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Studie zeigt gutes Sättigungsgefühl mit Olivenöl

Olivenöl ist nicht nur gesund und enthält zahlreiche ungesättigte Fettsäuren, es hat auch eine stark sättigende Wirkung. Zu diesem Resultat kommt ein deutsch-österreichisches Wissenschaftlerteam. Demnach sorgen gewisse Aromastoffe im Olivenöl dafür, dass der Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit sich nur langsam wieder reduziert. Dadurch wird das Sättigungsgefühl verstärkt. Wie viele dieser günstig wirkenden Aromastoffe ein Olivenöl enthält, ist je nach Herkunft unterschiedlich, wie die Wissenschaftler berichten. In ihrer Untersuchung schnitten italienische Olivenöle am besten ab.

Fettreduzierte Lebensmittel liegen im Trend: Zahlreiche Menschen hoffen darauf, mit „Light“-Produkten ab- oder wenigstens nicht zuzunehmen. Deren Wirkung ist aber umstritten: Denn die Konsumenten nehmen mit „Light“-Produkten zwar weniger Energie auf, essen dafür jedoch häufig mehr, weil sie sich nicht satt fühlen. Ernährungsfachleute der Technischen Universität München (TUM) und der Universität Wien untersuchten nun, wie verschiedene Öle und Fette das Sättigungsgefühl beeinflussen.

Dazu nahmen die Wissenschaftlerteams vier verschiedene Speisefette detaillierter unter die Lupe: Schweineschmalz, Milchfett, Rapsöl und Olivenöl. Sie ließen zu diesem Zweck Testpersonen über drei Monate hinweg täglich 500 Gramm Magerjoghurt essen. Das zusätzlich zur normalen Kost konsumierte Milchprodukt war dabei jeweils mit einem der vier Fette angereichert.

Das Resultat war eindeutig. Den größten Sättigungseffekt habe das Olivenöl, sagt Peter Schieberle, Direktor der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie. Bei den Testpersonen mit Olivenölzusatz stellten die Forscher eine erhöhte Konzentration des Sättigungshormons Serotonin im Blut fest. Zudem beurteilten die Probanden den Olivenöl-Joghurt subjektiv als sehr sättigend. Bei den Testpersonen der Olivenöl-Gruppe blieben zudem auch der Körperfettanteil und das Körpergewicht stabil.

Das Resultat überraschte die Forscher, da Rapsöl und Olivenöl ähnliche Fettsäuren enthalten. Deshalb nahmen sie in einem anderen Versuch eine völlig andere Stoffklasse unter die Lupe: Die ebenfalls im Olivenöl vorkommenden Aromen. So bekamen die Versuchspersonen im zweiten Teil der Studie entweder Joghurt mit Aroma-Extrakten aus Olivenöl oder reinen Joghurt.

Das Resultat: Die Olivenöl-Aroma-Gruppe blieb bei ihrer üblichen Energieaufnahme, während die Kontrollgruppe mit reinem Joghurt auf ein Plus von 176 Kilokalorien pro Tag kam. Die Aroma-Probanden passten ihr Essverhalten also an – was der Kontrollgruppe offensichtlich nicht gelang. Zudem hatten die Versuchspersonen der Olivenölgruppe auch einen höheren Blutspiegel des Sättigungshormons Serotonin.

Aromastoffe wirken auf Blutzuckerspiegel

Doch wie lässt sich diese Differenz erklären? Die Wissenschaftler nehmen an, dass der Einfluss auf das Sättigungsgefühl entscheidend für die verminderte Energieaufnahme ist: Wie lange dieses Sättigungsgefühl nach dem Essen andauert, hängt neben anderen Faktoren vor allem vom Blutzuckerspiel ab. Je rascher er sinkt, das bedeutet, je schneller die Körperzellen Zucker aus dem Blut aufnehmen, desto schneller kommt das Hungergefühl zurück. Mit diesen Überlegungen im Hintergrund machten sich die Wissenschaftler an einen dritten Versuch, der klären sollte, welche Aromastoffe im Olivenöl die Zuckeraufnahme durch die Körperzellen am effektivsten verlangsamen.

