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[Buchtipp] “Phytotherapie für die Kitteltasche” von Helmut Brinkmann, Klaus Wißmeyer, Beatrice Gehrmann, Wolf-Gerald Koch, Claus O. Tschirch,

PhytotherapieVerlagsbeschreibung

Rationale Empfehlungen für die Behandlung

Das Beste aus der Pflanze
Trotz der Einschränkung der Erstattungsfähigkeit sind Phytopharmaka unverändert beliebt, und der Beratungs- und Informationsbedarf in Praxen und Apotheken ungebremst.
Das erfahrene Autorenteam aus Ärzten und Apothekern bewertet 125 Phytopharmaka in 14 Indikationsgebieten
berücksichtigt aktuelle Monografien von Kommission E, ESCOP und WHO sowie S3-Leitlinien
liefert konkrete, evidenzbasierte Verordnungsempfehlungen
gibt Dosierungs- und Anwendungshinweise
nennt bewährte Handelspräparate
beschreibt Teerezepturen unter Berücksichtigung von Standardzubereitungen
kennzeichnet erstattungsfähige Phytopharmaka
Neu in dieser Auflage:
vollständige Überarbeitung und Aktualisierung sämtlicher Drogen-Profile
26 zusätzliche Drogen
Phytopharmaka bei malignen Tumorerkrankungen sowie bei Hormon- und Stoffwechselstörungen
Sicher beraten, kritisch auswählen, wirksam behandeln! Zum Shop

Kommentar von Martin Koradi

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Wenn in der obenstehenden Verlagsbeschreibung von „Drogen“ geschrieben wird, dann sind damit wie in der Phytotherapie üblich „getrocknete Arzneipflanzenteile“ gemeint, nicht Rauschmittel.

Das Buch „Phytotherapie für die Kitteltasche“ ist auf dem aktuellen Wissensstand und eignet sich sehr gut für Anwender, die sich kurz und kompakt über Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von pflanzlichen Arzneimitteln (Phytopharmaka) informieren wollen. Auch unerwünschte Nebenwirkungen, Kontraindikationen, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Dosierungsangaben werden aufgeführt. Das Buch ist zudem so klein und handlich wie der Titel es verspricht. Dadurch ist allerdings der Platz für Hintergrundinformationen sehr begrenzt. So gibt es zum Beispiel kaum Begründungen für die Wirkungsweisen und auch Wirkstoffe werden kaum erwähnt. Wer zu diesen Bereichen mehr Informationen möchte, braucht ein umfangreicheres Fachbuch, zum Beispiel den „Leitfaden Phytotherapie“oder „Phytotherapie“ von Marget Wenigmann.

Seinen Zweck als kleines, mobiles Nachschlagewerk erfüllt das Buch „Phytotherapie für die Kitteltasche“ aber vollauf.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterkursen und Kräuterwanderungen.

 

Grüntee vorbeugend gegen Krebs?

Hier ein “Fundstück” zur oft diskutierten Frage, ob Grüntee vorbeugend gegen Krebs wirksam ist:

“Die Polyphenole, die besonders im Grünen Tee reichlich enthalten sind, haben antimutagene und antioxidative Wirkung und hemmen im Tierversuch die Entstehung und das Wachstum von Tumoren. Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass auch beim Menschen das Risiko, an Tumoren zu erkranken, durch regelmässigen Teegenuss verringert wird, allerdings in für einen Mitteleuropaer ungewöhnlich hohen Dosen (10 Tassen/Tag und mehr). Kritiker weisen darauf hin, dass die scheinbaren Wirkungen des Teegenusses auf die Häufigkeit des Auftretens von Tumoren möglicherweise auch auf die unterschiedlichen Essgewohnheiten von Teetrinkern und Menschen, die keinen Tee trinken, zurückzuführen sind.”

Dieses Zitat stammt aus dem Fachbuch “Biogene Arzneimittel” von Teuscher, Melzig und Lindequist.

Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart 2012.

Details zu diesem Buch und eine Bestellmöglichkeit finden Sie im Buchshop. Es handelt sich um ein Fachbuch, das sich fundiert mit der Wirkstoffkunde befasst, die der Phytotherapie zugrunde liegt.

 

Kommentar & Ergänzung:

Das wichtigste der Polyphenole, die für die Wirkung von Grüntee verantwortlich gemacht werden, heisst Epigallocatechingallat (EGCG).

Siehe dazu:

Grüntee-Inhaltsstoff EGCG als Therapieoption gegen Krebs erforscht

 

Experimente im Reagenzglas und Tierversuche können allerdings niemals die Wirksamkeit bei krebskranken Menschen belegen. Auch epidemiologische Studien verschaffen keine Gewissheit. Sie vergleichen Bevölkerungsgruppen. Dabei lässt sich zeigen, dass in den Gruppen mit hohem Grüntee-Konsum weniger Tumorerkrankungen auftreten als in Gruppen mit tiefem oder fehlendem Grüntee-Konsum.

Aber – das Zitat weist darauf hin, ein relevanter Unterschied zeigt sich bei sehr hohen Dosen von etwa 10 Tassen pro Tag. Ausserdem ist bei epidemiologischen Studien nie auszuschliessen, dass für die Unterschiede andere, noch unbekannte Faktoren verantwortliche sind. Grüntee-Trinker unterscheiden sich möglicherweise an mehreren entscheidenden Punkten von Nicht-Grüntee-Trinkern (Lebensstil, Ernährungsweise).

