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Krebstherapie: Sport und Phytotherapie bei Fatigue

Zahlreiche Krebspatienten leiden während und nach einer Chemotherapie unter Fatigue. Das sogenannte Erschöpfungssyndrom kann die Erkrankten in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigen. Auf dem Deutschen Krebskongress in Berlin haben Fachleute diskutiert, wie den Betroffenen geholfen werden kann.

Fatigue ist eine häufige Begleiterscheinung in der Tumorbehandlung. Zwischen 60 und 100 Prozent der Krebspatienten klagen während der Therapie über ausgeprägte Müdigkeit und bei mehr als jedem Vierten tritt das Erschöpfungssyndrom als Langzeitfolge nach Abschluss der Behandlung auf. Die dem Erschöpfungssyndrom zugrunde liegenden Mechanismen sind bislang unklar.

Wichtige Elemente für die Therapie der Fatigue sind die Verhaltenstherapie und die gezielte Schulung der Patienten. In Einzel- und Gruppengesprächen können sie lernen, mit ihrer Situation besser umzugehen, zum Beispiel mithilfe bestimmter Entspannungstechniken. Denn die reduzierte Leistungsfähigkeit führt häufig zu Stress und letztlich zu Depressionen.

Mit Sport bei Fatigue nicht übertreiben

Auch Sport kann dazu beitragen, das Befinden bei Fatigue zu verbessern. Dr. Freerk Baumann von der Deutschen Sporthochschule Köln warnt aber davor, die Erkrankten zu stark zu beanspruchen. Je nachdem, welche Folgeerscheinung der Krebstherapie man behandeln möchte, gebe es völlig unterschiedliche Bewegungsprogramme. Wer während der Behandlung unter Fatigue leidet, sollte etwa vier bis fünf Stunden pro Woche spazieren gehen. So ließe sich das beste Resultat erzielen. Mehr Bewegung bringe in diesem Fall eher schlechtere als bessere Resultate, erklärt Baumann.

Da Sport vom Körper als Stress wahrgenommen werde und zu einem höheren Energieverbrauch führe, müsse nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand das Pensum laut Baumann an die Schwere des Erschöpfungszustands angepasst werden. Je ausgeprägter die Fatigue ist, desto weniger intensiv sollte laut Baumann das Training ausfallen.

Zu klären bleibe beispielsweise, ob körperliche Aktivität an der frischen Luft einen höheren Nutzen habe als Training in der Halle oder im Fitnessstudio.

Ergänzend zu solchen Massnahmen kann auch der Einsatz pflanzlicher Arzneimittel erwogen werden, sagt Dr. Matthias Rostock vom Institut für komplementäre und integrative Medizin am Universitätsspital Zürich. Die Phytotherapie könne helfen, die Patienten für andere Maßnahmen zu aktivieren.

Günstig wirkt laut Rostock Guarana bei der akuten Fatigue während einer Chemotherapie bei Brustkrebspatientinnen. Verglichen mit Placebo habe sich die Symptomatik der Frauen bei der Behandlung mit Guarana signifikant verbessert und sie klagten deutlich weniger über Übelkeit und Schlafstörungen. Baldrian ist laut Rostock gegen Schlaflosigkeit zwar wenig effektiv, wirkt dafür jedoch gegen nervöse Erschöpfung. Das entspreche der ursprünglichen Indikation für den Einsatz von Baldrianwurzel, erklärt Rostock.

Gut erforscht sei insbesondere die Wirksamkeit von Ginseng. Bei Tagesdosen von 1 bis 2 g fühlen sich rund 30 Prozent der Patienten besser. Das zeigt nach Rostock aber auch, dass Ginseng nicht jedem hilft. Der positive Effekt von Ginseng sei während der Chemotherapie signifikant, nach Beendigung der Behandlung aber deutlich schwächer ausgeprägt.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=62425

Kommentar & Ergänzung:

Zum Thema „Sport & Fatigue“ siehe:

Krafttraining bessert krebsbedingte Erschöpfung bei Fatigue

Gut dosierter Sport lindert Müdigkeit bei Krebs und Fibromyalgie

 

Zum Thema „Ginseng & Fatigue“ siehe:

Ginseng-Behandlung reduziert Fatigue-Smptome bei Krebserkrankung

Onkologie: Fatigue & Roter Ginseng

Ginseng lindert Fatigue bei Krebskranken

Onkologie / Palliative Care: Was hilft bei Fatigue?

Zu Guarana:

Guarana enthält als wirksamen Inhaltsstoff Coffein. Zum Thema „Guarana & Fatigue“ gibt es eine Studie mit positivem Resultat:

„Guarana (Paullinia cupana) improves fatigue in breast cancer patients undergoing systemic chemotherapy…..

RESULTS: Guarana significantly improved the FACIT-F, FACT-ES, and BFI global scores compared to placebo on days 21 and 49 (p < 0.01). The Chalder Scale improved significantly on day 21 (p < 0.01) but not on day 49 (p = 0.27). Guarana did not produce any Common Terminology Criteria for Adverse Events grades 2, 3, or 4 toxicities and did not worsen sleep quality or cause anxiety or depression.

CONCLUSIONS: Guarana is an effective, inexpensive, and nontoxic alternative for the short-term treatment of fatigue in BC patients receiving systemic chemotherapy. Further studies are needed to confirm these results and to evaluate their generalizability to chronic CRF and to other types of cancer.“

Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21612429

Die Studie gibt zwar Hinweise auf einen günstigen Effekt von Guarana, sie ist aber von der Zahl der teilnehmenden Patienten her klein und kann die Wirksamkeit nicht einwandfrei belegen. Eigenartig ist bei dieser Studie die Dosierung von zweimal täglich 50mg Guarana. Normalerweise wird bei Guaranapulver als Tagesdosis 1 – 3 Gramm empfohlen (entsprechend etwa 50 – 150 mg Coffein). Eine Tasse Kaffee (150 ml) enthält aber auch bereits zirka 60 – 100 mg Coffein (Angaben aus: Biogene Arzneimittel).

Was Guarana gegenüber anderen Coffeinquellen wie Kaffee, Grüntee, Schwarztee oder Matetee für Vorteile haben soll, ist mir nicht plausibel ersichtlich.

Als Vorteil wird manchmal angeführt, dass das Coffein aus Guarana im Gegensatz zum Coffein aus Kaffee langsamer in den Körper aufgenommen werden soll, weil es an Gerbstoffe gebunden vorliegt. Das soll zu einer länger anhaltenden Wirkung führen.

Dieser postulierte Retard-Effekt konnte aber in neueren Untersuchungen nicht bestätigt werden. Die Freisetzung und Aufnahme von Coffein aus Guarana entspricht derjenigen aus Präparaten mit reinem Coffein (Angaben gemäss: Teedrogen und Phytopharmaka)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Schwarztee lindert Sonnenbrand

Schwarztee wird in der Phytotherapie oft empfohlen zur Linderung von Sonnenbrand. Interessant ist, dass dieses Hausmittel inzwischen auch Support bekommt von Hautärzten.