Die Herkunft des Olivenöls scheint dabei wesentlich zu sein, denn je nach Ursprungsort finden sich unterschiedliche Zusammensetzungen der Aromen. So setzten die Wissenschaftler für ihre Tests Olivenöle aus Spanien, Griechenland, Italien und Australien ein. Dabei fanden sie zwei Inhaltstoffe, welche die Aufnahme von Glucose aus dem Blut in Leberzellen reduzierten: Hexanal und E2-Hexanal. Beide Aromastoffe sind hauptsächlich in italienischem Olivenöl zu finden. Die Wissenschaftler hoffen nun auf einen Nutzen ihrer Erkenntnisse für die Lebensmittelindustrie.

Sie haben nachgewiesen, dass Geschmackstoffe die Sättigung regulieren können und hoffen, dass die Resultate dazu beitragen, künftig wirkungsvollere fettreduzierte Lebensmittel mit unverändertem Sättigungseffekt zu entwickeln.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-15769-2013-03-15.html

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Ergebnisse. Dass „Light-Produkten“  in ihrer Wirkung fragwürdig sind, ist schon längere Zeit klar.

Zu Olivenöl siehe auch:

Zum Frittieren Olivenöl vorziehen

Olivenöl als wertvolles Nahrungsmittel

Mit Olivenöl der Schwimmbad-Otitis vorbeugen

Olivenöl: Schutzstoff für Rote Blutkörperchen entdeckt

Mittelmeerdiät: Vorteile für Herz und Hirn

Olivenöl gegen Colitis ulcerosa

Kann Olivenöl Schlaganfällen vorbeugen?

Alternativmedizin: Fragwürdige Gallensteinkur mit Olivenöl

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Süssmittel Stevia nicht gesünder als andere Zuckerersatzstoffe

Das Süßmittel Stevia ist für Diabetespatienten nicht besser oder schlechter geeignet als andere Zuckerersatzstoffe. Das schreibt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) in einer Pressemitteilung. Stevia sei eine weitere Alternative zu Zucker, die keine Kalorien enthalte, sagt Professor Dr. med. Stephan Matthaei, Präsident der DDG, und er ergänzt: „Nicht mehr und nicht weniger.“

Seit der Entfernung von Diabetikerprodukten aus dem Handel gelte, dass alle gesunden Lebensmittel grundsätzlich gleichermaßen geeignet seien für Diabetespatienten wie für Nicht-Diabetespatienten, schreibt die DDG. Lediglich für Menschen, die an der angeborenen Stoffwechselstörung Phenylketonurie leiden und zugleich Süßstoffe brauchen, sei Stevia eine gute Alternative, betont  Matthaei.

Steviolglycoside, umgangssprachlich „Stevia“ genannt, sind seit Dezember 2011 in der Europäischen Union unter der Bezeichnung „Lebensmittelzusatzstoff E 960“ als Süßungsmittel zugelassen. Stevia wird aus der Pflanze „Stevia rebaudiana“ gewonnen, auch bekannt als „Süßkraut“ oder „Honigkraut“. Stevia ist zweihundert- bis dreihundertmal süßer als Zucker und dabei aber praktisch energiefrei. Die Einnahme von Steviolglycosiden gilt bei Einhaltung der duldbaren Tagesdosis (ADI) von vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag als unbedenklich. Ob das Risiko einer Überdosierung besteht, ist gegenwärtig noch ungeklärt. Stevia wirkt weder kariesfördernd noch krebserregend, schädigt nicht das Erbgut und stört auch nicht die Fruchtbarkeit oder Entwicklung des Ungeborenen.

