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Warum Lavendelöl beruhigend wirkt

Lavendel wird seit Hunderten Jahren als Heilmittel gegen Einschlafstörungen und Unruhe verwendet. Mittlerweile wurden Wirkungen von Lavendelöl auch in medizinischen Studien bestätigt, das z.B. bei Angststörungen.

Doch wie die Wirkung von Lavendelöl zustande kommt, ist noch weitgehend unerforscht. Experimente an Mäusen zeigen nun überraschende Ähnlichkeiten zu Medikamenten auf.

Wissenschaftler um Hideki Kashiwadani von der Kagoshima Universität in Japan schreiben in einer Studie, dass Lavendel bzw. seine wirksamen Bestandteile vielleicht eine ungefährliche oder zumindest harmlosere Alternative zu angstlösenden Medikamenten werden könnten, zum Beispiel aus der Gruppe der Benzodiazepine, die zwar hochwirksam sind, jedoch auch sehr leicht abhängig machen. 

Ihre Wirksamkeit verdankt die Pflanze wahrscheinlich hauptsächlich dem ätherischen Lavendelöl mit seinem Hauptbestandteil Linalool. Wie genau diese Stoffe wirken bzw. an welche Rezeptoren sie andocken, ist gemäss den Studienautoren bis jetzt noch nicht untersucht worden.

Die Wirkstoffe könnten aus der Luft ins Blut gelangen und von dort ins Gehirn, wo sie dann an dieselben Rezeptoren binden wie Benzodiazepine. Die Mäuseversuche des Teams zeigten nun, dass wohl der Geruch von Linalool entscheidend ist. Der Dampf stimulierte in den Untersuchungen geruchssensible Nervenzellen in der Nase der Tiere und führte so zur Entspannung. Bei geruchsblinden Mäusen – denen die entsprechenden Nervenzellen fehlten – trat die Wirkung nämlich nicht ein.

Die Wirkstoffe könnten jedoch auch wirken, indem sie geschluckt oder injiziert werden, und danach der Geruch beim Ausatmen in die Nase steigt.

Wie der Wirkstoff am besten eingesetzt wird, muss noch untersucht werden, bevor er systematisch an Menschen getestet wird. Die Wissenschaftler sehen jedenfalls zahlreiche praktische Anwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel vor Narkosen, um den präoperativen Stress zu lindern. Die Inhalations-Variante wäre zudem praktisch für Menschen, die Schwierigkeiten beim Schlucken haben, beispielsweise Kinder und ältere Menschen.

Linalool aus Lavendelöl macht Mäuse mutiger

Was wurde genau untersucht?

Die Forscher der Kagoshima Universität untersuchten die Wirkung von Linalool, dem wahrscheinlichen Auslöser der beruhigenden Wirkung, in zwei verschiedenen Standard-Tests an Mäusen. Beim Hell-Dunkel-Box-Test ist ein Teil des Käfigs hell erleuchtet. Die nachtaktiven Tiere meiden die Helligkeit, sind jedoch gleichzeitig auch neugierig. Unter Anxiolytika (angstlösenden Medikamenten) überwinden sie ihre Lichtscheu und die Zeit, die sie dann im hellen Teil des Käfigs verbringen, ist ein Maß für den angstlösenden Effekts des jeweiligen Wirkstoffs.

Bevor die Mäuse getestet wurden, bedampften die Wissenschaftler sie eine halbe Stunde lang in einer Geruchskammer mit Linalool. Je mehr Linalool die Tiere geschnuppert hatten, umso größer war anschliessend ihre Bereitschaft, sich im Hellen zu bewegen. Ähnliche Wirkungen zeigten sich auch in dem anderen Standard-Test, dem Elevated-Plus-Maze-Test. Dabeiwird beobachtet, wie stark die Tiere ihre Höhenangst überwinden können. Auch in diesem Test wurden die Mäuse durch den Linalool-Duft mutiger.

In einem dritten Test zeigte sich, dass die Aromatherapie mit Linalool die Koordination und der Gleichgewichtssinn der Tiere nicht störte, ein Anzeichen dafür, dass die Behandlung möglicherweise keine sedierenden Nebenwirkungen hat – im Unterschied zu einer Behandlung mit Benzodiazepinen.

Ohne Geruchssinn geht mit Linalool nichts

Die entspannende Wirkung von Linalool konnte schon in zahlreichen Studien belegt werden, schreibt Co-Autor Hideki Kashiwadani von der Universität Kagoshima. In diesen Untersuchungen sei es aber in der Regel nicht um die Wirkorte von Linalool gegangen. Die japanischen Forscher konnten nun mit ihren Experimenten belegen, dass die Wirkung an den Geruchssinn gebunden ist. Bei Mäusen mit fehlendem Geruchssinn zeigte die Aromatherapie keinen Effekt.

Die Forscher kamen auch dem möglichen Wirkmechanismus auf die Spur. Die angstlösende Wirkung von Linalool konnte durch Gabe von Flumazenil aufgehoben werden. Der Benzodiazepin-Antagonist wird in der Anästhesie als Gegenmittel bei Überdosierungen oder zur schnellen Beendigung einer Narkose eingesetzt. Hieraus schlossen die Wissenschaftler, dass Linalool seine Wirkung über den gleichen GABA-ergen Rezeptor erzielt wie Diazepam und andere Benzodiazepine.

Bislang hätten viele angenommen, dass die Absorption von Linalool über die Atemwege ins Blut zu direkten Effekten an Hirnzell-Rezeptoren, wie dem GABA-A-Rezeptor führt, erläutert Kashiwadani und fährt fort: „Unsere Ergebnisse zeigen jedoch insgesamt, dass Linalool nicht direkt an den Rezeptoren angreift, sondern dass es diese über olfaktorische Neuronen in der Nase aktivieren muss, um die spannungslösende Wirkung zu erzielen.“

Für die japanischen Forscher ist diese Entdeckung ein Schlüsselschritt hin zur Erprobung der klinischen Anwendung am Menschen. Sie könnten sich vorstellen, dass verdampftes Linalool in einigen Einsatzgebieten eine sicherere Alternative zu anderen Anxiolytika sein könnte, beispielsweise in der Chirurgie zur Linderung von präoperativem Stress oder auch bei Patienten, die mit der oralen oder rektalen Anwendung von angstlösenden Mitteln Probleme hätten, wie etwa Kleinkinder oder verwirrte ältere Personen.

Quelle:

https://science.orf.at/stories/2943219/

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/11/01/entspannt-und-mutig-durch-lavendel

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnbeh.2018.00241/full

Die Studie

„Linalool odor-induced anxiolytic effectsin mice“, Frontiers in Behavioral Neuroscience (23.10.2018).