Beispiel 1:

Dr. Reinhard Mrotzek, Hautarzt und Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD), kommt auf  T-online zu Wort:

«Viel besser als Quark ist schwarzer Tee geeignet. Dieser wirkt entzündungshemmend und kühlend. “Doch dafür muss man keine Teebeutel auf die Haut legen. Wer schwarzen Tee zubereitet und ihn, nachdem er abgekühlt ist, auf die Haut aufträgt, hat den gleichen Effekt”, sagt der Sonnenschutz-Experte. Auch hier sind Kompressen bestens geeignet. Die zerstörte Haut reparieren kann der Tee aber nicht, sondern lediglich die Symptome lindern. Das gilt auch für After-Sun-Lotions und –Cremes.»

Quelle: http://www.t-online.de/lifestyle/gesundheit/id_63907268/erste-hilfe-bei-sonnenbrand-quark-lindert-den-schmerz.html

Beispiel 2:

Prof. Dr. med. Reinhard Dummer vom Universitätsspital Zürich auf 20min.ch zur Frage, was zu tun ist bei einem Sonnenbrand:

« Kühlende Umschläge helfen: Einfach Schwarztee aufsetzen, auskühlen lassen, in den Kühlschrank stellen und dann Kompressen einlegen und auf die verbrannten Stellen auflegen. Eventuell empfiehlt sich die Einnahme einer Schmerztablette wie zum Beispiel Aspirin. Auf jeden Fall sollte man am nächsten Tag unbedingt die Sonne meiden.»

Auf die Frage, ob man bei einem Sonnenbrand kein Aftersun-Produkt auftragen müsse, kommt Dummer noch auf ein weiteres Hausmittel zu sprechen:

«Müssen tun sie das nie. Denn die Wirkung ist nicht wissenschaftlich erwiesen. Wenn sie ihre Haut kühlen möchten, können sie auch Gurkenscheiben auflegen.»

Quelle:

http://www.20min.ch/sogehtsommer/sommer/story/27908403

Kommentar & Ergänzung:

Man macht beim Schwarztee die adstringierende Wirkung der Gerbstoffe für die lindernde Wirkung bei Sonnenbrand verantwortlich. Schwarztee enthält aber neben den Gerbstoffen auch weitere Polyphenole mit antioxydativer Wirkung. Da auch Grüntee reich an Gerbstoffen und weiteren Polyphenolen ist, dürfte er sich zur Linderung von Sonnenbrand ebenso eignen.

Wichtig: Mit kochendem Wasser übergiessen, etwa 10 Minuten ziehen lassen (weil sich die Gerbstoffe langsam lösen), abkühlen lassen.

Schwarztee und Grüntee eignen sich auch zur Linderung von Hautentzündungen anderer Genese, zum Beispiel bei Intertrigo, auch „Hautwolf“ genannt. Dabei handelt es sich um eine entzündliche Hauterkrankung, die auf gegenüberliegenden Hautoberflächen in Hautfalten entsteht, zum Beispiel im Genitoanalbereich, an der Leiste, in Bauchfalten und unter den Brüsten. Ausgelöst wird sie zum einen von Reibung, gestauter Wärme und Feuchtigkeit, welche die Hautbarriere stören und zum anderen von einer Superinfektion mit Pilzen oder Bakterien. Vor allem bei nässenden Hautentzündungen haben sich Schwarztee-Kompressen bewährt. Ich bin immer wieder beeindruckt, wenn ein so simples und billiges Mittel funktioniert.

Siehe auch:

Schwarztee bei Windeldermatitis

Schwarztee gegen Hautentzündungen

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Grüntee-Extrakt zeigt im Experiment günstige Wirkung auf Gehirnfunktionen

Grüntee gehört zu den meist untersuchten Lebensmitteln der letzten Jahre. Wissenschaftler der Universität Basel fanden konnten nun mit einer experimentellen Studie zeigen, dass Grüntee-Extrakt die kognitiven Funktionen des Gehirns verbessert. Nach Ansicht der Forscher haben ihre Resultate grosses Potenzial, die Behandlung von psychischen Störungen wie Demenz zu verbessern. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift «Psychopharmacology» publiziert.

In der Vergangenheit wurden Grüntee-Inhaltsstoffe (vor allem Epigallocatechingallat, EGCG) ausführlich von der Krebsforschung untersucht. Forschende interessieren sich inzwischen aber auch vermehrt für den Einfluss von Grüntee auf die Gehirnfunktionen. In verschiedenen Studien konnte ein günstiger Effekt von Grüntee auf die kognitiven Leistungen nachgewiesen werden. Bisher waren jedoch die neuronalen Mechanismen, auf denen diese Leistungssteigerung basiert, noch unbekannt.

Verbesserte Gedächtnisfunktion

Die Forschungsteams um Prof. Christoph Beglinger vom Universitätsspital Basel und Prof. Stefan Borgwardt von den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel konnten nun experimentell zeigen, dass Grüntee-Extrakt die effektive Konnektivität, also den Einfluss, den ein bestimmtes Hirnareal auf ein anderes ausübt, steigert. Dieser Effekt auf die Konnektivität steigerte gleichzeitig auch die Denkleistung: Die Versuchspersonen erzielten nach der Einnahmen des Grüntee-Extrakts signifikant bessere Testergebnisse, insbesondere das Arbeitsgedächtnis verbesserte sich.

Für die Studie bekamen männliche Veruchspersonen einen Softdrink mit mehreren Gramm Grüntee-Extrakt. Mittels Magnetresonanztomografie (MRT) untersuchten die Forscher dann den Effekt des Getränks auf die Hirnaktivität der Männer, während sie Gedächtnisaufgaben lösten. Das MRT zeigte eine deutlich gesteigerte Konnektivität zwischen dem parietalen und frontalen Kortex. Diese neuronalen Resultate korrelierten ebenfalls positiv mit der verbesserten kognitiven Leistung der Testpersonen. Die Studienresultate könnten nach Aussagen von Prof. Borgwardt auf einen positiven Einfluss von Grüntee auf die Kurzzeitplastizität hindeuten, also auf die kurzzeitige Anpassung der Übertragungsstärke der Synapsen des Gehirns.

Klinische Anwendung bei Demenz im Fokus

Die Forschungsergebnis haben nach Ansicht der Studienautoren grosses Potenzial für die klinische Anwendung: Die Erforschung der Konnektivität zwischen den Hirnregionen während der Verarbeitung von Arbeitsgedächtnisaufgaben könnte helfen, die Effektivität von Grüntee für die Therapie von kognitiven Beeinträchtigungen bei neuropsychiatrischen Erkrankungen wie zum Beispiel Demenz zu beurteilen.