Dies gelte in gleicher Weise für andere Süßungsmittel, erklärt Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Pressesprecher der DDG aus Tübingen. So hat die amerikanische Diabetes Gesellschaft „American Diabetes Association“ fünf künstliche Süßungsmittel untersucht und für unbedenklich erklärt: Acesulfam, Aspartam, Saccharin, Sucralose und Neotam. Es gebe keinerlei belastbare wissenschaftliche Belege, die zeigten, dass diese Süßstoffe in den zum Verzehr empfohlenen Mengen krebsfördernd seien, sagt Fritsche.

Der DDG Experte widerspricht auch der immer wieder geäußerten Behauptung, wonach Süßstoffe oder eine angeblich damit verbundene Insulinausschüttung Hungerattacken auslösen und sogar süchtig machen können. Wenn überhaupt, vermittle Insulin bei schlanken Menschen ein Sättigungssignal ans Gehirn, erklärt Fritsche.

Bei Übergewichtigen dagegen sei das Gehirn vermutlich unempfindlich gegenüber Insulin. Daher komme das Sättigungssignal möglicherweise nicht mehr im Gehirn an. Nach allem, was derzeit wissenschaftlich bekannt sei, könne weder Zucker noch Süßungsmittel süchtig machen, erklärt Fritsche. Unabhängig davon sollte aber jeder Mensch darauf achten, nicht mehr als die empfohlenen Mengen Süßstoff oder mehr als 50 Gramm Zucker täglich zu konsumieren.

Nur für Menschen, die unter der sehr seltenen Stoffwechselerkrankung Phenylketonurie leiden und zugleich aufgrund von Diabetes Süßstoffe brauchen, sei Stevia eine gute Alternative. Wer an Phenylketonurie erkrankt sei, vertrage die Aminosäure Phenylalanin nicht. Weil das Süßungsmittel Aspartam Phenylalanin enthält, müssen Betroffene es meiden – Stevia dagegen ist wie auch weitere Süßstoffe frei von Phenylalanin. Insgesamt dürfte das aber nicht mehr als ein Dutzend Menschen in Deutschland betreffen, so Fritsche.

Geklärt ist inzwischen, weshalb Stevia nicht nur süß, sondern auch bitter schmeckt. Dafür sorgen die beiden Geschmacksrezeptoren hTAS2R4 und hTAS2R14, wie Forscher der Technischen Universität München und des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam Rehbrücke (DIfE) entdeckt haben. In hoher Konzentration löst Stevia lakritzartige, bittere Geschmacksempfindungen aus.

Quelle:

http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/presse/pressemeldungen/meldungen-detailansicht/article/stevia-ist-nicht-gesuender-als-andere-zuckerersatzstoffe-1.html?cHash=58e8736bc44c944e677f3e94a668916e

Kommentar & Ergänzung:

Stevia ist ein interessantes Süssmittel und die Steviolglycoside sind interessante Naturstoffe. Die Aussage der DDG, dass Stevia nicht gesünder sei als andere Zuckeraustauschstoffe, dürfte vielen Stevia-Freunden nicht gefallen. Man muss dazu meiner Ansicht nach festhalten, dass ein Stoff nicht einfach nur schon dadurch gesünder ist, weil er aus der Natur stammt.

Ausserdem werden synthetische Zuckerersatzstoffe wie Aspartam meinem Eindruck nach auch ein Stück weit Verschwörungstheorie-artig dämonisiert.

Ich denke aber, man sollte einfach mit all diesen Stoffen vernünftig umgehen und den Gebrauch nicht masslos übertreiben.

Stevia rebaudiana ist in Paraguay heimisch und gehört zur Familie der Asteraceen (Korbblütler). Die stark süßende Wirkung der Pflanze ist den Ureinwohnern seit Jahrhunderten bekannt. Im Jahr 1887 entdeckte Moises Giacomo Bertoni, ein Schweizer Botaniker, die Pflanze und gab ihr 1905 den Namen Stevia rebaudiana Bertoni. Er erkannte ebenfalls die süßende Wirkung und beschrieb schon 1901, dass ein paar kleine Blätter genügen, um eine Tasse starken Kaffees oder Tees zu süßen.

