilen des Medikamenten-Sortiments werden, denn sie haben in einigen Situationen deutliche Vorteile. Begleitend dazu braucht es aber weitere Forschung und Überwachung, damit die Wirksamkeit, die genauen Anwendungsbereiche und auch die Risiken besser verstanden werden.

Zum Sativex-Spray siehe auch:

Sativex-Spray mit Cannabisextrakt gegen Spastik bei Multipler Sklerose in der Schweiz zugelassen

 

Cannabis als Heilmittel: Zulassung für Sativex-Spray in Deutschland

Wenn Sie sich für Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Cannabis und anderen Heilpflanzen interessieren und dazu fundiertes Wissen erwerben möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Was ist Oscillococcinum®?

Oscillococcinum ist ein Homöopathikum, das häufig zur Vorbeugung und Behandlung von Grippe und grippalen Infekten empfohlen wird. In homöopathischen Praxen, aber auch in manchen Apotheken, wird das Präparat auch als homöopathische Grippeimpfung propagiert.

Oscillococcinum wird von der französischen Pharmafirma Boiron produziert, einem der weltweit grössten Hersteller von Homöopathika. Für das Jahr 2009 gab Boiron einen weltweiten Umsatz von 526 Millionen Euro an und einen Gewinn von 91 Millionen Euro.

Zur Entstehungsgeschichte von Oscillococcinum®

Oscillococcinum geht auf den französischen Arzt Joseph Roy zurück, der während des Ersten Weltkriegs als Lazarettarzt arbeitete. Er glaubte, in Ausscheidungen von Opfern der Spanischen Grippe in seinem Mikroskop Bakterien beobachtet zu haben, die er für die Erreger der Grippe hielt. Roy beschrieb kugelförmige Gebilde verschiedener Größe, die rasche, schwingende Bewegungen machten und die er für Mikroben hielt. Aus diesem Grund nannte er seine Entdeckung Oszillokokken – schwingende Bakterien. Später meinte er, sie auch noch im Blut und den Tumoren von Krebspatienten entdeckt zu haben. Da Roy diese „ Oszillokokken“ besonders häufig in der Leber von Enten zu finden glaubte, wird Oscillococcinum konsequenterweise aus Entenleber und Entenherz hergestellt.

Im homöopathischen Fachjargon heisst das dann Anas barbariae hepatis et cordis extractum 200 K.

Biologisch ist der Artname falsch, weil eigentlich die Moschusente Cairina moschata (frz. Canard de Barbarie) gemeint ist, die zur Gattung Cairina und nicht Anas gehört.

Bestandteile der Entenorgane sind – zur Beruhigung der Veganer  –  im fertigen Homöopathikum wegen der hochgradigen Verdünnung mit keinem einzigen Molekül mehr enthalten: 200 K ( K= nach Korsakow) entspricht einer Potenz von C200, also einer Verdünnung von 1 : 10400.

Es lässt sich im Nachhinein nicht klären, was genau Roy in seinem Mikroskop beobachtet hatte. In der Zwischenzeit wurde jedoch klar, dass weder Krebs noch die Grippe noch eine der anderen Krankheiten, für die Roy seine Oszillokokken als Verursacher vermutete, überhaupt durch Bakterien ausgelöst werden. Grippe wird durch Viren verursacht, die bedeutend kleiner als Bakterien sind. In einem optischen Mikroskop, wie es Roy zur Verfügung stand, lassen sich Grippeviren nicht beobachten. Erst um das Jahr 1930 herum gelang die Darstellung von Viren mit Hilfe der Elektronenmikroskopie.

Roys Beobachtungen konnten von keinem anderen Mikrobiologen bestätigt werden.

Zudem ist bis heute kein Bakterium bekannt, das in Entenleber zu finden ist und Grippe bewirken kann. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass Roy in seinem Mikroskop Luftbläschen beobachtete, deren Zittern durch die thermische Brown’sche Molekularbewegung verursacht wurde.

Da die Ausgangssubstanz „Entenleber & Entenherz“ nichts enthält, was eine Grippe oder vergleichbare Symptome wie eine Grippe auslösen könnte, kann das durch Prüfung am Gesunden nach homöopathischen Regeln erstellte Arzneimittelbild für Oscillococcinum® auch nicht auf die Anwendung bei Grippe passen. Das Präparat widerspricht somit sogar den Prinzipien der Homöopathie.