Quelle:

http://idw-online.de/de/news581446

Originalbeitrag

Schmidt A, Hammann F, Wölnerhanssen B, Meyer-Gerspach AC, Drewe J, Beglinger C, Borgwardt S.
Green tea extract enhances parieto-frontal connectivity during working memory processing.
Psychopharmacology (Berl). 2014 Mar 19. [Epub ahead of print] PMID: 24643507 | doi: 10.1007/s00213-014-3526-1

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24643507

Kommentar & Ergänzung:

Das sind natürlich interessante Forschungsergebnisse. Aber es läuft immer wieder ähnlich: Manche Medien ziehen aus Forschungsresultaten überzogene Schlüsse, weil sich die daraus folgenden Schlagzeilen besser verkaufen.

Beispiel „Blick“: „Schweizer Forscher weisen nach: Grüntee macht schlau“

Quelle: http://www.blick.ch/life/ratgeber/gesundheit/gruentee-macht-schlau-id2785685.html

Zwar fasst der Blick-Artikel die entsprechende Pressemeldung korrekt zusammen: Grüntee verbessert in diesem Experiment die Funktion der Arbeitsspeicher im Gehirn.

Zuwenig berücksichtigt werden aber die Bedingungen, unter denen die Resultate zustande kamen.

So wird zum Beispiel aus diesem Experiment noch keineswegs klar, ob die gefundenen Effekte auch nach einer Anwendung über drei, zehn, fünfzig oder hundert Tage noch vorhanden wären. Bei Demenz wäre aber eine Langzeitanwendung nötig.

Ausserdem betrug die verwendete Menge an Grüntee-Extrakt 27,5 Gramm – das ist eine ganze Menge. Im Abstract der Studie ist nicht ersichtlich, wie konzentriert der Grüntee-Extrakt war – eine Angabe, die für die Beurteilung nicht unwesentlich ist.

Zum Vergleich: Ein Dragees eines Johanniskrautpräparates enthält rund 300mg Johanniskrautextrakt, eine Filmtablette des Ginkgopräparats „Tebokan / Tebofortin“ 240 mg Ginkgoextakt.

Ob derart hohe Dosen bei Langzeitanwendungen von Grünteeextrakt realistisch und verträglich sind, müsste sich erst noch erweisen.

Ob man schlauer wird, wenn man ein paar Tassen Grüntee trinkt, wie die Alzheimer, „Blick“-Schlagzeile suggeriert, ist also noch ganz und gar nicht nachgewiesen.

Hoffen darauf kann man natürlich schon……und es gibt mit Sicherheit ungesündere Getränke als Grüntee.

Sicher ist aber auch, dass sich der Text mit dieser Schlagzeile gut verkauft.

Siehe auch:

EGCG in grünem Tee macht giftige Plaques bei Alzheimer unschädlich

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schützen Ballaststoffe vor Asthma?

Die westliche Ernährungsweise beeinflusst möglicherweise die Zunahme der Asthma-Erkrankungen. Die Entwicklung von Asthma hängt nämlich offenbar von der Menge konsumierter Früchte und Gemüse ab. Die darin enthaltenen Nahrungsfasern werden durch Darmbakterien fermentiert, dadurch gelangen Fettsäuren ins Blut, welche die Immunantwort in der Lunge beeinflussen. Zu diesem Schluss kommt eine vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie.

In den letzten fünfzig Jahren erkrankten im Westen immer mehr Menschen neu an allergischem Asthma. In derselben Zeitspanne veränderte sich auch die Ernährungsweise: Früchte und Gemüse stehen seltener auf dem Speiseplan. Nun legen neue Studienergebnisse nahe, dass diese Veränderungen nicht nur zeitlich zusammentreffen, sondern auch ursächlich miteinander zu tun haben.

Ein Team um Benjamin Marsland vom Universitätsspital Lausanne (CHUV) hat in Versuchen an Mäusen nachgewiesen, dass das Fehlen von fermentierbaren Fasern in der Nahrung allergische Entzündungsreaktionen in der Lunge fördert.

Darmbakterien wirken bis in die Lunge

Dass die Mikroben im Darm, wenn sie Fasern verdauen und fermentieren, bei der Vorbeugung von Darmkrebs eine wichtige Rolle spielen, war schon bisher bekannt.. Die Forschenden aus Lausanne zeigen nun erstmals, dass der Einfluss der Darmbakterien viel weiter reicht, nämlich bis zur Lunge. Das Team verfütterte Mäusen entweder eine Standarddiät mit vier Prozent oder eine Niedrigfaserkost mit einem Anteil von nur 0,3 Prozent fermentierbaren Fasern. Diese Niedrigfaserkost ist mit der westlichen Ernährungsweise weitgehend vergleichbar, die durchschnittlich nur noch etwa zu 0,6 Prozent aus Ballaststoffen besteht.

Die Forschenden setzten die Mäuse einem Extrakt von Hausstaubmilben aus, worauf die Mäuse auf Niedrigfaserkost eine stärkere allergische Reaktion entwickelten mit weitaus mehr Schleim in der Lunge als die Mäuse auf Standarddiät. Auch beim umgekehrten Versuch – dem Vergleich von Mäusen auf Standarddiät mit Mäusen, die eine mit fermentierbaren Fasern angereicherte Ernährung bekamen – zeigte sich eine schützende Wirkung dieser Art von Ballaststoffen.

Das Team um Marsland hat herausgefunden, dass dieser Schutz das Resultat einer mehrstufigen Reaktionskette ist. In einer ersten Phase gelangen die Fasern in den Darm, wo sie von Bakterien zu kurzkettigen Fettsäuren fermentiert werden. Diese Fettsäuren werden ins Blut aufgenommen und beeinflussen die Reifung von Immunzellen im Knochenmark. Durch den Hausstaubmilbenextrakt angezogen wandern diese Immunzellen  in die Lunge, wo sie schliesslich eine weniger starke Abwehrreaktion bewirken.

Forschungsleiter Marsland ist der Ansicht, dass die Ergebnisse seiner Gruppe klinisch relevant sind, nicht nur weil der Anteil an pflanzlichen Fasern in der westlichen Ernährung mit der Niedrigfaserkost der Mäuse vergleichbar ist, sondern auch weil sich die untersuchten Aspekte des Immunsystems bei Maus und Mensch kaum unterscheiden. Noch seien aber zahlreiche Fragen ungeklärt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler planen nun klinische Studien, um zu untersuchen, wie sich eine mit fermentierbaren Fasern angereicherte Diät bei Menschen auf Allergien und Entzündungen auswirkt.

Jetzt schon stehe aber fest, dass zu den zahlreichen Gründen, mehr Früchte und Gemüse zu essen, ein weiteres Argument hinzu kommt.

Quelle:

http://www.snf.ch/de/fokusForschung/newsroom/Seiten/news-140106-mediemitteilung-ballaststoffe-schuetzen-vor-asthma.aspx

Literaturhinweis:
Aurélien Trompette, Eva Gollwitzer, Koshika Yadava et al.
Gut microbiota metabolism of dietary fiber influences allergic airway disease and hematopoiesis through GPR41.
Nature Medicine 2014. doi: 10.1038/nm.3444

Kommentar & Ergänzung:

Das sind interessante Ergebnisse, falls sie sich beim Menschen bestätigen lassen.