 

Kommentar & Ergänzung:

Natürlich ist bei Untersuchungen mit Tieren immer der Vorbehalt zu machen, dass die Ergebnisse nicht so ohne weiteres auf Menschen übertragen werden können.

Resultate aus klinischen Studien an Patienten sind daher abzuwarten, bis die Wirksamkeit bei Menschen beurteilt werden kann. Solche Studien werden aber wohl mit mindestens zwei Schwierigkeiten zu kämpfen haben:

  1. Da Linalool als Naturstoff nicht patentierbar ist, wird sich nicht so leicht eine Firma finden, die den hohen finanziellen Aufwand für klinische Forschung investiert. Und dass die Universität selber dafür die Mittel aufbringen kann, ist eher unwahrscheinlich.
  2. Bei klinischen Studien mit ätherischen Ölen ist es grundsätzlich schwierig, eine verblindete Placebo-Kontrollgruppe zu machen. Wie soll ein Placebo hergestellt werden, dass genauso riecht wie Linalool, aber kein Linalool ist? Bei irgendwelchen Tabletten ist es einfach, eine wirkstoffreie Kopie herzustellen. Bei einem ätherischen Öl ist es praktisch nicht möglich. Diese fehlende oder unvollständige Verblindung wird einer solchen Studie als Schwachpunkt ausgelegt werden.

 

Darum lohnt es sich  für Aromatherapie und Phytotherapie, gut über diese Ergebnisse aus Japan nachzudenken, obwohl es sich nur um Untersuchungen an Mäusen handelt.

Lavendelblüten und Lavendelöl wurden über lange Zeit vor allem als beruhigendes Mittel bei Schlafstörungen eingesetzt. Erst in den letzten paar Jahren wurde verstärkt zum Einsatzbereich als Anxiolytikum (angstlösendes Mittel) geforscht und entsprechende Präparate entwickelt (Lasea-Kapseln). Die dank Linalool-Duft mutiger werdenden Mäuse stützen nun diese Indikation. Interessant ist aber auch, dass die japanischen Forscher die Wirksamkeit ausdrücklich über die Inhalation vermittelt sehen, während Lasea als Kapsel eingenommen wird, und ebenfalls Wirksamkeit in Studien gezeigt hat.

Siehe dazu:

Broschüre zu Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Lavendelöl

 Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl / Lasea®-Kapseln bei Angststörungen

Lavendel bei Unruhe und Einschlafstörungen

Wer fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminarund der Phytotherapie-Ausbildung

Europäischer Bericht zu Cannabis in der Medizin veröffentlicht

Die Europäische Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) hat erstmals einen Report über die medizinische Verwendung von Cannabis und Cannabinoiden publiziert, der Überblick bietet über bisher verfügbare Belege zur Wirksamkeit.

Der Bericht Medical use of cannabis and cannabinoids: Questions and answers for policymaking“trage der Tatsache Rechnung, dass immer mehr europäische Länder in diesem Bereich politische Strategien und Verfahren entwickeln, liess die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) dazu verlauten.

Zahlreiche EU-Länder erlauben inzwischen die medizinische Verwendung von Cannabis oder Cannabinoiden in bestimmter Form oder ziehen eine solche Zulassung in Erwägung. In Bezug auf die verfolgten Ansätze bestehen jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern, und zwar sowohl hinsichtlich der zugelassenen Produkte als auch der rechtlichen Rahmenbedingungen für ihre Bereitstellung.

Das Verständnis der vielfältigen nationalen Ansätze sei wichtig, um „in der EU eine fundierte politische Debatte über dieses Thema führen zu können“, schreibt die EMCDDA.

Diese unterschiedlichen Ansätze wurden mit Hilfe einer Auswahl von Fallstudien aus Drittländern, etwa den USA, Kanada, Australien und Israel beschrieben.

Der medizinische Einsatz von Cannabis beziehe sich auf eine Vielzahl von Produkten und Präparaten, die verschiedene Wirkstoffe enthalten und in unterschiedlicher Qualität auf unterschiedlichem Weg verabreicht werden können.

Die EMCDDA zieht den Schluss, dass weitere Forschungsarbeiten und klinische Studien nötig sind, um in Zukunft „erhebliche Lücken in den verfügbaren Evidenzdaten“ zu schließen. So sei zwar beispielsweise die Wirkung von Cannabinoiden in der Palliativversorgung teilweise untersucht worden, für die ausreichende Evidenz des therapeutischen Nutzens seien jedoch größere sowie längerfristig angelegte Studien nötig. Vergleichbares gilt für die Anwendung von Cannabis und Cannabinoiden bei Schlafstörungen, Angststörungen, Depression, oder neurodegenerativen Erkrankungen.

In den meisten Ländern habe sich im Hinblick auf die Bereitstellung von Cannabis oder Cannabinoide enthaltenden Produkten und Präparaten für medizinische Zwecke im Laufe der Zeit ein Wandel vollzogen – und das oftmals als Reaktion auf die Nachfrage von Patienten oder Produktentwicklungen, sagt EMCDDA-Direktor Alexis Goosdeel. Bei diesem Thema sei es wichtig, eine gemeinsame Sprache zu entwickeln, um eine Basis für Evaluierungen und Bewertungen zu schaffen.

Quelle:

https://science.orf.at/stories/2951314/

Der EMCDDA ist hier einsehbar:

http://www.emcdda.europa.eu/publications/rapid-communications/medical-use-of-cannabis-and-cannabinoids-questions-and-answers-for-policymaking_en

 

Kommentar & Ergänzung:

In den letzten Jahren hat sich bezüglich der Anwendung von Cannabis als Heilpflanze viel getan – in rechtlicher Hinsicht, durch neu zugelassene Cannabis-Präparate und im Bereich der Forschung.

Und natürlich gibt es forschungsmässig noch Lücken, die geschlossen werden müssen, damit ein klares Bild zu den sinnvollen Anwendungsbereichen von Cannabispräparaten entsteht, aber auch zu den Risiken und Grenzen.

In der Forschung steht neben Tetrahydrocannabinol (TCH) zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus.

In meinem Buchshop gibt’s eine aktuelle Broschüre zum Thema Cannabis als Arzneimittel:

Cannabis, von Klaus Häussermann, Franjo Grotenhermen und Eva Milz.