Steviablätter in kleinen Dosen eignen gut zum Süssen von Kräutertees.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Zur Neubesetzung des Lehrstuhls für Naturheilkunde an der Universität Zürich

Die Universität Zürich sucht einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Professor Reinhard Saller auf den Lehrstuhl für Naturheilkunde.

Im Rahmen dieser Neubesetzung fand am 30. August 2012 am Universitätsspital Zürich ein Symposium statt, an dem  BewerberInnen sich mit einem Fachvortrag vorstellten.

Vortragende und Themen waren:

Prof. Dr. med. Benno Brinkhaus

Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und

Gesundheitsökonomie Charité – Universitätsmedizin Berlin

Thema: Integration von Naturheilkunde / Komplementärmedizin in die

konventionelle Medizin am Beispiel Akupunktur

Prof. Dr. med. Jost Langhorst

Innere Medizin V – Naturheilverfahren und Integrative

Medizin Kliniken Essen Mitte – Knappschaftskrankenhaus

Thema: Naturheilkunde und Integrative Medizin am Beispiel chronisch

entzündlicher Darmerkrankungen

PD Dr. med. Florian Pfab

Präventive und Rehabilitative Sportmedizin

Klinikum rechts der Isar; Technische Universität München

Thema: Nadeln, Chilli, Drachenblut oder gar Haschisch gegen Juckreiz?

Prof. Dr. med. Claudia Witt, MBA

Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie

und Gesundheitsökonomie Charité – Universitätsmedizin Berlin

Thema: Forschung zur Komplementärmedizin – eine internationale Perspektive

PD Dr. med. Ursula Wolf

Institute of Complementary Medicine, Universität Bern; Inselspital

Thema: Forschung in der Komplementärmedizin

Kommentar & Ergänzung:

Tobias Füchslin und Marko Kovic besuchten die Veranstaltung und haben sie in einem Podcast kritisch kommentiert.

Den Podcast können Sie hier hören.

Bei Prof. Reinhard Saller war die Phytotherapie ein zentraler Schwerpunkt. Es wäre natürlich aus meiner Sicht begrüssenswert, wenn der Nachfolger oder die Nachfolgerin auch einen „Draht“ zur Phytotherapie mitbringen würde.

Wichtiger aber noch scheint mir, dass eine Person gewählt wird, die Wissenschaft nach den besten Standards betreibt.  Die Methoden von Komplementärmedizin und Naturheilkunde sollen ergebnisoffen erforscht werden. Das ist in diesem Bereich nicht so selbstverständlich, wie es sein sollte. Wenn aus politischen Gründen komplementärmedizinische Forschung an Universitäten durchgedrückt wird, entwickelt sich daraus nicht selten eine einseitige Bestätigungs- und Rechtfertigungsforschung, die wissenschaftlich zurecht nicht mehr ernst genommen wird.

Ein Beispiel für einseitige Zugänge ist wohl die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder mit dem „Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften“, das mit wissenschaftlich fragwürdigen Lehrveranstaltungen und skurilen Forschungsarbeiten in die Kritik gekommen ist.

Siehe:

Europa-Universität Viadrina: Esoterik-Institut vor dem aus

An der Europa-Universität Viadrina wird der Lehrstuhl von Harald Walach durch den Homöopathika-Hersteller Heel finanziert. Harald Walach ist der diesjährige Preisträger des „Goldenen Bretts“:

„Das «Goldene Brett vorm Kopf 2012» geht an Harald Walach, Professor an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder…..Das gab die Gesellschaft für Kritisches Denken bekannt.

Die Verleihung der Preise für den «erstaunlichsten pseudowissenschaftlichen Unfug» fand…..im Naturhistorischen Museum Wien statt. Der Komplementär-Mediziner Walach wurde dabei für sein «einzigartiges Bemühen, wissenschaftsbefreite Theorien in die akademische Welt hineinzubringen», gewürdigt.“

Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Goldenes-Brett-vorm-Kopf-fuer-Erich-von-Daeniken/story/26845575

Forschung muss sich an den besten Standards orientieren – auch die Forschung im Bereich Komplementärmedizin und Naturheilkunde. Je mehr sich Forschung an dehnbareren, „weicheren“ Standards orientiert, desto grösser wird der Interpretationsspielraum. Und das dient letztlich weder der Wissenschaft noch der „Komplementärmedizin“.