Es spricht viel dafür, dass Grüntee gesund ist und wer ihn gerne trinkt, kann das auch gerne weiter tun. Allerdings werden oft Gesundheitsversprechungen mit dem Grüntee-Konsum verbunden, die sich so nicht belegen lassen. Ein Wundermittel zum Beispiel gegen Krebs ist leider auch der Grüntee nicht.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

Krebs durch Handys?

Mit dieser Frage befassten sich die Forscherinnen und Forscher der Plattform „Medizin transparent“.

Nach Durchsicht aller verfügbaren Studien kommen sie zum Schluss: Die Antwort ist unklar. Das ist nicht so ganz überraschend und natürlich unbefriedigend.

Interessant finde ich aber die Erklärung dafür, weshalb die Frage nach dem Krebsrisiko durch Handygebrauch so schwierig zu beantworten ist:

„Die Frage ist aus vielen Gründen schwer zu beantworten: Experimentelle Studien sind nicht möglich, weil man nicht einfach eine Versuchsgruppe zwingen kann, über viele Jahre hinweg viel oder wenig mit dem Handy zu telefonieren. Damit fallen die aussagekräftigsten Studien schon einmal weg.

Beim Handygebrauch stehen Tumorerkrankungen des Gehirns im Vordergrund. Die sind zum Glück sehr selten. Das heißt aber auch, dass sehr viele Menschen beobachtet und verglichen werden müssen, um überhaupt zu einem aussagekräftigen Ergebnis zu kommen. Außerdem ist das Telefonierverhalten der Menschen schwer zu erfassen; meist werden dafür Interviews gemacht, manchmal auch die Daten von Mobilfunkanbietern verwendet. Beides hat Schwächen, Interviews leiden beispielsweise unter subjektiven Erinnerungsleistungen.

Es haben also alle Studien zwangsläufig nur eine beschränkte Aussagekraft.“

Trotz intensiver Forschung sei es derzeit noch unklar, ob Mobiltelefone Tumorerkrankungen fördern. Nach derzeitigem Wissen steige das Risiko aber nur minimal, falls überhaupt, schreiben die Forscher.

Sie weisen zudem auf offene Fragen hin bezüglich allfälliger Langzeitfolgen – insbesondere bei Kindern, die schon früh und intensiv mit dem Handygebrauch begonnen haben:

„Inzwischen verwenden auch Kinder bereits relativ intensiv Mobiltelefone. Noch wissen wir gar nichts darüber, wie sich das langfristig auswirken wird. Bei Kindern kann die Strahlenbelastung im Gehirn durch das Handy doppelt so hoch sein wie bei Erwachsenen und im Knochenmark des Schädels sogar zehnmal so hoch.

Die Entwicklung von vielen Gehirntumoren ist überaus langsam, Einflüsse können zum Teil erst nach Jahrzehnten Wirkung zeigen. Wirklichen Aufschluss über die Langzeitwirkungen werden wir wohl erst in ca. 10 Jahren haben.“

Den ganzen Artikel finden Sie hier:

http://www.medizin-transparent.at/krebs-durch-handys

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

Eine orale Behandlung mit Ingwer kann bei Arthrose die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern. Zu diesem Resultat kommen Wissenschaftler aus Dänemark in einer Metaanalyse, für die sie randomisierte, placebokontrollierte Studien auswerteten.

Ingwer wird in der asiatischen Medizin seit langem zur Linderung von Schmerzen bei muskuloskelettalen Erkrankungen eingesetzt.

Präklinische Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Inhaltsstoffe des Ingwers als Inhibitor der Cyclooxygenase (COX-2) wirken, und zudem durch Hemmung der Lipoxygenase antientzündliche Effekte haben, sowie die Expression von TNFα hemmen.

In seiner Metaanalyse untersuchte das Team um Else Bartels von der Universität Kopenhagen anhand der Daten aus fünf randomisierten, kontrollierten Studien mit 593 Patienten die Wirksamkeit und Sicherheit von oralen Ingwerpräparaten zur Behandlung der Arthrose im Knie bzw. in der Hüfte. Publiziert wurde die Metaanalyse in der Zeitschrift Osteoarthritis and Cartilage 2014 (online 7. Oktober).

Die Tagesdosis Ingwer lag zwischen 500 und 1000 mg und die Ingwerpräparate der verschiedenen Studien unterschieden sich in ihrer Zusammensetzung. Die Behandlungsdauer variierte von drei bis zwölf Wochen.

Die Ingwertherapie zeigte in der Metaanalyse eine signifikante Schmerzreduktion gegenüber Placebo, sowie eine ebenfalls signifikante Verringerung der Bewegungseinschränkungen.

Probanden mit Ingwertherapie setzten ihre Medikation allerdings doppelt so oft ab wie Probanden, die Placebo bekommen hatten.

Gründe dafür waren schlechter Geschmack oder verschiedene Magenprobleme. Keine dieser Beschwerden wurde allerdings als schwerwiegend taxiert.

Der schmerzlindernde Effekt von Ingwer bewegte sich etwa im gleichen Bereich wie der anderer pflanzlicher Wirkstoffe wie beispielsweise Hagebuttenpulver.

Auch der Vergleich mit NSAR und Paracetamol soll ähnliche Effektstärken gezeigt haben.