Dass die Darmflora einen Einfluss hat auf das Immunsystem bis in die Lunge, ist jedenfalls bemerkenswert und wirft viele Fragen auf.

Beispielsweise: Was passiert im Immunsystem, wenn die Darmflora durch eine Antibiotika-Behandlung geschädigt wird?

Asthma ist ein komplexes Geschehen, das von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird.

Ballaststoffmangel wird darin nur ein Element unter vielen sein, falls sich die Resultate bestätigen. Immerhin scheinen Ballaststoffe via Darmflora möglicherweise modulierend auf allergische Prozesse einzuwirken. Das ist jedenfalls mehr als nichts.

Hier noch ein Tipp aus der Phytotherapie zum Thema Asthma:

Asthma – bessere Kontrolle durch Eukalyptusöl / Cineol

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kleine Studie untersucht Wirkung von Heidelbeeren bei Colitis ulcerosa

Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus) enthalten viele Polyphenole, hauptsächlich die für die blaue Färbung verantwortlichen Anthocyane. Wegen der antioxidativen und antientzündlichen Eigenschaften der Anthocyane entschieden Schweizer Forscher, den Effekt des Verzehrs von Heidelbeeren bei Patienten mit chronisch-entzündlichem Darm (Colitis ulcerosa) zu untersuchen.

In einer unkontrollierten Pilotstudie nahmen 13 an milder bzw. moderater chronischer Darmentzündung leidenden Testpersonen sechs Wochen lang eine tägliche Dosis von 160 g eines standardisierten Heidelbeer-Extrakts zu sich (vier Portionen à 40 g über den Tag verteilt). Die Tagesdosis an Anthocyanen entsprach dabei 840 mg. Zwischen der Einnahme und den Mahlzeiten sollten die Probanden jeweils mindestens eine Stunde verstreichen lassen. An die Behandlungsphase schloss sich noch eine dreiwöchige Nachbeobachtungsphase an.

Der für diese Studie eingesetzt Mayo Score ergab insgesamt eine signifikante Besserung der Symptome um mindestens zwei Punkte. Laut Fragebogen verbesserte sich auch die subjektive Befindlichkeit wesentlich: Rund 82 Prozent der Teilnehmenden berichteten von einer Steigerung ihrer Lebensqualität verglichen mit ihrer Situation zu Studienbeginn. Diese positive Tendenz näherte sich allerdings nach dem Abschluss der Einnahme des Heidelbeerextrakts wieder dem allgemeinen Wert an. Objektive Parameter, die Schleimhautentzündung betreffend, verbesserten sich ebenfalls.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/blaue-beeren-besaenftigen-den-entzuendlichen-darm.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22883440

http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/erloesung-von-den-ewigen-bauchschmerzen-1.9607345

Kommentar & Ergänzung:

Die Forscher an der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie am Universitätsspital Zürich befassen sich offenbar schon längere Zeit mit dem allfälligen Potenzial von Heidelbeeren bei Colitis ulcerosa.

Die Studie ist sehr klein (Pilotstudie) und schon deshalb von beschränkter Aussagekraft.

Wenn bei einigen Probanden mittels Darmspiegelung eine nachlassende Entzündung der Darmschleimhaut festgestellt wurde, könnte dies auch auf normale Schwankungen im Krankheitsverlauf zurückzuführen sein.

Diese Möglichkeit könnte man nur ausschliessen durch eine Studie mit grösseren Probandenzahlen und mit einer Kontrollgruppe, die ein Scheinmedikament bekommt (Placebo-Gruppe).

In diesem Fall dürfte es aber schwierig zu erreichen sein, dass das Placebo sich vom Heidelbeerextrakt nicht unterscheidet (Verblindung).

Heidelbeerextrakt verfärbt Zunge und Stuhl. Selbst wenn man die entsprechende Menge Anthocyane in neutrale Kapseln abfüllt, würden sie vielleicht den Stuhl immer noch färben, denn es sind ja immer noch Farbstoffe. Vielleicht könnte man das Placebo mit einem blauen Lebensmittelfarbstoff versetzen, der ebenfalls den Stuhl färbt, aber pharmakologisch unwirksam ist. Und dann bleibt jedoch immer noch die Frage offen, ob Heidelbeerextrakt nicht vielleicht besser wirkt als isolierte Anthocyane, zum Beispiel weil er länger und intensiver auf die Darmschleimhaut einwirkt.

Dieses Beispiel zeigt auch, dass klinische Forschung mit Naturstoffen manchmal nicht ganz so einfach ist. Zu einer mehr oder weniger neutralen Laborsubstanz lässt sich leicht ein visuell, geruchlich und geschmacklich identisches Placebo herstellen. Aber machen Sie das mal mit Knoblauch, Baldrian oder Lavendelöl….

Nun aber nochmals zurück zu den Anthocyanen. Das sind Naturstoffe, die in den letzten Jahren intensiv erforscht wurden. Als blaue, violette und rote Farbstoffe sind sie im Pflanzenreich weit verbreitet, beispielsweise in Brombeeren, Himbeeren, Apfelbeeren (Aronia), schwarze Johannisbeere, Kirschen, Heidelbeeren, Aubergine (Schale), Holunderbeeren.

Es stimmt, dass Anthocyane interessante antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften zeigen. Allerdings lassen sich solche meist im Labor festgestellte Wirkungen nicht einfach auf den menschlichen Organismus übertragen. Einer entsprechenden Wirksamkeit im ganzen menschlichen Organismus steht zum Beispiel entgegen, dass viele Anthocyane nur in geringer Menge aus dem Verdauungstrakt in den Körper aufgenommen werden. Die Anwendung bei Darmentzündungen ist interessant, weil dieses Resorptionsproblem hier keine Rolle spielt.

Siehe auch:

Heidelbeeren-Anthocyane im Verdauungstrakt

Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Anthocyane als Entzündungshemmer

Naturheilkunde bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Farbstoffe: Auch Heidelbeeren hemmen Entzündungen

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Lebensstiländerungen können Bluthochdruck senken

Die österreichische Zeitung „Der Standard“  hat einen Artikel veröffentlicht zum Thema Bluthochdruck. Der Beitrag geht auch auf die positiven Wirkungen von Lebensstiländerungen ein.

Zum  Thema Bewegung empfehle die Europäische Leitlinie zur Behandlung von Bluthochdruck:

„Mindestens 30 Minuten an fünf bis sieben Tagen der Woche spazieren zu gehen, zu schwimmen, Rad zu fahren oder zu joggen….So ein aerobes Ausdauertraining kann den oberen Blutdruckwert um 6,9 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) senken. Medikamente drücken den Wert um 8 bis 10 mmHg.“

Die Leitlinie rate zudem, mit dem Rauchen aufzuhören und Übergewicht zu reduzieren. Jedes Kilo Übergewicht weniger senke den oberen Druckwert um 2 mmHg, sagt  dazu Thomas Lüscher, Chef-Kardiologe am Universitätsspital Zürich.