Siehe auch: Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

Das Berufungsverfahren für den Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Zürich hat bisher in der Schweiz kaum Wellen geschlagen. Erstaunlicherweise geht nun die „Die Süddeutsche“ in einem ausführlicheren Beitrag darauf ein:

Der Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Uni Zürich ist etwas Besonderes: Er ist im deutschsprachigen Raum der einzige, der nicht durch Interessengruppen finanziert wird. Ausgerechnet hier hat die Kandidatur einer deutschen Homöopathie-Forscherin nun zum Eklat geführt. Edzard Ernst, einer der renommiertesten Kritiker der Komplementärmedizin, wurde aus der Berufungskommission gedrängt.“

Mir war nicht bewusst, dass der Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Zürich im deutschsprachigen Raum der einzige ist, der nicht von Interessengruppen finanziert wird.

Bei der deutschen Homöopathie-Forscherin, die sich für den Lehrstuhl in Zürich bewirbt, und auf welche die „Süddeutsche“ hinweist, handelt es sich um Prof. Claudia Witt von der Charité Berlin. Ihr Lehrstuhl wird von der Carstens-Stiftung finanziert, einer Organisation zum Zwecke der Homöopathie-Förderung. Meinem Eindruck nach bemüht sich Claudia Witt um Ergebnisoffenheit und um differenzierte Stellungnahmen, aber sie laviert manchmal auch. Es sind an der Charité allerdings zudem einige Studien durchgeführt worden, die viel Interpretationsspielraum offen lassen und von der „Homöopathie-Szene“ sofort als Beweis für die Wirksamkeit ihrer Methode gefeiert wurden, eine Schlussfolgerung, welche die Studien nicht ansatzweise hergeben.

Im Artikel der „Süddeutschen“ wird die Forschungsarbeit von Claudia Witt kritisch kommentiert von Edzard Ernst, ehemaliger Professor für Komplementärmedizin in Exeter,  und von Jürgen Windeler vom unabhängigen Institut für Qualitätskontrolle und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG).

Den ganzen Artikel finden Sie hier:

Alternative Heilverfahren an Hochschulen: Wissenschaft in homöopathischen Dosen

An der Universität Rostock gibt es noch den Lehrstuhl für Naturheilkunde, der mit Prof. Karin Kraft besetzt ist. Sie befasst sich intensiv mit Phytotherapie und publiziert dazu auch in Fachzeitschriften. Ihr Forschungsarbeit kann ich nicht beurteilen, ihre Fachartikel sind aber sorgfältig und fundiert geschrieben.

Auch der Lehrstuhl an der Universität Rostock ist eine Stiftungsprofessur, wobei mir aber scheint, dass die Stifter und Sponsoren etwas breiter angesiedelt sind als bei der Stiftungsprofessur an der Charité und an der Vaidrina.

Arzneipflanzenkunde ist an Universitäten gut etabliert

Aus phytotherapeutischer Perspektive könnte noch ergänzt werden, dass es im Pharmazie-Studium eine ganze Reihe von Lehrstühlen im Bereich der Pharmazeutischen Biologie gibt, die sich gut etabliert mit Lehre und Forschung zum Thema Arzneipflanzenkunde befassen.

Um beispielhaft und unvollständig ein paar Namen ehemaliger oder aktiver Persönlichkeiten zu nennen:

Rudolf Hänsel (Universität Berlin), Hildebert Wagner (Universität München), Rudolf Bauer (Universität Düsseldorf), Theo Dingermann (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Georg Schneider (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Ilse Zündorf (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Otto Sticher (ETH Zürich), Jürgen Reichling (Universität Heidelberg), Michael Wink (Universität Heidelberg), Max Wichtl (Universität Marburg), Elisabeth Stahl-Biskup (Universität Hamburg), Rudolf Bauer (Universität Graz) sowie last, aber ganz sicher nicht least: Heinz Schilcher (Freie Universität Berlin).