Gerade weil Arthrose eine langwierige Erkrankung ist, halten Bartels und Kollegen es für wichtig, Nutzen und Nebenwirkungspotenzial der Therapeutika gut auszubalancieren.

Während bei NSAR wie zum Beispiel Diclofenac mit kardiovaskulären und gastrointestinalen Nebeneffekten zu rechnen ist, stellt sich bei einer Ingwertherapie die Frage nach Allergien. Allerdings konnten in Prick-Tests solche allergischen Reaktionen nicht festgestellt werden.

Zu beachten seien aber einige Interaktionen (Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten). So sei es für Patienten unter Vitamin-K-Antagonisten wichtig, die gerinnungshemmende Wirkung von Ingwer zu berücksichtigen, schreiben die Autoren.

Außerdem wurde ein synergistischer Effekt von Ingwer und Nifedipin auf die Thrombozytenaggregationshemmung festgestellt.

Wenn sich die Resultate dieser Metaanalyse in weiteren Studien bestätigen lassen, so die dänischen Forscher, könnten Ingwerpräparate, unter Beachtung möglicher Wechselwirkungen, künftig zur Therapie der Arthrose beitragen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/skelett_und_weichteilkrankheiten/arthrose/article/877419/phytotherapie-ingwer-sorgt-bessere-beweglichkeit.html

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S106345841401276X

 

Kommentar & Ergänzung:

Sehr interessant, dass offenbar seit einiger Zeit die Indikation „Schmerz“ vermehrt Gegenstand der Ingwerforschung wird.

Ingwer wird in der Phytotherapie vor allem gegen Erbrechen eingesetzt – zum Beispiel bei Reisekrankheit, bei Tumorerkrankungen zur Linderung von Erbrechen während der Chemotherapie oder bei postoperativem Erbrechen.

Ingwer wird aber auch von vielen Menschen gerne bei Erkältungskrankheiten eingesetzt und ist als Gewürz beliebt.

Zur Anwendung und Wirkung von Ingwer (Zingiber officinale) siehe auch:

Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft 

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden 

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer bei Erkältungen

Ingwertee gegen Übelkeit und Erbrechen 

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Phytoöstrogene: Soja und Rotklee ohne Wirkung bei Hitzewallungen?

Weil die Östrogentherapie mit Risiken verbunden ist, setzen viele Frauen bei Wechseljahrbeschwerden auf Soja oder Rotkleeprodukte.

Können Phytoöstrogene aus Soja und Rotklee Hitzewallungen lindern?

Forschende der Cochrane-Collaboration fanden 43 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 4364 Patientinnen, die den Einfluss von Phytoöstrogenen auf Hitzewallungen und Nachtschweiss in der Peri- oder Postmenopause untersuchten.

Die vorgesehene Metaanalyse scheiterte an der Heterogenität der vorliegenden Studien. Einzeln betrachtet zeigten zwar einige Untersuchungen günstige Effekte auf Wechseljahrbeschwerden.

Aufgrund der methodischen Schwächen erkennt das Cochrane-Team um Anne Lethaby jedoch keine hinreichende Evidenz für eine Wirkung.

Als Vorteil der Phytoöstrogene aus Soja und Co. wird erwähnt, dass sie auch bei Dauereinnahme weder Endometrium noch Vaginalmukosa beeinflussen.

Quelle:

http://www.medical-tribune.ch/home/news/artikeldetail/phytos-machtlos-bei-hitzewallungen.html

Anne Lethaby et al., The Cochrane Library 2013; online first

Kommentar & Ergänzung:

Zur Wirksamkeit von Soja und Rotklee bei Hitzewallungen gibt es schon seit längerem mehr Fragezeichen als positive Befunde. Schade, dass die vorliegenden Studien aufgrund der Unterschiedlichkeit nicht ausreichen für eine Metaanalyse.

Interessant ist die Aussage, dass Phytoöstrogene aus Soja und Co. – also Isoflavone –  das Endometrium (Gebärmutterschleimhaut) und die Vaginalmukosa nicht beeinflussen. Wenn das so ist, geht von diesen Isoflavonen kein erhöhtes Risiko für Tumorerkrankungen in diesen Bereichen aus. Das liest man nicht immer mit dieser Deutlichkeit. Leider fehlt da eine Stellungnahme zum Brustgewebe.

Insgesamt sind die Aussagen und Studienresultate zu Soja und Wechseljahrbeschwerden sehr widersprüchlich:

Wechseljahrbeschwerden: Keine Linderung von Hitzewallungen durch Soja

Soja: Keine Wirkung gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren

Prostatakrebs – Soja-Supplemente in Studien ohne Schutzwirkung

Zur “Karriere” der Phytoöstrogene

Hier gibt es eine positive Metaanalyse:

Soja reduziert Hitzewallungen in den Wechseljahren

Phytoöstrogene und hormonrezeptorpositiver Brustkrebs

Studie empfiehlt Soja bei Brustkrebs

Neben den Isoflavonen gibt es noch andere Gruppen von Phytoöstrogenen, zum Beispiel in den Leinsamen die Lignane.

Forschung: Krebshemmende Wirkung von Phytoöstrogenen vom Typ der Lignane

In der Phytotherapie wird die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) als Heilpflanze gegen Hitzewallungen eingesetzt. Sie wurde früher ebenfalls zu den Phytoöstrogen-Pflanzen gerechnet. Neuere Forschungen deuten aber auf eine Wirksamkeit via Zentralnervensystem hin. Pharmakologische und phytochemische Untersuchungen deuten auf eine Interaktion (Wechselwirkungen) mit verschiedenen Rezeptoren im Zentralnervensystem hin.