Wie ein Arzneimittelbild aus der Arzneimittelprüfung am Gesunden entsteht, wird in diesem Blog-Beitrag beschrieben:

Homöopathie-Forschung: Arzneimittelprüfung mit Okoubaka

Nun wird Oscillococcinum® aber oft auch als Vorbeugung gegen Grippe empfohlen, nicht selten sogar im Sinne einer alternativen Grippeimpfung. Das Prinzip der Vorbeugung und das Prinzip der Impfung stehen jedoch in fundamentalem Widerspruch zum Homöopathie-Modell, wie es der Gründer Samuel Hahnemann (1755 – 1843) postuliert hat.

Dieses heute noch zum Kernbestand der Homöopathie gehörende Modell setzt eine vorhandene, akute Krankheit voraus. Hahnemann war der Auffassung, dass von der “Krankheit”, der “verstimmten geistigen Lebenskraft”, die Summe der äußerlich sichtbaren Symptome zu wissen sei. Seines Heilmethode ist dann die Suche nach dem Mittel, das der “verstimmten geistigen Lebenskraft” exakt entgegenwirken möge (§§ 17 und 18 des Organon). Beim gesunden Menschen, der einer Grippe vorbeugen oder sich homöopathisch “impfen” lassen möchte,  ist diesbezüglich aber gar nichts verstimmt. Eine homöopathische “Impfung” kann hier also auch nichts bewirken. Detaillierter beschrieben werden diese Zusammenhänge in einem Beitrag auf dem Portal Netzwerk-Homöopathie:

“Homöopathische Impfungen” – gibt es das?

Schon die Entwicklungsgeschichte von Oscillococcinum® ist also ausgesprochen fragwürdig. Sie basiert auf einer ganzen Reihe von krassen und zum Teil zeitbedingten Irrtümern. Würden die Käuferinnen und Käufer dieses Produktes die Entwicklungsgeschichte kennen, würden wohl einige von ihnen den Kaufentscheid überdenken. Aber Transparenz beim Endverbraucher zu schaffen scheint nicht im Interesse des Herstellers und der Apotheken.

Zur Herstellung von Oscillococcinum®

Norbert Aust weist in seinem Blog „Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie“ eindrücklich nach, dass Oscillococcinum® gar nicht so hergestellt werden kann, wie es auf der Packung steht:

„Oscillococcinum ist ein homöopathisches Präparat aus dem Extrakt von Leber und Herz einer bestimmten Entenart, das in der Potenz K200 angeboten wird. Dabei handelt es sich um eine Korsakoff-Potenz, die in Verdünnungsschritten 1:100 in einem speziellen vereinfachten Verfahren hergestellt wird. Sie entspricht somit einer Verdünnung von 1:10^400. Die letztere Zahl ist eine Eins mit 400 Nullen und mit keiner Anschauung der Welt plausibel zu machen. Die Anzahl der Atome im Universum beträgt nur etwa 10^80. Wenn auch nur eine einzige Ente je auf Erden verschieden wäre und sich ihr Herz und ihre Leber nach der Zersetzung im gesamten Wasservorrat der Erde verteilt hätte, entspräche das einer Verdünnung von vielleicht D23. Folge: K200 entsprechend D400 ist nicht herstellbar, weil man kein Wasser zur Verfügung haben kann, das hinreichend wenig (!) Entenleber enthält. Selbst wenn es im gesamten Universum nur ein einziges ‚Entenleberwirkstoffmolekül‘ gäbe, wäre dies nur eine Potenz von etwa K39 oder K40, je nach Größe dieses Moleküls.“

Zur Studienlage betreffend Oscillococcinum®

Boiron hat mit Oscillococcinum® einige Studien durchgeführt. Die unabhängige Cochrane Collaboration hat die Studien in einer Metaanalyse analysiert und kommt zum Schluss, dass die vorliegenden Studiendaten die Anwendung nicht unterstützen.

Auch die Homöopathie-nahe Carstens-Stiftung hält es für zweifelhaft, „dass Oscillococcinum® bei grippalen Effekten über Placeboeffekte hinaus wirkt.“

Eine detaillierte Darstellung der Studienlage mit Quellenangaben gibt’s hier bei Homöopedia:

Studienlage zu Oscillococcinum®

In den USA wurde Boiron mittels Sammelklage wegen irreführender Werbung angeklagt, strebte vor Gericht einen Vergleich an und zahlte fünf Millionen US-Dollar an unzufriedene Kunden zurück, um ein Urteil zu vermeiden.