 

Siehe auch:

Cannabidiol (CBD) – ein Wirkstoff im Trend

Cannabis-Wirkstoffe: Neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

Cannabis-Therapie bei MS: Zusatznutzen von Sativex bei Spastik bestätigt

Cannabis als Medizin: Unterschiedliche Wirkung von Cannabis sativa und Cannabis indica

Und wenn Sie fundiertes Wissen über Cannabis als Arzneimittel und über andere Heilpflanzen erwerben möchten, dann empfehle ich meine Lehrgänge, die Phytotherapie-Ausbildung und das Heilpflanzen-Seminar.

 

 

Zimt schädlich?

Immer wieder hört man Warnung vor der Einnahme von Zimt wegen dem Gehalt an Cumarin, das für die Leber schädlich ist. Wichtig ist bei diesem Thema, dass es verschiedene Zimt-Arten gibt, die sich im Cumaringehalt stark unterscheiden.

Cassia-Zimt von Cinnamomum cassia ist die bei uns am häufigsten erhältliche Zimtart. Sie enthält gesundheitsschädliches Cumarin in deutlich höherer Konzentration als Ceylon-Zimt aus Cinnamomum verum.

Unterscheiden zwischen Cassia-Zimt und Ceylon-Zimt

Für Cumarin ist gesichert, dass es in höheren Mengen Leberschäden verursachen kann. Experten des Bundesinstituts für Risikoforschung in Deutschland zufolge sollte eine erwachsene Person mit 60 Kilo auf Dauer nicht mehr als zwei Gramm Cassia-Zimt pro Tag einnehmen. Diese Menge entspricht zirka einem gestrichenen Teelöffel Zimtpulver. Für eine 90 Kilo schwere Person wäre die tägliche Einnahme von bis zu drei Gramm unbedenklich.

Solche Mengen an Zimt werden bei uns in der Regel nicht erreicht, ausser wenn jemand in der Adventszeit Zimtsterne in Massen isst.

Für Kinder wird Zimt im Übrigen schon in deutlich geringeren Mengen bedenklich. Für ein Kleinkind mit einem Gewicht von 15 Kilo ist die tägliche Obergrenze bereits bei 0,5 Gramm erreicht.

Die aufgenommene Zimtmenge könnte allenfalls bei Personen problematisch werden, die Zimt als Mittel bei Diabetes einnehmen. In Studien zu diesem Thema wurden Zimt-Dosen von 0,5 bis 6 Gramm pro Tag eingenommen.

Wichtig ist aber auch hier:

Im teureren Ceylon-Zimt ist im Gegensatz zum Cassia-Zimt kaum Cumarin enthalten. Leider wird auf den Zimt-Produkten oft nicht deklariert, ob sie Cassia-Zimt oder Ceylon-Zimt enthalten.

Ceylon-Zimt zum Beispiel für selbstgebackene Zimtsterne bekommt man in Apotheken und Drogerien.

Zum Thema Zimt und Diabetes siehe:

Zimt und Diabetes: Zur aktuellen Studienlage

Wer differenzierte und fundierte Kenntnisse über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

 

 

 

 

Zimt gegen Diabetes: Zur aktuellen Studienlage

Zimt verfeinert nicht nur als Gewürz Süßspeisen. Er soll auch bei Diabetes helfen durch Senkung des Blutzuckerspiegels

Das versprechen zumindest zahlreiche Internetseiten, die Zimtkapseln als gesundheitsförderndes Nahrungsergänzungsmittel für eine „natürliche“ Blutzuckerregulierung anpreisen.

Die zusammengefassten Resultate bisheriger Studien zeigen allerdings, dass Zimt den Blutzuckerspiegel bei Diabetikerinnen und Diabetikern wahrscheinlich nicht beeinflusst.

Das Portal medizin-transparent hat mehrere wissenschaftliche Datenbanken nach entsprechenden Forschungsarbeiten durchforstet. Insgesamt konnten die Wissenschaftler elf einigermaßen aussagekräftige Studien finden. Die zusammengefassten Resultate dieser Studien sind jedoch enttäuschend und weisen darauf hin, dass Zimt den Blutzuckerspiegel von Diabetes-Betroffenen wahrscheinlich nicht günstig beeinflussen kann.

Für die Studien wurden mehr als 900 Menschen mit Diabetes per Zufall einer von zwei Gruppen zugelost. Eine Gruppe bekam täglich Nahrungsergänzungsmittel mit Zimt, die andere Gruppe ein wirkstoffloses Scheinpräparat. Nach Abschluss der Studien unterschieden sich die Blutzuckerwerte in Summe nicht zwischen beiden Gruppen.

Die Studien dauerten allerdings nur zwei bis vier Monate. Eine längerfristigere Wirkung von Zimt – zum Beispiel auch auf gesundheitliche Folgen durch eine Diabeteserkrankung – wurde bisher gar nicht untersucht.

Medizin-transparent stellt die Studien im Detail vor:

In einer systematischen Übersichtsarbeit fassten ein Wissenschaftler und eine Wissenschaftlerin aus Australien die Studienlage zu Zimt und Diabetes bis Januar 2012 zusammen. Insgesamt fandes sie zehn randomisiert-kontrollierte Studien an 577 Personen mit Typ 1 oder Typ 2 Diabetes.

In diesen Studien waren die Probanden per Zufall (randomisiert) einer von zwei Gruppen zugeteilt worden. Eine Gruppe bekam Kapseln oder andere Präparate mit Zimt. Die andere Gruppe erhielt ein gleich aussehendes Placebomittel ohne Zimt. Die tägliche Zimt-Dosis reichte von 0,5 bis 6 Gramm. Die Einnahmedauer betrug ein bis vier Monate. Die Versuchspersonen stammten hauptsächlich aus wohlhabenden Staaten wie den USA, Deutschland oder Großbritannien, aber auch aus Ländern wie Thailand, Pakistan oder dem Libanon.

Sechs der zehn Studien verglichen am Ende der Untersuchung eine Maßzahl für den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel innerhalb der vergangenen drei Monate – den HbA1c-Wert. Dieser Wert steht für den Anteil des Blutfarbstoffs Hämoglobin, an den der im Blut vorkommende Zucker Glucose gebunden ist. Für Experten ist er bei der Behandlung von Diabetes aussagekräftiger als eine einmalige Messung des Blutzuckers. Beim Studienende zeigte sich praktisch kein Unterschied der HbA1c-Werte zwischen der Zimt- und der Placebo-Gruppe.

Kein Unterschied zeigte sich am Studienende auch beim Nüchtern-Blutzucker, den sechs Studien untersuchten.

Da die erwähnte Übersichtsarbeit nur Studien bis Januar 2012 berücksichtigt hat, suchten die Fachleute von Medizin-transparent in Forschungsdatenbanken nach aktuelleren wissenschaftlichen Resultaten.