Neben dopaminergen Wirkungen konnte eine positive Modulation am GABA-Rezeptor sowie eine Bindungsaktivität am Serotoninrezeptor festgestellt werden.

Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) bei Wechseljahrsbeschwerden

Gegen das Schwitzen bei Hitzewallungen wird in der Phytotherapie auch die innerliche Anwendung von Salbei (Salvia officinalis) empfohlen – als Salbeitee oder Salbeitinktur. Diese Wirkung hat nichts mit Phytoöstrogenen zu tun.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Cannabis-Wirkstoffe: Neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

„Die Presse“ in Österreich publizierte vor kurzem einen Artikel von Stephan Müller zur medizinischen Anwendung von Cannabis.
Dabei wird als Cannabis-Wirkstoff interessanterweise nicht wie meist üblich das THC ins Zentrum gerückt, sondern das Cannabidiol (CBD).
Tetrahydrocannabinol (THC) wird immer wieder als Hauptwirkstoff der Cannabispflanze dargestellt. Cannabis enthält aber 66 verschiedene Cannabinoide mit unterschiedlicher Wirkung.
Bei THC ist der therapeutische Einsatz in manchen Situationen schwierig durch den berauschenden Effekt. Zudem erreichen nicht alle Patientinnen und Patienten mit einem reinen THC-Präparat – in der Schweiz als Dronabinol im Handel – ein befriedigendes Behandlungsergebnis.
Im Gegensatz zu THC entwickelt CBD keine Rauschwirkung.
Im Gegenteil: CBD soll gemäss neueren Studien den Rauscheffekt des THC’s neutralisieren oder zumindestens abschwächen. Darüber hinaus soll es auch eine krebs- und entzündungshemmende Wirkung haben. Schon länger bekannt sei dessen entkrampfende, angstlösende und Übelkeit lindernde Wirkung. Außerdem sei CBD wenig toxisch und nebenwirkungsarm, betont der Pharmazeut Rudolf Brenneisen, Spezialist für Cannabis an der Universität Bern.
Lange hat sich die Forschung rund um die Anwendung von Cannabis in der Medizin laut Brenneisen hauptsächlich auf den Wirkstoff THC konzentriert. Cannabinoide wurden bisher vor allem gegen neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder Epilepsie, gegen die Nebenwirkungen von Chemotherapien oder gegen chronische Schmerzen eingesetzt. Die Entdeckung des CBD und dessen Wirkkraft verlieh der Cannabisforschung international neuen Schwung, sagt Brenneisen. Für das natürliche Heilmittel Cannabis eröffnen sich dadurch immer neue Forschungsansätze, zum Beispiel die Anwendung bei Brustkrebs oder Psychosen. Medizinalcannabis hat in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen.
Eine Folge dieser Cannabis-Forschung ist die Einführung von Sativex – ein Medikament mit einer Kombination von THC und CBD, zur Linderung von Schmerzen und Beschwerden bei Multipler Sklerose beitragen kann.
Trotz dieser Fortschritte bei der Zulassung von Cannabis-Medikamenten wünscht sich Cannabisspezialist Brenneisen endlich eine „Entkriminalisierung, vielleicht sogar die partielle Legalisierung von Konsum und Handel“. Denn der Einsatz von natürlichen Cannabinoiden, die unter kontrollierten Bedingungen hergestellt werden, sei für die medizinische Verwendung geeignet. Zumal es auch zahlreiche Patienten gebe, die gezielt danach fragten, hauptsächlich im Bereich Krebs.
Quelle:
http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/1556828/Cannabis-wird-als-Heilpflanze-salonfaehig?_vl_backlink=/home/leben/gesundheit/index.do
Kommentar & Ergänzung:
Zu Sativex siehe:
Zu Dronabinol:
Wikipedia schreibt zur Pharmakologie von  Cannabidiol:
„Cannabidiol bindet an die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 agonistisch, jedoch kann es deren Aktivität über einen ungeklärten Mechanismus auch blockieren. Es wirkt jedoch als Antagonist an dem G-Protein gekoppeltem Rezeptor GPR55, dessen physiologische Rolle noch nicht geklärt ist.
CBD wird als Spasmolytikum bei multipler Sklerose eingesetzt. CBD wirkt immunsupprimierend und wird zur Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen verwendet. Eine Verwendung bei affektiven Störungen wird untersucht. CBD ist Bestandteil des arzneilich genutzten Hanfextrakts Nabiximols.“
Der Artikel in der „Presse“ spricht auch eine mögliche krebshemmende Wirkung von Cannabidiol an und erwähnt als Beispiel den Brustkrebs. Cannabidiol und andere Cannabinoide stehen immer wieder im Fokus der Forschung und tauchen in diesem Zusammenhang in Medienberichten auf. CBD soll beispielsweise bei Brustkrebs, Prostatakrebs, Gehirntumor und Leukämie wirksam sein und Krebszellen töten.
Natürlich ist es zu begrüssen, wenn THC, Cannabidiol und andere Cannabinoide erforscht werden. Die Meldungen darüber sind aber oft fragwürdig. So basieren die Meldungen über krebshemmende Wirkungen von Cannabidiol überwiegend auf Laborversuchen mit isolierten Zellen, teilweise auf Tierversuchen und nur in sehr geringem Mass auf Untersuchungen an Menschen. Daraus eine Meldung wie beispielsweise „Cannabidiol wirksam gegen Prostatakrebs“ zu basteln ist einfach nicht zulässig. Im Labor lassen sich isolierte Zellen verhältnisweise einfach zerstören. Ob aber aus solchen Erkenntnissen ein wirksames Medikament gegen Tumorerkrankungen entwickelt werden kann, ist in den meisten Fällen noch eine ganz und gar offene Frage – und braucht in der Regel auf jeden Fall viel Zeit.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Gut dosierter Sport lindert Müdigkeit bei Krebs und Fibromyalgie