Phytotherapie hat keine eigene Diagnostik. Daher ist für die Phytotherapie die Arzneipflanzenkunde, wie sie in der Pharmazeutischen Biologie erforscht und vermittelt wird, absolut zentral.

Und die aufgeführten Beispiele zeigen, dass Phytotherapie bestens in die Wissenschaft integriert ist und damit auch nicht zur Komplementärmedizin gerechnet werden kann.

Siehe auch: Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

Phytotherapie ist ein Teil der Naturheilkunde und damit ein (randständiger) Teil der Medizin.

Siehe: Naturheilkunde – was ist das?

Zu hoffen ist, dass bei der Besetzung des Lehrstuhles für Naturheilkunde an der Universität Zürich eine Person gewählt wird, die gute Forschung gewährleisten kann und auch wirklich im Bereich der Naturheilkunde – und damit auch der Phytotherapie – „zuhause“ ist.

Eine Stellungnahme zu den Vorgängen rund um die Neubesetzung des Lehrstuhle für Naturheilkunde ist gerade erschienen auf skeptiker.ch

Wenn Sie interessiert sind daran, Begriffe wie Komplementärmedizin, Alternativmedizin, Naturheilkunde vertiefter zu verstehen, dann bekommen Sie Informationen dazu im Tagesseminar „Komplementärmedizin verstehen und beurteilen“, am 18. November 2012 in Winterthur. Der Kurstag vermittelt auch Orientierungspunkte und Kriterien, mit denen man im weitläufigen Dschungel der Komplementärmedizin die Spreu vom Weizen unterscheiden kann.

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Marathonvorbereitung: Alkoholfreies Bier vermindert Infekte

Ihr Risiko von Entzündungsreaktionen und Infekten der oberen Atemwege können Marathonläufer mit alkoholfreiem Bier deutlich vermindern. Zu diesem Resultat kam eine Untersuchung der Technischen Universität München bei 277 männlichen Marathonläufern. Wie die “Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin” meldet, reduzierte sich die Infektionsrate deutlich, wenn drei Wochen vor und zwei Wochen nach einem Marathonlauf täglich ein bis anderthalb Liter alkoholfreies Bier getrunken wurden. Das soll an den zahlreichen Polyphenolen liegen, die im alkoholfreien Bier enthalten sind. Polyphenole sind aromatische Verbindungen und gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen. Anstrengende körperliche Aktivitäten wie der über 40 Kilometer lange Marathonlauf schwächen das Immunsystem und führen darum oft zu Infekten hauptsächlich der oberen Atemwege.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/alkoholfreies-bier-zur-marathonvorbereitung-095019896.html

Kommentar & Ergänzung:

Grundsätzlich ist dieses Resultat schon spannend. Es stellt sich allerdings die Frage, bei welchen Biersorten solche Wirkungen zu erwarten sind.

Die Studie wurde mit Erdinger alkoholfreiem Weißbier durchgeführt. Die Brauerei hat die Studie auch teilweise finanziert.

Im „Münchner Merkur“ erklärten die beteiligten Wissenschaftler, dass das polyphenolhaltige alkoholfreie Weißbier die Entzündungsparameter im Blut senke.

Die Infektanfälligkeit der Läufer vermindere sich soweit, dass ihr Risiko eine Erkältung zu bekommen sich auf ein Drittel reduziere.

Quelle:

http://www.merkur-online.de/lokales/stadt-muenchen/sportmediziner-alkoholfreies-weissbier-gesund-1279155.html

Polyphenole, müsste man dazu jedoch noch sagen, sind in vielen Lebensmitteln und auch in vielen Heilpflanzen verbreitet – zum Beispiel in Äpfeln, Zwiebeln, Grüntee, Rotwein, Heidelbeeren, schwarze Johannisbeeren.