Gut belegt sei auch der günstige Effekt einer mediterranen Ernährung mit viel Gemüse und Obst, Olivenöl statt tierischer Fette, kaum Fleisch und mäßig Alkohol. Man müsse nicht wie ein Mönch leben, aber wenn man gestresst sei, ungesund esse und wenig Sport treibe, seien die Gefäße am Limit, sagt Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus in Berlin und Professor für Naturheilkunde an der Charité. Schlanke Menschen, die regelmässig Sport treiben, bräuchten beim Essen weniger vorsichtig sein, den ihre Blutgefässe seien gesünder.

Michalsen empfiehlt eine vegetarische Ernährung. Das senke nicht nur den Blutdruck, sondern schütze auch die Niere vor möglichen Schäden.

Schokolade in Maßen sei für Bluthochdruckpatienten im übrigen durchaus erlaubt. Vor allem dunkle Schokolade enthalte den blutdrucksenkenden Inhaltsstoff Epicatechin

Andere blutdrucksenkende Nahrungsmittel seien Hibiskus- und Grüntee, Roter-Rüben-Saft, Soja-Nahrungsergänzungsmittel oder Olivenblätterextrakt.

Allerdings sei bisher nicht geklärt, wie lange der Effekt solcher naturheilkundlicher Massnahmen anhalte. Eine wirksame Therapie sollte den Blutdruck nicht nur zu einem beliebigen Zeitpunkt senken, sondern auch langfristig Komplikationen vermeiden, sagt Michael Wolzt von der Bluthochdruck-Ambulanz am AKH Wien. Bei Medikamenten sei dies klar belegt, während bei der Naturheilkunde keine Langzeitstudien mit solchen Ergebnissen vorliegen.

Michalsen entgegnet auf diesen Einwand, dass es für solche Untersuchungen leider keine Milliarden an Forschungsgeldern gebe, wie sie die Pharmaindustrie für Arzneimittelstudien bereitstellt. Daher gehe die Forschung nur schleppend voran.

Quelle:

http://derstandard.at/1381369307866/Bluthochdruck-Den-Druck-aushalten

Kommentar & Ergänzung:

In diesem Artikel werden klassische Ansätze der Naturheilkunde empfohlen wie Bewegung, Ernährung und Heilpflanzen. Das ist erfreulich.

Siehe auch:

Lebensstil ändern senkt Bluthochdruck ohne Medikamente

Es spricht viel dafür, dass bei leicht erhöhtem Blutdruck Blutdrucksenker oft unnötig und oft unwirksam sind. Ob auf sie verzichtet werden soll und kann, hängt aber von einer Gesamtbeurteilung des Risikos ab, für die eine fundierte medizinische Diagnostik und Beratung nötig ist.

Siehe dazu:

Leicht erhöhter Blutdruck: Medikamente oft unnötig und oft ohne Wirkung

Gemäss diesem Bericht hat es bei leicht erhöhtem Blutdruck keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Herzinfarkt, Schlaganfall und Todesfällen, ob die Patienten Blutdrucksenker schlucken oder nicht.

Das unterstreicht die Wichtigkeit von Lebensstil-bezogenen Massnahmen.

Klar ist zudem, dass bei einem „ausgewachsenen“ hohen Blutdruck naturheilkundliche bzw. phytotherapeutische Massnahmen nicht ausreichen, und dass in solchen Situationen synthetische Blutdrucksenker im Zentrum stehen.

Aus der Perspektive der Pflanzenheilkunde finde ich Hibiskus (Karkadetee) und Rote-Beete-Saft (in der Schweiz = Randensaft) am interessantesten.

Siehe dazu:

Karkadetee senkt systolischen Blutdruck um 13 mmhg

Rote Beete (CH = Randen) reduziert Blutdruck

Rote Beete (Randen) reduziert Blutdruck

Randensaft / Rote Beete senkt Blutdruck

Zwischenbemerkungen:

1.) Der Einwand von Michael Wolzt kann nicht einfach vom Tisch gewischt werden. Die Senkung eines Messwertes wie dem Blutdruck in einer Studie ist noch kein Beleg für eine therapeutische Wirksamkeit. Um therapeutische Wirksamkeit zu belegen müssten in Langzeitstudien die Raten von Herzinfarkt, Schlaganfall oder Todesfall gesenkt werden.

2.) Zur Wirkung von Karkadetee und Randensaft bei Bluthochdruck gibt es zwar kleinere Studien. Für grosse klinische Langzeitstudien fehlen aber genau jene Forschungsgelder, von denen Michalsen spricht.

Siehe dazu:

Forschung ist nicht neutral

Weitere interessante Möglichkeiten aus der Pflanzenwelt:

Schwarztee senkt Blutdruck

Grüntee steht im Zentrum intensiver Forschung und entsprechender Werbung. Schwarztee wird dagegen wohl zu Unrecht unterschätzt und hat durchaus gesundheitliches Potenzial. Die blutdrucksenkende Wirkung ist aber gering.

Blaue Kartoffeln reduzieren den Blutdruck

Die Studie mit den Blauen Kartoffeln war allerdings sehr klein und dauerte nur einen Monat.

Der Artikel im „Standard“ erwähnt als Möglichkeiten noch Soja und Olivenblätterextrakt.

Zu Soja:

Eine kleine Studie hat gezeigt: Bei Frauen nach den Wechseljahren mit erhöhtem oder normalem Blutdruck können zusätzliche Sojaproteine  die Blutdruckwerte reduzieren (Arch Intern Med 2007;167:1060-1067 – Welty FK et al).

Zum Olivenblätterextrakt:

Die Wirksamkeit bei Bluthochdruck ist nicht belegt. Es liegen zwar Hinweise für eine solche Wirkung aus tierexperimentellen Untersuchungen vor, doch lassen sich solche Ergebnisse nicht einfach auf Menschen mit Bluthochdruck übertragen. Olivenblätterextrakt hat mich bisher nicht überzeugt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Naturheilkunde als Teil der modernen Medizin

Die Drogisten-Zeitung „d-inside“ (Nr. 7-8/2013) hat ein Interview veröffentlicht mit Prof. Dr. med. Reinhard Saller, der das Institut für Naturheilkunde am Universitätsspital Zürich leitet.

Zitat:

„Die Naturheilkunde ist nach meiner Einschätzung, wenn sie sich selber ernst nimmt und sich kritischen Fragen stellt, ganz unbestritten ein Teil der modernen Medizin. Mit gewissen Vorteilen, mit gewissen Schwächen. Innerhalb der modernen Medizin muss sie sich primär als ein selbstverständliches Angebot präsentieren.“

Kommentar & Ergänzung:

Das sehe ich genauso: Naturheilkunde ist ein Teil der Medizin – ein randständiger Teil der Medizin, würde ich noch hinzufügen.

Mir gefallen sehr die Abschnitte:

“Mit gewissen Vorteilen, mit gewissen Schwächen,..”

Das ist ein realistischer Blick auf die Naturheilkunde, der sie weder idealisiert noch heruntermacht.