Sport kann Krebskranken bei Erschöpfungszuständen gut tun. Studien weisen darauf hin, dass regelmäßige und dosierte Aktivität der Behandlung von Erschöpfungszuständen durch Medikamente überlegen ist.

Bewegung kann Erschöpfungszustände bei Tumorerkrankungen und Fibromyalgie lindern. Das erklärt Prof. Herbert Löllgen von der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) in Berlin. Studien hätten ergeben, dass regelmäßiges, dosiertes Ausdauertraining bei Fibromyalgie neben einer Psychotherapie wirksam und einer medikamentösen Therapie überlegen sei. Auch vor, nach und während einer Krebsbehandlung mildere regelmäßige Bewegung Ermüdungserscheinungen, reduziere die Stressbelastung und verbessere die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität der Patienten.

Fibromyalgie ist eine schwere chronische Erkrankung, die neben Schmerzen in Muskeln und Gelenken unter anderem durch Müdigkeit und Schlafstörungen charakterisiert ist. Betroffenen rät Löllgen zu einer Bewegungstherapie im warmen Wasser (bspw. Aquajogging) Das schont nicht zuletzt die Gelenke beim Training. Tumorkranke sollten schon in der Klinik Sport treiben und nach dem Spitalaufenthalt am besten in entsprechenden Sportgruppen weiter trainieren.

Quelle:

http://www.n-tv.de/ticker/Gesundheit/Krebskranke-sollten-bei-Muedigkeit-dosiert-Sport-treiben-article5676576.html

Kommentar & Ergänzung:

Bewegung ist eine wichtige Säule in der klassischen Naturheilkunde.

Siehe:

Naturheilkunde – was ist das?

Zum Thema Müdigkeit / Fatigue bei Krebserkrankungen gibt es Studien zur Wirksamkeit von Ginseng:

Ginseng-Behandlung reduziert Fatigue-Symptome bei Krebserkrankungen

Onkologie: Fatigue & Roter Ginseng

Ginseng lindert Fatigue bei Krebskranken

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Homöopathie verbessert Lebensqualität bei Krebserkrankung

Krebskranke, die zusätzlich zu einer onkologischen Therapie homöopathisch behandelt werden, haben eine bessere Lebensqualität und weniger Beschwerden durch chronische Müdigkeit (Fatigue). Angst und Depressivität blieben aber unbeeinflusst.

Zu diesem Resultat kam Matthias Rostock in einer Studie mit mehr als 600 Krebskranken. 380 Patienten wurden in einem onkologischen Zentrum behandelt, 259 zusätzlich homöopathisch. Bei den komplementär homöopathisch Behandelten zeigte sich eine Verbesserung der Lebensqualität schon nach drei Monaten, die nach einem Jahr noch weiter ausgebaut werden konnte.

Für seine Studie ist Rostock mit dem Hufeland-Forschungspreis ausgezeichnet worden. Die Jury erklärte, dass mit dieser Studie zum ersten Mal eine wissenschaftliche Abbildung der homöopathischen Praxis in der integrativen Onkologie vorliegt.

Quelle:

http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article2318692/Homoeopathie-verbessert-Lebensqualitaet-von-Tumorpatienten.html

http://www.hufelandgesellschaft.de/118.html

Kommentar & Ergänzung:

Menschen mit Tumorerkrankungen suchen  oft begreiflicherweise nach ergänzenden Behandlungsmöglichkeiten und nur schon eine Verbesserung der Lebensqualität kann für sie ein wertvoller Gewinn sein. Wirklich neue Erkenntnisse bringt die beschriebene Studie allerdings nicht. Dass eine Behandlung mit Homöopathie bei manchen Erkrankungen gemäss den Beurteilungen von Patientinnen und Patienten zu einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen kann, ist meinem Eindruck nach schon verschiedentlich mit Studien gezeigt worden. Und man kann sich natürlich auf den Standpunkt stellen, dass es für die Betroffenen nur auf diese Verbesserung ankommt.

Für die Forschung interessant wäre aber vor allem die Frage, ob es wirklich die Globuli sind, welche die Verbesserung bewirken. Diese Frage lässt sich mit der beschriebenen Studie nicht beantworten.  Dazu wäre eine Kontrollgruppe nötig, die zusätzlich zur onkologischen Therapie ebenfalls eine homöopathische Behandlung bekommt, bei der aber anstelle von Globuli unbehandelte Zuckerkügelchen verabreicht werden.

Eine solche Studie hat Sarah Brien in Grossbritannien mit Rheuma-Patienten durchgeführt:

Wirkt Homöopathie – und wenn ja, wie?