In der Schweiz warnte die Arzneimittelbehörde Swissmedic schon 2011 in einem Newsletter, dass Oscillococcinum® selbst von Fachpersonen vermehrt zur homöopathischen Grippeimpfung empfohlen wurde. Swissmedic bezeichnete solche Empfehlungen als irreführend und für Risikopersonen gesundheitsgefährdend.

Im Jahr 2011 versuchte Boiron, einen italienischen Blogger mit Drohbrief und Klageandrohung einzuschüchtern, weil er sich kritisch zu Oscillococcinum® geäussert hatte.

Das Präparat ist also insgesamt fragwürdig. Und noch fragwürdiger ist, dass manche Apotheken ein solches Präparat aktiv verkaufen.

Wer heilt hat Recht?

Das wird aber viele Leute nicht davon abhalten, Oscillococcinum® für wirksam zu halten, nach dem Motto: „Mir hilft es halt!“ oder „Wer heilt hat Recht!“.

Siehe dazu: 

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht? (1)

Komplementärmedizin:Wer heilt hat Recht (2)

Die Erfahrung, dass jemand nach Einnahme von Oscillococcinum® von einer Grippeerkrankung gesund wird, ist durchaus ernst zu nehmen. Die Interpretation dieser Erfahrung, wonach diese Genesung durch die Einnahme von Oscillococcinum® verursacht wurde, lässt sich aber mit sehr guten Gründen in Frage stellen. Grippe und  „grippale Erkrankungen“, bei denen Oscillococcinum®  eingesetzt wird, bessern in der Regel auch von selbst.  Sagt jemand „Mir hilft es halt!“, dann wäre die Person zu fragen, ob sie sicher ist, dass die Erkrankung ohne Oscillococcinum®  länger gedauert hätte. Bejaht die Person die Frage, dann wäre nachzufragen, woher sie das weiss. An dieser Stelle lauert nämlich ein Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss: Die Gleichzeitigkeit zweier Vorgänge (Gesundwerden &  Oscillococcinum®-Einnahme) wird irrtümlich als Ursache-Folge-Beziehung interpretiert (Gesundwerden wegen Oscillococcinum®-Einnahme).

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der “Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss” als häufige Irrtumsquelle

 

Quellen:

http://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Oscillococcinum

https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=oscillococcinum

https://www.psiram.com/de/index.php/Oscillococcinum

https://www.psiram.com/de/index.php/Boiron

http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?p=844

Mehr kritische Reflexion nötig

Ich bewege mich seit mehr als 40 Jahren im Umfeld von Naturheilkunde / Komplementärmedizin / Alternativmedizin. In dieser Zeit ist mir immer klarer geworden, dass es in diesen Bereichen fundamental an kritischer bzw. selbstkritischer Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen der eigenen Methoden mangelt. Es spielt oft kaum eine Rolle, ob eine Heilungsversprechung wahr ist, wenn sie ins eigene Konzept passt. Das führt nicht selten zur Täuschung und manchmal auch zur Gefährdung von Patientinnen und Patienten.

Weiteres dazu hier:

Komplementärmedizin: Mehr Argumente – weniger fraglose Gläubigkeit

Mehr Kontroverse in Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Pflanzenheilkunde: Kritische Reflexion statt Missionarismus

Naturheilkunde: Kritische Fragen unerwünscht?

P. S.:

Hier noch ein Hinweis aufgrund meiner Erfahrung, dass ich auf solche Beiträge jeweils ein paar Mails bekomme mit der Frage, wieviel dem Autor als “Pharmaknecht” von der Pharmaindustrie für diesen Artikel bezahlt wurde:

Nein, liebe Verschwörungstheoretiker, dieser Beitrag wurde ohne finanzielle Beteiligung der Pharmaindustrie verfasst.😉

 Zudem weise ich darauf hin, dass auf dieser Website auch kritische Texte zu kritikwürdigen Aspekten der Pharmaindustrie vorhanden sind….

Sport gegen Depression

Dreimal pro Woche eine Dreiviertelstunde Sport hilft über die übliche Behandlung hinaus gegen eine Depression. Zu diesem Schluss kommt eine Metaanalyse der Universität Thessalien. Ist Sport tatsächlich ein natürliches Antidepressivum?