„ ….wenn sie sich selber ernst nimmt und sich kritischen Fragen stellt……“

Die selbstkritische Reflexion ist ein Qualitätsmerkmal. In den Bereichen, die heute mit Naturheilkunde, Komplementärmedizin oder Alternativmedizin bezeichnet werden, mangelt es meines Erachtens über weite Strecken an selbstkritischer Reflexion.

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Der Begriff „Naturheilkunde“ wird heute zudem sehr ungenau verwendet und oft vermischt mit den Begriffen „Alternativmedizin“ und „Komplementärmedizin“.

Prof. Saller hat davon mit Sicherheit ein klares Bild, wenn er von der Naturheilkunde als „Teil der modernen Medizin“ spricht. Den Leserinnen und Lesern des Interviews dürften diese Unterschiede aber nicht so eindeutig vor Augen liegen.

Siehe dazu:

Naturheilkunde – was ist das?

Phytotherapie gehört zur Naturheilkunde ist damit ein (randständiger) Teil der Medizin.

Siehe dazu:

Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Zur Neubesetzung des Lehrstuhls für Naturheilkunde an der Universität Zürich

Die Universität Zürich sucht einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für Professor Reinhard Saller auf den Lehrstuhl für Naturheilkunde.

Im Rahmen dieser Neubesetzung fand am 30. August 2012 am Universitätsspital Zürich ein Symposium statt, an dem  BewerberInnen sich mit einem Fachvortrag vorstellten.

Vortragende und Themen waren:

Prof. Dr. med. Benno Brinkhaus

Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und

Gesundheitsökonomie Charité – Universitätsmedizin Berlin

Thema: Integration von Naturheilkunde / Komplementärmedizin in die

konventionelle Medizin am Beispiel Akupunktur

Prof. Dr. med. Jost Langhorst

Innere Medizin V – Naturheilverfahren und Integrative

Medizin Kliniken Essen Mitte – Knappschaftskrankenhaus

Thema: Naturheilkunde und Integrative Medizin am Beispiel chronisch

entzündlicher Darmerkrankungen

PD Dr. med. Florian Pfab

Präventive und Rehabilitative Sportmedizin

Klinikum rechts der Isar; Technische Universität München

Thema: Nadeln, Chilli, Drachenblut oder gar Haschisch gegen Juckreiz?

Prof. Dr. med. Claudia Witt, MBA

Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie

und Gesundheitsökonomie Charité – Universitätsmedizin Berlin

Thema: Forschung zur Komplementärmedizin – eine internationale Perspektive

PD Dr. med. Ursula Wolf

Institute of Complementary Medicine, Universität Bern; Inselspital

Thema: Forschung in der Komplementärmedizin

Kommentar & Ergänzung:

Tobias Füchslin und Marko Kovic besuchten die Veranstaltung und haben sie in einem Podcast kritisch kommentiert.

Den Podcast können Sie hier hören.

Bei Prof. Reinhard Saller war die Phytotherapie ein zentraler Schwerpunkt. Es wäre natürlich aus meiner Sicht begrüssenswert, wenn der Nachfolger oder die Nachfolgerin auch einen „Draht“ zur Phytotherapie mitbringen würde.

Wichtiger aber noch scheint mir, dass eine Person gewählt wird, die Wissenschaft nach den besten Standards betreibt.  Die Methoden von Komplementärmedizin und Naturheilkunde sollen ergebnisoffen erforscht werden. Das ist in diesem Bereich nicht so selbstverständlich, wie es sein sollte. Wenn aus politischen Gründen komplementärmedizinische Forschung an Universitäten durchgedrückt wird, entwickelt sich daraus nicht selten eine einseitige Bestätigungs- und Rechtfertigungsforschung, die wissenschaftlich zurecht nicht mehr ernst genommen wird.

Ein Beispiel für einseitige Zugänge ist wohl die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder mit dem „Institut für transkulturelle Gesundheitswissenschaften“, das mit wissenschaftlich fragwürdigen Lehrveranstaltungen und skurilen Forschungsarbeiten in die Kritik gekommen ist.

Siehe:

Europa-Universität Viadrina: Esoterik-Institut vor dem aus

An der Europa-Universität Viadrina wird der Lehrstuhl von Harald Walach durch den Homöopathika-Hersteller Heel finanziert. Harald Walach ist der diesjährige Preisträger des „Goldenen Bretts“:

„Das «Goldene Brett vorm Kopf 2012» geht an Harald Walach, Professor an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder…..Das gab die Gesellschaft für Kritisches Denken bekannt.

Die Verleihung der Preise für den «erstaunlichsten pseudowissenschaftlichen Unfug» fand…..im Naturhistorischen Museum Wien statt. Der Komplementär-Mediziner Walach wurde dabei für sein «einzigartiges Bemühen, wissenschaftsbefreite Theorien in die akademische Welt hineinzubringen», gewürdigt.“

Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/Goldenes-Brett-vorm-Kopf-fuer-Erich-von-Daeniken/story/26845575

Forschung muss sich an den besten Standards orientieren – auch die Forschung im Bereich Komplementärmedizin und Naturheilkunde. Je mehr sich Forschung an dehnbareren, „weicheren“ Standards orientiert, desto grösser wird der Interpretationsspielraum. Und das dient letztlich weder der Wissenschaft noch der „Komplementärmedizin“.

Siehe auch: Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

Das Berufungsverfahren für den Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Zürich hat bisher in der Schweiz kaum Wellen geschlagen. Erstaunlicherweise geht nun die „Die Süddeutsche“ in einem ausführlicheren Beitrag darauf ein:

Der Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Uni Zürich ist etwas Besonderes: Er ist im deutschsprachigen Raum der einzige, der nicht durch Interessengruppen finanziert wird. Ausgerechnet hier hat die Kandidatur einer deutschen Homöopathie-Forscherin nun zum Eklat geführt. Edzard Ernst, einer der renommiertesten Kritiker der Komplementärmedizin, wurde aus der Berufungskommission gedrängt.“

Mir war nicht bewusst, dass der Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Zürich im deutschsprachigen Raum der einzige ist, der nicht von Interessengruppen finanziert wird.

Bei der deutschen Homöopathie-Forscherin, die sich für den Lehrstuhl in Zürich bewirbt, und auf welche die „Süddeutsche“ hinweist, handelt es sich um Prof. Claudia Witt von der Charité Berlin. Ihr Lehrstuhl wird von der Carstens-Stiftung finanziert, einer Organisation zum Zwecke der Homöopathie-Förderung. Meinem Eindruck nach bemüht sich Claudia Witt um Ergebnisoffenheit und um differenzierte Stellungnahmen, aber sie laviert manchmal auch. Es sind an der Charité allerdings zudem einige Studien durchgeführt worden, die viel Interpretationsspielraum offen lassen und von der „Homöopathie-Szene“ sofort als Beweis für die Wirksamkeit ihrer Methode gefeiert wurden, eine Schlussfolgerung, welche die Studien nicht ansatzweise hergeben.