Sie kommt zum Schluss,  dass es die therapeutische Beziehung zwischen homöopathisch tätigem Arzt und Patient zu sein scheint, die den Unterschied macht, nicht die homöopathischen Globuli als solche. Offen bleibt dabei natürlich die Frage, ob es etwas spezifisch Wirksames an einer homöopathischen Konsultation gibt, oder ob nicht eher generell eine intensivere Beziehung zwischen Arzt und Patient zu einem größeren Behandlungserfolg führt.

Nimmt man diese Ergebnisse ernst, so stellen sich auch kritische Fragen betreffend Homöopathika wie Similasan, die ohne homöopathische Konsultation – also quasi „beziehungslos“  – über den Ladentisch verkauft werden. Hier fällt der Beziehungseffekt von vorneherein weg und es werden nur die Globuli verkauft.

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Onkologie: Fatigue & Roter Ginseng

Fatigue ist eines der häufigsten und zugleich das am stärksten belastende Begleitsymptom von Krebserkrankungen und Krebstherapien. Viele Patienten leiden stärker unter der extremen Erschöpfung als unter Schmerzen. Dennoch bleibt die Fatigue oft unerkannt und untherapiert.

Fatigue zeigt sich als eine quälende Form der Erschöpfung bei Krebspatienten. Sie äussert sich durch außerordentliche Müdigkeit, mangelnde Energiereserven oder ein massiv erhöhtes Ruhebedürfnis, das in keinem Verhältnis steht zur vorausgegangenen Aktivität. Charakteristisch sind auch Leistungsschwäche und Depression. Die körperliche Erschöpfung macht die Betroffenen unfähig, ihren gewohnten täglichen Aktivitäten nachzugehen; durch die mentale Erschöpfung ist es ihnen fast unmöglich, sich zu konzentrieren und klar zu denken, und emotional fehlen Antrieb und Kreativität.

Im Gegensatz zur Erschöpfung nach einer körperlichen, geistigen oder seelischen Anstrengung beim gesunden Menschen kann selbst eine Erholungsphase oder ausreichender Schlaf diese quälenden Symptome nicht lindern.

Auch Patienten mit anderen Erkrankungen leiden an diesem Gefühl, unendlich müde zu sein. Ärzte reden dann meist von einem chronischen Erschöpfungssyndrom (engl. Chronic Fatigue Syndrome, CFS). Das ist ein eigenständiges Krankheitsbild, das von der Tumor-assoziierten Fatigue unterschieden werden muss.

Fatigue ist auch keine Depression, wobei die Abgrenzung bei chronischer tumorbedingter Erschöpfung teilweise schwierig sein kann.

Zeitweise leiden fast alle Krebspatienten unter einer Fatigue. Häufiger betroffen sind Menschen mit Leukämie, Magentumoren, Darmtumoren sowie Mammakarzinom (Brustkrebs). Während und nach einer Therapie steigt die Zahl der Betroffenen.

Hauptsächlich junge Menschen sind von Fatigue beeinträchtigt. Die Ursache dafür ist noch unklar. Möglicherweise nehmen jüngere Menschen den Unterschied zwischen ihren bisherigen Energiereserven und der durch die Krankheit verminderten Kraft deutlich stärker wahr als Ältere.

Vielfältige Triggerfaktoren

Trotz vieler Untersuchungen gibt es bislang offenbar noch kein überzeugendes pathophysiologisches Modell zur Erklärung der Fatigue. Unbestritten sei aber, dass es sich um ein multifaktorielles Geschehen handelt.

Zu den wichtigen Triggerfaktoren zählen hauptsächlich die Chemotherapie und die Bestrahlung. So können die Nebenwirkungen jeder Zytostatikatherapie eine allgemeine Schwäche begünstigen. Wichtige Einflussfaktoren sind Intensität und Dauer der Therapie. Bei einer Strahlentherapie beeinflussen die Strahlendosis, die Größe der bestrahlten Region und der Ort der Behandlung die Ausprägung einer Fatigue.

Für die Betroffenen ist die Information wichtig, dass es Fälle gibt, bei denen die Ursache der Fatigue ermittelt und kausal behandelt werden kann. Außerdem ist es wichtig zu wissen, dass die Symptome einer Fatigue in der Regel erst drei bis vier Tage nach Ende der Chemotherapie beginnen.

Das Fatigue-Syndrom braucht wegen seiner physischen, psychischen und sozialen Dimension einen multidisziplinären Behandlungsansatz. Wegen der schlechten Datenlage und der nicht geklärten Ursachen des Fatigue-Syndroms steht die nichtmedikamentöse Behandlung der Fatigue im Vordergrund.

Hauptsächlich die körperliche Aktivität der Patienten gilt heute als einer der wichtigsten Pfeiler der Behandlung. Viele Studien belegen die Wirksamkeit eines moderaten, dosierten, an das Krankheitsstadium angepasstes Ausdauertraining.

Untrainierte Menschen sollten immer mit leichter Aktivität anfangen.

Symptomatische Behandlung der Fatigue

Zur symptomatischen Therapie einer tumorassoziierten Fatigue gibt es derzeit keine Standardbehandlung und keine zugelassenen Arzneimittel. Zum Repertoire der oft diskutierten Behandlungsansätze zählen Psychostimulanzien wie Methylphenidat (Ritalin®), der Mikronährstoff ­L-Carnitin sowie Roter Ginseng. Aufgrund der Studienlage empfiehlt die Deutsche Fatigue Gesellschaft gegenwärtig lediglich den Einsatz von Methylphenidat und Rotem Ginseng.