Sie fanden dabei sieben weitere randomisiert-kontrollierte Studien, die den HbA1c-Wert bei den untersuchten Personen erhoben haben. Zwei dieser Studien waren äußerst mangelhaft in der Durchführung, sodass ie als nicht aussagekräftig eingestuft wurden.

Die restlichen fünf Studien stammen alle aus dem Iran und umfassten 359 Männer und Frauen mit Diabetes. Eine Zusammenfassung dieser iranischen Daten mit den Ergebnissen der älteren systematischen Übersichtsarbeit bestätigte das Resultat des australischen Forschungsduos von 2012: Mit Zimt lässt sich der HbA1c-Wert von Diabetikerinnen und Diabetikern wahrscheinlich nicht verbessern.

Medizin-Transparent weist aber darauf hin, dass die Studienergebnisse die Wirkung von Zimt nur über eine Dauer von maximal vier Monaten wider. Darum lässt sich nicht völlig ausschließen, dass Zimt über einen längeren Zeitraum doch noch eine kleine Wirkung zeigt.  Die Beurteilung enthält auch einige Unsicherheiten, weil die Qualität der meisten Studien zu wünschen übrig lässt. Zum Beispiel ist nicht immer ausgeschlossen, dass sich Zimt- und Placebogruppe in einzelnen Punkten schon vor Studienbeginn unterschieden. Dadurch wird es schwieriger, die beiden Gruppen zu Studienende zu vergleichen. In etlichen Fällen könnte das Resultat zudem verzerrt sein, weil Probanden vorzeitig aus der Studie ausgeschieden sind. Darüber hinaus ist die Zahl der Probanden in den meisten Studien sehr klein.

Trotz allem weichen die Resultate der Einzelstudien nach Einschätzung der Fachleute von Medizin-transparent nicht stark voneinander ab und deuten in dieselbe Richtung. Das bedeutet, dass die Resultate der Übersichtsarbeit von 2012 bestätigt wurden.

Quelle

https://www.medizin-transparent.at/zimt-wirkung-diabetes

 

Kommentar & Ergänzung:

Beim Thema Zimt und Diabetes erleben wir eine ernüchternde Entwicklung der Studienlage. Denn eine im Dezember 2003 in der renommierte Zeitschrift  „Diabetes Care“ publizierte randomisierte und Placebo-kontrollierte Studie der Agricultural University in Peshawar (Pakistan) kam zu beeindruckenden Ergebnissen.

Die Forscher untersuchten insgesamt 60 Personen mit Typ-2-Diabetes, 30  Frauen und 30 Männer. Sie ergänzten die Nahrung der Verum-Gruppe mit 1, 3 oder 6 Gramm Zimt pro Tag in Form von Kapseln  à 500mg, während die Placebo-Gruppe identisch aussehende zimtfreie Kapseln erhielt.  Zimt bzw. Placebo wurden während 40 Tagen eingenommen. Anschliessend folgte eine 20tägige Wash-out-Phase.

An den Tagen 0, 20, 40 und 60 wurden die Blutwerte von Glukose, Triglyzeriden, Gesmtcholesterin, HDL-Cholesterin und LDL-Cholesterin bestimmt.

Die Ergebnisse waren eindrücklich:

Glukose:

Nach 40 Tagen wurden in allen drei Verum-Gruppen (1, 3 und 6 Gramm) eine signifikante Verminderung des Nüchtern-Blutzuckers um  18 – 29 %festgestellt, die jedoch nicht dosisabhängig war.

Triglyceride:

Auch die Triglyceride waren nach 40 Tagen signifikant vermindert um 23 – 30 %.

Gesamtcholesterin:

Hier zeigten sich schon nach 20 Tagen Zimteinnahme signifikante Werte (minus 12 – 26%), welche dann in den Gruppen mit 1 Gramm und 6 Gramm nach 40 Tagen auf ähnlichem Wert blieben und  nur in der Gruppe mit 3 Gramm weiter absanken. Auch nach der 20-Tage-Wash-out-Phase blieben diese Werte in den drei Gruppen erhalten.

LDL:

Durchschnittliche Reduktion nach 40 Tagen um 7-27 %. Die Gruppen mit 3 Gramm und 6 Gramm Zimt erreichten mit 10% respektive 24 % nach 40 Tagen signifikante Werte. In der 1-Gramm-Gruppe war dies  nach 40 Tagen noch  nicht soweit. Die Werte sanken jedoch in der Wash-out-Phase weiter und ereichten nach 60 Tagen Signifikanz!

HDL:

Bei den HDL-Werten wurden keine signifikanten Veränderungen festgestellt.

Placebo:

In allen Placebo-Gruppen blieben die Werte  bei jeder Messung gleich

Die günstigen Effekte waren auch 20 Tage nach Absetzen des Zimts zumindestens teilweise immer noch messbar, doch stiegen die Blutzuckerwerte nach Beendigung der Einnahme wieder an.

Mit 3 und 6 Gramm Zimt liessen sich keine besseren Ergebnisse erzielen als mit 1 Gramm. Die Einnahme des Zimts bewirkte keine unerwünschten Nebenwirkungen . Ein akuter Zuckermangel, eine der häufigsten und gefährlichsten Nebenwirkungen von Antidiabetika, trat mit Zimt offenbar nicht auf.

Und nun mit Stand 2018 sieht die Studienlage zur Wirkung des Zimts gegen Diabetes sehr anders aus. Was lernen wir daraus?

Eine erste erfolgreiche Studie bringt noch kein einwandfreies Ergebnis. Die Vermarktung von Produkten wie Zimtkapseln startet aber oft bereits mit hoher Intensität schon auf der Grundlage dieser ersten positiven Studie. Folgen dann Studien mit negativen Ergebnissen, werden diese kaum mehr zur Kenntnis genommen – weder von den Herstellern der Produkte noch von den Konsumentinnen und Konumenten.

Zur Diskussion um ein allfälliges Risiko durch Cumarine aus dem Zimt:

Zimt schädlich?

Wer differenzierte und fundierte Kenntnisse über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar.

 

Umkaloabo und Kaloba – was ist der Unterschied?

Umckaloabo® ist ein Erkältungsmittel aus Pelargonium sidoides (Kapland-Pelargonie).

Kaloba® ist ein identisches Präparat. Der einzige Unterschied:

Kaloba® wird von der Grundversicherung bezahlt, wenn eine Arzt oder eine Ärztin es verschreibt. Kaloba® ist weniger bekannt als Umckaloabo®, weil dafür keine Publikumswerbung gemacht werden kann.