Bewegung gilt als natürlicher Stimmungsaufheller. Sie verbessert die Laune nicht nur bei passionierten Sportlerinnen und Sportlern, sondern auch bei Menschen mit Depressionen.

Allerdings fällt es Depressiven krankheitsbedingt speziell schwer, sich zu regelmäßigen sportlichen Aktivitäten zu motivieren. Wie häufig und wie lange sich die Betroffenen sportlich betätigen müssen, zeigt eine Metaanalyse, die in der  Fachzeitschrift »Depression and Anxiety« publiziert wurde: Bereits bei dreimal wöchentlich einer Dreiviertelstunde über eine Dauer von einem Monat soll ein deutlicher antidepressiver Effekt nachzuweisen sein.

Die Daten der Metaanalyse stammen aus randomisierten klinischen Kontrollstudien, bei denen erkrankte Versuchspersonen ambulant oder stationär mit Medikamenten und/oder Psychotherapie behandelt wurden und ein zufällig ausgewählter Teil sich darüber hinaus regelmäßig unter Aufsicht sportlich betätigte. Das zusätzliche Training reduzierte die depressiven Symptome bei den insgesamt 455 Patientinnen und Patienten zwischen 18 und 65 Jahren. Die Depressionswerte der Trainingsgruppe sanken beträchtlich stärker als die der Kontrollgruppe ohne Training.

Wie das Wissenschaftlerteam um den Sportpsychologen Yiannis Theodorakis von der Universität Thessalien weiter schreibt, wirkte das Training unabhängig von der Schwere der Depression und der Sportart.  Die Patientinnen und Patienten hatten allerdings in allen Studien an moderat anstrengenden körperlichen Aktivitäten wie Joggen oder Radfahren teilgenommen. Durchschnittlich hatten sie mehr als neun Wochen trainiert; doch bereits die vierwöchigen Programme erzielten einen starken Effekt.

Die antidepressive Wirkung von Sport ist allerdings nicht unumstritten.

Einerseits gibt es längst Hinweise darauf, wie der antidepressive Effekt zu Stande kommen könnte, zum Beispiel über die Regulation des neuronalen Wachstumsfaktors BDNF im Gehirn. Andererseits kamen Gesundheitsforscher der Universität Kopenhagen 2017 in einem Review im »British Medical Journal« zum Schluss, dass die antidepressive Wirkung von Sport hauptsächlich in methodisch schwächeren Studien oder infolge eines Publikationsbias nachgewiesen wurde. Demnach wären überwiegend gewünschte Resultate publiziert worden; der antidepressive Effekt würde infolgedessen überschätzt. Bereits 2013 hatten britische Psychiater in einem Review für das Netzwerk »Cochrane Collaboration«festgestellt, dass methodisch robuste klinische Studien nur einen kleinen antidepressiven Effekt belegen. Das griechische Wissenschaftlerteam schreibt dazu, dass die von ihnen verwendeten Daten keine Anzeichen für eine verzerrte Publikationspraxis zeigten.

Quelle:

https://www.spektrum.de/news/die-richtige-dosis-sport-gegen-depression/1603770

 

Kommentar & Ergänzung:

Bewegung ist eine der fünf Säulen der klassischen Naturheilkunde, wie sie von Sebastian Kneipp (1821 – 1897)  vertreten wurde. Die anderen vier Säulen sind Hydrotherapie, Ernährung, Heilpflanzen-Anwendungen und Lebensordnung.

Siehe auch:

Naturheilkunde – was ist das?

 

Die klassische Naturheilkunde aus dem 19. Jahrhundert lässt sich sehr gut mit neuen Erkenntnissen aktualisieren und ist dann medizinkompatibel.

Das kann gut am Beispiel der „Bewegung“ gezeigt werden. Immer mehr Forschungsarbeiten weisen auf die gesundheitliche Bedeutung von Bewegung und Sport hin.