Methylphenidat aus der Gruppe der Weckamine soll die Konzentration fördern und die Entscheidungs- und Leistungsbereitschaft steigern. Zudem soll Methylphenidat körperliche Abgeschlagenheit und Müdigkeit unterdrücken. Mehrere kleine Phase-II-Studien belegen günstige Effekte bei Patienten mit Fatigue. In einer auf dem Deutschen Krebskongress 2012 publizierten und von der Deutschen Fatigue Gesellschaft unterstützten Studie ergab sich allerdings kein signifikanter Unterschied zu Placebo. Trotzdem befürwortet die Fachgesellschaft weiterhin die Anwendung von Methylphenidat, weil einzelne Patienten-Gruppen davon profitieren könnten. Hierzu soll vor allem die Untergruppe der Patienten zählen, die seit mehr als drei Jahren unter Fatigue leiden.

Schwere Nebenwirkungen seien nicht beobachtet worden. Auch das Risiko einer Abhängigkeit schätzt die Fachgesellschaft als sehr gering ein. Hauptsächlich jedoch zeige sich schon nach sehr kurzer Zeit, ob ein Patient auf die Behandlung anspricht.

Das schnelle Ansprechen auf die Methylphenidat-Therapie sei sehr vorteilhaft. Dagegen müsse man bei einer Therapie mit Rotem Ginseng drei bis fünf Monate warten, bevor sich die ersten Effekte zeigen. In Untersuchungen bewirkte Panax ginseng eine Verbesserung der tumorassoziierten Fatigue bei sehr guter Verträglichkeit. Auch für Panax quinquefolius (Amerikanischer Ginseng) weisen Studien auf günstige Effekte bei Patienten mit unterschiedlichen Tumorerkrankungen und Fatigue-Symptomatik hin. So ergab zum Beispiel eine Studie mit 282 Patienten, dass 1000 mg und 2000 mg Ginsengwurzelextrakt pro Tag Müdigkeit und Erschöpfung deutlich bessern konnten. Für Krebspatientinnen und -patienten, die eine naturheilkundliche Behandlung bevorzugen, kann Roter Ginseng daher eine Alternative bieten.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41683&type=0

(Dieser ausgesprochen ergiebige Artikel enthält noch zusätzliche Informationen)

Kommentar & Ergänzung:

Der Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung enthält noch zusätzliche Informationen zu Diagnostik und Therapie der Fatique.

Roter Ginseng ist natürlich nur ein kleines Puzzleteil in einer umfassenden, multidisziplinären Behandlung der Fatigue.

Was genau ist Roter Ginseng?

Siehe dazu:

Zur Wirksamkeit von Ginseng: Weisser Ginseng oder Roter Ginseng?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Psychoonkologie: Die Psyche verursacht keinen Krebs

Die Psyche wirkt nicht als Auslöser für eine Tumorerkrankung und psychologische Betreuung kann Krebs auch nicht heilen. Sie kann aber zu mehr Lebensqualität der Betroffenen beitragen, hieß es bei einem Hintergrundgespräch zum Thema “Psychoonkologie” in Wien.

Erste Hinweise, dass gewisse Persönlichkeitsmerkmale die Entstehung von Tumorerkrankungen begünstigen würden, haben sich laut dem Klinischen Psychologen Georg Fraberger, von der Universitätsklinik für Orthopädie der Medizinischen Universität in Wien nie bestätigen lassen. Die Existenz einer sogenannten Krebspersönlichkeit ist demnach nichts weiter als ein Mythos.

Zur Frage einer allfälligen Krebspersönlichkeit existieren inzwischen viele Studien. Die meisten davon wurden jedoch retrospektiv durchgeführt. Das heisst: Schon an Krebs Erkrankte wurden untersucht und anhand gefundener Persönlichkeitsmerkmale wurden Rückschlüsse gezogen, welche “Menschentypen” die Betroffenen schon vor ihrer Erkrankung waren. Das ist jedoch nicht zulässig, weil die Erfahrung einer lebensbedrohlichen Krankheit einen Einfluss auf die Persönlichkeit und Interpretation der eigenen Lebensgeschichte hat.

In den wenigen prospektiven Studien, die durchgeführt wurden, haben Forscher Personen über Jahre hinweg beobachtet und untersucht, ob bestimmte Persönlichkeitsmerkmale eine spätere Krebserkrankung prognostizierbar machen. Überzeugende Zusammenhänge fanden die Wissenschaftler dabei aber nicht. Vielmehr häufen sich inzwischen die Hinweise, dass die hohen Depressivitätsraten unter Krebskranken auch als Folge der Erkrankung und der Behandlung verstanden werden können und den Verlauf der Krebserkrankung möglicherweise beeinflussen.

Eine Krebsdiagnose verändert das Leben eines Menschen von einer Sekunde auf die andere fundamental.