Die Zusammensetzung ist aber identisch:

1 g Lösung enthält 800 mg Flüssigextrakt (1:8–10) aus den Wurzeln von Pelargonium sidoides.

Kaloba und Umckaloabo werden angewendet bei akuter Bronchitis (Entzündung der Bronchien). Für diesen Anwendungsbereich gibt es Studien, die eine Wirksamkeit belegen. Diese Studien  gelten nur für Umckaloabo® / Kaloba®. Sie lassen sich auf andere Präparate aus Pelargonium sidoides, die anders hergestellt wurden, nicht so einfach übertragen.

 

Siehe auch:

Metaanalyse zeigt: Umckaloabo lindert Atemwegsinfekte

Phytotherapie: Umckaloabo-Studien

Phytotherapie: Umckaloabo / Pelargonium sidoides bei Erkältungen

Wenn Sie lernen möchten, wie sich Naturheilmittel und Phytopharmaka beurteilen lassen, und wenn Sie die Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen fundiert kennenlernen möchten, dann können Sie das in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar

Studienlage zur Phytotherapie bei Erkältungskrankheiten

Professor Dr. Robert Fürst von der Uni Frankfurt hat vor kurzem in der Pharmazeutischen Zeitung die Studienlage zu Heilpflanzen-Präparaten bei Erkältungskrankheiten dargelegt.

Zur Vorbeugung von Atemwegsinfektionen allgemein hat gemäss Fürst das Präparat Angocin® Anti-Infekt N zeigen können, dass es die Infektwahrscheinlichkeit gegenüber Placebo reduziert (DOI: 10.1185/03007995.2012.742048).

Als Therapeutikum kann Esberitox® die Symptomlast vermindern. Es verkürzt jedoch nicht die Erkrankungsdauer (DOI: 10.1185/03007999909114094).

Laut den Resultaten eines Cochrane-Reviews aus dem Jahr 2014 kann für Echinacea von einem geringen Effekt bei der Vorbeugung und keinem Effekt bei der Behandlung ausgegangen werden (DOI: 10.1002/14651858.CD000530.pub3). In der Metaanalyse von 24 Studien wurden allerdings extrem heterogene Präparate zusammengefasst (verschiedene Echinacea-Arten, Pflanzenteile oder Extraktionsverfahren). In diesem Fall müsse man sich gezielt die Studien der einzelnen Präparate ansehen, erklärt Fürst. Echinacin® Liquidum Madaus habe zum Beispiel bei Kindern die Schwere und Dauer der Symptome lindern können (DOI: 10.1001/jama.290.21.2824).

Bei einer akuten Rhinosinusitis kann gemäss aktueller S2k-Leitlinie eine Therapie mit Sinupret® extract oder definierten Eucalyptus-Extrakten empfohlen werden. Für eine Empfehlung bei rezidivierender oder chronischer Rhinosinusitis ist laut Fürst die Evidenzlage dagegen nicht genügend. Darüber hinaus gibt es gemäss Fürst Studien, die auch für einen Einsatz von Umckaloabo® bei bakterieller Sinusitis (Bachert et al. Rhinology. 2009; 47: 51-58) sowie bedingt auch für Gelomyrtol® forte (DOI: 10.1055/s-2007-997381) und Soledum® (DOI: 10.1097/00005537-200404000-00027) sprechen. Umckaloabo sei allerdings nicht für die Indikation akute Rhinosinusitis zugelassen.

Zur Therapie von Halsschmerzen sagt die Leitlinie, deren Gültigkeit allerdings abgelaufen ist und die zurzeit überarbeitet wird: »Pflanzliche Arzneimittel können bei ausgeprägtem Therapiewunsch oder unzureichender Wirksamkeit besser belegter symptomatischer Maßnahmen mit Einschränkungen empfohlen werden«. Positiv erwähnt wird der Valverde® Salvia Rachenspray, der allerdings nicht in Deutschland auf dem Markt ist, sowie Umckaloabo. Das Pelargonium-Präparat hat allerdings auch für Halsschmerzen bzw. die akute Pharyngitis keine Zulassung.

Auch in der gültigen S3-Leitlinie Husten finden Phytopharmaka positive Erwähnung: die Kombination aus Thymiankraut und Efeublättern (in Bronchipret® Saft TE), die Kombination aus Thymiankraut und Primelwurzel (in Bronchipret® TP Filmtabletten und Bronchicum® Tropfen) und auch bei dieser Indikation Pelargonium sidoides, also Umckaloabo. Plausibel erscheint Fürst bei akuter Bronchitis der Einsatz von gut untersuchten Efeu-Monopräparaten wie Prospan® oder Hedelix® sowie Gelomyrtol forte und bedingt auch Soledum, obwohl diese Präparate nicht in der Leitlinie aufgeführt sind.

Es gebe noch viele andere Präparate. Nur weil es noch keine überzeugenden Studien gebe, heisse das nicht, dass diese nicht wirken, sagte Fürst. Er rät aber, sich an der aktuellen Datenlage und den Bedürfnissen der Patienten zu orientieren.

Quelle;

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/phytos-evidenzbasiert-bewerten/

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine gute Zusammenstellung der Heilpflanzen-Präparate (Phytopharmaka), deren Wirksamkeit  im Bereich der Erkältungskrankheiten mit Studien belegt ist.

Unterstrichen werden muss dabei, dass diese Studienlage und diese Bestätigungen für Wirksamkeit nur für die untersuchten Präparate gelten. Wenn also ein Efeu-Monopräparat wie Prospan positive Studien vorlegen kann, dann lässt sich das zum Beipsiel nicht auf Efeutinktur übertragen, weil es sich dabei aufgrund unterschiedlicher Herstellungsverfahrung um unterschiedliche Produkte handelt.

Ebenso bei Pelargonium-Präparaten: Belegt ist ausschliesslich Umckaloabo®, weil dieser Hersteller die Studien finanziert hat.

Der Valverde Salvia Rachenspray (mit Salbei) war in der Schweiz im Handel, jetzt nicht mehr. Bei Halsschmerzen ist Gurgeln mit Salbeitee aber eine gute Option. Studien gibt es dazu allerdings nicht, denn für eine simple Kräutertee-Anwendung, die sich nicht patentieren lässt, gibt es keine Finanzierung für fundierte Forschung.

Angocin ist in der Schweiz nicht im Handel, wird aber von Apotheken bei Nachfrage besorgt. Das Präparat enthält Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressenkraut. Ich würde dieses Präparat allerdings eher bei akuter Bronchitis (oder akuter Blasenentzündung) einsetzen und weniger zur Vorbeugung.