 

Siehe dazu auch:

Sport hilft gegen Depressionen

Sport gegen Depression

Sport zeigt: Sport hilft gegen Depression

Sport gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren

Wandern reduziert Depressionen

Bewegung beugt Schlaganfällen vor

Bewegung bessert Schlafstörungen, aber nur längerfristig

Krampfadern – viel Bewegung und frühzeitig zum Arzt

Bewegung beugt Depressionen vor

Prämenstruelles Syndrom (PMS): Bewegung hilft – Heilpflanzen auch

Körperliche Bewegung beugt Dickdarmkrebs vor

Bewegung stärkt psychische Gesundheit

Ausdauersport ist gut fürs Gehirn

Aktiver Lebensstil reduziert Alzheimer-Risiko

Walking und Jogging helfen gegen Migräne

Zum Einsatz von Sport  gegen Depressionen weist der Artikel allerdings zu Recht darauf hin, dass es Depressiven krankheitsbedingt speziell schwer fällt, sich zu regelmäßigen sportlichen Aktivitäten zu motivieren. Es wird daher kaum möglich sein, mitten in einer Depression einfach „Sport“ zu verordnen. Idealerweise wird Bewegung allgemein ins Leben integriert und hat dann präventive Wirkungen auf verschiedenen Ebenen.

 

 

Flavonoide zur Vorbeugung gegen Diabetes?

Bestimmte Nahrungsmittel können das Diabetesrisiko reduzieren. Dazu zählen Tee, Schokolade und Beerenobst – alles Lebensmittel mit einem hohen Anteil an Flavonoiden. Die gesunden Pflanzenstoffe sollen demnach den Blutzuckerspiegel und das Maß der Insulinresistenz senken.

Lebensmittel mit einer hohen Konzentration an Flavonoiden können das Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, deutlich reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommen englische Wissenschaftler um die Ernährungswissenschaftlerin Aedin Cassidy. Die Studie konzentrierte sich auf die positive Wirkung bestimmter Flavonoide. Dazu zählen die blau-rot gefärbten Anthocyane in Beeren und Wein, aber auch Flavone, wie sie beispielsweise in Sellerie, Petersilie und Thymian vorkommen.

Die Studie sei eine der ersten großen zum Thema, wie diese bioaktiven Substanzen das Diabetesrisiko senken können, sagt Cassidy. Die Forscher untersuchten Blutproben von knapp 2.000 britischen Frauen auf Entzündungsmarker und prüften, wie gut die Regulierung des Blutzuckerspiegels bei den Testpersonen funktionierte. Die Insulinresistenz berechneten die Wissenschaftler aus Nüchternblutzucker und Nüchterninsulin. Ihre Ernährungsgewohnheiten dokumentierten die Frauen in einem umfangreichen Fragebogen.

Wie sich in der Studie zeigte, entwickelten Probandinnen, die mit der täglichen Ernährung viele Flavonoide aufnahmen, seltener eine Insulinresistenzwie sie für Diabetes charakteristisch ist.

Speziell Anthocyane zeigten darüber hinaus noch einen weiteren Vorteil: Sie verringerten das Risiko für chronische Entzündungsprozesse, die an der Entstehung von Krebs und Herz-Kreislauf-Krankheiten beteiligt sind.

Professor Tim Spector, der ebenfalls an der Studie beteiligt war, äusserte sich angesichts der “aufregenden Ergebnisse” zuversichtlich: “Sie zeigen, dass auch Inhaltsstoffe von Lebensmitteln, die wir für ungesund halten – zum Beispiel Wein oder Schokolade – einen gesundheitlichen Nutzen haben könnten.“

Allerdings müssten die Resultate noch gründlich überprüft werden, bevor die Wissenschaftler eine generelle Empfehlung aussprechen wollen.

Ein Freibrief für Diabetiker, häufiger zur Zuckerbombe Schokolade zu greifen, ist die Studie daher nicht – zumal die gesunden Pflanzenstoffe hauptsächlich in Bitterschokolade mit hohem Kakao-Gehalt in grösseren Mengen vorkommen. Zudem wissen die Forsscher noch nicht, ab welcher Menge die Flavonoide ihren Diabetesschutz entfalten.

Flavonoide schützen das Erbgut vor Schäden

Flavonoide zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen und umfassen neben den Anthocyanen und Flavonen Viele weitere Untergruppen wie Isoflavone und Chalkone. Im Laborversuch zeigen Flavonoide antioxidative Effekte, das bedeutet: sie haben die Fähigkeit, Schäden vom Erbgut und anderen Molekülen abzuwehren und möglicherweise die Entstehung von Krebs zu verhindern. Tiere können keine Flavonoide produzieren. Im Pflanzenreich findet man sie dagegen vom Apfel bis zur Zwiebel fast überall.

 

Quelle:

https://www.morgenpost.de/web-wissen/gesundheit/article215583715/Flavonoide-im-Essen-So-gut-schmeckt-Diabetesschutz.html

Kommentar & Ergänzung:

Flavonoide sind sowohl in der Ernährung interessante Inhaltsstoffe als auch in der Phytotherapie wichtige Wirkstoffe.