Im Artikel der „Süddeutschen“ wird die Forschungsarbeit von Claudia Witt kritisch kommentiert von Edzard Ernst, ehemaliger Professor für Komplementärmedizin in Exeter,  und von Jürgen Windeler vom unabhängigen Institut für Qualitätskontrolle und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG).

Den ganzen Artikel finden Sie hier:

Alternative Heilverfahren an Hochschulen: Wissenschaft in homöopathischen Dosen

An der Universität Rostock gibt es noch den Lehrstuhl für Naturheilkunde, der mit Prof. Karin Kraft besetzt ist. Sie befasst sich intensiv mit Phytotherapie und publiziert dazu auch in Fachzeitschriften. Ihr Forschungsarbeit kann ich nicht beurteilen, ihre Fachartikel sind aber sorgfältig und fundiert geschrieben.

Auch der Lehrstuhl an der Universität Rostock ist eine Stiftungsprofessur, wobei mir aber scheint, dass die Stifter und Sponsoren etwas breiter angesiedelt sind als bei der Stiftungsprofessur an der Charité und an der Vaidrina.

Arzneipflanzenkunde ist an Universitäten gut etabliert

Aus phytotherapeutischer Perspektive könnte noch ergänzt werden, dass es im Pharmazie-Studium eine ganze Reihe von Lehrstühlen im Bereich der Pharmazeutischen Biologie gibt, die sich gut etabliert mit Lehre und Forschung zum Thema Arzneipflanzenkunde befassen.

Um beispielhaft und unvollständig ein paar Namen ehemaliger oder aktiver Persönlichkeiten zu nennen:

Rudolf Hänsel (Universität Berlin), Hildebert Wagner (Universität München), Rudolf Bauer (Universität Düsseldorf), Theo Dingermann (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Georg Schneider (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Ilse Zündorf (Goethe-Universität Frankfurt am Main), Otto Sticher (ETH Zürich), Jürgen Reichling (Universität Heidelberg), Michael Wink (Universität Heidelberg), Max Wichtl (Universität Marburg), Elisabeth Stahl-Biskup (Universität Hamburg), Rudolf Bauer (Universität Graz) sowie last, aber ganz sicher nicht least: Heinz Schilcher (Freie Universität Berlin).

Phytotherapie hat keine eigene Diagnostik. Daher ist für die Phytotherapie die Arzneipflanzenkunde, wie sie in der Pharmazeutischen Biologie erforscht und vermittelt wird, absolut zentral.

Und die aufgeführten Beispiele zeigen, dass Phytotherapie bestens in die Wissenschaft integriert ist und damit auch nicht zur Komplementärmedizin gerechnet werden kann.

Siehe auch: Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

Phytotherapie ist ein Teil der Naturheilkunde und damit ein (randständiger) Teil der Medizin.

Siehe: Naturheilkunde – was ist das?

Zu hoffen ist, dass bei der Besetzung des Lehrstuhles für Naturheilkunde an der Universität Zürich eine Person gewählt wird, die gute Forschung gewährleisten kann und auch wirklich im Bereich der Naturheilkunde – und damit auch der Phytotherapie – „zuhause“ ist.

Eine Stellungnahme zu den Vorgängen rund um die Neubesetzung des Lehrstuhle für Naturheilkunde ist gerade erschienen auf skeptiker.ch

Wenn Sie interessiert sind daran, Begriffe wie Komplementärmedizin, Alternativmedizin, Naturheilkunde vertiefter zu verstehen, dann bekommen Sie Informationen dazu im Tagesseminar „Komplementärmedizin verstehen und beurteilen“, am 18. November 2012 in Winterthur. Der Kurstag vermittelt auch Orientierungspunkte und Kriterien, mit denen man im weitläufigen Dschungel der Komplementärmedizin die Spreu vom Weizen unterscheiden kann.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Alternativmedizin: Fragwürdige Gallensteinkur mit Olivenöl

In der Alternativmedizin wird sie unter verschiedenen Bezeichnungen empfohlen – die „Leberreinigung“ „Gallenspülung“ oder  „Gallensteinkur“. Dieses Verfahren soll durch die Einnahme von Bittersalz, Olivenöl und Grapefruitsaft (oder Saft von anderen Zitrusfrüchten), manchmal ergänzt um weitere Zutaten, Gallensteine aus dem Körper abführen.

Bei der Durchführung einer Leberreinigung verbinden sich die eingenommenen Stoffe aus Bittersalz, Olivenöl und Zitrussaft im Körper. Diese Mischung verklumpt im Darm durch Verseifung zu grünlichen steinartigen Gebilden, die mit dem Stuhlgang ausgeschieden und von den Anwendern irrtümlich für Gallensteine gehalten werden. Die Zusammensetzung der Ausscheidungsprodukte ähnelt Gallensteinen aber nicht und ist mit den eingenommenen Ausgangsstoffen erklärbar.

Die Einnahme der Substanzen kann mit Durchfall und Bauchschmerzen verbunden sein. Die Wirksamkeit dieser Art von Gallensteinkuren ist nicht nachgewiesen. Es ist zudem auch ein Fall beschrieben, in dem es, vermutlich durch die hohe Fettbelastung, zu einem mit Koliken verbundenen Steinabgang kam, der zu einer steinbedingten Bauchspeicheldrüsenentzündung (biliäre Pankreatitis) führte.

Die Versprechungen, die mit der Gallensteinkur verbunden sind, gehen aber über das Abführen von Gallensteinen deutlich hinaus.

Der Autor Andreas Moritz, der in seinem Buch «Die wundersame Leber- und Gallenblasenreinigung» das Olivenöl-Rezept propagandiert, behauptet, dass Gallensteine die Leber vom Entgiften des Körpers abhalten. Er macht die Gallensteine für alle möglichen Leiden verantwortlich: von Herzerkrankungen und Krebs über Gelenkprobleme bis hin zu Diabetes und Hautproblemen.

Das Gesundheitsmagazin «Puls» wollte testen, was an der «Leberspülung» dran ist. Redaktorin Sarah Allemann prüfte die Rosskur mit Bittersalz und einem grossen Glas Olivenöl-Grapefruitsaft-Gemisch am eigenen Leibe (gesendet am Montag 6. Dezember 2010 auf SF 1).

Tatsächlich schwammen bei ihr nach viel Bauchweh am zweiten Tag der Kur plötzlich Steinchen in der WC-Schüssel.

Wie vorhergesagt, waren die Klümpchen dunkelgrün, weich und von einigen Millimetern bis zu 3 Zentimetern gross.
«Puls» hatte Allemann allerdings vor der Gallensteinkur per Ultraschall untersuchen lassen.

Sie war frei von Gallensteinen.

«Puls» liess die Steine im Labor am Institut für Klinische Chemie des Universitätsspitals Zürich untersuchen. Hier werden jährlich Tausende von Gallen- und Nierensteinen auf ihre Zusammensetzung analysiert.
Dort zeigte sich, dass die Kügelchen gar keine echten Gallensteine sind: Sie schmelzen nämlich unter einer warmen Lampe, während richtige Gallensteine steinhart sind, erläutert Katharina Rentsch, die Leiterin des Steinlabors.