Gelomyrtol ist ein Gemisch von ätherischen Ölen mit der Hauptkomponente Eukalyptusöl. Ein identisches Präparat ist unter dem Namen Gelodurat im Handel und kassenzulässig aus der Grundversicherung, wenn ein Arzt oder eine Ärztin es verschreibt.

Im übrigen: Die erwähnten DOI-Nummern verweisen auf die entsprechenden wissenschaftlichen Publikationen. Details hier auf Wikipedia.

Professor Fürst hat ein kleines Buch publiziert und darin die durch Studien belegten Heilpflanzen-Anwendungen zusammengefasst:

Pflanzliche Arzneimittel – was wirklich hilft

Ich habe dieses gut verständlich geschriebene Buch in meinem Buchshop genauer vorgestellt. Dort können Sie es auch via Buchhaus bestellen (hier).

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Cannabidiol wirksam bei Reizdarm?

Dem Cannabis-Wirkstoff Cannabidiol (CBD) wird seit einiger Zeit große Beachtung geschenkt, in den Medien, bei Patienten und auch bei Wissenschaftlern, da der Substanz verschiedene gesundheitsfördernde und entzündungshemmende Effekte zugesprochen werden. US-Forscher wollen nun untersuchen, ob Cannabidiol auch beim Reizdarmsyndrom wirksam ist.

Im US-Bundesstaat Pennsylvania startete vor kurzem eine klinische Pilotstudie mit CBD, die vom kanadischen Unternehmen FSD Pharma in Auftrag gegeben wurde. Die Firma forscht zu neuartigen Cannabinoidtherapien zur Behandlung unter anderem von chronischen Schmerzen, Fibromyalgie und Reizdarmsyndrom. Das entwickelte CBD-Kombinationsprodukt „Steady Stomach” soll zunächst bei Patienten mit Reizdarmsyndrom zur Anwendung kommen.

 

Nach Angaben des Herstellers ist das Präparat „eine zum Patent angemeldete Kombination von Cannabidiol (CBD) zusammen mit zusätzlichen synergistischen Faktoren, die die entzündungshemmenden Eigenschaften von CBD potenziert und aktiviert”. Dadurch soll das Präparat wirksamer in der Therapie des Reizdarmsyndroms sein. In den westlichen Ländern sind zirka 10 bis 20 Prozent der Menschen von dieser Funktionsstörung des Darms betroffen, was bei den Patienten oft zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität führt. Zu den Symptomen gehören unter anderem Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung sowie Blähungen.

Die Forscher wollen im Rahmen dieser Untersuchungen Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit des Präparates sammeln. Sie führen dazu eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie im Cross-over-Design durch. Da die Zahl der Probanden relativ gering ist, dürften weitere groß angelegte Studien nötig sein, um statistisch signifikante Aussagen daraus zu ziehen und den medizinischen Nutzen belegen zu können. Die Studie basiert auf den zuvor gesammelten Daten zur Wirksamkeit aus einer präklinischen Studie im Nagetiermodell auf. Dabei zeigte sich die bei Anwendung des Kombinationsprodukts im Vergleich zu CBD allein eine dreifach höhere Wirksamkeit bei der Reduktion der abdominalen Entzündungswerte.

 

Pharmakologische Wirkungen von CBD

CBD wirkt als Antagonist am G-Protein-gekoppelten Cannabinoidrezeptor GPR55 und blockiert den zellulären Ionenkanal TRMP8, den α1-Adrenozeptor und den µ-Opioidrezeptor. Darüber hinaus verhindert CBD den Abbau des endogenen Cannabinoids Anandamid, da das Enzym Fettsäureamid-Hydrolase (FAAH) inhibiert wird. Weitere Effekte von CBD sind die Blockade von Calciumkanälen sowie die Inhibition der Wiederaufnahme von Botenstoffen.

 

Das Interesse am therapeutischen Potenzial von CBD nimmt weltweit stetig zu. Die Substanz kann in verschiedenen Anwendungsbereichen zum Einsatz kommen, denn sie besitzt neben den antiepileptischen auch angstlösende, antipsychotische und entzündungshemmende Eigenschaften.

Zudem ist ein Einsatz gegen Übelkeit und Erbrechen sowie zur Appetithemmung möglich. Die denkbaren Indikationsgebiete benötigen allerdings eine ärztliche Überwachung und individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung.

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/cannabidiol-bei-reizdarm-forscher-testen-wirksamkeit-steady-stomach/

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Die Forschungen zu Cannabinol bei Reizdarm stecken noch in den Kinderschuhen. Aus dem Bericht geht nicht hervor, um welche Substanzen es bei diesen „zusätzlichen synergistischen Faktoren“ geht, die die entzündungshemmenden Eigenschaften von CBD potenzieren und aktivieren sollen.

 

Auch der Cannabis-Wirkstoff THC wird bezüglich einer Wirksamkeit zur Linderung von Reizdarm erforscht.

Siehe:

Dronabinol (THC) vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten.

 

Zu CBD / THC in der Medizin siehe auch:

Cannabinol (CBD): Ein Wirkstoff im Trend

Cannabis-Wirkstoffe: Neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

Cannabis-Therapie bei MS: Zusatznutzen für Sativex-Spray gegen Spastik bestätigt

Cannabis als Medizin: Unterschiedliche Wirkung von Cannabis sativa und Cannabis indica

Die Wirkungen und Indikationen von Cannabis als Arzneimittel und die Möglichkeiten einer legalen Anwendung sind auch Thema in meinen Lehrgängen, der Phytotherapie-Ausbildung und dem Heilpflanzen-Seminar– natürlich neben allen anderen Heilpflanzen.

 

Kräuterlexikon: Borretsch als Heilpflanze

Auf T-online wird in einem Beitrag der Borretsch (Borago officinalis) als Heilpflanze beschrieben. Die Aussagen kommen mir vor wie frei erfunden. Hier Zitate aus diesem Beitrag mit Kommentaren von mir:

„Der Borretsch wird häufig als Gewürz im Salat genutzt. Dank seiner heilsamen Wirkung wird er auch zum Beispiel bei Herzschwäche und Bluthochdruck eingesetzt.“

Es gibt keinerlei Belege oder auch nur plausible Argumente für eine Wirksamkeit von Borretsch bei Herzschwäche und Bluthochdruck.

Zur Wirkung von Borretsch schreibt T-online:

„Er wirkt beruhigend, entgiftend und entzündungshemmend…..”