Allerdings kann man es nicht genug sagen: diese Art von Studie kann nie einen eindeutigen ursächlichen Zusammenhang belegen, sondern nur Hinweise auf mögliche Zusammenhänge liefern.

Hier wird das Ernährungsverhalten von Bevölkerungsgruppen erfasst und mit Krankheiten und Störungen in Beziehung gesetzt. So sollen Zusammenhänge gefunden werden wie in dieser Studie: Wer viele Lebensmittel mit hohem Gehalt an Flavonoiden isst, bekommt weniger Diabetes. Der Knackpunkt: Es könnte sein, dass Menschen, die viele Lebensmittel mit hohem Flavonoidgehalt essen – Zum Beispiel Früchte, Beeren – auch sonst einen gesünderen Lebensstil pflegen als der Durchschnitt. So könnte es sein, dass der günstige Effekt auf Diabetes durch einen anderen Faktor ausgelöst wird, der noch nicht bekannt ist.

Solche epidemiologischen Studien, so nennt man die, werden oft durchgeführt in der Ernährungswissenschaft und oft wird ihre begrenzte Aussagekraft nicht erwähnt, wie auch in diesem Artikel in der Berliner Morgenpost.

Siehe dazu:

Ernährungswissenschaft: Fragwürdige Studien stiften mehr Verwirrung als Nutzen

So ist also nicht einwandfrei geklärt, ob Flavonoide das Diabetesrisiko senken. Dass sie antioxidativ wirken ist geklärt, allerdings im Labor. Damit ist auch hier nicht geklärt, ob ein positiver Effekt auch ausserhalb des Reagenzglases auftritt, im lebendigen Menschen.

Es spricht aber sehr viel dafür, dass Flavonoide als Bestandteil einer vielfältigen Ernährung  sinnvoll sind. Äpfel sind reich an Flavonoiden, blaue Beeren mit hohemn Gehalt an Anthocyanen wie Heidelbeeren, Holunderbeeren, Schwarze Johannisbeeren, Brombeeren, Kirschen..

In der Phytotherapie gibt es eine ganze Reihe von Heilpflanzen, deren Wirkung insbesondere auf Flavonoide zurückgeführt wird. Zum Beispiel Weissdorn, Ginkgo, Mariendistel, Buchweizenkraut.

Flavonoid-Pflanzen sind im allgemeinen sehr gut verträglich. Das hat auch damit zu tun, dass Flavonoide rasch wieder ausgeschieden werden. Darum müssen die Dosierungen hoch genug sein.

Wenn Sie interessiert sind daran, Wirkstoffe, Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten der Heilpflanzen fundiert kennenzulernen, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

Walnüsse mit weissem Film meiden

Walnüsse sind gesund und eignen sich gut zur Verfeinerung von Kuchen, Desserts und weiteren Gerichten. Vor der Verwendung sollte man sie jedoch genau anschauen und schimmelige Nüsse aussortieren.

Wer gerne Walnüsse isst, sollte die Früchte vorher auf Schimmel und ranzigen Geruch inspizieren. Schimmelige Nüsse enthalten den Giftstoff Aflatoxin.

Dieses starke Schimmelpilzgift ist hitzestabil und ist deshalb auch noch in gerösteten Nüssen vorhanden.

Aflatoxin kann krebserregend wirken. Von einem Verzehr absehen sollten Verbraucher auch, wenn der Kern der Walnuss in der Schale wackelt oder mit einem weißen Film oder Fäden überzogen ist.

Diese Warnung hat das Verbraucherschutzministerium Baden-Württemberg veröffentlicht.

Walnüsse sind kalorienreich – gelten jedoch nicht als Dickmacher, solange nicht mehr als eine Handvoll am Tag konsumiert wird. Die Samen enthalten Walnussöl, das reich ist an Alpha-Linolensäure, einer Omega-3-Fettsäure. Sie soll günstig wirken auf die Herzgesundheit und Entzündungen hemmen.

Quelle:

http://www.fr.de/wissen/gesundheit/ernaehrung/krebserregender-schimmel-walnuesse-mit-weissem-film-besser-aussortieren-a-1599195

 

Kommentar & Ergänzungen:

Walnüsse sind sehr gesund.