Zu fragen wäre also, ob speziell wirksame Polyphenole im alkoholfreien Bier für diesen Effekt verantwortlich sind, oder ob andere Polyphenole und damit auch andere Quellen ähnliche Resultate ergeben würden. Für Holunderbeeren bzw. Holunderbeersaft gibt es beispielsweise ebenfalls Hinweise aus Studien, die eine günstige Wirkung gegen Erkältungen zeigen. In den schwarzen Holunderbeeren sind es Polyphenole aus der Gruppe der Anthocyane (blaue Farbstoffe), von welchen die günstige Wirkung ausgehen soll.

Siehe:

Schwarzer Holunder / Holundersaft gegen Grippe & Erkältung

Holunderbeeren gesund & fein

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

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Studie zeigt Wirksamkeit von Pestwurz-Extrakt bei Heuschnupfen

Mithilfe eines Pflanzenextrakts Heuschnupfen-Symptome lindern,  dass das funktioniert, haben Forscher des Zentrums Allergie & Umwelt (ZAUM) des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München in einer klinischen Studie gezeigt. Allergische Symptome wurden durch den Pestwurz-Extrakt signifikant besser gelindert als bei den üblichen Histamin-Rezeptor-Antagonisten. Wie effektiv der Extrakt ist und wie er wirkt, stellen die Forscher im Journal of Allergy and Clinical Immunology vor.

Bisher galten Anti-Histamin-Medikamente als Mittel der Wahl um die Symptome von Heuschnupfengeplagten lindern. Dr. Adam Chaker und Prof. Dr. Carsten Schmidt-Weber belegten nun jedoch in einer randomisierten Doppelblindstudie, dass der Pflanzenextrakt Ze 339 (Petasol butenoate complex) schneller und wirksamer gegen zugeschwollene Nasenschleimhäute wirksam ist. Aber nicht nur im akuten Fall scheint der Pestwurz-Extrakt zu wirken – „Die Daten suggerieren auch einen präventiven Effekt, der weiter untersucht werden muss“, erklärt Schmidt-Weber, Leiter des Münchner Zentrums Allergie & Umwelt (ZAUM). Die Resultate versprechen eine Verbesserung der Lebensqualität von Allergikern. Der Pflanzenextrakt als Präparat ist bisher nur in der Schweiz und in Südkorea zugelassen, deshalb braucht es weitere Studien durchgeführt, um demnächst auch die Verschreibung auf dem deutschen Markt zu ermöglichen.

Quellen:

Original-Publikation: Dumitru A.F. et al (2011) Petasol butenoate complex (Ze 339) relieves allergic rhinitis–induced nasal obstruction more effectively than desloratadine, Journal of Allergy and Clinical Immunology; Vorab-Onlineveröffentlichung,

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?term=Petasol%20butenoate%20complex%20%2528Ze%20339%2529%20relieves%20allergic%20rhinitis%25E2%2580%2593induced%20nasal%20obstruction%20more%20effectively%20than%20desloratadine

http://www.helmholtz-muenchen.de/presse-und-medien/pressemitteilungen/pressemitteilungen-2011/pressemitteilung-2011/article/14664/9/index.html

Kommentar & Ergänzung:

Es handelt sich um einen Pestwurz-Blattextrakt, der unter dem Namen Tesalin im Handel und verschreibungspflichtig ist.

Pestwurz gehört wie Huflattich und Beinwell zu den Heilpflanzen, die toxische Pyrrolizidinalkaloide enthalten, was besondere Vorsichtsmassnahmen erfordert. Pestwurz soll deshalb nicht als Pestwurztee oder Pestwurztinktur eingenommen werden, sondern nur in Form Pestwurzextrakt, wenn bei der Herstellung die Pyrrolizidinalkaloide eliminiert wurden. Das ist bei Ze 339 der Fall.

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