Es gibt keinerlei Belege oder auch nur plausible Argumente für beruhigende und entgiftende Wirkungen von Borretschkraut. Dass man mit Heilpflanzen „entgiften“ kann, ist grundsätzlich eine fragwürdige bis abstruse Vorstellung. Eine entzündungswidrige Wirkung der Borretschkrauts könnte allenfalls noch mit dem Gerbstoffgehalt erklärt werden (dann aber nur lokal / äusserlich).

In der Phytotherapie-Fachliteratur finden sich zu Borretschkraut nur wenige Hinweise, weil es dazu kaum gesicherte Erkenntnisse gibt. Beispiel:

„Borretschkraut wirkt adstringierend (Gerbstoffe) und einhüllend (Schleimstoffe) und gilt volkstümlich als Bronchotherapeutikum; die Wirkung ist wissenschaftlich nicht belegt, eine Verwendung als Arzneidroge angesichts der Risiken…nicht vertretbar.“

(Aus: Heilpflanzenlexikon, Dietrich Frohne, 2006).

Mit den Risiken ist der Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden im Borretschkraut gemeint, die lebertoxisch wirken können.

T-online empfiehl Borretschkraut bei einer ganzen Reihe von Anwendungsbereichen:

„ ….und wird bei Herzbeschwerden, Bluthochdruck und Schlafbeschwerden eingesetzt.“

„Des Weiteren hat die Pflanze eine fiebersenkende Wirkung und soll bei Gicht, Rheuma und Menstruationsbeschwerden helfen.“

Hier wird eine fiebersenkende Wirkung behauptet, die völlig ungeklärt ist. Dazu gibt es meines Wissens nirgendwo plausible Hinweise.

Rheuma und Menstruationsbeschwerden gibt es keine Belege oder auch nur glaubwürdige Argumente. Immerhin wird hier mit der Formulierung „soll“ keine Wirkung absolut behauptet.

Soweit die Ausführungen zur innerlichen Anwendung.

Zur äusserlichen Anwendung schreibt T-online:

„Außerdem können Sie Borretsch äußerlich anwenden: als Tee oder verdünnte Tinktur in Umschlägen oder Bädern. So kann das Kraut auch bei schlecht heilenden Wunden, Hautausschlägen oder Ekzemen helfen.“

Es gibt keinerlei Belege für eine Wirksamkeit von äusserlich angwandtem Borretschkraut bei schlecht heilenden Wunden, Hautausschlägen oder Ekzemen helfen. Aufgrund des Gerbstoffgehalts ist ein Effekt von Bädern und Umschlägen bei nässenden Wunden und Ekzemen zumindestens denkbar. Das gilt aber wirklich nur für nässende Wunden und Entzündungen – und es gibt dafür besser geeignete Heilpflanzen (z. B. Schwarztee, Eichenrinde).

Borretschsamenöl bei Neurodermitis

Gegen Ekzeme bei Neurodermitis (Atopische Dermatitis) wird in der Phytotherapie Borretschsamenöl angewendet, in der Regel innerlich in Form von Kapseln, manchmal auch äusserlich. Borretschsamenöl enthält wie Nachtkerzenöl Gamma-Linolensäure als Wirkstoff.  Und im Gegensatz zum Borretschkraut gibt es beim Borretschsamenöl kein Risiko bezüglich der Pyrrolizidinalkaloide.

Für die Anwendung von Borretschsamenol bei Neurodermitis gibt es zumindestens einige Hinweise aus Studien, die auf eine Wirksamkeit deuten. Und genau diese Anwendung kommt im Beitrag auf T-online gar nicht vor.

Das zeigt, wie willkürlich die Aussagen in diesem Artikel auf T-online sind.

Quelle der Zitate:

https://www.t-online.de/gesundheit/heilmittel-medikamente/id_77694630/borretsch-alles-zur-heilpflanze-und-verwendung.html

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Beispiel verdeutlicht, dass beim Thema „Heilpflanzen“ in den Medien (und im Buchhandel) über weite Strecken ein Qualitätsproblem vorliegt. Den meisten Verlagen scheint es egal zu sein, ob auch stimmt, was da geschrieben wird. Hauptsache es gibt Klicks im Internet und damit Werbeeinnahmen, und gute Verkaufszahlen im Büchermarkt.

Für Konsumentinnen und Konsumenten ist das nur schwer durchschaubar.

Heilpflanzen-Bücher, die punkto Qualität meines Erachtens verlässlich sind, stelle ich in meinem Buchshop vor. Sie können dort auch bestellt werden und die Lieferung kommt dann vom Buchhaus „Lüthy Balmer Stocker“ (Zur Übersicht geht’s hier).

Wer sich fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchte, kann das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

 

 

 

Sind Cranberry-Produkte wirksam gegen Blasenentzündung?

Die Großfrüchtige Moosbeere (englisch Cranberry genannt) steht im Ruf, das Risiko von Harnwegsinfekten reduzieren zu können. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) überprüfte, ob Cranberry-Produkte ihr Geld wert sind.

Hauptsächlich Frauen erkranken zumindest einmal im Leben an einer Harnwegsinfektion, doch auch auch Kinder, ältere Menschen und Personen mit Blasenkatheter sind gefährdet. Auslöser der Harnwegsnfektion sind meistens Bakterien, die beispielsweise aus dem Darm in die Harnwege gelangen können. Charakteristische Symptome einer Harnwegsinfektion sind Brennen oder Schmerzen beim Harnlassen, Blut im Urin und das Gefühl, dauernd aufs WC zu müssen. Um die Erreger einer Harnwegsinfektion und damit die Beschwerden loszuwerden, werden häufig Antibiotika verschrieben. Doch diese Medikamente können manchmal Nebenwirkungen auslösen und zu Resistenzen führen.

Als Alternative insbesondere zur Vorbeugung von Blasenentzündung werden seit einiger Zeit Produkte mit Cranberry angeboten. Sie kommen in verschiedener Form in den Handel – als Cranberrysaft, als Instand-Granulat zum Auflösen, als Tabletten oder Kapseln.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Wien und seine Partner vom Portal medizin-transparent sind der Frage nachgegangen, ob Cranberry-Produkte halten, was sie versprechen.

Die Experten überprüften, ob es gute wissenschaftliche Studien gibt, die eine Wirksamkeit der Cranberry-Präparate belegen. Nach einer aufwendigen Literaturrecherche kommen sie zum Schluss, dass es zurzeit leider unklar ist, ob Cranberrys ein wirksames Mittel zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten sind.

Zwar deuten die meisten ausgewerteten Studien in diese Richtung deuten, doch könnte es sich dabei nach Ansicht der Experten auch um einen Zufallsbefund handeln. Problematisch fanden sie offensichtlich auch, dass die untersuchten Studien sich teilweise nicht miteinander vergleichen lassen, dass viele der Studien zu klein um Aussagekräftig zu sein und dass Teilnehmerinnen oft vorzeitig aus der Studie ausgestiegen sind.