Zur gesundheitlichen Bedeutung von Walnüssen ist in den letzten Jahren eine Reihe von Studien erschienen. Zum Beispiel:

Mittelmeerdiät plus Walnüsse kann metabolisches Syndrom vermindern

Omega-3-Fettsäuren aus Walnüssen und Fisch – unterschiedliche günstige Effekte

Walnussverzehr wirkt günstig auf Darmflora

 

Aflatoxin B1 ist eine der stärksten krebserzeugenden Verbindungen überhaupt.

Aflatoxine sind auch leberschädigend, vor allem bei längerdauernder Aufnahme.

Darum ist es wichtig mit Schimmelpilzen auf Nahrungsmitteln generell sehr vorsichtig zu sein. Was angeschimmelt ist, gehört entsorgt.

 

Blick ins Pflanzenlexikon: Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)

Das Drüsige Springkraut (Foto auf Wikipedia) ist ein Neophyt, der ursprünglich aus dem Himalaya stammt und ursprünglich als Zierpflanze verwendet wurde. Seit etwa 50 Jahren ist die schöne Pflanze in weiten Teilen der Welt vollkommen eingebürgert, vor allem in Weiden-Auenwäldern, im Auengebüsch und an Ufern. Sie liebt nasse, nährstoffreiche Böden.

Auf Wikipedia ist die Ausbreitungsgeschicht von Impatiens glandulifera beschrieben:

„Die ursprünglich aus dem Himalaya stammende Art wurde 1839 aus Kaschmir erstmals nach England importiert und gelangte von dort als Zierpflanze auf den europäischen Kontinent………….Elf Jahre nach der Einführung als Gartenzierpflanze waren bereits erste wild vorkommende Pflanzen zu beobachten, in den achtziger und neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts konnten bereits Verwilderungen in Frankreich, an der deutschen sowie der niederländischen Nordseeküste festgestellt werden, bald auch am Oberrhein abwärts von Basel. Heute ist sie nahezu auf dem gesamten europäischen Kontinent verbreitet.“

Das Drüsige Springkraut wird nach seinere asiatischen Herkunft auch Indisches Springkraut genannt. Es verdrängt die einheimische Vegetation an manchen Stellen, insbesondere in Feuchtgebieten und an Flussläufen, und wird daher aus Naturschutzgründen manchmal bekämpft.

 Allerdings ist sie spät im Jahr noch eine gute Nahrungsquelle für Bienen (Bienenweide), was für die Natur positiv vermerkt werden kann. Das Drüsige Springkraut liefert etwa vierzigmal so viel Nektar wie eine vergleichbare einheimische Pflanze und bietet drüber hinaus hochwertigen Pollen an.

Der lateinische Name Impatiens bedeutet übrigens „Ungeduld“. Er kommt wahrscheinlich vom Schleudermechanismus der reifen Früchte, der schon bei geringer Berührung ausgelöst wird.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde hat das Drüsige Springkraut keine Bedeutung. Das hängt wohl damit zusammen, dass es sich erst verhältnismässig spät bei uns ausgebreitet hat.

Im System von Edward Bach (1886-1936) hat das Drüsige Springkraut als Bachblüte Nr. 18 Impatiens eine Bedeutung und wird unter anderem bei Schlafstörungen, Unruhe und Nervosität empfohlen. Dieser Einsatz basiert ausschliesslich auf der Idee von Edward Bach und hat keinen Anschluss an Erfahrungen traditioneller Pflanzenheilkunde oder an die wissenschftliche Phytotherapie. Aufgrund der Herstellungsweise der Bachblüten-Präparate sind darin auch keine Wirkstoffe vorhanden. Es gibt keine überzeugenden Hinweise darauf, dass die Wirkung von Impatiens und anderen Bachblüten-Präparaten über Placebo hinaus geht. Studien gibt es dazu aber meines Wissens nur zu Prüfungsangst und zu ADHS. Siehe dazu:

Studie untersucht Bachblüten-Wirkung bei Prüfungsangst und ADHS

Wenn Sie die Pflanzenwelt „out-door“ kennenlernen möchten, dann biete ich dazu von Mai bis Juli ein vielfältiges Programm mit Kräuterwanderungen an.

Und falls Sie interessiert sind an fundiertem Wissen über Pflanzenheilkunde / Phytotherapie, dann empfehle ich Ihnen meine Lehrgänge Heilpflanzen-Seminar und Phytotherapie-Ausbildung.