In einer weiteren Untersuchung brachte sie ans Licht, woraus die vermeintlichen Gallensteine überwiegend bestehen: aus Ölsäure, dem Hauptbestandteil von Olivenöl.

Alle von „Puls“ angefragten Gastroenterologen und Chirurgen halten die «Leberspülung» für Unsinn.

Das Olivenöl verseife sich im Magen zu Klumpen, erläutert etwa Miriam Thumshirn, Magen-Darm-Spezialistin am Claraspital Basel. Wenn jemand wirklich Gallensteine habe, könnte eine Spülung mit mehreren Dezilitern Öl sogar riskant sein. Bei so viel Ölivenöl zieht sich die Gallenblase stark zusammen.  Dies könnte erst recht eine Gallenkolik verursachen.

Kommentar & Ergänzung:

Olivenöl ist ein starkes Cholekinetikum – also ein Mittel, das eine Entleerung der Gallenblase auslöst. Bei einem Gallensteinleiden würde ich Cholekinetika nicht empfehlen wegen dem Risiko einer Gallenkolik, wenn ein Gallenstein abgeht und in den Gallenwegen stecken bleibt.

Solche Empfehlungen, die in der Alternativmedizin ziemlich häufig vorkommen, halte ich für riskant.

Das Beispiel Gallensteinkur zeigt einmal mehr, dass nicht alles, was als traditionelle Volksmedizin daher kommt, wirklich Hand und Fuss hat. Manche Irrtümer halten sich über Jahrhunderte.

Die Auseinandersetzung mit den Erfahrungen der traditionellen Pflanzenheilkunde ist interessant und oft auch lohnend. Es braucht aber eine prüfende, sortierende Auseinandersetzung, nicht einfach das fraglose Nachbeten alter Gebräuche.

Siehe dazu auch:

Komplementärmedizin – Hat Tradition Recht?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Diabetes: Sport steigert Insulinproduktion

Mit Sport und körperlicher Aktivität lässt sich die verbreitete Erkrankung Diabetes lindern, da damit die Produktion von Insulin gesteigert wird. Eine Forschungsgruppe der Universität Basel ist nun auf den hormonellen Regelkreis gestossen, der für diesen Mechanismus verantwortlich ist. Ihre Resultate werden im renommierten Wissenschaftsmagazin «Nature Medicine» veröffentlicht.

Diabetes betrifft heute weltweit 366 Mio. Menschen. Alle sieben Sekunden stirbt ein Patient an Diabetes, jährlich sind es 4,6 Mio. Menschen.

Diabetes wird ausgelöst durch eine fortschreitende Abnahme der Insulinproduktion im Körper, die, wenn der Patient übergewichtig ist, wegen des erhöhten Bedarfs nicht mehr genügt. Bereits seit längerem ist bekannt, dass körperliche Aktivität den Diabetes Typ 2, die häufigste Diabetes-Form, vorbeugen und therapieren kann. Wie genau diese günstige Wirkung zustande kommt, konnte jetzt erstmals durch die Forschungsgruppe um Prof. Marc Donath von Universität und Universitätsspital Basel beschrieben werden.

Der arbeitende Muskel stellt ein Molekül namens Interleukin-6 (IL-6) her, dessen Bedeutung bisher jedoch unklar war. Bekannt ist daneben, dass die L-Zellen im Darm ein Hormon herstellen, das sogenannte Glucagon-like-Peptid-1 (GLP-1). Dieses GLP-1 wird durch Mahlzeiten über den Darm angeregt und stimuliert die Insulinproduktion.

Die Basler Forschungsgruppe konnte nun zeigen, dass auch der Muskel selber direkt das GLP-1 anregt, und zwar über IL-6. Zudem konnte aufgezeigt werden, dass das IL-6 in den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse auch andere Zellen reprogrammiert, nämlich die α-Zellen. Diese stellen dabei von der Produktion von Glucagon, das den Blutzucker steigert, auf die Produktion von GLP-1 um – was wiederum bewirkt, dass die benachbarten β-Zellen vermehrt Insulin herstelltn. Bei körperlicher Aktivität wird damit über den IL-6-GLP-1-Hormonkreislauf mehr Insulin produziert, sodass der Blutzucker sinkt und der Verlauf des Diabetes positiv beeinflusst wird.

Interessanterweise produziert bei übergewichtigen Personen das Fettgewebe ebenfalls IL-6, und zwar ebenfalls mit dem Ziel, die Insulinproduktion zu steigern, um den erhöhten Bedarf zu decken. Bei gewissen Patienten genügt dies jedoch nicht, und es kommt zu Diabetes. In diesen Fällen kann körperliche Aktivität die IL6-Produktion aus dem Muskel unterstützen und dadurch dem Diabetes vorbeugen oder ihn lindern, wenn die Erkrankung schon vorliegt.

Der neu entdeckte hormonelle Regelkreis eröffnet verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für Diabetes, wie die Wissenschaftler berichten. So können gezielt Sportinterventionen geplant werden, damit es bei den Diabetes-Patienten zu einer möglichst hohen Produktion von IL-6 kommt. Weiter lassen sich Medikamente einsetzen, die den Abbau vom GLP-1 hemmen, sogenannte DPP-IV-Inhibitoren. Kombiniert man diese Medikamente mit körperlicher Aktivität, ist ein verbesserter Behandlungserfolg zu erwarten. Diese Hypothese wird derzeit am Universitätsspital Basel in einer klinischen Studie bei Übergewichtigen und Diabetikern getestet.

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=35707

Originalbeitrag

Helga Ellingsgaard, Irina Hauselmann, Beat Schuler, Abdella M Habib, Laurie L Baggio, Daniel T Meier, Elisabeth Eppler, Karim Bouzakri, Stephan Wueest, Yannick D Muller, Ann Maria Kruse Hansen, Manfred Reinecke, Daniel Konrad, Max Gassmann, Frank Reimann, Philippe A Halban, Jesper Gromada, Daniel J Drucker, Fiona M Gribble, Jan A Ehses & Marc Y Donath

Interleukin-6 enhances insulin secretion by increasing glucagon-like peptide-1 secretion from L cells and alpha cells

Nature Medecine, published online october 30, 2011; doi: 10.1038/nm.2513

http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/abs/nm.2513.html – Abstract

Kommentar & Ergänzung:

Die Phytotherapie hat beim Thema Diabetes bisher keine wirklich überzeugenden Heilpflanzen-Anwendungen anzubieten.

Sowohl bei der Bittermelone / Bittergurke als auch beim Zimt sind noch sehr viele Fragen offen.

Siehe:

Phytotherapie bei Diabetes Typ 2

Pflanzenheilkunde: Zimt gegen Diabetes kontovers beurteilt

Bittermelone / Bittergurke gegen Diabetes?

Bittergurken wirksam gegen Diabetes?

Immerhin kann man aber sagen, dass mit „Bewegung“ und „Ernährung“ zwei wichtige Säulen der Naturheilkunde in der Diabetes-Therapie eine wichtige Rolle spielen.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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