Diese und noch weitere Faktoren könnten nach Ansicht der Konsumentenschützer zu einer Verzerrung der Resultate führen.

 

Nebenwirkungen durch Cranberry eher unwahrscheinlich

 

Bezüglich möglicher unerwünschter Wirkungen scheint von den Cranberry-Produkten allerdings keine Gefahr auszugehen, wobei das Auftreten von Nebenwirkungen in den vorliegenden Cranberry-Studien jedoch nicht sonderlich gut dokumentiert wurde.

 

Quelle:

https://www.kleinezeitung.at/lebensart/gesundheit/5529222/Nachgefragt_Helfen-CranberryProdukte-gegen-Blasenentzuendung

 

Kommentar & Ergänzung:

Cranberry soll die Anhaftung von Bakterien an der Schleimhaut hemmen und dadurch Blasenentzündungen vorbeugen. Die Studienlage ist genau so, wie VKI und medizin-transparent es darstellen: unklar.

Die Cranberry-Forschug steht vor mehreren Problemen. Die im Handel erhältlichen Cranberry-Produkte sind sehr unterschiedlich in ihrer Wirkstoffkonzentration. Diese Heterogenität macht es schwierig, die greifbaren Studien in einer Metaanalyse zusammenzufassen und daraus Schlüsse zu ziehen. Zudem sind Cranberry-Produkte oft  herb im Geschmack und die Einnahme über längere Zeit fällt deshalb vielen Studienteilnehmerinnen nicht leicht. Es kommt zu Studienabbrüchen, die sich auf die Qualität der Studien negativ auswirken.

Cranberry-Produkte sollten einen Mindestgehalt von 36 mg oligomere Procyanidine / Tag enthalten.

Wenn Sie Naturheilmittel präzis kennenlernen und fundiertes Wissen über Heilpflanzen-Anwendungen erwerben möchten, können Sie das in meinen Lehrgängen, dem Heilpflanzen-Seminar und der Phytotherapie-Ausbildung.

 

 

 

 

Wirkt Zink gegen Erkältungen? Das ist sehr fraglich!

Um die Frage, ob Zink gegen Erkältungen helfen kann, gibt es immer wieder Diskussionen.

Auf den ersten Blick scheint die Studienlage darauf hinzuweisen, dass Zink, wenn es in der Dosierung von 75 mg / Tag eingenommen wird, die Erkrankungsdauer verringern kann. Nachweisen lässt sich ein solcher Effekt allerdings nur, wenn die Einnahme innerhalb von 24 Stunden nach Beginn der ersten Symptome geschieht.

Der Effekt ist jedoch bescheiden. Wer Zink-Präparate einnimmt, dürfte seine Erkältung um durchschnittlich einen Tag abkürzen. Eine Erkältung dauert unbehandelt im Durchschnitt etwa eine Woche.

Zur Frage, ob die Erkältung infolge der Zinkeinnahme milder verläuft, fallen die Resultate widersprüchlich aus. Dass die Schwere der Erkältungssymptome durch Zinkeinnahme gemildert wird, lässt sich jedenfalls nicht belegen.

Der Nutzen einer langfristigen Einnahme zur Vorbeugung, das heißt mindestens 75 mg pro Tag über fünf Monate, lässt sich bislang ebenfalls nicht beurteilen. Es existieren dazu schlichtweg zu wenige Daten.

Diese Bewertungen basieren auf einer systematischen Übersichtsarbeit & Meta-Analyse der Cochrane Collaboration von Sinh (2013). Diese Arbeit wiederum basiert auf der Auswertung von insgesamt 18 randomisiert-kontrollierten Studien mit total 1781 Personen.

Aber jetzt kommt der Clou:

 

Diese entscheidende Metaanalyse zu Zink & Erkältungen wurde inzwischen wegen gravierender Mängel zurückgezogen.

Infos dazu hier:

https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD001364.pub5/full

Da frühere Studien keinen Nutzen zeigen konnten, fehlt im Moment eine wissenschafltiche Basis,  um Zinkpräpraten eine Wirksamkeit zuzuschreiben.

Dazu kommt noch:

Zink-Präparate schmecken nicht besonders gut und können manchmal Übelkeit hervorrufen.

Als Sirup oder Tabletten sollen sie gemäss den vorliegenden wissenschaftlichen Studien jedoch besser verträglich sein  als in Form von Lutschpastillen.

Zink soll in der Regel nüchtern eingenommen werden, also eine Stunde vor oder zwei Stunden nach einer Mahlzeit, weil gleichzeitig aufgenommene Nahrungsmittel, Genussmittel und Medikamente die Aufnahme in den Körper verringern können.  Das betrifft beispielsweise Kaffee, Schwarztee oder Getreideflocken.

Hohe Zink-Dosen sollen ohne Indikation nicht über längere Zeit eingenommen werden, weil daraus ein Kupfermangel entstehen kann.

Keinesfalls sollte Zink in den hohen Dosierungen, die gegen Erkältungen empfohlen werden (75mg/Tag), über längere Zeit eingenommen werden. Als Obergrenze für die tägliche Zink-Aufnahme nennt das  Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für Erwachsene 25 mg pro Tag – wobei Zink in Lebensmitteln mit einberechnet ist.

Den normalen Tagesbedarf an Zink kann man zudem gut mit der Ernährung decken.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Männer eine tägliche Zinkzufuhr von zehn Milligramm (mg), für Frauen von sieben mg.

Dieser Bedarf lässt sich beispielsweise über zwei Scheiben Vollkornbrot mit Käse und fünf Esslöffeln Haferflocken decken. Jürgen Thier-Kundke vom BfR.

 sagt: „Deutschland ist kein Zinkmangelgebiet. Ein sich ausgewogen ernährender Mensch braucht keine Nahrungsergänzungsmittel.“

 

Insgesamt lässt sich meines Erachtens der Schluss ziehen: Zinkpräparate sind sowohl hoch dosiet gegen Erkältungen als auch niedriger dosiert als Supplement in Nahrungsergänzungsmitteln von Spezielfällen abgesehen überflüssig. Nutzen daraus ziehen nur die Hersteller und Verkäufer der Präparate.

 

 

 

Quellen:

https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/947057/erkaeltungpraevention-gewappnet-husten-schnupfen-heiserkeit.html

https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Zink

https://www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/Zink-Gut-fuer-die-Gesundheit-aber-kein-Alleskoenner-id40521086.html