Der Erkrankung ausgeliefert, wollen Patientinnen und Patienten das Unbegreifbare verstehen. Beim Krebs umso mehr, als seine Ursache anders als zum Beispiel bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen schwer fassbar ist. Auf der Suche nach einer Erklärung für das eigene Leid tauchen dabei oft Schuldfragen auf. Die Vermutung, dass gewisse Charakterzüge ursächlich für die Entstehung von Krebs verantwortlich sind, wird von zahlreichen betroffenen Menschen ganz spontan assoziiert. Solche Selbstanklagen erfüllen insofern ihren Zweck, als sie die Hoffnung mit sich bringen, dass durch Änderung bestimmter Wesenszüge die Genesung gefördert wird. Der Hämatologe und Psychoonkologe Alexander Gaiger von der Universitätsklinik für Innere Medizin I am AKH in Wien betrachtet die Auseinandersetzung mit dem Mythos Krebspersönlichkeit und dem vermeintlich schuldhaften Verhalten als vergeudete Energie.

Trauma keine Krebsursache

Nicht immer wird das seelische Ungleichgewicht als Auslöser einer Krebserkrankung mit einer eventuell vorhandenen Krebspersönlichkeit begründet.  “Eine Überlegung, bezogen auf den Einfluss psychischer Faktoren, war auch, dass massive Traumata in der Vergangenheit zum Ausbruch einer Krebserkrankung führen könnten”, erklärt Gaiger. Eine Theorie, die der Psychoonkologe allerdings sofort widerlegt: “Das mittlere Alter von Krebspatienten liegt zwischen 57 und 60 Jahren. Und so traurig es ist, aber in diesem Alter hat bereits fast jeder eine traumatische Erfahrung hinter sich.”

Wäre die „Trauma-Theorie“ für die Krebsentstehung relevant,  müsste nicht nur praktisch jeder 60-Jährige unter einer Krebserkrankung leiden, sondern auch sämtliche Menschen, die in Kriegsgebieten leben beziehungsweise Opfer von Naturkatastrophen sind. “Das ist aber keineswegs der Fall”, stellt Gaiger klar und bezeichnet Krebs nach dem heutigen Verständnis selbst als Naturkatastrophe.

Ebenso wie Tsunamis und Erdbeben werden nämlich auch Krebserkrankungen multifaktoriell verursacht. Typischerweise werde psychischen Faktoren, die für die Entstehung einer schweren Erkrankung eigentlich irrelevant seien, eine sehr große Bedeutung beigemessen, während hochrelevante Umstände für die Entstehung oder den Verlauf einer Krankheit völlig ignoriert würden, betont der Psychoonkologe und nimmt hier Bezug auf den sozioökonomischen Status und Lebensstil.

Armut, Bildungsmangel, hoher BMI, ungesunde Ernährung und wenig körperliche Bewegung macht der Experte im Wesentlichen für den Umgang und die Bewältigung einer Krebserkrankung verantwortlich. Geld ändere zwar nichts am menschlichen Leid, erleichtere aber den finanziellen Druck und sei neben einem Informationsmangel ein gravierender Faktor in der Entwicklung von Depressionen.

Zum Wert psychologischer Hilfe

Einstellungen, emotionale Faktoren und psychologische Hilfen beim Bewältigen einer solchen Krise können die Lebensqualität erhöhen. Sie machen zudem oft belastende Therapien besser ertragbar und somit wirksamer.

Das Ziel besteht darin, die Betroffenen möglichst unbeschadet über die einzelnen Phasen der psychischen Bewältigung der Krebserkrankung hinüber zu bringen: vom ersten Schock über die Abwehr beziehungsweise die Verdrängung hin zur Verarbeitung. Der Krebspatient soll dazu in die Lage versetzt werden, die Krankheit zu akzeptieren und das Leben fortführen zu können, ohne dauernd durch Gedanken an den Krebs gestört zu sein.

Quelle:

http://derstandard.at/1336563054564/Psychoonkologie-Die-Psyche-macht-keinen-Krebs

http://derstandard.at/1328507286338/Mythos-Krebspersoenlichkeit-Vermeintlich-schuld-am-Krebs

Kommentar & Ergänzung:

Eine interessante Frage ist in diesem Zusammenhang, weshalb die Theorie vom der Krebs auslösenden Psyche  so gut ankommt. Meines Erachtens hängt das vor allem damit zusammen, dass diese „Psycho-Theorie der Krebsentstehung“ den Bedürfnissen und Ängsten vieler Menschen entgegen kommt.

Mit dem Mythos der “Krebspersönlichkeit” halten sich die (noch) nicht Betroffenen meines Erachtens den schwer zu ertragenden Gedanken vom Leibe, dass der Ausbruch dieser Krankheit vielleicht doch zu einem sehr grossen Teil zufälligen/ genetisch bedingten/ sonstigen nicht einfach so steuerbaren Faktoren zuzuschreiben ist. Die Annahme, dass Krebs in der Psyche entsteht, ermöglicht die angstvermindernde Illusion, dass Krebs durch Einfluss auf die Psyche vermeidbar oder heilbar ist. Das lindert Ohnmachtgefühle, aber wenn man es nicht schafft und trotzdem an Krebs erkrankt, ist man nach dieser Theorie selber schuld.

Das macht diese „Psycho-Theorie der Krebsentstehung“ so problematisch und führt nicht selten zu menschenverachtenden Schuldzuweisungen an Krebspatientinnen und –patienten.

Statt sich in Unverwundbarkeits-Fantasien zu flüchten wäre es meiner Ansicht nach sinnvoller, wenn wir die grundlegende Verletzlichkeit und Fragilität der menschlichen Existenz anerkennen würden. Wenn es jeden und jede treffen kann, ist das auch Basis für zwischenmenschliche Solidarität.

Siehe auch: www.patienten-seminare.ch

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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